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Mehrsprachigkeit und Arbeitswelt


Literaturübersicht

Renata Coray
Alexandre Duchêne

2017

Bericht des Wissenschaftlichen Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit
Herausgeber | Publié par
Institut für Mehrsprachigkeit
Mehrsprachigkeit und Arbeitswelt
www.institut-mehrsprachigkeit.ch —
Institut de plurilinguisme Literaturübersicht
www.institut-plurilinguisme.ch —
AutorInnen | Auteurs Renata Coray
Renata Coray, Alexandre Duchêne Alexandre Duchêne
Das vorliegende Projekt wurde im Rahmen des Arbeitsprogramms 2012 – 2014 des Wissenschaftlichen
Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit durchgeführt. Für den Inhalt dieser Veröffentlichung sind
die AutorInnen verantwortlich.

Le projet dont il est question a été réalisé dans le cadre du programme de travail 2012 – 2014 du
Centre scientifique de compétence sur le plurilinguisme. La responsabilité du contenu de la présente
publication incombe à ses auteurs.

Freiburg | Fribourg, 2017

Layout
Billy Ben, Graphic Design Studio

2017

Bericht des Wissenschaftlichen Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit

2017.001
2 3

Inhaltsverzeichnis

Einleitung 4

1 Sprache und Arbeit:


Eckpunkte eines interdisziplinären Forschungsgebiets 7 5
Management der Sprachenvielfalt 41

1.1 Interaktionsanalytische, pragmatische und kritische soziolinguistische Perspektiven 7 5.1 Spannungsverhältnis zwischen offiziellem Sprachmanagement
1.2 Wirtschaftslinguistische, sprachpolitische und sprachökonomische Perspektiven 9 und Sprachpraktiken 42
1.3 Steigender Orientierungsbedarf in einem weiten Feld 12 5.2 Sprachmanagement, -bedarf und -verwendung in Unternehmen 44
1.4 Zusammenfassung 15 5.3 Sprachökonomische Studien 49
5.4 Stellung von Minderheitensprachen in der Arbeitswelt 51

2 Mehrsprachigkeit in einer sich


wandelnden Arbeitswelt 16
5.5 Zusammenfassung 54

2.1
2.2
Soziohistorischer Wandel und Sprache
Internationalisierung und Sprache
16
17
6
Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit 55

2.2.1 Interkulturelle Kommunikation in der Geschäftswelt 18 6.1 Mehrsprachige Praktiken und Repräsentationen 55
2.2.2 Englisch als Lingua franca in der Geschäftswelt 21 6.1.1 Optionen und Faktoren der Sprachwahl 55
2.3 New Economy und Sprache 23 6.1.2 Sprachliche Inklusions- und Exklusionsprozesse 57
2.4 Zusammenfassung 26 6.1.3 Multilanguaging und Codeswitching in mehrsprachigen Arbeitssettings 58
6.1.4 Repräsentationen von Sprachen, sprachlichen Praktiken und Politiken 61

3 Zugang zum Arbeitsmarkt und


Sprache als Selektionsmittel 27
6.2


Mehrsprachigkeit in ausgewählten Arbeitsbereichen
6.2.1 Callcenters
6.2.2 Tourismus
62
62
64
3.1 Gatekeeping, linguistic penalty und Fremdsprachenkompetenzen 6.2.3 Werbung und Marketing 65
im Job- und Beförderungsinterview 27 6.2.4 Weitere Bereiche im Tertiärsektor 66
3.2 Language proficiency als Mittel zur Regulierung der Arbeitsmigration 29 6.2.5 Mehrsprachige Praktiken im ­Sekundärsektor 67
3.3 Zusammenfassung 31 6.3 Zusammenfassung 69

4 Sprachliche Sozialisierung am Arbeitsplatz


und Berufsbildung 32 7 Valorisierung der Mehrsprachigkeit in der
Arbeitswelt und weitere Desiderata 71

4.1
4.2
Sprachliche Sozialisierung und Sprachausbildung am Arbeitsplatz
Sprache in der Berufsbildung
4.3 Zusammenfassung
32
37
40
8
Abkürzungsverzeichnis 74

9
Bibliografie 75
4 5

Einleitung Einleitung

Die wachsende Bedeutung von Sprache und Angesichts der seit einigen Jahren stark zuneh- logen4 und -psychologen sowie von Betriebs- bzw. der Rolle von Englisch als Lingua franca führt, 3)
Sprachkompetenzen in der Arbeitswelt, auf allen menden Anzahl wissenschaftlicher Studien zur Businessmanagement-Wissenschaftlern konsul- Studien zur Globalisierung der Arbeitswelt im
Hierarchiestufen und über den Tertiärsektor hin- mehrsprachigen Arbeitswelt kann die vorliegende tiert, insofern sie sich zum Thema Mehrsprachig- Spätkapitalismus, die auf die zunehmende Bedeu-
aus, wird seit einigen Jahren in allen Artikeln zum Literaturübersicht bei weitem keinen vollständigen keit äussern. tung von Sprachkompetenzen allgemein und von
Thema hervorgehoben und deshalb als schon fast Überblick des Forschungsstandes leisten. Sie Die Struktur der Literaturübersicht ist quasi Spracharbeit im stark wachsenden Teritiärsektor
„banale Feststellung“ bezeichnet (Mondada 2004: muss sich beschränken, einerseits zeitlich, ande- chronologisch, entlang der verschiedenen Etappen eingehen.
32). Als Gründe gelten die zunehmende wirt- rerseits bezüglich primär fokussierter Disziplinen, des Arbeitsprozesses konzipiert. Diese Etappen Das dritte Kapitel befasst sich mit dem Zu-
schaftliche Internationalisierung und Globalisie- Bereiche, Länder und Redaktionssprachen: Im Zen- entsprechen bis zu einem gewissen Grad auch dem gang zum Arbeitsmarkt. Im Zentrum steht die so-
rung, Mobilität und Migration sowie technologische trum steht die soziolinguistische Fachliteratur, die sich wandelnden Fokus der Forschung zur Mehr- ziolinguistische Literatur zur Rolle von Sprache
Innovationen, die zu mehr beruflichen Sprachkon- seit Ende des 20. Jahrhunderts zum Thema Mehr- sprachigkeit in der Arbeitswelt, die sich früh mit und Sprachkompetenzen als Selektionsinstrument
takten führen, weshalb zwei- und mehrsprachig1 sprachigkeit und Arbeitswelt erschienen ist, und Fragen der sprachlichen Ausbildung und Soziali- und Mittel zur (Re-)Produktion von sozialer Un-
arbeitende Unternehmen und Angestellte heute zwar mit besonderem Augenmerk auf die europäi- sierung am Arbeitsplatz befasst hat und heute die gleichheit. Diese Literatur befasst sich einerseits
verbreitet sind. Darüber hinaus haben neue Ar- sche Literatur, die in englischer, französischer, mehrsprachigen Praktiken und Repräsentationen mit den Sprachkompetenzen als Selektionsinstru-
beitsmodelle mit (teilweise nur scheinbar) flache- deutscher und in geringerem Umfang auch in itali- sowie die Valorisierung von mehrsprachigen Kom- ment im Vorstellungs- und Beförderungsgespräch
ren Hierarchien, mit mehr Verantwortung auch für enischer Sprache verfasst worden ist. Um den Rah- petenzen in den Vordergrund rückt. und mit Auswirkungen wie gatekeeping und lin­
Angestellte ohne Führungspositionen sowie deut- men der Arbeit nicht zu sprengen, können einige Das erste Kapitel skizziert grob den Rahmen guistic penalty, andererseits mit Fragen der Regu-
lich mehr (mündliche und schriftliche) Kommunika- wichtige Bereiche nur sehr marginal oder gar nicht und einige Eckpunkte dieses interdisziplinären lierung der Arbeitsmigration mittels sprachlicher
tion bei der Vorbereitung, Ausübung und Eva- ­berücksichtigt werden (so etwa die informelle Forschungsgebiets. Es werden die wichtigsten the- Vorgaben.
luation der Arbeit dazu geführt, dass es kaum ­Wirtschaft, die mehrsprachige literacy oder die Ar- oretisch-methodologischen Ansätze in der For- Im vierten Kapitel stehen die sprachliche So-
mehr Arbeitsplätze gibt, an welchen es ohne gute beitswelten Schule, internationale ­Organisationen schung über Sprache und Arbeit kurz dargestellt zialisierung am Arbeitsplatz und die Rolle von
sprachliche und kommunikative Kompetenzen geht. oder NGOs). Ausgehend von den wichtigsten so- und einige exemplarische Studien erwähnt. Diese Sprache bei der Berufsbildung im Zentrum. Bezüg-
Die mehrsprachige Arbeitswelt ist ein per De- ziolinguistischen Zeitschriften, die für die Jahre befassen sich anfänglich mit der Rolle und den lich Sprachfördermassnahmen am Arbeitsplatz ha-
finition interdisziplinäres Forschungsgebiet. Es ist 2000 bis Anfang 2015 systematisch auf entspre- ­Eigenheiten von Sprache allgemein in der Arbeits- ben wir v.a. Literatur aus dem englischsprachigen
sowohl für diejenigen Disziplinen von Interesse, die chende Artikel hin durchsucht worden sind,3 haben welt, und zwar aus einer monolingualen Per- Raum, Literatur zu EU-Projekten und zu aktuellen
sich mit Fragen der Sprache und Mehrsprachigkeit wir unser Korpus sukzessive vergrössert: Wieder- spektive, erst später auch mit Fragen der Mehr- Projekten in der Schweiz rezipiert. Bei der Rolle
auseinandersetzen (v.a. Sprach-, Kommunikations- holt in der Fachliteratur erwähnte Artikel, die in sprachigkeit. Berücksichtigt werden soziolinguis- von Sprache während der Berufsbildung haben wir
und Erziehungswissenschaften), als auch für die- anderen Zeitschriften publiziert wurden, sind tische Ansätze, die historische, pragmatische, uns primär auf Literatur aus der Schweiz be-
jenigen Disziplinen, die sich mit der Arbeitswelt ebenfalls in das Korpus aufgenommen worden. Und interaktionale und kritische Perspektiven einneh- schränkt.
befassen (v.a. Wirtschafts-, Arbeits-, Verwal- selbstverständlich wurden auch wichtige Werke men. Darüber hinaus werden wirtschaftslinguisti- Das fünfte Kapitel gibt Einblick in die Litera-
tungs- bzw. Managementwissenschaften, aber vor 2000 mitberücksichtigt und sind wiederholt er- sche Ansätze, inkl. Business-Communication- tur zu sprachpolitischen Regulierungen der Ar-
auch Arbeitssoziologie und Politologie). In der hier wähnte Beiträge aus der umfangreichen aussereu- Forschung, sowie sprachpolitische und sprachöko- beitswelt sowie zum Sprachmanagement innerhalb
im Zentrum stehenden Soziolinguistik lässt sich ein ropäischen (v.a. nordamerikanischen und austra- nomische Ansätze zur Erforschung von Sprache in von Unternehmen. Dabei zeigen etliche empirische
wachsendes Interesse für dieses Forschungsge- lischen) Literatur zum Thema nicht ignoriert der Arbeitswelt vorgestellt. Abschliessend werden Studien ein Spannungsverhältnis zwischen Sprach-
biet beobachten. Die meisten Forschenden stellen worden. Zudem wurden nebst ­soziolinguistischen einige Übersichtsartikel zum Thema präsentiert. politik und Sprachpraktiken auf. Ebenfalls in die-
fest, dass es bisher nur wenig soziolinguistische auch soziologische, polito­logische und ökonomi- Das zweite Kapitel fokussiert die Literatur, sem Kapitel werden die wichtigsten und oft
Untersuchungen zur Mehrsprachigkeit in der Ar- sche Studien zum Thema mitberücksichtigt. Darü- die sich mit den Einflüssen des Wandels der Ar- zitierten (Fragebogen-)Erhebungen zu Sprachma-
beits- und Geschäftswelt gebe, ganz im Gegensatz ber hinaus wurden Artikel von Organisationssozio- beitswelt auf den Stellenwert von Sprache am Ar- nagement, -bedarf und -verwendung in Unterneh-
zu den gut erforschten Gebieten der Mehrspra- beitsplatz befasst. Dabei stehen drei Richtungen men in Europa und der Schweiz präsentiert. Es wird
chigkeit in der Schule oder in der Familie (z.B. im Vordergrund, die eine soziolinguistische und in- auch Literatur erwähnt, die sich mit der Position
Mondada 2004, Roberts 2007, Berthoud, Grin & terdisziplinäre Perspektive auf diesen Wandel und von Minderheitensprachen in der A ­ rbeitswelt und
Lüdi 2010, Kelly-Holmes 2010b, Lüdi 2012).2 2 | Die Literaturverweise erfolgen chronologisch geord- dessen Folgen einnehmen: 1) Studien zum histori- den diesbezüglichen sprachpolitischen Regu­
net nach Erscheinungsjahr (ohne Anspruch auf Vollstän- schen Wandel der Rolle von Sprache in der Arbeits- lierungsbemühungen befasst. Ebenfalls in den
digkeit, was wir ab und zu mit einem einleitenden „z.B.“
in Erinnerung rufen). welt, 2) Studien zur Internationalisierung der Dienst sprachpolitischer Opti­mierungen stellen
Arbeitswelt, die zu einer erhöhten Aufmerksamkeit sich sprachökonomische Studien, die abschlies­
3 | An dieser Stelle sei Moritz Sommet und seinem Team
für die wertvolle Hilfe bei der Literaturrecherche und für Fragen der interkulturellen Kommunikation und send in Kapitel fünf präsentiert werden.
1 | Die Bezeichnungen „mehrsprachig“ und „Mehrspra- Korrekturlektüre der Bibliografie gedankt. Ebenfalls ein
chigkeit“ verwenden wir im Folgenden immer im Sinn von herzliches Dankeschön geht an Susanne Obermayer für
mehr als eine Sprache und folglich inklusive zweisprachig ihre sorgfältigen Korrekturlektüren und Layoutkontrollen 4 | In der vorliegenden Literaturübersicht wird das ge-
bzw. Zweisprachigkeit. Vgl. dazu z.B. Cenoz (2013). der vorliegenden Publikation. nerische Maskulin verwendet.
6 7

Einleitung 1 Sprache und Arbeit:


Eckpunkte eines interdisziplinären
Forschungsgebiets
Im sechsten Kapitel rücken Studien zum mehr-
sprachigen Arbeitsprozess selbst ins Zentrum. Die
umfangreiche Literatur wird in einem ersten Unter- Mit Sprache in der Arbeitswelt befassen sich For- menhang gebracht. Historisch orientierte Studien,
kapitel gruppiert nach Studien, die sich mit mehr- schende verschiedenster Disziplinen. In der So- wie sie exemplarisch mit Werken wie Paroles au
sprachigen Praktiken und deren Wirkungen befas- ziolinguistik (und in angrenzenden sprachwissen- travail (Boutet 1995) oder La part langagière du
sen: Im Zentrum stehen die Aspekte Sprach- schaftlichen Richtungen, die Sprache ebenfalls travail (Boutet 2001) verbunden sind, analysieren
wahl, sprachliche Inklusions- und Exklusionspro- als soziale Aktivität analysieren) steht die Rolle den Wandel der Rolle von Sprache in der Arbeit
zesse, mehrsprachige Kommunikationsstrategien von Sprache und Interaktion bei der Organisation seit dem 19. Jahrhundert. Studien der kritischen
und -ordnungen sowie Repräsentationen von von Arbeit und von Arbeitsbeziehungen sowie bei Soziolinguistik jüngerer Provenienz stellen aktu-
sprachlichen Praktiken. In einem zweiten Unterka- der (Re-)Produktion der sozialen Ordnung im Vor- elle sprachliche Entwicklungen in der zunehmend
pitel skizzieren wir die wichtigsten Aspekte aus dergrund. Bis in die 1990er-Jahre ist die Mehr- mehrsprachigen Arbeitswelt in einen umfassenden
der Literatur zu den heute stark beachteten und sprachigkeit aber noch kaum ein Thema. Ab diesem soziopolitischen und -ökonomischen Kontext
sprachintensiven Dienstleistungsbereichen Call- Zeitpunkt rückt nicht nur in der Soziolinguistik, (Duchêne & Heller 2012).
centers, Tourismus und Werbung. Abschlies­send sondern auch in anderen sozialwissenschaftlichen Konversationsanalytische und ethnometho-
werden Studien zu mehrsprachigen Praktiken und Disziplinen die Mehrsprachigkeit in der Arbeits- dologische Forschungen zu Sprache in der Arbeits-
Ideologien im bisher wenig erforschten Sekundär- welt in den Fokus. Das folgende Kapitel gibt einen welt befassen sich vor allem mit mikrostrukturellen
sektor vorgestellt. kurzen Überblick über die wichtigsten Strömungen sprachlichen Interaktionen und Organisationspro-
Im letzten Kapitel befassen wir uns mit der in und theoretisch-methodologischen Orientierun- zessen in Institutionen und konkreten Arbeitssi-
der präsentierten Literatur regelmässig aufgewor- gen, die später noch ausführlicher thematisiert tuationen. Sie basieren auf der Konzeption von
fenen Frage der Valorisierung von Sprachkompe- werden. Zuerst gehen wir auf interaktionsanalyti- Interaktion als Ort der (Re-)Produktion der sozia-
tenzen in der Arbeitswelt und verweisen ab- sche, pragmatische und kritische soziolinguisti- len Ordnung. Die Konversationsanalyse (CA) ana-
schliessend auf ausgemachte Lücken und For- sche Ansätze zur Erforschung von Sprache in der lysiert authentische interaktionale Daten und
schungsdesiderata. Arbeitswelt ein. In einem zweiten Unterkapitel ste- deren Organisation (z.B. Turns und Techniken der
hen wirtschaftslinguistische, sprachpolitische Redezuteilung) anhand von detailliert transkribier-
und sprachökonomische Forschungsrichtungen im ten Audio- und Videoaufnahmen, die heute auch
Zentrum. Im letzten Unterkapitel werden einige ak- zunehmend einer multimodalen Interaktionsanaly-
tuelle Übersichtsartikel zur Mehrsprachigkeit in se unterzogen werden (z.B. Ticca 2012 am Beispiel
der Arbeitswelt präsentiert. der Beendigung von Gesprächen in einer Reise-
agentur in Neapel). Die CA vermag gemäss Monda-
da (2006) aufgrund ihrer Sensibilität für den
1.1 Kontext und den Feinablauf einer Interaktion sowie
Interaktionsanalytische, pragmati- für die emische Perspektive der Teilnehmenden ein
sche und kritische soziolinguisti- Wissen über verschiedenste berufliche und insti-
sche Perspektiven tutionelle Situationen zu generieren. Im englisch-
sprachigen Raum macht Mondada (2006) drei
Forschungsarbeiten in der Tradition der ange- konversationsanalytische Strömungen aus: 1. Stu-
wandten Linguistik, interaktionalen Soziolinguis- dien zum institutional talk-in-interaction, d.h.
tik, der Diskurs- und Konversationsanalyse, der Analysen von (vorerst monolingualen) institutio-
Pragmatik und Sprechakttheorie, die sich detail- nellen und Arbeitsinteraktionen, z.B. vor Gericht,
liert mit der sprachlichen Interaktion am Arbeits- in Schulen oder medizinischen Konsultationen (seit
platz befassen, und zwar vorerst v.a. aus mo- den 1980er-Jahren, v.a. Drew & Heritage 1992, Sa-
nolingualer Perspektive, werden im englischen und rangi & Roberts 1999), 2. Analysen komplexer Ar-
französischen Sprachraum mit Referenzwerken wie beitssituationen in den workplace studies (seit
Talk at work (Drew & Heritage 1992), Talks, work Ende der 1980er-Jahre, v.a. Suchman 1987, 1996,
and institutional order (Sarangi & Roberts 1999), Goodwin & Goodwin 1996, Heath & Luff 2000,
Langage et travail (Borzeix & Fraenkel 2001) und Mondada 2003 u.a.) und 3. ethnomethodological
Handbook of communication in organisations and studies of work (ab den 1990er-Jahren, v.a. But-
professions (Candlin & Sarangi 2011) in Zusam- ton 1993, Button & Sharrock 1998 u.a.).
8 9

Kapitel 1 Kapitel 1
Sprache und Arbeit: Eckpunkte eines interdisziplinären Forschungsgebiets Sprache und Arbeit: Eckpunkte eines interdisziplinären Forschungsgebiets

Studien aus dem französischsprachigen Raum, die 2005). Dabei werden auch Zusammenhänge zwi- deutlicht in ihrer ethnografischen Forschung in ei- thentifizierung von Nischenprodukten) (vgl. mehr
sich mit language at work befassen (anfänglich schen diskursiven Kompetenzen und beruflichen ner Computerkomponentenfabrik in Silicon Valley, dazu in Kap. 2.3).
ebenfalls in primär monolingualen Settings), beru- Fertigkeiten untersucht (Bulea & Bronckhart 2006, dass neue Organisationsformen und technologi-
fen sich auf konversationsanalytische, ethnome- Bulea 2011) (vgl. dazu Kap. 4.2). sche Anforderungen neue (schriftliche) sprachli-
thodologische, soziolinguistische und mikroso- Mehrsprachige Arbeitskontexte rücken ab che Fertigkeiten erfordern, sowohl für die Pro- 1.2
ziologische Theorien und lassen sich mit Filliettaz & den 1990er-Jahren in den Fokus. Studien, die sich duktion als auch für die Ausbildung, und dass die- Wirtschaftslinguistische, sprachpo-
De Saint-Georges (2009) in fünf Gruppen auftei- explizit mit der Erforschung von mehrsprachigen se neuen Anforderungen auch Assessments mit litische und sprachökonomische
len. Eine Gruppe analysiert (analog zu den anglo- Kontexten in der Arbeitswelt befassen, lassen sich sich bringen, welche niedrigqualifizierte und/oder Perspektiven
fonen workplace studies) die Koordination und mit Roberts (2007) in eine pragmatische, eine in- fremdsprachige Arbeiter als weniger kompetent er-
Kooperation in komplexen kollektiven Aktivitäten, teraktionale soziolinguistische und eine linguis- scheinen lassen können, als sie effektiv bei der Im Vergleich zu den vorangehend erwähnten For-
z.B. in Operationssälen, industriellen Produktions- tisch-ethnografische Tradition einordnen. Prag- Arbeitsausübung sind, sodass ihre Beförderung be- schungsrichtungen befassen sich die Wirt-
stätten etc. (Miecznikowski & Mondada 2001, matische Studien analysieren Sprechakte, z.B. in hindert werden kann (Hull 1996, 1997, Katz 2000). schafts- bzw. Betriebslinguistik und die Unter-
Mondada 2001, 2004a, 2005b, Filliettaz 2004, Lingua-franca-Settings in Fabrikhallen oder in Das Programm der kritischen Soziolinguistik nehmenskommunikationsforschung bzw. Business-­
2005a, 2008, Dumazeau 2008 etc.). Andere wie- ­Arbeitssitzungen, u.a. von Europäern und Asiaten schliesslich kombiniert Ansätze der interaktiona- Communication-Forschung stärker auch mit
derum interessieren sich für Verhandlungen, Dis- (z.B. Day 1992, Willing 1992, 1997, Clyne 1994), len Soziolinguistik, der Ethnografie und der Kriti- betriebswirtschaftlichen Fragen zu Sprache am
kursstrategien und Entscheidungsprozesse, z.B. oder das facework an mehrsprachigen Arbeitsplät- schen Analysen bei der Erforschung von sprach­ Arbeitsplatz, anfänglich ebenfalls v.a. aus mono-
in der öffentlichen Verwaltung oder in Shops zen in Neuseeland (Newton 2004). Im Gegensatz lichen Praktiken in ihren historischen und sozialen lingualer Perspektive. Für den deutschen Sprach-
(Grosjean & Mondada 2004, Levy-Tadjine 2010, De- zu pragmatisch orientierten Studien, die haupt- Kontexten (Heller 2001, 2002, Duchêne, Moyer & raum erwähnt seien z.B. die Werke Unternehmens­
mazière & Glady 2011, Glady 2011, De Saint-Geor- sächlich auf Tonaufnahmen und Sprechaktanaly- Roberts 2013 etc.). Arbeit als sozialer und inter- kommunikation (Bungarten 1994), Wirtschafts­
ges 2011 etc.). Eine dritte Gruppe befasst sich mit sen beruhen, beziehen interaktionale soziolin- aktionaler Prozess wird nicht nur als Ort der Wis- kommunikation (Brünner 2000), Kommunikation in
der Analyse von persönlichen Beziehungen, Iden- guistische Studien auch ethnografische Beobach- sensproduktion und (Re-)Produktion der sozialen Betrieben (Kleinberger Günther 2003) oder Orga­
titäten und/oder Höflichkeitsformen, z.B. im De- tungen mit ein, um die communicative ecology des Ordnung untersucht, sondern auch als (historisch nisationskommunikation (Menz & Müller 2008), für
tailhandel, Haushalt etc. (Kerbrat-Orecchioni Arbeitsplatzes (Gumperz 1999) zu erfassen. Die und wirtschaftspolitisch situierter) Ort der un- den englischen Sprachraum insbe­ sondere The
2001, Traverso 2001, Filliettaz 2002, Boutet 2006, interaktionale Soziolinguistik verbindet die Analy- gleich verteilten Wissensproduktion, wo Macht­ handbook of business discourse (Bargiela-Chiap-
Cooren & Robichaud 2006, Laforest & Vincent se von sozialen Fragen der Ungleichheit, Ethnizität ausübung und soziale Exklusionsprozesse mittels pini 2009, Bargiela-Chiappini et al. 2013). Sprach-
2006, Kerbrat-Orecchioni & Traverso 2008 etc.). und Identität mit der Analyse der interaktionalen Sprache zu beobachten sind (Heller & Boutet politische und sprachökonomische Studien zu
Eine weitere Gruppe von Studien analysiert den und sequentiellen Ordnung. Sie konzentriert sich 2006). Studien dieser Strömung analysieren den Sprache und Arbeitswelt befassen sich früh auch
Einfluss von komplexen Arbeitssituationen auf die inbesondere auf contextualisation cues (Kontex- Einfluss des ökonomischen Wandels auf die mit Fragen der Mehrsprachigkeit. Hier sei insbe-
Organisation der Rede (Grosjean 1993, Boutet tualisierungshinweise) und damit zusammenhän- sprachlichen Aktivitäten in der Arbeitswelt bzw. in sondere auf Le Traitement des langues dans les
2001, 2005, Condamines & Vergely 2005 etc.). Eine gende mögliche Missverständnisse und negative einer zunehmend wissens- und dienstleistungsba- entreprises (Truchot & Huck 2009), auf Kapitel aus
letzte Gruppe umfasst Studien zum Schreiben am soziale Evaluationen in sprachlich diversen Ar- sierten Wirtschaft. Mit dem radikalen Wandel der Language policy (Spolsky 2004) und Language
Arbeitsplatz (Fraenkel 2001, Pène 2001, Veyrac beitssettings, wo die dominierende Unternehmens- Arbeit, der new work order (Gee, Hull & Lankshear management (Spolsky 2009) sowie auf The eco­
2001, Clerc & Kavanagh 2006 etc.). sprache eingefordert wird (insbes. Gumperz 1996), die von neuen Technologien und Arbeitsor- nomics of the multilingual workplace (Grin, Sfred-
Nebst Studien zu Sprache als zentrale Di- 1982a/b, 1992a/b, 1996, 2003, Roberts, Davies & ganisationsformen sowie einer zunehmenden In- do & Vaillancourt 2010) verwiesen.
mension der Arbeit, die authentische und in situ Jupp 1992, Holmes 2000) (vgl. dazu auch Kap. ternationalisierung geprägt ist, werden sprachli- Die Wirtschaftslinguistik untersucht den be-
produzierte sprachliche Daten analysieren, verwei- 3.1). Arbeiten in der Tradition der linguistischen che und kommunikative Kompetenzen unerlässlich, ruflichen Alltag auf dem Schnittpunkt zwischen
sen Filliettaz & De Saint-Georges (2009) auch auf Ethnografie erforschen die soziale Interaktion und nicht nur im Dienstleistungssektor, sondern auch Linguistik und Wirtschaft. Arbeiten dieser Rich-
Studien zu language about work, d.h. zu individu- Kommunikation in Arbeitskontexten mit ethnogra- in Produktionsstätten. Zunehmend wird die main tung analysieren die Eigenheiten der (internen und
ellen und kollektiven Repräsentationen von Arbeit, fischen und mikroethnografischen Methoden (z.B. d’oeuvre zur parole d’oeuvre (Duchêne 2009a/b) externen) Unternehmens- und Organisationskom-
die sich primär auf Interviewdaten stützen und ei- Erickson & Shultz 1982, Green & Bloome 1997). Die bzw. die workforce zur wordforce (Heller 2010b). munikation (Bungarten 1994, 1997, Menz & Müller
nen selbstreflexiven Blick fördern (Plazaola Giger & in der Fachliteratur oft erwähnte ethnografische Sprachliche Kompetenzen werden zu arbeitsmarkt­ 2008 etc.). Die in Deutschland verankerte For-
Stroumza 2007). Oft werden Daten zu language at Studie von Goldstein (1997) zeigt auf, dass nicht relevanten Fähigkeiten in einer spätkapitalisti- schungstradition der Wirtschaftslinguistik (auch:
und about work kombiniert analysiert, so z.B. in nur praktische, sondern auch symbolische Fakto- schen Gesellschaft, die den Arbeiter als bundle of Wirtschaftsgermanistik) geht auf die frühen Jahr-
Studien der Genfer Forschungsgruppe Langage, ren die Sprachwahl (von portugiesischen Fabrikar- skills konzipiert (Urciuoli 2008, Urciuoli & LaDousa zehnte des 20. Jahrhunderts zurück, wo sie sich
Action, Formation (LAF) zur Rolle der Sprache bei beiterinnen in Ontario) beeinflussen und dass 2013). Die sprachlichen Anforderungen oszillieren in den Dienst der Unternehmen stellte, indem sie
der Erfüllung und der Interpretation der Arbeit in Eng­lischfördermassnahmen nicht automatisch zu dabei zwischen Standardisierung (zwecks Kontrol- z.B. Übersetzungs- und Terminologiefragen unter-
Arbeitssettings wie Pflege, Phar maindustrie oder verbesserten Jobchancen führen (vgl. mehr dazu le und grösserer Reichweite) und Variabilität suchte, um die handelssprachliche Ausbildung zu
Schule (Bronckart et al. 2004, Filliettaz & Bronckart in Kap. 4.1). Hull (1996, 1997, 1999) ihrerseits ver- (zwecks flexibler Anpassung an Kunden und Au- verbessern. Nach dem Zweiten Weltkrieg und unter
10 11

Kapitel 1 Kapitel 1
Sprache und Arbeit: Eckpunkte eines interdisziplinären Forschungsgebiets Sprache und Arbeit: Eckpunkte eines interdisziplinären Forschungsgebiets

dem Einfluss des Strukturalismus wuchs das Inte- Konstruktionen nicht mit der externen Umgebung, welt leisten sprachpolitische Studien. Sie befassen Rasmussen & Piekkari 2006, Piekkari 2009, Angouri
resse für die Besonderheiten von sprachlichen d.h. den materiellen agronomischen Sachzwängen sich mit der Sprachpolicy und dem Sprachmanage- 2013), was auch eine flexible Anpassung an
Systemen und Subsystemen in Unternehmen und übereinstimmten (Cyr 2005). Interaktionale ma- ment in öffentlichen und privaten Institutionen und rasch wechselnde Sprachbedürfnisse erlaube
rückte die Fachsprachen- und Fachtextforschung nagementwissenschaftliche Studien analysieren Unternehmen, die vor allem Regelungen und Vor- ­(Angouri & Miglbauer 2014, Mahili 2014) (vgl. mehr
ins Zentrum der Wirtschaftslinguistik (Müller Arbeitssitzungen als kollektive diskursive Konst- gaben bezüglich Sprachver­wendung, Übersetzun- dazu in Kap. 5.2).
2006: 10–19). Gemäss Kleinberger Günther (2003, ruktionsleistungen, die auch auf mikrolinguisti- gen, Sprachkompetenzen, sprachliche Aus- und Staatliche sprachpolitische Vorschriften ge-
2004) zeichnet sich die Wirtschaftslinguistik auch scher Ebene die Schaffung einer gemeinsamen Weiterbildung, Personalrekrutierung und -ent- genüber Unternehmen der Privatwirtschaft sind in
heute noch durch ein praxis- und unternehmenso- Arbeits- und episte­mologischen Grundlage nach- wicklung betreffen. In der englischsprachigen Li- der freien Marktwirtschaft kaum zu finden, gemäss
rientiertes Forschungsinteresse aus, das zur Op- vollziehen lassen (André 2006, 2010). Bei der Er- teratur ist die Rede von language policy, language Truchot & Huck (2009) kennen in der Europäischen
timierung der betrieblichen Kommunikation und forschung der mündlichen Kommunikation nach policy and planning oder language management, Union nur Frankreich, Belgien, Polen und Sloweni-
Informationsvermittlung beitragen will, wobei neu- aussen stehen insbesondere die Interaktionen mit in der französischsprachigen Literatur von amé­ en solche. Am weitesten gehe die Loi Toubon in
erdings auch Fragen der interkulturellen Kommu- Kunden in Dienstleistungsunternehmen im Zentrum nagement linguistique.5 Tendenziell werden staatli- Frankreich, die mit der zunehmenden Globalisie-
nikation und Mehrsprachigkeit und insbesondere des Interesses: z.B. die Beziehungs­arbeit und fa- che Vorgaben eher unter dem Begriff „Sprachpolitik“, rung der Wirtschaft und wachsenden Anzahl von
auch von Englisch als Lingua franca aufgegriffen tische Kommunikation in Quartierläden in Quito/ unternehmerische Regulierungen eher unter dem internationalen Fusionen auf die Schwächung des
werden. Seit der „linguistischen Wende“ auch in Equador (Placencia 2004) oder d ­ ie ­(potenziell kon- Begriff „Sprachmanagement“ zusammengefasst Französischen in der Wirtschaft reagierte und seit
den Wirtschaftswissenschaften werden die kom- fliktträchtigen) Interaktionen ­zwischen Kunden (ein Definitionsversuch findet sich z.B. bei Lüdi, 1994 vorschreibt, dass „tout document compor­-
munikativen Kompetenzen von Angestellten auch und Angestellten mit unterschiedlichen sprach­ Höchle Meier & Yanaprasart 2013: 60). Im Gegen- tant des dispositions nécessaires au salarié pour
als Produktionsfaktor wahrgenommen (Menz & lichen Ressourcen in ­ einem halbstaatlichen satz zum Bereich Schule ist der Bereich Wirtschaft l’exécution de son travail“ auf Französisch vorlie-
Müller 2008). Und mit der Rezeption der interakti- Wasserversorgungsun­ternehmen in Galizien (Pre- relativ spät in den Fokus sprachpolitischer For- gen müsse (Truchot & Huck 2009: 13). Spolsky
onalen Soziolinguistik in der Wirtschaftslinguistik go-Vázquez 2007). schungsarbeiten gelangt (Spolsky 2007, 2009). (2009: 53, 64) erwähnt als weitere Beispiele staat-
nehmen diskursanalytische Forschungen in Unter- Im englischsprachigen Raum werden For- Einflussreich innerhalb der Forschung zu Sprach- licher Vorgaben an die Adresse von Wirtschafts-
nehmen zu, z.B. zu Instruktionsdiskursen in der schungen zur Unternehmenskommunikation unter politik und Sprachmanagement in der Arbeitswelt unternehmen China, wo das Topmanagement von
­betrieblichen Ausbildung (Brünner 1987), zu (mehr- dem Begriff der Business Communication (BC) zu- ist die Language Management Theory (LMT) von Sicherheitsfirmen einen Mandarin-Test ablegen
sprachigen) Geschäftsverhandlungen (­Ehlich & sammengefasst. Seit dem discursive turn hat sich Jernudd & Neustupný (1987). Diese geht von einer müsse, und Québec, wo es zahlreiche staatliche
Wagner 1995) oder zur Ethnografie der Unterneh- auch innerhalb der BC-Forschung ein Interesse an dialektischen Beziehung zwischen der Identifika- Vorgaben für Geschäfts­inhaber gebe. Explizit ge-
menskommunikation in einem multinationalen deut- der (kritischen) Diskursanalyse entwickelt und tion von Sprachproblemen auf der Mikroebene und gen eine zu starke sprachpolitische Regulierung
schen Automobilzulieferer-Konzern (Müller 2006). werden auch die in Arbeitssettings diskursiv und der Initiierung von sprachplanerischen Massnah- von Unternehmen (angesichts der als zu ambitiös
Aufgrund des eher schwierigen Datenzu- interaktional (re-)produzierten Macht- und Un- men auf der Makroebene aus (Nekvapil & Nekula bezeichneten Loi Toubon in Frankreich) und für den
gangs gibt es aber erst seit relativ Kurzem empiri- gleichheitsverhältnisse analysiert. In The hand­ 2006). Dabei kann es sowohl zu einem simple Verbleib im sprachpolitisch „toten Winkel“ und für
sche Studien zur betrieblichen Kommunikation book of business discourse (Bargiela-Chiappini ­management bzw. einem discourse-based manage­ eine „responsabilité sociolinguistique de l’entre-
(Behr et al. 2010). In wirtschaftslinguistischen 2009, Bargiela-Chiappini et al. 2013) finden sich ment auf der Ebene individueller Sprecher als auch prise“ spricht sich z.B. der französische Verwal-
Forschungen lässt sich ein besonderes Interesse Übersichtsartikel zur Business-Discourse-For- zu einem organised management bzw. d ­ irected ma­ tungswissenschaftler Saulière (2013: 275) aus.
für Besprechungen und Sitzungen ausmachen. schung in Europa und anderen Kontinenten und nagement auf der Ebene staatlicher und anderer Auf der Ebene der Unternehmen scheint es
Studien (in vorwiegend monolingualen Settings) Ländern sowie zu verschiedenen Aspekten, z.B. Institutionen kommen, wobei dies auch mit Fragen ebenfalls nicht viele explizite sprachpolitische Vor-
haben beispielsweise die kommunikative Effizienz zum internationalen Management (Piekkari 2009) der Ideologie und der Macht zur Durchsetzung der schriften zu geben. Wiederholt wird darauf ver­
aus linguistischer Perspektive und basierend auf oder zur interkulturellen Kommunikation (Piller eigenen Interessen zusammenhängt (z.B. Spolsky wiesen, dass Sprache in internationalen Un-
ethnografischen Daten erforscht (Dannerer 2005, 2009), in welchen punktuell auch Fragen der mehr- 2004, Nekvapil & Nekula 2006, Shohamy 2006, An- ternehmen lange „the forgotten factor in multina-
2008) oder anhand von mikrostrukturellen Analy- sprachigen Kommunikation thematisiert werden gouri 2013). Neuerdings werden auch ein bewuss- tional ­management“ (Marschan, Welch & Welch
sen von Besprechungen in Unternehmen die wich- (vgl. mehr dazu in Kap. 2.2). Insgesamt wird für die tes non-management und eine strategic ambiguity 1997) g­ ewesen sei. Auch in der Forschung ist das
tige Funktion von Gliederungssignalen bzw. back Management- und Marketingforschung jedoch konstatiert, mittels welcher die Direktion das Sprachmanagement in der Arbeitswelt bis vor eini-
channel behavior zwecks Basis-Verständigung festgestellt: „the domain of multilingualism is still ­Management der sprachlichen Diversität an die gen Jahren kaum beachtet worden. Die finnische
aufgezeigt (Lopuchovská & Liedka 2007). Dis- problematically understudied and undertheorised“ Angestellten delegiert (Fredriksson, Barner-­
­ Organisations- und Business-Spezialistin (Mar-
kursanalytisch orientierte management­ wis­ (Jack 2010: 18), was auch zur For­derung nach schan-)Piekkari und ihr Team haben seit Ende der
senschaftliche Studien haben die (innerbetrieb- ­einem multilingual turn in der Management-­ 1990er-Jahre Pionierarbeit in diesem Bereich
5 | Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem
liche) diskursive Konstruktion von Organisationen Ausbildung und -Forschung führte (Cohen, Kas- weiten Feld der Sprachpolitik, in welchem die normati- geleistet. In Human-Resources-Management-
­
analysiert, z.B. anhand der fehlgeschlagenen
­ sis-Henderson & Lecomte 2015). ven Vorgaben in und zuhanden der Arbeitswelt nur ein (HRM) und Business-Communication-Zeitschriften
Teilgebiet darstellen, siehe z.B. die in den letzten Jahren
­Reorganisation eines französischen Agrokonzerns, Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Erfor- erschienenen Sammelbände von Ricento (2006, 2015)
finden sich seither etliche Studien zu Sprachpolitik
dessen neue Führungsriege bzw. deren diskursive schung des Themenbereichs Sprache und Arbeits- und Spolsky (2012). und -management in der Arbeitswelt (Thomas
12 13

Kapitel 1 Kapitel 1
Sprache und Arbeit: Eckpunkte eines interdisziplinären Forschungsgebiets Sprache und Arbeit: Eckpunkte eines interdisziplinären Forschungsgebiets

2008, Van den Born & Peltokorpi 2010). Im Fokus zentriert sich v.a. auf die Migranten in den USA schen der sprachzentrierten und sprachintensi- chen Praktiken und der Spracharbeit in Callcenters
des Interesses stehen dabei v.a. die multinational und den Einfluss ihrer E ­ nglischkompetenzen auf ven (Management-)Arbeit, der sprachmarginalen und im Tourismus. Die schwedische Soziolinguistin
companies (MNCs). Ein Überblick zum Stand der das Einkommen (v.a. C ­ hiswick & Miller 2007). Ab (Produktions-)Arbeit und der sprachminimalen Ar- Gunnarsson (2013a/b, 2014) schliesslich behan-
sprachpolitischen Forschung in MNCs aus Sicht den 1990er-Jahren geraten ökonomische Evalua- beit in rein manuellen (Fliessband-)Tätigkeiten un- delt in ihren Beiträgen v.a. Studien aus Ländern, in
der HRM-Spezialisten findet sich in Piekkari et al. tionen (Kosten-Nutzen-Analysen) sprachpoliti- terscheidet. Diese Typen der Sprachverwendung welchen Englisch als Hauptsprache verwendet
(2005). In diesen Studien werden multinationale scher Massnahmen (insbesondere Schutz- und bringt er in Zusammenhang mit den verschiedenen wird, wobei Aspekte wie Jobzugang, Sprachtests
Unternehmen als mehrsprachige Organisationen Fördermassnahmen von Minderheitensprachen so- Hierarchien und Machtpositionen, welche die Aus- und sprachliche Stilisierung im Vordergrund ste-
oder mehrsprachige Gemeinschaften konzeptuali- wie Fremdsprachenunterricht) in den Fokus von übung von Kontrolle über die Produktion und die hen, sowie Studien aus Europa, insbesondere
siert (Luo & Shenkar 2006), in welchen Sprache als sprachökonomischen Studien (Grin 2010a). Seither Arbeiter bestimmen. Die britische Soziolinguistin zu mehrsprachigen Arbeitskontexten in Skandi­
Barriere (Feely & Harzing 2003), Ressource (Mar- hat sich die publizierte sprachökonomische Lite- Roberts (2007) konzentriert sich auf die unter- navien. Darüber hinaus legt sie ein Modell vor,
schan-Piekkari, Welch & Welch 1999b, Holden ratur vervielfacht (Grin 2014) (vgl. mehr dazu in durchschnittlich erforschte Mehrsprachigkeit in ­welches das dynamische Zusammenspiel zwischen
2002, Barner-Rasmussen 2003) oder Quelle der Kap. 5.3). shop floors (Produktions- und Werkstätten, Fa­ ­Ar­beitsplatzdiskursen und ihren verschiedenen
Macht (Marschan-Piekkari, Welch & Welch 1999a) brikhallen) und auf die diskursbasierten soziolingu- ­kontextuellen (geografischen, gesellschaftlichen,
operieren könne. Im Fokus vieler soziolinguisti- istischen Studien zur Interaktion am Arbeitsplatz situativ-kommunikativen) Rahmenbedingungen
scher Studien zum Sprachmanagement in Unter- 1.3 seit den 1980er-­Jahren. Dabei macht sie, wie veranschaulicht (Gunnarsson 2009, 2013b, 2014).
nehmen steht der Vergleich zwischen Policy und Steigender Orientierungsbedarf in in Kapitel 1.1 ausgeführt, drei dominierende Alle diese Übersichtsartikel rücken entweder
Praxis, wobei zahlreiche Studien zum Schluss kom- einem weiten Feld ­theoretisch-methodologische Orientierungen aus: eher die mehrsprachigen (aber hauptsächlich eng-
men, dass es ein Spannungsverhältnis zwischen ­Pragmatik, interaktionale Soziolinguistik und lin- lischsprachigen) internationalen Unternehmen
der offiziellen betrieblichen Policy und den beob- Seit Anfang des 21. Jahrhunderts hat die Literatur guistische Ethnografie. Der Soziolinguist Li (2007) (Gunnarsson 2013a/b, 2014) und globalen Han-
achteten sprachlichen Praktiken gebe (vgl. mehr zur Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt insgesamt vertieft in seinem Übersichtsartikel die sprachli- dels- und Werbestrategien (Li 2007) oder aber die
dazu in Kap. 5.1). stark zugenommen. Davon zeugen nicht nur die in chen Aspekte, die der weltweite Handel im Zeital- (mehrsprachigen) Immigranten in anglofonen Län-
Als letzte wichtige Strömung innerhalb der den letzten Jahren publizierten Übersichtsartikel ter der Globalisierung und der kapitalistischen dern und deren Konfrontation mit sprachlichen Ex-
Forschung zu Sprache in der Arbeitswelt sei hier (z.B. McAll 2003, Roberts 2007, Li 2007, Hewitt Massen- und Konsumkultur mit sich bringt: ins­ klusionsprozessen (McAll 2003, Roberts 2007,
die Sprachökonomie erwähnt. Die seit den 1960er- 2012, Urciuoli & La Dousa 2013, Gunnarsson besondere die Kosten sowie den Mehrwert der Hewitt 2012) ins Zentrum oder aber die mit der
Jahren aufgekommene, interdisziplinär orientierte 2013a/b, 2014, Hua 2014) und kommentierten ­Mehrsprachigkeit, die steigenden sprachlichen Ausbreitung des kapitalistischen Wirtschaftsmo-
Sprachökonomie befasst sich mit dem gegenseiti- Biblio­grafien (z.B. Latour 2014), sondern auch Anforderungen in globalen Unternehmen, die Aus- dells und der neoliberalen Wirtschaftsordnung
gen Einfluss von ökonomischen und linguistischen ­europäische Forschungsprojekte (z.B. Studien von breitung des Englischen und die sprachlichen einhergehende Kommodifizierung von Sprache und
Variablen, ausgehend vom Paradigma und den Kon- DYLAN und LINEE), Spezialnummern von Zeit- ­Eigenheiten von globalen Markennamen und Wer- Spracharbeit (Urciuoli & LaDousa 2013). Daraus
zepten der ökonomischen Theorie (Grin 1994a, schriften sowie Sammelbände zum Thema (z.B. bung. Der britische Soziologe Hewitt (2012) kon- ergeben sich auch Unterschiede bezüglich der fo-
1996, 2003b, 2006, 2010, 2014, Grin, Sfreddo & ­Cigada, Gilardoni & Matthey 2001, Kameyama & zentriert sich v.a. auf sprachsoziologische und kussierten Sozialschichten und Sektoren: Einige
Vaillancourt 2010). Sie versucht zu sprachpoliti- Meyer 2007, Truchot & Huck 2009, Kelly-Holmes & soziolinguistische A­ rbeiten aus Australien und Ka- Autoren konzentrieren sich in erster Linie auf Stu-
schen Entscheidungsfindungen beizutragen, Mautner 2010, Lüdi 2010, 2012, Meyer & Apfel- nada und verweist auf die in vielen Studien dien zu shop-floor- und Dienstleistungsarbeiten,
­indem sie sprachbezogene politische Optionen for- baum 2010, Studer & Werlen 2012, Berthoud,­ ­fokussierten „high-end technical, and business wo viele Migranten tätig sind (Roberts 2007), an-
muliert, auswertet und vergleicht und wissen- Grin & Lüdi 2013, Duchêne, Moyer & Roberts 2013, workplace contexts“ ­(Hewitt 2012: 275), in wel- dere eher auf Studien zu High-tech Jobs und zu
schaftliche Grundlagen zur Ermittlung einer Sherman & Strubell 2013, Angouri 2014, Duchêne & chen primär Englisch als Lingua franca verwendet international operierenden Unternehmen und Ma-
möglichst effizienten Ressourcenzuteilung und an- Daveluy 2015). werde und damit eine vom Bürgertum erlernte nagern (Gunnarsson 2013a, 2014).
gemessenen Ressourcendistribution erarbeitet Die im Folgenden (in chronologischer Rei- sprachliche Ressource. Die amerikanischen Anth- Die in den Übersichtsartikeln präsentierten
(Grin 2003, 2005). henfolge) präsentierten soziolinguistischen Über- ropologinnen Urciuoli & LaDousa (2013) befassen Studien stammen aus verschiedenen Staaten und
Ihre Anfänge hat die Sprachökonomie in Ka- sichtsartikel decken ein breites Spektrum sich in ihrer Übersicht weniger mit konkreten Kontinenten, wobei die Studien aus anglofonen
nada, v.a. Québec, wo mit statistischen Analysen verschiedener Schwerpunkte und Perspektiven mehrsprachigen Arbeitsplätzen und -interaktio- Ländern mit starker Arbeitsimmigration überwie-
Einkommensdifferenzen zwischen Anglofonen und ab, welche unterschiedliche Hierarchiestufen, nen, sondern aus kritischer Perspektive mit dem gen. Die meisten ordnen die präsentierten Studien
Frankofonen, selbst bei vergleichbarer Ausbildung Sprachräume, theoretische und epistemologische Einfluss der neo-liberalen Wirtschaftsordnung auf nach geografischer Herkunft, was aufgrund der
und Erfahrung, ermittelt wurden (v.a. V
­ aillancourt Ansätze betreffen.6 Der kanadische Sprachsozio- die Rolle von Sprache in der Arbeitswelt, insbe- unterschiedlichen sprachlichen und politischen
1996). Diese Pionierarbeiten inspirierten zahlrei- loge McAll (2003) legt einen der wenigen Typolo- sondere mit der Kommodifizierung von sprachli- Kontexte und Herausforderungen naheliegend
che weitere Studien zur ökonomischen Dimension gisierungsversuche vor und konstruiert anhand scheint. Roberts (2007) ihrerseits gruppiert die
sprachlicher Diskriminierungen (Grin 2010a). von Fallbeispielen aus der Raumfahrt-, Pharma- vorhandene Literatur aufgrund ihrer theoretisch-
6 | Weitere Übersichtsliteratur, z.B. aus management-
Nebst dieser kanadischen gibt es eine US-ameri- und Kleiderindustrie in Québec eine Typologie der wissenschaftlicher oder politologischer Perspektive, wird
methodologischen Ausrichtung in pagmatische, in-
kanische Tradition der Sprachökonomie. Diese kon- Sprachverwendung in Arbeitsprozessen, die zwi- in den entsprechenden Unterkapiteln erwähnt. teraktionale soziolinguistische und linguis-
14 15

Kapitel 1
Sprache und Arbeit: Eckpunkte eines interdisziplinären Forschungsgebiets 1 Sprache und Arbeit:
Eckpunkte eines interdisziplinären
Forschungsgebiets
tisch-ethnografische Studien. Andere wiederum
strukturieren ihren Artikel aufgrund der mit der
Entwicklung neuer Technologien, Wirtschaftsord-
nungen und Ideologien aufkommenden sprachlich 1.4
relevanten Arbeitsformen und -bereiche, wobei Zusammenfassung
insbesondere die (internationale) Spracharbeit in
Callcenters, in der Werbung, im Internet und im Das Thema Sprache und Arbeitswelt wird in ver- deninteraktionen sowie die Position des Engli-
Tourismus im Zentrum steht (Li 2007, Urciuoli & schiedenen Disziplinen und oft interdisziplinär er- schen in der Wirtschaftskommunikation.
LaDousa 2013). Einige Autoren bemühen sich, die forscht. Bis in die 1990er-Jahre wird der Mehr- Sprachpolitische Studien analysieren v.a. die
referierte Literatur bezüglich ihrer kritischen oder sprachigkeit jedoch kaum Aufmerksamkeit ge- ­unternehmerischen language-management-Stra-
weniger kritischen Positionen (Roberts 2007) zu schenkt. Dieses erste Kapitel hat die Funktion, ei- tegien, wobei ein besonderes Interesse an multi-
charakterisieren oder z­ wischen Studien zu unter- nen einleitenden Überblick über die wichtigsten nationalen Grossunternehmen auszumachen ist.
scheiden, die von reibungslosem mehrsprachigem Disziplinen und Ansätze in diesem weiten For- Die heute stark wachsende Anzahl sprach-ökono-
Arbeiten berichten und solchen, die auch Pro­- schungsfeld zu geben, welche in den folgenden mischer Studien schliesslich analysieren den
bleme aufdecken (Gunnarsson 2013a, 2014). Und Kapiteln noch ausführlicher dargestellt werden. gegenseitigen Einfluss von ökonomischen und
­
schliesslich verweisen die meisten Autoren auf den Innerhalb der Sprachwissenschaften befassen ­linguistischen Variablen. Dabei legen sie ein be-
schwierigen Feldzugang, den noch grossen For- sich vor allem die Interaktionsanalyse, Prag­matik sonderes Augenmerk auf ökonomische Dimen­
schungsbedarf und den noch geringen Theoreti- und kritische Soziolinguistik mit Sprache und sionen sprachlicher Diskriminierungen und auf
sierungsstand bezüglich Mehrsprachigkeit und Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt. Konversati- Kosten-Nutzen-Analysen von sprachpolitischen
Arbeitswelt. onsanalytische Studien untersuchen die zuneh- Massnahmen.
mend komplexen und multimodalen sprachlichen
Interaktionen und Organisationsprozesse am Ar-
beitsplatz aus mikrostruktureller Perspektive, wo-
bei lange primär monolinguale Situationen im Zen-
trum standen. Interaktionale soziolinguistische
Studien betonen die Bedeutung von ethnografi-
scher Forschung in der ­Arbeitswelt, und zwar nicht
nur auf der Teppichetage, sondern auch in Pro-
duktionsstätten. Sie verbinden die Analyse von
Fragen der sozialen Ungleichheit mit interaktions-
orientierten Analysen und fokussieren sprachliche
Missverständnisse und damit zusammenhängende
negative soziale Evaluationen. Kritische soziolin-
guistische Studien erforschen sprachliche Prakti-
ken in der Arbeitswelt in ihren historischen und
sozialen Kontexten und analysieren Arbeit als
Ort der meist ungleich verteilten Ressourcen, wo
Machtausübung und soziale Exklusionsprozesse
mittels Sprache erfolgen.
Auf dem Schnittpunkt zwischen Linguistik
und Wirtschaft erforschen die Wirtschaftslinguis-
tik und die Business-Communication-Forschung
die Sprache und Mehrsprachigkeit in der Arbeits-
welt, v.a. in der internationalen Geschäftswelt. Sie
zeichnen sich tendenziell durch ein praxis- und
unternehmensorientiertes Forschungsinteresse
aus. Im Fokus etlicher Studien stehen die kommu-
nikative Effizienz von Besprechungen, von Kun-
16 17

2 Mehrsprachigkeit in einer sich


wandelnden Arbeitswelt
Kapitel 2
Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt

Der Wandel der Arbeitswelt seit dem 19. Jahrhun- war, dass Sprechen als der Arbeit abträglich, als tigkeiten von Bedeutung. La part langagière du Hintergrund, Französisch wird nicht mehr nur als
dert hat grosse Auswirkungen auf die Rolle von Zeitverlust, Schwatzerei oder Spielerei betrachtet travail (Boutet 2001), definiert als „the implemen- politisches „Recht“, sondern v.a. auch als wirt-
Sprache im Arbeitsprozess, die in diesem Kapitel wurde. Verbale Aktivitäten wurden als unproduktiv tation of the linguistic competencies needed to do schaftlicher „Mehrwert“ postuliert, bei gleichzeitig
im Zentrum stehen. Zuerst gehen wir auf For- und moralisch schlecht konzipiert (Boutet 2008, a job“ (Boutet 2012: 208), ist heute ein wichtiger fortbestehender Bemühung um soziale Reproduk-
schungen ein, die sich dem soziohistorischen 2012). In der wissenschaftlichen Rationalisie­ - Teil der Arbeit geworden. Mit der steigenden Be- tion der frankofonen Gemeinschaft (Heller & Labrie
Wandel der Arbeit und des Stellenwertes von rung der Arbeitsorganisation nach Taylor (1911) deutung der schriftsprachlichen Fertigkeiten am 2003, Da Silva & Heller 2009, Heller 2011a/b,
Sprache aus der Perspektive der Arbeiter widmen. wird diese Konzeption aufgenommen und werden Arbeitsplatz (z.B. Moatty 2000, Rouard 2000, 2013).
Anschliessend stehen die Geschäftswelt und die Sprachaktivitäten in Fabriken als Störung und po- Fraenkel 2001, Equoy Hutin 2009) wird das Prob-
Managementperspektive im Fokus, die v.a. in tenzielle Verlangsamung der Produktivität aufge- lem des Analphabetismus „entdeckt“, da ein Teil
der Management- und Business-Communication-­ fasst. Dieses auch aufgrund struktureller Mass- der Arbeiter nicht über die in den neuen Produkti- 2.2
Literatur erforscht werden. Dabei konzentrieren nahmen bestärkte Schweigen am Arbeitsplatz onsverhältnissen gefragten schriftlichen Kompe- Internationalisierung und Sprache
wir uns auf Studien, die sich mit den Folgen der In- (Lärm, Akkordarbeit, nebeneinander stehen und tenzen verfügt. Ab den 1980er-Jahren sind
ternationalisierung der Businesswelt befassen, sich nicht anschauen können etc.) charakterisiert deshalb – v.a. wirtschaftlich und weniger humani- Mit der zunehmenden ökonomischen Internationa-
v.a. mit Fragen zur interkulturellen Kommunikation bis heute einen Teil der Arbeitsplätze: Montgo- tär motivierte – Alphabetisierungskampagnen ins lisierung ab den 1990er-Jahren kommt es v­ ermehrt
und zur Lingua franca Englisch. Im letzten Unter- mery (1993 gem. McAll 2003: 247) z.B. hat in einer Leben gerufen worden, die sich v.a. an eingewan- zu grenzüberschreitenden Firmenkontakten, -fu-
kapitel stehen Studien zur Globalisierung der Ar- Kleiderfabrik in Montréal, wo v.a. Immigranten an- derte Arbeiter richteten (Boutet 2001: 36f.) (vgl. sionen und -übernahmen. Parallel dazu unterstüt-
beitswelt im Spätkapitalismus im Zentrum, die auf gestellt waren, beobachtet, dass quasi nur in den dazu auch Kap. 4.1). zen neue, mobile Kommunikationstechnologien,
die zunehmende Bedeutung von Sprachkompeten- Pausen gesprochen wurde. Gemäss einer Umfrage Insbesondere im wachsenden dritten Wirt- insbesondere das Internet, die internationale
zen im stark wachsenden Tertiärsektor eingehen der Direction des recherches du ministère du tra- schaftssektor nimmt die Spracharbeit einen wich- Kommunikation (Evans 2013, Kankaanranta & Lou-
und Phänomene wie Spracharbeit und Kommodifi- vail (DARES) von 1992 arbeiteten 27% der franzö- tigen Stellenwert ein, v.a. im heute florierenden hiala-Salminen 2013). Gleichzeitig wächst auch
zierung von Sprache analysieren. sischen Arbeiter unter Bedingungen, in welchen Bereich des Telemarketings bzw. der Callcenters, das Interesse der Unternehmenskommunikations-
sie nicht sprechen können (Boutet 2005: 14). Die wo eigentliche travailleurs du langage arbeiten bzw. Business-Commu­nication- und Management-­
dort sich entwickelnden sprachlichen Praktiken (Boutet 2001, 2008, Heller & Boutet 2006, Duchêne Forschung an den steigenden (mündlichen und
2.1 und Sprachspiele (von Arbeitssoziologen auch als 2009b, Heller 2010a etc.) (vgl. mehr dazu in Kap. schriftlichen) Kontakten zwischen Berufs- und
Soziohistorischer Wandel und langages d’ateliers bezeichnet), z.B. Witze, ritu- 6.2.1). Aber auch in anderen Bereichen der Dienst- Geschäftsleuten verschiedener Nationalitäten und
Sprache elle Beschimpfungen, Obszönitäten etc., sind leistungsarbeit nehmen immaterielle, relationale Sprachen. Das Interesse gilt vorerst vor allem Fra-
ebenfalls Gegenstand der Forschung geworden und emotionale Dimensionen, in welchen ­immer gen der Kommunikation und Verständigung und
Der Zusammenhang zwischen den sich verändern- (Verret 1996 gem. Boutet 2001: 33, für den eng­ auch eine sprachliche Dimension mitspielt, einen weniger der Mehrsprachigkeit. Arbeiten zur inter-
den Produktionsweisen, Arbeitsorganisationsfor- lischen Sprachraum bzw. Neuseeland vgl. z.B. hohen Stellenwert ein (Borzeix, Girin & Grosjean kulturellen Kommunikation sowie zu Englisch als
men und Technologien und dem sich verändernden ­Holmes & Marra 2002 sowie Daly et al. 2004 und 1991, Borzeix & Fraenkel 2001, Boutet 2005). Lingua franca dominieren das Feld. Angesichts der
Stellenwert von Sprache im Arbeitsprozess ist erst für Schweden z.B. Nelson 2014, vgl. dazu auch Mit dem Wandel der Arbeitswelt aufgrund von umfangreichen Literatur kann hier nur ein rudi-
seit wenigen Jahren Gegenstand von interdiszip- Lønsmann & Kraft 2016). Industrialisierung, Modernisierung und Globalisie- mentärer Einblick gegeben werden, der primär auf
linären linguistischen Forschungsarbeiten. Pio- Parallel dazu hat sich seit den 1970er-Jah- rung verändert sich auch die Stellung der Minder- europäischen Studien basiert. Zahlreiche Arbeiten
nierarbeit in diesem Bereich leisteten die im inter- ren allmählich die Idee durchgesetzt, dass Spre- heitensprachgruppen. Insbesondere am Beispiel stammen aus Skandinavien und Holland, nicht zu-
disziplinären Netzwerk Réseau Langage et Travail chen nicht nur Schwatzen, sondern auch eine der frankofonen Minderheit in Kanada ist analy- letzt auch aufgrund der starken institutionellen
zusammengeschlossenen französischen Forschen­- ökonomische Ressource darstellt und dass Spra- siert worden, wie sprachliche und kulturelle Kate- Verankerung der internationalen und interkultu-
den (Boutet 1995, Borzeix & Fraenkel 2001 etc.). che und Kommunikation auch Produktivitätsfakto- gorien mit den sich wandelnden ökonomischen rellen Business-Communication-Forschung an
Weit über Frankreich hinaus zur Kenntnis genom- ren sein können (Zarifian 1990, 1996 und Veltz & Verhältnissen zusammenhängen (Heller 1999, dortigen Hochschulen (z.B. Helsinki School of
men worden sind insbesondere die Studien der So- Zarifian 1994 gem. Boutet 2001: 22, 2005: 14f.). 2011a/b, 2013, Heller & Labrie 2003 etc.): Bis lan- ­Economics bzw. Aalto University / School of Busi-
ziolinguistin Boutet (1995, 2001, 2005, 2008, Heute haben neue Produktionsweisen, Automati- ge nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Franko- ness, Aarhus School of Business und Radboud
2012 etc.). Sie hat den grundlegenden Wandel des sierung, Roboterisierung und Informatisierung fonen im Primärsektor und unter den Arbeitern University Nijmegen).
Stellenwertes von Sprache in der Arbeitswelt aus- auch neue Methoden der Personalführung (mit im Industriesektor übervertreten. Die ab den
gehend von Verhaltensreglementen aus französi- partizipativem Management, mehr Verantwortung 1960er-Jahren zu beobachtende nationalistische
schen Ateliers bzw. Werkstätten (les règlements und Selbstkontrolle sowie halbautonomen Arbeits- Mobilisierung der frankofonen Elite in Québec
d’ateliers) des 19. Jahrhunderts aufgezeigt. Die gruppen) hervorgebracht, die der Sprache an der ­verhalf ihr zu politischer Autonomie und wirt-
Analyse dieser Dokumente verdeutlicht, dass das Arbeit einen neuen Status verleihen. schaftlichem Aufstieg. Dieser politische Moderni-
Reden (ebenso wie das Pfeifen und Singen) der Nicht nur mündliche, sondern auch schriftli- sierungsdiskurs rückt mit der zunehmenden
Arbeiter Vorschriften und Verboten unterstellt che Kompetenzen sind seither in allen Erwerbstä- Globalisierung ab den 1990er-Jahren etwas in den
18 19

Kapitel 2 Kapitel 2
Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt

2.2.1 und -kompetenzen als wichtige Faktoren der inter- Thema Business and professional communication Faktor erläutert werden. Ebenfalls auf Hofstede
Interkulturelle Kommunikation in der kulturellen Kommunikation ins Blickfeld (Vander- in Asia erschienen ist (herausgegeben von Du-­ Bezug nimmt z.B. Bjørge (2007) in ihrer Analyse
Geschäftswelt meeren 1998) sowie Sprache als Schlüssel- und Babcock & Bhatia). von (je nach Herkunft formaleren oder persönliche-
Machtfaktor in multinationalen Konzernen (Mar- Aus der umfangreichen Literatur zur interkul- ren) Begrüssungs- und Verabschiedungsformeln
In Studien zur interkulturellen Kommunikation in schan-Piekkari, Welch & Welch 1999a). In einer turellen Kommunikation in der Geschäftswelt8 stel- in E-Mails oder Peltokorpis (2010) Studie zu skan-
der Geschäftswelt stehen in der Regel Interaktio- dritten, wirtschaftspolitisch orientierten Phase len wir hier eine kleine Auswahl empirischer Studi- dinavischen Expats in Japan.
nen zwischen Personen (oft Manager und Expats) jüngeren Datums stehen die Individuen und die en vor, die sich grob in zwei Gruppen einteilen Wegweisend für zahlreiche empirische Stu-
unterschiedlicher Erstsprachen im Fokus, wo- Kommodifizierung ihrer Sprach- und Kommuni­ lassen: erstens in (Business-Communication-)Stu- dien zur interkulturellen Kommunikation in der
bei (explizit oder implizit) die unterschiedlichen kationskompetenzen, d.h. die Umwandlung von dien, die tendenziell eher den Fokus auf kulturelle ­Arbeitswelt ist das Konzept des rapport man-
sprachlichen (und nationalen) Sozialisierungen als ­interkulturellen Kommunikationskompetenzen in Differenzen und beziehungsbildende Diskursstra- agement von Spencer-Oatey (2000): Sie hat unter-
Grund für unterschiedliche Kulturen, Normen und ökonomische Gewinne in ­einer Wissens-, Informa- tegien legen (Wei, Hua & Yue 2001, Spencer-Oatey & sucht, wie Interaktionspartner verschiedener Her-
Werte angenommen werden. Diesen Studien wird tions- und Dienstleistungsgesellschaft im Zentrum Xing 2000, 2004, 2005, Planken 2005, Virkku- kunft die Sprache einsetzen, um ihre Beziehungen
eine Tendenz zur Überbetonung von nationalen (vgl. Kap. 2.3). la-Räisänen 2010) und/oder Differenzierungen bei zu managen. Ihre Analysen von Geschäftsinterak-
und kulturellen Differenzen und Missverständnis- Bei den Studien zur Internationalisierung der der Kategorisierung von kulturellen Kommunikati- tionen (v.a. zwischen Asiaten und Briten) fokus­
sen attestiert (Jenkins, Cogo & Dewey 2011: 298) Arbeitswelt und Geschäftskommunikation (die der onsmustern vornehmen (Du-­Babcock & Tanaka sieren Aspekte wie Höflichkeitsformen, Anpas­-
und eine zu geringe Beachtung linguistischer The- ersten und zweiten Phase der interkulturellen 2013, Kankaanranta & Lu 2013), und zweitens in sungsstrategien, konsensuale und konfliktive
orien (Chen, Geluykens & Ju Choi 2006: 691). Da- Kommunikationsforschung nach Piller 2009 bzw. stärker (sozio)linguistisch orientierte Studien, Strategien sowie sprachliche Manifestationen von
neben ist heute auch ein Trend zur Valorisierung 2011 zuzuordnen sind) lässt sich ein besonderes welche die Existenz von kulturell bedingten Prob- Macht. Planken (2005) hat, ausgehend von Spen-
sprachlicher und kultureller Differenzen auszuma- Interesse für das interkulturelle HR-Management lemen relativieren (Evans 2013) und kontextuelle cer-Oatey (2000), das Beziehungsmanagement bei
chen, wenn in der Managementliteratur z.B. von (z.B. Barmeyer & Davoine 2011, 2012, Davoine (situative, organisationale, soziale, Macht- etc.) interkulturellen Geschäftsverhandlungen in Eng-
der Dynamik von multikulturellen Teams als Wett­ 2012), für die schriftliche Kommunikation mittels Faktoren in die Analyse miteinbeziehen (Poncini lisch als Lingua franca (ELF) mittels eines experi-
bewerbsvorteil die Rede ist (Van den Bergh & Leh- neuer Medien (v.a. E-Mails, früher auch Fax-Bot- 2004, 2007, Lauring 2006, 2011, Stalder 2010, mentellen Settings untersucht. Ihr Interesse gilt
mann 2004, vgl. dazu auch Yanaprasart 2015). Zur schaften; vgl. z.B. Kankaanranta 2005) und für die Park 2013). dem facework in beziehungsorientierten Gesprä-
Leistungsfähigkeit von mehrsprachigen Teams lie- mündliche Kommunikation in Verhandlungen und Studien der ersten Gruppe befassen sich mit chen, das sie u.a. auch in der Verwendung von
gen jedoch unterschiedliche Forschungsresultate Sitzungen ausmachen (Harris & Bargiela-Chiap­pi­ als kulturell begründeten unterschiedlichen Erwar- ­Personalpronomina, von safe talk und safe-topics
vor, wobei verschiedene Faktoren deren Effizienz ni 2003, Virkkula-Räisänen 2010). Fragen der kul- tungen und Verhandlungsstrategien. Wei, Hua & analysiert. Sie kommt zum Schluss, dass sich die
und Kreativität zu beeinflussen scheinen (Studer & turellen und kommunikativen Differenzen und Yue (2001) erläutern (mit Verweis auf Scollon & erfahrenen Verhandler durch höhere pragmatische
Hohenstein 2011: 22, Lüdi 2013a: 144). Missverständnisse in Geschäftsmeetings zwischen Scollon 1995) in Zusammenhang mit einem Meeting und strategische Kompetenzen auszeichnen und
Nach Piller (2009, 2011) und in Anlehnung an Ostasiaten und Anglofonen erlangen dabei be­ von chinesischen Geschäftsleuten die unter- nicht nur den transaktionalen, sondern auch den
Friedmans (2006) Globalisierungsphasen kann die sondere Aufmerksamkeit (Spencer-Oatey 2000, schiedlichen Phasen von Geschäftsverhandlungen, relationalen Aspekt beachten. Neuerdings findet
Erforschung der interkulturellen Kommunikation in Spencer-Oatey & Xing 2000, 2004, 2005, Nair- wobei in der amerikanisch-utilitaristischen Ideolo- auch die multisemiotische Natur von Kommunika-
der Geschäftswelt in drei historisch aufkommende, Venugolpa 2001, Bilbow 2002, Harris & Bargiela- gie stärker die Informationsfunktion, in der ostasi- tion bzw. die embodied action (Goodwin 2000)
heute jedoch koexistierende Phasen unterteilt Chiappini 2003). Das Interesse interkultureller atischen konfuzianischen Ideologie der face- ­Eingang in die internationale Business-Communi-
werden, die durch die Internationalisierung von Kommunikationsstudien am wirtschaftlich prospe- Beziehungen und Harmonie hingegen stärker die cation-Forschung: Nicht nur Sprache, sondern
Ländern, von Firmen und von Individuen geprägt rierenden asiatischen Raum zeigt sich u.a. auch Beziehungsfunktion gewichtet würden. Spencer-­ auch multimodale Interaktionen (wie Bewegungen,
werden: In einer ersten, kulturdeterministischen darin, dass eine Nummer des Journal of Business Oatey und Xing (2000, 2004, 2005) analysieren am Blicke, Kopfnicken, Gesichtsausdruck, Gestik) wer-
Phase werden Interaktionen von Staatsangehöri- and Technical Communication von 2013 (27/3) zum Beispiel von Willkommens-Geschäftsmeetings den als wichtige semiotische Ressourcen in inter-
gen unterschiedlicher Länder und deren unter- ­zwischen Repräsentanten eines britischen Unter- nationalen Geschäftsverhandlungen analysiert,
schiedliche kulturelle Werte untersucht. Studien 7 | Hofstede hat (basierend auf einer Fragebogener- nehmens und chinesischen Käufern in London die welche zum Beziehungsmanagement und zur Ver-
dieser Phase sind stark von Hofstedes (1980, hebung bei mehr als 100’000 IBM-Angestellten in 40 unterschiedlichen kommunikativen Verhalten und ständigungssicherung beitragen (Virkkula-Räisä-
Ländern in den 1960er-Jahren) vier zentrale Werteori-
1991) essentialistischem Kulturbegriff geprägt.7 Erwartungen in Sachen Reden und Schweigen. Die- nen 2010).
entierungen ausgemacht, die sich messen lassen, je
In einer zweiten, soziokonstruktivistischen Phase nach Nationalität verschieden ausfallen und die auch se führen sie auf unterschiedliche kulturelle Kon- Ebenfalls einflussreich sind die Kategorien
ab den 1980er-Jahren wird (anfänglich v.a. in Zen- die Arbeits- und Kommunikationsweise beeinflussen ventionen und Normen zurück, welche auch mit der der high-Kontext-Kulturen (z.B. China, Japan) und
würden: Machtdistanz, Individualismus, Männlichkeit
traleuropa und Skandinavien) die Kommunikation Rolle und hierarchischen Position der Teilnehmen- low-Kontext-Kulturen (z.B. Deutschland, USA), wie
und Ungewissheitsvermeidung; aufgrund von Datenerhe-
von internationalen Unternehmen mit meist quali- bungen in China fügte er später einen fünften Wert bei: den gekoppelt und mit Hofstedes power-distance-­ sie erstmals von Hall (1976) konzeptualisiert wor-
tativ-ethnografischen Methoden erforscht und die langfristige Orientierung (Piller 2009: 318, 2011: den sind. In Anlehnung daran hat Du-Babcock
77ff.). Zur Kritik an der unzulässigen Verallgemeinerung
Kultur bzw. kulturelle Differenz als soziale Konst- (overgeneralisation) und am Essentialismus von Hofstede 8 | Für einen aktuellen Überblick vgl. z.B. Holden,
(2005, 2006) das Kommunikationsverhalten von
ruktion definiert. Dabei geraten auch Sprachwahl siehe z.B. Piller (2011: 80ff.). Michailova & Tietze (2015). Asiaten untersucht und ein je nach sprachlicher
20 21

Kapitel 2 Kapitel 2
Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt

Zusammensetzung der Gruppe unterschiedliches Die Tendenz zur weltweiten Standardisierung von Lauring (2006, 2011) seinerseits distanziert sich aber auch die zunehmende Verwendung asiati-
Turn-Taking-Verhalten bei zweisprachigen (chine- Businesspraktiken hat auch Evans (2013) in seinen explizit von kulturdeterministischen Kommunikati- scher Sprachen wie Hindi und Chinesisch beob-
sisch- und englischsprachigen) Chinesen ermittelt. Analysen von englischen E-Mails und Telefon- so- onskonzepten. Er analysiert in seinen Feldfor- achtet (Harris & Bargiela-Chiappini 2003, Graddol
Aufgrund der Analyse des Kommunikationsverhal- wie Videokonferenzen von chinesischen Ge- schungsdaten von dänischen Expats und 2004 gem. Gerrits & Nickerson 2009: 188) und be-
tens von japanischen und (Hong Kong) chinesi- schäftsleuten in Hong Kong aus­gemacht. Die von (ägyptischen, philippinischen und indischen) An- mängelt, dass eine stereotype Repräsentation von
schen Geschäftsleuten in e ­ inem experimentellen ihm befragten Hong Konger Angestellten haben als gestellten in einer (ethnisch stratifizierten und Englisch als unerlässliche internationale Wirt-
Setting schlagen Du-­Babcock & Tanaka (2013) Hauptprobleme bei der ­internationalen Verständi- hierarchisierten) saudiarabischen Filiale, wie
­ schaftssprache ausser Acht lasse, dass Englisch
eine konzeptuelle Differenzierung vor: Die high- gung nicht kulturelle, sondern vor allem sprachli- ­soziale Strukturen und kulturelle Differenzen in nur in bestimmten Sektoren (v.a. Marketing, Logis-
und low-Kontext-Dimensionen seien als eine Art che Herausforderungen genannt, v.a. das hohe ­lokalen Settings ausgehandelt, sozial organisiert tik, Informatik, Finanzsektor) und auf bestimmten
Kontinuum und nicht als Opposition zu konzeptu- Tempo und die z.T. unklare (technische) Übertra- und zwecks individueller Positionierung, Gruppen- Hierarchiestufen unerlässlich sei (Bothorel-Witz &
alisieren. Japaner und Hong Kong-Chinesen seien gung, das Verstehen von starken Akzenten im bildung und Machterhalt naturalisiert werden. Choremi 2009: 113f., 121f., Roberts 2010: 221).
zwar beide auf der kollektivistischen Seite des ­Englischen (von z.B. philippinischen oder thailän- Auch Park (2013) deckt die mittels kulturalis­ Auch in Europa wird Englisch als Lingua fran-
Kontinuums anzusiedeln, die Hong Kong-Chinesen dischen Geschäftspartnern) und das Verstehen tischer Essenzialisierungen legitimierten sozialen ca (ELF) der Geschäftswelt eine wichtige Rolle
jedoch etwas näher bei der individualistischen Seite. von Native Speakern. Bereits Babcock & Du-­ Ungleichheiten in einem internationalen Geschäfts­ ­zugeschrieben, weshalb sich in der kontinentaleu­
Auch Kankaanranta und Lu (2013) nehmen Babcock (2001) bzw. Du-Babcock & Babcock (2007) umfeld auf, ausgehend von metadiscursive regimes ropäischen und v.a. in der skandinavischen Busi-
eine Differenzierung und Dynamisierung dieses in haben mit ihrem language-based communication of diversity in einer Singapurer Filiale einer MNC ness-Communication- und Management-Literatur
der interkulturellen Kommunikationsforschung be- zones model darauf verwiesen, dass nicht nur mit Hauptsitz in Basel. Am Beispiel von Koreanern, zahlreiche Studien dazu finden. Dabei ­stehen vor
liebten kulturalistischen Konzepts vor, wenn sie ­kulturelle Variablen, sondern auch die Sprachwahl die trotz geschätzter Leistungen nicht über das allem die Kommunikation in multinationalen Unter-
eine allmähliche Konvergenz von direkten und in- und die vorhandenen Sprachkompetenzen der mittlere Kader hinaus befördert werden, verdeut- nehmen (MNCs) und BELF (Business English as
direkten Kommunikationsstilen ausmachen. An- Beteiligten bei der Analyse der internationa-
­ licht er, wie der Diversity-Management-Diskurs ­Lingua Franca oder English as Business Lingua
hand von Interviews mit finnischen und chi­ - len ­Geschäftskommunikation von grosser Bedeu- ­einen Mix darstellt zwischen „banalem Nationalis- Franca) – ein von Louhiala-Salminen, Charles &
nesischen Geschäftsleuten zur Selbst- und Fremd- tung seien. mus“ (in Anlehnung an Billig 1995), wo nationale Kankaanranta (2005) entwickeltes Konzept – im
wahrnehmung ihres Kommunikationsstils in Eng- Weitere Forschungen der eingangs erwähn- Differenzen essenzialisiert werden, und Kommo­ Zentrum. BELF gilt als Sprache, die niemandem­
lisch als Lingua franca in Geschäftsbeziehungen ten zweiten Gruppe versuchen den kulturalisti- difizierung, wo die Kommunikationsfertigkeit bzw. allen gehört, als „neutraler“, geteilter und
(BELF) folgern sie, dass sich die Kommunikations- schen Fallen bei der Analyse interkultureller ­technologisiert wird. Soziale Ungleichheiten, wel- dynamischer Kommunikationscode, der in Ge-
­
stile allmählich gegenseitig anpassen. Die inter­ Geschäftskommunikation durch eine stärkere Be- che die Koreaner erfahren, werden ihrer cultural schäftsdiskursen verwendet wird, als ELF usage in
nationale Berufstätigkeit bzw. die geteilten Ma- achtung kontextueller, situativer und sozialer Fak- essence – ihrer Hemmung, ihre Sichtweise auszu- business situations, insbesondere in den wichtigs-
nagementpraktiken, die abnehmende Wirkung der toren zu entgehen: Poncini (2004, 2007) hat die sprechen – zugeschrieben und nicht den sozialen ten kommunikativen Genres Verhandlungen, Mee­
traditionellen chinesischen Kultur auf die jüngere interkulturelle Kommunikation u.a. am Beispiel von Bedingungen (Park 2013: 573). So dienten alte, die tings, E-Mails und Geschäftsbriefen (Nickerson
Generation und die Verwendung von BELF als ge- Meetings einer italienischen Sportfirma mit ihren nationalen Differenzen reifizierende Diskurse 2005: 368). Analog zur ELF-Forschung (Seidlhofer
teilte internationale Businesssprache hätten einen internationalen Vertriebshändlern aus Europa, Asi- dazu, Ungleichheiten zu erklären und zu rationali- 2001)9 werden BELF-Sprechende als eigenständi-
homogenisierenden Effekt auf die kulturelle Iden- en und Nordamerika sowie am Beispiel eines inter- sieren und die dominierende soziale Ordnung am ge Sprechende und nicht als non-Native Speakers
tität der involvierten Geschäftsleute. Auch andere nationalen Treffens von Nebbiolo-Weinproduzenten Arbeitsplatz zu rechtfertigen. (NNS) oder Lernende konzipiert (Louhiala-Salmi-
Forschende stellen fest, dass sich u.a. auch auf- im Veltlin analysiert. Im Fokus stehen die diskursi- nen, Charles & Kankaanranta 2005: 403f., Louhia-
grund der ähnlichen beruflichen Ausbildungen und ven Strategien, die den Aufbau von gemeinsamem la-Salminen & Charles 2006: 34). Etliche Studien
Erfahrungen kaum mehr kulturelle Differenzen in Wissen und den Gruppenbildungsprozess unter- 2.2.2 untersuchen (B)ELF als hybride Sprache bzw. lin­
internationalen Meetings zeigten, die Lektüren stützen, welcher auch vom Charakter einer Gruppe, Englisch als Lingua franca in der guistic masala (Meierkord 2002), in welcher sich
und selbst der Unterricht in Wirtschaftsschulen den Geschäftsbeziehungen, den Teilnehmerrollen, Geschäftswelt die unterschiedlichen Kommunikationskulturen der
seien auf Englisch und stark von der amerika­ Zielen und Wertvorstellungen abhängt. Stalder Sprechenden bemerkbar machten (Louhiala-Salmi-
nischen Kultur beeinflusst (Börestam 2005 gem. (2010) hat untersucht, mit welchen Kommunikati- Englisch gilt als bedeutsamste Sprache der Inter- nen, Charles & Kankaanranta 2005).
Gunnarsson 2006: 251). Kramsch (2002 gem. onsstrategien Angestellte von internationalen Un- nationalisierung und Globalisierung. In den wirt-
­Harris & Bargiela-Chiappini 2003: 158f.) hat schon ternehmen in der Schweiz den Herausforderungen schaftlich boomenden und international tätigen
früh eine Konzentration der Forschung auf den der kulturellen und sprachlichen Diversität in südostasiatischen Ländern beispielsweise spielt
9 | Für einen State of the Art zur umfangreichen
Westen und im Dienst des globalen Kapitalismus ­Arbeitssitzungen begegnen. Dabei versteht sie Englisch als (primär schriftliche) Lingua franca der
Literatur zu ELF siehe Jenkins, Cogo & Dewey (2011),
festgestellt und das Konzept der interkulturellen Kultur ebenfalls nicht nur als Teil des Hintergrunds Geschäftswelt eine wichtige Rolle und werden ent- Kankaanranta & Louhiala-Salminen (2013: 20–23) oder
Kommunikation als Ausdruck einer globalen Ideo- der Angestellten, sondern auch als Bündel von sprechende bildungspolitische Massnahmen ge- Sweeney & Hua (2010: 477–481, mit Fokus BELF). Seit
2012 ist der ELF eine eigene wissenschaftliche Zeit-
logie der wirksamen Kommunikation gemäss angel- ­dynamischen Handlungsroutinen und -normen,­ fördert (z.B. in Hong Kong: Leung 2005, Evans schrift gewidmet: Journal of English as a Lingua Franca
sächsischem Stil bezeichnet. die Teil von Aushandlungsprozessen darstellen. 2013, oder in Singapur: Silver 2004). Heute wird (herausgegeben von Seidlhofer, Jenkins und Mauranen).
22 23

Kapitel 2 Kapitel 2
Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt

Als Voraussetzung für eine erfolgreiche BELF-­ Welch & Welch 1999a, Charles & Marschan-­ place“. Grossmehrheitlich machen die Studien mehr on, was auch unter dem Stichwort der thin commu­
Kommunikation genannt werden: Einfachheit und Piekkari 2002, Deneire 2008, Bothorel-Witz & Probleme in der relationalen, beziehungsorientier- nication thematisiert wird (Feely & Harzing 2003,
Genauigkeit des Inhaltes (vor sprach­licher Kor- ­Choremi 2009, Roberts 2010, Steyaert, Ostendorp & ten als in der transaktionalen, geschäftlichen Kom- Tange & Lauring 2009; vgl. auch Piekkari 2009:
rektheit), Kenntnisse des ge-schäftsspezifischen Gaibrois 2011).10 munikation in BELF aus, was auf das geteilte 273, Angouri 2013: 572) (vgl. dazu auch Kap. 6.1.2).
Vokabulars und der Genre-Konventionen (vor Die meisten empirischen Studien, die sich mit Fachwissen und -vokabular und auf die weniger
­allgemeinen Englischkenntnissen) und bezie- der BELF-Kommunikation befassen, verwenden ei- bekannten sozialen diskursiven Konventionen und
hungsorientierte, kooperative Kommunikation nen Methodenmix, basierend auf Umfragen, Kor- Termini des Smalltalks zurückgeführt wird (Charles 2.3
(Kankaanranta & Planken 2010: 380, Jenkins, pusanalysen, Beobachtungen, Interviews und/oder 2006, Miglbauer 2014). Als weitere Herausforde- New Economy und Sprache
Cogo & Dewey 2011: 298, Kankaanranta & Louhi- Experimenten (Gerritsen & Nickerson 2009: 184). rung wird die Kommunikation mit Native Speakern
ala-Salminen 2013: 27, Kankaanranta & Lu 2013: Die BELF-Forschung ist vor allem durch zwei finni- des Englischen beschrieben, deren hohes Sprech­ Die oben referierten, vor allem im Rahmen der
292). Da aber nach wie vor ein good English, d.h. sche Projekte der Helsinki School of Economics tempo, geringe Anpassungsbereitschaft und man- Business-Communication- und Management-­
eine nach Native-Speaker-­ Standard korrekte (bis 2010) bzw. der Aalto University School etab- gelndes Verständnis für Verständigungsprobleme Forschung entstandenen Studien befassen sich in
Sprache in der schriftlichen Kommunikation und liert worden: durch das Merger ­Project (2000– den NNS Mühe bereiteten, in der BELF-Kommuni- erster Linie mit der Internationalisierung der
Präsentation nach aussen erwartet und mit dem 2002), in welchem die unternehmensinterne kation unter NNS werden die Schwierigkeiten beim ­Geschäftspraktiken und den dabei auftretenden
Prestige eines Unternehmens in Zusammenhang Kommunikation von zwei finnisch-­schwedischen Verstehen starker Akzente hervorgehoben (Charles & ­Herausforderungen für das Management, die in
gebracht wird, scheint die Toleranz für ein bad MNCs (das Papierunternehmen Stora Enso und die Marschan-Piekkari 2002, Charles 2006, Franklin erster Linie als kulturelle und kommunikative Her-
English in der BELF-Kommunikation tendenziell auf Bankengruppe Nordea) analysiert worden ist,11 2007 gem. Gunnarsson 2013a: 177, Gerritsen & ausforderungen konzipiert werden. Die im Folgen-
die mündliche Kommunikation und die interne und das Knowhow Project (2006–2009), welches Nickerson 2009, Kankaanranta & Planken 2010, den präsentierten, mehrheitlich der kritischen
schriftliche Kommunikation begrenzt zu sein (Jäm- das kommunikative Knowhow als integralen Teil des Sweeney & Hua 2010, Angouri & Miglbauer 2013, ethnografischen Soziolinguistik zuzuordnenden
telid 2001, Gunnarsson 2006, 2013b, Ehrenreich Business-Knowhows untersucht hat (Kankaanran- Miglbauer 2014). Einige Studien untersuchen die Studien (meist europäischer und kanadischer
2010, Kankaanranta & Planken 2010). Insgesamt ta & Louhiala-Salminen 2013). In diesen und zahl- unterschiedlichen kulturellen Kommunikationssti- ­Provenienz) interessieren sich stärker für soziale
scheinen in der Geschäftswelt bei der mündlichen reichen (hier eklektisch erwähnten) weiteren le und -konventionen, die auch in der BELF-Kom- und wirtschaftspolitische Fragen, insbesondere
Kommunikation und schriftlich bei der internen Studien11werden insbesondere folgende Aspekte munikation wirksam seien, wobei sie vor allem die für den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen,
E-Mail-Kommunikation tiefere Ansprüche hinsicht- untersucht und thematisiert: BELF wird zwar als Direktheit und den Formalitätsgrad sowie die sozialen und sprachlichen Prozessen in einer glo-
lich sprachlicher Korrektheit vorhanden zu sein zentraler Bestandteil der Geschäftskommunikation Formulierung von Aufforderungen, z.B. in der
­ balisierten spätkapitalistischen Arbeitswelt, d.h.
(z.B. Lavric & Bäck 2009: 54, Millar, Cifuentes & bezeichnet, gleichzeitig wird aber immer wieder be- E-Mail-Kommunikation, untersuchen (z.B. Louhia- in der globalisierten New Economy (und damit in
Jensen 2013: 117). tont, dass auch andere Sprachen unerlässlich sei- la-Salminen, Charles & Kankaanranta 2005, Kan- der dritten Phase der Globalisierung bzw. der in-
Einige Forschende verweisen auch auf die en zur Verständigungssicherung, zur Pflege der kaanranta 2005, 2006 etc., Kankaanranta & terkulturellen Kommunikationsforschung, vgl. Kap.
Machtaspekte und Diskriminierungen, die mit (B)ELF Kundenbeziehungen und insbesondere auch in der Louhiala-Salminen 2013, Incelli 2013, Tréguer-­ 2.2.1). Die New Economy wird charakterisiert als
verbunden sind: Die Durchsetzung von Englisch in als ebenso wichtig erachteten sozialen Kommuni- Felten 2013). In einigen Studien schliesslich wer- eine von zunehmender Deregulierung und Privati-
allen Lebensbereichen wird als Ausdruck eines kation (Charles 2006, Gerritsen & Nickerson 2009, den Fragen der Hierarchie und Machtprozesse sierung, technologischer Innovation und globaler
sprachlichen Imperialismus (Phillipson 1992, 2003) Kankaanranta & Planken 2010, Ehrenreich 2010, beleuchtet, welche die Verwendung von BELF auf- Zirkulation von Menschen, Waren und Ressourcen
bezeichnet, die Konzeption von Englisch als einzi- Pullin 2010, Studer & Hohenstein 2011, Kingsley werfen. Schon früh hat eine der wenigen Studien, geprägten wissens- und dienstleistungsbasierten
ge mögliche internationale Sprache als Ausdruck 2013 etc.). Angouri & Miglbauer (2014: 155) spre- welche Daten nicht nur in der Teppichetage erho- Ökonomie (Duchêne & Heller 2012b). Studien die-
einer hegemonialen Sprachideologie mit Vorteilen chen denn auch bewusst von „English plus work- ben hat, auf Kommunikationsprobleme aufgrund ser Forschungstradition interessieren sich für den
für Englischsprachige (Lønsmann 2015) und die fehlender oder mangelhafter Englischkompetenzen wirtschaftlichen Aneignungsprozess von Sprache,
Konzeption von (B)ELF als herrschaftsfreies, inter- 10 | Eine kritische Analyse des English-only workplace vor allem auch in den unteren Hierar­chie­stufen d.h. für die Umwandlung von sprachlichen und
nationales und kommunikationsförderndes Allge- aus rechtswissenschaftlicher Perspektive findet sich aufmerksam gemacht (Charles & M ­ arschan-Piekkari mehrsprachigen Kompetenzen in ökonomische
meingut wird als „Mythos“ kritisiert (Pennycook in Rodríguez (2006). Eine Kritik am ELF-Konzept aus 2002). Englischkompetenzen erlauben oder behin- ­Gewinne, und orientieren sich an theoretischen
marxistischer und poststrukturalistischer Perspektive
2007). (B)ELF sei nicht nur eine „neutrale“, demo- stammt von O’Regan (2014), welche eine Kontroverse dern den Zugang zu wichtigen Informationen und Ansätzen, die sich mit der politischen Ökonomie
kratische, nicht an eine Nation und ein Territorium ausgelöst hat (Baker, Jenkins & Baird 2015, O’Regan verhelfen einigen Angestellten zu Macht- und gate­ von Sprache befassen, insbesondere an Bourdieus
gebundene Sprache, sondern schliesse auch alle 2015). keeping-Positionen, andere veranlassen sie zu (1990 [1982]) Kapitaltheorie, die Sprache als Teil
diejenigen aus, die nur schlecht oder gar kein Eng- ­einem clustering, d.h. zu einer Gruppierung nach des symbolischen Kapitals bezeichnet, das auf
11 | Eine umfassende Auswertung dieses Forschungs-
lisch könnten (in der Regel ältere und/oder im Tief­ Gleichsprachigen (Marschan-Piekkari, Welch & dem „Sprachmarkt“ je nach S ­ ituation, Gesprächs-
projektes, inkl. Konzeptualisierung von BELF, findet
lohnsegment Angestellte), wodurch sich die sich in Louhiala-Salminen, Charles & Kankaanranta (2005) Welch 1999a, Charles 2006, Tange & Lauring 2009, partnern und sozialer Hierarchie einen bestimmten
Distanz zwischen dem Kader und den übrigen An- und in Louhiala-Salminen & Charles (2006). Teilaspekte Lønsmann 2014) und zur Reduktion des Aus- Wert erzielt.12
wurden in zahlreichen weiteren Publikationen dargestellt.
gestellten erhöhe und es zu einem language gap Siehe dazu die Literaturangaben in ­Kankaanranta &
tauschs mit Anderssprachigen auf ein Minimum Studien dieser Forschungstradition analysie-
komme (Gunnarsson 2006: 260, Marschan-Piekkari, Louhiala-Salminen (2013). und auf rein formale, zielorientierte Kommunikati- ren den Einfluss des sozioökonomischen Wandels,
24 25

Kapitel 2 Kapitel 2
Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt Mehrsprachigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt

der gekennzeichnet ist von Prozessen der Markt- von Fremdsprachen als Kommunikationsmittel für sowie zwischen instrumentellen und symbolischen
saturierung, Expansion, Distinktion bzw. Mehr- Handel und Marketing nimmt das Kommunikations- Funktionen von Sprache, welches die globalisier­-
wert-Schöpfung, Tertiarisierung und Flexibi- tool selbst mehr und mehr den Status einer zu ver- te Arbeitswelt der New Economy prägt (Heller
lisierung, auf den Stellenwert von Sprache und kaufenden Ware ein, wie z.B. Haarmann (2005) am 2003, 2010b, 2013, 2014, Pietikäinen 2013,
Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt (Heller 2014). blühenden Fremdsprachenunterricht zu Handels- ­K­elly-Holmes & Pietikäinen 2014). In der Regel wird
Dabei wird eine zunehmende Betonung von Spra- zwecken beobachtet oder Gray (2012) im lukrativen eine zwei- und/oder mehrsprachige Lösung ge-
che und Mehrsprachigkeit als Kapital und wirt- Englisch-Leh­rmittel-Markt, der gleichzeitig auch sucht, um sowohl die lokale Identifikation und
schaftlicher Vorteil ausgemacht, als Distinktions-, die Ideologie von Englisch als Garant für Wohl- ­Solidarität als auch die überregionale und interna-
Produktivitäts- und Wettbewerbsargument. Die stand und Erfolg verbreiten kann. tionale Zugehörigkeit, Kommunikation und Vermarkt-
wirtschaftliche Valorisierung und Kapitalisierung Von besonderem soziolinguistischem Inter- barkeit sicherzustellen bzw. um die Konzeption von
von (kleinen, als exotisch konstruierten) Sprachen esse in einer globalisierten Arbeitswelt sind die Sprache als (authentisches, intimes) Identitätssym-
und von mehrsprachigen Kompetenzen nimmt zu. sprachintensiven Callcenter-, Tourismus- und Wer- bol (language-as-identity) mit derjenigen von Spra-
Sprache wird vermehrt zu einer Quelle von (symbo- be-Industrien (mehr dazu in Kap. 6.2) sowie damit che als (lern-, vermittel- und vermarktbare)
lischem und materiellem) Mehrwert und wichtig gekoppelte Prozesse der Kommodifizierung von Fertigkeit (language-as-skill) überein zu bringen
bei der Regulierung der globalen Marktaktivitäten Sprache und Sprachkompetenzen, der Vermark- (Heller 2010a: 103). Dies wurde z.B. beim heritage
und -netzwerke. tung von nationalen und regionalen Sprachen und tourism in Finnland bei den Sámi (Pietikäinen 2013,
Studien zur Mehrsprachigkeit in einer globa- Mehrsprachigkeit sowie die Bewirtschaftung von Kelly-Holmes & Pietikäinen 2014) und in Franzö-
lisierten spätkapitalistischen Arbeitswelt betonen, als geschlechterspezifisch geltenden sprachlichen sisch-Kanada (Heller 2003, 2004, 2014), in der
dass Sprache nicht nur am Prozess der ökonomi- Praktiken (Cameron 2000a/b, Piller & Takahashi IT-Branche in Montreal ­(Lamarre & Lamarre 2006,
schen Aktivität beteiligt sei, sondern selbst zum 2006, Heller & Bell 2012). Aber auch in anderen 2009) oder bei einer k ­ anadischen NGO (Kahn &
Produkt dieser Aktivität werde. Dies wird mit dem Dienstleistungsbereichen werden sprachliche Fak- Heller 2006) erforscht. Neu wird die Zweisprachig-
Konzept der „Kommodifizierung“ (Heller 2003, toren und mehrsprachige Ressourcen bei der Ver- keit bzw. die Möglichkeit, in Französisch und Eng-
2010a, 2014 etc.) zusammengefasst: „Kommodifi- marktung und als Mehrwert hervorgehoben, so z.B. lisch zu arbeiten, auch als A ­ rgument verwendet,
zierung“ bedeutet gemäss marxistischer Logik, im internationalen Gesundheitstourismus (Muth um frankofone Arbeitsmigranten nach Franzö-
dass Sprache und Mehrsprachigkeit „Dinge“ mit 2015) oder bei der internationalen Vermittlung von sisch-Kanada zu locken ­(Violette 2015).
einem Gebrauchs- und Tauschwert darstellen, dass Hausangestellten und Kindermädchen (Lorente
sie sowohl bei der Produktion als auch beim 2010, 2012) (vgl. auch Kap. 6.2.4).
­Zugang zum globalisierten Markt nützlich und Der Wettbewerbskampf im globalen Markt
wertvoll sind. Im Dienstleistungssektor werden wird nicht nur mittels Preis und Qualität der Pro-
nicht nur Emotionen und Körper der Angestellten, dukte und Dienstleistungen, sondern auch mittels
sondern auch deren kommunikative Kompetenzen der Einzigartigkeit eines Produkts (unique selling
zu wichtigen Ressourcen des wirtschaftlichen proposition USP) geführt. Der lokale Charakter und
Wettbewerbs (Jack 2010). Sehr deutlich lässt sich die Authentizität werden dabei zu einem Ver-
die Kommodifizierung von Sprache in den soge- kaufsargument und sollen Nischenmärkte schaf-
nannten „Sprachindustrien“ beobachten, wo Spra- fen, insbesondere in Randregionen (Pietikäinen
che nicht nur im Arbeitsprozess, sondern v.a. auch 2013). Sprache spielt eine wichtige Rolle bei der
als Arbeitsprodukt von Bedeutung ist und ver- Vermittlung eines Authentizitätseindrucks (mehr
marktet wird: in Tätigkeiten von Übersetzern, dazu in Kap. 6.2.2 und 6.2.3). In einer globalisier-
Sprachlehrern, Werbern etc. Mit der Globalisierung ten Arbeitswelt führt jedoch eine allzu starke
ist der Markt für Sprach- und Kommunikationsaus- ­Betonung und Vermarktung des Lokalen zwangs-
bildungen stark gewachsen (Block & Cameron läufig zu Interessenkonflikten angesichts der
2002). Angesichts der zunehmend wichtigen Rolle ­anvisierten überregionalen Kundschaft. Es ist ein
grundsätzliches Spannungsverhältnis auszuma-
chen zwischen pride and profit (Duchêne & Heller
12 | „Die Entstehung eines Sprachmarktes schafft die
Voraussetzung für die objektive Konkurrenz, in der und 2012), zwischen Authentifizierung und Vermark-
durch die die legitime Sprachkompetenz als sprachliches tung, zwischen sprachlichen Standardisierungs-
Kapital fungieren kann, das bei jedem sozialen Aus-
tausch einen Distinktionsprofit abwirft“ (Bourdieu 1990
und Variabilisierungsanforderungen, zwischen
[1982]: 32, Hervorhebung i.O.). globalen und lokalen sprachlichen Erfordernissen
26 27

2 Mehrsprachigkeit in einer sich


wandelnden Arbeitswelt 3 Zugang zum Arbeitsmarkt und
Sprache als Selektionsmittel

2.4 Als nächste Etappe im Arbeitsprozess steht der die metapragmatischen und diskursiven Konventi-
Zusammenfassung Zugang zum Arbeitmarkt im Zentrum. Dieser ist per onen der Herkunfts- bzw. Minderheitensprache
Definition durch Selektionsprozesse charakteri- die narrativen Strukturen und den kommunikativen
In der Literatur zum sich verändernden Stellenwert language gap und die Ausblendung der English- siert. Selektionsprozesse sind Regulierungspro- Stil von Bewerbern prägen, auch wenn sie in der
von Sprache in der Arbeitswelt seit dem 19. Jahr- have-nots. zesse, die in der Regel von Vertretern von Mehrheitssprache sprechen. Gumperz, Jupp &
hundert sind drei Forschungsschwerpunkte aus- Im Zeitalter der New Economy rücken vor Institutionen in einer Machtposition vorgenommen ­Roberts (1979) haben z.B. anhand von auf Englisch
zumachen: Studien zum historischen Wandel der ­allem die Individuen und die Kommodifizierung ih- werden, um den Zugang zu gesellschaftlichen geführten Jobinterviews von Briten mit südasiati-
Valorisierung von Sprache am Arbeitsplatz, Studi- rer Sprach- und Kommunikationskompetenzen ins Schlüsselressourcen symbolischer und materieller schen Bewerbern aufgezeigt, wie die Kontextuali-
en zur interkulturellen Kommunikation und Rolle Zentrum. Insbesondere soziolinguistische Studien Art zu begrenzen und ihre Position und Interessen sierungshinweise (contextualisation cues) je nach
der Lingua franca Englisch sowie Studien zur Ver- jüngeren Datums analysieren die wirtschaftspoli- zu erhalten. Es handelt sich um gatekeeping-Pro- verwendeter Varietät unterschiedlich funktionie-
marktung von Sprache und Mehrsprachigkeit in tischen Prozesse der Vermarktung und Kapitalisie- zesse, in welchen Bewerberinnen und Bewerber ren und die Briten das kommunikative Verhalten
der New Economy. rung von Sprache und Mehrsprachigkeit der Ar- getestet, bewertet und selektioniert werden der Bewerber falsch interpretierten (vgl. auch
Historisch orientierte Studien verdeutlichen beiterschaft, welche in einer zunehmend wissens- ­(Roberts 2000: 102). Sie sind eng mit Sprache und Jupp, Roberts & Cook-Gumperz 1982). Auer (1998)
den Wandel weg von Sprechverboten während der und dienstleistungsorientierten Ökonomie immer Sprachideologien gekoppelt, da Selektionsprozes- seinerseits hat anhand von Bewerbungsgesprä-
Arbeit bis hin zur heutigen Rolle von Sprache als mehr „Spracharbeit“ zu verrichten hat. se auf der Beherrschung der legitimen institutio- chen im vereinten Deutschland auf­gezeigt, wie die
ökonomische Ressource und Produktivitätsfaktor. nellen Sprache und der gesellschaftlich akzep- ehemals unterschiedlichen sozioökonomischen
Mit der wachsenden Bedeutung des Sprachanteils tierten und angemessenen Sprachform beruhen. In und politischen Strukturen die sprachlichen Prak-
an der Arbeit nehmen auch die schriftsprachlichen einer stark monolingual ausgerichteten Gesell- tiken prägen und sich auch noch nach der Wende
Anforderungen an die Arbeiterschaft zu, weshalb schaft kann beispielsweise schon die Bezeichnung in unterschiedlichen kommunikativen Mustern
Alphabetisierungskampagnen und Sprachkurse „zweisprachig“ als Euphemismus für eine in der ausdrücken. Seine Analyse von Jobinterviews von
gefördert wurden. Regel benachteiligende Zuordnung zu einer Min- West- mit Ostdeutschen verdeutlichen, dass die
Mit der zunehmenden Internationalisierung derheitensprachgruppe fungieren (Fishman 1986 Ostdeutschen keine Erfahrung mit dem kompetiti-
der Wirtschaft rücken Fragen der interkulturellen gem. McGroarty 1990: 161). Beim Zugang zur Ar- ven diskursiven Stil der Firmen aus dem Westen
Kommunikation und zur englischen Lingua franca beitswelt spielt Sprache als Selektionskriterium hatten und andere Interaktionsmuster aufwiesen.
in der Geschäftswelt ins Zentrum, insbesondere in eine wichtige Rolle, nicht nur bei der Personalre- Zahlreiche jüngere Studien zu (auf Englisch
der Business-Communication- und Management- krutierung und beim Zugang zur beruflichen geführten) gatekeeping- bzw. Bewerbungsgesprä-
forschung. Während einige Studien sich an einem Aus- und Weiterbildung (und damit bei der Perso- chen stammen von Roberts und ihrem Forschungs-
essentialistischen Kulturbegriff orientieren und nal- und Karriereentwicklung), sondern auch ganz team, welche die unterschiedlichen kommunikativen
unterschiedliche Arbeits- und Kommunikations- allgemein bei der Regulierung von Arbeits- und Stile von einheimischen Interviewern (in der Regel
strategien auf kulturell unterschiedliche Werte­ Aufenthaltsbewilligungen. weisse Briten) und von Personen mit Migrations-
orientierungen zurückführen, betonen andere die hintergrund analysiert haben.13 Dank einer in­
zunehmende Homogenisierung der Kommunikati- teraktionalen soziolinguistischen und mikro-
onsstile aufgrund von international standardisier- 3.1 ethnografischen Analyse lässt sich gemäss
ten Ausbildungsgängen, Managementpraktiken und Gatekeeping, linguistic penalty und ­Roberts (2000) die interkulturelle Dimension der
des sich durchsetzenden Business-Englisch als Fremdsprachenkompetenzen im gatekeeping-Interviews und die fehlende gemein-
Lingua franca (BELF). Stärker soziolinguistisch ori- Job- und Beförderungsinterview same Basis für Bedeutungsaushandlungen aufzei-
entierte Studien analysieren die internationale Ge- gen. Ihre Analysen von selektionsrelevanten
schäftskommunikation hingegen als kontextuell, Insbesondere Vertreter der interaktionalen Sozio- Kommunikationsereignissen verdeutlichen im De-
situativ und sozial konstruierten Prozess. Ein linguistik haben sich schon früh mit Fragen von tail, wie ­unterschiedliche Interpretationen von
grosses Forschungsfeld stellt die Verwendung von sprachlichen Prozessen der sozialen Inklusion und Kontextualisierungshinweisen (z.B. in der Proso-
Englisch als unternehmerische Verkehrssprache Exklusion und (Re-)Produktion von sozialer Un-
dar. Während einige Studien BELF als neutralen, gleichheit sowie mit dem Zusammenhang zwischen 13 | Roberts hat u.a. Interviewdaten von Aufnahmege-
geteilten, einfachen, demokratischen und dyna- Sprache, Ethnizität und Machtbeziehungen in der sprächen für das Royal College of General Practitioners
in UK (zusammen mit Sarangi) (Roberts 2000) und von
misch-kooperativen Kommunikationscode bezeich­ Arbeitswelt auseinandergesetzt und auf sprachli-
rund 70 realen Jobinterviews (einerseits für Tieflohn-
nen, kritisieren andere den mit der internationalen che Diskriminierungsprozesse bei Bewerbungs- jobs in Dienstleistungs- und Produktionstätigkeiten,
Durchsetzung von Englisch verbundenen sprach- und Promotionsgesprächen mit Migranten ver- andererseits für Managementpositionen), ebenfalls in
UK, analysiert (Roberts & Campbell 2006, Campbell &
lichen Imperialismus, den sich dadurch öffnenden wiesen (z.B. Gumperz 1982a, Roberts, Davies & Roberts 2007, Roberts, Campbell & Robinson 2008,
Jupp 1992). Dabei wird davon ausgegangen, dass Roberts 2011, 2013 etc.).
28 29

Kapitel 3 Kapitel 3
Zugang zum Arbeitsmarkt und Sprache als Selektionsmittel Zugang zum Arbeitsmarkt und Sprache als Selektionsmittel

die, in paralinguistischen Mustern oder in Eröff- sprachigen Kapazitäten jedoch nicht als sprachli- Statistische Auswertungen von Daten zu Fremd- nige neuere ethnografische soziolinguistische
nungs- und Abschlussformeln) zu einer negativen ches Kapital. Auch die seit den 1990er-Jahren sprachenkompetenzen und (Re-)Integration in den Studien (aus Australien und Kanada), die – quasi
sozialen Bewertung und subtilen Diskriminierun- aufgekommenen kompetenzbasierten Jobinter- Arbeitsmarkt verdeutlichen jedoch, dass es k ­ einen als pars pro toto – aufzeigen, wie das Argument
gen führen können, da die (nicht bewusst kontrol- views, die eine objektivere, zuverlässigere und ge- sicheren Zusammenhang zwischen dem Kriterium Sprachkompetenzen zur Regulierung des Arbeits-
lierten) Kontextualisierungshinweise eine wich­tige rechtere Selektion erlauben sollten, indem weniger Fremdsprachenkompetenzen und Anstellungs- marktzugangs eingesetzt wird und zur Diskriminie-
Funktion bei der Kanalisierung von B ­ edeutung, (arbeits-)biografische und mehr Kompetenzfragen chance gibt (ibid.). Die Faktoren Ausbildung, Ar- rung von ausländischen Arbeitskräften führen
­Signalisierung von Kohärenz, Orientierung der gestellt werden, vermögen gemäss Roberts (2011) beitserfahrung, Motivation und Persönlichkeit der kann: Piller & Takahashi (2013) haben ethnogra­
Sprechenden, Etablierung von interaktionalem den linguistic penalty nicht zu verhindern. Denn Bewerbenden spielen in der Regel eine gerade so fische Interviews mit fünf japanischen Flight-­
Wohlgefühl und ganz allgemein im Lenken der so- dieser spiele sich in mikrointeraktionalen Prozes- wichtige oder wichtigere Rolle. Dem Kriterium Attendants geführt, die bei einer australischen
zialen Beziehungen und des emotionalen Klimas sen der Klassifizierung, sozialen Evaluation und Fremdsprachenkompetenzen kommt oft die Funk- Billig-Fluggesellschaft angestellt sind und deren
ausüben (Roberts 2000: 114f.). Exklusion ab (Roberts 2013). tion eines Verstärkerarguments bei der Ablehnung Traum vom kosmopoliten und mehrsprachigen
Vorstellungsgespräche stellen zudem einen Im Rekrutierungsprozess für höher qualifi- oder aber bei der Unterstützung einer Kandidatur Flight-Attendant-Beruf in starkem Kontrast zu den
hybriden Diskurs dar, bestehend aus institutionel- zierte Posten und/oder für sprachintensive zu oder die Funktion eines sogenannten „Killerkri- prekären und harten Anstellungs- und Arbeitsbe-
lem, bürokratischem Diskurs und persönlichem, en- ­Arbeiten können nebst den kommunikativen Kom- teriums“, wenn ­bestimmte Sprachkompetenzen für dingungen steht. Aus den Interviews wird ersicht-
gagiertem Diskurs, der synthetisiert werden muss, petenzen in der lokalen Sprache auch die von den die zu besetzende Stelle unerlässlich sind, wie eine lich, dass zwar ihre japanische Erstsprache, ihre
dessen „Spielregeln“ – Roberts (1985) spricht vom Bewerbenden auszuweisenden Fremdsprachen- ethnografische Forschung anlässlich von Rekru- grossen Erfahrungen im Dienstleistungsbereich
interview game – Personen mit Migrationshinter- kompetenzen zum Selektionskriterium werden. Da- tierungsprozessen in der eidgenössischen Bun- und ihre sehr guten Englischkompetenzen aus-
grund weniger geläufig sind (Roberts 2013: 84f.). bei werden in der Regel vor allem Kenntnisse der desverwaltung aufzeigt, wo jedoch in allererster schlaggebend für die Anstellung waren. Aber die
Die Synthetisierung von institutionellem und per- international dominierenden Sprachen, der soge- Linie gute Deutschkompetenzen gefragt sind English-only-Politik des Unternehmens und die
sönlichem Diskurs ist eine wichtige Vorausset­- nannten Weltsprachen, und je nach zu b ­ esetzender ­(Coray et al. 2015). Auch beim Zugang zu Stellen Mühe einiger australischer Kollegen und Kunden
zung für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch Funktion auch der Sprachen der Nachbarländer in der Luxemburgischen Verwaltung scheint v.a. mit Flight-Attendants anderer Herkunft e­ rschweren
(Campbell & Roberts 2007). Kandidaten, die nicht verlangt. Insbesondere auf Englischkompetenzen einer Sprache besonderes Gewicht zuzukommen, ihre Aufstiegsmöglichkeiten beträchtlich. Die Au-
über dieselben kommunikativen Konventionen wie werde beharrt, obwohl solche für die Funktions- da v.a. Kompetenzen in Luxemburgisch eine zentra- torinnen sehen darin eine Untermauerung ihrer
die gatekeeper verfügen, haben jedoch Mühe, eine ausübung oft gar nicht benötigt würden, womit le gatekeeping-Rolle spielen (Franziskus 2015). ­Hypothese, dass English proficiency in Australien
gemeinsame Basis zur Definition des Rahmens zu diesen die Funktion eines Selektionskriteriums zu- zu einem Code für den politisch nicht mehr
finden und die für eine positive Bewertung notwen- kommt (Grin 2001). In der konsultierten Literatur ­akzeptablen Rassenbegriff geworden ist (Piller &
dige co-membership aufzubauen. Dies trifft auch besteht aber keine Einigkeit darüber, inwiefern 3.2 ­Takahashi 2013: 114f.).
auf Bewerbungsgespräche für Managementpositi- Fremdsprachenkompetenzen im Rekrutierungspro- Language proficiency als Mittel zur Zu einem ähnlichen Resultat kommen Piller &
onen zu: Die grossmehrheitlich weissen anglo- zess wirklich ausschlaggebend sind: Auswertun- Regulierung der Arbeitsmigration Lising (2014) in ihrer ethnografischen Forschung
fonen Manager geben denjenigen Kandidaten den gen von in Stelleninseraten gesuchten Sprachkom- bei philippinischen Arbeitsmigranten in der Fleisch­
­Vorzug, die ebenfalls in Englisch sozialisiert petenzen implizieren, dass diese durchaus Die Einforderung bestimmter Sprachkompetenzen industrie in Australien, wo Englischtests als Re­gu­
­wurden und Zugang zum Managementdiskurs bzw. selektionsrelevant sein können (vgl. mehr dazu in sowie die Sprachideologien, die bei deren Beurtei- lierungsinstrument der Einwanderung dienen. Nach
zum Talking like a manager (Roberts, Campbell & Kap. 5). Gemäss einer quantitativen Umfrage in lung mitspielen, dienen nicht nur als Mittel zur Re- Ablauf eines vierjährigen Arbeitsvisums müssen die
­Robinson 2008) hatten. Frankreich (LEMP 2015) sind in fast der Hälfte der gulierung des Arbeitsmarktzugangs und des temporär angestellten Filippinos ein Mindestkom-
Im Tieflohnbereich, wo teilweise auch gerin- befragten über 800 Unternehmen die Fremdspra- beruflichen Aufstiegs, sondern auch ganz allge- petenzniveau im International English Language
gere kommunikative Kompetenzen zur Funktions- chenkompetenzen oft oder immer ein Selekti- mein zur Regulierung und Flexibilisierung der in- Testing System (IELTS) erlangen, um eine Verlän-
ausübung ausreichen würden, führe die Hürde onskriterium im Rekrutierungsprozess. Eine On- ternationalen Arbeitsmigration und des nationalen gerung oder eine permanente Aufenthaltsbewilli-
Bewerbungsgespräch vor allem für Migranten zu line-Befragung von über 2000 österreichischen Arbeitsmarktes. Sprachliche Anforderungen und gung zu erhalten. Während Englisch für die
einem linguistic penalty (wie dies Roberts analog Unternehmen kommt zu einem ähnlichen Resultat: Sprachtests spielen eine wichtige Rolle als Se­ Rekrutierung und die Arbeit selbst quasi keine Rol-
zum ethnic penalty und komplementär zum linguis­ 50% geben an, dass Fremdsprachenkenntnisse bei lektionsmittel im Migrations- und Integrations­ le spielt und die philippinischen Arbeiter auch
tic capital nach Bourdieu formuliert, vgl. Roberts der Personalselektion „(fast) immer“ (22%) oder bereich, wie dies insbesondere im Rahmen des sonst nur wenig Gelegenheit haben, Englisch zu
2013: 85), da nicht ihre Qualitäten als Arbeiter, „häufig“ (28%) eine Rolle spielten (Archan & Dorn- Critical Language Testing (z.B. Shohamy 2001, praktizieren, wird ihr oft als ungenügend einge-
sondern ihre fehlenden kommunikativen Kompeten- mayr 2006, Schmid 2013). Und fast 90% der Per- 2006, 2009) untersucht worden ist. Eine Zusam- stuftes Englisch zur Hürde für den (definitiven)
zen in der „legitimen Sprache“ der dominanten sonalberater der öffentlichen Arbeitsvermittlung menfassung der neuesten akademischen Literatur Verbleib im Land. Gemäss den Autorinnen erlaubt
Gruppe ausschlaggebend würden. Die Rekrutie- in der Schweiz geben an, dass Stellensuchende dazu haben Pochon-Berger & Lenz (2014) vorgelegt. diese Politik eine flexible Regulierung der aufzu-
rungsverantwortlichen messen sie an den Kompe- „manchmal“ (51%) oder „oft“ (37%) alleine wegen Angesichts der grossen Anzahl Studien zu nehmenden immigrierten Arbeitskräfte angesichts
tenzen der einheimischen Mitbewerber (ohne mangelnder Sprachkompetenzen eine Stelle nicht diesem sozial- und migrationspolitisch virulenten einer unberechenbaren neoliberalen globalen
Migrationshintergrund), valorisieren ihre mehr- erhalten hätten (Singy, Zurbriggen & Pante 2015). Thema beschränken wir uns hier auf ein paar we- (Land-)Wirtschaft. Diese Politik werde durch eine
30 31

Kapitel 3
Zugang zum Arbeitsmarkt und Sprache als Selektionsmittel 3 Zugang zum Arbeitsmarkt und
Sprache als Selektionsmittel

Sprachideologie unterstützt, die auf ein englisch- 3.3


sprachiges Australien insistiere und nur Englisch- Zusammenfassung
sprachige als wertvolle Mitglieder der Nation be-
trachte. Bereits zuvor hat Piller (2012), basierend Beim Zugang zum Arbeitsmarkt kommt der Sprache
auf anderen Studien, darauf hingewiesen, dass das eine wichtige Selektions- und gatekeeping-Funk-
Argument der (scheinbar) mangelhaften Sprach- tion zu, und zwar sowohl bei der Regulierung des
kompetenzen zu einem Substitut für rassische und Jobzugangs und der Beförderung als auch bei der
ethnische ­Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt Regulierung der internationalen Arbeitsmigration.
werde. Sprachliche Diskriminierung sei im Gegen- Insbesondere interaktionale soziolinguistische
satz zu ethnischen oder rassischen Diskriminie- Studien aus dem angelsächsischen Raum haben
rungen aber oft weniger sichtbar und würde sogar aufgezeigt, wie Bewerbungs- und Beförderungs-
von den Betroffenen selbst akzeptiert, die ihre gespräche zwischen institutionellen Vertretern
Sprachkompetenzen in der Regel an der Native- der Mehrheitssprache und Kandidaten mit Migra-
Speaker-Norm messen würden. tionshintergrund durch subtile sprachliche Diskri-
Die kanadische Soziolinguistin Allan (2013) minierungsprozesse geprägt werden und zu einem
zeigt in ihrer ethnografischen Forschung in To­ linguistic penalty führen können. In Unterneh-
ronto auf, wie die verbreitete Beschäftigung von mensbefragungen wird deutlich, dass – nebst
qualifizierten Arbeitsmigranten unter ihrem Aus- Kompetenzen in der lokal dominierenden Spra-
bildungsniveau als Problem fehlender Sprachkom- che – auch Fremdsprachenkompetenzen beim
petenzen konstruiert und individualisiert wird. Die Jobzugang eine Rolle spielen, wobei insbesondere
von der Regierung aus diesem Grund lancierten den Englischkompetenzen eine wichtige Selekti-
Englischkurse für qualifizierte Arbeitsmigranten onsfunktion zugeschrieben wird.
(Enhanced Language Training Initiative ELT) wür- Studien in der Tradition des Critical Lan­
den vor allem den Fokus auf gute kommunikative guage Testing befassen sich mit dem Einsatz von
Fertigkeiten, weniger auf allfällig fehlende Fach- Sprachtests zwecks R ­ egulierung und Flexibilisie-
terminologie legen. Die Beschäftigungsprobleme rung der Arbeitsmigration. Ethnografische sozio-
von qualifizierten Arbeitsmigranten seien jedoch linguistische Studien verdeutlichen, wie das Ar-
auf systematische und strukturelle Bedingungen gument von (scheinbar) mangelhaften Sprachkom-
zurückzuführen, da es ein politisches und wirt- petenzen zu einem Substitut für rassische und
schaftliches Interesse an der (Re-)Produktion und ethnische Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt
Regulierung von flexiblen und selbstverantwortli- und zur flexiblen Re­gulierung des konjunkturell
chen qualifizierten Arbeitsmigranten gebe. ­variierenden Bedarfs an ausländischen Arbeits-
Solche Forschungsarbeiten und v.a. auch kräften eingesetzt werden kann.
diejenigen von Roberts und ihrem Team (vgl. Kap.
3.1) haben insbesondere im anglofonen Raum da-
für sensibilisiert, dass (z.T. subtile) sprachliche
Diskriminierungen den Arbeitsmarktzugang, den
Jobzugang sowie den beruflichen Aufstieg von
Personen anderer Erstsprache behindern können
und dass Sprachkompetenzen zu einem „legitimen“
Diskriminierungsargument werden können (McAll
2003: 249) und somit einen institutional racism
(Hewitt 2012: 268) fördern (vgl. mehr zur Kritik an
der migrations- und wirtschaftspolitischen Instru-
mentalisierung des Faktors Sprachkompetenzen in
Kap. 4.1).
32 33

4 Sprachliche Sozialisierung am
Arbeitsplatz und Berufsbildung
Kapitel 4
Sprachliche Sozialisierung am Arbeitsplatz und Berufsbildung

Kommunikative Kompetenzen gelten auf dem Ar- handelt es sich um niedrigqualifizierte Arbeiter, konnten, sowie spätere Ausbildungsprogramme, stimmt mit der Forderung der angewandten Lingu-
beitsmarkt als wichtige Voraussetzung für beruf- bei einer Minderheit um hochqualifizierte Spezia- die mit dem Aufkommen von neuen Management- istik überein, wonach die Inhalte betrieblicher
liche Handlungkompetenzen. Entsprechend werden listen. Beide Gruppen haben sich zweifach neu zu modellen und partizipativen Arbeitsformen in Sprachfördermassnahmen stärker an empirischen
in der beruflichen Aus- und Weiterbildung und am sozialisieren (double socialization gem. Li 2000: ­Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften durch- Daten zur effektiv notwendigen Sprache am Ar-
Arbeitsplatz nicht nur fachliche, sondern auch 62): einerseits in einer neuen Arbeitsumgebung, geführt wurden mit dem Ziel, dank guter Englisch- beitsplatz zu orientieren seien (Duff 2005, Holmes
sprachliche Kompetenzen vermittelt. Insbesondere andererseits in die sprachlichen und kulturellen kompetenzen die Effizienz am Arbeitsplatz, die 2005, Holmes & Riddiford 2009, Newton 2007,
in (anglofonen) Ländern mit einer langen Tradition Praktiken des neuen Landes. Und am Arbeitsplatz Flexibilität der Arbeiter und damit die Wachstums­ ­Yates 2010). 2. Vermitteln von sozialen interakti-
der Arbeitsimmigration sind bereits früh Anstren- erwartet sie in der Regel ebenfalls eine zweifache chancen zu verbessern. In England wurde mit onalen Kompetenzen für die Arbeitsplatzkommuni-
gungen unternommen worden (von Seiten der Re- neue Sozialisierung: in die Praktiken der neuen Regierungsunterstützung ein Programm zur
­ kation: Eine zweite Gruppe von Studien befasst
gierung, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter), Arbeit und in die Sprache des Unternehmens ­Förderung der Englischkompetenzen der meist sich vor allem mit der interpersonellen, informellen
ausländische Arbeits­kräfte in der lokalen Landes- ­(Roberts 2010), wobei Letztere meistens die Sprache südostasiatischen Arbeitsmigranten durchgeführt Arbeitsplatzkommunikation (z.B. Yates 2007). Sie
sprache auszubilden. Dort scheint auch die Dis- der Mehrheit des betreffenden Staates oder aber (National Centre for Industrial Language Training, betonen, dass die Sprache der Routineinteraktio-
kussion über die Zusammenhänge von allgemeiner das Englische ist, zu welchem die hochqualifizier- NCILT, 1974 bis in die späten 1980er-Jahre), um nen und soziopragmatische Aspekte ebenso wich-
und arbeitsplatzbezogener Sprachförderung als ten Spezialisten und Manager einen privilegierten die Kommunikation, aber auch die Sicherheits­ tig seien für eine gelingende Teilnahme in
Instrument der Integration entwickelter zu sein als Zugang haben (mehr dazu in Kap. 2.2.2). standards an der Arbeit zu verbessern und die der Arbeitswelt wie spezifische Fachsprachen­
in anderen Ländern (Grünhage-Monetti & Klepp Nicht alle Arbeitsplätze bieten die Gelegen- Migranten dazu zu befähigen, besser am Gemein- kenntnisse (Holmes 2005, Holmes et al. 2011).
2003). Forschungsarbeiten zur sprachlichen Sozi- heit zur sprachlichen Sozialisierung, insbesondere schaftsleben teilzunehmen. Derartige Sprachaus- 3. ­Vermitteln von interkultureller und kritischer
alisierung am Arbeitsplatz gibt es jedoch nur we- nicht die blue-collar workplaces mit lärmiger Um- bildungsmassnahmen haben zur Entstehung einer Language Awareness (Sprachbewusstseinsförde-
nige (Duff, Wong & Early 2000, Duff 2008, 2012, gebung, Isolierung und clustering von unter- internationalen Industrie für workplace English rung): Ein dritte Gruppe von Studien befasst sich
Roberts 2010). schiedlichen Erstsprachengruppen (Duff 2008, for Speakers of Other Languages (ESOL/ESL), mit der Förderung von Language Awareness (New-
In diesem Kapitel werden wir zuerst auf Lite- Yates 2010, Newton & Kusmierczyk 2011). Gefor- ­Bildungsmassnahmen (literacy provision) und ton 2007), inkl. kritische Language Awareness
ratur zur Zweitsprachenförderung von Zuge­ dert wird deshalb, dass Ausbildungsprogramme am ­Übersetzungen geführt (Hewitt 2012: 269). In- (Guo 2009), um den L2-Lernenden die Mittel an die
wanderten am Arbeitsplatz eingehen sowie auf Arbeitsplatz von Erkenntnissen der situierten teressanterweise werden neuerdings vermehrt Hand zu geben, die kulturell unterschiedlichen In-
kritische Analysen der Konzeption von Sprachkom- ­ethnografischen Forschung ausgehen und eine ­Sicherheits- und Job-Trainings in der Erstsprache teraktionserwartungen und -normen zu erfassen,
petenzen als Schlüsselfaktor der (beruflichen) In- emanzipatorische Vision verfolgen, welche die Ler- der nicht anglofonen Arbeiter durchgeführt, da verstehen und adäquat einzusetzen und alle invol-
tegration. Anschliessend befassen wir uns mit nenden zur besseren Partizipation in mehrspra­ dies zum besseren Verständnis, zu einer grösseren vierten Akteure für diskriminierende Praktiken
Studien zur Lehrlingsausbildung, in welchen nicht chigen und multikulturellen Arbeitsplätzen er- Identifikation mit dem Arbeitsplatz und damit zu zu sensibilisieren (Roberts 2005). 4. Vermitteln
nur der Fremdsprachenunterricht, sondern die Rol- mächtigen und hegemoniale Prozesse und Diskur- einer grösseren Produktivität und Qualität führe und Erlernen der diskursiven Anforderungen bei
le von Sprache allgemein bei der Wissensvermitt- se herausfordern soll. (Tyler 2005 gem. Hewitt 2012: 272). In einer jün- einem Jobinterview: Die letzte Gruppe von Studien
lung und -konstruktion im Lernprozess untersucht Die Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt geren Studie (zu einem Sicherheitskurs für im Aus- ­erforscht die diskursiven Erfordernisse und Hür-
werden. Dabei beschränken wir uns in erster Linie ­wurde anfänglich in erster Linie als praktische land geborene hispanofone Baustellenarbeiter in den eines Anstellungsgesprächs und die Heraus-
auf (praxisorientierte und wissenschaftliche) Stu- ­Herausforderung wahrgenommen, weshalb noch den USA) ist denn auch der grösste Lernprozess forderungen eines interkulturellen Interviews für
dien aus der EU und der Schweiz. vor diesbezüglichen Forschungsarbeiten Ausbil- ausgemacht worden, wo beide Sprachen bzw. Migranten oder Angehörige ethnischer Minderhei-
dungsprogramme für fremdsprachige Arbeitskräf- ein Translanguaging-Ansatz verwendet wurde ten (Roberts & Campbell 2006, Roberts, Campbell &
te ins Leben gerufen worden waren (Roberts ­(Wilkins, Alibutod & Nugroho 2013). Robinson 2008) (vgl. mehr dazu in Kap. 3.1).
4.1 2007). Insbesondere in klassischen Einwande- Mit Newton & Kusmierczyk (2011) können wir Im Vergleich zum anglofonen Sprachraum sind
Sprachliche Sozialisierung und rungsländern wie Amerika, Kanada und Australien in der aktuellen (englischsprachigen) Forschung Projekte und wissenschaftliche Studien zur be-
Sprachausbildung am Arbeitsplatz scheinen diese eine lange Tradition aufzuweisen. zum Zweitsprachenunterricht am Arbeitsplatz vier trieblichen Sprachförderung in Kontinentaleuropa
Hewitt (2012) beschreibt die schon zu Beginn des Trends ausmachen: 1. Evidenzbasierter Sprachun-
Bei der heutigen berufs- und arbeitsbezogenen 20. Jahrhunderts von der Ford Motor Company in terricht am Arbeitsplatz: Eine wachsende Anzahl 15 | Vergleiche dazu auch das in der ELF-Literatur ver-
breitete Konzept der (workplace) community of practice
Sprachausbildung steht die Förderung der Kennt- Detroit eingerichtete Ford English School für die ethnografischer Forschungen zum Arbeitsplatzdis-
(Holmes & Meyerhoff 1999, Ehrenreich 2010), das eine
nisse in einer Zweitsprache bzw. in der dominie- zahlreichen Arbeiter, die kein oder kaum Englisch kurs verdeutlicht, dass man weg von reinen Be- differenzierte Betrachtung der sprachlichen Praktiken
renden Unternehmenssprache bei fremdsprachigen darfsanalysen und Evaluationen kommt (Roberts je nach Unternehmen und/oder Team, in welchem jemand
arbeitet, und die darauf auszurichtenden Sprachför-
Arbeitskräften im Zentrum.14 Sie wird insbesonde- 2005) und den Arbeitsplatz als holistische kommu-
14 | In der englischen Literatur ist oft die Rede von dermassnahmen umfasst. Eine Kritik am Konzept der
re für diejenigen Arbeitskräfte relevant, die sich L2 workers, auf Deutsch vom Zweitsprachenerwerb am nikative Umgebung versteht,15 worauf auch das community of practice und an der damit verbundenen
aufgrund von Migration in einem neuen, anders- Arbeitsplatz, auch wenn es sich dabei um Arbeitskräfte wachsende Interesse an Forschungen zur sprach- Flexibilitäts- und Gemeinschaftsideologie sowie stra-
handeln kann, bei welchen die neue Arbeitssprache eine tegischen Konversationsförderung als Schlüsselfaktor
sprachigen, oft mehrsprachigen und multikulturel- Dritt- oder sogar Viertsprache darstellt (Duff 2012). Wir
lichen Sozialisierung am Arbeitsplatz verweist des Business, des Wissensmanagements und zwecks
len Kontext zu bewegen haben. Bei der Mehrheit passen uns diesem Sprachgebrauch an. (Duff 2008). Der Trend zur situierten Forschung Umsatzsteigerung findet sich z.B. bei McElhinny (2012).
34 35

Kapitel 4 Kapitel 4
Sprachliche Sozialisierung am Arbeitsplatz und Berufsbildung Sprachliche Sozialisierung am Arbeitsplatz und Berufsbildung

erst später aufgekommen und u.a. auch durch die EU- ­ usbildungen die erworbenen kommunikativen
A überprüft noch honoriert wird, dass Italienisch- wachsenden sprachlich-kommunikativen Anforde-
Politik bzw. die in Barcelona anno 2002 beschlos- Kompetenzen über den betrieblichen Kontext kompetenzen der ausländischen Arbeitskräfte rungen auf dem Arbeitsmarkt hat sich auch das für
senen Ziele angeregt worden, wonach Kenntnisse hinaus anwenden können sollen. Betriebliche
­ ­jedoch für wichtig gehalten werden (Zorzi et al. die arbeitsmarktlichen Massnahmen zuständige
in mindestens zwei Fremdsprachen zwecks Sprachförderung solle dazu beitragen, dass die 2012). Dieser Widerspruch – zwischen Anerken- Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) um eine
­Wettbewerbsfähigkeit erlangt werden sollen (z.B. Lernenden zum Handeln und zur sozialen Partizi- nung des zentralen Stellenwertes von Sprachkom- verstärkt arbeitsmarktbezogene Ausgestaltung
LETitFLY 2007: VII). Auf europäischer Ebene er- pation befähigt werden. Dies wird mit dem linguis- petenzen für den internationalen Markt einerseits von Sprachkursen für fremdsprachige Stellensu-
möglichte das Projekt und Netzwerk Odysseus tischen Modell des Szenarios angestrebt, das und fehlenden Bemühungen der Unternehmen, die chende bemüht (Maurer & Ferraro 2010) und ein
„Zweitsprache am Arbeitsplatz“ (2000–2003, or- ihrem Projekt „Deutsch am Arbeitsplatz“ zugrunde L2- und Fremdsprachenkompetenzen ihrer Ange- Rahmenkonzept für Projektverantwortliche und
ganisiert vom Europäischen Fremdsprachenzent- liegt. Dieser holistische Ansatz beruht auf einem stellten zu entwickeln und d ­ iejenigen ihrer auslän- Lehrpersonen erarbeiten lassen, die „Deutsch für
rum in Graz EFSZ und der Gene­raldirektion Bildung handlungsorientierten und reflexiven metho- dischen Angestellten vermehrt zu nutzen ande- den Arbeitsmarkt“ bzw. „Du français pour travail­
und Kultur der Europäischen Kommission) den Aus- disch-didaktischen Vorgehen und umfasst ein rerseits – ist auch von Polselli (2012) analysiert ler“ unterrichten (Maurer & Ecoeur 2010). Und
tausch zwischen Praktikern und Forschenden, die breites Spektrum an Sprachhandlungen. worden. nach der Annahme einer Volksinitiative im Februar
im Bereich der berufs- und arbeitsplatzbezogenen Von den zahlreichen Initiativen in weiteren In der Schweiz sind seit ein paar Jahren ver- 2014, die eine Einwanderungsbeschränkung vor-
Zweitsprachenförderung tätig sind, um zur Verbes- europäischen Ländern zur sprachlichen Integrati- stärkte Bemühungen zur Förderung der sprachli- schreibt, müssen neuerdings verstärkt Arbeits-
serung des Angbots an L2-Schulung für Arbeit- on am Arbeitsplatz sei hier auch das Netzwerk chen Aus- und Weiterbildung am Arbeitsplatz kräfte im Inland rekrutiert werden können. Aus
nehmende anderer Sprache und ohne formale ­Langage, Travail et Formation (LTF) in Frankreich auszumachen. Dabei stehen auch hier die Förde- diesem Grund bemühen sich Staat und Wirtschaft,
Berufsausbildung beizutragen (Grünhage-Monetti, erwähnt. Dieses will – in Fortsetzung des Netzwer- rung der Kompetenzen in der lokalen Sprache bei vermehrt das Potenzial der Migrationsbevölkerung
Halewijn & Holland 2004). kes Langage et Travail (vgl. Kap. 2.1) – die Syner- der ausländischen Arbeiterschaft und der Szenario- zu nutzen und ihre Aus- und Weiterbildung zu för-
Das EFSZ befasst sich auch in weiteren Pro- gien zwischen den verschiedenen Disziplinen, Ansatz im Zentrum (z.B. Maurer & Stotz 2004). dern. Seither sind Projekte zur Sprachförderung
jekten mit der betrieblichen Sprachförderung: Forschenden und Ideen zu diesem Themenbereich Studien zur Förderung mehrsprachiger Kompeten- am Arbeitsplatz im Baugewerbe, im Gastgewerbe
z.B. „Language for Work (LfW)” und „Languages und insbesondere auch den Austausch mit Aus- zen am Arbeitsplatz gibt es nur wenige, neuerdings und in der Hotellerie im Gang. Über die Sprach­
in Corporate Quality (LINCQ)”.16 LfW wird von bildnern im Feld intensivieren, um die For­schung eine zur sprachlichen Aus- und ­Weiterbildung von kompetenzen hinaus soll auch verstärkt die beruf-
­Grünhage-Monetti vom Deutschen Institut für und sprachlichen Ausbildungsdispositive zu Angestellten bei der in drei Amtssprachen arbei- liche Grundbildung von ausländischen Personen
­Erwachsenenbildung (DIE) koordiniert, die nicht ­stärken zugunsten der Verminderung sprachlicher tenden eidgenössischen Bundesverwaltung (Chris- in der Schweiz gefördert werden, wobei insbe­
nur das oben erwähnte Odysseus-Projekt mitge- Unsicherheit bei der Arbeitsmarktintegration
­ topher Guerra & Zurbriggen 2013, Christopher & sondere der Alters- und Pflegebereich im Fokus
leitet hat, sondern auch zahlreiche Artikel zur be- ­(Adami & André 2014). Seit 2015 publiziert LTF eine Zurbriggen 2015). Den nicht institutionell organi- stehen (TAK 2014).
rufs- und arbeitsplatzbezogenen Sprachförderung gleichnamige wissenschaftliche Online-Zeitschrift, sierten, sondern den (unfokussierten) Spracher- Die in solchen Projekten auszumachende
in Deutschland publiziert hat (z.B. Grünhage-­ herausgegeben von Adami, André und Ciecanski.17 werb bzw. die „Sprachadoption“ und den mixed Konzeption von Kenntnissen der lokalen Sprache
Monetti & Klepp 2003, 2004, Grünhage-Monetti In Italien ist der sprachliche Ausbildungsbe- style am Arbeitsplatz hat Franceschini (2002 etc.) als Schlüsselfaktor zur Integration allgemein und
2007, 2010, Berg & Grünhage-Monetti 2009 etc.). darf zu Arbeitszwecken u.a. im Rahmen von untersucht, und zwar in quasi umgekehrter Rich- zur beruflichen Integration im Speziellen wird
Studien zur Deutschförderung am Arbeitsplatz in ­LETitFLY (Learning, Education and Training in the tung, d.h. von deutschsprachigen Händlern durch in soziolinguistischen Studien kritisch durch­
Deutschland sind zudem auch vom Institut für Ar- Foreign Languages in Italy) zwischen 2003 und ihre anderssprachigen Kunden in Basel. leuchtet. Diese werfen die Frage auf, wer denn
beitsmarkt- und Berufsforschung der Bundes- 2006 erforscht worden (LETitFLY 2007). Demge- Zwecks sprachlicher Förderung von Migran- letztlich profitiert von derartigen Sprachkursen
agentur für Arbeit (IAB) durchgeführt worden mäss scheinen die befragten Unternehmen den ten hat das Bundesamt für Migration (BFM, heute und -­ audits, und kritisieren die in einigen Aus­
(siehe z.B. Deek 2006, 2007). Nutzen von Sprachkompetenzen zu unterschätzen Staatssekretariat für Migration SEM) das Institut bildungsprogrammen zum Ausdruck kommenden
Grünhage-Monetti & Klepp (2003) plädieren oder diese gar als Luxus zu betrachten ­(Berruto für Mehrsprachigkeit in Fribourg beauftragt, ein Sprachideologien und dominierenden Sprachanfor-
nicht nur für funktional und beruflich verwertbare 2007, Polselli & Zorzi 2013). ELIA (Educazione Lin- entsprechendes Rahmencurriculum zu erarbeiten, derungen, welche die Hegemonie der dominanten
Modelle der berufs- und arbeitsplatzbezoge- guistica in Istituzioni e Aziende), eine Studie zur das auch die Handlungsfelder Arbeitsplatz und Sprache bekräftigten (Roberts, Davies & Jupp
nen Sprachförderung, sondern auch für ein em­ beruflichen Sprachausbildung in der Provinz For- Arbeitssuche berücksichtigt (Lenz, Andrey &
­ 1992, Roberts 2007, 2010, Hewitt 2012 etc.). Als
powerment der Lernenden, die aufgrund solcher lì-Cesena zeigt, dass die individuelle Mehrspra- Lindt-Bangerter 2009). Auf dieser Grundlage ist exemplarische kritische Studie aus dem englisch-
chigkeit der Arbeitnehmenden in der Regel weder 2012 das Projekt „fide“ (Deutsch resp. Franzö- sprachigen Raum gilt die linguistische Ethnografie
16 | Mehr Informationen dazu unter: http://language- sisch resp. Italienisch in der Schweiz – lernen, leh- in einer kanadischen Fabrik von Goldstein (1997),
forwork.ecml.at/Home/tabid/3151/language/en-GB/De- 17 | Die numéro Zéro findet sich unter: https://apps. ren, beurteilen) ins Leben gerufen worden. Es auf welche regelmässig verwiesen wird (vgl. auch
fault.aspx und www.ecml.at/ECML-Programme/Program- atilf.fr/reseaultf/?cat=17 [letzter Zugriff: 15.6.2016].
bietet einen konzeptionellen Rahmen für den Kap. 1.1): Ausgehend von ihren eigenen Erfahrun-
me2012-2015/LINCQ/tabid/1835/Default.aspx [letzter Eine kommentierte Bibliografie von 2012 zum Franzö-
Zugriff: 15.6.2016]. Siehe auch die Kurzinformation zu sischen als Berufs- und Arbeitssprache (inkl. Literatur Zweitsprachenunterricht, der einem szenario­ gen als Englischlehrerin für mehrheitlich weibliche
LfW auf dem Fachportal der Fachstelle Berufsbezoge- zur sprachlichen Sozialisierung am Arbeitsplatz) findet basierten Sprachunterricht verpflichtet ist und portugiesischsprachige Fabrikarbeiterinnen in
nes Deutsch http://www.deutsch-am-arbeitsplatz.de/ sich unter: www.ciep.fr/sites/default/files/migration/
language_for_work.html?&type=123 [letzter Zugriff: biblio-flash/docs/biblio-flash-francais-langue-professi-
­Bedürfnisorientierung und Nähe zum schweizeri- ­Toronto, untersuchte sie die Gründe für den gerin-
15.6.2016]. onnelle-n-10.pdf [letzter Zugriff: 15.6.2016]. schen Alltag ins Zentrum stellt. Angesichts der gen Erfolg ihrer ESL-Kurse und stellte fest, dass
36 37

Kapitel 4 Kapitel 4
Sprachliche Sozialisierung am Arbeitsplatz und Berufsbildung Sprachliche Sozialisierung am Arbeitsplatz und Berufsbildung

diese Kurse eher als sozialer Anlass aufgefasst Arbeitskräften in einem schwedischen Spital
­ kompetenzen und Integrationserfolg. Zudem würde schweizerischen Zeitschrift für Sprachunterricht
wurden, denn als Gelegenheit zur sprachlichen v­ erdeutlicht: Das Reinigungspersonal konnte im oft ausser Acht gelassen, dass sprachliche Anfor- Babylonia zum Thema „Sprachenlernen in der Be-
Qualifizierung. Bessere Englischkenntnisse hätten Gegensatz zum medizinischen Personal weniger derungen auch als Selektionsinstrument dienten rufsbildung“ (2/2013). Darin wird festgestellt,
diesen Arbeiterinnen nicht für das berufliche Wei- Schwedisch, da es seltener Gelegenheit hatte, (vgl. dazu auch Kap. 3) und der Ruf nach Erwerb dass nur eine Minderheit der Berufsausbildungen
terkommen gedient, da sie über zu geringe schuli- Schwedisch zu sprechen (Andersson gem. Gun­ der lokalen Sprache in erster Linie den Bedürfnis- eine Fremdsprache als Pflichtfach vorsieht (Ghisla
sche Ausbildungen verfügten. Zudem kam dem narsson 2013a: 178, 2014: 21). Zu ähnlichen Re­ sen des Arbeitsmarktes entspringe. Eine aktuelle 2013). Angesichts der begrenzten Lektionenzahl
Portugiesischen ein wichtiger symbolischer Wert sultaten kommt auch eine Studie, die bei viet- Studie aus der Schweiz zeigt denn auch (anhand an Berufsfach- und Berufsmaturitätsschulen kon-
zu: Portugiesisch galt quasi als Familiensprache namesischen Immigranten in der Tschechischen von ethnografischen Daten und einer Fragebo­ zentrieren sich die Bemühungen um Förderung der
unter den Fliessbandarbeiterinnen (die Inhaber re- Republik und bei subsaharisch-afrikanischen Im- genumfrage), wie Sprachkurse für (ausländische) Fremdsprachenkenntnisse einerseits auf vermehr-
krutierten ihr Personal denn auch via portugiesi- migranten in Deutschland beobachtete, dass deren ­Stellensuchende von den Personalberatern der te Austauschaktivitäten (Saudan 2003, Höchle
sche Netzwerke wie Kirche oder Medien), es war Mehrsprachigkeit nicht valorisiert wurde und sie ­öffentlichen Arbeitsvermittlungszentren sehr un- 2010, Höchle Meier & Yanaprasart 2012, Bauder
die dominierende Sprache, selbst bei spanisch- kaum Möglichkeiten hatten, die Ortssprache am terschiedlich bewertet und im Rahmen einer 2013, Bichsel 2013, Landert>Partner 2013), an-
und italienischsprachigen Arbeiterinnen, Englisch Arbeitsplatz (meist in low-level jobs) zu verwenden ­institutionellen und arbeitsmarktorientierten Inves- dererseits auf den zweisprachigen Unterricht. Seit
war die Sprache der Vorgesetzten, Manager und oder zu erlernen (Meinhof et al. 2009: 6f., Vasiljev, titions- und Kosten-Nutzen-Logik verordnet werden Ende der 1990er-Jahre sind Projekte mit zweispra-
Besitzer. Diese Studie wirft ein kritisches und dif- Dégi & Ludwar-Ene 2010: 13, Vasiljev & Nekvapil (Duchêne et al. 2015). chigem Sachfachunterricht in Schweizer Berufs-
ferenziertes Licht auf die Forderung, dass alle Im- 2012). Weitere Fallstudien im Rahmen von LINEE schulen und auf Berufsmaturitätsstufe erprobt,
migranten Englisch lernen müssten am Arbeitsplatz, verdeutlichen, dass mangelhafte Sprachkompeten- evaluiert und eingeführt worden (Jansen O’Dwyer &
und hinterfragt die English-only-Politik, die der zen nicht unbedingt das Haupthindernis für den 4.2 Nabholz 2004, Jansen O’Dwyer 2007, Brohy &
Stärkung der hegemonialen Position des Engli- Jobzugang und die wirtschaftliche Integration Sprache in der Berufsbildung Gurtner 2011, Miltschev 2013).18 Weiterführende
schen diene. Heute wird vermehrt zu bedenken ge- darstellen, sondern dass andere Faktoren ebenso internationale Literatur zum integrierten Sprach­
geben, dass Sprach- und Kommunikationskurse für einflussreich sind, insbesondere die historischen Angesichts der national sehr unterschiedlich aus- unterricht bzw. zu CLIL in der Berufsbildung ­findet
Arbeitsimmigranten auch die Aufmerksamkeit weg Migrationshintergründe, die den Status der gestalteten Bildungssysteme beschränken wir uns sich z.B. in Andreas et al. (2011), die ein Modell-
von strukturellen Arbeitsproblemen, von ökonomi- Migranten und ihrer Sprache prägen, sowie die su- beim Überblick zu Studien, die sich mit dem Stel- projekt in Berlin vorstellen, oder in Denman, Tanner &
schen und sozialen Hindernissen lenkten und die pranationalen, nationalen und unternehmerischen lenwert von Fremdsprachen und von Sprache ins- De Graaff (2013), welche CLIL-Programme bei der
fremdsprachigen Arbeitskräfte quasi als ursächli- Sprachpolitiken und schliesslich auch die familiä- gesamt in der Berufsbildung befassen, primär auf Berufsausbildung in den Niederlanden, insbe­
ches Problem und selbstverantwortlich für ihre ren und individuellen, meist pragmatischen sprach- die Schweiz und die in der Schweiz publizierte Li- sondere bei tieferen Anforderungsprofilen, unter-
fehlenden Fertigkeiten darstellten (Hull 1999, bezogenen Einschätzungen und Haltungen der teratur zur beruflichen Grundbildung. Hier lassen suchen.
­Allan 2013, Urciuoli & LaDousa 2013). Die Bedeu- Migranten selbst (Hilmarsson-Dunn et al. 2010, sich v.a. zwei soziolinguistische Forschungsinter- Seit ein paar Jahren ist in der angewandten
tung der Förderung der sprachlichen Aus- und Barát, Studer & Nekvapil 2013). essen ausmachen: einerseits ein Interesse an der Linguistik und der Soziolinguistik ein zunehmendes
Weiterbildung am Arbeitsplatz wird auch mit dem Auch in anderen Ländern findet eine Diffe- Frage, welche Sprachen in welcher Form während Interesse an der integrierten Erforschung von
Hinweis darauf differenziert, dass der Zusammen- renzierung und Dekonstruktion dieses Diskurses der Berufsausbildung unterrichtet werden (sol- sprachlichen und beruflichen Kompetenzen auszu-
hang zwischen Sprachkompetenzen und Leis- statt, z.B. für die Schweiz bei Mateos (2009) und len); andererseits ein Interesse an der grundsätz- machen (z.B. De Saint-Georges & Filliettaz 2008,
tungserbringung am Arbeitsplatz nicht für alle Flubacher (2014), für Norwegen bei Baba & Dahl-­ lichen Frage danach, welche Rolle der Sprache Duc & De Saint-Georges 2009, Filliettaz 2009a/b,
gleichermassen zutreffe und dass die Notwendig- Jørgensen (2013), für Österreich bei Plutzar bzw. sprachlichen Praktiken insgesamt beim be- 2014, Bulea 2011, De Saint-Georges 2014). Dabei
keit von Kompetenzen in der dominierenden Spra- (2010) und Gatt (2013) oder für Deutschland und ruflichen Lernprozess zukommt. werden nicht Fragen der Mehrsprachigkeit fokus-
che je nach Ort, Branche und ethnischer Herkunft Kanada bei Henkelmann (2010, 2012). Kritisiert In der Literatur zum Fremdsprachenunter- siert, sondern die Interaktion und Ko-Konstruktion
variiere (McGroarty 1990). Auch Arbeiter mit ge- wird, dass Kompetenzen in der lokalen Sprache un- richt während der Berufsbildung wird die Notwen- von beruflichen und sprachlichen Kompetenzen
ringen Englischkompetenzen hätten oft bewiesen, hinterfragt als Voraussetzung für eine erfolgreiche digkeit betont, die Lehrlinge genügend auf die ­allgemein. Es wird betont, dass berufliches Wissen
dass sie sich erfolgreich ein technisches Spezial- schulische Karriere, einen Ausbildungsabschluss zunehmend mehrsprachige Arbeitswelt vorzuberei- zu einem wesentlichen Teil durch sprachliche Stra-
register oder eine „Fabriksprache“ (shop floor und den Arbeitsmarktzugang gelten würden, womit ten (Barth 2008, Lüdi & Barth 2009, Lüdi 2010a/b). tegien vermittelt und konstruiert wird, weshalb es
­language) aneignen oder kompensatorische Stra- einem assimilationistischen Ideal einer homogenen Englisch spiele dabei eine wichtige Rolle, aber eine linguistique de la formation brauche, die über
tegien entwickeln konnten, um ihre Arbeit zu ver- Gesellschaft und der Fixierung der nationalsprach- nicht als einzige Fremdsprache, weshalb die
richten (Mawer 1999 gem. Hewitt 2012: 269). Und lichen Dominanz Vorschub geleistet werde. Erfolg- sprachliche Ausbildung mehrere Sprachen umfas-
18 | Das Eidg. Hochschulinstitut für Berufsbildung ist
je nach Funktion und hierarchischer Position ­haben reiche Integration werde damit einseitig als sen und eine Art flexibel einsetzbares „Minimal-
zudem beauftragt worden, ein Kompetenzzentrum für
eingewanderte Arbeitskräfte unterschiedlich aus- abhängig vom Integrationswillen der ausländi- repertoire“ (Lüdi 2007: 54, 2010a: 309, 2010b) bilingualen Unterricht aufzubauen, um die Berufsfach-
geprägte Möglichkeiten, sich die lokale Spra- schen Bevölkerung und ihrer Bemühungen um An- vermitteln solle. Vom zunehmenden Interesse für schulen zu unterstützen. Es bietet neuerdings einen
CAS zu „Bilingualer Unterricht in der Berufsbildung“ an.
che anzueignen, wie z.B. eine interaktionale eignung der Landessprache konzipiert. Es gebe Fragen der sprachlichen Aus- und Weiterbildung Mehr dazu unter: www.ehb.swiss/cas-bilingualer-unter-
­soziolinguistische Studie bei eingewanderten aber keine unilineare Kausalität zwischen Sprach- in Berufsschulen zeugt u.a. eine Ausgabe der richt-der-berufsbildung [letzter Zugriff: 15.6.2016].
38 39

Kapitel 4 Kapitel 4
Sprachliche Sozialisierung am Arbeitsplatz und Berufsbildung Sprachliche Sozialisierung am Arbeitsplatz und Berufsbildung

die Frage des Sprachunterrichts in der Berufsbil- misch und multimodal erfolgt und wie die Lehr- (2009a) am Beispiel von Ausbildungsunterlagen
dung hinausgehe (Filliettaz 2009a). Insbesondere lingsbegleitung im Spannungsfeld zwischen Pro- und -praktiken aus der Schweizer Tourismusbran-
konversationsanalytische und ethnomethodologi- duktivitätsdruck und Ausbildungsaufgabe steht. che, die eine primordiale Kundenorientierung zum
sche Forschungen konzipieren die sprachliche Duc & De Saint-Georges (2009) analysieren die dy- Ausdruck bringen und einer Produktivitäts-, Ren-
­Interaktion (parole-en-interaction bzw. talk-in-­ namische Evolution des Lernprozesses am Fallbei- tabilitäts- und Kotrolllogik folgen. Er zeigt auf, wie
interaction) als wichtige Ressource für die Aus- spiel eines Automechanikerlehrlings. Im Fokus dienstleistungspezifische kommunikative Kompe-
übung beruflicher Aufgaben wie Problemlösung, stehen das Erlernen von Autonomie und die dabei tenzen in Form von Verhaltensregeln und (skript-
Entscheidungsfällung, Verhandlung, Lösungserar- auszumachenden unterstützenden Interaktionen, artigen) Anweisungen zur nonverbalen und
beitung, Teamkoordination, Dienstleistungen etc. die multimodal, d.h. verbal und nonverbal erfolgen. verbalen Kommunikation gelehrt werden.
Bessere Kenntnisse über derartige Interaktionen, Die Interaktion und Ko-Konstruktion von berufli-
die nicht nur talk at work, sondern auch talk as chen und sprachlichen Kompetenzen am Arbeits-
work darstellten, werden deshalb als wichtig für platz analysiert Bulea (2011) am Beipiel von zwei
die Ausbildung und Begleitung von Berufsleuten Krankenschwestern. Den wichtigen Einfluss des
betrachtet (Mondada 2006). Berufsumfeldes bei Lernprozessen verdeutlicht
Einen Schritt in diese Richtung stellen die im Laforest (2009) am Beispiel von Dossierpräsenta-
Bulletin vals-asla (Filliettaz 2009a) publizierten tionen während der Hebammenausbildung (in Qué-
Aufsätze zu den sprachlichen Kommunikations- bec). Diese zeigten, dass der Lernprozess zum
und Lernstrategien in der Berufsbildung dar. In Fachdiskurs nicht nur einen technischen berufli-
der Einleitung verweist Filliettaz in Anlehnung an chen, sondern auch einen Erfahrungsdiskurs um-
Boutet (2001) darauf, dass es nicht nur „la part fasst, der nur durch die Sozialisierung im
langagierère du travail“, sondern „’la part l­an- Berufsumfeld erlernt werden kann (wobei Unter-
gagière’ des activités de formation profession- schiede zwischen Spitälern in französisch- und in
nelle“ zu untersuchen gelte (2009a: 3). Die Artikel englischsprachigen Regionen zu bestehen schei-
untersuchen die praxeologischen und interaktio- nen, vgl. Duff 2008: 267).
nistischen Dimensionen der Sprachverwendung Angesichts der heute sich durchsetzenden
anhand von empirischen Daten aus beruflichen Einsicht, dass Lernprozesse dynamische, interak-
Aus- und Weiterbildungskontexten. Die im Folgen- tionale und multimodale Prozesse sind, fordert
den kurz präsentierten Studien befassen sich mit André (2009, 2015), dass auch die L2-Kompetenz-
der Konstruktion von beruflichem Wissen in der förderung am Arbeitsplatz via integriertes Lernen
Lehrerausbildung (Vanhulle 2009), mit dem paral- erfolge (vgl. dazu Kap. 4.1), insbesondere in schu-
lelen Aufbau von sprachlichen und beruflichen lisch weniger anspruchsvollen Berufen, z.B. in Rei-
Kompetenzen und mit den (verbalen und nonver- nigungsberufen, für welche sie ein kontext- und
balen) Interaktionen während des Lernprozesses praxisbezogenes Evaluationsinstrument der
bei Lehrlingen und Berufsleuten (Filliettaz 2009b, Sprachkompetenzen entwickelt und ein berufsspe-
Duc & De Saint-Georges 2009), u.a. auch im Ge- zifisches Wörterbuch/lexique zusammengestellt
sundheitswesen (Laforest 2009, Bulea 2011), so- hat. Die Integration von sprachlicher und techni-
wie mit der L2-Ausbildung in Reinigungsberufen scher Ausbildung wäre nicht nur zeitlich effizient,
(André 2009, 2015, Adami & André 2012) und mit sondern würde auch den sprachlich schwachen
der Vermittlung von dienstleistungsspezifischen und weniger geschulten Auszubildenden den Zu-
kommunikativen Kompetenzen in der Tourismus- gang erleichtern. Da eine angemessene Didaktik
branche (Duchêne 2009a). nur in engem Kontakt mit dem Feld bzw. der Be-
Filliettaz (2009b) und Duc & De Saint-Geor- rufspraxis und ausgehend von sehr guten Kennt-
ges (2009) verdeutlichen an Fallbeispielen der nissen der Arbeitskontexte entwickelt werden
Lehrlingsbegleitung am Arbeitsplatz, dass der kann, wird eine sociolinguistique impliquée gefor-
Lernprozess ein dynamischer, interaktionaler und dert (Adami & André 2012).
multimodaler Prozess ist. Filliettaz (2009b) zeigt In touristischen Dienstleistungsberufen
auf, wie die Lehrlingsbegleitung einen situierten spielen kommunikative und sprachliche Kompeten-
Konstruktionsprozess darstellt, kollektiv, dyna- zen eine zentrale Rolle. Dies verdeutlicht Duchêne
40 41

4 Sprachliche Sozialisierung am
Arbeitsplatz und Berufsbildung 5 Management der Sprachen-
vielfalt

4.3 Unternehmen, deren Belegschaft sich aus mehre- gorien im Zentrum: die Sprache des Hauptsitzes
Zusammenfassung ren Sprachgruppen und Nationalitäten zusammen- (parent company language PCL), die gemeinsame
setzt und die über die Sprachgrenzen hinaus tätig Unternehmenssprache (common corporate lan­
Sprachkompetenzen gelten heute als Vorausset- sprachlicher Strategien erfolgt. Die Erkenntnisse sind, werden automatisch mit der Frage konfron- guage CCL) und die verschiedenen lokalen (Fremd-)
zung für berufliche Handlungskompetenzen. hinsichtlich des engen Zusammenhangs zwischen tiert, wie sie sich den damit einhergehenden Sprachen (local (foreign) languages). Thomas
­Daraus ergeben sich drei wichtige Forschungsfel- sprachlicher und technischer Ausbildung werden sprachlichen Herausforderungen stellen wollen. (2007, 2008) betont, dass die Sprachplanung in
der, welche die sprachliche Sozialisierung am heute als Argument für eine verstärkte integrierte Teilweise haben sie unternehmenseigene sprach- MNCs berücksichtigen müsse, dass sprachliche
­Arbeitsplatz und in der Berufsbildung betreffen: Zweitsprachenförderung bzw. für die Förderung liche Regelungen erlassen und verfügen über ein Standardisierung nicht alle Probleme löse und oft
die Zweitsprachenförderung am Arbeitsplatz, die von Sprachausbildung als Teil der praktischen Be- explizites Sprachmanagement, in einigen Staaten neue schaffe, dass Fremdsprachenkenntnisse ei-
Förderung von Sprachkompetenzen während der rufsbildung angeführt. sind sie zudem sprachpolitischen Vorgaben unter- nen Wettbewerbsvorteil für lokale Märkte darstell-
Berufsbildung und die Ko-Konstruktion von stellt (vgl. dazu auch Kap. 1.2). Das Management ten und dass eine CCL in der Praxis fast immer
sprachlicher und fachlicher Kompetenz. Die aktu- der sprachlichen Vielfalt in der Arbeitswelt wird zusammen mit anderen Sprachen verwendet werde
elle Forschung zum L2-Unterricht am Arbeitsplatz vor allem in der Human-Resources- und Manage- (wie auch in zahlreichen anderen Studien betont
verfolgt einen holistischen Ansatz. Sie betont die ment-Literatur erforscht. In den letzten Jahren wird, vgl. Kap. 5.1).
Notwendigkeit, die Zweitsprachenförderung in finden wir vermehrt auch ethnografische Studien, In der Managementforschung sind die mögli-
Kenntnis des effektiven Kommunikationsbedarfs die sich dafür interessieren. Sie kommen gross- chen Regulierungsmassnahmen der sprachlichen
und folglich ausgehend von ethnografischen For- mehrheitlich zum Schluss, dass es ein Spannungs- Vielfalt in MNCs ausführlich untersucht und exem-
schungen am Arbeitsplatz zu konzipieren (evi- verhältnis zwischen der (expliziten) Sprachpolicy plarisch in Feely & Harzing (2003) erläutert wor-
denzbasierter, praxisorientierter Unterricht), und den zu beobachtenden sprachlichen Praktiken den. Die Sprachmanagement-Regelungen umfassen
dabei nicht nur Fachsprachenkenntnisse sondern gibt (vgl. Kap. 5.1). Eine grosse Anzahl Studien demgemäss insbesondere die Förderung eines
auch soziale interaktionale Kompetenzen für all- analysiert das Sprachmanagement, den Sprachbe- oder mehrerer folgender Aspekte: Lingua franca
tägliche Handlungssituationen zu vermitteln (sze- darf und die Sprachpraktiken in Unternehmen an- (v.a. Englisch), funktionale Mehrsprachigkeit (in
nariobasierter Unterricht), den Lernenden zu einer hand von Fragebogenumfragen (vgl. Kap. 5.2). der Belegschaft vorhandene Sprachen verwenden),
besseren Partizipationsmöglichkeit zu verhelfen Ebenfalls mit quantitativen Methoden arbeiten externe sprachliche Ressourcen (Übersetzer, Dol-
(emanzipatorische Vision) und sie für kulturelle sprachökonomische Studien, deren Analysen der metscher), Ausbildung, corporate language (CCL),
Unterschiede in den Interaktionserwartungen Zusammenhänge zwischen Sprachkompetenzen, language nodes und selektive Rekrutierung
und -normen sowie für potenziell diskriminierende Einkommen und wirtschaftlicher Wertschöpfung (sprachlich gut qualifizierte Personen anstellen,
Praktiken zu sensibilisieren (Language Aware- auch zur Optimierung von sprachpolitischen Mass- die als sprachliche Knotenpunkte fungieren),
ness). Kritische Analysen verweisen aber auch da- nahmen beitragen wollen (vgl. Kap. 5.3). ­Inwiefern ­expatriate management und inpatriation (Expats
rauf, dass Leistungserbringung am Arbeitsplatz und auf welche Art und Weise Minderheitenspra- nach Übersee entsenden, Einsatz von Angestellten
nicht unilinear von den Kompetenzen in der domi- chen im unternehmerischen Sprachmanagement ausländischer Filialen im Hauptsitz), Maschinen-
nanten Sprache abhänge. Sprach- und Kommuni- berücksichtigt werden, ist schliesslich Gegen- übersetzungen sowie die Verwendung einer
kationskurse für Arbeitsmigranten würden die stand von einigen in Kapitel 5.4 vorgestellten ­vereinfachten (meist englischen) Kommunika­
Hegemonie der dominanten Sprache bekräfti- ­Studien. tionssprache.
gen und teilweise auch als Selektionsinstrument Vorab soll kurz auf ein paar neuere Über- Im Übersichtsartikel von Truchot & Huck
­missbraucht. sichtsartikel zu Sprachpolitik und -management in (2009) zum traitement des langues dans les entre­
Die Forschung zum Stellenwert von Sprache der Arbeitswelt verwiesen werden, die das Spekt- prises stehen v.a. multinationale Unternehmen in
in der Berufsbildung betont heute die Notwendig- rum der anschliessend präsentierten Themen, Kon- Frankreich im Zentrum. Sie thematisieren, nebst
keit, die angehenden Berufsleute auf die zuneh- zepte und Perspektiven umreissen. Thomas (2007, den (historischen) ökonomischen Transformatio-
mend mehrsprachige Arbeitswelt vorzubereiten 2008) situiert sich im Rahmen der Linguistic Man- nen und den in MNCs relevanten Sprachtypen,
und sie mit einem flexibel einsetzbaren fremd- agement Theory (LMT) nach Jernudd & Neustupný auch die quasi inexistenten sprachgesetzlichen
sprachlichen Minimalrepertoire auszustatten. Heu- (1987, vgl. Kap. 1.2) und fokussiert v.a. die Pers- Vorgaben, die mit Sprache gekoppelten sozialen
te wird vermehrt auch der grundlegende ­ Zu- pektive von multinationalen Unternehmen (MNCs). Macht- und Distinktionsfragen sowie die ideologi-
sammenhang zwischen sprachlichen und berufli- Er geht davon aus, dass die Unternehmenssprach- schen Dimensionen der Internationalisierung. Sie
chen Kompetenzen erforscht und eine linguistique politik (corporate language policy) primär pragma- betonen die Notwendigkeit der Differenzierung
de la formation betrieben. Diese analysiert, wie be- tische Ziele verfolgt: Die sprachlichen Ressourcen zwischen aktionalen und diskursiven Aspekten bei
rufliches Wissen vermittelt und konstruiert wird sollen gefördert und sprachliche Barrieren abge- der Analyse des Sprachmanagements in Unterneh-
und wie die Ausübung beruflicher Aufgaben mittels baut werden. Dabei stehen drei sprachliche Kate- men, d.h. zwischen dem beobachtbaren, umgesetz-
42 43

Kapitel 5 Kapitel 5
Management der Sprachenvielfalt Management der Sprachenvielfalt

ten Sprachmanagement und dem diesbezüglichen Jahresberichten, Verträgen, Unternehmensprä- zum Thema Sprachmanagement und -praxis in Un- 2014). Die Koexistenz von mehreren Sprachen wür-
Diskurs.19 sentationen, internen offiziellen Kommunikationen, ternehmen publiziert worden, welche sich in der de auf der Mikroebene zwischen den Interagieren-
Duchêne & Heller (2012a/b) befassen sich Online-Auftritten, Pressemitteilungen, Stellenin- Regel eines Methodenmixes von Dokumentenana- den anders geregelt als auf der Makroebene der
aus der Perspektive der kritischen Soziolinguistik seraten etc. Bei Letzteren interessieren auch die lysen, Interviews und teilnehmender Beobachtung Firma, ein mehrsprachiger Arbeitsplatz werde nicht
mit den Charakteristiken der Sprachpolitik in der darin gesuchten Sprachprofile, die als Ausdruck bedienen: Die Analyse der Policy, Gebäudean- aufgrund der Festlegung einer Arbeitssprache bzw.
New Economy, die auch ein new management der eines pre-interaction-Managements gelten (eines schriften, Web- und Werbeauftritte, Jahresberich- einer CCL einsprachig (Fredriksson, Barner-Ras-
Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt mit sich brin- organisierten Sprachmanagements, das einer In- te und anderer schriftlicher Dokumente, Interviews mussen & Piekkari 2006: 409). Dies verdeutlicht
ge. Ausgehend von der zunehmenden Bedeutung teraktion vorgeschaltet wird, vgl. dazu Nekvapil & mit dem Management und mit Arbeitnehmern (nicht beispielsweise eine ethnografische Forschung in
von Sprache und Kommunikation (als Mittel und als Sherman 2009b). Analysen aus europäischen nur zu Sprachbedarf und -praktiken, sondern auch einem multinationalen Pharmaunternehmen mit Sitz
Ziel der Produktion) in der heutigen wissens- und ­Ländern zu den in Stelleninseraten gesuchten zu sprachbezogenen Vorstellungen und Repräsen- in Ontario: Djerrahian & Labrie (2009) analysieren
dienstleistungsorientierten Wirtschaft, fokussie- Sprachkompetenzen zeigen, dass zunehmend Kom- tationen) sowie teilnehmende Beobachtungen am den Umgang mit dem sprachlichen Pluralismus und
ren sie insbesondere das Spannungsfeld zwischen petenzen in mehr als einer Fremdsprache gesucht Arbeitsplatz sollen ein umfassendes Bild nicht nur zeigen auf, dass zwar Englisch als Unternehmens-
Standardisierung und Variabilität im unternehme- werden, dass (nebst Kompetenzen in der lokalen der expliziten und impliziten sprachlichen Manage- sprache und Sprache der Macht zuoberst in der
rischen Sprachmanagement, zwischen dem (tylo- Sprache) grossmehrheitlich Englischkompetenzen mentstrategien, sondern auch ihrer Rezeption und sprachlichen Hierarchie steht, dass jedoch der
ristischen) hyper-control und dem neuen, flexiblen gesucht werden und dass die Anforderungen je Umsetzung in der Praxis geben. Regelmässig wird französischen und anderen Sprachen in der (infor-
soft-management. Formen von soft-management nach zu besetzender Position, Funktion und dabei auf die beiden sprachpolitischen Wirkungs- mellen) internen und in der externen Kommunika-
oder non-management erlaubten eine flexible, für ­Unternehmensgrösse variieren (Nekula, Marx & kräfte top-down und bottom-up verwiesen und be- tion eine wichtige Rolle zukommt, wobei in der
das Unternehmen vorteilhafte, in der Regel unent- ­Šichová 2009, Gunnarsson 2009, 2010, 2013b, tont, dass die bottom-up de facto Politiken sehr Regel ad-hoc-Lösungen eingesetzt werden und
geltliche Nutzung vorhandener sprachlicher Fer- Lüdi, Höchle & Yanaprasart 2010, Yanaprasart, einflussreich seien im Vergleich zu den offiziellen teilweise ein „Export“ bzw. eine Delokalisierung der
tigkeiten (für ad hoc Übersetzungen), die gerne als Choremi & Gander 2013, Zappacosta 2013, Casoni de jure Politiken, dass top-down und bottom-up in ­erforderlichen zwei- und mehrsprachigen Kompe-
quasi „natürlich“ und selbstverständlich aufge- 2015, LEMP 2015). Eine Auswertung von Job-­ den flachen Hierarchien der multinationalen Unter- tenzen (an externe Übersetzungsbüros oder an
fasst werden. Inseraten in Sri Lanka verdeutlicht hingegen, dass nehmen koexistierten und dass die wichtige Rolle ausländische Filialen) zu beobachten ist. Auch die
Englischkompetenzen dort durchwegs auf sehr ho- der bottom-up-Perspektive und der Praktiken der empirische Forschung von Nekvapil & Nekula
hem Niveau verlangt werden (Herat & McLoughlin Angestellten beim Sprachmanagement zu berück- (2006) in einer tschechischen Filiale der deutschen
5.1 2010). Ebenfalls als Ausdruck der unternehmeri- sichtigen seien (z.B. Shohamy 2006, Kingsley MNC Siemens zeigt eine Diskrepanz zwischen ei-
Spannungsverhältnis zwischen schen Sprachpolitik (und eines organised manage­ 2009, 2010, 2013, Angouri 2013, 2014, Leuner nem offiziell monolingualen, praktisch jedoch
­offiziellem Sprachmanagement ment) wird in einigen Studien die „Sprachen- 2014, Nekvapil & Sherman 2015). In der Regel wür- mehrsprachig operierenden Unternehmen auf. Ob-
und Sprachpraktiken landschaft“, d.h. die linguistic landscape oder den die interviewten Angestellten und Manager wohl die Filiale Englisch als CCL definiert hat, be-
­semiotic landscape (Lüdi, Höchle & Yanaprasart ihre Sprachpraktiken nicht auf eine top-down- obachten sie eine starke Präsenz von Deutsch und
Empirische Forschungen und Fallbeispiele zum 2010: 215) bzw. die semiotic appearance (Nekva- Sprachpolitik der Geschäftsleitung, sondern auf Tschechisch, was sie als Ausdruck eines elaborier-
­unternehmerischen Sprachmanagement kommen pil & Nekula 2006: 323) innerhalb des Unter­ die Kommunikationserfordernisse innerhalb des ten Sprachmanagements interpretieren, welches
grossmehrheitlich zum Schluss, dass es eine Dis- nehmens analysiert, wobei in den erforschten Teams und zwischen den Teams, auf den interakti- sowohl die kommunikativen als auch die symboli-
krepanz gibt zwischen den offiziellen Vorgaben, (europäischen) MNCs nicht nur eine starke visuel- onalen Kontext und die vorhandenen Sprachkom- schen Funktionen von Sprache berücksichtige.
den rapportierten und den beobachteten sprach- le Präsenz von Englisch, sondern auch der Spra- petenzen – kurz auf einen what-works-Ansatz Englischkompetenzen würden nur in bestimmten
lichen Praktiken. In der Regel untersuchen sie chen des Firmenstandortes, des Hauptsitzstand- zurückführen (Angouri 2013: 576f.). Positionen und Situationen erwartet (in der Kom-
­mittels quantitativer Methoden (v.a. Fragebogen­ ortes, der wichtigsten Kunden und der Arbeiter- Der in den Fallstudien ausgemachte mis­ munikation mit dem Hauptsitz, mit deutschsprachi-
erhebungen) und/oder qualitativer Methoden (v.a. schaft beobachtet wurde. match (Angouri 2014: 2) betrifft die Diskrepanz gen Expats und mit ausländischen Kunden).
ethnografische Fallstudien) den Sprachbedarf, die Die meisten Studien betonen, dass die Ana- zwischen dem offiziellen Sprachmanagement, das Mahilis (2014) Analyse der sprachlichen Praktiken
Sprachverwendung und die Sprachpolitik. lyse der Sprachpolitik eines Unternehmens alleine in der Regel Englisch als CCL wählt, und der und Repräsentationen von Angestellten von sieben
Eine Methode, die (sicht- und nachvollzieh- aufgrund seiner Sprachpolicy-Dokumente, seiner Sprachpraxis, die vielfältiger als diese monolingu- Unternehmen (unterschiedlicher Grössen und
bare) Sprachpolicy einer Organisation zu untersu- offiziellen Deklarationen und/oder Manifestatio- ale Konzeption ausfällt. Die in mehrsprachigen Un- Branchen) in Griechenland kommt zu ähnlichen Re-
chen, stellt die (statistische) Auswertung der nen nicht ausreiche. Denn die alltägliche Sprach- ternehmen bevorzugte ‚one language’ working sultaten. Zwar haben alle Unternehmen Englisch
Sprache der wichtigsten Dokumente dar, z.B. von verwendung in den Unternehmen würde oft nicht policy werde den effektiven sprachlichen Praktiken als offizielle Unternehmenssprache, aber 72% der
der offiziellen Sprachpolitik entsprechen (Loos und Sprachbedürfnissen des Unternehmens oft Befragten geben Englisch und Griechisch als sol-
19 | Bereits 2001 hatte Truchot (2001: 83) angeregt, 2007 gem. Angouri 2013: 577), die aktionalen nicht nicht gerecht und ignoriere das Zusammenspiel che an. Auch hier wird Englisch vor allem in den hö-
sich vermehrt mit Diskursen bzw. mit Fragen der sprachli- den diskursiven Aspekten (Truchot & Huck 2009). zwischen lokalen und globalen Sprachen, was eine heren Positionen verwendet und in der schriftlichen
chen Repräsentationen zu befassen, die fundamental
seien bei der Sprachwahl in der Arbeitswelt. Vgl. dazu
In den letzten Jahren ist deshalb eine zunehmende Divergenz zwischen Policy und Praxis zur Folge Kommunikation nach oben. Englisch gilt als Spra-
auch Kap. 6.1.4. Anzahl qualitativ-ethnografischer Forschungen habe (z.B. Djerrahian & Labrie 2009, Angouri 2013, che für komplexe und seriöse Kommunikation, Grie-
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Kapitel 5 Kapitel 5
Management der Sprachenvielfalt Management der Sprachenvielfalt

chisch als Sprache für einfache, informelle All- Schweizer Transportdienstleistungsunternehmen: che Zwecke einsetzen, dass aber nicht Englisch, erwartungsgemäss den Einfluss der Sprachregion
tags- und Routinekommunikation. In allen diesen Lüdi & Barth 2009, Lüdi, Barth, Höchle & Yanaprasart sondern Deutsch die am meisten verbreitete des Standortes und des (regionalen, nationalen
Studien werden auch Fragen der Macht angespro- 2009, Barth 2010) (vgl. mehr dazu in Kap. 6.1.3). Fremdsprache in der französisch- und italienisch- und/oder internationalen) Aktionsradius (Casoni
chen, die mit vorhandenen oder aber fehlenden Und schliesslich sei noch auf ein paar neue- sprachigen Schweiz ist. In der Deutschschweiz 2015): Regional tätige Unternehmen treten in der
Englischkompetenzen einhergehen (vgl. dazu auch re Studien zu sprachpolitischen Regelungen an wird Französisch mündlich leicht häufiger verwen- Regel nur in einer Sprache auf dem Internet auf,
Kap. 2.2.2 und 6.1.2). Universitäten verwiesen, welche den Landesspra- det als Englisch, schriftlich hingegen mehr ­Englisch überregional und international tätige meistens in
Kingsley (2009, 2010, 2013) untersucht die chen gegenüber dem Englischen einen angemes- als Französisch. Dabei spielt die Betriebsgrösse zwei bis drei Sprachen, wobei Deutsch und Fran-
Divergenzen zwischen einer offiziellen monolingu- senen Platz einzuräumen versuchen, was in der eine wichtige Rolle: Insbesondere die KMU verwen- zösisch national und Deutsch und Englisch inter-
alen Sprachpolicy (mit Englisch als CCL) und den Praxis jedoch nicht immer zutreffe (z.B. Björkmann den häufiger die Landessprachen als Englisch, bei national dominieren. Analog dazu fordern regional
mehrsprachigen Praktiken am Beispiel von Banken 2014 für Schweden, Hultgren 2014 für Dänemark, den Grossbetrieben verhält es sich umgekehrt.22 arbeitende Firmen grossmehrheitlich keine Fremd-
in Luxemburg. Während das Management Englisch Soler-Carbonell 2014 für Estland, Graziani 2014 Die befragten Unternehmen erwarten von den Mit- sprachenkompetenzen in ihren Stelleninseraten,
als nützlichste Sprache für die Kommunikation an für Frankreich). arbeitenden, insbesondere von denjenigen mit national und ­i­nternational arbeitende Firmen hin-
einem mehrsprachigen und multikulturellen Ar- Führungsverantwortung, relativ hohe Fremdspra- gegen Kenntnisse von ein bis zwei Fremdsprachen,
beitsplatz konzipiert, verdeutlichen die von den chenkenntnisse, bieten diesen jedoch nur wenig wobei Englisch fast immer in Kombination mit
Angestellten rapportierten Praktiken, aber auch 5.2 Unterstützung bei der Fremdsprachenweiterbil- Deutsch oder Französisch gesucht wird.
die Rekrutierungspraktiken und die angebotenen Sprachmanagement, -bedarf dung. Schwierigkeiten wegen Fremdsprachen hat Bei 14 nationalen und internationalen Unter-
Sprachkurse, dass neben Englisch durchaus auch und -verwendung in Unternehmen nur ein Siebtel, kleinere Probleme ein Drittel der nehmen in Basel (9) und in Strassburg (5) sind
andere Sprachen eine Rolle spielen. Wie bereits in befragten Unternehmen e ­ rfahren, v.a. aus dem Ge- ähnliche Daten erhoben und ausgewertet worden
den vorangehenden Fallstudien wird auch hier Eng- In Studien zum unternehmerischen Sprachma- sundheits- und Sozialwesen. (Yanaprasart, Choremi & Gander 2013): Dort wurde
lisch als im schriftlichen Bereich dominierende nagement wird oft auch auf quantitative Erhebun- Eine aktuelle Auswertung der externen Web- bei den Web-Auftritten der internationalen Unter-
Sprache bezeichnet. Studer & Hohenstein (2011) gen verwiesen, welche die wirtschaftliche Kommunikation von 359 industriellen Unternehmen nehmen entweder ein monolingualer englischspra-
fordern, basierend auf ihrer Analyse der Kommuni- Bedeutung von Sprachkompetenzen hervorheben. in der Schweiz sowie der in über 1000 Stelleninse- chiger oder aber ein mehrsprachiger Auftritt
kationspraktiken und Sprachpolitiken von zwei in- Es handelt sich dabei meistens um Fragebogener- raten gesuchten Sprachkompetenzen verdeutlicht beobachtet, bei den nationalen ein Auftritt in der/
ternational tätigen Unternehmen in der Schweiz, hebungen und -evaluationen bei international den lokalen Sprache(n), und insgesamt eine grosse
die Implementierung eines linguistic diversity ma­ operierenden Unternehmen, MNCs und/oder KMU Spannbreite bezüglich vorhandener Kombinatio-
nagements, das die Sprachverwendung und die zu ihrem Sprachmanagement, Sprachbedarf und 20 | Artikel zu Erhebungen bei Unternehmen aus ver- nen. Sprachanforderungen in Stelleninseraten (aus
schiedenen europäischen Ländern (Dänemark, Öster-
Sprachpolicy beachte und auf die mehrsprachigen zu ihren Sprachpraktiken, die seit Ende der reich, Finnland, Luxemburg, Polen, Island, Rumänien, einem internationalen Unternehmen in Strassburg)
Praktiken im Unternehmen auszurichten sei. 1990er-Jahre verbreitet durchgeführt worden Tschechien, Slowenien und aus dem portugiesischen wurden nur sehr selten und nur für die Elsässer
Einige im Rahmen des europäischen For- sind. Da es unmöglich ist, hier auch nur annähernd Sprachraum) finden sich in Stickel (2010). Eine zusam- Filiale formuliert, wobei je nach hierarchischer Po-
menfassende Übersicht zu einigen Studien aus Aus-
schungsprojekts DYLAN („Dynamique des langues einen Überblick zu geben, beschränken wir uns auf tralien, dem französischen Sprachraum, der Schweiz, sition Deutsch- und/oder Englischkompetenzen
et gestion de la diversité“, Berthoud, Grin & Lüdi einige in der konsultierten Literatur oft zitierte aus Brüssel, Katalonien und der EU findet sich in Grin, verlangt wurden.
2010, 2013) durchgeführte empirische Studien in Evaluationen aus der Schweiz und der EU.20 In öf- Sfreddo & Vaillancourt (2010: 39–50). In ELAN (Hagen Im Gegensatz zu den meisten Privatunter-
2006: 13ff.) finden sich zudem Hinweise auf europäische
Unternehmen kommen ebenfalls zum Schluss, dass fentlichen Debatten und in Forschungsarbeiten Studien, die Ende der 1990er-Jahre im Rahmen der Pro- nehmen verfügt die eidgenössische Bundesverwal-
die offizielle Sprachpolitik (falls überhaupt vor- wird vor allem auf Erhebungen und Evaluationen gramme REFLECT, ELISE und ELUCIDATE die betriebliche tung als öffentlich-rechtliches Unternehmen über
Fremdsprachenverwendung ermittelt haben, und zwar in
handen) meistens nicht den sprachlichen Arbeits- der EU21 sowie des nationalen Kompetenzzentrums eine stark ausgebaute verwaltungsinterne Sprach-
den zehn Ländern Dänemark, Frankreich, Deutschland,
praktiken entspreche: Lüdi und sein Basler für Fremdsprachen der britischen Regierung (CILT) Niederlande, Polen, Portugal, Republik Irland, Spanien, politik, dazu gehören auch regelmässige Evaluati-
Forschungsteam haben in mehreren Studien unter- verwiesen. In den folgenden Absätzen werden – Schweden und UK. onen der Sprachfördermassnahmen (Coray et al.
sucht, wie die sprachlichen Praktiken in Unterneh- nach der Präsentation einer Pionierstudie und von 21 | Ausführliche Informationen zu den Aktivitäten 2015). Seit kurzem liegen Resultate aus zwei
men weniger durch sprachpolitische Vorgaben und neueren Erhebungen aus der Schweiz – einige die- der Europäischen Kommission in Sachen „Sprachen für ­Fragebogenerhebungen zu Sprachmanagement,
Wachstum und Beschäftigung“, inkl. Links zu entspre-
stärker durch die kontextuellen und funktionalen ser EU- und CILT-Studien kurz vorgestellt. chenden Berichten, u.a. zu Berichten des Netzes für die -verwendung und -kompetenzen in der Bundesver-
Erfordernisse geprägt werden. Dabei standen nicht Noch vor Vorliegen der breit rezipierten Förderung von Sprachstrategien für Wettbewerbs- und waltung vor, die erwartungsgemäss einen sehr
nur MNCs mit offizieller Unternehmenssprache ELAN- und Talking-Sense-Studien von CILT haben Beschäftigungsfähigkeit (CELAN „Language Strategies ­hohen Stellenwert der Amtssprachen Deutsch und
for Competitiveness and Employability“) finden sich un-
Englisch im Fokus (Lüdi, Höchle & Yanaprasart Schweizer Forschende der Fachhochschule Solo- ter: http://ec.europa.eu/languages/policy/learning-lan- Französisch und einen vergleichsweise geringen
2010), sondern auch Unternehmen, die bewusst thurn eine gross angelegte quantitative Erhebung guages/languages-growth-jobs_de.htm [letzter Zugriff: der Amtssprache Italienisch ermitteln (Christopher
15.6.2016].
eine mehrsprachige Unternehmenspolitik betreiben zu „Fremdsprachen in Schweizer Betrieben“ durch- Guerra & Zurbriggen 2013, Christopher & Zurbrig-
(z.B. eine aus zwei verschiedensprachigen Regio- geführt (Andres et al. 2005a/b). Ihre Ergebnisse 22 | Vgl. dazu auch Lüdi & Werlen (2009: 126f.). Eine gen 2015, Coray et al. 2015: 83–88). Ein trotz
Kurzzusammenfassung der Studie von Andres et al.
nalbanken fusionierte Schweizer Bank: Lüdi & zeigen, dass die befragten knapp 2200 Schweizer (2005a) findet sich auch in Grin, Sfreddo & Vaillancourt
rechtlicher Gleichstellung ungleicher Stellenwert
Heiniger 2007, 2005, Heiniger 2004; z.B. ein
­ Unternehmen häufig Fremdsprachen für betriebli- (2010: 45f.). der Amtssprachen in der mehrsprachigen Bundes-
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Kapitel 5 Kapitel 5
Management der Sprachenvielfalt Management der Sprachenvielfalt

verwaltung ist auch schon in früheren Studien Fremdsprachenkenntnisse zu fördern und wirt- die vier wichtigsten Faktoren des Sprachmanage- in ihrer Tätigkeit brauchen, seit 2006 um rund 8%
­belegt worden (Kübler 2013, Kübler, Kobelt & schaftlich zu nutzen. ments, die einen positiven Einfluss auf den Export­ gesunken ist (von 51,0% auf 42,5%) und dass
Andrey 2011). 2005 hat CILT die Broschüre Talking World erfolg haben: Anwendung eines strategischen Englisch mit 87% weit obenaus schwingt (Hall
Hinweise zur individuellen Sprachverwen- Class herausgegeben, welche auf der Grundlage Konzepts der mehrsprachigen Kommunikation, Ein- 2012). Aus weiteren Unternehmensbefragungen in
dung in der schweizerischen Arbeitswelt gehen von verschiedensten Quellen und Studien die Not- stellung von Mitarbeitenden mit Fremdsprachen- Deutschland (Schöpper-Grabe 2000, 2007, 2009)
auch aus den Daten der eidgenössischen Volks- wendigkeit der Förderung der Fremdsprachenkom- kenntnissen, Einstellung von Muttersprachlern und Frankreich (Bressé 2010, LEMP 2015) geht
zählung hervor. Auswertungen zu den sogenannten petenzen in Grossbritannien betont, um auf dem und Einsatz von Übersetzern und Dolmetschern.25 ebenfalls hervor, dass Englisch unumgänglich und
„Umgangssprachen“ im Beruf und zur Stel- internationalen Markt bestehen und expandieren KMU, die in diese vier Faktoren investierten, erziel- die am meisten verwendete Fremdsprache dar-
lung des Englischen in der Arbeitswelt sind anhand zu können. Es wird vor einer anglofonen Selbstge- ten einen um 44,5% höheren Exportumsatz als die- stellt, gefolgt von den (Nachbar-)Sprachen Fran-
der Volkszählungsdaten von 1990 (Lüdi, Werlen & fälligkeit und vor der Benachteiligung von UK-Be- jenigen, die keine solchen Investitionen tätigten. zösisch und Spanisch bzw. Deutsch und Spanisch,
Franceschini 1997: 593–600) und von 2000 vor- werbern auf dem europäischen Arbeitsmarkt In der Folge sind weitere (Fragebogen-)Erhe- und dass Fremdsprachenkompetenzen bei der Per-
genommen worden (Lüdi & Werlen 2005: 43–67). gewarnt. Auch die Studie Talking Sense: a research bungen innerhalb der EU zum Sprachbedarf und sonalrekrutierung und -beförderung ausschlagge-
Diese verdeutlichen, dass die Landessprachen in study of language skills management in major com­ Sprachmanagement europäischer Unternehmen bend seien, insbesondere in höheren Positionen
ihren jeweiligen Sprachgebieten in der Arbeitswelt panies (Feely & Winslow 2005) kommt nach einem durchgeführt worden, welche ebenfalls zum und im Ver-/Einkauf und Kundendienst. Angesichts
zunehmend stark verwendet werden, dass die Ver- Vergleich der sprachbezogenen Policies, Strategi- Schluss kommen, dass Fremdsprachenkompeten- der bereits breitflächig erfolgenden Englischför-
wendung anderer Landessprachen dort stagniert en und Taktiken von multinationalen Unternehmen zen für das wirtschaftliche Wachstum und die Kar- derung und der Nachfrage auch nach anderen
und dass Englisch überall deutlich zunimmt und in UK, Frankreich und Deutschland zum Schluss, rierechancen von grösster Bedeutung seien, dass Sprachen wird jedoch v.a. der „Mehrwert“ der
v.a. in hierarchisch hohen Positionen regelmässig dass in Grossbritannien eine verstärkte Fremd- Unternehmen mit einer Sprachmanagementstrate- zweiten Fremdsprache betont. Für Österreich sei
verwendet wird (Lüdi & Werlen 2005: 66f.). Künftig sprachenförderung, sowohl während der Aus­ gie ein eindeutig höheres Handelsvolumen erziel- auf die Unternehmensbefragungen des Instituts
wird in der Schweiz eine fünfjährlich durchgeführ- bildung als auch innerhalb des Unternehmens, ten und dass die europäischen Regierungen und für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) ver-
te thematische „Erhebung zur Sprache, Religion erfolgen müsse, um international konkurrenzfähig Unternehmen Sprachförder- und Sprachmanage- wiesen (Archan & Dornmayr 2006, Tritscher-Archan
und Kultur“ (ESRK) des Bundesamtes für Statistik zu bleiben. Unternehmen in UK seien weniger willig, ment-Massnahmen ergreifen müssten, damit die 2008 etc.), die ebenfalls einen hohen Bedarf an
genauere Informationen auch zu den sprachlichen in anderen Sprachen zu kommunizieren, weniger sprachliche Vielfalt Europas auch effektiv zu einem Fremdsprachen belegen, v.a. an mündlichen Fertig-
Praktiken am Arbeitsplatz geben können.23 gut vorbereitet für die ­Verwendung der Sprachen Wettbewerbsvorteil werde (z.B. Davignon et al. keiten, wobei ebenfalls Englisch weit obenaus
Sehr präsent in der Literatur zu Sprachpoli- aufstrebender Wirtschaftsnationen (v.a. Arabisch, 2008, CELAN 2011, 2011a, PIMLICO-Studie von schwingt, gefolgt von Italienisch und Französisch
tik, Sprachbedarf und -verwendung in Wirt- Chinesisch und Spanisch) und hätten ein kleineres Hagen 2011, 2012). (vgl. auch Schmid 2013).
schaftsunternehmen sind, wie eingangs erwähnt, Bewusstsein für die Wichtigkeit von Fremdspra- In Deutschland emittelt beispielsweise eine Eine Erhebung bei italienischen KMU (Incelli
die europäischen Umfragen des National Center for chenkompetenzen. longitudinale Pilot-Umfrage zum Sprachgebrauch 2009) ergibt, dass die für Auslandgeschäfte weit-
Languages CILT in London, allen voran die Studie Die am häufigsten erwähnte und als Modell mit internationalen Geschäftspartnern in KMUs aus am meisten benötigten Englischkenntnisse
ELAN (Hagen 2006, 2010), aber auch die Studie für zahlreiche weitere Studien dienende Erhebung von Schleswig-Holstein (Vollstedt 2005) zwischen trotz schulischer Englischausbildung oft nicht ge-
Talking Sense (Feely & Winslow 2005) und Talking ist die ELAN-Studie (Hagen 2006, 2010) zu den 1996 und 2003 eine Zunahme der Verwendung von nügten und als grösstes Sprachproblem bezeich-
World Class (CILT 2005).24 Diese Studien sind in Auswirkungen mangelnder Fremdsprachenkennt- Fremdsprachen, auch bei Mitarbeitenden ohne net werden. Angesichts des grossen Anteils der
Zusammenhang mit der Lissabonner Strategie von nisse in Unternehmen auf die europäische Wirt- Führungsposition, wobei ein deutlicher Anstieg des befragten Unternehmen, die fehlende Fremdspra-
2000 und den Bemühungen der britischen Regie- schaft. Sie wurde von der Generaldirektion Bildung Englischen und ein starker Rückgang des Deut- chenkompetenzen und Sprachprobleme als Bar­
rung (bzw. dessen Learning and Skills Council)­ und Kultur der Europäischen Kommission in Auftrag schen als internationale Wirtschaftssprache be- riere erfahren, fordert die Autorin verstärkte
und der Europäischen Kommission (bzw. dessen gegeben und von CILT in Zusammenarbeit mit einem obachtet wird. Auch spätere Erhe­bungen kommen sprachplanerische Massnahmen sowohl auf
Directorate-General for Education and Culture) zu internationalen Forschungsteam durchgeführt. zum Schluss, dass der Fremdsprachenbedarf am ­bildungspolitischer als auch auf unternehmen­s­
sehen, Unternehmer und Arbeitskräfte dafür zu Befragt wurden fast 2000 exportierende KMU in 29 Arbeitsplatz zunimmt. Die Erwerbstätigenbefra- politischer Ebene zugunsten der Verbesserung­
sensibilisieren, dass Englisch alleine nicht ausrei- europäischen Staaten sowie 30 multinationale Un- gung des deutschen Bundesinstituts für Berufs- der Fremdsprachenkompetenzen, insbesondere
che und vermehrte Anstrengungen nötig seien, ternehmen. Das breit rezipierte Hauptresultat be- bildung z.B. ergibt, dass im Jahr 2012 der Anteil in ­Englisch.
sagt, dass 11% der befragten KMU angeben, dass derjenigen, die keine andere Sprache als Deutsch Eine Erhebung im mehrsprachigen Brüssel
ihnen schon einmal ein Auftrag wegen mangelnder zum wirtschaftlichen Wert von Sprachen ermittelt
23 | Mehr Informationen dazu unter: https://www.bfs.
admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/erhe- Fremdsprachenkenntnisse entgangen sei. Die Au- eine stark mehrsprachige Arbeitswelt (Mettewie
25 | In PIMLICO listet Hagen (2011: 4) insgesamt 14
bungen/esrk.html [letzter Zugriff: 15.6.2016]. toren schätzen deshalb, dass der EU aufgrund 2006, Mettewie & Van Mensel 2009): In den be-
Massnahmen auf, die in einer Sprachmanagementstra-
24 | Diese Studien sind abrufbar unter: http://webar- mangelnder Fremdsprachenkenntnisse im KMU- tegie kombiniert werden können und eine Expansion in fragten Unternehmen werden durchchnittlich 2,4
chive.nationalarchives.gov.uk/20101227105751/http:// Sektor ca. 100 Milliarden Euro pro Jahr entgingen neue (sprach-)grenzüberschreitende Märkte erleichtern Sprachen für die interne und 3,5 für die externe
cilt.org.uk/home/research_and_statistics/research/ sollen. Vgl. dazu auch die im vorliegenden Kap. 5 (Einlei-
cilt_activities/the_economic_case.aspx [letzter Zugriff:
(vgl. kritische Positionen dazu weiter unten). Aus- tung) erwähnten Sprachmanagement-Regelungen gemäss
Kommunikation verwendet, v.a. Französisch, Nie-
4.11.2016]. gehend von Modellszenarien ermitteln die Autoren Feely & Harzing (2003). derländisch und Englisch. Entsprechend hoch sei
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Kapitel 5 Kapitel 5
Management der Sprachenvielfalt Management der Sprachenvielfalt

auch der ­Bedarf an mehrsprachigem Personal, was court 2010: 48f., Kruse 2012: 129). Auch grund- pen ist dies grossmehrheitlich der Fall, wobei es sprache und mögliche Diskriminierungen, 2. Wert
bei der Rekrutierung ins Gewicht falle. 40% geben sätzliche Zweifel an der Objektivität und sich bei den nordischen und anglofonen Ländern der Kenntnisse einer Zweitsprache, welche die
an, wegen mangelnder Sprachkompetenzen schon Repräsentativität der Studie werden geäussert, da immer um Englisch handelt. Aber auch in den kon- ­lokal dominierende Sprache ist, 3. Wert der Kennt-
Geschäftsgelegenheiten verpasst zu haben, was nur englischsprachige Literatur rezipiert worden tinentaleuropäischen Ländern dominiert Englisch nisse einer Zweitsprache, welche eine Minder-
die Autoren dazu veranlasst, mehr Investitionen in sei, da genauere Angaben zur Durchführung der als CCL deutlich gegenüber den (ehemals) interna- heitensprache oder Fremdsprache ist, 4. Rendite
Fremdsprachenkompetenzen zu fordern. Umfrage fehlten und die zugrunde liegenden Fra- tional bedeutsamen Nationalsprachen. Auch diese von Immigrantensprachen im Aufnahmeland.
Eine ebenfalls eng an der ELAN-Studie orien- gebögen nicht zugänglich seien (Kruse 2012: Erhebung ermittelt einen klaren Zusammenhang Als am meisten erforscht gilt der zweite
tierte Erhebung in Katalonien (Strubell & Marí 127ff.). Sherman, Engelhardt & Nekvapil (2012) zwischen den Kenntnissen der Unternehmensspra- Schwerpunkt, der arbeitsmarktliche Effekt der An-
2013) zeigt, dass die befragten Unternehmen kritisieren aus soziolinguistischer Perspektive das che (CCL) und Hauptsitzsprache (PCL) eines Ma- eignung der Sprache des Aufnahmelandes (zahl-
grossmehrheitlich im katalonischen und spani- angewandte language-management-Konzept, das nagers und seiner (formellen oder informellen) reiche Literaturangaben dazu finden sich z.B. in
schen Markt tätig sind und dass mit ausländischen die lokalen, politischen, historischen und prakti- Machtposition (Marschan-Piekkari, Welch & Welch Grin 2003b und Isphording 2014), wobei grosse
Kunden Englisch, aber oft auch Französisch und schen Implikationen des Sprachmanagements in 1999a) und damit zusammenhängende Machtver- Unterschiede bei frei gewählter oder unfreiwilliger
Spanisch zum Einsatz kommen. Über ein Drittel den Unternehmen nicht genügend beachte (wes- zerrungen (power/authority distortion; vgl. dazu Migration und je nach ethnischer Zugehörigkeit
verfügt über eine Sprachmanagementstrategie, halb sie ein reframing im Rahmen der LMT vorschla- auch Harzing & Feely 2008; vgl. auch Kap. 6.1.2). ausgemacht worden sind (Chiswick 1982 gem.
v.a. exportierende und grössere Unternehmen. Die gen, vgl. Kap. 1.2). Ihre Analyse von Daten aus Besonders wichtig sei Sprache als Machtquelle für McGroarty 1990: 169f.). Schlechte Kompetenzen
Autorinnen machen einige gut entwickelte Aspekte MNCs in Tschechien und Ungarn (die im Rahmen non-Native Speakers des Englischen (die CCL der in der Sprache des Aufnahmelandes wirken sich
des Sprachmanagements in katalanischen Unter- des europäischen Forschungsnetzes Languages in meisten MNCs), deren Karrierechancen stark von negativ auf den Lohn aus, oft stärker bei Frauen
nehmen aus (Sprachkursangebot, mehrsprachige a network of European excellence LINEE 2006– Englischkompetenzen abhängig seien. als bei Männern. Bei guten Kompetenzen wird nicht
Kommunikationsstrategie etc.), bei anderen sehen 2010 erhoben wurden) berücksichtigt deshalb nur ein positiver Einfluss auf das Einkommen, son-
sie einen Förderbedarf, v.a. bei den Übersetzungs- stärker auch qualitative Informationen, sozial-, dern auch auf andere Bereiche ausgemacht (z.B.
diensten und mehrsprachigen Web-Auftritten so- bildungs- und machtpolitische Kontexte und
­ 5.3 Effizienz des Konsumverhaltens und der Weiterga-
wie bei der Sensibilisierung für die Bedeutung von ­sowohl simple-management- als auch organized- Sprachökonomische Studien be der lokalen Sprache an die eigenen Kinder)
Personal mit interkulturellen und mehrsprachigen ­management-Strategien (Sherman, Engelhardt & (Chiswick 2008). Studien aus Australien und den
Kompetenzen. Nekvapil 2012). Sprachökonomen kritisieren an den meisten Sur- USA zeigen aber auch, dass Immigranten anderer
Mit Verweis auf die ELAN-Studie wird bis Eine erste mehrere Kontinente umfassende vey-Studien, dass sie rein deskriptiver Natur sei- Herkunftssprache, die „sehr gut“ Englisch spre-
heute regelmässig gewarnt, dass mangelnde Erhebung zu Sprachpolitiken und zu Sprachkom- en, nicht wirklich die ökonomischen Wirkungen chen, noch immer 10% weniger verdienen als ein-
Sprachkompetenzen und eine fehlende Sprachpla- petenzen und -praktiken des Kaders von MNCs ha- messen würden und keinen analytischen Rahmen sprachige Anglofone. Aber Immigranten, die nur
nung ein nicht zu unterschätzendes Handelshemm- ben die australischen Business-Spezialisten und keine theoretische Fundierung hätten (Grin, „gut“ Englisch sprechen, verdienten 25% weniger
nis darstellen und die Unternehmen um einen Harzing & Pudelko (2013) vorgelegt. Die nach den Sfreddo & Vaillancourt 2010, Grin 2014: 17f.). Sie als diese, weshalb sich Englischlernen für Immig-
ansehnlichen Anteil potenzieller Geschäfte bringen vier Ländergruppen (country clusters) – anglofo- selbst streben ökonomisch fundierte Analysen der ranten auf jeden Fall lohne bzw. das Erlernen der
würden.26 In jüngerer Zeit sind aber auch kritische ne, asiatische, kontinentaleuropäische und nordi- wirtschaftlichen Bedeutung von Sprachkompeten- dominanten Sprache ein „profitable investment“
Stimmen zur ELAN-Studie zu vernehmen: Der oft sche Länder – geordneten Resultate weisen zen an. Ein in der Öffentlichkeit stark rezipiertes sei (Chiswick 2008: 19ff., 24). Als einer der Gründe
zitierte Verlust an Exportaufträgen für die europä- verschiedene Muster auf. Während in der asiati- Forschungsfeld der Sprachökonomie sind die Un- für diese Differenzen werden Diskriminierungsef-
ische Wirtschaft wegen fehlender Fremdsprachen- schen Ländergruppe häufiger eine asiatische tersuchungen zum Einfluss von sprachlichen Kom- fekte angenommen. Einen wage penalty für nicht
kompetenzen sei fraglich, da ein innereuropäischer Sprache in der Kommunikation zwischen Expats petenzen auf das Erwerbseinkommen, wobei die Standardenglisch sprechende Afroamerikaner hat
Ausgleich zu vermuten sei; zudem stelle der ge- und lokalen Managern sowie zwischen den lokalen Sprachen als Teil des (produktiven, kostenden und z.B. Grogger (2011) in den USA ermittelt. Als Hy-
schätzte Verlust angesichts des Bruttoinlandpro- und den Headquarter-Managern (HQ) zur Anwen- verkörperten) Humankapitals konzipiert werden, in pothese in Betracht gezogen werden aber auch
duktes der gesamten EU nur einen Verlust von dung kommt, wird in den drei anderen Gruppen vor- welches investiert werden kann (Williams 2007: 2, möglicherweise doch nicht so gute Englischkom-
unter einem Prozent dar (Grin, Sfreddo & Vaillan- wiegend Englisch verwendet. Bei den regelmässig Chiswick 2008: 4). Angesichts der delikaten Da- petenzen der Immigranten oder ihr Verzicht auf
verwendeten Sprachen wird erwartungsgemäss die ten, die für solche sprachökonomischen Analysen bessere Jobmöglichkeiten, um in der Herkunftsfa-
tiefste Anzahl in den Filialen in anglofonen Ländern zu erheben sind (private Angaben zum Einkommen milie und -region verbleiben zu können (Chiswick
26 | Als pars pro toto sei hier auf ein Communiqué
der Europäischen Kommission zum Tag der Sprachen ausgemacht, gefolgt von den asiatischen und den sowie wenig stabile Angaben zu Sprachkompeten- 2008: 22).
2010 mit dem Thema Nutzen der Mehrsprachigkeit für kontinentaleuropäischen Ländern. Und in allen zen), sind solche Studien bisher nur in wenigen In Studien zur Lohnrelevanz von Fremdspra-
Kleinunternehmen verwiesen, das folgendermassen
Ländern ermitteln sie höhere Kompetenzen der Ländern durchgeführt worden (Grin 2010: 25). Bei chenkompetenzen bzw. -verwendung wird in der
beginnt: „Schätzungen zufolge verlieren 11% der kleinen
und mittleren Unternehmen Aufträge, weil es ihnen an HQ-Manager als der Filialen-Manager in der com­ den sprachökonomischen Forschungen zum Zu- Regel ein Vorteil für Arbeitnehmende mit mehrspra-
Sprachkenntnissen mangelt. Die Kosten dieser verpass- mon corporate language (CCL). Eine CCL hat in der sammenhang zwischen Sprachkompetenzen und chigen Kompetenzen und ein besonders positiver
ten Chancen können in die Millionen gehen und Arbeits-
plätze gefährden.“ (http://europa.eu/rapid/press-relea-
asiatischen Ländergruppe nur gut die Hälfte der Einkommen lassen sich mit Grin (2003b: 18ff.) vier Einfluss von Landessprachen- und Englischkom-
se_IP-10-1164_de.htm [letzter Zugriff: 15.6.2016]) Befragten festgelegt, in den anderen Ländergrup- Schwerpunkte ausmachen: 1. Einfluss der Erst- petenzen errechnet (Grin 1999 für die Schweiz,
50 51

Kapitel 5 Kapitel 5
Management der Sprachenvielfalt Management der Sprachenvielfalt

Klein 2010 für Luxemburg, Williams 2006 für West- sehr ausgeprägt in Luxemburg, Griechenland, Ir- erhebliche Divergenzen zwischen den deklarierten vage und meist metaphorisch verwenden, dabei
europa etc.). Die Einkommensdifferenzen von land und Portugal (und damit in Ländern mit hohem Sprachpraktiken am Arbeitsplatz und den zwar stimulierende Analysen zu sprachlichen As-
­vergleichbaren Arbeitskräften je nach Fremdspra- Tourismusaufkommen). In allen Ländern hat v.a. die ­expliziten sprachlichen Anforderungen anlässlich pekten geben, jedoch ohne den ökonomischen Fol-
chenkompetenzen verweisen gemäss sprachöko- Verwendung von Englisch als Zweitsprache an der von Bewerbungsverfahren ausgemacht (Grin, gen auf den Grund zu gehen, z.B. ohne einen
nomischer Logik auf die Produktivitätsdifferenzen Arbeit einen positiven Einfluss, aber auch von Sfreddo & Vaillancourt 2010, Grin & Sfreddo 2010). expliziten Zusammenhang zwischen den beobach-
der betreffenden Angestellten bzw. auf den Unter- Französisch (v.a. für Dänemark, Luxemburg, Grie- Der Prozentsatz derjenigen Erwerbstätigen, die teten sprachlichen Praktiken und den Kosten oder
nehmensgewinn, der dank bestimmter Sprachkom- chenland und Portugal), von Deutsch (für Belgien, eine häufige Verwendung einer bestimmten Fremd- der Profitabilität des Unternehmens zu machen
petenzen erzielt werden kann (Grin 2010a: 113). Luxemburg und Frankreich), von Spanisch (für sprache während der Arbeit angeben, liege syste- (Grin, Sfreddo & Vaillancourt 2010: 30ff., Grin
Die in der Literatur oft erwähnte Schweizer Studie Frankreich), von Italienisch (für Luxemburg und matisch höher als der Prozentsatz derjenigen, die 2014: 16f.). Aus soziolinguistischer und kulturwis-
CLES (Compétences linguistiques en Suisse, Grin Portugal) und von Niederländisch (für Belgien). angeben, diese Fremdsprachenkompetenz sei wäh- senschaftlicher Perspektive werden der
1999) errechnet, ausgehend von einer breit ange- Diese Ergebnisse werden auch in anderen rend des Bewerbungsverfahrens explizit eingefor- Sprachökonomie im Gegenzug eine mangelnde so-
legten Telefonbefragung aus den Jahren 1994/95, sprachökonomischen Studien bestätigt, wo b ­ ei- dert worden (Grin, Sfreddo & Vaillancourt 2010: ziale, politische und kulturelle Kontextualisierung
signifikant höhere Löhne (v.a. bei männlichen Ar- spielsweise der hohe Stellenwert von mehrsprachi- 124f.). Dafür ziehen die Autoren zwei mögliche ihrer Analysen und ein stark reduktionistischer Zu-
beitnehmern) bei guten bis sehr guten Kenntnissen gen Kompetenzen v.a. in Luxemburg untersucht Gründe in Betracht: Entweder wisse der Arbeitge- gang zu Sprache vorgeworfen (z.B. Jack 2010: 12).
der beiden grösseren Landessprachen Deutsch wird (Klein 2010) und wo ein je nach Land, aber ber nicht, dass solche Fremdsprachenkompeten- Zudem wird bemängelt, dass die Sprachökonomie
und Französisch und bei guten bis sehr guten Eng- auch je nach Qualifikation sehr unterschiedlicher zen für die Funktionsausübung nötig sind, oder ausschliesslich mit Selbsteinschätzungen bezüg-
lischkenntnissen. Dabei werden Differenzen je Einfluss von Fremdsprachenkompetenzen auf den aber er suche bewusst unterhalb der reellen Be- lich der Sprachkompetenzen und mit Repräsenta-
nach Sprachregion, Geschlecht und Branche aus- Lohn ermittelt wird: Fremdsprachenkompetenzen dürfnisse, da bei einer expliziten Suche nach tionen der sprachlichen Praktiken arbeite (die oft
gemacht, z.B. hoch belohnte Englischkompetenzen zahlen sich v.a. in hochqualifizierten Beschäfti- ­Angestellten mit bestimmten Fremdsprachenkom- nicht mit den beobachtbaren Praktiken überein-
in Sektoren, die stark auf den internationalen Han- gungen aus, Englischkompetenzen in ­allen Län- petenzen höhere Kosten anfallen (schwierigere Re- stimmten). Diese Kritik wird durch Sprachökono-
del ausgerichtet sind. Ausgehend von diesen D ­ aten dern, in südlichen Ländern geraten diese jedoch krutierung und möglicherweise höhere Löhne), men relativiert, indem auf die grosse Anzahl
werden Investitionen in den Fremdsprachenunter- in Konkurrenz mit den romanischen Sprachen, wel- auch wenn er dadurch Verluste wegen einer man- befragter Personen verwiesen wird, welche
richt als „a very valuable investment, even on the che dort eine wichtige Rolle als Lingua franca gelhaften Kommunikation riskiere, was durchaus mögliche Divergenzen ausglichen (Grin 2010a:
basis of strict market value“ bezeichnet (Grin spielten (Ginsburgh & Prieto-Rodriguez 2011, Is- rationell sein könne (Grin 2010a: 114f., Grin & 120f., Grin & Sfreddo 2010: 22, I­sphording 2014).
2003b: 50f.).27 Grin und sein Team untermauern phording 2014). Sfreddo 2010: 32ff.). Ähnliche Überlegungen stellt ­Kritiken an der Berücksichtigung der Kategorie
diese Aussage einige Jahre später mit Resultaten Die in allen sprachökonomischen Studien er- auch Casoni (2015: 107) an, um die Diskrepanz Sprachkompetenzen anstelle der effektiven
aus ihrem Forschungsprojekt LEAP (Langues rechnete hohe Lohnrelevanz von Englischkompe- zwischen den kaum nachgefragten Italienischkom- Sprachverwendung (die besser Auskunft über
étrangères dans l’activité professionnelle), wo- tenzen gilt als grosser Vorteil für die anglofone petenzen in Stelleninseraten und der in einer frü- mögliche Wertsteigerungen dank Sprachkompe-
nach die Sprachkompetenzen der Bevölkerung un- Welt, welche nicht nur von einem lukrativen sprach- heren Studie als nicht unerheblich ermittelten tenzen in einem Unternehmen gebe) stossen auf
gefähr 10% zum Bruttoinlandprodukt beitragen pädagogischen Markt profitiere, sondern auch viel Verwendung von Italienisch in Schweizer Unter- Verständnis, werden aber relativiert mit Verweis
(Grin, Sfreddo & Vaillancourt 2009). Zeit und Geld spare, da sie keine Übersetzungen nehmen zu erklären. darauf, dass solche Daten quasi unmöglich zu er-
Der amerikanische Arbeitsmarktökonom zu tätigen und andere Sprachen zu lernen habe – Soziolinguistische und sprachökonomische halten seien in dem für sprachökonomische Aus-
­Williams (2006, 2007, 2011) hat Daten aus 15 Zeit und Geld, die für die Entwicklung anderer Kom- Studien zur Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt wertungen benötigten Umfang (Grin, Sfreddo &
europäischen Ländern (aus einer regelmässig
­ petenzen investiert werden können (Grin 2003a: gehen von sehr unterschiedlichen epistemologi- Vaillancourt 2010: 97).
durchgeführten EU-Haushaltpanel-Befragung) aus 49ff.). Die oben erwähnten Erhebungen Talking schen Voraussetzungen aus und nehmen selten
der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre analysiert, World Class, Talking Sense oder ELAN sehen hin- Kenntnis voneinander. Gegenseitige Vorbehalte
die Angaben zur Verwendung von Fremdsprachen gegen in den fehlenden Fremdsprachenkompeten- sind auf beiden Seiten zu vernehmen. Sprachöko- 5.4
von Erwerbstätigen beinhalten. Dabei ermittelt er, zen von Arbeitskräften aus der anglofonen Welt nomen attestieren sich eine logisch konsistente, Stellung von Minderheitensprachen
dass nur gerade 6% in UK und stattliche 78% in einen Nachteil auf dem internationalen Markt und analytische Methodologie und formalisierte Model- in der Arbeitswelt
Luxemburg mehr als eine Sprache an der Arbeit ein Handelshindernis. Zudem werde das Englisch le, die auf Verallgemeinerungen abzielten. Interak-
verwenden. Unter Berücksichtigung anderer Vari- von non-Native Speakers auf internationaler Ebe- tionistischen Forschungen gestehen sie zwar eine Eine (nicht sehr umfrangreiche) Forschungstradi-
ablen, die das Einkommen mitbestimmen, errechnet ne häufig besser verstanden als dasjenige von Na- detaillierte Beschreibung und Ethnografie der tion befasst sich mit der Rolle und dem Stellen-
er für alle Länder ausser UK einen positiven und tive Speakers (vgl. dazu auch Kap. 2.2.2). Sprachen an der Arbeit zu, kritisieren aber deren wert von (autochthonen und allochthonen) Min-
statistisch signifikanten Einfluss auf den Lohn, Ein weiterer Fokus von sprachökonomischen primär deskriptive Haltung und fehlende Verallge- derheitensprachen in der Arbeitswelt. Während
Arbeiten betrifft die Analyse der sprachlichen Be- meinerbarkeit (Grin 2003b: 55, Grin & Sfreddo sprachökonomische Studien sich v.a. für deren
27 | Daten aus dieser Studie werden auch in weiteren dürfnisse und Rekrutierungsstrategien von Unter- 2010: 20f., Grin 2010a: 127f.). Soziolinguistische Einfluss auf das Einkommen interessieren, stehen
Publikationen von Grin ausgewertet, z.B. in Grin 2000,
2001, 2003b, Grin, Sfreddo & Vaillancourt 2010: Kap. 7
nehmen: Ausgehend von Daten aus der Studie Studien würden ökonomische Konzepte (z.B. nou­ bei soziolinguistischen Studien eher ­ deren
bis 9. LEAP (Grin, Sfreddo & Vaillancourt 2009) wurden velle économie, mondialisation, marché, échange) ­In­strumentalisierung durch Arbeitgeber sowie
52 53

Kapitel 5 Kapitel 5
Management der Sprachenvielfalt Management der Sprachenvielfalt

deren Minorisierung am Arbeitsplatz im Fokus des dem sie diese für in der Regel unentlöhnte spon- verwendeten dominanten überregionalen Sprache ­ obei vermehrt sowohl mündliche als auch schrift-
w
Interesses. tane Übersetzungsarbeiten beiziehen (Beispiele Deutsch in Romanischbünden (Etter 2011) oder in liche zweisprachige Kompetenzen im Dienstleis-
Sprachökonomische Studien zum Einfluss von aus dem Gesundheitswesen und von Baustellen der Lausitz (Elle 2001). Mehr oder weniger explizi- tungssektor gefragt sind (Labrie et al. 2000). Mit
Kenntnissen der (nationalen oder regionalen) Min- finden sich z.B. bei Bührig & Meyer 2004, Apfel- te Verbote in Unternehmen, in Anwesenheit von der Privatisierung und Internationalisierung von
derheitensprachen auf den Lohn sind vor allem in baum & Meyer 2010, Ille & Neuhold 2013). Deutschsprachigen die Minderheitensprache ­zu Unternehmen werden Französischkompetenzen
Kanada durchgeführt worden, wo insbesondere Der Einfluss der Minderheitensprache bzw. sprechen, ist im Fall des Sorbischen einer Sprach- heute nicht mehr primär aus politischen, sondern
für Québec und für Männer ein höherer Lohn für des kommunikativen Stils der L1 auf die L2 bei managementanalyse unterzogen (Kimura 2014), im aus wirtschaftlichen (Expansions-)Gründen als
zweisprachige (englisch- und französischsprachi- Migranten und dessen negative Bewertung durch Fall des Rätoromanischen bisher v.a. in der Presse vorteilhaft erachtet, wie Djerrahian & Labrie (2009)
ge) Erwerbstätige errechnet wurde (Vaillancourt Angehörige der dominierenden Mehrheitssprache thematisiert worden (Etter 2011: 20f.). Für eine am Beispiel eines ehemals staatlichen internatio-
1996), und in der Schweiz, wo sich Kenntnisse der in Bewerbungs- und Promotionssituationen wur- Anstellung in den mit Sprachfördermassnahmen nalen Pharmaunternehmens in Ontario aufzeigen.
anderen Amtssprachen ebenfalls positiv auf den den v.a. in Grossbritannien analysiert (vgl. dazu beauftragten Institutionen sind Kenntnisse der In eher traditionellen (Rand-)Regionen, die noch
Lohn v.a. von Männern auswirken (Grin 1999, vgl. Roberts, Davies & Jupp 1992 etc. und weitere An- betreffenden Minderheitensprache hingegen ein stark von familiären und institutionellen Netzen
auch Kap. 5.3). Eine sprachökonomische Studie in gaben in Kap. 3.1). Ebenfalls relevant in Zusam- Vorteil und wichtiges Selektionskriterium. Darüber und Solidaritäten geprägt sind, stehen jedoch die
Wales ermittelt einen leicht höheren Lohn für zwei- menhang mit dem Stellenwert und Einfluss von hinaus scheint eine Sprachplanung zugunsten der sozialen Bindungen der lokalen Frankofonen einer
sprachige Arbeitnehmende, die Walisisch und Eng- Minderheitensprachen in der Arbeitswelt sind die verstärkten Verwendung einer autochthonen Min- für die Arbeit erforderlichen geografischen Mobi-
lisch können, selbst wenn sie kein Walisisch an der verschiedentlich beobachteten Tendenzen von Im- derheitensprache auch in der Arbeitswelt die lität (als Voraussetzung auch für die soziale Mo-
Arbeit verwenden, was die Autoren mit den staat- migranten, eigene Unternehmen – als Selbstan- Nachfrage nach entsprechenden Sprachkompeten- bilität) im Weg (Labrie et al. 2000). In der Schweiz
lichen Minderheitenschutzmassnahmen in Zusam- stellungsstrategie (Song 2013) und oft im zen zu stimulieren, wie z.B. Igartua (2012) für das ist hingegen eine Minorisierung der nationalen
menhang bringen (Henley & Jones 2005). Auch das ­Tieflohnbereich – zu gründen („ethnic entrepre- Baskische oder Milligan, Chalmers & O’Donnell Minderheitensprachen Französisch und Italienisch
Welsh Language Board ermittelt einen positiven neurialism“ gem. Hewitt 2012: 273) und sowohl Ih- (2013) für das Gälische aufzeigen. Die Förderung in (mehrsprachigen) Unternehmen auf dem Platz
Effekt der Zweisprachigkeit auf das Einkommen resgleichen zu rekrutieren als auch am Arbeitsplatz von Medien sowie von Dienstleistungen in einer Basel und damit ein zu schwaches Sprachmanage-
(gem. Cuniffe, Pearson & Richards 2010: 135). v.a. mit Ihresgleichen zu kommunizieren bzw. (pro- Minderheitensprache in Randregionen kann eben- ment zugunsten eines fairen Sprachverhältnisses
Sprachökonomische Auswertungen bei Sprechen- duktivere) „ethnic work units“ (Roberts 2010: 217) falls Stellen schaffen, wie Walsh (2010) in Zusam- beobachtet worden (Lüdi 2013b). Diese Minorisie-
den von indigenen Sprachen ausserhalb von Euro- zu organisieren (vgl. z.B. Teal 1985 zu Italienern in menhang mit dem Irischen in der Gaeltacht betont. rung finde nicht nur durch die dominierende Orts-
pa lassen vermuten, dass Minderheitensprachen, einer Montrealer Fabrik gem. McAll 2003: 248; vgl. Es scheint jedoch schwierig zu sein, den Einfluss sprache Deutsch, sondern auch durch Englisch
die nicht vom Staat gefördert werden, sich nicht z.B. Goldstein 1997 zu Azorern in Ontario; z.B. der Berücksichtigung auch der Minderheitenspra- statt, welches als brauchbare Alternative gelte an-
oder ­sogar negativ auf das Einkommen auswirken Song 2013 zu Koreanern in Neuseeland; z.B. Serwe che, z.B. im E-Commerce von Wales, auf das gesichts der mit dem „Schweizer Modell“ (jeder
(z.B. in Bolivien: Chiswick, Patrinos & Hurst 2000 2015 zu Thailänderinnen in Deutschland; vgl. auch (sprachliche und wirtschaftliche) Verhalten von spricht seine Sprache und wird verstanden) ein-
gem. Grin 2003b: 19; z.B. in den USA: McGroarty die Hinweise in McGroarty 1990: 162ff. und in Konsumenten zu erfassen (Cunliffe, Pearson & hergehenden Asymmetrien und Belastungen.
1990: 173ff.). ­Hewitt 2012: 271ff. auf weitere Studien sowie z.B. Richards 2010).
Bisher wenig erforscht worden ist die Rendi- Ma et al. 2013 für eine Literaturübersicht zum eth­ Im Vergleich zu Kompetenzen in autochtho-
te von Kenntnissen von allochthonen Minderhei- nic entrepreneurship). nen Klein- und Kleinstsprachen scheinen Kompe-
tensprachen bzw. von Migrationssprachen bei Soziolinguistische Studien zu autochthonen tenzen in wirtschaftlich einflussreichen regionalen
Einwanderern und inwiefern diese für Immigranten Minderheitensprachen bzw. Kleinsprachen in der Minderheitensprachen grössere Vorteile auf dem
nicht nur einen Nachteil, sondern auch einen Vor- Arbeitswelt konstatieren in der Regel eine sehr Arbeitsmarkt mit sich zu bringen. In Kanada
teil bedeuten könnten. In der Schweiz ist der Ein- marginale Rolle dieser Sprachen: Beispielsweise beispielsweise hat die französischsprachige
­
fluss von Kompetenzen in der Erstsprache von Rätoromanisch (und Italienisch) in der Schweiz ­Minderheit in einigen Regionen, in der Folge von
türkischen und italienischen Einwanderern er- (Solèr 2001, Etter 2011, 2013), Sorbisch in sprachpolitischen und -nationalistischen Errun-
forscht worden, die sich weniger finanziell, son- Deutschland (Elle 2001) oder Gälisch in Schottland genschaften seit den 1960er-Jahren, eine ein-
dern eher sozial als bedeutsam erwiesen (Grin, (Milligan, Chalmers & O’Donnell 2013) werden zwar flussreiche Position in der Arbeitswelt erlangt: Ihre
Rossiaud & Kaya 2003). Auch in Kanada konnte alle durch staatliche Massnahmen gefördert, im sprachlichen Kompetenzen verschaffen den Fran-
kein signifikant positiver Einfluss von Kompeten- privatwirtschaftlichen Bereich bestehen jedoch zösischsprachigen (v.a. aus der Mittelschicht, mit
zen in der Migrationssprache auf den Lohn kaum Vorgaben und erfolgt die Verwendung dieser in der Regel sehr guten Englischkompetenzen) an-
­ausgemacht werden (Pendakur & Pendakur 1998 Minderheitensprachen nur gerade im eigenen gesichts der frankofonen Nischenmärkte und der
gem. Grin 2003b: 20). Ethnografische soziolingu- Sprachgebiet und vorwiegend mündlich. Aber auch als Mehrwert geltenden Zweisprachigkeit eine vor-
istische Studien haben hingegen aufgezeigt, wie im traditionellen Sprachgebiet wird eine Minorisie- teilhafte Position auf dem ­Arbeitsmarkt (z.B. Heller
Arbeitgeber von den mehrsprachigen Kom­petenzen rung der autochthonen Sprache am Arbeitsplatz 1999, 2003, 2005, 2011a/b, Djerrahian & Labrie
ihrer ausländischen Arbeitskräfte p­ rofitieren, in- beobachtet, z.B. angesichts der weitaus häufiger 2009, Lamarre & Lamarre 2009, LeBlanc 2009),
54 55

5 Management der Sprachen-


vielfalt 6 Praktizierte Mehrsprachigkeit
an der Arbeit

5.5 In diesem Kapitel steht die Literatur zum mehr- ­ rbeitsplatz selbst ist die Sprachwahl auch mit
A
Zusammenfassung sprachigen Arbeitsalltag im Zentrum. Zuerst ­Inklusions- und Exklusionsprozessen verbunden
­werden Studien (mehrheitlich aus Europa) vorge- (vgl. Kap. 6.1.2). Sowohl wirtschafts- als auch so-
Das Management und der Wert der sprachlichen Seit der breit rezipierten ELAN-Studie von 2006 zu stellt, die sich mit mehrsprachigen Praktiken, Re- ziolinguistische Studien befassen sich mit der Fra-
Vielfalt in der Wirtschaft stehen im Fokus sprach- den Auswirkungen mangelnder Fremdsprachen- präsentationen und deren Wirkungen befassen, ge, welche Faktoren diese Sprachwahl bei der
politischer, managementwissenschaftlicher, sozio- kompetenzen in Unternehmen auf die europäische wobei hier erneut eine Konzentration auf externen und bei der internen Betriebskommuni-
linguistischer und sprachökonomischer Studien. Wirtschaft sind in mehreren Ländern ähnliche Un- ­internationale Unternehmen und die Management­ kation beeinflussen. Diese sind auch regelmässig
Allgemein wird festgestellt, dass es nur in wenigen ternehmensbefragungen durchgeführt worden, ebene auszumachen ist (Kap. 6.1). Es folgt ein Gegenstand von Typisierungs- und Modellierungs­
Ländern sprachgesetzliche Vorgaben an die Ad- welche einen volkswirtschaftlichen Verlust kurzer Abriss über neuere Literatur zu ausge­ versuchen, wie im Folgenden ersichtlich wird.
resse der Privatwirtschaft gibt, dass nur wenige ­aufgrund von fehlenden Fremdsprachenkompeten- wählten Arbeitsbereichen im Tertiärsektor (zu In der Literatur zur Sprachwahl in mehrspra-
Unternehmen eine explizite, elaborierte Sprach- zen und Sprachmanagementstrategien ermitteln. Callcenters, Tourismus und Werbung), in welchen chigen Kommunikationssituationen wird regelmäs-
managementstrategie verfolgen und dass ein fle- Sprachökonomen ihrerseits versuchen, den wirt- aufgrund der wirtschaftlichen Globalisierung sig auf die drei Basisoptionen nach Vandermeeren
xibles soft- oder non-Management pragmatische schaftlichen Gewinn von Sprachkompetenzen mit mehrsprachige Kompetenzen besonders gesucht (1998) verwiesen: Anpassung an die Sprache der
ad-hoc-Lösungen erlaubt, welches aber die ge- ökonomischen Methoden zu quantifizieren. Im Fo- sind und Sprache einen zentralen Stellenwert ein- anderen bzw. des Kunden, Nicht-Adaptation bzw.
nutzten sprachlichen Ressourcen der Arbeitneh- kus zahlreicher sprachökonomischer Studien steht nimmt (Kap. 6.2). Abschliessend verweisen wir Verwendung der eigenen L1 oder Standardisierung
mer in der Regel nicht valorisiert. Management- und der Zusammenhang zwischen Erwerbseinkommen dort auch auf soziolinguistische Studien zu mehr- bzw. Suche nach einer Lingua franca, meistens
HR-Spezialisten interessieren sich primär für die und Sprachkompetenzen bzw. Fremdsprachenver- sprachigen Praktiken im zweiten Sektor, der im Englisch. In der jüngeren Literatur wird vermehrt
verschiedenen Sprachmanagementstrategien in wendung am Arbeitssplatz, wobei unterschiedliche Vergleich zum Tertiärsektor deutlich weniger er- auch auf mehrsprachige Strategien verwiesen, die
multinationalen Unternehmen und deren wirt- Einflüsse je nach Sprache, Geschlecht, Herkunft forscht ist. nebst sprachlicher (Nicht-)Anpassung und Lingua-­
schaftliche Auswirkungen. Die Unternehmens- und Funktion der Arbeitnehmenden sowie je nach franca-Wahl auch Übersetzen/Dolmetschen,
sprachpolitiken bewegen sich zwischen den Sprachregion und Branche ausgemacht werden. rezeptive Mehrsprachigkeit und Codeswitch-
­
beiden Polen globale Vereinheitlichung und Integ- Sie ermitteln einerseits einen positiven Zusammen- 6.1 ing/-mixing umfassen (mehr dazu weiter unten in
ration in einer einzigen Sprache sowie lokale An- hang zwischen guten Kompetenzen in der lokal do- Mehrsprachige Praktiken und Kap. 6.1.3). Organisationspsychologen haben auf-
passung und differenzierte Verwendung mehrerer minierenden Sprache bei Anderssprachigen und Repräsentationen grund von Diskurs­analysen von Erzählungen von
Sprachen. Die meisten Studien beobachten, dass ihrem Einkommen, andererseits aber auch einen Angestellten aus mehrsprachigen Unternehmen in
die bottom-­up de-facto-Politiken sehr einfluss- Diskriminierungseffekt zwischen Einheimischen Im Folgenden präsentieren wir zuerst Studien, der Schweiz sechs Strategien bzw. discursive
reich sind im Vergleich zu den offiziellen top-down und Immigranten. Mehrsprachige Kompetenzen welche (wirtschafts- und soziolinguistische) Ana- practices ermittelt, welche je nach Raum (lokal,
de-jure-­Politiken und dass eine ‚one language’ bzw. das Arbeiten in mehr als einer Sprache (v.a. in lysen und Modellierungsversuche der Faktoren der ­national oder global) und Zeit (situationale oder
working policy den effektiven sprachlichen Prakti- Englisch) scheinen sich ebenfalls positiv auf den Sprachwahl vorlegen (Kap. 6.1.1), die auch Inklu- dauerhafte Logik) variieren und im Grossen und
ken und Bedürfnissen eines Unternehmens oft Lohn auszuwirken. sions- und Exklusionsprozesse nach sich zieht Ganzen mit den oben genannten Strategien über-
nicht gerecht wird. Einige sprachökonomische und soziolinguis- (Kap. 6.1.2). Anschliessend werden soziolinguisti- einstimmen: 1. Anpassung an die lokale Sprache,
Soziolinguistische Analysen der Sprachpolicy tische Studien befassen sich speziell auch mit dem sche und konversationsanalytische Fallstudien zu 2. Anpassung an die Sprache des Gesprächspart-
von Unternehmen bedienen sich häufig eines Me- Stellenwert von Minderheitensprachen in der Ar- mehrsprachigen Praktiken am A ­ rbeitsplatz vorge- ners, 3. Aushandlung einer gemeinsamen Sprache,
thodenmixes von Dokumentenanalysen, Interviews beitswelt. Dabei werden je nach Status der Min- stellt (Kap. 6.1.3). Abschliessend befassen wir 4. simultan die verschiedenen Sprachen der Teil-
und teilnehmender Beobachtung, um die offiziellen derheitensprache (autochthon oder allochthon, uns mit Studien, die ein besonderes Augenmerk nehmenden verwenden, 5. einen Kompromiss mit
Politiken und Deklarationen mit den effektiven staatlich unterstützt oder nicht) unterschiedliche auf die diskursiven Repräsentationen von Spra- einer dritten Sprache (meist Englisch) finden und
Praktiken zu vergleichen und in der Regel eine Dis- Einflüsse beobachtet. Insbesondere Kompetenzen che, mehrsprachigen Praktiken und Politiken le- 6. Improvisieren, inkl. Mischen. In einer internati-
krepanz festzustellen. Bei den Dokumentenanaly- in einer autochthonen, staatlich unterstützten gen, welche das Verhalten der sozialen Akteure in onal zusammengesetzten Belegschaft könne es
sen werden mit Vorliebe die Redaktionssprachen Minderheitensprache scheinen auf dem Arbeits- der Arbeitswelt beeinflussen (Kap. 6.1.4). zu Spannungen kommen angesichts der Erwartun-
der wichtigsten Texte, die Sprachanforderungen in markt von Vorteil zu sein. Ein eigenes Forschungs- gen der lokalen Angestellten bezüglich Anpassung
Stelleninseraten und in jüngerer Zeit auch die feld stellen die unter dem Stichwort ethnic entre- an die Ortssprache (1.) und der notwendigen Su-
„Sprachenlandschaften“ von Unternehmen unter- preneurship bekannten arbeitsmarktlichen Strate- 6.1.1 che nach einer Kompromisssprache (5.), die ent-
sucht. Die Analysen berichten übereinstimmend gien von Immigranten dar, die sich quasi als Optionen und Faktoren der weder als Auferlegung des Englischen durch die
von einer starken Präsenz des Englischen, aber Selbstanstellungsstrategie selbständig machen Sprachwahl Expats oder aber als demokratische Alternative
auch von einer zunehmenden Bedeutung anderer und innerhalb ihrer Herkunftsgruppe rekrutieren. empfunden werde (Steyaert 2008, Steyaert,
Fremdsprachen. Aus Unternehmerperspektive ist die Sprachwahl ­Ostendorp & Gaibrois 2011). In einer soziolinguis-
immer eine strategische Wahl, mittels welcher tischen Forschung zu Strategien in Sprachkon-
­bestimmte Märkte erreicht werden sollen. Am taktsituationen am Arbeitsplatz von Grenzgängern
56 57

Kapitel 6 Kapitel 6
Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit

in Luxemburg wurden ebenfalls sechs idealtypi- praktisch-kommunikative, sondern auch symbo- 6.1.2 Eine in Zusammenhang mit sprachlich bedingten
sche Praktiken ermittelt, die in einem Kontinuum lisch-identitäre Faktoren wirksam seien. Auch im Sprachliche Inklusions- und Machtprozessen in MNCs sehr häufig e ­ rwähnte
zwischen minimaler und maximaler Praxis der Mehr- Tourismusgeschäft spielten sowohl praktische als Exklusionsprozesse und frühe Studie stammt von Marschan-Piekkari,
sprachigkeit angesiedelt werden (Wille, De Bres & auch psychologische Aspekte eine Rolle bei der Welch & Welch (1999a): Diese haben Sprache als
Franziskus 2012). Sprachwahl. In der Werbung hingegen erfolge die Sprachwahl in der Arbeitswelt wird auch in Zusam- Schlüsselfaktor für die interne Kommunikation der
Die für die betriebliche Sprachsituation und Sprachwahl hauptsächlich aufgrund ihrer symbo- menhang mit Ungleichheit und Machtaspekten untersuchten finnischen MNC Kone Elevators be-
Sprachwahl wichtigen Faktoren werden von der lischen und emotionalen Funktionen (vgl. dazu thematisiert, da je nach ökonomischer, sozialer zeichnet, und zwar als Barriere beim Informations-
Wirtschaftslinguistin Kleinberger Günther (2004, auch Kap. 6.2). und sprachlicher Stärke nicht alle über dieselben austausch, als Vorteil für Angestellte mit guten
2003) zu vier Faktorenbündeln zusammengefasst, Ein elaboriertes Modell zur Sprachwahl, das Wahlmöglichkeiten verfügen (Roberts 2010: 221) Englischkompetenzen und als Machtquelle v.a. für
welche das Unternehmen, die Adressaten, das auch umfassendere wirtschaftliche Faktoren ein- und die Sprachwahl mit Inklusions- und Exklusi- diejenigen, die in den drei wichtigsten Sprachen
Kommunikationsmedium sowie die Angestellten be- schliesst, hat die Romanistin Lavric (2008) zusam- onsprozessen einhergeht. Bei den Studien, die kompetent waren, d.h. in Englisch als CCL, Finnisch
treffen: 1. Sektor bzw. Branche, Unternehmens- men mit Bäck (Lavric & Bäck 2009) vorgelegt. diese Prozesse am Arbeitsplatz analysieren, ist als PCL und in der Sprache des Landes der ent-
grösse, nationale oder internationale Ausrichtung Ausgehend von quantitativen und qualitativen eine Dominanz der Managementperspektive in sprechenden Filiale, was auch zu einer shadow
des Unternehmens, 2. interne oder externe Kom- ­Daten zur Sprachwahl in Kundenkontakten von ös- multinationalen Konzernen auszumachen, nur we- structure innerhalb der Organisation führen könne.
munikation, ein- oder mehrsprachige Situation terreichischen Unternehmen, die in romanisch- nige Studien analysieren auch analoge Prozesse Die Einführung der CCL Englisch könne anstelle von
bzw. Umfeld, 3. mündliche oder schriftliche Kom- sprachige Länder exportieren, haben sie ein auf unteren Hierarchiestufen (vgl. dazu auch die integrativen auch desintegrative Auswirkungen
munikation, 4. individuelle Kompetenzen und B ­ e- Drei-Ebenen-Modell der Sprachwahl erarbeitet. Literatur zum linguistic penalty für Immigranten bei haben, insbesondere wenn ungleich verteilte Eng-
findlichkeiten der Angestellten. Der Wirtschafts- Dieses beschreibt den Einfluss von Faktoren der Bewerbungs- und Beförderungsgesprächen in Kap. lischkompetenzen den Informationsfluss behindern
linguist Bungarten (2001) betont stärker die öko- politischen und volkswirtschaftlichen Makroebene 3.1 sowie zum ethnic entrepreneurship in Kap. 5.4). und zu Missverständnissen führen, wenn sprach-
nomischen Prinzipien (Gewinnmaximierung, (u.a. Wachstumsrate des bilateralen Handels, welt- Studien in multinationalen Unternehmen lich kompetente Manager zu language nodes
Wettbewerb, Nützlichkeitsprinzip), welche letztlich weites Gewicht einer Sprache, Sprachpolitik), von (MNCs) betonen die wichtige integrierende Funk- ­werden und sprachlich weniger kompetente Ange-
die Sprachwahl in der Unternehmenskommunikati- Faktoren der branchen- und unternehmensorien- tion der Kompetenzen sowohl in der offiziellen Un- stellte in ihrer Karriere eine Art glass ceiling
on bestimmen. Je nach Grösse und Internationali- tierten Mesoebene (z.B. Wirtschaftssektor und ternehmenssprache (CCL), meistens Englisch, als ­erfahren (Piekkari 2005: 340, 2009: 274f., Mar-
tät des Unternehmens macht er verschiedene Produkte, Verteilkanäle, Sprache von Produktein- auch in der lokal dominierenden Sprache. Ersteres schan-Piekkari, Welch & Welch 1999b, Feely &
Strategien aus: In internationalen U ­ nternehmen formationen, Machtbalance zwischen Verkäufer gilt als Voraussetzung für die Integration ins Ge- Harzing 2003). In der Folge haben auch andere
bestehe eine Tendenz, Englisch als Konzernspra- und Kunde) sowie der individuellen Mikroebene samtunternehmen und für den Zugang zu wichtigen Forscher power imbalances oder power distortions
che für die Managementebene zu wählen und auf (dis­positionale, motivationale und situationale Informationen und Machtpositionen, Letzteres als in MNCs ermittelt, etwa wenn Vorgesetzte auf
der Produktionsebene die Sprache der Mehrheit Faktoren) auf die Sprachwahl. Lavric & Bäck (2009) Voraussetzung für die Integration vor Ort und im sprachliche Dienste von Untergebenen angewiesen
der Mitarbeitenden, in der Regel diejenige des betonen, dass inbesondere die Anwesenden, deren Team (Marschan-Piekkari, Welch & Welch 1999a, sind (Mahili 2014: 136) oder wenn die Angestellten
Standortes, zu wählen. In mittelständischen Un- Sprachkompetenzen sowie das Thema (geschäft- Vaara et al. 2005, Tange & Lauring 2009, Lüdi, der Filiale einer MNC bessere Kompetenzen in der
ternehmen hingegen spiele das Lingua-franca-­ lich oder privat) die Sprachwahl beeinflussen und Höchle & Yanaprasart 2010, Angouri 2014, Løns- CCL haben als die Manager im HQ (Harzing & Pu-
Modell weniger eine Rolle und seien v.a. drei dass die Kommunikation in mehrsprachigen Grup- mann 2014, 2015). Insbesondere die Teilnahme am delko 2013). Zwecks Vermeidung dieser Konstella-
Strategien auszumachen: 1. Verwendung der Spra- pen oft durch Codeswitching geprägt sei. Bezüg- Smalltalk bzw. an der softcommunication, welcher tion würden asiatische MNCs häufig nicht Englisch
che des ökonomisch dominanten Geschäftspart- lich Medium sei in der schriftlichen Kommunikation eine reiche soziale Funktion und zentrale Bedeu- als CCL wählen (Harzing & Pudelko 2013). Umge-
ners (was auch als „Rudi-­Carell-Modell“ bezeichnet oft eine sprachliche Standardisierung bzw. die tung für sämtliche Betriebsabläufe zugeschrieben kehrt kann aber auch die lokal dominierende
werde), 2. Verwendung der Sprache des Kunden Wahl von Englisch zu beobachten, bei der mündli- wird (Coupland 2003, Kleinberger Günther 2005, ­Sprache als eine Art Geheimsprache bzw. gate­
(was für den Handel allgemein als lohnenswerte chen Kommunikation eher ein sprachlicher Aus- 2008 etc.), erfordert Kompetenzen nicht nur in keeping-Sprache eingesetzt werden, damit be-
Strategie gelte), 3. Verwendung einer verwandten handlungsprozess. Englisch, sondern v.a. auch in der im Team domi- stimmte Informationen nicht über den adressierten
Sprache. Eine soziolinguistische Studie bei zweispra- nierenden Sprache (Gunnarsson 2006, 2013b, Tan- (lokalen) Kreis hinaus in Englisch für weitere Krei-
Der Soziolinguist Haarmann (2005) seiner- chigen (spanisch- und englischsprachigen) Dienst- ge & Lauring 2009, Studer & Hohenstein 2011, se zugänglich werden (Mahili 2014).
seits berücksichtigt nebst den utilitaristischen leistern in den USA zeigt auf, dass nicht nur die Angouri & Miglbauer 2013, 2014, Lønsmann 2014, Fehlende oder mangelhafte Kenntnisse von
auch die psychologischen Funktionen von Sprache, sprachlichen Kompetenzen der Interagierenden, Nelson 2014 etc.). Die Aneignung von sozioprag- Englisch werden als Ursache für einen language
welche die Sprachwahl in der Wirtschaftskommu- sondern v.a. auch deren Status als ­Mitglied der In- matischen Kompetenzen in der am Arbeitsplatz gap (Gunnarsson 2013a, 2014) zwischen den Eng­
nikation beeinflussen: Während in globalen Han- group oder Outgroup (nebst dem privaten oder öf- ­dominierenden Sprache, die eine Teilnahme am lish-speaking haves und den non-English-speak­
delsbeziehungen Englisch (und zunehmend auch fentlichen Setting, der Unternehmenssprachpolitik Smalltalk erlauben, wird in mehreren Studien als ing have-nots (Phillipson 2001 gem. Steyaert,
Chinesisch und Koreanisch) dominierten, spielten und der ungleichen Machtposition zwischen Ange- wichtig bezeichnet (Holmes 2000, Holmes & S ­ tubbe Ostendorp & Gaibrois 2011: 271) und für Macht-
in nationalen Handelsbeziehungen auch die Lan- stellten und Kunden) die (mündliche) Sprachwahl 2003, 2004, Pullin 2010, Angouri 2013, Miglbauer spiele und nicht funktionierende Informationsflüs-
dessprachen eine wichtige Rolle, da dort nicht nur beeinflussen (Callahan 2005). 2014 etc.). se problematisiert (vgl. dazu auch Kap. 2.2.2).
58 59

Kapitel 6 Kapitel 6
Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit

Mehrheitlich wird Englisch als Sprache der Kompe- MNCs sind sprachbedingte Exklusionsprozesse zu Arbeitsmilieus, in welchen die Akteure tatsächlich „Schweizer Modell“ bekannte mehrsprachige Kom-
tenz, der Macht und der Mächtigen konzipiert: beobachten: Lønsmann (2014, 2015) zeigt a ­ nhand auch über mehrsprachige Ressourcen verfügen munikationssituation, in welcher jeder seine Spra-
Englisch gilt als Sprache der obersten Hierarchie- von ethnografischen Fallstudien, wie fehlende und mehr oder weniger derselben Sozialschicht che spricht und von den anderen verstanden
stufen, als Sprache der Entscheidungszentren, die Sprachkompetenzen in mehrsprachigen interna­ angehören. Studien zur mehrsprachigen Kommuni- werden sollte, stösst im Arbeitsalltag an Grenzen
lokale Sprache hingegen als Sprache der unteren tionalen Unternehmen sowohl für blue-collar kation von Angestellten in internationalen Unter- angesichts der ungleichen Verteilung der Macht,
Positionen (Kleinberger Günther 2004, Nekvapil & workers als auch für white-collar Angestellte zu nehmen, v.a. von Managern in MNCs und im des Prestiges und des kognitiven Efforts zwischen
Nekula 2006, Angouri 2009, Angouri & Miglbauer Exklusionsprozessen führen, die zusätzlich durch internationalen Handel (z.B. Poncini 2004 in Itali- den beteiligten sprachlichen Minderheiten und
2013, 2014, Gunnarsson 2013b, 2014, Mahili 2014 das performative Potenzial von dominierenden en, Gunnarsson 2006 in Schweden, Angouri 2007 Mehrheiten (Lüdi 2013a/b). Dieses Modell wird in
etc.). Eine Analyse der diskursiven Konstruktion Sprachideologien befördert werden. In ihrer Feld- in Nord- und Südeuropa, Mettewie & Van Mensel der Regel zusammen mit anderen Strate­gien ver-
von Machtbeziehungen in mehrsprachigen Organi- forschung im dänischen Hauptsitz eines inter­ 2009 in Belgien, Ehrenreich 2010 und Lejot 2015 wendet, wie eine Studie in einer deutsch-franzö-
sationen verdeutlicht verbreitete diesbezügliche nationalen Pharmakonzerns (mit Englisch als in- in Deutschland oder Mahili 2014 in Griechenland) sischsprachigen Schweizer Bank verdeutlicht
interpretative Repertoires sowie die ambivalente offizieller CCL) hat sie u.a. einen deutschen Exper- oder an Universitäten (vgl. Teil III. in Berthoud, (Heiniger 2004, Lüdi & Heiniger 2005, 2007): Da
Rolle von Englisch als sowohl partizipatorische als ten aus dem Forschungs- und Marketingbereich Grin & Lüdi 2013, Marriott 2013 in Australien, De die bei den Teilnehmenden vorhandenen Sprach-
auch ausschliessende Sprache (Gaibrois 2014). sowie eine dänische Angestellte (service assis­ Socarraz-Novoa 2015 in Spanien, Negretti & Gar- kompetenzen nicht immer ausreichen, werden auch
Auch in multinationalen Unternehmen auf tant) begleitet (Lønsmann 2014). Während Letzte- cia-Yeste 2015 in Schweden) betreffen Arbeits- andere Methoden der Verständigungssicherung
dem Gebiet der Tschechischen Republik ist in meh- re aufgrund von fehlenden Englischkompetenzen kräfte, die wirklich die Wahl haben. Deren eingesetzt, z.B. die Sprache des Partners spre-
reren Studien der mit der Sprachwahl verbundene keinen Zugang zu den Basisinformationen des Un- zwei- und mehrsprachige Interaktionsordnungen chen, Übersetzen des Gesagten, zweisprachiges
Macht- und Exklusionsaspekt untersucht worden, ternehmens hat und sich in ihrer beruflichen Ent- werden denn auch weniger in Zusammenhang mit Reden etc. Die Autoren betonen, dass der Erfolg
wobei nicht nur Englisch, sondern auch Deutsch wicklung behindert sieht, ist Ersterer aufgrund Kommunikationsproblemen und -defiziten dis­ einer Sitzung nicht von den Kompetenzen der ein-
eine wichtige Rolle spielt und hohe ausländische seiner fehlenden Dänischkompetenzen von infor- kutiert, sondern vor allem als pragmatische zelnen Sprechenden abhängig sei, sondern davon,
Direktinvestitionen und starke ausländische Be- mellem Wissen und von einer Karriere innerhalb ­Antwort auf funktionale Erfordernisse des Ar- wie die Akteure ­gemeinsam die Gesamtheit ihrer
teiligungen zu einer sprachlichen Machtasymmet- des Hauptsitzes ausgeschlossen, wo das Topma- beitsplatzes konzipiert (Roberts 2010: 221). sprachlichen Ressourcen mit optimaler Rendite
rie beitragen (Nekula, Nekvapil & Šichová 2005a/b, nagement ausschliesslich aus Dänen besteht. Der Von den zahlreichen Forschungsarbeiten einsetzen würden (Lüdi & Heiniger 2007: 83).
Marx & Nekula 2006): Deutsch sei die verbreitets- stark verbreitete Glaube, alle Dänen könnten rela- können hier nur einige wenige vorgestellt werden.28 ­Ähnliche Beobachtungen machen Lüdi und sein
te Firmensprache, die am stärksten mit Sprachkur- tiv gut Englisch, blende diejenigen aus, die kein Wir konzentrieren uns deshalb einerseits v.a. auf Forschungsteam in einer ethnografischen For-
sen geförderte Sprache und die Sprache des Englisch können (Lønsmann 2014: 102 spricht in Studien zu mehrsprachigen Praktiken in Schweizer schung am Ticketschalter eines Grenzbahnhofs in
Managements und der Spezialisten. In einigen mul- Anlehnung an Gal & Irvine 1995 von „erasure of the Unternehmen, andererseits auf (konversations- der Schweiz, wo die mehrsprachigen Praktiken
tinationalen Unternehmen werden auch Kompen- English-have-nots“). Und die als natürlich empfun- analytische) Studien zum Codeswitching am Ar- ebenfalls nicht nur von sprachpolitischen Vorga-
sationsstrategien ausgemacht, wenn z.B. der dene dänische Sprache am Hauptsitz in Dänemark beitsplatz. Diese Studien gehen davon aus, dass ben, sondern v.a. auch von kontextuellen und funk-
Vorstand und Aufsichtsrat paritätisch besetzt wird bzw. die „Danish-­as-the-natural-language-in- mehrsprachige Repertoires kommunikative Res- tionalen Erfordernissen geprägt werden (Barth
oder zwei Geschäftsführer (ein tschechischer und Denmark ideology“ (Lønsmann 2015: 345) basiere sourcen darstellen, die von den Interaktionspart- 2009, 2010, Lüdi & Barth 2009, Lüdi, Barth, Höch-
ein deutscher) als Betriebsleiter gewählt werden. auf der one nation, one language-Ideologie, die nern gemeinsam und situationsindiziert mobilisiert le & Yanaprasart 2009). Die Angestellten verwen-
Angesichts der noch immer bedeutenden Rolle des das Erlernen der Landes- und Hauptsitzsprache werden können. Dabei wird festgestellt, dass die deten ihre mehrsprachigen und multimodalen
Deutschen für die tschechische Wirtschaft wird als Ausdruck des Integrationswillens konzipiere. sprachlichen Ressourcen flexibel und mit wenig Ressourcen funktional und mobilisierten, nach
„eine gewisse Diskrepanz zwischen der Sprachsi- Rücksicht auf (einzelsprachliche) Normen genutzt Aushandlungsprozessen mit den Kunden, die vor-
tuation in der tschechischen Wirtschaft und der werden, um die Interaktionen zu organisieren und handenen verbalen und nonverbalen Mittel, um
Sprachpolitik des tschechischen Schulministeri- 6.1.3 die Aufgaben so effizient wie möglich zu erfüllen, eine optimale Kommunikation zu gewährleisten.
ums“ ausgemacht, das Englisch als erste Fremd- Multilanguaging und Codeswitching in und dass oft auch die Grenzen zwischen den Spra- Auch die Analysen des Sprachmanagements und
sprache empfiehlt (Nekula, Marx & Šichová 2009: mehrsprachigen Arbeitssettings chen transgrediert werden. von Arbeitsinteraktionen bei einem international
82). Andererseits haben Nekvapil & Nekula (2006: Bei empirischen Studien zu mehrsprachigen tätigen Pharmakonzern in Basel zeigen, dass mehr-
316ff.) in einer tschechischen Filiale der deut- In den letzten Jahren sind einige soziolinguisti- Arbeitssitzungen werden verschiedene sprachliche sprachige Praktiken dominieren, obwohl unter den
schen Siemens AG aufgezeigt, wie die schlechteren sche Fallstudien zu mehrsprachigen Strategien in Optionen analysiert, insbesondere das lingua- ­Arbeitnehmenden die Repräsentation von Englisch
Kompetenzen der tschechischen Manager in der konkreten Arbeitssettings publiziert worden. Da- receptiva-Modell und neuerdings auch ein als Unternehmenssprache sehr verbreitet ist (Lüdi,
CCL Englisch den ausländischen Managern zu einer bei stehen insbesondere die Rolle der Lingua fran- ­Multilanguaging. Die als lingua-receptiva- oder Höchle & Yanaprasart 2010). Basierend auf diesen
einflussreichen Position in den Entscheidungspro- ca Englisch, die kreative und situationsadäquate Forschungen plädiert Lüdi (2013a/b) d ­ afür, von
zessen im Kader verhelfen. Mobilisierung von mehrsprachigen Ressourcen so- 28 | Hinweise auf weitere Studien finden sich z.B. in den der Idee einer Lingua franca als effizienteste und
Übersichtsartikeln zum Thema Mehrsprachigkeit in der
Nicht nur auf der Ebene des Managements, wie das Codeswitching im Fokus des Interesses. Arbeitswelt von Roberts (2007, 2010), Hewitt (2012) und
fairste Kommunikationsstrategie a­ bzukommen und
sondern auch auf unteren Hierarchieebenen von Diese Studien konzentrieren sich in der Regel auf Gunnarsson (2013, 2014). die mehrsprachigen Kommunikationsstrategien am
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Kapitel 6 Kapitel 6
Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit

Arbeitsplatz zu valorisieren, insbesondere auch die sionen, und dort als zulässig, üblich und einfacher mehrsprachige Interaktion in einer Gruppenarbeit sche Sprache hingewiesen und die Bedeutung von
funktionale Mehrsprachigkeit. Diese basiere auf empfunden wird. Mit Mitgliedern der Outgroup hin- zu koordinieren und organisieren und Rollen zuzu- Englisch relativiert. Diese beiden Tendenzen fas-
dem Vorhandensein und Mobilisieren von mehr- gegen wird CS als markiert und unangebracht ein- teilen. sen die Autorinnen mit den Begriffen der Überbe-
sprachigen Kompetenzen bzw. Repertoires (auch gestuft (Bach Baoueb 2009, 2010). wertung und der Distanzierung („survalorisation
als mehrsprachige Rede und neuerdings auch als Insbesondere im Rahmen der ethnomethodo- de l’anglais“ vs. „prises de distance“) zusammen
Multilanguaging29 oder Plurilanguaging30 bezeich- logisch orientierten Konversationsanalyse werden 6.1.4 (Bothorel-Witz & Choremi 2009: 123). Bei den
net), was zu einer kreativen, hybriden, die Sprach- mehrsprachige Arbeitsplatzinteraktionen einer mi- Repräsentationen von Sprachen, ­sozialen Repräsentationen der eigenen sprachli-
grenzen auflösenden Kommunikation führen könne. nutiösen und multimodalen Analyse unterzogen, um sprachlichen Praktiken und Politiken chen Kompetenzen beobachten sie, dass in den
Ausgehend von einem pragmatischen, aufga- die Methoden und Strategien der Teilnehmer zu er- Unternehmen, in welchen eine Tendenz zur Reduk-
ben- und zielorientierten Kommunikationsbegriff fassen, die zur (Re-)Produktion der sozialen Ord- Neuere soziolinguistische Studien rücken den epi- tion der Mehrsprachigkeit bestehe, ein idealisier-
wird das Codeswitching (CS) heute auch in Arbeits- nung beitragen. Im Fokus stehen insbesondere stemologischen Stellenwert von Daten ins Zen­ tes Bild von perfekt Mehrsprachigen vorwiege, in
settings nicht mehr als Ausdruck fehlender sprach- sprachliche Ressourcen wie CS oder die Verwen- trum, die mittels Interviews (und Fragebogen) einer zu sprachlicher Diversifizierung tendieren-
licher Kompetenzen, sondern als Ausdruck der dung einer Lingua franca. Als exemplarische Stu- erhoben worden sind, und betonen, dass es sich den MNC hingegen dominiere eine pragmatische
Mobilisierung mehrsprachiger Ressourcen inter- dien zu talk at work, welche die multimodalen dabei um (diskursive) Rekonstruktionen von Wahr- Vision von funktionalen Mehrsprachigen. Damit
pretiert.31 CS wird als Ressource aufgefasst, die Interaktionen in einem räumlich, sozial, sprachlich nehmungen handelt, die individuell und/oder ge- einher gingen entsprechend mehr oder weniger kri-
nicht nur zur Verständigungssicherung beiträgt und technologisch komplexen Umfeld anhand von teilt sein können und soziale Repräsentationen tische Auto­evaluationen der eigenen Fremdspra-
(z.B. bei der finnisch-schwedischen Interaktion in Videoaufnahmen analysieren, seien hier die Studi- darstellen (wie sie insbesondere in der Sozialpsy- chenkompetenzen.
einer fusionierten MNC gem. Charles 2006: 265 en der Basler Interaktions- und Konversationsana- chologie von Moscovici konzeptualisiert worden Ebenfalls mit den sozialen Repräsentationen
und Gunnarsson 2014: 18), sondern auch Solida- lytikerin Mondada erwähnt, die zusammen mit sind). Diese an einem soziokonstruktivistischen und der Wissensproduktion zu Sprache haben sich
rität und/oder die eigene kulturelle Identität aus- einem Team aus Lyon zahlreiche A ­ rtikel zu mehr- Paradigma orientierten Arbeiten interessieren sich Millar & Jensen (2009) sowie Millar, Cifuentes &
drücken kann (Jenkins, Cogo & Dewey 2011: 284). sprachigen Interaktionen am Arbeitsplatz, insbe- für (diskursive) Sinngebungsprozesse und die Jensen (2012, 2013) auseinandergesetzt: Ihre
Demgegenüber lässt sich bei den Akteuren selbst sondere an Meetings, vorgelegt hat (ausführlich Wissensproduktion zu Mehrsprachigkeit in der Analysen von Interviews und Fragebogenerhebun-
jedoch immer noch ein eher ambivalentes Verhält- dazu in Markaki et al. 2013). Sie hat u.a. Analysen ­Arbeitswelt, die in Wechselwirkung mit Praktiken, gen bei Managern und (white-collar)-Angestellten
nis zum CS ausmachen, das sie – trotz Umdenkens publiziert zu Aushandlungsprozessen bezüglich Politiken und Kontexten konstruiert und wirksam in dänischen Unternehmen und MNCs bringen ähn-
in den Sprachwissenschaften – bisweilen immer Sprachwahl bei der Eröffnung von Arbeitssitzun- werden. liche Repräsentationen zur Unerlässlichkeit und
noch als Zeichen mangelnder Sprachkompetenz in- gen (Mondada 2004, Mondada & Oloff 2011), zur Im Rahmen des europäischen DYLAN-Projekts Effizienz von Englisch und zur Wertschätzung der
terpretieren (Angouri & Miglbauer 2014), wie z.B. Verwendung multimodaler Ressourcen bei der Lin- hat das Strassburger Team, bestehend aus Chore- lokalen Sprache hervor: Englisch gelte als uner-
in Ontario bei französisch- und englischsprachigen gua-franca-Interaktion in einer Sitzung eines fran- mi, Huck, Truchot, Tsamadou-Jacoberger, unter der lässliche Geschäftssprache in einer globalisierten
Callcenter-Angestellten und deren Arbeitgebern zösischen mit zwei chinesischen Ingenieuren Leitung von Bothorel-Witz, die sozialen Repräsen- Welt, primär für das Kader und im Verkauf und Ein-
beobachtet wurde (Roy 2000, 2003). Eine Analyse (Mondada 2012) oder zum CS als organisationale tationen zur Mehrsprachigkeit in international tä- kauf, was auch Einfluss auf die gewählte Unterneh-
der Sprachwahl und des CS-Verhaltens von tune- Ressource während Arbeitsinteraktionen im Ope- tigen Unternehmen mit Sitz oder Filialen im Elsass menssprache und geförderten Sprachkurse habe.
sischen Geschäftsleuten zeigt denn auch, dass CS rationssaal (Mondada 2004, 2007a/b). Dabei analysiert. Basierend auf Diskursanalysen von In- Englisch als Unternehmenssprache bedeutet aber
(mündlich, zwischen Tunesisch und Französisch) kommt sie zum Schluss, dass mehrsprachige Ar- terviews mit v.a. lokalen Kaderleuten zeigen sie gemäss Befragten nicht, dass intern zwangsläufig
eher mit Mitgliedern der Ingroup eingesetzt wird, beitssituationen nicht nur praktisch zu lösende auf, wie deren (teilweise geteilten, teilweise indi- Englisch gesprochen werde, da es sich ja um ein
sowohl in formalen als auch in technischen Diskus- Probleme darstellen, sondern dass sie auch eine viduellen) Repräsentationen die Sprachpraktiken dänisches Unternehmen handle. Gemäss Fragebo-
Serie von Möglichkeiten eröffnen, die lokale Ord- und -politiken im Unternehmen wesentlich mitprä- gen- und Interviewauswertungen stellten Dänisch
29 | Vgl. dazu Nguyen 2012: 68, Lüdi, Höchle Meier & nung der Interaktionen zu organisieren und die gen, weshalb Letztere nicht als ­direkte oder me- und Englisch die weitaus wichtigsten Arbeitsspra-
Yanaprasart 2013: 69–75, Lüdi 2013c: 13ff. und Lüdi
2014: 66ff.
Teilnahme an den Aktivitäten zu konfigurieren (auf chanische Auswirkungen der Internationalisierung chen dar, aber auch andere Sprachen, insbeson-
sequentieller, praxeologischer, partizipativer und aufzufassen seien (Bothorel-­Witz & Choremi 2009, dere Deutsch, würden verwendet. Allgemein
30 | Vgl. dazu Makoni & Makoni (2010: 258, 261), die
Plurilanguaging im Rahmen der von ihnen vorgeschla- kategorieller Ebene). Ebenfalls basierend auf ei- Bothorel-Witz & Tsamadou-Jacoberger 2012, dominiere die Vorstellung, dass die Dänen gut Eng-
genen vague linguistique verwenden, die sich (aus emi- nem konversationsanalytischen Ansatz haben 2013). Diskursiv werde die sprachliche Diversität lisch könnten (vgl. auch Tange & Lauring 2009,
scher Perspektive bzw. derjenigen der Sprachverwender) ­Jacquin & Pantet (2010) das CS in einem mehr- reduziert, wenn intern vor allem Französisch und Lønsmann 2014, 2015), wobei die Interviewten die
mit sozialen Prozessen befasst, in welchen verschiedene
sprachliche Ressourcen in semiotisch offener Weise sprachigen Arbeitssetting analysiert: in einer stu- extern vor allem Englisch als dominierende Sprache Kompetenzen pragmatisch und relativ beurteilten
mobilisiert werden. dentischen Gruppenarbeit an der technischen beschrieben werde. Bei den Interviewten herrsche und nicht nach absoluten, normativen Kriterien. Die
31 | Einen Überblick zur umfangreichen Literatur zu Hochschule in Lausanne, an welcher vier Personen zwar einerseits der Diskurs von Englisch als wich- Autorinnen machen bei den Befragten letztlich
Codeswitching und zu dessen Analyse nicht als Ausdruck unterschiedlicher Erstsprache und Nationalitäten tigste Sprache im zunehmend globalen Kontext vor, doch eine monolinguale Tendenz aus, wenn diese
von sprachlichem Defizit, sondern als sozial, identitär,
funktional und grammatikalisch interessante Strategie,
teilnahmen. Auch ihre Analysen verdeutlichen, wie andererseits werde aber auch regelmässig auf die Englisch als ausreichend erachteten für die in­
geben z.B. Auer & Eastman (2010). CS als strategische Ressource ermöglicht, eine Bedrohung der anderen Sprachen durch die engli- ternationale Geschäftskommunikation und die
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Kapitel 6 Kapitel 6
Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit

­ nderen Sprachen tendenziell als instrumentell


a ten (doxa) bezüglich der Dominanz des Deutschen sowie damit zusammenhängende Fragen des prekären Arbeitsbedingungen und tiefen Löhne ist
einsetzbaren Bonus konzipierten, dank welchem und der Minorisierung des Italienischen und vari- Standortwettbewerbs und der Auslagerung in Bil- es nicht immer einfach, das gesuchte zweisprachi-
Goodwill und eine gute Atmosphäre geschaffen ierende Wahrnehmungen bezüglich des Stellen- liglohnländer. Insgesamt sind Studien zu mehr- ge Personal zu finden (Labrie et al. 2000, Labrie
werden könne (Millar & Jensen 2009: 100). wertes von Englisch. sprachigen CCs jedoch nicht sehr zahlreich. 2001). Und für das Arbeiten in zwei Sprachen wird
Auch die soziokonstruktivistisch orientierten Die Arbeit in einem CC unterliegt strikten Re- in der Regel keine Schulung vorgenommen, da es
Studien von Angouri & Miglbauer (2013, 2014) fo- gulierungen, basierend auf Skripts, Sprech- und als quasi angeborene persönliche Qualität aufge-
kussieren die „Wahrnehmungen“ der Interviewten, 6.2 Kommunikationsausbildung sowie Kontrolle von fasst wird und nicht als berufliche Expertise
ohne diese aber in Zusammenhang mit dem Konzept Mehrsprachigkeit in ausgewählten Qualität und Zeitaufwand für die Interaktionen ­(Labrie 2006). Die bilingualen Kompetenzen werden
der sozialen Repräsentationen zu bringen. Sie ha- Arbeitsbereichen (Boutet 2012). In der Ausbildung wird ein stan- teilweise aufgrund von sehr normativen sprachi-
ben Interviews mit Managern und Angestellten aus dardisierter Kommunikationsstil trainiert, bei dem deologischen Vorstellungen bzw. Tests (Roy 2000,
12 internationalen Unternehmen in mehreren eu- Studien zu mehrsprachigen Praktiken befassen Verhaltens- und Ausdrucksweisen eines als „femi- 2003) oder aber gar nicht belohnt, da sie als so-
ropäischen Ländern (mit Englisch als offizieller Un- sich mehrheitlich mit dem Tertiärsektor und primär nin“ aufgefassten Stils vermittelt werden (Cameron zusagen natürliches Erbe der Angestellten behan-
ternehmenssprache) zu Fragen der Wahrnehmung mit MNCs und international tätigen KMU, wie wir in 2000a/b). Es findet eine extreme Standardisierung delt werden, was z.B. auch in zweisprachigen CCs
ihres Sprachenalltags und den Herausforderungen den vorangehenden Kapiteln gesehen haben. Wei- insbesondere des Sprechens statt, d.h. eine Stan- an der mexikanischen Grenze in Texas beobachtet
der mehrsprachigen Arbeitsumgebung geführt. Da- tere Schwerpunkte soziolinguistischer Arbeiten im dardisierung der Stimmen, eine Formatierung des wurde (Alarcón & Heyman 2013).
bei machen sie drei Schlüsseldiskurse aus. Im ers- Dienstleistungsbereich stellen Studien zu den be- beruflichen Diskurses und eine ­Einebnung von Die Auslagerung von CCs in Billiglohnländer
ten Diskurs wird der mehrsprachige Arbeitsplatz sonders sprachintensiven Tätigkeiten in Callcen- sprachlichen Eigenheiten wie z.B. von Akzenten erlaubt den Betreibern eine Gewinnmaximierung.
als English plus workplace konzipiert (Angouri & ters, im Tourismus- und im Marketingbereich dar, (Boutet 2012). Gleichzeitig muss eine allzu stan- Outsourcing, beispielsweise nach Indien, Pakistan
Miglbauer 2014: 155), wo Englisch klar als zentra- die im Zeitalter der globalisierten New Economy dardisierte, stereotype Kommunikation vermieden oder auf die Philippinen, eröffnet ihnen ein grosses
le Businesssprache gelte, aber auch Kenntnisse eine wichtige Rolle spielen (vgl. dazu auch Kap. werden und müssen die CC-Angestellten auch Rekrutierungsbecken mit vielen gut qualifizierten
der lokalen Sprache als wichtig eingestuft werden. 2.3) und auf welche wir im Folgenden eingehen ­flexibel auf unterschiedliche Anforderungen re- Arbeitskräften mit guten Englischkompetenzen. In
Im zweiten Schlüsseldiskurs betonen die Inter- werden (Kap. 6.2.1 – Kap. 6.2.3). In den letzten agieren können. Das Spannungsfeld zwischen Senegal, Marokko oder Tunesien lassen sich solche
viewten ihre kosmopolitische Identität und ihre beiden Unterkapiteln verweisen wir auf einige Standardisierung einerseits und Variabilisierung mit guten Französischkompetenzen finden (Mori-
auch sprachliche Anpassungsfähigkeit und Flexi- ­weitere Forschungsschwerpunkte zur Mehrspra- (oder auch Personalisierung, Lokalisierung) ande- set & Bonnet 2005, Kettani & Peraldi 2011). Aber
bilität. Der dritte Schlüsseldiskurs thematisiert die chigkeit im Tertiärsektor (Kap. 6.2.4) sowie auf rerseits wird insbesondere in CCs deutlich, die so- auch die Auslagerung in zweisprachige Zentren von
Herausforderungen und Ansprüche von mehrspra- Studien zum bisher eher wenig erforschten Sekun- wohl einheimische als auch internationale Kunden wirtschaftlich schwachen Randregionen in den
chigen Arbeitskontexten, wobei insbesondere das därsektor (Kap. 6.2.5). erhalten und bedienen wollen und deren Angestell- USA, in Kanada oder in der Schweiz erfolgt auf-
Codeswitching als Herausforderung und im Span- te deshalb sowohl „authentisch“ als auch neutral grund der dort vorhandenen sprachlichen Kompe-
nungsverhältnis zwischen Native-Speaker-Ideal und und „rein“ sprechen können müssen (z.B. in Onta- tenzen und tieferen Lohnniveaus (Duchêne &
funktionaler mehrsprachiger Kommunikationsstra- 6.2.1 rio/CAN: Roy 2000, 2003, Heller 2002, Budach, Heller 2012b). Diese beruflich wenig gewinnbrin-
tegie konzipiert werde. Die Autorinnen kommen zum Callcenters Roy & Heller 2003). gende Arbeit wird in Billiglohnländern in der Regel
Schluss, dass die sprachliche Ökologie moderner Ar- Mehrsprachigkeit stellt für die Callcenterin- durch gut qualifizierte Angestellte ausgeübt, die
beitsplätze dynamisch, reich und divers sei, trotz der Die boomende Callcenterindustrie gilt als paradig- dustrie eine wichtige Ressource dar, weshalb sie mangels Alternativen auch Arbeitsbedingungen
dominierenden Rolle von Englisch als ­Lingua franca. matisches Beispiel einer globalisierten Dienst- auch aktiv als Standortvorteil für die Kommunika- akzeptieren, welche stark in die Privatsphäre ein-
Eine letzte Studie zu sozialen sprachbezoge- leistungsindustrie und ist dementsprechend oft tionsindustrie angepriesen wird durch zweispra- greifen (Zeitverschiebung, englische Arbeitsna-
nen Repräsentationen in der Arbeitswelt, die hier Forschungsgegenstand unterschiedlichster Diszi- chige Städte und Regionen (Heller 2003, Roy 2000, men, „Neutralisierung“ der Akzente) und von der
erwähnt werden soll, betrifft ein grosses öffentli- plinen geworden (Sonntag 2009: 5f., Heller 2010a: 2003, Labrie 2006, Flubacher & Duchêne 2012, eigenen Herkunftskultur entfremden können (Piller
ches halbstaatliches Dienstleistungsunternehmen 109). Historische soziolinguistische Analysen Duchêne & Flubacher 2015): Die Mehrsprachigkeit 2009, 2011), wie beispielsweise in empirischen
in der Schweiz (Pfefferli 2010): Diese verdeutlicht, zeichnen die Entwicklung solcher „Spracharbeit“ der Angestellten erlaubt, die Anrufe verschieden- Studien aus Kolkata/Westbengalen (Pal & Buzza-
dass die Aussagen der interviewten Angestellten nach, die von der in­dustriellen Organisation der sprachiger Kunden rasch und ökonomisch produk- nell 2008) und Pakistan (Rahman 2009) aufgezeigt
zu den sprachlichen Praktiken im Hauptsitz des Arbeit der dames du téléphone seit den tiv zu beantworten. Dabei kann je nach anvisiertem wird. In Studien zu ausgelagerten CCs werden u.a.
Unternehmens in Bern ein differenzierteres Bild 1950er-Jahren bis zur heutigen Vermarktung der Markt und abzusetzendem Produkt eine lokale Va- Fragen des gesuchten, zu trainierenden und kom-
abgeben als die offizielle Sprachpolitik des Unter- Spracharbeit in Callcenters (CCs) geht (Boutet rietät valorisiert oder aber als nicht erwünscht de- modifizierten möglichst „neutralen“ Akzentes in
nehmens (endoxa), welche die drei Amtssprachen 2008, 2012, vgl. auch Kap. 2.1). Im Fokus klariert und devalorisiert werden (vgl. z.B. Ontario/ Englisch (­Cowie 2007, 2010, Rahman 2009) bzw.
Deutsch, Französisch und Italienisch als Arbeits- ­soziolinguistischer Studien zu CCs stehen insbe- CAN: Labrie et al. 2000, Labrie 2001, Roy 2000, Französisch (­Boutet 2012) und die damit verbun-
sprachen, gemischte Teams und das Prinzip der sondere Fragen der Ausbildung, der standardi- 2003; New Brunswick/CAN: Dubois, LeBlanc & denen Sprachideologien analysiert oder die erfor-
rezeptiven Mehrsprachigkeit vorsieht. Die Autorin sierten und stilisierten Kommunikation, der Kom- ­Beaudin 2006, Labrie 2006; Biel etc./CH: Duchêne derlichen interaktionalen diskursiven und kul-
ermittelt eine geteilte Wahrnehmung der Interview- modifizierung von Sprache und Mehrsprachigkeit 2009b, Duchêne & Flubacher 2015). Aufgrund der turellen Kompetenzen, die für eine reibungslose
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Kapitel 6 Kapitel 6
Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit

Kommunikation mit Kunden in Offshore-CCs nötig kanadische Produkte an Franzosen vermarktet touristisch sehr beliebten südchinesischen Region Sprache wird auch bewusst beim Branding einge-
sind (Forey & Lockwood 2007, 2010, Friginal 2009, (Budach 2009, Heller 2014) oder wenn das Elsäs- (West Street in Yangshuo) aufgezeigt, die sich als setzt und als Mehrwert vermarktet (Li 2007): Die
Lockwood 2012). ser Deutsch touristisch vermarktet wird als Teil global village konstruiert, in welcher die englische für einen Produktenamen gewählte Sprache kann
des Linguistic Landscape von Strassburg (Burdick Sprache in authentischer Umgebung praktiziert als wirkungsvoller semiotischer Marker bzw. als
2012) oder die Schweiz in britischen Reiseberich- werden könne, um einheimische Sprachschultou- Icon dienen und nationale Eigenheiten und Stereo-
6.2.2 ten beworben wird, indem u.a. Rätoromanisch als risten anzulocken. typen evozieren bzw. eine „product ethnicity“
Tourismus authentische, alte und bedrohte Sprache exotisiert schaffen (Lock 2003 gem. Li 2007: 436). In mehre-
wird (Jaworski & Piller 2008). Eine Analyse der Ver- ren Studien sind die mit den verschiedenen Spra-
Sprache und Mehrsprachigkeit spielen erwar- wendung und „Vorführung“ (performance) anderer 6.2.3 chen in der Werbung evozierten Qualitäten
tungsgemäss auch in der Tourismusbranche eine Sprachen in britischen TV-Ferienprogrammen Werbung und Marketing analysiert und z.B. Französisch mit elegant, ästhe-
wichtige Rolle (Heller, Jaworski & Thurlow 2014). zeigt, wie die lokalen Sprachen der beworbenen tisch und weiblich, Deutsch mit gemütlich, fleissig
Die Kommunikation mit Touristen aus andersspra- Destinationen durch die Präsentatoren bzw. Reise­ Wirtschaftliche Globalisierung und Internationali- und zuverlässig oder Englisch mit modern, kosmo-
chigen Ländern erfordert angemessene Sprach- reporter nur punktuell, phrasenhaft und zwecks sierung stellen auch die Werbe- und Marketing­ politisch und technisch etc. assoziiert worden
kompetenzen, die auch als Anstellungskriterium Evozierens einer exotischen Sprachenlandschaft strategen vor neue Herausforderungen. In der so- (Haarmann 1989, 2005, Kelly-Holmes 2000, Piller
überprüft werden, aber ebenfalls kaum speziell (linguascape) eingesetzt werden und dass dieses ziolinguistischen Forschung wird Werbung heute 2001, 2003, Hornikx, Van Meurs & Starren 2007).
entlöhnt oder valorisiert und entsprechend „bana- language crossing zur Bestärkung des Zugehörig- als mehrsprachige Kommunikation untersucht Fehlende Kenntnisse des sprachlichen Kontextes
lisiert“ werden (Heller, Pujolar & Duchêne 2014). keitsgefühls zur (internationalen britischen) Tou- ­(Piller 2003, Kelly-Holmes 2005, Part III in Kelly- und der soziokulturellen Werte der Zielkundschaft
Soziolinguistische Studien zum Tourismus (vorwie- ristengemeinschaft beitragen soll (Jaworski et al. Holmes & Mautner 2010). Der (kostspieligen) Ver- können aber auch gegenteilige Wirkungen erzeu-
gend aus Europa und Kanada) befassen sich über 2003a/b). Auch Souvenirs können mit lokalen wendung von mehr als einer Sprache in der gen, wenn z.B. ein deutscher Hairspray Caby-Net
mehrsprachige Praktiken h ­ inaus auch mit sprach- sprachlichen Attributen versehen und attraktiver ­Werbung wird ein Mehrwert zugeschrieben, da auf dem französischen Markt die Assoziation zu
lichen Kommodifizierungs- und Authentifizie- für den Verkauf gemacht werden, wie dies z.B. bei ­dadurch Produkt, Produzent und Käufer als inter- cabinet hervorruft (Li 2007). In der „ethnischen
rungsprozessen sowie mit Sprachideologien. touristischen Souvenirs der Sámi analysiert wurde national, ­erfolgreich und unterhaltsam gekenn- Werbung“ wird „linguistic materiality“ (Shankar
Randregionen vermarkten nicht nur ihre Land- (Pietikäinen & Kelly-Holmes 2011). Diese materiel- zeichnet ­werden können (Piller 2001). Insbeson- 2012 gem. Urciuoli & LaDousse 2013: 182) einge-
schaft und Sportmöglichkeiten, sondern auch ihr len Manifestationen von Sprache, z.B. auf T-Shirts, dere internationale Werbestrategien begnügen setzt, um als Marker von ethnischem und regiona-
sprachliches und kulturelles Erbe, wie Studien zum Tassen, Grusskarten oder Kühlschrankmagneten, sich oft nicht mit Englisch alleine, wie z.B. Kel- lem Erbe einem Produkt zu mehr Marktwert und
heritage tourism bzw. tourisme patrimonial aufzei- werden als objectification (Keane 2003 gem. Bur- ly-Holmes (2010a) am Beispiel der globalen Ver- Authentizität zu verhelfen in einer globalen
gen: z.B. zur Vermarktung von als authentisch dick 2012: 13) analysierbar, wo Sprache nicht auf breitung eines Werbeslogans von McDonald’s und ­kapitalistischen Produktion. Eine solche Werbe-
konstruiertem frankofonem Erbe in Kanada (Heller der primären, referentiellen, sondern auf einer se- dessen Diversifizierung in den lokalen diskursiven strategie ist z.B. bei norditalienischen Lebensmit-
2003, 2004, 2014, Moïse et al. 2006, Moïse & Roy kundären, symbolischen Ebene verwendet wird. Praktiken aufzeigt, was sie mit ­Appadurai (1996) telproduzenten und einer TV-Werbung für
2009), von walisischem Minen-Erbe in Wales (Coup­ Nicht nur als exotisch konstruierte oder als Ausdruck der die Globalisierung prägenden chinesische Kundschaft in einem New Yorker Wer-
land, Garrett & Bishop 2005), von sprachlichem ­lokale Varitäten und Kulturgüter, sondern Mehr- gleichzeitigen Homogenisierungs- und Heteroge- bebüro untersucht worden (Cavanaugh & Shankar
und kulturellem Erbe bei den Sámi (Pietikäinen sprachigkeit insgesamt kann als Verkaufsstrategie nisierungstendenzen interpretiert. Bei Werbung 2014). Ein (fremdsprachiger) Markenname kann
2013, Kelly-Holmes & Pietikäinen 2014) oder zum eingesetzt werden, so z.B. in der Tourismuswer- oder Slogans in Englisch und nicht in der lokalen aber auch in umgekehrter Richtung wirken, wenn
­literary tourism in Katalonien (Pujolar & Jones bung für die Schweiz, die einerseits die Mehrspra- Sprache kann das (fehlende) Verständnis die
­ dieser zum Übernamen und Emblem einer Person
2012). Die Vermarktung einer als rein, urchig und chigkeit auf kleinem Raum als exotische Erfahrung ­Wertschätzung für diese Werbung beeinflussen wird, wie Reyes (2013) mit dem Kozept der brand
authentisch konzipierten Minderheitensprache an und andererseits auch die verbreiteten Englisch- (Hornikx, Van Meurs & De Boer 2010). Englisch wird personification am Beispiel des einem Schüler ge-
der Peripherie soll Touristen aus den Zentren an- kenntnisse der Einwohner als Garant für Verstän- aber in der Business-Communication-Forschung als gebenen Spitznamens „Samsung“ in einer von
locken, wobei es auch hier das Gleichgewicht zu digung vermarktet (Duchêne & Piller 2011). Auch eher positiv oder neutral konnotierte Werbespra- ­asiatischen Amerikanern besuchten Supplementa­
halten gilt zwischen lokaler Authentifizierung und in der internationalen Wirtschaftsstandortwer- che ermittelt, dies obwohl Konsumenten mit sprach- ry-School in New York City aufzeigt.
internationaler standardisierter Vermarktung bung für Französisch-Kanada oder für die Schweiz lich-kulturellen Erhaltungsanliegen Werbung in der Auch Minderheitensprachen können als se-
(Heller 2003, 2010a, 2014, Heller, Jaworski & wird die Mehrsprachigkeit zu einem Marketingins- eigenen Sprache bevorzugten ­(Nickerson & Craw- miotisch wirkungsvolles Icon zur Authentifizierung
Thurlow 2014, Heller, Pujolar & Duchêne 2014). trument (Heller 2011a/b, Duchêne & Del Percio ford Camiciottoli 2013). Die B
­ erücksichtigung loka- eingesetzt werden, wie wir bereits oben in
Ein lokaler Akzent oder eine bestimmte Spra- 2014, Del Percio 2015), das zu einem „nation bran- ler Sprachen und Gegebenheiten kann auch Ni- ­Zu­sammenhang mit touristischen Souvenirs der
che (als exotisch konstruierte Sprache, Minderhei- ding“ beiträgt (Duchêne & Daveluy 2015: 15). schenmärkte eröffnen (Heller 2010a) und mehr Sámi ­erwähnt haben (Pietikäinen & Kelly-Holmes
tensprache etc.) kann zur Authentifizierung der zu Ebenfalls zur Ankurbelung des Tourismus Absatz generieren, weshalb ­Englisch andere Spra- 2011) oder wie beispielsweise in Zusammen-
verkaufenden Destination oder des zu verkaufen- dient die Vermarktung der sprachlichen Ressour- chen nicht aus dem Werbemarkt verdrängt hat, wie hang mit ­Walisisch, bei der Promotion von Welsh
den Produktes eingesetzt werden, so etwa wenn cen eines Ortes zwecks Förderung eines Sprach- z.B. Analysen der Wer­besprachen auf Websites Tea, ­analysiert wurde (Coupland 2013). Auch in
Verkaufspersonal mit franko-kanadischem Akzent tourismus: Gao (2012) hat dies am Beispiel einer verdeutlichen (Kelly-­Holmes 2006). der Z
­ eitungswerbung wurde ein solcher Effekt
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Kapitel 6 Kapitel 6
Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit

­ eobachtet: Eine Untersuchung von 150 Jahren


b gualism at work (Meyer & Apfelbaum 2010) zum Forschende aus Ländern wie Österreich (Mathé 2015, Piller & Lising 2014). Und in der Business-
Werbung in einer Walisischen Zeitung in den USA Umgang mit sprachlicher Diversität in einer AIDS- 2009), Frankreich (Truchot 2011), UK (Connell management-Literatur wird regelmässig auf die
verdeutlicht einen ideologischen Wandel in der Tagesklinik in Südafrika (Anthonissen 2010) und 2011), Australien (Marriott 2013), Spanien (De So- Studie in einer finnischen MNC von Charles & Mar-
Verwendung von Walisisch, weg von einem neutra- zu Übersetzungstätigkeiten von Pflege- und an- carraz-Novoa 2015), Schweden (Björkmann 2014, schan-Piekkari (2002) verwiesen, die sich als eine
len oder intimen ­Ausdrucksmittel hin zu einem derem medizinischem Personal (Baraldi & Gavioli Negretti & Garcia-Yeste 2015), Dänemark (Hultgren der wenigen nicht nur für die sprachlichen Heraus-
­globalen Distinktionsmittel, welches old Wales 2010, Meyer et al. 2010). Insbesondere zu diesem 2014) oder Estland (Soler-Carbonell 2014). forderungen im Management, sondern auch bei den
­vermarktet (Bishop, Coupland & Garret 2005). Eine letzten Bereich sind zahlreiche Studien publiziert Und schliesslich soll hier noch der Sport Produktionsarbeitern interessiert.
Analyse der Ver­wendung von Irisch in der Werbung worden.32 Ebenfalls mit Südafrika befasst sich ­erwähnt werden – eine Freizeit- aber auch Er- Ebenfalls mit dem Sekundärsektor befasst
in irischen Zeitungen ermittelt ebenfalls dessen vor- Deumert (2010 gem. Busch 2013: 167), die auch werbstätigkeit, in welcher angesichts der zuneh- sich Hewitt (2008 gem. Hewitt 2012: 273f.), der die
zugsweise Verwendung für traditionelle und symbo- 15 Jahre nach Ende des Apartheid-Regimes noch menden Internationalität und Vermarktung zahl- teilweise nonverbale und kaum je in Englisch erfol-
lische Bereiche (Kelly-Holmes & Atkinson 2007). einen ungleichen Zugang zu Gesundheitseinrich- reiche mehrsprachige Praktiken zu beobachten gende Kommunikation zwischen Immigranten in
tungen der verschiedensprachigen Patienten aus- sind, die in jüngerer Zeit auch die Aufmerksamkeit England erforscht hat, z.B. zwischen einem kurdi-
macht. Vermehrte (institutionelle) Bemühungen der Soziolinguistik auf sich gezogen haben (z.B. schen Besitzer einer Textilfabrik in London und
6.2.4 um mehrsprachige Kommunikation im Gesundheits- Del Percio & Duchêne 2012, Lavric & Steiner 2012, seinen chinesischen Arbeitern. Hill & Van Zyl
Weitere Bereiche im Tertiärsektor wesen und damit verbundene Ideologien können Losa 2013). (2002) haben die mehrsprachige Kommunikation
(ungewollt) zur Reproduktion sozialer Ungleichhei- zwischen Ingenieuren und lokalen Arbeitern in
Abschliessend zum Tertiärsektor sei hier noch ten beitragen, wie in einer ethnografischen For- Südafrika untersucht, welche die Kooperation
kurz und punktuell auf ein paar weitere Berufsfel- schung in einer katalanischen Klinik aufgezeigt 6.2.5 stärker zu fördern scheint als die nur englisch-
der verwiesen, welche in den letzten Jahren eben- worden ist (Moyer 2011). Weitere Studien befas- Mehrsprachige Praktiken im sprachige Kommunikation. Ihre Analysen fokussie-
falls vermehrt Gegenstand soziolinguistischer sen sich mit den (unterschätzten) sprachlichen ­Sekundärsektor ren jedoch die Perspektive der Ingenieure.
Studien zu mehrsprachigen Praktiken ­geworden und kulturellen Kompetenzen von Pflegepersonal Mit der Liberalisierung des europäischen
sind: v.a. Internet, Gesundheitswesen, Hochschul- mit Migrationshintergrund, z.B. in der Demenzpfle- Wie aus den vorangehenden Kapiteln hervorgeht, Marktes und den zunehmenden Aktivitäten von
wesen und Sport. Ein rasant wachsendes Gebiet ge in Schweden (Jansson 2014), mit der L2-Aus- konzentrieren sich soziolinguistische Studien zu ausländischen Subunternehmen auf europäischen
zur Erforschung von Mehrsprachigkeit in der Ar- bildung für fremdsprachiges Personal im zuneh- mehrsprachigen Praktiken vorwiegend auf den Baustellen wird die Baubranche zu einem wichtigen
beitswelt stellen die neuen Informationstechnolo- mend mehrsprachigen Pflegebereich in Kandada Tertiärsektor, obwohl in der heutigen Arbeitswelt Feld mehrsprachiger Praktiken. Ille (2012) hat die
gien, insbesondere das Internet dar, das für die (Duff, Wong & Early 2000), mit der Förderung von Sprachkompetenzen weit über den Dienstleis- Kommunikation und Sicherheit auf der mehrspra­
internationale Geschäftswelt von eminent wichti- qualifizierten Mediatoren im klinischen Kommuni- tungssektor hinaus notwendig sind. Steigende chigen Baustelle in Wien erforscht, wo 37% der
ger Bedeutung ist, auch in Zusammenhang mit der kationsprozess (Bridges et al. 2011 gem. Jansson Beachtung finden die anderen Sektoren hingegen Bauarbeiter keine österreichische Staatsbürger-
oben thematisierten Werbetätigkeit. Aus der um- 2014: 203f.) oder mit den sprachlichen und kultu- in der (arbeits- und gesundheitspolitischen) Lite- schaft besitzten. Dabei zeigt er eine Diskrepanz
fangreichen Literatur sei hier wahlweise auf Arti- rellen Barrieren von chinesischen Immigrantinnen ratur zur Mehrsprachigkeit als Sicherheitsrisiko in zwischen „monolingualer Baustellenbürokratie und
kel und Werke dazu von Dor (2004), Wright (2004), beim Aufsuchen medizinischer Hilfe in den USA den zunehmend international zusammengesetzten mehrsprachiger Praxis“ auf (Ille & Neuhold 2013:
Kelly-Holmes (2006), Androutsopoulos (2007), (­Marlow & G­ iles 2013). (Tieflohn-)Arbeitsstätten, wie z.B. Lindhout et al. 143), die u.a. auch durch eine hegemoniale Sprach­
­Danet & Herring (2007) sowie auf den Übersichts­ Bezüglich Mehrsprachigkeit im Hochschulwe- (2012) in ihrer Literaturübersicht (mit Fokus In- ideologie erhalten werde, welche die Verbindung
artikel zu Mehrsprachigkeit und Internet von sen sei hier wahlweise auf einen Sammelband zu dustrie und Gesundheitspflege) zeigen. von Entscheidungsbefugnis und Sprache stabili-
Leppänen & Peuronen (2012) verwiesen. Bi- and multilingual universities (Veronesi & Nicke- Kaum erforscht ist unseres Wissens der Pri- siere. Die Hegemonie von Deutsch werde aber
Die sprachlichen Praktiken im Gesundheits- nig 2009) verwiesen, der Beiträge zu institutionel- märsektor, und nur wenige Studien befassen sich durch die mehrsprachige Realität und diesbezüg-
wesen stehen schon seit langem im Fokus der an- len Sprachpolitiken, zu kommunikativen Praktiken mit den mehrsprachigen Praktiken der zahlreichen liche Regelungen zunehmend herausgefordert, z.B.
gewandten Linguistik und Soziolinguistik. Heute und zum Stellenwert von Englisch an europäischen Arbeiter mit Migrationshintergrund im Sekundär- durch Vorgaben betreffend Anwesenheit von min-
sind angesichts der zunehmenden Migration und Universitäten beinhaltet. Ebenfalls mit mehrspra- sektor und der blue-collar workers. Erwähnt wur- destens einem zweisprachigen Arbeiter und durch
Mobilität auch in diesem Bereich vermehrt mehr- chigen Praktiken, Politiken und Wissensbildungs- den bisher die wegweisenden ethnografischen eine gesetzlich vorgeschriebene mehrsprachige Si-
sprachige Praktiken zu beobachten. Zur mehrspra- prozessen an Universitäten (in Katalonien, Bozen, soziolinguistischen Studien von Goldstein (1997) cherheitskommunikation. Die Leistungen von Über-
chigen Kommunikation zwischen Klienten und Ins- Zürich, Helsinki und Cluj/Rumänien) setzen sich in einer Fabrik in Toronto und von Hull (1996, 1997) setzern auf Baustellen, oft zwei- oder mehrspra-
titutionsvertretern, zwischen Patienten und dem Forschende des DYLAN-Projekts auseinander (Teil in einer Computerkomponentenfabrik im Silicon chige Poliere oder Partieführer, erfolgten in der
Personal von Spitälern, Arztpraxen, Pflege- und III. in Berthoud, Grin & Lüdi 2013) sowie weitere Valley sowie empirische Studien von anderen For- Regel aber unentgeltlich (Ille & Neuhold 2013:
Altersheimen sind in den letzten Jahren e ­ tliche schenden zu sprachlichen Praktiken im shop floor 148). Eine neuere soziolinguistische Studie zur
Studien publiziert worden (vgl. zusammenfassend von Fabriken und Werkstätten (McAll 2003, der norwegischen Baubranche analysiert ebenfalls die
32 | Vgl. dazu z.B. die Publikationsliste von Bernd
dazu z.B. Bührig & Meyer 2015a/b). Erwähnt seien Meyer: www.bemey.de/index.php?id=4 [letzter Zugriff:
auch auf entsprechende Studien von Teal 1985 sprachlichen Praktiken und Ideologien sowie die
hier z.B. die Beiträge im Sammelband zu Multilin­ 15.6.2016]. und Montgomery 1993 verweist, Lønsmann 2014, Koppelung der sprachlichen Kompetenzen mit dem
68 69

Kapitel 6
Praktizierte Mehrsprachigkeit an der Arbeit 6 Praktizierte Mehrsprachigkeit
an der Arbeit

beruflichen Status auf dem Bau, was zum Erhalt 6.3


einer flexibel einsetzbaren ausländischen Arbei- Zusammenfassung
terschaft beitrage (Lønsmann & Kraft 2016, Kraft
in Vorbereitung): Kompetenzen in der lokalen Spra- Parallel zu den steigenden Sprachkontakten in der bestmögliche Verständigung zu erlangen. Heute
che würden von den Arbeitgebern aus Produktivi- Arbeitswelt haben auch die soziolinguistischen wird dieses m­ ehrsprachige Reden auch im Rahmen
täts- und Sicherheitsgründen eingefordert. Einige Analysen von konkreten mehrsprachigen Arbeits- der Multilanguaging- bzw. der Plurilanguaging-­
der meist polnischen Arbeiter lernten in der Regel situationen zugenommen. Im Fokus stehen mehr- Forschung analysiert. Soziokonstruktivistisch ori-
ohne Unterstützung der Arbeitgeber Norwegisch, sprachige Praktiken, diskursive Repräsentationen entierte Studien interessieren sich für (diskursive)
was ihnen zwar Vorteile verschaffe (Lohnbonus, und deren Wirkungen, wobei sich auch hier die Sinngebungsprozesse und Wissensproduktionen
grössere Jobsicherheit etc.), da sie zu wichtigen meisten Studien auf internationale Unternehmen zur Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt. Sie gehen
Vermittlern zwischen norwegischen Vorarbeitern und die sogenannte Teppichetage konzentrieren. von einer Wechselwirkung zwischen sozialen Re-
und Projektleitern und polnischsprachigen Arbei- Eine umfangreiche Literatur befasst sich mit den präsentationen, Praktiken, Politiken und Kontexten
tern werden, was aber nicht zu einer dauerhaften besonders sprachintensiven Branchen des Terti- aus. Dabei wird einerseits eine Überschätzung des
Anstellung bzw. Gleichstellung mit den norwegi- ärsektors. Englischen ausgemacht, die auch Einfluss auf die
schen (und schwedischen) Arbeitern führe. Dass Studien zu mehrsprachigen Praktiken am Ar- Wahl der Unternehmenssprache und Sprachkurse
die mehrsprachige Kommunikation auf Baustellen beitsplatz können gruppiert werden nach Studien, sowie auf eine monolinguale Konzeption der Ge-
bisher kaum Gegenstand von soziolinguistischen die sich mit Fragen der Sprachwahl, mit Fragen der schäftskommunikation habe. Andererseits würden
Studien geworden ist, wird auch damit begründet, damit verbundenen Inklusions- und Exklusionspro- wiederholte Verweise auf den wichtigen Stellen-
dass der Zugang nicht einfach und das Terrain zesse, mit Fragen des Multilanguaging und Code­ wert der lokal dominierenden Sprache die Bedeu-
­angesichts des Lärms und Gefahrenpotenzials switching sowie mit Fragen der sozialen Re- tung des Englischen relativieren.
schwierig zu erforschen sei (Roberts 2007, Løns- präsentationen von Mehrsprachigkeit in Unterneh- In den letzten Jahren ist insbesondere die
mann 2015, Lønsmann & Kraft 2016). men befassen. Analysen der Sprachwahl verweisen für die New Economy paradigmatische Sprachar-
regelmässig auf die drei Grundoptionen: Anpas- beit in Callcenters, im Tourismus und in der Wer-
sung, Nicht-Anpassung oder Wahl einer Lingua bung Gegenstand zahlreicher soziolinguistischer
franca. In Ergänzung dazu wird heute auf den Forschungen geworden. Studien zu Callcenters
­vermehrten Einsatz mehrsprachiger Strategien analysieren v.a. die strikte Regulierung und Stan-
(Codeswitching, rezeptive Mehrsprachigkeit etc.) dardisierung der Kommunikation mittels Skripts,
verwiesen. Als Einflussfaktoren der Sprachwahl Stilisierung und Uniformierung, bei gleichzeitiger
werden v.a. Branche, Unternehmensgrösse, Adres- Vermeidung von stereotyper Kommunikation und
saten, Kommunikationsmedium und -radius unter- möglichst flexibler Anpassung an die jeweilige
sucht. Dass auch Machtfaktoren die Sprachwahl Kundschaft. Sie verdeutlichen, wie sowohl norma-
prägen, wird insbesondere in Studien deutlich, die tive als auch naturalisierende sprachideologische
sich mit sprachlichen Inklusions- und Exklusions- Vorstellungen die Ausbildung und die Spracharbeit
prozessen befassen. Solche sind schon früh in in Callcenters determinieren. Sprachkompetenzen
Selektionssituationen wie Jobinterviews oder von Angestellten stellen eine gewinnbringende
Tests für Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen Ressource dar bei der Bedienung verschieden-
analysiert worden (vgl. Kap. 3). Sprachliche Macht- sprachiger Kunden, weshalb zweisprachige Regio-
und Selektionsprozesse werden heute auch in nen auch aktiv Standortwerbung bei Telemarketing­
­internationalen Unternehmen untersucht. Dort unternehmen betreiben. Eine besonders grosse
werden Kenntnisse der gemeinsamen Unterneh- Gewinnoptimierung versprechen die in Billiglohn-
menssprache, in der Regel Englisch, als wichtige länder ausgelagerten Callcenters, die sich jedoch
Machtquelle beschrieben. Kompetenzen in der Lo- mit erheblichen sprachlichen und kulturellen Her-
kalsprache gelten hingegen als notwendig für die ausforderungen konfrontiert sehen. Forschungen
soziale Integration ins Team. Empirische Studien in der Tourismusbranche befassen sich ebenfalls
zu mehrsprachigen ­Interaktionen an der Arbeit mit dem ökonomischen Mehrwert und den Heraus-
analysieren, wie die involvierten Akteure ihre mehr- forderungen von Sprachen und von mehrsprachi-
sprachigen und multimodalen Repertoires gemein- gen Strategien. Studien zum heritage tourism bzw.
sam und situationsadäquat mobilisieren, um eine tourisme patrimonial analysieren die touristische
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7 Valorisierung der Mehrsprachig-


keit in der Arbeitswelt und weitere
Desiderata

Abschliessend – nach Einblicken in Studien zum bzw. der „legitimen Sprachen“ (Bourdieu 1990
Vermarktung von sprachlichem und kulturellem Wandel des Stellenwerts von Sprache in einer [1982]: 18ff.) auf dem Arbeitsmarkt relativiert
Erbe. Dabei gilt es, ein Gleichgewicht zwischen zunehmend globalisierten Arbeitswelt, zu den
­ (vgl. Kap. 4.1). Fallstudien verdeutlichen die Not-
Kommodifizierung von sprachlicher Authentizität sprachlichen Anforderungen für den Jobzugang, wendigkeit der differenzierten Frage danach, wer
und Verständigungssicherung in einer Lingua fran- zur sprachlichen Berufsbildung und Sozialisierung genau in welchem Kontext von welcher Mehrspra-
ca zu suchen. Studien zur Werbung in einer zuneh- am Arbeitsplatz, zum Sprachmanagement sowie chigkeit profitiert. Sie analysieren hegemoniale
mend globalen Wirtschaft analysieren diese ver- zu den mehrsprachigen Praktiken in der Arbeits- Sprachideologien und die Naturalisierung und Ba-
mehrt auch als mehrsprachige Kommunikation. Im welt – stellt sich die Frage, inwiefern und welche nalisierung von Sprachkompetenzen, v.a. im Tief-
Fokus steht auch hier das als charakteristisch für Sprachkompetenzen heute valorisiert werden. In lohnsegment (z.B. im Gesundheitswesen oder auf
die Globalisierung geltende Spannungsfeld zwi- den vorangehenden Kapiteln wurde wiederholt auf Baustellen), und verdeutlichen, dass mehrsprachi-
schen Homogenisierung und Heterogenisierung: verschiedene Formen der Valorisierung und Deva- ge Angestellte zwar zur Produktivität und Sicher-
Analysen von Werbestrategien von internationalen lorisierung von (bestimmten) Sprachen, Sprach- heit beitragen und den Unternehmen zu ökonomi-
Unternehmen verdeutlichen die gleichzeitig globa- kompetenzen und Sprechenden eingegangen, die schen Gewinnen verhelfen können, aber nicht
len und diversifizierten lokalen diskursiven Prak- hier noch einmal zusammenfassend erwähnt wer- zwangsläufig entsprechend entlöhnt werden müs-
tiken. Soziolinguisten und Marketingspezialisten den. Allgemein kann festgestellt werden, dass die sen (vgl. Kap. 5.4, 6.2.4 und 6.2.5). Auch Studien
haben insbesondere auch das sprachliche Bran- anfänglich quasi ausschliesslich mit Problemen, zu mehrsprachigen Angestellten in Callcenters
ding von Produkten bzw. die Verwendung fremd- Hürden und Kosten assoziierte zunehmende Mehr- zeugen von prekären Arbeitsbedingungen und tie-
sprachlicher Produktenamen und die damit verbun- sprachigkeit in der Arbeitswelt heute vermehrt fen Löhnen, trotz hoher sprachlicher Anforderun-
denen stereotypen Assoziationen analysiert. auch als Bereicherung und als Wettbewerbsvor- gen (vgl. Kap. 6.2.1). Die in den letzten Jahren
Im Gegensatz zum Tertiärsektor ist der Se- teil, sowohl für das Unternehmen als auch für die ­beobachteten sprachlichen Kommodifizierungs-
kundärsektor bisher viel weniger erforscht ­worden, Arbeitskräfte, konzipiert wird (vgl. Kap. 2). Die zu- prozesse schliesslich stellen eine neue Art der
der Primärsektor ist quasi Brachland geblieben. Am nehmende wirtschaftliche Valorisierung und Kapi- (marktwirtschaftlichen) Valorisierung dar, wenn
ehesten finden sich arbeits- und gesundheitspo- talisierung von Sprache und Mehrsprachigkeit in (als exotisch konstruierte, lokale und Minderhei-
litische Studien zur Mehrsprachigkeit als Sicher- einer globalisierten Arbeitswelt (vgl. Kap. 2.3) wird ten-) Sprachen, sprachlich-kulturelles Erbe oder
heitsproblem in zunehmend international zusam- auch an der wachsenden Anzahl von Unterneh- Mehrsprachigkeit allgemein vermarktet und zur
mengesetzten (Tieflohn-)Arbeitsstätten. Soziolin- mensbefragungen und von sprachökonomischen Schaffung eines wirtschaftlichen Mehrwertes ein-
guistische Studien zur Mehrsprachigkeit in Pro- Studien deutlich, welche die vorhandenen bzw. gesetzt werden (vgl. Kap. 6.2.2 und 6.2.3).
duktionsstätten und Werkhallen, auf Baustellen fehlenden mehrsprachigen Kompetenzen als Grund Die vorliegende Literaturübersicht zum The-
oder in Landwirtschaftsbetrieben finden sich nur für Auftragsgewinne und -verluste sowie als lohn- ma „Mehrsprachigkeit und Arbeitswelt“ zeigt, dass
selten. Die wenigen vorhandenen Studien, z.B. auf relevanten Faktor ermittelt haben (vgl. Kap. 5.2 die Erforschung von sprachlichen Aspekten der
Baustellen, verdeutlichen eine Diskrepanz zwi- und 5.3). Zwecks Optimierung der Unternehmens- ­Organisations- und beruflichen Kommunikation
schen monolingualer, hegemonialer Sprachideolo- kommunikation werden die Sprachmanagement- zwar über eine lange Tradition verfügt, dass Fra-
gie und mehrsprachigen Praktiken. strategien analysiert und mehr Investitionen in die gen der Mehrsprachigkeit aber erst seit der zuneh-
Sprachkompetenzen von Erwerbstätigen (und Aus- menden wirtschaftlichen Internationalisierung und
zubildenden) gefordert. Darüber hinaus werden Mobilität in den 1990er-Jahren virulent und wis-
auch die nicht-materiellen oder nur indirekt mate- senschaftlich relevant geworden sind. Der inter-
riellen Vorteile von sprachlicher und kultureller Di- nationale Handel sowie die Rolle von Englisch als
versität am Arbeitsplatz hervorgehoben. Diversity Lingua franca in der Arbeitswelt stehen dabei von
Management wird zum Schlüsselwort und zur Aus- Anfang an im Zentrum der Aufmerksamkeit, ins­
zeichnung für international operierende Unter- besondere in der Management- und Business-­
nehmen (vgl. Kap. 2.2.1), aus kritischer Perspek- Communication-Forschung. Heute gibt es jedoch
tive aber auch als Profitmaximierungsstrategie kaum mehr einen Arbeitsbereich, in welchem sich
analysiert. Die verbreitete Überzeugung, dass sich keine mehrsprachigen Praktiken beobachten
Mehrsprachigkeit auf jeden Fall auszahle, wird in liessen. Diese sind jedoch im Vergleich zum Terti-
soziolinguistischen Analysen zur unterschiedli- ärsektor nur selten Gegenstand von empirischen
chen Wertigkeit verschiedener Sprachrepertoires Forschungen geworden. Noch seltener sind Studi-
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Kapitel 7 Kapitel 7
Valorisierung der Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt und weitere Desiderata Valorisierung der Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt und weitere Desiderata

en zur Mehrsprachigkeit in der informellen Ökono- Auffällig in den konsultierten Werken ist eine ge- Entsprechend dieser variablen Valorisierung von
mie, in der ein Grossteil der arbeitenden Be- ringe Zurkenntnisnahme der Literatur über die Mehrsprachigkeit in der Arbeitswelt muss die mit
völkerung in Entwicklungsländern tätig ist. Die Grenzen der eigenen Disziplin, aber auch der eng- dem multilingual turn (May 2013, Sugiharto 2015)
meisten Studien konzentrieren sich auf die Unter- lischen Sprache hinaus: Die soziolinguistische verbundene Lobpreisung der bereichernden, kre-
nehmensperspektive und auf die T ­ eppichetage von ­Literatur zur Mehrsprachigkeit in der Arbeits- ativen und demokratischen Mehrsprachigkeit auch
MNCs und international tätigen KMU und geogra- welt wird beispielsweise in der Marketing- und kritisch hinterfragt werden. Wünschbar wäre, nicht
fisch auf die industrialisierten und die sogenann- Business-­ Communcation-Literatur kaum zur ganz die Probleme aus den Augen zu verlieren,
ten Schwellenländer. Kenntnis genommen. Umgekehrt steht es nicht viel ­welchen sich die Menschen in einer nicht nur
In einigen Artikeln wird deshalb gewünscht, besser. Ein intensiverer Dialog zwischen Marke- sprachlich zunehmend anspruchsvollen und verun-
dass mehr empirische Forschungen zur Mehrspra- ting- und Management-Theoretikern einerseits sichernden Arbeitswelt gegenübersehen – wie bei-
chigkeit in den shop floors und bei blue-collar und Linguisten andererseits wäre wünschbar spielsweise neuerdings in den Publikationen The
workers unternommen und stärker auch die Arbei- ­(Kelly-Holmes & Mautner 2010). Ebenso ein Dialog multilingual challenge (Jessner & Kramsch 2015)
terperspektive bzw. deren Bedürfnisse und Ar- über die Sprachgrenzen hinweg: Insbesondere in und De l’idéologie monolingue à la doxa plurilingue
beitsbedingungen fokussiert würden (Roberts der englischen Fachliteratur sucht man in der (Adami & André 2015) angestrebt wird.
2007, Hewitt 2012). Insbesondere im zunehmend ­Regel vergeblich eine bibliografische Angabe in
internationalen Baugewerbe gibt es erstaunlich ­einer anderen Sprache.
wenig soziolinguistische Forschungen. Die Mehr- Auch bezüglich erforschter Länder und Kon-
sprachigkeit auf dem Bau und in Produktions­ tinente lassen sich ein Ungleichgewicht und Lü-
stätten scheint (bisher) vor allem Fragen der cken ausmachen, die zu schliessen wären: Die
Arbeitssicherheit und des Arbeitsrechts aufge­ Forschungsliteratur aus dem englischsprachigen
worfen zu haben. Für soziolinguistische Studien Raum sowie aus (westeuropäischen) Industrielän-
in diesen Branchen nötig wären – trotz schwieri- dern mit einer staatlich geförderten Mehrsprachig-
gen Zugangs – vermehrt ethnografische Erhebun- keit (Belgien, Luxemburg, Skandinavien, Schweiz
gen (Roberts 2007, Lønsmann 2015, Lønsmann & etc.) ist viel umfangreicher als Literatur aus ande-
Kraft 2016). ren Ländern und Kontinenten. Sowohl in der Sozio-
Der in zahlreichen Studien ausgemachte Gap linguistik als auch in anderen Disziplinen stehen
zwischen Policy und Praktiken führt ebenfalls zur primär Unternehmen aus dem englischen, asiati-
wiederholt formulierten Forderung nach mehr em- schen und europäischen Raum im Fokus, was wohl
pirischer Forschung: Insbesondere in komplexen auch mit der institutionellen Verortung und Infra-
Arbeitssituationen, wie z.B. in MNCs, gibt es bisher struktur der Forschenden zusammenhängen dürfte.
kaum vertiefte Fallanalysen (Angouri 2013). Bei der Ein letztes Desiderat stellen vertiefte Studi-
Mehrsprachigkeitsforschung in MNCs werden mehr en zur Frage der Valorisierung von Mehrsprachig-
ethnografische Studien (Virkkula-Räisänen 2010, keit in der Arbeitswelt dar. Angesichts des Um-
Studer & Hohenstein 2011, Yanaprasart 2015 etc.) standes, dass nicht jede Sprache und jede/r Spre-
und eine stärkere Beachtung der blue-collar work­ chende dieselbe Wertschätzung erfährt, sollte
ers gewünscht (Millar, Cifuentes & Jensen 2013, ­genauer untersucht werden, welche Sprachkompe-
Sherman, Engelhardt & Nekvapil 2012). Von Seiten tenzen wo und wann, in welchen Branchen und auf
der (kritischen) Soziolinguistik wird zudem betont, welchen Hierarchiestufen valorisiert oder eben
dass empirische Studien nicht auf eine soziohis- nicht valorisiert werden und wer davon profitiert
torische, wirtschafts- und sprachpolitische sowie (Hewitt 2012). Solche subtilen sprachlichen Pro-
allgemeine kontextuelle Einbettung von sprachli- zesse, die soziale Stratifizierungs- und Hierarchi-
chen Praktiken am Arbeitsplatz verzichten sollten, sierungsprozesse darstellen (z.B. Selektion beim
da Sprache als soziales Phänomen nicht unabhän- Jobzugang, Naturalisierung und Banalisierung von
gig davon zu erfassen sei (z.B. Heller 2011a). Dank Sprachkompetenzen in Tieflohnjobs), können nur
vermehrter longitudinaler ethnografischer Studien mit ethnografischen Methoden aufgezeigt werden,
könnten darüber hinaus auch Veränderungspro- wie in entsprechenden Studien deutlich geworden
zesse hinsichtlich Mehrsprachigkeit in der Arbeits- ist (z.B. Roberts 2011, 2013 etc.).
welt untersucht werden.
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2017

Bericht des Wissenschaftlichen Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit