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Deutsche Übersetzung des DIBt - Originalversion der EOTA in Englisch

EOTA TECHNICAL REPORT

Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit


von Verankerungen im Beton

TR 020

Ausgabe Mai 2004

Evaluation of Anchorages in Concrete concerning Resistance to Fire

EOTA
Kunstlaan 40 Avenue des Arts
B - 1040 Brussels

Dieser Bericht umfasst 14 Seiten


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EOTA - TR 020 Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Verankerungen im Beton

Inhalt

1. Allgemeines 3
2. Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Metalldübeln 4
2.1. Allgemeines 4
2.2. Vereinfachtes Nachweisverfahren zur Bestimmung der Feuerwiderstandsdauer von
Verankerungen im gerissenen und ungerissenen Beton nach ETAG 001 Teile 1 - 6 5
2.2.1. Zugbeanspruchung 5
2.2.1.1. Stahlversagen 5
2.2.1.2. Herausziehen 6
2.2.1.3. Betonausbruch 6
2.2.1.4. Spalten 6
2.2.2. Querbeanspruchung 6
2.2.2.1. Stahlversagen 6
2.2.2.2. Betonausbruch auf der lastabgewandten Seite 7
2.2.2.3. Betonkantenbruch 7
2.2.3. Kombinierte Zug- und Querbeanspruchung 8
2.3. Experimentelle Bestimmung der Feuerwiderstandsdauer von Verankerungen im
gerissenen und ungerissenen Beton nach ETAG 001 Teile 1 - 6 8
2.3.1. Verhalten unter Zugbeanspruchung 8
2.3.1.1. Stahlversagen 8
2.3.1.2. Herausziehen 11
2.3.1.3. Betonausbruch 12
2.3.1.4. Spalten 12
2.3.2. Verhalten unter Querbeanspruchung 12
2.3.2.1. Stahlversagen 12
2.3.2.2. Betonausbruch auf der lastabgewandten Seite 13
2.3.2.3. Betonkantenbruch 13
2.3.3. Verhalten unter kombinierter Zug- und Querbeanspruchung 13
3. Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Verbunddübeln, Verbundspreizdübeln
und Verbund-Hinterschnittdübeln 13
4. Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Kunststoffdübeln 13
5. Literatur 14

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EOTA - TR 020 Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Verankerungen im Beton

1. Allgemeines
Die vorliegende Beurteilung gilt für Verankerungen in Normalbeton der Festigkeitsklasse von
mindestens C20/25 und höchstens C50/60 des normalen Hochbaus unter
Brandbeanspruchung. Die Ermittlung der Feuerwiderstandsdauer erfolgt entsprechend den
in EN 1363-1:1999-10 [1] aufgeführten Bedingungen unter Verwendung der
"Einheitstemperatur-Zeitkurve" (ETK). Die Beurteilung kann als Grundlage für die Angabe
einer Feuerwiderstandsdauer in europäischen technischen Zulassungen (ETA) für
Metalldübel zur Verankerung im Beton verwendet werden.
Allgemein hängt die Feuerwiderstandsdauer von Verankerungen wesentlich vom Aufbau der
Gesamtkonstruktion (Verankerungsgründe, Verankerungsmittel einschließlich Anbauteil) ab.
Es ist nicht möglich, eine Feuerwiderstandsklasse nur für einen Dübel zu klassifizieren. Das
vorliegende Beurteilungskonzept erfasst das Verhalten der Verankerung im Beton und der
herausstehenden Teile des Verankerungsmittels. Der Einfluss des Anbauteils wird ungünstig
berücksichtigt.
Der Verankerungsgrund (Stahlbeton), in dem der Dübel verankert werden soll, muss
mindestens dieselbe Feuerwiderstandsdauer wie die Verankerung haben.
Bei Brandbeanspruchung können lokale Abplatzungen auftreten. Um den Einfluss dieser
Abplatzungen auf die Verankerungen zu verhindern, muss bei Verankerungen in
Normalbeton C20/25 bis C50/60 das Betonbauteil nach prEN 1992-1-2 [2] bemessen
werden. Die Bauteile müssen daher aus Beton mit quarzitischen Zuschlägen hergestellt und
vor direkter Feuchtigkeit geschützt sein bzw. es muss eine Ausgleichfeuchte des Betons wie
in trockenen Innenräumen vorliegen. Bei dauerhaft feuchtem Beton ist die Verankerungstiefe
mindestens um 30 mm gegenüber dem Wert in der Zulassung zu vergrößern.

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2. Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Metalldübeln

2.1. Allgemeines
Die nachfolgende Beurteilung gilt nur für Metalldübel mit einer europäischen technischen
Zulassung (ETA), die im gerissenen und ungerissenen Beton verwendet werden dürfen.
Für Verbunddübel, Verbundspreizdübel und Verbundhinterschnittdübel ist Abschnitt 3 zu
beachten.
Die Beurteilung gilt allgemein für eine einseitige Brandbeanspruchung des Bauteils. Bei
mehrseitiger Brandbeanspruchung kann das Nachweisverfahren nur dann verwendet
werden, wenn der Randabstand des Dübels c ≥ 300 mm und ≥ 2 hef beträgt.
Die Beurteilung gilt für ungeschützte Verankerungsmittel.
Es sind zwei unterschiedliche Nachweisverfahren möglich:
Bei dem vereinfachten Nachweisverfahren1 nach Abschnitt 2.2 sind für alle
Beanspruchungsrichtungen und Versagensarten die angegebenen Grenzwerte
(charakteristischer Widerstand im Grenzzustand der Tragfähigkeit unter
Brandbeanspruchung FRk,fi(t)) einzuhalten, die durch allgemeine Versuchsserien ermittelt und
auf der sicheren Seite liegend festgelegt wurden. Versuche unter Brandbeanspruchung sind
nicht erforderlich, wenn das vereinfachte Nachweisverfahren angewendet wird.
Bei der experimentellen Bestimmung entsprechend Abschnitt 2.3 sind für alle
Beanspruchungsrichtungen und Versagensarten die erforderlichen Untersuchungen
angegeben. Die Feuerwiderstandsdauer des Dübels kann aus den Ergebnissen bestimmt
werden.
Eine Kombination der Nachweiskonzepte ist möglich. So kann z.B. die
Feuerwiderstandsdauer für einzelne Versagensarten (z.B. Stahlversagen) durch die
angegebenen Versuche ermittelt werden, und für andere Versagensarten (z.B. Herausziehen
und Betonversagen) können die Grenzwerte aus dem vereinfachten Nachweisverfahren
verwendet werden.
Die Bemessung der Verankerung unter Brandbeanspruchung ist nach dem
Bemessungsverfahren der ETAG 001, Anhang C [4] durchzuführen. Die Nachweise unter
Brandbeanspruchung sind wie folgt zu führen:

Gl. 2.1 Sd,fi ≤ Rd,fi(t)


Gl. 2.2 Sd,fi = γF,fi × Sk,fi
Gl. 2.3 Rd,fi(t) = Rk,fi(t) / γM,fi

mit: Sd,fi = Bemessungswert der Einwirkung unter Brandbeanspruchung


Sk,fi = Charakteristischer Wert der Einwirkung unter Brandbeanspruchung
γF,fi = Teilsicherheitswert der Einwirkung unter Brandbeanspruchung
Rd,fi(t) = Bemessungswert des Widerstands unter Brandbeanspruchung
Rk,fi(t) = Charakteristischer Widerstand unter Brandbeanspruchung, siehe
Abschnitte 2.2 und 2.3
γM,fi = Teilsicherheitswert des Widerstands unter Brandbeanspruchung (in
der Regel γM,fi = 1,0)

1 Dieses vereinfachte Nachweisverfahren ist im informativen Anhang des Entwurfs CEN/TC 250/SC 2/WG 2 "Design of
Fastenings for use in concrete" [5] integriert.

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2.2. Vereinfachtes Nachweisverfahren zur Bestimmung der Feuerwiderstandsdauer von


Verankerungen im gerissenen und ungerissenen Beton nach ETAG 001 Teile 1 - 6
Bei der Bestimmung des Widerstandes von Einzeldübeln unter Brandbeanspruchung nach
dem vereinfachten Nachweisverfahren ist oft Stahlversagen maßgebend, weil für den
ungeschützten Dübel eine geringe Zugfestigkeit angesetzt wird. Die anderen Versagensarten
können maßgeblich sein, wenn eine der folgenden Bedingungen zutrifft:
- kleine Setztiefe
- geringer NRk,p-Wert bei normaler Temperatur
- Dübelgruppe mit kleinem Achsabstand
2.2.1. Zugbeanspruchung
2.2.1.1. Stahlversagen
Der charakteristische Widerstand gegen Stahlversagen von Verankerungen unter
Brandbeanspruchung (charakteristische Zugspannung σRk,S,fi) ist in den folgenden Tabellen
angegeben. Diese Werte gelten auch für die ungeschützten Teile des Dübels außerhalb der
Betonoberfläche.
Tabelle 2.1 beinhaltet die Werte für üblichen Kohlenstoffstahl entsprechend EN 10025 [6]
und Tabelle 2.2 enthält die Werte für nichtrostenden Stahl mindestens der Stahlgüte A4
entsprechend ISO 3506 [7].
Tabelle 2.1: Charakteristische Zugfestigkeit für Dübel aus C-Stahl unter
Brandbeanspruchung
Außen- bzw. Verankerungstiefe charakteristische Zugfestigkeit für einen ungeschützten Dübel aus
Gewindedurch- hef C-Stahl für eine Brandbeanspruchung bis zu einer Zeit von:
2
messer σRk,s,fi [N/mm ]
30 min 60 min 90 min 120 min
[mm] [mm]
(R15 bis R30) (R45 und R60) (R90) (R120)
∅ 6 / M6 ≥ 30 10 9 7 5
∅ 8 / M8 ≥ 30 10 9 7 5
∅10 / M10 ≥ 40 15 13 10 8
∅ 12 / M12
≥ 50 20 15 13 10
und größer

Tabelle 2.2: Charakteristische Zugfestigkeit für Dübel aus nichtrostendem Stahl unter
Brandbeanspruchung
Außen- bzw. Verankerungstiefe charakteristische Zugfestigkeit für einen ungeschützten Dübel aus
Gewindedurch- hef nichtrostendem Stahl für eine Brandbeanspruchung bis zu einer Zeit von:
2
messer σRk,s,fi [N/mm ]
30 min 60 min 90 min 120 min
[mm] [mm]
(R15 bis R30) (R45 und R60) (R90) (R120)
∅ 6 / M6 ≥ 30 10 9 7 5
∅ 8 / M8 ≥ 30 20 16 12 10
∅10 / M10 ≥ 40 25 20 16 14
∅ 12 / M12
≥ 50 30 25 20 16
und größer

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2.2.1.2. Herausziehen
Der charakteristische Widerstand von Verankerungen gegen Herausziehen kann für eine
Brandbeanspruchung bis zu 90 Minuten (R90) und bis zu 120 Minuten (R120) nach Gl. 2.4
und Gl. 2.5 bestimmt werden.

Gl. 2.4 NRk,p,fi(90) = 0,25 × NRk,p


Gl. 2.5 NRk,p,fi(120) = 0,20 × NRk,p

mit: NRk,p,fi(90/120) = charakteristischer Widerstand unter Brandbeanspruchung bis


zu 90 Minuten (≤ R90) oder bis zu 120 Minuten (≤ R120) für die
Versagensart Herausziehen in Beton C20/25 bis C50/60
NRk,p = in der jeweiligen ETA angegebener charakteristischer
Widerstand im gerissenen Beton C20/25 gegen Herausziehen
unter Normaltemperatur

2.2.1.3. Betonausbruch
Der charakteristische Widerstand von Verankerungen gegen Betonausbruch in Beton
C20/25 bis C50/60 unter Brandbeanspruchung bis zu 90 Minuten (R90) und bis zu
120 Minuten (R120) kann nach Gleichung Gl. 2.6 und Gl. 2.7 bestimmt werden.

h ef
Gl. 2.6 0
NRk ,c ,fi( 90 ) = × NRk
0
,c ≤ NRk
0
,c
200
h ef
Gl. 2.7 0
NRk ,c ,fi(120 ) = 0,8 × 0
x NRk ,c ≤ NRk
0
,c
200
0
mit: NRk ,c ,fi( 90 / 120 ) = Charakteristischer Widerstand eines Einzeldübels ohne
Einfluss durch Nachbardübel oder Bauteilränder unter
Brandbeanspruchung bis zu 90 Minuten (≤ R90) und bis zu
120 Minuten (≤ R 120) gegen Betonausbruch in Beton
C20/25 bis C50/60
hef = effektive Verankerungstiefe in mm
0
NRk ,c = Charakteristischer Widerstand eines Einzeldübels gegen
Betonausbruch im gerissenen Beton C20/25 unter
Normaltemperatur

Die charakteristischen Achs- und Randabstände für randnahe Verankerungen werden unter
Brandbeanspruchung wie folgt angenommen:
scr,N = 2 ccr,N = 4 hef.

2.2.1.4. Spalten
Der Nachweis gegen Versagen durch Spalten des Betons unter Last bei
Brandbeanspruchung ist nicht erforderlich, da die Nachweise gegen Versagen durch
Herausziehen und Betonausbruch für gerissenen Beton erfolgen und eine Bewehrung
vorausgesetzt wird.
2.2.2. Querbeanspruchung
2.2.2.1. Stahlversagen
a) Querlast ohne Hebelarm:
Das Verhalten unter Querbeanspruchung ist ähnlich dem Verhalten unter
Zugbeanspruchung. Aus Versuchen unter Brandbeanspruchung ist bekannt, dass die
Quertragfähigkeit höher ist als die Zugfestigkeit.

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Deshalb können die Werte für die charakteristische Zugfestigkeit aus den Tabellen 2.1
und 2.2 auch für den charakteristischen Widerstand gegen Stahlversagen unter Querlast
(charakteristische Quertragfähigkeit τRk,S,fi) verwendet werden. Diese Werte gelten auch
für den ungeschützten Stahlteil außerhalb des Betons.
b) Querlast mit Hebelarm:
Der charakteristische Widerstand eines Dübels unter Querlast mit Hebelarm unter
Brandbeanspruchung kann nach dem Bemessungsverfahren ermittelt werden. Der
charakteristische Widerstand gegen Biegung eines Einzeldübels unter
Brandbeanspruchung ist jedoch durch die charakteristische Zugfestigkeit nach Abschnitt
0
2.2.1.1 begrenzt. Der charakteristische Widerstand gegen Biegung MRk ,s,fi kann der

folgenden Gleichung entnommen werden.

,s,fi = 1,2 × W el × σRk,s,fi


0
Gl. 2.8 MRk

mit: Wel = elastisches Widerstandsmoment des maßgeblichen


Spannungsquerschnittes
σRk,s,fi = charakteristische Zugfestigkeit bei Stahlversagen unter
Brandbeanspruchung nach Tabelle 2.1 bzw. Tabelle 2.2

2.2.2.2. Betonausbruch auf der lastabgewandten Seite


Der charakteristische Widerstand unter Brandbeanspruchung für die Versagensart
Betonausbruch auf der lastabgewandten Seite in Beton C20/25 bis C50/60 kann für eine
Feuerwiderstandsdauer bis zu 90 Minuten (R90) und bis zu 120 Minuten (R120) nach Gl. 2.9
und nach Gl. 2.10 bestimmt werden.

Gl. 2.9 VRk,cp,fi(90) = k × NRk,c,fi(90)


Gl. 2.10 VRk,cp,fi(120) = k × NRk,c,fi(120)
mit: k = aus der jeweiligen ETA zu entnehmender Faktor unter
Normaltemperatur
NRk,c,fi(90/120) = ist nach [4], Abschnitt 5.2.2.4 für die durch Querlasten
0
beanspruchten Dübel zu ermitteln, dabei ist anstelle von NRk ,c
0 0
der Wert NRk ,c , fi( 90 ) bzw. NRk ,c , fi(120 ) nach Gl. 2.6 bzw. Gl. 2.7 zu

verwenden.
2.2.2.3. Betonkantenbruch
Der charakteristische Widerstand von Verankerungen in Beton C20/25 bis C50/60 unter
Brandbeanspruchung für die Versagensart Betonkantenbruch kann für eine
Feuerwiderstandsdauer bis zu 90 Minuten (R90) und bis zu 120 Minuten (R120) nach
Gl. 2.11 und nach Gl. 2.12 bestimmt werden.

Gl. 2.11 0
VRk ,c ,fi( 90 ) = 0,25 × VRk
0
,c

Gl. 2.12 0
VRk ,c ,fi(120 ) = 0,20 × VRk
0
,c

0
mit: VRk ,c ,fi( 90 / 120 ) = Ausgangswert des charakteristischen Widerstandes eines
senkrecht zur Betonkante belasteten Einzeldübels unter
Brandbeanspruchung in Beton C20/25 bis C50/60 für eine
Feuerwiderstandsdauer bis zu 90 Minuten (R90) bzw. bis
zu 120 Minuten (R120).
0
VRk ,c = Ausgangswert des charakteristischen Widerstandes eines
Einzeldübels im gerissenen Beton C20/25 unter
Normaltemperatur nach [4], Abschnitt 5.2.3.4a).

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2.2.3. Kombinierte Zug- und Querbeanspruchung


Die Interaktionsbeziehung bei Normaltemperatur entsprechend ETAG 001, Anhang C, 5.2.4
[4] darf unter Berücksichtigung der ermittelten Widerstände unter Brandbeanspruchung für
die einzelnen Beanspruchungsrichtungen angewendet werden.
2.3. Experimentelle Bestimmung der Feuerwiderstandsdauer von Verankerungen im
gerissenen und ungerissenen Beton nach ETAG 001 Teile 1 - 6
Die Versuche sind analog [3], Anhang A durchzuführen, wobei die in den folgenden
Abschnitten angegebenen Bestimmungen zu beachten sind. Das Bohrloch ist mit Bohrern
mit einem Schneidendurchmesser dcut,m zu erstellen und entsprechend den Angaben des
Herstellers zu reinigen. Die Dübel sind nach den Angaben des Herstellers zu setzen und mit
dem vorgesehenen Montagedrehmoment Tinst vorzuspannen; das Drehmoment ist nach
10 min auf 0,5 Tinst zu reduzieren.
2.3.1. Verhalten unter Zugbeanspruchung
2.3.1.1. Stahlversagen
Versuchsaufbau:
Die Versuche zur Ermittlung der Tragfähigkeiten bei Stahlversagen sind in einer
unbelasteten Betonplatte im ungerissenen Beton durchzuführen.
Der Versuchsaufbau ist im Bild 2.1 schematisch dargestellt.

Quadratische

Bezeichnungen siehe Tabelle 2.3

Bild 2.1: Versuchaufbau zur Ermittlung von Stahlversagen unter Brandbeanspruchung


Die Abmessungen der in den Versuchen zu verwendenden Anbauteile sind in Abhängigkeit
von den angestrebten Laststufen nach Tabelle 2.3 zu wählen. Die Anbauteile sind so
ausgelegt, dass die Stahlspannung im relevanten Bereich 2 - 4 N/mm2 beträgt. Bis zur
Laststufe 1,0 kN können im Versuch handelsübliche Lochbänder verwendet werden.

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Tabelle 2.3: Abmessungen der Anbauteile im Brandversuch


Seitenlänge der
Flanschhöhe / Abstand zwischen
Adaptertyp Lastbereich quadratischen Profildicke
Flanschbreite den Flanschen
Grundplatte
NRk,s,fi [kN] a [mm] h / b [mm] t [mm] z [mm]
>1-≤3 90 100 / 90 15 60
I
>3-≤5 90 100 / 90 15 60
>5-≤7 110 120 / 110 20 70
II
>7-≤9 110 120 / 110 20 70
> 9 - ≤ 11 120 120 / 120 25 70
III
> 11 - ≤ 13 120 120 / 120 25 70

Versuchsdurchführung:
Die Dübel sind während des Brandversuchs auf Zug über die in Tabelle 2.3 definierten
Anbauteile zu belasten. Die Brandversuche sind entsprechend EN 1363-1:1999-10 [1]
durchzuführen.
Es sind mindestens je 5 Versuche mit der kleinsten Dübelgröße d1 und mit der mittleren
Dübelgröße d2 (≤ M12) durchzuführen. Die Feuerwiderstandsdauer muss bei mindestens 4
Versuchen je Dübelgröße über 60 min liegen.
Versuchsauswertung:
Aus den Brandversuchen sind Wertepaare [Prüflast F / Versagenszeitraum tu] zu ermitteln
(die Ergebnisse von Versuchen im gerissenen Beton können bei der Auswertung mit
berücksichtigt werden, sofern das Versagen nach mehr als 60 min erfolgte). Die Prüflasten F
sind in Stahlspannungen σs umzurechnen und je Dübelgröße in Abhängigkeit von den
ermittelten Versagenszeiträumen tu in einem Diagramm aufzutragen (siehe Bild 2.2). Durch
lineare Regression der Wertepaare σs / (1/tu) (siehe Bild 2.3) ist die Rechenbeziehung
(Regressionskurve) gemäß Gl. 2.13 zu bestimmen.

Gl. 2.13 σs1 = c1 + c2 / tu


Die Mittelwertkurve nach Gl. 2.13 ist über einen zusätzlichen Faktor c3 < 1 derart
abzumindern, dass die Kurve durch das Wertepaar des ungünstigsten Versuchsergebnisses
verläuft und man so eine untere einhüllende Grenzwertkurve gemäß Gl. 2.14 erhält.

Gl. 2.14 σs2 = c3 (c1 + c2 / tu)


Die charakteristischen Stahlspannungen für eine Feuerwiderstandsdauer von 60 min, 90 min
und 120 min können nach Gl. 2.14 wie folgt berechnet werden:
σRk,s,fi(60) = c3 (c1 + c2 / 60min)
σRk,s,fi(90) = c3 (c1 + c2 / 90min)
σRk,s,fi(120) = c3 (c1 + c2 / 120min)
Anhand der beiden Wertepaare tu = 60min / σRk,s,fi(60min) und tu = 90min / σRk,s,fi(90min) wird
folgende Geradengleichung ermittelt:

Gl. 2.15 σs3 = c4 - c5 tu


Die charakteristische Stahlspannung für eine Feuerwiderstandsdauer von 30 min kann
anhand Gl. 2.15 wie folgt berechet werden:
σRk,s,fi(30) = c4 - c5 × 30min
Werden Prüfungen nur bei zwei Dübelgrößen (d1 und d2) durchgeführt, können die
charakteristischen Stahlspannungen für Zwischendübelgrößen (d1 ≤ d ≤ d2) ohne zusätzliche
Versuche durch lineare Interpolation berechnet werden (siehe Bild 2.4), wenn das Verhältnis
der Stahlfestigkeiten σRk,s,s2 / σRk,s,s1 nicht größer als etwa 2 ist. Für Dübelgrößen mit d > d2
sind die für den Durchmesser d2 ermittelten charakteristischen Stahlspannungen zu
verwenden.

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σ s [N/mm²]

40

Regressionskurve: σs1 = c 1 + c 2 / tu
30

untere Grenzwertkurve: σs2 = c 3 (c 1 + c 2 / tu)

20

10

0 tu [min]
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130

Bild 2.2: Ermittlung der charakteristischen Stahlspannung

σs [N/m m²]

40

30
σs1 = c1 + c 2 / tu

20

10

0 1/tu [min]
0,0000 0,0050 0,0100 0,0150 0,0200 0,0250 0,0300

Bild 2.3: Ermittlung der Regressionsgleichung

σ Rk,s,fi Feuerw iderstandsdauer = const.

d > d2

d1 < d < d2

d1 d2 d

Bild 2.4: Interpolation für Zwischengrößen

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2.3.1.2. Herausziehen
Versuchsaufbau:
Die Prüfungen sind in biegebeanspruchten Stahlbetonplatten (C20/25) mit einer Bewehrung
ds = 12 mm / a = 150 mm und einem Bewehrungsgrad AS / (b×d) von etwa 0,4%
durchzuführen. Das Anbauteil einschließlich Dübel muss so ummantelt bzw. ausgelegt
werden, dass kein Stahlversagen auftritt. Das Anbauteil darf massiver sein als in den
Versuchen nach Abschnitt 2.3.1.1. Die Stahlbetonplatte muss mindestens für die angestrebte
Feuerwiderstandsdauer bemessen sein, die Plattendicke soll ≥ 2 hef und mindestens 250 mm
betragen.
Der Versuchsaufbau ist in Bild 2.5 schematisch dargestellt.

Bild 2.5: Versuchaufbau zur Ermittlung des charakteristischen Widerstandes unter


Brandbeanspruchung gegen Versagen durch Herausziehen

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Versuchsdurchführung:
Die Stahlbetonplatte ist zu belasten, bis Risse auftreten. Nach dem Entlasten der Platte sind
die Dübel direkt in die Risse zu setzen. Die Platte ist dann wieder zu belasten, bis eine
rechnerische Stahlspannung der Bewehrung im Bereich der Dübel von ca. 270 N/mm²
±20 N/mm² erreicht ist, was zu einer Rissbildung von etwa 0,1 bis 0,25 mm führt. Danach
sind die Dübel mit der vorgesehenen Last für die Brandprüfungen zu belasten und die
Brandprüfungen entsprechend DIN EN 1363-1:1999-10 [1] durchzuführen. Die Stahlspan-
nung der Bewehrung ist während des Versuchs möglichst konstant zu halten.
Zur Ermittlung einer Grenzwertkurve sind mindestens 5 Versuche mit der kleinsten
Dübelgröße, die eine Verankerungstiefe hef von ca. 60 mm bis 70 mm aufweist,
durchzuführen. Die Feuerwiderstandsdauer muss bei mindestens 4 Versuchen über 60 min
liegen.
Versuchsauswertung:
Die Versuchsauswertung ist entsprechend Abschnitt 2.3.1.1 (Stahlversagen) vorzunehmen.
Das Verhältnis der für eine Feuerwiderstandsdauer von 30 min, 60 min, 90 min und 120 min
ermittelten charakteristischen Herausziehlasten NRk,p,fi zu den charakteristischen
Herausziehlasten NRk,p für gerissenen Beton C20/25 nach der ETA darf für alle Dübelgrößen
des zu beurteilenden Systems verwendet werden.
2.3.1.3. Betonausbruch
Es sind keine Brandversuche für diese Versagensart erforderlich. Der charakteristische
Widerstand gegen Betonausbruch unter Brandbeanspruchung kann nach Abschnitt 2.2.1.3
berechnet werden.
2.3.1.4. Spalten
Der Nachweis gegen Versagen durch Spalten des Betons unter Brandbeanspruchung ist
nicht erforderlich, da die Nachweise gegen Versagen durch Herausziehen und
Betonausbruch für gerissenen Beton erfolgen und eine Bewehrung vorausgesetzt wird.
2.3.2. Verhalten unter Querbeanspruchung
2.3.2.1. Stahlversagen
Die Versuchsdurchführung und -auswertung ist entsprechend Abschnitt 2.3.1.1
vorzunehmen. Die Querlasten sind über Flachstähle, die für eine Stahlspannung von
2 - 4 N/mm2 ausgelegt sind, aufzubringen.
Der Versuchsaufbau ist in Bild 2.6 schematisch dargestellt.

Bezeichnungen:
c= Randabstand
Der Randabstand c ist so zu
wählen, dass als Versagen
Stahlbruch auftritt

t= Dicke des Flachstahls


10 mm ≤ t ≤ 20 mm

b = Breite des Flachstahls


b = N / (t × σRk,s,fi) mit
2 N/mm² ≤ σRk,s,fi ≤ 4 N/mm²

Bild 2.6: Versuchaufbau zur Ermittlung des charakteristischen Widerstandes unter


Brandbeanspruchung gegen Stahlversagen bei Querbeanspruchung

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2.3.2.2. Betonausbruch auf der lastabgewandten Seite


Es werden für diese Versagensart keine Brandprüfungen vorgegeben. Der charakteristische
Widerstand für Betonausbruch auf der lastabgewandten Seite unter Brandbeanspruchung
darf nach Abschnitt 2.2.2.2 berechnet werden.
2.3.2.3. Betonkantenbruch
Es werden für diese Versagensart keine Brandprüfungen vorgegeben. Es sind die
charakteristischen Widerstände nach Abschnitt 2.2.2.3 zu übernehmen.

2.3.3. Verhalten unter kombinierter Zug- und Querbeanspruchung


Das Verhalten von Verankerungsmitteln bei kombinierter Zug- und Querbeanspruchung
unter Brandbeanspruchung darf nach den Interaktionsbeziehungen bei Normaltemperatur
entsprechend ETAG 001, Anhang C, 5.2.4 [4] unter Berücksichtigung der ermittelten
Widerstände für die einzelnen Richtungen unter Brand beurteilt werden.

3. Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Verbunddübeln, Verbundspreizdübeln


und Verbund-Hinterschnittdübeln
Verbunddübel können nach diesem Papier nur hinsichtlich der Stahltragfähigkeit beurteilt
werden.
Verbundspreizdübel und Verbund-Hinterschnittdübel, die für gerissenen und ungerissenen
Beton zugelassen sind, können nach diesem Papier beurteilt werden. Allerdings kann unter
Brandbeanspruchung ein vorzeitiges Herausziehen aus dem Beton auftreten, da die
Festigkeit des Verbundmörtels bei erhöhten Temperaturen stark absinken kann. Daher sind
auch bei dem vereinfachten Nachweisverfahren nach Abschnitt 2.2 die charakteristischen
Widerstände gegen Versagen durch Herausziehen immer über Brandversuche nach
Abschnitt 2.3.1.2 für das jeweilige Produkt zu ermitteln. Dabei sind die Dübel mit der
geringsten Verankerungstiefe zu verwenden.

4. Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Kunststoffdübeln


Kunststoffdübel zur Verwendung in einem System, an das Anforderungen an eine bestimmte
Feuerwiderstandsdauer gestellt werden, können nach dem vereinfachten Nachweisverfahren
entsprechend Abschnitt 2.2 beurteilt werden. Allerdings kann ein vorzeitiges Herausziehen
aus dem Beton auftreten, da die Festigkeit des Kunststoffs bei erhöhten Temperaturen
maßgeblich sein kann. Daher sind auch bei dem vereinfachten Nachweisverfahren nach
Abschnitt 2.2 die charakteristischen Widerstände gegen Versagen durch Herausziehen
immer über Brandversuche nach Abschnitt 2.3.1.2 für das jeweilige Produkt zu ermitteln.
Für die Befestigung von Fassadensystemen kann angenommen werden, dass die
Tragfähigkeit des bestimmten Kunststoffschraubdübels mit einem Außendurchmesser von
10 mm und einer Metallschraube mit einem Durchmesser von 7 mm und einer
Verankerungstiefe von hef = 50 mm und einer Kunststoffhülse aus Polyamid PA6 einen
ausreichenden Feuerwiderstand von mindestens 90 Minuten (R90) besitzt, wenn die
zulässige Last (keine dauernde zentrische Zuglast) ≤ 0,8 kN ist.

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EOTA - TR 020 Beurteilung der Feuerwiderstandsfähigkeit von Verankerungen im Beton

5. Literatur
[1] EN 1363-1:1999-10 "Feuerwiderstandsprüfungen - Teil 1: Allgemeine Anforderungen"
[2] prEN 1992-1-2 "Eurocode 2, Teil 1-2: Tragwerksbemessung für den Brandfall"
[3] ETAG 001 Leitlinie für die europäische technische Zulassung für Metalldübel zur
Verankerung im Beton, Ausgabe 1997
[4] ETAG 001, Anhang C: Leitlinie für die europäische technische Zulassung für Metalldübel
zur Verankerung im Beton, Anhang C: Bemessungsverfahren für Dübel, Ausgabe 1997
[5] CEN/TC250/SC 2/WG 2: Design of Fastenings for Use in Concrete, Draft 10, März 2004
[6] DIN EN 10025:1994-03 "Warmgewalzte Erzeugnisse aus unlegierten Baustählen;
Technische Lieferbedingungen"
[7] ISO 3605:1997 "Mechanische Eigenschaften von Verbindungselementen aus
nichtrostenden Stählen"

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