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Während die Wirtschaftlichkeit (CAPEX, OPEX und Brennstoffkosten) von SMRs

bisher nicht wirklich bekannt ist, argumentieren die SMR-Designer, dass die
sog. „overnight cost“ (Investitionskosten ohne anfallende Zinsen) pro kWe für
SMRs niedriger sein könnten als die von ALWRs (fortgeschrittene
Leichtwasserreaktoren). Für den Fall müssten SMRs allerdings in großen
Stückzahlen produziert werden, sowie eine Optimierung der Lieferketten
erfolgen. Des Weiteren müssten die Finanzierungskosten geringer sein.
Die Wettbewerbsfähigkeit von SMRs ist somit stark abhängig von der Anzahl an
Aufträgen, also vom geplanten weltweiten Ausbau, sowie von der erfolgreichen
Lizenzierung und schnellen Errichtung der Fabriken zur Herstellung. (S. 19)
Die gesamten Investitionskosten entsprechen den „overnight costs“ und den
Finanzierungskosten. Skaleneffekte sorgen für einen Nachteil der SMRs,
können aber durch verkürzte Bauzeiten und Serienherstellung kompensiert
werden. Nach NEA Schätzungen könnten dadurch die Gesamtkosten sowie
Kosten pro kWe geringer werden, als die von ALWRs. Hinzu kommt, dass
insbesondere im Hinblick auf einen gleichen WACC, aufgrund der kürzeren
Bauzeit, einem geringeren Baurisiko und geringeren Gesamtkosten, eine
Finanzierung für SMR-Projekte einfacher ist. (S.19) Ebenso liegen große
Senkungspotentiale der Investitionskosten pro kWe im Bereich der
Projektstruktur und dem Projektmanagement. Für ALWRs steht ein extremer
Anstieg der durchschnittlichen Kapitalkosten pro MWh innerhalb der letzten 10
Jahre zu Buche. Hauptsächlich bedingt durch Lieferantenvereinbarungen,
Risikomanagement, steigende Rohstoffpreise sowie steigende
Eigentümerkosten wurden die Kosten mehr als verdoppelt.
Für die Betriebs- und Wartungskosten (O&M) der ALWRs gilt laut NEA/IEA 2015
ein Bereich von 10-20 USD/MWh. Der feste Bestandteil der Betriebskosten
(Sicherheit, etc.) ist hierbei unabhängig von der Anlagengröße. Es ist davon
auszugehen, dass die Betriebskosten pro MWh, sofern man die Leistungsstufen
der ALWRs auf die von SMRs reduziert, niedriger sind. Allerdings ist zu
erwarten, dass für Anlagen mit mehreren SMR Einheiten mit den Änderungen
im Bereich der regulatorischen Anforderungen die Betriebskosten pro MWh
sinken werden. Weitere Lösungsansätze seitens der SMRs sind z.B. nur einen
einzigen Kontrollraum für mehrere Reaktoren zu nutzen. Ein weiterer Faktor
mit Senkungspotential ist der Betrieb einer Mehrblockanlage. Durch
Optimierung der Personalstärke werden hier die Kosten für Ersatzstrom
reduziert. Bezüglich der Brennstoffkomponente kann wenig Aussage über
Kosten für SMRs getroffen werden, da für viele das Design noch nicht fertig ist.
Für ALWRs liegt dieser im Bereich von 6,5-13 USD/MWh in Abhängigkeit vom
Preis und dem durchschnittlichen Verbrauch. Man kann allerdings davon
ausgehen, dass aufgrund des niedrigeren durchschnittlichen Verbrauchs die
Brennstoffkosten pro MWh leicht höher sein werden. (Rothwell (2016) S.172)
Über die Erzeugungskosten von SMRs besteht aktuell noch Unsicherheit.
Allerdings können – sofern erwartete Wettbewerbsvorteile realisiert – sowohl
in gesamten als auch in absoluten Baukosten pro kWe günstiger sein, als große
Reaktoren.

Abbildung X zeigt die Stromgestehungskosten für NOAK SMRs mit einem WACC
von 5% für verschiedene variable Kosten. Zu Vergleichen sind die Werte mit
den prognostizierten Erzeugungskosten von ALWRs und anderen Stromquellen
in NEA/IEA 2015.
Obwohl die Wirtschaftlichkeit von SMRs noch nicht vollständig bekannt ist, gibt
es für diese Technologien ein großes Potenzial, das einen alternativen Weg für
die Entwicklung der Kernkraft darstellen kann. Die endgültige Entwicklung des
SMR-Marktes wird stark vom erfolgreichen Einsatz von Prototypen und FOAK-
Anlagen abhängen. Um dieses Potenzial ausschöpfen zu können, kann man
gewisse Empfehlungen geben. (S.67)
Um den Bau von SMR-Prototypen zu beschleunigen, die die Vorteile dieser
Technologie aufzeigen könnten, sollten Regierungen und Industrie eng
zusammenarbeiten. Hierfür gibt es auch internationale Zusammenarbeit und
gemeinsame Forschung im Bereich der Kernenergie. SMR-Anbieter und
potenzielle Kunden sollten eng mit den Nuklearaufsichtsbehörden
zusammenarbeiten, um eine frühzeitige Lösung verschiedener Probleme der
SMR-Entwicklung und der Werksmontage zu ermöglichen. Im Falle des
Einsatzes von SMR im Ausland sollten sowohl nukleare als auch nicht-nukleare
Regulierungsbehörden an diesem Prozess beteiligt werden. Selbige sollten
zusammenarbeiten, um die Wirtschaftlichkeit kleiner Kernkraftwerke zu
bewerten, wobei sie die Rolle berücksichtigen sollten, die SMRs im neuen
Energiemix spielen könnten, insbesondere wenn große Anteile an variablen
erneuerbaren Energien vorhanden sind. Detaillierte SMR-Marktbewertungen
sollten unter Berücksichtigung realistischer Schätzungen der SMR-Ökonomie
und der Fähigkeiten der Lieferkette durchgeführt werden. Diese Ergebnisse
müssen für Politik und Öffentlichkeit sorgfältig erarbeitet werden.