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Die Radierung „Que Valor!“ (Welcher Mut!

), welche mit Aquatinta


hergestellt wurde, entstand in den Jahren 1810 bis 1815 und ist 15,5 x 20,8
cm groß. Sie gehört zu der Reihe „Desastres de la Guerra“ von Francisco de
Goya.

[1.]Rechts des Bildzentrums steht eine Person, die ein Kleid trägt, dem
Anschein nach eine Frau, neben einer großen Kanone, welche auf zwei
Rädern steht. (Frau und Kanone bilden das bildnerische Zentrum.) Die Frau
steht auf einem Berg aus (männlichen) Körpern und hebt ihren Arm in
Richtung der Zündschnur der Kanone. Oberhalb der Frau sieht man nur
graue Leere.
Das Kleid der Frau, sowie ihr Arm und der Lauf der Kanone, links von der Frau
und die gehäuften Körper sind hell, fast komplett weiß. Kopf und Schulter
der Frau, sowie der Rest der Kanone und ein Hügel in der Ferne sind sehr
dunkel gehalten (schwarz). Der Horizont ist grau und neutral.

[2.]Die Hell-dunkel-Verteilung bringt bedeutsame Helligkeitskontraste hervor,


auf dessen Bedeutung ich später noch eingehen werde.
Die Radierung, die mit Aquatinta aufs Papier gebracht wurde zeigt eine
dreieckige Komposition auf. Hierbei lässt sich zwischen einem kleinen
bildinternem Dreieck [dessen Eckpunkte sich am Kopf der Frau, am Fuß des
am weitesten von der Frau entfernten, am Grund liegenden Mannes und
rechts von der Frau am rechten Bildrand auf Höhe der verdunkelten Stelle,
am Sockel der Kanone befinden] und einem großen Dreieck, welches das
Kleiner umfasst und in den bildexternen Raum ragt.
Der obere Eckpunkt des Großen Dreiecks liegt auf dem des Kleinen, also auf
dem Kopf der Frau. Die Frau steht also an der Spitze der dreieckigen
Kompositionen, deren Basis unten liegt. Dies könnte Assoziationen von Stärke
(oder Mut wie auch im Titel geschildert) hervorrufen, da die stärksten
Parteien an der Spitze stehen (bspw. Nahrungskette/-Pyramide).
Da oberhalb der Mittelwaagerechten (außer Frau und Kanone) fast nur
Leerraum, welcher gräulich mit Aquatinta erzeugt wurde und deshalb eine
sandkornartige Struktur aufweist, welche Weite (viel Raum) schafft.

Zusätzlich lassen sich jedoch zwei gedachte Linien festhalten, die das Bild
gliedern bzw. als Grenzen fungieren. Eine Senkrechte verläuft durch Kopf
und Fuß [links] der Frau und eine Waagerechte verläuft durch den Lauf der
Kanone (auch die Mittelwaagerechte verläuft durch die Kanone).
Der Schnittpunkt dieser beiden Linien liegt rechts-oberhalb des
Schnittpunktes der Mittelsenk- und Mittelwaagerechten. Er liegt auf dem
zentralen Bildelement (Frau vor der Kanone).

Es ist eine große Ballung zu erkennen relative mittig des Bildes


[Frau,Kanone,Körperhaufen].
Man könnte auch zwei Ballungen herausarbeiten. Die eine bilden Frau und
die Kanone und die Andere die gehäuften Körper, auf denen die Frau steht.
Ein Form-Konstrast ist auch feststellbar, da die Kanone sehr statisch die
[toten] Körper sowie de Frau aber sehr organisch sind.

Die Aufmerksamkeit des Betrachters gilt zuerst der Frau bzw. ihrem Kleid, da
es sehr hell ist und fast in der Bildmitte liegt. Dementsprechend verläuft die
Blickführung der senkrechten gedachten Linie am Kleid der Frau abwärts,
den Leichenhügel entlang. Darauf folgt das Betrachten des Kanonenlaufes.
Diese Blickrichtung kann anhand der waagerechten gedachten Linie und
der Helligkeitskontraste erklärt werden.

[3.]Die auf dem Boden liegenden Männer sind alle tot und die Frau legt
Hand an. Um zu verdeutlichen, dass es eine Frau ist, hat Goya das Kleid hell
dargestellt. Auch ihr Arm mit der Zündschnur sowie der Lauf der Kanone sind
hell um zu verdeutlichen, dass es einen Frau ist, die bewusst Gewalt ausübt,
indem sie eine Kanone abfeuert. Nun könnte man annehmen diese
Radierung möchte die Emanzipation darstellen. Dies ist allerdings im
historischen Rahmen betrachtet weit aus zu früh und deshalb eher
unrealistisch. Darum nehme ich an, dass Goya die Dringlichkeit des
Anliegens der Bürger[wahrscheinlich die Befreiung aus der französischen
Herrschaft unter Napoleon Bonaparte am Anfang des 19. Jahrhunderts],
welches sie gewalttätig durchsetzten wollten , untermalen wollte indem er
eine ,früher als nicht gleichwertig betrachtete, weibliche Person anstelle
eine männlichen inszeniert, die auch noch mit einer Kanone [auf den Feind]
feuert. Er setzt noch eins drauf indem er sie auf einen Berg männlicher
Leiche positioniert. Dies verdeutlicht nicht nur das Krieg früher
„Männersache“ war sondern auch die Gefahr, die von ihm ausgeht. Da sie
vorher erst auf den Berg aus Leichen klettern musste, waren ihr die Opfer die
der Krieg mit sich bringt und die lebensgefährliche Situation in der sie sich
befindet, bekannt. Obwohl sie weiß das zahlreiche Menschen auf Grund des
Krieges umgekommen sind,ist sie mutig, zeigt Stärke und kämpft weiter. Eine
Frau die sich zu Gunsten ihres Volkes in eine lebensgefährliche Situation
begibt , um die Toten nicht umsonst gestorben lassen zu sein. Welcher Mut!