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Dr.

Till Kreutzer

Open Content –
Ein Praxisleitfaden zur
Nutzung von Creative-
Commons -Lizenzen
Impressum Weder die Deutsche UNESCO-Kommission, das
„Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-
Creative-Commons-Lizenzen“ Westfalen noch Wikimedia Deutschland sind für die
Dr. Till Kreutzer Nachnutzung der vorliegenden Informationen ver-
antwortlich. Die Ansichten, die in dieser Publikation
Herausgeber: vertreten werden, geben ausschließlich die Meinung des
Autors wieder und spiegeln nicht notwendigerweise die
Deutsche UNESCO-Kommission e. V. Ansichten der Deutschen UNESCO-Kommission, des
Colmantstraße 15 Hochschulbibliothekszentrums des Landes Nordrhein-
53115 Bonn Westfalen oder von Wikimedia Deutschland wider.
sekretariat@unesco.de
www.unesco.de Lizenzhinweise

Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein- Heißluftballon


Westfalen (hbz) Benh LIEU SONG (http://commons.wikimedia.org/wiki/
Jülicher Straße 6 File: Cappadocia_Balloon_Inflating_Wikimedia_
50674 Köln Commons.jpg), „Cappadocia Balloon Inflating Wikimedia
info-hbz@hbz-nrw.de Commons“, zugeschnitten von Markus Büsges, http://
www.hbz-nrw.de creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Wikimedia Deutschland – Sankt Petersburger Moschee


Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e. V. Canes (http://commons.wikimedia.org/wiki/File: Мечеть_
Tempelhofer Ufer 23-24 Санкт-Петербурга._Майолика_портала.jpg), „Мечеть
10963 Berlin Санкт-Петербурга. Майолика портала“, zugeschnitten von
info@wikimedia.de Markus Büsges, http://creativecommons.org/licenses/
www.wikimedia.de by-sa/3.0/legalcode

Redaktion und Koordination: Planetarium Galileo Galilei


Sarah Kraus (Deutsche UNESCO-Kommission e. V.), Emmanuel Iarussi (http://commons.wikimedia.org/wiki/
Andreas Salz (Deutsche UNESCO-Kommission e. V.), File:Planetario_de_la_Ciudad_de_Buenos_Aires.jpg),
Jan Neumann (Hochschulbibliothekszentrum des Landes „Planetario de la Ciudad de Buenos Aires“, zugeschnit-
Nordrhein-Westfalen (hbz)) ten von Markus Büsges, http://creativecommons.org/
Katja Ullrich (Wikimedia Deutschland e. V.) licenses/by-sa/3.0/legalcode

2. Auflage, 2016 Eisblume


ISBN: 978-3-940785-78-7 Annick MONNIER (http://commons.wikimedia.org/wiki/
File:Fleur_de_givre_L.jpg), „Fleur de givre L“, zugeschnit-
Layout und Satz: ten von Markus Büsges, http://creativecommons.org/
Markus Büsges, leomaria designbüro licenses/by-sa/3.0/legalcode
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/
legalcode Freundschaftspflanze
Poco a poco (http://commons.wikimedia.org/wiki/
Der Text dieser Publikation wird unter der Lizenz Creative File:Pilea_involucrata,_Jardín_Botánico,_Múnich,_
Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY Alemania_2012-04-21,_DD_02.jpg), „Pilea involuc-
4.0) veröffentlicht. Den vollständigen Lizenztext finden rata, Jardín Botánico, Múnich, Alemania 2012-04-21,
Sie unter: https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ DD 02“, zugeschnitten von Markus Büsges, http://
legalcode. creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Käfer
Museum für Naturkunde Berlin (http://commons.
wikimedia.org/wiki/File:MFNB_Col_Scarabaeidae_
Dynastinae_D185.jpg), „MFNB Col Scarabaeidae
Dynastinae D185“, freigestellt, eingefärbt, Vignettie-
rung von Markus Büsges, http://creativecommons.org/
licenses/by/4.0/legalcode

Dieses Bild eines Heißluftballons war eines der Finalis-


ten im Fotowettbewerb „Bild des Jahres 2011“ im
freien Medienarchiv Wikimedia Commons. Mit mehr
als 20 Millionen Bildern, Videos, Grafiken und Audio-
dateien ist Wikimedia Commons das größte Online-
Medienarchiv für frei lizenzierte Inhalte.

2
Vorwort der Herausgeber

Die Formulierung „Alle Rechte vorbehalten“ wird von vielen mit dem traditionellen
Urheberrecht assoziiert. Sie besagt, dass sich der Rechteinhaber generell alle Rechte vor-
behält. Ohne die ausdrückliche Zustimmung des Rechteinhabers ist es untersagt, das
Werk zu kopieren, zu verbreiten oder zu verändern.

„Einige Rechte vorbehalten“ – das Leitprinzip von freien Lizenzen bzw. Open-Content-
Lizenzen – ist eine Antwort auf die Möglichkeiten der interaktiven Nutzung digital zur
Verfügung gestellter Inhalte: Freie Lizenzen ermöglichen es Urhebern und Rechteinha-
bern, ihre Werke leichter zu verbreiten, indem es Dritten gestattet wird, sie zu verwenden,
zu bearbeiten und zu teilen, ohne zuvor eine Erlaubnis einzuholen. Künstler dürfen ver-
fügbare Musiktitel oder Bilder verwenden, um eigene Remixes zu schaffen. Nichtregie-
rungsorganisationen können Texte und Grafiken auf ihren Webseiten Dritten leichter zur
Verfügung stellen. Personen, die nach Bildern suchen, zum Beispiel für Webseiten oder
Publikationen, finden in den entsprechenden Datenbanken freie Inhalte. Die „Freigabe“
und Öffnung von Inhalten für die Weltöffentlichkeit ermöglicht tagtäglich zahlreiche Pro-
jekte. Menschen schaffen laufend öffentliches Gut, indem sie ihr Wissen und ihre Kreativi-
tät teilen und auf den Inhalten anderer aufbauen.

Freie Lizenzen sind daher aus zwei wichtigen Gründen ein Werkzeug von unschätzbarem
Wert: Sie fügen sich in die digitale Welt ein, in der jeder ohne weiteres auch Schöpfer sein
kann. Gleichzeitig vereinfachen sie den Zugang zu Informationen und Wissen erheblich. In
unserer globalisierten Welt ist das so wichtig wie nie zuvor. Der Zugang zu Informationen
und Wissen ist einer der Eckpfeiler unserer modernen Wissensgesellschaften.

Mit dieser Publikation möchten wir interessierten Personen und Organisationen einen
praxisorientierten Leitfaden für die Nutzung und Anwendung von freien Lizenzen an die
Hand geben: Wie funktionieren freie Lizenzen? Wie finde ich die geeignete Lizenz für
meine individuellen Bedürfnisse? Wo finde ich freie Inhalte im Internet? Das sind nur ei-
nige der Fragen, die in diesem Leitfaden beantwortet werden sollen. So hoffen wir, zur
sachkundigen Nutzung von Open-Content-Lizenzen beizutragen. Wir danken Dr. Till
Kreutzer, der diesen Leitfaden verfasst hat, und wünschen allen Leserinnen und Lesern
eine informative und aufschlussreiche Lektüre.

Dr. Roland Bernecker,


Generalsekretär der Deutschen
UNESCO-Kommission e. V.

Abraham Taherivand,
Vorstand Wikimedia Deutschland e. V.

Dr. Silke Schomburg,


Leiterin des Hochschulbibliothekszentrums
Nordrhein-Westfalen (hbz)

3
4
Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Von der Theorie zur Praxis 7


2. Grundlagen der Open-Content-Lizenzierung 11
2.1 Hintergründe 12
2.2 Verschiedene Open-Content-Lizenzmodelle 13
2.3 Vorteile der Open-Content-Lizenzierung 13
2.4 Rechtliche Aspekte und praktische Auswirkungen
der Open-Content-Lizenzierung 17
3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 29
3.1 Die sechs Creative-Commons-Lizenztypen im Überblick 30
3.2 Public-Domain-Werkzeuge von Creative Commons 33
3.3 Generische und portierte LizenzVersionen 34
3.4 Allgemeine Lizenzbedingungen, Nutzerpflichten und
Einschränkungen der Creative-Commons-Lizenzen 37
3.5 Zusätzliche lizenzspezifische Einschränkungen und
Verpflichtungen: Die LizenzModule 48
4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-
Lizenzen 71
4.1 Wahl der „richtigen“ Lizenz 72
4.2 Generierung der Lizenz 72
4.3 Creative-Commons-Lizenzierung bei verschiedenen
Veröffentlichungsformen 76
4.4 Die Suche nach Open Content im Internet 78
5. AbschlieSSende Bemerkungen 85

index 87

Inhalt 5
6 Einleitung
1. Einleitung:
Von der Theorie
zur Pra xis

Dieses Bild des Innenraums der Sankt


Petersburger Moschee wurde im
Jahr 2011 zu einem der besten Bilder
im Online-Medienarchiv Wikimedia
Commons gekürt.

Einleitung 7
Freie Lizenzen wurden entwickelt, um die (auf deutsch auch „freie Lizenzen“ ge-
Verwendung und Verbreitung von urheber- nannt) wurde die digitale Allmende inner-
rechtlich geschützten Werken zu erleich- halb des letzten Jahrzehnts zur Realität.
tern. Das Urheberrecht ist für gewöhnlich
ein sehr restriktives Regelwerk, das dem Das Open-Content-Modell basiert auf drei
Rechteinhaber umfangreiche ausschließli- wesentlichen Prinzipien:
che Rechte einräumt, wie zum Beispiel das
Recht, ein Werk zu verbreiten oder zu ver- 1. Vereinfachung rechtlicher Transaktio-
ändern. Ohne die ausdrückliche Erlaubnis nen: Open-Content-Lizenzen sind on-
des Rechteinhabers dürfen solche Handlun- line verfügbar und können von jedem
gen generell nicht vorgenommen werden. interessierten Urheber oder Rechte-
Immerhin sind manche Arten von inhaber genutzt werden. Sie bieten
Nutzungen gesetzlich erlaubt. Die soge- Rechteinhabern ein Werkzeug, das es
nannten „Schrankenbestimmungen“ ge- ihnen erlaubt, eine rechtsverbindliche
statten unter anderem, aus einem Werk zu Vereinbarung mit jedem zu schließen,
zitieren oder Kopien der an der Nutzung ihrer Werke inter-
Freie Inhalte befördern die für private Zwecke essiert ist. Anders als bei Verträgen
anzufertigen, ohne sonst üblich besteht für die Parteien 
Entwicklung einer digitalen dafür eine Erlaubnis – d.  h. für den Lizenzgeber (Rechtein-
Allmende. einholen zu müssen. haber) und für den Lizenznehmer (Nut-
Doch diese Ausnahme- zer)  – keine Notwendigkeit, direkt
regelungen haben meist einen sehr engen miteinander in Kontakt zu treten.
Anwendungsbereich und es ist für potenti-
elle Nutzer in der Regel schwer herauszu- 2. Erteilung einer weit reichenden,
finden, was sie erlauben und was nicht. lizenzgebührenfreien Nutzungserlaub-
Die Erfinder der Open-Content-Idee nis: Dem Nutzer wird die Erlaubnis
empfanden das Urheberrecht sowohl für erteilt, das Werk für die meisten Zwe-
die Nutzer als auch für die Urheber als zu cke frei zu verwenden. Tatsächlich sind
restriktiv. Deshalb entwickelten sie ein die Rechte des Nutzers, die Inhalte zu
System leicht verständlicher Standardlizen- verwenden, bei Open-Content-Lizen-
zen (d. h. Regeln, nach denen es unter ge- zen viel weitreichender als es die ge-
wissen Voraussetzungen gestattet ist, setzlichen Schrankenbestimmungen des
urheberrechtlich geschützte Werke zu Urheberrechts vorsehen. Alle Rechte
benutzen). Hiermit sollen die freie Kultur werden zudem kostenfrei erteilt. Der
Die digitale All- und die „digitale Allmende“ („digital com- Rechteinhaber kann zwischen verschie-
mende ist eine Art
mons“) gefördert werden. Heute stehen denen Lizenzen, von eher restriktiven
öffentliches Gut, an dem
zwar Urheberrechte Millionen von urheberrechtlich geschützten bis zu sehr freizügigen Lizenzen, wäh-
bestehen, das jedoch mit Werken unter freien Lizenzen online zur len und somit entscheiden, welche
der Allgemeinheit geteilt
wird und von ihr genutzt Verfügung, zum Beispiel Filme, Musik, Rechte kostenfrei eingeräumt werden
werden kann. Bilder, Texte und Grafiken. Sie alle können sollen und welche individuellen Verein-
von jedermann verbreitet, bereitgestellt, barungen vorbehalten sind.
geändert oder neu miteinander kombiniert
werden, ohne eine individuelle Zustimmung 3. Verringerung von Rechtsunsicherhei-
einholen oder Lizenzgebühren zahlen zu ten: Sowohl Nutzer als auch Rechte-
müssen. Man kann also zu Recht sagen: inhaber profitieren von der leichten
Mit Hilfe der Open-Content-Lizenzen Verständlichkeit der Lizenzen, da ihre

8 Einleitung
rechtlichen Regelungen weniger kom- Urheber, Unternehmen, Organisationen
plex sind als das (gesetzliche) Urheber- und private Nutzer. Informationen und
recht. Der Vorteil für den Lizenzgeber Sprache wurden in
besteht darin, dass er dem Nutzer in diesem Leitfaden
Das Prinzip von „einige
einer einfachen und standardisierten bewusst einfach gehal-
Sprache mitteilen kann, welche Nut- ten. Dies erforderte Rechte vorbehalten“ kommt
zung seiner Werke erlaubt ist und einen Balanceakt
welche nicht. Regeln, die verstanden zwischen Verständ-
sowohl Rechteinhabern als
werden, werden eher eingehalten. lichkeit und professio- auch Nachnutzern zugute.
Der Nutzer seinerseits weiß, was ihm neller Präzision.
erlaubt ist, und ist sich über seine Rückmeldungen und Verbesserungsvor-
Verpflichtungen im Klaren. schläge an den Autor sind stets
willkommen.
Die Leitidee von Open Content wird durch Bitte beachten Sie, dass dieser Leitfa-
die Aussage „Einige Rechte vorbehalten“ den allgemeine Informationen enthält und
treffend ausgedrückt. Sie versteht sich als in einigen Fällen nur die persönliche Mei-
bewusste Anlehnung an und als Kontrast nung des Autors widerspiegelt. Er ist nicht
zu dem traditionellen Urheberrechtsvorbe- als Rechtsberatung oder als Ersatz für eine
halt „Alle Rechte vorbehalten“, der auf solche gedacht. Personen, die Rat im spezi-
vielen CDs, Büchern oder Magazinen zu fischen Einzelfall benötigen, wird empfoh-
finden ist. Gleichzeitig grenzt das Prinzip len, einen Rechtsanwalt zu konsultieren.
„Einige Rechte vorbehalten“ Open Content
von der Gemeinfreiheit (public domain) ab:
Open Contents (freie Inhalte) sind weder
frei von Urheberrechten noch dürfen sie
ohne Genehmigung oder ohne Einhaltung
bestimmter Regelungen verwendet werden.
Sie sind durch das Urheberrecht geschützt
und dürfen nur unter den Bedingungen der
rechtsverbindlichen Lizenz verwendet
werden, die vom Rechteinhaber für sein
Werk gewählt wurde. Die Open-Content-
Idee steht damit nicht im Kontrast zum
traditionellen Urheberrecht noch stellt sie
das Urheberrecht infrage. Freie Lizenzen
sind stattdessen ein Werkzeug, das den
Umgang mit urheberrechtlich geschützten
Werken zugunsten von Rechteinhabern wie
Nutzern vereinfacht.
Dieser Leitfaden wurde geschrieben,
um eine ordnungsgemäße und rechtssichere
Verwendung von Open Content und Open-
Content-Lizenzen zu erleichtern. Er richtet
sich nicht vornehmlich an Rechtsexperten,
sondern an alle, die mehr über Open Con-
tent erfahren möchten, insbesondere an

Einleitung 9
10 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung
2. Grundlagen
der Open-Content-
Lizenzierung

Dieses Bild des Galileo Galilei Planetariums


in Buenos Aires war eines der Finalisten im
Fotowettbewerb „Wiki Loves Monuments
2012“. Dieser Wettbewerb ist weltweit der
größte seiner Art und widmet sich jährlich
Bau- und Kulturdenkmalen. Jeden Septem-
ber fotografieren tausende ehrenamtliche
Fotografen Kulturdenkmale und veröffentli-
chen ihre Fotos im freien Medienarchiv
Wikimedia Commons.

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 11


2.1 Hintergründe zung an, die von jedermann kostenlos
verwendet werden können.
Freie Lizenzen entstanden auf Basis der Ungeachtet der zugrunde liegenden
Ideen der Open-Source-Software-Bewe- Philosophie basiert das Lizenzierungsmo-
gung („Free and Open Source Software“, dell von Creative Commons auf dem Urhe-
FOSS). Der Open-Source-Ansatz etablierte berrecht. Urheberrechtlich geschützte Wer-
sich im Softwaremarkt der 1990er Jahre, ke werden der Öffentlichkeit für eine im
getrieben insbesondere von dem großen Großen und Ganzen freie und ungehinderte
Erfolg des Betriebssystems GNU-Linux und Nutzung zur Verfügung gestellt. Da es sich
der zugehörigen Lizenz, der „GNU General jedoch um die vertragliche Einräumung von
Public License“ (GNU GPL). Die 1989 Nutzungsrechten handelt, sind CC-Lizenzen
verfasste GPL war die erste freie Soft- weder mit Gemeinfreiheit gleichzusetzen
warelizenz, die es den noch führen sie
1
Nutzern erlaubte, die
Freie Lizenzen dienen nicht dazu. Das Gegen-
Software zu verwenden, teil ist der Fall:
zu studieren, zu teilen nur dem Interesse von Urhe- ohne Urheber-
und zu verändern. Heute
bern sondern auch der brei- rechtsschutz wür-
basieren ganze Märkte den die Lizenzen
auf der Entwicklung, ten Öffentlichkeit. nicht funktionieren.
Wartung, Individualisie- Sie wären nicht
rung und Vermarktung von Open-Source- effektiv, vor allem wären Lizenzverstöße
Software. Die Erfinder der Open-Content- dann kaum zu ahnden.2
Lizenzen griffen die grundlegenden Ideen Lizenzierung bedeutet, einem Dritten
von FOSS auf und wendeten sie auf andere das Recht zu erteilen, ein urheberrechtlich
Formen kreativer Inhalte wie Musik, Filme geschütztes Werk zu verwenden. Auch
oder Bilder an. Open-Content-Lizenzen werden dabei nur
Hauptakteur der Open-Content-Bewe- unter bestimmten Bedingungen und mit
gung war Lawrence Lessig, ein Rechtswis- bestimmten Pflichten auf Nutzerseite er-
senschaftler der Harvard Law School in teilt. In aller Regel verpflichten sie den
Cambridge (USA). 2001 tat er sich mit Hal Nutzer zum Beispiel dazu, bei jeder Nut-
Abelson und Eric Eldred zusammen und zung den Namen des Urhebers zu nennen.
Creative Commons gründete die Initiative Creative Commons Das Verhältnis zwischen Rechten und
ist eine Non-Profit-
(CC) zur Förderung der digitalen Allmen- Pflichten könnte man wie folgt ausdrücken:
Organisation, die sich
für die Digitale Allmende de. Das Ziel von CC bestand darin, es „Sie sind berechtigt, dieses Werk anderwei-
einsetzt. Dazu hat sie Urhebern zu ermöglichen, ihre Werke für tig zu veröffentlichen, sofern Sie den Urhe-
eine Reihe von Lizenz-
texten herausgegeben, die allgemeine Verwendung freizugeben, ber nennen.“
die von jedem genutzt ohne kostspielige und komplexe Rechtsbe- Open-Content-Lizenzen eignen sich
werden können.
ratung einzuholen oder auf ihre Rechte generell für alle Arten kreativer Inhalte.
gänzlich verzichten zu müssen und sie CC-Lizenzen sind generische Lizenzen, die
damit in die public domain zu entlassen. für Musik, Filme, Texte, Bilder und alle
Zu diesem Zweck entwickelte und veröf- anderen schöpferischen Kreationen verwen-
fentlichte CC verschiedene Lizenzvarian- det werden können. Sie sind jedoch nicht
ten, die für Lizenzgeber leicht zu handha- für die Lizenzierung von Software gedacht,
ben und für Nutzer leicht verständlich sind. da technische Produkte wie Computerpro-
Neben den Lizenzen bietet die Initiative auf gramme oder Datenbanken besondere
ihrer Webseite auch nützliche Informatio- Anforderungen an freie Lizenzen stellen,
nen und verschiedene Werkzeuge zur Nut- die bei den CC-Lizenzen nicht erfüllt sind.

12 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung


Hierfür gibt es spezielle Lizenzen wie z. B. Erhebliche Unterschiede weisen die ver-
die oben erwähnten Open-Source-Lizenzen schiedenen Lizenzen in Bezug auf die Frage
oder spezielle Datenbank-Lizenzen.3 auf, ob sie die Veröffentlichung geänderter
Open Content wird gelegentlich als Versionen des Werkes erlauben. Während
urheberrechtsfeindlicher Ansatz kritisiert. einige Lizenzen die Änderung, Überset-
Diese Kritik ist jedoch nicht gerechtfertigt. zung, Aktualisie-
Open Content ist ein Modell für Rechte- rung, Kombination Durch freie Lizenzen werden
inhaber, die daran interessiert sind, ihr oder Individualisie- dem Nutzer automatisch
Urheberrecht auf bestimmte Weise zu rung eines Werks
handhaben. Dieses Regelwerk steht nicht (bzw. die Veröffent- Nutzungsrechte per Vertrag
im Widerspruch zum Urheberrecht, son- lichung derart ver-
eingeräumt.
dern es erlaubt dem Rechteinhaber, sein änderter Fassungen)
Werk nach einem anderen Ansatz zu veröf- erlauben, werden solche Nutzungen von
fentlichen als dem traditionellen „Alle anderen Lizenzen ausgeschlossen. Unter
Rechte vorbehalten“. Open-Content-Lizen- jenen, die Änderungen erlauben, folgen
zen sind Werkzeuge, die sowohl dem indi- einige dem „Copyleft-Prinzip“, auch als Das Copyleft-Prinzip
zielt darauf ab, kreative
viduellen Interesse des Urhebers als auch „ShareAlike“ (SA) bekannt. Dieses ver-
Werke so der Öffentlich-
dem öffentlichen Interesse dienen können. pflichtet den Autor einer geänderten Versi- keit zugänglich zu
Jeder Inhaber von Urheberrechten muss on eines Open-Content-Werks, dieses im machen, dass alle ihre
Manifestationen und
jedoch individuell entscheiden, ob Open- Falle einer Veröffentlichung unter derselben Bearbeitungen ebenfalls
Content-Lizenzen für seine persönlichen Lizenz zur Verfügung zu stellen wie die unter einer freien Lizenz
veröffentlicht werden
Zwecke geeignet sind. ursprüngliche Version. Mit anderen Wor- müssen.
ten: Ändert jemand das Werk und veröf-
2.2 Verschiedene fentlicht die neue Version, muss er seinen
Nutzern dieselben Freiheiten gewähren, die
Open-Content- für das ursprüngliche Werk galten. Die Idee
Lizenzmodelle hinter diesem Prinzip ist einfach: Open
Content bleibt in allen seinen Manifestatio-
Im Gegensatz zu freier Software und nen und Versionen Open Content. Ohne die
Open-Source-Software 4 existiert für ShareAlike-Verpflichtung könnten geänder-
„Open Content“5 keine genaue – d. h. te Versionen des Werks „unfrei“, z. B. unter
keine allgemein gültige – Definition. proprietären Lizenzen, veröffentlicht und
Dies ermöglicht eine große Vielfalt unter- verbreitet werden. Dies wiederum könnte
schiedlicher Lizenzen. In diesem Leitfaden den Absichten des ursprünglichen Urhebers
werden unter Open-Content-Lizenzen zuwiderlaufen.7
diejenigen Lizenzen verstanden, die es
dem Lizenznehmer mindestens erlauben, 2.3 Vorteile der
ein Werk auf jede beliebige Art und in
allen beliebigen Medien kostenfrei zu Open-Content-
verbreiten, zu veröffentlichen oder zu Lizenzierung
vervielfältigen.6 Es erübrigt sich zu sagen,
dass freizügigere Open-Content-Lizenzen, Die Verwendung einer Open-Content-Li-
die es zum Beispiel erlauben, Werke abzu- zenz hat verschiedene Vorteile. Neben der
leiten und diese zu veröffentlichen, oder Möglichkeit einer weiten Verbreitung des
die auch kommerzielle Nutzungen erlau- Werks wird auch die Rechtssicherheit der
ben, von dieser Definition ebenfalls abge- Nutzer erhöht und der Aufwand für den
deckt sind. Vertragsschluss wird erheblich gesenkt.

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 13


a) Weite Verbreitung Autoren zugute, sondern dienen auch dem
öffentlichen Interesse, dem Gemeinwohl.
Das Hauptziel von Open-Content-Lizenzen Sowohl Urheber als auch Nutzer profitieren
besteht darin, eine möglichst ungehinderte von der steigenden Zahl freier Inhalte, auf
und weite Verbreitung zu fördern. Dies die zugegriffen werden kann und die ent-
geschieht, indem mehr oder weniger unbe- geltfrei genutzt werden können. Mit ande-
schränkte Rechte eingeräumt werden, den ren Worten: Sie profitieren von der ständig
Inhalt zu teilen, vor allem auch über das wachsenden digitalen Allmende, die für die
Internet. Dies ist eine wesentliche Voraus- Rezeption und/oder kreative Nutzung zur
setzung für die legale Weiterverbreitung, Verfügung steht, ohne dass hierfür komple-
da es das Urheberrecht, zumindest in Euro- xe individuelle Vertragsverhandlungen
pa, nicht erlaubt, geschützte Inhalte ohne erforderlich sind.
die ausdrückliche Zustimmung des Rechte- Der Faktor des öffentlichen Interesses
inhabers öffentlich (online) zugänglich zu mag für Urheber einen Anreiz darstellen,
machen. Auch offline darf man urheber- ihre Werke unter einer freien Lizenz zu
rechtlich geschütztes Material ohne Zustim- veröffentlichen, oder auch nicht. Besonders
mung nur sehr eingeschränkt weitergeben relevant sind Open-Content-Lizenzen
und mit anderen teilen. Open-Content- jedenfalls für öffentliche Einrichtungen und
Lizenzen dagegen erlauben es den Nutzern, gemeinnützige Institutionen, die über aus-
das Werk auf Webseiten, Blogs, Plattformen schließliche Rechte an kreativen Inhalten
hochzuladen oder in sozialen Netzwerken verfügen. Sie produzieren und veröffentli-
zu teilen. Sie erlauben auch die Erzeugung chen Werke vor allem, um dem öffentlichen
von physischen Kopien in jeglicher Form Interesse zu dienen und nicht, um kommer-
wie beispielsweise Fotokopien, CDs oder zielle Zwecke zu verfolgen. Da die Kosten
Bücher sowie die Verteilung dieser Kopien für die Schaffung und Veröffentlichung
an jedermann ohne Einschränkung. durch die öffentliche Hand zum Großteil
Der positive Effekt auf die potenzielle vom Steuerzahler getragen werden, liegen
Publizität des betreffenden Werks sollte Open-Content-Veröffentlichungen bei öf-
nicht unterschätzt werden. Ohne Open- fentlichen Einrichtungen besonders nahe.
Content-Lizenz würde das Teilen eines Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass
Werks zum Beispiel über eine andere On- sich private Rechteinhaber (Urheber, Verlage
line-Quelle eine individuelle vertragliche etc.) keineswegs aus vorwiegend altruisti-
Vereinbarung zwischen der teilenden Per- schen Motiven für Open Content entschei-
son und dem Rechteinhaber erfordern. den. Andernfalls wäre der Ansatz nicht so
Dasselbe wäre der Fall, wenn jemand die erfolgreich. Open Content ermöglicht es,
Absicht hätte, ein Werk zu ändern, neu zu Inhalte zu teilen, wodurch sich die Bezugs-
kombinieren oder mit anderen Werken zu quellen für das Werk multiplizieren. Dies ist
vermischen und eine solche geänderte für den Urheber oft vorteilhafter als ein
Version dann zu veröffentlichen: Laut restriktives Verteilungskonzept, wie z. B.
Urheberrecht unterliegen alle derartigen „Alle Rechte vorbehalten“. Wenn der Inhalt
Verwendungen der individuellen Zustim- interessant genug ist, um andere zu motivie-
mung des Rechteinhabers. Im Gegensatz ren ihn zu teilen, wird er in den Suchmaschi-
dazu räumt eine Open-Content-Lizenz dem nen an prominenter Stelle gelistet und kann
Nutzer dieses Recht automatisch ein. dadurch mehr Bekanntheit erreichen.
Indem die notwendigen rechtlichen Trans- Dies kann wiederum positive Auswir-
aktionen erleichtert werden, kommen kungen auf die Popularität eines Autors
Open-Content-Lizenzen nicht nur den und auf die Nachfrage nach seinen Werken

14 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung


insgesamt haben. In diesem Zuge bringt der Open Content kostenlos zur Verfügung
Ansatz potenzielle wirtschaftliche Vorteile gestellt werden muss oder nur auf nicht-
mit sich: Aufmerksamkeit ist in der Auf- kommerzielle Weise verwendet werden
8
merksamkeitsökonomie , die in der Digita- darf. Es bedeutet auch nicht, dass ein Urhe-
len Welt von großer Bedeutung ist, eine ber oder Autor kein Geld verdienen darf,
knappe Ressource. Sie ist damit ein wesent- indem er seine Inhalte der Öffentlichkeit
licher Wirtschaftsfaktor: Aufmerksamkeit zur Verfügung stellt. Wenn dem so wäre,
bringt Klicks; Klicks bringen Werbeerträge könnte die Open-Source-Industrie nicht
und/oder höhere Anerkennung, und höhere existieren.9
Anerkennung führt wiederum zu höherer
Nachfrage und/oder höherer Bezahlung. b) Erhöhte Rechtssicherheit
Speziell im Internet führen mehr Freiheiten und Vereinfachung recht-
für die Nutzer und weniger Kontrolle durch licher Transaktionen
die Rechteinhaber oft zu größeren Einkünf-
ten als restriktive Verwertungskonzepte, Open-Content-Lizenzen verbessern die
die auf Kontrolle basieren. rechtliche Transparenz und Sicherheit
Um die potenziellen Effekte von Open sowohl für Nutzer als auch für Rechteinha- Open Contents sind
Inhalte, die unter einer
Content in ihrem gesamten Bedeutungsin- ber. Das Urheberrecht ist eine komplexe
freien Lizenz verfügbar
halt zu verstehen, ist es wichtig, den Begriff Sache: Ein Laie hat kaum eine Vorstellung sind und frei genutzt und
„open“ (also „offen“) nicht mit den Begrif- davon, unter welchen Umständen ein Werk weiterverwendet werden
können, wenn bestimmte
fen „kostenlos“ oder „nicht-kommerziell“ für die private Nutzung kopiert, für Bil- Bedingungen eingehalten
zu verwechseln. Die Ausdrücke „frei“, wie dungszwecke zur Verfügung gestellt oder werden. Diese ergeben
sich aus dem jeweiligen
in „Freier Software“ oder zitiert werden darf. Lizenztext.
„Freie Inhalte“, sowie „of- „Open“ bedeutet nicht Im Gegensatz dazu
fen“, wie in „Open Content“, bieten Open-Content-
sind nicht gleichbedeutend
kostenlos, sondern „zur Lizenzen, z. B. die
mit „kostenfrei“, sondern mit freien Nutzung“. CC-Lizenzen, eine
„zur freien Nutzung“. Der einfach formulierte
Sinn einer freien Lizenzierung besteht darin, Erklärung, die Lizenznehmer darüber
den Nutzern die Rechte an die Hand zu informiert, was sie tun dürfen, welche
geben, die es ihnen ermöglichen, urheber- Pflichten sie einzuhalten haben und was
rechtlich geschützte Inhalte auf die von ihnen untersagt ist. Diese Erklärungen
ihnen gewünschte Weise zu verwenden. kommen auch dem Lizenzgeber zugute,
Vorbehaltlich der Bedingungen der freien der normalerweise kein juristischer Experte
Lizenzen steht es jedem frei, die Inhalte ist (speziell dann nicht, wenn es sich um
nach Belieben zu nutzen, d. h. sie zu kopie- den Autor selbst handelt). Er erhält auf
ren, zu verbreiten oder öffentlich zur Verfü- diese Weise alle notwendigen Informatio-
gung zu stellen. Außerdem fallen keine nen über die für die Verwendung seines
Lizenzgebühren an. Dieses zusätzliche Materials geltenden Regeln.
Paradigma – die Freiheit von Lizenzgebüh- Ein weiterer wichtiger Vorteil der Open-
ren – soll die Nutzungsfreiheit weiter för- Content-Lizenzen besteht in der Vereinfa-
dern. Ohne dieses Paradigma würden viele chung der rechtlichen Transaktion zwischen
Menschen von der Nutzung ausgeschlossen dem Rechteinhaber und dem Nutzer. Open-
werden, wenn sie es sich nicht leisten könn- Content-Lizenzen sind standardisierte
ten, Lizenzgebühren zu bezahlen. Werkzeuge, die diese Transaktionen für
Die Freiheit von Lizenzgebühren bedeu- beide Seiten einfach halten. Individuelle
tet jedoch nicht notwendigerweise, dass Lizenzverträge zu entwerfen und auszu-

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 15


handeln ist ein komplexes Unterfangen, für drastische Maßnahmen wie digitale Rech-
das normalerweise ein Rechtsanwalt einge- teverwaltung („Digital Rights Manage-
schaltet werden muss. Urheberrechtlich ment“, DRM) oder aber umfassende Stra-
geschützte Werke durch eine wasserdichte tegien für die Durchsetzung von Rechten
Lizenz überall auf der Welt rechtssicher an eingeschränkt wird. Kontrolle über Inter-
jedermann zu lizenzieren, ist eine noch viel net-Inhalte (wieder) zu erlangen wird in
komplexere Aufgabe. Open-Content-Lizen- aller Regel Abmahn- und Klagewellen
zen befreien den Urheber und andere erfordern, die nur unter Einsatz von
Rechteinhaber von diesen Schwierigkeiten. Rechtsanwälten, Anti-Piraterie-Firmen
Insbesondere werden die von großen Initia- und weiteren invasiven Methoden möglich
tiven, wie CC, veröffentlichten Lizenztexte sind. Hierzu ist jedoch kaum ein Rechtein-
von Rechtsexperten in aufwendigen Pro- haber bereit oder auch nur in der Lage.
zessen und unter großem juristischen Sach- Ob man die Kontrolle über die Verwen-
verstand entworfen und dann jedem kos- dung des eigenen Werks behält oder nicht,
tenlos zur Verfügung gestellt, der sie hängt daher in erster Linie davon ab, ob
nutzen möchte. man es online stellt oder nicht (und selbst
wenn man sich dagegen entscheidet, landen
c) Bewusste Aufgabe der populäre Inhalte früher oder später ohne-
Kontrolle hin fast immer im Netz). Vor allem für
Autoren, die ihre Inhalte frei zugänglich ins
Eine Open-Content-Lizenzierung setzt den Netz stellen (bei Unternehmen mag dies
Willen voraus, die Kontrolle über die Ver- u. U. anders sein), liegt der logische nächste
wendung des eigenen Werks bewusst aufzu- Schritt darin, sie unter freien Lizenzen zu
geben. Keine oder eine nur noch sehr einge- veröffentlichen. Natürlich wird es Nutzer
schränkte Kontrolle auszuüben, ist ein geben, die sich an die vom Autor gewählte
wesentliches Ziel freier Lizenz nicht halten;
Lizenzen und kein uner- Online-Inhalte werden diese würden auch
wünschter Nebeneffekt. immer geteilt werden. urheberrechtliche Re-
Ohnehin ist es in der geln nicht befolgen.
Regel Wunschdenken, Freie Lizenzen schaffen Den rechtschaffenen
die vollständige Kontrol-
dafür eine rechtssicherere Nutzern, die von der
le über die Nutzung Komplexität des Urhe-
seines Werkes zu haben, und verständliche Rechts- berrechts jedoch über-
vor allem wenn es um fordert wären, bieten
grundlage.
Veröffentlichungen im Open-Content-Lizenzen
Internet geht. Unabhängig davon, ob man allerdings nicht nur Freiheit, sondern vor
dieser ein „Alle Rechte vorbehalten“ zu- allem auch Anleitung.
grunde legt oder das Werk als Open Con- Die meisten Menschen sind bereit, sich
tent veröffentlicht. Ist ein Artikel, ein Bild an die Gesetze zu halten. Sind die Bestim-
oder ein Gedicht einmal im Netz veröffent- mungen jedoch zu komplex, sind ihre dies-
licht, hat der Urheber kaum noch Kontrolle bezüglichen Bemühungen zum Scheitern
über seine Nutzung. Anders ausgedrückt: verurteilt. Ist es erlaubt, Online-Inhalte
Je populärer der Inhalt wird, desto schwie- herunterzuladen, zu teilen, auszudrucken
riger wird es, seine Verbreitung effektiv zu oder in einen neuen Kontext einzubetten?
kontrollieren. Internet-Nutzer teilen inte- Die meisten Nutzer werden nicht in der
ressante Inhalte, ob dies legal ist oder nicht, Lage sein, diese Fragen aus urheberrechtli-
wenn ihre Weiterverbreitung nicht durch cher Sicht zu beantworten.

16 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung


Open-Content-Lizenzen sind dagegen leicht Die weitgehende Rechteeinräumung bedeu-
zu verstehen, indem sie die Regeln einfach tet zum Beispiel, dass ein unter einer freien
halten. Eine Formulierung könnte beispiels- Lizenz veröffentlichter Roman in digitaler
weise lauten: „Sie dürfen den Inhalt auf oder nicht digitaler Form nach Belieben
jede von ihnen gewünschte Weise verwen- kopiert werden darf. Er darf gescannt oder
den, wenn Sie die Lizenzpflichten befol- anderweitig digitalisiert, auf Server hochge-
gen.“ Die Lizenzbedingungen werden dann laden, auf Festplatten gespeichert oder
auf eine Art und Weise beschrieben, die heruntergeladen werden. Aus urheberrecht-
jeder Nutzer verstehen und einhalten kann. licher Sicht sind alle diese Nutzungen „Ver-
Die daraus resultierende Rechtssicherheit vielfältigungen“. Das Werk kann auch
kommt nicht nur den Rechteinhabern, gedruckt und z. B. als Buch oder E-Book
sondern auch den Nutzern zugute. (weiter-) verteilt oder im Internet veröffent-
licht werden. Musik darf öffentlich gespielt,
2.4 Rechtliche Aspekte Gedichte dürfen rezitiert und Theaterstü-
cke aufgeführt werden.
und praktische Open-Content-Lizenzen sollen die Nut-
Auswirkungen der zung geschützter Werke erleichtern, gleich
Open-Content- an welchem Ort eine solche Nutzung er-
folgt. Dies wurde bei der Formulierung der
Lizenzierung Lizenzen berücksichtigt: Aufgrund ihrer
nicht diskriminierenden Natur sollen sie
Im folgenden Abschnitt wird detailliert weltweit10 anwendbar sein.
beschrieben, wie eine Open-Content-Lizenz Außerdem werden die Rechte ohne
allgemein funktioniert, und welche prakti- Entgelt oder andere Formen der Gegenleis-
schen Auswirkungen sie hat. Diese Aspekte tung erteilt. Das bedeutet jedoch nicht
sind normalerweise allen Arten von Open- unbedingt, dass der Erwerb einer Kopie
Content-Lizenzen gemein. Weitere Infor- oder der Zugang zum Werk kostenlos sein
mationen über spezifische Lizenztypen muss (siehe Kapitel 2.4, Abschnitt c unten),
finden Sie in den Kapiteln 3 und 4. obwohl dies normalerweise der Fall ist.
Vorbehaltene Rechte kommen ins Spiel,
a) Umfang der Lizenzerteilung wenn ein Werk zum Beispiel unter einer
freien Lizenz steht, die nicht das Recht
Wie bereits gesagt, basiert Open Content beinhaltet, ein Werk zu ändern und diese
auf dem Paradigma „Einige Rechte vorbe- Änderungen zu verbreiten.
halten“. Während die meisten Nutzungs- Jeder, der eine Nutzungshandlung vor-
handlungen erlaubt sind, bleiben einige nehmen möchte, die von der Lizenz nicht
vorbehalten. erfasst (also vorbehalten) ist, muss einen
Open-Content-Lizenzen bieten daher individuellen Lizenzvertrag mit dem Recht-
interessierten Nutzern die Möglichkeit, einhaber schließen. Autoren können zum
weitgehende Rechte zur Nutzung des In- Beispiel eine nicht-kommerzielle Lizenz
halts auf die von ihnen gewünschte Weise, wählen, um von Fall zu Fall über kommer-
für alle Zwecke, auf allen Medien, überall zielle Nutzungen entscheiden zu können
und ohne geografische oder zeitliche Be- und Lizenzgebühren zu verlangen, wenn
schränkungen zu erlangen. Dennoch exis- jemand durch die Verwendung ihrer Werke
tieren (je nach Art der Lizenz) Beschrän- Gewinne erzielen möchte. Wählt ein Li-
kungen für die kommerzielle Nutzung oder zenzgeber eine restriktive Lizenz (z. B.
für (Ver-)Änderungen. eine nicht-kommerzielle Lizenz), bedeutet

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 17


dies nicht unbedingt, dass er Nutzungen hoch auflösende Versionen eines Fotos
verhindern möchte, die außerhalb des stellen keine verschiedenen Werke dar,
Bereichs der Lizenz liegen. Solche Nutzun- sondern nur unterschiedliche Verkörperun-
gen sind nicht grundsätzlich verboten, gen ein und desselben Werks.
sondern unterliegen einer zusätzlichen Mit anderen Worten: Werden unter
Vereinbarung mit dem Rechteinhaber. einer Open-Content-Lizenz Kopien von
geringer Qualität geteilt, gilt die Lizenz
b) Anwendbarkeit auf Kopien auch für qualitativ hochwertige Kopien
eines Werks desselben Werks. Theoretisch wäre es
möglich, den Zugang zu hochauflösenden
Eine freie Lizenz gilt immer für ein be- Kopien durch Bezahlschranken oder andere
Technische Schutz- stimmtes Werk und nicht für eine bestimm- technische Schutzmaßnahmen zu be-
maSSnahmen (Techni-
te Kopie dieses Werks. Ein Werk ist eine schränken. Gelangt ein Nutzer jedoch in
cal Protection Measures)
sind dazu gedacht, immaterielle Schöpfung, die die Individua- den Besitz einer hochauflösenden Kopie,
Urheberrechtsverlet- lität des Autors zum Ausdruck bringt. kann er diese gemäß den Bedingungen der
zungen zu verhindern.
Fotos, Texte, Musikkompositionen oder CC‑Lizenz, unter der die niedrig auflösende
Grafiken sind Werke. Musik- oder Bildda- Kopie veröffentlicht wurde, teilen.11
teien, Bücher oder Zeitschriften sind nur
materielle Verkörperungen des Werks, aber c) Keine Lizenzgebühren
nicht das Werk selbst.
Wenn man sich für eine Lizenz entschei- Für alle Open-Content-Lizenzen gilt das
det, ist es wichtig zu wissen, dass sich die Paradigma „Keine Lizenzgebühren“. Es
Lizenz auf das Werk an sich bezieht und bedeutet, dass die Nutzung des Werks
nicht nur auf eine bestimmte Kopie dieses kostenfrei ist. Dies hat jedoch keine Aus-
Werkes. Wem dieser wichtige Unterschied wirkungen auf potenzielle andere Einnah-
nicht bewusst ist, kann zu falschen Schlüs- mequellen. Ein Beispiel: Die Inhalte eines
sen über Inhalt und Umfang der Lizenzie- Buches, d. h. die darin enthaltenen Artikel,
rung kommen. Bilder, Illustrationen etc., können Open
So ist es zum Beispiel weit verbreitete Content sein, obwohl das Buch selbst im
Praxis, Bilddateien mit niedriger Auflösung Verkauf vertrieben wird. In diesem Fall
oder Musikdateien von schlechter Qualität bezahlt der Käufer den Preis lediglich für
unter einer Open-Content-Lizenz zu veröf- den Erwerb des physischen Gutes, d. h. das
fentlichen, mit der Absicht und in dem Papier, den Einband usw. Die Open-Con-
Glauben, dass die Rechte an hochauflösen- tent-Lizenz bezieht sich auf den Inhalt des
den Versionen desselben Bildes oder dersel- Buches, d. h. auf die Verwendung der urhe-
ben Musikproduktion nicht von der Lizenz berrechtlich geschützten Werke. Sie erteilt
abgedeckt sind. Hierhinter steht häufig der dem Nutzer das Recht, diese zu kopieren,
Wunsch, qualitativ höherwertige Kopien zu verteilen und zur Verfügung zu stellen,
außerhalb des Anwendungsbereichs der ohne dass Lizenzgebühren oder weitere
Lizenz kommerziell verwerten zu können. Gebühren anfallen würden.
Dem liegt der Irrglaube zugrunde, dass sich Ein weiteres Beispiel aus der Online-
die Lizenz nur auf Kopien mit geringer Welt: Der Zugang zu einem Open-Content-
Qualität bezieht. Es ist jedoch nicht die Online-Repositorium kann gebührenpflich-
jeweilige Kopie des Werks, die lizenziert tig sein, während die bereitgestellten
wird, sondern das Werk selbst. Die Lizenz Artikel unter einer freien Lizenz veröffent-
gilt für alle Arten von Kopien des Bildes, licht werden. In diesem Fall wird die Abo-
unabhängig von ihrer Qualität. Niedrig und gebühr für den Service in Rechnung ge-

18 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung


stellt, nicht für das Recht auf die Nutzung der Lizenz geregelt ist13, kommt die Lizenz
des Inhalts. Bei der Abonnementgebühr zustande und der Lizenznehmer verfügt
handelt es sich nicht um über die notwendige
Nutzungsentgelte, also Freie Lizenzen sind mit Genehmigung, das Werk
nicht um Lizenzgebüh- zu verwenden (ist aber
ren. Sie zu verlangen
kommerziellen Geschäfts- auch verpflichtet, die in
steht daher nicht im modellen vereinbar. der Lizenz enthaltenen
Widerspruch zu dem Bedingungen einzuhalten).
Paradigma „Keine Lizenzgebühren“.
Vor diesem Hintergrund sind kommerzielle e) Voraussetzungen für die
Geschäftsmodelle mit der Idee von Open Verwendung von Open-
Content ohne weiteres vereinbar. Wer eine Content-Lizenzen
Open-Content-Veröffentlichungsstrategie
mit einem kommerziellen Geschäftsmodell Um ein Werk als Open Content zu lizenzie-
kombinieren möchte, kann dies jederzeit ren, muss der Lizenzgeber Inhaber aller
tun. Ob dies tatsächlich erfolgversprechend diesbezüglich erforderlichen Rechte sein.
ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Durch die freie Lizenz werden den Nutzern
nicht-exklusive Rechte zur Verwendung des
d) Lizenzvertrag Werks eingeräumt. Damit dies möglich ist,
muss der Lizenzgeber Eigentümer aller
Eine Lizenz ist eine Nutzungserlaubnis für exklusiven Rechte sein, die von der freien
Handlungen, die ohne Zustimmung nicht Lizenz abgedeckt sind. Wer nur einfache
erlaubt wären. Ob eine Lizenz ein Vertrag (nicht-exklusive) Nutzungsrechte besitzt
oder ein einfaches, einseitiges Versprechen kann Dritten, jedenfalls nach manchen
ist, ist von Land zu Land verschieden. Die Rechtsordnungen, keine Rechte erteilen.
Auswirkungen sind hingegen dieselben: Die Ist der Lizenzgeber nicht oder nicht
Lizenz ist eine rechtlich gültige Vereinba- ausreichend berechtigt,
rung, die die Verwendung eines bestimmten Rechte zu erteilen, geht Um einen Inhalt unter einer
Werkes regelt. Verwendungen, die nicht die Lizenzerteilung – zur
von der Lizenz abgedeckt sind oder die Gänze oder teilweise – freien Lizenz veröffentlichen
gegen die Lizenzpflichten verstoßen, sind ins Leere. Der Lizenzge- zu können, braucht man
widerrechtliche Handlungen, die rechtliche ber begeht folglich eine
Folgen nach sich ziehen können. Urheberrechtsverletzung, exklusive Rechte.
Einen Vertrag mit Hilfe einer freien weil er sich Rechte ange-
Lizenz zu schließen, ist einfach. Im ersten maßt hat, über die er nicht verfügt. Zudem
Schritt teilt der Lizenzgeber dem potenziel- verletzen auch die Nutzer Urheberrechte
len Nutzer mit, dass sein Werk gemäß den insofern, als die Lizenzerteilung ungültig ist.
Bedingungen einer spezifischen freien Der rechtliche Grund für Letzteres
Lizenz verwendet werden darf. Zu diesem besteht darin, dass nur derjenige wirksam
Zweck wird dem Werk ein Lizenzhinweis Rechte einräumen kann, der selbst hierzu
beigefügt, der einen Link zu dem Lizenz- in vollem Umfang berechtigt ist. Eine Li-
text enthält.12 Aus rechtlicher Sicht ist dies zenzerteilung ohne Berechtigung auf Seiten
eine Art „Angebot an die Öffentlichkeit“ des Lizenzgebers ist ungültig. So kann bei-
(d. h. an jeden interessierten Nutzer), das spielsweise ein Verlag Eigentümer der exklu-
Werk gemäß den Lizenzbedingungen zu siven Druck‑ und Vertriebsrechte für einen
verwenden. Sobald der Nutzer das Werk Roman sein, ohne auch exklusive Online-
auf eine Weise verwendet, die innerhalb Rechte erworben zu haben. In diesem Fall

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 19


darf der Verlag nicht als Open-Content- Entwicklung einer nachhaltigen und effekti-
Lizenzgeber für das Werk auftreten, da ven Strategie kann jedoch schwierig sein.16
die Open-Content-Lizenz auch Rechte zur Einige Optionen erfordern die Übertragung
Online-Bereitstellung des Inhalts enthält. von Rechten, bevor die eigentliche Veröf-
Durch die Anwendung der Open-Content- fentlichung unter der freien Lizenz stattfin-
Lizenz würde der Verlag das Recht (im det, andere nicht. Welches Modell sinnvoll
Zweifelsfall: das Recht des Autors), das ist, hängt von der jeweiligen Situation ab.
Werk im Internet zu veröffentlichen, verlet- Hier werden anhand der Online-Enzyklopä-
Mit mehr als 40 Millio- zen. Dasselbe gilt für Open-Content-Lizenz- die Wikipedia zwei Ansätze beschrieben:
nen Artikeln in mehr als
nehmer, die den Roman anschließend online Die Wikipedia basiert auf den Beiträgen
280 Sprachen ist
Wikipedia die größte zur Verfügung stellen würden. Da der Li- einer großen Autoren-Community. Jeder,
Online-Enzyklopädie. zenzgeber (Verlag) selbst nicht zur Online- der einen Beitrag leisten möchte, ist dazu
Mit ihren mehr als
5 Millionen Artikeln ist Nutzung berechtigt war, kann der Nutzer eingeladen. Die Autoren können ihre Arti-
die englischsprachige dieses Recht von ihm auch nicht erwerben. kel sowie Änderungen an bereits bestehen-
Wikipedia die umfang-
reichste.
Ob Lizenzgeber und/oder Nutzer tatsächlich den Artikeln selbst hochladen. Alle Artikel
darüber informiert war(en) oder informiert werden gemäß derselben CC-Lizenz
hätte(n) sein können, dass keine Berechti- (CC BY-SA) veröffentlicht.17
gung bestand, spielt dabei keine Rolle. Für die Lizenzierung in solchen Projek-
Doch wie erwirbt der Lizenzgeber die ten gibt es zwei Hauptansätze: Entweder
notwendigen Rechte, um als Lizenzgeber tritt jeder Autor als Lizenzgeber seiner
auftreten zu können? Der ursprüngliche eigenen Beiträge auf, oder alle Rechte
Urheberrechtseigentümer ist werden an zentraler
immer der Urheber.14 Tritt Der gesamte Inhalt der Stelle – zum Beispiel in
der Urheber selbst als Li- der Wikimedia Founda-
zenzgeber auf, sind keine
Wikipedia steht unter tion – zusammengefasst,
weiteren Schritte notwendig. einer freien Lizenz. die dann für alle veröf-
Tritt jedoch ein Dritter als fentlichten Inhalte als
Lizenzgeber auf, sind einer oder mehrere Lizenzgeberin auftritt. Die erste Alternati-
vertragliche Rechtsübertragungen erfor- ve könnte als dezentralisiertes, die letztere
derlich. Werden die Rechte mehrfach von als zentralisiertes Lizenzierungssystem
einer Person zur nächsten übertragen, ist es bezeichnet werden.
wichtig, eine durchgängige Lizenzkette zu
schaffen, um dem Lizenzgeber der Open- Das dezentralisierte Lizenzierungssystem
Content-Lizenz die erforderlichen Rechte
zu verschaffen. Mit anderen Worten: Wird Die Gründer der Wikipedia haben sich für
ein Werk mehrmals von einer Partei an ein dezentralisiertes Lizenzierungssystem
eine andere Partei lizenziert, bevor es unter entschieden. Die Autoren, die urheber-
einer freien Lizenz veröffentlicht wird, rechtlich geschützte Artikel beitragen oder
müssen alle Lizenztransaktionen in der bereits in der Enzyklopädie enthaltene
dazwischenliegenden Zeit alle notwendigen Artikel bearbeiten, behalten ihre exklusi-
15
Rechte abdecken und wirksam sein. ven Rechte am Werk. An die Wikimedia
Foundation werden keine Rechte übertra-
f) Zentralisierte vs. dezentrali- gen. Sie kann daher auch nicht als Lizenz-
sierte Lizenzierungssysteme geberin für die Artikel auftreten. In diesem
Szenario fungiert die Stiftung aus urheber-
Es gibt viele verschiedene Strategien für rechtlicher Sicht nicht als Verlag, sondern
Open-Content-Veröffentlichungen. Die als Plattformanbieter und Hosting-Service.18

20 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung


Dieses Modell kann auch für andere Publi- kommerziell zu verwerten. Der Verlag
kationen verwendet werden, wie zum müsste sich diese fehlende Nutzungserlaub-
Beispiel für Anthologi- nis durch eine zu-
en, Open-Access-Reposi- Wikipedia-Autoren behalten sätzliche Vereinba-
torien sowie für Bild- rung verschaffen,
und Videoplattformen.
ihre exklusiven Rechte an durch die die Auto-
Das Prinzip ist einfach: ihren Beiträgen. ren zustimmen, dass
Anders als bei traditio- ihre Artikel im Rah-
nellen Publikationen und Lizenzmodellen men der Buchveröffentlichung auch kom-
ist derjenige, der die Beiträge technisch zur merziell verwertet werden dürfen.
Verfügung stellt weder der zentrale Rechte-
inhaber noch der Lizenzgeber. Die Autoren Das zentralisierte Lizenzierungssystem
behalten ihre Exklusivrechte, die sie mittels
der Open-Content-Lizenz auf nicht-exklusi- Alternativ könnten alle Rechte an denjeni-
ver Basis beliebigen Dritten erteilen, unter gen übertragen werden, der die Beiträge
anderem an den Plattformanbieter selbst. In technisch zur Verfügung stellt. Der Veröf-
vielen Fällen ist die Erteilung der Open- fentlichende könnte dann als Lizenzgeber
Content-Lizenz ausreichend, um die Eigen- der Open-Content-Lizenz auftreten. Diese
nutzung durch den Anbieter selbst zu legiti- Option würde den Abschluss einzelner
19
mieren. Lizenzverträge zwischen den Autoren und
In bestimmten Situationen könnte die dem Veröffentlichenden erfordern, die vor
erteilte freie Lizenz jedoch nicht ausrei- Veröffentlichung geschlossen werden müssen.
chen, um der veröffentlichenden Stelle die Ein Beispiel: Angenommen, Wikipedia
notwendigen Rechte einzuräumen. Nehmen hätte den zentralisierten Lizenzierungsan-
wir das Beispiel eines Verlages, der eine satz gewählt. In diesem Fall müssten zu-
Anthologie mit Artikeln verschiedener nächst alle Rechte von den Autoren an die
Autoren herstellen und verkaufen möchte. Wikimedia Foundation (oder an eine ande-
Die Artikel sollen unter freien Lizenzen re juristische Person) übertragen werden.
veröffentlicht werden, bei denen die Auto- Sie würde dann als Lizenzgeberin der
ren als Lizenzgeber auftreten sollen (dezen- CC-Lizenzen auftreten, nach denen die
trales Lizenzierungsmodell). In diesem Wikipedia-Artikel genutzt werden können.
Szenario tritt der Verlag lediglich als Ver- Für den Übergang der Rechte von den
käufer des Buchs auf und nicht als Lizenz- Autoren an den Verlag müssten mit jedem
geber der Artikel. Um eine kommerzielle Autor „Autorenverträge“ geschlossen
Konkurrenz durch andere Verlage zu ver- werden. Diese werden im Zusammenhang
hindern, könnte sich der Verlag entschei- mit freien Communitys auch als „Inbound-
den, die Artikel unter einer nicht-kommer- Lizenzen“ oder „Contributor Agreements“
ziellen („NonCommercial“, NC) CC-Lizenz bezeichnet.20
zu veröffentlichen. Die Autoren würden Der Umfang der Inbound-Lizenz muss
entsprechend ihre Beiträge unter dieser jenem der Outbound-Lizenz (also der CC-
CC BY-NC Lizenz lizenzieren. Lizenz) entsprechen, um eine durchgehen-
In diesem Fall deckt die CC-Lizenz die de Lizenzkette zu schaffen.21 In diesem
eigene Nutzung durch den Verlag nicht ab, Kontext ist es unvermeidlich, dass die
weil der Verkauf eines Buches als kommer- Autoren dem Veröffentlichenden exklusive
zielle Nutzung gilt. Der Verlag muss einen Nutzungsrechte einräumen oder ihm ihre
zusätzlichen Vertrag mit den Autoren Rechte sogar vollständig abtreten. 22 Wie
schließen, der ihn berechtigt, die Artikel gesagt ermächtigen nicht-exklusive Lizen-

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 21


zen generell – abhängig von der jeweiligen Obwohl dies nicht in jedem europäischen
Rechtsordnung – nicht dazu, Rechte an Land der Fall ist, sollte dem Autor bewusst
Dritte zu vergeben. Zudem muss die Lizenz- sein, dass das Werk als Open Content ver-
erteilung in Bezug auf Gebiet und Dauer öffentlicht wird. Die Verwendung eines als
unbegrenzt sein. Da Open-Content-Lizen- Open Content veröffentlichten Werks kann
zen den Nutzern weltweite und fortwähren- weit umfassender sein als in einem kontrol-
de Rechte zur Nutzung des Werks gewäh- lierten Lizenzierungsszenario. Vor allem
ren, muss sich der Lizenzgeber Rechte mit wenn die Outbound-Lizenz Änderungen
demselben Umfang verschaffen. zulässt, könnten z. B. Urheberpersönlich-
Ob sich der Lizenzgeber durch die In- keitsrechte des Autors betroffen sein.
bound-Lizenz vollumfängliche Rechte vom Ob das zentralisierte oder das dezentra-
Urheber einräumen lassen muss oder ob lisierte Lizenzierungssystem vorzuziehen
auch eingeschränkte Rechte genügen, hängt ist, hängt von der jeweiligen Situation ab.
von der Outbound-Lizenz ab, d. h. von der Auf den ersten Blick könnte man meinen,
Open-Content-Lizenz. dass der dezentralisierte
Wird beispielsweise eine Sobald eine freie Lizenz Ansatz weniger schwierig
NC-Lizenz verwendet, zu organisieren ist. Er
erteilt wurde, kann sie
könnte die Inbound- verlangt zum Beispiel kein
Lizenz (der Vertrag mit nicht mehr zurückge- umfassendes Lizenzma-
dem Autor) ebenfalls auf nagement zwischen dem
nommen werden.
nicht-kommerzielle Publizierenden und den
Nutzungen beschränkt werden. Oder wenn Autoren. Zudem vermeidet er Haftungspro-
die Inhalte unter eine CC-Lizenz mit ND- bleme für den Publizierenden. Tritt er als
Modul („NoDerivatives“, keine Bearbeitun- Lizenzgeber auf, könnte er für die bereitge-
gen) gestellt werden sollen, bräuchten die stellten Inhalte haftbar gemacht werden.
Autoren dem Publizierenden eigentlich Treten die einzelnen Autoren als Lizenzge-
keine Änderungsrechte zu erteilen. Ob ber auf, betreffen Haftungsfragen generell
solche Einschränkungen empfehlenswert nur sie. Bei Wikipedia ist der Autor zum
sind, hängt vom jeweiligen Fall ab. Es könn- Beispiel die einzige Person, die den Inhalt
te vernünftig sein, die individuelle Ent- und die Geschichte des Beitrags kennt.
scheidung, z. B. über kommerzielle Nutzun- Daher macht es hier Sinn und ist auch fair,
gen, dem Autor zu überlassen. In anderen wenn die Autoren für ihre Beiträge allein
Fällen könnten es praktische oder finanziel- verantwortlich sind.23
le Aspekte nahelegen, dass alle Lizenzie- Vor allem in großen Kollaborationspro-
rungsentscheidungen von einer zentralen jekten, wie beispielsweise der Wikipedia,
Stelle getroffen werden. Dann sollte die könnte sich ein zentralisierter Lizenzie-
Inbound-Lizenz solche Einschränkungen rungsansatz oder ein zentralisiertes Ma-
nicht enthalten. nagement als äußerst komplex erweisen.
Darüber hinaus sollte in der Inbound- Dasselbe könnte jedoch auch bei kleineren
Lizenz ausdrücklich erwähnt sein, dass sie Projekten der Fall sein. Nehmen wir zum
die Veröffentlichung der abgedeckten Wer- Beispiel ein Forschungsinstitut, das eine
ke unter einer freien Lizenz erlaubt. Dies Anthologie mit Beiträgen von 20 verschie-
ist umso wichtiger, als es in einigen Rechts- denen Autoren unter CC-Lizenzen veröf-
ordnungen vorgeschrieben ist, die aus- fentlichen möchte. Bald nach Verhandlungs-
drückliche Genehmigung des Autors einzu- beginn stellt sich heraus, dass sich die
holen, um Unterlizenzen erteilen und/oder Autoren nicht auf ein einheitliches Lizenzie-
Rechte an Dritte übertragen zu können. rungsmodell einigen können. Während

22 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung


einige überhaupt nicht mit der Open-Con- Entscheidungsfindungsstrukturen hochgra-
tent-Lizenzierung einverstanden sind, möch- dig unvorhersehbar und fast unmöglich zu
ten andere Artikel einreichen, die bereits in kontrollieren sind. Zusammenfassend ist
einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurden. festzuhalten, dass
Letztere können nicht als Open Content Entscheidungen über Open-Content-Lizenzen
lizenziert werden, weil die Autoren ihre Veröffentlichungs- sind rechtlich wirksame
Exklusivrechte bereits an den Verlag über- modelle und Lizen-
tragen und sich nur nicht-exklusive Rechte zierungssysteme gut Verträge und gelten
für ihre Weiterveröffentlichung vorbehalten überlegt sein wollen. weltweit.
haben. Unter jenen, die mit einer Open- Jedes Konzept hat
Content-Veröffentlichung einverstanden seine Vor- und Nachteile, die gegeneinander
sind, sprechen sich einige für eine offenere abgewogen werden müssen. Dies ist umso
Lizenz wie z. B. CC BY aus, während ande- wichtiger, als solche Entscheidungen nicht
re sich das Recht vorbehalten möchten, ihr leicht zu widerrufen und von großer Bedeu-
Werk kommerziell zu verwerten, und daher tung für den Erfolg von Open-Content-
einen CC BY-NC-Ansatz bevorzugen. Strategien sind.
In einem dezentralisierten Modell könn-
te jeder Autor für sich über die Outbound- g) Achtung bei Zweitveröffent-
Lizenzierung seines Beitrags entscheiden.24 lichungen!
Jene, die sich für eine Open-Content-Lizenz
aussprechen, könnten ihren Artikel unter Der Lizenzgeber muss dafür sorgen, dass
jeder freien Lizenz veröffentlichen. Die seine Open-Content-Lizenz keine Rechte
andern könnten sich alle Rechte vorbehal- Dritter verletzt. Insbesondere können
ten. Das zentralisierte Modell würde im Wiederveröffentlichungen von Werken,
Gegensatz dazu verlangen, dass die Institu- die bereits kommerziell publiziert wurden,
tion mit jedem einzelnen Autor einen indi- zu Problemen führen. So müssen bei Veröf-
viduellen Lizenzvertrag aushandelt. Dies fentlichungen in Zeitschriften oder Zeitun-
wäre im Zweifel sehr aufwendig. gen beispielsweise meist weitreichende
Andererseits gibt es auch verschiedene exklusive Rechte an den Verlag übertragen
Gründe, die für einen einzelnen, zentralen werden. In einem solchen Fall sind Zweit-
Lizenzgeber sprechen. Es könnte zum veröffentlichungen unter einer Open-Con-
Beispiel für kommerzielle Verlage von tent-Lizenz nicht möglich, es sei denn, der
Vorteil sein alle Rechte zu halten. Speziell Verlag stimmt dem zu. Ansonsten würde
bei großen Community-Projekten mit vie- der Urheber die Exklusivrechte des Verla-
len verschiedenen Autoren (wie der Wiki- ges verletzen, obwohl er selbst der Autor ist
pedia) wären grundlegende Entscheidungen (so genanntes Eigen- oder Selbstplagiat).
über das Lizenzierungssystem viel einfa- Aus diesem Grund sollte bei organisier-
cher zu treffen als beim dezentralisierten ten Open-Content-Projekten deutlich ge-
Modell, wo jeder Rechteinhaber um Erlaub- macht werden, dass die Beitragenden si-
nis gefragt werden müsste, um z. B. die cherstellen müssen, dass sie das Recht
Lizenz des Projekts ändern zu können. haben, ihre Beiträge unter einer freien
Generell würden sich mit großer Wahr- Lizenz (neu) zu veröffentlichen und dass
scheinlichkeit Probleme ergeben, wenn dadurch keine Rechte Dritter verletzt wer-
wichtige Entscheidungen über Lizenzie- den. Diese Befugnis kann sich aus dem
rung, Marketingstrategien oder Geschäfts- Urheberrecht, aus ausschließlichen Nut-
modelle von der Zustimmung einer Viel- zungsrechten oder wiederum aus einer
zahl von Personen abhängig sind, da solche Open-Content-Lizenz ableiten. Beispiels-

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 23


weise können auch Inhalte von Dritten Alle diese Faktoren weisen darauf hin, dass
(die nicht die Autoren oder Inhaber exklu- die erste Entscheidung über das Veröffentli-
siver Nutzungsrechte sind) in die Wikipedia chungsmodell oder Lizenzierungssystem
hochgeladen werden, die unter einer Open- sehr wichtig ist. Obwohl es dem Rechtein-
Content-Lizenz veröffentlicht wurden, haber theoretisch freisteht, die Lizenzie-
wenn diese Lizenz mit der in der Wikipedia rungsentscheidung jederzeit zu ändern,
verwendeten Lizenz kompatibel oder iden- können solche Änderungen nur anlässlich
tisch ist.25 wesentlicher Aktualisierungen des Werkes
vorgenommen werden. Das bedeutet, dass
h) Praktische Auswirkungen Entscheidungen für Open-Content-Veröf-
einer Open-Content-Lizen- fentlichungen im Allgemeinen und über die
zierung Auswahl einer spezifischen Lizenz im Be-
sonderen sehr sorgfältig getroffen werden
Wie bereits erwähnt, führt die Entschei- sollten.
dung, Inhalte unter einer Open-Content-
Lizenz zu veröffentlichen, insbesondere I) Durchsetzung von Open-
wenn dies online geschieht, zu einem Content-Lizenzen
gewissen Kontrollverlust. Jedermann, der
daran interessiert ist, das Werk zu kopieren, Open Content ist nicht frei von Rechten
zu verteilen, wieder zu veröffentlichen oder und nicht gemeinfrei. Verwendet jemand
sonst wie zu nutzen, ist dazu berechtigt das Werk auf eine Weise, die von den Li-
(außer eventuell kommerzielle Nutzer). zenzbedingungen nicht erlaubt wird, kann
Dies ermöglicht eine ungehinderte Verbrei- der Rechteinhaber rechtliche Schritte ge-
tung des Werkes. Da die Nutzungsrechte mäß Urheberrecht und/oder Vertragsrecht
darüber hinaus ohne Gegenleistung (Li- ergreifen.26
zenzgebühren) eingeräumt werden, sind die Zudem enthalten CC-Lizenzen eine
Möglichkeiten, über die Nutzung direkte rechtliche Konstruktion, die eine effektive
Gewinne zu erzielen, beschränkt. Zudem ist Verfolgung von Lizenzverletzungen sicher-
die Lizenzentscheidung – zumindest in stellt: die „automatic termination clause“
Bezug auf die spezifi- (automatische Kündi-
sche Version des Wer- Eine freie Lizenz gilt für gungsklausel).27 Nach
kes – unwiderruflich.
alle Kopien eines Werkes dieser Bestimmung verliert
Die Nutzungslizenzen derjenige, der die Lizenz-
werden auf Dauer erteilt unabhängig von ihrer pflichten nicht einhält,
und können vom Autor automatisch seine Nut-
Qualität.
oder vom Rechteinhaber zungsbefugnisse, weil die
nicht gekündigt werden. Sollte der Rechte- Lizenz erlischt. Ohne gültige Lizenz stellt
inhaber sich entscheiden, das Lizenzmodell jede weitere Verwendung des Werkes eine
nach der ersten Veröffentlichung zu ändern, Urheberrechtsverletzung dar, die Schadens-
bleiben alle Lizenzverträge, die vor dieser ersatz- und Unterlassungsansprüche oder
Änderung geschlossen wurden, gültig. Mit andere Rechtsfolgen auslöst und geahndet
anderen Worten: Personen, die die Lizenz werden kann. Nehmen wir zum Beispiel
davor abgeschlossen haben, können das einen Blogger, der ein unter CC stehendes
Werk gemäß den ursprünglichen Lizenzbe- Foto verwendet, ohne die notwendigen
dingungen weiterverwenden, da die Lizenz Urheberrechts- und Lizenzvermerke anzu-
für eine bereits genutzte Werkkopie nicht bringen: Eine solche Nutzung verstößt
rückwirkend geändert werden kann. gegen die Lizenzbestimmungen und kann

24 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung


daher vertragliche sowie Ansprüche wegen Werk ausgeschlossen, es sei denn, beide
Urheberrechtsverletzung auslösen (da die Lizenzen enthielten die gleichen Bedingun-
Lizenz automatisch erloschen ist).28 gen, was sehr unwahrscheinlich ist. Unter-
schiedliche SA-Lizenzen sind daher in der
j) Das Problem der Inkompatibi- Regel inkompatibel, was zur Folge hat, dass
lität von Lizenzen die hierunter stehenden Inhalte nicht mitei-
nander kombiniert werden dürfen. Denn
Einer der wesentlichen Vorteile von freien die Einhaltung der einen Lizenz würde
Inhalten besteht sicherlich darin, dass sie unweigerlich zur Verletzung der anderen
mit anderen Publikationen kombiniert oder führen. Auch bei anderen Lizenzen kann
in sie integriert werden können, um in – je nach der spezifischen Nutzung und der
einem neuen Kontext veröffentlicht zu Interpretation der jeweiligen Lizenzen –
werden. Inkompatibilitäten zwischen Li- dieser Effekt auftreten.
zenzen gefährden jedoch dieses Ziel der Inkompatibilitäten zwischen Lizenzen
freien Lizenzierung. widersprechen dem Ziel, die „kulturelle
Der Ausdruck „Lizenzinkompatibilität“ Allmende“ zu fördern. Dies würde voraus-
meint, dass zwei oder mehrere Werke setzen, dass die hierin enthaltenen Werke
aufgrund von widersprüchlichen Lizenz- auch neu angeordnet, neu gemixt und
verpflichtungen nicht als kombiniertes kombiniert werden können, um einen
Werk veröffentlicht werden können. Lizenz- neuen kulturellen Inhalt zu schaffen. Da
inkompatibilitäten sind ein unerwünschter es derzeit keine greifbare Lösung für das
Nebeneffekt unter anderem von Share Inkompatibilitätsproblem gibt,31 sollten
Alike-Lizenzen (SA, Weitergabe unter potenziellen Auswirkungen bei der Wahl
gleichen Bedingungen) („Copyleft“). einer Lizenz sorgfältig abgewogen werden.32
Diese Lizenzen beinhalten eine Klausel,
der zufolge – vereinfacht ausgedrückt –
geänderte Versionen des Werks nur unter
der Lizenz des Originals geteilt werden
dürfen.29 Außer direkten Eingriffen in das
Werk (z. B. Kürzungen oder Übersetzungen
eines Artikels) können „Bearbeitungen“
auch darin liegen, dass das lizenzierte Werk
mit anderen Elementen kombiniert wird,
z. B. in Remixen oder Mash-ups.30
Stellen Sie sich einen Fotografen vor,
der eine Fotocollage veröffentlichen möch-
te, die ein Bild enthält, das unter einer
CC BY-SA-Lizenz lizenziert wurde, sowie
ein weiteres, das unter einer anderen Share- Die GNU-Lizenz für freie
Alike-Lizenz (z. B. GNU FDL) lizenziert Dokumentation (GNU
Free Documentation
wurde. In diesem Fall würden beide Lizen-
Licence, GNU FDL)
zen eine Bestimmung enthalten, die sinnge- erlaubt die Nachnutzung
mäß lautet: „Sie dürfen eine Kombination und Veränderung von
Texten. Dabei müssen alle
oder Änderung meines Werkes mit anderen Abwandlungen des Werks
Elementen nur unter meinen Lizenzbedin- unter der ursprünglichen
Lizenz veröffentlicht
gungen veröffentlichen.“ In diesem Fall ist werden. Kommerzielle
die Kombination beider Fotos in einem Nutzung ist erlaubt.

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 25


Anmerkungen

1 Die CC-Initiative stellt jedoch auch Instrumente zur 7 Mehr über das ShareAlike-Prinzip und seine Auswir-
Verfügung, die Inhalte kennzeichnen, die gemeinfrei kungen erfahren Sie in Kapitel 3.5, Abschnitt c.
geworden sind oder als gemeinfrei zu betrachten sind.
Diese Werkzeuge müssen von den Lizenzen unter- 8 Nähere Informationen über den Begriff und das
schieden werden. Der Verzicht auf Urheberrechte oder Konzept finden Sie unter http://de.wikipedia.org/
die Kennzeichnung bestimmter Inhalte als „nicht ge- wiki/%C3%96konomie_der_Aufmerksamkeit.
schützt“, d. h. als gemeinfrei, bedeutet die Aufgabe der
Exklusivrechte. 9 Zu Einzelheiten über die Freiheit von Lizenzgebühren
siehe Kapitel 2.4, Abschnitt c.
2 Die juristische Erklärung dieses Aspekts ist komplex
und von Land zu Land verschieden. Einfach ausgedrückt: 10 Siehe z. B. Lizenzerteilung in Abschnitt 2a des
Immaterialgüterrechte – wie Urheberrechte – sind gegen Rechtstextes: „Gemäß den Bestimmungen dieser freien
jeden wirksam (dingliche Rechte), während Lizenzen Lizenz erteilt Ihnen der Lizenzgeber hiermit eine welt-
oder Verträge nur die Parteien binden, die den Vertrag weite, lizenzgebührenfreie, nicht unterlizenzierbare,
geschlossen haben. Die praktischen Unterschiede sind nicht-exklusive, unwiderrufliche Lizenz zur Ausübung
erheblich: Stellen Sie sich zum Beispiel vor, jemand der Lizenzrechte am Lizenzmaterial für …” (eigene
würde ein Werk, das nur für nicht-kommerzielle Zwecke Übersetzung).
lizenziert wurde, für kommerzielle Zwecke kopieren. Ist
der Inhalt urheberrechtlich geschützt, kann der Verstoß 11 Siehe die CC FAQ zu dieser und folgenden Fragen:
gegen die Lizenz auf der Grundlage des Urheber- oder „Kann ich eine CC-Lizenz auf niedrig auflösende Kopien
Vertragsrechts durchgesetzt werden. Ist er jedoch nicht eines lizenzierten Werks anwenden und mir weitere
geschützt, kann nur das Vertragsrecht herangezogen Rechte an hoch auflösenden Kopien vorbehalten?”
werden, um den Verstoß zu ahnden. Dies würde jedoch (https://wiki.creativecommons.org/Frequently_
voraussetzen, dass der Verletzer die Lizenz, also den Ver- Asked_Questions#Can_I_apply_a_CC_license_to_
trag, abgeschlossen hat, was nicht zwingend der Fall sein low-resolution_copies_of_a_licensed_work_and_
muss und in jedem Fall schwer zu beweisen ist. Das reserve_more_rights_in_high-resolution_copies.3F)
Urheberrecht wirkt hiervon unabhängig gegen jede und „Wie stelle ich fest, ob ein Foto in einer niedrig-
Person, die gegen das Recht verstößt. Das zeigt, dass und einer hochauflösenden Version dasselbe Werk
die vom Urheberrecht abgeleiteten Rechtsmittel norma- darstellen?“ (https://wiki.creativecommons.org/
lerweise viel wirksamer sind als vertragliche Ansprüche. Frequently_Asked_Questions#How_do_I_know_if_a_
low-resolution_photo_and_a_high-resolution_photo_
3 Z. B. „Open Database Attribution“ und „ShareAlike are_the_same_work.3F).
for Data/Databases License“, veröffentlicht von Open
Knowledge, siehe: http://www.opendatacommons.org/ 12 In einem Buch oder einer anderen nicht digitalen
licenses/odbl/. Publikation könnte ein Hyperlink abgedruckt werden.
Alternativ kann der Lizenztext selbst eingefügt werden.
4 Für freie und Open-Source-Software gibt es zwei Defini- Nähere Informationen über praktische Fragen bei der
tionen. Siehe die Definition der Free Software Foundation Verwendung von Lizenzvermerken und Ähnlichem siehe
(FSF): https://www.gnu.org/philosophy/free-sw.html und Kapitel 4.
die Open-Source-Definitionen der Open Source Initiative
(OSI): http://www.opensource.org/docs/definition.php. 13 Bestimmte Nutzungen sind nach den gesetzlichen
Beide Definitionen sind im Großen und Ganzen identisch. Schrankenbestimmungen zulässig. Für sie benötigt
der Nutzer keine Lizenz und ist insoweit nicht an die
5 Es gibt verschiedene divergierende Definitionen für Lizenzbedingungen gebunden. So ist in vielen Ländern
Open Content (siehe z. B. http://opendefinition.org/ das Kopieren für private Zwecke gesetzlich zulässig. Das
od/), Free Content oder Free Cultural Works (siehe: bedeutet, dass dafür keine Lizenz erforderlich ist. Somit
http://freedomdefined.org/Definition). Im Gegensatz zu gilt die freie Lizenz nicht für eine solche Nutzung. Der
den Definitionen von freier und Open-Source-Software, Nutzer ist daher nicht verpflichtet, die Lizenzverpflich-
die als de-facto-Standard betrachtet werden können, tungen zu erfüllen, wenn er Privatkopien anfertigt (z.B.
scheint jedoch keine der Open-Content-Definitionen die Nennung des Autors). Nähere Details siehe Kapi-
universell akzeptiert zu sein. tel 3.4, Abschnitt b.

6 Es ist erwähnenswert, dass diese Definition breiter ist 14 Urheberrechtssysteme im Rechtskreis des „common
als andere Auslegungen des Begriffs „frei“. Laut Defini- law“ (z. B. das US-amerikanische oder britische Copy-
tion von Open Knowledge (siehe: http://opendefinition. right), sehen Ausnahmen von diesem Grundsatz des
org/od/) sind beispielsweise Inhalte und Daten nur Schöpferprinzips vor. So enthält das englische Urheber-
dann „frei“, wenn sie Lizenzbedingungen unterliegen, recht z. B. eine Bestimmung, der zufolge der Arbeitgeber
die verlangen, dass der Lizenznehmer zumindest den der Ersteigentümer des Urheberrechts an allen Werken
Rechteinhaber nennt und /oder die Inhalte und Daten ist, die vor seinen Mitarbeitern im Zuge ihrer Beschäf-
unter denselben Bedingungen teilt. Die Diskussion tigung geschaffen werden. Das US-Urheberrecht sieht
über den Begriff „frei“ ist komplex und vielschichtig. Da eine ähnliche Bestimmung namens „work for hire“
dieser Leitfaden die praktische Anwendbarkeit von CC- (Auftragsproduktion) vor.
Lizenzen erläutern und keine Grundsatzdiskussionen
darstellen soll, wird auf diese Debatte hier nicht näher 15 Im Gegensatz zu Eigentumsrechten an physischen
eingegangen. Gütern können Immaterialgüterrechte generell nicht
im guten Glauben erworben werden, d. h. sie können

26 2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung


nur dann übertragen werden, wenn die übertragende der Lizenzgeber, wäre er verantwortlich und haftbar. Der
Person über die Rechte auch tatsächlich selbst verfügt. Plattformanbieter könnte verpflichtet sein, den verletzen-
Ob der Übertragungsempfänger (Lizenznehmer) im den Artikel von der Plattform zu entfernen, würde jedoch
guten Glauben darauf vertraut hat, dass der Lizenzgeber nicht für die Schäden haften. Würde der Plattformanbie-
ausreichend berechtigt war, ist ohne Belang. ter als Content Provider, d. h. als Lizenzgeber, auftreten,
könnte auch er für Schäden verantwortlich gemacht
16 Creative Commons hat zu diesem Thema eine werden.
Initiative gestartet: „Open Business Models“: https://
creativecommons.org/weblog/entry/45022. 24 Unterschiedliche Lizenzen für die Inhalte einer
Quelle zu verwenden, kann bei großen Community-Pro-
17 Betreffend diese Lizenz siehe Kapitel 3.1, Abschnitt b. jekten wie der Wikipedia zu erheblichen Problemen und
Verwirrungen führen. Bei kleineren Publikationen wer-
18 Außer dem Lizenzierungsaspekt ist die Wikimedia den solche eher nicht entstehen, so dass ein einheitliches
Foundation für Wikipedia natürlich viel mehr als ein Lizenzierungssystem zumindest nicht zwingend ist.
reiner Plattformanbieter. So ist sie z. B. für die Gover-
nance-Strukturen, Finanzierung und für viele andere 25 Siehe Erklärungen unter: https://en.wikipedia.
wesentliche Elemente verantwortlich. org/wiki/Wikipedia:FAQ/Copyright#Can_I_add_
something_to_Wikipedia_that_I_got_from_somewhere_
19 Dies ist für reine Plattformanbieter, die normaler- else.3F.
weise keine „Nutzer“ im Sinne des Urheberrechts
sind und daher keine Lizenz benötigen, eventuell nicht 26 Zu den Unterschieden zwischen Vertrags- und
relevant. Ein Plattformanbieter im eigentlichen Sinn Urheberrecht siehe Endnote 2. Zur Internationalen
verwendet geschützte Inhalte nicht in urheberrechtlich Durchsetzbarkeit freier Lizenzen in verschiedenen
relevanter Weise. Er stellt vielmehr lediglich die tech- Rechtssystemen siehe: Jaeger/Metzger, 2011. Open
nische Infrastruktur zur Verfügung, um die eigentliche Source Software. 3. Ausgabe. Randnummern 371-379.
Nutzung der Inhalte durch die Plattform-Nutzer zu
ermöglichen. Für einen Verlag, der Bücher veröffentlicht, 27 Siehe Abschnitt 6a des Rechtstextes:
ist es jedoch unumgänglich, einen entsprechenden Urhe- http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.
berrechtslizenzvertrag zu schließen, da der Abdruck von
Artikeln in einem Buch und dessen Verkauf urheberrecht- 28 Laut dieser Bestimmung wird die Lizenz in dem Au-
lich relevante Nutzungshandlungen darstellen. genblick, in dem die Verletzung stattfindet, ungültig. Ab
diesem Augenblick stellt jede Nutzung des Werks eine
20 Eine Inbound-Lizenz bezieht sich auf die vertragliche Urheberrechtsverletzung dar. Laut aktueller „CC Public
Vereinbarung zwischen den Autoren und dem Verlag License Version 4.0“ (CCPL4) kann die verletzende
oder sonstigem Veröffentlichenden. Eine Outbound- Partei die Lizenz wiederherstellen (oder eine neue
Lizenz ist die Lizenz zwischen dem Lizenzgeber und den eingehen), wenn sie ihre Nichteinhaltung behebt. In der
Nutzern, in diesem Fall die CC-Lizenz. Zwischenzeit, d. h. zwischen der Verletzungshandlung
und der Wiederherstellung, erfolgte Nutzungen werden
21 Grund dafür ist die Notwendigkeit einer durchgehen- jedoch nicht behoben. Siehe: „Lizenzdauer und Beendi-
den Lizenzkette. Der Lizenzgeber darf und kann keine gung“ in Kapitel 3.4, Abschnitt i.
Rechte erteilen, deren Eigentümer er nicht ist oder zu
deren Veräußerung er selbst nicht berechtigt ist. 29 Das SA-Merkmal wird detailliert im Kapitel 3.5,
Abschnitt c beschrieben.
22 Aus rechtlicher Sicht gibt es verschiedene Ansätze
zur Gestaltung von Autorenverträgen. In den Copyright- 30 Die CCPL4-Lizenz definiert Bearbeitungen wie folgt:
Systemen sind vollständige Übertragungen des Urhe- „Verändertes Material bedeutet nach dem Urheberrecht
berrechts in der Regel möglich. Das Urheberrecht nach oder verwandten Schutzrechten geschütztes Material,
kontinentaleuropäischem Vorbild ist jedoch in der Regel das vom lizenzierten Material abgeleitet wurde oder
nicht abtretbar. Nach diesen Rechtsordnungen können auf ihm basiert, und in dem das lizenzierte Material
nur Nutzungsrechte (Lizenzen) eingeräumt werden. übersetzt, abgewandelt, angeordnet, transformiert oder
Hierin liegt ein qualitativer Unterschied. Während anderweitig auf eine Weise geändert wurde, die nach
eine Lizenz lediglich eine Nutzungserlaubnis darstellt, dem Urheberrecht oder verwandten Schutzrechten einer
bewirkt eine Vollrechtsübertragung des Urheberrechts Zustimmung des Lizenzgebers bedarf“ (eigene Überset-
einen Eigentumsübergang. Aufgrund der internationalen zung). Siehe Abschnitt 1a des Rechtstextes: http://
Unterschiede existieren verschiedene Ansätze für „con- creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/legalcode.
tributor agreements“ wie sie in manchen Open-Content-
und Open-Source-Communitys verwendet werden. 31 Siehe zu den Bemühungen, das Problem der Lizenz-
Siehe hierzu: Maracke, 2013. Copyright Management inkompatibilität zu lösen und zur SA-Regel im Allgemei-
for Open Collaborative Projects: Inbound Licencing nen, Kapitel 3.5, Abschnitt c.
Models for Open Innovation. SCRIPTed, Bd. 10, Aus-
gabe 2, S. 140; http://script-ed.org/wp-content/ 32 Siehe zu den möglichen Auswirkungen im Detail,
uploads/2013/08/editorial.pdf. Kapitel 4.1.

23 Dieser Aspekt würde relevant werden, wenn ein


Artikel die Rechte eines Dritten, z. B. fremde Urheber-
rechte, verletzen würde. Wäre der Beitragende selbst

2. Grundlagen der Open-Content-lizenzierung 27


28 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
3. Das Creative-Commons-
Lizenzierungsmodell

Im freien Medienarchiv Wikimedia Commons


werden die besten Bilder von tausenden ehren-
amtlichen Beiträgern gewählt. Diese erhalten
das Prädikat „exzellente Bilder“. Dieses Bild
einer Eisblume ist eins davon.

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 29
CC ist das bei Weitem meistverbreitete oder mehrere von vier grundlegenden
Open-Content-Lizenzierungsmodell. Auf- Elementen (die „Lizenzmodule“), die
grund seiner Popularität und weiten Ver- durch Abkürzungen und Piktogramme
breitung kann man CC heute de facto als dargestellt werden.1
Standard für Open-Content-Lizenzen be- „BY“ steht für Namensnennung (die
zeichnen. Verpflichtung, den Autor und andere Perso-
nen zu nennen); „NC“ (NonCommercial)
3.1 Die sechs Creative- steht für „nicht-kommerziell“ (die kommer-
zielle Nutzung ist von der Lizenzerteilung
Commons-Lizenz- ausgenommen); „ND“ (NoDerivatives)
typen im Überblick bedeutet „keine abgeleiteten Werke“ (nur
exakte Kopien des Werks dürfen geteilt
Um den unterschiedlichen Bedürfnissen werden); und „SA“ (ShareAlike) bedeutet,
verschiedener Publikationsstrategien ge- dass das Werk geändert werden darf, und
recht zu werden, bietet CC insgesamt sechs geänderte Versionen veröffentlicht werden
Lizenzen und zwei Public-Domain-Werk- dürfen, jedoch nur unter der ursprünglichen
zeuge an. Jede Lizenz beinhaltet eines oder einer kompatiblen Lizenz.

Abbildung 1: Piktogramme der CC-Lizenzmodule

BY NC

ND SA

30 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Diese vier Module bilden die Bausteine kurzen Überblick über die verschiedenen
einer festgelegten Gruppe von sechs CC- CC-Lizenztypen. Die verschiedenen
Lizenzen: Die freizügigste Lizenz ist CC  Lizenzmodule, Einschränkungen und
BY. Sie erteilt unbeschränkte, unwider- Verpflichtungen werden in Abschnitt 3.5
rufliche, gebührenfreie, weltweite, unbe- näher beschrieben.
grenzte Rechte zur Nutzung des Werks
auf jede beliebige Weise durch beliebige a) CC BY (Namensnennung)
Nutzer für beliebige Zwecke. Die einzige
Voraussetzung ist, dass der Nutzer den Wie bereits erwähnt, erteilt CC BY eine
Autor und andere Parteien, die genannt unbeschränkte Lizenz zur Nutzung des
werden müssen, nennt und Urheberrechts- jeweiligen Inhalts. Wie der Inhalt genutzt
und Lizenzvermerke beibehält. Alle anderen wird, z. B. im Original oder in geänderter
Lizenztypen enthalten weitere Beschrän- Form, von wem oder für welchen Zweck,
kungen. Die restriktivste Lizenz ist CC  ist ohne Belang. Gemäß Abschnitt 3a des
BY-NC-ND. Sie erlaubt weder Änderungen Rechtstextes2 sind folgende Verpflichtungen
am Werk noch dessen kommerzielle einzuhalten:
Nutzung. Dieser Abschnitt gibt einen

Abbildung 2: Die sechs Creative-Commons-Lizenzen

CC BY CC BY-SA

CC BY-NC-SA CC BY-ND

CC BY-NC-ND CC BY-NC

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 31
1. Autor und zu nennende Dritte müssen Der einzige Unterschied zwischen CC BY-
so genannt werden, wie es der Lizenz- SA und CC BY ist das SA-Modul sowie die
geber verlangt, sofern diese Form der dazugehörige Klausel in Abschnitt 3b des
Nennung angemessen ist.3 Rechtstextes. Unter der CC BY-Lizenz ist
jeder, der das Werk bearbeitet, berechtigt,
2. Sofern vom Lizenzgeber zur Verfügung seine geänderte Version unter Bedingungen
gestellt, müssen Urheberrechtshinweise, seiner Wahl weiter zu verteilen. Bearbeiter
ein Verweis auf die CC-Lizenz (vorzugs- sind also nicht an die Lizenz des Ursprungs-
weise als Link auf die CC-Webseite), ein werks gebunden. Dagegen bindet CC BY-
Verweis, der sich auf den Garantie- und SA den Bearbeiter an die ursprüngliche
Haftungsausschluss Lizenz. Mit anderen
bezieht, und ein Die am weitesten verbrei- Worten: Bearbeitete
Link zur Original- Versionen dürfen nur
quelle angegeben
tete CC-Lizenz CC BY-SA unter CC BY-SA oder
werden. wird auch in der Wikipedia einer kompatiblen Li-
zenz veröffentlicht und
3. Wird das Werk in verwendet. geteilt werden.4 Außer
einer veränderten den oben erwähnten
Version geteilt, muss angegeben werden, Pflichten zum Hinweis auf Änderungen
dass es sich um eine geänderte Version muss die „Lizenz des Bearbeiters“5 den
handelt. Bereits enthaltene Änderungs- folgenden Bedingungen entsprechen:
hinweise müssen (wenn das Werk schon
zuvor modifiziert wurde) beibehalten 1. Der Bearbeiter muss entweder die
werden (siehe Abschnitt 3.a.1.B des Originallizenz oder eine spätere Version
Rechtstextes). dieser Lizenz verwenden. Frühere Versi-
onen dürfen nicht verwendet werden. Es
4. Soweit der Lizenzgeber dies fordert und kann auch eine andere CC-Lizenz ver-
es angemessen ist, ist der Nutzer ver- wendet werden, die dieselben Lizenzmo-
pflichtet, die unter Ziffer 2 genannten dule enthält, zum Beispiel eine portierte
Informationen zu entfernen. Version der CC BY-SA-Lizenz.6

5. Der Lizenznehmer darf nicht den Ein- 2. Auf die Lizenz des Bearbeiters muss
druck erwecken, dass seine Nutzung mit einem Hyperlink oder einem ande-
vom Lizenzgeber oder einem Dritten, ren angemessenen Hinweis hingewiesen
der Anspruch auf Namensnennung hat, werden.
in irgendeiner Weise unterstützt wird
(siehe Abschnitt 2.a.6 des Rechtstextes). 3. Die Nutzung der geänderten Version darf
nicht durch zusätzliche Bedingungen und
B) CC BY-SA (Namensnennung Bestimmungen oder technische Schutz-
– Weitergabe unter gleichen maßnahmen eingeschränkt werden.
Bedingungen)
C) CC BY-ND (Namensnennung –
Als generelle Lizenz von Wikipedia ist keine Bearbeitungen)
CC BY-SA eine der wichtigsten und meist
verbreiteten CC-Lizenzen. Wer vorhat, seine Die CC BY-ND-Lizenz erlaubt keine Be-
Inhalte mit Wikipedia-Inhalten zu kombinie- arbeitungen des Werkes. Um die Integrität
ren, sollte diese Lizenz verwenden. des Werks zu schützen, dürfen nur unver-

32 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
änderte Kopien veröffentlicht und geteilt kommerzielle Nutzungen. Die in Ziffer 1
werden. Die Einschränkung „Keine Bear- erwähnten allgemeinen Verpflichtungen
beitungen“ (NoDerivatives) kann zu erheb- gelten auch für diese Lizenz.
lichen Problemen mit der Kombination
verschiedener Inhalte, z. B. beim Remixen, 3.2 Public-Domain-
Sampeln oder bei gemeinsamen Publikatio-
nen, führen. Abgesehen davon sind die Werkzeuge von
Lizenzbedingungen dieselben wie bei der Creative Commons
oben beschriebenen CC BY-Lizenz.
Wie eingangs erwähnt, behält ein Rechte-
D) CC BY-NC (Namensnennung inhaber seine Urheberrechte, wenn er eine
– nicht-kommerziell) Open-Content-Lizenz verwendet. Mit einer
solchen Lizenz ist lediglich die Erlaubnis
Im Gegensatz zu den oben erwähnten verbunden, das Werk unter bestimmten
Lizenzen wird bei der CC BY-NC-Lizenz Bedingungen zu verwenden. Im Gegensatz
das Recht vorbehalten, den Inhalt kommer- dazu unterliegen gemeinfreie Werke nicht
ziell zu nutzen, d. h. ein Nutzer darf das (oder nicht mehr) dem Urheberrechtsschutz
Werk nicht zu kommerziellen Zwecken und dürfen ohne Einschränkungen verwen-
verwenden. Die betreffende Einschränkung det werden. Daher ist keine Genehmigung –
findet sich in Abschnitt 2.a.1 des Rechts- oder Lizenz – notwendig, um ihre Nutzung
textes. Abgesehen davon ist die Lizenz zu gestatten. Für die Kennzeichnung ge-
identisch mit CC BY und unterliegt daher meinfreier Werke bietet CC zwei Werkzeu-
denselben Bedingungen. ge an: Die Deklaration CC0 (keine Rechte
vorbehalten) um eigene Werke in die
E) CC BY-NC-SA (Namensnennung Gemeinfreiheit zu
– nicht-kommerziell – entlassen und die In einigen Rechtssystemen ist
Weitergabe unter gleichen Public Domain Mark es nicht möglich, auf Urheber-
Bedingungen) (kein Urheberrecht
bekannt) zur Kenn- rechte zu verzichten. Public-
CC BY-NC-SA ist eine Kombination von zeichnung von Wer-
Domain-Werkzeuge können
drei Modulen. Das Werk kann bearbeitet ken, die nicht oder
werden und bearbeitete Versionen können nicht mehr urheber- hier Abhilfe schaffen.
unter den in Ziffer 2 oben genannten Be- rechtlich geschützt
dingungen geteilt werden. Eine kommerzi- sind, z. B. wenn die Schutzfrist abgelaufen
elle Nutzung des Lizenzmaterials ist jedoch ist oder weil sie von vornherein nicht ge-
weder im Original noch in einer geänderten schützt waren.
Form zulässig. Diese Lizenz wird z. B. vom
Massachusetts Institute of Technology (MIT) a) CC0 (keine Rechte vorbehalten)8
im Open Courseware Project (OCW) ver-
wendet.7 CC0 ist ein Werkzeug, mit der ein Rechte-
inhaber sein urheberrechtlich geschütztes
F) CC BY-NC-ND (Namensnennung Werk für gemeinfrei erklären kann. Gene-
– nicht-kommerziell – keine rell soll dies durch einen Rechteverzicht
Bearbeitungen) geschehen. Er bewirkt, dass das Werk
gemeinfrei wird und entsprechend von
CC BY-NC-ND ist die restriktivste CC- jedermann ohne Einschränkungen oder
Lizenz. Sie erlaubt weder Änderungen noch Verpflichtungen verwendet werden darf.

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 33
CC0 ist nichts anderes als eine standardi- kommt zum Beispiel die zweite Ausweich-
sierte Erklärung eines solchen Verzichts und option ins Spiel.11
kann von jedem verwendet werden, der sein
Werk für gemeinfrei erklären möchte. b) Public Domain Mark
Da sich die einzelnen Urheberrechtsord- (kein Urheberrecht bekannt)
nungen, speziell die Copyright- und Urhe-
berrechtssysteme, unterscheiden, wurde Im Gegensatz zu CC0 ist die Public Domain
CC0 als dreistufiges Instrument geschaffen, Mark keine Erklärung, mit der der Rechte-
um seine weltweite Gültigkeit sicherzustel- inhaber sein Werk für gemeinfrei erklärt,
len. Im kontinentaleuropäischen Urheber- sondern ein Label für Werke, die bereits
recht, wie es in Deutschland, Frankreich gemeinfrei sind. Dieser Fall kann zum
oder Österreich gilt, ist es generell nicht Beispiel nach Ablauf der Schutzfrist eines
möglich, auf das Urheberrecht zu verzich- Werkes eintreten. Urheberrechte werden
ten und das „geistige Eigentum“ am Werk nur auf bestimmte Zeit gewährt. In Europa
aufzugeben. Das Urheberrecht wird als eine enden diese Rechte beispielsweise 70 Jahre
Art Menschenrecht betrachtet, das weder nach dem Tod des Autors. Nach dieser Zeit
verzichtbar ist, noch für sich genommen gilt das Werk als gemeinfrei und darf ohne
übertragen werden kann. Eine Verzichts- Einschränkungen verwendet werden.
erklärung wie CC0 wäre hier im Zweifel Der Zweck der Public Domain Mark
ungültig.9 Um dieses Dilemma zu vermei- besteht darin, es jedem zu ermöglichen,
den, wird der CC0-Verzicht durch zwei Werke, für die kein Urheberrechtsschutz
Ausweichoptionen ergänzt: mehr besteht, klar zu kennzeichnen. CC
Die erste ist eine liberale Lizenz ähnlich bietet auf seiner Webseite ein Werkzeug an,
CC BY, jedoch ohne Namensnennungs- das einen HTML-Code generiert, der für
pflicht.10 Es handelt sich daher um eine Li- online verfügbare, gemeinfreie Inhalte
zenz ohne Einschränkung oder Verpflichtung. verwendet werden kann. Dieser Code dient
Die zweite Ausweichoption ist ein rechtliches Suchmaschinen dazu, gemeinfreie Inhalte
Konstrukt, das man als Nichtangriffspakt auffinden zu können.
(„Non-Assertion Pledge“) bezeichnen kann. Bevor jemand ein Werk mit der Public
Dabei handelt es sich um ein rechtsverbindli- Domain Mark als gemeinfrei markiert, muss
ches Versprechen des Rechteinhabers, seine er sich über den rechtlichen Status des be-
Rechte auch dann nicht durchzusetzen und treffenden Werkes genau informieren. Die
gegen den Nutzer vorzugehen, wenn der Berechnung der genauen Schutzdauer kann
Verzicht und/oder die Lizenz rechtlich be- sich als schwierig erweisen, insbesondere im
trachtet ungültig sein sollten. Hinblick auf die verschiedenen Regelungen
Hinter dem dreistufigen Ansatz steht in den einzelnen Ländern. Werkzeuge wie
folgende Idee: Sollte die erste Lösung – der „Europeana Public Domain Calculator“
Rechteverzicht durch CC0 – nicht wirksam können bei dieser Aufgabe behilflich sein.12
sein, tritt die zweite Option – CC-BY-Li-
zenz, ohne Einschränkung oder Verpflich- 3.3 Generische und
tung – in Kraft, und wenn diese ebenfalls
wirkungslos sein sollte, würde Option drei portierte Lizenz-
– der Nichtangriffspakt – zum Tragen kom- Versionen
men. In einigen Ländern kann auf bestimm-
te Rechte in keinem Fall verzichtet werden Im Laufe der Jahre hat die CC-Initiative
bzw. können sie nicht Gegenstand einer ihre Lizenzen laufend weiter entwickelt,
Pauschallizenz sein. In diesen Fällen geändert und modernisiert. Die aktuelle

34 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Version, „CC Public License Version 4.0“ auch europäischem Verbraucherschutz-
(CCPL4), wurde am 26. November 2013 recht ungültig ist.17 Ist eine Lizenzklausel
veröffentlicht. Die CC Public-License-Ver- ungültig, ergeben sich komplexe Fragen.
sionen 3 (CCPL3) und CCPL4 unterschei- Solche Situationen können zu rechtlichen
den sich in mehrerer Hinsicht, d. h. sie Unsicherheiten führen, die Organisationen
enthalten im Detail feine, wenn auch oft und Einzelpersonen davon abhalten könn-
wichtige, Unterschiede.13 ten, die Lizenz überhaupt zu verwenden.18
Die CC-Lizenzen wurden ursprünglich Aus diesem und aus anderen Gründen
vor dem Hintergrund des US-Urheber- richtete das CC-Projekt ein Netzwerk von
rechtsgesetzes entwickelt. Nichtsdestotrotz Mitgliedsorganisationen ein, die die Lizen-
waren sie nicht als reines US-Projekt ge- zen in ihre jeweiligen Rechtsordnungen
dacht, sondern als internationale Initiative portieren. Die CC-Lizenzen Version 3
um die weltweite kulturelle Allmende zu (CCPL3) wurden in mehr als 60 Rechts-
fördern. Schon bald nach ihrer ersten Ver- ordnungen portiert.
öffentlichung löste das steigende weltweite Interessanterweise hat CC seine Einstel-
Interesse an den CC-Lizenzen eine Diskus- lung zum Portieren mittlerweile geändert.
sion über die Notwendigkeit weiterer, an Für die CCPL4 sind derzeit keine Lizenz
die Rechtsordnungen anderer Länder ange- portierungen absehbar. In der Einführungs-
passter, Lizenzversionen aus.14 2003 rief mitteilung von CCPL4 statuiert die Initiative,
CC ein internationales Lizenzportierungs- dass die CCPL4-Lizenzen nicht portiert
projekt namens „Creative Commons Inter- werden müssen. In der aktuellen FAQ-
national“ ins Leben. „Portieren“ bedeutet Version erklärt CC: „Ab Version 4.0 rät CC
in diesem Sinn nicht von portierten Versionen
nur die Übersetzung, „Portierte“ freie Lizenzen ab und hat neue Portie-
sondern auch die rungsprojekte auf unbe-
sprachliche und recht-
sind an die jeweilige Sprache stimmte Dauer bis 2014
liche Anpassung der und Rechtsordnung eines ausgesetzt [bis heute
Bestimmungen an wurde dieser Hinweis
eine bestimmte Landes angepasst. nicht angepasst, Anm.
Rechtsordnung. Ziel des Verf.]. Zu diesem
war es, die CC-Lizenzen an zahlreiche Zeitpunkt wird CC die zukünftige Notwen-
Rechtsordnungen weltweit anzupassen digkeit des Portierens neu evaluieren. […]
und sie in diesen Rechtsordnungen durch- Wir empfehlen Ihnen die Verwendung
15
und einsetzbar zu machen. Außer diesen einer internationalen Lizenz der Version
portierten Versionen bietet CC nun auch 4.0. Dies ist die modernste Version unserer
internationale Versionen ihrer Lizenzen Lizenzen, die nach eingehenden Beratun-
an, sogenannte nicht portierte/generische gen mit unserem globalen Mitgliedernetz-
16
Versionen. werk entwickelt und so formuliert wurde,
Die rechtliche Sprache und gesetzliche dass sie international gültig ist. Derzeit
Bestimmungen sind von Land zu Land gibt es keine Portierungen von 4.0, voraus-
verschieden. Lizenzen, die auf dem US- sichtlich wird es auch in Zukunft, wenn
Recht basieren, können in anderen Teilen überhaupt, nur wenige geben” (eigene
der Welt teilweise ungültig sein. Das trifft Übersetzung).19
beispielsweise auf den Haftungs- und Ge- Es kann bezweifelt werden, dass eine
währleistungsausschluss in den ursprüngli- Lizenz weltweit im vollen Umfang gültig
chen US-amerikanischen CC-Lizenzen zu, sein kann. Derzeit erscheint es jedoch
der nach deutschem Recht und im Zweifel unwahrscheinlich, dass das Lizenzportie-

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 35
rungsprojekt fortgeführt wird, selbst wenn eine Rechtswahlklausel, nach der der Li-
es viele Rechteinhaber möglicherweise zenzvertrag und dessen Auslegung franzö-
vorziehen würden, eine Lizenz zu verwen- sischem Recht unterliegen.22 Diese Regel
den, die nicht nur in ihre Muttersprache vereinfacht die rechtliche Beziehung zwi-
übersetzt, sondern auch an ihre Rechts- schen multinationalen Lizenznehmern und
ordnung angepasst ist. Es ist daher wahr- dem Lizenzgeber, weil sie eine bestimmte
scheinlich, dass viele die CCPL3-Lizenzen Rechtsordnung als anzuwendendes Recht
zumindest eine Zeit lang weiterverwenden festlegt. Ohne Rechtswahlklausel kann sich
werden. Insbesondere bei größeren Projek- die Identifikation des anzuwendenden
ten, an denen viele Autoren beteiligt sind, Rechts als äußerst komplex erweisen, da
und einem dezentralisierten Lizenzsystem sich dies je nach der Nationalität des jewei-
ist das zu erwarten. Soll die Lizenz für ligen Lizenznehmers oder seines Wohnor-
zahlreiche Werke und Beiträge geändert tes ändern kann.23
werden, z. B. in eine neuere Version oder Auf der anderen Seite sollte man be-
einen anderen Lizenztyp, müssen alle denken, dass portierte Lizenzen auf Seiten
Rechteinhaber einverstanden sein. Dies vieler Nutzer zu Rechtsunsicherheiten
könnte sich als ziemlich schwierig erwei- führen können. Ausländische Nutzer wer-
sen, da CC-Lizenzen im Gegensatz zu den eine französischsprachige Lizenz oft
einigen FOSS-Lizenzen keine „Any later nicht verstehen und sie werden auch das
version“-Klausel enthalten.20 französische Recht nicht kennen. Die
Während es verständlich ist, dass Lizenz- Festlegung auf eine bestimmte Sprachfas-
geber eine Lizenz bevorzugen, die an ihre sung und – wegen der Rechtswahlklauseln
Sprache und ihre Rechtsordnung angepasst in den portierten Lizenzen – kann sich
ist, hängt die Antwort auf die Frage, ob also auch nachteilig auf Verwertung und
portierte Versionen Nutzung des Werkes auswirken. Da der
Wenn ein Nachnutzer einen vorteilhaft sind, von Lizenzgeber die Nutzung gerade fördern
frei lizenzierten Inhalt ver- zahlreichen komplexen wollte, beeinträchtigen solche Hindernisse
Überlegungen ab. auch seine Interessen.24
ändert, kann er nur über die Letztendlich ist sie Deshalb haben die internationalen/

Lizenz für seine eigenen Ände- von dem jeweiligen nicht portierten CC-Lizenzen mit ihrem
Fall abhängig. Hier „multinationalen Ansatz“ speziell für
rungen entscheiden. Das Ori- sind nur einige kurze Online-Inhalte ihre Vorzüge. Auch in
Bemerkungen zu As- multinationalen Multi-Autoren-Projekten
ginalwerk steht weiterhin unter
pekten möglich, die sind sie von Vorteil. Für Wikipedia würde
seiner ursprünglichen Lizenz. grundsätzlich berück- es beispielsweise keinen Sinn machen, eine
sichtigt werden sollten. portierte Lizenz zu verwenden. Dies würde
Auf den ersten Blick könnte es zum in vielen Fällen dazu führen, dass sich
Beispiel für einen französischen Rechte- sowohl Lizenzgeber als auch Lizenznehmer
inhaber vorteilhaft erscheinen, für seine mit einer fremden Rechtsordnung auseinan-
Werke die portierte französische CC- dersetzen müssten.25 Für solche Projekte ist
Lizenz zu verwenden. Zunächst ist eine es besser, wenn das anwendbare Recht nach
Lizenz in der eigenen Muttersprache dem internationalen Privatrecht bestimmt
sprachlich leichter verständlich.21 Zudem wird, auch wenn dies komplex ist. Dies
ist es einfacher, die rechtlichen Auswirkun- würde im Zweifel dazu führen, dass auf
gen abzuschätzen, wenn die Lizenz auf den Lizenzvertrag entweder das Heimat-
den Gesetzen des eigenen Landes basiert. recht des Lizenzgebers oder des Lizenz-
Im Übrigen enthält die französische Lizenz nehmers anzuwenden wäre.

36 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Übersetzungen teilen unter eine andere Lizenz stellen
kann. Sieht die Lizenz keine Lösung für
Die internationalen/nicht portierten Lizen- diesen Problem vor, könnte das zu der
zen sind in verschiedene Sprachen übersetzt verwirrenden Situation führen, dass der
worden. Dies gilt insbesondere für die Nutzer eines wiederholt geänderten Werks
CCPL3-Lizenzen. Erste offizielle Überset- verschiedene Lizenzen gleichzeitig einzu-
zungen von CCPL4-Lizenzen sind ebenfalls halten hat.
bereits verfügbar. CCPL4 enthält eine neue Regel, die
eine einfache Lösung für dieses Problem
Portierte und nicht portierte oder verschie- bietet: Der Nutzer eines bearbeiteten
dene sprachliche Versionen bei Bearbei- Werkes ist nur an die (letzte) „Bearbeiter-
tungen Lizenz“ gebunden, die dieser Version
des Werkes beigefügt war.26 Frühere
Ein Werk, das mehrmals geändert wurde, Lizenzen, die für vorherige Versionen
könnte in einer späteren Version verschie- des Werks gültig waren, werden gegen-
denen Lizenzversionen unterliegen, auch standslos.27
wenn es ursprünglich unter einer SA-Li-
zenz veröffentlicht wurde. Die SA-Lizenz 3.4 Allgemeine Lizenz-
erlaubt es dem Bearbeiter, nicht nur die
ursprüngliche, sondern auch eine kompa- bedingungen, Nut-
tible Lizenz für seine Version zu verwen- zerpflichten und
den. Kompatible Lizenzen sind z. B. Einschränkungen
portierte Versionen derselben Lizenz.
Darüber hinaus könnte sich der Bearbeiter
der Creative-Com-
auch dafür entscheiden, seine Fassung des mons-Lizenzen
Werks unter einer späteren Version dersel-
ben Lizenz zu veröffentlichen. Der Bear- Alle CC-Lizenzen enthalten ein einheitli-
beiter eines Werkes, das ursprünglich ches Set nahezu identischer genereller
unter CC BY-SA 3.0 veröffentlicht wurde, Regelungen. Diese werden im Anschluss
könnte seine bearbeitete Version des Wer- dargestellt. Die Lizenzmodule NC, ND und
kes unter CC BY-SA 4.0 veröffentlichen. SA, nach denen die Lizenztypen unter-
War die ursprüngliche Lizenz eine nicht schieden werden, werden in Abschnitt 3.5
portierte CC BY-SA 3.0-Lizenz, könnte näher erläutert.
für die Bearbeitung alternativ z. B. eine
deutsche oder französische CC BY-SA a) Lizenzerteilung
3.0-Lizenz gewählt werden.
Dabei ist zu bedenken, dass jede Bear- Die Lizenzerteilungsklausel in Abschnitt 
beitung eines Werks weiterhin auch das 2a des Rechtstextes weicht zwischen den
ursprüngliche Werk enthält. Aus rechtli- verschiedenen Lizenzversionen leicht ab.
cher Sicht kann der Bearbeiter nur die Gemeinsam ist ihnen, dass eine nicht-exklu-
von ihm vorgenommenen Änderungen sive, unwiderrufliche, gebührenfreie und
lizenzieren; die nicht-geänderten Teile weltweite Lizenz erteilt wird, die den Inha-
des Werks werden weiterhin vom Urheber ber berechtigt, das Material auf jede Art und
des „Originals“ unter der ursprünglichen Weise zu teilen und zu kopieren. Mit ande-
Lizenz lizenziert. Das bedeutet, dass der ren Worten: Das Werk darf in jeder Form
Bearbeiter seine Fassung des Werkes nicht (digital oder nicht digital) und auf allen
umlizenzieren und sie mit allen Bestand- Medien (z. B. Festplatten, Papier, Servern

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 37
etc.) vervielfältigt werden. Es darf auch nommen wird, die vom Anwendungsbe-
durch beliebige Mittel wie z. B. über das reich des ausschließlichen Urheberrechtes
Internet, in Form von physischen Kopien umfasst ist. Wird ein Werk auf eine Weise
(unter anderem auf CD oder in gedruckter genutzt, die außerhalb des urheberrechtli-
Form) oder per E-Mail übertragen werden. chen Schutzbereichs liegt oder die bereits
Es liegt auf der Hand, dass sich die vom Gesetz gestattet ist, braucht sich der
Lizenzerteilung in Bezug auf die kommer- Nutzer nicht an die Lizenzverpflichtungen
zielle und die nicht-kommerzielle Nutzung zu halten. Nachstehend werden einige
von Lizenz zu Lizenz unterscheidet. Beispiele diskutiert, wann dies der Fall
Während die NC-Lizenzen kommerzielle sein könnte.
Nutzungen nicht gestatten, erlauben alle
anderen Lizenztypen auch diese Art der Fälle, in denen die Lizenz nicht benötigt
Nutzung. In Bezug auf das Recht, geänderte wird und entsprechend nicht anwendbar
oder angepasste Versionen des Werkes zu ist: interne Nutzung
veröffentlichen und mit anderen zu teilen,
unterscheiden sich die ND-Versionen von Abschnitt 2.a.2 des Rechtstextes besagt:
den anderen Lizenzvarianten. Auch die „Ausnahmen und Einschränkungen. Zur
ND-Lizenzen gestatten es, Änderungen Klarstellung: Diese freie Lizenz gilt nicht,
vorzunehmen. Sie zu veröffentlichen und wenn Ihre Nutzung durch eine Schranken-
zu teilen, erfordert jedoch eine über die bestimmung gestattet ist, und Sie sind nicht
Lizenz hinausgehende, individuelle Geneh- verpflichtet, diese Lizenzbestimmungen
migung des Lizenzgebers. einzuhalten“ (eigene Übersetzung). Zudem
Laut Abschnitt 2.a.1 des Rechtstextes besagt Abschnitt 8a des Rechtstextes:
sind alle CC-Lizenzen „nicht unterlizen- „Zur Klarstellung: Diese freie Lizenz
zierbar“. Diese Formulierung ist ein wichti- dient nicht dazu und soll nicht dahingehend
ges Grundprinzip ausgelegt werden,
der freien Lizenzie- Nur der Urheber oder Inha- Nutzungen des Materi-
rung: Die Nutzungs- als einzuschränken, zu
rechte am Material
ber exklusiver Nutzungsrechte begrenzen oder ihnen
werden dem Nutzer kann Nachnutzungsrechte Bedingungen aufzuer-
vom Rechteinhaber legen, die ohne eine
erteilt. Der Nutzer und Unterlizenzen erteilen. Erlaubnis aus dieser
ist nicht berechtigt, freien Lizenz gestattet
anderen Nutzern Rechte an dem Material sind“ (eigene Übersetzung).
zu erteilen, d. h., er kann keine Unterlizen- Mit anderen Worten: Nutzungen, die
28
zen erteilen. Diese Konstruktion verhin- keine Lizenz erfordern, lösen die Lizenz-
dert komplexe Lizenzketten, die sich verpflichtungen nicht aus. Gesetzliche
ergeben würden, wenn die Werke mehrfach Nutzungsfreiheiten (z. B. Schrankenbestim-
weitergegeben und dabei jeweils von Nut- mungen) wie das Zitatrecht werden durch
zer zu Nutzer weiterlizenziert würden. die Lizenz nicht verändert oder einge-
schränkt. Fällt eine Nutzung unter eine
b) Lizenzabschluss und gesetzliche Nutzungsfreiheit, findet die
Wirksamkeit der Lizenz- Lizenz hierauf keine Anwendung und ihre
verpflichtungen Bedingungen müssen nicht eingehalten
werden. Sind z. B. Privatkopien nach dem
Die Lizenz und ihre Bedingungen werden Urheberrechtsgesetz eines Landes erlaubt,
erst wirksam, wenn eine Nutzung vorge- gelten hierfür die gesetzlichen Regeln, nicht

38 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
die CC-Lizenz. Der Nutzer ist daher nicht Mitgliedern der Öffentlichkeit30 zugänglich
verpflichtet, deren Lizenzverpflichtungen gemacht, braucht der Nutzer der Verpflich-
einzuhalten. Wenn er eine private Kopie tung zur Namensnennung nicht nachzu-
anfertigt, müsste er beispielsweise – ent- kommen.
gegen der Regeln in der CC-Lizenz – den
Autor nicht nennen. Sollte er sich jedoch Der Ausdruck „öffentlich“
entschließen, seine private Kopie auf eine
Webseite hochzuladen, wird die Lizenz Einfach ausgedrückt bedeutet „Teilen“ die
wirksam, und die Lizenzverpflichtungen Weitergabe des Materials an Mitglieder der
werden bindend, weil es sich hierbei nicht Öffentlichkeit. Doch was bedeutet „öffent-
mehr um eine private Nutzung handelt. lich“ im Kontext freier Lizenzen? Die Frage
Das Urheberrecht enthält eine Vielzahl ist speziell für Unternehmen und öffentliche
von Schranken, nicht nur, was die Nutzung Einrichtungen, aber auch für private Nutzer
im privaten Raum anbelangt. Jede Nutzung, von enormer praktischer Bedeutung. Öf-
die unter diese gesetzlichen Befugnisse – fentliche Nutzungen unterliegen den Li-
man nennt sie auch gesetzliche Lizenzen – zenzpflichten und -einschränkungen, nicht
fällt, kann ohne Einhaltung der CC- Lizenzen öffentliche (z. B. private) Nutzungen nicht.
erfolgen. Vereinfacht ausgedrückt: Die Wie wichtig die Unterscheidung ist, soll
Rechteeinräumung und Lizenzpflichten der anhand von zwei Beispielen veranschaulicht
CC-Lizenz werden werden: Stellen Sie sich
nur relevant, wenn Freie Lizenzen treten erst vor, eine Facebook-Nut-
das Material veröf- dann in Kraft, wenn ein Werk zerin postet auf ihrer
fentlicht und geteilt Pinnwand ein ND-Foto
wird (und auch hier öffentlich zugänglich ge- einer anderen Person.
nicht in jedem macht oder verbreitet wird. Vor dem Posten passt sie
Fall).29 Insbesondere dieses Foto optisch und
in der Privatsphäre darf CC-Material fast technisch an. Ihre Facebook-Postings sind
ohne Einschränkungen verwendet werden. nur für ihre direkten Kontakte zugänglich.
Gemäß Abschnitt 2.a.1 des Rechtstextes ist Würde diese Nutzung als öffentlich einge-
die Verpflichtung zur Namensnennung nur stuft (weil ihre Kontakte als Mitglieder der
dann einzuhalten, wenn das Werk „geteilt“ Öffentlichkeit gelten), würde die Nutzerin
wird. „Teilen“ wird in Abschnitt 1i des die Lizenzbedingungen verletzen, weil es die
Rechtstextes wie folgt definiert: „Bereitstel- ND-Lizenz untersagt, geänderte Fassungen
lung von Material an die Öffentlichkeit des Materials mit Mitgliedern der Öffentlich-
durch jegliche Mittel oder Verfahren, die keit zu teilen. Wären ihre Kontakte jedoch
nach den rechtlichen Bestimmungen einer nicht „Mitglieder der Öffentlichkeit“, wäre
Genehmigung bedürfen, wie Vervielfälti- ihre Nutzung erlaubt.
gung, öffentliche Ausstellung, öffentliche Ein weiteres Beispiel: Ein Unternehmen
Darbietung, Verteilung, Verbreitung, Mit- produziert eine Broschüre, die einige Fotos
teilung oder Import sowie die öffentliche enthält, die unter einer ND-Lizenz stehen,
Wiedergabe des Materials unter anderem die aber für die Broschüre verändert wur-
derart, dass Mitglieder der Öffentlichkeit den. Die Broschüre wird nur innerhalb des
an einem Ort und zu einem Zeitpunkt ihrer Konzerns verteilt, jedoch nicht an Dritte.
Wahl auf diese Materialien zugreifen kön- Stellt die Verteilung innerhalb des Kon-
nen“ (eigene Übersetzung). zerns eine interne Nutzung oder eine
Im Kontext betrachtet bedeuten die Verteilung an die Öffentlichkeit dar? Wäre
beiden Klauseln: Wird das Material nicht Letzteres der Fall, würde die Nutzung

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 39
gegen die Lizenzbedingungen verstoßen. lichkeit“ betrachtet, müsste die „geheime
Auch bei SA-Lizenzen ist die Unterschei- Version“ unter einer CC BY-SA-Lizenz
dung zwischen öffentlichen und nicht lizenziert werden. In diesem Fall könnte sie
öffentlichen Nutzungen äußerst relevant. von jedermann (z. B. von Mitarbeitern oder
Wie bereits erwähnt, verpflichtet das SA- von Dritten) geteilt und neu veröffentlicht
Modul Bearbeiter dazu, ihre geänderten werden. Würde die Nutzung jedoch als
Versionen des Materials unter derselben nicht öffentlich eingestuft, würde die SA-
Lizenz zu lizenzieren. Diese Bestimmung Verpflichtung nicht ausgelöst werden, und
wird oft mit einer „Publikationsverpflich- das Unternehmen könnte selbst bestimmen,
tung“ verwechselt. Tatsächlich verpflichtet dass sie nicht Dritten zugänglich gemacht
das SA-Modul Bearbeiter nicht, geänderte werden darf („all rights reserved“).
Versionen zu veröffentlichen. Sie können Was bedeutet nun also „öffentlich“
sich ohne weiteres entscheiden, ihre Fas- genau? Im Gegensatz zu CCPL3-Lizenzen
sung für sich zu behalten oder sie nur mit erklären die CCPL4-Lizenzen diesen Begriff
ausgewählten Personen zu teilen, ohne die nicht. Sie definieren nur den Ausdruck
SA-Bestimmung zu verletzen.31 SA ist „teilen“, der andererseits eine Nutzung in
keine Pflicht zur Veröffentlichung, sondern der Öffentlichkeit impliziert. Weil die Lizenz
gibt nur Regeln für den Fall vor, dass veröf- keine Definition für den Begriff „öffentlich“
fentlicht wird. Entscheidet sich der Bearbei- vorgibt, muss er nach den Regelungen des
ter dazu, seine Version mit Mitgliedern der anwendbaren Urheberrechts ausgelegt wer-
Öffentlichkeit zu teilen, muss er sie unter den. In verschiedenen Rechtsordnungen
derselben oder unter einer kompatiblen werden dieser und andere Ausdrücke jedoch
Lizenz lizenzieren. Ob sie überhaupt geteilt unterschiedlich interpretiert, was eine uni-
wird oder mit wem, obliegt der freien Ent- versell gültige Antwort unmöglich macht.
Die europäische scheidung des Bearbeiters. In den europäischen Urheberrechts-
InfoSoc-Richtlinie
Daher ist die Bedeutung des Begriffs richtlinien und dem dadurch geschaffenen
setzt den WIPO-Urhe-
berrechtsvertrag um, „öffentlich“ oder, genauer ausgedrückt, „Acquis Communautaire” (gemeinschaftli-
um bestimmte Aspekte die „Bereitstellung von Material an die cher Besitzstand) wird der Ausdruck „öf-
des Urheberrechts auf
europäischer Ebene Öffentlichkeit“, wie es in den CC-Lizenzen fentlich“ in verschiedenen Kontexten
zu harmonisieren. heißt, wesentlich für das SA-Modul und verwendet. Auch sie enthalten jedoch keine
entscheidend in der Praxis. Ein letztes allgemeine oder allumfassende Definition
Beispiel zu diesem spezifischen Fall: des Begriffs. Immerhin wurde der Begriff
Nehmen wir die oben erwähnte Situation, der Öffentlichkeit in einigen Urteilen des
in der das Unternehmen seine Broschüre Europäischen Gerichtshofs (EuGH) ausge-
innerhalb des Konzerns verteilen möchte. legt, der sich für die folgenden grundlegen-
Stellen Sie sich vor, dass es sich bei der den Interpretationsregeln entschieden hat:
Broschüre um eine geänderte Version einer
anderen Broschüre handelt, die ursprüng- • „Öffentlich“ bedeutet, die „Zugänglich-
lich unter einer CC BY-SA-Lizenz lizenziert machung eines Werkes … in geeigneter
war. Das Unternehmen fügt nun Informati- Weise für Personen allgemein, also nicht
onen hinzu, die Geschäftsgeheimnisse auf besondere Personen beschränkt, die
enthalten, weshalb die eigene Fassung nur einer privaten Gruppe angehören“.32
innerhalb des Konzerns geteilt werden und
nicht „nach draußen gelangen“ soll. Würde • Der Ausdruck „öffentlich“ impliziert,
die Übertragung der Broschüre von einer dass eine Kommunikation oder eine
Konzerngesellschaft an eine andere als Bereitstellung von Werken eine relativ
„Bereitstellung von Material an die Öffent- große Zahl von Personen anspricht.33

40 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Dies schließt Personengruppen aus, die mens, wo es für alle Mitarbeiter zugänglich
zu klein sind, um signifikant zu sein. ist, eine öffentliche Zugänglichmachung
Eine signifikante Gruppe kann auch oder im Sinne von CCPL4 ein Akt des
nacheinander erreicht werden. Das Urteil Teilens ist. Weiter ist unklar, ob die Über-
des EuGH besagt: „In diesem Zusam- tragung von Kopien von einem Konzernun-
menhang kommt es nicht nur darauf an, ternehmen an ein anderes oder von einer
wie viele Personen gleichzeitig Zugang öffentlichen Einrichtung an eine andere
zu demselben Werk haben, sondern auch Einheit dieser Einrichtung ein öffentliches
darauf, wie viele von ihnen in der Folge Zugänglichmachen darstellt.
Zugang zu diesem Werk haben.”34 Letztendlich müssen diese Fragen von
Fall zu Fall entschieden werden. Dies gilt
• Es ist relevant, ob der Nutzer finanziell insbesondere für die Interpretation des
von der Nutzung profitiert.35 Begriffes „Teilen“ in den CCPL4-Lizenzen,
da dieser Ausdruck eine Reihe von Nutzun-
• Es ist wichtig, ob sich die Kommunikati- gen umfasst, die unter dem Urheberrecht
on oder die Bereitstellung bewusst an unterschiedlich behandelt werden, wie z. B.
eine öffentliche Gruppe richtete.36 öffentliche Ausstellung, öffentliche Darbie-
tung, Verbreitung, öffentliche Wiedergabe
• Bei online verfügbaren Werken erfor- oder Zugänglichmachung.
dert eine „Bereitstellung an die Öffent- Nach europäischem Urheberrecht be-
lichkeit“ das Ansprechen einer „neuen deutet „Verbreitung“ (an die Öffentlichkeit)
Öffentlichkeit“, d. h. „ein Publikum, eine Weitergabe physischer Kopien (z. B.
das die Inhaber des Urheberrechts nicht CDs oder Bücher). „Öffentliche Zugäng-
hatten erfassen wollen, als sie die ur- lichmachung“ bezieht sich wiederum auf
sprüngliche öffentliche Wiedergabe die Bereitstellung von Werken im Netz.
erlaubten.”37 Das bedeutet zum Beispiel, Unterschiedliche Ausführungen in einer
dass Hyperlinks zu Werken, die der Reihe von Urteilen des EuGH und auch
allgemeinen Öffentlichkeit bereits online z.B. des deutschen Bundesgerichtshofs
(ohne technische Einschränkung) zur (BGH) legen die Annahme nahe, dass sich
Verfügung gestellt wurden, nicht als das Verständnis des Begriffs „öffentlich“
Zugänglichmachung oder als „Bereit- wandelt, je nachdem um welche Art der
stellung“ an die Öffentlichkeit betrach- Nutzung es sich handelt.
tet werden können.38 Mit hinreichender Sicherheit kann man
lediglich davon ausgehen, dass Nutzungen
Obwohl diese allgemeinen Prinzipien viele innerhalb der Privatsphäre, d. h. innerhalb
Detailfragen zum Begriff „öffentlich“ im von Gruppen, die persönlich miteinander
Urheberrecht beantworten, erlauben sie verbunden sind, auch nach den CC-Lizen-
keine präzisen Antworten auf Situationen, zen ausnahmslos als nicht öffentlich zu
die vom EuGH noch nicht entschieden werten sind. Sich einen Film gemeinsam
wurden. Mit anderen Worten: Dem europä- mit Freunden anzusehen, eine Kopie eines
ischen Acquis Communautaire im Urheber- Textes per E-Mail an nahestehende Kollegen
recht mangelt es an einer einheitlichen zu senden oder Fotos über einen Dropbox-
Auslegung der Begriffe öffentliche Wieder- Ordner einer kleinen Gruppe ausgewählter
gabe oder öffentliche Zugänglichmachung. Personen zugänglich zu machen, gilt nicht
So ist es zum Beispiel noch weitgehend als „teilen“ im Sinne der Lizenzen.
unklar, ob das Hochladen von geschütztem Andererseits ist davon auszugehen, dass
Material in das Intranet eines Unterneh- jede Online-Nutzung, die sich an die allge-

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 41
meine Öffentlichkeit wendet, gemäß den geber wesentlich. Sie gewährleistet, dass die
CC-Lizenzen als Teilen zu verstehen ist, Namen der Rechteinhaber genannt werden,
da die potenzielle Zielgruppe nicht durch was wichtig für sie ist, um Anerkennung
technische Maßnahmen eingeschränkt und/oder Sichtbarkeit zu erlangen. Die Na-
wird. Dies gilt unabhängig davon, ob der mensnennung ist daher die wichtigste Ge-
Nutzer einen kommerziellen oder einen genleistung für Personen, die freie Inhalte
nicht-kommerziellen Zweck verfolgt.39 veröffentlichen, seien es der Autor, ein Un-
Natürlich verbleiben auch angesichts dieser ternehmen oder eine öffentliche Institution.
generellen Grenzziehung zahllose Konstella- Die Bedeutung der Namensnennung
tionen, bei denen die Abgrenzung zwischen wird durch die Tatsache unterstrichen, dass
öffentlicher und nicht öffentlicher Nutzung alle CC-Lizenzen das BY-Merkmal enthal-
schwierig ist. Das Teilen zwischen separaten ten. Die betreffende Verpflichtung findet
und unabhängigen Rechtspersonen, z. B. sich in Abschnitt 3a des Rechtstextes.
zwischen zwei voneinander unabhängigen
Gesellschaften, wird üblicherweise als (öf- Ordnungsgemäße Namensnennung
fentliche) Verbreitung oder Zugänglichma-
chung eingestuft, während die hausinterne Die CC-Lizenzen sind relativ flexibel, was
Verbreitung von Materialien innerhalb eines die Namensnennungspflicht betrifft. Vom
Unternehmens eher nicht als Teilen anzuse- Nutzer wird lediglich verlangt, in „ange-
hen sein wird.40 messener Weise“ auf den Rechteinhaber
Noch immer ist jedoch weitgehend hinzuweisen. 41 Selbst wenn der Lizenzge-
unklar, ob der Begriff „öffentlich“ im Fall ber eine bestimmte Methode der Namens-
der Verbreitung (d. h. der Überlassung nennung vorschlägt/vorschreibt, ist dies für
physischer Kopien) anders auszulegen ist den Lizenznehmer nur dann bindend, wenn
als bei der Bereitstellung immaterieller er dies in angemessener Weise erfüllen
Kopien (über ein Netzwerk oder per kann. Das schafft Spielraum für eine Reihe
E-Mail). Eine Entscheidung der europäi- von Methoden zur „attribution“ (Namens-
schen Gerichte, unter welchen Umständen nennung), die je nach den spezifischen
immaterielle Kopien geschützter Werke, Medienformaten und Nutzungsfällen an-
z. B. zwischen einzelnen Unternehmen wendbar sein können. Für die korrekte
oder innerhalb einer professionellen Umge- Namensnennung gibt es verschiedene Er-
bung, als öffentlich oder als nicht öffentlich klärungen42 auf der CC-Webseite und eine
zu behandeln ist, steht noch aus. Reihe von Best-Practice-Richtlinien.43
Weil es an einer allgemeinverbindlichen Sich bei der Namensnennung lizenzge-
Auslegung des Öffentlichkeitsbegriffs im recht zu verhalten ist einfacher, wenn man
europäischen Urheberrecht für viele Fälle das allgemeine Konzept der Namensnennung
noch fehlt, kann auch die Frage, ob die und ihre Ziele verstanden hat. In den folgen-
Lizenzverpflichtungen der CC-Lizenzen den Absätzen werden daher die Hintergrün-
in der jeweiligen Konstellation ausgelöst de der oben genannten Regeln erklärt:
werden, nur im Einzelfall unter Zugrunde- Vor allem ist es wichtig zu verstehen,
legung der jeweils anwendbaren nationalen dass der Hinweis auf den Rechteinhaber
Rechtsordnung ermittelt werden. nur dann seinen Zweck erfüllen kann,
wenn der Nutzer ihn mit einem bestimmten
c) Namensnennung Werk in Verbindung bringen kann. Würde
sich ein Webseiten-Betreiber beispielsweise
Die Verpflichtung, den Autor und/oder dafür entscheiden, alle Namensinformatio-
Dritte zu nennen, ist für die meisten Lizenz- nen für alle implementierten Bilder auf

42 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
einer zentralen Seite zusammenzufassen, Lizenzhinweis und Haftungsausschluss
müsste er dafür sorgen, dass jede Namens- (Abschnitt 3.a.1.A.iii des Rechtstextes)
nennung dem richtigen Bild zugeordnet
werden kann (z. B. durch einen Hyperlink Die Verpflichtung, eine Kopie der Lizenz
auf die jeweilige Bilddatei, auf die sich deroder einen Link auf sie bereitzustellen, ist
betreffende Hinweis bezieht). Je näher der notwendig, um sicherzustellen, dass über-
Hinweis auf den Rechteinhaber mit dem haupt alle Nutzer von der Lizenz profitie-
jeweiligen Inhalt verbunden ist, desto eher ren können. Ein Nutzer kann eine Lizenz,
wird die Verpflichtung zur Namensnennung von der er nichts weiß, weder erhalten
eingehalten, und ihre Intention und ihr noch die Lizenzbestimmungen befolgen.
Zweck werden erfüllt. Sind der spezifischen Kopie, auf die der
Nutzer zugegriffen hat, keine Lizenzinfor-
Verpflichtung zur Nennung des Namens mationen beigefügt, erhält er auch keine
des Autors und „anderer Personen, Nutzungsrechte. Er handelt dann ohne
die genannt werden müssen“ (Abschnitt ordnungsgemäße Berechtigung, was zu
3.a.1.A.i des Rechtstextes) Urheberrechtsverletzungen führen kann,
wenn das Werk geteilt wird.
Die Verpflichtung, den Namen des Autors Die Verpflichtung, auf den Haftungs-
und/oder des Rechteinhabers zu nennen, ist ausschluss zu verweisen, basiert auf der-
eine übliche Vorgabe selben Idee. Eine
des Urheberrechts. Sie Die Namensnennung ist die vertraglich festgelegte
gewährleistet, wie Haftungsbegrenzung
wichtigste Gegenleistung für
schon gesagt, dass der wird nur wirksam,
Urheber bekannt wird Urheber, die ihre Werke unter wenn der Lizenzneh-
und eventuell auch mer auf sie aufmerk-
Einnahmen. Sie ist
einer Open-Content-Lizenz sam gemacht wird.
auch notwendig, um freigeben. Deswegen enthal- Da der Haftungsaus-
Plagiate zu verhindern, schluss einen Teil
d. h. um sicherzustel-
ten alle Creative-Commons- der Lizenz bildet
len, dass dem Urheber Lizenzen das BY-Modul. (Abschnitt 5 des
und nicht einem Drit- Rechtstextes), kann
ten die Autorenschaft zugeordnet wird. Im diese Verpflichtung durch den Lizenzhin-
Übrigen kann der Lizenzgeber einer CC- weis selbst eingehalten werden.
Lizenz bestimmen, dass auch Dritte zu
nennen sind, wie z. B. ein Verlag, der den Verpflichtung zur Bereitstellung eines
Text eines Autors herausgibt. Ist diese Links zur Online-Quelle (Abschnitt
Pflicht im Einzelfall angemessen, muss sich 3.a.1.A.v des Rechtstextes)
der Nutzer auch hieran halten.
Im Rahmen des Angemessenen ist der
Verpflichtung zur Einfügung eines Urheber- Lizenznehmer verpflichtet, einen „Uniform
rechtsvermerks/einer Copyright-Angabe Resource Identifier“ (URI) anzugeben oder
(Abschnitt 3.a.1.A.ii des Rechtstextes) einen Hyperlink auf die Quelle zu setzen.
Das gilt auch (wie alle anderen Verpflich-
Enthält das Werk einen Urheberrechtsver- tungen zur „attribution“) für die Verwen-
merk oder eine Copyright-Notice, müssen dung in Offline-Publikationen.
diese beibehalten werden, wenn Kopien Angenommen, jemand würde ein Foto
geteilt werden. aus Flickr in einer Zeitschrift verwenden:

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 43
Die Hinweispflicht auf die Quelle könnte Unter CC-Lizenzen veröffentlichte Materia-
hier durch den Abdruck der gesamten lien werden oft durch verschiedene Imma-
Flickr-URI, unter der der Leser das Bild terialgüterrechte geschützt. Nehmen wir
finden kann, erfüllt werden. zum Beispiel eine Musikdatei: Das Urheber-
recht schützt die Komposition und den
Verpflichtung auf Änderungen des Inhalts Text, sogenannte verwandte Schutzrechte
Leistungsschutz- hinzuweisen (Dokumentationspflicht, (auch Leistungsschutzrechte genannt)
rechte sind mit Urhe-
Abschnitt 3.a.1.B des Rechtstextes) schützen die Tonaufnahme und die Darbie-
berrechten verwandt und
betreffen Leistungen, tung durch Musiker und Interpreten. Die
die in Zusammenhang Die Verpflichtung, auf Änderungen des CCPL4-Lizenzen gelten für alle Urheber-
mit der schöpferischen
Leistung der Urheber Werkes hinzuweisen, hat mehrere Gründe. und verwandten Schutzrechte. In Ab-
gebracht werden, z.B. Der wichtigste ist, dass dadurch der Ruf des schnitt 1b des Rechtstextes werden sie
Rechte von Interpreten
oder Rundfunksendern.
ursprünglichen Autors geschützt werden definiert als „Urheber- und/oder ähnliche
soll. Wenn es jedem erlaubt ist, ein Werk Rechte, die in einem engen Zusammenhang
beliebig zu verändern, können Varianten mit dem Urheberrecht stehen, unter ande-
entstehen, mit denen der ursprüngliche rem Aufführungs-, Sende-, Tonträgerher-
Datenbankherstel- Autor nicht in Verbindung gebracht werden steller- und Datenbankherstellerrechte,
lerrechte sind dem
möchte, z. B. weil ihm Stil oder Qualität gleich wie diese Rechte benannt oder kate-
Urheberrecht verwandte
Schutzrechte. Sie werden nicht zusagen. Die Dokumentationspflicht gorisiert sind“ (eigene Übersetzung).45
den Herstellern von sorgt dafür, dass Änderungen durch Dritte Abschnitt 4 des Lizenzgesetzes behan-
Datenbanken gewährt.
eindeutig diesen und nicht dem ursprüngli- delt ausdrücklich Datenbankhersteller-
chen Autor zugeschrieben werden. Außer- rechte. Das Sui-generis-Recht auf Daten-
dem gewährleistet diese Bestimmung, dass banken ist eine europäische Besonderheit,
die Versionsgeschichte des Werkes jederzeit die in vielen anderen Teilen der Welt nicht
zurückverfolgt werden kann. Dies ist insbe- existiert (z. B. in den USA). Es wurde auf
sondere für große Community-Projekte EU-Ebene 1996 durch die Datenbankricht-
wichtig, an denen viele Autoren beteiligt linie46 eingeführt, die für alle Mitgliedstaa-
sind, wie der Wikipedia. Hier werden Versi- ten verpflichtend ist.
onshistorien eingesetzt, um den Entste- Abschnitt 4 des Rechtstextes stellt klar,
hungsprozess der Artikel transparent zu dass die allgemeine Lizenzerteilung von
machen und zu zeigen, welche Autoren Abschnitt 2.a auch diese Datenbankherstel-
hieran beteiligt waren. lerrechte betrifft. Beinhaltet das Lizenzma-
terial eine geschützte Datenbank, ist es
Keine Pflicht, den Werktitel zu nennen erlaubt, aus dieser Auszüge zu erstellen
(neu in in CCPL4) oder sie vollständig oder teilweise zu kopie-
ren, wieder zu verwenden und zu teilen. Im
Eine Änderung von CCPL4 im Vergleich zu Gegensatz zu einigen portierten Versionen
früheren Versionen besteht darin, dass der von CCPL3 beziehen die CCPL4-Lizenzen
Werktitel nicht mehr genannt werden muss. Datenbankherstellerrechte in die Lizenzer-
Gemäß den FAQ von CCPL4 wird weiter- teilung ein, so dass auch in Bezug auf ihre
hin empfohlen, den Titel zu nennen (sofern Nutzung die Lizenzpflichten eingehalten
er vom Lizenzgeber angegeben wurde), werden müssen.47
dies ist jedoch nicht länger verpflichtend.44 Ob diese Rechte gewährt werden, hängt
von der Entscheidung des Lizenzgebers ab.
d) Anwendung der Lizenz auf Es wäre beispielsweise möglich, einzelne
Datenbanken und andere Elemente der Datenbank, jedoch nicht die
damit verbundene Rechte Datenbank selbst, zu lizenzieren. Die Da-

44 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
tenbank und ihr Inhalt sind separate lizenziertes Buch, das unter einer eingetra-
Schutzobjekte; daher können sie unabhän- genen Marke des Verlages veröffentlicht
gig voneinander lizenziert (oder nicht lizen- wurde, kopiert und die Kopie könnte öffent-
ziert) werden. Möchte der Lizenzgeber die lich zugänglich gemacht werden, ohne die
Lizenz auf eines dieser beiden Schutzge- Markenzeichen zu entfernen. Es wäre jedoch
genstände (den Inhalt der Datenbank oder nicht erlaubt, die Marke für etwas anderes
die Datenbank selbst) beschränken, müsste als zum Teilen dieses Buches zu verwenden.
er genau angeben, welches Element von der Der Lizenznehmer darf weder seine eigenen
Lizenz abgedeckt wird und welches nicht.48 Werke unter dieser Marke bewerben noch
Da die Lizenz an der Datenbank in ei- darf er behaupten, dass der Eigentümer der
nem engen Zusammenhang mit der Ertei- Marke die Veröffentlichung seiner eigenen
lung der urheberrechtlichen Nutzungsrechte geänderten Versionen unterstützt hätte. Dies
steht, sind die Lizenzverpflichtungen und wird durch die Verpflichtung, Änderungen
‑einschränkungen gleichermaßen auf die zu kennzeichnen, zusätzlich sichergestellt.51
Nutzung der Datenbank anwendbar.49
Wurde eine Datenbank beispielsweise unter f) Urheberpersönlichkeits-
einer NC-Lizenz lizenziert, wären Wieder- rechte, Datenschutz- und
verwendung, Teilen, Kopieren etc. nur für Persönlichkeitsrechte
nicht-kommerzielle Zwecke zulässig. Wenn
die Datenbank unter einer ND-Lizenz Einer der Hauptgründe für Portierung und
lizenziert wurde, wäre es nicht möglich, ihr Anpassung der CC-Lizenzen an nationale
wesentliche Bestandteile zu entnehmen und Rechtsordnungen lag in der unterschiedli-
sie zu verändern oder in eine andere Daten- chen Auffassung zu Urheberpersönlichkeits-
bank einzufügen. rechten in verschiedenen Teilen der Welt.
Auch die SA-Klausel gilt für Daten- Urheberpersönlichkeitsrechte dienen dem
banken. Wäre eine Datenbank unter einer Schutz der persönlichen Beziehung zwi-
SA-Lizenz lizenziert, müsste jede neue schen dem Urheber und seinem Werk.
Datenbank, die einen substanziellen Teil Sie beinhalten unter anderem das Recht
der ursprünglichen Datenbank enthält, auf Erstveröffentlichung, das Recht auf
unter derselben oder einer kompatiblen Namensnennung und ein Schutzrecht gegen
Lizenz lizenziert werden.50 Entstellungen des Werkes. Insbesondere
die kontinentaleuropäischen Urheberrechts-
e) Patent- und Markenrechte systeme enthalten starke Urheberpersön-
lichkeitsrechte, die nur bis zu einem
Gemäß Abschnitt 2.b.2 des Rechtstextes gewissen Grad vertraglich eingeschränkt
werden Patent- und Markenrechte von den oder ausgeschlossen werden können. Länder
CC-Lizenzen nicht erfasst. Dies ist beson- mit Copyright-System, wie Großbritannien
ders wichtig für unternehmerische und oder die USA, kennen solche „sakrosank-
institutionelle Lizenzgeber, die Eigentümer ten“ Urheberpersönlichkeitsrechte nicht.
von Markenrechten an ihrem Firmennamen, In diesen Ländern unterliegen Urheberper-
ihrem Logo etc. sind. sönlichkeitsrechte – soweit sie überhaupt
Der Ausschluss von Markenlizenzen existieren – der Vertragsfreiheit, d. h. sie
bedeutet, dass eine mit dem Werk verbunde- können durch Verträge übertragen, einge-
ne Marke nur dazu verwendet werden darf, schränkt oder ausgeschlossen werden.
besagtes Werk unter den Bedingungen der Die unterschiedliche Haltung zu Urhe-
erteilten CC-(Urheberrechts-) Lizenz zu berpersönlichkeitsrechten in verschiedenen
teilen. So könnte ein unter einer CC-Lizenz Rechtsordnungen sind für das Konzept

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 45
einheitlicher freier Urheberrechtslizenzen, Nach diesem Ansatz muss die Frage, wie
die überall auf der Welt gleichermaßen weitgehend der Verzicht auf Persönlichkeits-
gültig und durchsetzbar sind, eine große rechte im jeweiligen Fall geht, nach dem
Herausforderung. Dies sprach – jedenfalls anwendbaren Recht beurteilt werden. Dies
bislang – sehr für Portierungen der CC- wird – je nach Nutzungskonstellation – zu
Lizenzen in andere Rechtsordnungen. Loka- unterschiedlichen Ergebnissen führen. Ob
lisierte Fassungen für Länder, in denen die es zum Beispiel legitim ist, einen unter einer
Urheberpersönlichkeitsrechte streng ge- CC-Lizenz lizenzierten Song in einem Por-
schützt werden, z. B. die deutschen CCPL3- nofilm oder ein CC-Foto in einer politischen
Lizenzen, enthalten spezielle Klauseln, die Kampagne zu verwenden, wird im Zweifel
festlegen, dass Urheberpersönlichkeitsrechte von Rechtsordnung zu Rechtsordnung unter-
von der Lizenzerteilung unberührt blei- schiedlich zu bewerten sein.56
ben.52 Die nicht portierte CCPL3 sprach Die Rechtsunsicherheit, die sich daraus
diesen Aspekt in keiner Weise an. Dieser ergibt, sollte jedoch nicht überschätzt wer-
Mangel ließ daran zweifeln, ob die Lizenz- den. Trotz ihrer theoretisch großen Bedeu-
erteilung einer „unported“ Lizenz nach z. B. tung für die Urheberrechtssysteme wird
deutschem Recht vollständig wirksam war. über Urheberpersönlichkeitsrechte de facto
Nachdem CC die Idee der Lizenzportie- viel seltener gestritten als über ökonomische
rungen in CCPL4 aufgegeben hatte, wurde Verwertungsrechte und sie sind nur sehr
ein neues Konzept für selten Gegenstand
den Umgang mit Urhe- Creative-Commons-Lizenzen von rechtlichen Aus-
berpersönlichkeitsrech- einandersetzungen.
berühren nicht die Persön-
ten benötigt. Auf der Der in der Lizenz
Webseite, auf der die lichkeitsrechte Dritter. enthaltene Verzicht
CCPL4-Lizenzen vor- auf Urheberpersön-
gestellt werden, wird erklärt, wie jetzt lichkeits- und andere Persönlichkeitsrechte
mit Urheberpersönlichkeitsrechten und soll lediglich absichern, dass die nach der
verwandten Aspekten wie dem Daten- Lizenz gewährten Nutzungsfreiheiten nicht
schutzrecht oder anderen Persönlichkeits- durch solche Rechtspositionen eingeschränkt
rechten umzugehen ist: „Nach den werden. Wer „Selfies“ online postet und
CCPL4-Versionen verzichtet der Rechtein- sie unter eine liberale CC-Lizenz stellt, die
haber, soweit es möglich und für die Nut- auch Änderungen erlaubt, sollte sich be-
zung des Materials nach Maßgabe der wusst sein, dass sie auf eine Weise verwen-
Lizenz erforderlich ist, auf seine Urheber- det werden könnten, mit der man vielleicht
persönlichkeitsrechte. Gleiches gilt für nicht einverstanden ist.57 Urheberpersönlich-
Datenschutz- und andere Persönlichkeits- keits- und andere Persönlichkeitsrechte, wie
rechte“ (eigene Übersetzung).53 das Recht gegen Entstellungen, sollten ohne-
Damit wird bezweckt, dass auf Urheber- hin nur als letztes Mittel gegen unerwünsch-
54
und andere Persönlichkeitsrechte , die te Nutzungen in extremen, und somit sehr
eventuell von der Nutzung nach der Lizenz seltenen, Fällen eingesetzt werden.
berührt werden, soweit wie nötig und in Eine wichtigere Frage, die durch die
dem nach dem anwendbaren Recht maxi- Lizenzen allein nicht gelöst werden wird –
55
mal Möglichen, verzichtet wird. Damit und kann –, betrifft Persönlichkeitsrechte.
wird angestrebt, dass alle Nutzungen nach Insbesondere Fotos, Videos und Artikel
der Lizenz zulässig sind, ohne dass es zu werden oft unter Verletzung von Persön-
Kollisionen mit Urheberpersönlichkeits- lichkeitsrechten Dritter unter freien Lizen-
und ähnlichen Rechten kommt. zen veröffentlicht. Dies ist z. B. der Fall,

46 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
wenn Bilder online gestellt werden und die soll sicherstellen, dass zwingende gesetzliche
darauf abgebildeten Personen nicht vorher Bestimmungen berücksichtigt werden. Haf-
um Erlaubnis gefragt wurden. Oder wenn tung und Gewährleistung werden hiernach
Artikel, die personenbezogene Daten ent- (nur) soweit beschränkt, wie es das anwend-
halten, die nicht ohne Einwilligung veröf- bare Recht zulässt (minimales Maß).
fentlicht werden dürfen, in Blogs oder auf Ob eine solche salvatorische Klausel
Webseiten gepostet werden. Personen, eine nach vielen europäischen Rechtsord-
die solche rechtswidrigen Materialien wei- nungen wahrscheinlich unwirksame Haf-
terverbreiten, können unabhängig von der tungsklausel retten kann, muss bezweifelt
freien Lizenz rechtlich belangt werden. werden. Doch selbst wenn die Haftungsbe-
Tatsächlich kann der Lizenzgeber nur über stimmungen der CCPL4-Lizenzen ungültig
Rechte entscheiden, die ihn selbst betreffen. wären, wäre die Haftung für Schäden, die
Sind von der Veröffentlichung eines Werkes sich aus der Bereitstellung von CC-Materi-
die Rechte Dritter betroffen, muss der alien (und Open Content im Allgemeinen)
Lizenzgeber sicherstellen, dass er alle not- ergeben, im Zweifel minimal. Auch wenn
wendigen Einwilligungen und Genehmi- sich solche Regeln von Land zu Land
gungen eingeholt hat. Versäumt er dies, unterscheiden, kann man davon ausgehen,
kann die Person, deren Rechte verletzt dass im Haftungs- und Gewährleistungs-
wurden, sowohl den Lizenzgeber als auch recht generell berücksichtigt wird, dass
den Lizenznehmer (den Nutzer) haftbar Open Content zur Verfügung gestellt
machen. Das bedeutet zum Beispiel, dass wird, ohne dass für dessen Nutzung eine
jemand, der ein unter einer CC-Lizenz Gegenleistung verlangt wird. Die vertrag-
lizenziertes Bild verwendet, das Persönlich- lichsrechtliche Haftung für kostenlose
keitsrechte verletzt, ebenfalls haftbar ge- Leistungen ist grundsätzlich sehr be-
macht werden kann. Ob der Nutzer über schränkt. Die herrschende Auffassung
die Verletzung von Persönlichkeitsrechten zur Rechtslage in Deutschland besagt
informiert war oder informiert hätte sein z. B., dass Open-Content-Lizenzen wie
können, ist ohne Belang.58 Schenkungen zu behandeln sind. Das
Haftungs- und Gewährleistungsniveau
g) Gewährleistungsausschluss im Schenkungsrecht ist dabei das geringste
und Haftungsbegrenzung im deutschen Zivilrecht.

Alle CCPL4-Lizenzen enthalten einen h) Verbot, technische Schutz-


umfassenden Gewährleistungs- und Haf- maSSnahmen anzuwenden
tungsausschluss. Das bedeutet, dass das
Werk „so wie es ist“ lizenziert wird und Aufgrund einer zwingenden Bestimmung
dass der Lizenzgeber weder für Schäden der europäischen Urheberrechtsrichtlinie60
haftet, die durch die Nutzung des Werkes ist es nach den Urheberrechtsgesetzen aller
eventuell entstehen noch Gewähr dafür europäischen Mitgliedsstaaten untersagt,
leistet, dass das Werk fehlerfrei ist. wirksame technische Schutzmaßnahmen zu
Gemäß europäischem Deliktsrecht und umgehen. Dieses strikte Verbot kennt keine
anderen Bestimmungen ist es nicht mög- Ausnahmen. Das bedeutet z. B., dass nie-
lich, jegliche Haftung oder Gewährleistung mand eine Kopie von einem Werk machen
vollständig auszuschließen.59 Lizenzklau- darf, auch nicht für private Kopien oder
seln, die dies nicht berücksichtigen, sind Zitate, wenn dafür eine „wirksame“ techni-
unwirksam. Die Haftungs- und Gewähr- sche Schutzmaßnahme umgangen werden
leistungsregelung in Abschnitt 4.c CCLP4 muss.

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 47
Abschnitt 2.a.4 des Rechtstextes besagt verletzer die Verletzung innerhalb von
klar, dass der Umgehungsschutz nicht für 30 Tagen behebt. Die Frist beginnt, wenn
CC-lizenzierte Werke gilt. Das bedeutet, der Lizenznehmer den Lizenzverstoß
dass es jedem Lizenznehmer erlaubt ist, entdeckt oder auf ihn aufmerksam ge-
alle technischen Änderungen an der Kopie macht wurde. Andernfalls kann der Li-
des Werkes vorzunehmen, die notwendig zenzgeber die Lizenz ausdrücklich
sind, um es gemäß den Lizenzbedingungen wiederherstellen (Abschnitt 6.1.b des
zu verwenden, selbst wenn dies die Umge- Rechtstextes). Der Nutzer haftet jedoch
hung wirksamer technischer Schutzmaß- gemäß CCPL4 FAQ für nicht-lizenzkon-
nahmen erfordert. forme Nutzungen vor der Wiederherstel-
lung der Lizenz.63
i) Lizenzdauer und ‑kündigung
3.5 Zusätzliche lizenz-
CC-Lizenzen werden auf unbestimmte
Zeit geschlossen (Abschnitt 6.a des Rechts- spezifische Ein-
textes), d. h. sie gelten solange, bis das schränkungen und
Urheberrecht oder ein anderes verwandtes Verpflichtungen:
Recht in Bezug auf das Material abläuft.
Nach Ablauf aller Rechte wird das Material
Die LizenzModule
gemeinfrei und eine Lizenz ist nicht länger
notwendig. Außerdem ist die Lizenzertei- Neben den oben erwähnten Verpflichtun-
lung unwiderruflich (Abschnitt 2.a.1 des gen und Einschränkungen, die für alle
Rechtstextes). Der Lizenzgeber kann den sechs CC-Lizenztypen gelten, unterliegen
Lizenzvertrag daher nicht von sich aus die Lizenzmodule NC, ND und SA – die
kündigen. Die Lizenz endet jedoch automa- nur in einigen der CC-Lizenzen enthalten
tisch, wenn Lizenzbedingungen verletzt sind – zusätzlich spezifischen Anforderun-
werden (Abschnitt 6.a des Rechtstextes). gen, deren sich ein Lizenznehmer bewusst
Nutzungen nach der Verletzung sind daher sein sollte.
Urheberrechtsverletzungen, für die der
Nutzer haftbar gemacht a) NC – nicht-kommerziell
Wird eine Lizenzbedingung werden kann. Nennt ein
Nutzer beispielsweise Drei der sechs CC-Lizenzen beinhalten das
nicht eingehalten, erlischt den Namen des Autors NC-Modul. NC bedeutet, dass der Lizenz-
die Lizenz automatisch. nicht oder fügt er keinen geber sich die kommerzielle Nutzung des
Hinweis auf den Lizenz- Materials vorbehält. Jeder Nutzer, der das
text ein, verliert er damit sein Recht, das Werk für kommerzielle Zwecke nutzen
Material zu verwenden. Wie bereits erklärt, möchte, benötigt dazu eine zusätzliche
ist er ohne Lizenz genauso gestellt wie jede Einwilligung (d. h. eine zusätzliche Lizenz)
andere Person, die ein geschütztes Werk vom Rechteinhaber.
ohne Erlaubnis verwendet. Lizenzen Drit- NC-Lizenzen sind weit verbreitet und
ter sind jedoch nicht vom Wegfall der Rech- in der CC-Lizenz-Suite sehr beliebt, zumin-
te betroffen.61 dest in einigen Bereichen.64 Dies hat viel-
Wird die Lizenz gekündigt, bietet fältige Ursachen. Tatsächlich kann es gute
CCPL4 zwei Möglichkeiten, sie wieder- Gründe geben, sich in bestimmten Fällen
herzustellen.62 Gemäß Abschnitt 6.b.1 für eine NC-Lizenz zu entscheiden. In den
des Rechtstextes wird die Lizenz automa- meisten Fällen bringen die NC-Versionen
tisch wiederhergestellt, wenn der Lizenz- jedoch signifikante und oft unbeabsichtigte

48 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Nachteile mit sich. Da die NC-Einschrän- Natürlich lässt diese Definition jede Menge
kung die freie Verbreitung behindert und Spielraum für Interpretationen. Insbesonde-
viele Nutzungen untersagt (oft auch unge- re die Formulierung „nicht vorrangig auf
wollt), gelten diese Lizenzen generell nicht eine geldwerte Vergütung gerichtet“ signali-
als „freie/Open-Culture“-Lizenzen.65 siert, dass die NC-Beschränkung sehr weit
Selbst im Kontext von Bildung und For- auszulegen ist. Wie weit sie genau geht, ist
schung kann die Verwendung von NC- jedoch in vielen Fällen schwer einzuschätzen.
Inhalten zu allerlei Rechtsunsicherheiten Ausdrücklich nennt die Klausel nur
führen.66 Auch können NC-Inhalte nicht in einen Einzelfall: Filesharing gilt als nicht-
die Wikipedia integriert werden, da dort kommerziell. In anderen Zusammenhängen
eine CC BY-SA-Lizenz verwendet wird, muss individuell geprüft werden, ob die
die mit NC-Lizenzen nicht kompatibel ist. Materialien „(nicht) vorrangig auf einen
Aus diesen und anderen Gründen sind geschäftlichen Vorteil oder geldwerte Ver-
NC-Lizenzen in der Open-Content-Bewe- gütung gerichtet sind“. Dies lässt einen
gung höchst umstritten. breiten Interpretationsspielraum.
Es ist nicht Aufgabe dieses Leitfadens, Es ist daher nicht möglich, die Frage,
diese Diskussionen und ihre verschiedenen wann eine Nutzung kommerziell oder nicht-
Argumente aufzugreifen oder zu kommen- kommerziell ist, allgemein zu beantworten.
tieren.67 Hier wird die NC-Einschränkung Da es sich bei der CC-Lizenz um einen
lediglich erklärt, um hoffentlich einige mit Vertrag handelt, muss sie nach objektiven
ihr verbundene Missverständnisse auszu- Kriterien ausgelegt werden, wobei das Ver-
räumen. Allerdings werden einige der in ständnis der Vertragsparteien zu berücksich-
der Grundsatzdebatte verwendeten Argu- tigen ist. Außerdem muss das jeweils
mente aufgegriffen, wenn es um strategi- anwendbare Recht berücksichtigt werden.
sche Aspekte bei der Auswahl der In 2008 hat Creative Commons eine
geeigneten Lizenz geht. Studie durchgeführt, in der untersucht
wurde, wie Urheber und Nutzer die Ab-
Was bedeutet NonCommercial? grenzung zwischen kommerziell und nicht-
kommerziell verstehen.70 Sie ergab, dass
In der Debatte um die Formulierungen sich das Verständnis beider Gruppen im
in der CCPL4 wurde diskutiert, ob – und Großen und Ganzen deckt. In Bezug auf
wenn ja, wie – der Begriff „NonCommer- Grenzfälle und spezifische Fragen sind
cial“ im Lizenztext definiert werden sollte. die Ergebnisse der Studie indes nicht sehr
Letzten Endes entschied sich Creative aufschlussreich. Immerhin enthält sie
Commons, die Definition aus Version 3 jedoch einen großen Fundus an interessan-
unverändert beizubehalten.68 ten Informationen und sie zeigt Gemein-
Abschnitt 1.i des Rechtstextes der samkeiten und Abweichungen bei der
NC-Lizenzen definiert „NonCommercial“ Auffassung der beiden Gruppen auf.71
wie folgt: „NonCommercial bedeutet nicht Interessant ist beispielsweise die generelle
vorrangig auf einen geschäftlichen Vorteil Erkenntnis, dass die Nutzer die NC-Klau-
oder eine geldwerte Vergütung gerichtet. sel tendenziell restriktiver interpretieren
Zur Klarstellung: Diese Lizenz versteht als die Rechteinhaber selbst. Aufgrund
den Austausch von geschütztem Material ihres beschränkten Umfangs und ihres
mithilfe von Filesharing nicht als kommer- nicht repräsentativen Charakters kann die
zielle Nutzung, vorausgesetzt dass hierfür Studie jedoch nicht als verlässliche Grund-
keine Vergütung gezahlt wird” (eigene lage für die rechtliche Interpretation ange-
Übersetzung).69 sehen werden.72

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 49
Auch ansonsten existiert keine einheitliche ellen Interessen, ist sie als kommerziell
Abgrenzung der Begriffe „kommerziell“ zu werten.77 Generell kann davon
und „nicht-kommerziell“, was im Hinblick ausgegangen werden, dass Aktivitäten
auf die erheblichen Unterschiede zwischen gewinnorientierter Nutzer (vor allem
den einzelnen Rechtsordnungen auch wenig von Unternehmen) normalerweise –
verwunderlich ist. Dennoch wird nachste- zumindest mittelbar – einem geschäftli-
hend der Versuch unternommen, einige chen Interesse dienen.
konkrete Antworten für bestimmte typische
Nutzungsszenarien zu geben, die allerdings • Nutzungen, mit denen unmittelbar
nur die persönliche Meinung des Autors Gewinne generiert werden, sind stets
widerspiegeln können.73 als kommerziell zu betrachten.
Die hier vorgenommene Unterschei-
dung zwischen kommerziell und nicht- • Ob die spezifische Nutzung (auch)
kommerziell, basiert auf zwei wesentlichen Gemeinwohlinteressen oder ausschließ-
Faktoren: nutzer- und nutzungsbezogenen lich dem eigenen Interesse des Nutzers
Aspekten.74 Für beide Faktoren lässt sich dient, ist für ihre Einstufung als kom-
eine Reihe präziserer merziell oder nicht-kommerziell von
Das Non-Commercial-Lizenz- Indikatoren identifi- gewisser Relevanz.
zieren, die jeweils für
modul lässt einen breiten oder gegen eine • Bei Nutzungen durch Einzelpersonen
Interpretationsspielraum zu, kommerzielle Nut- ist zwischen beruflichen und privaten
zung sprechen. Unter Nutzungen zu unterscheiden. Ist die
was unter kommerzieller Nut- Anwendung dieser Nutzung beruflicher Natur, hängt die
zung zu verstehen ist. Methode lassen sich Klassifikation davon ab, ob die Absicht
typische Nutzungs- des Arbeitgebers/Kunden „primär auf
szenarien relativ eindeutig dem kommerzi- einen kommerziellen Vorteil ausgerich-
ellen oder nicht-kommerziellen Bereich tet ist.”78 Denn eine Nutzung kann
zuordnen.75 selbst dann kommerziell sein, wenn der
In der nachfolgenden Tabelle wird eine Nutzer nicht eigene kommerzielle
Reihe typischer Nutzungsszenarien den Interessen verfolgt, sondern solche von
Kategorien kommerzielle/nicht-kommerzi- Dritten unterstützt. Dient die Nutzung
elle Nutzung zugeordnet. Bei der Einord- einem privaten Zweck und findet sie
nung wurden die wesentlichen Indikatoren nur im privaten Rahmen statt, ist sie
berücksichtigt. Sie basiert auf den folgen- stets als nicht-kommerziell einzuordnen.
den Annahmen:
• Abgesehen von diesen Unterschieden
• Ob die Tätigkeit eines Nutzers generell ist es ohne Belang, wer der Nutzer ist.
als gewinnorientiert oder gemeinnützig Einzelpersonen können ebenso gut wie
einzuordnen ist, ist nicht der ausschlag- juristische Personen oder Institutionen
gebende Faktor, jedoch ein starker kommerzielle Interessen verfolgen.
Indikator dafür, ob dessen Nutzung im
Einzelfall als kommerziell oder nicht- • Nutzungen, die von urheberrechtlichen
kommerziell einzustufen ist.76 Einschränkungen und Ausnahmen abge-
deckt sind, fallen nicht unter die Lizenz.
• Der Ausdruck „kommerziell“ ist in Lassen solche Regelungen bestimmte
einem breiten Sinn zu verstehen. Dient kommerzielle Nutzungen zu, wäre die
die Nutzung auch nur entfernt finanzi- NC-Einschränkung nicht wirksam.79

50 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Nähere Erklärungen zur folgenden Tabelle: • Eine Privatperson ist jemand, die das
Material ausschließlich für private Zwe-
• Ein Freiberufler ist eine Person, die cke verwendet. Nutzungen durch Einzel-
unternehmerisch tätig ist und das Materi- personen zur Erfüllung ihrer beruflichen
al für ihre geschäftlichen Interessen Pflichten gelten als Nutzungen durch ihre
verwendet. Der Ausdruck Freiberufler ist Arbeitgeber bzw. für deren Zwecke.
in einem breiten Sinn zu verstehen. Zu Nimmt eine Privatperson kommerzielle
dieser Gruppe zählen auch z. B. Künstler, Handlungen im eigenen Namen vor, z. B.
die von ihrer kreativen Arbeit leben. indem sie Kopien von CC-lizenziertem
Material verkauft, gilt sie als Freiberufler.

Tabelle 1: Wer kann NC-lizenzierte Inhalte in welchen Fällen nutzen?


Abkürzungen:
Nutzungsart Unter- Öffentli- Gemeinnützi- Freibe- Privat- Ja = Nutzung von NC-
nehmen che Ein- ge Organisa- rufler person Inhalten ist erlaubt
richtung tion / Verein Nein = Nutzung von
NC-Inhalten ist nicht
Verkauf von physischen Kopien Nein Nein Nein Nein Nein erlaubt
Lizenzierung der Inhalte gegen Nein Nein Nein Nein Nein n. z. = nicht zutreffend,
eine solche Konstellation
Bezahlung
ist nicht denkbar
Nutzung für Werbezwecke Nein Nein Nein Nein Nein
Nutzung zur Gewinn- Nein Nein Nein Nein Nein
erwirtschaftung
Berufliche Nutzung n.z. n.z. n.z. Nein n.z.
Nutzung auf einer Webseite, Nein Ja Ja Nein Ja
die ihre Hosting-Kosten durch
Werbung refinanziert
Nutzung auf einer Blog-Platt- Nein Ja Ja Nein Ja
form, auf der vom Plattforman-
bieter (nicht vom Blogbetreiber)
Werbung gezeigt wird
Nutzung für interne Weiter- Nein Ja Ja Nein n.z.
bildungen und Informations-
materialien
Nutzung zur privaten Unterhal- n.z. n.z. n.z. n.z. Ja
tung oder zur Unterhaltung von
Familie/Freunden des Nutzers
Nutzung zur Information/ Nein Ja Ja Nein Ja
Unterhaltung von Kunden/
Klienten/Publikum
Nutzung in gebührenfreien Nein Ja Ja Nein Ja
Veranstaltungen für Bildungs-
zwecke
Nutzung in gebührenpflichti- Nein Nein Nein Nein Nein
gen Veranstaltungen für Bil-
dungszwecke
Nutzung für unternehmensfinan- Nein Nein Nein Nein n.z.
zierte Forschung
Nutzung für steuerfinanzierte Nein Ja Ja Nein n.z.
Forschung
Nutzung für interne Unterneh- Nein n.z. n.z. Nein n.z.
mensforschung

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 51
Die folgende Beurteilung ist lediglich als lich finanzierten Forschung. Selbst die
persönliche Meinung des Autors zu verste- Verwendung von NC-Material auf gänzlich
hen. Einige Projekte, die NC-Lizenzen „privaten“ Webseiten, deren Anbieter
verwenden, bieten eigene Erklärungen, die versuchen, einen Teil ihrer Hosting-Kosten
möglicherweise nicht der Auffassung des durch Werbung zu refinanzieren, wirft
Autors entsprechen.80 In diesen Fällen ist Fragen auf. Bei all diesen Nutzungen ist
es empfehlenswert, sich an die Richtlinien fraglich, ob sie den Rechteinhabern, die
des betreffenden Projektes zu halten.81 NC-Lizenzen verwenden, tatsächlich uner-
wünscht sind oder ob ihr Ausschluss eher
Vor- und Nachteile von NC-Lizenzen ein Kollateralschaden ist. Mit ziemlicher
Sicherheit ist jedenfalls davon auszugehen,
Wie bereits erwähnt, haben NC-Lizenzen dass in solchen Fällen keine individuellen
mehrere Nachteile. Die Entscheidung Genehmigungen – für die (vermeintlich)
für eine solche restriktive Lizenz sollte kommerzielle Nutzung – eingeholt und
daher sorgfältig durchdacht werden. Erfah- auch keine Lizenzgebühren gezahlt wür-
rungsgemäß entscheiden sich viele Urheber den. Erst recht würden sie keine rechtliche
für eine NC-Lizenz, weil sie nicht wollen, Untersuchung in Auftrag geben, um heraus-
dass jemand anderes mit ihren kreativen zufinden, ob es sich bei ihrem Grenzfall um
Werken Geld verdient, ohne potenzielle eine kommerzielle oder nicht-kommerzielle
Gewinne teilen zu müssen. Dieses Motiv Nutzung handelt. Vielmehr ist davon aus-
mag aus psychologischer Sicht verständlich zugehen, dass sich die Nutzer im Zweifel
sein. Oft führt die Entscheidung jedoch dafür entscheiden würden, den Inhalt nicht
dazu, dass alle Beteiligten verlieren. Der zu verwenden. Das wiederum würde dem
Lizenzgeber verliert potenzielle Nutzer Interesse des Lizenzgebers, der schließlich
und Nutzungen, die möchte, dass seine Inhalte sich verbreiten
Die rechtlichen Unsicher- eigentlich seinen und genutzt werden, zuwider laufen.
heiten des NC-Moduls haben Interessen – weite Wägt man Vor- und Nachteile der NC-
Verbreitung und Lizenzen gegeneinander ab, kommt man
eine abschreckende Wirkung maximale Aufmerk- zu dem Schluss, dass die Nachteile in der
samkeit – dienen Mehrzahl der Fälle die Vorteile überwie-
auf Nachnutzer.
würden. Ein negati- gen. Und zwar sowohl aus der Perspektive
ver Nebeneffekt von NC-Lizenzen ist, dass der Rechteinhaber als auch aus Nutzersicht.
Nutzungen wegen der mit der Einschrän- Objektiv betrachtet ist eine NC-Lizenz nur
kung verbundenen Rechtsunsicherheit dann geeignet, wenn eine realistische Aus-
unterbleiben, gegen die der Lizenzgeber gar sicht darauf besteht, dass kommerzielle
nichts hätte. So kann das NC-Modul bei- Nutzer für die Verwendung des Materials
spielsweise Nutzungen für Bildungs- und bezahlen. In vielen Fällen ist dies (vor
wissenschaftliche Zwecke verhindern, etwa, allem in Bezug auf Online-Inhalte) höchst
weil die Frage, ob NC-Inhalte in gebühren- unwahrscheinlich, insbesondere wenn eine
pflichtigen Kursen oder Studiengängen ausgeklügelte Marketingstrategie fehlt. Ist
(siehe Tabelle) verwendet werden dürfen, der Lizenzgeber darüber hinaus nicht bereit
höchst umstritten ist. oder in der Lage, durch rechtliche Schritte
Rechtsunsicherheit entfaltet die NC- gegen potenzielle Verletzungen der NC-
Klausel auch, z. B. bei wissenschaftlichen Einschränkung vorzugehen, macht es von
Nutzungen in öffentlich-privaten Partner- vornherein kaum Sinn, sie aufzuerlegen.
schaften („Public Private Partnerships“) Bei der Wahl einer Lizenz ist es von
oder unter Umständen sogar in der öffent- größter Bedeutung, sich darüber klar zu

52 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
sein, warum man sich für eine bestimmte verwenden, auf sich aufmerksam zu ma-
Open-Content-Lizenz entscheidet. In der chen, indem sie einige oder gar alle ihrer
Mehrzahl der Fälle wird eine sorgfältige Songs auf Webseiten oder Plattformen unter
Überlegung zu dem Schluss führen, dass einer freien Lizenz veröffentlichen. Gelingt
finanzielle Motive für die Veröffentlichung es ihnen, kommerzielles Interesse auf sich
des Materials eher nebensächlich sind, was zu ziehen, verbliebe ihnen die Möglichkeit,
bei der Lizenzauswahl berücksichtigt wer- mit einer Plattenfirma einen Vertrag auszu-
den sollte. Wichtig werden häufig altruisti- handeln. Ob eine NC-Lizenz für einen
sche Gründe sein, wie z. B. der Wunsch, solchen Verlauf wesentlicher Erfolgsfaktor
einen Beitrag zur kulturellen Allmende zu ist, ist dennoch fraglich. Professionelle
leisten oder Dritte über wichtige Themen Musikproduzenten und Plattenfirmen wür-
zu informieren. Auch wenn die Motive den die Musiker im Zweifel ohnehin kon-
zumeist egoistischer Natur sein werden, taktieren, bevor sie in den Vertrieb und in
spricht das keineswegs tendenziell generell die Vermarktung ihrer Werke investieren.
dafür, NC-Lizenzen zu verwenden. Wenn In diesem Kontext würden ohnehin Verträ-
die Aussicht auf eine unmittelbare Ver- ge geschlossen, in denen auch Vereinbarun-
marktung des Materials gering ist, steht für gen über Lizenzgebühren oder sonstige
den Rechteinhaber bei einer Open-Content- Zahlungen enthalten wären. Ähnlich wie
Publikation die weite Verbreitung im Vor- im Verlagswesen (vor allem im Bereich der
dergrund. Diese lenkt Aufmerksamkeit auf Belletristik) erfordert ein erfolgreicher
das Werk des Autors. Aufmerksamkeit Musikvertrieb eine enge Zusammenarbeit
kann zu Engagements, zu Popularität oder zwischen Künstlern und Verwertern. Will
sogar zu Ruhm, mit anderen Worten, zu eine Plattenfirma eine Band erfolgreich
Einnahmen führen. Ist dies, wie in sehr einführen, muss sie Konzerte, Interviews,
vielen Fällen, die Motivation für die Veröf- Medienberichte, Merchandising usw. orga-
fentlichung, macht es durchaus Sinn, eine nisieren. Ohne Zusammenarbeit mit den
Lizenz zu wählen, die auch die kommerzi- Künstlern wäre dies unmöglich, die Zusam-
elle Nutzung erlaubt. Denn zumeist wird menarbeit erfordert im professionellen
der Urheber nicht willens oder in der Lage Kontext wiederum vertragliche Vereinba-
sein, selbst eine professionelle kommerziel- rungen. Mit anderen Worten: Die NC-Li-
le Vertriebsstrategie zu entwickeln und zu zenz, die nur die urheberrechtlichen
pflegen, die dazu führen würde, dass ein Nutzungsrechte an der Musik oder dem
neuer Vertriebskanal eröffnet wird, über Roman regelt, deckt nur einen kleinen
den weitere Zielgruppen erschlossen wer- Teil einer solchen Zusammenarbeit ab.
den. Eine NC-Lizenz würde verhindern, Unter dem Strich sind NC-Lizenzen im
dass sich solche Strukturen entwickeln, Allgemeinen nur für den Einsatz durch
ohne dass der Urheber involviert ist. Sie Profis, Verlage oder professionell schaffen-
könnte auch das Interesse an einer kom- de Urheber sinnvoll, die sie im Rahmen von
merziellen Nutzung verhindern, da sie für hierauf ausgerichteten Marketingstrategien
den Nutzer zusätzliche Hürden aufwirft.82 einsetzen und im Notfall auch gewillt und
Für Unternehmen oder bereits bekannte in der Lage sind, gegen Verletzungen der
und erfolgreiche Urheber können NC-Li- NC-Beschränkungen vorzugehen. In sol-
zenzen dagegen unter Umständen eine gute chen Konstellationen eröffnen sie Möglich-
Wahl sein. Sie können beispielsweise als keiten zur Preisdifferenzierung und/oder
Mittel zur Unterstützung einer ausgefeilten Geschäftsmodelle, die auf das sogenannte
Marketingstrategie eingesetzt werden. Dual-Licensing-Prinzip setzen. Ähnlich wie
Musiker können NC-Lizenzen etwa dazu bei den Shareware- und Freeware-Konzep-

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 53
ten der Softwarewelt besteht z. B. die Mög- seinen mit SA-Musik unterlegten Film
lichkeit, gekürzte Versionen von Büchern wiederum unter eine SA-Lizenz stellen
oder Filmen unter NC-Lizenzen frei zu müsste. Diese Folge, die mitunter als „vira-
teilen oder andere „Light-Versionen“ kos- ler Effekt“ bezeichnet wird, wird für kom-
tenlos zur Verfügung zu stellen, um Auf- merzielle Verwerter in der Regel nicht
merksamkeit auf das Werk zu lenken.83 Die hinnehmbar sein.85 Faktisch wird die
„Vollversionen“ können daneben kommer- SA-Verpflichtung, so die Schlussfolgerung,
ziell vermarktet werden. Ob solche Strate- daher verhindern, dass bestimmte Arten
gien Sinn ergeben und erfolgversprechend von kommerziellen Nutzungen vorgenom-
sind, hängt allerdings sehr vom jeweiligen men werden, ohne dass hierüber eine
Einzelfall ab. zusätzliche Vereinbarung geschlossen wird.
Insgesamt sind die Fälle, in denen es Für Nutzungen, die eher im Grenzbereich
objektiv von Vorteil ist, eine NC-Lizenz zu zwischen kommerzieller und nicht-kom-
verwenden, eher selten. Soll die kommerzi- merzieller Nutzung angesiedelt sind, wird
elle Nutzung aus guten Gründen vorbehal- die SA-Klausel dagegen im Zweifel kein
ten werden, besteht möglicherweise noch Hindernis sein, jedenfalls nicht in dem
eine bessere Option als die restriktiven Maße, wie es die NC-Lizenzen bewirken.
NC-Lizenzen. Es wird vertreten, dass auch
in solchen Konstellationen, in denen es b) ND – keine Bearbeitungen
sinnvoll ist, kommerzielle Nutzer daran zu
hindern, das Werk ohne individuelle Ver- Zwei CC-Lizenzen enthalten das ND-Mo-
einbarung zu nutzen, CC BY-SA das „bes- dul: CC BY-ND und CC BY-NC-ND. Wie
sere NC“ sei.84 Kurz zusammengefasst jede Lizenzeinschränkung bedeutet das
wird dies so begründet: SA-Lizenzen ND-Modul nicht, dass das Material über-
schließen die kommerzielle Nutzung ein haupt nicht bearbeitet oder geändert wer-
und behindern die freie Verbreitung nicht. den darf. Es bedeutet vielmehr, dass das
Kommerzielle Nutzer wie Verlage oder Recht, Bearbeitungen zu veröffentlichen
Plattenfirmen würden sich jedoch scheuen, oder zu teilen, vorbehalten ist, und jeder,
Werke ohne weitere Vereinbarung auf der dies tun will, eine zusätzliche Nut-
Basis einer SA-Lizenz zu nutzen. Denn die zungserlaubnis einholen muss. Sinn und
Lizenz verpflichtet dazu, das Werk und Zweck der ND-Einschränkung liegen darin,
dessen Abwandlungen nur unter dieser die Integrität des Werks vor unerwünschten
Lizenz zu veröffentlichen, was kommerzi- Varianten zu schützen.
elle Verwerter häufig nicht tun wollen. Um
solches Material im herkömmlichen Ver- Der Begriff „Bearbeitung“
trieb unter herkömmlichen Geschäftsmo-
dellen vermarkten zu können, müssten sie Abschnitt 1a des Rechtstextes definiert
ohnehin eine individuelle Vereinbarung bearbeitete Materialien wie folgt: „Bearbei-
mit den Urhebern treffen, etwa, um sich tetes Material ist durch Urheber- oder
von der SA-Verpflichtung „freizukaufen“. verwandte Rechte geschütztes Material,
Gleiches gilt, wenn der Verwerter das Werk das von dem lizenzierten Material abgelei-
verändern oder Teile hieraus in andere tet ist oder darauf basiert und in dem das
Werke einfügen wollte, durch Sampling lizenzierte Material auf eine Weise, die
oder Verwendung von CC-Musik als Film- nach dem Urheberrecht oder verwandten
musik. Hier würde sich die SA-Verpflich- Rechten einer Genehmigung des Rechtein-
tung sogar auf das eigene Material des habers bedarf, übersetzt, geändert, neu
Verwerters erstrecken, der beispielsweise arrangiert, transformiert oder anderweitig

54 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
geändert wird. Nach dieser freien Lizenz Welche Nutzungen im Detail als Bearbei-
liegt eine Bearbeitung stets vor, wenn ein tungen zu werten sind, ist eine schwierige
Musikwerk zur Untermalung von Bewegt- Frage. Die Lizenz nennt Beispiele für Nut-
bildern verwendet wird“ (eigene Überset- zungshandlungen, die nach dem Urheber-
zung).86 recht üblicherweise als Änderungen/
Abschnitt 2.a.1.B des Rechtstextes der Bearbeitungen anzusehen sind: Überset-
ND-Lizenzen weist darauf hin, dass bear- zungen in eine andere Sprache und Um-
beitetes Material zwar produziert, aber wandlungen eines Werks in eine andere
nicht geteilt werden darf. Die ND-Ein- Werkkategorie, wie z. B. die Verfilmung
schränkung gilt daher nur, wenn das bear- eines Romans, gelten als Bearbeitung. Auch
beitete Material außerhalb der Privatsphäre die Synchronisierung von Musik mit ande-
Dritten zugänglich gemacht wird, seine ren Werken, z. B. die Verwendung von
Herstellung und private Nutzung sind Musik als Hintergrund für ein Video oder
zulässig.87 Die Definition in der CCPL4 als Filmmusik, stellt eindeutig eine Bearbei-
entspricht der entsprechenden Bestimmung tung dar.
in der CCPL3. Außer diesen ausdrücklich erwähnten
Bearbeitungshandlungen wird der Begriff
Was genau ist eine Bearbeitung? der Bearbeitung in der Lizenz nicht weiter
erläutert. Vielmehr wird für die weitere
Der Rechtstext enthält einige Beispiele, in Auslegung auf das anzuwendende Recht
denen nicht von einer Bearbeitung auszuge- verwiesen.89 Dies macht es unmöglich,
hen ist. Laut Abschnitt 1a des Rechtstextes allgemeingültige Antworten zu geben. In-
findet eine Bearbeitung wieweit Lizenzneh-
statt, wenn das Material Die Definition von „Bear- mer berechtigt sind,
„auf eine Weise über- bearbeitete Materiali-
setzt, geändert, neu beitung“ unterscheidet sich en wieder zu veröf-
arrangiert, transfor- je nach Rechtsordnung. Im fentlichen, ist von
miert oder anderweitig Land zu Land ver-
geändert wird, die nach Allgemeinen ist eine Bearbei- schieden. Dies gilt
dem Urheberrecht oder tung die Umwandlung eines sogar für verschiede-
verwandten Rechten ne Länder innerhalb
einer Genehmigung des Werkes in eine andere Werk- der Europäischen
Rechteinhabers bedarf“
88
kategorie. Union, da der europä-
(eigene Übersetzung). ische Acquis Commu-
Nicht unter solche Änderungen fallen nach nautaire keine Vollharmonisierung des
Abschnitt 2.a.4 des Rechtstextes reine Bearbeitungsrechts vorsieht und es daher
technische Änderungen. Formatänderungen keinen EU-weit gültigen Bearbeitungsbegriff
oder Digitalisierungen sind hiernach keine gibt. Ob die Nutzer von ND-Inhalten für
Bearbeitungen und somit von der Lizenz bestimmte Handlungen eine zusätzliche
umfasst, da das Werk selbst in diesen Fällen Lizenz benötigen (da sie eine Bearbeitung
unverändert bleibt. Die Digitalisierung eines darstellen), hängt also davon ab, wie sich
Romans in Buchform ändert zum Beispiel das anwendbare Recht hierzu verhält.
den Roman (das Werk) nicht, sondern nur
das Medium, in dem er verkörpert ist. Sie Bearbeitungen des Werkes selbst
ist daher urheberrechtlich betrachtet keine
Bearbeitung oder Änderung (des Werks), Änderungen des Werkes selbst, z. B. Kür-
sondern lediglich eine Vervielfältigung. zungen, Erweiterungen oder Neuordnungen

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 55
seines Inhalts gelten nach dem Urheber- Werke zusammengestellt. Die verschiede-
recht grundsätzlich als Bearbeitungen. Dies nen Inhalte sind getrennte und alleinstehen-
gilt unabhängig davon, ob an der Bearbei- de Werke, sodass ihre Identifikation und
tung selbst ein eigenes (Bearbeiter-)Urhe- die Identifikation der einzelnen Autoren
berrecht entsteht. unproblematisch sind. Die Aufnahme eines
Werks in eine Sammlung gilt daher norma-
Bearbeitung durch Veränderung des Kon- lerweise nicht als Bearbeitung. Eine Verbin-
textes und Verbindung des Werks mit dung von Werken zu einem großen Ganzen
anderen Inhalten – Remixes, Mash-ups, wird auf der anderen Seite häufig dazu
Sammlungen und Werkkombinationen führen, dass jeder Einzelbestandteil seinen
eigenständigen individuellen Ausdruck
Komplexere Fragen entstehen, wenn das verliert. Je nach Technik haben Werkver-
Werk selbst gar nicht verändert wird, bindungen oft ihren eigenen ästhetischen
sondern lediglich in einem neuen Kontext Ausdruck, der sich von dem der Einzelbe-
verwendet wird. Darf ein Foto, das unter standteile unterscheidet. Ist dies der Fall,
einer ND-Lizenz steht, zum Beispiel in handelt es sich bei der Verbindung um eine
einem Buch verwendet werden, in dem Bearbeitung, deren Veröffentlichung durch
es in einen Artikel eingebettet ist? Darf die ND-Lizenz nicht gestattet ist.90
jemand eine Sammlung von 100 Fotos Ein wichtiges Abgrenzungsmerkmal
verschiedenen Ursprungs, darunter ND- zwischen Sammlungen und Werkverbindun-
lizenzierte Bilder, auf einer Webseite gen liegt darin, ob die einzelnen Werke in
veröffentlichen? Erlaubt es die ND-Lizenz dem gegebenen Kontext getrennt und unter-
einen Text in eine Anthologie aufzuneh- scheidbar bleiben. Wurde das Werk selbst
men, die Artikel verschiedener Autoren geändert, indem z. B. ein Text gekürzt oder
enthält? Darf ein ND-lizenziertes Video ein Song neu gemixt wurde, würde die
in einer künstlerischen Videocollage ver- ND-Einschränkung in jedem Fall gelten.
wendet werden? Darf man unterschiedliche Remixing und Mashen gehen üblicherweise
Inhalte, darunter Tonaufnahmen unter mit solchen Nutzungen einher, so dass hier
ND-Lizenz, in eine Multimedia-Installation der ND-Vorbehalt generell gilt. Werden
einbinden und diese verkaufen? jedoch nur unveränderte Werke gesammelt
Alle diese Fragen können nur von Fall und nebeneinander veröffentlicht, handelt
zu Fall unter Berücksichtigung des jeweils es sich eher nicht um eine Bearbeitung.
anwendbaren Rechts beantwortet werden. Werden dagegen identische – an sich
Die rechtliche Situation für italienische unveränderte – Kopien von Werken so
Nutzer kann sich daher von der rechtlichen kombiniert, dass sie zu einem neuen Ge-
Situation für deutsche Nutzer unterschei- samtwerk verschmelzen, das einen eigenen
den. Da die rechtlichen Begriffe „Bearbei- ästhetischen Ausdruck aufweist, wäre die
tung“ oder „Änderung“ rechtlich ausgelegt Kombination eine Bearbeitung der enthal-
werden müssen, ist es auch wichtig, die tenen Bestandteile. Hier werden die Ele-
Rechtsprechung der anwendbaren Rechts- mente nicht nur „nebeneinander gestellt“,
ordnung zu kennen. sondern „verschmolzen“, was zur Entste-
Die Unterscheidung von Sammlungen hung eines neuen und größeren Werks
und Werkverbindungen ist im Zweifel in führt, das sowohl eigenes als auch fremdes
allen Rechtsordnungen ein wesentliches Material enthält. Beispiele dafür wären die
Differenzierungsmerkmal. In einer Samm- Verwendung eines urheberrechtlich ge-
lung, wie z. B. in einer Anthologie oder schützten Bildes in einem Film, die Verwen-
einem Katalog, werden einfach verschiedene dung einer urheberrechtlich geschützten

56 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Zeichentrickfigur in einem Video oder die Nach dieser Unterscheidung ist es möglich,
oben erwähnte Nutzung von Musiktiteln in relativ klar zwischen Bearbeitungen, die
Bewegtbildern. gemäß ND nicht zulässig sind, und reinen
In Anbetracht dieser Überlegungen Vervielfältigungen, die die Lizenz gestattet,
empfiehlt sich das folgende Prinzip als zu trennen. In der untenstehenden Tabelle
allgemeine Daumenregel: Wenn bestehen- werden einige typische Konstellationen
des Material, gegebenenfalls unter Hinzu- dargestellt.
fügung von neuem Material, zu einem
größeren Werk verschmolzen wird, das Erklärungen:
einen eigenständigen Charakter hat, liegt
stets eine Bearbeitung im Sinne des Urhe- • Bei der Zusammenstellung von ND-
berrechts und der ND-Einschränkung vor. Inhalten und anderem Material ist für
Je stärker die einzelnen Werke unverändert die Frage, ob hierin eine Bearbeitung
und eigenständig verwendet werden, sie oder lediglich eine Vervielfältigung
also nur nebeneinander gestellt werden, liegt, v. a. danach zu unterscheiden, ob
desto unwahrscheinlicher ist es, dass ihre die wiederverwendeten Werke auch in
Kombination/Sammlung als bearbeitetes diesem Kontext getrennt und unter-
Material gilt. scheidbar bleiben.

Tabelle 2: Welche Nutzungen sind nach ND-lizenzen erlaubt?

Nutzung Erlaubt bei ND-Lizenz?


Mashup-Video Nein

Bild oder Text in einer Zeitung oder einer


Ja
Zeitschrift verwenden

Musikremix Nein
Sampling Nein

Bild oder Text auf einer Webseite, einem Blog oder


Ja
sozialen Netzwerken nutzen

Übersetzung Nein
Musik in einem Film/Video Nein
Verfilmung Nein
Bild in einem Katalog abbilden Ja
Textbeitrag in einem Sammelband verwenden Ja

Kommt darauf an (generell:


Bildercollage
nein). 92

Abhängig vom geltenden


Parodie
Urheberrecht.93

„Küchenvideo“ mit Hintergrundmusik Nein


Einbetten einer Tonspur in einen Dokumentarfilm Nein

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 57
• Wurde das wiederverwendete Werk Vor- und Nachteile von ND-Lizenzen
geändert, indem z. B. ein Text gekürzt
oder ein Song neu gemixt wurde, gilt Ob sich ND-Lizenzen für die eigene Ver-
die ND-Einschränkung in jedem Fall. wendung anbieten, hängt stark von der
Daher lautet die Antwort „nein“ (darf jeweiligen Situation ab. Dass es vielen
nicht unter ND verwendet werden). Schöpfern kreativer Inhalte innerlich
Im Gegensatz dazu wird in allen „Ja“- widerstrebt, Dritten zu erlauben seine
Fällen davon ausgegangen, dass das Kreation beliebig zu verändern und
wiederverwendete Material selbst im die veränderten Fassungen in Umlauf zu
„Ist-Zustand“ verwendet wird, also bringen, ist subjektiv verständlich, aber
unverändert geblieben ist. objektiv kein guter Grund, sich für eine
ND-Lizenz zu entscheiden.93 Zumindest
• Würde das wiederverwendete Werk mit sollten subjektive Neigungen mit objektiven
anderen Materialien zu einem neuen, Faktoren bei der Lizenzauswahl abgewogen
größeren Werk verschmolzen, lautet die werden. Objektiv wäre zu bedenken, dass
Antwort „nein“. Dies ist der Fall, wenn positive Effekte für die kulturelle Allmende
alle Materialien so miteinander verbun- kaum erreicht werden können, wenn die
den werden, dass ein neues, größeres Lizenz keine Änderungen erlaubt. Dabei
Werk mit einem eigenen ästhetischen liegt ein wesentliches Ziel dieses Ansatzes
Ausdruck entsteht, der den eigenständi- darin, die Verwendung von Open Content
gen Ausdruck der einzelnen Bestandtei- in neuen Kontexten zu gestatten. Bei ND-
le ersetzt. lizenzierten Inhalten muss für solche Nut-
zungen in vielen Fällen eine individuelle
• Werden unveränderte Kopien von ND- Vereinbarung geschlossen werden, was
Materialien lediglich neben andere häufig dazu führen wird, dass der Inhalt
Materialien gestellt (wird z. B. ein Foto gar nicht auf diese Weise verwendet wird.
auf einer Webseite von Text umrahmt), Auch kann das Material nicht ohne weiteres
ohne mit anderen Bestandteilen zu verbessert, aktualisiert oder übersetzt
einem anderen werden; Musik
Gesamtwerk ver- Wenn Inhalte nicht bearbeitet könnte nicht neu
schmolzen zu wer- gemixt oder gesam-
oder angepasst werden kön-
den, lautet die pelt, Videosequen-
Antwort im Allge- nen, entfallen viele Vorteile zen könnten nicht
meinen „ja“. gemashed werden.
für die kulturelle Allmende. Darüber hinaus sind
• Die Erstellung von einige der zu NC-
Bearbeitungen als solche wird vom Lizenzen genannten Nachteile auch bei
ND-Modul nicht untersagt, nur deren ND-Lizenzen zu berücksichtigen. Wie auch
Veröffentlichung. bei der NC-Restriktion ist es beispielsweise
wenig sinnvoll, sie vorzusehen, wenn man
Die Klassifizierung gibt lediglich mein Ver- nicht gewillt oder in der Lage ist, ihre Ein-
ständnis wider. Einige Projekte, die ND- haltung auch durchzusetzen. Zudem führt
Lizenzen verwenden, bieten eventuell auch der ND-Vorbehalt zu zusätzlichen
eigene Erklärungen. In diesem Fall wird Rechtsunsicherheiten, weil seine Auslegung
immer empfohlen, sich an die Richtlinien gerade in Grenzfällen häufig unklar ist.
des betreffenden Projekts zu halten. Rechtsunsicherheiten haben eine abschre-

58 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
ckende Wirkung, die sich auf die Verbrei- Werks durch eine ND-Lizenz zu schützen.
tung des Materials potenziell negativ Dies gilt zum Beispiel für „zertifizierte
auswirkt. Letztlich hängt auch die Ent- Informationen“, die für eine Regulierung
scheidung, ob eine ND-Lizenz sinnvoll benötigt werden und die von niemand
und geeignet ist, stark von den Umständen anderem als von der zertifizierenden Stelle
des Einzelfalls ab. Allgemein betrachtet geändert werden sollten, wie z. B. techni-
mögen sie z. B. für manche Inhalte tenden- sche Standards und andere Normen, ein-
ziell besser geeignet sein als für andere, schließlich Rechtsnormen (soweit solche
gleiches gilt für unterschiedliche Nutzungs- überhaupt urheberrechtlich geschützt sind).
szenarien. ND-Lizenzen können auch dazu dienen,
Material mit informativem Zweck kann um bestimmte Geschäftsmodelle zu unter-
beispielsweise erheblich davon profitieren, stützen. Denkbar wäre beispielsweise, eine
dass es ohne individuelle Erlaubnis geän- generische Version eines Textes zu veröf-
dert werden kann. Auf diesem Weg können fentlichen, der individuell angepasst wer-
Fehler leichter behoben und Aktualisierun- den muss, um in bestimmten Fällen nützlich
gen schneller vorgenommen werden. Ein oder verwendbar zu sein. Durch den Ein-
Projekt wie Wikipedia könnte zum Beispiel satz einer ND-Lizenz behielte sich der
unter einem ND-Lizenzsystem nicht funkti- Veröffentlichende derartige Optimierungen
onieren, da es auf einen hohen Aktualitäts- oder Adaptionen vor und schützt damit sein
grad angewiesen ist, der nur von einer Geschäftsmodell.
großen Community aufrechterhalten wer- Diese Beispiele zeigen, dass es aus objek-
den kann. Bei Bildungsressourcen ist tiver Sicht in nur wenigen Fällen naheliegt,
zu bedenken, dass sie geändert und über- ND-Lizenzen zu verwenden. Der ND-Vor-
setzt werden können, um sie in anderen behalt widerspricht in gewisser Weise den
Teilen der Welt oder für verschiedene Grundprinzipien von Open Content und
Zielgruppen nutzbar zu machen. Deshalb führt zu vielen Einschränkungen, die häufig
sollten „Open Educational Resources“ gar nicht erwünscht sein werden. Eine Li- Open Educational
Resources sind
(OER, freie Lehr- und Lernmaterialien) zenz zu verwenden, die auch Bearbeitungen
Lehr- und Lernmateriali-
nicht unter ND-Lizenzen gestellt werden. erlaubt, wäre – wenn man sich überhaupt en, die unter einer freien
Werke hingegen, die einem rein ästheti- für die Veröffentlichung als Open Content Lizenz veröffentlicht
werden, sodass sie
schen Zweck dienen (wie Musik oder Filme) entscheidet – meist konsequenter. Wofür geteilt, verändert und
können im eigentlichen Sinn des Wortes man sich entscheidet, steht natürlich jedem nachgenutzt werden
können.
nicht „verbessert“ werden. Ob sie gut sind Lizenzgeber frei. Bei der Entscheidung
oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. sollten jedoch Vor- und Nachteile sorgfältig
Daher besteht objektiv betrachtet kein gegeneinander abgewogen werden.
vitales Interesse an einer durch die Lizenz
eröffneten „Verbesserungsmöglichkeit“. c) SA – Weitergabe unter
Dennoch sei daran erinnert, dass die kultu- gleichen Bedingungen
relle Allmende nur von Inhalten profitieren
kann, die auch neu gemixed, kombiniert, Zwei CC-Lizenzen enthalten das Share-
in Mash-Ups oder Collagen eingefügt wer- Alike-Modul. SA bedeutet, dass Bearbei-
den können. Wer dieses Ziel verfolgt, für tungen nur unter der ursprünglichen oder
den ist eine ND-Lizenz keine Option. CC unter einer kompatiblen Lizenz veröffent-
selbst lehnt es ab, ND-Lizenzen den Status licht werden dürfen. Die SA-Klausel in der
von „Open-Culture-Lizenzen“ zu verleihen. CCPL4 (Abschnitt 3b) besagt:
Allerdings gibt es Fälle, in denen objektive „Neben den Bedingungen in Abschnitt
Faktoren dafür sprechen, die Integrität des 3(a) gelten folgende Voraussetzungen,

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 59
wenn Sie von Ihnen produziertes bearbeite- sich den Inhalt „anzueignen“. So könnte
tes Material teilen. eine Plattenfirma einen Song, der unter
einer CC BY-Lizenz veröffentlicht wurde,
1. Die von Ihnen verwendete Bearbeiter- neu mixen und das Ergebnis „unfrei“
Lizenz muss eine Creative-Commons- vermarkten (d. h. kommerziell oder gegen
Lizenz mit denselben Lizenzmodulen Lizenzgebühren). SA-Klauseln verhindern
in derselben oder einer späteren Version solche Aneignungsmöglichkeiten durch
sein, oder eine mit BY-SA kompatible ihre ansteckende Wirkung auf jede Art
Lizenz. von Bearbeitung.

2. Sie müssen den Text, eine URI oder Wann gilt die SA-Bedingung?
einen Hyperlink zu der von Ihnen ver-
wendeten Bearbeiter-Lizenz hinzufü- SA gilt für die Veröffentlichung von bear-
gen. Sie können diese Pflicht auf jede, beitetem Material. Die Regel gilt daher
dem Medium, Kontext oder Mittel, in nur, wenn das Material a) bearbeitet und
dem bzw. durch das Sie die bearbeiteten b) außerhalb der Privatsphäre mit anderen
Materialien teilen, angemessene Weise geteilt bzw. Dritten zugänglich gemacht
erfüllen. wird. SA verpflichtet dabei niemanden,
bearbeitetes Material zu teilen. Im Gegen-
3. Sie dürfen die Rechte an der Bearbei- teil – es ist absolut legitim, ein Werk zu
tung nicht durch zusätzliche Bedingun- bearbeiten und die neue Fassung für sich
gen einschränken und hierauf keine zu behalten.94
wirksamen technischen Maßnahmen
anwenden, die die Ausübung der Rechte Was bedeutet SA? Welche Lizenz muss ich
beschneidet“ (eigene Übersetzung). für die Veröffentlichung von bearbeitetem
Material verwenden?
Zusammengefasst bedeutet das, dass der
Bearbeiter (der eine geänderte Version des Es gibt drei Optionen, bearbeitetes SA-
lizenzierten Materials Material zu lizenzieren, d. h. drei Optionen
Das SA-Modul soll sicher- veröffentlicht) an die für die Bearbeiterlizenz:95
stellen, dass Modifikationen vom ursprünglichen
Lizenzgeber gewählten 1. Das bearbeitete Material wird unter die-
von hierunter stehenden Lizenzbedingungen selbe SA-Lizenz gestellt wie das Original
gebunden ist. Der Bear- (z. B. CC BY-SA 3.0 International) oder
Inhalten stets nur unter
beiter darf die Freiheiten unter einer spätere Version dieser Lizenz
den gleichen Bedingungen der Nutzer auch für seine (z. B. CC BY-SA 4.0 International).
Fassung nicht weiter
geteilt werden können.
einschränken, gleich ob 2. Das bearbeitete Material wird unter
durch restriktivere Lizenzbedingungen oder einer CC-Lizenz lizenziert, die diesel-
durch technische oder andere Maßnahmen. ben Module enthält wie die ursprüngli-
Der Sinn dieser „ansteckenden Freiheit“ che Lizenz. Dies gilt insbesondere für
ist leicht erklärt: Für das Werk in all seinen portierte Versionen. Ein bearbeitetes
Ausprägungen sollen die gleichen Nutzungs- Foto, das ursprünglich unter CC BY-SA
freiheiten gelten. 3.0 (unported) lizenziert wurde, könnte
Vor dem Hintergrund dieses Arguments somit unter CC BY-SA 3.0 für Deutsch-
macht die Regelung tatsächlich Sinn: Lizen- land lizenziert werden. Auch bei dieser
zen ohne SA-Modul erlauben es Dritten, Variante können spätere Versionen einer

60 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
portierten Version verwendet werden. Lizenz (z. B. CC BY-SA) gestellt werden.
Unter der CCPL4 könnte diese zweite Dies ist jedoch nicht möglich, weil sowohl
Option jedoch obsolet werden, da bis die CC BY-SA-Lizenz als auch die CC
heute keine portierten Versionen der BY-NC-SA-Lizenz sinngemäß sagen:
Lizenzen existieren. „Sie dürfen den Mash-up nur unter diesen
Lizenzbedingungen verteilen und dürfen
3. Das bearbeitete Material wird unter ihnen keine zusätzlichen Beschränkungen
einer mit CC BY-SA „kompatiblen Li- hinzufügen.“ Da die Lizenzbestimmung
zenz“ lizenziert. Kompatible Lizenzen von CC BY-SA und CC BY-NC-SA unter-
sind von CC genehmigte Lizenzen (siehe schiedlich sind – letztere verbietet die
Abschnitt 1c des Rechtstextes). Derzeit kommerzielle Nutzung – kann der Bearbei-
besteht hierfür eine einzige Option, ter die SA-Regeln nicht einhalten. Entweder
nämlich die Free Art License 1.3, die er verstößt gegen die SA-Klausel der einen
von Creative Commons als erste kompa- oder der anderen Lizenz.
96
tible Lizenz anerkannt wurde. Man spricht in diesem Fall von einer
„Lizenzinkompatibilität“. Eine Lizenzin-
Laut Abschnitt 3.b.3 des Rechtstextes darf kompatibilität ist eine Situation, in der der
der Bearbeiter die Nutzung seiner Version Nutzer nur eine von zwei oder mehreren
keinen zusätzlichen widersprüchlichen
Bedingungen oder Lizenzinkompatibilitäten Lizenzbedingungen
Einschränkungen unter- gefährden die Nutzbarkeit erfüllen kann, während
werfen. Mit anderen er zwangsläufig gegen
Worten: Würde ein von freien Inhalten und andere Regelungen
Bearbeiter die ur- verstößt. Lizenzinkom-
damit die kulturelle All-
sprüngliche Lizenz patibilitäten sind ein
(z. B. CC BY-SA 4.0) mende. großes Problem für die
für seine Version ver- Open-Culture-Bewe-
wenden, die Rechte in seinen Allgemeinen gung, da deren zentrale Idee darin besteht,
Geschäftsbedingungen oder Vertragszusät- dass Inhalte der kulturellen Allmende
zen zur CC-Lizenz jedoch einschränken, gemixt, neu kombiniert und angeordnet
97
würde er gegen die SA-Klausel verstoßen. sowie in neue Zusammenhänge gestellt
werden können.
Mixen von SA-Material mit Open Content Lizenzinkompatibilitäten unterbinden
unter verschiedenen Lizenzen – das Prob- viele potenzielle Nutzungen und verstärken
lem der Lizenzinkompatibilität die Rechtsunsicherheiten, die beim kreati-
ven Umgang mit fremdem Material, u. a. im
Wie oben erklärt, verlangt SA von den Wege des Remixing und Mashing, einherge-
Bearbeitern, ihr geändertes Material unter hen, immens. Die Dimension des Problems
derselben oder einer kompatiblen Lizenz zu der Lizenzinkompatibilität wird durch die
lizenzieren, wenn es veröffentlicht wird. Tatsache illustriert, dass selbst die meisten
Angenommen ein Bearbeiter würde Video- CC-Lizenzen untereinander nicht kompati-
clips zu einem Mash-up zusammenfügen, bel sind, ganz zu schweigen von anderen
die teils unter CC BY-SA, CC BY-NC und Open-Content-Lizenzformen. Dies führt zu
CC BY-NC-SA lizenziert sind: Da die ein- dem unerwünschten Ergebnis, dass Inhalte
zelnen Bestandteile des Mash-ups ein neues mit verschiedenen Lizenzen nicht kombi-
Ganzes bilden, muss die Kombination, der niert werden können.
Mash-up, vollständig unter eine einzelne

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 61
Tabelle 3: Mögliche Kombinationen von CC-Inhalten101

       
       
       
       
       
       
       
       

Tabelle 398 zeigt, dass 32 von 64 Möglich- von CC BY-SA- und CC BY-Inhalten könn-
keiten, CC-Werke unter verschiedenen ten beispielsweise gemeinsam unter CC
Lizenzen zu einem Remix, Mash-up oder BY-SA lizenziert werden, weil die CC
einer anderen Werkverbindung zu kombi- BY-Lizenz dies erlaubt.
nieren, nicht zulässig sind.99
Die Tabelle zeigt auch, dass die Möglich- Anmerkung zum Problem der Lizenzin-
keiten, Inhalte mit anders lizenzierten kompatibilität im Allgemeinen und zu
Inhalten kombinieren zu können umso SA-Lizenzen im Besonderen
geringer sind, je restriktiver die involvier-
ten Lizenzen sind. Dies hat einen einfachen Trotz vieler Bemühungen, das Lizenzin-
Grund: NC-Material kann zum Beispiel kompatibilitätsproblem auf die eine oder
nicht in einen Remix integriert werden, die andere Weise zu lösen, wurden bisher
dessen Lizenz die kommerzielle Nutzung kaum Erfolge erzielt. Dabei liegt hierin ein
erlaubt. Denn hierdurch würde auch die Schlüsselfaktor für den Erfolg des gesam-
kommerzielle Nutzung des NC-Materials, ten Systems. Ein „Creative Commons“ im
das ja einen Teil des Remixes bildet, gestat- eigentlichen Sinn des Begriffs – kreative
tet. SA-Material kann ohnehin nur mit Allmende – kann ihren Zweck nur erfül-
Inhalten kombiniert werden, die unter len, wenn die darin enthaltenen Inhalte
derselben oder einer Lizenz stehen, die auf kreative Weise (wieder-) verwendet
einen identischen Inhalt hat (und daher werden können. Steht dem entgegen, dass
kompatibel ist). Soll SA-Material mit anders die Inhalte unter vielen verschiedenen
lizenzierten Inhalten kombiniert werden, Lizenzen veröffentlicht werden, die mit-
ist das nur möglich, wenn die anderen einander nicht kompatibel sind, gerät das
Lizenzen erlauben, dass Werkverbindungen Ziel in Gefahr. Lizenzinkompatibilitäten
insgesamt auch unter der SA-Lizenz veröf- stehen auch dem Ansatz von Creative
fentlicht werden dürfen. Kombinationen Commons entgegen, heute übliche Kultur-

62 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
techniken wie Remixing und Mashing,
rechtlich möglich zu machen.
Da SA-Lizenzen (wie alle restriktiven
Lizenzen) das Problem der Lizenzinkom-
patibilität vergrößern, sollte ihre Verwen-
dung gründlich überdacht werden. Vom
Grundsatz her ist das Prinzip des SA-Mo-
duls überzeugend: Freie Inhalte sollen in
all ihren Formen und Entwicklungsstufen
frei verfügbar und nutzbar bleiben.101
Lizenzen ohne dieses Element ermöglichen
es Dritten unter Umständen, sich Open
Content anzueignen, indem sie weiterent-
wickelte Versionen der kulturellen All-
mende entziehen. Auf der anderen Seite
sind liberalere Lizenzen wie CC BY einfa-
cher zu handhaben und haben insofern
ihre Vorteile. Sie entfalten im Zweifel
mehr Anreize für die Nutzung des Inhalts.
Letztendlich muss der Lizenzgeber ver-
schiedene Ziele gegeneinander abwägen:
Zu überlegen ist, ob es wichtiger ist, die
Offenheit des Materials zu gewährleisten
(in diesem Fall wäre die CC BY-SA-Lizenz
die geeignete) oder so viel Nutzungsinter-
esse wie möglich zu generieren (in diesem
Fall sollte die CC BY-Lizenz verwendet
werden).

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 63
Anmerkungen

1 Hier wird das CC-Lizenzmodell erklärt: Welt durchsetzbar ist“ (eigene Übersetzung).
https://creativecommons.org/licenses/?lang=de.
16 Die nicht portierten CC-Lizenzen sind weder sprach-
2 Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich alle lich noch in Bezug auf die Regulierung auf eine bestimm-
Hinweise auf CC-Lizenzen auf Version 4 (CCPL4). te Rechtsordnung ausgerichtet, d. h. sie sollten nicht mit
Zu den einzelnen Lizenzversionen siehe Kapitel 3.1. den (nationalen) US CC-Lizenzen verwechselt werden.
Laut Abschnitt 8f CCPL3 basiert die Terminologie der
3 Normalerweise wird der Lizenzgeber verlangen, nicht portierten Lizenzen auf internationalen Urheber-
dass sein wirklicher Name genannt wird. Wird auf dem rechtsverträgen wie der Berner Übereinkunft zum Schutz
lizenzierten Material jedoch ein Pseudonym genannt von Werken der Literatur und Kunst, dem Abkommen von
oder wurde es anonym veröffentlicht, muss der Nutzer Rom oder dem WIPO-Urheberrechtsvertrag. Siehe:
dies ebenfalls angeben. http://wiki.creativecommons.org/Version_3#Further_
Internationalization.
4 Siehe zu Details des SA-Moduls Kapitel 3.5,
Abschnitt c. 17 Ein weiteres Problem mit der Anwendung von US-
Lizenzen in Europa kann durch Bestimmungen zum
5 Der Ausdruck „Lizenz des Bearbeiters“ wird in Ab- Schutz der Urheberpersönlichkeitsrechte entstehen. In
schnitt 1b des Rechtstextes definiert. Er bezieht sich einigen Ländern wie in den USA kann durch vertragliche
auf die Lizenz, die ein Bearbeiter verwendet, um seine Vereinbarungen auf die Urheberpersönlichkeitsrechte
modifizierte Version des Werkes zu veröffentlichen. verzichtet werden (z. B. durch eine Lizenz). In kontinental-
europäischen Ländern, die Autorenrechte großschreiben,
6 Siehe hierzu Kapitel 3.1, Abschnitt b. wie Frankreich oder Deutschland, kann nicht auf sie
verzichtet werden und sie können nicht an Dritte abge-
7 Siehe: http://ocw.mit.edu/index.htm. treten oder eingeschränkt lizenziert werden.

8 Text siehe: http://creativecommons.org/ 18 Selbst wenn für die transnationale Lizenzierung


publicdomain/zero/1.0/legalcode. portierte Lizenzversionen verwendet werden, können
verschiedene Probleme auftreten, insbesondere im
9 Siehe z. B. Kreutzer, 2011. Validity of the Creative Bereich des internationalen Privatrechts, das in solchen
Commons Zero 1.0 Universal Public Domain Dedication Fällen das anzuwendende Recht vorgibt. Auf diese Fragen
and its usability for bibliographic metadata from the kann in diesem Leitfaden nicht eingegangen werden.
perspective of German Copyright Law; https://rd- Nähere Informationen siehe: Maracke, 2010. Creative
alliance.org/sites/default/files/cc0-analysis-kreuzer.pdf. Commons International. The International License
Project. JIPITEC, Bd. 1, Ausg. 1, Randnummern 33-38;
10 Siehe CC0 Abschnitt 3, dem zufolge die Person, https://www.jipitec.eu/issues/jipitec-1-1-2010/2417
die die CC0 für ihr Werk verwendet („Affirmer”) „allen und Jaeger/Metzger, 2011. Open Source Software.
betroffenen Personen eine lizenzgebührenfreie, nicht 3. Auflage. Beck, München. Randnummern 381-382.
übertragbare, nicht unterlizenzierbare, nicht-exklusive,
unwiderrufliche und bedingungslose Lizenz erteilt ...” 19 Siehe: https://wiki.creativecommons.org/Frequently_
(eigene Übersetzung). Kurz gesagt: Diese Rückfall- Asked_Questions#What_if_CC_licenses_have_not_
Lizenz lässt jegliche Nutzung ohne Bedingungen zu. been_ported_to_my_jurisdiction_.28country.29.3F.
Allerdings sollen nach und nach offizielle Übersetzungen
11 Zu diesen Fragen siehe: Kreutzer, 2011. Validity der internationalen Version bereitgestellt werden.
of the Creative Commons Zero 1.0 Universal Public
Domain Dedication and its usability for bibliographic 20 Eine solche Klausel gibt dem Lizenznehmer die
metadata from the perspective of German Copyright Möglichkeit zu entscheiden, ob er das Material unter
Law; https://rd-alliance.org/sites/default/files/cc0- der aktuellen oder unter einer späteren Lizenzfassung
analysis-kreuzer.pdf. verwenden möchte (nach Veröffentlichung einer neuen
Lizenzversion). Neu eingeführte Lizenzversionen können
12 Nähere Informationen über den Europeana Public sich dadurch schneller verbreiten. Abschnitt 14 der GNU
Domain Calculator siehe: http://outofcopyright.eu. General Public License Version 3 ist ein Beispiel für eine
solche Klausel.
13 Überblick siehe unter: creativecommons.org/versi-
on4. Einen detaillierteren Vergleich mit Hinweisen auf die 21 Allerdings sind auch die internationalen Versionen
verschiedenen Entwürfe der CCPL4 und den Entwurfs- in vielen verschiedenen Sprachen verfügbar.
prozess siehe hier: http://wiki.creativecommons.org/4.0.
22 Die internationalen/nicht portierten Lizenzen ent-
14 Nähere Informationen über die Geschichte dieses halten keine Rechtswahlklausel. Die Klausel, die die
Prozesses und den Ansatz von CC International siehe: Systeme in CCPL3 (Abschnitt 8f des Rechtstextes) be-
Maracke, 2010. Creative Commons International. handelte, wurde nicht in CCPL4 aufgenommen.
The International License Porting Project. JIPITEC, Bd. 1,
Ausg. 1, S. 4-18; https://www.jipitec.eu/issues/ 23 Die Festlegung des anzuwendenden Rechts hängt von
jipitec-1-1-2010/2417. den Bestimmungen des „internationalen Privatrechts“ ab,
die von Land zu Land variieren können. Ohne Rechtswahl-
15 Catharina Maracke, ehemalige Leiterin des CC-Inter- klausel in der Lizenz kann es vorkommen, dass für eine
national-Projekts, schreibt in dem oben erwähnten Artikel Lizenz, die zwischen einem kanadischen Rechteinhaber
(s. Endnote 14, S. 6): „Ziel dieses internationalen Portie- und einem spanischen Nutzer geschlossen wurde, nach
rungsprojekts ist es, ein mehrsprachiges Modell des kanadischem Recht ein anderes Recht anzuwenden ist als
Lizenzsets zu schaffen, das in Rechtsordnungen in aller nach spanischem Recht. Das kann bewirken, dass das

64 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
anzuwendende Recht von einer Lizenzgeber-Lizenzneh- 32 Siehe: EuGH Fall C-135/10 - Società Consortile
mer-Beziehung zur anderen verschieden ist. Fonografici (SCF) vs. Marco Del Corso, Randziffer 85;
http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?
24 Es liegt auf der Hand, dass nur Nutzer, die der franzö- text=&docid=120443&pageIndex=0&doclang=
sischen Sprache mächtig sind, einen französischen DE&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&cid=298306.
Lizenztext verstehen können. Außerdem enthalten die Hier stellt der EuGH unter anderem fest, dass die Patien-
nationalen Lizenzen normalerweise spezifische Bestim- ten einer Zahnarztpraxis keine „Personen im Allgemei-
mungen der jeweiligen Rechtsordnung. Ihre Interpretati- nen“ sind, sondern eine eher private, nicht offene Gruppe
on kann sich sogar für ausländische Rechtsanwälte, bilden. Demzufolge sind „private Gruppen“ nicht nur
die Muttersprachler sind, als schwierig erweisen (z. B. Freunde und Familienangehörige, sondern können auch
frankokanadische Rechtsanwälte, die französisches Personen sein, die in keiner persönlichen Beziehung
Recht anwenden müssen). zueinander stehen.

25 Angenommen, in der Wikipedia würde eine französi- 33 Laut dem Urteil des EuGH bilden die Patienten
sche Portierung der CC-Lizenz verwendet und ein einer Zahnarztpraxis keine große Gruppe, für die dieses
russischer Nutzer (Lizenznehmer) verwendet in seinem Kriterium gilt. Siehe: EuGH Fall C-135/10 - Società
Blog den Artikel eines brasilianischen Wikipedia-Autors. Consortile Fonografici (SCF) vs. Marco Del Corso,
Hier wäre das durch die portierte Lizenz zur Anwendung Randziffer 84; http://curia.europa.eu/juris/document/
gebrachte französische Recht beiden Parteien der Lizenz document.jsf?text=&docid=120443&pageIndex=
fremd. 0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first&part=1&c
id=298306.
26 Die Bestimmung ist nicht einfach zu entdecken. Sie
findet sich in Abschnitt 2.a.5.B des Rechtstextes der CC 34 Bei den Patienten der Zahnarztpraxis ging der EuGH
BY-SA 4.0 und lautet wie folgt: „Zusätzliches Angebot des jedoch nicht davon aus, dass die nacheinander die Praxis
Lizenzgebers – bearbeitetes Material. Jede Person, die besuchenden Patienten letztendlich eine öffentliche
von Ihnen bearbeitetes Material erhält, erhält automa- Gruppe bilden. Siehe: http://curia.europa.eu/juris/
tisch auch ein Angebot des Lizenzgebers, die Nutzungs- document/document.jsf?text=&docid=120443&pageIn
rechte an dem bearbeiteten Material unter den dex=0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first&part=
Bedingungen der von Ihnen angewendeten Bearbeiter- 1&cid=298306.
Lizenz auszuüben“ (eigene Übersetzung). Siehe: http://
creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode. 35 In dem Fall der Zahnarztpraxis nahm der EuGH an,
dass die Einnahmen einer Zahnarztpraxis nicht steigen,
27 Dies gilt zumindest solange, wie der Bearbeiter die wenn in den Praxisräumen Radiosendungen gespielt
Bestimmungen des SA-Moduls einhält und für seine werden. Dies wurde ebenfalls als Indiz gegen die Annah-
Fassung eine zulässige Bearbeiter-Lizenz wählt. Wäre me gewertet, dass sich dessen Nutzungen an eine
dies jedoch nicht der Fall, z. B. weil der Bearbeiter für Öffentlichkeit richten. Siehe: EuGH Fall C-135/10 -
seine Version eines Werkes, das ursprünglich unter CC Società Consortile Fonografici (SCF) vs. Marco Del
BY-SA lizenziert war, eine CC BY-SA-NC wählt, würde Corso, Randziffer 88; http://curia.europa.eu/juris/
er gegen die Lizenzverpflichtungen verstoßen. Dies document/document.jsf?text=&docid=120443&
würde dazu führen, dass die Lizenz für seine Version des pageIndex=0&doclang=DE&mode=lst&dir=&occ=first&
Werkes wegen der „automatic termination clause“ bis part=1&cid=298306.
zur Behebung des Verstoßes unwirksam wäre. Siehe:
Kapitel 3.4, Abschnitt i. In einem anderen Fall stellte der EuGH jedoch fest, dass
die Möglichkeit für Hotelgäste, Fernsehprogramme zu
28 Natürlich können und müssen Bearbeiter ihre Versio- empfangen, für einen Hoteleigentümer sehr wohl wesent-
nen des Werkes selbst lizenzieren. liche geschäftliche Auswirkungen hat. Siehe: EuGH Fall
C-306/05, Sociedad General de Autores y Editores de
29 Die Urheberrechtsgesetze enthalten mitunter auch España (SGAE) vs. Rafael Hoteles SA, Randziffer 44;
Schranken, die es erlauben, geschütztes Material ohne http://curia.europa.eu/juris/showPdf.jsf?text=&docid=
Zustimmung weiterzugeben, z. B. im Rahmen der wissen- 66355&pageIndex=0&doclang=EN&mode=lst&dir=
schaftlichen Forschung. Die NC-Einschränkung ist die &occ=first&part=1&cid=300896.
einzige Lizenzbeschränkung, die auch interne Nutzungen
betrifft. Gemäß Abschnitt 2.a.1.A des Rechtstextes der 36 Wenn sich z. B. jemand im Park eine Radiosendung
CC-NC-Lizenzen erlauben diese die „Vervielfältigung“ anhört, beabsichtigt er nicht, die Passanten zu unterhal-
nur für nicht-kommerzielle Nutzungen, d. h. die NC- ten – es liegt somit keine öffentliche Nutzung vor.
Restriktion schränkt nicht nur Nutzungen ein, die sich an
die Öffentlichkeit richten, sondern auch interne Nutzun- 37 Siehe: EuGH, Fall C-466/12, Nils Svensson et al. vs.
gen. Hiernach ist es einem Unternehmen z. B. nicht Retriever Sverige AB, Randziffer 24; http://curia.europa.
gestattet, einen NC-Inhalt für interne Zwecke zu kopieren. eu/juris/document/document.jsf?docid=147847&
doclang=DE.
30 Interpretation des Begriffs „öffentlich“ siehe
folgenden Abschnitt. 38 Der EuGH stellte in seinem Urteil, Randziffer 29,
auch fest, dass es ohne Belang ist, ob „das Werk bei
31 Das Teilen über passwortgeschützte Server, zu Anklicken des betreffenden Links durch die Internetnut-
denen nur bestimmte Nutzer Zugang haben, ist z. B. zer in einer Art und Weise erscheint, die den Eindruck
völlig konform mit der SA-Bestimmung. Siehe FAQ: vermittelt, dass es auf der Seite erscheint, auf der sich
http://wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_ dieser Link befindet, obwohl es in Wirklichkeit einer
Questions#Can_I_share_CC-licensed_material_on_ anderen Seite entstammt“. Das könnte bedeuten, dass
password-protected_sites.3F. die Einbettung von Inhalten, z. B. YouTube-Videos, keine

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 65
Bereitstellung im Sinne des Urheberrechts darstellt und die Kennzeichnung von Werken mit CC-Lizenz in ver-
daher keine Genehmigung seitens des Rechteinhabers schiedenen Nutzungsfällen. Details siehe:
erfordert. http://wiki.creativecommons.org/Marking_your_work_
with_a_CC_license.
39 Die Unterscheidung zwischen kommerziellen und
nicht-kommerziellen Nutzungen wird nur in Bezug auf 49 Wenn allerdings ein Nutzer eine unter CC lizenzierte
die CC-NC-Lizenzen relevant (siehe Kapitel 3.5, Ab- Datenbank in einem Rechtsraum verwendet, in der das
schnitt a). Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass das anwendbare Recht kein Datenbankherstellerrecht
Urheberrecht eine grundsätzliche Unterscheidung vorsieht, ist er auch nicht an die Lizenzverpflichtungen
zwischen kommerziellen und nicht-kommerziellen gebunden. CC betrifft keine Rechte, die durch die
Nutzungen macht. Die wichtigste Grenze zwischen anwendbare Rechtsordnung nicht gewährt werden.
erlaubten und zustimmungspflichtigen Handlungen Existiert kein Immaterialgüterrecht geht die CC-Lizenz
verläuft jedoch zwischen öffentlichen und nicht öffent- ins Leere und muss nicht beachtet werden. Siehe:
lichen Nutzungen. Abschnitt 2.a.2 des Rechtstextes.

40 Dies gilt zumindest aus Urheberrechtssicht. Siehe: 50 Siehe zur Erklärung weiterer Details: https://
Jaeger/Metzger, 2011. Open Source Software. 3. Aufla- wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_
ge. Beck, München. Randnummer 46; Meeker, 2012. Questions#If_my_use_of_a_database_is_restricted_
The Gift that Keeps on Giving – Distribution and Copyleft by_sui_generis_database_rights.2C_how_do_I_
in Open Source Software Licenses. International Free and comply_with_the_license.3F.
Open Source Software Law Review, Bd. 4, Ausg. 1, S. 32.
51 Abgesehen davon untersagt es Abschnitt 2.a.6 des
41 Abschnitt 3.a.2 des Rechtstextes besagt: „Sie können Rechtstextes ausdrücklich, eine Beziehung zum Lizenzge-
die Bedingungen von Abschnitt 3(a)(1) bezüglich Medi- ber zu behaupten („no endorsement“). Die Klausel lautet:
um, Kontext und Mittel, in dem bzw. durch das Sie das „Keine Bestimmung dieser freien Lizenz erlaubt Ihnen
lizenzierte Material verwenden, auf jede angemessene oder ist als Erlaubnis auszulegen, zu behaupten oder
Weise erfüllen. Die Bedingungen können z. B. in ange- anzudeuten, dass Sie mit dem Lizenzgeber oder Dritten,
messener Weise erfüllt werden, indem Sie einen URI deren Namen gemäß Abschnitt 3(a)(1)(A)(i) genannt
oder einen Hyperlink zu einer Ressource einfügen, werden müssen, verbunden sind, von ihnen gesponsert
die die erforderlichen Informationen enthält“ (eigene oder unterstützt werden oder von ihnen einen offiziellen
Übersetzung). Details siehe CC FAQ: Status eingeräumt bekommen haben“ (eigene Überset-
https://wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_ zung).
Questions#Can_I_insist_on_the_exact_placement_
of_the_attribution_credit.3F und 52 Siehe Abschnitt 4d CCPL3 Deutschland: https://
https://wiki.creativecommons.org/Frequently_Asked_ creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/legalcode.
Questions#How_do_I_properly_attribute_material_
offered_under_a_Creative_Commons_license.3F. 53 Der Lizenztext, Abschnitt 2.b.1 des Rechtstextes,
besagt: „Diese freie Lizenz lizenziert keine Urheberper-
42 Siehe: https://wiki.creativecommons.org/ sönlichkeitsrechte wie das Recht auf Unantastbarkeit des
Frequently_Asked_Questions#How_do_I_properly_ Werkes, Publizitätsrechte, das Recht auf Privatsphäre
attribute_material_offered_under_a_Creative_ und/oder andere ähnliche Persönlichkeitsrechte; der
Commons_license.3F. Lizenzgeber verzichtet jedoch so weit wie möglich auf
solche Rechte und/oder verpflichtet sich, diese nicht
43 Siehe: http://wiki.creativecommons.org/Marking/ geltend zu machen, soweit dies notwendig ist, um Ihnen
Users. Eine weitere informative Quelle ist ein Leitfaden die Ausübung der Lizenzrechte (aber keine anderen
von CC Australien über die Namensnennung in CC- Zwecke) zu ermöglichen“ (eigene Übersetzung).
Lizenzmaterial: http://creativecommons.org.au/
content/attributingccmaterials.pdf. 54 Diese Bestimmung gilt jedoch nicht für Marken- oder
Patentrechte. Diese werden in einer anderen Klausel
44 Siehe: https://wiki.creativecommons.org/ behandelt (siehe Kapitel 3.4, Abschnitt e).
Frequently_Asked_Questions#How_do_I_properly_
attribute_material_offered_under_a_Creative_ 55 Für Rechtssysteme, die keinen Verzicht auf Urheber-
Commons_license.3F. persönlichkeitsrechte erlauben, sieht die Klausel eine
Ausweichoption in Form eines Nichtangriffspaktes
45 Siehe: https://wiki.creativecommons.org/ (Non-Assertion Pledge) vor, d. h. der Lizenzgeber verzich-
images/6/6f/Making_BY-NC_ (comparison).pdf. tet nicht auf die Rechte, sondern verpflichtet sich nur, sie
nicht geltend zu machen.
46 Siehe: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/
LexUriServ.do?uri=CELEX:31996L0009:EN:HTML. 56 Solche Fragen sind insbesondere für Inhalte relevant,
die unter Lizenzen veröffentlicht wurden, die Änderungen
47 Laut den deutschen CCPL3-Lizenzen verzichtet der erlauben. Denn gerade Modifikationen können in Urhe-
Lizenzgeber auf alle Datenbankrechte (siehe Abschnitt 3 berpersönlichkeitsrechte eingreifen. Sie können jedoch
des Rechtstextes, letzter Satz). Ein solcher Verzicht auch für die Verwendung unveränderter Kopien von
bewirkt, dass der Lizenzgeber das Datenbankhersteller- grundlegender Bedeutung sein. Der urheberpersönlich-
recht gänzlich aufgibt. Damit erlischt es vollständig und keitsrechtliche Entstellungsschutz kann so weit gehen,
es kann keine Lizenz mehr erteilt werden (keine Rechte, dass er sich auch auf die Nutzung von an sich unveränder-
keine Lizenzierung). ten Werkkopien erstreckt. Hiernach kann – ob das so ist,
hängt vom anwendbaren Recht ab – z. B. das Einstellen
48 Im CC-Wiki findet man weitere Informationen über des originalen Werks in einen veränderten Kontext eine

66 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Entstellung darstellen, die durch eine Standard-Lizenz 66 Siehe „Vor- und Nachteile von NC-Lizenzen“ in
wie eine CCLP nicht gestattet werden kann. Ein Beispiel Kapitel 3.5, Abschnitt a.
hierfür ist der bereits genannte Fall einer Nutzung von
Fotos für politische Kampagnen, beispielsweise einer 67 Zu Vor- und insbesondere Nachteilen von NC-Lizen-
rechtsradikalen Partei. zen siehe: Klimpel, 2013. Freies Wissen dank Creative-
Commons-Lizenzen: Folgen, Risiken und Neben-
57 Siehe „Bewusste Aufgabe der Kontrolle“ in Kapi- wirkungen der Bedingung „nicht-kommerziell – NC“;
tel 2.3, Abschnitt c. https://wikimedia.de/w/images.homepage/a/a2/
IRights_CC-NC_Leitfaden_web.pdf.
58 Inwieweit der Nutzer haftet und mit welchen Ansprü-
chen er sich konfrontiert sehen könnte, hängt vom anzu- 68 Siehe: http://de.creativecommons.org/2013/11/25/
wendenden Recht ab. Gerade Unterlassungsansprüche version-4-0-ist-da/.
sind häufig verschuldensunabhängig. Wenn ein Nutzer ein
Bild postet, für dessen Veröffentlichung der Lizenzgeber 69 Siehe Abschnitt 1.d. des Rechtstextes:
nicht die notwendigen Einwilligungen der abgebildeten https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/
Personen eingeholt hat, kann er auf Unterlassung in legalcode.
Anspruch genommen werden und abgemahnt werden. Und
zwar unabhängig davon, ob er von der mangelnden Befug- 70 Siehe Blogpost auf der CC-Webseite (mit Links zu
nis des Lizenzgebers wusste oder auch nur wissen konnte. allen Materialien): http://wiki.creativecommons.org/
Defining_Noncommercial.
59 Aus diesem Grund enthielten viele CCPL3-Portierun-
gen für EU-Mitgliedstaaten zur Anpassung an die natio- 71 Aus rechtlicher Sicht können die Ergebnisse der Studie
nale Gesetzgebung bearbeitete Haftungsausschlüsse. lediglich als Grundlage für Risikoanalysen herangezogen
werden. Wenn eine breit angelegte Untersuchung zum
60 Siehe: Richtlinie 2001/29/EG, Art. 6, die sogenannte Ergebnis hat, dass die Urheber bestimmte Nutzungen
Informationsgesellschafts-Richtlinie oder Information nicht als kommerziell ansehen (oder umgekehrt), besteht
Society Directive. eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass auch andere
Lizenzgeber diese Meinung teilen. Offensichtlich ist es
61 Die relevante Klausel von CCPL3, die diese Bestim- jedoch weder garantiert, dass diese Einschätzung auf
mung enthielt, wurde in CCPL4 gestrichen. Abschnitt  jeden Einzelfall übertragen werden kann, noch lässt eine
7.a CCPL3 besagt: „Mit natürlichen oder juristischen solche Erkenntnis zwingende rechtliche Schlüsse zu.
Personen, die Abwandlungen des Schutzgegenstandes
oder diesen enthaltende Sammelwerke unter den Bedin- 72 Die Studie gibt lediglich die Wahrnehmung bestimm-
gungen dieser Lizenz von Ihnen erhalten haben, bestehen ter Gruppen von Lizenzgebern und Lizenznehmern
nachträglich entstandene Lizenzbeziehungen jedoch wieder. Es wurden ausschließlich US-Urheber und
solange weiter, wie die genannten Personen sich ihrer- -Nutzer befragt. Außerdem bezogen sich die Fragen nur
seits an sämtliche Lizenzbedingungen halten.“ Aus auf Online-Inhalte. Bedauerlicherweise wird auch das
rechtlicher Sicht versteht sich dies von selbst, sodass anzuwendende Recht nicht berücksichtigt. Obwohl die
die Streichung dieser Klausel wohl keine Änderung der Studie interessante Erkenntnisse zulässt, ist ihr Nutzen für
Lizenzbestimmungen gegenüber CCPL3 bedeutet. die rechtliche Abgrenzung zwischen „kommerziell“ und
Siehe: https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/ „nicht-kommerziell“ gering.
de/legalcode.
73 Ein vor kurzem von einem deutschen Gericht ent-
62 Siehe Erklärung in den FAQ: https://wiki.creativecom- schiedener Rechtsstreit hat gezeigt, wie schwierig die
mons.org/Frequently_Asked_Questions#How_can_I_ Haltung der Gerichte in dieser Frage vorherzusehen ist.
lose_my_rights_under_a_Creative_Commons_ Ein Landgericht hatte entschieden, dass es eine kommer-
license.3F_If_that_happens.2C_how_do_I_get_them_ zielle Nutzung darstellt, wenn ein (nicht-kommerzieller)
back.3F. öffentlicher Rundfunksender auf seiner Webseite ein
NC-Foto verwendet. Dass die Webseite des Senders
63 Siehe hierzu den Verweis in Endnote 62. kostenlos bereitgestellt wird und keine Anzeigen enthält,
dass der Sender über Rundfunkgebühren finanziert wird
64 Eine Studie über die Verbreitung verschiedener und andere Fakten, die eindeutig gegen eine kommerziel-
CC-Lizenzen in bestimmten Kontexten ergab, dass z. B. le Nutzung sprechen, hat das Gericht nicht beeindruckt.
fast 70 % aller Bilder, die auf Flickr unter einer freien Details siehe: http://www.irights.info/webschau/creative-
Lizenz veröffentlicht wurden, unter einer NC-Lizenz commons-landgericht-koeln-sieht-deutschlandradio-als-
veröffentlicht wurden. Siehe dazu: http://cc.d-64.org/ kommerziellen-nutzer/22162, und das Urteil: http://
wp-content/uploads/2014/03/CC_in_zahlen_ www.lhr-law.de/wp-content/uploads/2014/03/
infografik2.pdf. Eine Analyse der Directory of Open geschwärztes-Urteil-LG-Köln-2.pdf. Immerhin wurde
Access Journals (ebenfalls in dieser Studie enthalten) diese Entscheidung mittlerweile in der Berufungsinstanz
ergab, dass 45 % der Artikel als nicht-kommerziell aufgehoben. Siehe: http://www.telemedicus.info/urteile/
lizenziert waren, allerdings waren auch 52,5 % unter Urheberrecht/1530-OLG-Koeln-Az-6-U-6014-
CC BY lizenziert. Auslegung-des-Begriffs-non-commercial-im-Rahmen-
einer-CC-Lizenz.html.
65 Dies wird durch die Tatsache unterstrichen, dass die
License Deeds der NC-Lizenzen sowie der ND-Varianten 74 Der Lizenztext stellt augenscheinlich bei der Unter-
das Logo „Approved for Free Culture Works” (übersetzt scheidung vor allem auf die Art der Nutzung ab. Daraus
etwa „Geeignet für Werke der freien Kultur“) nicht könnte man schließen, dass es von nur untergeordneter
enthalten. Bedeutung oder gar irrelevant ist, ob die Tätigkeit des
Nutzers allgemein als kommerziell oder nicht-kommerzi-

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 67
ell zu bewerten ist. Dies würde jedoch m. E. die Sicht der teilweise liberaler als meine allgemeine Interpretation.
Lizenzgeber und Lizenznehmer zu wenig berücksichti-
gen. Für die meisten Menschen wird die Einordnung des 81 Da die Interpretation des Lizenzgebers, sofern er sich
Nutzers erheblichen Einfluss auf die Frage haben, ob sie hierzu äußert, ein relevanter Indikator für die Interpretati-
dessen Handlungen als kommerziell oder nicht-kommer- on der Lizenz ist, ist aus rein rechtlicher Sicht zu empfeh-
ziell ansehen. Mit anderen Worten: Sie werden bei dieser len, sich an solche Äußerungen zu halten. Abgesehen
Abgrenzung zumindest im ersten Gedankenschritt davon erscheint es auch moralisch betrachtet ange-
danach unterscheiden, ob der Nutzer ein Unternehmen bracht, die Haltung derjenigen zu respektieren, die ihre
oder eine öffentliche Einrichtung ist. Die Ergebnisse der kreativen Werke zur freien Verfügung stellen.
oben erwähnten Studie hinsichtlich des NC-Moduls
stützen diese Annahme. Siehe: „Vor- und Nachteile von 82 Ein Beispiel: Ein gedrucktes Buch richtet sich an eine
NC-Lizenzen“ in Kapitel 3.4, Abschnitt i. andere Zielgruppe als eine Online-Publikation. Bücher
werden über bestimmte Vertriebskanäle vermarktet, die
75 Dies zeigt, dass die Abgrenzung nicht vorrangig oder für „Outsider“ kaum zugänglich sind. Würde ein Verlag
gar ausschließlich von nutzerbezogenen Aspekten einen Text in sein Programm aufnehmen, den der Urhe-
abhängt. Dies steht im Einklang mit den FAQ von Creative ber zuvor kostenlos online veröffentlicht hat, würde der
Commons, die besagen: „Bitte beachten Sie, dass die Autor davon im Zweifel profitieren. Selbst wenn der Verlag
Definition von CC [in Bezug auf den Begriff non commer- entscheiden würde, etwaige Gewinne für sich zu behalten,
cial] nicht auf den Nutzertyp abstellt: Auch wenn Sie eine käme dem Autor zugute, dass sein Text mehr Reichweite
gemeinnützige oder wohltätige Organisation sind, kann und Aufmerksamkeit auf sich zieht, da sich so seine
Ihre Nutzung eines unter einer NC-Lizenz lizenzierten Bekanntheit steigern lässt. Diese kann wiederum wirt-
Werkes gegen die NC-Einschränkung verstoßen, und schaftliche Sekundäreffekte nach sich ziehen, z. B. eine
selbst wenn Sie eine gewinnorientierte Einrichtung sind, verbesserte berufliche Reputation. Da es für den Verlag
ist Ihre Nutzung von NC-Material nicht zwingend von wesentlicher Bedeutung sein kann, dass er keine
untersagt. Ob eine Nutzung kommerziell ist, hängt von Lizenzkosten aufbringen und aufwändigen Verträge
der spezifischen Situation und von den Absichten des schließen muss, kann die NC-Lizenz diesen positiven
Nutzers ab“ (eigene Übersetzung). Siehe: https://wiki. Effekt für den Urheber verhindern.
creativecommons.org/Frequently_Asked_Questions#
Does_my_use_violate_the_NonCommercial_clause_of_ 83 Dabei sollte jedoch erwähnt werden, dass im Rahmen
the_licenses.3F. Da die Absichten des Nutzers zumindest von Dual-Lizenzierungsstrategien keine Möglichkeit
im Regelfall dessen genereller Ausrichtung (kommerziell- besteht, zwischen Kopien des Werkes in verschiedenen
gemeinnützig) entsprechen werden, liegt hierin jedenfalls Qualitäten zu differenzieren. Die Lizenz bezieht sich auf
ein wichtiges Indiz, auch für die Absichten im Einzelfall. das Werk und nicht auf eine bestimmte Kopie. Steht das
Werk unter einer Open-Content-Lizenz, bezieht sich
76 Ein Ausnahmefall, in dem dieses Indiz nicht greift, diese auf alle Kopien des Werkes, ganz gleich in welcher
wäre z. B., wenn ein öffentliches Museum ein unter einer Qualität. Siehe hierzu oben, Punkt 2.4.b.
CC BY-NC lizenziertes Foto auf einer für den Verkauf
bestimmten Postkarte abdruckt. Hier wäre die Nutzung 84 Siehe im Detail: Klimpel, 2013. Freies Wissen dank
kommerziell, obwohl die Institution selbst eine gemein- Creative-Commons-Lizenzen - Folgen, Risiken und
nützige Organisation ist. Ein Gegenbeispiel: Würde ein Nebenwirungen der Bedingung »nicht-kommerziell –
Unternehmen eine Stiftung finanzieren, die ein Projekt NC« S. 3; https://wikimedia.de/w/images.homepage/
zur Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens a/a2/IRights_CC-NC_Leitfaden_web.pdf
durchführt und die für die Einladung zu einer diesbezügli-
chen Konferenz (die für die Öffentlichkeit kostenfrei 85 Siehe zum Beispiel die Erklärung unter:
zugänglich ist) ein unter einer CC BY-NC lizenziertes http://en.wikipedia.org/wiki/Copyleft#Viral_licensing.
Foto verwendet, wäre die Nutzung nicht kommerziell.
86 Siehe Abschnitt 1.a. des Rechtstextes: https://
77 Würde das in Endnote 76 erwähnte Unternehmen die creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/legalcode.
Konferenz selbst organisieren, wäre dies ein starkes Indiz
dafür, dass diese zumindest entfernten geschäftlichen 87 Die Bedeutung des Begriffes „Teilen“ wird in Kapitel 
Interessen dient, d. h., dass die Nutzung zumindest „auf 3.4, Abschnitt b erklärt.
einen kommerziellen Vorteil zielt.“
88 Siehe: https://creativecommons.org/licenses/
78 Kopiert zum Beispiel eine Mitarbeiterin eines Unter- by-nc-nd/4.0/legalcode.
nehmens NC-lizenzierte Artikel für ihre Kolleginnen oder
für Kunden des Unternehmens, ist die Nutzung kommer- 89 Siehe auch die CC-FAQ: „Was eine Bearbeitung ist,
ziell, da die Mitarbeiterin das Material ausschließlich für hängt vom anzuwendenden Recht ab, wobei die Überset-
die Erfüllung ihrer beruflichen Pflichten verwendet. zung eines Werkes aus einer Sprache in eine andere oder
die Verfilmung eines Romans grundsätzlich als Bearbei-
79 Siehe Kapitel 3.4, Abschnitt b: Die CC-Lizenzen tungen gelten. Für den Urheberschutz von Bearbeitun-
gelten nicht für gesetzlich erlaubte Nutzungen. Die gen, verlangen die meisten Rechtsordnungen, dass dem
Lizenz würde daher keine Nutzungen einschränken, die vorbestehenden Werk eigene individuelle Beiträge
durch die vom anwendbaren Recht vorgesehenen Schran- hinzugefügt werden. Es existiert jedoch kein internationa-
kenbestimmungen gestattet werden. ler Standard für Individualität oder Originalität, und die
Definition hängt vom jeweils anwendbaren Recht ab. Vom
80 Siehe z. B. FAQ des Massachusetts Institute of Tech- Zivilrecht geprägte Rechtsordnungen (wie Deutschland
nology Open Course Ware (MIT OCW) unter http://ocw. und Frankreich) verlangen oft, dass das Werk die Persön-
mit.edu/terms/#noncomm. Die Auslegung der NC- lichkeit des Bearbeiters erkennen lässt. Vom „Common
Klausel durch das MIT ist teilweise restriktiver und Law“ geprägte Rechtsordnungen (wie die USA oder

68 3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell
Kanada) gehen zumeist von einer geringeren Schöp- siehe: https://wiki.creativecommons.org/Frequently_
fungshöhe aus. Sie verlangen nur ein Mindestmaß an Asked_Questions#What_if_I_have_received_CC-
Kreativität und „eigenständiger Schöpfung“. Andere licensed_material_with_additional_restrictions.3F.
Länder haben ein vollkommen anderes Verständnis von
Originalität und Schöpfungshöhe. So schützt zum 98 Siehe: http://wiki.creativecommons.org/images /
Beispiel das brasilianische Urheberrecht alle geistigen 5/5b/CC_License_Compatibility_Chart.png
Werke, die das Gesetz nicht ausdrücklich vom Urheber- Nähere Informationen über CC0 siehe:
rechtsschutz ausschließt. Weitere Details sind dem https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/.
Urheberrecht Ihres Landes zu entnehmen“ (eigene
Übersetzung). Siehe: https://wiki.creativecommons.org/ 99 Kombinationen im Sinne der Tabelle sind jene, die
Frequently_Asked_Questions#What_is_an_ gemäß den CC-Lizenzen als Bearbeitungen einzustufen
adaptation.3F. sind, siehe: https://wiki.creativecommons.org/Frequently_
Asked_Questions#Can_I_combine_material_under_
90 Noch einmal: Die Einschränkungen der CC-Lizenz, different_Creative_Commons_licenses_in_my_work.3F.
wie z.B. ND, verbieten nichts, was nach dem anwendba- Nach dieser Grundannahme kann ND-Material gar nicht
ren Recht erlaubt ist. In einigen Rechtsordnungen dürfen mit anderen Inhalten kombiniert werden, soweit in der
Remixes und Mash-ups ohne Zustimmung der Urheber- Kombination eine Bearbeitung liegt, die von dem ND-
rechtseigentümer veröffentlicht werden. Dies gilt vor Vorbehalt untersagt wird. Das heißt, dass ND-Material
allem für die USA, wo diese Handlungen gemäß der nicht einmal mit gemeinfreiem Material kombiniert
Fair-Use-Doktrin legal sein können. Im derzeitigen werden darf. Auch ND-Werke dürfen jedoch mit ander-
europäischen Urheberrecht existiert keine solche Bestim- weitig lizenziertem Material kombiniert werden, wenn
mung. Es ist daher unwahrscheinlich, dass Mash-ups oder die Kombination nicht als Bearbeitung gilt (Details siehe
Remixes in einem der EU-Mitgliedstaaten urheberrecht- Kapitel 3.5, Abschnitt b). Im Allgemeinen stellen sich
lich gestattet sind. Dennoch enthalten Urheberrechtsge- Fragen der Lizenzkompatibilität nur bei Werkverbindun-
setze stets auch Möglichkeiten, bei der Schaffung neuer gen (Remixes, Mash-ups etc). Reine Aggregationen
Werke in gewissem Maß auf vorbestehendes Material (Sammlungen) von Material gelten nicht als Bearbeitung.
zurückzugreifen. In aller Regel wird es z. B. gestattet sein, Demnach können alle Werke unter ihren eigenen
sich zumindest von den kreativen Schöpfungen anderer Bedingungen lizenziert werden, ohne dass Lizenzkompa-
inspirieren zu lassen. Wo die Grenze zwischen (freier) tibilitäts-Konflikte entstehen. Etwas anderes gilt – natür-
Inspiration und freier Benutzung einerseits und zustim- lich – für die Einstellung von Inhalten auf einer Publikation
mungspflichtiger Bearbeitung andererseits jedoch genau (wie der Wikipedia), deren Richtlinien zufolge alle Inhalte
liegt, ist zumeist sehr schwer zu beurteilen. unter derselben Lizenz veröffentlicht werden müssen.

91 Ob die Zusammenstellung unter ND erlaubt ist, 100 CC erklärt die Tabelle wie folgt: „Aus der folgenden
hängt von der angewendeten Technik ab. Werden die Tabelle geht hervor, welche CC-lizenzierten Materialien
Bilder lediglich nebeneinander gestellt, handelt es sich neu gemixt werden dürfen. Wählen Sie eine Lizenz in der
höchst wahrscheinlich nicht um eine Bearbeitung. linken Spalte und in der oberen rechten Zeile. Befindet
Werden sie jedoch zu einem neuen Werk mit einem sich an der Schnittstelle von Zeile und Spalte ein Häk-
eigenen ästhetischen Ausdruck verschmolzen, läge im chen, dürfen die Bestandteile miteinander verbunden
Zweifel eine Bearbeitung vor. werden. Befindet sich an dieser Stelle ein „X“, dürfen sie
nicht kombiniert werden, sofern dies nicht durch gesetzli-
92 Parodien von Werken erfordern zumeist eine Bearbei- che (Schranken-)Bestimmungen erlaubt ist “ (eigene
tung. Viele Rechtsordnungen sehen jedoch eine gesetzli- Übersetzung). https://wiki.creativecommons.org/
che Ausnahme für Parodien vor. In diesem Fall würde die Frequently_Asked_Questions#Can_I_combine_
ND-Beschränkung nicht gelten. material_under_different_Creative_Commons_
licenses_in_my_work.3F.
93 Die häufig anzutreffende Besorgnis, dass geänderte
Versionen dem ursprünglichen Autor zugeschrieben 101 Tatsächlich können SA-Lizenzen bestimmte Arten
werden, ist an sich unbegründet. Jedenfalls verlangt die von Projekten, wie z. B. Wikipedia, vor Aneignung oder
Lizenz darauf hinzuweisen, ob es sich um die ursprüngli- Missbrauch schützen. Wikipedia-Artikel sind unter
che Fassung oder eine Bearbeitung handelt. CC BY-SA lizenziert. Die Lizenz sorgt dafür, dass die
Artikel frei zugänglich und nutzbar bleiben, auch wenn
94 Näheres zu diesem Argument siehe Abschnitt E.1.b. sie erweitert, aktualisiert oder verbessert werden. Dass
CC BY-SA in der Wikipedia verwendet wird, ist ein Aspekt,
95 Die Bearbeiterlizenz wird definiert in Abschnitt 1b des der bei der eigenen Lizenzierungsentscheidung bedacht
Rechtstextes als „die Lizenz, die Sie gemäß den Bedin- werden sollte. Inhalte mit inkompatiblen Lizenzen können
gungen und Bestimmungen dieser freien Lizenz für Ihre nicht mit Artikeln aus Wikipedia, der derzeit weltweit
Urheber- und verwandten Schutzrechte an den von Ihnen größten Ressource für Freies Wissen, kombiniert oder
hinzufügten Bestandteilen der Bearbeitung verwenden” in die Wikipedia eingestellt werden.
(eigene Übersetzung).

96 Siehe: http://creativecommons.org/
compatiblelicenses.

97 Dies wäre der Fall, wenn z. B. eine bearbeitete Version


auf einer Webseite bereitgestellt wird, die in ihren Ge-
schäftsbedingungen alle Nutzer verpflichtet, jede
Nutzung zu melden oder auf bestimmte Arten der
Weiterverbreitung zu verzichten. Nähere Informationen

3. Das Creative-Commons-Lizenzierungsmodell 69
70 4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen
4. Praktische Richt-
linien: Nutzung
von Creative-Com-
mons-Lizenzen

Dieses Bild der Eingehüllten Kanonierblume war


eines der Finalisten im Wettbewerb „Bild des
Jahres 2012“. Der Wettbewerb findet jährlich
auf Wikimedia Commons, dem größten Medien-
archiv für freie Inhalte, statt.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen 71


4.1 Wahl der „richti- In den Abschnitten über die NC-, ND-
gen“ Lizenz und SA-Klausel habe ich betont, dass die
Lizenzeinschränkungen stets zu erhöhter
Die Wahl der Lizenz ist ein wichtiger Rechtsunsicherheit führen. Sie führen zu
Schritt einer Open-Content-Strategie. komplexen rechtlichen Fragen und verhin-
Die Vor- und Nachteile der jeweiligen dern Nutzungen, die eigentlich im Interesse
Lizenzen sollten sorgfältig gegeneinander des Lizenzgebers liegen und/oder sogar von
abgewogen werden, bevor das Material der Lizenz gedeckt sind, aber nicht vorge-
lizenziert wird. Der ausschlaggebende nommen werden, weil dies nicht klar ist.1
Faktor für die Entscheidung sollte die Das bedeutet nicht, dass CC BY, die libe-
individuelle Absicht sein, die mit der ralste Lizenz, in jedem Fall die beste Wahl
Lizenzierung verfolgt wird. Stellen Sie ist. Wie bereits erwähnt, kann es gute
sich die Frage: Warum lizenziere ich mein Gründe geben, einen restriktiveren Lizenz-
Werk mit CC-Lizenzen? Welche Rechte typ zu wählen. Da dies jedoch im Allge-
möchte ich mir vorbehalten, und warum? meinen mit Nachteilen für Lizenzgeber und
Hinter einer solchen Entscheidung Nutzer verbunden ist, wird empfohlen, die
können verschiedenste Motive stehen. Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinan-
In vielen Fällen basiert die Lizenzwahl der abzuwägen. Dies ist umso wichtiger für
jedoch auf dem „Bauchgefühl“: „Ich möchte breit angelegte Open-Content-Publikations-
nicht, dass jemand mit meinem Werk Geld strategien zum Beispiel von Unternehmen
verdient, und verwende daher eine NC- oder öffentlichen Institutionen.
Lizenz.“ – „Ein Verlag sollte keine Mög-
lichkeit haben, die Publikationen unserer 4.2 Generierung
Stiftung in sein Programm aufzunehmen
und sie gewinnbringend zu verwerten.“ – der Lizenz
„Ich möchte nicht, dass Dritte sich an mei-
nem kreativen Werk zu schaffen machen, Ein Werk mit einer CC-Lizenz zu versehen,
und verwende daher eine ND-Lizenz.“ ist sehr einfach. Der erste Schritt besteht
Diese Argumente sind in zahlreichen darin, auf die CC-Webseite zu gehen, die
Abwandlungen zu hören. Obwohl aus psy- eine Lizenzauswahlfunktion („License
chologischer Sicht mehr als verständlich, Chooser“) enthält.2 Für eine CCPL4-Lizenz
sind sie keine guten Ratgeber für die Wahl müssen zwei Fragen beantwortet werden,
restriktiver Lizenzen. Besser ist es, sich von um die Lizenzmodule (ND, SA, NC) auszu-
objektiven Faktoren leiten zu lassen, die die wählen. Danach zeigt der Lizenzfinder die
subjektive Zielsetzung unterstützen. „Mein betreffende Lizenz, die relevanten Links
Foto eignet sich nicht für Remixes oder Be- zum Lizenztext und die Kurzzusammen-
arbeitungen, weil es eine ganz bestimmte fassung der Lizenz (das CC-„Deed“) an.
Situation zu einem ganz bestimmten Zeit- Außerdem wird automatisch ein HTML-
punkt real wiedergeben soll. Daher ver- Schnipsel generiert, der in den Code von
wende ich hierfür eine ND-Lizenz“, wäre Webseiten eingefügt werden kann.3
beispielsweise ein sinnvoller Gedanke.

72 4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen


Abbildung 3: Lizenzwahl4

Eine Lizenz wählen


Es ist ganz einfach, auf
der Webseite von Creative
Commons eine Lizenz
auszuwählen, die zu den
eigenen Bedürfnissen
passt.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen 73


Die CC-Lizenzen bestehen aus drei Ebe- Die unterste Ebene ist der „Rechtstext“,
nen, die in der Grafik auf der CC-Webseite d. h. der vollständige Text des Lizenzver-
dargestellt werden.5 trages in juristischer Sprache. Diese Ebene
ist aus rechtlicher Sicht das wichtigste
Abbildung 4: Die drei Schichten6 Element, obwohl sie die meisten juristi-
schen Laien im Zweifel nie zu Gesicht
Die drei Schichten bekommen werden und schon gar nicht in
der Creative-Commons-
Lizenzen, wie sie auf der
Gänze lesen werden. Die mittlere Ebene
CC-Webseite dargestellt ist die Deed, die auch als „von Menschen
werden.
lesbare Version“ bekannt ist. Die Deed ist
eine kurze Zusammenfassung der wich-
tigsten Lizenzbestimmungen. Es ist selbst
keine Lizenz im rechtlichen Sinn, sondern
dient als praktisches – und dabei sehr wich-
tiges – Werkzeug, die Lizenzbestimmungen
verständlich zu machen. Wie CC es aus-
drückt: „Man kann die Commons Deed als
benutzerfreundliche Schnittstelle zum da-
runterliegenden Lizenzvertrag betrachten,

Abbildung 5: Der Rechtstext 7

Der Rechtstext der


Creative-Commons-
Lizenzen ist aus
juristischer Sicht deren
wichtigste Schicht.

74 4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen


Abbildung 6: Die deed8
Die Deed soll Nutzern
dabei helfen, die Rechte
und Pflichten der Lizenz
zu verstehen.

obwohl die Deed selbst weder eine Lizenz Suchmaschinen die Lokalisierung von Open
ist noch zum eigentlichen Lizenzvertrag Content zu ermöglichen. In diesem Code
gehört.“ Die oberste Ebene ist die „maschi- werden die wichtigsten Freiheiten und
nen-lesbare Version der Lizenz“. Es handelt Pflichten in einer maschinell lesbaren Spra-
sich dabei um einen Code-Schnipsel, der in che, der CC „Rights Expression Language“
Webseiten eingefügt wird, um insbesondere (CC REL), zusammengefasst.9

HTML-Schnipsel
sorgen dafür, dass Such-
<a rel=”license” href=”http://creativecommons.org/licenses/ maschinen frei lizenzier-
te Inhalte im Internet
by/4.0/”><img alt=”Creative Commons License” style=”border- finden können.
width:0” src=”https://i.creativecommons.org/l/by/4.0/88x31.png”
/></a><br />This work is licensed under a <a rel=”license”
href=”http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/”>Creative
Commons Attribution 4.0 International License</a>.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen 75


4.3 Creative-Commons- verborgenen Informationen nicht finden,
und die Lizenz geht dann in den meisten
Lizenzierung bei
Fällen ins Leere.
verschiedenen Ver- In den folgenden Absätzen finden Sie ei-
öffentlichungs- nige Empfehlungen für typische Nutzungs-
szenarien. Tiefergehende Informationen
formen
über die Kennzeichnung von Werken mit
CC-Lizenzen in verschiedenen Kontexten
Wie eine CC-Lizenz in der Praxis am bes- finden Sie im CC-Wiki.11
ten zu einem bestimmten Werk hinzuge-
fügt wird, hängt von dem Medium ab, in Lizenzhinweise bei Online-
dem das Material veröffentlicht wird. Das Inhalten
Grundprinzip ist einfach: Die Lizenz soll-
te so angebracht werden, dass jeder leicht Webseiten-Anbieter verwenden Open-
erkennen kann, dass ein bestimmtes Werk Content-Lizenzen auf verschiedene Weise.
oder gar die ganze Publikation (z. B. eine In manchen Fällen wird der gesamte Inhalt
Webseite oder ein Buch) unter dieser CC- einer Webseite unter derselben Lizenz
Lizenz genutzt werden darf. Der Lizenzhin- lizenziert. In diesem Fall bietet es sich an,
weis ist ein zentrales Element der Erteilung einen allgemeinen Lizenzhinweis z. B. in
von Nutzungsrechten: Ist dem Nutzer nicht der Fußzeile jeder Webseite/Unterseite zu
bewusst, dass der Inhalt unter CC steht, setzen. Für dessen Formulierung bestehen
und – noch wichtiger – kennt er die Lizenz- verschiedenste Möglichkeiten. CC selbst
bedingungen nicht, erhält er keine Rechte verwendet folgende Formulierung: „Sofern
und ein Lizenzvertrag kann nicht zustande nicht anders angegeben, ist der Inhalt dieser
kommen. Dieser Effekt verhindert, dass die Webseite unter einer Creative Commons
Open-Content-Lizenzierung funktioniert. Namensnennung 4.0-Lizenz lizenziert.“
CC legt nicht fest, wie der Lizenzhinweis Der Lizenzhinweis ist generell mit ei-
generell oder in bestimmten Konstellatio- nem Hyperlink unterlegt, der den Nutzer
nen angebracht werden muss.10 Es ist Sache auf die CC-Deed der jeweiligen Lizenz
des Verwenders der Lizenz, für eine sinn- führt. In der Deed findet sich ein weiterer
volle Anbringung zu sorgen. Was sinnvoll Link zum vollständigen Lizenztext. Dar-
ist, hängt vom jeweiligen Nutzungsszenario über ist empfehlenswert, das betreffende
ab. Die Faustregel lautet: Der Lizenzhin- Lizenzlogo als Banner einzufügen, um die
weis sollte so gut erkennbar sein wie mög- Aufmerksamkeit auf den Lizenzhinweis
lich. Je näher er sich am lizenzierten Werk zu lenken. Der vollständige Hinweis auf
befindet, desto eher wird er vom Nutzer den Webseiten von CC sieht zum Beispiel
wahrgenommen. so aus:
Bei einem Foto, das auf einer Webseite
verwendet wird, ist es am sichersten (im
Sinne der einfachen Wahrnehmbarkeit),
den Lizenzhinweis in die Bildunterschrift
einzufügen. In diesem Sinne am unsichers- Except where otherwise noted, content on
ten ist es, den Lizenzhinweis auf einer zen- this site is licensed under a Creative
tralen Seite, z. B. in einer Subdomain wie Commons Attribution 4.0 International
auf einer „Über“-Seite oder auf einer Seite license.
mit den Nutzungsbedingungen unterzu-
bringen. Die meisten Nutzer würden solche

76 4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen


Lizenzhinweis12 Lizenz mithilfe der „Extensible Metadata
Platform“ (XMP) in eine PDF-Datei einzu-
Mitunter kann es auch auf Domains, die betten.14
vollständig auf Open Content setzen, not- Alternativ ist es bei digitalen oder
wendig sein, manche Materialien mit einem analogen Dokumenten auch möglich, die
eigenen Lizenzhinweis zu versehen. Veröf- Hinweise in einem Anhang zusammenzu-
fentlicht jemand beispielsweise auf seiner fassen, dessen Titel möglichst deskriptiv
CC BY-lizenzierten Webseite ein Foto, das sein sollte.15 Entscheidet man sich für eine
von einem Dritten unter einer anderen solche Lösung, muss sichergestellt sein, dass
CC-Lizenz veröffentlicht wurde, müsste auf die Lizenzhinweise durch gezielte Verweise
diesen Unterschied hingewiesen werden. In auf bestimmte Werke direkt zugeordnet
diesem Fall sollte der abweichende Lizenz- werden können.16
hinweis möglichst nahe an dem Material Wichtig ist zudem, dass alle Lizenzhin-
angebracht werden, um den Eindruck zu weise zumindestens einen Hinweis auf den
vermeiden, dass der allgemeine Lizenz- Lizenztext enthalten,17 z. B. einen Hyper-
hinweis auch für das betreffende Foto gilt. link auf die CC-Webseite. Alternativ kann
Hier wäre es am besten, den Lizenzhinweis natürlich, soweit praktikabel, auch der
gemeinsam mit dem Urheberhinweis in die vollständige Lizenztext in das Dokument
Bildunterschrift einzufügen.13 oder Buch eingefügt werden.18
Dies wäre auch in Fällen, in denen der
Webseiten-Anbieter nur gelegentlich Open- Lizenzhinweise in Videos, Musik, Radio-
Content-Lizenzen verwendet (anstatt den oder Fernsehsendungen
gesamten Inhalt einer Webseite unter der-
selben freien Lizenz zu lizenzieren), ein Die Einfügung adäquater Lizenzhinweise in
geeigneter Ansatz. nicht textlichen Publikationen kann schwie-
rig sein. Wo sollten die Lizenzhinweise und
Lizenzhinweise in digitalen Dokumenten Namensnennungen in einer Radiosendung
oder Büchern erfolgen? Wo in einem Video? Wenn solche
Medien online stehen, liegt eine einfache
Soll die gesamte Publikation und alle hier- Lösung darin, die Hinweise der Online-
in enthaltenen Inhalte unter derselben Quelle beizufügen. Wenn nicht, müssen
Lizenz stehen, empfiehlt sich ein zentraler sie im Zweifel direkt in das Werk selbst
Lizenzhinweis. In einem Buch könnte der integriert werden. Bedingt durch die un-
Lizenzhinweis z. B. im Impressum oder an terschiedliche Natur z. B. von Video- und
einer anderen gut sichtbaren Stelle einge- Rundfunksendungen ist es kaum möglich,
fügt werden. Hierbei ist zu bedenken, dass hierfür allgemeingültige Ratschläge zu
der Hinweis möglichst leicht auffindbar sein geben. Möglich sind vielerlei Varianten.20
sollte. Auch bei dieser Entscheidung sollte im
Enthält ein Buch oder ein PDF-Doku- Vordergrund stehen, dass die Hinweise
ment dagegen nur vereinzelt Open-Content- möglichst einfach identifiziert und wahr-
Bestandteile (z. B. einzelne Fotos, Texte genommen werden können.
oder Grafiken), sind direkt am Werk ange-
brachte Lizenzhinweise ebenfalls der beste
Weg. Sie sollten daher z. B. in einer Fuß-
note oder wiederum der Bildunterschrift
enthalten sein. Eine technische Variante
kann, soweit machbar, darin liegen, die

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen 77


4.4 Die Suche nach wie z. B. „zur Wiederverwendung und
Open Content im Veränderung gekennzeichnet“ oder „zur
nicht kommerziellen Wiederverwendung
Internet
und Veränderung gekennzeichnet“ etc.
Suchmaschinen sind wichtig für die Suche Die Bildersuche von Google bietet dieselbe
nach Open Content im Internet. Google Funktion.
bietet eine spezifische Open-Content-Such- Normalerweise suchen die Nutzer nach
funktion, die unter den erweiterten Suchop- bestimmten Arten von Inhalten. In diesem
tionen zu finden ist. Fall kann es effizienter sein, direkt auf
Die speziellen Suchfunktionen der einer Content-Plattformen zu suchen, als
großen Suchmaschinen erlauben es den über eine Suchmaschine. Es gibt verschie-
Nutzern, die Ergebnisse ihrer Suche nach dene Plattformen für Bilder, Videos oder
Nutzungsrechten zu filtern. Für die Ein- sogar Musik, die eine spezifische Suche
grenzung der Suchergebnisse können nach Open Content anbieten.
verschiedene Optionen gewählt werden

Abbildung 7: Google: Erweiterte Suche21

78 4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen


A) Suche nach Open-Content-
Bildern

Flickr ist die größte Foto-Community der


Welt. Auf diese Plattform werden Millionen
Bilder hochgeladen, von denen viele unter
CC-Lizenzen lizenziert sind. Um nach die-
sen zu suchen, bietet die erweiterte Suche
eine spezielle Einstellung:

Abbildung 8: Flickr: Erweiterte Suche22

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen 79


Ein weiteres großes Bilderarchiv ist Wikimedia Commons. Die meisten der darin enthalte-
nen Fotos werden unter einer freien Lizenz veröffentlicht oder sind sogar gemeinfrei.

Abbildung 9: Wikimedia Commons23

80 4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen


B) Suche nach Open-Content-Videos

Die Videoplattform Vimeo ist im Bereich Open Content besonders fortschrittlich. Sie
ermöglicht es den Nutzern selbst erstellter Inhalte, eine CC-Lizenz zu wählen, bevor der
Inhalt des Videos auf die Webseite hochgeladen wird. Entsprechend kann die Suche nach
CC-lizenzierten Inhalten gefiltert werden.

Abbildung 10: Vimeo Suche24

C) Suche nach Open Content mit der Metasuchfunktion von


Creative Commons

Die CC-Webseite enthält eine spezielle Suchfunktion für Open Content verschiedener
Art. Sie erlaubt es dem Nutzer, verschiedene Plattformen wie YouTube, Jamendo (Musik),
SoundCloud (Musik) oder Europeana (Werke verschiedener Art) zu durchsuchen.

Abbildung 11: Creative-Commons-Suche25

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen 81


Anmerkungen

1 Siehe Anmerkungen in Kapitel 3.5, Abschnitte a, b und c. 13 Namensnennungsbestimmungen für die Nutzung von
Materialien Dritter siehe Kapitel 3.1, Abschnitt a.
2 Um den Lizenzfinder zu öffnen, klicken Sie auf der
Homepage http://www.creativecommons.org auf den 14 Siehe: http://wiki.creativecommons.org/XMP.
Link „Eine Lizenz wählen“. Den direkten Link finden Sie
unter: https://creativecommons.org/choose/?lang=de. 15 Das Kapitel könnte beispielsweise folgenden Titel
haben: „Lizenzhinweise für Fremdmaterialien“.
3 Bei Online-Publikationen wird ausdrücklich empfoh-
len, die Metatags zu kopieren und in den Quellcode der 16 Es sollte zumindest die Seitennummer angegeben
Webseite einzufügen. Geeignete Metainformationen sind werden bzw. weitere Kennzeichen, wenn auf derselben
insbesondere für Suchmaschinen wichtig, damit diese Seite mehrere Werke Dritter verwendet werden.
die Lizenzinformationen richtig interpretieren und somit
korrekte Suchergebnisse erstellen können. 17 Der Hinweis sollte zudem die jeweilige Lizenz benen-
nen und ihre Version angeben. Siehe das Beispiel auf der
4 Quelle: Creative Commons, https://creativecommons. CC-Webseite unter „Lizenzhinweise bei Online-Inhalten“
org/licenses/?lang=de. in Kapitel 4.3.

5 Siehe Endnote 4. 18 Eine solche Lösung ist im Zweifel nicht praktikabel,


wenn die Publikation Inhalte enthält, die unter verschiede-
6 Siehe Endnote 4. nen Lizenzen stehen.

7 Quelle: Creative Commons, https://creativecommons. 19 Argument siehe Endnote 13.


org/licenses/by/4.0/legalcode.
20 Zum Thema der korrekten Namensnennung in sol-
8 Quelle: Creative Commons, https://creativecommons. chen Medien siehe die entsprechenden CC-Publikatio-
org/licenses/by/4.0/. nen unter: http://wiki.creativecommons.org/Marking/
Users bzw. http://creativecommons.org.au/content/
9 Nähere Informationen über die Einbettung von Lizen- attributingccmaterials.pdf.
zen betreffende Metadaten finden Sie unter: http://wiki.
creativecommons.org/XMP. 21 Quelle: Google, https://www.google.de/
advanced_image_search
10 Ob und wie der Lizenzhinweis erfolgt ist alleinige
Entscheidung des Lizenzgebers. Der Lizenzgeber selbst, 22 Quelle: Flickr, https://www.flickr.com/search/
anders als der Lizenznehmer, ist nicht an die Bedingun- advanced/.
gen der Lizenz gebunden, die er für seinen Inhalt verwen-
det. Soweit die Lizenzen Vorgaben zur Namensnennung 23 Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/
und zu Lizenzhinweisen enthalten, richten sie sich allein Hauptseite
an die Nutzer.
24 Quelle: Vimeo, https://vimeo.com.
11 Siehe: http://wiki.creativecommons.org/Marking_
your_work_with_a_CC _license. 25 Quelle: Creative Commons,
http://search.creativecommons.org.
12 Quelle: Creative Commons,
https://creativecommons.org/.

82 4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen


4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen 83
84 4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen
5. AbschlieSSende
Bemerkungen

Der erste Kultur-Hackathon „Coding da Vinci“


fand 2014 statt. Er brachte Programmierer,
Designer und Kulturbegeisterte zusammen,
um Kulturdaten gemeinsam neu zu betrachten.
Dieses Bild eines Blatthornkäfers war Teil eines
Datensets, welches vom Museum für Naturkun-
de Berlin zur Verfügung gestellt wurde.

4. Praktische Richtlinien: Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen 85


Open-Content-Lizenzen haben das großartige Potenzial, das Teilen urheberrechtlich
geschützter Inhalte mit Dritten auf rechtlich korrekte und transparente Weise zu ermögli-
chen. Man sollte sich jedoch auch der Herausforderungen und Komplexitäten bewusst sein.
Dies gilt sowohl für die Rechteinhaber als auch für die Nutzer.
Jeder Nutzer sollte seine Rechte und Pflichten kennen, und zwar nicht nur, um sich
regelkonform zu verhalten, sondern auch aus Respekt vor denjenigen, die ihre kreativen
Werke frei mit anderen teilen. Auf der anderen Seite sollten jene, die ihre Inhalte unter
einer freien Lizenz veröffentlichen möchten, gut abwägen, für welche Lizenz sie sich ent-
scheiden. Die Tendenz, restriktive Lizenzen, z. B. nicht-kommerzielle Lizenzen, zu ver-
wenden, ist für den freien Kulturaustausch im Allgemeinen problematisch. Diese Lizenzen
können das Teilen von Inhalten gefährden, was der Idee von Open Content und der Inten-
tion des Rechteinhabers gleichermaßen zuwiderläuft. Es mag gute Gründe geben, solche
Lizenzen einzusetzen. In vielen Fällen resultieren solche Entscheidungen jedoch allein
aus subjektiven Befindlichkeiten, was häufig negative Effekte sowohl für Rechteinhaber
als auch Nutzer nach sich zieht.

86 5. Abschliessende Bemerkungen
Index
A N
Alle Rechte vorbehalten: 9, 13ff. Namensnennung: 30ff., 42f., 77
Allemende (digital, kulturell): 8, 25, 35, 58ff. Nicht-portierte (generische) Lizenzen: 35ff.
Autorenrechte: 15ff., 20ff., 30ff., 34, 42ff. NoDerivatives: 22, 30, 33
NonCommercial: 21, 30, 49
Nutzerpflichten: 12, 17, 19, 24, 37ff., 75, 86
B
Bearbeitung: 25, 37, 55ff.
O
Öffentlich: 12ff., 39ff.
C
Open Content online finden: 78ff.
CC BY: 31ff., 34, 60, 62f.
Open Educational Resources: 59
CC BY-NC: 21, 23, 31, 33, 62
Open Source Software: 12f.
CC BY-NC-ND: 31, 33, 54, 62
CC BY-NC-SA: 31, 33, 61f.
CC BY-ND: 31, 32f., 54, 62 P
CC BY-SA: 31, 32, 37, 40, 54, 61ff. Patente: 45
CC0: 33f. Persönlichkeitsrechte: 45ff.
Copyleft-Prinzip: 13, 25 Portierte Lizenzen: 32, 35ff., 44, 61
Creative Commons: 12, 30ff. Praktische Auswirkungen: 17ff., 24
Creative-Commons-Lizenzhinweise: 76f. Privatnutzung: 8f., 39f., 50ff., 55
Privatsphäre: 39, 41, 55, 60
Public Domain: 9, 12, 30, 33f.
D
Public Domain Mark: 33f.
Datenbankherstellerrechte: 44f.
Public Domain-Werkzeug: 30, 33f.
Deed: 72, 74f., 76
Dezentralisiertes Lizenzierungssystem: 20ff.
R
Rechteinhaber: 8f., 13ff., 17ff., 23f., 33f., 36, 42f., 52f., 55
E
Remix: 25, 33, 56ff., 62f., 72
Einige Rechte vorbehalten: 9
Europäische Urheberrechtslinien: 40ff.
S
Schutzrechte: 44
F
ShareAlike: 13, 25, 30, 60
Freie Software: 12f., 15, 54
Suchmaschinen: , 34, 75, 78

G
Garantieausschluss: 32
T
Technische Schutzmaßnahmen: 16, 18, 32, 47f.
Gemeinfreiheit: 9, 12, 33
Teilen: 12, 14ff., 38ff., 41f., 44f., 54, 60, 86
Generierung der Lizenz: 72ff.
Traditionelles Urheberrecht: 9, 13

H
Haftung: 22, 32, 35, 43, 47
U
Übersetzung: 13, 25, 35, 37, 55, 57
Urheberpersönlichkeitsrechte: 22, 45ff.
K Urheberrechtsverletzung: 19, 24, 43, 48
Keine Bearbeitung: 22, 32f., 54ff.
Keine Rechte vorbehalten: 33 V
Kombination: 13, 25, 33, 56ff., 61f. Veränderung: 8, 12f., 25, 32f., 44f., 54, 56ff., 78
Kommerziell vs. nicht-kommerziell: 15, 17ff., 21ff., 30f., Voraussetzungen: 8, 14, 25, 31, 60
33, 38, 48ff., 86 Vorteile von Open Content: 9, 13ff., 25, 63
Kündigung der Lizenz: 24

W
L Wahl der Lizenz: 72
Lizenzgebühren: 8, 15, 18f., 52f. Weitergabe unter gleichen Bedingungen: 25, 32, 60
Lizenzhinweis: 19, 32, 43f., 76f. Weite Verbreitung: 13ff., 42, 52ff.
Lizenzinkompatibilität: 25, 61ff. Wiederveröffentlichung: 23f., 55
Lizenzkette: 20f., 38 Wikipedia: 20ff., 32, 36, 44, 49, 59
Lizenztext: 16, 19, 48f., 72, 76f.
Lizenzverletzung: 24f., 48, 53f.
Lizenzvertrag: 12ff., 16f., 19ff., 48f., 53, 74ff.
Z
Zentralisiertes Lizenzierungssystem: 20ff.
Zweitveröffentlichung: 23f.
M
Markenrechte: 45
Mashup: 25, 56ff., 61ff.

87