Sie sind auf Seite 1von 216

Betonpraxis

Der Weg zu dauerhaftem Beton

Eine Publikation der Holcim (Deutschland) GmbH


Inhaltsverzeichnis
1 Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung 6 Betone mit besonderen Eigenschaften

1.1 Zemente 4 6.1 Beton für wasserundurchlässige Bauwerke 102


1.2 Wasser 20 6.2 Frost- und Frost-Tausalzbeständiger Beton 104
1.3 Gesteinskörnung 22 6.3 Beton mit hohem chemischen Widerstand 106
1.4 Zusatzmittel 35 6.4 Leichtverdichtbarer Beton 108
1.5 Zusatzstoffe 40 6.5 Selbstverdichtender Beton 112
1.6 Fasern 46 6.6 Leichtbeton 116
6.7 Schwerbeton 120
6.8 Faserbeton 122
2 Beton – Grundlagen und Anforderungen 6.9 Hochfester Beton 126
6.10 Spritzbeton 128
2.1 Betontechnologische G­ rundlagen 50
6.11 Dränbeton 131
2.2 Entwurfskonzepte 56
6.12 Zementestrich (CT – Cementitious screeds) 134
2.3 Druckfestigkeit und Expositionsklassen 59
2.4 Verarbeitbarkeit und Konsistenz 66
2.5 Stoffraumrechnung 69
7 Betonanwendungen

7.1 Ingenieurbauwerke nach ZTV-ING Teil 3 Massivbau 140


3 Betonherstellung und Transport 7.2 Wasserbauwerke nach ZTV-W 142
7.3 Sichtbeton 146
3.1 Herstellung 72
7.4 Beton für Industrieböden 154
3.2 Transport, Betonübergabe und Förderung 74
7.5 Beton für massige Bauteile 158
7.6 Betonstraßenbau 160

4 Qualitätssicherung und Konformität

4.1 Konformität 78 8 Weitere zementgebundene Anwendungen

8.1 Verfüllbaustoffe 164


8.2 Bodenverfestigung 167
5 Verarbeitung

5.1 Einbringen und Verdichten 88


5.2 Nachbehandlung 90 9 Vorgefertigte Betonbauteile
5.3 Betonieren bei extremer Witterung 94
9.1 Betonfertigteile 172
9.2 Betonwaren 174
9.3 Betondachsteine 177
9.4 Porenbeton 177

Copyright by
Holcim (Deutschland) GmbH 10 Ursachen und Vermeidung von Betonschäden

10.1 Entmischung des Betons 180


Verfasser:
10.2 Optische Beeinträchtigungen von Betonoberflächen 181
Customer Solutions
10.3 Schwinden und Rissbildung 187
Holcim (Deutschland) GmbH
10.4 Schäden durch Frost- und Frost-Tausalzangriff 194
10.5 Schäden durch chemisch lösenden Angriff 197
3. Auflage · 2016
10.6 Schäden durch Sulfatangriff 199
10.7 Schäden durch Alkali-Kieselsäure-Reaktion 200
Verkaufspreis:
10.8 Karbonatisierung und Bewehrungskorrosion 202
€ 50,–

11 Anhang
Satz und Layout:
13 Agentur für Werbung 11.1 Literaturhinweise 206
und Kommunikation GmbH 11.2 Normen/Richtlinien/Empfehlungen 208


Einleitung
Mit der «Betonpraxis» will die Holcim (Deutschland) GmbH
zu jedem Schritt der Betonherstellung und Verarbeitung
Tipps aus der Praxis für die Praxis geben.

Was aus der alltäglichen Arbeit auf Baustellen hervor‑


gegangen ist und oft nur mündlich weitergegeben
wurde, findet sich in der «Betonpraxis» schriftlich und
in leicht zugänglicher Form. Selbstverständlich berück‑
sichtigt die «Betonpraxis» die aktuellen deutschen und
europäischen Regelwerke, zusätzlich enthält sie nützliche
­Literatur­hinweise.

Die inhaltliche und redaktionelle Bearbeitung der


«­Betonpraxis» erfolgte durch die Mitarbeiter der Abteilung
Customer Solutions der Holcim (Deutschland) GmbH.
Gerne stehen wir Ihnen auch für eine individuelle
­Beratung zur Verfügung.
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1
1
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.1

Zemente
1.1

Allgemeines Aus ökologischen, ökonomischen und betontechno‑


Zement ist ein hydraulisches Bindemittel. Da­r­unter ver‑ logischen Gründen werden in Deutschland zunehmend
steht man einen Stoff, der nach dem Mischen mit Wasser Portlandkomposit- und Hochofenzemente verwendet.
sowohl an der Luft als auch unter Wasser erhärtet. Der Diese enthalten neben Portlandzementklinker weitere
sich dabei bil­den­de Z
­ ementstein ist wasserbeständig Hauptbestandteile wie z. B. Hüttensand oder Kalkstein‑
und weist eine hohe Festigkeit auf. Es gibt eine Viel‑ mehl. Der verstärkte Einsatz von Klinkersubstituten
zahl unterschiedlicher Zementarten. Die europäischen bringt verschiedene Vorteile. Dem Zementhersteller
und nationalen Regelwerke unterscheiden zwischen hilft es, natürliche Rohstoffreserven zu schonen und die
Normalzementen, Normalzementen mit besonderen Kohlendioxid (CO2) -Emissionen bei der Zementherstel‑
Eigenschaften und Sonderzementen. Zu­sam­mensetzung, lung deutlich zu reduzieren. Der Anwender kann durch
Anforderungen und Eigenschaften der Normalzemente den Einsatz von CEM II- und CEM III-Zementen bestimmte
sind in der europäischen Norm DIN EN 197‑1 geregelt. Betoneigenschaften, wie z. B. Verarbeitbarkeit, Wärme‑
Für Normalzemente mit besonderen Eigenschaften gilt entwicklung, Dauerhaftigkeit usw. verbessern.
DIN 1164 Teile 10 bis 12. DIN EN 14 216 behandelt die
­Gruppe der Sonderzemente, die in Deutschland bisher
jedoch nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt.

4 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.1
Zemente
Geschichtliches
Bereits im Altertum benutzten die Römer hydrau­
lisch erhärtende Mörtel. Sie brannten tonhaltigen
Kalk und versetzten ihn mit Puzzolanerde oder
Ziegelmehl. Zusammen mit geeigneten Gesteins­
körnungen entstand daraus «Opus caementitium»,
der römische Beton, der als Vorläufer unseres Betons
gilt und dem Zement seinen Namen gab.

Der Engländer J. Aspdin führte um 1824 eine Fein­


aufbereitung der Rohstoffe Kalkstein und Ton
ein und erzeugte durch Brennen ein dem Zement
vergleichbares Produkt. Wegen der Ähnlichkeit des
daraus hergestellten Betons zum Portlandstein
(dauerhafter Kalkstein der Insel Portland), den man
in England häufig für Bau­zwecke verwendete, wurde
dieses Produkt als Portland­zement bezeichnet.

Holcim Betonpraxis 5
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.1

Zemente
Herstellung Herstellung eines homogenen Rohmehls
Zement ist ein Gemisch aus mehreren fein aufgemah­ Die Rohmaterialien aus dem Steinbruch und eventuelle
lenen Komponenten. Wichtigster Bestandteil ist der Korrekturstoffe werden in größeren Mengen zwischen‑
Portlandzementklinker, der in Portlandzementen einen gelagert und vorhomogenisiert. In Kugel- oder Walzen‑
Anteil von mindestens 95 % hat. In anderen Zementtypen schüsselmühlen (Abb. 1.1.2) wird das genau definierte
kann ein Teil des Portlandzementklinkers durch andere Rohstoffgemisch zu einem feinen Rohmehl gemahlen
sogenannte Zementhauptbestandteile ersetzt werden und gleichzeitig getrocknet. Zum Trocknen werden die
(siehe Abb. 1.1.15). heißen Ofenabgase benutzt. Das Rohmehl gelangt an‑
Für die Herstellung von Portlandzementklinker wird schließend in große Homogenisiersilos.
Abb. 1.1.1   ein Gemisch aus Kalkstein und Ton zu einem Rohmehl
Schwere Abbau­ mit definierter Korngröße und chemischer Zusammen‑ Brennen des Rohmehls zu Klinker
maschinen im
Steinbruch
setzung aufbereitet und danach bei 1450°C gebrannt. Der Brennprozess bei rund 1450°C (Sintertemperatur)
Portlandzement entsteht, indem der Portlandzement‑ ist der zent­rale Schritt bei der Zementherstellung. Bevor
klinker gemeinsam mit einer geringen Menge Kalzium‑ das Rohmehl in den Drehrohrofen (Abb. 1.1.3) ein­ge­
sulfat zu einem feinen Pulver aufgemahlen wird. leitet wird, durchströmt es den Wärme­tauscher­turm
Im Folgenden werden die einzelnen Produktionsstufen und wird dabei in mehreren Stufen auf fast 1000°C
näher beschrieben (Abb. 1.1.7). vorgewärmt. Im Ofen wird das Rohstoffgemisch bis
auf Sintertemperatur erhitzt. Dabei finden chemische
Abbau und Brechen des Rohgesteins Umwandlungs­reaktionen statt und es entstehen neue
Für eine Tonne Portlandzementklinker benötigt man gut chemische Verbindungen, die sogenannten Klinker‑
­andert­halb Tonnen Rohgestein in Form von Kalkstein, minerale. Portlandzementklinker setzt sich aus mehreren
Mergel oder Ton, da während des Brennens Kohlen­dioxid Mineralphasen zusammen, die durch ihr unterschied‑
Abb. 1.1.2   und Wasser aus dem Rohgestein ausgetrieben werden. liches Reaktionsverhalten mit Wasser die Zementeigen‑
Walzenschüssel­­ Das Rohgestein muss nach Möglichkeit so abgebaut schaften prägen (Abb. 1.1.4 Tabelle Klinkerphasen). Der
mühle zum
­Fein­mahlen des  werden, dass die vier wichtigsten Komponenten Kalzium, glühende Klinker wird nach dem Brennprozess dem
Rohgesteins Silizium, Aluminium und Eisen im richtigen Mengen‑ Klinkerkühler zugeführt und dort durch Luftzufuhr mög‑
verhältnis anfallen. Sind einzelne Komponenten im lichst rasch auf eine Temperatur von ca. 100°C abgekühlt.
Steinbruch in ungenügender Menge vorhanden, müssen Als Brennstoffe werden Kohle, Öl, Erdgas und vermehrt
entsprechende Korrekturstoffe zugeführt werden. auch Alternativbrenn­stoffe wie z. B. Altreifen, Kunststoff
oder Trocken­klärschlamm einge­setzt.

Klinkerphase Kurz­bezeichnung Eigenschaft Gehalt


Abb. 1.1.3   (durchschnittl.)
Drehrohrofen, das
Trikalziumsilikat C3S hohe Reaktivität 60 %
Herzstück eines
Zementwerks (Alit) hohe Frühfestigkeit
hohe Hydratationswärme
Dikalziumsilikat C 2S geringe Reaktivität 15 %
(Belit) langsame stetige Erhärtung
niedrige Hydratationswärme
Trikalziumaluminat C3A maßgebend für das Erstarren 10 %
sehr hohe Hydratationswärme
geringe Sulfatbeständigkeit
Kalziumaluminatferrit C4AF langsame Erhärtung 8 %
(Celit) hohe Sulfatbeständigkeit
Freikalk CaO kann Treibreaktion verursachen 1 %
Abb. 1.1.4  
Freies Magnesia MgO kann Treibreaktion verursachen 1 %
Klinkerphasen

6 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.1
Zemente
Mahlen des Klinkers mit Gips und ­Zusatzstoffen 
zu Zement
Damit aus dem Klinker ein gebrauchsfertiger Zement ent‑
steht, wird er in einer Mahlanlage (Abb. 1.1.5) zusammen
mit Gips (3–7 %) fein aufgemahlen. Der Gips dient als
Erstarrungsregler. Ohne Erstarrungsregler würde der
gemahlene Klinker, angerührt mit Wasser, innerhalb von
wenigen Minuten abbinden. Die Mahlfeinheit steuert
die Festigkeits­entwicklung des Zements maßgeblich. Abb. 1.1.5  
Umso höher die Mahlfeinheit ist, desto reaktiver ist der Kugelmühle zum
Feinmahlen des
Zement. Je nach Zement­art wird der Klinker beim Mahlen Klinkers mit Gips­
(gemeinsame Mahlung) oder durch nachträgliches stein und Zusatz­
Zumischen vorgemahlener Komponenten (getrennte stoffen zu Zement
Mahlung) durch andere Zementhauptbestandteile
ersetzt. Verwendet werden z. B. Hüttensand, Kalk‑
steinmehl oder Flugasche. Diese Zemente werden als
Portlandkomposit- oder Hochofenzemente bezeichnet
(Kap. 1.5 «Zusatzstoffe»).
Zementmischanlagen bieten den Vorteil hoher Fle­xi­bi­
lität: Kurzfristig können Kleinst- bis Großmengen «just
in time» produziert und auf spezielle Kundenwünsche
abgestimmt werden (Abb. 1.1.6).

Abb. 1.1.6  
Mischanlage für
Zemente nach Maß

Abb. 1.1.7  
Produktionsschema Zement­
herstellung schematisch verein­
facht: Der Produktions­ablauf im
Werk Höver

Rohmaterialgewinnung Rohmaterialaufbereitung 1 Steinbruch


2 Lager- und Mischhalle
3 Ersatzroh­stoffe
4 Walzen­schüs­selmühle
5 Verdamp­fungskühler
6 Schlauchfilter
Rohmaterialaufbereitung Klinkerproduktion 7 Rohmehlsilo
8 Zyklonwärmetauscher
9 Drehrohrofen
10 Kohlenstaubsilo
11 Kohlenrundlager/-mühle
12 Altreifen
13 Filterpressenkuchen
14 Kunststoffschnitzel
15 Bypassfilter
16 Abgaskamin
Zementproduktion Zementversand 17 Klinkersilos
18 Sulfatträger
19 Zementmühlen
20 Hüttensandmühle
21 Mischanlage
22 Zementsilos/Packerei

Holcim Betonpraxis 7
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.1

Zemente
CO2‑ Emissionen bei der Zementherstellung Die Holcim (Deutschland) GmbH hat in den vergangenen
Die Herstellung von Zement ist ein energie- und rohstoff‑ Jahren den Brennstoffenergiebedarf für die Zement‑
intensiver Prozess und wie auch bei anderen Produkten herstellung deutlich gesenkt und dabei ein verfahrens‑
mit der Emission von Kohlendioxid (CO2) verbunden. technisches Optimum nahezu erreicht. Die Möglichkeiten
Der Energieaufwand für die Zementproduktion ist auf diesen Wegen CO2-Emissionen einzusparen sind
­erheblich, dennoch entsteht der weitaus größte Anteil daher nahezu ausgeschöpft.
der CO2‑Emissionen nicht durch den Einsatz von Brenn‑
stoffen oder indirekt durch Stromverbrauch, sondern ist Das weitaus größte Potenzial, CO2-Emissionen zu ver‑
prozess­bedingt (siehe Abb. 1.1.8). Bei der thermischen meiden, bietet die Herstellung von Zementen, bei denen
­Umwandlung von Kalkstein und Ton zu Zementklinker ein Teil des Zementklinkers durch eine CO2-neutrale Kom­
wird CO2 freigesetzt: ponente ersetzt wird. Latenthydraulischer Hüttensand
CaCO3 + Energie = CaO + CO2 ist in besonderer Weise als Klinker­ersatzstoff geeignet
(siehe «Hüttensandhaltige Zemente» auf Seite 10).
Hüttensandhaltige Zemente sind hochwertige Zemente,
bei deren Herstellung deutlich weniger CO2 emittiert
Abb. 1.1.8   wird als bei der von reinem Portland­zement. Je höher
Quellen für CO2-
der Hüttensandanteil des Zements ist, desto geringer
Emissionen bei der
Herstellung von sind seine herstellungsbedingten CO2-Emissionen (siehe
Portlandzement Abb. 1.1.9). Darüber hinaus hilft die Verwendung von
Hüttensand, die natürlichen Ressourcen zu schonen.

12 %
59 %
indirekt (Strom)

brennstoffbedingt prozessbedingt

29 %
Zementherstellung [in %]

Holcim-Aqua
CO2‑Emissionen bei der

Holcim-Ferro

Holcim-Ferro

Holcim-Duo
Holcim-Pur

mittlerer Hüttensandgehalt [in M.-%]

Abb. 1.1.9  
Herstellungs­
bedingte
CO2-Emissionen
unterschiedlicher
Zementtypen

8 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.1
Zemente
Für die Holcim (Deutschland) GmbH ist der verantwortungs‑
bewusste Umgang mit natürlichen Ressourcen zentraler
Bestandteil der Unternehmens­politik. Frühzeitig wurden
die Weichen gestellt und die Entwicklung und Herstellung
hüttensandhaltiger Zemente vorangetrieben.
Abb. 1.1.10  
Windkraft­anlage
bei Emden mit
einem Beton­
volumen von
2000 m3. Ein­
sparung von
ca. 300 t CO2 durch
die Verwendung
von Holcim-Duo 4

Abb. 1.1.11  
Holcim-Umweltsiegel
für umweltfreund­
lich hergestellte
­hüttensandhaltige
Zemente

Abb. 1.1.12   Abb. 1.1.13  
Durch Einleiten in Wasser wird die ­flüssige Hochofenschlacke zu ­Umweltfreundlicher Transport von ­Hüttensand mit ­Binnenschiffen
Hüttensand ­granuliert, es entsteht ein hochwertiger Baustoff

Holcim Betonpraxis 9
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.1

Zemente
Hüttensandhaltige Zemente Die Verwendung von Hüttensand ist jedoch nicht nur
Hüttensand ist ein altbewährter, qualitativ gleich‑ aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht interessant,
wertiger und ökologisch sinnvoller Ersatz für Zement‑ sie bietet darüber hinaus betontechnologisch nutz­
klinker. Seine klinkerähnlichen Eigenschaften erlauben bare Aspekte. So können gezielt Zemente mit speziellen
wie bei keinem anderen Stoff die Herstellung von hoch‑ Leistungs­merkmalen hergestellt werden.
wertigen Zementen mit einem Klinker­austauschgrad
von bis zu 95 %. Die Nutzung von Hüttensand trägt
somit in besonderer Weise dazu bei, natürliche
Ressourcen zu schonen und CO2‑Emissionen zu ver‑ Vorteilhafte Eigenschaften 
mindern. Portlandhüttenzemente und Hochofenzemente von hüttensandhaltigen Zementen:
sind energieeffizient hergestellte zukunftsorientierte ••Geringe herstellungsbedingte CO2-Emissionen
Produkte, die gegenüber reinen Portlandzementen immer ••Günstige Verarbeitungseigenschaften
mehr an Bedeutung gewinnen. ••Längere Verarbeitungszeiten
••Niedrige Wärmeentwicklung und verminderte Riss­
bildung aufgrund von Temperaturspannungen
Hüttensand ist ein hochwertiges Nebenprodukt der ••Hohes Nacherhärtungspotential
Roheisenerzeugung und wird durch Granulation ••Ausbildung eines dichten Gefüges
von Hochofenschlacke gewonnen (Abb. 1.1.14). ••Hohe Dauerhaftigkeit
Hierbei wird die flüssige Schlacke durch Ein‑ ••Geringe Ausblühneigung
düsen von Wasser abgeschreckt, sodass eine feine ••Geringer wirksamer Alkaligehalt der Hüttensand­
Körnung entsteht (Abb. 1.1.12). Aufgrund seines komponente
glasartigen, nicht kristallinen Zustandes besitzt ••Helle Betonoberfläche
Hüttensand latent hydraulische Reaktivität, sehr
ähnlich der des Portlandzementklinkers. Hütten‑
sandhaltige Zemente haben eine lange Tradition.
Eisenportlandzement (heute ­Portland­hütten­zement)
ist bereits seit 1909 ein genormtes Produkt,
­Hochofenzement seit 1917.

Abb. 1.1.14  
Schema Hütten­
sand­­erzeu­gung
am Beispiel der
­Granulationsanlage
der Holcim (Deutsch­
land) GmbH am Legende
Hochofen B im Stahl­
werk Salzgitter 1 Granulierstation

2 Kondensierturm

3 Entwässerungssilos

4 Sandfangbecken

5 Heißwasserbecken

6 Wasserrückkühlanlage

7 Hüttensandtransport

8 Hüttensandfreilager

10 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.1
Zemente
Abb. 1.1.15  
Hauptbestandteile 1)
Zusammensetzung

natürlich getempert
der Zemente ge­mäß

Nebenbestandteile 1) 4)
DIN EN 197‑1 und

kieselsäurereich
Hauptzementarten

DIN EN 14 216

zementklinker
Kurzbezeichnung

Hüttensand

Gebrannter
Silikastaub

Puzzolane

Puzzolane

Flugasche

Flugasche
Zementsorte

Portland-

Kalkstein
kalkreich
natürlich
Benennung

Schiefer
Holcim

K S D 2) P Q V W T L LL
CEM I Portland­ CEM I Pur
95–100 0–5
zement Sulfo
CEM II Portland­ CEM II/A-S Ferro 80–94 6–20 0–5
hütten-
zement CEM II/B-S Ferro 65–79 21–35 0–5

Portlandsilika- CEM II/A-D
90–94 6–10 0–5
staubzement
Portland- CEM II/A-P 80–94 6–20 0–5
puzzolan-
zement CEM II/B-P Trass 65–79 21–35 0–5
CEM II/A-Q 80–94 6–20 0–5
CEM II/B-Q 65–79 21–35 0–5
Portland- CEM II/A-V 80–94 6–20 0–5
Normalzemente nach DIN EN 197‑1

flugasche-
zement CEM II/B-V 65–79 21–35 0–5
CEM II/A-W 80–94 6–20 0–5
CEM II/B-W 65–79 21–35 0–5
Portland- CEM II/A-T 80–94 6–20 0–5
schiefer­
zement CEM II/B-T 65–79 21–35 0–5

Portland- CEM II/A-L 80–94 6–20 0–5


kalkstein-
zement CEM II/B-L 65–79 21–35 0–5
CEM II/A-LL 80–94 6–20 0–5
CEM II/B-LL 65–79 21–35 0–5
Portland-­ CEM II/A-M 80–94 6–20 0–5
komposit­
zement 3) CEM II/B-M 65–79 21–35 0–5

CEM III Hochofen- CEM III/A Duo 35–64 36–65 0–5


zement
CEM III/B Aqua 20–34 66–80 0–5
CEM III/C 5–19 81–95 0–5
CEM IV Puzzolan- CEM IV/A 65–89 11–35 0–5
zement 3)
CEM IV/B 45–64 36–55 0–5
CEM V Komposit- CEM V/A 40–64 18–30 18–30 0–5
zement 3)
CEM V/B 20–38 31–50 31–50 0–5
VLH III Hochofen- VLH III/B 20–34 66–80 0–5
Sonderzemente nach

zement
DIN EN 14 216

VLH III/C 5–19 81–95 0–5


VLH IV Puzzolan- VLH IV/A 65–89 11–35 0–5
zement 3)
VLH IV/B 45–64 36–55 0–5
VLH V Komposit- VLH V/A 40–64 18–30 18–30 0–5
zement 5)
VLH V/B 20–38 31–50 31–50 0–5
1) Die Werte (in Massen-%) der Tabelle beziehen sich auf die Summe der Haupt- und Neben­bestandteile, d. h. ohne Kalziumsulfat oder Zementzusatzmittel.
2) Der Anteil an Silikastaub ist auf 10 % begrenzt.
3) In den Portlandkompositzementen CEM II/A-M und CEM II/B-M, in den Puzzolan­zementen CEM IV/A und CEM IV/B und in den Kompositzementen CEM V/A und
CEM V/B müssen die Haupt­bestandteile neben dem Portland­zementklinker des Zements angegeben werden.
4) Stoffe, die als Nebenbestandteile dem Zement zugegeben werden, dürfen nicht gleichzeitig im Zement als Haupt­be­standteil vorhanden sein.
5) In den Puzzolanzementen VLH IV/A und VLH IV/B und den Kompositzementen VLH V/A und VLH V/B müssen die Haupt­bestandteile neben Klinker durch die
­Bezeichnung des Zements angegeben werden.

Holcim Betonpraxis 11
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.1

Zemente
Zementarten und geltende Normen zemente mit besonders niedriger Hydra­tationswärme
Die Norm DIN EN 197‑1 legt die Anforderungen an die gilt DIN EN 14 216 (Abb. 1.1.15).
Abb. 1.1.16   Familie der Normalzemente fest. Sie unterscheidet Weiterhin gibt es Normalzemente mit besonderen Eigen­
Besondere Zement­ 27 Zemente, die in die fünf Hauptzementarten CEM I bis schaften. Hierfür gelten die Normen DIN 1164‑10/11/12
eigenschaften 
CEM V unterteilt sind. Für die Familie der VLH Sonder­ bzw. die DIN EN 197‑1 (Abb. 1.1.16).
nach
DIN 1164‑10/11/12
und DIN EN 197‑1

Besondere Eigenschaften Kennz. Norm Zementart Anforderung


Niedrige Hydratationswärme LH DIN EN 197‑1 CEM I bis CEM IV Hydratationswärme ≤ 270 J/g
CEM I-SR 0 C3A = 0 M.-%
CEM I-SR 3 C3A ≤ 3,0 M.-% SO3 ≤ 3,0 M.-%
(FK 32,5 N bis 42,5 N)
CEM I-SR 5 C3A ≤ 5,0 M.-%
SO3 ≤ 3,5 M.-%
Hoher Sulfatwiderstand SR DIN EN 197-1 CEM IV/A-SR (FK 42.5 R bis 52.5 R)
C3A ≤ 9,0 M.-%
CEM IV/B-SR
CEM III/B-SR
Hüttensandgehalt ≥ 66 M.-%
CEM III/C-SR
CEM I, CEM II (außer CEM II/B-S),CEM IV
≤ 0,60
und CEM V
Niedrig wirksamer CEM II/B-S ≤ 0,70
NA DIN EN 1164‑10 M.-% Na2O-Äquivalent
Alkaligehalt CEM III/A Hüttensandgehalt ≤ 49 M.-% ≤ 0,95
CEM III/A Hüttensandgehalt ≥ 50 M.-% ≤ 1,10
CEM III/B und CEM III/C ≤ 2,00
CEM I bis CEM V 32,5 N/R Erstarrungsbeginn ≥ 15 min und < 75 min
Frühes Erstarren FE DIN EN 1164‑11 CEM I bis CEM V 42,5 N/R Erstarrungsbeginn ≥ 15 min und < 60 min
CEM I bis CEM V 52,5 N/R Erstarrungsbeginn ≥ 15 min und < 45 min
Schnell erstarrend SE DIN EN 1164‑11 CEM I bis CEM V Erstarrungsbeginn ≤ 45 min
Erhöhter Anteil an
HO DIN EN 1164‑12 CEM I bis CEM V Anteil Zusätze ≤ 1 M.-%
Organischen Zusätzen

Druckfestigkeit 1) [MPa]
Mechanische und physikalische Anforderungen
Festigkeits­ Erstarrungs­ Wichtiges Kriterium für die Kennzeichnung von
Anfangsfestigkeit Normfestigkeit ­Ze­men­ten ist die Einteilung in Festigkeitsklassen. Hier­für
klasse beginn 2) 
2 Tage 7 Tage 28 Tage [Min.] werden sowohl die Normfestigkeiten nach 28 Tagen
22,5 3) ≥ 22,5 ≤ 42,5 ≥ 75 als auch die Anfangsfestigkeiten berücksichtigt. Für
4)
jede Klasse der Normfestigkeit 32,5, 42,5 und 52,5 sind
32,5 L ≥ 12
nach DIN EN 197 drei Klassen für die Anfangsfestigkeit
32,5 N ≥ 16 ≥ 32,5 ≤ 52,5 ≥ 75 definiert: eine Klasse L mit niedriger Anfangsfestigkeit,
32,5 R ≥ 10,0 die Klasse N mit normaler und die Klasse R mit hoher
­Anfangsfestigkeit. DIN EN 14 216 kennt darüber hinaus
42,5 L 4) ≥ 16
die Festigkeitsklasse 22,5 (Abb. 1.1.17).
42,5 N ≥ 10,0 ≥ 42,5 ≤ 62,5 ≥ 60
42,5 R ≥ 20,0 Für die einzelnen Festigkeitsklassen sind auch die Zeiten
52,5 L 4) ≥ 10,0 für den Erstarrungsbeginn festgelegt (Abb. 1.1.17).

52,5 N ≥ 20,0 ≥ 52,5 ≥ 45


52,5 R ≥ 30,0
1) Prüfung nac­h DIN EN 196‑1 4) nur
bei Hochofenzementen mit
2) Prüfung nach DIN EN 196‑3 niedriger Anfangsfestigkeit
Abb. 1.1.17  
3) nur bei Sonderzementen nach DIN EN 14 216 Zementfestig­keitsklassen gemäß 
DIN EN 197‑1 und DIN EN 14 216

12 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.1
Zemente
Normbezeichnungen von Zementen
In DIN EN 197‑1 bzw. DIN 1164 sind die Normbezeich­
nungen für Zemente geregelt. Abb. 1.1.18 zeigt Beispiele
zur Systematik und Deutung der Bezeichnungen.

CEM I 42,5 R
Zement Zementart Festigkeits- hohe
gemäß Typ I klasse Anfangs-
DIN EN 197‑1 (Portland­ 42,5 festigkeit
zement)
CEM II / A – S 42,5 R
Zement Zementart enthält Zusatzstoff ist Festigkeits- hohe
gemäß Typ II 6–20 % hochwertiger klasse Anfangs-
DIN EN 197‑1 ­(Portlandkom- Zusatzstoff Hüttensand 42,5 festigkeit
positzement)
CEM II / B – P 42,5 R
Zement Zementart enthält Zusatzstoff Festigkeits- hohe
gemäß Typ II 21–35 % ist natürliches klasse Anfangs-
DIN EN 197‑1 (Portlandkom- Zusatzstoff Puzzolan 42,5 festigkeit
positzement) (z. B. Trass)
CEM III / A 42,5 N NA
Zement Zementart enthält Festigkeits- normale niedriger
gemäß Typ III 36­–65 % klasse Anfangs- wirksamer
DIN EN 197‑1 (Hochofen­ Hüttensand 42,5 festigkeit Alkaligehalt
zement) als Zusatzstoff
CEM III /
B 32,5 N – LH / SR / NA
Zement Zementart enthält Festigkeits- normale niedrige hoher Sulfat- niedriger
Abb. 1.1.18  
gemäß Typ III 66–80 % klasse Anfangs- Hydratations- widerstand wirksamer
DIN EN 197‑1 (Hochofen- Hüttensand 32,5 festigkeit wärme Alkaligehalt Beispiele zur
zement) als Zusatzstoff Bedeutung der
Bezeichnungen

Stoffliche Zusammensetzung der


Hauptbestandteile von Zement
Abb. 1.1.19 zeigt – bezogen auf die wichtigen Haupt­oxide
CaO, SiO2 und Al2O3 + Fe2O3 – die stoffliche Zusammen­
setzung der Hauptbestandteile von Zement.
Abb. 1.1.19  
Portlandzementklinker (K) Dreistoffdiagramm
CaO Kalziumoxid 100 % CaO/SiO2/Al2O3 +
SiO2 Siliziumdioxid 10 90 Hüttensand (granulierte Hochofenschlacke) (S) Fe2O3

Al2O3 Aluminiumoxid 20 80 Silikastaub (D)


Fe2O3 Eisenoxid
30 70 natürliches und
natürliches, getempertes Puzzolan (P, Q)
40 60
%

Kieselsäurereiche
O

SiO

50
Ca

50
Steinkohlenflugasche (V)
%

60 40
Kalkreiche Flugasche (W)
70 30
Gebrannter Schiefer (T)
80 20
Kalkstein (L, LL)
90 10

100%
10 20 30 40 50 60 70 80 90 100%
% AI 2 O 3 + Fe 2 O 3

Holcim Betonpraxis 13
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.1

Zemente
Prüfung von Zementqualität Werkseigene Produktionskontrolle
und Normkonformität Bei allen Produktionsschritten der Zementherstellung,
Ein dreigliedriges Qualitätsmanagementsystem vom Steinbruch bis zum Zementversand, werden Mate­
­garantiert Qualität und Normkonformität der rialproben entnommen und analysiert. Eine lückenlose
Holcim Zemente: Produktionsüberwachung sichert eine gleichmäßig
••interne Überwachungsprüfung hohe Zementqualität. Durch statistische Auswertung
(werkseigene Produktionskontrolle) der Prüfresultate von den Zementversandproben muss
••funktionsfähiges und der Nachweis der Normerfüllung nach DIN EN 197‑1
zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem laufend erbracht werden. Die DIN EN 196 beschreibt
••Fremdüberwachung. die Prüfverfahren für Zement und die DIN EN 197‑2 die
Konformitäts­bewertung.

Abb. 1.1.20  
EG-Konformitäts­ Qualitätsmanagementsystem
zeichen Unsere Zementwerke verfügen über ein Qualitäts‑
managementsystem und sind nach der Normenserie
ISO 9000 zertifiziert.
So wird sichergestellt, dass alle Arbeitsabläufe optimiert,
rückverfolgbar und nachvollziehbar sind.

Fremdüberwachung
Eine in DIN EN 197‑2 geregelte und von einer für die
Abb. 1.1.21  
Ü­-Zeichen Zementprüfung akkreditierten Prüfstelle durchgeführte
Fremdüberwachung ergänzt die Eigenüberwachung.

Zertifizierter Zement
Zemente, die die Konformitätsbewertung nach
DIN EN 197‑2 erfüllen, erhalten von einer neutralen
Zertifizierungsstelle ein Konformitätszertifikat und
Abb. 1.1.22   müssen mit dem EG-Konformitätszeichen gekenn‑
­ ilofahrzeug
S zeichnet werden (Abb. 1.1.20). Der Hersteller erstellt eine
für den Leistungs­erklärung für das Produkt.
­Zementtransport

Zemente nach DIN 1164 erhalten als Konformitäts­


nachweis ein Übereinstimmungszertifikat und werden
mit dem Ü-Zeichen versehen (Abb. 1.1.21).

14 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.1
Zemente
Für die Herstellung von Beton sind weitere Zementart Dichte Schüttdichte [kg/dm3]
­Eigenschaften des Zements von Bedeutung. [kg/dm3] lose eingefüllt eingerüttelt

Dichte Portlandzement ≈ 3.1


Die Dichte, auch Reindichte genannt, ist die Masse eines Hochofen-, ­Portlandhütten-
Stoffes bezogen auf sein hohlraumfreies Volumen. Diese Portlandschiefer-, ≈ 3.0 0.9 1.6
Eigenschaft wird benötigt, um die Zementeinwaage für ­Portlandkalksteinzement bis bis
die Herstellung eines bestimmten Betons zu berechnen 1.2 1.9
Portlandpuzzolanzement,
(siehe Kap. 2.5 «Stoffraumrechnung»). ≈ 2.9
Portlandflugaschezement
Wenn ein körniger Stoff als Haufwerk geschüttet wird,
spricht man hingegen von der Schüttdichte. Sie wird aus Portlandzement -SR ≈ 3.2
dem Verhältnis der Masse der Schüttung zu einem ge‑
Abb. 1.1.23  
normten Schüttvolumen ermittelt. Die Schüttdichte kann Beispiele zur
in lose eingefülltem oder in verdichtetem Zustand geprüft Hydratation des Zements Bedeutung der
werden. Richtwerte für die Dichte und Schüttdichte von Wird Zement mit Wasser gemischt, erfolgt eine Bezeichnungen

Normalzementen sind in Abb. 1.1.23 aufgeführt. chemische Reaktion. Man nennt dies die Hydratation
des Zements. Sie ist mit erheblicher Wärmeentwicklung,
Farbe der sogenannten Hydratationswärme, verbunden
Die Farbe eines Zements ist nicht normiert und ist (Abb. 1.1.24). Die Hydratationsreaktion führt zum
zumindest bei Grauzement kein ­Qualitätsmerkmal. Erstarren des Zementleims und mit fortschreitender
Bei Weißzementen ist der Weißheitsgrad eine ­Erhärtung zur Bildung von Zementstein.
charakteristische Eigenschaft. Die Farbe hängt z. B.
von den verwendeten Rohstoffen, der Z ­ ementart,
55 300
Temperatur [°C]

Hydratationswärme [J/g]
der Mahlfeinheit und dem Herstellverfahren ab.
Schwankungen im Grauton der Zemente sind unvermeid‑ Hydratationswärme
50
lich. Sie sind jedoch bei Zementen desselben Lieferwerks
und der gleichen Festigkeitsklasse klein. Weit größere Aus‑ 45
200
wirkung auf die Farbe des Betons haben z. B. die Beton‑
40
zusammensetzung und ­-verarbeitung, die Konsistenz Temperatur
der Probe
sowie das Schalungsmaterial und die Verdichtungsart 35
(siehe Kap. 2 «Beton – Grundlagen und Anforderungen»). 100
30 Abb. 1.1.24  
Verlauf von
Zementtemperatur 25 Temperatur und
Die Zementherstellung, insbesondere die Zementmahlung, Temperatur der Referenzprobe Hydratations­
20 0 wärme eines
ist ein energieaufwendiger Prozess. Dabei erwärmt sich
1 2 3 4 5 CEM I 42,5 N im
der feingemahlene Zement auf bis zu 120 °C und wird Zeit [Tage] Versuch nach
anschließend auf ca. 60 °C abgekühlt. Die Zement‑ Langavant
temperatur hat nur geringfügigen Einfluss auf die Frisch­
betontemperatur und damit auf die Hydratations- und
Festigkeitsentwicklung des Betons (siehe Kap. 2 «Beton – Durch die Zementhydratation entstehen im Wesent­
Grundlagen und Anforderungen»). Eine Erhöhung der lichen zwei neue mineralische Stoffe (Abb. 1.1.25):
Zementtemperatur um 10 °C bewirkt eine Erhöhung der ••kleine nadelförmige Gebilde aus Kalziumsilikathydraten
Frischbetontemperatur um 1 °C. Für spezielle Anwendungen (CSH-Phasen) von leicht schwankender Zusammen‑
kann eine Begrenzung der Z­ ementtemperatur sinnvoll sein. setzung, die sich miteinander verfilzen und damit ein
dichtes Gefüge ­von hoher Festigkeit bilden
Vermischbarkeit im Betonwerk ••große plattige Kalziumhydroxidkristalle – Ca(OH)2 –, die
Zemente sollten nicht miteinander vermischt werden. keinen Beitrag zur Festig­keit erbringen, jedoch infolge
Jeder Zement ist für sich hinsichtlich seines Erstarrungs‑ ihrer hohen alkalischen Wirkung die Bewehrung vor
verhaltens und seiner Festigkeitsentwicklung optimiert. Korrosion schützen.
Ist für besondere Anwendungen ein Mischen von
Zementen technisch und wirtschaftlich sinnvoll, muss die
Eignung der Mischung durch eine Erstprüfung am Beton
nachgewiesen werden. Im Übrigen gilt, dass jeder zu‑
gemischte Zement für die festgelegte Expositionsklasse
des Betons zugelassen sein muss.

Holcim Betonpraxis 15
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.1

Zemente
Die beiden Reaktionsprodukte der Zementhydra­tation Gemäß der europäischen REACH-Verordnung (EG)
wirken sich wie folgt aus: Nr. 1902/2006 müssen in Deutschland alle Zemente
CSH + Betonfestigkeit chromat­arm hergestellt werden, d. h. mit einem
+ Dichtigkeit Maximal­gehalt von löslichem Chromat (Cr(VI)) von
+ Betondauerhaftigkeit 2 ppm. Die Einhaltung des Grenzwerts wird im Zement‑
Ca(OH)2 + Bewehrungsschutz gegen Korrosion (pH > 12) werk durch Zugabe eines Reduktionsmittels gewähr‑
– Wasserlöslichkeit leistet. Die Wirksamkeit der Chromreduktionsmittel ist
– Kalkausblühungen jedoch zeitlich begrenzt. Die Holcim (Deutschland) GmbH
Abb. 1.1.25  
Zementstein unter – Reaktionspartner bei Sulfatangriff und gibt für ihre Zemente eine Dauer von zwei bzw. sechs
dem Raster­elek­­t­ro­ Alkali-Kieselsäure-Reaktion. Monaten an, in der das Reduktionsmittel wirksam
nen­mikroskop ist, vorausgesetzt der Zement wird trocken und sach‑
(weißer Strich als
Vergleichsmaß­stab gerecht ­gelagert.
= 0,005 mm) Zementlagerung und Haltbarkeit
Zement nimmt bei längerer und/oder ungeschützter
Lagerung Feuchtigkeit auf, was zur Klumpen­bil­dung und Sicherer Umgang mit Zement
einer Minderung des Erhär­tungs­vermö­gens führt. Lassen Gemäß der europäischen CLP-Verordnung (EG)
sich die Klumpen noch zwischen den Fingern zer­drücken, Nr. 1272/2008 ist Zement als Gefahrstoff eingestuft und
ist die Festig­keitsmin­de­rung vernachlässigbar klein. ist mit entsprechenden Gefahrenkennzeichnungen und
In Säcken lässt sich Zement nur eine beschränkte Zeit -hinweisen zu versehen (Abb. 1.1.27). Alle I­ nformationen
lagern. Sackzement lagert man am besten in trockenen für den sicheren Umgang mit Zement können dem
Gebäuden. Vorübergehend im Freien gestapelter Sack­ Sicherheitsdatenblatt entnommen werden
zement muss auf einer belüfteten Kant­holz­unter­lage (www.holcim.de/de/sicherheitsdatenblaetter.html).
gelagert werden (Abb. 1.1.26). Abdeckfolien dürfen
die Z
­ ement­säcke nicht un­mit­telbar berühren, da bei Zement ist ein hydraulisches Bindemittel. Bei
Kondens­­wasse­r­bildung die Säcke feucht werden. Feuchtigkeits- oder Wasserzutritt kommt es zu einer
alkalischen Reaktion. Die Berührung mit der Haut soll
Abb. 1.1.26   nach Möglichkeit vermieden werden, ebenso das Ein‑
Sacklagerung im atmen von Zementstaub. Gelangt Zement ins Auge, muss
Abdeck-
Freien
plane es sofort gründlich mit Wasser ausgespült werden. Im
oder -folie Notfall ist der Arzt zu konsultieren.
Plane
gegen
Wegfliegen
sichern

Abb. 1.1.27  
Gefahrenkenn­
Kanthölzer
zeichnung und
Sicherheits­
hinweise

Zement, chromatarm
Enthält Portlandzementklinker (EC: 266‑043‑4; CAS: 65997‑15‑1)
und Flue Dust aus Zementklinkerherstellung (EC: 270‑659‑9; CAS: 68475‑76‑3)
GEFAHRENHINWEISE
Verursacht schwere Augenschäden.
Verursacht Hautreizungen.
Kann die Atemwege reizen.

SICHERHEITSRATSCHLÄGE
Schutzhandschuhe/Schutzkleidung/Augenschutz tragen.
BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser
ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen.
Weiter ausspülen. Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.
BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: Mit viel Wasser und Seife waschen. Bei Haut‑
reizung oder ‑ausschlag: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.
Einatmen von Staub vermeiden.
BEI EINATMEN: Die betroffene Person an die frische Luft bringen und in einer
Position ruhigstellen, die das Atmen erleichtert.
Bei Unwohlsein GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.
Holcim (Deutschland) AG Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.
Willy‑Brandt‑Straße 69 Inhalt/Behälter zu geeigneten Abfallsammelpunkten bringen.
20457 Hamburg
Tel.: 040 36002 ‑ 0 Lose Ware: Bei sachgerechtem Transport‑, Förder und Lagerungsbedingungen 2
Fax: 040 362450 Monate ab Lieferscheindatum chromatarm. Gesackte Ware. Siehe Sack‑Aufdruck.

16 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.1
Zemente
Hochofenzement
CEM III/A 32,5 CEM III/A 42,5 CEM III/A 52,5 CEM III/B 32,5 CEM III/B 42,5
Duo 3 Duo 4 Duo 5 Aqua 3 Aqua 4
N N-LH/NA N N-NA N-LH/NA N N-SR/NA N-LH/SR/NA L-LH/SR/NA N-LH/SR/NA
Eigenschaften

Festigkeits­ langsam ● ● ● ● ● ●
entwicklung
normal ● ● ● ●

schnell

sehr schnell

hohe Nacherhärtung ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

niedrige Hydratationswärme ● ● ● ● ●

hoher Sulfatwiderstand ● ● ● ●

niedriger wirksamer Alkaligehalt ● ● ● ● ● ● ●

helle Farbgebung ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●

dunkle Farbgebung

verminderte Ausblühneigung

Anwendungsbereich

Transportbeton ● ● ● ● ● ● ● ●

Beton bei kühler Witterung

Beton bei höheren Temperaturen ● ● ● ● ● ● ● ●

Frühhochfester Beton

Beton für massige Bauteile ● ● ● ● ●

Sichtbeton ● ● ●

Fahrbahndecken ● ●

Industriefußböden ● ●

Sulfatangriff (XA2,XA3) ● ● ● ●

Alkaliempfindliche Gesteinskörnung ● ● ● ● ● ● ●

Betonfertigteile/Sichtbeton ● ●

Betonwaren ● ● ● ●

Rohre und Schachtteile ● ● ● ● ● ●

Porenbeton

Estrich ● ●

Putz- und Mauermörtel

Einpressmörtel

Mörtel für dunkle Fugen

Abb. 1.1.28  Eigenschaften und Anwendungsbereiche der Holcim Hochofenzemente

Holcim Betonpraxis 17
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.1

Zemente
Portlandhüttenzement Portlandpuzzolanzement
CEM II/A-S CEM II/B-S CEM II/B-P
Ferro 4 R Ferro 5 R Ferro 3 R Ferro 4 N Trass
42,5 R 52,5 R 32,5 R 32,5 R-NA 42,5 N 42,5 N-NA 32,5 R
Eigenschaften

langsam

normal ● ● ● ● ●
Festigkeits­
entwicklung schnell ●

sehr schnell ●

hohe Nacherhärtung

niedrige Hydratationswärme

hoher Sulfatwiderstand

niedriger wirksamer Alkaligehalt ● ●

helle Farbgebung

dunkle Farbgebung

verminderte Ausblühneigung ●

Anwendungsbereich

Transportbeton ● ● ● ● ●

Beton bei kühler Witterung ● ●

Beton bei höheren Temperaturen

Frühhochfester Beton ● ●

Beton für massige Bauteile

Sichtbeton ● ● ●

Fahrbahndecken ● ● ● ● ●

Industriefußböden ● ● ● ● ●

Sulfatangriff (XA2,XA3)

Alkaliempfindliche Gesteinskörnung ● ●

Betonfertigteile/Sichtbeton ● ●

Betonwaren ● ● ● ●

Rohre und Schachtteile

Porenbeton

Estrich ● ● ● ● ●

Putz- und Mauermörtel ● ● ● ● ●

Einpressmörtel

Mörtel für dunkle Fugen

Abb. 1.1.29  Eigenschaften und Anwendungsbereiche der Portlandzemente von Holcim

18 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.1
Zemente
Portlandzement
CEM I
Pur 4 Pur 5 Sulfo 5
42,5 N 42,5 N-NA 42,5 R 42,5 R-NA 52,5 N 52,5 R 52,5 R-NA 52,5 R-SR3/NA
Eigenschaften

langsam

normal ● ●
Festigkeits­
entwicklung schnell ● ● ● ●

sehr schnell ● ●

hohe Nacherhärtung

niedrige Hydratationswärme

hoher Sulfatwiderstand ●

niedriger wirksamer Alkaligehalt ● ● ● ●

helle Farbgebung

dunkle Farbgebung ●

verminderte Ausblühneigung

Anwendungsbereich

Transportbeton ● ● ● ●

Beton bei kühler Witterung ● ● ● ● ● ●

Beton bei höheren Temperaturen

Frühhochfester Beton ● ● ● ● ● ●

Beton für massige Bauteile

Sichtbeton ● ●

Fahrbahndecken ● ● ● ●

Industriefußböden ● ●

Sulfatangriff (XA2,XA3) ●

Alkaliempfindliche Gesteinskörnung ● ● ●

Betonfertigteile/Sichtbeton ● ● ● ● ●

Betonwaren ● ● ●

Rohre und Schachtteile ●

Porenbeton ● ● ● ● ● ● ●

Estrich ● ● ● ●

Putz- und Mauermörtel ● ●

Einpressmörtel ●

Mörtel für dunkle Fugen ●

Abb. 1.1.30  Eigenschaften und Anwendungsbereiche der Portlandzemente von Holcim

Holcim Betonpraxis 19
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.2

Wasser
2.1

Allgemeines Anforderungen an das Zugabewasser


Zur Hydratation des Zements wird Wasser benötigt. Für Das Zugabewasser zur Herstellung von Beton muss den
die Festigkeit des Festbetons ist der sogenannte Wasser­ Vorgaben der DIN EN 1008 entsprechen. Als Zugabe­
zementwert, das Verhältnis von Wasser zu Zement, ent‑ wasser ist das in der Natur vorkom­mende Wasser
scheidend. Der auf den Wasserzementwert anrechenbare ­geeignet (Abb. 1.2.1), sofern es nicht erhebliche Mengen
Wassergehalt setzt sich zusammen aus: an Stoffen enthält, die
••dem Zugabewasser ••das Erhärten des Betons verzögern oder verhindern
••der Oberflächenfeuchte der Gesteinskörnung (z. B. Zucker, Humussäuren)
••gegebenenfalls dem Wasseranteil der Zusatz­mittel und ••unkontrolliert Luftporen einführen und da­durch die
Zusatzstoffe (Silikastaub-, Pigment­sus­pen­sionen usw.). Festigkeit des Betons mindern (z. B. Algen, Öle, Fette,
Schwebstoffe, verschiedene anorganische Salze)
Neben den zu erzielenden Festbetoneigenschaften muss ••zur Korrosion der Bewehrung führen.
der Frischbeton auch gut verarbeitbar sein. Die Kon­
sis­tenz kann dabei durch den Wassergehalt gesteuert Das Zugabewasser soll klar, farb- und geruchlos sein und
werden. beim Schütteln keinen bleibenden Schaum bilden. Die
Gehalte an betonschädigenden Stoffen wie ­Chloride,
In hochwertigen Betonzusammensetzungen kommen ­Sulfate, Alkalien oder organische Verun­reinigungen
heute in der Regel verflüssigende Betonzusatzmittel dürfen normativ festgelegte Grenzen nicht überschreiten
zum Einsatz. Diese ermöglichen die unabhängige Beein­ und müssen gegebenenfalls ermittelt werden.
flussung von Frisch- und Festbetoneigenschaften in
gewissen Grenzen (siehe Kap. 1.4 «Zusatzmittel»). Viele betonschädliche Stoffe sind im Zugabe­wasser
harmloser als in Wasser, das später auf erhärte­ten Beton
einwirkt. Sulfat- und kohlen­säure­haltige Wässer gelten
Abb. 1.2.1   beispiels­weise als be­ton­aggressiv, d. h., Fest­beton kann
Zugabewasser aus von außen her ge­schä­digt oder zerstört werden. 

der Trinkwasser­
versorgung Als Zugabewasser können sie sich aber durchaus eignen.

20 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.2
Wasser
Restwasser Einschränkend gilt gemäß DIN 1045‑2:
Als geeignet gilt auch Restwasser aus der Beton‑ ••Die Verwendung von Restwasser ist nur möglich für
herstellung (Abb. 1.2.2). Beton bis einschließlich Festigkeitsklasse C 50/60 oder
LC 50/55.
Es darf als Zugabewasser für unbewehrten, bewehrten ••Für die Herstellung von hochfestem Beton und Luft­
und vorgespannten Beton verwendet werden, wenn die porenbeton darf Restwasser nicht verwendet werden.
folgenden Anforderungen nach DIN EN 1008 erfüllt sind:
••Die zusätzliche Menge von Feinstoffen, die bei der Die Verwendung von Restwasser für die Herstellung von
Verwendung von Restwasser erzielt wird, muss weniger Beton nach ZTV-ING ist ebenfalls nicht erlaubt.
als ein Prozent der Gesamtgewichtsmenge der in der
Mischung enthaltenen Gesteinskörnung betragen.
••Der mögliche Einfluss des Restwassers muss bei be‑
sonderen Anforderungen an den Beton, wie z. B. bei
Sichtbeton, Spannbeton, Luftporenbeton, selbstver‑
dichtendem Beton, aggressiven Umgebungseinflüssen
ausgesetztem Beton usw., berücksichtigt werden. In
der Praxis wird Restwasser bei diesen Betonen nicht
verwendet.
••Die Menge des verwendeten Restwassers muss mög‑
lichst gleichmäßig über eine Tagesproduktion verteilt
werden.

Abb. 1.2.2  
Recyclinganlage
mit Auswasch­
schnecke. 
Schematische
Darstellung und
Außenaufnahme

1 Beton-Auswaschschnecke
2 Schneckensteuerung
3 Feststoffaustrag (Sand/Kies)
4 Überlauf für Feinstoff-Wassergemisch
5 Aufgabetrichter
6 Betonbecken
7 Wirbeleinrichtung
8 Leitung zur Wasserwaage im Mischturm
9 Leitung zum Waschgalgen für Fahrmischer
10 Spülleitung für Schneckentrichter
11 Frischwasserzufuhr
12 Niveauschalter für Frischwasserzufuhr

Holcim Betonpraxis 21
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.3

Gesteinskörnung
3.1

Allgemeines
Unter Gesteinskörnung versteht man in der Regel ein Die Anforderungen an Gesteinskörnung sind in
Ge­misch aus Sand und Kies unterschiedlicher Korn­größe. DIN EN 12 620 geregelt. Ihre Verwendung für die Her‑
Das Gemisch aus den einzelnen Korngrup­pen bildet das stellung von Beton regelt DIN EN 206-1 bzw. DIN 1045‑2.
Gerüst des Betons und sollte möglichst hohlraumarm Rezyklierte Gesteinskörnung nach DIN 4226‑100 darf
aufgebaut sein. Eine qualitativ gute Gesteinskörnung gemäß der DAfStb-Richtlinie «Beton nach DIN EN 206-1
hat gegen­über der umgebenden Zementsteinmatrix und DIN 1045‑2 mit rezyklierten Gesteinskörnungen nach
­verschiedene Vorteile: DIN EN 12 620» verwendet werden. Seit 2008 müssen
••höhere Festigkeit Gesteinskörnungen nach der Alkali-Richtlinie des DAfStb
••höhere Dauerhaftigkeit in Alkaliempfindlichkeitsklassen eingeteilt werden (siehe
••keine Volumenveränderung infolge Feuchtigkeit, somit auch S. 30– 32).
Reduktion des Schwindmaßes im Beton
••Aufnahme von Hydratationswärme und damit dämp­
fende Wirkung auf den Erhärtungsprozess.

Abb. 1.3.1  
DIN EN 12 620 Zusätzliche, in der «Betonpraxis» verwendete Begriffe
Terminologie
nach Norm sowie Gesteinskörnung
zusätzliche, in der
«Beton­praxis» Feine Gesteinskörnung (D ≤ 4 mm) Sand, Brechsand
verwen­dete
Begriffe
Grobe Gesteinskörnung (D > 4 mm) Kies, Splitt
Recycling-Gesteinskörnung Granulat
Feinanteile (D ≤ 0,063 mm)
Mehlkornanteil (D ≤ 0,125 mm)
Korngruppe d/D (z. B. 4/8)
Korngemisch (z. B. 0/32)
Kornzusammensetzung
D  Sieblochweite des oberen Begrenzungssiebs der Korngruppe in mm
d  Sieblochweite des unteren Begrenzungssiebs der Korngruppe in mm

Eigenschaften
Die wichtigsten Eigenschaften der Gesteinskör­nung sind:
••Kornzusammensetzung
••Druckfestigkeit, Kornform und
­Oberflächenbeschaffen­heit
••Sauberkeit
••Rohdichte, Schüttdichte (Raumgewicht) und
­Feuch­tig­keitsgehalt.

Abb. 1.3.2  
Kies- und Sandgewinnung aus
natürlichen Vorkommen

22 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.3
Gesteinskörnung
Kornzusammensetzung
Die Anforderungen an die Kornzusammensetzung und
die wichtigsten Eigenschaften von Gesteinskörnung sind
in DIN EN 12 620 und DIN V 20 000‑103 enthalten.
Die Kornzusammensetzung einer Gesteinskör­nung ist
bestimmend für die Packungsdichte (den Hohl­raum­
anteil) des Korngerüsts. Zusammen mit der Oberflä­chen­
beschaf­fen­heit, der spezifischen Oberfläche und der
Kornform der Einzelkörner ist die Kornzusam­men­setzung
maßgebend für den Wasser- bzw. Zementleimbedarf und
die Verarbeit­barkeit des Betons verantwortlich.
Der Kornaufbau eines Korngemischs wird vom Mengen­ Abb. 1.3.3   Abb. 1.3.4  
Schlecht abgestuftes Korngemisch Gut abgestuftes Korngemisch:
verhältnis der einzelnen Korngruppen bestimmt
mit zu vielen groben Gesteinskörnern:  genügend Zementleim, um alle 
(Abb. 1.3.3 bis Abb. 1.3.5). Durch Aus­sieben des Gemischs Der Zementleim vermag die verbleibenden Körner zu umhüllen und die 
mit genormten Maschensieben verbleibt auf jedem Sieb Hohlräume nicht auszufüllen Hohlräume auszufüllen
ein bestimmter Rück­stand in M.-%. Maßgebend ist die
Abb. 1.3.5  
volumetrische Vertei­lung der Durchgänge mit ihren ver‑ Schlecht abgestuftes Korngemisch
schiedenen Korndurch­messern. Da aber weitest­gehend mit zu vielen feinen Gesteinskörnern:
alle Korngruppen einer Ges­teins­körnung annä­hernd beansprucht viel Zementleim oder zu viel
Zugabewasser (starkes Bluten)
gleiche Roh­dichten aufweisen, ist die übliche Darstellung
in Massen­pro­zenten bei der An­gabe der Kornzusam­men­
setzung ausreichend.
Die verbindlichen Begrenzungssiebe für die Bezeich­nung
der Korn­gruppen (Grund- und Ergän­zungs­sieb­satz 1) Abb. 1.3.6  
und der Prüfsieb­satz zur Bestim­mung der Korn­ Begrenzungs- und
Prüfsiebe gemäß
zusammensetzung sind in Abb. 1.3.6 dargestellt.
DIN EN 12620

Maschensiebe Quadratlochsiebe 
[mm Lochweite] [mm Lochweite]
0,125 0,25 0,50 1 2 4 8 16 32 63
Ergänzungssiebsatz 1,
5,6 11,2 22,4 45
Nennbezeichnung (5), (11), (22) 

Ergänzungssiebsatz 2: 6,3 10 12,5 14 20 40

Geometrische Anforderungen
Geometrische Anforderungen werden an die Korn‑
zusammensetzung, die Feinteile und die Kornform
gestellt. Zur Prüfung der Korngröße werden Gesteins‑ Überkorn
körnungsproben auf festgelegten Sieben getrennt.
Die Kornzusammensetzung («Sieblinie») entspricht dem 8 mm Sieb 8 mm Sieb
Rückstand 0% Rückstand z.B. 9%
Mengenverhältnis von einzelnen Kornanteilen einer
Durchgang 100% Durchgang 91%
Korngruppe. Durch Aussieben der Korngruppe mit einem
Prüfsiebsatz verbleiben auf jedem Sieb Rückstände, die
in Form einer Kornzusammensetzung, einer sogenannten
4 mm Sieb 4 mm Sieb
Sieblinie, in Massen-% dargestellt werden. Die Differenz Rückstand 100% Rückstand z.B. 84%
benachbarter Siebe ist der Kornanteil. In der Auffang‑ Durchgang 0% Durchgang 7%
schale verbleibt der Anteil der Gesteinskörnung, der durch Korngruppe 4/8 Korngruppe 4/8

das 0,063-mm-Sieb hindurchfällt. Dies sind Feinteile. Unterkorn


Der Anteil der Absiebung einer Korngruppe, der größer ist
als die obere Siebgröße, wird Überkorn genannt und der Abb. 1.3.7  
Anteil, der kleiner ist als die der unteren Siebgröße, wird Korngruppe 4/8 mm ohne Über- und Unterkorn (links) und mit Über- und Unterkorn (rechts)
Unterkorn genannt.

Holcim Betonpraxis 23
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.3

Gesteinskörnung
Druckfestigkeit, Kornform und Oberflächen­ Poröses und zu weiches Material beeinträchtigt die
beschaffenheit Qualität des Betons. Die Kornform (Abb. 1.3.8), aber auch
Die Praxis hat gezeigt, dass Korngemische mit aus­ die Kornabstufung und die Ober­flächen­be­schaf­fenheit
schließlich gebrochenen Korngruppen ebenso wie Rund‑ bestimmen im Wesent­lichen den Zementleimbedarf und
korn einsetzbar sind. Gebrochene Gesteins­körnungen die Verdicht­­barkeit des Betons.
können z. B. die Druck-, Zug- und Abrieb­festigkeit
des ­Betons verbessern, jedoch seine Verarbeitungs‑
eigenschaften beeinträchtigen. Dem kann mit einer
entsprechen­den Anpassung des Zementleimvolumens
entgegengewirkt werden.
Abb. 1.3.8  
Kornformen  natürlich gebrochen
und ihre
Eigenschaften
nicht kugelig nicht kubisch
Kornform kugelig kubisch
(stengelig/plattig) (stengelig/plattig)

Kantigkeit rund kantig

Oberflächen­
glatt rau
rauigkeit

Kornoberfläche
zunehmend
Wasserbedarf

Verarbeitbarkeit
abnehmend
Verdichtbarkeit

Sauberkeit Rohdichte, Schüttdichte (Raumgewicht) und


Verunreinigte Gesteinskörnungen vermindern die Beton‑ Feuchtigkeitsgehalt
qualität. So kann das Erhärtungsverhalten gestört und Die Ursprungsmineralien und die Porigkeit der Gesteins­
der Frostwiderstand gemindert werden. Aus diesem körnung bestimmen deren Rohdichte (Abb. 1.3.10), die zur
Grund wird die Gesteinskörnung bei der Aufbereitung Stoff­raum­rechnung benötigt wird. Die Schüttdichte ist
gewaschen (Abb. 1.3.9). die Masse von lose ge­schüttetem Material pro Volumen‑
einheit.

Der Feuchtigkeits­ge­halt setzt sich aus der Ober­flächen-


und Kernfeuchte zu­sam­men, wobei die Kernfeuchte bei
der Betonherstellung in der Regel eine vernachlässigbare
Rolle spielt, sodass der Feuchtigkeitsgehalt mit dem
Oberflächenwasser gleichgesetzt werden kann. Während
der Feuch­tig­keitsgehalt einer groben Gesteinskörnung
bis zu drei Massenprozente betragen kann, liegt die
Abb. 1.3.9  
Aussieben und Sand­feuch­tigkeit in der Regel bei vier bis acht Massen­
Waschen von prozenten.
Gesteinskörnern in
einem Kieswerk

24 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.3
Gesteinskörnung
Abb. 1.3.10  
Gesteinskörnung Rohdichte [kg/m3] Gesteinskörnungsart Anwendung
Unterteilung der
Regelgesteinskörnung ~ 2550–2800 Fluss- oder Gletscherablagerungen, Bewehrter und unbewehrter Gesteinskörnung
nach ihrer
gebrochene Gesteine Beton, Betonwaren
­Rohdichte
Schwere Gesteinskörnung ≥ 3000 Baryt (Schwerspat), Eisenerz, Beton für Strahlenschutz,
Hämatit, Stahlgranulat Schwerbeton
Leichte Gesteinskörnung ≤ 2000 Blähton, Bims, Leichtbeton, Isolierbeton,
(DIN EN 13 055‑1) Blähschiefer, Blähglas Überbeton
Harte Gesteinskörnung ≥ 2500 Quarz, Korund, Hartbetonbeläge,
Siliziumkarbid abriebfester Beton,
­Hartstoffestrich
Rezyklierte Gesteinskörnung > 2000 Betonsplitt, -brechsand Recyclingbeton
Bauwerksplitt, -brechsand

Der Feuchtigkeitsgehalt ist in der Stoffraumberech­nung Abb. 1.3.11  


Aufgabetrichter
bei der Gesteins­kör­nung und beim Zugabewasser zu
der Gesteins­­
­berücksichtigen. körnungen für
den Elevator im
Betonwerk

Definitionen nach DIN EN 12 620 Bezeichnung Definition Beispiele


Bei den Gesteinskörnungen wird zwischen feinen (Sand, Feine Gesteinskörnung D ≤ 4 mm 0/1
Brechsand) und groben (Kies, Splitt) Gesteins­körnungen (Sand, Brechsand) und d = 0 0/2
sowie Kornge­mischen unterschieden, wie in Abb. 1.3.12 0/4
zusammengestellt.
Grobe Gesteinskörnung D ≥ 4 mm eng gestuft 2/8
(Kies, Splitt) d ≥ 2 mm D/d ≤ 2 oder 8/16
D ≤ 11, 2 mm 16/32
weit gestuft 4/32
D/d > 2 und
D > 11,2 mm
Korngemisch D ≤ 45 mm 0/32
und d = 0

Abb. 1.3.12  
Definition und Beispiele für die Begriffe «feine Gesteinskörnung»
(Sand, Brechsand), «grobe Gesteinskörnung» (Kies, Splitt) und
«Korngemisch»

Holcim Betonpraxis 25
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.3

Gesteinskörnung
Feine Gesteinskörnungen (Sand, Brechsand) an und müssen diese mit vorgegebenen Grenzab­wei­
Es gibt keine Absolutanforderungen mehr an die Korn­ chun­gen gemäß Abb. 1.3.13 einhalten und dabei den
zusammensetzung. Die Hersteller geben eine mittlere in Abb. 1.3.14 angegebenen Anforderungen der oberen
«charakteristische Kornzusammen­setzung» ihres Sandes ­Sieböffnung D entsprechen.

Sieböffnung Grenzabweichungen für den ≤ 99 %


100

Siebdurchgang [Massen-%]
 Siebdurchgang 
[mm] [Massen-%] ≥ 95 %
80
≥ 85 %
0/4 0/2 0/1
60
4 ±5 – –
40
2 – ±5 –
20
1 ±20 ±20 ±5

0,250 ±20 ±25 ±25 0 D 1,4 D 2D

0,063 ±3 ±5 ±5 Obere Sieböffnung

Abb. 1.3.13   Abb. 1.3.14  
Grenzabweichungen für die vom Her­stel­ler Regelanforderungen an die Kornzusammen­
angegebene typische Korn­zusam­men­­ setzung von Sanden und Brechsanden 
setzung von feinen Gesteins­körnungen für (feine Gesteinskörnungen)
allgemeine Zwecke nach DIN EN 12 620

Grobe Gesteinskörnungen (Kies, Splitt)


≤ 99 %
100 Bei groben Gesteinskörnungen ist zwischen eng ge­
Siebdurchgang [Massen-%]

≥ 98 %
stuften und weit gestuften zu unterscheiden.
80
≥ 85 % ••Bei eng gestuften groben Gesteinskörnungen wird
lediglich eine Anforderung an den zulässigen Über- und
60
Unterkornanteil gestellt.
40 ••Bei weit gestuften groben Gesteinskörnungen sind
≤ 20 %
neben den Anforderungen an den zulässigen Über- und
20 Unterkornanteil auch jene an den Absolut­grenz­wert
≤ 5 %
und die Grenzab­wei­chung für den Siebdurchgang eines
1 1,4 2 2,8 4 5,6 8 11,2 16 22,4 31,5 45 63 zwischen den Begrenzungssieben liegenden mittleren
d/2 d D 1,4 D 2D
Siebs einzuhalten (Abb. 1.3.17).
Sieböffnung [mm]

≤ 99 %
100
Siebdurchgang [Massen-%]

≥ 100 %
≥ 98 %
80
≤ 70 %

60 Abb. 1.3.15  (oben)
Beispiel für eng gestufte (16/32) 
40 grobe Gesteinskörnungen (Kies, Splitt),
Kategorie GC85/20
≤ 15 %
20
≤ 5 % ≥ 25 %

1 1,4 2 2,8 4 5,6 8 11,2 16 22,4 31,5 45 63


Abb. 1.3.16  (unten)
d/2 d D 1,4 D 2D Beispiel für weit gestufte (4/32) 
Sieböffnung [mm] grobe Gesteinskörnungen (Kies, Splitt),
Kategorie GC90/15

26 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.3
Gesteinskörnung
Grenzabweichung für
den von den Herstellern
Mittleres Sieb  Absolutgrenzwerte angegebenen typischen
D/d [mm] [Massen-%] Siebdurchgang
<4 D/1,4 25 bis 70 ± 15

≥4 D/2 25 bis 70 ± 17,5


Abb. 1.3.17  
Wenn das wie angegeben errechnete mittlere Sieb nicht vorhanden ist, muss das Absolutgrenzwerte und Grenzab­weichun­­
gen für den Siebdurchgang durch das
nächstliegende Sieb der Reihe verwendet werden.
­mittlere Sieb für grobe Gesteinskörnungen

Korngemische
Bei Korngemischen handelt es sich um Gemische aus Um eine gleichbleibende Betonqualität einhalten zu
feinen und groben Gesteinskörnungen, die nach geeig­ können, sollte das Betonwerk mit dem Lieferanten einen
neten prozentualen Anteilen zusammengesetzt werden definierten und verbindlich einzuhaltenden Bereich der
und Absolutgrenzwerten genügen müssen (blauer Kornzusammensetzung vereinbaren.
Bereich in Abb. 1.3.18). In der Praxis bewährte Korn­
zusammensetzungen liegen in den rot ge­kenn­zeich­ne­ten
Bereichen der Abb. 1.3.18.

≤ 99 % ≤ 99 % Abb. 1.3.18  


100 100
Korngemische. 
Siebdurchgang [Massen-%]

Siebdurchgang [Massen-%]

≤ 90 % ≥ 98 % ≤ 90 % ≥ 98 %

≥ 90 %
Die Absolut­
≥ 90 %
grenzwerte nach
80 80
DIN EN 12 620 sind
blau, be­währte
≤ 60 %
60
≤ 60 % Kornzusam­­­men­
60
setzungen rot
≥ 50 % ≥ 50 %
gekennzeichnet,
40 40
Kategorie GA90

20 ≥ 20 %
20 ≥ 20 %

0 0
0,125 0,5 2 4 8 16 31,5 63 0,125 0,5 2 4 8 16 31,5
22 45 22 45
D 2D D 2D
Korngemisch 0/32 Sieböffnung [mm] 1,4 D Korngemisch 0/16 Sieböffnung [mm] 1,4 D

Geometrische, physikalische und chemische verschiedene geometrische, physikalische und chemi­sche


Anforderungen Anforderungen gestellt werden. Die Dauerhaftigkeit wird
Die Gesteinskörnung nimmt im Beton den weitaus über mineralogische Prü­fungen nachgewiesen.
größten Volumenanteil ein. Wesentliche Eigenschaften,
wie etwa die Frostwider­stands­fähigkeit, werden deshalb
maßgeblich von den Eigenschaften der verwendeten
Gesteinskörnung beeinflusst. Deshalb können neben
den Anfor­derungen an die Kornzusammen­setzung einer
Gesteinskörnung in Abhängigkeit ihrer Verwen­dung auch

Holcim Betonpraxis 27
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.3

Gesteinskörnung
Korngruppen Die Korngruppe 4–8 mm hat einen wesentlichen Einfluss
Im Allgemeinen werden Gesteinskörnungen in defi­nier­ auf die Verarbeitbarkeit und den Wasser­bedarf. Sie wird
ten Korngruppen hergestellt und verwendet (Abb. 1.3.19). auch als «Sperrkorn» bezeichnet. Ihr ­Anteil im Korn­
gemisch ist möglichst gering zu halten.
Bei der Verwendung von gebrochenen Korn­gruppen muss
die Eignung durch syste­­mati­sche, schlüssige V
­ or­versuche Bei Kornzusammen­set­zungen, in denen einzelne Korn­
nachgewiesen werden. gruppen praktisch ganz oder teilweise fehlen, spricht
man von «Ausfall­körnungen». Die Kornzusam­men­
setzung hat dort einen horizontalen oder nur leicht
anstei­genden Verlauf (Abb. 1.3.20). Durch die Ver‑
wendung von «Ausfallkörnung» können die Verdichtbar‑
keit und Pumpfähigkeit des Betons verbessert werden.

Abb. 1.3.19  
Gebräuchliche
Korngruppen

Beispiele von ­Korngruppen Begriffe nach DIN EN 12 620

≤ 0,063 mm Feinanteile

≤ 0,125 mm Mehlkorn

Natürlich gerundete 
Korngruppen

0 – 4 mm Sand feine Gesteinskörnung

4 – 8 mm Kies

8 – 16 mm Kies
grobe Gesteinskörnung
16 – 32 mm Kies

≥ 32 mm Grobkies
Abb. 1.3.20  
Natürlich gebrochene  Kornzusammensetzung einer
Korngruppen ­Ausfallkörnung

0 – 4 mm Brechsand feine Gesteinskörnung


Ausfallkörnung:
4 – 8 mm Splitt es fehlen 4–8 mm
100
Siebdurchgang [Massen-%]

8 – 16 mm Splitt
grobe Gesteinskörnung
16 – 22 mm Splitt 80

≥ 22 mm Schotter
60
Industriell hergestellte 
Gesteinskörnung/Recycling-Ge­
steinskörnung 40
Betonbrech­sand

0 – 4 mm Mischabbruch­ feine Gesteinskörnung 20


brechsand

Betongranulat 0

grobe Gesteinskörnung
0,125 0,5 2 4 8 16 31,5
> 4 mm Mischabbruch- 22 125
granulat Sieböffnung [mm]

28 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.3
Gesteinskörnung
Vorbeugende Maßnahmen gegen  Zur Vermeidung solcher Schäden gilt in Deutschland
schädigende Alkali­reaktion die DAfStb-Richtlinie «Vorbeugende Maßnahmen gegen
Einige Gesteinskörnungen enthalten alkalireaktive schädigende Alkalireaktion im Beton» (Alkali-Richt­linie).
­Kieselsäure. Diese Gesteinskörnungen können mit dem Mit Wirkung der A2-Änderung wurden die Feuchtig­
im Porenwasser des Betons gelösten Alkalihydroxid keitsklassen aus der Alkali-Richtlinie in die DIN 1045‑2
zu einem Alkalisilikat reagieren. Unter bestimmten übernommen.
Voraussetzungen kann diese Reaktion zu einer Volumen‑
vergrößerung mit anschließender Schädigung des Betons Auf der Grundlage der zu erwartenden Umgebungs‑
führen. Diese Reaktion wird als «Alkali-Kieselsäure-Reak­ bedingungen ist jedes Bauteil einer der vier Feuchtig‑
tion» (AKR) bezeichnet. Ablauf und Ausmaß der Re‑ keitsklassen zuzuordnen (Abb. 1.3.21). Die Feuchtigkeits-
aktion hängen insbesondere von der Art und Menge der und die Expositions­klassen sind dem Betonhersteller
alkaliempfindlichen Gesteinskörnung, ihrer Größe und anzugeben. Daraus ergeben sich eventuell zusätzliche
Verteilung, dem Alkalihydroxidgehalt in der Porenlösung Anfor­derungen an die Gesteinskörnung oder den Zement
sowie den Feuchtigkeits- und Temperaturbedingungen (Abb. 1.3.26 – Abb. 1.3.28).
des erhärteten Betons ab. Eine Alkali-Kieselsäure-Reak­
tion im Beton kann auch erst nach Monaten oder Jahren Bei Drucklegung ist die Alkalirichtlinie in der Ausfertigung
auftreten und zu schwerwiegenden Schäden führen. 2013-10 in der Bauregelliste 2015/1 angekündigt worden.

Abb. 1.3.21  
Klasse Beschreibung der Umgebung Beispiele für die Zuordnung von Expositionsklassen
Feuchtigkeitsklassen

WO Beton, der nach normaler Nachbehandlung •• Innenbauteile des Hochbaus


nicht längere Zeit feucht und nach dem Aus‑
trocknen während der Nutzung weitgehend •• Bauteile, auf die Außenluft, nicht jedoch z. B. Niederschläge,
trocken bleibt Oberflächenwasser, Bodenfeuchte einwirken können und/oder
die nicht ständig einer relativen Luftfeuchte von mehr als 80 %
ausgesetzt werden

WF Beton, der während der Nutzung häufig oder •• Ungeschützte Außenbauteile, die z. B. Niederschlägen,
längere Zeit feucht ist Oberflächenwasser oder Bodenfeuchte ausgesetzt sind

•• Innenbauteile des Hochbaus für Feuchträume, wie z. B.


Hallenbäder, Wäschereien und andere gewerbliche Feuchträume,
in denen die relative Luftfeuchte überwiegend höher als 80 % ist

•• Bauteile mit häufiger Taupunktunterschreitung, wie z. B.


Schornsteine, Wärmeübertragerstationen, Filterkammern und
Viehställe

•• Massige Bauteile gemäß DAfStb-Richtlinie «Massige Bauteile


aus Beton», deren kleinste Abmessung 0,80 m überschreitet
(unabhängig vom Feuchtezutritt)

WA Beton, der zusätzlich zu der Beanspruchung •• Bauteile mit Meerwassereinwirkung


nach Klasse WF häufiger oder langzeitiger
Alkalizufuhr von außen ausgesetzt ist •• Bauteile unter Tausalzeinwirkung ohne zusätzliche hohe
dynamische Beanspruchung (z. B. Spritzwasserbereiche, Fahr- und
Stellflächen in Parkhäusern)

•• Bauteile von Industriebauten und landwirtschaftlichen


Bauwerken (z. B. Güllebehälter) mit Alkalisalzeinwirkung

WS Beton, der hoher dynamischer Beanspruchung •• Bauteile unter Tausalzeinwirkung mit zusätzlicher hoher
und direktem Alkalieintrag ausgesetzt ist dynamischer Beanspruchung (z. B. Betonfahrbahnen)

Holcim Betonpraxis 29
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.3

Gesteinskörnung
Gesteinskörnung für die Herstellung von Beton nach Gesteinskörnungen sind in eine der Alkaliempfindlich‑
EN 206-1 und DIN 1045‑2 muss unabhängig vom keitsklassen einzustufen (siehe Abb. 1.3.22). Diese Klassen
Gewinnungsgebiet bezüglich ihrer Alkalireaktivität reichen von E I (unbedenklich) bis E III (bedenklich). Ohne
beurteilt und gekennzeichnet werden. Die Prüfung, Ein‑ Zerti­f izierung nach Alkali-Richtlinie wird die Gesteins­
stufung und Überwachung wird in der Alkali-Richtlinie körnung in die Alkaliempfindlichkeitsklasse E III ein‑
geregelt. Teil 2 der Richtlinie betrifft Gesteinskörnung gestuft.
aus bestimmten Gewinnungsgebieten in Norddeutsch‑ Auf dem Betonlieferschein sind die Feuchtigkeitsklasse
land (­siehe Abb. 10.7.1). Teil 3 der Richtlinie behandelt und die Alkaliempfindlichkeitsklasse der ­Gesteinskörnung
Gesteinskörnung aus gebrochenem oder rezykliertem anzugeben. Ohne diese Angaben darf der Beton nur für
Gestein. Feuchtigkeitsklasse WO (Innenbauteile) e ­ ingesetzt werden.

Abb. 1.3.22  
Klasse Gesteinskörnungen Beurteilung hinsichtlich AKR
Alkaliempfindlich­
keitsklassen für E I-O unbedenklich
Gesteinskörnung Opalsandstein einschließlich
E II-O bedingt brauchbar
Kieselkreide
E III-O bedenklich
E I-OF unbedenklich
Opalsandstein einschließlich
E II-OF bedingt brauchbar
Kieselkreide und Flint
E III-OF bedenklich

•• gebrochene Grauwacke
E I-S •• gebrochener Quarzporphyr (Rhyolith)
­­­ unbedenklich
•• gebrochener Oberrhein-Kies
•• rezyklierte Körnungen
•• Kies mit > 10 M.-% der vorgenannten Körnungen
E III-S •• andere gebrochene, nicht als unbedenklich eingestufte Gesteinskörnungen bedenklich
•• andere gebrochene Gesteinskörnungen ohne baupraktische Erfahrungen

Für die Einstufung der unterschiedlichen Gesteinskörnungen gelten bestimmte Kriterien (Abb. 1.3.23 – Abb. 1.3.25).

Abb. 1.3.23  
Bestandteile Grenzwerte für die Alkaliempfindlichkeitsklassen [in M.-%]
Kriterien zur
Einstufung von E I-O E II-O E III-O
Gesteinskörnung
mit Opalsandstein Opalsandstein einschließlich Kieselkreide (über 1 mm) 1) ≤ 0,5 ≤ 2,0 > 2,0
einschließlich 1) in den Prüfkornklassen 1 bis 4 mm einschließlich reaktionsfähigem Flint
Kieselkreide

Abb. 1.3.24  
Bestandteile Grenzwerte für die Alkaliempfindlichkeitsklassen [in M.-%]
Kriterien zur
Einstufung von E I-OF E II-OF E III-OF
Gesteinskörnung
Opalsandstein einschließlich Kieselkreide (über 1 mm) 1) ≤ 0,5 ≤ 2,0 > 2,0
mit Opalsandstein
einschließlich
Reaktionsfähiger Flint (über 4 mm) ≤ 3,0 ≤ 10,0 > 10,0
­Kieselkreide und
Flint 5 x Opalsandstein einschließlich Kieselkreide ≤ 4,0 ≤ 15,0 > 15,0
und reaktionsfähiger Flint
1) in den Prüfkornklassen 1 bis 4 mm einschließlich reaktionsfähigem Flint

30 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.3
Gesteinskörnung
Abb. 1.3.25  
Kriterium Alkaliempfindlichkeitsklasse 1)
Kriterium für die
E I-S E III-S Einstufung in die
Alkaliempfindlich­
Grenzwerte 2) für die Dehnung der Betonbalken keitsklassen E I-S
in mm/m2 ≤ 0,6 > 0,6 und E III-S

Rissbildung der Würfel keine Stark 3)


1) Maßgebend ist die jeweils ungünstigere Bewertung.
2) Nach 9 Monaten Nebelkammerlagerung einschließlich Wärme- und Feuchtedehnung.
3) Mit Rissbreiten w ≥ 0,2 mm.

Bei der Verwendung alkaliempfindlicher Gesteinskör­ An Zemente für Betonfahrbahnen (Feuchtigkeits­


nung sind in bestimmten Fällen Maßnahmen zu treffen klasse WS) werden zur Vermeidung von AKR durch die
und Zemente mit niedrigem wirksamem Alkaligehalt TL Beton-StB 07 und des Allgemeinen Rundschreibens
(NA­­-Zemente) einzusetzen (Abb. 1.3.26 ­– Abb. 1.3.28). Straßenbau Nr. 04/2013 spezielle Anforderungen hin‑
sichtlich ihres Alkaligehaltes gestellt (Abb. 1.3.29).
Die Feuchtigkeitsklasse WS ist in der Alkalirichtlinie nicht
geregelt.

Abb. 1.3.26  
Alkali- Feuchtigkeitsklasse
Vorbeugende
empfindlichkeits- WO WF WA WS Maßnahmen für
klasse Beton mit einem
Zementgehalt
E I-O keine keine keine Zemente mit z ≤ 330 kg/m3
begrenztem Alkaligehalt 1)
(Fahrbahndeckenzement)
E II-O keine keine NA-Zement Austausch der
­Gesteinskörnung
E III-O keine NA-Zement Austausch der Austausch der
­Gesteinskörnung ­Gesteinskörnung
1) siehe Abb. 1.3.29

Abb. 1.3.27  
Alkali- Feuchtigkeitsklasse
Vorbeugende
empfindlichkeits- WO WF WA WS Maßnahmen für
klasse Beton mit einem
Zementgehalt 
E I-OF keine keine keine Zemente mit z > 330 kg/m3
begrenztem Alkaligehalt 1)
(Fahrbahndeckenzement)
E II-OF keine NA-Zement NA-Zement Austausch der
­Gesteinskörnung
E III-OF keine NA-Zement Austausch der Austausch der
­Gesteinskörnung ­Gesteinskörnung
1) siehe Abb. 1.3.29

Holcim Betonpraxis 31
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.3

Gesteinskörnung
Abb. 1.3.28  
Alkali­empfind­ Zementgehalt Feuchtigkeitsklasse
Vorbeugende
­Maßnahmen für lich­keits­klasse
Beton bei Alkali­ [kg/m3] WO WF WA WS
empfindlichkeits­
klassen  E I-S ohne Festlegung keine keine keine Zemente mit
E I-S bis E III-S begrenztem Alkaligehalt
(Fahrbahndeckenzement)
z ≤ 300 keine keine keine Zemente mit
begrenztem Alkaligehalt 2)
(Fahrbahndeckenzement)
300 < z ≤ 350 keine keine Gutachten oder Zemente mit
NA-Zement begrenztem Alkaligehalt 2)
(Fahrbahndeckenzement)
E III-S 1) und Austausch der
Gesteins­körnung oder Gutachten
z > 350 keine Gutachten oder Gutachten oder Zemente mit
NA-Zement Austausch der begrenztem Alkaligehalt
­Gesteinskörnung (Fahrbahndeckenzement)
und Austausch der
­Gesteinskörnung oder Gutachten
1) gilt auch für nicht beurteilte Gesteinskörnungen
2) siehe Abb. 1.3.29

Gemäß dem Allgemeinen Rundschreiben Straßen‑ lichkeit grober Gesteinskörnungen und von Betonen der
bau (ARS) 04/2013 des Bundesministers für Verkehr, Bau Feuchtigkeitsklasse WS durch ein Gutachten nachzu‑
und Stadtentwicklung (BMVBS) ist die Alkaliunbedenk‑ weisen.

Abb. 1.3.29  
Zulässige Alkali­ Zement Hüttensandgehalt Alkaligehalt des Zements Alkaligehalt des Zements
gehalte von ohne Hüttensand/Ölschiefer
Zementen für Na2O-Äquivalent Na2O-Äquivalent
Bauteile der [M.-%] [M.-%] [M.-%]
Feuchtigkeits­
klasse WS CEM I + CEM II/A – ≤ 0,80 –
CEM II/B-T – – ≤ 0,90
CEM II/B-S 21 bis 29 – ≤ 0,90
CEM II/B-S 30 bis 35 – ≤ 1,00
CEM III/A 36 bis 50 – ≤ 1,05

32 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.3
Gesteinskörnung
Mehlkorngehalt
Die Korngruppe 0–4 mm kann bei der ­Aufberei­tung Ein optimaler Mehlkorngehalt
in der Regel aus verschiedenen Kompo­nen­ten ••erhöht die Schmierfilmmenge ohne nennenswerte
zusammen­­gesetzt werden (z. B. Natursand gewaschen/­ Erhöhung des Zugabewassers
Brechsand trocken und/oder Brech­sand gewaschen). ••gewährt eine verbesserte Verarbeit­barkeit
Die Korngruppe 0–4 mm ist wegen ihres hohen Ober­ des Betons
flächenanteils an der Gesteinskörnung die Schlüsselkom­ ••verbessert das Wasserrückhaltever­mögen und
po­nente für die Qualität eines Korngemischs. verhindert das «Bluten» des Betons wäh­rend und
nach der Verarbeitung
Die entscheiden­de Rolle spielen dabei der Mehlkorn­ ••verhindert eine Entmischung beim Ein­bringen und
gehalt (Ze­ment, Zusatzstoffe und Anteile der Gesteins­ erleichtert das Verdichten des Betons
körnung ≤ 0,125 mm) und der Feinanteil (≤ 0,063 mm). ••erhöht die Gefügedichte und damit die Was­ser­
Der Mehl­korngehalt darf höchstens die in Abb. 1.3.30 dichtigkeit
an­gege­be­nen Werte nach DIN EN 206‑1 bzw. DIN 1045‑2 ••verbessert die Wirksamkeit von Zusatz­mitteln.
aufweisen.
Dabei muss beachtet werden, dass es sich bei den
Feinanteilen nicht um quellfähige Ton­mineralien
handeln darf.

Druckfestigkeitsklasse Zementgehalt  Höchstzulässiger


 Mehlkorngehalt
[kg/m3] [kg/m3]

≤ C50/60 und LC50/55


bei den Expositionsklassen 550
XC, XD, XS, XA

≤ C50/60 und LC50/55 ≤ 300 400


bei den Expositionsklassen
XF, XM ≥ 350 450

≥ C55/67 und LC55/60 ≤ 400 500


bei allen Expositions‑
450 550
klassen
≥ 500 600

Die Werte sind linear zu interpolieren.


Die Werte der mittleren Zeile dürfen erhöht werden:
• wenn der Zementgehalt 350 kg/m3 übersteigt, um den über 350 kg/m3
hinausgehenden Zementgehalt, oder
• wenn ein puzzolanischer Betonzusatzstoff des Typs II verwendet wird,
um den Gehalt des Zusatzstoffs, Abb. 1.3.30  
jedoch höchstens um 50 kg/m3. Zementgehalt und höchstzulässiger Mehl­
korngehalt (Zement, Zusatzstoffe und
Die angegebenen Werte dürfen um 50 kg/m3 erhöht werden, wenn das
Anteile der Gesteins­körnung ≤ 0,125 mm)
­Größt­korn der Gesteinskörnung 8 mm beträgt. in Abhän­gig­keit von Druckfestigkeits- und
Expositions­klasse

Holcim Betonpraxis 33
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.3

Gesteinskörnung
Gesteinskörnung aus rezykliertem Beton Der Einsatz von Zusatzmitteln im Alt­beton ist kein
Aufgrund der Rohstoffverknappung und der dringend Hindernis für die Verwendung von Recycling-Gesteins‑
gebotenen Reduktion des zu deponierenden Abfalls ist es körnung, weil etwaige von den Zusatzmitteln herrüh­
erforderlich, rezyklierte Baustoffe als Ersatz für den wert‑ rende Rückstände gebun­den werden und Luft und Boden
vollen natür­lichen Kies bzw. Sand stärker einzusetzen als dadurch nicht belasten können.
bisher.
Die notwendigen behördlichen Vorschriften und ein‑
Prüfergebnisse und die ersten Erfahrungen zeigen, dass schlägigen Normen, Richtlinien und Empfeh­lungen von
bei sorgfältiger Aufbereitung und bei sachgerechter Her‑ Fachverbänden sind vorhanden, z. B.:
stellung der Gesteinskör­nung aus rezykliertem Altbeton ••DIN-Fachbericht 100, Ziffer 5.2.3.5, rezyklierte
(Abb. 1.3.31) und dem Ersatz der Korngruppe 0–4 mm Ge­steins­körnungen
durch Natursand ein ebenso dauerhafter Beton herge­ ••DAfStb-Richtlinie: Beton mit rezykliertem Zu­schlag
stellt werden kann wie mit herkömmlichen natürlichen ••DIN 4226‑100:2 002‑02: Gesteinskörnungen für Beton
Gesteinskörnungen. Diese rezyklierten Korngrup­pen sind und Mörtel – Rezyklierte Gesteinskörnungen.
in DIN 4226‑100 definiert.

Abb. 1.3.31  
Durch ­Rezyklierung
gewonnene Gesteins­
körnung 0/32 und
daraus
hergestellter
Konstruktions­beton

Abb. 1.3.32  
Mehrfamilienhaus, 
gebaut mit
­Recyclingbeton

34 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.4
Zusatzmittel
4.1

Einleitung Durch die damit verbundene Reduktion des w/z-Wertes


kann, bei guter Verarbeitbarkeit, ein sehr dichter Beton
Zusatzmittel werden dem Frischbeton meist mit wenig Kapillarporen und dadurch verbesserter
in flüssiger Form zugegeben, um durch ihre Dauerhaftigkeit hergestellt werden. Als Wirkstoffe für
chemischen und/oder physikalischen Wirkungen Zusatzmittel werden eine Vielzahl anorganischer und
die Eigenschaften des Betons zu beeinflussen. Je organischer Substanzen verwendet. Für eine optimale
nach Art des eingesetzten Zusatzmittels können Wirksamkeit müssen die Zusatzmittel auf den Zement
­sowohl die Eigenschaften des Frischbetons, z. B. das abgestimmt werden.
Erstarrungs­verhalten und die Verarbeitbarkeit, als
auch die Eigenschaften des erhärteten Betons, wie Weitere Einflüsse auf die Wirksamkeit der Betonzusatz‑
z. B. die Festigkeit und die Dauerhaftigkeit, gezielt mittel können der Wassergehalt, die feine Gesteins‑
verändert werden. körnung (Sand) sowie die Mischintensität, die Misch‑
dauer und die Temperatur haben.

Für den Einsatz von Zusatzmitteln gibt es technologische


und wirtschaftliche Gründe. So lässt sich z. B. durch die
Zugabe von geringen Mengen eines Fließmittels ein Teil
des Zugabewassers bei der Betonherstellung einsparen.

Abb. 1.4.1  
Bezeichnung Abkürzung Wirkung Bezeichnung,
Abkürzung und
Betonverflüssiger BV Verminderung des Wasseranspruchs und/oder Verbesserung
Beschreibung der
der Verarbeitbarkeit Zusatzmittel
Fließmittel FM Starke Verminderung des Wasseranspruchs und/oder (Auswahl)

Verbesserung der Verarbeitbarkeit


Luftporenbildner LP Einführung kleiner, gleichmäßig verteilter Mikroluftporen zur
Erhöhung des Frost- und Frosttaumittelwiderstandes
Verzögerer VZ Abbindeverzögerung des Betons (Betonieren bei hohen
Temperaturen)
Erstarrungsbeschleuniger BE Beschleunigung des Abbindens von Beton nach dem Mischen
Erhärtungsbeschleuniger BE Beschleunigung der Erhärtung des Betons (Frühfestigkeit) mit
und ohne Veränderung der Abbindezeit
Dichtungsmittel DM Verminderung der kapillaren Wasseraufnahme
Stabilisierer ST Erhöhung des Zusammenhaltes, Verbesserung der Kohäsion
Zusatzmittel für Einpressmörtel EH Verbesserung der Fließfähigkeit, Verminderung des
Wasseranspruchs und der Absetzneigung (Bluten), leichte
Quellwirkung

Normative Anforderungen
In DIN EN 934-2 werden die Zusatzmittel bezüglich
Anforderungen, Konformität, Kennzeichnung und
­Beschriftung definiert (Abb. 1.4.1). Ihre Verwendung ist in
DIN EN 206-1 und DIN 1045-2 geregelt.

Holcim Betonpraxis 35
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.4

Zusatzmittel
Dosierung leistungsverflüssigern möglich geworden. Verwendet
Die Zugabemenge, bezogen auf das Zementgewicht, liegt werden spezielle Verflüssiger und Fließmittel auf
im Allgemeinen im Bereich von 0,2 bis 2 M.-%. Bei Dosie­ Polycarboxylatether-Basis.
rungen von mehr als 3 l/m3 Beton muss die darin ent‑ Als mögliche Nebenwirkung der Verflüssiger ist die Ver‑
haltene Wassermenge bei der Berechnung des w/z‑Werts zögerung des Erhärtens zu nennen. Überhaupt spielen
berücksichtigt werden. Ebenso muss bei Verwendung hinsichtlich der Zusatzmittelwirkungen die Eigenschaften
von Luftporenmitteln der Zuwachs an eingeführter Luft des Zements sowie auch die Betonrezeptur eine wichtige
im Stoffraum mitberechnet werden. Dosierungen unter Rolle. Deswegen ist zu empfehlen, die Auswirkungen an
0,2 Gewichtsprozenten (2 g/kg Zement) sollten nicht gegebenen Zusatzmittel-Zementkombinationen zu über‑
verwendet werden; ansonsten sind sie in einem Teil des prüfen.
Zugabewassers aufzulösen. Bei diesen kleinen Mengen
Abb. 1.4.2   treten erhebliche Dosierungsungenauigkeiten auf. Unter‑
Auswirkungen
dosierungen verringern meist deutlich den angestrebten
von Fließmitteln
Effekt. Überdosierungen können dagegen unerwünschte
Effekte wie Erhärtungsverzögerung, Druckfestigkeits­
verluste oder Entmischungen mit sich bringen.

Lagerfähigkeit/Haltbarkeit
Zusatzmittel sind bei ihrer Lagerung vor Verunreinigun­
gen und starker, direkter Sonneneinstrahlung zu
schützen. Bei einer Lagertemperatur von ca. 20 °C können
Zusatzmittel bis zu einem Jahr haltbar sein. Flüssige
Zusatzmittel sind frostsicher aufzubewahren, pulver­
förmige Zusatzmittel sind vor Feuchtigkeit zu schützen.

Eigenschaften der wichtigsten Zusatzmittel

Betonverflüssiger (BV) und Fließmittel (FM)


Betonverflüssiger und Fließmittel sind die am häufigsten
gebrauchten Zusatzmittel. Die verflüssigende Wirkung
wird entweder durch grenzflächenaktive Stoffe (Lignin‑
sulfonat, Naphthalinsulfonat) oder durch dispergierende
Stoffe (Melaminsulfonat, Polycarboxylat/-ether) ­erreicht.
Die Wirkung eines Fließmittels ist in Abb. 1.4.2 anschau‑
lich dargestellt: Fließmittel verbessern bei gleichem In der folgenden Tabelle (Abb. 1.4.3) ist der Einfluss der
w/z‑Wert die Verarbeitbarkeit des Betons oder wichtigsten Betonverflüssiger und Fließmittel auf die
vermindern bei gleicher Verarbeitbarkeit den Wasser‑ mögliche Wasserreduktion im Beton zusammengestellt.
anspruch und damit den w/z-Wert , was zu einer Für die relative Wasserreduktion wird eine Dosierung des
Erhöhung von Festigkeit und einer Verringerung der Betonverflüssigers bzw. Fließmittels von 1 % bezogen auf
Porosität führt. Eine gleichzeitige Verbesserung der das Zementgewicht zugrunde gelegt. Die Wassererspar‑
Verarbeitbarkeit und Verminderung des w/z-Werts ist nis nimmt in der Reihenfolge – Lignin-, Melamin- und
ebenfalls möglich . Eine Reihe von Betonen ist ohne Naphthalinsulfonat sowie Polycarboxylat/-ether – zu.
den Einsatz von Verflüssigern gar nicht herstellbar.
So ist die praxisgerechte Herstellung von Selbstver‑
dichtenden Betonen nur durch den Einsatz von Hoch‑

Abb. 1.4.3  
Wasserreduktion Wirkstoff des Betonverflüssigers bzw. Fließmittels Relative Wasserreduktion [M.-%]
der wichtig­sten
Ligninsulfonat 5–10
Beton­verflüssiger
und Fließ­mittel Melaminsulfonat 15–20
Naphthalinsulfonat 15–20
Polycarboxylat/-ether (PCE) 20–35

36 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.4
Zusatzmittel
Luftporenbildner (LP) porenbildners ab, sondern auch von einer Vielzahl
Luftporenbildner sind grenzflächenaktive Stoffe (Wurzel‑ anderer Faktoren, wie Zementart, Gesteinskörnung
harze und deren Modifikationen sowie synthetische und Kornzusammensetzung, Konsistenz, Temperatur,
Tenside). Die Aufgabe der Luftporenbildner ist es, so‑ Mischintensität und Mischdauer, dem Vorhandensein
genannte Mikroluftporen mit einem Durchmesser von anderer Zusatzmittel usw. Bei kombiniertem Einsatz von
ca. 10 bis 300 µm in den Beton einzuführen. Dadurch Luftporenbildner und Verflüssiger sollte der Verflüssiger
wird die Frost- und Frost-Taumittelbeständigkeit des erst nach dem Luftporenbildner zudosiert werden. Die
Betons wesentlich erhöht, jedoch nimmt die Druck‑ Verträglichkeit neuer Kombinationen muss unbedingt
festigkeit je nach eingeführtem Luftgehalt deutlich durch Erstprüfungen nachgewiesen werden.
ab. Die Luftporen nehmen beim Gefrieren des Betons
das verdrängte ­Kapillarwasser zum Teil auf und bieten Verzögerer (VZ)
Ausdehnungsraum für das gefrierende Wasser. Sie ver‑ Verzögerer bewirken eine Verzögerung beim Erhärten
mindern somit die Gefahr des Zersprengens des Betons des Zementleims und erlauben damit eine Verlängerung
infolge des Eisdrucks (Abb. 1.4.4). der Verarbeitung von Betonen. Ihre wichtigsten Anwen­
dungsgebiete sind:
••Betonieren bei heißem Wetter
••Transport von Beton über große Distanzen Abb. 1.4.4  
••Betonieren großer Kubaturen oder Flächen Eisbildung in
der Luftpore
••Vermeidung von Arbeitsfugen bei eingeplanten Arbeits‑
(­schematisch)
unterbrechungen (nahtloser Anschluss von neuem
Beton an zuvor eingebrachten Beton).

Beton, der Verzögerer enthält, erhärtet zu Beginn etwas


langsamer (Abb. 1.4.5). Seine 28-Tage-Festigkeit ist in
der Regel etwas höher als die eines Betons, dem kein
Verzögerer zugegeben wurde. Wegen seiner an­fänglich
langsameren Erhärtung ist ein verzögerter Beton beson­
ders sorgfältig nachzubehandeln. Da die Wirkung stark
von der Art des Verzögerers, aber auch vom verwendeten
Zement und von der Temperatur abhängt, sind um‑
fassende Erstprüfungen – auch bei verschiedenen
Faustregel Temperaturen – erforderlich. Bei Überdosierung kann die
Ein Prozent zusätzlich eingeführte Luftporen ermög‑ Wirkung bei einigen Verzögerern umschlagen, sie können Abb. 1.4.5  
licht eine Wassereinsparung von etwa fünf Litern dann zu Beschleunigern werden. Wirkung von
­Verzögerer
je m3 Frischbeton und erzielt im Hinblick auf die
und Beschleuniger
Verarbeitbarkeit die gleiche Wirkung wie etwa 10 bis auf die
15 kg Mehlkorn. Betonfestigkeit

Faustregel
Jedes Prozent Luftporen bedeutet einen Druck‑
festigkeitsverlust von bis zu 5 %.

Der Zielwert für den Luftgehalt im Zementstein liegt bei


etwa 13 %. Für den gesamten Beton bedeutet das je nach
Größtkorn Luftgehalte zwischen 3 und 6 %. Für die Ein‑
stellung der Luftgehalte genügen meist geringe Mengen
an Zusatzmitteln (0,1–0,5 M.-%).
Allerdings hängt die entstehende Luftporenmenge
nicht allein von der Art und der Dosierung des Luft‑

Holcim Betonpraxis 37
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.4

Zusatzmittel
Beschleuniger (BE) Erstarrungsbeschleuniger finden Verwendung bei:
Bei den Beschleunigern wird unterschieden in ••Spritzbeton
Abbinde­beschleuniger und Erhärtungsbeschleuniger (geringer Rückprall und gute Klebefähigkeit)
(­siehe Abb. 1.4.1). Diese Zusatzmittel werden eingesetzt, ••Instandsetzungsarbeiten
um die Abbinde- und Erhärtungszeit eines Betons zu ver‑ (Reparaturarbeiten mit kurzen Abbindezeiten)
kürzen. Sie sorgen für eine raschere Hydratation, um den ••Betonieren in fließenden Gewässern
Beton früher ausschalen, abheben, belasten oder dem ••Wassereinbrüche und -infiltrationen.
Frost aussetzen zu können.
Erhärtungsbeschleuniger werden eingesetzt für:
Der Effekt der Beschleuniger ist von den verwendeten ••Betonieren bei tiefen Temperaturen
Wirkstoffgruppen, aber auch von der chemischen Zu‑ ••Betonieren mit kurzen Ausschalungsfristen
sammensetzung des Zements abhängig. Bei einer Über‑ ••im Fertigteilwerk
dosierung kann das Erstarren und Erhärten verzögert ••Einsetzen von Ankern.
statt beschleunigt werden (Wirkung wird gegenteilig).
Beschleu­niger bewirken oft eine mehr oder weniger
starke Herabsetzung der Endfestigkeit des Betons.
Die früher häufig verwendeten chloridhaltigen Beschleu­
niger dürfen heute nicht mehr eingesetzt werden, weil
sie eine ausgesprochen korrosionsfördernde Wirkung auf
die Bewehrung ausüben.

Abb. 1.4.6  
Vorschriftsmäßiges
Tanklager
für Zusatzmittel in 
einem Transport­
betonwerk

38 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.4
Zusatzmittel
Bewertung der wichtigsten Zusatzmittel
Zusatzmittel können die Betoneigenschaften sowohl
im Frischbeton als auch im Festbeton erheblich beein‑
flussen. Dies ist oft mit komplexen chemischen und/oder
physikalischen Reaktionen verbunden. Deshalb sollen
Zusatzmittel verschiedener Wirkungsweise nicht mit‑
einander gemischt werden und Zusatzmittel gleicher
Wirkungsweise, aber verschiedener Hersteller nicht
miteinander kombiniert werden. Um die am besten ge‑
eigneten Zusatzmittel in richtiger Dosierung für einen
Beton aus Zement, Zusatzstoff, Wasser und Gesteins‑
körnung zu finden, sind Erstprüfungen unabdingbar.

Die Wirkung wichtiger Zusatzmitteltypen auf ausge­


wählte Frisch- und Festbetoneigenschaften wird in
Abb. 1.4.7 qualitativ dargestellt.

Abb. 1.4.7  
Wirkung auf Verflüssiger/­ Luftporenbildner Verzögerer Beschleuniger Wirkung wichtiger
Fließmittel Zusatzmitteltypen
auf ausgewählte
Verarbeitbarkeit ++ + + – Frisch- und
Festbetoneigen­
Entmischen/Bluten + + – schaften

Erstarren beschleunigen – ++

Erstarren verzögern – – ++ –

Pumpfähigkeit + – –

Frühfestigkeit + – – ++

Endfestigkeit + – + –

Permeabilität + + –

Frostbeständigkeit + ++ – +

Betonieren bei kalter Witterung + – ++

Betonieren bei warmer Witterung + ++ –


++ gewünschter positiver Effekt
+ möglicher positiver Effekt
vernachlässigbarer Effekt
– möglicher negativer Effekt

Holcim Betonpraxis 39
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.5

Zusatzstoffe
5.1

Allgemeines als auch eine homogene Verteilung der Zusatzstoffe


erreicht. Zement und Zusatzstoff sind in einem exakten
und normgerechten Zementsystem integriert, das als
Zusatzstoffe sind in der Regel feine mineralische Ganzes angesehen wird und zu 100 % beim Mindest­
oder organische Stoffe. Durch sie können bestimmte zementgehalt sowie bei der Ermittlung des Wasser­
Eigenschaften des Betons verbessert oder erst zementwertes rechnerisch zum Ansatz gebracht werden
erreicht werden. So erhöhen einige Zusatzstoffe kann. Beispiele dafür sind die Holcim Zemente Ferro, Duo,
die Verarbeitbarkeit oder aber die Pumpbarkeit des Aqua und Trass.
­Betons. Im Festbeton können sie zu einem dichten
Gefüge beitragen und mechanische Eigen­schaften, Verwendung im Betonwerk
wie Druck- und Zugfestigkeit, oder aber die Dauer‑ Zusatzstoffe können ebenso erst im Betonwerk der
haftigkeit des Betons positiv beeinflussen. Ebenso Mischung zugefügt werden. Dies hat den Vorteil, dass
werden Zusatzstoffe zur Reduzierung der Wärme‑ das Verhältnis von Zusatzstoff zu Zement frei gewählt
entwicklung während der Betonerhärtung ein‑ werden kann. Dadurch wird die Flexibilität bei der Zu‑
gesetzt. Im Gegensatz zu Betonzusatzmitteln wird sammensetzung des Betons erhöht. Allerdings sind damit
dem Beton üblicherweise eine größere Menge von auch einige Nachteile verknüpft. Die getrennte Lagerung
Zusatzstoffen zugegeben. Zusatzstoffe sind in der Zusatzstoffe verlangt zusätzliche Silos und Dosier‑
jedem Fall bei der Stoffraumrechnung zu berück‑ einrichtungen sowie zusätzliche Kontrollen. Manche
sichtigen. Zusatzstoffe neigen bei längerer Lagerung zur Knollen‑
bildung. Weiterhin kann der im Betonwerk zugegebene
Zusatzstoff nur anteilig auf den Wasserzementwert
Verwendung im Zementwerk angerechnet werden.
Manche Zusatzstoffe werden bereits im Zementwerk
durch gemeinsames Vermahlen mit dem Klinker oder
durch Mischen in den Zement eingebracht. Bei diesem
Herstellungsprozess wird der Zusatzstoff als Haupt­
bestandteil bezeichnet und findet sich in der Zement­
bezeichnung wieder (zum Beispiel: S für Hüttensand,
P für natürliche Puzzolane wie Trass, LL für Kalkstein).
Für dieses Vorgehen sprechen gute Gründe. Dadurch
wird sowohl eine genaue und gleichbleibende Dosierung

Abb. 1.5.1  
Bezeichnung Chemische Reaktion Wirkung Zusatzstoffe
Einteilung der
Zusatzstoffe Inert Keine oder höchstens • Füllereffekt, d. h. Kalksteinmehl
DIN EN 206-1

­oberflächliche Reaktion vermindert Porosität und Quarzmehl


Typ I

verbessert ­Verarbeitbarkeit
• Färbt Pigmente

Puzzolanisch Reaktion mit Kalzium‑ • Vermindert Porosität Steinkohlenflugaschen


hydroxid und Wasser unter • Erhöht Dauerhaftigkeit
Bildung von zementhydrat‑
• Vermindert Frühfestigkeit Natürliche und thermisch
ähnlichen Stoffen
aktivierte Puzzolane
• Senkt Hydratationswärme
DIN EN 206-1
Typ II 

• Erhöht Endfestigkeit

Latent hydraulisch In Gegenwart von • Vermindert Porosität Hüttensandmehl


­Anregern (Alkali, Kalk, • Erhöht Dauerhaftigkeit
Sulfat) und Wasser erfolgt
• Vermindert Frühfestigkeit
Bildung von zement­
hydratähnlichen Stoffen • Senkt Hydratationswärme
• Erhöht Endfestigkeit

40 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.5
Zusatzstoffe
Einteilung der Zusatzstoffe Anorganische Pigmente
Anorganische Pigmente werden zum Einfärben von
Beton und Mörtel verwendet. Den hohen Anforderungen
Die EN 2016-1/DIN 1045-2 unterscheidet zwei Typen bezüglich Beständigkeit und Korngrößenverteilung
von Betonzusatzstoffen. Inerte Zusatzstoffe des genügen praktisch nur Oxidpigmente. Pigmente haben
Typs I sind Stoffe, die keine chemische Bindung keine chemische Wirkung im Beton, verhalten sich
eingehen. Darunter fallen beispielsweise Kalk‑ demnach inert. Wegen ihres meist höheren Wasser‑
stein- oder Quarzfüller sowie Pigmente. Als reaktive bedarfs bedingen sie einen höheren Wasserzementwert,
Zusatzstoff des Typs II werden latent hydraulische sofern dieser Effekt nicht durch den Einsatz eines Beton‑
und puzzolanische Stoffe wie Hüttensandmehl oder verflüssigers oder Fließmittels kompensiert wird.
aber Steinkohlenflugasche bezeichnet, die dank ihrer
Reaktivität zur Festigkeitsbildung des Zementsteins Für das Einfärben mit Pigmenten eigenen sich insbeson­
beitragen. Dieser Zusammenhang ist in A ­ bb. 1.5.1 dere die hellen Hochofenzemente (Holcim-Duo,
dargestellt. Holcim‑Aqua) oder Weißzement (Holcim-White). Die
Pigmentdosierung richtet sich nach der gewünschten
Abb. 1.5.2  
Farbintensität und wird in Bezug auf den Zementgehalt
Mit Pigmenten
Inerte Zusatzstoffe angegeben. Übliche Feststoffdosierungen bewegen ­eingefärbte
sich zwischen 2 M.-% bis 8 M.-% vom Zementgehalt. Es Betonsteine aus
Mineralische Füller werden ebenso wässrige Farbpigmentaufbereitungen Weißzement 
(Holcim-White)
Mineralische Füller werden durch das Aufbereiten von mit einem Feststoffgehalt von rund 50 % angeboten.
natürlichen, industriell produzierten oder rezyklierten Der Wasseranteil muss auf den Wasserzementwert an‑
Materialien hergestellt. Der überwiegende Anteil der gerechnet werden. Im Gegensatz zum pulverförmigen
mehlkornfeinen Partikel ist dabei kleiner als 0,063 mm. Pigment ist diese sogenannte Farbpigment Slurry für
eine Dosierung in den frischen Beton geeignet. Pigmente
Aufgrund ihrer geringen Korngröße, ihrer Kornzusam­ zum Einfärben von Beton müssen die Anforderungen der
mensetzung und Kornform verbessern mineralische DIN EN 12878 erfüllen.
Füller den Kornaufbau des Betons im Mehlkornbereich.
Sie sind nicht reaktiv, also inert. Sie werden zugesetzt,
um beispielsweise bei der Verwendung von geringen
Zementgehalten oder mehlkornarmen Sanden die
Verarbeitbarkeit zu verbessern oder aber um die Fließ‑ Für die Herstellung einwandfrei gefärbter ­Bauteile
fähigkeit und die Stabilität von selbstverdichtenden bedarf es großer Erfahrung. Eine homogene Beton‑
Betonen sicherzustellen. Weiterhin führt der so‑ mischung sowie geeignete und gleichmäßige
genannte Füllereffekt zu einer höheren Packungsdichte, Ausgangsstoffe sind die Voraussetzung, um gleich‑
wodurch die Festbetoneigenschaften positiv beeinflusst mäßig gefärbte Betonoberflächen zu erzielen.
werden können. Reste von gefärbtem Beton müssen sorgfältig aus
dem Mischer, dem Transportfahrzeug sowie aus
Für eine Verwendung im Beton müssen mineralische Fördergeräten entfernt werden und dürfen nicht
Füller die Anforderungen der DIN EN 12620 erfüllen. Sie in das Restwasser gelangen, um die nachfolgenden
sollten immer auf ihre Eignung für den vorgesehenen Betonchargen nicht ungewollt einzufärben. Auch
Zweck geprüft werden. Gängige mineralische Füller sind optimale Herstellprozesse und beste Farbpigmente
Kalkstein- und Quarzmehl. Die üblichen Dosierungen verhindern nicht, dass Betonfarben mit der Zeit
liegen zwischen 20 kg/m3 bis 60 kg/m3 bei Normalbeton etwas stumpfer werden.
und bis zu 250 kg/m3 bei selbstverdichtendem Beton.

Holcim Betonpraxis 41
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.5
1.4

Zusatzstoffe
Reaktive puzzolanische Zusatzstoffe Steinkohlenflugasche
Allen puzzolanischen Zusatzstoffen ist gemein, dass Steinkohlenflugaschen fallen bei der Stromerzeugung
sie im erhärtenden Beton in Gegenwart von genügend in thermischen Kraftwerken an. Ihre Qualität hängt von
Wasser langsam mit dem aus dem Zement abgespalte­ der verwendeten Kohle sowie von der Art des Kraftwerks
nen Kalziumhydroxid reagieren, zementhydratähn‑ und seiner Betriebsweise ab und kann deshalb in weiten
liche Stoffe bilden und dadurch zur Festigkeitsbildung Grenzen schwanken. Die Verwendung von Steinkohlen‑
beitragen. Diese puzzolanische Reaktion verringert die flugasche aus verlässlicher Herkunft hat sich jedoch als
Betonporosität und verbessert damit die Dauerhaftig‑ Betonzusatz bewährt und ist normativ in der DIN EN 450
keit des Betons. Betone mit puzzolanischen Zusätzen geregelt.
(ausgenommen Silikastaub) erhärten etwas langsamer
als solche ohne, insbesondere bei tiefer Temperatur. Die Die meist hohe Feinheit der Steinkohlenflugaschen und
Nachbehandlungsdauer und die Ausschalfrist sind ge‑ deren charakteristische kugelige Kornform bewirken
gebenenfalls angemessen zu verlängern. eine Verbesserung der Verarbeitbarkeit des Frischbetons.
Auch die Dauerhaftigkeit und Dichtigkeit des Betons
Um eine ausreichende Alkalität der Porenlösung bei werden erhöht, wenn eine Steinkohlenflugasche von
Stahl- und Spannbeton zu gewährleisten, sind in hoher puzzolanischer Aktivität mit der gebotenen
DIN EN 206-1/DIN 1045-2 höchstzulässige Mengen Sorgfalt bezüglich Betonzusammensetzung und Nach‑
puzzolanischer Zusatzstoffe vorgegeben. Ebenso ist behandlung verwendet wird. Da Steinkohlenflugaschen
in der Norm die Anrechenbarkeit der Zusatzstoffe des die Hydra­tationswärmeabgabe der erhärtenden Betone
Typs II auf den Wasserzementwert sowie den Mindest‑ reduzieren, lassen sich mit ihr in massigen Beton‑
zementgehalt mit einem k-Wert-Ansatz geregelt. bauteilen Temperaturspitzen vermindern. Weiterhin
werden sie zur Erhöhung des Sulfatwiderstandes des
Betons verwendet.

Abb. 1.5.3  
Charakteristische
Kornform von Die üblichen Dosierungen von Steinkohlenflugasche
Steinkohlenflug­ liegen
asche (raster­
elektronen­ ••zwischen 20 kg/m3 bis 60 kg/m3 bei Normalbeton
mikroskopische und
Aufnahme) ••bis zu 250 kg/m3 bei selbstverdichtendem Beton.

Trass
Trass zählt zu den natürlichen Puzzolanen und ist ein
natürliches Gestein meist vulkanischen Ursprungs.
Seine puzzolanische Wirkung war schon den römischen
Baumeistern bekannt. Trass als Betonzusatzstoff ist in
DIN 51 034 geregelt. Trass verbessert die Verarbeitungs‑
eigenschaften von Beton und kann dessen Ausblüh‑
neigung reduzieren. Im Gegensatz zur Steinkohlen‑
flugasche kann Trass nicht auf den Wasserzementwert
angerechnet werden.

42 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.5
1.4
Zusatzstoffe
Silikastaub Die Zugabe von Silikastaub zur Betonmischung ver‑
Silikastaub, auch Kieselsäurestaub oder Mikrosilika ge‑ schlechtert deren Verarbeitbarkeit und verändert
nannt, entwickelt wegen seiner extrem hohen Feinheit nachhaltig deren rheologische Eigenschaften (Fließ­
und seines sehr hohen Kieselsäuregehalts eine sehr große eigenschaften). Durch den Zusatz besonderer Fließmittel
puzzolanische Aktivität. lässt sich eine ausreichende Verarbeitbarkeit erzielen.
Um unangenehme Überraschungen beim Einbringen des
Frischbetons zu vermeiden, sind Versuche zur Verarbeit‑
barkeit erforderlich. Infolge seiner extremen Feinheit
Mit einer Dosierung von 5 M.-% bis M.-10 % Silika‑ kann Silikastaub gewisse Probleme bei der Dosierung
staub bezogen auf das Zementgewicht, lassen sich und bei der Homogenisierung der Betonmischung verur­
nachhaltige Verbesserungen der Betoneigenschaften sachen. Bei nicht sachgerechter Handhabung kann sich
erzielen. eine übermäßige Feinststaubentwicklung einstellen.
••gesteigerte Kohäsion und stark erhöhtes Wasser‑ Je nach gegebenem Fall lassen sich diese Probleme mit
rückhaltevermögen des Frischbetons mit geringem drei unterschiedlichen Arten des Angebots vermeiden:
Entmischungsrisiko ••als in den Zement integrierter Bestandteil
••Verminderung des Rückpralls beim Spritzbeton ••als Silikastaub-Slurry
••bedeutende Erhöhung der Betonfestigkeit; (in Wasser aufgeschlämmtes Produkt)
erlaubt die Herstellung von hochfestem Beton ••als granulierter Silikastaub.
••erhebliche Verminderung der Betonporosität,
damit einhergehend eine wesentliche Ver‑ Silikastaub wird in Deutschland vorwiegend im Spritz‑
besserung der Dauerhaftigkeit: beton sowie im Hochleistungsbeton eingesetzt.
erhöhter Widerstand gegen Frost-, Frosttaumittel-
und Sulfatangriff sowie gegen andere chemisch
aggressive Stoffe, langsamer Karbonatisierungs‑
fortschritt für dauerhaften ­Bewehrungsschutz.

Abb. 1.5.4  
Stark belastete
Stütze aus Hoch­
leistungsbeton

Holcim Betonpraxis 43
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.5

Zusatzstoffe
Anrechenbarkeit puzzolanischer Typ II Zusatzstoffe auf In der nachfolgenden Tabelle sind die Möglichkeiten
den Wasserzementwert ­dargestellt.
Steinkohlenflugasche und Silikastaub können auf den
Wasserzementwert angerechnet werden. Dieser wird
dann als äquivalenter Wasserzementwert bezeichnet.

Abb. 1.5.5  
Flugasche [f] Silikastaub [s] Flugasche und Silikastaub
Maximale Zusatz­
stoffmengen Maximaler Zusatzstoffgehalt zur fmax = 0,15 · z 1) smax = 0,11 · z smax = 0,11 · z
des Typs II zur
Gewährung der
­Gewährung der Alkalität fmax 2) = 0,66 · z – 3 · s
Alkalität und der
Anrechenbarkeit fmax 3) = 0,45 · z – 3 · s
auf den Wasser­ Anrechenbare Zusatzstoffmenge fmax = 0,33 · z 4) smax = 0,11 · z fmax = 0,33 · z und
zementwert und
den Mindest­ auf den Wasserzementwert fmax = 0,25 · z 5) s + z ≥ zmin smax = 0,11 · z
zementgehalt
fmax = 0,15 · z 6) f + s + z ≥ zmin
f + z ≥ zmin
k-Wert k f = 0,4
­­k f = 0,4 ks = 1,0 ks = 1,0
Äquivalenter
Wasserzementwert w/zeq 8) w/(z + k f · f) w/(z + ks · s) 7) w/(z + k f · f + ks · s) 7)
Reduzierter Mindestzementgehalt 8) 240 kg/m3 bei XC1, XC2 und XC3, sonst 270 kg/m3, wenn die Zusatzstoffmenge
­mindestens der Zement-Verringerungsmenge entspricht
Zulässige Holcim Zementarten CEM I CEM I CEM I
CEM II-S CEM II-S CEM II-S
CEM III/A CEM III/A CEM III/A
CEM III/B (mit Smax 9) ≤ 70 %) CEM III/B
Zementgehalt z, Flugaschegehalt f und Silikastaubgehalt s, alle in kg/m3
1) für Zemente mit D 7) für alle Expositionsklassen außer XF2 und XF4
2) für CEM I 8) Die Anrechnung auf den Mindestzementgehalt und den w/z-Wert
3) für CEM II/A-S, CEM II/B-S, CEM III/A und andere (siehe DIN 1045‑2) ist nur bei Verwendung von f zulässig. Bei gleichzeitiger Zugabe von
4) für Zemente ohne P, V und D f + s ist eine Anrechnung auch für f ausgeschlossen.
5) für Zemente mit P oder V ohne D 9) S = Hüttensandgehalt

6) für Zemente mit D

Für die Verwendung von Flugasche in Unterwasserbeton gilt:


(z + f) ≥ 350 kg/m3; w/zeq = w/(z + 0,7 · f) ≤ 0,60

44 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.5
Zusatzstoffe
Reaktive latent hydraulische Zusatzstoffe Anrechenbarkeit von Hüttensandmehl auf den
Latent hydraulische Stoffe benötigen, anders als die Wasserzementwert
Puzzolane, nicht das Ca(OH)2 aus der Zementhydratation Die Anforderungen an Hüttensandmehl zur Verwendung
als ständigen Reaktionspartner. Sie reagieren schon als Zusatzstoff im Beton, im Mörtel und im Einpress‑
in Gegenwart geringer Mengen sogenannter Anreger mörtel sind in DIN EN 15167 geregelt. Eine gleichzeitige
wie z. B. alkalischen Stoffen oder Sulfaten. Gemeinsam Anrechnung von Hüttensandmehl mit Steinkohlen­
mit Wasser reagieren sie dann unter Bildung von flugasche oder Silikastaub ist nicht zulässig.
zement­hydratähnlichen Stoffen und verfestigen sich
wie Zement.

Hüttensand Hüttensandmehl [h]


Hüttensand kann aufgrund seiner latent hydraulischen
Maximaler Zusatzstoffgehalt zur fmax = 0,15 · z 1)
Eigenschaften wie kein anderer Zusatzstoff den Zement‑
­Gewährung der Alkalität
klinker nahezu vollständig ersetzen. Dieser Effekt wird
bei der Herstellung von hüttensandhaltigen Zementen Anrechenbare Zusatzstoffmenge hmax = 0,33 · z 3)
wie zum Beispiel Portlandhüttenzementen CEM II/-S auf den Wasserzementwert
hmax = 0,25 · z 4)
oder Hochofenzementen CEM III ausgenutzt. Vorteil‑
haft dabei ist, dass bei der Verwendung hüttensand‑ hmax = 0,15 · z 5)
haltiger Z
­ emente der Hüttensandanteil als Zement‑ f + z ≥ zmin
bestandteil vollständig auf den Wasserzementwert
k-Wert ­­kh = 0,4
angerechnet wird.
Äquivalenter
Wasserzementwert w/zeq 6) w/(z + k f · f)
Reduzierter Mindestzementgehalt 6) 240 kg/m3 bei XC1, XC2 und XC3, sonst
270 kg/m3, wenn die Zusatzstoffmenge
­mindestens der Zement-Verringerungs‑
menge entspricht
Zulässige Holcim-Zementarten CEM I, CEM II/A-D, CEM II/A-S, CEM II/B-S,
CEM II/A-T, CEM II/B-T, CEM II/A-LL, CEM
II/A-P, CEM II/A-V, CEM II/A-M (S,D,P,V,T,LL),
CEM II/B-M (S-D, S-T, D-T), CEM III/A 2), CEM
III/B mit ≤ 70 % Hüttensand 2)
1) für Zemente mit D
2) für CEM II/A-S, CEM II/B-S, CEM III/A und andere (siehe DIN 1045‑2)
3) für Zemente ohne P, V und D
4) für Zemente mit P oder V ohne D
5) für Zemente mit D
6) Die Anrechnung auf den Mindestzementgehalt und den w/z-Wert ist nur bei Verwendung von f zulässig.
Bei gleichzeitiger Zugabe von f + s ist eine Anrechnung auch für f ausgeschlossen.

Für die Verwendung von Flugasche in Unterwasserbeton gilt:


(z + f) ≥ 350 kg/m3; w/zeq = w/(z + 0,7 · f) ≤ 0,60

Abb. 1.5.6  
Parameter zum
Hüttensandmehl
als Betonzusatz­
stoff

Holcim Betonpraxis 45
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.6

Fasern
6.1

Allgemeines Stahlfasern
Fasern können aus verschiedenen Werkstoffen bestehen. Stahlfasern sind die in der Praxis am häufigsten ver‑
Gleichmäßig im Beton verteilte Fasern sollen die Eigen‑ wendeten Fasern. Sie sind in DIN EN 14889-1 geregelt.
schaften des Betons verbessern. In der Regel werden Gleichmäßig im Beton verteilte Stahlfasern verbessern
Fasern eingesetzt, um dem spröden Baustoff Beton eine dessen Verhalten unter Biegezugbeanspruchung. Im
gewisse Zähigkeit zu verleihen. Eine weitere Anwendung gerissenen Zustand erhöhen sie die Verformbarkeit bei
findet sich im Brandschutz. Schmelzende Polymer‑ Aufrechterhaltung einer Resttragfähigkeit durch die
fasern entspannen den Dampfdruck und verhindern sogenannte Nachrisszugfestigkeit. Weiterhin wirken
das explosionsartige Versagen des Betons. Stahl- und sie sich positiv auf das Verhalten bei dynamischen
Polymerfasern sind in der DIN EN 14889 genormt. Sollen Lasten sowie auf den Verschleißwiderstand und die
andere Fasern verwendet werden, sind entsprechende Grünstandfestigkeit des Betons aus.
Nach­weise zur Verwendbarkeit im Beton – z. B. eine all‑
gemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) – erforderlich.
Abb. 1.6.1  
Gruppierung von Stahlfasern nach DIN EN 14889-1
Faserwerkstoffe Einteilung nach Gruppen
Stahlfasern
Grundsätzlich sind Fasern aus unterschiedlichsten
Gruppe I kalt gezogener Stahldraht
Werkstoffen zur Verwendung verfügbar. Die Wahl des
Faserwerkstoffes hängt im Wesentlichen von der Beton‑ Gruppe II aus Blech geschnittene Fasern
anwendung ab. Zur Steigerung der Duktilität und Trag‑ Gruppe III aus Schmelzgut extrahierte Fasern
fähigkeit im gerissenen Zustand bieten sich Werkstoffe
Gruppe IV von kaltgezogenem Draht gespante
mit hohen Elastizitätsmoduli und Bruchdehnungen an.
Fasern
Für den Brandschutz werden Werkstoffe mit niedrigen
Schmelzpunkten erforderlich. Eine Auswahl von Faser‑ Gruppe V von Stahlblöcken gehobelte Fasern
werkstoffen ist in Abb. 1.6.2 dargestellt.
Abb. 1.6.2  
Eigenschaften
einer Auswahl von
Faserwerkstoffen

Faser­ Stahl AR-Glas Poly­ Polyacryl­ Kohlenstoff Stahlfasern nach DIN EN 14889-1


werkstoff propylen nitril Maßgebliche Eigenschaften

E-Modul Gruppe und Form


160–210 72–75 3,5–18 15–20 150–450
in KN/mm2
Länge und äquivalenter Durchmesser
Zug­
270 1500 320 330 2600 Zugfestigkeit und Elastizitätsmodul
festigkeit
>1000 1700 560 530 6300
in N/mm2 Verformbarkeit (falls erforderlich)
Bruch­ Einfluss auf die Betonkonsistenz (Referenzbeton)
dehnung 3–10 1,5–2,4 5–20 6–20 0,4–1,6
in % Einfluss auf die Biegezugfestigkeit (Referenzbeton)

Dichte
7,85 2,68 0,91 1,18 1,6–2,0 Abb. 1.6.6  Eigenschaften von Stahlfasern
in g/cm3

Abb. 1.6.3  
(links)
Verschiedene Arten
von Stahlfasern

Abb. 1.6.4  
(Mitte)
Polypropylenfasern

Abb. 1.6.5  
(rechts)
Glasfasern, 
geschnitten und
gebündelt

46 Holcim Betonpraxis
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung

1.6
Fasern
Stahlfasern zur Bemessung von Betonbauteilen Polymerfasern
Eine erfolgreiche Anwendung setzt eine auf die jeweilige Polymerfasern werden dem Beton beigemischt, um Früh‑
Bauaufgabe ausgerichtete Planung voraus. Zur Sicher‑ schwindrisse zu reduzieren. Typische Anwendungsfälle
stellung der Gebrauchstauglichkeit sowie der Tragfähig‑ sind Bodenplatten, Estriche oder aber Betonfertigteile
keit ist daher die DAfStb-Richtlinie «Stahlfaserbeton» und Betonwaren. Ebenso werden sie zur Verbesserung
anzuwenden. Ein durch sogenannte Leistungsklassen des Brandschutzes und zur Reduktion des Rückpralls
definierter Stahlfaserbeton kann vom Planer bemessen bei Spritzbeton verwendet. Polymerfasern sind in
werden. Für tragende Anwendungen sind ausschließlich DIN EN 14889-2 geregelt. Übliche Dosierungen für diese
Stahlfasern der Gruppe I nach Abb. 1.6.1 verwendbar. Anwendungsfälle sind 0,5 bis 2 kg pro Kubikmeter Beton.
Bei der Verwendung für tragende Anwendungen sind
Verwendung von Stahlfasern weitere Zustimmungen oder Zulassungen erforder‑
Der erforderliche Stahlfasergehalt bewegt sich in weiten lich. Die Dosierung richtet sich nach der geforderten
Grenzen. Als Anhaltspunkt kann von 20 bis 50 kg/m3 Leistungsfähigkeit. In der Regel ist jedoch von Gehalten
Stahlfasern pro Kubikmeter Beton ausgegangen werden. ab 3 kg pro Kubikmeter Beton auszugehen. Aufgrund der
Die Zugabe von Stahlfasern benötigt einen beson­ geringen Dichte der Polymerfasern ist auf das Einmischen
dere Dosiervorrichtung, um eine homogene Verteilung der Fasern ein besonderes Augenmerk zu legen.
sicherzustellen. Das Einmischen von Stahlfasern führt
in der Regel zu einer steiferen Konsistenz als der des
Ausgangsbetons. Eine gute Verarbeitbarkeit ist durch
Polymerfasern nach DIN EN 14889-2
betontechnologische Maßnahmen sicherzustellen. In der
Regel wird daher die Zugabe eines Betonverflüssigers Klasse Ia Mikrofasern mit d < 0,30 mm
bzw. eines Fließmittels erforderlich. Aufgrund der hohen (Monofilamente)
Dichte des Stahls ist auf mögliche Sedimentations- oder Klasse Ib Mikrofasern mit d < 0,30 mm
Separationseffekte zu achten. Der Leim sollte über eine (fibrilliert)
ausreichende Viskosität verfügen.
Klasse II Makrofasern mit d > 0,30 mm
Maßgebende Klasse, Polymerart, Form,
Der Hersteller eines Stahlfaserbetons für tragende
Eigenschaften Bündelung und Oberflächenbehandlung
Zwecke muss dafür Sorge tragen, dass die Materialeigen‑
schaften sicher erreicht werden. Dies geschieht durch Länge, äquivalenter Durchmesser und
erweiterte Erstprüfungen, da die Leistungsfähigkeit von Feinheit (Klasse I)
Stahlfaserbeton von vielen Faktoren beeinflusst wird.
Feinheitsbezogene Kraft (Klasse I)/­
Sie ist u. a. abhängig vom Fasertyp, der Faserschlankheit,
Zugfestigkeit (Klasse II), Elastizitätsmodul
dem Fasergehalt sowie der gleichmäßigen Verteilung der
Faser durch ein geeigneten Einmischprozess. Schmelzpunkt und
Entzündungstemperatur

Einfluss auf die Betonkonsistenz


(Referenzbeton)

Einfluss auf die Biegezugfestigkeit Abb. 1.6.7  


Einteilung von
(Referenzbeton)
Polymerfasern

Holcim Betonpraxis 47
Die Ausgangsstoffe zur Betonherstellung
1.6

Fasern
Glasfasern
Glasfasern können auf Grundlage einer allgemeinen bau‑
aufsichtlichen Zulassung (abZ) oder einer Zustimmung im
Einzelfall verwendet werden.

Aufgrund ihrer stofflichen Zusammensetzung, ihres rela­


tiv hohen Elastizitätsmodules sowie der guten Zugfestig‑
keit bieten sie sich zur Anwendung im ungerissenen Zu‑
stand an. Wegen fehlender normativer Regelungen sind
sie baupraktisch zur Zeit auf die qualitative Verbesserung
der Eigenschaften von Betonbauteilen beschränkt.
Weitergehende Anwendungen müssen wiederum
durch zusätzliche Zulassungen oder Zustimmungen ab‑
gesichert werden.

Die Glasfaserdichte von rund 2,7 kg/dm3 führt zu


einer g­ uten Einmischbarkeit in den Frischbeton. Dabei
ist jedoch darauf zu achten, dass die Glasfasern zum
Schluss der Mischung zugegeben werden, da die recht
spröde Ausgangsfaser bei zu langem Mischen zerstört
werden kann.

Abb. 1.6.8  
Mit Glasfasern
verstärkte Beton­
elemente

48 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.1

Betontechnologische ­Grundlagen
1.2

Beton als 5-Stoff-System bei gleich hoher Druckfestigkeit über eine nur steife
Beton wird heute als 5-Stoff-System beschrieben oder plastische Konsistenz verfügen, ist der Einsatz von
(siehe Abb. 2.1.1). B
­ asierend auf den drei elementaren Betonverflüssigern nicht zwingend erforderlich und kann
Betonkomponenten Gesteinskörnung, Zement und entfallen. In der Praxis ist der Einsatz von Zusatzmitteln
Wasser können noch weitere Stoffe hinzugefügt werden. und Zusatzstoffen heutzutage allerdings eher die Regel
Die Zugabe von Zusatzmitteln und Zusatzstoffen dient als die Ausnahme.
der Optimierung von Frisch- und Festbetoneigenschaften
und hilft, die stetig steigenden Anforderungen an die Einen weiteren, jedoch ungewollten Bestandteil von
Leistungsfähigkeit von Beton zu erfüllen. Beton stellt eingeschlossene Luft dar. Diese gelangt bei
der Herstellung, dem Transport sowie bei der Förderung
Im Gegensatz zu den Bestandteilen des 3-Stoff-Systems und dem Einbau in den Frischbeton und kann selbst
Gesteinskörnung, Zement und Wasser ist die Ver‑ durch fachgerechtes Verdichten des Frischbetons nicht
wendung von Zusatzmitteln und Zusatzstoffen optional vollständig aus dem Beton getrieben werden.
und richtet sich im Wesentlichen nach den gestellten Als Faustformel geht man bei ausreichend verdichtetem
Frisch- und Festbetonanforderungen. Beispielsweise ist Frischbeton von einem Restluftporenvolumen von
die Herstellung von weichen oder fließfähigen Betonen ca. 1,5 Vol.-% (entspricht ca. 15 Liter oder dm3 je Kubik‑
mit hohen Druckfestigkeitsanforderungen ausschließ‑ meter Beton) aus. Da die Luft nicht planmäßig dem Beton
lich mit sogenannten Betonverflüssigern oder Fließ‑ zugegeben wird, wird sie auch nicht im 5-Stoff-System
mitteln möglich. Eine Erhöhung der Konsistenz durch beschrieben. Bei der Berechnung einer Betonzusammen‑
Wasserzugabe scheidet aufgrund der damit einher‑ setzung muss das Restluftporenvolumen hingegen in
gehenden Abnahme der Betondruckfestigkeit aus und jedem Fall berücksichtigt werden. Dies wird in
würde nicht zum Ziel führen. Soll der Beton hingegen ­Kap. 2.5 «Stoffraumrechnung» beispielhaft gezeigt.

ys te m (+) Zus atz


o f f- S mi
t te
t
5 -S Betonverflüssiger l
Verzögerer
Stabilisierer

ff-System Luftporenbildner
Sto
Fließmittel
3-
Einpresshilfe
Beschleuniger
....

Farbpigmente
....

Fasern
Hüttensandmehl

Gesteinsfüller Mikrosilika

5-
St Steinkohlenflugasche
f fe
off sto
-Sy s z
t e m (+) Z u s a t
Abb. 2.1.1  
3-Stoff-System und
5-Stoff-System

50 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.1
Betontechnologische Grundlagen
Zusammensetzung des Betons In diesem Kapitel werden ausschließlich beton­techno­
Die Zusammensetzung des Betons bestimmt maßgeb‑ logische Zusammenhänge und Steuerungsgrößen
lich seine Eigenschaften. So können über die Art sowie ­beschrieben.
die Mengenanteile der fünf Komponenten Gesteins‑
körnung, Zement, Wasser, Zusatzmittel und Zusatzstoffe Die Betoneigenschaften und die Dauerhaftigkeit werden
Betone für die verschiedensten Bauaufgaben hergestellt ebenso von der Betonherstellung, dem Einbringen und
werden. Beton soll im Allgemeinen eine Nutzungsdauer Verdichten sowie von der Nachbehandlung beeinflusst.
der Bauteile und Bauwerke von 50 Jahren sicherstellen. Darauf wird in anderen Kapiteln näher eingegangen.
Neben den spezifischen Eigenschaften wie der Festig‑
keit oder der Wasserundurchlässigkeit ist deshalb ein Weiterhin spielt die konstruktive Ausbildung von Beton‑
besonderes Augenmerk auf die Dauerhaftigkeit des bauteilen eine entscheidende Rolle zur Sicherstellung
Betons zu richten. Das bedeutet, dass der Beton so fest, der Funktionalität sowie der Dauerhaftigkeit eines
dicht und beständig gegen schädigende Angriffe aus Betonbauteils. Grundlegende Materialeigenschaften des
seiner Umgebung sein soll, dass seine Gebrauchstaug‑ Betons sollten durch den Planer berücksichtigt und dem­
lichkeit über die gesamte Nutzungsdauer erhalten bleibt. entsprechend umgesetzt werden.
Darüber hinaus ist sicherzustellen, dass das alkalische
Milieu im Beton dauerhaft aufrechterhalten wird, um die In Abb. 2.1.2 ist eine Auswahl von Betonanforderungen
Bewehrung von Korrosion zu schützen. mit den dazugehörigen betontechnologischen Maß‑
Abb. 2.1.2  
nahmen aufgeführt.
Auswahl beton­
technologischer
Maßnahmen

Betonanforderung Betontechnologische Maßnahme Effekt Muss beachtet werden


Druckfestigkeit Wahl der Zementart und Verklebung der Gesteinskörnung
des ­Wasserzementwertes durch einen den Anforderungen –
nach Walz-Diagramm entsprechenden Zementstein
Schutz der Bewehrung Festlegung eines ausreichend Reduzierung der Porosität des Eine abnehmende Porosität führt zu
vor den Folgen der niedrigen Wasserzementwertes Zementsteins sowie Sicherstellen höheren Druck- und Zugfestigkeiten.
Karbonatisierung sowie Beachtung des des alkalischen Milieus im Beton Dies wiederum erfordert höhere
sowie der Mindestzementgehaltes Gehalte an Betonstahlbewehrung
Chloridkorrosion zur Rissbreitenkontrolle.
Gröbere Kornverteilung der Reduzierung des erforderlichen Verarbeitbarkeit des Betons
Gesteinskörnung und Optimierung Zementleimvolumens und damit sowie Einbettung der
der Packungsdichte der Angriffsfläche Betonstahlbewehrung
Schutz des Betons Wie zuvor und zusätzlich ggf. Reduzierung des Gefrierdrucks Abnahme der Betondruckfestigkeit
gegen Frost- Einführen von Mikroluftporen durch durch Eisbildung innerhalb der durch die eingeführten Mikroluft‑
oder Frost- und sogenannte Luftporenbildner Mikroluftporen. Steigerung des poren.
Tausalzangriff Frostwiderstandes Begrenzung der Frischbeton­
konsistenz für stabile ­Mikroluftporen
Beton mit reduzierter Optimierung der Kornverteilung der Die Schwindneigung des Betons Verarbeitbarkeit des Betons
Schwindneigung Gesteinskörnung sowie Begrenzung ist abhängig von der Menge und der sowie Einbettung der
des Zement- und Wassergehaltes Qualität des Zementleims Betonstahlbewehrung.
Unter Umständen Probleme beim
Pumpen des Betons
Reduktion der Verwendung von Zementen mit Die bei der Erhärtung freiwerdende Sehr langsame Festigkeits­
Rissgefahr durch niedriger Hydratationswärme sowie Wärme ist abhängig von der entwicklung des Betons
Temperatur­ Reduzierung des Zementgehaltes. Zementart und dem Zementgehalt. beim Bauablauf beachten.
spannungen Optimierte Kornverteilung der Eine optimale Kornverteilung Nachbehandlungsdauer verlängert
Gesteinskörnung erlaubt die Reduktion des sich.
Zementgehaltes bei ausreichender Sonst wie zuvor
Verarbeitbarkeit.

Holcim Betonpraxis 51
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.1

Betontechnologische Grundlagen
Abb. 2.1.3   Der Wasserzementwert Wasser
Schematische Ein zentraler Kennwert des Betons ist der Wasser­
Darstellung der Hydratation
Hydratation von
zementwert. Er beschreibt das Verhältnis von Wasser
Wasserzementwert
Zementen bei und Zement: w/z = 0,20
unterschiedlichen
Wasserzement­ w=w/z Zement­
korn
werten w : Wasserzementwert
w : Masse des Wassers in kg
Hydratation
z : Masse des Zements in kg
Wasserzementwert
w/z = 0,40
Zur vollständigen Hydratation des Zements werden rund
40 Massenprozent Wasser benötigt. Dies führt zu einem
theoretischen Wasserzementwert von w ≈ 40/100 ≈ 0,40.
Hydratation
Bei diesem Massenverhältnis wird das gesamte zur Ver‑
fügung stehende Wasser in die Hydra­tationsprodukte Wasserzementwert
w/z = 0,60
des Zements eingebunden und es verbleibt keine freie
Wassermenge im Zementstein. Bei höheren Wasser‑
Kapillarporen
zementwerten verbleibt das nicht benötigte Wasser (Wasser)
während der Erhärtung im Porensystem des Zement‑
steins und bildet anfänglich wassergefüllte Kapillarporen
aus (Abb. 2.1.3). Je nach Umgebungsbedingung trocknen die Kapillar‑
poren aus. Das bedeutet, dass der Wasserzementwert als
Kennwert für die Porosität des Zementsteins verstanden
werden kann. Je höher der Zementwert, desto höher die
Porosität des Zementsteins und umgekehrt.
Dieser Zusammenhang ist in der Abb. 2.1.4 dargestellt.

Volumen in %
Abb. 2.1.4   100
Zusammensetzung Luftporen
des Zementsteins
in Abhängigkeit
des Wasserzement­
wertes 80
Kapillarporen
unhydratisierter
Zement
60
Ge
lpo
ren

40
Zementgel
(Feststoff)
20

Hydratationsgrad a = 1,0

0
0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6
Wasserzementwert

52 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.1
Betontechnologische Grundlagen
Bedeutung des Wasserzementwertes Abb. 2.1.5  
Für die Dauerhaftigkeit von Betonbauwerken hat dieser Einfluss des
Wasser­
Zusammenhang eine entscheidende Bedeutung. Es soll
zementwertes
verhindert werden, dass Stoffe innerhalb der Nutzungs‑ auf Betoneigen­
dauer in den Beton eindringen, und zwar in dem Umfang, schaften
der zu einer Schädigung des Betons oder der Beton‑
stahlbewehrung führt. Bei steigenden Angriffsrisiken
kann dies durch eine Reduzierung der Porosität des
Zementsteins erreicht werden. Beispielsweise muss im
Fall einer Schädigung der Betonstahlbewehrung durch
Chloride, das Chlorid in gelöster Form durch den Beton
zur Beweh­rung gelangen und sich dort anreichern, bevor
der Schädigungsprozess beginnen kann. Der Stofftrans‑
port wird durch dichtere, d. h. weniger poröse Betone
verlangsamt. Diese Abhängigkeit findet sich bei der Um‑
setzung der Anforderungen aus den Expositionsklassen
in der Normung wieder.

Mit steigendem Angriffsrisiko verringert sich der höchst‑


zulässige Wasserzementwert. Weitere Eigenschaften wie
die Wasserundurchlässigkeit, das Schwindmaß oder aber
die Blutneigung werden durch eine zu hohe Porosität
ebenfalls negativ beeinflusst (Abb. 2.1.5).

Mit der Zunahme der Porosität sinkt weiterhin die Festig‑


keit des Zementsteins und damit des Betons ab. Daher
wird der Wasserzementwert in der Praxis ebenfalls
als Steuerungsgröße für die Festlegung der Festigkeit
verwendet. Dies geschieht mithilfe des sogenannten
Walz‑Diagrammes (Abb. 2.1.6).

Das Walz-Diagramm ist als Korrelation zwischen dem Abb. 2.1.6  


110 Walz-Diagramm
Wasserzementwert und der zur erwartenden Beton‑
druckfestigkeit zu verstehen. Dies erklärt auch, weshalb
100
höhere Angriffsrisiken in den Expositionsklassen norma­
tiv höhere Mindestdruckfestigkeitsklassen zur Folge
90
Betondruckfestigkeit f c,dry,cube [N/mm2]

haben. Die höhere Druckfestigkeit resultiert aus einem


weniger porösen und damit dichteren Zementstein.
80
52,
5N;

70
52,
42

5
,5

60
N;
42
32

,5

50
R
,5
N

32
;

,5
40 R

30

20

10
0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0

Wasserzementwert w/z

Holcim Betonpraxis 53
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.1

Betontechnologische Grundlagen
Wahl der Gesteinskörnung verwendet. Die nach Fuller ermittelten günstigen Korn‑
Ein Korngemisch mit wohlabgestimmter, kontinuier‑ verteilungen finden sich in den Sieblinien der DIN 1045
licher Kornzusammen­set­zung führt zu einem Beton wieder (Abb. 2.1.9). Dabei erhöht sich die Feinheit der
mit guter Verar­beitbarkeit und geringer Ent­mischungs­­ Sieblinien von A über B nach C. Dies kann in Abb. 2.1.9
neigung. Sowohl der Wasser­anspruch des Korn­ge­mischs zum Beispiel am Siebdurchgang durch das 2 mm-Sieb
als auch der für eine gute Verarbeitbarkeit erforder‑ verdeutlicht werden. Sind bei Sieblinie A nur 14 % der
liche Zementleim­gehalt werden begrenzt (Abb. 2.1.7 Gesteinskörner kleiner als 2 mm, steigt die Feinheit bei B
und Abb. 2.1.8). Der daraus resultierende Fest­beton hat bereits auf 37 %. Bei der Sieblinie C sind dann über die
dadurch eine niedrige Porosität, was ihm eine hohe Hälfte (53 %) der Gesteinskörner kleiner als 2 mm. Ist die
Dauer­haftigkeit verleiht. Kornverteilung zu eng – sie besteht beispielsweise nur
aus einer Korngruppe (siehe Abb. 2.1.7 und Abb. 2.1.9 rote
Zur Optimierung des erforderlichen Leimvolumens und Kurve) – verbleibt ein großes Porenvolumen, das durch
damit des Wasser-, Zement- und Zusatzstoffgehaltes Leim ausgefüllt werden muss.
wird in der Praxis der Ansatz nach Fuller am häufigsten

Abb. 2.1.7  
Schlechte Raum­ + + + 16/32 mm =
verfüllung,  0/2 mm 2/8 mm 8/16 mm 0/32 mm
hohe Porosität 
bei Beton mit nur
einer Korngruppe
(schematische  0 % + 0 % + 0 % + 100 % = 100 %
Darstellung)

Abb. 2.1.8  
Gute Raum­
0/2 mm + 2/8 mm + 8/16 mm + 16/32 mm = 0/32 mm
verfüllung, 
niedrige Porosität
bei Beton mit
gut abgestuftem
­Korngemisch 40 % + 15 % + 25 % + 20 % = 100 %
(schematische
­Darstellung)

Abb. 2.1.9  
Sieblinien und
100
Siebdurchgang [Massen-%]

Sieblinienbereiche
für ein Größtkorn 89
von 32 mm nach
DIN 1045 mit der
beispiel­haften 80 77 80
Darstellung
einer günstig 65
abgestimmten 62 62
(grün) sowie 60
einer ungünstig 53
55
abgestimmten (rot)
Kornverteilung 42
40 42
40
38
(29) 37
28
20 23
15 (18)
14
8 (5)
2 8
0 0
0 0,125 0,25 0,5 1 2 4 8 16 31,5
Sieböffnung [mm]

54 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.1
Betontechnologische Grundlagen
Abb. 2.1.10  
Sieblinie Körnungsziffer 1) D-Summe 2) Konsistenzbezeichnungen
Wasseranspruch 
steif plastisch weich 3) in kg/m3 
Frischbeton für
A 32 5,48 352 130 150 170 verschiedene
Konsistenzbereiche
B 32 4,20 480 150 170 180
(Richtwerte)
C 32 3,30 570 170 190 210
A 16 4,60 440 140 160 180
B 16 3,66 534 160 180 200
C 16 2,75 625 190 210 230
A8 3,64 536 155 180 200
B8 2,89 611 190 205 230
C8 2,27 673 210 230 250
1) Körnungsziffer:
Summe der in Prozent angegebenen Rückstände auf den Sieben 0,25; 0,5; 1; 2; 4; 8; 16; 31,5 und 63 mm, geteilt durch 100.
2) D-Summe: Summe der in Prozent angegebenen Durchgänge durch die Siebe 0,25; 0,5; 1; 2; 4; 8; 16; 31,5 und 63 mm.
3) Beton weicherer Konsistenz nur durch den Einsatz von Fließmittel

Bedeutung des Wasseranspruchs Einsatz von Zusatzmitteln


Mit zunehmender Feinheit einer Sieblinie steigt der Neben dem Leimvolumen (Wasser + Zement + ggf.
Wasseranspruch zum Erreichen derselben Beton‑ Zusatzstoff und Zusatzmittel) wird die Konsistenz
konsistenz an. Gleiches gilt bei der Reduktion des des Betons ebenso von den Eigenschaften des Leimes
Größtkorns, wodurch die Sieblinie de facto ebenfalls bestimmt. Betonverflüssiger oder Fließmittel er‑
feiner wird. Das Ausfüllen eines Volumens mit kleineren höhen die Konsistenz des Leimes und damit die
Partikeln führt zu größeren zu benetzenden Oberflächen Konsistenz des Betons. Dies gilt insbesondere bei
als bei entsprechender Ausfüllung mit groben Partikeln. steigenden ­Leimgehalten.
Da in der Praxis Anforderungen an den Wasserzement‑
wert gestellt werden, führt eine feinere Sieblinie und
damit ein höherer Wasseranspruch daher auch zu
höheren Bindemittelgehalten (siehe Abb. 2.1.11). Die
oben angegebenen Wasseransprüche sind als Richtwerte
zu verstehen.

Der tatsächliche Wasseranspruch hängt unter anderem


noch von der Kornform der Gesteinskörner ab und sollte
durch Frischbetonprüfungen ermittelt werden.

Abb. 2.1.11  
Gewählte  Gewählte  Wasseranspruch  Vorgabe des Erforderlicher Beispielhafte
Sieblinie Konsistenzklasse nach Abb. 2.1.10 ­Wasserzementwertes w/z  ­Zementgehalt zur Darstellung der
(z. B. aus den Einhaltung des Abhängigkeit von
­Expositionsklassen) ­Wasserzementwertes Wasseranspruch
und Bindemittel­
AB16 Plastisch (F2) (160 + 180)/2 = 170 kg/m3 w/z = 0,60 z = w/0,60 = 170/0,60  gehalt zum
= 285 kg/m3 Erreichen einer
Betonkonsistenz
B16 Plastisch (F2) 180 kg/m3 w/z = 0,60 z = w/0,6o = 180/0,60
= 300 kg/m3

Holcim Betonpraxis 55
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.2

Entwurfskonzepte
2.2

Festlegung der Betone nach DIN EN 206‑1  Gemäß der Norm kann Beton grundsätzlich nach Eigen‑
und DIN 1045‑2 schaften oder nach Zusammensetzung hergestellt
werden. Dabei werden die Verantwortlich­keiten auf‑
Verantwortung geteilt in die der Aus­schreibenden – im Wesent­lichen
DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2 sind Produktnormen, die also Architekten, Planer und Ingenieure –, in die der
die Her­stellung, die Lieferung und den Konformi­täts­ Betonhersteller und in die der bauausführenden Firmen
nachweis von Beton zum Inhalt haben. Sie definieren die (Abb. 2.2.1):
Anforderun­gen an die Ausgangsstoffe, die Fest­legung
des Betons, die Eigenschaften von Frisch- und Festbeton ••Beton nach Eigenschaften:
und deren Nachweis, die Verfahren der Produktions‑ Kunde bestellt Eigen­schaften, Transportbetonwerk
kontrolle, die Konfor­mitätskriterien sowie die Beurteilung stellt sicher, dass diese erreicht werden
der Kon­formität. Die Normen gelten für alle vollständig ••Beton nach Zusammensetzung:
verdichteten Betone, von Normal­beton, Leichtbeton bis Kunde bestellt Zu­sam­mensetzung, Transportbetonwerk
Schwer­beton, jedoch nicht für Spezialbetone. stellt sicher, dass diese eingehalten wird
••Standardbeton (früher Rezeptbeton):
Eine Erstprüfung entfällt, Standardbeton ist bau‑
praktisch bedeutungslos.

Festlegen des Beton nach Beton nach Durch die Übernahme der Alkali-Richtlinie in die
Betons Eigenschaften Zusammensetzung DIN 1045‑2 ergeben sich neue ­Zuständigkeiten
Festlegen der Planer Planer (Abb. 2.2.2).
Anforderungen
Die Planer haben neben der Festlegung der Exposi­
Betonzusammensetzung
Betonhersteller Planer tionsklassen zusätzlich die Aufgabe, die Feuchteklasse
Erstprüfung für «Betonkorrosion infolge Alkali-Kiesel­säure-Reaktion»
Produktionskontrolle Betonhersteller Betonhersteller auszuweisen.
Konformität Betonhersteller Planer
Produzenten von Gesteinskörnung stufen ihre Gesteins‑
Annahmeprüfung Bauunternehmen Bauunternehmen körnungen in Alkaliempfind­lich­keitsklassen ein.
Abb. 2.2.1  
Verantwortlichkeiten für die Festlegung Die Zementhersteller bieten NA-Zemente an.
des Betons nach DIN EN 206‑1 
und DIN 1045‑2 Die Betonhersteller stellen durch die Auswahl der ge‑
eigneten Zemente und Gesteinskörnungen sicher, dass
die Anforderungen der Richtlinie eingehalten werden.
Die Feuchteklassen müssen auf dem Lieferschein an‑
Maßnahme Zuständigkeit
gegeben werden.
Festlegung der Feuchtigkeitsklassen Verfasser der Festlegung
Einstufung in
Produzent der Gesteinskörnung
­Alkaliempfindlichkeitsklasse
Begrenzung des Alkaligehalts
Zementhersteller
im Zement
Anpassung der Rezeptur

Betonhersteller
Angabe der
Feuchtigkeitsklasse

Abb. 2.2.2  
Maßnahmen und Zuständigkeiten zur
Vermeidung von Alkali-Kieselsäure-­
Reaktionen

56 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.2
Entwurfskonzepte
Beton nach Eigenschaften Beton nach Zusammensetzung
Der Beton nach DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2 wird an‑ Der Kunde bestellt eine bestimmte Betonzusam­
hand seiner Eigen­schaften eindeutig gekennzeichnet und mensetzung, das Betonwerk muss lediglich mit einem
festgelegt. Dazu wird nicht nur die rechnerisch erforder‑ Chargenprotokoll sicherstellen, dass der Beton diesen
liche Druckfestigkeit des Betons vereinbart (Druckfestig­ Anforderungen entsprechend zusammengesetzt ist. Die
keitsklasse), sondern auch seine Dauer­haftigkeit in Verantwortung für das Erreichen der Eigenschaften liegt
Bezug auf die vielfältigen Einflüsse seiner Umgebung hier beim Besteller.
(Expositions­klasse, Chlorid­gehaltsklasse) sowie die Ver‑
arbeitbarkeit (Größt­korn und Konsis­tenz­klasse). Grundlegende Anforderungen sind festzulegen:
••Bezug auf DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2
Der Kunde bestellt Eigenschaften, deren Erreichen das ••Zement: Art, Festigkeitsklasse, Gehalt
Betonwerk sicherstellen muss. ••Wasserzementwert oder Konsistenz
••Gesteinskörnung: Art, Größtkorn, Sieblinie
Grundlegende Anforderungen sind festzulegen: ••Betonzusätze: Art, Menge, Herkunft.

••Bezug auf DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2 Zusätzliche Anforderungen dürfen festgelegt werden,
••Druckfestigkeitsklasse z. B. an die Herkunft aller Ausgangsstoffe, an die
••Expositionsklassen Gesteinskörnung, an die Frischbetontemperatur sowie
••Größtkorn der Gesteinskörnung weitere besondere technische Anforderungen.
••Unbewehrt, Stahlbeton, Spannbeton oder
Klasse des Chloridgehalts Standardbeton
••Konsistenzklasse. Standardbetone sind vereinheitlichte Betonzusammen‑
setzungen zum Erreichen bestimmter Eigenschaften.
Zusätzliche Anforderungen dürfen festgelegt werden, Eine Erstprüfung muss nicht erfolgen. Der Einsatzbereich
z. B. Zement, besondere Anforderungen an die Ge­steins­ beschränkt sich auf Normalbetone der Druckfestigkeits‑
körnung, Luftporen, Frischbetontemperatur, Festigkeits‑ klassen bis C16/20 sowie auf die Expositionsklassen X0,
entwicklung, Wärmeentwicklung, verzögertes Ansteifen, XC1 und XC2.
Wassereindringwiderstand, Abrieb­wi­der­stand, Spaltzug‑
festigkeit und besondere technische Anforderungen. Angaben zur Zusammensetzung eines Standardbetons
sind der DIN EN 206‑1 / DIN 1045‑2 zu entnehmen. In
Abhängigkeit der angestrebten Konsistenz und Druck­
festigkeitsklasse werden Mindestzementgehalte vor‑
Mindestzementgehalt [kg/m3] geschrieben.
für Konsistenzbezeichnung
steif plastisch weich Standardbetone basieren auf einem klassischen 3-Stoff-
C8/10 210 230 260
System. Neben Zement dürfen ausschließlich natür‑
liche Gesteinskörnung und Wasser eingesetzt werden.
C12/15 270 300 330
Demnach sind Zusatzmittel sowie Zusatzstoffe von der
C16/20 290 320 360 Verwendung ausgeschlossen.

Abb. 2.2.3   In der Praxis haben Standardbetone kaum eine Be‑


Vorgaben für Standardbetone mit einem Zement der Festigkeits­
deutung. Es werden zum überwiegenden Anteil B ­ etone
klasse 32,5 und einem Größtkorn von 32 mm
nach Eigenschaften eingesetzt. Die Gründe sind
naheliegend – moderne Produktionstechnik und eine
ständige Qualitätskontrolle bei der Herstellung von
Transportbeton ermöglichen deutlich wirtschaftlichere
Lösungen bei besserer Betonqualität. Zudem kann
eine Reihe von vorteilhaften Eigenschaften erst durch
den Einsatz von Zusatzmitteln und Zusatzstoffen er‑
reicht werden.

Holcim Betonpraxis 57
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.2

Entwurfskonzepte
Deskriptiver Ansatz Zusätzliche Nachweise der Betonleistungsfähigkeit
Bei den in der EN 206-1 / DIN 1045-2 zur Verfügung Für bestimmte Anwendungen wird bereits heute die
stehenden Entwurfskonzepten handelt es sich um so‑ Prüfung des Frostwiderstandes von Beton verlangt.
genannte deskriptive Entwurfskonzepte. Dies gilt insbesondere im Straßen- und Wasserbau.

Das bedeutet, dass bei der Einhaltung von vor‑ Mit dem CIF-Test (englisch: Capillary suction, Internal
geschriebenen Grenzwerten der Zusammensetzung der damage and Freeze thaw test) und dem CDF-Test
Beton die geforderten Eigenschaften erfüllt. (englisch: Capillary suction of De-icing solution and
Freeze thaw test) werden Prüfverfahren zur Verfügung
Zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit hoch wasser‑ gestellt, mit dem der Frostwiderstand im Versuch ge‑
gesättigter Betone mit Tausalzangriff darf beispiels‑ messen werden kann.
weise der Wasserzementwert 0,50 nicht übersteigen.
Zusätzlich muss ein Mikroluftporenvolumen von Die geforderte Eigenschaft des Frostwiderstandes wird
mindestens 4 Vol.-% bei einem Größtkorn von 16 mm also zusätzlich durch eine Prüfung abgesichert.
sowie ein Mindestzementgehalt von 320 kg je Kubik‑
meter Beton eingehalten werden. Ein expliziter Nach‑ Vergleichbare Prüfverfahren liegen für die Bestimmung
weis der Frost­sicherheit durch Prüfungen ist in der des Chloridmigrationswiderstandes oder aber für den
Regel nicht erforderlich. Bei Einhaltung der Grenzwerte Karbonatisierungswiderstand vor und werden auch in
der Betonzusammensetzung erfolgt die Qualitäts‑ der Praxis angewendet. So ist der Nachweis des Frost-,
kontrolle im Wesentlichen durch die Überprüfung der ­Chlorid- oder Karbonatisierungswiderstandes bereits
Betondruckfestigkeit als Maß für die Dichtheit des heute in der Schweiz normativ geregelt und damit für
Betons. In diesem Fall muss der Beton mindestens der bestimmte Betone obligatorisch.
Druckfestigkeitsklasse C30/37 entsprechen.

Abb. 2.2.4  
Messung des Frost- bzw. Frost-Tausalz­
widerstands mit einer Frosttruhe

58 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.3
Druckfestigkeit und Expositionsklassen
3.2

Druckfestigkeitsklasse Leichtbeton unterschieden. Um die unterschiedlichen


Der Beton wird anhand seiner Druckfestigkeit in Prüfmethoden innerhalb Europas zu berücksichtigen,
verschiedene Druckfestigkeitsklassen eingeteilt. wird je D
­ ruck­festigkeits­klasse die Mindestdruckfes­tig­
Dabei wird zwischen den Druckfestig­keitsklassen keit so­wohl für zylindrische als auch für würfelförmige
für Normal- und Schwerbeton und für konstruktiven ­Prüfkörper ­angegeben.

Abb. 2.3.1  
Druck­festig­ Zylinder 1) 2) Würfel 1) 3) Druck­festig­ Zylinder 1) 2) Würfel 1) 3)
Druckfestigkeits­
keits­klasse fck,cyl fck,cube keits­klasse fck,cyl fck,cube klassen für Normal-
[MPa] [MPa] [MPa] [MPa] und Schwerbeton
(links, 
C 8/10 8 10 LC 8/9 8 9 ≥ 2000 kg/m3) 
sowie Leichtbeton 
C 12/15 12 15 LC 12/13 12 13
(rechts, 
≤ 2000 kg/m3)
C 16/20 16 20 LC 16/18 16 18
nach DIN EN 206‑1
C 20/25 20 25 LC 20/22 20 22 und DIN 1045‑2.
Angegeben sind die
C 25/30 25 30 LC 25/28 25 28 charakteristischen
Mindest­druck­
Normal- und Schwerbeton

C 30/37 30 37 LC 30/33 30 33 festigkeiten


Leichtbeton

C 35/45 35 45 LC 35/38 35 38

C 40/50 40 50 LC 40/44 40 44

C 45/55 45 55 LC 45/50 45 50

C 50/60 50 60 LC 50/55 50 55

C 55/67 55 67 LC 55/60 55 60
hochfest

C 60/75 60 75 LC 60/66 60 66
hochfest

C 70/85 70 85 LC 70/77 4) 70 77

C 80/95 80 95 LC 80/88 4) 80 88

C 90/105 4) 90 105 1) Lagerung der Probe unter Wasser, Prüfalter 28 Tage


2) Zylinder:Ø 150 mm, h = 300 mm
C 100/115 4) 100 115 3) Würfel: Kantenlänge = 150 mm

4) Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder Z ­ ustimmung


1) Lagerung der Probe unter Wasser, Prüfalter 28 Tage im Einzelfall ­erforderlich
2) Zylinder:Ø 150 mm, h = 300 mm
3) Würfel: Kantenlänge = 150 mm

4) Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder Zustimmung

im Einzelfall ­erforderlich

Abb. 2.3.3  
Messen des Würfels
vor der Prüfung

Abb. 2.3.2  
Lagerung der Prüfkörper im Wasserbad

Holcim Betonpraxis 59
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.3

Druckfestigkeit und Expositionsklassen


Expositionsklasse Die Expositionsklassen des Betons eines Bauteils
Expositionsklassen beschreiben das Angriffsrisiko von ••sind die wichtigste Information in der Festlegung
Umwelteinflüssen auf den Beton und die Bewehrung. eines Betons
Ausgehend davon werden entsprechende Mindest‑ ••bestimmen die Zusammensetzung des Betons
anforderungen an den Beton gestellt, z. B. in Form eines (Wasser­­zementwert, Mindestzementgehalt,
Mindest­zement­ge­halts, der Begren­zung des maximalen ­Zementart, LP‑Gehalt, Gesteinskörnung etc.)
Wasser­zementwerts oder der Fest­legung eines Luft­­ ••bestimmen die Mindestdruckfestigkeitsklasse eines
gehalts im Beton, um die Dauer­haftigkeit der Beton­ Betons
konstruktion zu gewährleisten. ••bestimmen die Mindestbetondeckung des Bauteils
••bestimmen die bei der Ausführung geltende Über­
Die unterschiedlichen Expositionsklassen mit ihren wachungsklasse.
differenzierten Angriffsgraden sind in Abb. 2.3.8 dar‑
Abb. 2.3.4  
Vereinfachte gestellt. EXpositionsklassen
Übersicht über die­
­Expositionsklassen Für jedes Bauobjekt müssen sämtliche Exposi­tions­
klassen bauteilbezogen festgelegt werden. Nicht selten Bewehrungskorrosion Betonangriff
ergeben sich aus den Expositionsklassenanforderungen
höhere Druckfestigkeitsklassen als aus statischen
Gründen notwendig. Für die Betonhersteller ist bei mehr XC XD XS XF XA XM
als einer Exposi­tions­klasse jeweils die mit den höchsten
Anforderungen an den Beton für die Betonzusammen‑
setzung maßgebend.
Anforderungen an
Anforderungen an Zusammensetzung
Betondeckung cnom und Nachbehandlung
des Betons

bewehrt, innen trocken XC1


bewehrt, außenwech­
selnd nass, trocken
mäßig feucht, Frost

XC4,
bewehrt, außen

Abb. 2.3.5  
XF1
und Frost

Expositionsklassen
am Beispiel einer
Prinzipskizze für
den Hochbau

Fließestrich
bewehrt, außen, Frost innen XC1
WU-Wand, chemisch
trocken und Frost

schwach angreif.
bewehrt, außen­
wechselnd nass,

XC4, XF1, XA1

bewehrt, nass, innen trocken XC1, XC2


Sauberkeitsschicht, unbew. Fundament, Fundament,
unbewehrt unbewehrt

XC4, XF1 X0

60 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.3
Druckfestigkeit und Expositionsklassen
Abb. 2.3.6  
Kappenbeton Kappenbeton Expositionsklassen
am Beispiel einer
Prinzipskizze für
Überbau den Ingenieurbau

XD3, XF4(LP)

XC4, XF1, XA1 XD2, XF2(LP)


Brücken-
Pfeiler

XD1, XF2(LP) XM1, XF4(LP)

Schall-
schutz-
wand

unbewehrte Betonfahrbahn
Pfahlkopf Fundament
Hydr. gebundene Tragschicht bewehrt
Wasser-
wechsel-
zone

Kanalsohle

Bohr-
pfahl

XC2 XD2, XA2, XF3 XC4, XF1, XA1 X0 XC2

Abb. 2.3.7  
Expositions­klassen
am Beispiel einer
bewehrt,

Produktion Chemielager Verladung Prinzipskizze für


bewehrt, innen

XC4, XF1, XA1


außen
bewehrt, außenwechselnd
nass, trocken und Frost

den Industriebau

XD3, XM3, XF4(LP)


XA berücksichtigen

XA2, XD2
chem.
chem.

Flüssigkeitsdichter Beton Industrieboden, mäßig beansprucht chem. mäßig beansprucht bewehrt, Regen, Frost und Tausalz

Sauberkeitsschicht bewehrt,
Sulfat- Freifläche
außen,
angriff
Frost unbewehrte Industriefläche mit Tausalz
1‑0500
mg/l Fundament,
unbewehrt

XD3, XA3, XF4(LP) XA2, XF2, XD2 XM2(OF) XA2, XM2(OF) X0 XF4(PL), XM2(OF)

Holcim Betonpraxis 61
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.3

Druckfestigkeit und Expositionsklassen


Abb. 2.3.8  
Expositionsklassen
nach DIN EN 206‑1
und DIN 1045‑2 Kl. Umgebung Anwendungsbeispiele

Nur für Beton ohne


Bewehrung oder ein‑ Kein Korrosions- oder Bauteile ohne Bewehrung oder eingebettetes Metall
gebettetes Material Angriffsrisiko X0 in nicht Beton angreifender Umgebung
X0 unbewehrte Fundamente ohne Frost; unbewehrte Innenbauteile
Für massige Bauteile
(kleinste Bauteilab­ Bewehrungskorrosion Beton, der Bewehrung oder anderes Metall enthält und
messung 80 cm) gilt der durch Karbonatisierung XC der Luft und Feuchtigkeit ausgesetzt ist
Mindest­ze­ment­­ge­halt
XC1 trocken oder ständig feucht bewehrte Innenbauteile; Bauteile, die ständig in Wasser getaucht sind
von 300 kg/m3
XC2 nass, selten trocken Teile von Wasserbehältern; Gründungsbauteile
Gilt nicht für Leichtbeton XC3 mäßige Feuchte vor Regen geschützter Beton im Freien; offene Hallen, Feuchträume
XC4 wechselnd nass und trocken Außenbauteile mit direkter Bewitterung; Beleuchtungsmasten, Balkone
Angriff auf Bewehrung

Bei einem Größtkorn der Bewehrungskorrosion durch Chloride, Beton, der Bewehrung oder anderes Metall enthält und der chloridhaltigem
Gesteinskörnung von
63 mm darf der Zement­-
ausgenommen Meerwasser XD Wasser einschließlich Taumittel, ausgenommen Meerwasser, ausgesetzt ist
gehalt um 30 kg/m3 XD1 mäßige Feuchte Bauteile im Sprühnebel von Verkehrsflächen; Einzelgaragen
reduziert werden. ln
diesem Fall darf b nicht XD2 nass, selten trocken Bauteile, die chloridhaltigen Industrieabwässern ausgesetzt sind; Solebäder
angewendet werden XD3 wechselnd nass und trocken Teile von Brücken mit Spritzwasserbeanspruchung; Fahrbahndecken, Parkdecks
Bewehrungskorrosion durch Chloride Beton, der Bewehrung oder anderes Metall enthält und der Chloriden
Bei Verwendung von aus Meerwasser XS aus Meerwasser oder salzhaltiger Seeluft ausgesetzt ist
Luft­poren­beton, z. B.
aufgrund gleichzeitiger XS1 salzhaltige Luft* Außenbauteile in Küstennähe
Anforderun­gen aus der
XS2 unter Wasser Bauteile in Hafenanlagen, die ständig unter Wasser liegen
Expositions­klasse XF,
eine Festigkeits­klasse XS3 Tidebereiche, Spritzwasser- Kaimauern in Hafenanlagen
niedriger und Sprühnebelbereiche
Frostangriff mit und ohne Durchfeuchteter Beton, der erheblichem Angriff durch Frost-Tau-Wechsel
Der mittlere Luftgehalt Taumittel XF ausgesetzt ist
im Frischbeton, unmittel‑
bar vor dem Einbau muss XF1 mäßige Wassersättigung, Außenbauteile
bei einem Größtkorn ohne Taumittel
der Gesteins­kör­nung
von 8 mm ≥ 5,5 Vol.-%, XF2 mäßige Wassersättigung, Betonbauteile im Sprühnebel- oder Spritzwasserbereich taumittelbehandelter
16 mm ≥ 4,5 Vol.-%, mit Taumittel Verkehrsflächen, soweit nicht XF4; Betonbauteile im Sprühnebelbereich von
32 mm ≥ 4,0 Vol.-% und Meerwasser
63 mm ≥ 3,5 Vol.-% betra­
gen. Einzelwerte dürfen
XF3 hohe Wassersättigung, Offene Wasserbehälter; Bauteile in der Wasserwechselzone von Süßwasser
diese Anforderungen ohne Taumittel
um höchstens 0,5 Vol.-%
unterschreiten XF4 hohe Wassersättigung, Mit Taumitteln behandelte Verkehrsflächen; überwiegend horizontale
mit Taumittel Bauteile im Spritzwasserbereich taumittelbehandelter Verkehrsflächen;
Räumerlaufbahnen von Kläranlagen; Meerwasserbauteile in der Wechselzone
Zusatzstoffe des Typs II
Angriff auf Beton

dürfen zugesetzt, aber Betonkorrosion durch chemischen Beton, der chemischem Angriff durch natürliche Böden, Grundwasser,
nicht auf den Zement‑ Angriff XA Meerwasser gemäß DIN EN 206‑1, Tab. 2, und Abwasser ausgesetzt ist
gehalt oder den w/zeq
angerechnet werden XA1 chemisch schwach angreifend entsprechend den Grenzwerten nach DIN EN 206‑1, Tab. 2; Kläranlagen,
XA2 chemisch mäßig angreifend Güllebehälter, Bauteile im Kontakt mit Meerwasser oder in Beton angreifenden
Böden, Industrieabwasseranlagen mit chemisch angreifendem Abwasser,
Gesteinskörnungen bis XA3 chemisch stark angreifend
Dmax 4 mm müs­sen Gärfuttersilos und Futtertische der Landwirtschaft; Kühltürme mit
überwiegend aus Quarz Rauchgasableitung
oder Stoffen mindestens Betonkorrosion durch Beton, der erheblichen mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt ist
gleicher Härte be­stehen,
das gröbere Korn aus
­Verschleißbeanspruchung XM
Ge­stein oder künstlichen XM1 mäßige Tragende oder aussteifende Industrieböden mit Beanspruchung durch
Stoffen mit hohem ­Verschleißbeanspruchung luftbereifte Fahrzeuge
Ver­schleiß­widerstand.
Die Kör­ner aller Ge­ XM2 starke Tragende oder aussteifende Industrieböden mit Beanspruchung durch luft-
steinskörnungen sollen ­Verschleißbeanspruchung oder vollgummibereifte Gabelstapler
eine mäßig raue Ober­
fläche und gedrungene XM3 sehr starke Tragende oder aussteifende Industrieböden mit Beanspruchung durch
Gestalt haben. Das ­Verschleißbeanspruchung elastomer- oder stahlrollenbereifte Gabelstapler; häufig mit Kettenfahrzeugen
Gesteins­kornge­misch befahrene Oberflächen; Wasserbauwerke mit Geschiebebelastung, z. B. Tos‑
soll möglichst grobkörnig
sein becken

62 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.3
Druckfestigkeit und Expositionsklassen
festigkeits­klasse zulässige Zementarten

Mindestzement­

Mindestzement­

An­rechnung von
Zusatzstoffen in
gehalt in kg/m3
max. w/z bzw.

Mindestdruck­

Höchstzementgehalt

Holcim-Duo
Holcim-Pur
360 kg/m3, jedoch nicht

gehalt bei

CEM III/B
CEM III/A
bei hochfesten Betonen

Holcim-
Holcim-
kg/m3

CEM II
w/z eq

CEM I

Aqua
Ferro
Erdfeuchter Beton mit
w/z ≤ 0,40 darf ohne
Luftporen hergestellt
werden
– C8/10 – – X X X X
Gesteinskörnungen mit
Regelanfor­derungen
und zusätz­lich Wider‑
stand gegen Frost bzw.
0,75 C16/20 240 240 X X X X Frost- und Taumit­tel
(DIN EN 12 620 und
0,65 C20/25 260 240 X X X X DIN V 20 000‑103)
0,60 C25/30 280 270 X X X X
Oberflächen‑
behandlung des Betons,
z. B. Vakuumieren
0,55 C30/37 300 270 X X X X und Flügel­glätten des
Betons
0,50 C35/45 320 270 X X X X
0,45 C35/45 320 270 X X X X Hartstoffe nach
DIN 1100

0,55 C30/37 300 270 X X X X CEM III/B darf nur


für die folgenden
0,50 C35/45 320 270 X X X X Anwendungsfälle
verwendet werden
0,45 C35/45 320 270 X X X X (auf Luft­poren kann in
beiden Fällen verzichtet
werden):
a) Meerwasserbauteile:
w/z ≤ 0,45; Mindest­
0,60 C25/30 280 270 X X X X festig­keitsklasse C35/45
und z ≥ 340 kg/m3
0,55 C25/30 300 X X X X b) Räumerlaufbahnen
w/z ≥ 0,35;
0,50 C25/45 320 X X X X Mindestfestigkeits­
klasse C40/50 und
0,55 C25/30 300 270 X X X X z ≥ 360 kg/m3;
Beachtung von
0,50 C35/45 320 270 X X X X DIN 19 569‑1, Klär‑
anlagen Baugrund­sätze
für Bauwerke und tech­
0,50 C30/37 320 X X X X nische Ausrüstungen.
Allgemeine Grundsätze

Schutzmaßnah­men
erforderlich
0,60 C25/30 280 270 X X X X
0,50 C35/45 320 270 X X X X
Bei langsam und sehr
langsam erhärtenden
0,45 C35/45 320 270 X X X X Betonen (r < 0,30)
eine Festigkeits­klasse
niedriger. Die Druckfe­
stigkeit zur Einteilung
in die geforderte
Druckfestigkeits­klasse
0,55 C30/37 300 270 X X X X
ist auch in diesem Fall
an Probekörpern im
0,55 C30/37 300 270 X X X X Alter von 28 Tagen zu
0,45 C35/45 320 270 X X X X bestimmen

Über die Zulassung bzw.


0,45 C35/45 320 270 X X X X Verwendung anderer
Holcim Zemente
beraten wir Sie gerne

Holcim Betonpraxis 63
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.3

Druckfestigkeit und Expositionsklassen


Anwendungsbeschränkungen von Normzementen bei der Herstellung von Beton nach DIN 1045‑2 
für bestimmte Expositionsklassen

Abb. 2.3.9  

Kein Korrosions-/
Anwendungs­
Expositionsklassen  Bewehrungskorrosion

Angriffsrisiko
bereiche für ✕ = gültiger
Zemente nach Anwendungs­bereich durch Cloride verursachte Korrosion
DIN 1045‑2 ⃝ = für die Herstellung durch Karbonatisierung
nach dieser Norm ­verursachte Korrosion andere Cloride  Cloride 
nicht anwendbar,  als Meerwasser aus Meerwasser
allgemeine bauauf­ X0 XC1 XC2 XC3 XC4 XD1 XD2 XD3 XS1 XS2 XS3
sichtliche Zulassung
erforderlich

CEM I ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

CEM II A/B S ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

A D ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

A/B P/Q ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

A/B V ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

A ✕ ✕ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝
W
B ✕ ⃝ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

A/B T ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

A ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕
LL
B ✕ ✕ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

A ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕
L
B ✕ ✕ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

A ✕ ✕ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝
M
B ✕ ⃝ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

CEM III A ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

B ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

C ✕ ⃝ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ✕ ⃝ ⃝ ✕ ⃝

CEM IV A ✕ ⃝ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

B ✕ ⃝ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

CEM V A ✕ ⃝ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

B ✕ ⃝ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

64 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.3
Druckfestigkeit und Expositionsklassen

Betonangriff

Spannstahl­verträglichkeit
Aggressive chemische 
Frostangriff Verschleiß
Umgebung

XF1 XF2 XF3 XF4 XA1 XA2 XA3 XM1 XM2 XM3

✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

✕ ⃝ ✕ ⃝ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ⃝

✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ✕

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ✕

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

✕ ✕ ✕ ✕ 1) ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

✕ ✕ ✕ ✕ 2) ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕ ✕

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ✕ ✕ ✕ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝

⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝ ⃝
1) Festigkeitsklasse
≥ 42,5 oder Festigkeitsklasse 32,5 R mit einem Hüttensand-Massenanteil von ≤ 50 %
2) CEMIII/B darf nur für die folgenden Anwendungsfälle verwendet werden:
a) Meerwasserbauteile: w/z≤ 0,45; Mindestfestigkeitsklasse C 35/45 und z ≥ 340 kg/m3
b) Räumerlaufbahnen w/z ≤ 0,35; Mindestfestigkeitsklasse C 50/50 und z ≥ 360 kg/m3; Beachtung von DIN 19 569‑1;
auf Luftporen kann in beiden Fällen verzichtet werden.

Holcim Betonpraxis 65
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.4

Verarbeitbarkeit und Konsistenz


4.2

Bedeutung der Verarbeitbarkeit Konsistenzprüfmethoden:


Von der Verarbeitbarkeit des Betons hängt es wesent‑ «Walz», Ausbreitmaß, Setzmaß
lich ab, wie gut und wie leicht und mit welchen Kosten Die in Deutschland am meisten verwendeten Konsis­tenz­
er sich auf der Baustelle umschlagen, fördern und in die prüfmethoden sind das Verdichtungsmaß nach Walz, das
­Schalung einbringen und verdichten lässt. Vom sach‑ Ausbreitmaß, sowie das Setzmaß (im englischen Sprach‑
gerechten Einbringen, der einwandfreien Umhüllung der gebiet «Slump» genannt).
Beweh­rung mit Beton und von einer guten Ver­dichtung Die ge­nannten Prüfmethoden (Abb. 2.4.1, Abb. 2.4.2,
hängen entscheidend die Qualität des erhär­te­ten Betons, Abb. 2.4.3) sind nicht im gesamten Konsistenzbereich
seine Festigkeit und vor allem seine Dauer­­haftigkeit ab. gleichermaßen geeignet.
Aus Abb. 2.4.6 sind die gebräuchlichen Bezeich­nungen
für die verschiedenen Konsistenzbe­rei­che, die hierfür ge‑
Definitionen von Verarbeitbarkeit eigneten Prüfmethoden sowie die für den betreffenden
und Konsistenz Bereich charakteristischen Messwerte ersichtlich.
Der Begriff Betonverarbeitbarkeit lässt sich nicht
präzise definieren. Man versteht darunter ein Bündel
von verschiedenen Eigenschaften, wie Konsistenz, Die Verarbeitbarkeit bei Betonierbeginn
Kohä­sion (Zusammen­halt) bzw. Entmischungs­nei­gung, ­überprüfen
Fließ­verhalten und Abzieh­barkeit (Finishverhalten), Gleiche Konsistenzmesswerte von Beton aus verschiede­
die alle voneinander abhängen. Die Konsistenz lässt nen Werken bürgen nicht unbedingt für gleiche Ver‑
sich mit verschiedenen Prüfmethoden praxisgerecht arbeitbarkeit, da das Messergebnis von der Art der Beton‑
­charakterisieren. rohstoffe wie auch der Her­stellung etwas beeinflusst
wird. Es ist deshalb angezeigt, bei Beginn des Betonierens
die Verar­beitbarkeit praktisch zu überprüfen und, falls
not­wendig, die Konsistenz zu korrigieren. Insbe­sondere
muss beim Wechsel der Betonausgangs­stoffe die für das
gegebene Bauteil geeignete Kon­sis­tenz mit einer Erst‑
prüfung neu festgelegt werden.

Abb. 2.4.1  
Verdichtungsmaß S
nach Walz
400 mm

200

Abb. 2.4.2  
Ausbreitmaß

d1 d1 + d2
Ø=
2
d2

Abb. 2.4.3  
Setzmaß (Slump) 200
S
300 mm

100

66 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.4
Verarbeitbarkeit und Konsistenz
Steuergrößen für die Konsistenz und Veränderung der Konsistenz mit Hilfe von
Betonfestigkeit Zusatzmitteln
Neben Zusatzmitteln beeinflussen noch eine Menge Über den Einsatz von Fließmitteln ist es möglich, Beton
anderer Faktoren die Betonkonsis­tenz. Eine Verände­ mit ei­nem w/z-Wert von 0,5 und weniger herzustellen,
rung eines oder mehrerer Faktoren wirkt sich nicht nur der gleichwohl eine plastische bis sehr fließfähige Kon­
auf die Konsistenz, sondern auch auf die Festigkeit (und sistenz hat (siehe auch Kap. 1.4 «Zusatzmittel»).
auf andere Eigenschaften) des Betons aus, oft je­doch
nicht in der gleichen Richtung. Abb. 2.4.4 zeigt, wie sich
verschiedene betontechnologische Maß­nahmen auf
Konsistenz und Betondruck­festigkeit auswirken.

Abb. 2.4.4  
Änderung Konsistenz Druckfestigkeit nach 28 Tagen
Wirkung ver­
Stetigere Kornverteilung schiedener
Maßnahmen auf
Mehr Rundkorn Konsistenz und
Festigkeit
Mehr gebrochenes (kantiges) Korn

Mehr Zugabewasser

Höhere Betontemperatur

Einsatz von Verflüssigern (BV, FM)

Einsatz von Luftporenbildnern (LP)

Einsatz von Verzögerern (VZ)

Zusatzstoffe Typ II

Positiver Einfluss Negativer Einfluss Keine wesentliche Änderung

Die Verarbeitbarkeit nimmt 


nach dem Mischen ab
Es ist unvermeidlich, dass der Beton nach dem Misch­ Abb. 2.4.5  
520
Konsistenz: Ausbreitmaß [mm]

ende langsam anzusteifen beginnt und sich die Verar­ Einfluss der Zeit auf
die Konsistenz nach
beit­barkeit dadurch verschlechtert (Abb. 2.4.5). In diesem 500 dem ­An­ma­chen
Zusammenhang ist zu beachten, dass die angegebene des Betons. Der
480
Konsistenz sich in der Regel auf den Zeit­punkt unmit­tel­ dunkle Bereich gilt
für Fließmittel auf
bar nach dem Ende des Mischens oder auf den Zeit­punkt 460
PCE-Basis, der helle
der Ankunft bzw. Übergabe des Betons auf der Bau­ für herkömm­liche
440
stelle bezieht. Das Ansteifen erfolgt bei hoher Beton‑ Fließmittel
temperatur sowie bei rasch erhärtenden Zemen­ten 420
schneller. 400

Mit der Verwendung langsamer erhärtender Z ­ emente, 380


beispielsweise den Hochofenzementen Holcim-Duo und 360
Holcim-Aqua, lässt sich diesem Effekt entgegenwirken, 0 10 20 30 40 50 60
ebenso mit geeigneten Zusatzmitteln. Zeit nach Herstellung [Minuten]

Die Verarbeitbarkeit des ­Betons darf nie durch


­nachträglichen Wasser­zusatz verbessert werden.

Holcim Betonpraxis 67
Beton – Grundlagen und Anforderungen
2.4

Verarbeitbarkeit und Konsistenz


Konsistenz­klasse Selbstverdichtender Beton (SVB)
Für die Verarbeitung des Betons ist die Auswahl der ge‑ Bei SVB handelt es sich um einen extrem fließfähigen
eigneten Konsistenz ebenfalls von Bedeu­tung. Ab­hängig Beton, der lediglich unter Wirkung der Schwerkraft
von den in Deutschland üblichen Prüfmet­ho­den der selbst­ständig entlüftet und sich dabei verdichtet (siehe
Konsistenz­mes­sung (Ausbreit­maß, Verdich­tungs­maß dazu Kap. 6.5 «Selbstverdichtender Beton»). Die Kon­sis­
nach Walz) wurden den einzelnen Mess­be­reichen nun tenzmessung erfolgt hier durch das sogenannte Setz‑
entsprechende Konsis­­tenz­klassen (Abb. 2.4.6) zu­geteilt. fließmaß sowie die Trichterauslaufzeit oder die t500 Zeit.
Die Abstufung der Messbereiche ist dabei identisch zur
bisherigen Praxis, es werden den Berei­chen aber neue
Klassen­bezeichnungen zugeordnet.

Abb. 2.4.6  
Konsistenzklassen Ausbreitmaß Verdichtungsmaß Setzmaß Setzzeitklassen (Vébé) Konsistenzbeschreibung
nach DIN EN 206‑1
Klasse Wert [mm] Klasse Wert [–] Klasse Wert [mm] Klasse Setzzeit [s]
und DIN 1054‑2.
In Deutschland C0 ≥ 1,46 sehr steif
angewandte
Prüf­methoden
F1 ≤ 340 C1 1,45 bis 1,26 S1 10 bis 40 V0 ≥ 31 steif
und Konsistenz­
beschreibung
F2 350 bis 410 C2 1,25 bis 1,11 S2 50 bis 90 V1 30 bis 21 plastisch

F3 420 bis 480 C3 1,10 bis 1,04 S3 100 bis 150 V2 20 bis 11 weich

F4 490 bis 550 S4 160 bis 210 V3 10 bis 6 sehr weich

F5 560 bis 620 S5 ≥ 220 V4 5 bis 3 fließfähig

F6 ≥ 630 sehr fließfähig

Eine allgemein verbindliche Korrelation zwischen den Konsistenzklassen existiert nicht, jedoch hat die Praxis eine
annähernde Gleichwertigkeit gezeigt.

Abb. 2.4.7   Abb. 2.4.8  
Plastische Konsistenz Selbstverdichtender Beton

68 Holcim Betonpraxis
Beton – Grundlagen und Anforderungen

2.5
Stoffraumrechnung
5.2

Die Stoffraumrechnung dient zur Ermittlung der Raum‑ Im nächsten Schritt ist der Wasserzementwert w/z zu
anteile der einzelnen Ausgangstoffe an einem Kubik‑ wählen. Dies geschieht in Abhängigkeit der anvisier­
meter (1 m3 = 1000 dm3 = 1000 Liter) verdichteten ten Betondruckfestigkeit in der Regel mithilfe des
Frischbeton. Walz-Diagrammes (siehe Abb. 2.1.6). Zu beachten sind
dabei in jedem Fall die Anforderungen, die sich aus den
Die Raumanteile werden aus den Massen und Dichten Exposi­tionsklassen nach DIN EN 206‑1 / DIN 1045‑2 er‑
der Ausgangsstoffe ermittelt. geben.

z w g ƒ In diesem Zusammenhang sind auch weitere Grenz­


1000 dm3 = + + + +P
ρz ρw ρg ρƒ werte der Betonzusammensetzung, wie z. B. Mindest­
zementgehalt, anrechenbarer Steinkohlen­flug­asche­
z, ρz : Masse bzw. Dichte des Zements gehalt, Mindestluftporengehalt oder der höchstzu­­­läs­sige
w, ρw : Masse bzw. Dichte des Wassers Mehl­korngehalt einzuhalten.
g, ρg : Masse bzw. Rohdichte der Gesteinskörnung
ƒ, ρƒ : Masse bzw. Dichte des Zusatzstoffes Für verdichtete Frischbetone ohne luftporenbildende
P : Porenvolumen (Luftgehalt) Zusatzmittel kann ein Porenvolumen von 1 bis 2 Vol.-%
angenommen werden. Flüssige Zusatzmittel sind auf
den Wasserzementwert anzurechnen, wenn ihr Gehalt
In der Praxis wird nun folgender Ansatz verfolgt: Zum 3 Liter/m3 überschreitet.
Erreichen bestimmter Frisch- und Festbetoneigen‑
schaften müssen entsprechende Anforderungen erfüllt Der verbleibende Stoffraum wird nun durch die Gesteins­
werden. So erhält man den benötigten Wassergehalt körnung aufgefüllt. Die Stoffraumrechnung wird
für eine Konsistenz aus der Sieblinie der eingesetzten grundsätzlich für oberflächentrockene Gesteins­körnung
Gesteinskörnung z. B. nach dem k-Wert Verfahren (siehe durchgeführt.
Abb. 2.1.10).
Abb. 2.5.1 verdeutlicht einen möglichen R
­ echengang.
Sollen verflüssigende Zusatz­mittel eingesetzt werden, ­Berechnet wird ein Beton nach DIN EN 206‑1 /
muss der ermittelte Wasser­gehalt angepasst oder aus DIN 1045‑2 mit den Anforderungen C30/37, XC4, XD3,
bestehenden Er­fahr­ungs­wer­ten gewonnen werden. XF4 Dmax32; Cl 0,20; F3.

Abb. 2.5.1  
Vorgabe Ausgangsstoff Masse Dichte  Stoffraum Rechenweg Schema zur
DIN EN 206‑1/    Berechnung der
DIN 1045‑2 [kg] [kg/dm3] [dm3] Komponenten für
einen Kubik­meter
Beton für Expo­ Wasser 160 1,0 160 Wasseranspruch AB32 F2 = 160 kg/m3 ­verdichteten
sitionsklasse Betons nach
XC4 XD3 XF4 Zement 365 3,1 119 max w/z = 0,45 (XD3) mit Vorhaltemaß 0,44 DIN EN 206‑1
160 / 0,44 = 363 = 365 kg Zement und DIN 1045‑2,
C30/37; 
Anforderungen: Fließmittel (FM) 2,2 1,1 2,0 für Konsistenz F2->F3 : 365 x 0,6 % = 2,2 XC4, XD3, XF4;
Mindestdruck­ 0,6 M.-% v. Zementgehalt Dmax32; Cl 0,20; F3
festigkeitsklasse: Luftporenbildner (LP) 0,72 1,0 0,72 0,72 : 1,0 = 0,72
C 30/37 0,2 M.-% v.ZG.
Luftporen 40
zmin = 320 kg/m3
max w/z = 0,45 Leimvolumen 322 116 + 162 + 3,3 + 0,72 + 40 =322

Mindestluftporen- Gesteinskörnung 1797 2,65 678 1. Schritt: 1000 − 322 = 678


gehalt: 4,0 Vol.-% 2. Schritt: 678 · 2,65 = 1797
2325 Summe 1000

1) Die
verwendete Gesteinskörnung ist in der Regel oberflächenfeucht (Sand ca. 4–6 M.-%, Kies ca. 1–4 M.-%).
Bei der Herstellung des Betons ist dies bei der Kieseinwaage durch Addition und bei der Zugabewasserermittlung durch Subtraktion zu berücksichtigen.

Holcim Betonpraxis 69
Betonherstellung und Transport
3
3
Betonherstellung und Transport
3.1

Herstellung
1.3

Dosieren und Mischen der Ausgangsstoffe Bei Transportbetonwerken wird üblicherweise ein
Die Herstellung des Betons steht in engem Zusammen‑ Zwangsmischer eingesetzt, der diskontinuierlich mit
hang mit der eingesetzten Maschinentechnik. Einzel­chargen arbeitet. Jeder Mischertyp verlangt eine
Die Dosierung hat die Aufgabe, die Ausgangsstoffe der minimale Chargengröße. Ein Unterschreiten dieser
Betonmischung wie Zement, Zugabewasser, Gesteins‑ Chargengröße wirkt sich negativ auf die Frischbeton­
körnung, Zusatzmittel und Zusatzstoffe in bestimmten qualität aus.
Mengen zu dosieren, sodass ein definiertes Mischungs‑
verhältnis mit großer Genauigkeit erzielt wird. Zwei Mischdauer
Systeme werden eingesetzt, die volumetrische und/oder Die Mischdauer ist von der Mischerleistung abhängig.
die massenmäßige Dosierung, wobei letztere genauere Sie ist durch Versuche festzulegen.
Resultate ergibt.

Definition
Dosiergenauigkeit Die Mischdauer (= Nassmischdauer) beginnt,
Die Komponenten des Betons sind mit einer wenn alle Ausgangsstoffe im Mischer sind.
­Genauigkeit von ± 3 Prozent beizugeben.
Gemäß DIN EN 206‑1, Art. 9.8, und DIN 1045‑2 muss
das Mischen der Ausgangsstoffe so lange dauern,
Die Reihenfolge der Zudosierung ist für jede Mischanlage bis die Mischung gleichförmig erscheint (mindestens
durch systematische Vorversuche zu bestimmen. 30 Sekunden).
Sie ist zusammen mit dem Mischer entscheidend für:
••den Aufschluss (Dispergierung) des Zements und der
Zusatzstoffe Wird während des Mischvorganges eine Feinnach‑
••den Mischeffekt dosierung des Zugabewassers zum Erreichen der vor‑
••die Mischintensität gegebenen Frischbetonkonsistenz notwendig, ist die
••die optimale Wirkung der Zusatzmittel Mischdauer angemessen zu verlängern.
••die optimale Umhüllung der Gesteinskörnung mit dem
Feinstmörtel (Zementleim)
••die Anlagenleistung
••die Mischdauer
••den Verschleiß.

Abb. 3.1.1  
Empfohlene Empfohlene Mischdauer für die Dauer [s]
­Mischdauer Nassmischzeit im Transportbetonwerk

Normalbeton 60

Beton mit besonderen Eigenschaften (z. B. Luftporenbeton) 90

Beton mit Silikastaub (Slurry/Granulat) ≥ 120

Selbstverdichtender Beton (Kap. 6.5) ≥ 120

Empfohlene Mischdauer bei  Dauer


Zugabe von Zusatzmitteln im Fahrmischer

Normalbeton 5 Minuten je Fahrmischer

72 Holcim Betonpraxis
Betonherstellung und Transport

3.1
Herstellung
Abb. 3.1.2  
Typischer Verlauf
der Leistungs­
aufnahme des
Mischermotors
während des
Mischvorgangs für
Rüttelbeton

Versuche und die Praxis haben gezeigt, dass noch andere Abb. 3.1.3  
Faktoren als die Homogenität für die Qualität des Betons Moderne
Transportbeton­
eine wesentliche Rolle spielen. Die in das Mischgut anlage
­eingebrachte Energie aktiviert den Zement und übt einen
Einfluss auf die Festigkeitsentwicklung des Betons aus
(Abb. 3.1.2).

Anlagentechnik
Heutige Transportbetonanlagen verfügen in der Regel
über rechnergestützte Misch- und Dosiereinrichtungen.
Die Mischungszusammensetzungen sind im Steuerungs‑
rechner hinterlegt und können durch Eingabe der Sorten‑
nummer abgerufen werden.

Der Steuerungsrechner regelt dabei qualitätsrelevante Abb. 3.1.4  


Prozesse. So wird z. B. die Menge der einzuwiegenden Blick in einen
Doppelwellen­
oberflächenfeuchten Gesteinskörnung automatisch be‑ mischer
stimmt und das Zugabewasser angepasst.

Der Anlagenführer überwacht den Herstellungsprozess


am Bildschirm.

In Abb. 3.1.2 ist ein typischer Verlauf der Leistungsauf‑


nahme des Mischermotors dargestellt. Diese sogenannte
Misch- oder Konsistenzkurve kann zur Beurteilung der
Frischbetonkonsistenz bei der Herstellung verwendet
werden. Weiterhin verfügen Transportbetonanlagen oft
über eine Mischerkamera. Damit kann der Anlagenführer
den gerade produzierten Frischbeton visuell beurteilen.
Eine solche Anlagentechnik gewährleistet höchste
Qualität bei maximaler Produktionsleistung. Wegen der
vielfältigen Anforderungen an die Frisch- und Festbeton‑
eigenschaften kann heute auf moderne Anlagentechnik
kaum noch verzichtet werden.

Holcim Betonpraxis 73
Betonherstellung und Transport
3.2

Transport, Betonübergabe und Förderung


2.3

Betontransport Betonübergabe
Transportbeton ist nach seiner Herstellung im Betonwerk Auf der Baustelle muss jeder Lieferschein vom Baustellen­­
möglichst rasch auf die Baustelle zu transportieren und verantwortlichen überprüft werden. Weitergehende
zu verarbeiten. Dadurch lassen sich Qualitätseinbußen Prüfungen sind je nach Art des Betons oder entspre­
vermeiden. Das Ansteifen des Frischbetons wird so gering chend seiner Eigenschaften erforderlich. Die ­Angaben
wie möglich gehalten, um eine optimale Verarbeitbarkeit der DIN EN 206‑1/DIN 1045‑3 sind zu beachten. Bei
sicherzustellen. Wird der Beton nach dem Erstarrungs‑ Fahrmischertransporten soll der Beton nach der ­Ankunft
beginn eingebaut, kann sich dies negativ auf die auf der Baustelle unmittelbar vor dem Entladen eine bis
­Festbetoneigenschaften auswirken. Des Weiteren birgt zwei Minu­ten nachgemischt werden. Besonders wichtig
der Transport die Gefahr des Entmischens. Diese Gefahr ist dies bei Luftporenbeton. Eine nachträgliche Wasser‑
erhöht sich bei weicheren Frischbetonkonsistenzen. zugabe ist zu unterlassen. Wird vom Baustellenver‑
Daher werden zum Frischbetontransport in der Regel antwortlichen eine Zugabe von Zusatzmitteln veranlasst,
Fahrmischer eingesetzt. Diese halten den Beton während gelten die Mindestmischzeiten nach Abb. 3.1.1. Jede
des Transportes durch Drehen der Trommel in Bewegung Veränderung des Betons muss auf dem Lieferschein
und verhindern so eine Entmischung. Gleichzeitig vermerkt werden. Bei Fahrzeugen ohne Nachmisch‑
schützt die geschlossene Bauweise des Fahrmischers den möglichkeit ist jede Veränderung des Betons zu unter‑
Frischbeton vor Witterungseinflüssen wie z. B. Regen, lassen.
Sonne oder Wind. Bei einem Transport ohne Fahrmischer
sind geeignete Maßnahmen zum Schutz des Betons zu Kann der Beton auf der Baustelle nicht sofort entladen
ergreifen. Dies kann durch Abdecken des Betons mit einer werden, sind vor dem Einbringen in jedem Fall die Eigen‑
Plane geschehen. schaften des Betons (Konsistenz, Luftgehalt usw.) darauf
zu überprüfen, ob sie den getroffenen Vereinbarungen
und Anforderungen noch entsprechen. Der Frischbeton
sollte spätestens nach 90 Minuten (bei steifer Konsistenz
und dem Transport ohne Fahrmischer nach 45 Minuten)
vollständig entladen sein.

Abb. 3.2.1  
Fahrmischer

74 Holcim Betonpraxis
Betonherstellung und Transport

3.2
Transport, Betonübergabe und Förderung
Fördern

Abb. 3.2.2  
Fördermittel Betonkonsistenz Fördermittel in
Abhängigkeit von
  C1 C2/F2 C3/F3 F4 F5 F6 > F6 (SVB)
der Konsistenz
Förderband              
Kübel              
Betonpumpe              
Kübel mit Fallrohr              

Je nach örtlichen Gegebenheiten und Fördermittel Hinweise für das Planen 


auf der Baustelle sind die in Abb. 3.2.2 genannten vom Pumpen des Betons
Konsistenzen geeignet.
Allgemeines
Für die Entladung von Beton ist das Pumpen die weit‑ Um ein wirtschaftliches Pumpen des Betons sicherzu­
aus schnellste Variante im Vergleich zu Krankübel oder stellen, sollten folgende Hinweise beachtet werden:
Schubkarre. In Abb. 3.2.4 sind beispielhaft die Entlade­
zeiten für 8 m3 Transportbeton aufgeführt. So kann ••Ein reibungsloser Ablauf ist durch frühzeitige Absprache
Abb. 3.2.3  
der Beton eingebaut und verdichtet werden, bevor er zwischen Betonpumpenbetreiber, Bauunternehmen Betonieren einer
wesentlich ansteift. Das wirkt sich positiv auf die Quali‑ und Betonlieferanten sicherzustellen. großen Boden­
tät des Betons aus, nicht zuletzt bei Sichtbeton oder ••Die Anlieferungsfrequenz des Betons und die Förder‑ platte mit einer
Autobetonpumpe,
Betonen mit hohen Dauerhaftigkeitsanforderungen. leistung der Betonpumpe sind der Einbauleistung der beschickt durch
Verarbeitungsequipe anzupassen. Fahrmischer
••Der Transport des Pumpbetons zur Betonpumpe sollte
zur Vermeidung jeglicher Entmischungen nur in Fahr‑
Bei 8 m³ ergeben sich folgende
Ladezeiten: mischern erfolgen.

Sicherheitsaspekte beim Einsatz von Betonpumpen


Das Fördern und Einbauen von Pumpbeton birgt Gefah­
Pumpe 30 m3/h 3 Personen
ren. Es muss insbesondere geprüft werden:
Entladezeit 16 min
••ob die Wand- und Stützenschalungen dem erhöhten
Schalungs­druck (höhere Steiggeschwindigkeit) ange­
passt sind
••ob Stromfreileitungen im Einsatzbereich des Auslegers
Kran 6 m3/h 5 Personen der Betonpumpe verlaufen
bei 200 l Kübel ••ob die Größe des Pumpeninstallationsplatzes genügt,
und 2 min um die Abstützungen der Betonpumpe vollständig aus‑
Kranfahrt zufahren (Kippgefahr)
Entladezeit 80 min ••ob die Tragfähigkeit des Pumpeninstallationsplatzes
genügt.
Schubkarren 7 Personen Abb. 3.2.4  
3 m3/h Richtwerte für
bei 6 Schubkarren den Zeitbedarf
beim Entladen
à 50 l und von 8 m3 Beton
6 min «Fahrt» in Abhängigkeit
der verwendeten
Entladezeit 160 min Fördermethode

Die grundlegenden Anforderungen von Beton nach Eigen‑


schaften gemäß der Norm DIN EN 206‑1/DIN 1045‑2 sind
für Pump- und Kranbeton gleich. «Pumpbeton» ist als
zusätzliche Anforderung zu bezeichnen.

Holcim Betonpraxis 75
Qualitätssicherung und Konformität
4
4
Qualitätssicherung und Konformität
4.1

Konformität
1.4

Mit dem Nachweis der Konformität wird sichergestellt, Die Gestalt der Häufigkeitsdiagramme nähert sich in
dass die zugesicherten Eigenschaften des Produktes ein‑ vielen Fällen der Gauß’schen Glockenkurve. Bei aus‑
gehalten werden. reichender Übereinstimmung mit der Glockenkurve
spricht man von einer normalen Verteilung der Häufig‑
Auf Grundlage von zufällig entnommenen, repräsen‑ keiten, kurz Normalverteilung genannt. Bei statistischer
tativen Proben wird die Beurteilung des Produktions‑ Auswertung von Betondruckfestigkeitsergebnissen wird
prozesses vorgenommen und die Konformität (der Nach‑ in der Regel mit genügender Genauigkeit die Annahme
weis der Übereinstimmung der festgestellten Ergebnisse der Normalverteilung zugrunde gelegt.
mit den Festlegungen) geprüft. Neben dem Konformi‑
tätsnachweis können die Auswertungsergebnisse zur
Lenkung der Produktion dienen. 2,33 · s
1,64 · s
s s

Häufigkeit
Nach DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2 kann der Konformi‑
tätsnachweis an einzelnen Betonen oder an Beton­
familien durchgeführt werden.

Der Konformitätsnachweis wird für Betoneigenschaften Wendepunkte


geführt, die mit genormten Prüfverfahren bestimmt
werden, u. a. Druckfestigkeit, Luftgehalt von LP-­Beton,
Frischbetonrohdichte. Die tatsächlichen Werte der
Betoneigenschaften im Bauwerk können von den in den
Prüfungen ermittelten abweichen. Beeinflusst wird dies
z. B. durch die Bauteileabmessungen, das Einbringen,
Verdichten und Nachbehandeln des Betons oder auch die
Abb. 4.1.1   klimatischen Bedingungen.
Darstellung
der Gauß’schen
Normalverteilung Der Probenahme- und Prüfplan und die Konformitätskrite­
(Glockenkurve) rien müssen den Vorgaben der DIN EN 206‑1/DIN 1045‑2
entsprechen. Diese Regelungen gelten auch für Beton‑ βs x, β
Merkmal
1%
fertigteile, sofern in der entsprechenden Produktnorm
5% 95%
keine anderen Regelungen angegeben sind. Falls der Ver­ 16% 68% 16%
fasser der Festlegung eine größere Probenahmehäufigkeit 50% 50%
fordert, muss dies im Voraus vereinbart werden. Für Eigen‑ Flächenanteil = 100%

schaften, die in der DIN EN 206‑1/DIN 1045‑2 nicht be‑


rücksichtigt werden, müssen der Probenahme- und Prüf‑ Die Standardabweichung (Streuung) ist ein Maß für die
plan und die Konformitätskriterien zwischen Hersteller Abweichung der Einzelwerte vom arithmetischen Mittel‑
und Verfasser der Festlegung vereinbart werden. wert. Mithilfe der Standardabweichung (Abkürzung s)
können Intervalle um den arithmetischen Mittelwert
Der Entnahmeort der Proben für die Konformitätsprüfun­ abgegrenzt werden, die einen vorgegebenen Anteil der
gen muss so gewählt werden, dass sich die maßgebenden Beobachtungswerte enthalten. In einer normal verteilten
Betoneigenschaften und die Betonzusammensetzung Grundgesamtheit entspricht die Standardab­weichung
zwischen dem Ort der Probenahme und dem Ort der Über‑ dem halben Abstand der Wendepunkte (Punkte
gabe nicht wesentlich ändern können. Für Leichtbeton einer Kurve, an denen ein Richtungswechsel vorliegt)
mit nicht wassergesättigten Gesteinskörnungen sind die ­voneinander.
Proben am Ort der Übergabe zu entnehmen. Die Ent‑
nahme von repräsentativen Proben ist die Voraussetzung Die zugehörige Formel für die Standardabweichung s
für eine ordnungsgemäße Auswertung der Prüfergebnisse. lautet:

Die Konformität oder Nichtkonformität ist nach den (xi – x)2


Konformitätskriterien zu beurteilen. Nichtkonformität s=
n– 1
kann zu weiteren Maßnahmen am Ort der Herstellung
und auf der Baustelle führen.

Die Auswertung der Prüfergebnisse erfolgt in Häufig‑


keitsdiagrammen.

78 Holcim Betonpraxis
Qualitätssicherung und Konformität

4.1
Konformität
Ein Anhaltspunkt für die Bewertung einer Betonproduk­ Mittelfeld der Betonfamilie auszuwählen. Um Ergebnisse
tion wird in der folgenden Abb. 4.1.2 dargestellt. Diese aus Druckfestigkeitsprüfungen jeder einzelnen Beton­
Tabelle basiert ausschließlich auf langjähriger Erfahrung prüfung auf den Referenzbeton übertragen zu können,
aus der Praxis. werden Zusammenhänge zwischen jeder einzelnen Beton‑
zusammensetzung einer Familie und dem Referenzbeton
Abb. 4.1.2  
Bereiche der  Bewertung der Betonproduktion hergestellt. Der Zusammenhang ist anhand von Original‑ Bewertung von fest­
Standardabweichung werten der Druckfestigkeitsprüfung, bei jedem Nachweis gestellten Standard­
[N/mm2] und bei erheblichen Änderungen der Herstellbedingungen abweichungen bei
der Betonproduktion
<3 außergewöhnlich gleichmäßig erneut zu überprüfen. Zusätzlich ist beim Nachweis der
3 bis < 5 gleichmäßig Konformität der Betonfamilie zu bestätigen, dass jeder
einzelne Beton zur Betonfamilie ­gehört.
5 bis < 7 noch gleichmäßig
7 bis < 9 ungleichmäßig Für den Probenahme- und Prüfplan und die Konformi‑
>9 sehr ungleichmäßig tätskriterien von einzelnen Betonzusammensetzungen
oder Betonfamilien wird zwischen der Erstherstellung
und stetiger Herstellung unterschieden. Die Erstherstel­
Konformitätskontrolle für die Druckfestigkeit lung beinhaltet die Herstellung bis zum Erreichen von
mindestens 35 Prüfergebnissen.
Allgemeines
Für Normalbeton und Schwerbeton der Festigkeits‑ Stetige Herstellung ist erreicht, wenn innerhalb
klassen von C8/10 bis C55/67 oder Leichtbeton der eines Zeitraumes von nicht mehr als zwölf Monaten
Druckfestigkeitsklassen LC8/9 bis LC55/60 müssen mindestens 35 Prüfergebnisse vorliegen.
Probenahme und Prüfung entweder an einzelnen Beton‑
zusammensetzungen oder an Betonfamilien mit festge­ Wenn die Herstellung einer einzelnen Betonzusammen‑
stellter Eignung durchgeführt werden. Das Prinzip der setzung oder einer Betonfamilie für mehr als sechs
Betonfamilien darf nicht auf Betone mit höheren Druck‑ Monate unterbrochen wurde, muss der Hersteller die
festigkeitsklassen angewendet werden. Leichtbeton Kriterien sowie den Probenahme- und Prüfplan für die
darf nicht in eine Betonfamilie einbezogen werden, die Erstherstellung übernehmen.
Normalbeton enthält. Für Leichtbeton mit nachweisbar
ähnlicher Gesteinskörnung darf eine eigene Betonfamilie Während der fortlaufenden Produktion darf der Herstel­
gebildet werden (siehe Abb. 4.1.3 und Abb. 4.1.4). ler auch den Probenahme- und Prüfplan und die Kriterien
für die Erstherstellung anwenden.

Beton nach Eigenschaften


Ist die Festigkeit für ein abweichendes Alter festgelegt,
Konformitätskontrolle
ist die Konformität an Probekörpern zu beurteilen, die im
festgelegten Alter geprüft wurden.
Transportbeton Baustelle
DIN EN 206-1, Abs. 8.2
DIN 1045-2
DIN 1045-3
Tab. A1 und A3
Wenn die Identität eines definierten Betonvolumens mit
einer Gesamtheit nachzuweisen ist, die als übereinstim­
Auswertung Sortenbezogene mend mit den Anforderungen an die charakteristische
über Auswertung Transportbeton Baustellenbeton
Betonfamilie
Festigkeit beurteilt wurde, muss dies nach DIN EN 206‑1/ Abb. 4.1.4  
Nachweis der
DIN 1045‑3:2001-07, Anhang A.2, erfolgen.
Abb. 4.1.3   Konformität für die
Unterschiedliche Regelungen für die Konformität bei der Transport­ Annahmeprüfung
betonherstellung und der Verwendung auf der Baustelle der Baustelle

2, 58
Bei der Anwendung von Betonfamilien muss der f cm ≥ f ck + 1,65 –
Hersteller die Kontrolle über alle Betone der Familie n
sicherstellen und die Probenahme muss sich über den Dabei ist:
gesamten Bereich der Betonsorten, die innerhalb dieser fck die charakteristische Druckfestigkeit des verwendeten Betons;
Familie hergestellt werden, erstrecken. σ die Standardabweichung der Stichprobe für n ≥ 35, wobei
σ ≥ 3 N/mm2 für Überwachungsklasse 2
Wenn die Konformitätskontrolle auf eine Betonfamilie σ ≥ 5 N/mm2 für Überwachungsklasse 3
angewendet wird, ist als Referenzbeton entweder der am Für 6 < n < 35 gilt unabhängig für die Überwachungsklasse: σ= 4 N/mm2
häufigsten hergestellte Beton oder ein Beton aus dem

Holcim Betonpraxis 79
Qualitätssicherung und Konformität
4.1

Konformität
Probenahme- und Prüfplan Konformität für die Druckfestigkeit
Betonproben müssen zufällig ausgewählt und nach Der Nachweis der Konformität muss auf Grundlage von
EN 12350‑1 entnommen werden. Die entnommenen Prüfergebnissen erfolgen, die während eines Nachweis‑
Proben müssen von unter gleichen Bedingungen her‑ zeitraumes erhalten wurden, der die vergangenen zwölf
gestellten Betonen stammen. Die Mindesthäufigkeit der Monate nicht überschreiten darf.
Probenahme und der Prüfung für die Erstherstellung und
die stetige Herstellung von Beton muss mit derjenigen Die Konformität der Betondruckfestigkeit wird an Probe‑
Häufigkeit nach Abb. 4.1.5 «Mindesthäufigkeit der körpern im Alter von 28 Tagen nachgewiesen für:
Probenahme zur Beur­teilung der Konformität» überein‑
stimmen, die die Probenanzahl ergibt. ••Reihen von n nicht überlappenden oder über‑
lappenden, aufeinanderfolgenden Prüfergebnissen
Unbeschadet der Anforderungen an die Probenahme fcm (­Kriterium 1); beim Nachweis an überlappenden
müssen die Proben nach der Zugabe von Wasser oder Prüfergebnissen ist dies vor Produktionsbeginn zu ent‑
Zusatzmitteln unter der Verantwortung des Herstellers scheiden und unter Angabe der Überlappungsintervalle
entnommen werden. Eine Probenahme vor der Zugabe der Überwachungsstelle mitzuteilen
von Betonverflüssiger oder Fließmittel in der zugelas­ ••jedes einzelne Prüfergebnis fci (Kriterium 2).
senen Menge hat keine negativen Auswirkungen auf die
Festigkeit des Betons. Die Konformitätskriterien wurden auf der Grundlage
Bei Leichtbeton muss die Probenahme am Ort der Ver‑ nicht überlappender Prüfergebnisse entwickelt.
wendung erfolgen.
Die Anwendung der Kriterien auf überlappende Prüf‑
Das Prüfergebnis muss von einer einzelnen Probenahme ergebnisse erhöht das Risiko der Zurückweisung.
stammen oder als Mittelwert berechnet werden, wenn
zwei oder mehr aus einer Probe hergestellte Probekörper Die Konformität ist nachgewiesen, wenn die beiden in
im selben Alter geprüft werden. Abb. 4.1.6 angegebenen Kriterien für die Erstherstellung
und die stetige Herstellung erfüllt sind.
Wenn zwei oder mehr Probekörper aus einer Probe
hergestellt werden und die Spannweite der Prüfwerte
mehr als 15 % des Mittelwertes beträgt, müssen die Er‑
gebnisse außer Betracht bleiben. Gegebenenfalls ergibt
eine Untersuchung einen annehmbaren Grund für das
Verwerfen eines einzelnen Prüfwertes.

Abb. 4.1.5  
Mindesthäufigkeit Herstellung Mindesthäufigkeit der Probenahme
der Probenahme
Erste 50 m3 der Produktion Nach den ersten 50 m3 der Produktion 1)
zur Beurteilung der
Konformität Erstherstellung 3 Proben 1/200 m3 oder 2/Produktionswoche
(bis mindestens 35 Ergebnisse
­vorliegen) Leichtbeton:
1/100 m3 oder 1/Produktionstag

hochfester Beton:
1/100 m3 oder 1/Produktionstag

Stetige Herstellung 2) 1/400 m3 oder 1/Produktionswoche


(wenn mindestens 35 Ergebnisse
­verfügbar sind) Leichtbeton:
1/200 m3 oder 1/Produktionstag

hochfester Beton:
1/200 m3 oder 1/Produktionstag

1) Die
Probenahme muss über die Herstellung verteilt sein und für je 25 m3 sollte höchstens eine Probe genommen werden.
2) Wenndie Standardabweichung der letzten 15 Prüfergebnisse 1,37 σ überschreiten, ist die Probenahmehäufigkeit für die nächsten 35 Prüfergebnisse auf die‑
jenigen zu erhöhen, die für die Erstherstellung gefordert wird.

80 Holcim Betonpraxis
Qualitätssicherung und Konformität

4.1
Konformität
Abb. 4.1.6  
Herstellung Anzahl n  Kriterium 1 Kriterium 2 Konformität für die
der Ergebnisse  Druckfestigkeit
Mittelwert von n Ergebnissen fcm Jedes einzelne Prüfergebnis fci
in der Reihe
[N/mm2] [N/mm2]

Erstherstellung 3 ≥ fck + 4 ≥ fck − 4


hochfester Beton: hochfester Beton:
≥ fck + 5 ≥ fck − 5

Stetige 15 ≥ fck + 1,48σ ≥ fck − 4


­Herstellung σ ≥ 3 N/mm2

hochfester Beton: hochfester Beton:


≥ fck + 1,48σ ≥ 0,9 fck
σ ≥ 5 N/mm2

Zu Beginn ist die Standardabweichung (σ) aus Auswertung einzelner Betone


mindestens 35 aufeinanderfolgenden Prüfergebnissen
zu berechnen, die in einem Zeitraum entnommen sind, Konformitätskontrolle im Transportbetonwerk
der länger als drei Monate ist und der unmittelbar vor
dem Herstellungszeitraum liegt, innerhalb dessen die
Erstprüfung vorhanden?
Konformität nachzuprüfen ist. Dieser Wert ist als der ja nein
Schätzwert der Standardabweichung der Gesamtheit
­anzunehmen. Die Gültigkeit des übernommenen Wertes Erstprüfung
ist während der nachfolgenden Herstellung zu beur­
teilen. Zur Ermittlung des Schätzwertes für σ sind zwei Liegen 35 Werte vor?
Verfahren zulässig, wobei die Wahl des Verfahrens im ja nein
Voraus zu wählen ist.
Stetige Herstellung Erstherstellung
Verfahren 1
Der Anfangswert der Standardabweichung darf für den
nachfolgenden Zeitraum angewandt werden, innerhalb Kriterium 1 und 2 
dessen die Konformität zu überprüfen ist, vorausgesetzt, erfüllt?
ja nein
dass die Standardabweichung der letzten 15 Ergeb­
nisse (s15) nicht signifikant von der angenommenen Konformität 
Konformität 
Standardabweichung abweicht. nicht 
nachgewiesen!
nachgewiesen!
Abb. 4.1.7  
Dies wird unter folgender Voraussetzung als gültig an‑ Flussdiagramm
gesehen: für die Konformi­
tätskontrolle im
Transportbeton­
0,63σ ≤ s15 ≤ 1,37σ Konformitätsnachweis unter Verwendung von werk
Betonfamilien
Falls der Wert von s15 außerhalb der Grenzen liegt, muss Für die Produktionssteuerung und des Nachweises der
ein neuer Schätzwert σ aus den letzten 35 verfügbaren Konformität kann die Anwendung von Betonfamilien
Prüfergebnissen ermittelt werden. sinnvoll sein. Dann muss sich der Prüfplan über alle Mit‑
glieder der Betonfamilie erstrecken.
Verfahren 2
Der neue Wert für σ darf nach einem kontinuierlichen
Verfahren geschätzt werden und dieser Wert ist zu
übernehmen. Die Empfindlichkeit des Verfahrens muss
mindestens der des Verfahrens 1 entsprechen.

Holcim Betonpraxis 81
Qualitätssicherung und Konformität
4.1

Konformität
Für die Bildung einer Betonfamilien sind folgende Die Gesteinskörnung muss nachweisbar vergleichbar sein
Kriterien zur berücksichtigen: und aus dem gleichen geologischen Ursprung stammen.

••Zement einer Art, Festigkeitsklasse und eines Ursprungs Vor Einführung der Familien muss die Plausibilität der
••nachweisbar ähnliche Gesteinskörnung und Zusatz­ Ergebnisse zur Auswertung der einzelnen Sorte geprüft
stoffe des Typs I werden.
••Betone sowohl mit als auch ohne wasserreduzierende/
verflüssigende Zusatzmittel Damit die Ergebnisse der Druckfestigkeiten verschiedener
••gesamter Bereich der Konsistenzklassen Betonfestigkeitsklassen in einer Familie berechnet
••Betone mit einem begrenzten Bereich von Festigkeits‑ werden können, müssen die Ergebnisse zu einer äqui­
klassen. Betone der Druckfestigkeitsklassen C8/10 bzw. valenten Druckfestigkeit im Verhältnis zum Referenz‑
LC 8/9 bis LC50/55 sind in mindestens zwei Beton‑ beton transformiert werden. Dazu stehen drei Methoden
familien einzuteilen. zur Verfügung:

Betone mit einem Zusatzstoff des Typs II sind getrenn­ ••Differenzverfahren


ten Familien zuzuordnen. Betone mit besonderen unter Anwendung eines linearen Zusammenhangs
Zusatzmitteln, die Auswirkungen auf die Druckfestigkeit ••Quotientenverfahren
haben, Verzögerer, Beschleu­niger Luftporenbildner oder auf der Grundlage des Proportionaleffekts
hochwirksame Fließmittel (z. B. PCE), werden als einzelne ••Wasserzementwertverfahren.
Betone oder eigenständige Familien betrachtet.

Abb. 4.1.8  
Übersicht der Zusatzstoffart Regel Typ Spezifische Oberfläche nach Blaine Dichte Schüttdichte
Zusatzstoffe  [cm2/g] [kg/dm3] [kg/dm3]
Typ 1 und Typ 2
Quarzmehl DIN EN 12620 I ≥ 1 000 ca. 2,65 1,3 … 1,5
Kalksteinmehl DIN EN 12620 ≥ 3 500 2,6 … 2,7 1,0 … 1,3
Pigmente DIN EN 12878 50 000 … 200 000 4…5 –
Flugasche DIN EN 450 und II 2 000 … 8 000 2,2 … 2,4 0,9 … 1,1
­Zulassung für die
­Umweltverträglichkeit
Trass DIN EN 51043 ≥ 5 000 2,4 … 2,6 0,7 … 1,0
Hüttensandmehl DIN EN 15167 > 2 750 – 0,9 … 1,1
und Zulassung
Silikastaub 1) DIN EN 13263 150 000 … 350 000 ca. 2,2 0,3 … 0,6
Silikasuspension 1) DIN EN 13263 – ca. 1,4 –
1) Bei Verwendung von Zementen, die Silikastaub als Hauptbestandteil enthalten, darf Silikastaub (Silikasuspension) nicht als Zusatzstoff eingesetzt werden.

82 Holcim Betonpraxis
Qualitätssicherung und Konformität

4.1
Konformität
Differenzverfahren
Abb. 4.1.9  
Darstellung
Referenzbeton Betonsorte xyz des Differenz­
verfahrens

Zielfestigkeit fcR Zielfestigkeit fcta Originalwert fci

Druckfestigkeitsdifferenz ∆ i=fci–fcta

äquivalenter Wert fci,eq=∆ i+fcR

Grafische Darstellung des Differenzverfahrens


Abb. 4.1.10  
Funktion des
=∆ i
Differenz­
50 fcta = Zielfestigkeit verfahrens

45 fci = Einzelwert ermittelt


=∆ i fcR = Zielfestigkeit des Referenzbetons
40
fci,eq = transformierter Einzelwert
35
Druckfestigkeit

30
25
20 ∆ i

15 Druckfestigkeit
10
5
0
∆ i = fci – fcta fci,eq=fcR + ∆ i
fcta fci fcR fci, eq

Abb. 4.1.11  
Quotientenverfahren Darstellung des
Quotienten­
Referenzbeton Betonsorte xyz verfahrens

Zielfestigkeit fcR Zielfestigkeit fcta Originalwert fci

Druckfestigkeitsfaktor r=fcR/fcta=const.

äquivalenter Wert fci,eq=r · fci

Holcim Betonpraxis 83
Qualitätssicherung und Konformität
4.1

Konformität
Wasserzementwertverfahren
Abb. 4.1.12  
Darstellung des
w/z -Verfahrens

Quelle: VDB 70
Betonsorte xyz:
w/z-Wert (w/z) fcta = 0,53
60
Zielfestigkeit fcta = 44,8 N/mm2
Druckfestigkeit [N/mm2]

Originalwert fci = 41,0 N/mm2


50 w/z-Wert (w/z)fci = 0,56
Δ w/z =(w/z)fcta– (w/z)fci = – 0,03
40
Referenzbeton:
30 w/z-Wert (w/z) fcR = 0,58
Zielfestigkeit fcR = 37,8 N/mm2
20 (w/z) fci,eq = (w/z)fcR –Δ w/z = 0,61
fci,eq = 35,1 N/mm2
10
{
{

0,4 0,5 0,7 0,8 0,9 1,0


Δ w/z Δ w/z

w/z-Wert

Abb. 4.1.13   Die Ergebnisse müssen drei Kriterien erfüllen:


Bestätigungs­ Anzahl n der Prüfergebnisse Kriterium 3
kriterium für eine für die Druckfestigkeit eines
Betonsorte aus einzelnen Betons ••Kriterium 1 Mittelwertkriterium fcm >= fck + 4
einer Betonfamilie ••Kriterium 2 Einzelwertkriterium fci >= fck − 4
Mittelwert fcm von ••Kriterium 3 Bestätigungskriterium einer einzelnen Sorte
n Ergebnissen einer Familie
für einen einzelnen Beton
der ­Betonfamilie Überprüfung aller drei Konformitätskriterien:
[N/mm2]
2 ≥fck–1,0 Reihenfolge
Kriterium 2 – Kriterium 3 – Kriterium 1
3 ≥fck–1,0

4 ≥fck–2,0 Kriterium 2 und 3 werden anhand der ursprünglichen,


nicht transformierten Prüfergebnisse überprüft.
5 ≥fck–2,5

6 bis 14 ≥fck–3,0 Kriterium 1 ist auf den Referenzbeton unter Berück­


sichtigung aller transformierten Prüfergebnisse anzu‑
≥15 ≥fck–1,48 σ (σ ≥3,0 N/mm2)
wenden.

84 Holcim Betonpraxis
Qualitätssicherung und Konformität

4.1
Konformität
Abb. 4.1.14  
Flussdiagramm
Familie definiert?
ja nein zum Nachweis der
Konformität einer
Referenzbeton Betonfamilie
Erstprüfung vorhanden? Familie definieren
wählen
nein ja

Erstprüfung Zielfestigkeit Datentransformation Druckfestigkeitsprüfungen

– Methode wählen
– Werte bestimmen
Liegen 35 Werte vor?
ja nein

Stetige Herstellung Erstherstellung

ja ja ja
Kriterium 1  Kriterium 3  Kriterium 2 
erfüllt? erfüllt? erfüllt?

nein nein nein

Erkläre Familie als Entferne den Beton


Erkläre Familie als Nichtkonformität
nicht aus Familie!
übereinstimmend! der Mischung!
übereinstimmend! Einzelnachweis!

Konformität und statistische Auswertung Wenn nichts anderes vereinbart wurde, kann wie folgt
Maßnahmen bei Nichtkonformität verfahren werden:

Die folgenden Maßnahmen muss der Hersteller im Fall Prüfung mit dem Rückprallhammer am Bauwerk nach
der Nichtkonformität ergreifen: DIN EN 12504‑2.

••Nachprüfen der Prüfergebnisse; Weist die Prüfung mit dem Rückprallhammer aus‑
falls diese fehlerhaft sind, Berichtigen der Fehler. reichende Werte auf, kann der Beton der erforderlichen
••Falls sich die Nichtkonformität bestätigt, z. B. durch Druckfestigkeitsklasse zugeordnet werden.
Wiederholungsprüfung, sind korrigierende Maßnahmen
zu ergreifen, einschließlich einer Nachprüfung der maß‑ Werden bei der Prüfung mit dem Rückprallhammer
gebenden Verfahren der Produktionskontrolle. keine ausreichenden Werte ermittelt, wird eine in Ab‑
••Falls sich die Nichtkonformität mit der Festlegung be‑ hängigkeit von der Bauteilgröße festzulegende Anzahl
stätigt und diese bei Lieferung nicht offensichtlich war, an Bohrkernen entnommen. Die Prüfung der Bohrkerne
sind der Verfasser der Festlegung und der Verwender zu erfolgt nach den genannten Normen DIN EN 12504‑1
verständigen, um Folgeschäden zu vermeiden. und DIN EN 12390‑3. Weisen die Bohrkerne ausreichen­
••Aufzeichnen der zuvor genannten Maßnahmen. de Druckfestigkeiten auf, kann der Nachweis der
Druckfestigkeitsklasse geführt werden.

Holcim Betonpraxis 85
Verarbeitung
5
5
Verarbeitung
5.1

Einbringen und Verdichten


1.5

Fördern und Einbringen Verdichtungsarten


Je nach Konsistenz und/oder örtlichen Gegebenheiten Die Wahl der Verdichtungsart ist abhängig von der
werden die in Abb. 3.2.2 genannten Fördermittel ein‑ Konsistenz. Bei Verwendung gebräuchlicher K ­ onsistenzen
gesetzt. C3/F3 und C2/F2 wird in der Regel durch Rütteln ­verdichtet.
Nur bei sehr niedrigen Konsistenzen C1 wird gestampft.
Die Anlieferungsmenge und die Einbauleistung müssen
aufeinander abgestimmt sein. Das Einbringen des Betons Das Rütteln erfolgt mit Innenrüttlern oder mit Außen‑
soll mit gleichbleibender Geschwindigkeit in möglichst rüttlern (Schalungsvibratoren, Oberflächenfertiger mit
gleichmäßig dicken, horizontalen Schichten erfolgen. Flächenvibratoren). Häufig werden die Methoden auch
kombiniert eingesetzt.
Um das Entmischen zu vermeiden, soll die Schütt­höhe
höchstens 50 cm betragen. Bei Fallhöhen von über Beim Rütteln werden Schwingungen erzeugt, die die
2 m sollte der Beton durch ein Fallrohr oder einen Verteil‑ innere Reibung zwischen den Gesteinskörnern fast
schlauch eingebracht werden. vollständig überwinden. Die Einzelkörner lagern sich
dichter aneinander, die eingeschlossene Luft entweicht
Verdichten in Form von Luftblasen an die Oberfläche (natürlicher
Gutes Verdichten ist die Voraussetzung für einen dauer‑ Luftgehalt nach der Verdichtung noch 1 bis 2 Volumen‑
haften Beton. prozent), die Hohlräume füllen sich mit Feinstmörtel, und
der Frischbeton verdichtet sich unter der Einwirkung der
Die Vorteile eines gut verdichteten Betons sind: Schwerkraft.

••erhöhte Dichtigkeit Selbstverdichtender Beton entlüftet vollkommen selbst‑


••verbesserte Dauerhaftigkeit ständig mithilfe der Schwerkraft. Er darf nicht zusätzlich
••gute Druckfestigkeit verdichtet werden, da sonst die Gefahr des Entmischens
••bessere Haftung zwischen ­Bewehrung und Beton. besteht.

Bei leichtverdichtbaren Betonen (Konsistenz F5 und ins‑


besondere F6) ist nur eine geringe Verdichtungsenergie
Abb. 5.1.1   notwendig, da es auch hier schnell zum Entmischen
Einbringen mit kommen kann.
der Pumpe und
verdichten mit der
Rüttelflasche

Abb. 5.1.2  
Verdichtungs­ Konsistenzklassen
aufwand in
­Abhängigkeit von C1/F1 C2/F2 C3/F3 C4/F4 F5 F6 >F6
der Konsistenz­
(SCC)
klasse des Betons

Verdichtungsaufwand

Stampfen, starkes normales geringes schwaches sehr leichtes kein Verdichten


Walzen ­Verdichten ­Verdichten ­Verdichten ­Verdichten ­Verdichten
­(Stochern, (Schwabbeln)
Klopfen)

88 Holcim Betonpraxis
Verarbeitung

5.1
Einbringen und Verdichten
Regeln für gutes Verdichten
Wirkungsbereich elektrischer ••Der Innenrüttler ist rasch in möglichst gleichen Ab‑
Hochfrequenz‑Innenrüttler (Abb. 5.1.3) ständen in den Beton einzuführen und nach kurzem
Erfahrungsgemäß hat sich die Frequenz von Verharren im Tiefstpunkt langsam herauszuziehen,
12 000 Umdrehungen pro Minute für üblichen Beton wobei sich die Oberfläche des Betons schließen
als am günstigsten erwiesen. muss. Schließt sich die Oberfläche nicht mehr, ist die
Für feinkörnige Betone ist die Frequenz des Rüttlers Konsistenz zu steif, das Erstarren des Betons hat bereits
zu erhöhen (bis 18 000 U/Min.). begonnen, oder die Rütteldauer war nicht ausreichend.
••Der Beton soll nicht mit dem Innenrüttler verteilt
werden.
••Das Rütteln ist zu beenden, sobald sich an der Ober‑
fläche eine dünne Feinmörtelschicht gebildet hat und
Durchmesser Durchmesser Abstand
Innenrüttler des Wirkungs­ zwischen den größere Luftblasen nur noch vereinzelt austreten.
bereichs Eintauchstellen ••Der Abstand der Eintauchstellen ist so zu wählen. dass
[mm] [cm] [cm] sich die von der Rüttelbewegung erfassten Beton­
< 40 30 25 bereiche überschneiden.
••Wird Beton in mehreren Schichten frisch in frisch
40 bis 60 50 40 eingebracht, muss der Innenrüttler durch die zu ver‑
dichtende Schicht hindurch noch etwa 10 bis 15 cm tief
> 60 80 70
in den sich darunter befindenden Beton eintauchen,
damit eine Verbindung der beiden Schichten gewähr‑
Abb. 5.1.3  
Anhaltswerte für den Durchmesser des Wirkungsbereichs und den leistet ist (Abb. 5.1.4).
Abstand der ­Eintauchstellen

Faustregel
Abstand der Eintauchstellen =
8- bis 10-facher Durchmesser des Innenrüttlers

Abb. 5.1.6  
Überschneiden der
Wirkungsbereiche
richtig richtig (links); ­
Abstimmen
der Größe der
Vibriernadel
falsch auf die Bauteil­
abmessungen
Abb. 5.1.4   falsch
(rechts)
Frischbetoneinbau und Verdichtung

Schalung Schalung

Abb. 5.1.5  
Einbringen mit der Pumpe, Verdichten von Hand

Holcim Betonpraxis 89
Verarbeitung
5.2

Nachbehandlung
2.5

Zweck und Ziele Vorzeitiges Austrocknen


Die Nachbehandlung hat den Zweck, den jungen Beton Besonders wichtig ist der Schutz gegen vorzeitiges Aus‑
vor Wasserverlust und schädlichen Einwirkungen zu trocknen, mit dem unmittelbar nach dem Einbringen zu
schützen. Druckfestigkeit allein garantiert keine Dauer‑ beginnen ist. Folgen des zu frühen Wasserverlusts im
haftigkeit, der Beton muss auch dicht sein. Gerade oberflächennahen Bereich sind:
im oberflächennahen Bereich ist ein Zementstein ••starke Frühschwindrissneigung
mit hoher Dichtigkeit und einer möglichst geringen (Kap. 10.3 «Schwinden und Rissbildung»)
Porosität sehr wichtig für einen erhöhten Wider‑ ••geringe Festigkeit
stand gegen Karbonatisierung und das Eindringen ••Neigung zum Absanden
schädigender Stoffe. ••geringere Dichtigkeit und Dauerhaftigkeit
••verminderter Verschleißwiderstand.
Unter Nachbehandlung versteht man alle Maßnahmen,
die dazu geeignet sind, den frisch verarbeiteten und
Abb. 5.2.1  
Abdecken einer jungen Beton bis zum Erreichen einer ausreichenden
Betondecke mit Festigkeit zu schützen.
Plastikfolie

Die wichtigsten Ziele der Nachbehandlung sind der


Schutz vor:
••vorzeitigem Austrocknen durch Wind, Sonne,
­trockene Kälte
••extremen Temperaturen (Kälte/Hitze) und raschen
Temperaturwechseln
••Niederschlägen
••vorzeitigen Einwirkungen von Fremdstoffen (Öl usw.).

Schutzmaßnahmen gegen vorzeitiges Austrocknen


••in der Schalung belassen
••mit Folien abdecken (Abb. 5.2.1 )
••mit Thermomatten abdecken (Abb. 5.2.2)
••wasserhaltende Abdeckungen aufbringen
Abb. 5.2.2   (Jute, Geotextilmatten)
Ummantelung
einer Betonstütze
••flüssige Nachbehandlungsmittel aufbringen
mit Thermomatte (Curing compound, Abb. 5.2.3)
••kontinuierliches Besprühen mit Wasser
••Unterwasserlagerung
••Kombination der aufgeführten Maßnahmen.

Abb. 5.2.3  
Aufsprühen eines
Nachbehandlungs­
mittels

90 Holcim Betonpraxis
Verarbeitung

5.2
Nachbehandlung
Austrocknungsgeschwindigkeit Typische Auswirkungen dieser Faktoren sind in Abb. 5.2.4
Die Austrocknungsgeschwindigkeit hängt ab von der: und Abb. 5.2.5 dargestellt.
••Lufttemperatur
••Betontemperatur
••relativen Luftfeuchte
••Windgeschwindigkeit.

Abb. 5.2.4   Abb. 5.2.5  
Einfluss des Feuchthaltens auf die Festigkeitsentwicklung des Frühschwinden als Folge mangelhafter Nachbehandlung bei
Betons im Oberflächenbereich ­extremen Witterungsbedingungen

Abb. 5.2.6 zeigt Zusammenhänge zwischen den ge‑


nannten Größen auf und kann zum Abschätzen der Aus‑
trocknungsrate verwendet werden.

Abb. 5.2.6  
Diagramm zum Abschätzen der Austrocknungs­rate 
an offenliegenden Betonflächen.

Eingezeichnetes Beispiel: 
Lufttemperatur: 28°C, 
relative Luftfeuchte: 50 %, 
Betontemperatur: 28°C,
Windgeschwindigkeit: 5 m/s.
Ergebnis: Austrocknungsrate = 0,8 kg/m2 · Std.

Holcim Betonpraxis 91
Verarbeitung
5.2

Nachbehandlung
Abb. 5.2.7   Maßnahmen zur Verminderung der Temperatur‑
Einfluss der Aus­ Berechnung des Wasserverlusts  unterschiede sind in Abb. 5.2.8 aufgeführt. Weitere
trocknungsrate
eines ungeschützten Betons Maßnahmen zum Vermeiden oder Verringern von
von 0,8 kg/(m2·h)
auf den Wasser­ Annahme: Temperaturunterschieden oder deren Auswirkungen
verlust eines Wassermenge im Beton: finden sich in Kap. 10.3 «Schwinden und Rissbildung».
ungeschützten 165 kg/m3 = 1,65 kg/(cm·m2)
Betons
Austrocknungsrate: 0,8 kg/(m2·h)

1,65 kg · m2 · h h Nachbehandlungsmaßnahmen
= 2,1
0,8 kg · m2 · cm cm Die Art (Abb. 5.2.8) und die Dauer der Nachbehandlung
richten sich vorwiegend nach den herrschenden
Nach ca. 2 Stunden ist 1 cm des Oberflächenbetons Witterungsbedingungen und den zu schützenden Bau‑
ausgetrocknet. teilen. DIN 1045‑3 macht Angaben zur Mindestdauer der
Nachbehandlung (Abb. 5.2.9).

Nachbehandlungs- und Ausschalfristen sind um die Zeit


Bewehrungs- 1 cm Austrocknung
an der exponierten zu verlängern, an denen die Temperatur unter 5 °C lag.
überdeckung
35mm Oberfläche

Hinweis
Wird zur Nachbehandlung ein Nachbehandlungs‑
mittel (Curing) aufgesprüht, sollte darauf geachtet
werden, ob der Beton nachträglich beschichtet
werden soll.
Extreme Temperaturunterschiede
Bei Wärme dehnt sich der Beton aus, bei Kälte zieht er Ist das Curing wachshaltig, muss bei nachträglicher
sich zusammen. Dies führt zu Spannungen, wenn der Betonbeschichtung der Untergrund vorbehandelt
Beton bei der Verformung behindert wird oder wenn sich werden (z. B. Sandstrahlen, Wasserhochdruck, Kugel‑
extreme Temperaturunterschiede innerhalb des Beton‑ strahlen). Wachshaltige Curing-Mittel dürfen nicht
körpers einstellen können. Deshalb ist zu verhindern, in die Betonoberfläche eingeglättet werden. Es gibt
dass zwischen der Betonoberfläche und dem Betonkern neuerdings wachsfreie Curings, die als Glätthilfen
größere Temperaturunterschiede als 15°C entstehen und dienen. Zum einen lässt sich der Beton leichter
der noch nicht ausreichend erhärtete Beton schroffen glätten, zum anderen kann man das Curing trotz
Temperaturwechseln ausgesetzt wird. Überschreiten die nachträglicher Beschichtung in die Betonoberfläche
Spannungen die noch geringe Zugfestigkeit des jungen mit einglätten.
Betons, führt dies zu Rissen.

Abb. 5.2.8  
Nachbehandlungs­ Maßnahmen Außentemperaturen [°C]
maßnahmen bei
−3 5 10
verschiedenen
Außen­ unter bis bis bis über
temperaturen −3 +5 10 25 25
Holzschalung nässen; Stahlschalung vor Sonneneinstrahlung
schützen. Abdecken oder Aufsprühen von Nachbehandlungs‑
mittel oder Feuchthalten durch kontinuierliches Benetzen
Abdecken oder Aufsprühen von Nachbehandlungsmittel

Vorwärmen der Schalung und Bewehrung.


Abdecken oder Aufsprühen von Nachbehandlungsmittel;
Auflegen von Thermomatten
Vorwärmen der Schalung und Bewehrung.
Abdecken mit Thermomatten.
Betontemperatur mindestens 3 Tage lang auf + 10 °C halten
(Bauteil umschließen und beheizen)

92 Holcim Betonpraxis
Verarbeitung

5.2
Nachbehandlung
In Abb. 5.2.9 ist die Mindestdauer der Nachbehandlung in Abb. 5.2.9  
Expositions­ Erforderliche Mindestdauer Mindestdauer der
klasse Festigkeit im der Nachbehandlung Abhängigkeit von der Festigkeitsentwicklung des Betons
Nachbehandlung
oberflächennahen für alle Expositionsklassen nach DIN 1045‑3 dargestellt. nach DIN 1045‑3
Bereich
X0, XC1 – 0,5 Tage Für die Expositionsklassen XC2, XC3, XC4 und XF1 dürfen
(mindestens 12 Stunden) die erforderlichen Nachbehandlungsdauern auch über
die Frischbetontemperatur zum Zeitpunkt des Betonein‑
Alle Klassen, 0,5 · fck Werte der Tabelle unten baus festgelegt werden, wenn ein übermäßiges Aus‑
außer kühlen des Betons im Anfangsstadium ausgeschlossen
X0, XC1, XM wird. Bei mehr als fünf Stunden Verarbeitbarkeitszeit des
Betons ist die Nachbehandlungsdauer angemessen zu
XM 0,7 · fck Werte der Tabelle unten verlängern.
verdoppeln

Oberflächen­ Mindestdauer der Nachbehandlung  Niederschläge


temperatur  in Tagen Niederschläge können häufig bleibende Schäden (hohe
T [°C] 2) Festigkeitsentwicklung des Betons:  Porosität, verminderte Dauerhaftigkeit, Auswa­schungen)
r = fcm2/fcm28 1) am frischen oder jungen Beton verursachen. Deshalb
r ≥ 0,50 r ≥ 0,30 r ≥ 0,15 r < 0,15 ist vor dem Betonieren die vorbereitete Schalung von
schnell mittel langsam sehr  stehendem Wasser zu befreien. Der frisch eingebrachte
langsam Beton ist vor Regen zu schützen, gegebenenfalls mit
≥ 25 1 2 2 3 Folien oder durch Einhausung (Abb. 5.2.10).
25 > T ≥ 15 1 2 4 5
15 > T ≥ 10 2 4 7 10 Abb. 5.2.10  
Einhausungen
10 > T ≥ 5 3 6 10 15 bieten einen
1) f
hohen Schutz vor
cm2 bzw. fcm28 bezeichnen die Mittelwerte der Druckfestigkeit nach 2 bzw.
unerwünschten
28 Tagen.
2) Anstelle der Oberflächentemperatur des Betons darf die Lufttemperatur Witterungs­
angesetzt w­ erden. einflüssen

Expositions Mindestdauer der Nachbehandlung 


klassen in Tagen
XC2, XC3, XC4  Festigkeitsentwicklung des Betons: 
und XF1 r = fcm2/fcm28 1)
Frischbeton­
temperatur  r ≥ 0,50 r ≥ 0,30 r ≥ 0,15 r < 0,15
T [°C] 1) schnell mittel langsam sehr 
langsam
≥ 15 1 2 4 k. A.
15 > T ≥ 10 2 4 7 k. A.
10 > T ≥ 5 4 8 14 k. A.
1) Kannein übermäßiges Auskühlen des Betons im Anfangsstadium aus‑
geschlossen werden, können für die Expositionsklassen XC2, XC3, XC4 und
XF1 die erforderlichen Nachbehand­lungsdauern auch über die Frischbeton‑
temperatur zum Zeitpunkt des Betoneinbaus festgelegt werden.

Holcim Betonpraxis 93
Verarbeitung
5.3

Betonieren bei extremer Witterung


3.5

Betonieren bei warmer Witterung

Im Sommerhalbjahr stellt man oft einen Abfall der durch‑ Es handelt sich dabei um eine aus allen Ländern mit aus‑
schnittlichen 28-Tage-Betondruckfes­tigkeit von einigen geprägten saisonalen Temperaturunterschieden bekannte
MPa fest. Man spricht vom sogenannten Sommerloch Erscheinung. Sie ist vornehmlich auf zwei ­Ursachen
(Abb. 5.3.1). zurückzuführen.
Abb. 5.3.1  
Typische Beton­
festigkeits- und
Verarbeitbarkeits­
statistik während
des Sommerhalb­
jahrs. Daten aus
der Qualitäts­
sicherung eines
Transportbeton­
werks

Abb. 5.3.2   Höhere Betontemperatur


Auswirkung der Die im Allgemeinen höhere Betontemperatur bewirkt
Temperatur auf die
Entwicklung der eine schnellere Zementhydratation. Diese führt zu einer
Druckfestigkeit höheren Frühfestigkeit, weil sich gegenüber niedrigeren
von Beton Temperaturen rascher Zementhydratkristalle ­bilden,
die allerdings kleiner sind. Kleinere Kristalle können
sich weniger intensiv verfilzen als größere. Es stellt sich
auch eine höhere Porosität ein. Da der Grad der Kristall­
Abb. 5.3.3  
verfilzung und die Poro­sität die Endfestigkeit des Betons
Entwicklung der
Ausbreitmaße erheblich beeinflussen, nimmt diese ab (Abb. 5.3.2).
in Abhängigkeit
der Frischbeton­
Gleichzeitig wird bei identischen Betonzusammen‑
temperatur bei
identischen Beton­ setzungen das Anfangsausbreitmaß bei höheren
rezepturen Temperaturen immer weiter reduziert (siehe Abb. 5.3.3).

650650
600600
Ausbreitmaß [mm]

550550
500500
usbreitmaß [mm]

450450
400400
Au

350350
300
300

250
250 10°C 20°C 30°C
10 °C 20 °C 30 °C
Frischbetontemperatur
Frischbetontemperatur
Betonausbreitmaß nach 10 min Betonausbreitmaß nach 45 min
Betonausbreitmaß nach 10 min Betonausbreitmaß nach 45 min

94 Holcim Betonpraxis
Verarbeitung

5.3
Betonieren bei extremer Witterung
Unbemerkte und unzulässige Wasserzugabe Um den Betonfestigkeitsabfall bei heißer Witterung in
Wenn bei höheren Frischbetontemperaturen nicht engen Grenzen zu halten, schreibt die DIN 1045‑3 eine
rechtzeitig mit korrigierten Fließmittelgehalten gegen‑ Frischbetontemperatur von höchstens 30°C vor. Bei
gesteuert wird, passiert es in TB-Werken oft genug, dass Beton, an den besondere Anforderungen gestellt werden,
die Ausgangskonsistenz nur durch eine Wasserkorrektur sollte die Frischbetontemperatur auf maximal 25°C
erreicht wird. Fälschlicherweise wird angenommen, ­begrenzt werden.
dass aufgrund hoher Temperaturen die Feuchtegehalte
der Gesteinskörnung sich verringert hätte und die ein‑ Neben dem Verlust an Endfestigkeit (Abb. 5.3.2) und
gestellten Feuchten der Gesteinskörnung verändert Dauerhaftigkeit hat eine höhere Betontemperatur noch
werden. Dadurch wird der Mischung unbemerkt mehr weitere unerwünschte Auswirkungen:
Wasser zugegeben. Eine Kontrolle durch entsprechende ••Die schnellere Zementhydratation bewirkt ein rasche­res
Darr­prüfungen würde hier Abhilfe schaffen. oder sogar vorzeitiges Ansteifen des Betons, wo­durch
seine Verarbeitung beeinträchtigt wird.
Leider passiert es auch immer noch, dass das stärkere ••Die Betonoberfläche trocknet rascher aus. Dies gilt ins‑
Rücksteifen durch eine höhere Ausgangskonsistenz, die besondere bei hoher Windgeschwindigkeit, intensiver
über Wasserzugabe eingestellt wird, korrigiert wird. Dies Sonneneinstrahlung und niedriger relativer ­Luftfeuchte.
ist dann in jedem Fall eine unzulässige Wasserzugabe. Die Nachbehand­lung (Kap. 5.2 «Nachbehandlung»)
soll den Was­serentzug vermeiden, oder es muss für
Doch bereits mit geringen Mengen zusätzlichen Wassers kontinuierliche Wasser­zufuhr auf die Betonober­fläche
wird die Festigkeit des Betons reduziert, noch mehr aber ge­sorgt werden. Andern­falls bleibt die ­Zementhydratation
leidet die Dauerhaftigkeit des Betons. unvollständig, wo­durch die Endfestigkeit der vorzeitig
ausgetrockneten, oberflächlichen Partien, insbesondere
aber deren Dauer­haf­tig­keit, noch zusätzlich reduziert
Faustregel würde. Auch neigen solche Bauteile stark zum Früh‑
10 Liter mehr Zugabewasser pro m3 ­Beton schwinden und der damit zusammen­hängenden
­verur­sachen einen 28-Tage-Druckfestigkeitsverlust Rissbil­dung (Kap. 10.3 «Schwinden und Rissbildung»)
von rund 3 bis 5 MPa. sowie bei Sicht­beton zu hässlichen Unter­schieden in
den Grau­tönen.

Holcim Betonpraxis 95
Verarbeitung
5.3

Betonieren bei extremer Witterung

Maßnahmen zur Kontrolle der Betontemperatur Betonieren bei warmer Witterung verlangt 
Die Temperatur T eines Frischbetons kann mit gute Planung und Vorbereitung
folgen­der Formel näherungsweise abgeschätzt ••Verwendung eines Zements mit moderater
werden: Wärme­entwicklung, z. B. Hochofenzemente
(­Holcim-Duo und Holcim-Aqua).
Tb = 0,7·Tg + 0,2·Tw + 0,1·Tz
••Die Anlieferung und Verarbeitung des Frisch­betons
Tb: Betontemperatur muss so koordiniert werden, dass der Beton z­ ügig
Tg: Gesteinskörnungstemperatur eingebaut werden kann.
Tw: Wassertemperatur
Tz: Zementtemperatur ••Für das Betonieren sind genügend Gerät­schaften
und Personal einzuplanen, damit das Einbringen,
Beispiel: Bekannt sind: das Verdichten und die Nachbehandlung ohne
Tg = 21°C ­Verzug erfolgen können.
Tw = 15°C
Tz = 50°C ••Unterlage und Schalung dürfen dem Frisch­beton
Gesucht ist die Betontemperatur Tb: kein Wasser entziehen. Die Schalung ist ­deshalb vor
Tb = 0,7·21 + 0,2·15 + 0,1·50 = 22,7°C dem Einbringen des Betons zu benetzen.
Übermäßiges Wässern von Schalung und Unter‑
grund ist zu vermeiden (keine Wasser­lachen).
Da die Zementtemperatur durch den Einbau von
speziellen Kühlern in den Zementmahl­anlagen auf ••Sind die für ein erfolgreiches Betonieren bei ­hoher
60°C oder weniger reduziert wird, ist ­ihr Einfluss auf Temperatur erforderlichen Voraus­setzungen aus­
die Betontemperatur relativ gering. bestimmten Gründen nicht gegeben, muss auf eine
kühlere T
­ ages­zeit ausge­wichen werden.

Maßnahmen zum Senken der Betontem­pe­ratur ••Das Verwenden von Erhärtungs­ver­zö­ge­rern kann
••Anbringen einer Wärmeisolation am Kies­silo die Nachteile der rascheren Zementhydratation
••Kühlen des Grobkieses durch Besprengen mit weit­gehend beheben. Sie sind aber wenig wirk‑
­Wasser 1) sam gegen vorzeitiges Ansteifen des Betons, auch
••Kühlen des Zugabewassers mit Eis 1) erfordert ihr Einsatz eine verlängerte Nachbehand­
••Kühlen der Betonmischung mit flüssigem lung. Wenn die Wirkung eines be­stimm­­ten
­Stick­stoff. Verzögerers auf einen Zement nicht schon von
früheren Ver­wen­dungen her bekannt ist, muss
1) Die Zugabewassermenge ist ­entsprechend zu sie durch Vorversuche abgeklärt werden, um
­redu­zieren. eine zweck­entsprechende Verzöge­rer­dosie­rung
zu ermögli­chen.

96 Holcim Betonpraxis
Verarbeitung

5.3
Betonieren bei extremer Witterung

Einbringen und Verdichten Nachbehandlung – die ­ersten Stunden nach dem


••Kurze Liegezeit und schnellstmögliche Ver­ar­bei­ ­Einbringen sind entscheidend
tung des Frischbetons sind oberstes Gebot. ••Frühzeitige und fortgesetzte Nachbehand­lung
verhindert rasches Austrocknen, mindert die Riss­
••Das Baustellenpersonal ist mit den Beson­der­hei­ gefahr und steigert zudem Dichtigkeit und Druck­
ten und Anforderungen des Betonie­rens bei hohen festigkeit.
Temperaturen vertraut zu machen.
••Die Nachbehandlung muss unmittelbar nach dem
••Sind unvorhergesehene Wartezeiten nicht zu Einbringen des Betons beginnen
vermeiden, muss der Beton im Fahrzeug und im (Abb. 5.3.4 und Abb. 5.3.5).
Um­schlaggerät vor direkter Wind- und Sonnenein­
wir­kung geschützt werden. Die Trommel des Fahr­ ••Die Nachbehandlung muss sich über mehrere Tage
mischers kann dazu mit Wasser berieselt werden. erstrecken. Detaillierte Angaben über ihre Dauer
sind der DIN 1045‑3 entnehmen. Sie ist u. a. abhän­
••Die nachträgliche Wasserzugabe auf der Bau­stelle gig von der Festigkeitsentwicklung des Betons.
ist streng zu verbieten, und das Einhalten des
Verbots ist zu kontrollieren. ••Über Nachbehandlungsverfahren, Nachbe­hand­
lungs- und Abdeckmittel informiert das Kap. 5.2
«Nachbehandlung».

Abb. 5.3.4   Abb. 5.3.5  
Abdecken mit Kunststofffolien und  Aufsprühen eines Nachbehandlungs­mittels unmittelbar nach dem
Sichern mit Brettern Ober­flächen­­finish des Betons am Beispiel einer Fahrbahndecke

Holcim Betonpraxis 97
Verarbeitung
5.3

Betonieren bei extremer Witterung


Betonieren bei kalter Witterung
Maßnahmen zur Betonherstellung 
Gefahren bei tiefer Temperatur bei kühler Witterung
Der frische und junge Beton reagiert empfindlich auf Schon bei der Betonherstellung kann die bei kühler
tiefe Temperaturen und nimmt bei Frost Schaden. Witterung erforderliche Festigkeits- und Wärme­
Die Gründe dafür sind: ent­wicklung durch folgende Maß­nahmen günstig
••Die Festigkeitsentwicklung wird verlangsamt, je tiefer beeinflusst werden:
die Umgebungstemperatur liegt. Unter dem Ge­frier­
punkt kommt sie sogar zum Stillstand. ••Anheben der Frischbetontemperatur durch
••Das Gefrieren des Wassers im Beton schädigt dessen ge­ziel­te Erwärmung des Zugabewassers
Gefüge. und/oder Er­wär­mung der Gesteinskörnung
Geschädigter Beton muss entfernt werden.
••Anheben des Zementgehalts und/oder Ver­wen­
Gefrierbeständigkeit den eines Zements mit hoher Wärmeentwicklung
Beton kann als gefrierbeständig gelten, wenn: (z. B. Holcim-Pur 5 Premium) bei sonst gleichen
••sein Zementgehalt > 270 kg/m3 beträgt Ausgangsstoffen. Dadurch wird die Früh­festigkeit
••sein w/z-Wert < 0,60 ist angehoben (nur in Ab­sprache mit dem Statiker).
••er vor starkem Feuchtezutritt geschützt ist
••er eine schnelle Festigkeitsentwicklung aufweist und ••Herabsetzen des w/z-Werts durch Einsatz eines
••seine Temperatur während mindestens 3 Tagen bei Fließmittels (FM). Beton mit weniger Überschuss‑
> 10°C liegt. wasser ist weniger frostgefährdet.

Zu beachten ist: ••Beschleunigen der Festigkeitsentwicklung durch


••Gefrierbeständige Betone erhärten nach einmaligem den Einsatz eines chloridfreien Erhärtungs­­
Durchfrieren zwar normal weiter; mehrfaches Durch‑ beschleu­nigers (BE)
frieren überstehen aber auch solche Betone nicht.
••Luftporenbildner tragen nichts zur Gefrier­bestän­dig­ ••Bauteile oder ganzes Bauwerk vor Wärme­verlust
keit bei. und Luftzug schützen.
••Die Zugabe von Beschleunigern führt wohl zu
einem schnelleren Erhärten; dies ist aber nur schwer
Abb. 5.3.6  
Frühfestigkeits­ kontrollierbar.
40
entwicklung bei
Druckfestigkeit [MPa]

unterschiedlichen Kühle Witterung erfordert deshalb zusätzliche Maß­ 30


Zementen 
(CEM 32,5 R:  nahmen bei der Herstellung und dem Einbau von Beton.
untere Begrenzung,  Nach DIN 1045‑2, Ziffer 5.2.8, darf die Tem­pe­ratur des 20
CEM 52,5 R:  T = +20 °C T = + 5 °C
Betons beim Ein­bringen im Allgemeinen +5°C nicht
obere Begren­zung) 10
unterschreiten. Bei Temperaturen unter −3°C muss die
und unterschied­
lich hohen Außen­ Betontempera­tur mindestens drei Tage lang auf +10°C
temperaturen  gehalten werden. 0
(+5 und +20°C) 8 12 16 24 48 72
Zeit nach Herstellung [Stunden]
Bei Betonoberflächen mit erhöhten Anforderungen wird
empfohlen, die Frischbetontemperatur stets auf +10°C zu
erhöhen.

Beton ist immer vor dem Gefrieren zu schützen, solange


er eine Druckfestigkeit von 5 MPa noch nicht erreicht hat.

Abb. 5.3.7  
Lufttemperatur Mindesttemperatur des Frischbetons beim Einbau
Mindest­
temperaturen von +5°C bis −3°C +5°C im allgemeinen Fall
Luft und Beton

+10°C bei < 240 kg/m3 Zement oder bei LH-Zementen

< −3°C +10°C sollte mindestens 3 Tage lang gehalten werden

98 Holcim Betonpraxis
Verarbeitung

5.3
Betonieren bei extremer Witterung

Maßnahmen auf der Bau­stelle bei kühler Witterung


Betonieren bei niedrigen Außentemperaturen erfor­
dert auch auf der Baustelle entsprechende Schutz­
maßnahmen:

••Es darf weder auf gefrorenem Baugrund noch auf


gefrorenen Bauteilen betoniert werden.

••Der vorgewärmte Beton ist zügig in die von Schnee


und Eis befreite Schalung einzubauen und sofort zu
verdichten. Holzschalungen besitzen dämmende
Eigenschaften und bieten hier gegenüber Stahl‑
schalungen einen Vorteil.

••Unmittelbar nach dem Einbringen muss der Be­ton


vor Wärmeentzug geschützt werden. Damit wird
die eigene Wärmeentwicklung durch die Ze­ment­­
hydratation aufrechterhalten. Als geeignetes
Mittel erweist sich das Abdecken mit Thermo­
matten (Abb. 5.3.8).

••Thermomatten sind ein geeignetes Mittel sowohl


zum Schutz der frischen Betonoberfläche direkt
nach dem Betonieren, als auch zum Schutz des
jungen Bauteils nach dem Ausschalen.

••Während der Erhärtungszeit muss der Beton nicht


nur vor Wärmeverlust, sondern auch vor Feuch­­
tigkeitsverlust geschützt werden, weil bei kaltem
und/oder trockenem Wetter der Feuchtig­keits­
gehalt der Luft sehr gering ist.

••Sinkt die Betontemperatur während des Erhär­


tens zeitweise unter den Gefrierpunkt, sind die
Aus­schalfristen mindestens um die Anzahl der
Frost­tage zu verlängern.

Abb. 5.3.8  
Thermomatten
schützen Beton­
Die Frischbetontemperatur lässt sich durch Erwärmen wände und -­stützen
vor übermäßigem
der Ausgangsstoffe erhöhen. Die vereinfachte Formel Wasserverlust und
zur Berechnung der Frischbetontemperatur steht auf Abkühlung
Seite 96 .

Abb. 5.3.9 
Nachbehandlung
durch Wärme­
dämmung

Holcim Betonpraxis 99
Betone mit besonderen Eigenschaften
6
6
Betone mit besonderen Eigenschaften
6.1

Beton für wasserundurchlässige Bauwerke


1.6

Wasserundurchlässige Betone (WU-Betone) weisen einen Beanspruchungs- und Nutzungsklassen


hohen Wassereindringwiderstand nach DIN EN 206‑1 Für auf ein Bauwerk einwirkendes Druckwasser gilt
und DIN 1045‑2 auf. Sie werden in aller Regel zur Her‑ ­Beanspruchungsklasse 1.
stellung von wasserundurchlässigen Bauwerken ver‑ ••drückendes Wasser (Überwachungsklasse 2)
wendet. Zur Planung und Ausführung ist die Richtlinie ••nicht drückendes Wasser mit einem Bemessungs‑
«Wasserundurchlässige Bauwerke aus Beton» des DAfStb wasserstand von 10 cm über Gebäudeunterkante
(WU‑Richtlinie) anzuwenden. (Überwachungsklasse 2)
••zeitweise aufstauendes Sickerwasser mit einem
Die WU‑Richtlinie gilt für teilweise oder vollständig ins ­Grundwasserstand von mindestens 30 cm unter
Erdreich eingebettete Betonbauwerke und -bauteile, bei ­Gebäudeunterkante (Überwachungsklasse 1).
denen der Beton die lastabtragende Funktion und jene
der Wasserundurchlässigkeit grundsätzlich auch ohne Für auf ein Bauwerk einwirkende Bodenfeuchte gilt
zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen übernimmt. ­Beanspruchungsklasse 2.
••Bodenfeuchtigkeit (Überwachungsklasse 1)
••nicht stauendes Sickerwasser (Überwachungsklasse 1).
Ortbetonwand Elementwand

Wandstärke? Für das Rauminnere werden zwei Nutzungsklassen unter‑


schieden, Nutzungsklasse A für Räume ohne Feuchte‑
Beanspruchungs­klasse transport oder Feuchtestellen auf der raumseitigen
1 oder 2 Oberfläche und Nutzungsklasse B für Räume, in denen
Nutzungsklasse an Fugen, Rissen und am Beton selber Feuchtstellen
A oder B Höhe Wasserstand? auftreten dürfen. Raumklimatisch oder bauphysikalisch
wirksame Maßnahmen müssen beachtet werden.

Planung eines wasserundurchlässigen Bauwerkes


Neben der Wahl des geeigneten Betons, der Bauteil‑
abmessungen und der Bewehrungsführung gilt das
Fugenabdichtung Hauptaugenmerk dem Vermeiden von Rissen bzw. der
dauerhaften Abdichtung von planmäßigen Rissen und
der Begrenzung der Rissbreiten. Dazu sind sämtliche
Abb. 6.1.1  
Fugen und Durchdringungen zu planen und der Bau‑
Beanspruchungs-
und Nutzungs­ Rissbreiten im Beton ablauf, Betonierabschnitte, Arbeitsfugen und Sollriss‑
klassen bei  Sämtliche Trennrisse sind durch geeignete Maßnahmen querschnitte («Scheinfugen») festzulegen, sowie die
WU-Betonen der Planung und Ausführung gegen Wassereintritt zu auf den Beton wirkenden Wässer und Böden zu be‑
­sichern. Soll von einer selbstheilenden Wirkung des rücksichtigen. Ein Bodengutachten liefert die nötigen
Betons durch die Neubildung von Kalziumkarbonat Informationen zur Art des Wasseranfalls (drückendes
ausgegangen werden, dürfen die maximalen Trennriss‑ Wasser usw.), zum ­Bemessungswasserstand sowie zum
breiten höchstens 0,2 mm betragen. Sämtliche anderen chemischen Angriffsgrad des Wassers bzw. Bodens.
Stellen (Fugen- und Sollrissquerschnitte) müssen durch
geeignete Maßnahmen abgedichtet werden.

Abb. 6.1.2  
Empfohlene dmin [mm] bei Ausführungsart
Mindestbauteil­ Beanspruchungsklasse
Ortbeton Elementwände Fertigteile
dicken nach
WU‑Richtlinie 1
in mm 240 240 200
(Druckwasser)
Wände
2 240
200 100
(Bodenfeuchtigkeit, Sickerwasser) (200) 1)
1
250 200
Bodenplatte (Druckwasser)

2
150 100
(Bodenfeuchtigkeit, Sickerwasser)
1) mitbesonderen betontechnischen und ausführungstechnischen Maßnahmen
(z. B. F6-Betone oder SVB)

102 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.1
Beton für wasserundurchlässige Bauwerke
Konstruktive Hinweise Festlegung eines WU-Betons
Um Risse aus Zwangsspannungen zu vermeiden, soll ••zwei Beanspruchungsklassen
die Bodenplatte möglichst gleitend gelagert werden; ••zwei Nutzungsklassen
eine über ihre ganze Fläche tragende, dickere Boden‑ ••Beton ≥ C25/30; w/zmax = 0,60; zmin = 280 kg/m3
platte weist ein günstigeres Verhalten auf als eine dünne ••Mindestbauteildicke
mit Streifenfundamenten. Ebenso sind Querschnitts­ ••Reduzierung des w/z-Werts bei Ausnutzung der
schwächungen in der Wand oder Absätze in der Sohle Mindest­bauteildicke
oder den Wänden zu vermeiden, da solche Übergänge ••Überwachungsklasse 2 bei drückendem Wasser
rissanfällig sind. ••Nachbehandlung zwingend notwendig.
Abb. 6.1.3  
Fugen und Durchdringungen Entmischungen
Alle Bauwerksfugen und Durchdringungen müssen an einem Sohle-
grundsätzlich wasserundurchlässig ausgebildet werden. Wand-Anschluss

Gemäß WU‑Richtlinie dürfen Fugenbänder nach


DIN 7865, DIN 18 541 und DIN 18 197 sowie Fugen­bleche
nach DIN EN 10 088-2 oder DIN EN 10 051 verwendet
werden. Für alle weiteren Produkte ist der Nachweis ihrer
Verwendbarkeit zu erbringen.

Anforderungen an den Beton


Zur Herstellung von WU-Bauwerken ist ein Beton mit
hohem Wassereindringwiderstand nach DIN 1045 und
DIN EN 206‑1 zu verwenden. Bei Bauteildicken bis zu
40 cm darf der maximale äquivalente Wasserzement‑
wert (w/z)eq=0,60 betragen. Die Mindestdruckfestigkeits‑
Abb. 6.1.4  
klasse beträgt C25/30, der Mindestzementgehalt Abdichtung mit
280 kg/m3. Für Dicken über 40 cm ist (w/z)eq ≤ 0,70 mög‑ einem Fugenblech
lich (­siehe Abb. 6.1.5).

Aus statischen Gründen oder Anforderungen aus den


Expositionsklassen (z. B. XA2 oder XF3) können höhere
Festigkeitsklassen notwendig werden. Die Dauerhaftig‑
keit des Betons wird über die vom Planer festzulegenden
Expositionsklassen sichergestellt.

Abb. 6.1.5  
Wände Bodenplatten Elementwände Mindestbauteil­
(Ortbeton) (Ortbeton) (Fertigteil und Kernbeton) dicken nach
WU‑Richtlinie in
Beanspruchungsklasse 1 2 1 2 1 2 cm in Abhängigkeit
Mindestbauteildicke dmin dmin dmin dmin 24 vom w/z-Wert
24 20 25 15 24
[cm] x 1,15 x 1,15 x 1,15 (20) 1)
Äquivalenter
0,55 0,60 0,60 0,55 0,60 0,60 0,55 0,60 0,60
­Wasserzementwert w/zeq
Mindestdruckfestigkeits‑
C25/30
klasse
Besondere
hoher Wassereindringwiderstand
Betoneigenschaft
1) besondere technische und ausführungstechnische Maßnahmen

Holcim Betonpraxis 103


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.2

Frost- und Frost-Tausalzbeständiger Beton


2.6

Abb. 6.2.1   Das Schadensbild, welches sich durch Frost, Angriffe


Mittlerer Größtkorn [mm] 8 16 32 63
durch Chloride und durch Tausalze ergeben kann, wird
Luftgehalt im
ausführlich im Abschnitt Kap. 10.4 «Schäden durch Mindestluftgehalt
Frischbeton
unmittelbar vor Frost- und Frost-Tausalzangriff» beschrieben. An dieser [Vol.-%] 5,5 4,5 4,0 3,5
dem Einbau Stelle wird daher darauf verzichtet, dies nochmals auszu‑ Einzelwerte dürfen diese Werte um maximal 0,5 % unterschreiten.
Bei Konsistenzklassen ≥ F4 ist der Mindestluftgehalt um 1,0 Vol.-% zu erhöhen.
führen. Stattdessen soll die vorbeugend richtige Beton‑
zusammensetzung beschrieben werden.

Betonzusammensetzung bei Frost- und Taumittelangriff Wirkungsweise der Luftporen im Beton


Die Wahl einer geeigneten Betonzusammensetzung kann Mit Hilfe von Zusatzmitteln (Luftporenbildner) werden
Schäden durch Frost und Taumittel weitestgehend ver‑ künstlich kleine, fein verteilte kugelige Mikroluftporen in
meiden. Grundsätzlich gilt, dass mit zunehmender Dichte den Beton eingeführt, die eine bestimmte Größe (Durch‑
des Betongefüges sich der Widerstand gegen das Ein‑ messer ≤ 0,3 mm) und einen bestimmten maximalen
dringen von Wasser oder Chloriden – und damit die Be‑ Abstand zueinander (Abstandsfaktor AF ≤ 0,2 mm) auf‑
ständigkeit – erhöht. Eine niedrige Kapillarität des Betons weisen müssen.
behindert den Wasserzutritt von außen und somit die
Bildung von Eis in den Kapillarporen des Betons. Die positive Wirkung dieser eingeführten Luftporen ist
vor allem darauf zurückzuführen, dass dem gefrierenden
In DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2 sind die Anforderungen Wasser im Beton Expansionsraum zur Verfügung ge‑
an den Beton entsprechend seiner Exposition festgelegt stellt wird. Des Weiteren wird das sonst durchgängige
(siehe Abb. 6.2.2). Dabei wird unterschieden zwischen Kapillarsystem des Betons unterbrochen und damit die
einem Angriff mit und ohne Taumittel. Davon ausgehend Wasseraufnahme des Betons verringert. Die Wirksamkeit
werden sowohl der maximale Wasserzementwert als dieser Maßnahmen hängt wesentlich vom Einhalten der
auch der Mindestzementgehalt festgelegt. Bei Angriff Mindestluftgehalte und des Abstandsfaktors ab.
durch Taumittel sind zusätzlich künstliche Luftporen ein‑
zuführen, deren Gehalt vom verwendeten Größtkorn des
Korngemischs abhängt (Abb. 6.2.1).

Abb. 6.2.2  
Anforderungen Expositions­ max. w/z Mindest­druck­ Mindest­ Mindestzement­gehalt Mindest­ Andere
an den Beton klasse bzw. w/zeq festigkeits­ zementgehalt 2) bei Anrechnung von luftgehalt ­Anforderungen
bei Frost- und klasse 1)  Zusatzstoffen 2) 3) 
Taumittelangriff [N/mm2] [kg/m3] [kg/m3] [Vol.-%]
XF1 0,60 C 25/30 280 270 – F4 4)
0,55 5) C 25/30 300 270 5) 6)
XF2 MS25 4)
0,50 5) C 35/45 7) 8) 320 8) 270 5) –
0,55 C 25/30 300 270 6)
XF3 F2 4)
0,50 C 35/45 7)  8) 320 8) 270 –
XF4 0,50 5) C 30/37 320 8) 270 5) 6) 9) MS18 4)
1) Mindestdruckfestigkeitsklasse gilt nicht für Leichtbeton
2) Bei 63 mm Größtkorn darf der Zementgehalt um 30 kg verringert werden.
3) Für die Anrechnung von Zusatzstoffen sind die Bedingungen von DIN 1045‑2 einzuhalten.

4) Gesteinskörnungen mit Regelanforderungen und zusätzlich Widerstand gegen Frost bzw. Frost und Taumittel

5) Nur Anrechnung von Flugasche zulässig. Weitere Zusatzstoffe dürfen zugesetzt, aber nicht auf den Zementgehalt oder den w/z-Wert angerechnet werden.

Bei Zugabe von Flugasche und Silikastaub ist jegliche Anrechnung ausgeschlossen.
6) Mittlerer Luftgehalt im Frischbeton unmittelbar vor dem Einbau: es gelten die Angaben von Abb. 6.2.1.

7) Bei langsamen und sehr langsam erhärtenden Betonen (r<0,3) eine Festigkeitsklasse niedriger. Die Druckfestigkeit zur Einteilung in die Festigkeitsklasse

ist auch in diesem Fall nach 28 Tagen zu bestimmen.


8) Nach DAfStb-Richtlinie «Massige Bauteile aus Beton» sind kleinere Grenzwerte möglich.

9) Herstellung ohne Luftporen ist zulässig für erdfeuchten Beton mit w/z-Wert ≤ 0,40 sowie bei Anwendung von CEM III/B für

Meerwasserbauteile und ­Räumerlaufbahnen.

104 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.2
Frost- und Frost-Tausalzbeständiger Beton
Neben der positiven Wirkung der Mikroluftporen kommt Prüfmethoden zur Bestimmung der Luftporen im Beton
es zu Verlusten der Druckfestigkeit des Betons. Diese ent‑ Der Luftporengehalt lässt sich sowohl am Frischbeton als
sprechen etwa folgender Beziehung: auch am Festbeton überprüfen. Wegen seiner einfachen
Handhabung wird am häufigsten der Luftporentopf
+ 1 % Luftporengehalt › fc,cube ≈ −2 bis −3 MPa (Druckausgleichsverfahren) benutzt (siehe Abb. 6.2.3).
(nach 28 Tagen) Das Bestimmen der Porenkennwerte (Durchmesser,
Abstandsfaktor) am Festbeton erfolgt über eine mikro‑
skopische Porenanalyse. Dazu werden aus Festbeton‑
Diese Abschätzung gilt für Normalbeton. Bei hochfesten proben Dünnschliffe hergestellt, die Porenkennwerte
Betonen kann der Verlust der Druckfestigkeit höher aus‑ ermittelt und mit Erfahrungswerten verglichen. Für
fallen. eine solche Analyse sind spezielle Mess­einrichtungen
erforderlich.
Dieser Einfluss kann durch entsprechende betontechno‑
Abb. 6.2.3  
logische Maßnahmen wie die Verwendung hochwertiger Gerät zur Messung
Zemente und das Absenken des Wasserzementwerts des Luftgehalts von
kompensiert werden. Frischbeton
(Luftporentopf)

Neben den Anforderungen an die Betonzusammen‑


setzung ist auf die Verwendung frostbeständiger
Gesteins­körnungen zu achten.

Grundsätzlich ist die Herstellung und Verarbeitung von


Luftporenbeton sehr anspruchsvoll und wird von vielen
Faktoren beeinflusst:
••verwendete Betonausgangsstoffe
(Zement, Gesteinskörnung, Zusatzstoffe, Zusatzmittel)
••Konsistenz des Betons
••Mischzeit und -intensität
••Temperatur
••Einbauart
••Verdichtungsart und -dauer.

Abb. 6.2.4  
Lochfraßkorrosion
an Bewehrungs­
stahl

Holcim Betonpraxis 105


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.3

Beton mit hohem chemischen Widerstand


3.6

Betone können unterschiedlichen chemischen Einflüssen kann, sowie für Umgebungstemperaturen zwischen 5 °C
ausgesetzt sein. Bei chemischem Angriff auf Beton unter‑ und 25 °C.
scheidet man grundsätzlich zwischen lösendem und
treibendem Angriff. Der höchste Wert für jedes einzelne chemische Merkmal
in Abb. 6.3.1 bestimmt die Expositionsklasse. Wenn zwei
In der Regel ist der Zementstein chemisch weniger oder mehrere chemische Merkmale zu derselben Exposi­
beständig als die deutlich dichtere Gesteinskörnung. tionsklasse führen, muss der nächsthöhere Angriffsgrad
Allgemein kann die chemische Beständigkeit des Betons gewählt werden, sofern Fachleute nicht ein anderes
mit betontechnologischen Maßnahmen, vor allem mit ­Vorgehen vorschlagen.
einer hohen Dichtigkeit und der Wahl eines geeigneten
Zements verbessert werden. Bei Grundwässern kann aufgrund der geologischen
Situation die betonschädigende Wirkung abgeschätzt
Weitere Informationen zu Schäden durch treibenden und werden (kalklösende Kohlensäure, Härtegrad).
lösenden Angriff werden in dem Kap. 10 «Ursachen und ­Schmelzwasser, Regenwasser und Oberflächengewässer
Vermeidung von Betonschäden» gegeben. sind normalerweise weiche Wässer. Grundwasser kann
in der Nähe von Kohle- und Schlackehalden oder in
Die DIN EN 206‑1 sieht folgende Klassifizierung aufgrund Tonboden Sulfate enthalten. Durch Oxidation von Pyrit
chemischen Angriffs vor: entstehen u. a. Schwefelverbindungen.

••XA1: chemisch schwach angreifende Umgebung Freie Säuren sind in der Natur, abgesehen von der Kohlen‑
••XA2: chemisch mäßig angreifende Umgebung säure, selten zu finden. Kohlensaures Wasser kann als
••XA3: chemisch stark angreifende Umgebung. Quellwasser auftreten, aber auch durch Gärprozesse
von tierischen und pflanzlichen Stoffen in Faulwasser
Besteht der Verdacht auf aggressive Stoffe, ist eine ­entstehen.
Beurteilung der betonangreifenden Wässer, Böden und
Gase mit Hilfe von chemischen Analysen erforderlich. In Moor- und Sumpfgebieten können durch Oxidation
Der Angriffsgrad von Grundwasser und Böden vor‑ des Schwefelwasserstoffs saure Grundwässer entstehen,
wiegend natürlicher Zusammensetzung wird in der Norm wenn Kalk zur Neutralisation im Boden fehlt. Dagegen
DIN EN 206‑1 nach Grenzwerten beurteilt (Abb. 6.3.1). Sie können Industrieabwässer spezifische Säuren (z. B. Milch‑
gelten für sehr geringe Fließgeschwindigkeiten, bei denen säuren) oder Salze (z. B. Sulfate) enthalten.
nahezu hydrostatischer Druck angenommen werden

Abb. 6.3.1  
Grenzwerte für die Chemisches Merkmal XA1 (schwach angreifend) XA2 (mäßig angreifend) XA3 (stark angereifend)
Expositions­klassen
Grundwasser
bei ­chemischem
Angriff durch pH-Wert 6,5 … 5,5 < 5,5 … 4,5 < 4,5 und ≥ 4,0
natürliche
Böden und kalklösende Kohlensäure (CO2) [mg/l] 15 … 40 > 40 … 100 > 100 bis zur Sättigung
­Grundwasser 1) 2) Ammonium 3) +)
(NH4 [mg/l] 15 … 30 > 30 … 60 > 60 … 100
Magnesium (Mg2+) [mg/l] 300 … 1 000 > 1 000 … 3 000 > 3 000 bis zur Sättigung
Sulfat 4) (SO42-) [mg/l] 200 … 600 > 600 … 3 000 > 3 000 und ≤ 6 000
Boden
Sulfat 5) (SO42-) [mg/kg] insgesamt 2 000 … 3 000 6) > 3 000 6) … 12 000 >12 000 und ≤ 24 000
Säuregrad >200 Bauman-Gully in der Praxis nicht anzutreffen
1) Werte gültig für Wassertemperatur zwischen 5 °C und 25 °C sowie bei sehr geringer Fließgeschwindigkeit (näherungsweise wie für hydrostatische Bedingungen)
2) Der schärfste Wert für jedes einzelne Merkmal ist maßgebend. Liegen zwei oder mehrere angreifende Merkmale in derselben Klasse, davon mindestens eines im

oberen Viertel (bei pH im unteren Viertel), ist die Umgebung der nächsthöheren Klasse zuzuordnen. Ausnahme: Nachweis mittels spezieller Studie, dass dies nicht
erforderlich ist.
3) Gülle darf, unabhängig vom NH +-Gehalt, in Expositionsklasse XA1 eingeordnet werden.
4
4) Sulfatgehalte oberhalb 600 mg/l sind im Rahmen der Festlegung des Betons anzugeben. Bei chemischen Angriffen durch Sulfat (ausgenommen bei Meerwasser)

für Expositionsklasse XA2 und XA3 ist ein Zement mit hohem Sulfatwiderstand (SR-Zement) erforderlich. Für SO42- ≤ 1 500 mg/l ist anstelle von SR-Zement eine
­Mischung aus Zement und Flugasche zulässig.
5) Tonböden mit einer Durchlässigkeit ≤ 10−5 m/s dürfen in eine niedrigere Klasse eingestuft werden.

6) Falls die Gefahr der Anhäufung von Sulfationen im Beton – zurückzuführen auf wechselndes Trocknen und Durchfeuchten oder kapillares Saugen – besteht, ist der

Grenzwert von 3 000 mg/kg auf 2 000 mg/kg zu vermindern.

106 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.3
Beton mit hohem chemischen Widerstand
DIN EN 206‑1 legt für Betone mit hohem chemischen
Widerstand für die einzelnen Expositionsklassen die
Mindestanforderungen fest (Abb. 6.3.2).
Abb. 6.3.2  
Expositionsklassen Betonkorrosion durch chemischen Angriff Grenzwerte für
Zusammensetzung
XA1 XA2 5) XA3 5) 6)
und Eigenschaften
 max. w/z 0,60 0,50 0,45 von Beton zur
Vermeidung von
 Mindestdruckfestigkeitsklasse 1) C25/30 C35/45 3) 4) C35/45 4) Betonkorrosion
durch chemischen
 Mindestzementgehalt 2) [kg/m3] 280 320 320
Angriff
 Mindestzementgehalt bei Anrechnung 270 270 270
 von Zusatzstoffen 2) [kg/m3]
1) Gilt nicht für Leichtbeton
2) Bei einem Größtkorn von 63 mm darf der Zementgehalt um 30 kg/m3 reduziert werden.
3) Bei Verwendung von Luftporenbeton eine Festigkeitsklasse niedriger. In dem Fall darf Fußnote 4) nicht angewendet werden.

4) Bei langsam und sehr langsam erhärtenden Betonen (r<0,30) eine Festigkeitsklasse niedriger. Die Druckfestigkeit zur Einteilung in die geforderte

Druckfestigkeitsklasse ist an Probekörpern im Alter von 28 Tagen zu bestimmen. In dem Fall darf Fußnote 3) nicht angewendet werden.
5) Bei chemischem Angriff durch Sulfat (ausgenommen bei Meerwasser) muss oberhalb der Expositionsklasse XA1 Zement mit hohem Sulfatwiderstand

(­SR‑Zement) verwendet werden.


6) Schutzmaßnahmen erforderlich, ggf. besonderes Gutachten für eine Sonderlösung

Der Widerstand von Beton gegenüber einem lösenden Die natürlichen Gesteinskörnungen sind normalerweise
Angriff und Sulfatangriff setzt sich aus einem viel dichter und chemisch beständiger als der Zement‑
physikalischem und einem chemischen Widerstand stein. Die chemische Beständigkeit der Gesteinskörnung
zusammen. Für den physikalischen Widerstand ist ein kommt erst bei starkem Angriff durch Säuren oder
dichtes Betongefüge maßgebend, welches vor allem Laugen zum Tragen.
über den w/z-Wert, die Zementart, eine sorgfältige
Verdichtung und ausreichend lange Nachbehandlung Inerte Betonzusatzstoffe beeinträchtigen die chemische
gesteuert wird. Für den chemischen Widerstand Beständigkeit des Betons, da sie in der Regel den Wasser‑
sind der Zement und ggf. eingesetzte Zusatzstoffe anspruch erhöhen und damit ein poröses Betongefüge
­ausschlaggebend. schaffen.

Der w/z-Wert ist der maßgebende Parameter für die Reaktive Betonzusatzstoffe, wie z. B. Flugaschen oder
chemische Beständigkeit von Beton und darf nach Silikastaub, können bei ausreichender Dosierung
Norm DIN EN 206-1 je nach Angriffsart und Expositions­ und Mahlfeinheit einen positiven Effekt auf die
klasse 0,50 nicht überschreiten. chemische Bestän­digkeit haben. Die Wirksamkeit muss
in Kombination mit dem gewählten Zement über‑
Portlandkompositzemente mit chemisch reaktiven prüft werden.
Zementzusatzstoffen wie Hüttensand, Flugasche oder
Silikastaub können die chemische Beständigkeit des
Betons verbessern, indem sie und ihre Hydratphasen den
Gelporenraum zwischen den Hydratationsprodukten
des Zements ausfüllen und somit zu einer Verdichtung
des Betongefüges gegenüber aggressiven Stoffen bei‑
tragen. Zudem binden sie das Kalziumhydroxid (Ca(OH)2)
in die Kalziumsilikathydratphasen (C-S-H) während der
puzzolanischen oder latent hydraulischen Reaktionen
ein, so dass weniger leicht lösliches, auswaschbares
oder austauschbares Kalziumhydroxid zur Verfügung
steht. Der chemische Widerstand eines Zements hängt
bei einem Sulfatangriff von der Zusammensetzung des
Zementklinkers (C3A-Gehalt) und dem Klinkergehalt
sowie von der Art und dem Anteil der Hauptbestandteile
des Zements ab.

Holcim Betonpraxis 107


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.4

Leichtverdichtbarer Beton
4.6

Entwicklung Als ursächlich dafür kann das Aufkommen des selbst‑


Seit Beginn des modernen Betonbaus ist eine kontinuier‑ verdichtenden Betons und der damit verbundenen
liche Zunahme der verwendeten Betonkonsistenzen Entwicklung einer neuen Fließmittelgeneration auf
zu beobachten. Im Wesentlichen ist dies auf die fort‑ Polycarboxylat­ether-Basis (PCE) angesehen werden.
schreitende Entwicklung von geeigneten Betonzusatz‑
mitteln zurückzuführen. Durch den Einsatz von Ver‑ Durch die Anwendung dieser Technologien lassen sich
flüssigern und Fließmitteln wird es möglich, weiche sedimentationsstabile Betone hoher Konsistenzen ver‑
Frischbetone mit hohen Druckfestigkeiten herzustellen lässlich herstellen. In der Praxis bezeichnet man Betone
(vgl. Kap. 1.4 «Zusatzmittel»). Anspruchsvolle Bauteile der Ausbreitmaßklasse F5 und F6 als leichtverdichtbare
können so durch eine bessere Verarbeitbarkeit des Betone. Sie sind ähnlich fließfähig wie selbstverdichtende
frischen Betons mängel­armer und dauerhafter er‑ Betone, fallen allerdings in den Regelungsbereich der
stellt werden. DIN EN 206‑1/DIN 1045‑2 und bedürfen trotz ihrer hohen
Fließfähigkeit einer leichten Verdichtung.
Die letzte Anhebung der Konsistenzobergrenze in
Deutschland fand im Rahmen der Einführung des
europäischen Normenwerkes DIN EN 206-1 im Jahr 2001
statt. War die Konsistenz zuvor auf ein Ausbreitmaß von
60 cm begrenzt, sind seitdem Ausbreitmaße von bis zu
Abb. 6.4.1  
Leichtverdichtbarer 70 cm durch die Betonnorm DIN EN 206‑1/DIN 1045‑2
Beton F6 möglich (vgl. Kap. 2.4 «Verarbeitbarkeit und Konsistenz»).

108 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.4
Leichtverdichtbarer Beton
Einsatzgebiete
Die Einsatzmöglichkeiten von leichtverdichtbaren Abb. 6.4.2  
Sichtbetonflächen
Betonen sind vielfältig. Die leichte Verarbeitbarkeit bietet
aus leichtverdicht­
Vorteile bei dicht bewehrten sowie schlecht zugäng‑ barem Beton
lichen Bauteilen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn
anspruchsvolle Bauaufgaben realisiert werden sollen.
Wasserundurchlässige Konstruktionen lassen sich bei‑
spielsweise sehr vorteilhaft erstellen. Insbesondere der
Anschluss der Wände an die Sohlplatte ist aufgrund der
schweren Zugänglichkeit beim Verdichten ein kritischer
Punkt während der Bauausführung. Leichtverdichtbare
Betone können hier besonders vorteilhaft eingesetzt
werden und führen zu einer verbesserten Qualität der
Wannenkonstruktion. Aufgrund ihrer Zusammensetzung
bieten leichtverdichtbare Betone ein äußerst dichtes
Betongefüge. Die Dauerhaftigkeit von Betonbauteilen
kann so gesteigert werden.

Weitere Vorteile bietet leichtverdichtbarer Beton zur


Herstellung von Sichtbetonflächen. Zum einen ­basiert
dies auf einfachem und somit gleichmäßigerem
­Einbau, zum anderen werden unterschiedliche Schal‑
häute aufgrund der Materialeigenschaften des Betons
­optimal ­abgebildet.

Im Bereich des Wohnungsbaus wird leichtverdichtbarer


Beton immer häufiger zur Herstellung von Sohl- und
Bodenplatten verwendet. Gründe dafür sind der einfache
und schnelle Einbau sowie eine bessere Qualität.

Abb. 6.4.3  
Unkomplizierter
Einbau und
hohe Qualität.
Leichtverdicht­
barer, stahlfaser­
bewehrter Beton
für einen Industrie­
boden

Holcim Betonpraxis 109


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.4

Leichtverdichtbarer Beton
Technologie
Die Fließfähigkeit leichtverdichtbarer Betone wird
durch eine spezielle Betonzusammensetzung er‑
reicht. Im Gegensatz zu Betonen vergleichbarer
Druckfestigkeitsklasse und steiferer Konsistenz kann
von einem erhöhten Mehlkorngehalt ausgegangen
werden. Als Anhaltswert ist ein Bindemittelgehalt von
circa 420 kg/m3 zu nennen. Als zweckmäßig hat sich die
Verwendung von Steinkohlenflugasche oder Kalkstein‑
mehl als Zusatzstoff erwiesen. Zusammen mit einem
planmäßig moderaten bis niedrigen Wassergehalt wird
so ein stabiler Leim erreicht. Als Fließmittel werden über‑
wiegend Produkte auf Polycarboxylatether-Basis (PCE)
verwendet. Der Einsatz von Kombinationsprodukten
aus herkömmlichen Fließmitteln und Fließmitteln auf
Abb. 6.4.4  
Ausbreitmaß­ PCE-Basis ist ebenso denkbar. Vorteilhaft ist weiterhin
klasse F6 die Verwendung von stabilisierenden Zusatzmitteln.
Sie erhöhen die Robustheit des Frischbetons gegen‑
über naturgemäßen Einsatzstoffschwankungen. Für die Herstellung von leichtverdichtbarem Beton im
Gesteinskörnung muss insbesondere dem Sand eine ge‑ Transportbetonwerk
steigerte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zu scharfe Leichtverdichtbarer Beton ist ein Beton mit besonderen
Sande wirken sich negativ auf die Sedimentationsstabili‑ Frischbetoneigenschaften.
tät aus. Die Fließfähigkeit des Frischbetons kann durch zu
feine Sande, mit einem zu hohen Anteil abschlämmbarer Es dürfen ausschließlich geeignete Einsatzstoffe ver‑
Anteile, negativ beeinflusst werden. Aufgrund der mit wendet werden. Ähnlich wie bei selbstverdichtendem
steigendem Durchmesser zunehmenden Sedimentations‑ Beton ist ein Wechsel der Einsatzstoffe ohne vorige
neigung ist das Größtkorn – ähnlich wie bei selbstver‑ Prüfung nicht empfehlenswert. Für eine exakte
dichtendem Beton – auf 16 mm begrenzt. Dosierung des Zugabewassers ist eine Erfassung der
Oberflächenfeuchte der Gesteinskörnung während der
Produktion vorteilhaft.
Frischbetonprüfungen
Leichtverdichtbarer Beton wird hergestellt nach den Die Herstellung von leichtverdichtbarem Beton erfordert
Regeln der DIN EN 206‑1/DIN 1045‑2. Demnach wird die in der Regel eine längere Nassmischzeit. Als Richtwert
Konsistenz durch die Prüfung des Ausbreitmaßes gemäß kann von 60 Sekunden ausgegangen werden.
DIN EN 12 350-5 festgestellt. Eine qualitative Beurteilung
von Fließverhalten und Sedimentationsstabilität sollte
in jedem Fall erfolgen. Die Prüfung von Fließzeit und
Setzfließmaß (vgl. Kap. 6.5 «Selbstverdichtender Beton»)
ist für leichtverdichtbare Betone normativ nicht erforder‑
lich. Gleichwohl kann die Beurteilung von leichtverdicht‑
baren Betonen nach eben diesen Kriterien hilfreich sein.
Sie kann sinngemäß mit den in DIN EN 12 350-5 vor‑
geschriebenen Prüfgeräten durchgeführt werden.

110 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.4
Leichtverdichtbarer Beton

Abb. 6.4.5  
Konsistenzklasse
F5/F6 direkt aus
dem Fahrmischer

Verarbeitung auf der Baustelle Trotz seiner ausgezeichneten Fließeigenschaften ist


Wie aus der Namensgebung des Betons deutlich wird, leichtverdichtbarer Beton in der Regel nicht selbst‑
bietet leichtverdichtbarer Beton gute Verarbeitungs‑ nivellierend. Das bedeutet, dass die Herstellung von
eigenschaften. Gleichwohl ist vor Beginn und während oberflächenfertigen Platten (z. B. Industrieböden, Boden‑
des Betoneinbaus auf einige Besonderheiten zu achten. platten oder Decken) ohne zusätzliche Bearbeitung des
Die verwendete Schalung muss ausreichend dicht sein. Frischbetons während des Einbaus nicht möglich ist. Eine
Einbauteile müssen entsprechend gegen Auftrieb ge‑ Kontrolle der Einbauhöhen während des Betonierens
sichert werden. Bei aufgehenden Bauteilen wie Wänden muss erfolgen. Entlüftet wird der Beton in der Regel
oder Stützen muss der erhöhte Schalungsdruck beachtet durch leichtes Stochern. Vom Rütteln des Frischbetons
werden. Der Einbau erfolgt in der Regel mit der Beton‑ ist grundsätzlich abzuraten, da dies schnell zu einer
pumpe. Das Einbringen mittels Krankübel ist ebenso Sedimentation führen kann. Eine weitere Möglichkeit
möglich wie die Betonierung direkt aus dem Fahrmischer. der Verdichtung bei plattenartigen, stahlfaser­bewehrten
Bauteilen ist das tiefe Eintauchen mit der sogenannten
Schwabbelstange. Die Betonoberfläche wird an‑
schließend durch wellenartige Bewegungen mit der
Schwabbel­stange hergestellt. Dieser Arbeitsgang ersetzt Abb. 6.4.6  
das übliche Abziehen des höhengerecht eingebauten Leichtverarbeit­
bare Betone
Betons. Die Nachbehandlung muss unmittelbar im An‑ vereinfachen den
schluss beginnen. Einbau

Holcim Betonpraxis 111


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.5

Selbstverdichtender Beton
5.6

Eine ­Zustimmung im Einzelfall oder eine bauaufsichtliche


Zulassung ist somit nicht mehr erforderlich.

Einsatzgebiete
Der Einsatz von SVB ist grundsätzlich in allen Bereichen
des klassischen Betonbaus denkbar. Der erhöhte Auf‑
wand bei der Produktion sowie die arbeitsvorbereitenden
und überwachungsrelevanten Maßnahmen auf der
Baustelle beschränken den Einsatz bis dato jedoch haupt‑
sächlich auf Spezialanwendungen.
Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Herstellung von
exponierten Sichtbetonflächen mit außergewöhnlichen
Geometrien und hohen Bewehrungsgraden.

Die Materialeigenschaften von SVB ermöglichen die


Herstellung exzellenter Sichtbetonflächen. Diese meist
sehr filigranen Bauteile sind in der geforderten Sicht‑
betonqualität häufig nur mit SVB herstellbar. Daneben
kommt SVB als Ortbeton vermehrt zum Einsatz, wenn
das Betonieren mit konventionellen Betonen – meist aus
Gründen mangelnder Zugänglichkeit bzw. Verarbeitungs‑
möglichkeit auf der Baustelle – nicht oder nur unter
großem Aufwand möglich ist.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Herstellung


von Betonfertigteilen. Durch den geringeren Personal‑
aufwand beim Herstellen der Betonfertigteile sowie den
schnellen Betonierfortschritt bietet SVB eine wirtschaft‑
lich interessante Lösung im Fertigteilwerk. Hohe Sicht‑
betonqualitäten sowie die idealen Einbaubedingungen
bei der Betonfertigteilproduktion sind dafür ent‑
scheidend, dass SVB gerade in diesem Bereich eine immer
größere Verbreitung findet.

Abb. 6.5.1  
Die Material­ Entwicklung
eigenschaften von Selbstverdichtender Beton (Kurzform SVB) wurde Ende
SVB ermöglichen der 1980er Jahre in Japan entwickelt. Die selbstverdich­
die Herstellung
exzellenter Sicht­ tende Eigenschaft des Betons wird durch seine extrem
betonflächen trotz hohe Fließfähigkeit erreicht. Diese ermöglicht, dass der
extrem hoher Frischbeton entmischungsfrei durch die Schalung fließt
Bewehrungsgrade
und sich dabei selbstständig entlüftet und somit ver‑
dichtet.

Wegen der speziellen Zusammensetzung solcher Betone


sowie des sehr hohen Konsistenzmaßes fällt SVB aus
dem Anwendungsbereich der DIN EN 206‑1/DIN 1045‑2
heraus. Bis Ende 2004 war für die Verwendung von SVB
daher eine Zustimmung im Einzelfall oder eine allge­
meine bauaufsichtliche Zulassung nötig. Mit Aufnahme
der DAfStb-Richtlinie «Selbstverdichtender Beton» und
Abb. 6.5.2  
der DIN EN 206-9 «Ergänzende Regeln für selbstver‑
Betonfertigteile
höchster Qualität dichtenden Beton (SVB)» in die Bauregelliste wurden
hergestellt mit SVB diese Regelwerke Grundlage­­des Einsatzes von SVB.

112 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.5
Selbstverdichtender Beton
Technologie Für die Rezepturentwicklung stellt das in Japan ent‑
Im Gegensatz zum konventionellen Beton richtet sich wickelte Verfahren nach Okamura bis heute die Grund‑
beim SVB das Hauptaugenmerk auf die zu erzielenden lage dar. Ausgangspunkt ist die getrennte Beeinflussung
Frischbetoneigenschaften. Die Rezepturentwicklung von Viskosität und Fließgrenze des Frischbetons.
unterscheidet sich daher grundsätzlich von der kon‑
ventioneller Betone. Die entscheidende Festbetoneigen‑ Durch Voruntersuchungen am Leim (Gemisch Zement,
schaft – die Druckfestigkeit – fällt beim SVB quasi als Zusatzstoff, Wasser) wird der Wassergehalt ermittelt,
«Nebenprodukt» ab. Aufgrund der erhöhten Mehlkorn‑ der noch nicht zum Fließen des Frischbetons beiträgt
gehalte und des Einsatzes spezieller Betonverflüssiger (ßp-Wert). Eine solche Leimsuspension verfügt über eine
sowie der gleichzeitig sehr geringen Wassergehalte, höchstmögliche Viskosität und stellt sicher, dass die
ergeben sich in der Regel Betone der Druckfestigkeits‑ schwereren Gesteinskörner nicht im Leim absinken und
klassen C35/45 und höher. Niedrigere Druckfestigkeits‑ vom Beton in Fließrichtung mitgetragen werden.
klassen als C30/37 sind schwierig herstellbar. Die Ein‑
haltung der DAfStb-Richtlinie «Selbstverdichtender Aus dem Leim wird unter Zugabe eines geeigneten
Beton» gewährleistet, dass die übrigen Festbetoneigen‑ Sandes 0/2 ein Mörtel hergestellt. Durch den Einsatz
schaften (­E-Modul, Schwinden, Kriechen) mit denen von eines hochwirksamen Betonverflüssigers (meist Poly‑
Normalbetonen vergleichbar sind. carboxylatether PCE) wird die Fließgrenze des Mörtels
soweit abgesenkt, dass der Frischbeton später selbst‑
ständig ins Fließen gerät. Ist eine ausreichende Menge an
fließfähigem Mörtel im Beton enthalten, schwimmen die
Gesteinskörner im Mörtel und werden von ihm in Fließ‑
richtung mittransportiert ohne z. B. vor Bewehrungen zu
blockieren. Mit zunehmendem Korndurchmesser steigt
Rüttelbeton Selbstverdichtender die Gefahr der Sedimentierung, d. h. das Absinken der
Beton (SVB)
Gesteinskörnung im Mörtel, so dass SVB in der Regel mit
einem maximalen Größtkorn von 16 mm hergestellt wird.

Der Auswahl der Einsatzstoffe und deren Zusammen‑


stellung innerhalb der Betonrezeptur kommt eine
besondere Bedeutung zu, da sie die Leistungsfähigkeit
des SVB maßgeblich beeinflussen. Ein Wechsel einer
Komponente kann zum Kollaps des gesamten Systems
Zementleim: 280 l/m3 Zementleim: 365 l/m3
SVB führen.
Gesteinskörnung: 720 l/m3 Gesteinskörnung: 635 l/m3

Größtkorn 32 mm Größtkorn 16 mm


Abb. 6.5.3  
Beim SVB liegt der Zementleimgehalt um rund 80 bis 100 Liter Unterschiedliche
über der Menge, die zum Ausfüllen der Hohlräume der Volumenverhält­
Gesteins­körnung notwendig ist. Dieser Überschuss ermöglicht nisse von Rüttel-
das Fließ­verhalten des Betons. und selbstver­
dichtendem Beton

Holcim Betonpraxis 113


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.5

Selbstverdichtender Beton
Frischbetonprüfungen Der Blockier- oder J-Ring dient zur Beurteilung der
Die Anforderungen an die Frischbetoneigenschaften Blockier­neigung des SVB.
eines SVB sind vielfältig. Deshalb ist der Umfang der
Frischbetonprüfungen umfangreicher als der konven­ Die in der Erstprüfung ermittelten Zielwerte und zu‑
tioneller Betone. lässigen Toleranzen der Konsistenz werden durch Angabe
eines Verarbeitbarkeitsbereiches dargestellt. Er ist maß‑
Abb. 6.5.4  
Messung des Setz­ gebend für die Annahmeprüfung auf der Baustelle. Zu
fließmaßes mit beachten ist dabei die Frischbetontemperatur, da diese
Blockierring smb erheblichen Einfluss auf die zielführenden Betoneigen‑
sowie Fließzeit t500
schaften hat. Für unterschiedliche Frischtemperatur­
bereiche werden in der Regel unterschiedliche Verarbeit‑
barkeitsbereiche notwendig.

Abb. 6.5.5  
Überprüfung der
Blockierneigung
mit dem Blockier­
ring

Verarbeitbarkeitsbereich

8,5
8
7,5
7
6,5 15°C −25°C
6
5,5
5
Setzfließzeit t 500 [sec]

4,5 5°C −15°C


4
3,5
3
Wird die Konsistenz konventioneller Betone durch ein
Konsistenzmaß bzw. Verdichtungsmaß angegeben, reicht 2,5
diese Messmethode bei der Frischbetonbeurteilung von 2
SVB nicht mehr aus. Zur Beurteilung der rheologischen 72 73 74 75 76 77 78 79 80
Eigenschaften von SVB müssen Viskosität und Fließ‑ Setzfließmaß FB [cm]
grenze gemessen werden. Dies führt zu zwei Mess‑
werten. Die Fließgrenze wird dabei durch das sogenannte Abb. 6.5.6  
Die Frischbetoneigenschaften des SVB werden in einem Verarbeit­
Setzfließmaß FB oder Slump Flow (vgl. Ausbreitmaß, barkeitsbereich dargestellt. Für die Verarbeitung des Betons auf der
jedoch ohne 15 Hübe) abgeschätzt. Dafür wird ein Setz‑ Baustelle ist dieser in jedem Fall einzuhalten
tisch mit einer Kantenlänge von 900 mm verwendet.

Ein Anhaltswert für die Viskosität wird durch die Fließzeit


(entweder relative Trichterauslaufzeit oder Fließzeit t500)
ermittelt. In der Praxis ist die Fließzeit t500 geeigneter,
da sie zusammen mit der Prüfung des Setzfließmaßes
ermittelt werden kann. Dazu wird die Zeit gemessen, die
der Beton nach dem Ziehen des Setztrichters benötigt,
um auf einen Durchmesser von 500 mm zu fließen.

114 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.5
Selbstverdichtender Beton
Herstellung von SVB im Transportbetonwerk
Für den erfolgreichen Einbau von SVB ist die zielsichere
Herstellung im Transportbetonwerk von entscheidender
Bedeutung.

Neben der kontinuierlichen Überwachung der Einsatz‑


stoffe sind weitere Maßnahmen zur Qualitätssicherung
notwendig.

Aufgrund der erheblichen Sensibilität des Frischbetons


gegenüber Wassergehaltsschwankungen ist eine Er‑
fassung der Feuchten der Gesteinskörnung während der
Produktion unabdingbar. Dies kann durch Feuchtemess‑
sonden geschehen. Der planmäßig niedrige Wassergehalt
sowie die Tatsache, dass sich die volle Wirkung des PCE-
Betonverflüssigers erst nach einer gewissen Zeit einstellt,
führt zu deutlich erhöhten Mischzeiten.

Abb. 6.5.7  
Verarbeitung auf der Baustelle Der Einbau von
Zum Sicherstellen eines qualitätsgerechten Einbaus sollte der Betonfläche zeigen oder, bei starker Ausprägung, SVB sollte mit
ein Betonierkonzept vorhanden sein. sogar zum Verlust des Verbundes führen. In diesem einer Betonpumpe
erfolgen. So wird
Zusammenhang muss auch beachtet werden, dass die ein kontinuier­
Weiterhin ist ein Prüfplan für die erforderlichen Ab‑ Entlüftung von SVB ausschließlich während des Fließ‑ licher und zügiger
nahmeprüfungen sinnvoll. Die notwendigen Abnahme­ vorganges stattfindet. Daher muss grundsätzlich eine Betonfortschritt
sichergestellt
prüfungen sind in den Regelwerken DIN EN 206-9 ausreichende Fließstrecke zur Verfügung stehen. Dies
und DAfStb-Richtlinie «Selbstverdichtender Beton» bedeutet ebenso, dass möglichst wenig Einfüllstellen vor‑
­beschrieben. gesehen werden sollten.

Je nach Verwendung des SVB sind einige Besonderheiten Im Bereich der Einfüllstellen ist es vorteilhaft, den
zu beachten. Beim Betonieren von vertikalen Bauteilen Beton zusätzlich durch Stochern zu entlüften, da es
ist – ohne vorherige Prüfung – von hydrostatischem dort vermehrt zu Lufteinschlüssen kommen kann. Ein
Schalungsdruck auszugehen (vgl. DIN 18218 „Frisch‑ Rütteln darf in gar keinem Fall geschehen. Mit zu‑
betondruck auf lotrechte Schalungen“). Generell sollte nehmender Schergeschwindigkeit sinkt die Viskosität
die Forderung nach einem kontinuierlichen und zügigen des Frischbetons, wodurch die Gefahr des Entmischens
Betoneinbau gestellt werden. Bei längerer Ruhezeit des besteht.
Frischbetons kann es wegen des thixotropähnlichen
Verhaltens von SVB zur sogenannten Elefantenhaut­
bildung kommen (Abb. 6.5.8). Diese kann sich später auf

Abb. 6.5.8  
Lange Betonier­
pausen sollten ver­
mieden werden, da
es zur sogenannten
Elefantenhaut­
bildung kommen
kann

Holcim Betonpraxis 115


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.6

Leichtbeton
6.6

Definition und Verwendung Im Wesentlichen unterscheidet sich Leichtbeton durch seine


geringe Trockenrohdichte von herkömmlichem Beton.
Es wird unterschieden in folgende Leichtbetonarten:
••Gefügedichter Leichtbeton mit Kornporosität Als Leichtbeton bezeichnet man Beton mit einem Raum‑
(Leichtbeton mit geschlossenem Gefüge) gewicht zwischen 800 kg/m3 und 2000 kg/m3. Technisch
••Porenleichtbeton (Leichtbeton mit einer porösen Matrix ist es möglich, Raumgewichte bis 350 kg/m3 (Infraleicht‑
und ggf. porösen Gesteinskörnungen) beton) zu erreichen.
••Haufwerksporiger Leichtbeton mit dichter oder poröser
Gesteinskörnung. Ermöglicht wird dieses sehr geringe Raumgewicht (zum
Vergleich: herkömmlicher Beton wiegt durchschnittlich
Gefügedichter Leichtbeton  2400 kg/m3) durch die Zugabe von besonders leichten
nach DIN 1045‑2 bzw. DIN EN 206‑1 Gesteinskörnungen wie z. B. Blähton, Blähschiefer, Bims,
Gefügedichter Leichtbeton entspricht nahezu den An‑ Blähglas, Kesselsand oder Styroporgranulat.
forderungen an Normalbeton.
Eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Welt ist das
aus römischem Beton mit einer nach oben abnehmenden
Rohdichte erbaute Pantheon in Rom.
Abb. 6.6.1  
0/2 aus Blähton In der heutigen Zeit findet Leichtbeton in erster Linie
Anwendung, wenn z. B. aus statischen Gründen Gewicht
eingespart werden soll, aus logistischen Gründen be‑
sonders leichte Materialien auf der Baustelle gefordert
sind oder aus energetischen Gründen.

Anforderung an die Gesteinskörnung


Als geeignete Gesteinskörnungen gelten Körnungen nach
DIN EN 13055‑1, deren Konformität mit dem System
der Konformitätsbescheinigung 2+ nachgewiesen sind
(DIN 1045-2).

So dürfen nach DIN EN 13055‑1 folgende leichte


Abb. 6.6.2  
Blähschiefer 8/17 Gesteins­körnungen verwendet werden:

Natürliche Gesteinskörnungen:
••Lava (Lavaschlacke)
••Naturbims
••Tuff.

Aus natürlichen Rohstoffen und/oder industriellen


­Nebenprodukten hergestellte Gesteinskörnungen
(Abb. 6.6.1 bis Abb. 6.6.3):
••Blähglas
••Blähglimmer (Vermikulit)
Abb. 6.6.3  
Blähton 8/16 ••Blähperlit
••Blähschiefer
••Blähton
••Gesinterte Steinkohle-Flugasche-Pellets
••Ziegelsplitt aus ungebrauchten Ziegeln.

Industrielles Nebenprodukt:
••Kesselsand

Weiterhin ist Folgendes zu beachten: nach DIN EN 13055‑1


dürfen Blähglas, Blähglimmer (Vermikulit), Blähperlit und
Kesselsand nicht in Spannbeton verwendet werden.

116 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.6
Leichtbeton
Planung und Herstellung von Frischbeton Abb. 6.6.4  
Konsistenz­
Je nach Anforderung an das zukünftige Bauobjekt wird
messung an
vorab die erforderliche Rohdichteklasse (siehe Abb. 6.6.8 ­Leichtbeton
und Abb. 6.6.10) des Leichtbetons festgelegt. Anschlie­
ßend wird, wie bei herkömmlichem Beton, ein geeigneter
Zuschlag (siehe oben) gewählt. Besonders zu beachten
ist die Saugfähigkeit der o. g. Gesteinskörnungen.
Bei saugender Gesteinskörnung ist es vonnöten, ein
Vorhaltemaß für die Wasserzugabe zu berücksichtigen
und die Zuschläge 24 Stunden vor der Verarbeitung zu
wässern, um ein übermäßiges Ansteifen des Frischbetons
von der Herstellung bis zum Einbau zu vermeiden.

Pumpbarkeit des gefügedichten Leichtbetons


Leichtbeton lässt sich grundsätzlich pumpen. Der
Pumpen­druck sollte aber so niedrig wie möglich gehal­ten
werden, um ein übermäßiges Eindrücken des Zugabe‑
wassers in die leichte Gesteinskörnung in Folge des Abb. 6.6.5  
Klasse Verdichtungsmaß Konsistenzbeschreibung Verdichtungs­
Pumpen­drucks zu vermeiden. Folge wäre, dass das Wasser klassen
C0 ≥ 1,46 sehr steif
dem Frischbeton nicht zur Verfügung steht und somit
die Konsistenz zurückgeht. Dieses könnte zu einem Ent‑ C1 1,45 bis 1,26 steif
mischen des Betons führen. Dem kann entgegengesteuert C2 1,25 bis 1,11 plastisch
werden, indem man die Gesteinskörnung vorher aus‑
C3 1,10 bis 1,04 weich
reichend vornässt und eine Betonzusammensetzung
wählt, die einen erhöhten Leimgehalt aufweist und sehr C4 Nicht
fließfähig ist. Eine Erstprüfung mit Pumpversuch sollte für Leichtbeton
aber auf jeden Fall vorher durchgeführt werden. anwendbar

Frischbetoneigenschaften und -prüfung


Die Frischbetonprüfung wird unter Beachtung der Ver‑ Abb. 6.6.6  
Ausbreitmaß ­Ausbreitklassen
dichtungsklassen und Ausbreitmaßklassen durchgeführt Klasse Konsistenzbeschreibung
­[Durch­messer in mm]
(Abb. 6.6.4).
F 1 1) ≤ 340 steif
Für bewehrten Leichtbeton sollte bei der Erstprüfung F2 350 bis 410 plastisch
stets auch die Spaltzugfestigkeit ermittelt werden, da im
F3 420 bis 480 weich
Gegensatz zu herkömmlichem Beton die Verbindung mit
der Bewehrung nicht hauptsächlich durch die hohe Festig‑ F4 490 bis 550 sehr weich
keit der Gesteinskörnung entsteht, sondern durch den F5 560 bis 620 fließfähig
Zementstein (verringerte Zugfestigkeit). Es sind eventuell
F 6 1) ≥ 630 sehr fließfähig
höhere Überlappungen der Bewehrung zu berücksichtigen,
1) Außerhalb des empfohlenen Anwendungsbereichs des Prüfverfahrens
um ein Herausziehen aus dem Beton zu vermeiden.

Eigenschaften des Festbetons


Neben diesen schon aus dem Wort Leichtbeton ableit‑
baren Eigenschaften hat die Verwendung dieses Bau‑
stoffes noch folgende Vorteile:
••Voll belastbar:
••Brennbarkeit: Es gelten die Festigkeitsklassen aus DIN 1045‑2
Leichtbeton gehört der höchsten Baustoffklasse A1 (siehe Abb. 6.6.7).
nach DIN 4102 (Brandschutz im Hochbau) an – er ••Umweltverträglichkeit:
brennt nicht. Nicht nur unter Betrachtung der zu verwendenden
••Wärme- und schalldämmend: Rohstoffe, sondern insbesondere aufgrund der Lang‑
Durch geringe Rohdichte weist Leichtbeton sehr gute lebigkeit.
Werte in der Dämmung auf, und durch die porige Struktur ••Ökonomisch:
(Abb. 6.6.9) wird eine hohe Schallabsorption erreicht. Es wird weniger Maschinen- und Muskelkraft benötigt.

Holcim Betonpraxis 117


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.6

Leichtbeton
Leichtbeton wird in die Festigkeitsklassen von LC 8/9 bis Zudem wird Leichtbeton in Rohdichteklassen eingeteilt.
LC50/55 eingestuft. Die Rohdichtebereiche dienen u. a. zur Ermittlung der
Wärmeleitfähigkeit (siehe Abb. 6.6.8) wie auch der
Ab einer Festigkeit von LC55/60 spricht man von hoch‑ charakteristischen Lastermittlung (siehe Abb. 6.6.10).
festem Leichtbeton.

Abb. 6.6.7  
Festigkeitsklassen Druckfestig­ fck,cyl ¹) fck,cube ² Rohdichte­ Rohdichtebereich Bemessungswert der
Betonart
und Festbeton­ keitsklasse [N/mm2] [N/mm2] klasse [kg/m3] Wärmeleitfähigkeit
prüfung lR¹) [W/(m · K)]
LC8/9 8 9
LC12/13 12 13 D1,0 ≤ 900 0,44
LC16/18 16 18 ≤ 1 000 0,49
LC20/22 20 22 D1,2 ≤ 1 100 0,55
LC25/28 25 28 ≤ 1 200 0,62
Leichtbeton
LC30/33 30 33
D1,4 ≤ 1 300 0,70
LC35/38 35 38
≤ 1 400 0,79
LC40/44 40 44
LC45/50 45 50 D1,6 ≤ 1 500 0,89
LC50/55 50 55 ≤ 1 600 1,0

LC55/60 55 60 D1,8 ≤ 1 800 1,3


LC60/66 60 66 Hochfester D2,0 ≤ 2 000 1,6
LC70/77 ³) 70 77 Leichtbeton 1) Wertegelten nur für Gesteinskörnungen mit porigem Gefüge
LC80/88 ³) 80 88 ohne ­Quarzsandzusatz

1) f
ck,cyl: charakteristische Festigkeit von Zylindern, Durchmesser 150 mm,
Länge 300 mm, Alter 28 Tage
Abb. 6.6.8  
2) f ,cube: charakteristische Festigkeit von Würfeln, Kantenlänge 150 mm, Wärmeleitfähigkeit 
ck
Alter 28 Tage
(Bemessungswerte nach DIN V 4108-4)
3) Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder Zustimmung im Einzelfall

­erforderlich

Abb. 6.6.9  
Schnittbild eines
Leichtbetons mit
Blähton als grobe
Gesteinskörnung

118 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.6
Leichtbeton
Abb. 6.6.10  
charakteristischer Wert zur Lastermittlung  Rohdichteklassen
Rohdichteklasse Rohdichtebereich [kg/m3] zur Lastermittlung
unbewehrt bewehrt
D1,0 ≥ 800 und ≤ 1000 1050 1150
D1,2 > 1000 und ≤ 1200 1250 1350
D1,4 > 1200 und ≤ 1400 1450 1550
D1,6 > 1400 und ≤ 1600 1650 1750
D1,8 > 1600 und ≤ 1800 1850 1950
D2,0 > 1800 und ≤ 2000 2050 2150

Überwachungsklassen
Leichtbeton ist wie herkömmlicher Beton in
­Überwachungsklassen I-III einzuteilen.

Abb. 6.6.11  
Festigkeitsklasse für Leichtbeton Überwachungsklasse 1 Überwachungsklasse 2 1) Überwachungsklasse 3 1)
Überwachungs­
der Rohdichteklassen klassen für
D1,0 bis D1,4 nicht anwendbar ≤ LC25/28 ≥ LC30/33 ­Leichtbeton

D1,6 bis D2,0 ≤ LC25/28 LC30/33 und LC35/38 ≥ LC40/44


Expositionsklasse nach DIN 1045‑2 X0, XC, XF1 XS, XD, XA, XM, XF2, XF3, XF4
1) Das
Bauunternehmen muss über eine ständige Betonprüstelle zur Eigenüberwachung verfügen.
Fremdüberwachung durch eine anerkannte Überwachungsstelle erforderlich

Besonderheiten bei der Verwendung von Leichtbeton


am Beispiel Sichtbeton:
Leichtbeton ist auch für Sichtbeton in den Klassen SB1
bis SB4 verwendbar (siehe DBV-Merkblatt). Jedoch sollte
man bei der Ausführung von z. B. Brüstungen bedenken,
dass durch die Leichtigkeit der Gesteinskörnung keine
glatte, obere Abschlussfläche durch Abreiben oder
Glätten erzielt werden kann. Des Weiteren ist beim Ver‑
dichten des Betons erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich,
damit die leichte Gesteinskörnung nicht aufschwimmt,
aber anderseits auch genug Energie eingeführt wird, um
den Beton ausreichend zu entlüften.

Wie auch bei herkömmlichem Sichtbeton sollten, je nach


Anforderung, Erprobungsflächen hergestellt werden.

Holcim Betonpraxis 119


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.7

Schwerbeton
7.6

Schwerbeton nach DIN 1045‑2 bzw. DIN EN 206-1 ist Je nach Anwendungsgebiet wird zwischen Ballastbeton
Beton mit einer Trockenrohdichte über 2600 kg/m3. Je und Strahlenschutzbeton unterschieden.
nach Zusammensetzung können Festbetonrohdichten bis
zu 6000 kg/m3 erreicht werden. Ermöglicht wird dieses Ballastbeton wird für besonders schwere Fundamente
hohe Raumgewicht durch die Zugabe von schweren (z. B. Stahlindustrie), als Gegengewichte für z. B. Krane,
Gesteins­körnungen wie z. B. Baryt, Magnetit, Hämatit, Brücken und Schiffe sowie als Tresorbeton verwendet.
Metallschlacken. Eine Übersicht über die für Schwer‑
betone anwendbaren Gesteinskörnungen zeigt Abb. 6.7.1. Strahlenschutzbeton (Abschirmbeton) findet im Reaktor­
bau, bei Röntgenanlagen und als Strahlenschutz im
Bereich der Medizin, Werkstoffprüfung und Forschung
Abb. 6.7.1  
Kornrohdichte sowie beim Zoll Anwendung.
(Quelle:
in [kg/dm3]
Zement-­Merkblatt
Betontechnik Gesteinskörnung mit normaler Kornrohdichte Zum Schutz des Menschen wurden vom Gesetzgeber
B10 1.2002)
Kiessand 2,6 – 2,7 Höchstwerte für die zulässige Strahlenbelastung fest‑
gelegt. Strahlenschutzbeton dient dem Abschwächen
Kalkstein 2,6 – 2,8
gefährlicher Strahlung.
Granit 2,6 – 2,8
Basalt 2,9 – 3,1
Natürliche Gesteinskörnungen mit hoher Kornrohdichte Planung
Der Nachweis der Strahlenschwächung ist keine Aufgabe
Baryt (Schwerspat) 4,0 – 4,3
des Betoningenieurs. Die erforderlichen Kennwerte für
Illmenit (Titaneisenspat) 4,6 – 4,7 den Betonentwurf unter Berücksichtigung konstruktiver
Magnetit (Magnetiteisenstein) 4,6 – 4,8 Gegebenheiten müssen vom Strahlenschutzspezialisten
bereitgestellt werden:
Hämatit (Roteisenstein) 4,7 – 4,9
Künstliche Gesteinskörnungen mit hoher Kornrohdichte ••Festbetonrohdichte
Metallschlacken 3,5 – 3,8 ••Chemisch-mineralogische Zusammensetzung der
Stahlgranalien 6,8 – 7,5 ­Gesteinskörnungen
••Gehalt an chemisch gebundenem Wasser
Stahlsand 7,5 – 7,6
••Anteil von Zusatzstoffen hoher Neutroneneinfang­
wahrscheinlichkeit.

Abb. 6.7.2  
DESY: Einbau
Strahlenschutz­
beton mit Hämatit,
Trockenrohdichte
3750 kg/m3

120 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.7
Schwerbeton
Abb. 6.7.3  
Weitere Anforderungen an den Beton können sich er‑ Schwerbeton 
geben durch: mit Magnetit
••Temperaturbeanspruchungen
••Mechanische und chemische Angriffe.

Grundsätzlich gelten für alle Strahlenschutzbetone


dieselben einschlägigen Normen wie für Normalbeton,
insbesondere DIN EN 206‑1, DIN 1045, DIN 25416 Teil 1
und 2 sowie das DBV-Merkblatt Strahlenschutzbetone
(redaktionell überarbeitet 1996).

Abb. 6.7.4  
Herstellen und Verarbeiten Schwerbeton 
Alle Mischungsbestandteile sind nach Masse (Gewicht) mit Hämatit
zu dosieren. Die erforderliche Mischzeit ist in Vorver‑
suchen zu bestimmen, um sowohl die Homogenität zu
sichern als auch übermäßigen Auftrieb der schweren
Gesteinskörnung zu verhindern.

Das zulässige Ladegewicht der Fahrmischer ist zu be‑


achten.

Bei Schwerbeton erfolgt der Einbau überwiegend


mit Kübel oder Förderbändern. Bei Nutzung der
Betonpumpen können durch die geforderten
Frischbetoneigenschaften Probleme auftreten. Ein
Verarbeitungsversuch unter Baustellenbedingungen
ist sinnvoll und gibt Aufschluss. Zur Vermeidung von
Abb. 6.7.5  
Entmischungserscheinungen bei unterschiedlichen Roh‑ Schwerbeton
dichten der Gesteinskörnungen sollte die freie Fallhöhe mit Hämatit
so gering wie möglich gehalten werden. Ein erhöhter
Verdichtungsaufwand ist zu beachten.

Strahlenschutzbeton ist zur Vermeidung von Rissen


besonders sorgfältig und ohne Unterbrechung nachzube‑
handeln. Der Beton ist gegen Austrocknen zu schützen,
damit der Zement möglichst viel Wasser chemisch
binden kann. Anschließend soll der Beton das Über‑
schusswasser nur langsam abgeben.

Der Übereinstimmungsnachweis für Strahlenschutz‑


beton ist nach DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2 zu führen.
Abb. 6.7.6  
Die Überwachung der Bauausführung erfolgt nach Einbau Ballast­
DIN 1045‑3 in der Überwachungsklasse 2 oder für hoch‑ beton mit Magnetit.
feste Betone in der Überwachungsklasse 3. Trockenrohdichte
3750 kg/m3, als
­Ballast für einen
Kran

Holcim Betonpraxis 121


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.8

Faserbeton
8.6

Faserbeton Durch die Veröffentlichung der DAfStb-Richtlinie Stahl­


Faserbeton ist ein Beton, dem Fasern zugegeben werden, faserbeton im Jahr 2010 wurden die Anwendungs‑
um bestimmte Betoneigenschaften zu verbessern. Als möglichkeiten für die Verwendung von Stahlfaserbeton
Faserwerkstoffe kommen in der Praxis Stahl, Kunststoff nochmals erweitert.
und alkaliresistentes Glas zum Einsatz. Das Fasermaterial
wird im Wesentlichen anhand der Anwendung und ge‑
forderten Eigenschaften ausgewählt. In Abb. 6.8.1 sind Eigenschaften und Anwendungen
die gebräuchlichsten Faserwerkstoffe sowie deren Eigen‑ Im Gegensatz zu unbewehrtem Beton ist Stahlfaserbeton
schaften dargestellt. ein duktiler Baustoff. Durch die eingebrachten Stahl‑
fasern können Kräfte im gerissenen Zustand übertragen
Abb. 6.8.1   werden. Die Leistungsfähigkeit des Stahlfaserbetons wird
Faserwerkstoffe neben dem Stahlfasergehalt ebenso von der Stahlfaserart
sowie von der Qualität des Ausgangsbetons bestimmt.
Faserwerkstoff Stahl AR-Glas Polypropylen
Zu beachten ist, dass bei üblichen Stahlfaser­gehalten
E-Modul 160–210 72–75 3,5–18 (20 kg/m³ bis ca. 50 kg/m³) in der Regel mit einem unter‑
[kN/mm2] kritischen Materialverhalten zu rechnen ist. Die zum
Zugfestigkeit 270>1000 1500 1700 320 560 Erstriss führende Spannung kann vom Stahlfaserbeton
[N/mm2] nicht komplett aufgenommen werden. Sie wird auf
geringer belastete Bauteilabschnitte verteilt und führt
Bruchdehnung 3–10 1,5–2,4 5–20
zu einer optimalen Ausnutzung des Tragsystems. Der
[%]
konstruktive Einsatz von ausschließlich mit Stahlfasern
Dichte 7,85 2,68 0,91 bewehrtem Beton beschränkt sich daher grundsätzlich
[g/cm3] auf statisch unbestimmte Systeme – z. B. Bodenplatten.
Eine statische Berechnung zur Verwendung von Stahl­
faserbeton ist immer erforderlich.

Weiterhin sind verschiedene Fasergeometrien in unter‑ Stahlfaserbeton kann ebenso in schlaff bewehrten Bau‑
schiedlichen Abmessungen, d. h. unterschiedlichen teilen zum Einsatz kommen. Die Leistungsfähigkeit von
Längen und Durchmessern verfügbar. Sie haben neben Stahlfaserbeton kann beispielsweise zur Begrenzung
der üblicherweise in Kilogramm je Kubikmeter Beton an‑ der Rissbreite für wasserundurchlässige Konstruktionen
gegebenen Dosierung der Faser entscheidenden Einfluss herangezogen werden. Bei stark bewehrten Bauteilen
auf die Leistungsfähigkeit des Faserverbundbaustoffes. kann der Bewehrungsgehalt reduziert und das Bauteil
problemloser betoniert werden. Die Bauteilqualität wird
so erhöht.

Stahlfaserbeton Durch die Verwendung von Stahlfasern können weitere


Eigenschaften des Betons verbessert werden. Stahl‑
Entwicklung faserbeton besitzt eine höhere Grünstandfestigkeit,
Stahlfaserbeton kommt in Deutschland ungefähr eine erhöhte Schlagzähigkeit, ein verbessertes
seit Mitte der 1970er-Jahre zum Einsatz. Er wurde zur Dauerschwingverhalten sowie einen erhöhten
Herstellung von Fuß- und Industrieböden sowie zur ­Verschleißwiderstand. Weiterhin sind Bauteile aus
temporären Gewölbesicherung im Tunnelbau verwendet. Stahlfaserbeton bis in die Randzone bewehrt. Zum einen
Bis heute sind dies wesentliche Einsatzgebiete für Stahl‑ schützt dies Bauteil­kanten und -ecken vor Beschädigungen
faserbeton. durch Schlag. Zum anderen führt die positive Beein‑
flussung der Rissneigung und -entwicklung in der Rand‑
Die fortschreitende Entwicklung hat seitdem zu einer zone zu einem dichteren Betongefüge. Dadurch kann die
Erweiterung der Anwendungsmöglichkeiten von Stahl‑ Dauerhaftigkeit von Bauteilen gesteigert werden.
faserbeton geführt. Von entscheidender Bedeutung ist
in diesem Zusammenhang die stärkere Eigenschafts‑ Die Anwendungsmöglichkeiten von Stahlfaserbeton
orientierung der verwendeten Stahlfaserbetone. Mit der werden in der DAfStb-Richtlinie Stahlfaserbeton
Veröffentlichung des Merkblattes Stahlfaserbeton des beschrie­ben. Sie ist als Ergänzung zur DIN 1045 an‑
Deutschen Beton- und Bautechnikvereins e.V. im Oktober gelegt und gilt für Tragwerke des Hoch- und Ingenieur‑
2001 wurde die Grundlage zur Anwendung, Bemessung, baus aus Stahlfaserbeton sowie Stahlfaserbeton
Herstellung, Prüfung und zum Einbau von eigenschafts‑ mit Betonstahlbewehrung bis einschließlich zur
orientiertem Stahlfaserbeton geschaffen. Druckfestigkeitsklasse C50/60.

122 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.8
Faserbeton
Die Richtlinie gilt nicht für :

••Bauteile aus vorgespanntem Stahlfaserbeton


••gefügedichten und haufwerksporigen Leichtbeton
••hochfesten Beton der Druckfestigkeitsklassen
ab C55/67
••Stahlfaserbeton ohne Betonstahlbewehrung
in den Expositionsklassen
••XS2, XD2, XS3 und XD3, bei denen die Stahlfasern
­rechnerisch in Ansatz gebracht werden
••selbstverdichtenden Beton
••Stahlfaserspritzbeton.

Technologie
In der Praxis wird üblicherweise die Leistungsfähigkeit
von Stahlfaserbeton ausschließlich durch Angabe des
Stahlfasergehaltes festgelegt. Dieser Ansatz kann jedoch
unsicher oder unwirtschaftlich sein, da er nicht alle
Einfluss­faktoren für die Leistungsfähigkeit von Stahl‑
faserbeton berücksichtigt.

Der Ansatz entspräche der Festlegung der Betondruck‑


Abb. 6.8.2  
festigkeit durch die Vorgabe eines Zementgehaltes, ohne Herstellung der
zusätzliche Parameter wie Wasserzementwert, Sieblinie Festbetonprüfungen längsten mono­
oder aber den Einsatz von Zusatzmitteln zu berück‑ Die Verwendung von Stahlfaserbeton sollte auf Grund‑ lithischen Boden­
platte der Welt
sichtigen. lage der Richtlinie Stahlfaserbeton erfolgen. mit Stahlfaser­
beton (Petra III,
Für einen sicheren und wirtschaftlichen Einsatz von Grundsätzlich sind die geforderten Stahlfaserbeton‑ DESY – Deutsches
Elektronen-
Stahlfaserbeton wird daher ein eigenschaftsorientierter eigenschaften durch erweiterte Erstprüfungen nachzu‑
Synchrotron,
Ansatz dringend empfohlen. weisen. Die Konformität ist im Rahmen der werkseigenen Hamburg)
Produktionskontrolle zu bestätigen.
So ist bei Stahlfaserbeton von einem höheren Binde‑
mittelgehalt auszugehen. Dies kann unter anderem die Zur Prüfung der Leistungsfähigkeit werden sogenannte
Anhebung des Zementgehaltes oder aber den Einsatz Biegebalken vewendet. Es sind mindestens 6 Biegebalken
von Füllern wie Steinkohlenflugasche bedeuten. Dadurch je Prüfung erforderlich. Als Ergebnis der weggesteuerten
soll eine gute Einbindung der Fasern in die Zementmatrix Prüfung erhält man die Leistungsklassen L1 und L2
sichergestellt werden. Das verwendete Größtkorn sowie für die Verformungen bei 0,5mm sowie bei 3,5 mm.
die eingesetzte Stahlfaser müssen aufeinander ab‑ Diese Materialkennwerte können für die Nachweise der
gestimmt sein, um eine möglichst optimale Verankerung Gebrauchstauglichkeit sowie der Tragfähigkeit ver‑
der Stahlfaser zu erreichen. Bei üblichen Faserlängen von wendet werden.
50 mm sollte das Größtkorn 16 mm nicht überschreiten.
Ebenso spielt der Faserdurchmesser eine entscheidende
Rolle, da mit abnehmendem Durchmesser die Anzahl
der zur Verfügung stehenden Fasern je Kilogramm er‑
höht wird. Die zusätzliche Oberfläche der Stahlfasern
führt zu einer steiferen Betonkonsistenz im Vergleich
zum Ausgangsbeton. Daher ist die planmäßige Zugabe
von Fließmitteln immer zwingend erforderlich. Übliche
Zielkonsistenzen sind F3 bzw. F4. Bei der Herstellung
von Stahlfaserbeton ist auf eine homogene Unter‑
mischung der Fasern zu achten. Am besten ist dies durch
die Zugabe der Stahlfasern im Transportbetonwerk zu
erreichen.

Holcim Betonpraxis 123


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.8

Faserbeton
Abb. 6.8.3   Nur für flächenhafte Bauteile b>5h
Gekröpfte 
Stahldrahtfasern
Herstellung im Transportbetonwerk
Stahlfaserbeton sollte in einem Transportbetonwerk
hergestellt werden. Die Stahlfasern werden während des
Herstellungsprozesses in den Fahrmischer dosiert und
so optimal untergemischt. Die nachträgliche Zugabe der
Stahlfasern auf dem Werksgelände ist ebenso möglich.
Abb. 6.8.4   Dafür bieten Dosierbänder sowie Einblasgeräte Vorteile,
Verformungswerte
da mit moderater Mischleistung bereits eine optimale
und Leistungs­
klassen für
­Stahlfaserbeton
Durchmischung der Fasern im frischen Beton erreicht
Leistungsklasse Nachweise  Verformungswerte 
wird. Werden Aufzüge verwendet, ist auf eine aus‑
im Grenzzustand der … im Versuch
reichende Mischzeit zu achten. Als Richtwert kann von
L1 … Gebrauchstauglichkeit δL1 = 0,5 mm einer Minute je Kubikmeter ausgegangen werden – bei
einer Mindestmischdauer von fünf Minuten.
… Tragfähigkeit/Gebrauchs‑
L2 tauglichkeit bei Verwendung δL2 = 3,5 mm
Grundsätzlich sollte die Ausgangskonsistenz des Betons
von Betonstahlbewehrung
im Bereich plastisch bis weich liegen, um eine gute Ver‑
mischung der Stahlfasern zu erreichen.

Belastung F in N Verarbeitung auf der Baustelle


Die Verarbeitungskonsistenz sollte zwischen F3 und F4
liegen. Eine steifere Konsistenz – z.B. zur Herstellung
eines Gefälles – ist ebenso möglich. Stahlfaserbeton
muss grundsätzlich verdichtet werden. Die Verdichtungs‑
intensität ist auf die gewählte Konsistenz abzustimmen.
Auf ein ausgiebiges Nachverdichten sollte möglichst
verzichtet werden, um Sedimentationen oder ungewollte
F0,5 F3,5 Faserorientierungen zu vermeiden. Im Zweifelsfall wird
eine enge Abstimmung zwischen den Bauausführenden
und dem Stahlfaserbetonlieferanten empfohlen. Nach
Fertigstellung des Bauteiles ist unmittelbar mit der Nach‑
0,5 3,5 behandlung zu beginnen.
 Durchbiegung δ in mm
Abb. 6.8.5   Grundwerte der zentrischen Nachrisszugfestigkeit 
Last-Durchbiegungs-Beziehung zur Ermittlung  [ ƒct0 in N/mm2]
der ­Nachrissbiegezugfestigkeiten
Verformung 1 Verformung 2
L1 ƒct0,L1 L2 ƒct0,L2 ƒct0,u ƒct0,s
Holcim Steelpact
C30/37 L 1,2/0,9 XC4 XF1 XM1 F4 16mm 0 <0,16 0 – – –

L1,2/0,9 Stahlfaserbeton der Leistungsklasse L1-1,2 für die Verformung 1 0,4 0,16 0,4 0,10 0,15 0,15
und der ­Leistungsklasse L2-0,9 für die Verformung 2 0,6 0,24 0,6 0,15 0,22 0,22
Charakteristischer Wert der äquivalenten Zugfestigkeit:
0,9 0,36 0,9 0,23 0,33 0,33
1,0 N/mm2 im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit
0,8 N/mm2 im Grenzzustand der Tragfähigkeit 1,2 0,48 1,2 0,30 0,44 0,44

C30/37 Druckfestigkeitsklasse 1,5 0,60 1,5 0,38 0,56 0,58

XC4 XF1 XM1 Expositionsklassen 1,8 0,72 1,8 0,45 0,67 0,67

F4 Konsistenz F4, sehr weich 2,1 0,84 2,1 0,53 0,78 0,78

16 mm Größtkorn 16 mm 2,4 0,96 2,4 0,60 0,89 0,89

Abb. 6.8.6   Abb. 6.8.7  
Bezeichnung von Stahlfaserbeton Holcim Steelpact Auszug der Stahlfaserbeton­leistungsklassen L1 und L2

124 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.8
Faserbeton
Alkaliresistente Glasfasern
Abb. 6.8.8  /
Alkaliresistente Glasfasern (AR Glasfasern) können Abb. 6.8.9  
aufgrund ihrer Materialeigenschaften grundsätzlich Einbringen und
zur Verbesserung der Nachrisszugfestigkeit des Betons Verdichten von
Stahlfaserbeton
eingesetzt werden. Ebenso können sie einen gewissen
Vorteil im noch ungerissenen Beton bieten.
Aufgrund ihrer betonähnlichen Dichte von rund
2,6 kg/dm³ lassen sie sich in der Regel problemlos in den
Beton einbringen und sind sedimentationsstabil. Wie
bei allen Faserbetonen ist der Konsistenzrückgang durch
die zusätzlich eingebrachte hohe Faseroberfläche zu
berücksichtigen. Dies geschieht in der Regel durch eine
ausreichende Bindemittelmenge sowie den planmäßigen
Einsatz von Betonverflüssigern und Fließmitteln.

Aktuell muss die Anwendung in baurechtlich relevanten


Bereichen für tragende oder rissbreitenbeschränkende
Zwecke durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zu‑
lassung oder eine Zustimmung im Einzelfall erfolgen.
Entsprechende Regelungen wie für Stahlfaserbeton gibt
es zur Zeit noch nicht.

Abb. 6.8.10  /
Abb. 6.8.11  
Zugabe der
Stahl­fasern im
Transportbeton­
werk

Abb. 6.8.12  
Kunststofffasern Blick in den
Polypropylenfasern, die meist verwendeten organischen ­Fahrmischer beim
Einmischen der
Fa­sern, werden dem Beton beigemischt, um Früh‑
Glasfasern
schwindrisse zu vermeiden. In Beton mit erhöhtem
Feuer­widerstand werden sie zur Abminderung des
Wasser­­dampfdrucks im Zementstein eingesetzt.

Pro Kubikmeter Beton sind etwa 1 kg Fasern notwendig.


Das Einmischen geschieht relativ einfach und erfordert
keine speziellen Vorkehrungen oder Einrich­tun­gen.

Holcim Betonpraxis 125


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.9

Hochfester Beton
9.6

Ab einer Festigkeit von C55/67 bzw. von LC55/60


(vgl. Abb. 2.3.1) gelten Betone als hochfest. Sie zeichnen
sich durch ein dichtes und homogenes Gefüge mit einem
geringen Kapillarporenanteil aus. Von Normalbeton
unterscheidet sie ein niedrigerer w/z-Wert, die Zugabe
von leistungsfähigen Fließmitteln, die Verwendung von
Silikastaub als Betonzusatzstoff und der Einsatz von
Zementen hoher Festigkeitsklassen. Mit hochwirksamen
Fließmitteln, sehr niedrigen Wasserzementwerten und
der Zugabe von Silikastaub lassen sich Betonfestigkeiten
von über 100 MPa erzielen.

Derzeit befinden sich Mörtel und Betone mit Druck‑


festigkeiten von bis zu 800 MPa und Biegezugfestigkeiten
von bis 50 MPa (sogenannte ultrahochfeste Betone) in
der praktischen Erprobung.

Hochfeste Betone erlauben deutlich geringere Durch‑


messer oder Wandbreiten, was Platz spart und den
Betonverbrauch reduziert. Gerade bei Säulen und Stützen
werden häufig kleinere Durchmesser gefordert. Auch für
Fertigteilwerke ist hochfester Beton interessant, da die
Fertigteile so deutlich leichter werden, was den Transport
wesentlich vereinfacht und verbilligt. Die häufigsten Ein‑
satzbereiche sind:
••Konstruktiver Hochbau
••Stützen, Wände
••Brückenbau
Abb. 6.9.2  
••Druckbeanspruchte, schlanke Tragglieder Über zwei Stockwerke reichende Stützen, 
••Hochhausbau. die hohen Lasten widerstehen müssen

Abb. 6.9.1  
Fertigteile aus
hochfestem Beton

Wasserzementwert und Gesteinskörnung


Normalfeste Betone weisen in der Regel w/z-Werte von
0,5 bis 0,6 auf. Dieser Wert reduziert sich bei hochfesten
Betonen auf 0,35 bis 0,25. Damit enthalten diese Betone
weniger Wasser, als sie zur vollständigen Hydratation des
Zements benötigten (w/z ~ 0,40). Der Zementstein bleibt
so fast frei von ungebundenem Wasser, was die Bildung
von Kapillarporen vermindert. Der verbleibende, un‑
hydratisierte Zement wirkt als hochfester Zuschlag, der
einen optimalen Verbund zum umgebenden Zementstein
aufweist.

Bei hochfesten Betonen wird auch die Druckfestigkeit


der Gesteinskörnung bedeutsam. Es eignet sich eigent‑
lich nur noch gebrochene Körnung, beispielsweise ein
Basaltsplitt.

126 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.9
Hochfester Beton
Fließmittel und Silikastaub ••Die Mikrostruktur in der Verbundzone zwischen
Baustellengerecht verarbeitbare Betone mit niedrigen Zement­stein und Gesteinskorn wird deutlich ver‑
Wasserzementwerten lassen sich nur mit Hilfe leistungs‑ bessert. Der Grund ist eine Reduzierung des Kalzium-
fähiger Fließmittel herstellen. Deren Wirkung beruht auf und Ettringitgehaltes in der Kontaktzone. Dies lässt
einer Zerstreuung der Zementagglomerate und einer Art sich auch an den Bruchflächen von hochfesten
Schmierwirkung. Betonprüfkörpern erkennen: Diese sind relativ glatt,
und der Bruch erfolgt nicht wie bei normalfestem Beton
Die Zugabe von Mikrosilika versteift den Frischbeton und um die Körner herum, sondern durch die Gesteins‑
macht diesen «klebriger». Deshalb ist eine fließfähige körnung hindurch.
Konsistenz mit einem Ausbreitmaß von mehr als 490 mm
anzustreben. Wesentlich sind die Füllereigenschaften und der ver‑
besserte Verbund. Die puzzolanische Sekundärreaktion
Durch das Beimengen feinster Zusatzstoffe ergeben sich trägt nur rund 20 % zur Festigkeitssteigerung bei.
höhere Betonfestigkeiten. Üblicherweise wird hochfesten
Betonen daher Silikastaub zugegeben. Dabei handelt
es sich um amorphes Siliziumdioxid, das bei der Her‑ Verringerter Brandwiderstand
stellung von Siliziummetallen und Ferrosilizium entsteht Das dichte und homogene Gefüge des hochfesten Betons
und mit Elektrofiltern aus Rauchgasen gewonnen wird. mit seinem geringen Kapillarporenanteil garantiert
Die Silikapartikel sind rund 30 bis 100 Mal kleiner als die bei Normaltemperatur eine hohe Festigkeit, wirkt sich
Zementkörner. Ihre festigkeitssteigernde Wirkung ist jedoch unter Brandbeanspruchung ungünstig aus. Bei
durch drei Effekte zu erklären: Temperaturen von etwa 150°C verdampft auch das
••Aufgrund ihrer Gestalt und Größe können Silikapartikel physikalisch gebundene Wasser im Zementstein. Kann
einen Teil des Porenraumes zwischen den Zement­ der dabei entstehende Dampfdruck wegen des dichten
körnern auffüllen. Damit wird die aufgrund der Gefüges nicht über die Kapillarporen entweichen, führt
dispergierenden Wirkung der Fließmittel bewirkte er zu Betonabplatzungen. Bei höheren Festigkeiten sind
Gefügeverdichtung des Zementsteins noch einmal deshalb Zusatzmaßnahmen erforderlich. Entweder lässt
deutlich gesteigert und eine höhere Dichte erreicht sich die Betondeckung durch eine oberflächennahe
(Mikrofüllereffekt). Netzbewehrung gegen Abplatzen sichern oder es werden
••Zusätzlich zur Zementhydratation läuft eine dem Beton Polypropylenfasern beigemischt. Im Brandfall
puzzolanische Sekundärreaktion zwischen dem bei der verbrennen oder schmelzen die Fasern und hinterlassen
Zementhydratation entstehenden Kalziumhydroxid und röhrenförmige Poren, die für den Abbau des Wasser‑
dem Silikastaub ab, bei der das härtere Kalziumsilikat‑ dampfdruckes sorgen.
hydrat gebildet wird.

Abb. 6.9.3  
Bruchbilder von
Normal- und hoch­
festem Beton. Der
Bruch geht beim
hochfesten Beton
(rechts) durch das
Gesteinskorn

Holcim Betonpraxis 127


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.10

Spritzbeton
01 . 6

Spritzbeton als Betonierverfahren Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Spritzbeton­


Spritzbeton wird nach der Art seiner Verar­bei­tung systeme und -verfahren
be­zeichnet. Wie der Name sagt, wird er in einem Die Größe des Bauvorhabens und die örtlichen Rand­
geschlos­senen überdruckfesten Schlauch und/oder bedingungen beeinflussen die Wahl der Spritzbeton­
einer Rohr­leitung zur Einbaustelle gefördert und dort systeme. Kleinere Spritzbetonetappen werden in der
durch Spritzen aufgebracht. Durch die Wucht des Auf­ Regel im Trockenspritzverfahren ausgeführt, das bei
pralls verdichtet sich dabei der Beton. Im Gegen­satz zu beengten Platzverhältnissen Vorteile bietet. Das Nass­
Rüttel­betonen, die eingebracht und erst an­schließend spritzverfahren gelangt aus wirtschaftlichen Über‑
verdichtet werden, erfolgt beim Spritz­beton beides legungen erst bei größeren Mengen zur Anwendung
gleich­zeitig. Beim Auftreffen an der Auf­trags­fläche prallt (Abb. 6.10.2).
ein Teil des Spritz­guts, das Rückprall­gut, zurück.

Grundsätzlich wird zwischen dem Trocken- und dem Spritzbeton als Baustoff
Nassspritzverfahren unterschieden. Die Verfahren unter­ Spritzbeton ist in aller Regel Normalbeton, der mit den
scheiden sich in der Zusammen­setzung der Ausgang­s­ Ausgangsstoffen Zement, Sand/Kies, Wasser, Erstar­
mischung und den Spritzbetonmaschinen. Beim Tro­cken­ rungs­beschleuniger und bei Bedarf Zusatzmitteln und
spritz­ver­fahren wird ein sogenanntes Trockengemisch Zusatzstoffen hergestellt wird. Weiterführende Rege­
gefördert, dem erst an der Spritzdüse das Zugabe­was­ser lungen sind aus DIN EN 14 487‑1 ersichtlich.
mit oder ohne Beschleuniger zugegeben wird. Beim
Nassspritzverfahren ist das Zugabewasser bereits im
Ausgangsgemisch des Spritzguts enthalten.

Zur Erzeugung des nötigen Aufpralldrucks wird dem


Spritzgut an der Düse Druckluft zugeführt. Weitere
Details zu den unterschiedlichen Verfah­ren sind in
Abb. 6.10.1 aufgeführt. In diesem Zusammenhang wird
auf die DIN EN 14 487‑2 hingewiesen.

Abb. 6.10.1  
Übersicht über Verfahren Trockenspritzen Nassspritzen
die verschiedenen
Systemnummer 1 2 3 4
Spritzbeton­
systeme Wassergehalt der
< 5 Massen-% ofentrocken keine Anforderung
­Gesteinskörnung
Korngröße 8 (max. 16) mm 4 (max. 8) mm 8 (max. 16) mm
Spritzbindemittel (SBM)
Zement nach Zement
Bindemittel nach der österreichischen
DIN EN 197‑1 nach DIN EN 197‑1
Spritzbetonrichtlinie
Zementgehalt ca. 350 kg/m3 ca. 330 kg/m3 ca. 425 kg/m3
Erstarrungsbeginn
> 120 Minuten < 3 Minuten > 120 Minuten
ohne Beschleuniger
Beschleuniger
ja nein ja
getrennt beigegeben?
Herstellungsort Transportbeton Transportbeton
vor Ort
des Spritzguts oder vor Ort oder vor Ort
Rotor oder
Fördergerät/System Rotor Betonpumpe
Dosierblasschnecke
Wassergehalt des
< 4 Massen-%, erdfeucht ofentrocken nass
Spritzguts
Förderart Dünnstrom Dichtstrom

128 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.10
Spritzbeton
Abb. 6.10.2  
Verfahren trocken nass
Einsatzgebiete
System-Nummer 1 2 3 4 von Spritzbeton
und Eignung der
Untertagebau, Vortriebssicherung im Fels (Ausbruchssicherung) + + – ++ Verfahren
Untertagebau, Vortriebssicherung im Lockergestein (Ausbruchssicherung) ++ + ++ –
Untertagebau, einschaliger Ausbau + + – ++
Untertagebau, Abdichten von Wassereinbrüchen + ++ ++ –
Untertagebau, Ausgleich und Tragschicht für Abdichtungen + + – ++
Versiegelung der Felsoberfläche als Verwitterungsschutz ++ – + +
Baugrubensicherung ++ – + +
Instandsetzung und Verstärkung von Betonbauten ++ + ++ –
Bauwerke (Schalen, Kuppeln, Schwimmbassins, Spritzbetonhäuser) ++ + + –
Künstliche Felsen, Rollbrettbahnen, Rodel- und Bobpisten usw. ++ + + –

Die Eigenschaften des Spritzbetons sind bezüglich Roh­ Dank der einfachen Hand­habung gewinnt der alternative
dichte, Druck-, Zug- und Scherfestigkeit etwa vergleich‑ Einsatz von Stahl­fasern im Spritzbeton für verschiedene
bar mit jenen von Normalbeton. Dank seines besonderen Anwendungen an Bedeutung. Bei­spiele für Spritzbeton­
Gefügeaufbaus ist Spritzbeton aber in der Regel dichter zusam­men­setzungen zeigt Abb. 6.10.4.
und frostbeständiger als üblicher Beton gleicher Zusam­
mensetzung. Auch seine hervorragende Haf­tung auf der
Auftragsfläche und die beliebige Oberflä­chengestaltung
zeichnen Spritz­­beton aus. Je nach Anforderungen kann er
mit Bewehrungsnetzen mit oder ohne Rückveran­kerung
durch Anker und Dübel zusätzlich gesichert werden.

Spritzbetonrezeptur Trockenspritzen Nassspritzen


Druckfestigkeitsklasse C 25/30 C 35/45
Expositionsklasse XC3 XC3, XA2
Größtkorn Dmax 8 mm 8 mm
Chloridgehaltsklasse Cl 0,40 Cl 0,40
Konsistenzklasse C0 F4
Zusätzliche Anforderungen:
Verarbeitungszeit 3 Std. 6 Std.
Frühfestigkeit nach 4 Std. 4 MPa
Frühfestigkeit nach 12 Std. 10 MPa
Abb. 6.10.3  
Zementgehalt 350 kg/m3 425 kg/m3 Trockenspritzen: Baugrubensicherung
Zusatzstoffe (Silikastaub) 25 kg/m3
Gesteinskörnung 1650 kg/m3
Sand 0–4 mm 60 M.-% 55 M.-%
Kies 4–8 mm 40 M.-% 45 M.-%
Fließmittel (FM) nein 1,0 M.-% v. Z.
Verzögerer (VZ) 0,2 M.-% v. Z. 0,4 M.-% v.Z.
Beschleuniger (BE) 4,0 M.-% v. Z. 5,0 M.-% v.Z.
Für die Stoffraumrechnung gilt bei:
Abb. 6.10.4  
• Trockenspritzen: Zementgehalt in kg pro 1000 Liter lose geschüttete Ge­steins­körnung
Mögliche Spritzbetonrezepturen für das
• Nassspritzen: Die Einwaage aller Betonkomponenten, fertig verdichtet, er­gibt 1 m3 fertigen Beton.
Trocken- und das Nassspritzverfahren

Holcim Betonpraxis 129


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.10

Spritzbeton
Abb. 6.10.5   Anwendung
Sicherung einer
Spritzbeton wird für die Ausführung von bewehrten
Baugrube mit
Spritzbeton und unbewehrten Bauteilen verwendet. Der anteilig
häufigste Einsatz erfolgt im Unter­tage­bau für Siche­
rungs­­arbeiten bzw. für den Ausbau. Aber auch zur
Auskleidung von Becken und Kanälen, zur Sicherung von
Hängen, Böschungen und Baugruben (Abb. 6.10.3 und
Abb. 6.10.5) oder zur Instand­setzung schadhafter Bau­
werke aus Beton und Mauerwerk gelangt Spritzbeton
zur An­wen­dung.

Einen Aufschwung erfuhr die Spritzbetontechnik durch


den Einsatz schnell erhärtender Spritzbetone zur Sofort­
sicherung im Untertagebau sowie durch die immer
Abb. 6.10.6  
Sicherung des ­weiter fortschreitende Entwick­lung der Applikations­
Gebirges mit technik. Abb. 6.10.7 und Abb. 6.10.8 zeigen Spritzbeton‑
Spritzbeton roboter im Einsatz.

Keine andere Verarbeitungstechnologie erfordert so um­


fangreiche Kenntnisse und praktische Erfahrung wie der
Spritzbeton. Besonders die Wasserdosierung, die Druck‑
luftförderung und Applikation beeinflussen die Qualität
und Effek­tivität des Spritzbetons erheblich. Die Ausfüh­
rung von Spritzbetonarbeiten ist deshalb im Allgemeinen
Spezialfirmen mit den notwendigen Fachkräften und
Maschinen vorbehalten.
Abb. 6.10.7  
Aufbringen von
Spritzbeton mit
einem Spritzbeton­
roboter

Abb. 6.10.8  
Gestalten mit
Spritzbeton: 
Künstlicher Fels in
einem Tiergehege

130 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.11
Dränbeton
11 . 6

Unter Dränbeton versteht man einen haufwerksporigen, Eigenschaften


hohlraumreichen Beton für Entwässerungsaufgaben. An Dränbetondecken (DBD) und -tragschichten (DBT)
Hierbei ist die Gesteinskörnung von dem Zementleim werden in den FGSV-Merkblättern «Dränbeton­
bzw. -mörtel nur umhüllt und berührt sich, auch nach tragschichten» (M DBT) und «Versickerungsfähige
dem Verdichten, nur punktförmig. Um einen von außen Verkehrsflächen» (M VV) diverse Anforderungen gestellt.
zugänglichen Hohlraumgehalt von mindestens 15 Vol-% Beispielsweise wären da zu nennen:
zu erreichen, wird beim Dränbeton häufig eine Sieblinie ••Schichtdicke
mit Ausfallkörnung im Bereich 2/4 oder 2/8 mm und/ ••Druckfestigkeit
oder einem möglichst geringen Sandanteil verwendet. ••Biegezugfestigkeit (bei DBD)
Auch eine Ausführung als Einkornbeton ist möglich. ••Anforderungen an die Gesteinskörnung (Zusammen­
setzung, Eigenschaften – TL Gestein-StB)
Durch den Zusatz von Zusatzmitteln und Zusatzstoffen ••Wasserdurchlässigkeit (k f -Wert).
(Polymere, Kunststofffasern) können die Frisch- und
Festbetoneigenschaften sowie die Dauerhaftigkeit des Eine weitere Eigenschaft des Dränbetons ist die Lärm‑
Dränbetons weiter verbessert werden. Insbesondere wird minderung.
die Druck- und Biegezugfestigkeit, der Frostwiderstand So wird die Lärmentwicklung von Kraftfahrzeugen ab
und der Frost-Tausalz-Widerstand erhöht. einer Geschwindigkeit von 50 km/h fast ausschließlich
von den Rollgeräuschen der Reifen auf der Fahrbahn ver‑
Zum Einsatz kommt Dränbeton hauptsächlich im ursacht. Dieses wird hauptsächlich von der Fahrbahn und
Straßenbau (Versickerungsfähige Verkehrsflächen, dem Reifenprofil beeinflusst (Abb. 6.11.2). Kompressions-
Abb. 6.11.1), zur Abführung des Niederschlagswassers und Dekompressionseffekte in der Reifenaufstandsfläche
und/oder zur Lärmminderung. Weitere Anwendungsfälle erzeugen Schall, den der Dränbeton aufnehmen kann
können z. B. Betonfilterrohre, Filtersteine oder Lärm‑ und so die Geräuschentwicklung deutlich reduziert.
schutzwände sein.

Reifen Abb. 6.11.2  
Lärmentwicklung
Dröhnen und Poltern auf verschiedenen
(Reifenverformungen Straßenober­
und -schwingungen) flächen
cm
Straßenoberfläche

Pfeifen und Zischen


(Airpumping zwischen
Reifen und Fahrbahn)
Abb. 6.11.1  Verkehrsfläche aus Dränbeton

Summern und Lärmmindern


(ideale Oberfläche)
≤ 10 mm

Holcim Betonpraxis 131


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.11

Dränbeton
Anhaltswerte für die Zusammensetzung von Dränbeton sind im FGSV-Merkblatt MVV in der nachfolgenden Tabelle
(Abb. 6.11.3) ­zusammengestellt.

Decke  Tragschicht 
DBD 8 DBT 22 oder DBT 32
mit PM  ohne PM  mit PM  ohne PM 
[kg/m3] [kg/m3] [kg/m3] [kg/m3]
Druckfestigkeitsklasse – C16/20 bis C25/30 C16/20 bis C25/30 C8/10 bis C16/20 C8/10 bis C16/20
Gesteinskörnung fGK 0/1 1) 60 – 100 – – –
fGK – – 150 – 180 2) 150 – 180 2)
oder 0/2
gGK 5/8 1400 – 1500 1500 – 1600 – –
gGK 8/22
oder 8/32 – – 1500 – 1600 1500 – 1600
Zement 32,5 R/42,5 N 300 – 350 300 – 350 150 – 300 3) 150 – 300 3)
Wasser Frischwasser 40 – 75 5) 85 – 115 52 – 73 5) 60 – 90 3)
w/z-Wert (eq) – 0,25 – 0,28 0,28 – 0,33 0,30 – 0,40 0,30 – 0,40
Polymere (PM) 15 – 20 % v.Z. 45 – 70 – – –
(z. B. Kunststoffdispersion) 10 – 15 % v.Z. – – 15 – 34 –
Zusatzmittel FM oder BV 1 – 3 – – –
Kunststofffasern (z. B. PAN,PVA) Länge 6 – 12 mm 1 – 2 – – –
Konsistenz (Einbau) Verdichtungsmaß 1,30 – 1,34 4) 1,30 – 1,34 4) 1,30 – 1,45 4) 1,30 – 1,45 4)
(steif, C1) (steif, C1) (steif, C1) (steif, C1)
1) Die Verwendung einer polierresistenten feinen Gesteinskörnung (z. B. Quarzsand) ist für die Verbesserung der Griffigkeit von DBD zweckmäßig.
Polierversuch (PWS) gemäß den TP Gestein‑StB, Teil 5.4.2 (PWS-Wert ≥ 0,55).
2) Die Verwendung von Sand 0/1 mm kann vorteilhaft sein.

3) Die höheren Werte werden bei der Verwendung von Beton-Recyclingmaterial benötigt.

4) Die Einbaukonsistenz ist auf das Einbauverfahren abzustimmen.

5) Der Wasseranteil der PM ist beim Zugabewasser berücksichtigt.

Abb. 6.11.3   Ausführung Eingebaut werden DBT mit den üblichen Straßenbau‑


Anhaltswerte für Die DBT sollte möglichst gleichmäßig hergestellt werden, geräten im Zentral- oder Baumischverfahren. Dabei
die Zusammen­
setzung von so dass die Anforderungen an z. B. die Druckfestigkeit und weist das Gemisch, welches im Zentralmischverfahren
­Dränbeton gemäß den Hohlraumgehalt zielsicher erfüllt werden. gemischt wurde und mit Fertiger, Scraper oder Grader
FGSV-Merkblatt eingebaut wird, eine höhere Gleichmäßigkeit auf.
MVV
Schon kleine Abweichungen, von der in der Erst‑
prüfung festgelegten Zusammensetzung, können zu Die Verdichtung der DBT erfolgt in der Regel durch die
großen Schwankungen der Qualität führen. So steigt Bohle des Fertigers (Vorverdichtung) und durch das
bei höherem Sand und Zementgehalt zwar die Druck‑ Abwalzen mit einer Glattmantelwalze ohne Vibration.
festigkeit des Gemisches, aber der Hohlraumgehalt wird, Hierbei ist darauf zu achten, dass die erforderliche Druck‑
besonders durch den erhöhten Sandanteil, deutlich ver‑ festigkeit erreicht wird, ohne den von außen zugäng‑
mindert. Wird nur der Sandgehalt erhöht, führt dies zu lichen Hohlraumgehalt zu unterschreiten.
einer deutlichen Reduzierung der Druckfestigkeit sowie
des Hohlraumgehaltes. Ebenso hat eine Änderung des Der Einbau der DBD sollte, um eine gleichmäßige Ver‑
Wasser­gehaltes, schon bei kleinen Abweichungen von dichtung zu erreichen, möglichst maschinell mit einem
der festgelegten Rezeptur, einen deutlichen Einfluss auf Fertiger erfolgen. Durch eine gleichmäßige Verdichtung
die Druckfestigkeit. ist sichergestellt, dass alle geforderten Eigenschaften
zielsicher erreicht werden. Bei einem Einbau mit dem
­ Fertiger ist eine zusätzliche Verdichtung mit einer Walze
in der Regel nicht erforderlich. Einbau und Verdichtung
der DBD sollten einschichtig und einlagig erfolgen und
können fugenlos oder mit Fugen hergestellt werden.

132 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.11
Dränbeton

Abb. 6.11.4  
Mindestfestigkeit des Dränbetons im Alter von 28 Tagen  Anforderungen an
für einen von außen zugänglichen Hohlraumgehalt von ≥ 15 Vol. % und eine Wasserdurchlässigkeit von k, ≥·10 -5 m/s Dränbeton gemäß
FGSV-Merkblatt MVV
Schicht Druckfestigkeit 1) Biegezugfestikeit 2)  Spaltzugfestigkeit 3) 
[Mpa] [Mpa] [Mpa]
1 2 3 4
fck,cyl/fck,cube fctm (BZ) fctm (SZ)
Dränbetontragschicht C8/10 4) – –
(DBT) C12/15 – –
C16/20 – –
Dränbetondecke C16/20 3,0 2,0
(DBD) C20/25 3,2 2,2
C25/30 3,5 2,5
C25/3 4,0 2,7
1) Zylinder Ø 150 mm, h/d = 1 oder Würfel 150 x 150 x 150 mm (DIN EN 12390‑3)
2) Prisma L ≥ 525 x 150 x 150 mm (DIN EN 12390‑5)

3) Zylinder Ø 150 mm oder Würfel Kantenlänge 150 mm (DIN EN 12390‑6)

4) Nur unter DBD (nicht unter Pflasterdecken) zu verwenden

Spalte 2: Betonfestigkeitsklasse
Spalten 3 und 4: Mittlere Festigkeit von 3 zusammengehörigen Probekörpern

Anforderungen Instandhaltung
Die Anforderungen an DBT und DBD sind im FGSV- Um die Wasserdurchlässigkeit von versickerungsfähigen
Merkblatt M VV in der obenstehenden Tabelle dar‑ Verkehrsflächen zu gewährleisten, muss für den Drän‑
gestellt (Abb. 6.11.4) und gelten in Verbindung mit der beton ein erhöhter Aufwand betrieben werden. So kann
TL ­Beton‑Stb. es notwendig sein, z. B. Laub häufiger zu entfernen als
bei herkömmlichen Verkehrsflächen. Ebenso sollte auf
Wie beim herkömmlichen Beton, müssen auch beim diesen Flächen ein Verkehr mit hohem Schmutzein‑
Dränbeton die Eigenschaften der Zusammensetzung trag (z. B. ­Baustellenverkehr) vermieden werden. Ein
vorab in einer Erstprüfung bestätigt werden. Für die natürlicher Eintrag von mineralischen und organischen
Druckfestigkeit empfiehlt sich hier ein Vorhaltemaß Bestandteilen in das Porengefüge kann allerdings nicht
von 3 bis 5 MPa anzunehmen. Bei einem von außen gänzlich vermieden werden. Da hierdurch die Wasser‑
zugänglichen Hohlraumgehalt von ≥ 15 Vol. % wird er‑ durchlässigkeit der Verkehrsfläche zurückgeht, kann
fahrungsgemäß die geforderte Wasserdurchlässigkeit es notwendig werden, die Wasserdurchlässigkeit mit
kf ≥ 5 · 10−5 m/s erreicht. Dies kann in Anlehnung an die speziellen Reinigungsverfahren (z. B. Reinigung mit
DIN 18507 nachgewiesen werden. Wasserhochdruck und Absaugung) wieder zu verbessern.
Die ursprüngliche Durchlässigkeit kann in der Regel aber
Während des Einbaus kann es sinnvoll sein, die Wasser‑ nicht wieder hergestellt werden.
durchlässigkeit zu überprüfen, um das Einbauver‑
fahren, falls erforderlich, anzupassen. Dies kann mittels Im Winter sollte, um Schäden an der Oberfläche zu ver‑
Schnelltest vor Ort gemacht werden. Das Verfahren wird meiden, beim Räumen von Schnee auf einen Kehrbesen
in dem FGSV-Merkblatt MVV, Abschnitt 8.2, beschrieben. oder eine Schneefräse zurückgegriffen werden. Diese
belasten die Oberfläche weniger als die Räumung mit
einem Schild. Auch abstumpfende Streustoffe sollten
nicht verwendet werden, da diese die Poren verstopfen
können und die Wasserdurchlässigkeit reduzieren.

Holcim Betonpraxis 133


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.12

Zementestrich (CT – Cementitious screeds)


21 . 6

Zementestriche werden seit Jahrzehnten im Wohnungs-, werden, um eine oder mehrere der nachstehenden
Gewerbe- und Industriebau mit Erfolg eingesetzt. Funktionen zu erfüllen:
Sie zeichnen sich gegenüber anderen mineralisch ge‑ ••eine vorgegebene Höhenlage zu erreichen
bundenen Estrichen vor allem durch ihre Beständigkeit ••einen Bodenbelag aufzunehmen
gegenüber Feuchtebeanspruchung aus und können ••unmittelbar genutzt zu werden.
daher sowohl im Innen- als auch im Außenbereich ver‑
wendet werden. Der deutsche Begriff «Estrich» bezeichnet sowohl den
frischen Estrichmörtel als auch das fertige Bauteil.
Als Estrich bezeichnet man eine Schicht oder Schichten
aus Estrichmörtel, die auf der Baustelle direkt auf dem Für die Planung und Ausführung von Estrichen gelten
Untergrund, mit oder ohne Verbund, oder auf einer DIN EN 13318, DIN EN 13813, DIN EN 13892, DIN 18550
zwischen­liegenden Trenn- oder Dämmschicht verlegt und DIN 18353 (siehe Abb. 6.12.1).

Abb. 6.12.1  
Norm Titel
Wesentliche
Estrich­normen DIN EN 13318 Estrichmörtel und Estriche – Begriffe
DIN EN 13813 Estrichmörtel und Estrichmassen – Eigenschaften und Anforderungen
DIN EN 13892 Prüfverfahren für Estrichmörtel und Estrichmassen (Teil 1 bis 8)
DIN 18560 Estriche im Bauwesen –
Teil 1 Allgemeine Anforderungen, Prüfung und Ausführung
Teil 2 Estriche und Heizestriche auf Dämmschichten (schwimmende Estriche)
Teil 3 Verbundestriche
Teil 4 Estriche auf Trennschicht
Teil 7 Hochbeanspruchbare Estriche (Industrieestriche)
DIN 18353 VOB Teil C: ATV Estricharbeiten

Die Klassifizierung der Estriche erfolgt nach der Art des


Bindemittels (z. B. CT) und anhand ihrer spezifischen
Eigenschaften (Abb. 6.12.2).

Abb. 6.12.2  
Klassifizierung der – Druckfestigkeit: C5/C7/C12/C20/C25/C30/C35/C40/C50/C60/C70/C80
Estriche
– Biegezugfestigkeit: F1/F2/F3/F4/F5/F6/F7/F10/F15/F20/F30/F40/F50
– Verschleißwiderstand nach Böhme: A22/A15/A12/A9/A6/A3/A1,5
– Verschleißwiderstand nach BCA: AR6/AR4/AR2/AR1/AR0,5
– Verschleißwiderstand gegen Rollbeanspruchung: RWA300/RWA100/..20/10/1
– Oberflächenhärte: SH30/SH40/SH50/SH70/SH100/SH150/SH200
– Widerstandsklassen gegen Rollbeanspruchung (Bodenbelag): RWFC150
RWFC250/RWFC350/RWFC450/RWFC550
– Biegezugelastizitätsmodul: E1/E2/E5/E10/E20/25-30-usw.
– Haftzugfestigkeit: B0,2/B0,5/B1,0/B1,5/B2,0

134 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.12
Zementestrich (CT – Cementitious screeds)
Weitere Eigenschaften sind anzugeben, wenn sie durch ••Freisetzung korrosiver Stoffe oder Korrosivität von
gesetzliche Anforderungen verlangt werden oder wenn Estrich­mörteln
der Hersteller sich für die Angabe einer Leistung ent‑ ••Wasserdampfdurchlässigkeit
scheidet, selbst wenn diese durch Verordnungen nicht (Bestimmung nach EN 12086)
erfasst wird. ••Wärmedämmung (Wärmedämmwerte nach EN 12524
oder Prüfung nach EN 12664
••Elektrischer Widerstand (ER Angabe in Ohm) ••Trittschallisolierung (Systemprüfung nach EN ISO 140-6)
••Chemische Beständigkeit (CR Auflistung der ••Schallabsorption
Chemikaliengruppen nach prEN 13529)
••Brandverhalten (Zementestrichmörtel können der Anwendung
Klasse Afl (A1) zugeordnet werden, wenn der Anteil an Die DIN 18560 beinhaltet die nationalen Anwendungs­regeln
organischen Substanzen 1 % nicht überschreitet.) für Estrichmörtel nach DIN EN 13813 für Deutschland.

Abb. 6.12.3  
Einteilung der
DIN 18560 ­Estriche nach
nationaler
Normung
Estriche und Heizestriche Hochbeanspruch­
Estriche auf
auf Dämmschicht Verbundestriche bare Estriche
Trennschicht
(schwimmende Estriche) ­(Industrieestriche)

Estriche und Heizestriche auf Dämmschichten (­schwimmende Estriche)


Mindestanforderung an die Biegezugfestigkeitsklasse: F4

Abb. 6.12.4  
Lotrechte ­ Biegezug­ Estrichnenndicke 1)  Bestätigungsprüfung Nenndicke und
Nutz­lasten  festigkeits­klasse bei einer ­Zusammendrückbarkeit der Dämmschicht [in N/mm2] Biegezugfestigkeit
 c ≤ 5 bzw. 3 mm bei Einzellasten ab 3 kN unbeheizter
Kleinster 
[in kN/mm2] [in mm] Zementestriche auf
­Einzelwert Mittelwert Dämmschichten
für lotrechte Nutz­
≤2 F4 ≥ 45 2) ≥ 2,0 ≥ 2,5
lasten
F5 ≥ 40 2) ≥ 2,5 ≥ 3,5
Einzellasten ≤ 2 F4 ≥ 65 ≥ 2,0 ≥ 2,5
Flächenlasten ≤ 3 F5 ≥ 55 ≥ 2,5 ≥ 3,5
Einzellasten ≤ 3 F4 ≥ 70 ≥ 2,0 ≥ 2,5
Flächenlasten ≈ 4 F5 ≥ 60 ≥ 2,5 ≥ 3,5
Einzellasten ≤ 4 F4 ≥ 75 ≥ 2,0 ≥ 2,5
Flächenlasten ≈ 5 F5 ≥ 65 ≥ 2,5 ≥ 3,5
1) Bei Dämmschichten ≤ 40 mm kann die Estrichnenndicke um 5 mm reduziert werden. Die Nenndicke darf 30 mm nicht unterschreiten.
2) Bei höherer Zusammendrückbarkeit (≤ 10 mm) muss die Estrichdicke um 5 mm erhöht werden.

Bei lotrechten Nutzlasten, die höher als 5,0 kN/m2 nach Da schwimmend verlegte Estriche im Wesentlichen auf
DIN 1055‑3 sind, sind die Estrichnenndicken vom Planer Durchbiegung beansprucht werden, gibt es keine An‑
festzulegen. forderungen an die Druckfestigkeit.

Bei Heizestrichen sind die Biegezugfestigkeitsklassen und Bezeichnung:


Estrichnenndicken entsprechend der von unbeheizten Zementestrich der Biegezugfestigkeitsklasse 4 (F 4),
Estrichen zu wählen und bei Bauart A (Heizrohre im schwimmend (S), mit 70 mm Nenndicke, als ­Heizestrich (H),
­Estrich) zusätzlich um den Außendurchmesser des mit einer Überdeckung der Heizelemente von 45 mm:
Heizrohres zu erhöhen. Die Rohrüberdeckung bei der
Biegezugfestigkeitsklasse F4 muss mindestens 45 mm Estrich DIN 18560 – CT – F 4 – S 70 H 45
betragen.

Holcim Betonpraxis 135


Betone mit besonderen Eigenschaften
6.12

Zementestrich (CT – Cementitious screeds)


Abb. 6.12.5  
Eignung tragender Verbundestriche
Untergründe für Mindestanforderung an die Festigkeitsklasse bei Nutzung mit Belag: C20/F3
Verbundestriche aus Mindestanforderung an die Festigkeitsklasse bei Nutzung ohne Belag: C25/F4
Zementestrichmörtel

Beton geeignet Bezeichnung:


Kalziumsulfatestrich mit besonderen Maßnahmen geeignet Zementestrich (CT) der Druckfestigkeitsklasse 30 (F 30),
Magnesiaestrich nicht geeignet der Biegezugfestigkeitsklasse 5 (F 5), der Verschleißwider‑
Zementestrich geeignet
standsklasse 15 (A 15) als Verbundestrich (V), mit 25 mm
Gussasphaltestrich mit besonderen Maßnahmen geeignet
Nenndicke:
Holz (ausreichend biegesteif) mit besonderen Maßnahmen geeignet
Stahl (ausreichend biegesteif) mit besonderen Maßnahmen geeignet Estrich DIN 18560 – CT – C 30 – F 5 – A 15 – V 25

Estriche auf Trennschicht


Mindestanforderung an die Biegezugfestigkeitsklasse bei Nutzung mit und ohne Belag: F 4
Abb. 6.12.6  
Estrichnenndicken Estrichart Biegezug­ Estrichnenndicken Bestätigungsprüfung
von Estrichen auf festigkeits­ [mm] Biegezugfestigkeit
Trennschicht  klasse  EL = Einzellasten 1)  ßBZ
in Abhängigkeit nach FL = Flächenlasten [N/mm2]
von verschiedenen DIN EN 13813
Nutzlasten EL ≤ 1 kN EL ≤ 2 kN EL ≤ 3 kN EL ≤ 4 kN kleinster Mittelwert
FL ≤ 2 FL ≤ 3 FL ≤ 4 FL ≤ 5 Einzelwert
kN/m2 kN/m2 kN/m2 kN/m2
Zementestrich CT F4 ≥ 35 ≥ 55 ≥ 65 ≥ 70 ≥ 2,4 ≥ 2,8
F5 ≥ 35 ≥ 45 ≥ 55 ≥ 60 ≥ 3,0 ≥ 3,5
1) Bei Einzellasten sind für deren Aufstandsflächen im Allgemeinen zusätzliche Überlegungen erforderlich. Dasselbe gilt für die Fahrbeanspruchung.

Bezeichnung:
Zementestrich (CT) der Biegezugfestigkeitsklasse 4 (F 4) mit einer Abriebmenge von 6 cm3/50 cm2, als Estrich auf
Trennschicht (T) mit 45 mm Nenndicke:

Estrich DIN 18560 – CT – F 4 – A 6 – T 45

Hochbeanspruchbare Estriche
Hochbeanspruchbare Estriche müssen die Anforderungen Zementgebundener Hartstoffestrich ist unter Ver‑
nach DIN 18560‑1 erfüllen und gegen die mechanische wendung von Hartstoffen nach DIN 1100 herzustellen.
Abb. 6.12.7  
Beanspruchungs­ Beanspruchung in der vorgesehenen Beanspruchungs‑ Die Dicke der Hartstoffschicht ist nach der folgenden
gruppen gruppe widerstandsfähig sein: Tabelle zu wählen:

Beanspru­ Beanspruchung durch Flurförderzeuge Beanspruchungsgruppe Nenndicke bei Festigkeitsklasse


chungs­ Bereifungsart 1), Arbeitsabläufe und  [in mm]
gruppe Fußgängerverkehr – Beispiele
F 9A F 11M F 9KS
I Stahl und • Bearbeiten, Schleifen und Kollern von Metallteilen
I
(schwer) Polyamid • Absetzen von Gütern mit Metallgabeln
(schwer) ≥ 15 ≥8 ≥6
• Fußgänger­verkehr mit mehr als 1000 Personen/Tag
II
II Urethan-Elastomer • Schleifen und Kollern von Holz, Papierrollen und
(mittel) ≥ 10 ≥6 ≥5
(mittel) (Vulkollan) und Kunststoffteilen
Gummi • Fußgängerverkehr von 100 bis 1000 Personen/Tag III
(leicht) ≥8 ≥6 ≥4
III Elastik und • Montage auf Tischen
(leicht) ­Luftreifen • ­Fußgängerverkehr bis 100 Personen/Tag Abb. 6.12.8  
Mindestdicke der
1) Gilt nur für saubere Bereifung. Eingedrückte harte Stoffe und Schmutz auf Reifen erhöhen die Beanspruchung.
Hartstoffschicht

136 Holcim Betonpraxis


Betone mit besonderen Eigenschaften

6.12
Zementestrich (CT – Cementitious screeds)
Bezeichnung:
Zweischichtiger zementgebundener Hartstoffestrich (CT)
der Druckfestigkeitsklasse 60 (C 60), der Biegezugfestig‑
keitsklasse 10 (F 10) der Verschleißwiderstandsklasse 1,5
nach Böhme (A 1,5), mit Hartstoffen nach DIN 1100 der
Gruppe A als Verbundestrich (V) mit Nenndicken von
10 mm für die Hartstoffschicht und 30 mm für die Über‑
gangsschicht:

Hartstoffestrich DIN 18560 – CT – C 60 – F 10 – A 1,5 –


DIN 1100 – A – V 10/30

Ausführungshinweise: schützen. In Bauwerken mit wohnungsähnlichen Raum‑


Zur Herstellung von Zementestrichmörteln einer be‑ situationen ist dies im Allgemeinen ohne besondere Maß‑
stimmten Festigkeitsklasse ist der Zugabewassergehalt nahmen sichergestellt, wenn das Bauwerk geschlossen ist.
niedrig zu halten und der Zementgehalt auf das not‑
wendige Maß zu begrenzen, um die erforderliche Festig‑ Bei üblichen Zementestrichen ist die Belegreife bei einem
keit zu erreichen und das Schwinden klein zu halten. Feuchtegehalt ≤ 2,0 CM-% erreicht.

Zementestrichmörtel sind unverzüglich nach Beendigung Die Austrocknung verändert den Feuchtegehalt
des Mischvorganges einzubringen, zu verteilen und des ­frischen und erhärteten Zementestrichs. Die
abzuziehen. Dabei ist darauf zu achten, dass der Estrich‑ Verdunstungs­geschwindigkeit des Wassers aus dem
mörtel über den gesamten Querschnitt gleichmäßig gut Estrich wird vor allem durch die Temperatur (­Estrich
verdichtet wird. und Umgebung), die relative Luftfeuchtigkeit der um‑
gebenden Luft und die Luftbewegung beeinflusst.
Die Temperatur des Estrichmörtels und des Einbauortes ­Dickere ­Estriche trocknen deutlich langsamer als dünnere
(Untergrund, Raumluft) darf beim Einbau des Estrichs ­Estriche. Die Austrocknung erfolgt über die Oberfläche
sowie über einen Zeitraum von drei Tagen nach dem und darf nicht behindert werden.
Einbau des Estrichs 5 °C nicht unterschreiten. Gefrorene
Gesteinskörnungen dürfen nicht zur Estrichherstellung Aufgrund physikalischer Zusammenhänge laufen
verwendet werden. Trocknungsprozesse in Innenräumen bei fachgerecht
durchgeführter Stoßbelüftung in der kalten Jahreszeit
Bei höheren Mörtel- und Bauteiltemperaturen ab (Winter) deutlich schneller ab als in der warmen Jahres‑
ca. +25 °C wird die Erhärtung von Zementen beschleunigt zeit (Sommer).
und die Verarbeitungszeit des Estrichmörtels verkürzt.
In diesem Fall können langsamer erhärtende Zemente Aufgrund umfangreicher Untersuchungen sowohl in
verwendet werden, sofern sichergestellt ist, dass die ge‑ der Zementindustrie als auch am Institut für Fußboden‑
forderten Eigenschaften erreicht werden. technik im Auftrag des Bundesverbandes für Estrich
und Belag konnten an Zementestrichen, hergestellt aus
Zementestriche können in der Regel ab dem Alter von CEM I- und aus CEM II-Zementen, keine wesentlichen
drei Tagen begangen und höhere Belastungen ab dem Unterschiede festgestellt werden.
Alter von sieben Tagen aufgebracht werden. Dabei sollten
70 % der im Nutzungszustand vorgesehenen Verkehrslast Holcim Ferro 3 R (CEM II/B-S 32,5 R) – Standardzement für
nicht überschritten werden. Die maximal vorgesehene konventionelle Zementestriche
Verkehrslast darf frühestens ab dem Alter von 28 Tagen
aufgebracht werden. Holcim-Pur 4 N und Holcim-Pur 4 R (CEM I 42,5 N und
CEM I 42,5 R) – Zemente für höherwertige Estriche und
Zementestriche sind nach dem Einbau mindestens für die Estrichherstellung in der kälteren Jahreszeit (auf‑
sieben Tage vor Zugluft und hohen Temperaturen zu grund der Festigkeitsentwicklung)

Holcim Betonpraxis 137


Betonanwendungen
7
7
Betonanwendungen
7.1

Ingenieurbauwerke nach ZTV-ING Teil 3 Massivbau


1. 7

ZTV-ING steht für die «Zusätzlichen Technischen ZTV-ING weicht teilweise von der Norm ab
Vertrags­bedingungen und Richtlinien für Ingenieur‑ Die ZTV-ING übernimmt zwar die grundlegenden Anfor­
bauten» des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und derungen der Norm, bei der Wahl der Expositionsklassen
Wohnungswesen (BMVBW). Die ZTV-ING bezieht sich auf und bei den zugehörigen Druckfestigkeitsklassen gibt es
die Regelwerke DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2 sowie auf jedoch Abweichungen von DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2
den DIN-Fachbericht 100 «Beton». Sie gilt für den Bau von bzw. zusätzliche Anforderungen. Nachfolgend sind die
Ingenieurbauwerken wie Brücken, Tunnel, Stützwände abweichenden betontechnologischen Eckdaten der
und Lärmschutzwände. Regelbaustoff nach ZTV-ING ist ZTV‑ING dargestellt.
«Beton nach Eigenschaften». «Beton nach Zusammen‑
setzung» bedarf der Zustimmung des Auftraggebers.

Abb. 7.1.1  
Anforderungen an Gesteinskörnungen Organische Verunreinigungen
Gesteinskörnungen DIN EN 12 620 Q0,05 für grobe Gesteinskörnungen;
und Beton Q0,25 für feine Gesteinskörnungen (Sand)
Kornformkennzahl mindestens SI20 bei gebrochenem Material
Kornzusammensetzung nur eng gestufte Gesteinskörnungen
Zugabe in zwei bzw. drei getrennten Korngruppen
Beton CDF-Test als mögliche «Kontrollprüfung» für Expositionsklasse XF4
DIN EN 206‑1 und Luftgehalt (Tab. 3.3.1, ZTV-ING) Anforderungen in Abhängigkeit der Konsistenz
DIN 1045‑2
Temperatur im Tunnelbau (abweichend von DIN 1045‑3) max. 25 °C

Abb. 7.1.2  
Zuordnung der Vorwiegend horizontale, frost- bzw. tausalzbeaufschlagte Betonflächen XF4, XD3
Expositionsklassen
Nicht vorwiegend horizontale Betonflächen im Spritzwasserbereich XF2, XD2
bei Frost- und/oder
Tausalzeinwirkung Betonflächen im Sprühnebelbereich XF2, XD1
Betonschutzwände XF4, XD3
Gründungen XD2
Trogsohlen (RStO), Tunnelsohlen, wasserundurchlässig als Weiße Wanne XD2
Trogsohlen (RStO), Tunnelsohlen, ohne Wasserdruck oder mit außenliegender Folie XD1
Tunnelinnenschalen ohne Wasserdruck oder mit außenliegender Folie XF2, XD1
Tunnelwände ohne Wasserdruck oder mit außenliegender Folie XF2, XD1
Tunnelwände als wasserundurchlässige Betonkonstruktion XF2, XD2
Einfahrtbereiche von Tunneln XF2, XD2

140 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.1
Ingenieurbauwerke nach ZTV-ING Teil 3 Massivbau
Erläuterungen zur ZTV-ING

Abweichungen 
von DIN EN 201‑1 und DIN 1045‑2 XF2 XF3 XD2; XA2 XF4; XD3
(blaue Felder)
max. w/z-Wert 0,5 0,5 0,5 0,55 0,5 0,5
Mindestdruckfestigkeitsklasse C 25/30 C 30/37 C 30/37 C 25/30 C 30/37 C 25/30
Mindestzementgehalt
300 320 320 300 320 320
[kg/m3]
Mindestzementgehalt
bei Anrechnung
270 270 270 270 270 keine Anrechnung
von Zusatzstoffen
[kg/m3]
Mindestluftgehalt gem. Tab. 3.1.1. – – gem. Tab. 3.1.1. – gem. Tab. 3.1.1.
ZTV-ING ZTV-ING ZTV-ING
weitere Anforderungen Gesteinskörnung F2, Gesteinskörnung F2, Gesteins‑ Gesteins‑ Gesteins­ Gesteinskörnung F2
Frost-Tausalzwider‑ Frost-Tausalzwider‑ körnung F2 körnung F2 körnung F2 Frost-Tausalzwider‑
stand n. stand n. stand n.
NaCl-Verfahren NaCl-Verfahren ggf. SR-Zement NaCl-Verfahren
Masseverlust < 8 % Masseverlust < 8 % Masseverlust < 8 %
Bauteile Widerlager, Stützen, Pfeiler, Gründungen z. B. Bohrpfähle Widerlager, Kappen
­Tunnelsohlen, Tunnelwände, Stützen, Pfeiler,
Trogsohlen, -wände Tunnelsohlen,
Tunnelwände,
Trogsohlen,
-wände

Abb. 7.1.3  
Grenzwerte der
Betonzusammen­
setzung

Abb. 7.1.4  
Zement, Zusatzstoff Regelung nach ZTV-ING Besondere
Anforderungen
CEM II-M Zement Nur mit Zustimmung des Auftraggebers
bezüglich der
CEM III Hochofenzement Betonschutzwände: nur CEM III/A mit einem Hüttensandgehalt ≤ 50 M.-% Verwendung von
Zementen und
CEM II-P Portlandpuzzolanzement Nur mit Trass nach DIN 51 043 Zusatzstoffen
Flugaschezugabe Max. 60 M.-% v. Zement; max. anrechenbar 80 kg/m3
Hochofenzement CEM III/B Für Gründungsbauteile (wie z. B. Bohrpfähle) erlaubt.
und ­Flugasche Weitere Anwendungen nur mit Zustimmung des Auftraggebers
Silikastaub Als homogene Suspension, ausgenommen Trockengemisch für Spritzbeton
Flugasche und Mit Zustimmung des Auftraggebers
Silikastaub gleichzeitig
(auch als Zementbestandteil)

Holcim Betonpraxis 141


Betonanwendungen
7.2

Wasserbauwerke nach ZTV-W


2. 7

Die ZTV-W, «Zusätzliche Technische Vertragsbedingun­ Die ZTV-W gelten in Verbindung mit DIN EN 1992‑1-1/NA,
gen – Wasserbau» für Wasserbauwerke aus Beton und DIN EN 206‑1 und DIN 1045‑2, DIN EN 13670, DIN 1045‑3
Stahlbeton (Leistungsbereich 215), regeln den Bau von sowie DIN 19702. Die Regelungen der ZTV-W LB 215
Wasserbauwerken, wie z. B. Schleusen, Wehre, Sperr‑ zielen auf eine Nutzungsdauer des Bauwerks von in der
Abb. 7.2.1   werke, Schöpfwerke, Düker, Durchlässe, Hafen­bauten, Regel 100 Jahren ab. Für Bauteile der Expositionsklassen
Expositionsklassen
Uferwände, einschließlich deren Nebenanlagen. XS2 und XS3 ist bei Nutzungsdauern über 50 Jahren eine
bezogen auf die
Umgebungs­ Sie gelten nicht für Straßen-, Eisenbahnbrücken und Dauerhaftigkeitsbemessung durchzuführen.
bedingungen Tunnel (siehe hierzu ZTV-ING).

Klassen­ Beschreibung der Umgebung Wasserbauspezifische Beispiele 1) für die Zuordnung von
bezeichnung E­ xpositionsklassen (informativ)
1  Kein Korrosions- oder Angriffsrisiko
X0 Bauteile ohne Bewehrung oder eingebettetes Metall Unbewehrter Kernbeton bei zonierter Bauweise
in nicht betonangreifender Umgebung
2  Bewehrungskorrosion, ausgelöst durch Karbonatisierung
XC1 trocken oder ständig nass Sohlen von Schleusenkammern, Sparbecken oder Wehren,
Schleusenkammerwände unterhalb UW, hydraulische Füll- und
Entleersysteme
XC2 nass, selten trocken Schleusenkammerwände im Bereich zwischen UW und OW
(sinngemäß Sparbeckenwände)
XC3 mäßige Feuchte Nicht frei bewitterte Flächen
(Außenluft, vor Niederschlag geschützt)
XC4 wechselnd nass und trocken Freibord von Schleusenkammer- oder Sparbeckenwänden,
Wehrpfeiler oberhalb NW, freibewitterte Außenflächen, Kajen
3  Bewehrungskorrosion, verursacht durch Chloride, ausgenommen Meerwasser
XD1 mäßige Feuchte Wehrpfeiler im Sprühnebelbereich von Straßenbrücken
XD2 nass, selten trocken
XD3 wechselnd nass und trocken Plattformen von Schleusen,
Verkehrsflächen (z. B. Hafen­f lächen), Treppen an Wehrpfeilern
4  Bewehrungskorrosion, verursacht durch Chloride aus Meerwasser
XS1 salzhaltige Luft, aber kein unmittelbarer Kontakt Außenbauteile in Küstennähe
mit Meerwasser
XS2 unter Wasser Sperrwerksohlen, Wände und Gründungspfähle unter NNTnW
(niedrigster bekannter Tidewasserstand)
XS3 Tidebereich, Spritzwasser- und Sprühnebelbereiche Gründungspfähle, Kajen, Molen und Wände oberhalb NNTnW
(niedrigster bekannter Tidewasserstand)
5  Frostangriff mit und ohne Taumittel/Meerwasser
XF1 mäßige Wassersättigung mit Freibord von Sparbeckenwänden, Wehrpfeiler oberhalb HW
Süßwasser ohne Taumittel
XF2 mäßige Wassersättigung mit Vertikale Bauteile im Spritzwasserbereich und Bauteile
Meerwasser und/oder Taumittel im unmittelbaren Sprühnebelbereich von Meerwasser
XF3 hohe Wassersättigung mit Schleusenkammerwände im Bereich zwischen UW-1,0 m und
Süßwasser ohne Taumittel OW+1,0 m (Sparbeckenwände sinngemäß),
Ein- und Auslauf­bereiche von Dükern zwischen NW und HW,
Wehrpfeiler zwischen NW und HW
XF4 hohe Wassersättigung Vertikale Flächen von Meerwasserbauteilen wie Gründungs‑
mit Meerwasser und/oder Taumittel pfähle, Kajen und Molen im Wasserwechselbereich, meerwasser‑
beaufschlagte horizontale Flächen, Plattformen von Schleusen,
Verkehrsflächen (z. B. Hafenflächen), Treppen an Wehrpfeilern

142 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.2
Wasserbauwerke nach ZTV-W

Abb. 7.2.2  
Expositionsklassen
bezogen auf die
Umgebungs­
bedingungen

Klassen­ Beschreibung der Umgebung Wasserbauspezifische Beispiele 1) für die Zuordnung von
bezeichnung E­ xpositionsklassen (informativ)
6  Betonkorrosion durch chemischen Angriff
XA1 chemisch schwach angreifende Umgebung
XA2 chemisch mäßig angreifende Umgebung Betonbauteile, die mit Meerwasser in Berührung kommen
und Meeres­bauwerke (Unterwasser- und Wasserwechselbereich, Spritzwasserbereich)
XA3 chemisch stark angreifende Umgebung
7  Betonkorrosion durch Verschleißbeanspruchung
XM1 mäßige Verschleißbeanspruchung 2) Flächen mit Beanspruchung durch Schiffsreibung
(z. B. Schleusen­kammerwände oberhalb UW-1,0 m), Bauteile
für die Energieumwandlung mit Beanspruchung nur durch
feinkörnige Geschiebefracht (z. B. aufgrund konstruktiver Maß‑
nahmen wie Vorschaltung einer Geschiebefanggrube), Eisgang
XM2 starke Verschleißbeanspruchung Wehrrücken und Bauteile für die Energieumwandlung
(­Tosbecken, Störkörper) mit Beanspruchung durch grobkörnige
Geschiebefracht
XM3 sehr starke Verschleißbeanspruchung Bauteile in Gebirgsbächen oder Geschiebeumleitestollen

8  Betonkorrosion infolge Alkali-Kieselsäurereaktion


WO Beton, der nach normaler Nachbehandlung nicht längere Allgemein: Nur bei nicht massigen Bauteilen (kleinste Bauteil‑
Zeit feucht und nach dem Austrocknen während der abmessung ≤ 0,80 m). Innenbauteile von Wasserbauwerken,
­Nutzung weitgehend trocken bleibt die nicht ständig einer relativen Luftfeuchte von mehr als 80 %
ausgesetzt werden (z. B. Innenräume von Steuerständen).
WF Beton, der während der Nutzung häufig oder längere Zeit Allgemein: Stets bei massigen Bauteilen (kleinste Bauteil‑
feucht ist abmessung > 0,80 m) unabhängig vom Feuchtezutritt.
­Betonbauteile von Wasserbauwerken mit freier Bewitterung
oder mit temporärer bzw. dauernder Wasserbeaufschlagung
im Binnenbereich (z. B. Schleusenkammerwände auf gesamter
Höhe). Innenbauteile von Wasserbauwerken, bei denen die
relative Luftfeuchte überwiegend höher als 80 % ist.
WA. Beton, der zusätzlich zu der Beanspruchung der Klasse Betonbauteile von Wasserbauwerken, die mit Meerwasser in
WF häufiger oder langzeitiger Alkalizufuhr von außen Berührung kommen (Unterwasser- und Wasserwechselbereich,
ausgesetzt ist Spritzwasserbereich).
Betonbauteile von Wasserbauwerken mit Tausalzeinwirkung
(z. B. Planierbereiche von Schleusenkammerwänden).
WS Beton, der hoher dynamischer Beanspruchung Wasserbaulich nicht relevant
und direktem Alkalieintrag ausgesetzt ist

1) Diese Beispiele gelten für die überwiegende Beanspruchung während der Nutzungsdauer. Abweichende Umgebungsbedingungen während der Bauzeit
oder Nutzung (z. B. Trockenlegung) führen erfahrungsgemäß nicht zu Schäden.
2) Schleusenkammersohlen und Füllsysteme ohne Beanspruchung durch Geschiebefracht unterliegen im Regelfall keiner Betonkorrosion infolge Hydroabrasion.

Holcim Betonpraxis 143


Betonanwendungen
7.2

Wasserbauwerke nach ZTV-W


Abb. 7.2.3  
Anforderungen an Ausgangsstoff Anforderung
die Ausgangsstoffe
Zement Folgende Zemente nach DIN EN 197‑1, DIN EN 197‑4 und DIN 1164‑10 dürfen verwendet werden:
• CEM I
• CEM II/A-S, CEM II/B-S
• CEM II/A-T, CEM II/B-T
• CEM II/A-LL
• CEM II/A-M (S-LL), CEM II/A-M (S-T), CEM II/B-M (S-T), CEM II/A-M (T-LL)
• CEM III/A, CEM III/B
Für massige Bauteile dürfen nur Normalzemente mit niedriger Hydratationswärmeentwicklung
­(LH‑Zemente g ­ emäß DIN EN 197‑1) verwendet werden.

Gesteinskörnungen • Gesteinskörnungen nach DIN EN 12620 sowie leichte Gesteinskörnungen nach DIN EN 13055‑1


mit Konformitätsbescheinigung «2+» 
• Die Verwendung rezyklierter oder industriell hergestellter Gesteinskörnungen ist nicht zulässig.
• Die Unschädlichkeit von Feinanteilen feiner Gesteinskörnungen ist nachzuweisen.
• Nachweis des Frost-Tau-Widerstands bzw. des Frost-Tausalz-Widerstands der Gesteinskörnungen
gemäß DIN EN 206‑1, Anhang U, darf zu keinem Zeitpunkt während der Bauausführung älter als
sechs Monate sein.

Zugabewasser • Zugabewasser muss den Anforderungen der DIN EN 1008 genügen.


• Die Verwendung von anderen Wassern als Trinkwasser, Brunnenwasser oder Restwasser aus
­Wiederaufbereitungsanlagen der Betonherstellung ist nicht zulässig.

Zusatzmittel Folgende Zusatzmittel dürfen verwendet werden:


• Betonverflüssiger (BV)
• Fließmittel (FM)
• Luftporenbildner (LP)
• Verzögerer (VZ)
Die Verwendung anderer Zusatzmittel ist nicht zulässig.

Zusatzstoffe • Flugasche nach DIN EN 450‑1 ist zulässig.


• Flugasche muss über die Dauer der Bauzeit demselben Produktzertifikat (Herkunftsort) entsprechen.
• Ein Wechsel der Flugasche ist mit dem Auftraggeber abzustimmen.
Die Ersatzflugasche ist bei Baubeginn zu b
­ enennen.
• Vor einem Wechsel der Flugasche sind neue Eignungsprüfungen durchzuführen.

Abb. 7.2.4  
Anforderungen Expositionsklassen Anforderungen an den Beton
an den Beton in
Abhängigkeit von
XF3 • Frostwiderstandsklasse der Gesteinskörnungen: F1
Expositionsklassen
• Mindestluftgehalt gemäß DIN EN 206‑1, Tabelle F.2.2
• Frostprüfungen am Festbeton im Rahmen der Eignungsprüfung nach Merkblatt BAW erforderlich

XF4 • Frostprüfungen am Festbeton im Rahmen der Eignungsprüfung nach Merkblatt BAW erforderlich

XD2, XS2, XD3, XS3 Folgende Bindemittel dürfen verwendet werden:


• CEM I- und CEM II-Zemente mit Flugasche, Flugaschegehalt mindestens 20 M.-% von (z+f)
• CEM III/A mit Flugasche, Flugaschegehalt mindestens 10 M.-% von (z+f)
• CEM III/B

XM2 • Rundkorn mit einem quarzitischen Anteil von mindestens 70 %


• Größtkorn max. 16 mm
• w/z ≤ 0,45
• Mindestzementgehalt 270 kg/m3

144 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.2
Wasserbauwerke nach ZTV-W
Abb. 7.2.5  
Ausgangsstoff Anforderung Anforderungen
an die Beton­
Zement • Je Beton darf nur Zement desselben Zementwerks verwendet werden.
zusammensetzung
• Mehrere Zementsorten in einem Beton sind nicht zulässig.
Gesteinskörnung • Stetige Sieblinie zwischen A und B
• Bei massigen Bauteilen: GK mit Dmax ≥ 32 mm
• Bei Dmax > 8 mm mindestens drei getrennte Korngruppen
• Leichtgewichtige organische Verunreinigungen
– Feine Gesteinskörnungen: ≤ 0,25 M.-%
– Grobe Gesteinskörnungen: ≤ 0,05 M.-%
• Kornform von groben gebrochenen Gesteinskörnungen mindestens SI40
• Zertrümmerungswiderstand von Gesteinskörnungen aus gebrochenem Felsgestein mindestens
LA50 oder SZ32
• Kornzusammensetzung von groben Gesteinskörnungen muss eng gestuft sein
• Korngemische dürfen nicht verwendet werden.
• Natürlich zusammengesetzte (nicht aufbereitete) Gesteinskörnung darf nicht verwendet werden.
• Für die Beurteilung und Verwendung von Gesteinskörnungen, die schädliche Mengen an alkali­
löslicher Kieselsäure enthalten oder bei denen diese nicht sicher auszuschließen sind, ist in Ergänzung
zu DAfStb-2 zusätzlich BMVBS-AKR zu beachten.
Zusatzmittel • Es darf je Wirkungsgruppe nur ein Betonzusatzmittel verwendet werden.
• Innerhalb eines Beton dürfen nur Zusatzmittel eines Herstellers eingesetzt werden.
• Gesamtmenge an Zusatzmitteln darf weder die vom Zusatzmittelhersteller empfohlene
­Höchstdosierung, noch 50 g/kg Zement im Beton überschreiten
• Fließmittel der Wirkstoffgruppen Polycarboxylat und Polycarboxylatether dürfen nur mit den
­gleichen Betonausgangsstoffen und nur in den Betontemperaturbereichen, mit denen die Eignungs‑
prüfung durchgeführt wurde, verwendet werden.
• Die Verwendung von Fließmitteln oder Betonver­f lüssigern auf Basis von PCE sowie von Fließmitteln
bzw. Betonverflüssigern, welche nicht eindeutig und nachweislich auf Basis von Lignin-, Melamin-
oder Naphthalinsulfonat hergestellt werden, in Verbin­dung mit Luftporenbildnern, ist nicht zulässig.
• Betonzusatzmittel mit den Wirkstoffgruppen Saccharose und Hydroxycarbonsäure sind nicht erlaubt.
Dies gilt auch für Mischprodukte, die diese Wirkstoffgruppen enthalten.
• Beton der Konsistenzklassen ≥ F4 ist mit verflüssigenden Zusatzmitteln herzustellen, wobei die
­Konsistenz des Ausgangsbetons ≤ F2 sein muss.
• Auf der Baustelle ist eine Nachdosierung mittels Fließmittel zulässig. Nach Einstellung der Konsistenz
mittels Fließmittel auf der Baustelle ist nur eine einmalige Nachdosierung zulässig. Bei Nachdosierung
von Fließmittel darf der Beton nicht so weit angesteift sein, dass die zum Zeitpunkt vor der Erst‑
dosierung gemessene Ist-Konsistenz unterschritten wird. Abb. 7.2.6  
• Verzögerungszeiten über zwölf Stunden sind mit dem Auftraggeber abzustimmen. Anforderungen
an den Beton für
• Die Festlegungen des BAW-Briefes 01/2015 sind zu beachten.
massige Bauteile
(kleinste Bauteil­
abmessung ≥ 0,80 m)

Beton mit Expositionsklassen Beispiel (informativ) ΔTqadiab, 7d 1) max. Bauteil­temperatur fcm,cube 28d 2)
[K] [°C] [N/mm2]
XC1/XC2 Schleusensohle ≤ 28 (33) ≤ 53 ≤ 41
XC1/XC2 + XA1 Schleusensohle in chemisch schwach angreifender
­Umgebung ≤ 31 (36) ≤ 56 ≤ 43
XC1/XC2 + XA1(+XS2) Schleusensohle in chemisch schwach angreifender
­Umgebung und Meerwasserbauwerke ≤ 36 (41) ≤ 61 ≤ 46
XC1…4 + XF3(+XM1) Schleusenkammerwand zwischen UW und OW ≤ 36 (41) ≤ 61 ≤ 46
XC1…4 + XF4 + XS3 + XA2(+XM1) Vertikale Flächen im Wasserwechselbereich von Meerwasser ≤ 40 (45) ≤ 65 ≤ 49
1) BeiFrischbetontemperaturen von < 15°C dürfen die in Klammern gesetzten Werte verwendet werden.
2) Hinsichtlich der Zulässigkeit eines von 28d abweichenden Zeitpunktes für den Nachweis der Festigkeitsklasse siehe Abschnitt 5.5 der DIN EN 206‑1. Allerdings ist auch für einen von 28 Tagen

abweichenden Zeitpunkt des Nachweises der Festigkeitsklasse die Einhaltung von fcm,cube,28d nachzuweisen.

Holcim Betonpraxis 145


Betonanwendungen
7.3

Sichtbeton
3. 7

Allgemein
An Oberflächen aus Sichtbeton werden besondere Die Ansichtsfläche wird beeinflusst von:
­Anforderungen hinsichtlich Farbe, Gestaltung, ­Ebenheit ••Art und Material der Schalung
und Maßgenauigkeit gestellt. Grundsätzlich kann man ••Einsatzhäufigkeit und Reinigungszustand der
­zwischen Oberflächen unterscheiden, bei denen die Schalung
Schalhaut als Gestaltungselement genutzt wird, und ••Dichtigkeit der Schalung
solchen, die durch eine nachträgliche Oberflächen­ ••Anordnung der Bindestellen
bearbeitung gestaltet werden. In beiden Fällen können ••Steifigkeit des Schalungssystems
zudem Farbpigmente zum Einfärben des Betons als ge‑ ••Menge und Art des Trennmittels
stalterisches Merkmal eingesetzt werden. ••Betonzusammensetzung und -herstellung
••Einbau und Verdichten des Betons
Abb. 7.3.1  
Beispiel für einen ••Witterung bei Herstellung und Nachbehandlung
eingefärbten
gestalteten Beton

Betonausgangsstoffe und
Betonzusammensetzung

Zement
Für die Herstellung von Sichtbeton sind alle Zemente
nach DIN EN 197‑1 geeignet. Da die Farbe der Beton‑
oberfläche insbesondere von der Farbe des Zements
beeinflusst wird, dürfen während der Ausführung eines
­Sichtbetonobjekts weder die Zementsorte noch das
Lieferwerk gewechselt werden.
••Portlandzement (z. B. Holcim-Pur) ergibt Betonflächen
mit einem typischen Grauton.
••Hochofenzement (z. B. Holcim Duo oder Holcim Aqua)
führt wegen des Hüttensandgehalts zu deutlich helle­
ren Oberflächen als Portlandzement. Die häufig im
Sichtbeton ist kein Beton, der fertig gemischt geliefert frisch ausgeschalten Zustand zu beobachtende typische
und eingebaut werden kann. Hierbei handelt es sich bläuliche Verfärbung verschwindet nach kurzer Zeit
vielmehr um eine Gesamtleistung aus einem auf das vollständig (siehe Kap. 1.1 «Zemente»).
Bauvorhaben abgestimmten Beton, einer fachgerechten
Planung und einer fachmännischen Bauausführung. Bei Zugabewasser und w/z-Wert
ästhetisch anspruchsvollen Objekten ist die optimale Jedes Wasser aus öffentlichen Trinkwasserversorgungen
Abstimmung aller Beteiligten untereinander unbedingt ist zur Herstellung von Sichtbeton geeignet. Restwasser
erforderlich. ist wegen des möglichen Einflusses auf die Farbe und
andere Betoneigenschaften nicht zu verwenden.
Es bestehen keine verbindlichen Vorschriften zur
­Planung, zur Betonzusammensetzung, zur Bauaus‑ Um einen gleichmäßigen Farbton sicherzustellen, ist ein
führung oder zur Beurteilung von Sichtbetonflächen. Hier möglichst gleichmäßiger w/z-Wert erforderlich. Daraus
ist stattdessen das Merkblatt Sichtbeton des Deutschen ergibt sich ein besonderes Augenmerk auf die Eigen‑
Beton- und Bautechnikvereines e. V. zu nennen. Es besitzt feuchte der Gesteinskörnung, die bei der Berechnung des
zwar keinen Normen- oder Richtliniencharakter, stellt Zugabewassers berücksichtigt wird. Der Wasserzement‑
aber eine gute Grundlage für Planer, Ausführende und wert ist bei jeder Mischung genau einzuhalten, da eine
Bauherren dar. Mit dem Merkblatt wird die Möglichkeit Abweichung von ± 0,02 schon erkennbare Farbunter‑
eröffnet, Sichtbetonflächen präzise zu planen, auszu‑ schiede bei glatten Sichtbetonoberflächen bewirkt.
führen und letztendlich zu beurteilen. Es kann in den
Bauvertrag eingebunden werden.

146 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.3
Sichtbeton
Gesteinskörnung
Sichtbeton im Freien muss frost- und witterungs‑
beständig sein. Dies bedeutet für die Gesteinskörnung,
dass sie fest und frostbeständig sein muss. Zudem beein‑
flusst sie, insbesondere der Sand, die Betoneigenschaften
wie beispielsweise Wasserrückhaltevermögen oder
Verarbeitbarkeit sehr deutlich, so dass es während der
Ausführung eines Objekts keinen Wechsel der Herkunft
geben sollte.

Die Farbe von Sichtbetonflächen wird nicht nur vom


Zement, sondern auch von der Farbe des Feinkorn‑
anteils der Gesteinskörnung geprägt. Bei oberflächen‑
bearbeiteten Flächen, die die Gesteinskörnung sichtbar
machen, gilt dies auch für das Grobkorn.
Abb. 7.3.2  –  7.3.4
phæno,
Betonzusatzstoffe und -mittel Science Center, 
Als Zusatzstoffe von Sichtbeton werden hauptsächlich Wolfsburg

Kalksteinmehl, Steinkohlenflugasche sowie Farbpigmente Architekten: 
zur Einfärbung der Betonoberfläche verwendet. Da Zaha Mohammad 
Pigmente eine hohe spezifische Oberfläche aufweisen, Hadid, London
können sie unter Umständen den Wasseranspruch signi‑
fikant erhöhen.

Es hat sich als empfehlenswert erwiesen, den Mehlkorn‑


gehalt (Zement + Betonzusatzstoffe + Feinstanteil der
Gesteinskörnung) von Sichtbeton bei einem Größtkorn
von 32 mm nicht unter 350 kg/m3 anzusetzen.

Betonverflüssiger und Fließmittel bewirken bei unver­


ändertem w/z-Wert eine weichere Konsistenz und
damit eine bessere Verarbeitbarkeit des Betons. Bei
gleichbleibender Konsistenz besteht die Möglichkeit zur
Senkung des Wasserzementwerts und damit zur Ver‑
besserung vieler Betoneigenschaften wie beispielsweise
Erhöhung der Dichtigkeit (siehe Seite 36, Abb. 1.4.2
«Auswirkungen von Fließmitteln»). Zusatzmittel haben
einen nur indirekten Einfluss auf die Farbe der Beton‑
oberfläche. Durch die mögliche Reduktion des Wasser‑
gehaltes ergeben sich in der Regel dunklere Oberflächen.

Abb. 7.3.5  
DWI Astra-Turm
Hamburg

Architekten:
KSP Engel und
Zimmermann,
Braunschweig

Holcim Betonpraxis 147


Betonanwendungen
7.3

Sichtbeton
Bauausführung und Nachbehandlung Bei mehreren Etappen von Sichtbetonbauteilen ist darauf
Um Qualitätseinbußen u. a. durch Entmischungen, zu achten, dass die jeweilige Verweildauer des Betons
Farbtonunterschiede oder vorzeitiges Abbinden zu ver‑ in der Schalung konstant gehalten wird. Im Weiteren
meiden, hat sich das Einhalten insbesondere folgender sollte das Ausschalen eines Bauteils ohne Unterbrechung
Erfahrungswerte bewährt: erfolgen und die einmal ausgeschalten Flächen frei‑
gehalten werden (kein Anlehnen von Schalungen), um
••Mindestmischzeit von 60 Sekunden eine Fleckenbildung zu vermeiden.
••präzise Abstimmung von Betonherstellung, Transport‑
zeiten und Einbaugeschwindigkeit Bei Sichtbeton muss der Nachbehandlung besondere
••Durchmischen des Betons zum Homogenisieren vor Aufmerksamkeit geschenkt werden. ­Grundsätzlich gelten
dem Entladen (mindestens zwei Minuten pro Fahr‑ die allgemeinen Vorgaben zur ­Nachbehandlung gemäß
mischer) DIN 1045‑3.
••keine nachträgliche Wasserzugabe auf der Baustelle
••möglichst gleiche Frischbetontemperatur bei allen Zement braucht zur vollständigen Hydratation Wasser.
Lieferchargen. Wasser auf jungen Betonflächen verursacht jedoch eine
Verfärbung durch Umwandlung des Kalziumhydroxids
Das fachmännische Einbringen des Betons in die in Kalziumkarbonat. Dieses unlösliche Kalziumkarbonat
Schalung ist eine wichtige Voraussetzung für das nennt man auch Ausblühungen bzw. Aussinterungen
Erreichen einer hohen Sichtbetonqualität. Die (­siehe Kap. 10.2 «Optische Beeinträchtigungen von Beton‑
­Fallhöhe ist gegenüber üblichen Normalbetonen zu oberflächen»). Da derartige Verfärbungen auf Sichtbeton
halbieren (< 70 cm). Beim Einbau des Betons in mehreren unerwünscht sind, muss um die Sichtbetonflächen herum
Schichten ist darauf zu achten, dass die Vibriernadel ein Feuchtraum geschaffen werden, in dem sich weder
etwa 10 bis 15 cm tief in die bereits verdichtete Schicht Luft bewegen, noch Wasser ansammeln kann.
eingetaucht wird, damit eine ausreichende Durch‑
Abb. 7.3.6  
dringung der beiden Schichten gewährleistet ist und ein Ein sogenannter Feuchtraum entsteht nach dem Aus‑
Dokumentations- Abzeichnen der einzelnen Lagen auf der Betonoberfläche schalen durch Vorhängen einer Folie in einem gewissen
und Informations­ infolge farblicher Unterschiede vermieden wird. Abstand von der Betonfläche oder einem direkt auf die
zentrum der
Betonfläche aufgebrachten Geotextil. Beim Vorhängen
Gedenkstätte
Bergen-Belsen einer Folie muss darauf geachtet werden, dass die Folie
 den Beton nicht berührt und zwischen der Folie und dem
Architekten:
Beton zudem keine Kaminwirkung entsteht.
KSP Engel und
Zimmermann,
Braunschweig Der Einfluss des Wetters bei der Herstellung des
Sichtbetons ist allgemein größer, als üblicherweise
angenommen wird. Die Hydratation des Zements ist
ein chemischer Vorgang, der bei hohen Temperaturen
schneller, bei niedrigen langsamer verläuft. Der
Hydratationsgrad ist andererseits aber auch abhängig
von der zur Verfügung stehenden Feuchtigkeit.

Eine Sichtbetonfläche bekommt daher bei kühler


Witterung und starker Verdunstung eine andere Farbe
als bei warmem, feuchtem Wetter. Da feuchtes Wetter
jedoch auch einen Einfluss auf den Feuchtigkeitsgehalt
der Schalhaut hat, macht sich dieser Einfluss in Farb‑
unterschieden auf der Betonoberfläche bemerkbar. Es ist
daher keinesfalls gleichgültig, welche Wetterverhältnisse
bei der Sichtbetonherstellung herrschen.

Sichtbetonwände sollten nicht vor oder bei stärkeren


Niederschlägen entschalt und nicht unmittelbar nach
dem Ausschalen mit Wasser besprüht werden.

148 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.3
Sichtbeton
Abb. 7.3.7  
Dokumentations-
und Informations­
zentrum der
Gedenkstätte
Bergen-Belsen

Architekten:
KSP Engel und
Zimmermann,
Braunschweig

Abb. 7.3.8  
Eingefärbter und
farblos lasierter
Sichtbeton

Abb. 7.3.9  
Japangarten des
Kunstmuseums
Wolfsburg

Architekten:
Prof. Kazuhisa
­Kawamura, Mainz

Holcim Betonpraxis 149


Betonanwendungen
7.3

Sichtbeton

Sichtbeton­ Beispiel Anforderungen an geschalte Sichtbetonflächen  Weitere


klasse nach Klassen bezüglich ­Anforderungen
Textur Porigkeit Farbtongleich­
mäßigkeit Arbeits-/
Schal-­ Erpro­ Schal­
Eben­ haut­ bungs­ haut­
s 1) ns 2) s 1) ns 2) heit fugen fläche klasse
SB1 Betonflächen mit
geringen gestalterischen
geringe

Anforderungen, z. B.:
T1 P1 FT1 FT1 E1 AF1 freigestellt SHK1
Kellerwände oder Bereiche
mit vorwiegend gewerbl.
Nutzung
Anforderungen an Sichtbeton

SB2 Betonflächen mit


­normalen gestalterischen
normale

Anforderungen, z. B.: T2 P2 P1 FT2 FT2 E1 AF2 emp­fohlen SHK2


Treppenhausräume,
­Stützwände
SB3 Betonflächen mit
hohen gestalterischen dringend
T2 P3 P2 FT2 FT2 E2 AF3 SHK2
­Anforde­rungen, z. B.: emp­fohlen
besondere

Fassaden im Hochbau
SB4 Betonflächen mit
­besonders hoher
Abb. 7.3.10   ­gestalterischer Bedeutung, T3 P4 P3 FT3 FT2 E3 AF4 erfor­derlich SHK3
Anforderungen an repräsentative Bauteile
Sichtbetonklassen. 
im Hochbau
Die Kosten
1) saugende Schalhaut
wachsen mit den
2) nicht saugende Schalhaut
Anforderungen

Abb. 7.3.11   Abb. 7.3.12  
Sichtbeton in Wohnbauten Bürotrakt der Holcim Süddeutschland

150 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.3
Sichtbeton
Die Qualität der Betonoberflächen, insbesondere die Die Wahl der Schalung erfolgt in der Regel durch das
Lunker­bildung, wird im Wesentlichen von zwei Para­ ­ausführende Bauunternehmen nach den folgenden
metern beeinflusst: Kriterien:
••Schalungshaut ••Bauobjekt/Bauteil
••Trennmittelauftragsmenge ••angestrebte Qualität der Betonoberfläche
••Anzahl der möglichen Wiederverwendungen
••Aufwand für die Erstellung
Wahl der Schalungen ••Einbring- und Verdichtungsart des Betons
Die Schalungen spielen eine wichtige Rolle für das Gelin­ ••Wärmeisolationsvermögen
gen eines Bauwerks. Sie verleihen der Betonoberfläche ••Preis
Form, Struktur und Farbe und geben dem Beton die maß‑
gerechte Form. Oft wird den Schalungen nicht die nötige
Beachtung ge­schenkt.

Abb. 7.3.13  
Versuche mit
unterschiedlichen
Schalungstypen,
Schalung und
Resultat.
Die eingetragenen
Nummern
beziehen sich auf
Abb. 7.3.14

7 1 8 2 10 7 1 7
lackiert unlackiert

Holcim Betonpraxis 151


Betonanwendungen
7.3

Sichtbeton
Hinsichtlich des Saugverhaltens sind folgende grundsätz‑ Weitere Anforderungen an die Schalung betreffen
liche Unterschiede zu beachten: ••Maßgenauigkeit
••Saugende Schalhaut ermöglicht den Entzug von Luft ••Dichtigkeit
und/oder Überschusswasser aus der Betonrandzone ••Steifigkeit, keine Deformationen
und fördert die Herstellung von Ober­flächen mit ••Sauberkeit
wenigen Poren sowie einem relativ gleichmäßigen ••geringe Haftung am erhärteten Beton
Farbton. ••gefällige Oberflächenstruktur.
••Nicht saugende Schalhaut ermöglicht die Herstel­lung
nahezu glatter Oberflächen. Sie begünstigt aber auch
das Entstehen von Poren, Marmo­rie­run­gen, Wol­ken­
bildungen und Farbtonunterschieden (Abb. 7.3.13 und
Abb. 7.3.14).

Abb. 7.3.14  
Mögliche Einflüsse  Art bzw. Eigenschaften der Schalhaut Merkmale der Betonoberfläche Mögliche Auswirkungen
der Schalhaut 
auf Ansichts­ Saugend
flächen
1 Bretter, sägerau Raue Brettstruktur Einzelne Holzfasern in der Betonober‑
(hohes Saug­vermögen), fläche, Absanden unter Holzzuckerein‑
dunkel fluss, wenige Poren

2 Bretter, gehobelt Glatte Brettstruktur Absanden unter Holzzuckereinfluss,


(geringes Saugvermögen), stärkere Porenbildung als bei 1
deutlich heller als 1

3 Spanplatten, Leicht rau, dunkel Starke Farbunterschiede (fleckig),


unbeschichtet wenige Poren

4 Dränvlies/Faservlies Siebdruckstruktur, Gefahr der Faltenbildung,


dunkler als 3 fast keine Poren

Schwach saugend

5 Dreischichtenplatten, Bei den ersten Einsätzen dunkel, Poren (gehen mit zunehmender
oberflächenvergütet, bei weiteren Einsätzen heller Einsatzhäufigkeit zurück)
Holzstruktur, die sich
durch Strahlen verstärkt

6 Schalrohre aus Pappe Glatt, hell Kein Trennmittel erforderlich, nur für
Stützen geeignet, sehr wenige Poren

Nicht bzw. sehr schwach saugend

7 Schaltafeln, Glatt, hell Farbtonunterschiede, Wolkenbildung,


oberflächenbehandelt, Marmorierung, verstärkte Poren­
glatt oder nicht glatt bildung

8 Finnenplatten, Siebdruckrasterstruktur, Weniger ausgeprägte Auswirkungen


kunstharzbeschichtet etwas dunkler als 7 als bei 7

9 Stahlblech Glatt, hell Wie 7, unter Umständen Rostflecken

10 Matrizen, filmbeschichtet Je nach Matrize glatt Starker Einfluss von Undichtigkeiten


bis stark strukturiert, hell an Fugen, verstärkte Porenbildung

11 Schalrohre aus Metall Glatt, hell Wie 7, verstärkte Marmorierung


oder Kunststoff

152 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.3
Sichtbeton
Trennmittel Weitere Parameter
Trennmittel werden verwendet, um die Schalungs­ Bezüglich der Qualität der Betonoberfläche werden in
elemente einwandfrei von der Betonoberfläche lösen der Praxis immer wieder die folgenden Einfluss­fakto­ren
zu können und gleichzeitig das Schalungsmaterial zu genannt:
schützen und zu konservieren. Sie sind dünn, mit hohem ••Größtkorn
konstantem Druck (Vernebelung), gleichmäßig sowie ••Schalungsbelag
grundsätzlich vor dem Einbau der Bewehrung aufzu­ ••Trennmittelart
tragen. Überschüssiges Trennmittel ist mit einem Lappen ••Zusatzmittel
abzuwischen. ••Zusatzstoff
••Zementart
Trennmittel können bei Überdosierungen zu Flecken­
bildung sowie zur Abmehlung oder Absandung der
Betonoberflächen führen.

Fleckenbildung sowie unterschiedliche Grautönungen


auf Betonoberflächen sind häufig auf unsachgemäßes
­Auftragen des Trennmittels zu­rück­zuführen (Abb. 7.3.15).

Wirkungsweise der Trennmittel


Hydrophobe (wasserabweisende) Trennmittel verhindern Abb. 7.3.15  
eine frühzeitige Zementleimhaftung auf den Schalungs‑ Flecken durch
Trennmittel­
oberflächen. Damit ermöglichen sie, dass beim Ver‑ überdosierung
dichtungsprozess Luftblasen an die Schalhaut gelangen.

Hydrophile (wasseranziehende) Trennmittel begünstigen


die Zementleimhaftung auf den Schalungs­ober­flächen
und verhindern damit, dass die Luftblasen beim Ver‑
dichtungsprozess an die Schalhaut gelangen können.

Holcim Betonpraxis 153


Betonanwendungen
7.4

Beton für Industrieböden


4. 7

Industrieböden aus Beton werden vielfältig beansprucht. Planung und Vorbereitung


Für die dauerhafte Funktionalität eines Industriebodens Wichtiger Teil der Planung ist die vollständige Erfassung
müssen alle Anforderungen berücksichtigt werden. Diese der wirkenden Beanspruchungen sowie die Berück‑
ergeben sich aus der geplanten Nutzung sowie aus der sichtigung der Nutzungseigenschaften, die sich aus dem
Lage des Industriebodens. Beispielsweise sind die Anfor­ späteren Gebrauch des Industriebodens ergeben.
derungen an einen Industrieboden in einer Produktions‑
halle andere als für einen Boden im Freien, der als Lager- Auf dieser Grundlage ist eine geeignete Konstruktion
und Ladefläche für Schüttgüter genutzt werden soll. inklusive Fugenplan zu erstellen sowie die benötigte
Betonqualität zu wählen. Zur reibungslosen und
Wesentlich für alle Industrieböden ist, dass sie im Grunde qualitätsgerechten Ausführung muss ein detailliertes
aus drei Teilen bestehen: einem gleichmäßigen und Betonierkonzept erstellt werden. In diesem Zusammen‑
verdichteten Untergrund, einer Tragschicht aus Kies, hang sind insbesondere die Einbauleistung, die Ober­
Schotter oder einer Bodenverfestigung sowie einer ab‑ flächenbearbeitung, die Zwischennachbehandlung und
schließenden Betonplatte mit bearbeiteter Oberfläche. die Nachbehandlung zu berücksichtigen. Alle geforderten
In diesem Kapitel wird ausschließlich die Planung und Betoneigenschaften sollten mit dem zuständigen Beton‑
Ausführung der Betonplatte betrachtet und zusammen‑ technologen abgestimmt werden.
fassend als Industrieboden bezeichnet.

Ein Industrieboden ist kein Bauteil im Sinne der DIN 1045, Betoneigenschaften


wenn er auf einer durchgehenden Tragschicht a ­ ufliegt Ein Beton für Industrieböden sollte über einen aus‑
und keine anderen Bauteile trägt und diese auch nicht reichenden Mehlkorngehalt 0/0,125 mm zwischen
aussteift. Dies ist der Regelfall. Gleichwohl ist es empfeh­ 360 kg/m3 und 370 kg/m3 verfügen. Der äquivalente
lenswert, das Normenwerk sinngemäß ­anzuwenden. Wasserzementwert sollte zwischen 0,47 und 0,53 liegen.

Beschreibung der Exposi­ Mindest­ Beton­


Einflussgrößen für Industrieböden
Umgebungs­bedingung tions­ druckfestig- deckung cnom
klassen keitsklasse [mm]
Belastung
(d ≤ 20 mm)
••punktförmig wirkende Lasten
••flächig wirkende Lasten Halle, geschlossen, X0 C8/10 –
••dynamische Belastungen kein Frost (nicht
maßgebend)
Physikalische Beanspruchungen
unbewehrt

••Temperaturdifferenzen im Freien, überdacht, XF1 C25/30 –


••Austrocknung Frost, kein Taumittel
••schleifende, rollende, stoßende Beanspruchung
Freifläche, XF4 C30/37 LP –
Chemische Beanspruchung direkt bewittert,
••Säuren, Sulfate, Laugen Frost-Taumittel
••Öle, Fette
Halle, geschlossen, XC1, C16/20 35
Besondere Eigenschaften kein Frost, bewehrt XC2 (nicht
••Wärmeleitwiderstand maßgebend)
••Flüssigkeitsdichtheit
im Freien, überdacht, XC3, C25/30 35
bewehrt

••elektrische Ableitfähigkeit
Frost, kein Taumittel, XF1
••Feuerwiderstand
bewehrt
Nutzungseigenschaften
Freifläche, XC4, C30/37 LP 55
••Nutzungsbeginn
direkt bewittert, XD3,
••Ebenheit
Frost-Taumittel, XF4
••Rutschsicherheit
­bewehrt
••Staubfreiheit
••Reinigungsfähigkeit
Abb. 7.4.1  
••Instandsetzungsfähigkeit
Dauerhaftigkeitsfestlegungen allein aufgrund der
••Dauerhaftigkeit ­Umgebungsbedingungen gemäß Zement-Merkblatt T1:
­Industrieböden aus Beton (2006-01)

154 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.4
Beton für Industrieböden
Es ist zu beachten, dass bei einem Wasserzementwert
von unter 0,45 eine Hartstoffeinstreuung nicht zielsicher
ausführbar ist. Aufgrund des niedrigen Wassergehaltes
kann der zusätzlich aufgebrachte Zementanteil nicht aus‑
reichend mit Wasser benetzt werden. Ein nachträgliches
Aufsprühen von Wasser ist unzulässig. Das Aufbringen
eines Industrieestrichs oder aber die Ausführung einer
Hartstoffschicht mit nachträglichem Verbund ist in
jedem Fall vorzuziehen.

Kombinationen von Luftporenbetonen und frisch auf‑


gebrachten Hartstoffeinstreuungen bzw. Hartstoff‑ Abb. 7.4.2  
schichten sollten wegen möglicher Verbundstörungen Prüfung der
zwischen Beton und Hartstoffschicht vermieden werden. Frischbeton­
eigenschaften
Weiterhin kann es aufgrund des Flügelglättens zu einer
Zerstörung des Luftporensystems in der obersten Schicht
kommen. Daher ist die Kombination der Expositions­
klasse XF4 und XM3 technisch nicht ausführbar.

Zur Herstellung qualitativ hochwertiger Industrieböden


sollte eine Einbaukonsistenz im Bereich F3/F4 angestrebt
werden.

Klassen­ Beschreibung  Beispiele  Mindestdruckfestigkeit Anforderungen 


bezeich­nung der ­Umgebung für die Zuordnung von  min fck an die Betonzusammensetzung
Expositionsklassen 
(informativ)
XM1 1) mäßige tragende oder ­aussteifende C30/37 C30/37:
Verschleiß­ ­Industrieböden mit Beanspruchung max w/z 0,55
beanspruchung durch luftbereifte F­ ahrzeuge C25/30 LP möglich, min z 300 kg/m3
wenn gleichzeitig XF max z 360 kg/m3
Mehlkorn ≤ 450 kg/m3 (bei max z)
XM2 1) starke tragende oder aussteifende C35/45  C30/37: + Oberflächenbehandlung
Verschleiß­ Industrieböden mit Beanspruchung max w/z 0,55
beanspruchung durch luft- oder vollgummibereifte C30/37 LP möglich, min z 300 kg/m3
­Gabelstapler wenn gleichzeitig XF max z 360 kg/m3

C30/37 möglich, C35/45:


wenn Oberflächen­behandlung max w/z 0,45
min z 320 kg/m3
max z 360 kg/m3
Mehlkorn ≤ 450 kg/m3 (bei max z)
XM3 1) sehr starke tragende oder aussteifende C35/45 C35/45: + Hartstoffe
Verschleiß­ ­Industrieböden mit Beanspruchung Hartstoffe nach DIN 1100 max w/z 0,45
beanspruchung durch elastomer- oder min z 320 kg/m3
­stahlrollenbereifte Gabelstapler, C30/37 LP möglich, max z 360 kg/m3
mit Kettenfahrzeugen häufig wenn gleichzeitig XF Mehlkorn ≤ 450 kg/m3 (bei max z)
befahrene ­Oberflächen Hartstoffe nach DIN 1100
1) Anforderungen an Gesteinskörnungen nach DIN Fachbericht 100, Kapitel 5.5.5: mäßig raue Oberfläche, gedrungene Gestalt, Korngemisch möglichst grobkörnig

Abb. 7.4.3  
Verschleißklassen nach DIN EN 206‑1/DIN 1045 für tragende 
und aussteifende Industrieböden gemäß Zement-Merkblatt T1: 
­Industrieböden aus Beton (2006‑1)

Holcim Betonpraxis 155


Betonanwendungen
7.4

Beton für Industrieböden


Stahlfaserbeton Betoneinbau
Die Verwendung von Stahlfaserbeton bietet im ­Bereich Das Betonieren sollte bei Temperaturen zwischen
der Industrieböden eine Reihe von Vorteilen. Stahl‑ 5°C und 30°C erfolgen. Bei niedrigeren oder höheren
faserbeton besitzt eine erhöhte Schlagzähigkeit, ein Temperaturen sind weitere Maßnahmen – wie das
verbessertes Dauerschwingverhalten sowie einen er‑ Wärmen oder Kühlen des Frischbetons sowie eine
höhten Verschleißwiderstand. Weiterhin sind Bauteile ­besondere Nachbehandlung – erforderlich. Idealerweise
aus Stahlfaserbeton bis in die Randzone bewehrt. Zum ist der Industrie­boden in die vorher erstellte, bereits
einen schützt dies Bauteilkanten und -ecken – z. B. an den ­geschlossene Halle einzubauen.
Fugen­flanken – vor Beschädigungen durch Schlag. Zum
anderen führt die positive Beeinflussung der Riss­neigung Der Beton wird entweder in Streifen bzw. Feldern
in der Randzone zu einem dichteren Betongefüge. ­zwischen Seitenschalungen oder großflächig mit Hilfe
Dadurch kann die Dauerhaftigkeit des Industriebodens von Lehren oder Spezialgeräten eingebaut.
gesteigert werden. Eigenschaftsorientierter Stahlfaser‑
beton nach Leistungsklassen kann – ohne oder auch in Richtwerte für durchschnittliche Einbauleistungen gibt
Kombination mit schlaffer Bewehrung – rechnerisch Abb. 7.4.5.
zur Rissbreitenbeschränkung angesetzt werden. Auch
ein Nachweis der Tragfähigkeit ist möglich. Wie für
Plattenstärke Einbauleistung
alle Stahlfaserbeton­anwendungen wird eine statische
­Bemessung des Bauteiles dringend empfohlen. 20 cm 35 m3/Stunde
Abb. 7.4.4  
Stahlfaserbeton für 25 cm 40 m3/Stunde
Industrieböden
30 cm 50 m3/Stunde

Abb. 7.4.5  
Richtwerte für durchschnittliche Einbauleistungen

Bei Fließmitteldosierungen in den Fahrmischer auf der


Baustelle ist auf eine ausreichend lange Mischzeit zu
achten. Diese sollte je Kubikmeter Beton eine Minute,
mindestens jedoch fünf Minuten, betragen.

Fließmittel auf Polycarboxylatether-Basis werden bereits


im Transportbeton dosiert und optimal untergemischt.
Eine nachträgliche planmäßige Fließmittelzugabe auf der
Baustelle entfällt.

Der Einsatz eines geeigneten Zusatzmittels sollte im


Vorfeld mit dem Einbauunternehmen/Bauherren ab‑
gesprochen werden.

Der Betoneinbau sollte kontinuierlich erfolgen. Lange


Transport- und Liegezeiten des Betons sind zu ver‑
meiden. Der Beton muss zügig entladen, verarbeitet
und verdichtet werden. Bei unterschiedlich raschem
Betonierfortschritt kommt es in der Regel zu Problemen
bei der anschließenden Oberflächenbearbeitung, da der
optimale Zeitpunkt des Abscheibens und Glättens nicht
eindeutig gewählt werden kann. Das Betonlieferwerk ist
über lange Standzeiten oder sonstige Verzögerungen um‑
gehend zu informieren.

156 Holcim Betonpraxis


Betonanwendungen

7.4
Beton für Industrieböden
Oberflächenbearbeitung
Zur nachträglichen Oberflächenbearbeitung wird in der
Regel das Tellern sowie das anschließende Flügelglätten
der Betonoberfläche durchgeführt.

Zwischen Betoneinbau und Glättbeginn sind Maßnah­


men gegen das vorzeitige Austrocknen der Betonober‑
fläche zu ergreifen. Es empfiehlt sich das Auflegen einer
PE-Folie oder das Auftragen eines Zwischennachbehand­
lungsmittels. Das Besprühen der Oberfläche mit Wasser
ist nicht zulässig.

Der Glättbeginn muss in Abhängigkeit der Witterungs‑


verhältnisse festgelegt werden. Wird ein Fließmittel
auf Polycarboxylatether-Basis verwendet, kann sich der
Glättbeginn verzögern. Eine enge Abstimmung zwischen
bauausführender Firma sowie dem Betonlieferanten wird
empfohlen.

Bei Hartstoffeinstreuungen und frisch in frisch ein‑


gebauten Hartstoffschichten sind nach dem Aufbringen
mit dem Tellerglätter und anschließend mit dem Flügel‑
glätter einzuarbeiten. Die üblichen Hartstoffmengen
liegen zwischen 3 kg/m2 und 5 kg/m2. In jedem Fall sind
die Angaben des Hartstoffherstellers zu befolgen.

Durch das Tellern wird der Hartstoff in den Beton ein‑


gearbeitet und in einem ersten Schritt geglättet. Größere
Unebenheiten können jedoch nicht ausgeglichen werden.
Das folgende Flügelglätten muss solange durchgeführt
werden, bis eine kellenglatte Oberfläche entsteht. Ein
Aufbringen von Wasser während der Arbeiten beein‑
trächtigt die Oberflächenqualität und darf daher nicht
erfolgen.
Abb. 7.4.6  – 7.4.7 
Oberflächenbearbeitung eines Industriebodens durch Flügelglätten
Nachbehandlung
Die Nachbehandlung hat unmittelbar nach Abschluss des
Verdichtens oder der Oberflächenbearbeitung zu erfol­
gen. Die Mindestdauer ist Kap. 5.2 «Nachbehandlung»
Abb. 5.2.9 zu entnehmen.

Die Nachbehandlungsverfahren müssen sicherstellen,


dass ein übermäßiges Verdunsten von Wasser über die
Betonoberfläche verhindert wird.

Durch die Nachbehandlung sollen das F­ rühschwinden


gering gehalten, eine ausreichende Festigkeit und
Dauerhaftigkeit der Betonrandzone sichergestellt, das
­Gefrie­ren verhindert und schädliche Erschütterungen,
Stoß oder Beschädigung vermieden werden.
Für Betonflächen, die einem Verschleiß entsprechend den
Expositions­klassen XM ausgesetzt sind, sind die Werte
für die Mindest­dauer der Nachbehandlung ohne genauen Abb. 7.4.8  
Nachweis zu verdoppeln. Nachbehandlung durch Abdecken mit einer Folie

Holcim Betonpraxis 157


Betonanwendungen
7.5

Beton für massige Bauteile


5. 7

Als massige Bauteile aus Beton bezeichnet man ­Bauteile, Betontechnologische Maßnahmen zur Reduzierung der
deren kleinste Abmessung mehr als 0,80 m beträgt. Wärmeentwicklung im Beton:
­Aufgrund der großen Abmessungen müssen Maßnahmen
getroffen werden, die die Temperaturdifferenz zwischen ••Verwendung von Zementen mit niedriger
der Bauteilrandzone und dem Bauteilkern nicht zu groß Hydratationswärme (LH, VLH)
werden lassen. Zur Vermeidung von zu hohen Zwangs- ••Einsatz von latent-hydraulischen oder puzzolanischen
und Eigenspannungen und einer damit verbundenen Zusatzstoffen (Flugasche)
Rissgefahr sollte diese Temperaturdifferenz nicht größer