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2011 14:14 Uhr Seite 1

Ihre Rechte Ihre Rechte


als Patient als Patient Verlag C. H. Beck

Informieren Sie sich über Ihre Rechte als Patient.


Sie sollten verstehen, wie unser Gesundheitssystem überhaupt funktioniert.
Sie erfahren, welche Leistungen Sie bekommen können.
Welche Pflichten haben Sie?
Wann müssen Sie etwas zuzahlen?

Inhalt
Verständlich für jedermann werden wichtige Fragen beantwortet:
Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?
Ihre Rechte als
Patient
Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?
Wie finde ich einen Arzt oder eine Ärztin?
Wie komme ich ins Krankenhaus?
Was muss mir der Arzt erzählen?
Welche Pflichten hat der Arzt?
Wann muss ich etwas zuzahlen?
Was kann ich tun, wenn der Arzt einen Fehler gemacht hat?
Was ist bei zahnärztlichen Leistungen wichtig?
Was ist bei psychotherapeutischen Leistungen wichtig?
Wo finde ich gute und sichere Informationen?

Aus der Praxis


Erstellt wurde die Broschüre von zwei Juristinnen und einem Juristen, die die
Probleme von Patientinnen und Patienten aus der täglichen Beratungsarbeit kennen
und die langjährige sozialrechtliche und haftungsrechtliche Erfahrungen haben.
Ein Wegweiser durch das
Herausgeber ist der PARITÄTISCHE Gesamtverband, Berlin. Gesundheitssystem
2. Auflage

Herausgegeben von
ISBN 978-3-406-61414-9

€ 4,40 Verlag C. H. Beck


1

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,


wir freuen uns, dass Sie mehr über „Ihre Rechte Das sind einige der vielen tausend Anfragen
als Patient“ wissen möchten. Diese Broschüre bei den Patienten-Beratungsstellen. Sie zeigen,
richtet sich vor allem an Kassenpatienten. wie verbreitet der Wunsch nach Informationen
zum Gesundheitswesen ist. Vor allem bei länger
Damit Sie sich als Patient für Ihre Rechte ein- dauernden Krankheiten tauchen immer wieder
setzen können, müssen Sie verstehen, wie un- neue Fragen auf. Je besser Sie Bescheid wissen,
ser Gesundheitssystem überhaupt funktioniert. desto besser können Sie Ihre Rechte wahrneh-
Sie erfahren, welche Leistungen Sie bekommen men – auch wenn Sie krank sind.
können und welche Pflichten Sie haben. Zu Ih-
ren Pflichten gehört zum Beispiel, dass Sie in Eine ganz wichtige Voraussetzung für eine gute
bestimmten Fällen etwas zuzahlen müssen. medizinische Behandlung ist Vertrauen in die
Menschen, die Sie behandeln und pflegen. Da-
Vor allem geht es aber um Sie als Patient: neben ist wichtig, dass Sie mit entscheiden, was
•• Wie finde ich heraus, welcher der richtige mit Ihnen passiert. Das geht besser, wenn Sie Be-
Arzt für mich ist? scheid wissen – über die medizinischen Fragen
und auch über Ihre Rechte und Pflichten. Hierin
•• Was ist zu beachten, wenn ich ins Kranken- wollen wir Sie mit dieser Broschüre unterstüt-
haus muss? zen. Wir hoffen, dass sie Ihnen ein hilfreicher
•• Welche Pflichten hat der Arzt mir gegenüber? Wegweiser durch unser Gesundheitssystem ist
•• Was tue ich, wenn ich falsch behandelt wur- und wünschen Ihnen alles Gute,
de?
•• Habe ich das Recht, meine Patientenakte zu
lesen?
•• Was ist zu beachten, wenn ich zum Zahnarzt Berlin im März 2011
oder zum Psychotherapeuten gehe?

Dr. Eberhard Jüttner Gerd Wenzel


Vorsitzender des Vorsitzender des
Paritätischen Paritätischen
Gesamtverband Bremen

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 1
2
Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1. Alle müssen krankenversichert sein – gesetzlich oder privat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
a) Gesetzliche Krankenversicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
b) Private Krankenversicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
2 Wie arbeiten Krankenkassen – wofür bezahlen sie? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
3. Welche Einnahmen haben die Krankenkassen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
4. So arbeiten die niedergelassenen Ärzte, Psychotherapeuten und Zahnärzte und so
rechnen sie ab. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
5. Behandlung im Krankenhaus – Stationäre Versorgung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
6. Der ärztliche Beruf, Aufgaben der Ärztekammer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
7. Andere Gesundheits-Fachberufe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
8. Heilpraktiker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
9. Selbsthilfe-Gruppen und Selbsthilfe-Organisationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
10. So wird entschieden, wofür die Krankenkassen zahlen müssen . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12


1. Leistungen zur Früherkennung und Verhütung von Krank heiten . . . . . . . . . . . . . . . . 12
2. Leistungen bei Krankheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3. Arzneimittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
a) Wie und wo bekomme ich Arzneimittel? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
b) Welche Arzneimittel darf der Arzt nicht auf Kassenrezept verordnen?. . . . . . . . . . 15
c) Was übernimmt die Kasse und wie viel muss ich als Patient zahlen? . . . . . . . . . . . 16
4. Arbeitsunfähigkeit, Krankschreibung, Krankengeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
5. Wofür bezahlt die Krankenkasse, wenn ich im Ausland bin? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
6. Was kann ich tun, wenn ich mit einer Entscheidung der Krankenkasse
nicht einverstanden bin? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18

Kapitel 3: Wie finde ich einen Arzt oder Psychotherapeuten? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19


1. Freie Arztwahl, Arztsuche im Internet und im Telefonbuch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
a) Kann ich meinen Arzt oder Psychotherapeuten frei wählen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
b) Wie finde ich den richtigen Arzt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
2. Was bedeuten die Facharzt-Bezeichnungen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
3. An wen wende ich mich außerhalb der Sprechzeiten?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
4. Kann ich für eine zweite Meinung zu einem anderen Arzt gehen? . . . . . . . . . . . . . . . 20

Kapitel 4: Wie komme ich ins


Krankenhaus? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
1. Kann ich das Krankenhaus frei wählen und wie finde ich das
richtige Krankenhaus? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2. Was ist bei einem Krankenhausaufenthalt wichtig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3. Was ist bei der Entlassung aus dem Krankenhaus zu beachten? . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
4. Welche Möglichkeiten gibt es, wenn ich nach der Entlassung noch
Unterstützung brauche?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
5. In welchen Fällen bezahlt die Krankenkasse die Fahrt ins Krankenhaus? . . . . . . . . . 26

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 2
3
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 5: Worauf muss mich der Arzt hinweisen? Welche Pflichten hat der Arzt? . . . . . . . . . . . . . . 27
1. Worüber muss mich der Arzt informieren und aufklären?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
a) Aufklärung für eine sichere Behandlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
b) Aufklärung für die Selbstbestimmung – mein Recht über die Behandlung
zu bestimmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
c) Worüber muss ich aufgeklärt werden und wie ausführlich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
d) Wann und wie muss ich aufgeklärt werden? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
e) Wer ist einwilligungsfähig und wer nicht? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
2. Was muss der Arzt über mich aufschreiben und aufbewahren? Habe ich das Recht,
alles zu lesen, was der Arzt über mich notiert hat? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
3. Die Schweigepflicht des Arztes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31

Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33


1. Praxisgebühr, Zuzahlungen, Selbstbeteiligung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
a) Die Praxisgebühr von 10 € . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
b) Selbstbeteiligung, Zuschuss der Krankenkasse. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
c) Zuzahlung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten und Verbandmitteln . . 34
d) Zuzahlung bei Heilmitteln und Hilfsmitteln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
e) Zuzahlung bei häuslicher Krankenpflege und Haushaltshilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
f) Zuzahlung bei Soziotherapie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
g) Quittungen aufbewahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
2. Zuzahlungen im Krankenhaus und in der Rehabilitation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
3. Zuzahlung bei Taxifahrten und Krankentransporten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36
4. Wann und wie kann ich mich von Zuzahlungen befreien lassen? . . . . . . . . . . . . . . . . 36
5. Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
6. Was ist, wenn ich nicht zum vereinbarten Arzttermin komme? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
7. Welche Leistungen hat der Arzt oder das Krankenhaus für meine Behandlung
abgerechnet? Was hat die Krankenkasse für mich bezahlt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39

Kapitel 7: Was kann ich tun, wenn der Arzt einen Fehler gemacht hat?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
1. Wann hat sich ein Arzt falsch verhalten?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
a) Behandlungs-Fehler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40
b) Aufklärungs-Fehler. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
c) Organisations-Fehler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
2. Was muss ich beweisen, wenn es um einen Behandlungs-Fehler oder
einen Aufklärungs-Fehler geht?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3. Wie kann ich einen ärztlichen Fehler nachweisen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4. Bei welchen Schäden kann ich auf Schadenersatz klagen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
5. Wie kann ich vorgehen, wenn ich einen Fehler beim Arzt oder beim
Krankenhaus vermute? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
a) Gütliche Einigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
b) Unterstützung durch die Krankenkassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
c) Schlichtungsstellen oder Gutachter-Kommissionen der Ärztekammern. . . . . . . . . 43
6. Soll ich mich durch einen Rechtsanwalt beraten lassen? Kann ich mir das leisten? . . 44

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 3
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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 8: Zahnärztliche Leistungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45


1. Was ist ein Heil- und Kostenplan und wann ist er sinnvoll? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
2. Kieferorthopädische Leistungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
3. Zahnersatz und Implantate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
a) Zahnersatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
b) Implantate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
c) Wonach berechnet die Krankenkasse ihren Zuschuss? Was ist die
Regelversorgung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
4. Wie viel zahlt die Krankenkasse bei Kieferorthopädie
und Zahnersatz? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
a) Selbstbeteiligung bei kieferorthopä-
discher Behandlung (KFO) Ihres
Kindes. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
b) Eigenanteil, Festzuschuss und Bonus bei Zahnersatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
c) Zahnersatz im oder aus dem Ausland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
5. Wie verhalte ich mich, wenn ich mit Leistungen des Zahnarztes unzufrieden bin? . . 49

Kapitel 9: Psychotherapeutische
Leistungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
1. Was ist Psychotherapie und wer darf sich Psychotherapeut nennen? . . . . . . . . . . . . . . 51
a) Psychotherapie zur Behandlung einer Erkrankung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
b) Psychotherapie als Lebensbe-
ratung oder zur besseren Lebensbewältigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
2. Welche psychotherapeutischen Leistungen übernimmt meine Krankenversicherung
und wie läuft das Verfahren ab? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
a) Ambulante Psychotherapie. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
b) Stationäre psychotherapeutische Behandlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
3. Wie finde ich den richtigen Psychotherapeuten und welche Behandlungsform eignet
sich für mich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
4. Vereinbarungen über Termine, Ausfallhonorar und Urlaub . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57

Kapitel 10: Wo finde ich gute und sichere Informationen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58


1. Informationen über Krankheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
2. Informationen über Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte, Krankenhäuser . . . . . . . . 58
3. Informationen über Arznei mittel und Hilfsmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
4. Selbsthilfegruppen und Patienten-Beratungsstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
5. Patienten-Verfügung, Betreuungs-Verfügung, Vorsorge-Vollmacht . . . . . . . . . . . . . . . 59
6. Richtlinien, Gesetze, Urteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60

Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 4
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Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?

Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?


•• Kinder eines Pflichtversicherten bis zum Alter
1. Alle müssen krankenversichert von einschließlich 17 Jahren, dazu gehören auch:
sein – gesetzlich oder privat ■■ Stief-, Pflege- und Enkelkinder
■■ Kinder, die adoptiert werden sollen
Alle Bürger in Deutschland müssen krankenversi-
■■ Kinder des eingetragenen Lebenspartners,
chert sein. Wer nicht in der gesetzlichen Kranken-
versicherung versichert ist, muss sich privat versi- •• Kinder bis 22 Jahre, wenn sie nichts verdienen,
chern. Von 100 Personen sind bei uns 90 in einer •• Kinder bis 24 Jahre, wenn sie in einer Schul- oder
gesetzlichen Krankenversicherung (sie sind Kassen- Berufsausbildung oder im freiwilligen sozialen
Versicherte) und 10 in einer privaten. oder ökologischen Jahr sind; durch Wehrdienst
oder Zivildienst erhöht sich die Altersgrenze,
•• behinderte Kinder, für sie gibt es grundsätzlich
a) Gesetzliche Krankenversicherung keine Altersgrenze.

In der gesetzlichen Krankenversicherung ist man Familienversicherte müssen in Deutschland wohnen.


entweder pflichtversichert, familienversichert oder Sie dürfen ein geringes eigenes Einkommen haben,
freiwillig versichert. etwa aus Erwerbstätigkeit, aus Mieteinnahmen oder
aus Zinsen. Dieses Einkommen darf in den alten
Pflichtversichert sind Bundesländern höchstens 365 € im Monat betragen,
•• alle Arbeitnehmer, die im Jahr mehr als 4.800 € in den neuen Bundesländern höchstens 320 € (ab
(monatlich 400 €) verdienen, höchstens aber 2011). Wenn Sie in einem Minijob arbeiten, dürfen
49.500 € (monatlich 4.125 €). Das ist die Versiche- Sie bis zu 400 € monatlich verdienen.
rungspflicht-Grenze für 2011 (mehr dazu weiter
unten: freiwillig versichert), Wer selbst Mitglied einer Krankenkasse ist oder
•• Rentnerinnen und Rentner, die vor ihrer Rente in hauptberuflich als Selbständiger arbeitet, kann nicht
der zweiten Hälfte ihres Arbeitslebens mindes- familienversichert sein.
tens 90% dieser Zeit gesetzlich versichert waren,
Wenn ein Elternteil
•• Auszubildende, Studierende und Praktikanten
bis zum Ende des 14. Semesters, sie dürfen jedoch •• privat versichert ist und
nicht älter als 29 Jahre sein. Unter bestimmten •• regelmäßig mehr als 4.125 € im Monat verdient
– hier nicht näher beschriebenen Bedingungen (das ist die Versicherungspflicht-Grenze 2011)
– auch über das 14. Semester und über 29 Jahre und
hinaus, •• regelmäßig mehr verdient als der andere Eltern-
•• Personen, die Arbeitslosengeld 1 oder Arbeitslo- teil, der gesetzlich versichert ist,
sengeld 2 bekommen,
•• Künstler und Schriftsteller; Land- und Forstwirte sind auch die Kinder privat versichert. Sie sind dann
(auch wenn sie selbständig sind), nicht familienversichert.
•• behinderte Menschen, die in Werkstätten oder
Freiwillig versichert:
anderen Einrichtungen arbeiten,
•• Personen, die bisher nicht krankenversichert Manchmal fällt der Grund für die gesetzliche Kran-
waren (z.B. weil sie aus dem Ausland eingereist kenversicherung weg. Beispiele:
sind); dabei ist egal, ob sie schon einmal gesetz-
•• Sie machen sich selbständig. Bisher haben Sie
lich krankenversichert oder noch gar nicht kran-
Arbeitslosengeld 2 bekommen. Oder:
kenversichert waren.
•• Sie verdienen in einem Jahr mehr als 49.500 €
Familienversichert sind: (Versicherungspflicht-Grenze 2011). Dann endet
Ihre Versicherungspflicht zum Ende dieses Jah-
•• Ehepartner, auch eingetragene Lebenspartner
res. Oder:
gleichen Geschlechts (nach dem Lebenspartner-
schafts-Gesetz), •• Sie lassen sich scheiden. Bisher waren Sie bei Ih-
rem Ehepartner familienversichert.

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 5
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Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?

aber nicht immer günstig. Vergleichen Sie deshalb


BerAtunG: In diesen Fällen können Sie verschiedene Angebote, zum Beispiel über die Stif-
tung Warentest.
sich freiwillig weiter versichern. Sie müssen dies
innerhalb von drei Monaten der Krankenkasse
mitteilen. Wenn Sie sich erst später dazu ent-
scheiden, lassen Sie sich beraten, bei einer Kran- AchtunG: Wenn Sie Empfänger von Ar-
kenkasse oder einer Patienten-Beratungsstelle. beitslosengeld 2 sind, wurden die Prämien zu
einer privaten Krankenversicherung bislang
nicht in voller Höhe übernommen. Im Januar
Wenn Sie zwei Monate oder länger keinen Beitrag 2011 hat jetzt das Bundessozialgericht entschie-
an die Krankenkasse gezahlt haben, auch nach einer den, dass die Kosten für den Basistarif bei einer
Mahnung nicht, dann ruht die Krankenversiche- privaten Krankenversicherung in voller Höhe
rung. Sie bekommen dann keine Leistungen mehr. zu übernehmen sind. Achten Sie darauf, dass
Allerdings muss die Krankenkasse eine Behandlung sich Ihr Jobcenter an dieser neuen Rechtspre-
bezahlen, wenn Sie akut krank sind oder Schmerzen chung orientiert und Ihre Versicherungskosten
haben und auch bei Schwangerschaft und Geburt. in voller Höhe übernimmt.
Sie bekommen wieder die vollen Leistungen,
•• wenn Sie alle fehlenden Beiträge nachgezahlt
haben oder
•• wenn Sie Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 oder 2. Wie arbeiten Krankenkassen –
Sozialhilfe haben.
wofür bezahlen sie?
Nicht pflichtversichert sind:
•• Selbständige, Die Krankenkassen müssen dafür sorgen, dass ihre
Versicherten medizinisch so versorgt werden, wie
•• Beamte, Richter, Soldaten, Pastoren und alle Per- es für ihre Behandlung notwendig ist. Dies heißt: sie
sonen, die Beihilfe wie Beamte bekommen, haben einen Sicherstellungsauftrag.
•• Personen, die in einem Jahr mehr als 49.500 €
verdienen (das entspricht 4.125 € im Monat und Die Krankenkassen bezahlen für sogenannte Sach-
ist die Versicherungspflicht-Grenze 2011) ab dem leistungen. Das sind die Untersuchungen und Be-
darauf folgenden Jahr, handlungen, Medikamente und Hilfsmittel, die Sie
•• Personen, die ausschließlich mit einem Minijob bekommen. Welche Sachleistungen Ihnen zustehen,
regelmäßig höchstens 400 € im Monat verdienen. vereinbaren die Krankenkassen mit den sogenann-
Viele von Ihnen sind beim Partner oder den El- ten Leistungserbringern (Ärzte, Personen aus ande-
tern familienversichert. ren Gesundheitsberufen, Krankenhäuser, Apothe-
ken usw.). Mit ihnen rechnen die Krankenkassen
Diese Personen müssen sich auf andere Weise kran- auch direkt die Kosten ab.
kenversichern.
Als Kassen-Versicherter haben Sie mehrere Möglich-
keiten:
b) Private Krankenversicherung •• Sie haben die Wahl zwischen fast allen Kranken-
kassen.
Wer nicht in einer gesetzlichen Krankenversiche-
•• Sie können zu einer anderen Krankenkasse
rung ist, muss privat krankenversichert sein.
wechseln. Sie müssen mindestens 18 Monate in
Ihrer Krankenkasse bleiben, bevor sie erneut die
Auch als Kassen-Versicherter können Sie sich für be-
Kasse wechseln können.
stimmte Leistungen zusätzlich privat versichern, zum
Beispiel für Zahnersatz oder für eine Behandlung im
Krankenhaus. Viele gesetzliche Krankenkassen ar-
beiten mit privaten Versicherungen zusammen. AchtunG: Wenn Ihre Krankenkasse Zu-
satzbeiträge (siehe Abschnitt 3) neu erhebt oder
Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, wenn Sie erhöht, haben Sie das Recht zu kündigen.
mehr darüber wissen wollen. Diese Angebote sind

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 6
7
Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?

•• Sie können Kostenerstattung wählen oder an be- ÎÎBesondere ambulante ärztliche


sonderen Programmen teilnehmen (siehe unten).
Damit verpflichten Sie sich für eine bestimmte Versorgung
Zeit, in der Regel zwischen einem und drei Jah-
ren, in derselben Kasse zu bleiben. In dieser Zeit An diesem Programm können Menschen mit be-
können Sie nicht kündigen. Falls Sie sich dazu stimmten schweren Erkrankungen teilnehmen. Sie
entscheiden wollen, lassen Sie sich unbedingt verpflichten sich damit für mindestens ein Jahr, zur
vorher von Ihrer Krankenkasse beraten. Behandlung dieser Krankheiten immer zu den sel-
ben Ärzten zu gehen. Dafür schließen die Kranken-
Sie können statt der Sachleistung Kostenerstattung kassen Verträge mit niedergelassenen Ärzten ab, die
wählen. Das heißt, wie ein Privatpatient bekommen besonders viel Erfahrung mit diesen ausgesuchten
Sie eine Rechnung, die Sie selbst bezahlen. Dann Erkrankungen haben.
stellen Sie bei Ihrer Krankenkasse den Antrag, die
Kosten zu erstatten. Sie bekommen allerdings nur ÎÎIntegrierte Versorgung
einen Teil der Kosten erstattet, nicht alles.
(auch: Koordinierte Behandlung)
Es kann auch sein, dass Ihre Krankenkasse Leistun-
Hierbei arbeiten Haus- und Fachärzte, Personen aus
gen ablehnt, die Sie gerne haben möchten und Sie
anderen Gesundheitsberufen, Krankenhäuser, Ge-
diese Leistungen dann erst einmal selbst bezahlen.
sundheitszentren usw. eng zusammen. Gemeinsam
Der Ablehnung können Sie widersprechen und, falls
schließen sie Verträge mit den Krankenkassen ab.
dies keinen Erfolg hat, klagen. Wenn Sie am Ende
So soll bei bestimmten Erkrankungen, zum Beispiel
Recht bekommen, muss die Kasse Ihnen die Kosten
Herzkrankheiten, erreicht werden, dass die verschie-
eventuell doch erstatten.
denen Behandler „Hand in Hand“ arbeiten.
Kostenerstattung kann also viel Aufwand bedeuten.
ÎÎBonusprogramme und Wahltarife der
Viele Krankenkassen bieten verschiedene Wahlta- Krankenkassen
rife und Programme an, denen Sie sich als Patient
freiwillig anschließen können. Dazu zählen: •• Bonusprogramme: Ihre Krankenkasse „belohnt“
Sie mit einer Geld- oder Sach-Prämie, wenn Sie
ÎÎDMP (Disease Management Programme regelmäßig zu Früherkennungs-Untersuchungen
gehen oder an Gesundheits-Kursen (zum Beispiel
= strukturierte Behandlungsprogramme) Sport, Fitness, Ernährung) teilnehmen. Die Kurse
müssen von Ihrer Krankenkasse anerkannt sein.
Das sind „Behandlungs-Pakete“ für Versicherte mit
chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Brust- •• Wahltarife: Sie verpflichten sich, einen Teil der
krebs oder Diabetes. Diese Programme sollen helfen, Behandlungskosten selbst zu zahlen oder für
chronisch Kranke medizinisch besser zu versorgen. eine bestimmte Zeit nur selten zum Arzt zu ge-
hen. Dafür erhalten sie eine Prämie. Wahltarife
gelten für ein bis drei Jahre, solange können Sie
ÎÎhausarzt-Modell auch die Kasse nicht wechseln. Prüfen Sie vorher,
ob es weitere Nachteile oder besondere Risiken
Bei diesem Programm verpflichten Sie sich für min- für Sie gibt.
destens ein Jahr, immer zuerst zu Ihrem Hausarzt zu
gehen. Er entscheidet mit Ihnen, ob eine Überwei- Sie erhalten von Ihrer Krankenkasse eine Kranken-
sung zu einem Facharzt notwendig ist. Ausnahme: versichertenkarte. Damit weisen Sie nach, dass Sie
Zum Augenarzt oder Frauenarzt können Sie direkt gesetzlich versichert sind. Sie müssen diese Karte
gehen, ohne Überweisung vom Hausarzt. Wenn Sie beim Arzt oder im Krankenhaus vorlegen. Wenn Sie
den Hausarzt wechseln wollen, brauchen Sie dafür sie verlieren, bekommen Sie von Ihrer Krankenkasse
einen wichtigen Grund. Sie können also Ihren Arzt eine neue Karte. Das kann 5 € kosten.
nicht völlig frei wählen. Alle Krankenkassen müssen
das Hausarzt-Modell anbieten. In Zukunft sollen auch Daten zu Ihrer Gesundheit auf
dieser Karte gespeichert werden (E-Card – elektro-
nische Gesundheitskarte).

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Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?

Wenn Ihre Krankenkasse etwas entscheidet, was Sie Die Krankenkassen können Überschüsse an ihre
nicht wollen, dann können Sie nachlesen, was die Versicherten weitergeben. Wenn aber das Geld aus
Krankenkasse über Sie notiert hat. In den Räumen dem Gesundheitsfonds nicht ausreicht, können sie
der Krankenkasse können Sie in den Akten über einen einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag
Sie lesen und daraus kopieren. Dazu haben Sie das verlangen. Der Zusatzbeitrag ist in der Höhe nicht
Recht. Die Kopien müssen Sie bezahlen. begrenzt. Der Zusatzbeitrag ist für alle Versicher-
ten einer Krankenkasse gleich hoch. Wenn Sie den
Zusatzbeitrag nicht rechtzeitig bezahlen, kann die
ÎÎMDK (Medizinischer Dienst der Krankenkasse von Ihnen einen Verspätungszuschlag
Krankenkassen) von mindestens 20 € verlangen. Von dem Zusatzbei-
trag sind bestimmte Personengruppen ausgenom-
Vor wichtigen Entscheidungen über Ihre Behand- men, etwa behinderte Menschen, die in Werkstätten
lung oder bei Fragen zur Krankschreibung müssen beschäftigt sind.
die Krankenkassen den MDK hinzuziehen. Er berät
die Krankenkassen in medizinischen und zahnmedi- Wenn die Krankenkasse einen solchen Zusatzbeitrag
zinischen Fragen. Das Gutachten des MDK hilft der zum ersten Mal einfordert oder ihn erhöht, können
Krankenkasse zu entscheiden, ob sie zum Beispiel Sie zu einer anderen Krankenkasse wechseln. Das
eine bestimmte Behandlung bezahlt. Falls Sie sich heißt, in diesem Fall haben Sie ein Sonderkündi-
gegen eine Entscheidung der Krankenkasse weh- gungsrecht.
ren wollen, richten Sie Ihren Widerspruch gegen die
Krankenkasse und nicht gegen den MDK. Sie haben Aus den unterschiedlich hohen Zusatzbeiträgen
das Recht, das Gutachten des MDK zu lesen. der verschiedenen Krankenkassen wird für ganz
Deutschland ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag
ermittelt. Übersteigt dieser durchschnittliche Zu-
3. Welche einnahmen haben die satzbeitrag 2% der beitragspflichtigen Einnahmen
des Versicherten, besteht Anspruch auf einen Sozial-
Krankenkassen? ausgleich. Der Sozialausgleich wird automatisch von
Ihrem Arbeitgeber oder Ihrer Rentenversicherung
Die Haupt-Einnahmen der gesetzlichen Kranken- umgesetzt.
kassen sind die monatlichen Beiträge der Versicher-
ten. Diese Beiträge errechnen sich aus den beitrags- Bei den Beziehern von Arbeitslosengeld 1 oder Kurz-
pflichtigen Einnahmen der Versicherten, vor allem arbeitergeld oder von Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV)
aus Löhnen und Gehältern, Renten, Pensionen und darf der Zusatzbeitrag Ihrer Krankenkasse höchstens
Versorgungsbezügen. Seit dem 1. Januar 2011 gilt so hoch sein wie der durchschnittliche Zusatzbeitrag.
ein einheitlicher Beitragssatz: er beträgt 15,5% die- Der Zusatzbeitrag wird direkt von der Bundesagen-
ser Einnahmen. Davon zahlt zunächst nur der Arbeit- tur für Arbeit oder dem Jobcenter an Ihre Kranken-
nehmer 0,9%. Der Rest von 14,6% wird je zur Hälf- kasse bezahlt.
te vom Arbeitgeber (7,3%) und vom Arbeitnehmer
getragen. Der Arbeitnehmer zahlt also insgesamt
8,2% (7,3% plus 0,9%). Ab einem Einkommen von
3.712,50 € monatlich steigen die Krankenkassen-
4. So arbeiten die niedergelassenen
beiträge nicht weiter an (das ist die Beitragsbemes- Ärzte, Psychotherapeuten und
sungsgrenze 2011).
Zahnärzte und so rechnen sie ab
Alle Versicherten-Beiträge bundesweit werden in ei-
nen „Topf“ eingezahlt, den Gesundheitsfonds. Aus Alle niedergelassenen Kassen-Ärzte und -Psycho-
diesem „Topf“ erhalten die einzelnen Krankenkas- therapeuten sind Mitglied in einer kassenärztlichen
sen Geld. Wie viel das ist, hängt von der Zahl der Vereinigung (KV). Kassen-Zahnärzte gehören einer
Versicherten, ihrem Alter, ihrem Geschlecht und ih- kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) an. Nur
rem Gesundheitszustand ab. So bekommt eine Kasse die in der KV oder KZV organisierten Ärzte dürfen
für einen älteren, schwerkranken Menschen mehr die Behandlung von gesetzlich versicherten Perso-
Geld als für einen jungen gesunden Versicherten. nen gegenüber der KV oder KZV abrechnen.

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Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?

Für die kassenärztlichen Leistungen zahlen die Der Arzt/Psychotherapeut stellt dafür eine Privat-
Krankenkassen eine Gesamtsumme an die KV. Die- rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte
se wird auf alle Kassen-Ärzte aufgeteilt. Den Ärzten (GOÄ) bzw. Gebührenordnung für Psychotherapeu-
steht für ihre Leistungen ein fester Preis in Euro und ten (GOP) aus. Zahnärzte richten sich nach der Ge-
Cent zu. Die Bezahlung wird durch einen Vertrag bührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Die GOÄ und
zwischen dem Arzt und der KV geregelt. Kassen- die GOZ enthalten einen Katalog von Leistungen,
Ärzte heißen daher auch Vertragsärzte. denen eine Gebühr zugeordnet ist. So kann beispiels-
weise eine eingehende Beratung nach dem 1-fachen
In dem Vertrag steht: Satz der GOÄ 8,74 € kosten. Im Regelfall wird aber
nicht der einfache Satz abgerechnet, sondern ein
•• welche Leistungen der Kassen-Arzt für Kassen- Steigerungssatz von 2,3, also 2,3 x 8,74 € = 20,10 €.
Patienten abrechnen kann und In besonders schwierigen Fällen kann der Arzt den
•• wie oft er die einzelnen Leistungen in einem einfachen Satz bis zum 3,5-Fachen steigern, wenn
Quartal (drei Monate) abrechnen kann; dies ist er dies gut begründen kann. Laborleistungen dürfen
das „Regelleistungsvolumen“. nur mit dem 1 bis 1,3-fachen Satz berechnet werden.

Der Arzt soll nur medizinisch notwendige Maßnah-


men durchführen. Die Begrenzungen im Vertrag tIPP: Sie können die Rechnung Ihres Arztes
sollen überflüssige Leistungen verhindern. Hält von der Ärztekammer überprüfen lassen, wenn
sich der Arzt nicht daran, bekommt er die „zu viel“ Sie mit ihr nicht einverstanden sind.
ausgeführten Leistungen schlechter bezahlt. Halten
sich viele Ärzte nicht daran, werden für das nächste
Quartal die Grenzen noch enger gesteckt. Das heißt, Manche Ärzte, Psychotherapeuten und Zahnärzte
für bestimmte Leistungen erhalten die Ärzte noch sind nicht Mitglied der KV. Sie behandeln nur pri-
seltener den vollen Preis. vat versicherte Patienten. Bei diesen Ärzten können
Kassen-Patienten sich nur auf eigene Kosten behan-
Auch für das Verschreiben von Medikamenten, deln lassen.
Verbandmitteln sowie Heil- und Hilfsmitteln für
Kassen-Versicherte gelten Grenzen. Die sogenann-
ten Richtgrößen legen fest, wie viel der Arzt durch-
schnittlich je Patient verordnen kann. Wenn der Arzt 5. Behandlung im Krankenhaus –
mehrfach erheblich mehr verordnet, wird er genau
überprüft. Kommt dabei heraus, dass nicht alle sei- Stationäre Versorgung
ne Verordnungen notwendig waren, muss er die
„zu viel“ verschriebenen Mittel oder Behandlungen Wenn ein Patient nicht ambulant behandelt werden
selbst bezahlen. kann, weist der Arzt ihn ins Krankenhaus ein.

In den Krankenhäusern gibt es verschiedene Abtei-


lungen oder Kliniken (Innere Medizin, Chirurgie,
BerAtunG: Deshalb scheuen sich Ärz- Geburtshilfe und Frauenheilkunde usw.) mit jeweils
te oft, zum Beispiel teure Medikamente oder einer oder mehreren Stationen. Krankenhäuser be-
Krankengymnastik zu verordnen. Medizi- teiligen sich zunehmend auch an der ambulanten
nisch notwendige Mittel oder Behandlungen Versorgung. So gibt es spezielle Leistungen, die nur
müssen sie aber verschreiben. Bei Problemen im Krankenhaus angeboten werden, etwa aufwän-
wenden Sie sich am besten an eine Patienten- dige Untersuchungen. Zum andern werden immer
Beratungsstelle. mehr Operationen ambulant durchgeführt. Die Pa-
tienten übernachten dann nach der Operation schon
wieder zuhause.
Ein Kassen-Arzt kann seinen Kassen-Patienten zu-
sätzliche Leistungen anbieten, die medizinisch nicht Für eine Behandlung im Krankenhaus braucht ein
notwendig sind. Die Patienten müssen diese „Indi- Kassen-Versicherter von seinem Kassen-Arzt eine
viduellen Gesundheits-Leistungen“ (IGeL, siehe Einweisung (Verordnung zur stationären Kranken-
Kapitel 6 Abschnitt 5) selbst bezahlen. hausbehandlung). Mehr dazu in Kapitel 4.

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Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?

6. Der ärztliche Beruf, Aufgaben Kranken. An der gesundheitlichen Versorgung wir-


ken viele Menschen aus anderen medizinischen
der Ärztekammer Fachberufen mit, zum Beispiel:

Nach dem Abschluss des Medizinstudiums erhält Medizinische Fachangestellte (alte Bezeichnung:
ein Arzt vom Staat die Erlaubnis (Approbation), als Arzthelferinnen), Krankengymnasten (Physiothera-
Arzt zu arbeiten. Er kann dann seine Weiterbildung peuten), Masseure, Krankenpflegekräfte, Hebam-
zum Facharzt beginnen, die durch die Ärztekammer men, medizinisch-technische Assistenten (MTA’s),
geregelt ist. Heute darf nur ein Facharzt (Arzt für ...) Sprachheiltherapeuten (Logopäden), Beschäfti-
eine Praxis für Kassen-Versicherte gründen. Früher gungstherapeuten (Ergotherapeuten), medizinische
gab es diese Vorschrift nicht. Fußpfleger (Podologen), Optiker, Orthopädieschuh-
macher, Zahntechniker und andere.
Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und
Jugendlichenpsychotherapeuten erhalten ihre Be- Sie arbeiten mit den Ärzten zusammen und überwie-
rufserlaubnis (Approbation) nach dem Abschluss der gend auf ärztliche Anweisung. Viele brauchen dazu
staatlich geregelten psychotherapeutischen Ausbil- einen schriftlichen ärztlichen Auftrag (Verordnung,
dung. Vorher haben sie ein Universitätsstudium in Rezept).
Psychologie abgeschlossen. Bei Kinder- und Jugend-
lichenpsychotherapeuten kann es auch ein Studium
der Pädagogik oder Sozialpädagogik sein. 8. heilpraktiker
Alle Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte und Apo- Grundsätzlich dürfen neben Ärzten und Psycho-
theker sind in Kammern organisiert. Die Kammern therapeuten nur Heilpraktiker die „Heilkunde“ am
legen in den Berufsordnungen die beruflichen Menschen ausüben.
Pflichten ihrer Mitglieder fest und achten darauf,
dass sie eingehalten werden. Dazu gehören Pflich- Die Ausbildung zum Heilpraktiker ist nicht staatlich
ten des Arztes/Psychotherapeuten gegenüber dem geregelt. Um als Heilpraktiker tätig sein zu dürfen,
Patienten, etwa die Schweigepflicht sowie die Pflicht braucht man eine Erlaubnis des Gesundheitsamtes.
zur Aufklärung und Aufzeichnung (Dokumentation). Das Gesundheitsamt überprüft lediglich, ob der An-
Ebenso gehört dazu das Recht des Patienten, sich die tragstellers so viel weiß und kann, dass eine heil-
Aufzeichnungen über seine Person anzusehen. kundliche Tätigkeit von ihm nicht zu Schäden an der
Gesundheit seiner Patienten führen könnte.
Die Kammern sind auch für Patienten da. Als Patient
können Sie dort Heilpraktiker sind nicht zur Versorgung von Kas-
•• sich über einen Arzt oder Psychotherapeuten be- senpatienten zugelassen und dürfen nur frei ver-
schweren, käufliche Medikamente verschreiben. Das heißt: Als
•• eine ärztliche Privatrechnung überprüfen lassen, Patient müssen Sie für alle Leistungen eines Heil-
praktikers selbst bezahlen.
•• sich beraten lassen, wenn Sie dauerhafte körper-
liche Beschwerden haben, die Sie auf eine fal-
sche Behandlung zurückführen.
9. Selbsthilfe-Gruppen und Selbst-
Zum letzten Punkt: Die Kammern haben Schlich-
tungsstellen oder Gutachten-Kommissionen einge- hilfe-Organisationen
richtet. Sie prüfen und beurteilen, ob die ärztliche
Behandlung Ihre Gesundheit geschädigt hat. Mehr Selbsthilfe-Gruppen und -Organisationen entstehen
dazu in Kapitel 7. aus dem Wunsch von Betroffenen, besser mit ihrer
Krankheit leben zu lernen. Sie informieren und be-
raten zu der Erkrankung und besorgen teilweise
auch fachliche Hilfe, etwa bei Diabetes, Rheuma
7. Andere Gesundheits-Fachberufe oder Krebs. In Selbsthilfe-Gruppen finden sich Men-
schen mit der gleichen Erkrankung zusammen. Sie
Nicht nur Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und tauschen ihre Erfahrungen aus und unterstützen sich
Apotheker kümmern sich um die Behandlung von gegenseitig.

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Kapitel 1: Wie funktioniert unser Gesundheitssystem?

Viele Selbsthilfe-Gruppen finden Sie im Internet bei


der BAG Selbsthilfe, beim PARITÄTISCHEN oder
10. So wird entschieden, wofür die
beim Gesundheitsamt in Ihrer Stadt. Die Selbsthil- Krankenkassen zahlen müssen
fegruppen für Menschen mit seltenen Erkrankungen
sind in der ACHSE zusammengeschlossen, der Alli- Im Sozialgesetzbuch 5 (SGB 5) ist gesetzlich fest-
anz Chronischer Seltener Erkrankungen. (Adressen gelegt, auf welche Leistungen ein Versicherter An-
in Kapitel 10 Abschnitt 4) spruch hat. Medizin und Technik entwickeln sich
aber immer weiter. So verändern sich laufend die
Oft werden Selbsthilfegruppen von den Kranken- medizinischen Leistungen und es kommen neue
kassen gefördert (siehe Kapitel 2 Abschnitt 1). Auch hinzu. Daher muss immer wieder überprüft und
Pharmaunternehmen unterstützen Selbsthilfegrup- neu festgelegt werden, wie Untersuchungen und
pen mit Geld. Das ist in Ordnung, wenn es offen ge- Behandlungen ablaufen sollen. Auch muss immer
sagt wird und wenn das Pharmaunternehmen keine wieder entschieden werden, welche Leistungen die
Bedingungen für Beratungen und Informationen Krankenkassen bezahlen müssen.
stellt. Einzelne Gruppen haben sich allerdings von
Pharmaunternehmen abhängig gemacht. Sie beraten Dafür ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA)
und informieren zum Vorteil dieser Unternehmen. zuständig. In ihm sind vertreten: Kassenärzte und
-zahnärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen.
Vertreter von Patienten und Selbsthilfe gehören auch
tIPP: Um sich davon abzugrenzen, haben dazu, sie können aber nicht mit abstimmen. Der Vor-
sitzende ist unabhängig, er gehört zu keiner der ge-
sich viele Selbsthilfegruppen deshalb einer
Selbstverpflichtung angeschlossen (siehe die nannten Gruppen.
Leitsätze der BAG-Selbsthilfe, im Internet zu
finden unter www.bag-selbsthilfe.de → BAG Der oberste Grundsatz ist: Die Versicherten sollen
Selbsthilfe intern → Leitsätze). Von diesen „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ ver-
Selbsthilfegruppen können Sie unabhängige sorgt werden. Auf dieser Grundlage verfasst der
Informationen erwarten. Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Richtlinien.
Sie legen fest, welche medizinischen Maßnahmen
notwendig sind und bezahlt werden. Das Bundesmi-
nisterium für Gesundheit prüft die Richtlinien, bevor
sie in Kraft treten.

Die Inhalte der wichtigsten Richtlinien behandeln


wir in den nächsten Kapiteln.

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 11
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Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?

Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?


Im Sozialgesetzbuch 5 werden sehr viele medizini- ÎÎVorsorge-Leistungen:
sche Leistungen aufgeführt. Wer sie anbietet, muss
das Wirtschaftlichkeitsgebot beachten. Das heißt, zum Beispiel eine ambulante Vorsorge-Leistung in
die Versicherten sollen das Notwendige erhalten einem Kurort (früher hieß das: Kur). Die Kasse zahlt
und zielgerichtet und nach heutigem Wissen, spar- die Maßnahme. Bei den Kurmittelkosten fällt eine
sam und wirksam, aber nicht überflüssig behandelt Zuzahlung von 10%, höchstens 10 € an (näheres siehe
werden. Kapitel 6 Abschnitt 1 c). Daneben zahlt die Kranken-
kasse einen Zuschuss bis 13 € am Tag für Unterkunft
In den nächsten Abschnitten werden kurz die Leis- und Verpflegung, für chronisch kranke Kleinkinder
tungen der gesetzlichen Krankenversicherung be- bis zu 21 €. Die Beträge setzt jede Krankenkasse
schrieben. für sich fest. Stationäre Vorsorge-Leistungen (Kur-
klinik) dauern meistens 3 Wochen, bei Kindern bis
13 Jahren 4 bis 6 Wochen. Eine Wiederholung ist frü-
1. Leistungen zur Früherkennung hestens nach 3 bzw. 4 Jahren möglich.

und Verhütung von Krankheiten


zuzahlung: Hierbei müssen Erwachsene
Die Krankenkasse bezahlt folgende Maßnahmen 10 Euro pro Tag zuzahlen.
für Kinder und Erwachsene zur Früherkennung und
Verhütung von Krankheiten:
Vorsorge-Leistungen müssen vom Arzt verordnet
ÎÎBonusprogramme: sein und von der Krankenkasse oder dem Renten-
versicherungs-Träger vorher genehmigt werden. Die
um Sie zu ermuntern, etwas für Ihre Gesundheit zu Rentenversicherungs-Träger entscheiden dabei nach
tun; Gesundheits-Kurse etwa zu Bewegung und rich- anderen Regeln als die Krankenkassen. Das müssen
tiger Ernährung. Sie vorher klären.

ÎÎSchutzimpfungen: ÎÎempfängnisverhütung:
z.B. für Kinder gegen Masern, Mumps, Röteln oder ärztliche Beratung und Untersuchung. Die Kasse be-
für Erwachsene gegen Grippe oder Wundstarr- zahlt für Frauen unter 20 Jahren die Verhütungsmit-
krampf (Tetanus). tel, die ein Arzt verordnen muss. Frauen ab 20 Jahre
müssen die Verhütungsmittel selbst bezahlen.
ÎÎGesundheits-untersuchungen:
•• für Frauen und Männer ab 35 Jahren: alle 2 Jahre zuzahlung: Ab 18 Jahren ist die Zuzah-
eine ärztliche Untersuchung zur Früherkennung lung fällig (Näheres Kapitel 6 Abschnitt 1c).
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren-Er-
krankungen und Diabetes.
•• für Frauen ab 20 Jahren und Männer ab 45 Jah- ÎÎKünstliche Befruchtung:
ren: einmal jährlich Krebsfrüherkennungs-Un-
tersuchung, vorher Beratung. wird nur bezahlt, wenn sie nach ärztlicher Fest-
stellung erforderlich ist. Das Paar muss verheiratet
sein, die Frau muss zwischen 25 und 40 Jahre alt
ÎÎuntersuchungen sein, der Mann bis zu 50 Jahre. Samen und Eizelle
für Kinder bis 5 Jahren (U1 bis U9) und eine Unter- müssen von den Eheleuten kommen. Die Kranken-
suchung für Jugendliche von 12 bis 14 Jahren zur kasse übernimmt höchstens die Hälfte der Kosten.
Früherkennung von Krankheiten. Die Behandlung muss vorher von der Krankenkasse
genehmigt werden.

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Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?

ÎÎSchwangerschaftsabbruch und ten wieder einzuüben (Ergotherapie, etwa nach ei-


nem Schlaganfall).
Sterilisation:
werden von der Krankenkasse nur bezahlt, wenn sie ÎÎhilfsmittel:
medizinisch erforderlich sind.
Das sind Gegenstände oder Apparate, zum Beispiel
Einen Schwangerschaftsabbruch auf Wunsch der Gehhilfen, Hörgeräte, ein Rollstuhl oder auch eine
Frau, der in Übereinstimmung mit der Beratungs- Bein-Prothese. Allgemeine Gegenstände, die im Alltag
Regelung erfolgt, bezahlt die Krankenkasse nicht. gebraucht werden (z.B. spezielle Dosenöffner), gelten
Die Frau muss ihn selbst bezahlen. Wenn sie nicht nicht als Hilfsmittel. Brillengläser werden für Kinder
genug Geld hat, muss sie vorher einen Antrag bei bis einschließlich 17 Jahren bezahlt, für Erwachsene
ihrer Krankenkasse stellen. Nach Prüfung können nur, wenn sie mit beiden Augen sehr schlecht sehen
dann die Kosten übernommen werden (Schwange- können. Das Brillengestell wird nicht bezahlt.
renhilfe-Gesetz).
ÎÎhäusliche Krankenpflege:
Eine Sterilisation auf eigenen Wunsch, weil Sie kei-
ne Kinder (mehr) haben möchten, müssen Sie selbst Nur wenn niemand aus Ihrem Haushalt, wie Ehe-
bezahlen. partner oder Kinder, Sie pflegen und versorgen kann,
wird häusliche Krankenpflege bezahlt:
ÎÎFörderung von Selbsthilfegruppen und •• Wenn Sie durch die Pflege zuhause sein können
-organisationen: und nicht im Krankenhaus liegen müssen. Bis 28
Tage lang werden Sie wegen derselben Krank-
wenn sie sich für die Krankheits-Vorbeugung einset- heit zuhause gepflegt, in besonderen Fällen auch
zen und dafür, dass ihre Mitglieder mit ihrer Krank- länger. Auch Tätigkeiten wie Körperpflege, Ko-
heit möglichst normal leben können. chen, Waschen und Putzen werden bezahlt.
•• Wenn die ambulante Behandlung bei Ihrem Arzt
Mehr zu Selbsthilfegruppen: Kapitel 1 Abschnitt 9. durch gezielte Pflegemaßnahmen ergänzt wer-
den muss. Beispiele: Wundpflege, Pflege eines
Blasenkatheters. Eine Rundum-Versorgung ge-
hört im Normalfall nicht dazu. Hier gibt es Un-
2. Leistungen bei Krankheit terschiede bei den Krankenkassen.

ÎÎBehandlung durch einen Arzt, Zahnarzt Häusliche Krankenpflege muss der Arzt verordnen.
oder Psychotherapeuten: Jede Krankenkasse kann für sich festlegen, dass sie
auch in diesen Fällen geleistet wird: in einer Wohn-
gemeinschaft oder im betreuten Wohnen, in der
Dazu gehören unter bestimmten Voraussetzungen
Schule, im Kindergarten und – wenn besonders viel
auch die künstliche Befruchtung bei verheirateten
Pflege nötig ist – in einer Werkstatt für behinderte
Paaren ab dem Alter von 25 Jahren und die kiefer-
Menschen.
orthopädische Behandlung.

ÎÎArznei- und Verbandmittel: ÎÎhaushaltshilfe:

wenn sie medizinisch notwendig sind (siehe Kapitel Sie muss ärztlich verordnet sein und vorher von der
6 Abschnitt 1c). Krankenkasse genehmigt werden. Die Vorausset-
zungen dafür sind:
•• Sie können wegen Ihrer Erkrankung den Haus-
ÎÎheilmittel: halt nicht selbst weiterführen und
Das sind Leistungen am Patienten durch ausgebilde- •• bei Ihnen lebt ein Kind unter 12 Jahren oder ein
te Therapeuten. Beispiele: Krankengymnastik (Phy- behindertes Kind, das Hilfe braucht und
siotherapie), Massagen, Bäder, Hilfen beim Sprechen •• niemand sonst im Haushalt kann den Haushalt
(Logopädie) und die Anleitung, alltägliche Tätigkei- weiterführen.

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Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?

Die Krankenkassen können festlegen, dass sie auch ÎÎFahrtkosten:


in anderen Fällen eine Haushaltshilfe genehmigen.
Die Krankenkasse bezahlt grundsätzlich nicht die
ÎÎSoziotherapie: Fahrt zu einer ambulanten Behandlung in der Arzt-
praxis oder im Krankenhaus. Ausnahmen:
Das ist eine Unterstützung für seelisch kranke Men- •• Sie sind sehr schwer krank und die Fahrt ist me-
schen, damit sie die Behandlung gut mitmachen und dizinisch unbedingt notwendig, oder
damit sie möglichst selbständig leben können. So- •• Sie sind schwerbehindert, und haben in Ihrem
ziotherapie muss ärztlich verordnet sein und von der Ausweis das Merkzeichen aG (weil Sie kaum
Krankenkasse genehmigt werden. noch gehen können), das Merkzeichen Bl (weil
Sie blind sind) oder das Merkzeichen H (weil Sie
ÎÎAmbulante Palliativ-Versorgung: hilflos sind), oder
•• Sie haben Pflegestufe 2 oder 3, oder
Diese Leistungen sind für Menschen, die wegen •• Sie müssen regelmäßig zur Dialysebehandlung
ihrer Erkrankung – beispielsweise Krebs – starke oder wegen Krebs zur Strahlen- oder Chemothe-
Beschwerden haben und nicht mehr lange zu leben rapie. Es kann weitere Behandlungen geben, bei
haben. Sie brauchen zum Beispiel eine spezielle denen die Fahrtkosten bezahlt werden. In die-
Schmerzbehandlung. Es ist dabei egal, ob sie zuhau- sen Fällen muss die Verordnung des Arztes von
se oder im Pflegeheim leben. der Krankenkasse genehmigt werden, bevor die
Fahrten stattfinden.
ÎÎKrankenhausbehandlung:
Sie werden ins Krankenhaus eingewiesen, wenn zuzahlung: Nur wenn Sie aus medizi-
eine ambulante Behandlung nicht ausreicht. Mehr nischen Gründen gar nicht mit Bus, Bahn oder
dazu in Kapitel 4. dem privaten Auto fahren können, wird eine
Taxifahrt bezahlt.

ÎÎStationäre hospizleistungen:
Rettungsfahrten in ein Krankenhaus mit dem Ret-
Ein Hospiz ist ganz auf die Pflege von sterbens- tungswagen („Krankenwagen“), dem Notarztwagen
kranken Menschen eingestellt. Sie können sich in oder dem Rettungs-Hubschrauber werden vom Arzt
den letzten Wochen Ihres Lebens in einem Hospiz verordnet, wenn es medizinisch notwendig ist – bei
pflegen lassen, wenn Sie an Ihrer Krankheit sterben Notfällen auch nachträglich. Die Kosten übernimmt
werden und eine Pflege zuhause nicht möglich ist. die Krankenkasse.
Es gibt auch Hospize für Kinder.

ÎÎrehabilitation: 3. Arzneimittel
Darauf haben Sie ein Anrecht, wenn Sie nach der
medizinischen Behandlung noch geschwächt sind. a) Wie und wo bekomme ich Arzneimittel?
Eine ambulante oder stationäre Rehabilitation soll
Ihre weitere Genesung unterstützen, etwa im An- •• Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen
schluss an eine Krankenhaus-Behandlung. Maßnah- nur mit ärztlicher Verordnung (Rezept) von der
men zur Rehabilitation müssen ärztlich verordnet Apotheke abgegeben werden.
sein und von der Krankenkasse bzw. dem Renten- •• Betäubungsmittel werden vom Arzt auf einem
versicherungsträger vorher genehmigt werden. besonderen Rezept verordnet und dürfen nur von
der Apotheke abgegeben werden.
ÎÎZahnersatz: •• Apothekenpflichtige (oder: nicht verschrei-
bungspflichtige) Arzneimittel dürfen nur in Apo-
Die Krankenkasse muss Ihnen einen Zuschuss zum theken verkauft werden. Sie brauchen dafür kein
Zahnersatz zahlen. Mehr dazu in Kapitel 8. Rezept.

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Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?

•• Frei verkäufliche Arzneimittel bekommen Sie


auch im Drogeriemarkt oder im Supermarkt. Beispiel: Verschreibung von ASS zur Blut-
•• OTC-Arzneimittel sind alle Arzneimittel, die verdünnung nach einem Herzinfarkt. Mehr
ohne Rezept verkauft werden dürfen, in der dazu in der Arzneimittelrichtlinie des Gemein-
Apotheke oder anderswo (OTC = over the coun- samen Bundesausschusses, zu finden unter
ter = über den Ladentisch). Damit sind also alle www.g-ba.de.
apothekenpflichtigen und alle freiverkäuflichen
Arzneimittel gemeint. •• In der sogenannten Negativliste stehen Arz-
neimittel, die nicht oder nur unter bestimmten
Auch über das Internet können Sie Arzneimittel kau- Bedingungen verordnet werden dürfen. Mögli-
fen. Dabei sollten Sie allerdings Folgendes beden- che Gründe: Ihr Nutzen ist nicht nachgewiesen,
ken: Erstens gibt es dabei meistens keine Beratung sie enthalten überflüssige Stoffe. Sie nutzen nur
durch einen Apotheker. Zweitens kann es Ihnen pas- wenigen Patienten oder nur in speziellen Situa-
sieren, dass Sie gefälschte Arzneimittel erhalten, be- tionen. Die Negativliste ist in den Arzneimittel-
sonders bei Medikamenten, die die Potenz steigern, Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschus-
bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln und Schmerz- ses zu finden.
mitteln. Es gibt aber auch seriöse Apotheken, die
Arzneimittel über das Internet verkaufen. Etwas Besonderes ist der Off-Label-Use, das ist die
„Anwendung außerhalb der Zulassung“. Off-Label-
Use heißt: Ein Arzneimittel wird bei einer Krankheit
b) Welche Arzneimittel darf der Arzt nicht verschrieben, bei der es wirkt, das Medikament ist
auf Kassenrezept verordnen? aber für die Behandlung dieser Erkrankung nicht
zugelassen. Ein zusätzliches Zulassungsverfahren ist
Die Krankenkasse bezahlt nicht alle zugelassenen teuer. Wenn dadurch kein zusätzlicher Verdienst zu
Arzneimittel. Manche Arzneimittel dürfen gar nicht erwarten ist, verzichten manche Hersteller darauf.
auf Kassenrezept verordnet werden, andere nur unter Grundsätzlich bezahlen die Krankenkassen aber nur
besonderen Bedingungen. Dazu gehören: solche Arzneimittel, die für die festgestellte Krank-
•• Sogenannte Lifestyle-Präparate, die das Lebens- heit zugelassen sind.
gefühl verbessern sollen (zum Beispiel Mittel, die
den Appetit bremsen oder die Potenz steigern), Müssen die Krankenkassen beim Off-Label-Use das
dürfen nicht auf Kassenrezept verkauft werden. Arzneimittel bezahlen?
•• Arzneimittel für harmlose Gesundheits-Stö-
Nach einer Entscheidung des Bundessozialgerichts
rungen wie Erkältung, Verstopfung oder Reise-
muss die Krankenkasse in diesen Fällen das Arznei-
krankheit. Diese Mittel dürfen nur für Versicher-
mittel bezahlen:
te bis zum Alter von einschließlich 17 Jahren auf
Rezept verordnet werden. •• die Krankheit ist lebensbedrohlich oder ver-
schlechtert die Lebensqualität des Patienten er-
•• Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel.
heblich und auf Dauer und:
Nur Kinder bis 11 Jahren und Jugendliche mit
gestörter Entwicklung bis einschließlich 17 Jah- •• es gibt für diese Erkrankung keine allgemein an-
ren können diese Mittel auf Rezept bekommen. erkannte Therapie und:
Erwachsene erhalten sie auf Rezept nur zur Be- •• aufgrund wissenschaftlicher Daten ist zu erwar-
handlung einer schweren Erkrankung. Auf dem ten, dass sich das Arzneimittel günstig auf den
Rezept muss der Grund für die Verordnung ste- Krankheitsverlauf auswirkt.
hen.
Damit hat das Gericht sehr enge Grenzen für den
Für Patienten, die Arbeitslosengeld 2 beziehen,
Off-Label-Use gesetzt. Wenn der Arzt ein Arznei-
können die Kosten für nicht verschreibungs-
mittel als Off-Label-Use verordnet, obwohl nicht alle
pflichtige Arzneimittel gegenüber dem Jobcenter
diese Punkte zutreffen, kann er „in Regress“ genom-
als Sonderbedarf geltend gemacht werden, wenn
men werden. Dann muss er selbst das Arzneimittel
sie dauerhaft medizinisch notwendig sind.
bezahlen. Daher sind viele Ärzte beim Off-Label-Use
unsicher.

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 15
16
Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?

Sie als Patient sollten vorher die Verordnung von der Diese Regelung gilt nur, wenn das preisgünstige
Krankenkasse genehmigen lassen. Wenn die Kasse Medikament genauso wirksam ist wie das Original.
ablehnt, können Sie Widerspruch einlegen und kla-
gen. Mehr dazu in Kapitel 2 Abschnitt 6. Es werden zunehmend für einzelne Medikamente
Rabattverträge geschlossen. Sie werden zwischen
Krankenkassen und Arzneimittel-Herstellern ab-
c) Was übernimmt die Kasse und wie viel geschlossen und gelten oft nicht lange. Viele Ärzte
muss ich als Patient zahlen? schreiben daher keinen Medikamenten-Namen auf
das Rezept, sondern den Wirkstoff und die Menge
Wenn der Arzt Ihnen ein Medikament verordnet, und Zubereitung. Die Apotheke muss Ihnen das
müssen Sie meistens etwas dazu bezahlen – mehr Mittel dann von dem Hersteller geben, mit dem Ihre
zu Zuzahlungen in Kapitel 6 Abschnitt 1c. Kasse den Vertrag hat. Gerade für ältere Patienten
kann das schwierig sein: die neuen Tabletten sehen
Daneben können bei Arzneimitteln noch andere vielleicht anders aus als die gewohnten oder sie las-
Kosten auf Sie zukommen: sen sich nicht genauso teilen. Das spielt aber keine
Rolle. Sie müssen sich auf das „neue“ Medikament
Gleiche oder sehr ähnliche Medikamente haben umstellen.
häufig sehr verschiedene Preise. Das Original bleibt
oft teurer, auch wenn es gleichwertige Medikamente Aber Sie können darauf bestehen, ein anderes Me-
mit denselben Wirkstoffen gibt (sogenannte Gene- dikament zu bekommen, etwa Ihr bisheriges. Dann
rika). Oft bringen andere Hersteller sehr ähnliche müssen Sie dieses Medikament in der Apotheke zu-
Medikamente mit derselben Wirkung auf den Markt, nächst selbst bezahlen. Das Rezept reichen Sie dann
die keinen Vorteil haben, aber viel teurer sind. bei der Krankenkasse ein. Die Krankenkasse erstat-
tet Ihnen die Kosten aber nur höchstens bis zur Höhe
Um Kosten zu sparen, gilt deshalb für viele Medika- des Festbetrages. Darüber hinausgehende Kosten
mente ein Festbetrag. Höchstens diesen Preis zahlt müssen Sie selbst tragen.
die Kasse für ein Medikament mit dieser Zusammen-
setzung. Besteht kein Rabattvertrag, muss der Apotheker
Ihnen eins der drei preisgünstigsten Mittel geben,
wenn der Arzt nur den Wirkstoff aufgeschrieben hat.
zuzahlung: Die normale Zuzahlung Nur wenn es medizinisch notwendig ist, dass Sie
müssen Sie trotzdem leisten. Ist Ihr Medika- ein ganz bestimmtes Mittel bekommen, kann Ihr
ment teurer, zahlt die Kasse auch nur den Fest- Arzt auf dem Rezept „aut idem“ (= „oder Gleiches“)
betrag – den Rest müssen Sie selbst bezahlen. durchstreichen. Dann muss der Apotheker Ihnen
Damit soll erreicht werden: Sie sollen sich bei genau das Arzneimittel geben, das der Arzt aufge-
gleichwertigen Medikamenten für ein preis- schrieben hat.
günstiges entscheiden und die Hersteller sol-
len mehr preisgünstige Medikamente anbieten.

4. Arbeitsunfähigkeit, Krank-
Beispiel Medika- Gleiches schreibung, Krankengeld
ment von Medika-
Hersteller ment von Wenn Sie Ihre gewohnte Arbeit nicht mehr oder nicht
A Hersteller mehr ganz schaffen oder wenn Ihre Arbeit Ihre Ge-
B sundheit angreift, dann sind Sie arbeitsunfähig. Der
Arzt bescheinigt Ihnen das in der Arbeitsunfähig-
Apothekenpreis 17 € 28 € keits-Bescheinigung (oder Krankschreibung). Darin
Festbetrag 18 € 18 € steht, bis wann Sie nicht arbeiten können. Sind Sie
Zuzahlung: 5 € 5€ 5€ an diesem Tag immer noch krank, muss der Arzt Ihre
und dazu: nichts 10 € Krankschreibung verlängern.

Eigenleistung gesamt: 5€ 15 €

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 16
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Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?

Wenn Sie eine Arbeit haben, aber arbeitsunfähig heimischen, wenn Sie zu Ärzten oder in Kranken-
sind, bekommen Sie zunächst 6 Wochen lang Ge- häuser gehen, die dort zugelassen sind. Sie brauchen
haltsfortzahlung im Krankheitsfall und anschließend dafür nur Ihre europäische Krankenversichertenkar-
Krankengeld. Glaubt Ihr Arbeitgeber nicht, dass Sie te vorzuzeigen. Es reicht auch eine Bescheinigung
zu krank zum Arbeiten sind, kann er Ihre Kranken- Ihrer Krankenkasse – die sollten Sie sich vor der Rei-
kasse auffordern, den MDK (Medizinischer Dienst se ausstellen lassen. Einige niedergelassene Ärzte
der Krankenkassen) einzuschalten, damit er Ihre verlangen allerdings, dass Sie sofort bezahlen.
Arbeitsunfähigkeit überprüft.

Das Krankengeld richtet sich nach dem Einkommen,


wonach Ihr Krankenkassen-Beitrag berechnet wird. tIPP: Lassen Sie sich eine Rechnung geben,
Von diesem Einkommen beträgt es 70%, höchstens auf der die Diagnose und die Leistungen ste-
allerdings 90% Ihres Nettolohns. hen. Zuhause können Sie diese Rechnung bei
Ihrer Krankenkasse einreichen. Sie werden
Keinen oder keinen vollständigen Anspruch auf aber meist nur einen Teil des Geldes wieder-
Krankengeld haben: bekommen.
•• mitversicherte Familienangehörige,
•• hauptberuflich selbständig Erwerbstätige. Sie Auch außerhalb der Europäischen Union reicht es
können sich bei Ihrer Krankenkasse zusätzlich in einigen Ländern, wenn Sie die Krankenversicher-
für Krankengeld versichern (Wahltarif). Diesen ten-karte oder die Bescheinigung der Krankenkasse
Tarif können Sie frühestens nach drei Jahren vorzeigen. Meistens müssen Sie aber die Rechnung
kündigen. Sie können auch bei einer privaten sofort selbst bezahlen. Auch diese Rechnung können
Krankenversicherung ein Krankengeld absi- Sie dann zuhause bei Ihrer Krankenkasse vorlegen,
chern. Dafür verlangt die Versicherung aber in damit Sie Ihr Geld (teilweise) wiederbekommen.
der Regel eine Gesundheitsprüfung.
•• Kassen-Versicherte, die etwa Renten, Arbeitslo- In einigen Ländern sind Sie nicht durch Ihre Kran-
sengeld oder Unterhaltsgeld beziehen. kenkasse versichert. Für Reisen in diese Länder soll-
ten Sie eine Auslandsreise-Krankenversicherung
Wegen ein und derselben Krankheit erhalten Sie abschließen.
längstens für 18 Monate innerhalb von drei Jahren
Krankengeld. Eine langdauernde Erkrankung kann
dazu führen, dass Sie gar nicht mehr arbeiten können.
BerAtunG: Das ist bei privaten Ver-
sicherungs-Unternehmen möglich, vielleicht
auch bei Ihrer Krankenkasse. Lassen Sie sich
BerAtunG: Beim Übergang vom Kran- vor einer solchen Reise von Ihrer Kasse bera-
kengeld zur Erwerbsunfähigkeits-Rente gibt ten.
es oft Probleme. Wenden Sie sich dann an eine
Patienten-Beratungsstelle.
Bei einer sehr schweren Erkrankung oder einem Un-
fall im Ausland werden Sie dort behandelt, wo sie
gerade sind. Die Krankenkasse bezahlt aber nicht
dafür, dass Sie zurück nach Deutschland gebracht
5. Wofür bezahlt die Krankenkasse, werden. Diesen Rücktransport können Sie auch
wenn ich im Ausland bin? durch eine private Reise-Krankenversicherung ab-
sichern.
Als Kassen-Patient werden Sie in den Ländern der
Europäischen Union genauso behandelt wie die Ein-

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
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Kapitel 2: Auf welche Leistungen habe ich Anspruch?

6. Was kann ich tun, wenn ich Die Krankenkasse schickt Ihnen nach einigen Wo-
chen einen Widerspruchsbescheid. Darin steht, ob
mit einer entscheidung der die Krankenkasse Ihnen Recht gibt und neu entschei-
det oder ob sie bei ihrer bisherigen Entscheidung
Krankenkasse nicht einver- bleibt. Wenn Sie auch den Widerspruchsbescheid
falsch finden, können Sie vor dem Sozialgericht
standen bin? klagen. Für eine solche Klage gelten die gleichen
Regeln wie für den Widerspruch. Das zuständige So-
In vielen Situationen entscheidet Ihre Krankenkasse zialgericht finden Sie in der Rechtsbehelfsbelehrung.
etwas, etwa bei der
•• Übernahme von Fahrtkosten, Gerichtskosten entstehen nicht. Sie müssen keinen
•• Kostenerstattung, Anwalt nehmen. Sie können die Klage selbst schrift-
•• Erstattung von Kosten für eine Behandlung im lich einreichen. Oder Sie gehen zur Rechtsantrags-
Ausland, stelle des Sozialgerichts und geben Ihre Klage dort zu
•• Berechnung Ihres Kassen-Beitrags. Protokoll. Das bedeutet, Sie lassen Ihr Anliegen dort
aufschreiben. Sie können sich bei Gewerkschaften
Es kann auch vorkommen, dass Ihre Krankenkasse oder Sozialverbänden beraten lassen, wenn Sie dort
eine von Ihnen gewünschte Behandlung nicht be- Mitglied sind.
zahlt.
Anwaltskosten werden nur erstattet, wenn Sie den
Sie können sich gegen eine solche Entscheidung Prozess vor dem Sozialgericht gewinnen. Wenn Sie
Ihrer Krankenkasse wehren und dagegen Wider- einen Anwalt nehmen wollen, können Sie beim So-
spruch einlegen. zialgericht Prozesskostenhilfe beantragen. Mit Pro-
zesskostenhilfe werden Ihre Anwaltskosten auch er-
In einem schriftlichen Bescheid von der Krankenkas- stattet, wenn Sie die Klage verlieren.
se finden Sie am Ende des Bescheides eine Rechtsbe-
helfsbelehrung. Dort steht, wo Sie den Widerspruch Die Prozesskostenhilfe muss bewilligt werden,
einlegen müssen; das wird in der Regel Ihre Kran- •• wenn Sie kein Geld für einen Anwalt haben und
kenkasse sein. •• wenn Sie Aussicht haben, Ihre Klage zu gewin-
nen.
Der Widerspruch muss innerhalb eines Monats bei
der Krankenkasse eingegangen sein. Die Frist be- Sie sollten die Klage nur unter der Bedingung erhe-
ginnt mit dem Tag, an dem der Bescheid in Ihrem ben, dass die Prozesskostenhilfe bewilligt wird. So
Briefkasten angekommen ist. Wenn die Rechtsbe- vermeiden Sie unnötige Anwaltskosten. Wenn die
helfsbelehrung in dem Bescheid falsch oder unvoll- Prozesskostenhilfe abgelehnt wird, können Sie sich
ständig ist oder ganz fehlt, beträgt die Frist für den dagegen wehren und beim Gericht Beschwerde ein-
Widerspruch ein Jahr. legen.

Sie können den Widerspruch zunächst ohne Begrün- Wenn Sie vor dem Sozialgericht nicht Recht bekom-
dung einlegen. Eine schriftliche Begründung sollten men, können Sie Berufung an das Landessozial-
Sie aber nachreichen. Machen Sie deutlich, was Sie gericht einlegen. Das geht allerdings nur, wenn im
an dem Bescheid falsch finden. Urteil des Sozialgerichts steht, dass eine Berufung
möglich ist. Grundsätzlich können Sie sich auch ge-
Das Widerspruchsverfahren ist kostenlos. Kosten gen das Urteil des Landessozialgerichts wehren. Sie
für einen Anwalt bekommen Sie nur erstattet, wenn können Revision beim Bundessozialgericht einle-
Ihr Widerspruch Erfolg hatte und es um besonders gen. Dafür müssen Sie sich vertreten lassen: durch
schwierige Fragen ging. einen Anwalt oder eine zugelassene Organisation.

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Kapitel 3: Wie finde ich einen Arzt oder Psychotherapeuten?

Kapitel 3: Wie finde ich einen Arzt oder


Psychotherapeuten?
1. Freie Arztwahl, Arztsuche im Empfehlungen können helfen, den richtigen Arzt zu
finden. Gute Erfahrungen von anderen machen es
Internet und im telefonbuch leichter, Vertrauen zu einem neuen Arzt aufzubauen.
Und Vertrauen ist wichtig für eine gute Behandlung.
Allerdings sind auch Empfehlungen von vertrauten
a) Kann ich meinen Arzt oder Psycho- Menschen keine Garantie. Was Sie brauchen, kön-
nen nur Sie selbst herausfinden.
therapeuten frei wählen?
Das Telefonbuch gibt Ihnen einen Überblick über
Als Kassen-Versicherter haben Sie das Recht der
Allgemein- und Fachärzte und Psychotherapeuten
freien Arztwahl. Das heißt, Sie können Ihren Arzt
und ihre Adressen. Auf der Internetseite der Bundes-
oder Psychotherapeuten unter den „zugelassenen“
ärztekammer (www.bundesaerztekammer.de) finden
Kassen-Ärzten frei wählen. Diese Ärzte/Psychothe-
Sie das Stichwort: Arztsuche. Es führt Sie zu den
rapeuten sind Mitglieder in einer Kassenärztlichen
„Ärzte-Navigatoren“ der einzelnen Bundesländer.
Vereinigung, die Verträge mit den Krankenkassen
Außerdem bekommen Sie bei den Ärztekammern,
haben. Deshalb heißen sie auch Vertrags-Ärzte. Zu
den Psychotherapeutenkammern, den Kassenärztli-
den meisten Kassen-Ärzten können Sie direkt gehen,
chen Vereinigungen und Patienten-Beratungsstellen
für einige brauchen Sie in jedem Fall eine Überwei-
telefonisch Unterstützung und Informationen bei der
sung.
Suche nach Ärzten.
Es gibt auch Ausnahmen von der freien Arztwahl
Es gibt Praxen mit einem Arzt, mit mehreren Ärzten
– zum Beispiel, wenn Sie an der integrierten Ver-
oder auch mit Personen aus verschiedenen Gesund-
sorgung, am Hausarzt-Modell oder an einem struk-
heitsberufen. So können sie heißen und so unter-
turierten Behandlungs-Programm (siehe Kapitel 1
scheiden sie sich:
Abschnitt 2) teilnehmen. Dann können Sie nur zu
Ärzten gehen, die am selben Programm teilnehmen. •• Gemeinschaftspraxis: Mehrere Ärzte arbeiten
Wenn Ihr „alter“ Arzt nicht dazugehört, müssen Sie zusammen und „aus einem Topf“. Sie können
den Arzt wechseln. Fragen Sie also vorher Ihre Kran- verschiedene Fachrichtungen haben. Sie als Pa-
kenkasse, zu welchen Ärzten Sie dann gehen kön- tient können innerhalb der Praxis ohne Über-
nen. weisung den Arzt wechseln, zum Beispiel, wenn
bei Ihrem „gewohnten“ Arzt kein Termin frei ist.
Die Praxisgebühr wirkt sich nicht direkt auf die freie In einer Gemeinschaftspraxis können Sie nicht
Arztwahl aus. Wenn Sie zu einem weiteren Arzt ge- verlangen, von einem bestimmten Arzt behan-
hen wollen, brauchen Sie aber entweder eine Über- delt zu werden; man wird Ihrem Wunsch aber
weisung oder Sie müssen beim neuen Arzt nochmal oft entsprechen.
die Praxisgebühr bezahlen. Mehr dazu in Kapitel 6 •• Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ):
Abschnitt 1a. Die Gründung eines MVZ ist seit 2004 möglich.
Als Vorbild dienen die Polikliniken in den neuen
Bundesländern. In einem MVZ arbeiten Allge-
b) Wie finde ich den richtigen Arzt? mein- und Fachärzte und Menschen aus anderen
Gesundheitsberufen zusammen. Geleitet wird es
Wenn Sie einen neuen Arzt oder Psychotherapeuten von einem Arzt.
suchen, überlegen Sie zunächst, was Ihnen wichtig •• Praxisgemeinschaft: Das sind mehrere selbstän-
ist. Brauchen Sie einen Allgemeinarzt, um sich erst dige Praxen, die in denselben Räumen arbeiten.
mal beraten zu lassen? Wissen Sie schon, was Ihnen Sie können gemeinsam Mitarbeiter beschäftigen
fehlt und suchen Sie dafür einen Facharzt? Soll er oder Geräte benutzen. Jede Praxis hat aber ihre
in der Nähe Ihrer Wohnung oder Ihrer Arbeitsstelle eigene Patienten-Kartei. Sie als Patient entschei-
sein? Ist Ihnen wichtig, wie alt er ist? Möchten Sie den sich für eine Praxis aus der Praxisgemein-
nach einer bestimmten Methode behandelt werden? schaft.
Soll es eher eine Frau oder ein Mann sein? Suchen
•• Ärztehaus/Ärztezentrum: Das bedeutet nur, dass
Sie eine Praxis, in der mehrere Ärzte zusammenar-
in einem Haus verschiedene Arztpraxen sind,
beiten?
mehr nicht.

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 19
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Kapitel 3: Wie finde ich einen Arzt oder Psychotherapeuten?

spiel: Allergologie, Naturheilverfahren, Psychothe-


tIPP: Sehr hilfreich aber etwas aufwändig rapie oder Notfallmedizin. Die Fortbildung für eine
Zusatzbezeichnung ist nicht so umfangreich wie die
ist die Checkliste für Patienten „Woran erkennt
Weiterbildung zum Facharzt.
man eine gute Arztpraxis?“. Sie ist sehr aus-
führlich und wird vom Ärztlichen Zentrum für
Qualität in der Medizin (ÄZQ) herausgegeben.
3. An wen wende ich mich außer-
halb der Sprechzeiten?
2. Was bedeuten die Facharzt-Be- Wenn die Arztpraxen geschlossen sind und Sie drin-
zeichnungen? gend einen Arzt brauchen, können Sie zum Notfall-
dienst gehen. Es gibt
Als Kassenärzte werden nur Fachärzte zugelassen. •• einen Notfalldienst der Kassen-Ärzte für Kassen-
Sie haben über mehrere Jahre eine Weiterbildung Versicherte,
in Kliniken abgeschlossen, am häufigsten in diesen •• einen Notfalldienst der Krankenhäuser,
Fächern: •• einen privatärztlichen Notfalldienst
•• Allgemeinmedizin (Allgemeinärzte, Hausärzte)
•• Anästhesiologie (Narkosen, Betäubung und
Schmerzbehandlung) zuzahlung: Achtung – den privatärzt-
•• Augenheilkunde lichen Notfalldienst müssen Sie immer privat
•• Chirurgie (für ambulante Operationen) bezahlen. Sie bekommen das Geld nicht von
Ihrer Krankenkasse zurück.
•• Frauenheilkunde und Geburtshilfe
•• Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde
•• Haut- und Geschlechtskrankheiten Hier erfahren Sie Telefonnummern, Adressen und
•• Innere Medizin (Internisten, zum Teil als Haus- Arbeitszeiten der Notfalldienste:
ärzte tätig) •• in der Zeitung,
•• Kinder- und Jugendmedizin •• im Telefonbuch,
•• Nervenheilkunde / Neurologie •• im Internet,
•• Psychiatrie und Psychotherapie / Psychosomati- •• bei Apotheken,
sche Medizin
•• in Krankenhäusern,
•• Radiologie (Röntgenuntersuchungen, CT, MRT
usw.) •• bei der Polizei und
•• Urologie (für Erkrankungen an Blase, Niere und •• beim Rettungsdienst.
männlichen Geschlechtsorganen)

Ein Facharzt kann in seinem Fachgebiet zusätzliche


Schwerpunkte haben. Ein Arzt für Innere Medizin
4. Kann ich für eine zweite Meinung
kann als Schwerpunkt zum Beispiel haben: Kardiolo- zu einem anderen Arzt gehen?
gie (Herzerkrankungen), Gastroenterologie (Erkran-
kungen des Magens und des Darms), Nephrologie Zweite Meinung kann heißen:
(Erkrankungen der Niere) und andere. Chirurgische
ÎÎMein Arzt hat mir erklärt, was ich habe und wel-
Schwerpunkte können sein: Gefäßchirurgie, Herz-
che Behandlung er mir vorschlägt. Ich bin unsi-
chirurgie, Kinderchirurgie oder Thoraxchirurgie (für
cher und möchte noch einen weiteren Arzt nach
die Organe im Brustkorb: Herz und Lunge). Ärzte
seiner Meinung fragen. Geht das ohne Weiteres?
mit einem Schwerpunkt haben auf diesem Gebiet
besonders viel Erfahrung. Natürlich können Sie als Patient eine zweite
Meinung bei einem anderen Arzt einholen. Das
Zusatzbezeichnungen sind besondere Fähigkeiten kann sinnvoll sein, wenn Sie sich für oder gegen
eines Arztes außerhalb seines Fachgebiets, zum Bei- eine größere Behandlung entscheiden sollen. In

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 20
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Kapitel 3: Wie finde ich einen Arzt oder Psychotherapeuten?

so einem Fall sollte Ihr Arzt Ihren Wunsch nach anderen Arzt aufsuchen. Dann werden Sie meist
einer Zweitmeinung respektieren und Ihnen eine nochmal die Praxisgebühr bezahlen müssen.
Überweisung mitgeben, eventuell auch Befunde. (siehe Kapitel 6 Abschnitt 1a)
Aber auch ohne Überweisung können Sie einen

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Kapitel 4: Wie komme ich ins Krankenhaus?

Kapitel 4: Wie komme ich ins Krankenhaus?


1. Kann ich das Krankenhaus frei denn er beschreibt, wie gut das Krankenhaus im Jahr
zuvor gearbeitet hat. Er ist öffentlich, Sie finden ihn
wählen und wie finde ich das im Internet oder können ihn direkt im Krankenhaus
bekommen.
richtige Krankenhaus?
Im Qualitätsbericht muss stehen:
Sie können sich als Kassen-Versicherter grundsätz- •• was es an Fachabteilungen, Mitarbeitern, Räu-
lich das Krankenhaus aussuchen. Nur Privatkliniken men und technischen Geräten gab,
können Sie nicht aussuchen. Ihr Arzt soll auf die Ein-
•• welche Erkrankungen besonders häufig behan-
weisung schreiben, welche beiden Krankenhäuser in
delt wurden,
Ihrer Nähe für Sie geeignet sind.
•• welche Operationen, andere Behandlungen und
Untersuchungen besonders oft durchgeführt
wurden.
zuzahlung: Vielleicht möchten Sie lie-
ber in ein anderes, weiter entferntes Kranken-
In dem Bericht wird oft auch stehen, wie diese Leis-
haus gehen. Wenn es dafür keinen wichtigen
tungen abgelaufen sind und was dabei herausge-
Grund gibt, heißt das aber: Sie müssen vermut-
kommen ist. Zum Beispiel:
lich die Fahrt dorthin selbst bezahlen und Sie
müssen vielleicht etwas dazu bezahlen, falls •• wie viele Patienten nach bestimmten Operatio-
dort die Behandlung teurer ist. nen eine Infektion bekamen,
•• wie viele Patienten vor oder nach bestimmten
Operationen die Medikamente so bekamen, wie
Auch eine Reha-Klinik (Klinik oder Abteilung es in den Leitlinien steht.
für Rehabilitation) können Sie grundsätzlich frei
wählen, wenn die Krankenkasse die Rehabilitation In einigen Punkten wird das Krankenhaus mit den
übernimmt. Es gelten dieselben Regeln wie für das anderen Krankenhäusern in Deutschland vergli-
Krankenhaus. Allerdings können Sie als Kassen-Ver- chen. Für die Behandlung bei bestimmten Erkran-
sicherter nur in Reha-Kliniken gehen, die zertifiziert kungen können Sie in dem Bericht also nachlesen,
sind. Das sind Kliniken, die ihre gute Qualität nach- wie gut oder schlecht das Krankenhaus im Vergleich
gewiesen haben. mit anderen war.

Bevor Sie sich entscheiden, überlegen Sie, was für Sie Jedes Krankenhaus muss dafür sorgen, dass die Mit-
besonders wichtig ist. Wollen Sie vor allem: arbeiter gut arbeiten und dass die Arbeit immer bes-
ser wird. Fehler sollen möglichst gar nicht passieren,
•• von Ihrem Wohnort möglichst einfach und schnell
vor allem sollen sie sich nicht wiederholen. Wünsche
zum Krankenhaus hinkommen?
und Beschwerden von Mitarbeitern und Patienten
•• medizinisch gut behandelt werden und sollen sollen ernst genommen werden. All dies gehört zum
die Geräte und Behandlungsmethoden auf dem Qualitäts-Management. Wie das Krankenhaus damit
neuesten Stand sein? umgeht, soll auch aus dem Bericht hervorgehen.
•• von allen freundlich behandelt werden, gutes Es-
sen bekommen und sicher sein, dass alles sauber
und hygienisch ist?
BerAtunG: An diesen Stellen können
•• eine ganz bestimmte Therapie bekommen? Sie sich über die verschiedenen Krankenhäuser
informieren und beraten lassen: Patienten-Be-
Am besten besprechen Sie alle diese Fragen mit dem ratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder auch
Arzt, der Sie einweist (Haus- oder Facharzt). Sagen bei Ihrer Krankenkasse.
Sie ihm, was Ihnen wichtig ist. Er weiß, mit welchen
Krankenhäusern andere Patienten zufrieden waren
und welche Krankenhäuser für Sie in Frage kommen. Für viele Regionen Deutschlands gibt es Klinikfüh-
rer. In diesen werden die Krankenhäuser einer Ge-
Sie können sich auch selber schlau machen: Alle zu- gend beschrieben und miteinander verglichen. Zum
gelassenen Krankenhäuser müssen alle zwei Jahre Beispiel steht darin, wie oft und wie gut bestimmte
einen Bericht schreiben. Er heißt Qualitätsbericht, Erkrankungen behandelt werden. Oft geht in die Be-

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 22
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Kapitel 4: Wie komme ich ins Krankenhaus?

wertung mit ein, was die niedergelassenen Ärzte in Als Kassenpatient erhalten Sie die allgemeinen
der Region empfehlen. Krankenhaus-Leistungen. Das sind:
•• eine Behandlung, die durch Fachärzte geleitet
Außerdem gibt es im Internet mehrere Möglichkei- wird und eine entsprechende Qualität haben
ten, gezielt nach einem geeigneten Krankenhaus zu muss,
suchen. Näheres Kapitel 10 Abschnitt 2.
•• Pflege und Betreuung durch das Krankenpflege
Personal,
•• die nötigen Arznei-, Verband- und Hilfsmittel,
2. Was ist bei einem Krankenhaus- •• ein Bett sowie Essen und Trinken.
aufenthalt wichtig?
Bei Ihrer Aufnahme schließen Sie mit dem Kranken-
Bereiten Sie sich auf das Krankenhaus vor. Diese Pa- haus einen Vertrag ab, den Krankenhausaufnahme-
piere sollten Sie mitnehmen: Vertrag. Durch ihn haben Sie Anspruch auf all diese
Leistungen. Fernsehen und Telefon müssen Sie selbst
•• den Einweisungsschein und bezahlen, sie gehören nicht zu den allgemeinen
•• die Ergebnisse der ambulanten Untersuchungen Krankenhaus-Leistungen.
(Befunde).

Machen Sie sich für die ersten Gespräche einen No-


tizzettel. Dann vergessen Sie nichts Wichtiges, auch
AchtunG: In bestimmten Fällen wird
auch eine Begleitperson oder Pflegekraft mit
wenn Sie aufgeregt sind. Schreiben Sie sich in Stich-
Ihnen im Krankenhaus aufgenommen. Ihre
worten auf:
Begleitperson wird mit aufgenommen, wenn
•• frühere Krankheiten, bekannte Allergien, dies medizinisch notwendig ist. Dies ist etwa
•• Ihre Krankheit oder Ihre Beschwerden jetzt (seit der Fall, wenn Kleinkinder behandelt werden
wann sind Sie krank; wie hat sich die Krankheit müssen – dann ist die Aufnahme eines Eltern-
entwickelt; welche Beschwerden haben Sie der- teiles oft medizinisch notwendig. Ihre persön-
zeit; was wurde schon behandelt; was denken Sie liche Pflegekraft wird mit aufgenommen, wenn
selbst dazu), Sie sie selbst beschäftigen.
•• Medikamente, die Sie einnehmen, und Neben-
wirkungen, falls Sie welche hatten.
Wahlleistungen für Kassenpatienten
Eine Einweisung Ihres Arztes bedeutet keine Ga-
rantie, dass Sie auch tatsächlich ins Krankenhaus Sie können auch als Kassenpatient mit dem Kran-
aufgenommen werden. Wenn die Ärzte Sie nicht kenhaus einen zusätzlichen Vertrag über sogenann-
aufnehmen, kann das diese Gründe haben: te Wahlleistungen abschließen. Wahlleistungen sind
•• die geplante Operation ist bei Ihnen medizinisch •• die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer
nicht notwendig, sie ist eher als kosmetische und
Operation zu verstehen. Beispiele: Magenband- •• die Chefarztbehandlung (eigentlich: wahlärztli-
Operation, Brustverkleinerung, Schweißdrüsen- che Behandlung). Sie werden dann in jedem Fall
Entfernung. Diese Operationen müssen Sie in der direkt vom Chefarzt oder einem Vertreter, der in
Regel selbst bezahlen. der Vereinbarung über die Wahlleistung benannt
•• Sie können ambulant behandelt werden. Es gibt sein muss, behandelt. Allerdings behandelt ein
keinen medizinischen Grund, Sie im Kranken- Chefarzt auch ohne einen solchen Vertrag oft
haus zu behalten. Kassenpatienten. Weil er in seiner Abteilung ver-
antwortlich ist für die medizinische Versorgung
Die Krankenkasse entscheidet darüber, wie Sie be- aller Patienten.
handelt werden. Wenn Sie mit der Entscheidung Ih-
rer Krankenkasse nicht einverstanden sind, können Als Kassenpatient mit Chefarztbehandlung bekom-
Sie schriftlich widersprechen. Bleibt Ihr Widerspruch men Sie vom Krankenhaus die allgemeinen Kran-
ohne Erfolg, können Sie vor dem Sozialgericht kla- kenhaus-Leistungen. Von den Chefärzten oder ihren
gen. Näheres Kapitel 2 Abschnitt 6. Vertretern bekommen Sie die ärztliche Behandlung.

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Kapitel 4: Wie komme ich ins Krankenhaus?

Die Chefärzte schreiben Ihnen Privatrechnungen, en Sie sich also nicht und fragen Sie solange nach,
auch zum Beispiel der Chefarzt des Labors oder der bis Sie alles verstanden haben.
Chefarzt der Röntgenabteilung. Sie rechnen ihre
ÎÎSchreiben Sie sich im Krankenhaus auf, was bei
Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte
Ihnen untersucht wurde und welche Behandlun-
(GOÄ) ab. Weil es eine Behandlung im Krankenhaus
gen und Medikamente Sie bekommen haben. Das
ist, wird von diesem Betrag ein Viertel abgezogen.
kann Ihnen helfen, die Behandlung zu verstehen.
Dies sind auch wichtige Informationen für Ihren
Arzt, solange er den endgültigen Entlassungsbe-
AchtunG: Sie als Patient müssen vor Be- richt aus dem Krankenhaus noch nicht hat.
ginn der Behandlung erfahren, welche Kosten ÎÎNotieren Sie die Namen der Ärzte und Pflege-
etwa auf Sie zukommen. Fragen Sie danach, kräfte, mit denen Sie zu tun haben. So können
bevor Sie den Vertrag unterschreiben. Sie sie mit Namen ansprechen. Und Sie wissen,
an wen Sie sich wenden können, falls Sie nach
der Entlassung noch Fragen haben.
Wenn Sie keine private Zusatzversicherung für die-
sen Fall haben, müssen Sie als Kassenpatient die ÎÎMachen Sie das ganz offen und erklären Sie, dass
Chefarzt-Behandlung selbst bezahlen. Ihre Kran- Ihnen das Aufschreiben hilft, sich später an die
kenkasse bezahlt nur die allgemeinen Krankenhaus- Behandlung zu erinnern. Das sollte jeder verste-
Leistungen. hen. So verhindern Sie auch, dass das Personal im
Krankenhaus Sie für grundsätzlich misstrauisch
hält.
Beleg-Krankenhaus
Eine Besonderheit ist ein Beleg-Krankenhaus. Hier Beschwerden
können niedergelassene Fachärzte ihre eigenen
Patienten behandeln, auch operieren. Für Sie als Wenn Ihnen im Krankenhaus etwas nicht gefällt oder
Patient hat das den Vorteil, dass Ihr Arzt Sie auch wenn jemand Sie nicht ordentlich behandelt, dann
im Krankenhaus weiterbehandelt. Allerdings sind sagen Sie das. Dafür gibt es in fast jedem Kranken-
längst nicht alle niedergelassenen Fachärzte auch haus eine Beschwerdestelle. Die Mitarbeiter dort
Beleg-Ärzte. sind geschult, Kritik von Patienten anzuhören und
ernst zu nehmen. Das ist auch für das Krankenhaus
In einem Beleg-Krankenhaus schließen Sie bei der wichtig, denn es hilft Fehler zu erkennen und ab-
Aufnahme zwei Verträge ab: zustellen.
•• vom Krankenhaus erhalten Sie als Leistungen
die Pflege, die Unterkunft und Verpflegung so-
wie ärztliche Grund-Leistungen (zum Beispiel
die Betreuung nach der Operation; Verband-
3. Was ist bei der entlassung aus
wechsel; Blut abnehmen). dem Krankenhaus zu beachten?
•• von Ihrem Arzt erhalten Sie die eigentliche Be-
handlung. Die Zeit, die ein Patient im Krankenhaus bleibt, ist
in den letzten Jahren im Durchschnitt immer kürzer
Die beiden verschiedenen Verträge sind wichtig, geworden. Sie dürfen aber erst entlassen werden,
wenn Sie sich über die Betreuung oder Behandlung wenn es ihnen wieder so gut geht, dass Sie ambulant
beschweren wollen. Näheres Kapitel 7. weiter behandelt werden können. Das Krankenhaus
muss Ihre Entlassung gut vorbereiten. Besprechen
Sie mit dem Stationsarzt, wie es nach der Entlassung
Ihr recht auf Informationen weitergeht. Klären Sie:
Leider sind Ärzte und auch Pflegekräfte oft nicht •• brauche ich eine weitere ambulante Behandlung?
richtig zu verstehen, weil sie viele Fachwörter be- wenn ja: wann und wo – beim Hausarzt, beim
nutzen. Bedenken Sie: Es geht um Sie und Ihre Ge- Facharzt oder im Krankenhaus selbst?
sundheit, Ihr weiteres Leben. Sie haben ein Recht auf •• muss ich weiter Medikamente einnehmen? wenn
Informationen zu Ihrer Behandlung (näheres Kapitel ja: welche, wie viel davon, wie oft am Tag und
5 Abschnitt 1), die Sie auch verstehen können. Scheu- für wie lange?

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 24
25
Kapitel 4: Wie komme ich ins Krankenhaus?

•• was soll ich nach der Entlassung beachten? Bei-


spiele: Nebenwirkungen von Medikamenten,
Ernährung, auf bestimmte Arbeiten verzichten.
AchtunG: Sagen Sie deutlich, wenn
Sie mit einer Entlassung vor dem Wochenen-
•• kann ich mich zuhause selbst versorgen oder de nicht einverstanden sind, weil Sie zuhause
brauche ich Unterstützung? noch nicht allein zurechtkommen und niemand
zu Ihrer Unterstützung kommen kann.
Sie bekommen von Ihrem Krankenhausarzt einen
vorläufigen Entlassungs-Bericht. In ihm soll alles
stehen, was Ihr Arzt sofort wissen muss, damit er Diese Möglichkeiten gibt es, damit Sie zuhause aus-
Sie richtig weiterbehandeln kann. Dazu gehört zum reichend versorgt sind:
Beispiel eine Empfehlung, welche Medikamente Sie
weiternehmen sollen. Wichtig sind die Wirkstoffe ÎÎHäusliche Krankenpflege. Das Krankenhaus
und ihre Menge, nicht die Namen der Medikamente. kann diese Pflege bis zum 3. Werktag nach Ihrer
Es kann daher gut sein, dass Ihr Arzt in der Praxis Entlassung verordnen. Wenn sie länger notwen-
Ihnen andere Medikamente verschreibt. Bei einer dig ist, verschreibt Ihr niedergelassener Arzt sie
Entlassung vor einem Wochenende oder einem Fei- weiter.
ertag muss Ihnen das Krankenhaus so viele Medika- ÎÎHaushaltshilfe. Zu beidem näheres in Kapitel 2
mente mitgeben, dass sie bis zum nächsten Werktag Abschnitt 2.
reichen. In dem Brief soll auch stehen, ob bestimmte
Untersuchungen oder auch Physiotherapie (Kranken- Wenn Sie für längere Zeit Pflege brauchen, kommt
gymnastik) notwendig ist. unmittelbar nach der Entlassung aus dem Kranken-
haus auch eine Kurzzeitpflege in einer Pflege-Sta-
Der endgültige Entlassungsbericht folgt später. tion in Frage.

Ihre Pflegekasse bezahlt diese Pflege für höchstens


4 Wochen im Jahr. Das sind die Voraussetzungen
4. Welche Möglichkeiten gibt es, dafür:
wenn ich nach der entlassung •• voraussichtlich brauchen Sie für mindestens 6
Monate regelmäßig Grundpflege (Hilfe beim
noch unterstützung brauche? Waschen, Ankleiden, Essen und um sich fortzu-
bewegen) und Hilfe in Ihrem Haushalt (Putzen,
Vielleicht können Sie sich nach Ihrer Entlassung zu- Einkaufen, Kochen, Wäsche). Und:
hause noch nicht allein versorgen. •• Sie können grundsätzlich zuhause gepflegt wer-
den.

BerAtunG: Dann müssen die Mitar- Die Pflegekasse bezahlt für die Kurzzeitpflege
beiter des sogenannten Entlassungs-Manage- höchstens 1.510 € (ab Januar 2012: 1.550 €). Was da-
ments im Krankenhaus rechtzeitig mit Ihnen rüber hinaus geht, müssen Sie selbst bezahlen. Wenn
sprechen. Sie müssen dafür sorgen, dass Sie Sie dafür kein Geld haben, können Sie einen Antrag
nach der Entlassung soviel Unterstützung und auf Hilfe zur Pflege stellen. Diesen Antrag stellen
Pflege bekommen, wie Sie brauchen. Sie beim Sozialamt. Diese Behörde (und nicht die
Pflegekasse) ist auch zuständig, wenn Sie die Pflege
und Hilfe im Haushalt nicht dauerhaft brauchen.

Voraussetzung für diese Unterstützung vom Sozial-


amt ist: Sie oder Ihre unterhaltspflichtigen Angehö-
rigen können die Pflege und Haushaltshilfe nicht
selbst bezahlen oder leisten.

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 25
26
Kapitel 4: Wie komme ich ins Krankenhaus?

5. In welchen Fällen bezahlt die Sind Sie unsicher, fragen Sie vorher Ihre Kranken-
kasse. In bestimmten Fällen kümmert sich die Kasse
Krankenkasse die Fahrt ins um den Transport.

Krankenhaus? Auch die Fahrten im Zusammenhang mit dem Kran-


kenhaus bezahlt die Krankenkasse:
Ihre Krankenkasse bezahlt grundsätzlich die Fahrt •• die Verlegung in ein anderes Krankenhaus, wenn
zum Krankenhaus und zurück, wenn Sie zur Be- sie medizinisch notwendig ist,
handlung dort aufgenommen werden müssen (auch
•• die Fahrt mit einem Rettungsfahrzeug (Rettungs-
teilstationär).
wagen, auch Rettungshubschrauber) in ein Kran-
kenhaus. Das gilt auch, wenn Sie am Ende nicht
Dazu gehören Fahrten mit Bus und Bahn (öffentli-
im Krankenhaus bleiben müssen, weil Sie nicht
che Verkehrsmittel), Ihrem eigenen Wagen oder ei-
so schwer krank sind, wie befürchtet wurde.
nem Taxi, und auch ein Krankentransport oder eine
Rettungsfahrt. Allerdings bezahlt die Krankenkasse
Dies bezahlt die Krankenkasse nicht:
nur, was medizinisch notwendig ist. Wenn Sie mit
Bus oder Bahn zum Krankenhaus fahren können, •• die zusätzlichen Kosten für die Fahrt zu einem
wird das auch von Ihnen erwartet. weiter entfernten Krankenhaus, wenn es zwei
geeignete Krankenhäuser gibt, die näher gele-
gen sind,
zuzahlung: Ein Taxi wird nur bezahlt, •• einen Rück-Transport aus dem Ausland; Ausnah-
wenn Ihnen die Fahrt mit öffentlichen Ver- me: Ihre Behandlung war nur im Ausland über-
kehrsmitteln gesundheitlich nicht zuzumuten haupt möglich.
ist oder das Krankenhaus damit nicht zu errei-
chen ist. Es gelten die üblichen Zuzahlungsre-
geln. Mehr dazu in Kapitel 6 Abschnitt 3.

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Kapitel 5: Worauf muss mich der Arzt hinweisen? Welche Pflichten hat der Arzt?

Kapitel 5: Worauf muss mich der Arzt hinweisen?


Welche Pflichten hat der Arzt?
1. Worüber muss mich der Arzt
Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie erfahren,
informieren und aufklären? dass Sie Krebs haben. Der Arzt schlägt eine
Operation vor und danach eine Strahlen- und
Ihr Arzt muss Sie über die Behandlung ausführlich Chemotherapie. Wahrscheinlich sind Sie damit
aufklären und beraten, und zwar vor, während und einverstanden. Wenn Sie das aber für sich per-
nach der Behandlung. Er ist dazu verpflichtet, da- sönlich nicht wollen, haben Sie das Recht zu
mit Sie als Erstes entscheiden können, ob Sie sich sagen: nein, das will ich nicht. Auch wenn Sie
überhaupt behandeln lassen wollen. Aufklärung ist ohne diese Behandlung sterben würden, muss
auch notwendig, damit Sie als Patient über die Be- der Arzt Ihrer Entscheidung folgen – er darf
handlung mit entscheiden und besser „mitmachen“ Sie nicht gegen Ihren Willen behandeln. Tut
können. In den folgenden Abschnitten beschreiben er es dennoch, macht er sich strafbar. Nur in
wir, was für eine gute Aufklärung wichtig ist. bestimmten Fällen darf er Sie trotzdem behan-
deln. Näheres Abschnitt 1e.

a) Aufklärung für eine sichere Behandlung


Damit Sie sich aber gut entscheiden können, müssen
Bei manchen Behandlungen brauchen Sie bestimmte Sie Bescheid wissen. Sie brauchen eine Aufklärung
Informationen, damit nicht Sie selbst durch Ihr Ver- über die Erkrankung, über die geplante Behandlung
halten den Erfolg der Behandlung gefährden. Sie und über deren Folgen für Sie. Ihr Arzt muss Ihnen
müssen zum Beispiel wissen, alle Informationen geben, die Sie für eine Entschei-
•• wie Sie Ihre Medikamente richtig einnehmen, dung brauchen. Nur dann können Sie wirksam in
•• welche Nebenwirkungen auftreten können – und eine ärztliche Behandlung einwilligen. Wirksam
welche davon harmlos sind und welche Sie Ihrem bedeutet hier: Sie sind gut aufgeklärt und daher in
Arzt mitteilen müssen, der Lage, für Ihre persönliche Situation Ihre ganz
persönliche Entscheidung zu treffen. Der Arzt notiert
•• wie sehr Sie sich nach einer Operation oder ei-
sich, dass er Sie aufgeklärt hat oder lässt sich das
nem Knochenbruch belasten dürfen und was Sie
sogar von Ihnen unterschreiben.
vermeiden sollten.
Sie wollen eine andere Behandlung als Ihr Arzt vor-
schlägt? Dann sprechen Sie mit ihm darüber, auch
b) Aufklärung für die Selbstbestimmung wenn er Sie nicht danach gefragt hat. Wollen Sie
– mein recht über die Behandlung zu zum Beispiel, dass er Sie nach der Naturheilkunde
bestimmen behandelt, dann sagen Sie ihm das. Sie können ihn
allerdings nicht dazu zwingen. Wenn Sie nach einem
Sie gehen zum Arzt, weil Sie sich krank fühlen oder offenen Gespräch verschiedener Meinung sind, su-
weil Ihnen etwas aufgefallen ist, was Ihnen Sorgen chen Sie sich besser einen anderen Arzt.
macht. Sie möchten hören, welche Behandlung der
Arzt Ihnen vorschlägt. Meist ist es so, dass Sie den
Informationen Ihres Arztes vertrauen und seinem c) Worüber muss ich aufgeklärt werden und
Vorschlag folgen. Das heißt aber nicht, dass Sie jede wie ausführlich?
Behandlung mitmachen müssen, die Ihr Arzt vor-
schlägt. Sie haben das Recht, selbst zu bestimmen, Die Faustregel ist: Wenn es um Ihr Leben geht und
das ergibt sich aus dem Grundgesetz: Sie entschei- Sie eilig behandelt oder operiert werden müssen,
den, ob und wie Sie sich behandeln lassen möchten muss der Arzt Sie nicht so ausführlich aufklären. An-
und niemand sonst. ders ist es bei einer geplanten Operation oder einer
anderen Behandlung, die nicht so dringend ist. Dann
muss der Arzt Ihnen genau erklären, was im ungüns-
tigen Fall passieren kann. Er muss ihnen auch andere
Möglichkeiten nennen, Sie zu behandeln. Am aus-
führlichsten müssen Sie vor einer Behandlung auf-
geklärt werden, die medizinisch nicht notwendig ist,
etwa bei einer kosmetischen Operation.

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Kapitel 5: Worauf muss mich der Arzt hinweisen? Welche Pflichten hat der Arzt?

Grundsätzlich muss Ihr Arzt Sie zu diesen Fragen d) Wann und wie muss ich aufgeklärt
aufklären:
werden?
ÎÎWelche Krankheit habe ich? (Aufklärung über
die Diagnose) Die Aufklärung ist dafür da, dass Sie persönlich sich
Wenn Ihr Arzt weiß, was Sie haben, muss er es gut entscheiden können. Also müssen Sie genug Zeit
Ihnen sagen. Selbst wenn er nur etwas vermutet, haben, um in Ruhe zu überlegen und zu entscheiden.
muss er es Ihnen grundsätzlich mitteilen, auch Deshalb muss Ihr Arzt Sie rechtzeitig aufklären – je
wenn es Ihnen Angst und Sorgen bereitet. Das schwerer eine Operation oder Behandlung ist desto
gilt besonders, wenn er bei Ihnen eine schwere früher, bei Operationen jedoch mindestens einen Tag
Erkrankung vermutet. Er muss Sie darüber in- vorher. Eine Aufklärung auf dem Operationstisch
formieren, wie man herausfinden kann, was Sie oder auf dem Zahnarztstuhl mit den Instrumenten
haben. Vielleicht wollen Sie das gar nicht wissen im offenen Mund ist keine wirksame Aufklärung.
und keine weiteren Untersuchungen. Dann muss Sie ist nur im wirklichen Notfall erlaubt.
der Arzt Sie besonders genau aufklären, wie Ihre
Erkrankung weiter verlaufen kann. Denn Sie Nur der Arzt selbst darf Sie aufklären. Er darf nicht
müssen genau wissen, was dann auf Sie zukom- etwa eine Krankenschwester oder Arzthelferin da-
men kann. mit beauftragen. Allerdings muss nicht derselbe Arzt
ÎÎWie verläuft meine Erkrankung wahrscheinlich Sie aufklären, der Sie später behandelt oder operiert.
weiter – mit Behandlung und ohne Behandlung? Aufklären kann auch ein anderer Arzt mit ähnlicher
(Aufklärung über den Verlauf) Erfahrung.

ÎÎWelche Risiken kann die Behandlung für mich Sie müssen die Aufklärung gut verstehen können.
haben? (Aufklärung über Risiken) Der Arzt darf also kein „Fach-Chinesisch“ sprechen.
Ihr Arzt muss Sie über alle möglichen Folgen der Fragen Sie solange nach, bis Sie alles verstanden ha-
geplanten Behandlung informieren, besonders, ben. Das ist Ihr gutes Recht. Erst dann sollten Sie
wenn sie Ihr tägliches Leben schwer einschrän- unterschreiben, dass Sie aufgeklärt wurden und mit
ken können. Welches Risiko gibt es zum Beispiel der Behandlung einverstanden sind.
für bleibende Schäden wie Lähmungen, Blasen-
schwäche, längere oder andauernde Schmerzen? Vielleicht verstehen Sie nicht so gut deutsch. Dann
muss der Arzt dafür sorgen, dass die Aufklärung
Der Arzt muss Ihnen alles sagen, was bei Ihrer
für Sie übersetzt wird, zum Beispiel durch einen
Behandlung typischerweise an Folgen auftreten
Dolmetscher. Auch jemand aus Ihrer Familie, ein
kann, egal, ob sich das Risiko ganz selten oder
Bekannter oder ein Mitarbeiter kann für Sie über-
häufiger verwirklicht.
setzen, wenn Sie wissen, dass die Person gut genug
Deutsch versteht.

Beispiel: Der Bundesgerichtshof verlangt, Sie können auch auf die Aufklärung verzichten.
vor einer Schutzimpfung darüber aufzuklären, Bevor Sie das unterschreiben, sollten Sie sich ganz
dass die Impfung zu einer Erkrankung führen sicher sein, dass Sie darauf verzichten wollen.
kann. Begründung: Solche Erkrankungen tre-
ten zwar selten auf, aber sie können das Leben Vielleicht fühlen Sie sich gerade wenn Sie krank
sehr erschweren. sind wohler und sicherer, wenn Sie eine vertraute
Person zum Arzt mitnehmen. Natürlich können Sie
ÎÎKommt für mich auch eine andere, alternative Ihre Begleitung auch mit in das Behandlungszim-
Behandlung in Frage? Ihr Arzt muss Ihnen an- mer und zur anschließenden Besprechung nehmen,
dere Methoden nennen, die wenn Sie das möchten. Das muss der Arzt nur dann
■■ für die Behandlung Ihrer Erkrankung auch nicht dulden, wenn die Person sich ungebührlich be-
geeignet und nimmt, die Behandlung stört oder eine Behandlung
in Ihrem Beisein nicht möglich oder sinnvoll ist. Dies
■■ üblich und anerkannt sind, kann zum Beispiel bei psychischen Erkrankungen
■■ die aber andere Risiken und Erfolgs-Chancen der Fall sein.
als die vorgeschlagene Behandlung haben.
Sie werden auch echte Alternativen genannt.

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Kapitel 5: Worauf muss mich der Arzt hinweisen? Welche Pflichten hat der Arzt?

e) Wer ist einwilligungsfähig und wer nicht? ÎÎIm dringenden Notfall: Wenn Eltern, Betreuer
oder Bevollmächtigte des nicht einwilligungs-
Grundsätzlich können nur Sie selbst entscheiden, fähigen Patienten nicht zu erreichen sind, dann
ob Sie eine Behandlung wollen oder nicht. Nur Sie entscheiden die Ärzte selbst. Auch sie müssen so
selbst können einwilligen. Dafür müssen Sie einwil- entscheiden, wie es der Patient vermutlich selbst
ligungsfähig sein. Die Voraussetzungen dafür sind: will.
•• Sie können verstehen, was Ihr Arzt Ihnen sagt.
Und:
•• Sie können daraufhin für sich persönlich ent- 2. Was muss der Arzt über mich
scheiden.
aufschreiben und aufbewahren?
Für nicht einwilligungsfähige Menschen muss je- habe ich das recht, alles zu lesen,
mand anders entscheiden. Das dürfen aber nur be-
stimmte Personen. Beispiele: was der Arzt über mich notiert
ÎÎMinderjährige Kinder. Sie können grundsätzlich hat?
nicht selbst einwilligen. Für Kinder bis 13 Jahren
entscheiden die Eltern. Bei Jugendlichen gibt es Ihr Arzt muss alles aufschreiben (dokumentieren),
keine starren Regeln. Ein Jugendlicher kann ab was er mit Ihnen macht oder bespricht. Er führt also
14 Jahren einwilligungsfähig sein. Der Arzt muss Unterlagen über Sie, auch im Computer, zum Bei-
beurteilen, ob er weit genug entwickelt ist, um spiel eine Karteikarte oder Patienten-Akte. Das gilt
allein für sich zu entscheiden. Vor einem Eingriff auch für den Krankenhaus-Arzt, Zahnarzt und Psy-
bei einem Jugendlichen verlangen Ärzte meis- chotherapeuten. Sie alle sind im Folgenden mit Arzt
tens, dass auch die Eltern einwilligen. gemeint. Der Arzt muss aufschreiben,
ÎÎPatienten ab 18 Jahren, die die Aufklärung •• wann und mit welchen Beschwerden Sie zu ihm
nicht verstehen, weil sie auf ihre ganz eigene gekommen sind,
Weise denken und fühlen. Gemeint sind Men-
schen, die geistig oder seelisch krank oder „be- •• welche Untersuchungen er gemacht hat und was
hindert“ sind. Für sie entscheidet ein vom Ge- dabei herausgekommen ist,
richt eingesetzter Betreuer oder eine Person, der •• welche Medikamente er Ihnen verordnet hat, in
sie vor ihrer Krankheit hierfür eine Vollmacht welcher Dosierung, für wie lange und wie Sie die
erteilt haben (Bevollmächtigter). Sie dürfen aber Medikamente vertragen haben,
nur so entscheiden, wie es der Patient vermutlich •• welche anderen Behandlungen Sie bekommen
selbst will. haben,
ÎÎPatienten ab 18 Jahren, die nicht mehr selbst •• wie Ihre Erkrankung weiter verlaufen ist,
entscheiden können, zum Beispiel durch ihre
•• falls Sie operiert wurden: wie die Operation und
Erkrankung oder weil sie bewusstlos sind. Auch
die Narkose verlaufen sind (Operationsbericht
für diese Personen entscheidet Ihr Betreuer oder
und Narkoseprotokoll),
Bevollmächtigter.
•• worüber Sie vor einer Operation aufgeklärt wor-
den sind.

AchtunG: Oft glauben die Ehepartner, Zu Ihren Behandlungsunterlagen gehören auch alle
Eltern oder Kinder, dass sie als nächste Ange- Untersuchungs-Befunde, etwa Labor-Befunde, EKG-
hörige über eine Behandlung entscheiden kön- Streifen, Röntgenbilder, Bilder von Ultraschall oder
nen. Das stimmt aber nur, wenn sie dafür eine anderen technischen Verfahren wie MRT oder CT.
Vollmacht ihres Angehörigen haben oder wenn
sie als Betreuer eingesetzt worden sind. Manchmal verläuft eine Erkrankung anders als er-
wartet oder der Arzt stellt die Behandlung um. Sol-
Ausführliche Informationen zur Patienten-Ver- che Dinge muss er besonders genau in Ihrer Akte
fügung, zum Betreuungsrecht und zur Vorsorge- festhalten, auch damit Sie als Patient Ihre Behand-
Vollmacht finden Sie in anderen Broschüren, sie- lung nachverfolgen können. Wer die Akte liest, muss
he Kapitel 10 Abschnitt 1. verstehen können, warum der Arzt Sie so behandelt

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 29
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Kapitel 5: Worauf muss mich der Arzt hinweisen? Welche Pflichten hat der Arzt?

und nicht anders. Das genaue Aufschreiben stellt si- Ihre Erkrankung auswirken, wenn Sie die Auf-
cher, dass ein anderer Arzt Sie jederzeit richtig wei- zeichnungen lesen, vor allem, wenn Sie noch in
ter behandeln kann. Behandlung sind. Will der Arzt Sie deswegen
nicht in die Aufzeichnungen sehen lassen, muss
Außerdem braucht der Arzt die Unterlagen für die er knapp beschreiben, welchen Nachteil er für
Abrechnung seiner Leistungen. Ihre Behandlung sieht, wenn Sie Ihre Akte le-
sen. Grundsätzlich haben Sie aber auch hier das
Der Arzt muss Ihre Behandlungs-Unterlagen für Recht, Ergebnisse von Untersuchungen und Tests
eine bestimmte Dauer aufbewahren. Dabei gelten nachzulesen.
verschieden lange Fristen für die verschiedenen Un-
terlagen. Sie haben das Recht, in der Originalakte zu lesen.
Der Arzt muss Ihnen jedoch das Original nicht mit-
geben. Ausnahme: Er muss Ihnen Röntgenbilder im
Beispiel: eine Krankschreibung (Durch- Original mitgeben, damit Sie zum Beispiel die Mei-
schrift) muss mindestens ein Jahr, Röntgen- nung eines zweiten Arztes hören können.
bilder müssen mindestens 10 Jahre und einige
Unterlagen sogar 30 Jahre aufbewahrt werden.

AchtunG: Das kann auch wichtig sein,


Eine Übersicht finden Sie unter www.kvhb.de → Ärz- wenn Sie meinen, dass Sie falsch behandelt wur-
te und Psychotherapeuten → Aufbewahrungsfristen. den. Da der Arzt Ihre Bilder aufbewahren muss,
ist es üblich, dass er die Bilder wieder zurück-
Gibt Ihr Arzt seine Praxis auf, muss er für die Auf- verlangt. Das ist sein Recht.
bewahrung der Patientenakten sorgen. Sie als Pati-
ent müssen einwilligen, damit ein Nachfolger Ihre
alten Behandlungs-Unterlagen nutzen kann. Gibt es
keinen Nachfolger, muss Ihr „alter“ Arzt die Unter-
lagen aufbewahren, bei sich zuhause oder an einem tIPP: Sie sollten Original-Röntgenbilder
anderen sicheren Ort. auf keinen Fall verlieren. Auch und besonders,
wenn der Arzt sie nicht zurückverlangt. Sollten
Grundsätzlich haben Sie ein Recht darauf, sich jeder- Sie Röntgenbilder weitergeben, lassen Sie sich
zeit Ihre Behandlungs-Unterlagen anzusehen; das dafür unbedingt eine Quittung geben.
Einsichtsrecht gilt für die Arztpraxis und auch im
Krankenhaus. Es gehört zu Ihrem Recht, selbst über
sich zu bestimmen. Und es gehört zu den Pflichten Sie können Kopien Ihrer Unterlagen verlangen,
des Arztes aus dem Behandlungsvertrag und aus egal, wie viele Seiten Sie brauchen. Einige Gerichte
seinem Berufsrecht, Sie in diese Unterlagen sehen haben bestätigt, dass der Arzt dafür 30 bis 50 Cent
zu lassen. Sie müssen nicht sagen, warum Sie die je Kopie verlangen darf. Sie müssen aber nicht die
Unterlagen sehen wollen. Arbeitszeit bezahlen, die die Angestellten des Arztes
für das Kopieren brauchen.
Dieses Recht gilt allerdings nicht vollständig für alle
Unterlagen. Sie dürfen sich ansehen: In Krankenhäusern kann das Kopieren von Unterla-
•• alle Unterlagen, in denen es um Ihre Erkrankun- gen teurer sein. Es gibt Krankenhäuser, die 70 Cent
gen geht, also Untersuchungs-Befunde, Aufzeich- plus 19% Umsatzsteuer je Kopie verlangen. Ob das
nungen über die Behandlungen. Dabei darf der in Ordnung ist, wurde noch nicht von einem Gericht
Arzt bestimmte Einträge abdecken: seine ganz entschieden. Da Krankenhausunterlagen oft sehr
persönlichen Bemerkungen über Sie und alles, umfangreich sind, fragen Sie nach den Kosten, bevor
was über andere Personen in der Akte steht. Sie sich alle Unterlagen kopieren lassen.
•• Unterlagen beim Psychiater oder Psychothera-
peuten nur mit Einschränkungen. Diese Ärzte Manche Ärzte speichern Unterlagen und Bilder im
schreiben oft ihre eigenen persönlichen Eindrü- Computer oder auf CD/DVD. Zu den Kosten für das
cke und Einschätzungen auf, die können sie da- Kopieren solcher Daten gibt es noch keine Gerichts-
her abdecken. Auch kann es sich ungünstig auf urteile.

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Kapitel 5: Worauf muss mich der Arzt hinweisen? Welche Pflichten hat der Arzt?

Sie können auch von Röntgenbildern Kopien, auch


mittels Fotografien, machen lassen. Aber: es ist nicht
immer einfach, jemanden zu finden, der das macht;
AchtunG: Diese Schweigepflicht gilt
grundsätzlich, Sie müssen Ihren Arzt nicht da-
zudem ist es ziemlich teuer, und Sie müssen es selbst
rum bitten. Und sie gilt auch gegenüber Ihren
bezahlen. Außerdem sind die Kopien immer schlech-
nächsten Angehörigen. Auch ihnen darf der
ter als die Originale, so dass sie oft nichts nutzen.
Arzt nichts über Ihren Gesundheitszustand
Kopien von Bildern im Computer sind viel billiger;
oder Ihre Krankheit erzählen. Ausnahme:
außerdem bleibt die Qualität erhalten.
Wenn Sie es ihm erlauben. Näheres dazu unten
in diesem Abschnitt.
Schickt Ihr Arzt Ihnen die Unterlagen zu, müssen Sie
auch die Portokosten bezahlen, z.B. für ein Einschrei-
ben. Weigert sich Ihr Arzt, Ihnen die Unterlagen zu
Die Schweigepflicht gilt auch für einen Arzt, der ein
schicken, müssen Sie sie in der Praxis abholen.
Gutachten über Sie schreibt, den Amtsarzt, den Ver-
trauensarzt, den Betriebsarzt und den Musterungs-
arzt und für alle anderen Personen, die an Ihrer Be-
3. Die Schweigepflicht des Arztes handlung beteiligt sind.

Ihr Arzt darf grundsätzlich keinem anderen Men-


schen erzählen, was er in seiner Eigenschaft als Ihr
Arzt von Ihnen als Patient erfahren hat. Tut er es
AchtunG: Sie alle dürfen grundsätzlich
auch den Behörden, der Polizei, dem Gericht
dennoch, macht er sich strafbar und kann verurteilt
oder dem Staatsanwalt nichts über Sie erzäh-
werden. Er muss davon ausgehen und beachten, dass
len. Selbst anderen Ärzten gegenüber gilt die
weitere Menschen nicht wissen sollen, was Sie ihm
Schweigepflicht, wenn diese nicht an Ihrer Be-
anvertrauen. Dabei ist es egal, worum es geht:
handlung beteiligt sind.
•• Ihre eigene Gesundheit – etwa Ihre Erkrankung
und deren Verlauf, oder ob Sie geistig oder psy-
chisch irgendwie besonders sind – oder Die Schweigepflicht gilt grundsätzlich auch gegen-
•• Ihr Privatleben – etwa Familie, Beruf, Freizeit, über den Eltern von Jugendlichen. Es gibt aber keine
Geld – oder strenge Altersgrenze. Bei einem Jugendlichen ab 14
•• um andere Personen – beispielsweise Ihren Part- Jahren entscheidet der Arzt, für wie reif er ihn hält.
ner, Ihre Kinder, Ihre Kollegen, oder darum, dass Ein 15 Jahre altes Mädchen kann unter Umständen
Ihr Nachbar eine Entziehungskur gemacht hat. allein entscheiden, ob es die Pille nehmen möchte.
Der Arzt darf den Eltern dann nicht sagen, ob und
Es ist auch gleichgültig, ob Ihr Arzt weshalb das Mädchen zu ihm gekommen ist. Bei der
Behandlung von Kindern bis zum Alter von etwa 13
•• etwas gehört hat, was Sie ihm erzählt haben,
Jahren muss der Arzt die Eltern über alles informie-
etwa Ihre Beschwerden,
ren.
•• etwas gesehen hat, was Sie ihm gezeigt haben,
etwa das Versteck Ihrer wertvollen Briefmarken- Die Schweigepflicht gilt nicht gegenüber anderen
Sammlung, oder ob er Personen, die an Ihrer Behandlung beteiligt sind,
•• etwas ganz zufällig mitbekommt – etwa, dass etwa andere Ärzte, Pflegepersonal. Der Arzt darf
Ihre Firma zahlungsunfähig ist. und muss an diese Personen alle Informationen wei-
tergeben, die für die Erkrankung, die sie gemein-
sam behandeln, wichtig sind. Beispiel: Sie sollen am
Blinddarm operiert werden und Sie haben auch eine
leichte Depression, die nicht mit Medikamenten be-
handelt wird. Dann muss und darf Ihr Arzt nur Ihre
Befunde zum Blinddarm weitergeben, nicht die zur
Depression.

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Kapitel 5: Worauf muss mich der Arzt hinweisen? Welche Pflichten hat der Arzt?

Weitere Ausnahmen von der Schweigepflicht: Ihr


AchtunG: Viele Ärzte schreiben die Arzt darf einen Anwalt einschalten, wenn Sie zum
Beispiel trotz Mahnung seine Privatrechnung nicht
ärztlichen Privatrechnungen nicht selbst, son-
bezahlen oder wenn Sie gegen ihn vorgehen, weil
dern geben dies als Auftrag an eine Firma,
Sie ihm einen Behandlungs-Fehler vorwerfen. In
etwa an eine Privatverrechnungs-Stelle. Sie
diesen Fällen darf Ihr Arzt Informationen über Sie
brauchen dafür die ausdrückliche Erlaubnis
weitergeben, um seine Rechte wahren zu können.
der Patienten, denn die Praxis gibt in diesem
Fall Informationen über ihre Krankheiten und
So können Sie Ihren Arzt für einen bestimmten
Behandlungen weiter.
Zweck von der ärztlichen Schweigepflicht entbin-
den:
In bestimmten Fällen darf oder muss Ihr Arzt Infor- ÎÎSie sagen oder schreiben auf, welchen anderen
mationen über Sie an andere Personen weitergeben: Personen Ihr Arzt Auskunft über Sie geben darf:
etwa einem Versicherungs-Unternehmen, weil
ÎÎwenn Sie bestimmte schwere und ansteckende
Sie eine Lebensversicherung abschließen wollen.
Krankheiten haben.
ÎÎSie zeigen das eindeutig durch Ihr Verhalten:
ÎÎwenn Sie durch Ihre Krankheit eine akute Gefahr
Wenn Sie Ihre Frau oder Ihren Mann in das Be-
für andere sind, weil Sie zum Beispiel trotzdem
handlungszimmer des Arztes mitnehmen, bedeu-
weiter Auto fahren, obwohl Sie durch Ihre Krank-
tet das für den Arzt, dass er mit Ihnen beiden
heit oder die Behandlung nicht mehr sicher am
über Ihre Erkrankung sprechen darf. Auch wenn
Steuer sind und sich davon auch nicht abbringen
Sie zu einer Einstellungs-Untersuchung gehen,
lassen. Der Arzt darf dann die Verkehrsbehörde
entbinden Sie damit den Arzt von der Schwei-
informieren.
gepflicht. Er darf dem Arbeitgeber mitteilen, ob
ÎÎwenn Sie durch eine ansteckende oder psychi- Sie für die Arbeit geeignet sind oder nicht, mehr
sche Erkrankung gefährlich für Ihre Familie wer- nicht.
den können: Er muss alles versuchen, damit Sie
selbst Ihre Familie über Ihre Krankheit aufklä- Ihr Arzt darf also nicht alles weitergeben, wenn Sie
ren. Nur wenn er damit keinen Erfolg hat, darf er Ihn von der Schweigepflicht entbunden haben. Er
Ihre Familie informieren. darf nur soviel weitergeben, dass der Zweck erfüllt
ist, zu dem Sie ihn von der Schweigepflicht entbun-
den haben.

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Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen?

Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen?


Zahnärzte sind eine eigene Gruppe: dort müssen Sie
zuzahlung: Als Kassen-Versicherter 10 € Praxisgebühr bezahlen, auch wenn Sie vorher im
müssen Sie manchmal etwas dazu bezahlen, selben Quartal schon bei einem anderen Arzt waren.
etwa wenn Sie zum Arzt gehen, im Kranken- Der Zahnarzt kann Sie an einen anderen Zahnarzt
haus liegen, wenn Sie Medikamente brauchen überweisen, zum Beispiel einen Kiefer-Chirurgen,
oder Krankengymnastik (Physiotherapie) be- dafür müssen Sie nichts extra bezahlen.
kommen. Kinder bis zum Alter von einschließ-
lich 17 Jahren müssen grundsätzlich nichts Werden Sie ambulant als Notfall behandelt, in der
zuzahlen (Ausnahme: Taxifahrten – siehe Ab- Praxis, in der Krankenhaus-Ambulanz oder vom
schnitt 3) ärztlichen Notfalldienst, müssen Sie die Praxisge-
bühr von 10 € bezahlen. Auch wenn Sie im selben
Quartal schon bei einem Arzt waren. Bei einem wei-
teren Notfall im selben Quartal brauchen Sie nichts
zu bezahlen, wenn Sie die Quittung von der letzten
1. Praxisgebühr, Zuzahlungen, Notfallbehandlung vorzeigen.

Selbstbeteiligung Keine Praxisgebühr wird fällig, wenn Sie zu einem


Arzt nur
a) Die Praxisgebühr von 10 € ÎÎzur Krebsfrüherkennungs-Untersuchung,
ÎÎzum Gesundheits-Check ab 35 Jahren (alle zwei
Bei Ihrem ersten Arztbesuch in einem Quartal müs- Jahre),
sen Sie 10 € Praxisgebühr bezahlen, egal ob Sie zum
ÎÎzur Vorsorgeuntersuchung in der Schwanger-
Hausarzt oder zum Facharzt gehen. Dieses Geld be-
schaft oder
kommt die Krankenkasse. Sie können dann im sel-
ben Quartal ohne weitere Praxisgebühr: ÎÎzu einer Schutzimpfung gehen oder wenn Sie
•• weiter zu diesem Arzt gehen, ÎÎzum Zahnarzt nur zur Zahn-Vorsorgeuntersu-
•• mit einer Überweisung zu einem anderen Arzt chung (zwei Mal im Jahr) gehen.
gehen, auch von einem Facharzt zu einem an-
deren Facharzt, aber nicht zum Zahnarzt (siehe Lassen Sie sich allerdings beim selben Termin vom
unten), Arzt oder Zahnarzt noch wegen etwas anderem be-
raten oder behandeln, müssen Sie die Praxisgebühr
•• mit Überweisung zu einer ambulanten Behand-
bezahlen.
lung ins Krankenhaus gehen,
•• mit Überweisung zu einem anderen Arzt gehen, Einige Krankenkassen befreien ihre Versicherten
um eine zweite Meinung zu hören, wenn Ihr Arzt von der Praxisgebühr beim Arzt, wenn sie an einem
das notwendig findet (siehe auch Kapitel 3 Ab- Hausarzt-Modell (siehe Kapitel 1 Abschnitt 2) teil-
schnitt 4). nehmen.

Jedes Mal, wenn Sie ohne Überweisung zu einem


anderen Arzt oder zu einer ambulanten Behandlung b) Selbstbeteiligung, Zuschuss der Kranken-
ins Krankenhaus gehen, müssen Sie noch einmal
10 € Praxisgebühr bezahlen.
kasse
Streng zu unterscheiden von den Zuzahlungen sind
Psychotherapeuten gelten hierbei auch als Ärzte:
die Selbstbeteiligungen etwa beim Zahnersatz, bei
Auch sie kassieren die Praxisgebühr. Sie können
orthopädischen Schuhen, beim Spezial-Büstenhalter
aber keine Überweisungen ausstellen. Die Quit-
für eine brustamputierte Frau oder bei der künstli-
tung des Psychotherapeuten (für die bezahlte Pra-
chen Befruchtung. Hier muss der Patient in jedem
xisgebühr) gilt beim nächsten Arztbesuch im selben
Fall einen Teil der Kosten selbst zahlen. Anders
Quartal soviel wie eine Überweisung. Sie müssen
ausgedrückt: hier zahlt die Krankenkasse einen Zu-
sie also gut aufbewahren und beim nächsten Arzt
schuss.
vorlegen. Dann müssen Sie keine zweite Praxisge-
bühr bezahlen.
Zu den Zuzahlungen und Selbstbeteiligungen beim
Zahnarzt siehe Kapitel 8 Abschnitt 4.

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 33
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Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen?

c) Zuzahlung bei verschreibungspflichtigen Bei Hilfsmitteln gelten die gleichen Regeln für Zu-
zahlungen wie bei den Arzneimitteln. Sie müssen
Medikamenten und Verbandmitteln 10% des Preises bezahlen, mindestens aber 5 € und
höchstens 10 €. Für Hilfsmittel, die Sie verbrauchen
Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten oder und daher immer nachkaufen müssen (zum Beispiel
Verbandmitteln müssen Sie 10% (ein Zehntel) des Vorlagen bei schwerer Blasenschwäche) zahlen Sie
Preises dazuzahlen, mindestens aber 5 € und höchs- 10% der Kosten, jedoch höchstens 10 € im Monat.
tens 10 €. Kostet das Medikament weniger als 5 €,
zahlen Sie den tatsächlichen Preis.
Auch für einige Hilfsmittel gibt es Festbeträge. Kos-
tet Ihr verordnetes Hilfsmittel mehr als der Festbe-
trag, zahlt die Kasse den Festbetrag. Zu diesem Fest-
Ein Medikament kostet zum Beispiel: betrag zahlen Sie die normalen 10 € dazu. Außerdem
ÎÎ4,25 €. Dann zahlen Sie 4,25 €. Diesen Fall müssen Sie den Rest bezahlen.
gibt es kaum, denn fast alle verschreibungs-
pflichtigen Medikamente sind teurer als 5 €.
ÎÎ23 €, also zwischen 5 € und 50 €. Dann zah- Beispiel: Ein Hörgerät kostet 700 €, der
len Sie den Mindestbetrag von 5 €. Festbetrag liegt aber nur bei 400 €. Dann ha-
ÎÎ63 €, also zwischen 50 € und 100 €. Dann ben Sie den Rest von 300 € zu bezahlen und Ihre
zahlen Sie ein Zehntel, also 6,30 €. normale Zuzahlung von 10 €, insgesamt also
310 €. Von Ihrer Krankenkasse oder Ihrem Arzt
ÎÎ178 €, also über 100 €. Dann zahlen Sie den erfahren Sie, wie hoch die Festbeträge sind.
Höchstbetrag von 10 €.

Wenn mehrere Medikamente auf dem Rezept ste-


hen, müssen Sie bei jedem einzelnen Medikament AchtunG: Die Krankenkassen müssen
zuzahlen. die Kosten für ein teureres Hörgerät über-
nehmen, wenn ein zum Festpreis erhältliches
Ausnahmen: Bei diesen Arzneimitteln müssen Sie Gerät nicht ausreicht, die konkret vorliegende
nichts dazu bezahlen: Hörbehinderung auszugleichen. So hat es das
•• Teststreifen für Harn oder Blut zur Überwachung Bundessozialgericht entschieden. Dieses Prin-
einer Krankheit und zip gilt auch für andere Hilfsmittel, für die Fest-
•• Arzneimittel, deren Preis deutlich (30%) unter beträge festgesetzt sind.
dem Festbetrag liegt (siehe Kapitel 2 Abschnitt 3c).

Es gibt nicht nur für Arzneimittel sondern auch für


d) Zuzahlung bei heilmitteln und Hilfsmittel Rabattverträge (siehe Kapitel 2 Abschnitt
hilfsmitteln 3c). Wenn Ihre Krankenkasse einen Rabattvertrag
für ein Hilfsmittel abgeschlossen hat, können Sie das
Bei Heilmitteln (zum Beispiel Krankengymnastik) Hilfsmittel nicht mehr über die Apotheke oder das
zahlen Sie beim Therapeuten für jede Verordnung: Sanitätshaus bekommen. Das Hilfsmittel bekommen
Sie dann von dem Hersteller, den Ihnen Ihre Kran-
•• die Rezeptgebühr von 10 € und kenkasse nennt. Nur wenn Sie gute Gründe haben,
•• 10% der Kosten des Heilmittels. dürfen Sie ein Produkt eines anderen Herstellers
wählen. Ist dieses Produkt teurer als bei dem Her-
steller, mit dem Ihre Krankenkasse einen Rabattver-
Beispiel: Sie bekommen 6 Massagen ver- trag abgeschlossen hat, müssen Sie die Mehrkosten
ordnet, die jeweils 12 €, zusammen also 72 € kos- selbst tragen. Wenn Sie ein anderes Produkt wählen,
ten. Dann zahlen Sie die Rezeptgebühr von 10 € ohne einen guten Grund dafür zu haben, müssen Sie
und 7,20 € (10% von 72 €), insgesamt also 17,20 €. alles selbst zahlen.
Den Rest zahlt die Krankenkasse. Diese Kosten
können sich in jedem neuen Quartal verändern. Krankenkassen haben Rabattverträge etwa für
Vorlagen und Windeln bei Blasenschwäche (Inkon-

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Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen?

tinenz), für Kompressionsstrümpfe und Rollstühle g) Quittungen aufbewahren


abgeschlossen.

Es kann vorkommen, dass z.B. die Windeln oder Vor-


lagen aus einem Rabattvertrag nicht so gut sind, wie tIPP: Bewahren Sie alle Quittungen über
die, die Sie bisher hatten. Vielleicht bekommen Sie Zuzahlungen unbedingt auf. Oder lassen Sie
so viele Windeln oder Vorlagen zugeschickt, dass sich alle Zuzahlungen in einem Heft quittie-
Sie sie zuhause kaum unterbringen können. Es kann ren. Das bekommen Sie kostenlos bei Ihrer
sein, dass Sie auf die Reparatur Ihres Rollstuhles Krankenkasse. Sie können sich nämlich von
warten müssen, weil der Hersteller weit entfernt ist. weiteren Zuzahlungen befreien lassen, wenn
Beschweren Sie sich immer deutlich bei Ihrer Kran- Sie wenig Geld haben oder Arbeitslosengeld 2
kenkasse, wenn die Hilfsmittel aus einem Rabattver- erhalten. Näheres unter Abschnitt 4.
trag nicht gut sind oder andere Probleme auftauchen.

e) Zuzahlung bei häuslicher Krankenpflege


und haushaltshilfe
2. Zuzahlungen im Krankenhaus
und in der rehabilitation
Häusliche Krankenpflege gibt es nur auf Rezept des
Arztes. Sie zahlen pro Verordnung. Dazu kommen Was Sie im Krankenhaus und auch bei einer medi-
beim ambulanten Krankenpflegedienst: zinischen Rehabilitation (Reha) zuzahlen müssen,
•• die Rezeptgebühr von 10 € und sehen Sie in der folgenden Tabelle. Wie viel und
wie lange Sie bei der medizinischen Reha zuzahlen
•• 10% der Kosten der häuslichen Krankenpflege.
müssen, hängt davon ab, wer die Reha-Maßnahme
Allerdings müssen Sie für häusliche Kranken-
bewilligt: Ihre Krankenkasse oder Ihre Rentenver-
pflege längstens für 28 Tage im Jahr zuzahlen.
sicherung.
Für die Haushaltshilfe gelten die gleichen Regeln
Manche Zuzahlungen werden miteinander ver-
für die Zuzahlung wie bei den Arzneimitteln. Sie als
rechnet.
Patient zahlen 10 % des Preises, mindestens aber 5 €
und höchstens 10 € pro Kalendertag.

Beispiel: Gehen Sie nach 11 Tagen im Kran-


f) Zuzahlung bei Soziotherapie kenhaus in eine Anschluss-Reha (Kostenträger:
Ihre Krankenkasse), dann müssen Sie für 11
Auch hier gelten die gleichen Regeln für die Zu- Tage Krankenhaus und 17 Tage Anschluss-Reha
zahlung wie bei Arzneimitteln. Sie zahlen 10 % des zuzahlen, insgesamt für 28 Tage. Bezahlt Ihre
Preises, mindestens 5 € und höchstens 10 € pro Ka- Rentenversicherung die Reha, müssen Sie nach
lendertag. der Entlassung aus dem Krankenhaus nur noch
für 3 weitere Tage zuzahlen, insgesamt also für
14 Tage. Wir können hier nicht alle Fälle be-
schreiben, in denen Zuzahlungen miteinander
verrechnet werden. Sie sollten sich in jedem
Fall bei Ihrer Krankenkasse, Ihrer Rentenver-
sicherung oder einer Patienten-Beratungsstelle
erkundigen.

Bei Mutter-Kind-Kuren und Vater-Kind-Kuren müs-


sen Sie für die gesamte Dauer 10 € pro Tag zuzahlen,
also in der Regel für 3, höchstens für 4 Wochen.

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Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen?

sen Sie in einem Kalenderjahr höchstens zuzahlen.


Zuzahlungen pro Kostenträger Sind Sie chronisch krank, sind es 1% Ihrer Brutto-
Kalenderjahr für Einnahmen. Diese Grenze und die Befreiung gilt
Krankenhaus und gesetzliche Renten- nur für Zuzahlungen zu Leistungen, die die Kran-
Rehabilitation Kranken- Versicherung kenkasse bezahlt. Nicht aber zum Beispiel für die
kasse Kosten einer Brille oder für Ihre Selbstbeteiligung
beim Zahnersatz. Diese Kosten zählen nicht als ge-
Krankenhaus 28 Tage – leistete Zuzahlungen. Die müssen sie in jedem Fall
stationär selbst bezahlen.

Rehabilitation unbegrenzt keine In einem gemeinsamen Haushalt mit mehreren An-


ambulant Zuzahlung gehörigen werden die Brutto-Einnahmen von allen
zusammengezählt. Daraus errechnet sich die Belas-
Rehabilitation unbegrenzt 42 Tage tungsgrenze für den gesamten Haushalt. Das gilt
stationär auch, wenn Sie und Ihre Angehörigen bei verschie-
denen Krankenkassen oder manche Angehörige
„Anschluss-Reha“ 28 Tage keine privat versichert sind. Als Angehörige zählen: der
ambulant Zuzahlung Ehepartner bzw. der eingetragene Lebenspartner,
alle minderjährigen Kinder, auch Enkel- oder Stief-
„Anschluss-Reha“ 28 Tage 14 Tage kinder, sowie Eltern und Geschwister. Bei nichtehe-
stationär lichen Lebensgemeinschaften berechnet jeder ein-
zelne seine Belastungsgrenze, eventuell zusammen
Zuzahlungsbetrag 10 € höchstens mit seinen Angehörigen im selben Haushalt.
pro Tag 10 €

Wie berechne ich meine Belastungsgrenze?


Wenn Sie Ihre Zuzahlung nicht bezahlen, wird das
Krankenhaus sie Ihnen gegenüber durchsetzen, zur Zunächst einmal: Ihre Brutto-Einnahmen sind alle
Not mit Hilfe der Krankenkasse. Wenn das Kranken- Einnahmen, die Sie bekommen, um Ihren Lebens-
haus oder Ihre Krankenkasse zu lange damit warten, unterhalt zu bezahlen, also etwa Arbeitseinkommen,
verjähren die Ansprüche spätestens nach vier Jah- Renten, Einnahmen aus Vermietung, Zinsen, einma-
ren, gerechnet ab Ende des Kalenderjahres in dem lige Einnahmen. Nicht zu den Bruttoeinnahmen ge-
Sie im Krankenhaus waren. hören: Grundrenten und vergleichbare Leistungen,
Kindergeld, Wohngeld und BAföG.

Von den Brutto-Einnahmen werden folgende Freibe-


3. Zuzahlung bei taxifahrten und träge abgezogen, die Zahlen gelten für 2011:
Krankentransporten •• für den Versicherten
selbst: nichts
Auch für Transport-Kosten gilt: Sie zahlen 10% der •• für den ersten
Fahrtkosten selbst, mindestens aber 5 € und höchs- Angehörigen: 4.599 €
tens 10 €. Sie müssen allerdings nicht mehr als die (alte Bundesländer)
tatsächlichen Fahrtkosten bezahlen. Für Kinder und 4.032 €
Jugendliche gilt dasselbe. Wenn Sie mit Bus und (neue Bundesländer)
Bahn fahren können, lohnt sich eine Verordnung •• für jedes Kind
durch den Arzt oft nicht. der steuerliche
Kinderfreibetrag: 7.008 €
•• für jeden weiteren
4. Wann und wie kann ich mich von Angehörigen: 3.066 €
(alte Bundesländer)
Zuzahlungen befreien lassen? 2.688 €
(neue Bundesländer)
Es gibt eine sogenannte Belastungsgrenze für Zu-
zahlungen: 2% Ihrer Brutto-Einnahmen, soviel müs-

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Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen?

sammen angesetzt. Davon 2 % sind 87,36 €, das ist die


Beispiel: Sie leben in einem alten Bundes- Belastungsgrenze für alle zusammen.
land, sind verheiratet und leben mit Ihrer Frau,
ihren zwei minderjährigen Kindern und Ihrer Ist ein Familien-Mitglied chronisch krank – zum
Schwiegermutter in einem Haushalt. Sie haben Beispiel die Schwiegermutter – beträgt die Belas-
ein Arbeitseinkommen von 24.700 € im Jahr. Ihre tungsgrenze nur 1% der Bruttoeinnahmen. In unse-
Frau hat einen Minijob und verdient 3.800 € pro rem Beispiel sind das 174,19 €.
Jahr. Ihre Schwiegermutter erhält eine Rente von
9.800 € im Jahr. Zusätzlich bekommen Sie Zin- Erhalten Sie Arbeitslosengeld 2 oder Grundsiche-
sen von 800 € im Jahr und Kindergeld. rung im Alter/Erwerbsminderung, liegt die Belas-
tungsgrenze für Ihre Familie bei 43,68 €.
Zuerst berechnen Sie die Bruttoeinnahmen für
Ihren Haushalt: Unter den folgenden Voraussetzungen gelten Sie als
Arbeitseinkommen des Ehemanns 24.700 € chronisch krank:
Arbeitseinkommen der Ehefrau 3.800 € •• Sie waren mindestens ein Jahr lang in jedem
Einnahmen durch Zinsen 800 € Quartal wegen der gleichen Krankheit beim
Rente der Schwiegermutter 9.800 € Arzt. Der Arzt bescheinigt Ihnen das.
Bruttoeinnahmen insgesamt 39.100 € •• Zusätzlich muss einer der folgenden Punkte zu-
treffen:
Dann berechnen Sie Ihre Freibeträge:
■■ Sie haben die Pflegestufe 2 oder 3. Oder:
für die Ehefrau 4.599 €
für die beiden Kinder 2 x 7008 € 14.016 € ■■ Sie haben einen Grad der Behinderung (GdB)
für die Schwiegermutter 3.066 € oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit
(MdE) von 60% und Ihre chronische Erkran-
Freibeträge zusammenzählen kung ist zumindest zum Teil die Ursache da-
und abziehen 21.681 € für. Oder:
■■ Ohne ganz regelmäßige medizinische Be-
Bruttoeinnahmen handlung verschlimmert sich Ihre Erkran-
zur Berechnung Ihrer kung so, dass es Ihnen auf Dauer immer
Belastungsgrenze: 17.419 € schlechter geht oder Sie dadurch früher ster-
ben. Dies bescheinigt Ihnen auch Ihr Arzt.
Davon 2% sind die Belastungsgrenze
für die ganze Familie: 348,38 € Wenn Sie allerdings bei der Behandlung nicht mit-
machen und das dem Arzt auch deutlich sagen, gibt
Im Jahr 2011 müssen diese fünf Personen also er Ihnen diese Bescheinigung nicht.
zunächst Praxisgebühr und Zuzahlungen bis
insgesamt 348,38 € bezahlen. Erst danach kön- Bei bestimmten chronischen Erkrankungen wird die
nen sie sich von der Krankenkasse für den Rest Belastungsgrenze nur dann auf 1% gesenkt, wenn
des Jahres von weiteren Zuzahlungen befreien Sie vorher an der Früherkennung teilgenommen ha-
lassen. Dafür stellen sie einen Antrag bei ihrer ben. Hierbei zählt eine Beratung über die Früher-
Krankenkasse. kennung bereits als Teilnahme, egal ob Sie sich dann
auch untersuchen ließen.

Diese Regelung gilt zur Zeit (2011) für:


Als Empfänger von Arbeitslosengeld 2, Sozialhilfe,
•• Gebärmutterhalskrebs (Pap-Abstrich für Frauen
Leistungen zur Grundsicherung im Alter/Erwerbs-
ab 20 Jahren),
minderung berechnen Sie Ihre Belastungsgrenze
anders. Hier zählt nur die Regelleistung als Brutto- •• Brustkrebs (Röntgenuntersuchung der Brust für
einnahme. Seit dem 1. Januar 2011 sind das 364 € im Frauen von 50 bis 69 Jahren) und
Monat, also 4.368 € im Jahr. Von diesem Betrag wird •• Darmkrebs (Stuhltest bzw. Darmspiegelung für
kein Freibetrag abgezogen. Wenn Sie selbst oder ein Frauen und Männer ab 50 Jahren).
Familien-Mitglied in Ihrem Haushalt diese Sozial-
leistungen bekommt, dann werden lediglich 4.368 € Sie betrifft Frauen, die nach dem 01.04.1987 und
als Bruttoeinnahmen für alle Familien-Mitglieder zu- Männer, die nach dem 01.04.1962 geboren sind. Alle

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Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen?

Beratungen und Untersuchungen zur Früherken- auch IGeL-Leistungen genannt). Das sind Leistun-
nung muss der Arzt in Ihrer Akte notieren. Zusätz- gen, die medizinisch nicht notwendig sind. Sie wer-
lich können Sie sich dafür einen Präventionspass den deshalb von den Krankenkassen nicht bezahlt.
ausstellen lassen, damit Sie einen Nachweis haben. Die Kassen dürfen und sollen nur Leistungen bezah-
len, die zur Versorgung der Patienten ausreichend,
Wenn Sie freiwillig bei einem Behandlungspro- zweckmäßig, wirtschaftlich und notwendig sind.
gramm (DMP) mitmachen – etwa zum Brustkrebs
–, wird Ihre Belastungsgrenze in jedem Fall auf 1% Kritiker halten IGeL für überflüssig. Viele dieser
gesenkt. Auch dann, wenn Sie vor der Erkrankung Leistungen haben keinen gesicherten oder einen
keine Beratung zur Früherkennung hatten. fraglichen Nutzen. Trotzdem werden IGeL von vielen
Patienten gekauft. Denn sie nützen ihnen privat oder
Wenn Sie in einem Pflegeheim leben und ergän- geben ihnen zum Beispiel ein Gefühl von Sicherheit.
zende Sozialhilfe bekommen, bezahlt das Sozialamt Beispiele von IGeL: Impfungen vor einer Fernreise;
(oder Ihr Sozialhilfeträger) für Sie alle Zuzahlungen die Feststellung, ob jemand als Berufskraftfahrer
direkt an Ihre Krankenkasse. Sie zahlen das Geld in oder für Sport-Tauchen geeignet ist; zusätzliche Ult-
kleinen Monats-Raten zurück. Ihre Krankenkasse raschall-Untersuchungen während der Schwanger-
bescheinigt Ihnen dann schon im Januar schriftlich, schaft. Im Internet finden Sie viele IGeL-Listen mit
dass Sie von weiteren Zuzahlungen befreit sind. Preisangaben.

Wenn Sie sich für IGeL entscheiden, muss der Arzt


AchtunG: Sie müssen selbst darauf ach- oder Zahnarzt vorher mit Ihnen einen schriftlichen
Vertrag schließen, in dem die Leistungen und Preise
ten, dass Sie nicht zu viel zuzahlen. Ihre Kran-
stehen. Oft ist es ein Vordruck, den Sie nur zu un-
kenkasse kennt Ihre Belastungsgrenze nicht,
terschreiben brauchen. Sie bekommen ein Exemplar
denn sie weiß nicht, wie hoch Ihre Einnahmen
von diesem Vertrag. Nach der Behandlung muss der
sind. Stellen Sie daher einen Antrag an Ihre
Arzt bzw. Zahnarzt Ihnen eine Rechnung ausstellen
Krankenkasse, wenn Sie mit Ihren Zuzahlun-
wie bei einem Privatpatienten. Er richtet sich dabei
gen an Ihre Belastungsgrenze kommen. Den
nach der GOÄ oder GOZ (Gebührenordnung für
Vordruck dafür gibt es bei Ihrer Krankenkasse.
Ärzte oder Zahnärzte). Sie müssen diese Rechnung
Dort geben Sie den Antrag zusammen mit den
selbst bezahlen und bekommen die Kosten nicht von
Quittungen über Ihre Zuzahlungen auch wie-
Ihrer Krankenkasse zurück.
der ab. Was Sie schon zu viel zugezahlt haben,
bekommen Sie von Ihrer Krankenkasse zurück.

AchtunG: Bestehen Sie auf so einem


Wenn die Krankenkasse Ihren Antrag anerkennt, schriftlichen Vertrag, bevor der Arzt oder
gibt sie Ihnen eine Bescheinigung über Ihre Be- Zahnarzt Sie behandelt. Lesen Sie den Vertrag
freiung von den Zuzahlungen. Meistens ist das eine genau durch, damit Sie wissen, auf was Sie sich
kleine Karte, die Sie bei allen weiteren Besuchen einlassen. Überlegen Sie in Ruhe und lassen Sie
beim Arzt, in der Apotheke, beim Physiotherapeu- sich nicht zu IGeL drängen. In manchen Praxen
ten usw. vorzeigen. Die Bescheinigung ist bis zum heißt es: „Das machen wir bei jedem Patienten
Ende des Kalender-Jahres gültig, solange müssen Sie so“. Das ist kein Argument. Der Arzt oder der
dann nichts mehr zuzahlen. Im neuen Jahr fangen Zahnarzt muss Sie auch behandeln, wenn Sie
Sie wieder von vorn an. Bei einigen Krankenkassen keine IGeL haben möchten.
gibt es für chronisch Kranke ein einfacheres Verfah-
ren. Fragen Sie dazu Ihre Krankenkasse.
IGeL sind Ihre Privatsache. Bei einem Konflikt mit
Ihrem Arzt oder Zahnarzt wegen IGeL wenden Sie
sich an die zuständige Landes-Ärztekammer oder
5. Individuelle Gesundheits- Landes-Zahnärztekammer, an eine Patienten-Bera-
leistungen (IGeL) tungsstelle oder an Ihre Krankenkasse.

Viele niedergelassene Ärzte und Zahnärzte bieten


Kassenpatienten sogenannte IGeL an (oft ungenau

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Kapitel 6: Wann muss ich etwas zuzahlen?

6. Was ist, wenn ich nicht zum ver- 7. Welche Leistungen hat der Arzt
einbarten Arzttermin komme? oder das Krankenhaus für meine
Ein vereinbarter Behandlungstermin ist eine Verab- Behandlung abgerechnet? Was
redung. Die sollten Sie einhalten und rechtzeitig in
der Praxis erscheinen. Wenn Sie nicht zu dem Ter-
hat die Krankenkasse für mich
min kommen können, dann sagen Sie ihn ab, so- bezahlt?
bald Sie das wissen. Vor allem dann, wenn etwas
für Sie vorbereitet werden muss oder mehr Zeit für Möchten Sie wissen, welche Leistungen der Arzt, der
Sie eingeplant wurde: etwa für eine Operation (auch Zahnarzt oder das Krankenhaus für Ihre Behand-
beim Zahnarzt), eine aufwändige Untersuchung oder lung abgerechnet hat? Dann lassen Sie sich eine
ein wichtiges Gespräch. Es ist egal, warum Sie nicht Patienten-Quittung geben. Darin stehen die Leis-
zum Termin kommen können. Wenn Sie den Termin tungen und auch, wie viel dafür abgerechnet wurde.
mindestens 48 Stunden vorher absagen, kann der Sie können vom Arzt eine Tagesquittung bekommen,
Arzt in der Regel kein Geld (ein sogenanntes Ausfall- gleich nach der Behandlung. Ist dies technisch nicht
Honorar) von Ihnen verlangen. möglich, muss der Arzt Ihnen bis spätestens vier
Wochen nach dem Ende des Quartals eine Quittung
Wenn Sie zu einem Psychotherapeuten gehen, emp- über alle Leistungen in diesem Quartal ausstellen.
fehlen wir Ihnen: Vereinbaren Sie schriftlich, in wel- Diese Quartalsquittung kostet 1 €. Wenn Sie sich die
chem Fall der Psychotherapeut Geld von Ihnen ver- Quittung zuschicken lassen, kommen Portokosten
langen kann, wenn Sie einen Termin nicht einhalten. dazu.
In einigen Bundesländern haben Psychotherapeuten
hierzu gemeinsam Empfehlungen erarbeitet. Sie be- Eine Quittung über Ihre Behandlung im Kranken-
kommen diese bei der Psychotherapeutenkammer. haus steht Ihnen innerhalb von vier Wochen nach
Ihrer Entlassung zu, wenn Sie sie verlangen.

AchtunG: Wenn Sie einen vereinbarten Eine Patientenquittung kann zum Beispiel sinnvoll
sein, wenn Sie IGeL bekommen und bezahlt haben.
Termin nicht rechtzeitig absagen und nicht ein-
Sie sehen dann, ob die Praxis ähnliche Leistungen
halten, bekommen Sie vielleicht eine Rechnung
auch gegenüber Ihrer Krankenkasse abgerechnet
vom Arzt. Die Juristen streiten darüber, ob der
hat.
Arzt von Ihnen Geld als Schadenersatz verlan-
gen kann.
Wenn Sie wissen möchten, wie viel die Kranken-
kasse in einem Jahr insgesamt für Sie bezahlt hat,
stellen Sie einen Antrag bei Ihrer Krankenkasse. Sie
muss Ihnen alle Leistungen und die Kosten mittei-
BerAtunG: Es kommt sehr auf den len. Für diese Patientenquittung müssen Sie nichts
Einzelfall an, ob ein Arzt ein Ausfall-Honorar bezahlen.
verlangen darf. Falls Sie davon betroffen sind,
informieren Sie sich erst einmal in einer Pati-
enten-Beratungsstelle oder bei einem Rechts-
anwalt.

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Kapitel 7: Was kann ich tun, wenn der Arzt einen Fehler gemacht hat?

Kapitel 7: Was kann ich tun, wenn der Arzt einen


Fehler gemacht hat?
Vermutlich haben auch Sie als Patient schon einmal nisse. Ein Arzt muss aber nicht für jeden Irrtum bei
erlebt, dass ein Arzt (oder Zahnarzt oder Psychothe- der Diagnose haften. Denn: Dieselbe Krankheit kann
rapeut) Sie nicht gut behandelt hat. Wenn Sie einen sich bei verschiedenen Menschen ganz unterschied-
Arzt oder ein Krankenhaus zur Verantwortung ziehen lich äußern. Und: Dieselben Beschwerden können
wollen – die Juristen sagen: in die Haftung nehmen von ganz unterschiedlichen Krankheiten kommen.
wollen – müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
•• Der Arzt oder das Krankenhauses hat einen Feh- Verschiedene Diagnosefehler sind möglich:
ler gemacht. Und: •• wirklich krasse Fehldiagnosen.
•• Dieser Fehler hat bei Ihnen zu einem Schaden •• ein auffälliger Befund wird übersehen oder er
geführt. wird nicht kontrolliert.
•• die erste Diagnose wird nicht weiter überprüft,
Das ist nicht immer einfach festzustellen. Der Arzt eine wichtige Untersuchung unterbleibt also. Bei-
oder das Krankenhaus kann Ihnen nicht garantieren, spiel: Bei einer scheinbar harmlosen Schwellung,
dass Sie wieder gesund werden. Der Arzt muss Sie die schnell wächst, wird keine Gewebeprobe un-
aber so gut behandeln, wie es zu diesem Zeitpunkt tersucht. Dies ist ein grober Diagnosefehler, denn
dem medizinischen Standard entspricht. hier wurde eine notwendige Untersuchung nicht
gemacht.

1. Wann hat sich ein Arzt falsch ver- ÎÎtherapiefehler


halten? Das sind Fehler bei der Indikation, also bei der Ent-
scheidung für eine bestimmte Therapie, und Fehler
Rechtlich gibt es bei Ärzten drei Arten von Fehlern: bei der eigentlichen Behandlung.
sogenannte Behandlungs-Fehler, Aufklärungs-Feh-
ler und Organisations-Fehler. Mögliche Therapiefehler:
•• Der Arzt führt eine Therapie durch, ohne dass
bei Ihnen ein Grund dafür vorliegt (etwa eine
a) Behandlungs-Fehler überflüssige Operation).
Behandlungs-Fehler heißt: Sie sind nicht so behan- •• Der Arzt beginnt zwar die richtige („indizierte“ =
delt worden, wie es heute üblich ist. Mit „heute üb- angezeigte) Behandlung, macht dabei aber Feh-
lich“ ist der sogenannte „medizinische Standard“ ler. Oder er führt sie gar nicht durch.
gemeint. Der Standard ist die Behandlung, auf die •• Sie werden nach einer für Sie falschen Metho-
sich die Fachleute geeinigt haben, weil sie sich be- de behandelt. Manchmal gibt es allerdings ver-
währt hat. In der Medizin gibt es dafür Leitlinien und schiedene gleichwertige Behandlungsmethoden.
Richtlinien, das sind Empfehlungen und Vorschrif- Die muss der Arzt nach ihrem Nutzen und ihren
ten. Darin steht zum Beispiel, wie eine bestimmte Risiken bewerten und vergleichen.
Operation normalerweise gemacht werden muss.
Durch den wissenschaftlichen Fortschritt ändert Eine ältere Behandlungsmethode sollte nicht vorei-
sich unser Wissen laufend. Ihr Arzt muss daher bei lig durch eine neuere Behandlungsmethode ersetzt
der Behandlung darauf achten, dass sie dem aktuell werden. Die neuere Behandlungsmethode muss sich
gesicherten medizinischen Wissen entspricht. erst in Studien ausreichend bewährt haben.

Zu einer Behandlung gehören: die Diagnose, die In-


dikation (der Grund für eine bestimmte Therapie),
ÎÎnachsorgefehler
die Therapie und die Nachsorge. Bei jedem dieser
Schritte können Fehler gemacht werden: Die Nachsorge soll den Erfolg einer Behandlung ab-
sichern. Fehlerbeispiele: Der Arzt fordert Sie nicht
deutlich genug auf, noch zu einem Spezialisten zu
ÎÎDiagnosefehler gehen. Unter Umständen haftet der Arzt auch, wenn
er vergisst, Ihnen zu sagen, wie Sie ihre Medikamen-
Das sind Fehler bei der Befragung und Untersuchung te einnehmen sollen oder was Sie noch nicht essen
des Patienten und bei der Auswertung der Ergeb- oder tun dürfen.

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Kapitel 7: Was kann ich tun, wenn der Arzt einen Fehler gemacht hat?

b) Aufklärungs-Fehler überzeugen. Dafür müssen Sie Folgendes nachwei-


sen:
Bei Aufklärungs-Fehlern ist es manchmal schwerer •• Der Arzt hat einen Fehler gemacht, weil er Sie
zu verstehen, warum der Arzt dafür haften muss. nicht so behandelt hat, wie es heute üblich und
anerkannt ist. Es geht hier zunächst nur um die
Diese Art von Aufklärungs-Fehler kommt häufig vor: Behandlung selbst, nicht um ihre Folgen. Denn
dass die Behandlung für Sie kein Erfolg war,
•• Der Arzt hat Sie nicht darüber aufgeklärt, was
heißt nicht automatisch, dass der Arzt einen Feh-
alles bei der Behandlung passieren kann. Sie
ler gemacht hat. Probleme können auch nach ei-
werden zwar korrekt behandelt, aber es tritt ein
ner fehlerfreien Behandlung auftreten – das ist
Problem auf, das gerade bei dieser Behandlung
dann ein schicksalhafter Verlauf.
gelegentlich vorkommt. Ohne Aufklärung wuss-
ten Sie aber nichts darüber. Hätte der Arzt Sie •• Ihnen ist durch diesen Fehler ein Schaden ent-
vorher ausführlich darüber informiert, dann hät- standen, etwa eine bleibende Gesundheits-
ten Sie vielleicht nicht in die Behandlung einge- Störung, unnötige Schmerzen oder Sie können
willigt. (siehe Kapitel 5 Abschnitt 1) nicht mehr voll oder nur noch teilweise arbeiten.
Häufig wird Schmerzensgeld gefordert. Wer auf-
grund einer Erkrankung gar nicht mehr arbeiten
c) Organisations-Fehler kann, fordert eine Rente oder Verdienstausfall.
•• Die fehlerhafte Behandlung ist die Ursache
Ein Krankenhaus muss so organisiert sein, dass für den Schaden. Dies nachzuweisen ist oft am
bei den täglichen Arbeiten möglichst keine Fehler schwierigsten. Denn auch Krankheiten selbst
passieren. Verantwortlich sind: der Krankenhausträ- können zu Schäden führen, unabhängig von der
ger, die ärztliche Leitung, die Pflegedienst-Leitung, Behandlung.
Chefärzte und weitere leitende Mitarbeiter. Beispie-
le: Chefärzte müssen ihre Mitarbeiter gründlich Bei einem Aufklärungs-Fehler muss der Arzt deut-
einarbeiten und für ihre Weiterbildung sorgen. Der lich machen, dass er Sie rechtzeitig vor der Behand-
Krankenhausträger muss dafür sorgen, dass alle Mit- lung und über alles Wesentliche aufgeklärt hat. Sie
arbeiter die Regeln für Sauberkeit und Hygiene ein- müssen dann erklären und begründen, dass Sie nicht
halten. Wenn ein Patient wegen schlechter Hygiene genug aufgeklärt worden sind. Nach einer ausrei-
krank wird, so wird der Krankenhausträger befragt. chenden Aufklärung hätten Sie zwischen verschie-
Er muss belegen, dass er alles dafür getan hat, da- denen Möglichkeiten entscheiden müssen:
mit alle Mitarbeiter die Hygiene-Regeln kennen und
•• Sich wie vorgeschlagen behandeln zu lassen,
befolgen. Ist dem Krankenhausträger ein Fehler in
oder
der Organisation nachzuweisen, haftet er. Daneben
können leitende Mitarbeiter des Krankenhauses zur •• ganz auf die Behandlung zu verzichten, oder
Verantwortung gezogen werden. •• sich anders behandeln zu lassen, als es gesche-
hen ist, oder
Das gleiche gilt grundsätzlich auch für eine Arzt- •• sich von einem anderen Arzt oder in einem ande-
praxis mit ihren Angestellten. ren Krankenhaus behandeln zu lassen.

Diese Wahlmöglichkeit hatten Sie wegen der unge-


2. Was muss ich beweisen, wenn nügenden Aufklärung nicht.

es um einen Behandlungs-Fehler
oder einen Aufklärungs-Fehler 3. Wie kann ich einen ärztlichen
geht? Fehler nachweisen?
Angenommen, Sie sind sicher, dass der Arzt oder das Zunächst einmal: Sie brauchen kein Gutachten mit-
Krankenhaus einen Behandlungs-Fehler gemacht zubringen, wenn der Prozess beginnt. Viele Patien-
haben. Damit Sie mit Ihrer Forderung nach Scha- ten glauben, dass ein Privat-Gutachten für sie von
denersatz Recht bekommen, müssen Sie das Gericht Vorteil ist. Das stimmt aber so nicht, denn:

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Kapitel 7: Was kann ich tun, wenn der Arzt einen Fehler gemacht hat?

•• Ein Privat-Gutachten ist teuer und Sie müssen es Am häufigsten geht es um diese Schäden:
selbst bezahlen. •• Bleibende körperliche Beschwerden oder Ein-
•• Für das Gericht gilt ein Privat-Gutachten als schränkungen, Schmerzen. Die Betroffenen for-
„parteilich“, weil Sie es in Auftrag gegeben ha- dern dann meistens Schmerzensgeld oder einen
ben. Ausgleich dafür, dass sie durch den Schaden we-
niger Geld verdienen.
Von einem Privat-Gutachten raten wir daher ab.
•• Zusätzliche Behandlungskosten, die erst durch
den Schaden entstanden sind. Diese Kosten wer-
Allenfalls können Sie sich vor dem Prozess an die
den zum großen Teil von der Krankenkasse be-
Gutachter-Kommission und die Schlichtungsstelle
zahlt. Wenn Sie den Prozess um Schadenersatz
der Ärztekammer wenden. Es kann sinnvoll sein,
gewinnen, kann die Krankenkasse diese Kosten
dass dort ein Gutachten erstellt wird. (Näheres Ab-
eventuell vom Arzt oder seiner Haftpflichtversi-
schnitt 5c)
cherung zurückfordern.
Ansonsten können Sie während des Prozesses einen •• Unterhaltsschäden. Stirbt der Patient, kann es
Antrag an das Gericht stellen, dass es einen Sach- neben dem Schmerzensgeld auch um Unterhalts-
verständigen mit einem Gutachten beauftragt. Das zahlungen für die Angehörigen über viele Jahre
Gericht wird Ihrem Antrag folgen, wenn es ein sol- gehen.
ches Gutachten für notwendig hält. Darin soll der
ärztliche Fehler und der Schaden (an Ihrer Gesund-
heit, Arbeitsfähigkeit, Lebensqualität) nachgewie-
sen werden, der durch den Fehler verursacht wur-
5. Wie kann ich vorgehen, wenn
de. Lässt sich das Gericht von diesem unabhängigen ich einen Fehler beim Arzt oder
Gutachten nicht überzeugen, werden Sie oftmals den
Prozess verlieren. beim Krankenhaus vermute?
In bestimmten Fällen ist es für Sie als Patient etwas Machen Sie sich zu Anfang klar, worum es Ihnen vor
leichter. Dann müssen nicht Sie einen Fehler des Arz- allem geht. Vielleicht fühlen Sie sich alleingelassen
tes nachweisen, sondern der Arzt muss nachweisen, mit den Auswirkungen einer Behandlung, oder Sie
dass sein Verhalten Ihnen nicht geschadet hat. Bei- erleben Schweigen und Abweisung als Antwort auf
spiele: Ihre Fragen und Vorwürfe. Sie erfahren so nicht, was
•• Der Arzt hat einen groben Behandlungsfehler genau bei Ihrer Behandlung passiert ist, und fühlen
gemacht, also einen Fehler, der überhaupt nicht sich nicht ernst genommen. Durch solche Erfahrun-
passieren darf. Dann muss er nachweisen, dass gen entsteht leicht der Wunsch nach „Gerechtigkeit“.
sein Fehler nicht den Schaden verursacht hat. Vielleicht würde es Ihnen schon reichen, wenn die
Oder: Ärzte sich Ihre Zweifel in Ruhe anhören und Ihnen
bestätigen, dass bei Ihnen nicht alles normal verlau-
•• In Ihrer Akte steht nichts über bestimmte not-
fen ist. Oder Sie möchten vom Arzt einfach hören,
wendige Untersuchungen und Behandlungen.
dass es ihm leid tut.
Das Gericht vermutet daher, dass diese auch
nicht durchgeführt wurden. Der Arzt muss dann
nachweisen, dass diese notwendigen Maßnah- Wenn Sie sich doch entscheiden, rechtlich gegen
men doch ausgeführt wurden. den Arzt oder das Krankenhaus vorzugehen, kann
ein langes Gerichtsverfahren auf Sie zukommen.
Die Kosten lassen sich oft kaum voraussagen und es
kann schwierig werden, das Gericht zu überzeugen.
4. Bei welchen Schäden kann ich
auf Schadenersatz klagen?
BerAtunG: Daher sollten Sie vor einem
Nochmal zur Wiederholung: Um eine Forderung Gerichtsverfahren andere Möglichkeiten prü-
nach Schadenersatz durchzusetzen, reicht es nicht fen, um sich zu einigen, siehe unter a) bis c).
aus, dass Sie falsch behandelt wurden. Sie müssen Lassen Sie sich dazu von einem Anwalt beraten
dazu nachweisen, dass Ihnen durch diesen Behand- – siehe Abschnitt 6.
lungs-Fehler ein Schaden entstanden ist.

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 42
43
Kapitel 7: Was kann ich tun, wenn der Arzt einen Fehler gemacht hat?

a) Gütliche einigung Auch hierbei kann die Krankenkasse Sie unterstützen:


•• bei der Beschaffung der vollständigen Behand-
Mit gütlicher Einigung ist gemeint, dass Sie direkt lungs-Unterlagen,
mit dem Arzt oder dem Krankenhaus und deren Haft- •• beim Übernehmen von Kopierkosten,
pflichtversicherung sprechen, um sich zu einigen. •• beim Schreiben von Anträgen für Gutachter- und
Schlichtungsstellen bei der Landes-Ärztekammer,
Niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser schlie- •• bei der Suche nach einem spezialisierten Anwalt,
ßen eine Berufs-Haftpflichtversicherung ab. So muss
bei einem Schadensfall nicht der Arzt persönlich •• bei Schäden durch Arzneimittel oder durch me-
oder das Krankenhaus bezahlen, sondern ihre Haft- dizinische Produkte, hierzu verhalten sich die
pflicht-Versicherung. Krankenkassen unterschiedlich.

Für Sie als Patient bedeutet eine gütliche Einigung c) Schlichtungsstellen oder Gutachter-
wohl den geringsten Aufwand und die geringsten
Kosten. Allerdings werden Sie damit nur in einem Kommissionen der Ärztekammern
sehr eindeutigen Fall Erfolg haben, denn die Haft-
Für eine Einigung ohne Gerichtsverfahren sind die
pflicht-Versicherungen werden nur in eindeutigen
Schlichtungsstellen am wichtigsten. Diese Stellen
Fällen gleich zahlen. Außerdem befürchten vie-
werden von den Ärztekammern eingerichtet, sie
le Ärzte noch, dass ihre Haftpflicht-Versicherung
haben aber eine eigene Leitung. Die Schlichtungs-
nicht zahlt, wenn sie dem Patienten gegenüber ei-
stellen arbeiten in den Bundesländern unterschied-
nen Fehler zugeben. Viele wissen nicht, dass diese
lich. In einigen Bundesländern heißen sie Gutachter-
Bestimmung in Versicherungsverträgen nicht mehr
Kommissionen.
gültig ist. Sie haben weiterhin Angst, dass sie per-
sönlich zur Verantwortung gezogen werden, wenn
sie ehrlich zu ihrem Fehler stehen. Dabei können sie
sich heute durchaus entschuldigen und den Patien- AchtunG: Ein Schlichtungs-Verfahren
ten anhören, ohne sich damit zu schaden. Es ist sehr kann nur vor einem Gerichtsverfahren durchge-
zu hoffen, dass Ärzte ihr praktisches Verhalten bei führt werden. Sobald Sie oder die Gegenpartei
Schadensfällen allmählich ändern. vor Gericht gehen oder wenn eine Strafverfol-
gung beginnt, wird das Schlichtungs-Verfahren
beendet. Sie können auch nicht zuerst klagen
b) unterstützung durch die Krankenkassen und sich dann an die Schlichtungsstelle wenden.

Als Kassen-Patient können Sie auch bei Ihrer Kran-


Am Beispiel der norddeutschen Schlichtungsstelle
kenkasse einen Antrag auf Unterstützung bei Ihrer
zeigen wir Ihnen, wie ein Schlichtungs-Verfahren
Forderung nach Schadenersatz stellen. Wenn Ihr
abläuft. (siehe auch www.norddeutsche-schlich-
Verdacht auf einen Schaden durch einen ärztlichen
tungsstelle.de)
Fehler gut begründet ist, beauftragt Ihre Kranken-
kasse den medizinischen Dienst der Krankenkassen ÎÎSowohl der Patient als auch der betroffene Arzt
(MDK), ein wissenschaftliches Fachgutachten zu Ih- oder Krankenhausträger (und deren Haftpflicht-
rem Fall zu erstellen. Das Gute daran: Ein solches Versicherung) können ein Schlichtungs-Verfah-
Gutachten ist für Sie kostenlos und Sie bekommen ren schriftlich beantragen. Daran teilzunehmen
es oft schneller als ein teures Privat-Gutachten. Ein ist für alle Beteiligten freiwillig. Der Arzt kann
Nachteil daran: Für die Gerichte wirken auch die also ein Schlichtungs-Verfahren ablehnen.
MDK-Gutachter nicht „unabhängig“. Sie arbeiten ÎÎDie Schlichtungsstelle versucht als Erstes zu klä-
im Auftrag der Krankenkassen und scheinen daher ren, was in Ihrem Fall geschehen ist (den Sach-
eher die Interessen des Kassen-Versicherten zu ver- verhalt). Dazu fordert sie Krankenunterlagen,
treten. Ein MDK-Gutachten, das in Ihrem Fall einen Befundberichte, Gutachten und weitere Unterla-
Behandlungsfehler bestätigt, bedeutet daher vor gen von den Ärzten, den Krankenhäusern, den
Gericht nicht unbedingt so viel. Aber es hilft Ihnen Krankenkassen usw. an. Mithilfe dieser Unterla-
auf jeden Fall abzuschätzen, wie Ihre Aussichten bei gen schreibt sie eine Liste von Fragen. Sie als Pa-
einem Prozess gegen den Arzt oder das Krankenhaus tient und auch der Arzt/das Krankenhaus können
sind. noch Fragen hinzufügen. Alle Unterlagen und

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Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 43
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Kapitel 7: Was kann ich tun, wenn der Arzt einen Fehler gemacht hat?

die Fragen werden einem unabhängigen sach- muss ein Anwalt Sie vor dem Landgericht vertreten.
verständigen Facharzt vorgelegt. Sein Gutachten Bei der Arzthaftung ist diese Summe schnell erreicht.
zu Ihrem Fall wird von der Schlichtungsstelle an
die Beteiligten weitergeleitet.
Wie finde ich einen passenden Anwalt?
ÎÎEin Arzt und ein Jurist der Schlichtungsstelle
prüfen dieses ärztliche Gutachten medizinisch Achten Sie auf die Zusatz-Bezeichnung „Fachanwalt
und juristisch. Die Beteiligten können jetzt noch für Medizinrecht“. Sie bedeutet, dass dieser Rechts-
ihre Meinung zu dem Gutachten sagen und Fra- anwalt schon viel Erfahrung im Medizinrecht und
gen dazu stellen. im Arzthaftungs-Recht gesammelt hat. Er hat sich
ÎÎDann äußert sich die Schlichtungsstelle endgültig ausführlich fortgebildet und schon viele Patienten
dazu, ob der Arzt/das Krankenhaus in Ihrem Fall oder Ärzte in Haftungs-Fällen vertreten.
haften oder nicht. Bestätigt die Schlichtungsstelle,
dass Sie falsch behandelt wurden und dass Ihnen Dagegen sagt die Angabe „Arzthaftungsrecht“ nicht
grundsätzlich ein Schadenersatz zusteht, dann viel aus. An dieser Bezeichnung können Sie nicht
verhandeln Sie als Patient mit der Haftpflicht- erkennen, wie gut der Anwalt in diesem Bereich Be-
Versicherung. Dabei geht es darum, wie viel Scha- scheid weiß.
denersatz oder Schmerzensgeld angemessen ist.
Einige Schlichtungsstellen machen selbst einen Kann ich mir ein Verfahren leisten?
Vorschlag zur Höhe des Schadenersatzes.
ÎÎGanz wichtig: Der Vorschlag der Schlichtungs- Sie können beim Gericht Prozesskosten-Hilfe bean-
stelle ist nicht rechtlich bindend. Der Patient tragen, wenn Ihr Einkommen unter einer bestimm-
oder die Haftpflicht-Versicherung müssen sich ten Grenze liegt und wenn Sie nicht viel Vermögen
also nicht daran halten, was die Schlichtungs- haben. Wird Ihr Antrag angenommen, dann bezahlt
stelle vorschlägt. der Staat ganz oder teilweise:
ÎÎNicht immer kann sich der Patient mit der Haft- •• die Gerichtskosten,
pflicht-Versicherung einigen. Dann kann der Pa- •• die Kosten für Gutachten, die das Gericht in Auf-
tient vor dem Zivilgericht klagen mit dem Ziel, trag gegeben hat und
doch noch Schadenersatz zu bekommen.
•• Ihre Anwaltskosten.
Während des Schlichtungs-Verfahrens läuft die Ver-
Ist das Gutachten im Schlichtungsverfahren schon
jährung für Ihren Anspruch auf Schadenersatz nicht
zu dem Ergebnis gekommen, dass Ihr Schaden nicht
weiter, sie ist solange „gehemmt“. Sie brauchen also
durch einen Behandlungsfehler verursacht wurde,
nicht zu befürchten, dass in dieser Zeit Ihre Forde-
müssen Sie sachliche Gründe nennen, warum Sie
rung nach Schadenersatz verjährt. Die Verjährungs-
das Gutachten anzweifeln. Andernfalls wird die
frist beträgt in der Regel drei Jahre, aber es gibt viele
Prozesskosten-Hilfe abgelehnt.
Ausnahmen. Das Schlichtungs-Verfahren dauert in
der Regel gut ein Jahr.
In vielen Bundesländern können Sie über das Amts-
gericht Beratungshilfe bekommen. Bevor es zum
Gerichtsverfahren kommt, können Sie sich so durch
6. Soll ich mich durch einen rechts- einen Anwalt beraten und vertreten lassen. Sie müs-
anwalt beraten lassen? Kann ich sen dafür eine geringe Gebühr bezahlen.

mir das leisten? Haben Sie hierzu weitere Fragen, können Sie sich
beim Amtsgericht, einer anderen Rechtsberatungs-
Solange Sie nicht vor einem Gericht klagen, brauchen stelle oder einer Verbraucherzentrale beraten las-
Sie nicht unbedingt einen Rechtsanwalt. Viele Pati- sen. Bei Patienten-Beratungsstellen können Sie sich
enten geben allerdings schon beim Schlichtungs-Ver- weitere Informationen holen, wie Sie bei einem Ver-
fahren einem Anwalt die Vollmacht, sie zu vertreten. dacht auf einen Behandlungsfehler vorgehen können

Wenn Sie vor Gericht gegen den Arzt oder das Kran- Unter Umständen bezahlt Ihre Rechtsschutzversi-
kenhaus klagen wollen, empfehlen wir in jedem Fall cherung einen Anwalt, der Sie etwa im Schlichtungs-
die Unterstützung durch einen Anwalt. Wenn Sie ei- Verfahren oder auch vor Gericht vertritt. Klären Sie
nen Schadenersatz von 5.000 € oder mehr fordern, das entweder selbst oder über einen Anwalt.

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Kapitel 8: Zahnärztliche Leistungen

Kapitel 8: Zahnärztliche Leistungen


1. Was ist ein heil- und Kostenplan Mit dem HKP können Sie bei einem anderen Zahn-
arzt eine zweite Meinung anhören und sich beraten
und wann ist er sinnvoll? lassen, ob die geplante Behandlung sinnvoll und
notwendig ist. Sie können sich auch zum Vergleich
einen zweiten HKP machen lassen. So können Sie
feststellen, ob Sie die gleiche Leistung zu einem
zuzahlung: Bei größeren Behandlun- günstigeren Preis bekommen.
gen der Zähne, des Zahnfleisches oder des Kie-
fers müssen Sie als Patient sich an den Kosten
beteiligen oder diese ganz tragen.
2. Kieferorthopädische Leistungen
Wenn Ihr Zahnarzt Ihnen eine solche Behandlung Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt eine
vorschlägt, sollten Sie von ihm vorher einen schrift- kieferorthopädische Behandlung (im Folgenden
lichen Plan über die Behandlung und ihre Kosten KFO) bis auf wenige Ausnahmen nur für Kinder und
bekommen. Jugendliche, die bei Beginn der Behandlung bis zu
einschließlich 17 Jahre alt sind. Außerdem muss Ihr
Dies ist ein Heil- und Kostenplan (im Folgenden: Kind eine Fehlstellung von Kiefer oder Zähnen ha-
HKP). Der Zahnarzt muss Ihnen einen kostenfreien ben, die das Kauen, Beißen, Sprechen oder Atmen
HKP aufstellen, wenn bei Ihnen Zahnersatz (Krone, erheblich behindert oder dazu führen könnte.
Brücke, Teil- oder Vollprothese), oder ein Implantat
oder wenn bei Ihrem Kind die Behandlung einer Der Kieferorthopäde stellt zunächst fest, wie schwer
Fehlstellung der Zähne des Kiefers (kieferorthopä- die Fehlstellung von Kiefer oder Zähnen bei Ihrem
dische Leistungen) geplant ist. Die Kasse entscheidet Kind ist. Dafür benutzt er eine Skala von 1 (leicht)
danach, wie viel sie von den Behandlungs-Kosten bis 5 (schwer). Ihre Krankenkasse übernimmt die
bezahlt. Verlangen Sie einen HKP aber auch etwa Kosten der KFO nur, wenn ein Schweregrad von 3, 4
vor einer Parodontitis-Behandlung oder einer privat oder 5 vorliegt. Die Schweregrade 1 und 2 gelten als
zu bezahlenden professionellen Zahnreinigung, die kosmetisches Problem. Möchten Sie Ihr Kind auch
über mehrere Behandlungstermine geplant ist. in diesen Fällen behandeln lassen, müssen Sie die
Behandlung privat bezahlen.
Ein HKP enthält einen Behandlungsplan und einen
Kostenplan. Im Behandlungsplan steht: Bei einem Schweregrad 3, 4 oder 5 schreibt der
•• was genau an Ihren Zähnen oder Ihrem Kiefer Kieferorthopäde einen Behandlungsplan, der bei
nicht in Ordnung ist und behandelt werden muss Ihrer Krankenkasse eingereicht wird. Dieser Plan
(Befunde, Diagnose), ist ein Antrag auf Kostenübernahme für KFO. Ihre
•• die Behandlung, die bei Ihnen tatsächlich geplant Krankenkasse kann den Behandlungsplan einem
ist und – bei Zahnersatz – auch die Behandlung, Gutachter vorlegen. Lehnt Ihre Krankenkasse die
die in Ihrem Fall üblich ist (Regelversorgung, sie- Kostenübernahme ab, können Sie gegen diese Ent-
he Abschnitt 3c) und scheidung Widerspruch einlegen und klagen.
•• manchmal auch ausdrücklich, was mit der Be-
handlung erreicht werden soll (Ergebnis).
tIPP: Holen Sie sich eine Zweitmeinung ein,
Der Kostenplan ist wie ein Kostenvoranschlag, etwa wenn ein Kieferorthopäde die Fehlstellungen
vor einer Auto-Reparatur. Auch beim Zahnarzt bei Ihrem Kind in die Gruppe 2 einordnet.
möchten Sie vorher wissen, wie teuer es wird. Erst
dann entscheiden Sie sich. Im Kostenplan müssen die
Kosten für Leistungen des Zahnarztes, Laborarbeiten Oft werden Ihnen Leistungen angeboten, die die
und Materialien einzeln aufgezählt werden. gesetzliche Krankenversicherung nicht bezahlt.
Beispiele dafür sind thermoelastische Drähte oder
Die Rechnung nach der Behandlung darf nur in ei- aufwändige Brackets. Sie sind vielleicht angenehmer
nem bestimmten Umfang teurer werden als vorher zu tragen oder sehen schöner aus. Ob sie zu besseren
geplant und der Zahnarzt muss dafür gute Gründe Ergebnissen führen, ist sehr umstritten.
haben.

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Kapitel 8: Zahnärztliche Leistungen

Bei zu großen Zahnlücken hält eine Brücke nicht.


tIPP: Überlegen Sie daher, ob Sie diese Leis- Dann brauchen Sie eine Teilprothese. Die bekom-
men Sie auch, wenn Sie nur noch im Ober- oder Un-
tungen für Ihr Kind haben möchten und infor-
terkiefer Zähne haben. Sind gar keine Zähne mehr
mieren Sie sich sehr genau. Holen Sie sich auch
vorhanden, brauchen Sie eine Vollprothese.
eine Zweitmeinung ein. Ihr Kieferorthopäde
darf die KFO nicht davon abhängig machen,
Zahnersatz besteht aus Metall, Edelmetall, Keramik
dass Sie diese Leistungen „einkaufen“.
oder Kunststoff. Er wird von einem Zahntechniker
gefertigt – das ist eine zahntechnische Leistung.
Das Planen und Einsetzen Ihres Zahnersatzes sowie
Wer 18 Jahre oder älter ist, muss eine KFO selbst
das Vorbereiten der Zähne – das sind zahnärztliche
bezahlen. Nur in Ausnahmefällen übernimmt eine
Leistungen. Aus beiden zusammen und den Kosten
Krankenkasse die Kosten, zum Beispiel bei schwerer
für das Material entstehen die Gesamtkosten des
Verformung oder Fehlstellung des Kiefers, die durch
Zahnersatzes.
eine Verletzung verursacht wurde.

b) Implantate
3. Zahnersatz und Implantate Ein Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel, die
in Ihrem Kieferknochen verankert („eingepflanzt“)
a) Zahnersatz wird. Dafür ist eine Operation nötig. Das Implantat
muss erst fest eingewachsen sein, dann wird auf die-
Zahnersatz ist notwendig, wenn ein Zahn so beschä- se Wurzel der Zahnersatz aufgesetzt. Das kann eine
digt ist, dass er nicht mit einer Füllung behandelt Krone, eine Brücke oder auf mehreren Implantaten
werden kann oder wenn ein oder mehrere Zähne auch eine Prothese sein. Dieser aufgesetzte Zahner-
fehlen. Zahnersatz sitzt entweder fest (Kronen und satz heißt Suprakonstruktion.
Brücken) oder kann herausgenommen werden (Teil-
oder Vollgebisse). Die Gesamtkosten enthalten also die Kosten für die
Operation, das Implantat und die Suprakonstruktion.
Eine Krone ist ein fester Aufsatz auf einem Zahn.
Sie bekommen eine Krone, wenn die Karies soviel
vom Zahn zerstört hat, dass eine Füllung nicht mehr AchtunG: Im Normalfall müssen Sie als
halten würde. Kassen-Versicherter ein Implantat und die Su-
prakonstruktion selbst bezahlen. Davon gibt es
Sie bekommen eine Brücke, wenn Sie eine Lücke nur ganz wenige Ausnahmen.
zwischen zwei Zähnen haben, weil dort ein oder
mehrere Zähne fehlen. In diesem Fall schleift Ihr
Zahnarzt die beiden Zähne vor und hinter der Lücke
ab. Auf diese „Brückenpfeiler“ kommen Kronen. Sie c) Wonach berechnet die Krankenkasse
sind durch Zwischenglieder miteinander zur Brücke
verbunden. Der mittlere Teil der Brücke trägt einen
ihren Zuschuss? Was ist die regelver-
oder mehrere künstliche Zähne, die die Lücke aus- sorgung?
füllen. Eine Brücke reicht also über mindestens drei
Zähne. Ihre Krankenkasse gibt Ihnen einen festen Zuschuss
zu den Kosten für Zahnersatz. Den berechnet sie
Voraussetzungen für eine Brücke sind: nach den Kosten für die sogenannte Regelversor-
•• die Lücke darf nicht zu groß sein, gung. Damit ist ein angemessener, zweckmäßiger
und wirtschaftlicher Zahnersatz gemeint. (Siehe
•• die beiden Zähne vor und hinter der Lücke müs-
auch Kapitel 1 Abschnitt 10)
sen ganz fest sitzen und
•• von diesen beiden Zähnen muss so viel erhalten Was die Regelversorgung für Ihr Gebiss ist, hängt
sein, dass sie sich als „Brückenpfeiler“ eignen. insbesondere vom Befund ab, also vom Zustand Ihrer
Zähne. Zu jedem Befund gibt es eine vorgeschrie-
bene Regelversorgung. In Richtlinien ist festgelegt,

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Kapitel 8: Zahnärztliche Leistungen

welche zahnärztlichen und zahntechnischen Leis- •• Fragen Sie Ihren Zahnarzt solange, bis Sie alles
tungen zu jeder Regelversorgung gehören und was verstanden haben. Er muss Sie aufklären und
sie im Einzelnen kosten. Aus diesen Beträgen be- beraten.
rechnet die Krankenkasse ihren Zuschuss (Festzu- •• Suchen Sie einen anderen Zahnarzt auf, um sich
schuss). Der Rest ist Ihr Eigenanteil – den müssen Sie eine zweite Meinung anzuhören. Lassen Sie dort
selbst bezahlen. Näheres siehe Abschnitt 4. eventuell auch einen zweiten Heil- und Kosten-
plan aufstellen.
•• Wenn Sie eine Behandlung wählen, für die Sie
Beispiel: Sie brauchen eine Krone auf dem eine Privatrechnung nach der GOZ bekommen:
hinteren Backenzahn. Die Regelversorgung ist Lassen Sie sich vom Zahnarzt vor Beginn der Be-
hier eine Metallkrone. Sie möchten aber, dass handlung erklären, wie er die Kosten für seine
die Metallkrone auf keinen Fall zu sehen ist. So Leistungen berechnet (mit welchem Steigerungs-
könnten Sie sich entscheiden: Faktor?).
•• Sie vereinbaren mit Ihrem Zahnarzt eine •• Zahntechnische Leistungen sind häufig teuer.
Metallkrone mit einer Keramik-Verblen- Vergleichen Sie verschiedene Labore. Vielleicht
dung in Zahnfarbe. Dies gilt als gleichar- finden Sie ein anderes Labor, das günstiger ar-
tige Versorgung: Sie bekommen die Regel- beitet.
versorgung (Metallkrone) und etwas dazu
•• Holen Sie sich Rat und Information bei Patien-
(Keramik-Verblendung). Zu den Kosten:
ten-Beratungsstellen, wenn Sie mit Ihrem Zahn-
Ihre Krankenkasse zahlt den Festzuschuss
arzt nicht alle offenen Fragen klären konnten.
zur Regelversorgung an den Zahnarzt. Den
Eigenanteil und die zusätzlichen Leistun-
gen müssen Sie selbst bezahlen. Für die
zahnärztlichen und die zahntechnischen 4. Wie viel zahlt die Krankenkasse
Arbeiten für die Keramik-Verblendung
bekommen Sie eine Privatrechnung. Der bei Kieferorthopädie
Zahnarzt rechnet diese Leistungen nach der
Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) ab. und Zahnersatz?
•• Sie wollen für den hinteren Backenzahn
keine Krone, sondern ein Implantat. Dies a) Selbstbeteiligung bei kieferorthopädi-
ist dann eine andersartige Versorgung. In
diesem Fall wollen Sie anstatt der Regel- scher Behandlung (KFO) Ihres Kindes
versorgung von Ihrem Zahnarzt eine ganz
andere Leistung bekommen. Zu den Kosten: Kieferorthopädische Behandlungen (im Folgenden
Sie müssen zunächst Ihrem Zahnarzt alle KFO) bei Kindern dauern lange und brauchen viel
Leistungen bezahlen. Dafür bekommen Sie Geduld. Wenn Ihre Krankenkasse den Heil- und
Privatrechnungen vom Zahnarzt und vom Kostenplan für die KFO bei Ihrem Kind genehmigt
zahntechnischen Labor. Der Zahnarzt rech- hat, müssen Sie zunächst einen Eigenanteil von 20%
net alle Leistungen nach der GOZ ab. Die selbst bezahlen. Braucht noch ein zweites oder wei-
Krankenkasse erstattet dann an Sie den tere Kinder eine KFO, dann beträgt Ihr Eigenanteil
berechneten Festzuschuss zur Regelversor- für sie 10%. Der Zahnarzt stellt Ihnen darüber eine
gung (Metallkrone). Rechnung aus und Sie zahlen auch an ihn. Wenn die
Behandlung mit Erfolg abgeschlossen ist, beschei-
nigt Ihnen das der Kieferorthopäde. Nur dann zahlt
Für eine gleich- oder andersartige Versorgung muss Ihre Krankenkasse den Eigenanteil an Sie zurück.
Ihr Zahnarzt mit Ihnen eine private Extra-Verein-
barung abschließen, und zwar schriftlich und vor
Beginn der Behandlung. Diese Vereinbarung wird b) eigenanteil, Festzuschuss und Bonus bei
Ihr Zahnarzt dem HKP als weitere Seiten anhängen Zahnersatz
(näheres zu den individuellen Gesundheitsleistun-
gen siehe Kapitel 6 Abschnitt 5). Ihre Krankenkasse gibt Ihnen einen Zuschuss zu den
Kosten für Zahnersatz. Dieser sogenannte Festzu-
Außerdem sollten Sie auf Folgendes achten: schuss wird nach den Kosten für die Regelversor-

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Kapitel 8: Zahnärztliche Leistungen

gung (siehe auch Abschnitt 3c) berechnet. Er beträgt 2011 für Alleinstehende und können sich jeweils
mindestens 50% der Kosten für die vorgeschriebene zum 1. Januar eines neuen Jahres ändern. Sie
Regelversorgung. Sie können selbst für einen zusätz- sind höher, wenn mehrere Personen im Haushalt
lichen Bonus sorgen. Zu den 50% der Kosten für die leben. Auch wenn Ihre Bruttoeinnahmen knapp
Regelversorgung zahlt die Krankenkasse über diesen Grenzen liegen, können Sie in be-
•• weitere 20% der Festzuschüsse, wenn Sie in den stimmten Fällen einen zusätzlichen Zuschuss
letzten fünf Jahren regelmäßig beim Zahnarzt bekommen. Stellen Sie also trotzdem den Antrag.
waren, oder •• Sie bekommen Sozialhilfe oder Grundsicherung
•• weitere 30% der Festzuschüsse, wenn Sie in den nach SGB 12, oder als Kriegsopfer Grundsiche-
letzten zehn Jahren regelmäßig beim Zahnarzt rungsleistungen oder Arbeitslosengeld 2 oder
waren Ausbildungsförderung.
und wenn Sie dies nachweisen. •• Sie leben in einem Heim oder einer ähnlichen
Einrichtung und die Kosten werden ganz oder
zum Teil aus der Sozialhilfe oder Kriegsopfer-
tIPP: Lassen Sie daher Ihre Zahnarztbesu-
Fürsorge gezahlt.
che in Ihrem Bonusheft eintragen. Das bekom-
men Sie kostenlos bei Ihrem Zahnarzt.
AchtunG: Für andere zahnärztliche
Leistungen wie Zahnfüllungen und Leistungen
Wenn Sie nur wenig Geld verdienen oder wenn Sie von Mund-, Kiefer- und Gesichts-Chirurgen
bestimmte Sozialleistungen bekommen, dann stellen müssen Sie keinen Eigenanteil zahlen.
Sie bei Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf einen
Härtefall-Zuschuss. Wird der Antrag anerkannt (sie-
he unten), dann zahlt die Krankenkasse für Ihren Ihr Zahnarzt oder Kieferorthopäde darf Ihnen eine
Zahnersatz Privatrechnung nur für solche Leistungen schreiben,
•• den Festzuschuss von 50% und dazu die Ihre Krankenkasse nicht bezahlt. Beispiele: eine
•• einen weiteren Zuschuss von 50% der Kosten für professionelle Zahnreinigung oder eine zahnfarbene
die Regelversorgung. Füllung für einen Backenzahn. Ihr Zahnarzt muss
in allen Fällen, in denen er Ihnen solche privaten
In diesem Fall müssen Sie meistens nichts selbst Leistungen erbringen will und Sie das möchten, vor
bezahlen, wenn Sie sich für die Regelversorgung der Behandlung einen schriftlichen Vertrag mit Ih-
entscheiden. Allerdings gibt es dann keinen zusätz- nen abschließen. Für diese Leistungen gelten Sie
lichen Bonus. dann als Privatpatient und bekommen von ihm eine
Privatrechnung (siehe Kapitel 1 Abschnitt 4 und Ka-
pitel 6 Abschnitt 5).
ausnahmen: Sie müssen einen Eigen-
anteil zahlen,
c) Zahnersatz im oder aus dem Ausland
•• wenn Sie etwas anderes als die Regelversor-
gung haben wollen (eine gleich- oder an- Oft können Sie Geld sparen, wenn Sie entweder
dersartige Versorgung, siehe oben) oder
•• den Zahnersatz im Ausland anfertigen lassen
•• wenn Ihr Zahnarzt oder das zahntechnische
oder
Labor höhere Kosten für die Regelversor-
gung abrechnen, als in den Richtlinien für •• sich im Ausland behandeln lassen.
den Festzuschuss steht.
Viele zahntechnische Labore in Deutschland lassen
auch Zahnersatz im Ausland anfertigen. Ihr Zahn-
Sie bekommen den Härtefall-Zuschuss nur, wenn arzt setzt Ihnen dann den Zahnersatz ein. Klären Sie
Sie folgende Voraussetzungen erfüllen: vorher diese Fragen:
•• Ihre Bruttoeinnahmen pro Monat betragen •• Ist Ihr Zahnarzt einverstanden, mit diesen Labo-
höchstens 1.022 € (alte Bundesländer) oder 896 € ren zusammen zu arbeiten? Er muss das nämlich
(neue Bundesländer). Diese Obergrenzen gelten nicht.

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Kapitel 8: Zahnärztliche Leistungen

•• Sind das Material und die Techniken so, wie es destens zwei Jahre muss er das kostenfrei für Sie
in Deutschland üblich ist? und die Krankenkasse tun. Das heißt, er muss für
•• Wo werden Fehler ausgebessert oder Teile er- Sie als Kassenpatient für Füllungen und Zahnersatz
setzt, in Deutschland oder im Ausland? mindestens zwei Jahre „Gewähr leisten“.
•• Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, was Ihnen
wichtig ist. Ein gutes Labor klärt Sie über die-
se Fragen auf, ohne dass Sie extra darum bitten AchtunG: Die zwei Jahre beginnen an
müssen. dem Tag, an dem Ihr Zahnersatz endgültig ein-
•• Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob sie gesetzt wurde.
Verträge mit ausländischen zahntechnischen La-
boren abgeschlossen hat.
Was kann ich tun, wenn mein Zahnersatz schon
Wenn Sie sich ganz im Ausland behandeln lassen, nachgebessert wurde und ich immer noch Beschwer-
bedenken Sie dieses: den habe?
•• Sie müssen zuerst alles selbst bezahlen. Ihre
Krankenkasse erstattet davon höchstens soviel, Gehen Sie zu Ihrer Krankenkasse oder rufen Sie dort
wie sie für dieselbe Behandlung in Deutschland an. Beschreiben Sie Ihr Problem und was der Zahn-
bezahlen müsste. Dafür müssen diese Vorausset- arzt an Ihren Zähnen bisher gemacht hat. Verlangen
zungen erfüllt sein: Sie, dass ein Mängel-Gutachten über Ihren Zahner-
satz geschrieben wird.
■■ Sie lassen sich in einem Land der Europä-
ischen Union behandeln, allerdings nicht als
Wenn Sie eine Regelversorgung oder eine gleichar-
Privatpatient, und
tige Versorgung bekommen haben, wird Ihre Kran-
■■ Ihre Krankenkasse hat vorher einen HKP des kenkasse Ihnen dann wahrscheinlich einen Gutach-
ausländischen Zahnarztes bekommen und ter nennen.
genehmigt.
•• Versuchen Sie bei Material und Fertigung des
Zahnersatzes deutschen Standard zu vereinba-
ren.
AchtunG: Die Begutachtung erfolgt
grundsätzlich nur für Regelversorgungen und
•• Sie sollten feste Termine machen und klären, wie gleichartige Versorgungen.
lange die Behandlung dauert.
•• Sie müssen für jede (Nach-)Behandlung ins Aus-
land fahren. Bei einer andersartigen Versorgung genehmigt Ihre
•• Vielleicht verstehen Sie im Ausland nicht alles Krankenkasse das nur im Ausnahmefall.
und brauchen einen Übersetzer.
Das Gutachter-Verfahren ist für Sie kostenlos.
•• Wenn Sie mit der Behandlung unzufrieden sind
und Sie einen Schadenersatz durchsetzen wollen,
müssen Sie auch das im Ausland tun. Der Gutachter untersucht Sie persönlich. Dabei soll
er feststellen:
•• Gab es Fehler bei der Planung für Ihren Zahner-
satz oder Ihre Füllung? Oder:
5. Wie verhalte ich mich, wenn ich •• Wurden bei der Ausführung Fehler gemacht?
mit Leistungen des Zahnarztes
Dies kann bei seiner Untersuchung herauskommen:
unzufrieden bin? ÎÎIhr Zahnersatz/Ihre Füllung muss ganz neu an-
Es kommt vor, dass Zahnersatz nicht passt, schmerzt, gefertigt werden. Wenn Sie dafür zu einem an-
herausfällt oder dass eine Füllung sich lockert. Was deren Zahnarzt gehen wollen, brauchen Sie die
mache ich dann? Einwilligung Ihrer Krankenkasse. Klären Sie das
unbedingt vorher.
Wenn der Zahnersatz oder die Füllung Probleme ÎÎIhr Zahnersatz/Ihre Füllung kann nachgebessert
machen, muss Ihr Zahnarzt nachbessern. Für min- werden. Der Gutachter macht dazu einen schrift-

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Kapitel 8: Zahnärztliche Leistungen

lichen Vorschlag, mit dem Sie wieder zu Ihrem wenden Sie sich an die Landes-Zahnärztekam-
Zahnarzt gehen. Auch hier gilt: Falls Sie den mer in Ihrem Bundesland. Als Kassenpatient
Zahnarzt wechseln wollen, muss Ihre Kranken- können Sie dieses Verfahren nutzen, müssen es
kasse einwilligen. Das tut sie nur in bestimmten allerdings selbst bezahlen. Die Kosten erfahren
Fällen, etwa wenn schon mehrmals ohne Erfolg Sie über die Zahnärztekammer. Auch hierbei ar-
nachgebessert wurde. Dann ist Ihnen nicht zuzu- beiten Gutachter mit.
muten, weiter zu Ihrem alten Zahnarzt zu gehen. •• Sie können vor einem Zivilgericht klagen.
ÎÎIhr Zahnersatz/Ihre Füllung ist in Ordnung.
Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, for- Einerseits wollen Sie erreichen, dass Sie mit Ihrem
dern Sie Ihre Krankenkasse auf, einen weiteren Zahnersatz oder Ihrer Füllung keine Beschwerden
Gutachter zu bestellen. mehr haben. Daneben können Sie grundsätzlich auch
Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangen. Da-
Ihr Zahnarzt muss das Ergebnis des Gutachters nicht für müssen Sie Ihrem Zahnarzt einen Fehler bei Ihrer
hinnehmen. Grundsätzlich kann der Zahnarzt inner- Behandlung nachweisen. (Näheres Kapitel 7)
halb eines Monats ein weiteres Gutachten verlangen.
Die Einzelheiten dazu sind bei den Krankenkassen Sie sollten sich in diesem Fall von einem Anwalt be-
unterschiedlich geregelt. Bis zu einer Entscheidung raten lassen, und zwar möglichst, bevor Ihr Zahn-
kann es mehrere Monate dauern. ersatz nachgebessert oder ersetzt wird. Klären Sie
dabei diese Fragen:
•• Reicht das Mängel-Gutachten Ihrer Kranken-
AchtunG: Wenn Sie während einer Be-
kasse oder das Gutachten aus dem Schlichtungs-
Verfahren für den Nachweis eines Fehlers aus?
handlung zur Versorgung mit Zahnersatz oder
während oder nach einem abgeschlossenen •• Oder sollte dafür ein selbstständiges Verfahren
Gutachterverfahren zu einem anderen Zahn- durchgeführt werden, ein sogenanntes gericht-
arzt wechseln möchten, gilt unbedingt: Holen liches Beweissicherungs-Verfahren? Das ist ein
Sie sich dafür vorher die Zustimmung Ihrer Eilverfahren, also viel schneller als ein normales
Krankenkasse! Sonst müssen Sie diese Behand- Gerichtsverfahren. Damit soll festgestellt werden,
lung eventuell selbst bezahlen. in welchem Zustand sich Ihre Zähne oder Ihr Ge-
biss gerade befinden und welche Beschwerden
Sie haben. Dies muss unbedingt vor einer neuen
Lehnt die Krankenkasse Ihren Antrag zum Wechsel Behandlung geschehen, denn die würde den Be-
des Behandlers ab, können Sie Widerspruch einle- weis eines Behandlungsfehlers zerstören. Dieser
gen. aktuelle Zustand Ihrer Zähne wird durch das
Gutachten eines Sachverständigen festgehalten.
Wenn am Ende der Gutachter sagt, dass Ihr Zahn-
ersatz in Ordnung ist und Sie weiterhin unzufrieden
sind, können Sie noch Folgendes tun: AchtunG: Geben Sie kein Privatgutach-
•• Sie können ein Schlichtungs-Verfahren bean- ten in Auftrag!
tragen, um zu einer Einigung zu kommen. Dazu

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Kapitel 9: Psychotherapeutische Leistungen

Kapitel 9: Psychotherapeutische Leistungen


•• (Psychologischer) Kinder- und Jugendlichen-
1. Was ist Psychotherapie und Psychotherapeut (Studium der Psychologie, der
wer darf sich Psychotherapeut Pädagogik oder der Sozialpädagogik, dann Psy-
chotherapie-Ausbildung).
nennen?
Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten
Sie vermuten bei sich eine seelische (psychische) Er- dürfen Menschen in jedem Lebensalter behandeln.
krankung oder dass Ihre körperlichen Beschwerden Ärztliche und psychologische Kinder- und Jugendli-
mit Ihrem Seelenleben zusammenhängen? Vielleicht chen-Psychotherapeuten behandeln nur junge Men-
denken Sie daran, eine Psychotherapie zu beginnen. schen bis zum Alter von 20 Jahren.

Es spielt keine Rolle, woher Ihre seelische Erkran- Die psychologischen Psychotherapeuten und die
kung kommt. Zum Beispiel kann ein Unfall, eine (psychologischen) Kinder- und Jugendlichen-Psy-
schwere Erkrankung oder erlittene Gewalt die Seele chotherapeuten dürfen keine Medikamente verord-
krank machen, und oft ist auch keine äußere Ursache nen.
zu erkennen.
Heilpraktiker dürfen körperlich kranke wie auch
Krankheiten der Seele werden auf verschiedene seelisch kranke Menschen behandeln. Ein Heilprak-
Weise behandelt. Bei der Arbeit mit einem Psy- tiker braucht dafür eine staatliche Erlaubnis, die er
chotherapeuten stehen Gespräche, das Einfühlen nach der Heilpraktiker-Prüfung durch den Amtsarzt
in das eigene Erleben und das Einüben von neuem beim zuständigen Gesundheitsamt bekommt. Der
Verhalten im Vordergrund. Damit können Sie Ihre Heilpraktiker darf sich jedoch nicht „Psychothera-
bewussten und unbewussten seelischen Konflikte peut“ nennen. Heilpraktiker verfügen nicht über
und Verhaltensmuster bearbeiten und wieder mehr eine staatlich geregelte psychotherapeutische Aus-
Lebensfreude gewinnen. Unter Umständen können bildung.
Medikamente die Psychotherapie unterstützen.
Diplom-Psychologen können nach dem Heilprakti-
Die Behandlung durch einen Psychiater (Arzt für
ker-Gesetz eine eingeschränkte Erlaubnis nur für die
Psychiatrie) oder Neurologen (Arzt für Nervenheil-
Behandlung seelischer Erkrankungen als Heilprak-
kunde) ist sinnvoll in Fällen seelischer Erkrankun-
tiker bekommen. Auch sie verfügen nicht über eine
gen, bei denen eine Behandlung mit Medikamenten
staatlich geregelte psychotherapeutische Ausbildung.
(Psychopharmaka) notwendig erscheint. Auch in die-
sen Fällen kann aber eine zusätzliche Psychothera-
Psychotherapie bei einem Heilpraktiker wird nicht
pie sinnvoll sein.
von den Krankenkassen bezahlt.

a) Psychotherapie zur Behandlung einer


b) Psychotherapie als Lebensberatung oder
erkrankung
zur besseren Lebensbewältigung
Zur Behandlung seelisch kranker Menschen brau-
chen Therapeuten eine staatliche Berufserlaubnis Jeder Mensch darf Beratungen zur Gesund-Erhal-
(Approbation). Die bekommen sie, wenn sie eine be- tung der Seele wie Lebensberatung und ähnliches
stimmte Ausbildung haben. Sie dürfen dann diese anbieten, egal ob er das gelernt hat oder nicht. Aber
Berufsbezeichnungen führen: nur, wer für die Behandlung von seelisch kranken
Menschen ausgebildet ist und über eine staatliche
•• Ärztlicher Psychotherapeut (Medizinstudium,
Genehmigung verfügt, darf sich Psychotherapeut
dann Weiterbildung in Psychosomatik/ Psycho-
nennen. Diese Bezeichnung ist gesetzlich geschützt.
therapie oder Psychiatrie/ Psychotherapie)
Auch Psychotherapeuten bieten Hilfen zur Lebens-
•• (Ärztlicher) Kinder- und Jugendpsychiater und beratung an.
-psychotherapeut (Medizinstudium, Weiterbil-
dung in Kinder- und Jugend-Psychiatrie und Wenn Sie also zum Beispiel einen Therapeuten für
-Psychotherapie) Paar- oder Familienkonflikte oder eine Erziehungs-
•• Psychologischer Psychotherapeut (Psychologie- beratung suchen, können Sie zwischen Psychothe-
studium, dann Psychotherapie-Ausbildung) oder rapeuten, Psychologen, Heilpraktikern, Pädagogen

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Kapitel 9: Psychotherapeutische Leistungen

und allen anderen wählen, die diese Beratung an- Die Dauer und der Umfang einer Psychotherapie
bieten. Fragen Sie aber genau nach der Ausbildung werden nach Therapiestunden bemessen, die min-
und Erfahrung der Berater. Vielleicht ist es für Sie destens 50 Minuten lang sind. Die Krankenkasse
einfacher oder sinnvoller, zu einer Beratungsstelle genehmigt eine bestimmte Anzahl von Therapie-
zu gehen, die Familien- oder Erziehungsberatung stunden. Eine Sitzung kann aber bei bestimmten
anbietet. Behandlungsformen auch eine Doppelstunde dauern
oder nur eine halbe Stunde. Kürzere oder längere
Derartige Hilfen zur Lebensberatung oder Lebens- Sitzungen werden dann in Therapiestunden umge-
bewältigung, bei denen es nicht um die Behandlung rechnet. Eine Doppelstunde „verbraucht“ also in der
einer seelischen Erkrankung geht, werden von der Regel zwei Therapiestunden, auch hier gibt es Aus-
Krankenkasse aber nicht bezahlt, auch nicht, wenn nahmen.
sie von einem Psychotherapeuten übernommen wer-
den. Wie viele Therapiestunden die Krankenkasse be-
zahlt, hängt von der Behandlungsform ab und davon,
ob Sie eine Einzel- oder Gruppentherapie wählen.
Und es spielt eine Rolle, wie schwer die Erkrankung
2. Welche psychotherapeutischen ist. Hier gibt es drei Stufen:
Leistungen übernimmt meine •• den Regelfall,
Krankenversicherung und wie •• den besonderen Fall und

läuft das Verfahren ab? •• den begründeten Ausnahmefall.

Zunächst wird immer die Stundenzahl für den Re-


a) Ambulante Psychotherapie gelfall bewilligt. Damit in einem schwereren Fall
mehr Therapiestunden genehmigt werden, muss
der Psychotherapeut einen weiteren Antrag mit
Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt Ihnen eine
Begründung an die Kasse stellen. Die nachfolgen-
ambulante Psychotherapie unter diesen Vorausset-
de Tabelle zeigt, wie viele Therapiestunden in den
zungen:
verschiedenen Fällen genehmigt werden. Damit es
•• Es geht um die Behandlung einer Erkrankung. übersichtlicher ist, werden die Stunden hier in Sit-
Und: zungen ausgedrückt.
•• Sie wählen für die Therapie einen ärztlichen oder
psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- Vor Beginn einer Psychotherapie sind je nach The-
und Jugendlichenpsychotherapeuten (im Weite- rapieform bis zu fünf oder acht Probe-Sitzungen üb-
ren: Psychotherapeuten). Eine Behandlung beim lich. Auch sie werden von Ihrer Krankenkasse be-
Heilpraktiker wird nicht bezahlt. Und: zahlt. Sie als Patient können in dieser Zeit erkennen,
•• Der ausgewählte Psychotherapeut ist zugelassen ob dieser Psychotherapeut und diese Behandlungs-
zur Behandlung von Kassenpatienten. Und: form für Sie das Richtige ist. Der Psychotherapeut
kann in diesen Stunden feststellen,
•• Sie werden nach einer Methode (Behandlungs-
form) behandelt, die nach den Richtlinien aner- •• was Sie krank macht,
kannt ist. Das sind diese Behandlungsformen: •• welche Behandlungsform für Sie richtig ist,
■■ Verfahren, die auf der psychoanalytischen •• ob Einzel- oder Gruppentherapie besser für Sie
Krankheitslehre beruhen (die tiefenpsycho- ist,
logisch begründete Psychotherapie und die
analytische Psychotherapie) und •• wie lange die Psychotherapie voraussichtlich
dauern wird und
■■ die Verhaltenstherapie.
•• ob Sie selbst diese Behandlung wirklich machen
Die Behandlung kann als Einzel- oder Gruppenthe- wollen.
rapie erfolgen, das sind die verschiedenen Anwen-
dungsformen. Ein Psychotherapeut ist unter Umstän- Diese Sitzungen gehören noch nicht zur Behandlung
den nur für bestimmte Behandlungsformen und nur und werden daher auch nicht auf die genehmigten
für Einzeltherapie zugelassen. Stundenzahlen angerechnet.

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Kapitel 9: Psychotherapeutische Leistungen

schwere des falls


Höchstzahl an Sitzungen Höchstzahl an Sitzungen

Regelfall Besonderer Fall und


(Begründeter Ausnahmefall)
Behandlungs-
Einzel- Gruppentherapie Einzel- Gruppentherapie
form therapie (Doppelstunden) therapie (Doppelstunden)

Alle Behandlungsformen 25 25
(Kurzzeittherapie)
Tiefenpsychologisch 50 40 80 60
fundierte Psychotherapie (100) (80)
(Langzeittherapie)
Analytische Psychotherapie 160 80 240 120
(Langzeittherapie) (300) (150)
Analytische und tiefenpsy- 70 40 120 60
chologisch fundierte Psy- (150) (90)
chotherapie bei Kindern
Analytische und tiefen- 90 40 140 60
psychologisch fundierte (180) (90)
Psychotherapie bei Jugend-
lichen
Verhaltenstherapie bei 45 40 60
Erwachsenen, Kindern und (80)
Jugendlichen
(Einzeltherapie; Kombinati- andere Stundenzahlen, wenn
on mit Gruppentherapie ist Einzel- und Gruppentherapie miteinander kombiniert werden
möglich)

Stellen Sie in dieser Zeit fest, dass der Psychothera- •• Müssen Sie vor oder während der Psychotherapie
peut für Sie nicht der „Richtige“ ist, können Sie einen durch einen Psychiater, Nervenarzt oder einen
anderen Behandler aufsuchen. Auch dort stehen Ih- anderen Arzt behandelt werden?
nen wieder fünf bis acht Sitzungen zur Verfügung. •• Hält er bei Ihnen eine Psychotherapie für eine
falsche Behandlung? In diesem Fall kann Ihr
Haben Sie und Ihr Psychotherapeut sich für eine Psychotherapeut dennoch einen Antrag an Ihre
Zusammenarbeit, also für eine Psychotherapie ent- Krankenkasse stellen, damit diese eine Psycho-
schieden, bereitet Ihr Psychotherapeut einen Antrag therapie für Sie genehmigt. Die Kasse muss dann
für Ihre Krankenkasse und das Gutachter-Verfahren ein Gutachten durch den MDK (Medizinischer
vor. Diesen Antrag müssen Sie unterschreiben. Dienst der Krankenkassen) anfordern, das klären
soll, ob für Sie eine Psychotherapie doch ange-
Ist Ihr Psychotherapeut im Grundberuf ein Psycho- zeigt ist. Dieses Gutachten ist nicht zu verwech-
loge und nicht Arzt, muss er Sie noch zu einem Arzt seln mit dem normalen Gutachter-Verfahren, das
überweisen. Der soll diese Fragen beantworten: jetzt beschrieben wird.
•• Sind Sie vielleicht doch vor allem körperlich und
nicht seelisch krank?

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Kapitel 9: Psychotherapeutische Leistungen

In der Regel folgt auf die Probesitzungen das Gut- ten, ist das grundsätzlich möglich, muss aber mit der
achter-Verfahren. Dafür schreibt Ihr Psychothera- Krankenkasse geklärt werden. Es kommt dann auf
peut einen Bericht mit diesem Inhalt: die in Ihrem Einzelfall vorliegende genaue Sachlage
•• Er beschreibt Ihr seelisches Problem. an, ob der Wechsel mit dem restlichen Stundenkon-
tingent oder mit einem ganz neuen Stundenkontin-
•• Er schlägt eine Behandlungsform (Therapie-Me- gent genehmigt wird. Lassen Sie sich im Zweifelsfall
thode) und eine Anwendungsform (Einzel- oder beraten, bevor Sie an Ihre Krankenkasse herantreten.
Gruppentherapie) vor.
•• Er schätzt ab, wie viel Zeit und wie viele Thera- Wenn Sie den Wechsel anstreben, weil Sie den Ein-
piestunden nötig sind. druck haben, dass Sie mit diesem Psychotherapeu-
ten oder dieser Therapieform nicht voran kommen,
Die Krankenkasse bekommt also in diesem Fall: Den sprechen Sie mit Ihrem Psychotherapeuten darüber. In
Antrag, den Sie unterschrieben haben, unter Um- solchen Behandlungskrisen kann auch eine Chance
ständen die Stellungnahme eines Arztes und den stecken, den Verlauf der Psychotherapie positiv zu
Bericht des Psychotherapeuten. Dieser Bericht ist wenden.
anonym, er enthält weder Ihren Namen noch andere
persönliche Angaben über Sie, und er liegt im ver- Eine seelische Erkrankung kann auch nach einem
schlossenen Umschlag beim Antrag. Nur diesen ver- belastenden Erlebnis am Arbeitsplatz auftreten,
schlossenen Bericht leitet Ihre Krankenkasse an den etwa wenn Sie als Angestellter einer Bank oder ei-
Gutachter weiter. Der Gutachter weiß also nicht, wer ner Tankstelle überfallen worden sind. Wenn dies als
der Patient ist und Ihre Krankenkasse erfährt keine Arbeitsunfall gewertet wird, bezahlt die gesetzliche
Einzelheiten über Ihre Erkrankung. Der Gutachter Unfallversicherung die Behandlung.
ist ein besonders erfahrener Arzt, psychologischer
Psychotherapeut oder Kinder- und Jugendlichen-
Psychotherapeut.
BerAtunG: Ihr Arbeitgeber muss den
Arbeitsunfall der Berufsgenossenschaft mel-
Auch in diesen Fällen schaltet die Krankenkasse ei- den, den Träger der gesetzlichen Unfallver-
nen Gutachter ein: sicherung. Er muss Ihnen auch sagen, welche
•• wenn Sie und der Psychotherapeut einen Antrag Berufsgenossenschaft für Sie zuständig ist.
stellen, die Therapie zu verlängern, oder
•• wenn Sie nach Abschluss einer Psychotherapie
innerhalb von zwei Jahren einen Antrag auf eine Wenn Ihre seelische Erkrankung darauf zurückzu-
weitere Psychotherapie stellen. führen ist, dass Sie Opfer einer Straftat außerhalb
Ihres Arbeitsplatzes geworden sind, können unter
Die Krankenkasse kann Ihren Antrag erst dann Umständen die Kosten einer Psychotherapie auch
genehmigen, wenn der Gutachter sich für die Be- nach dem Opferentschädigungsgesetz übernommen
handlung ausspricht. Hält der Gutachter eine Psy- werden. Hierzu bekommen Sie Informationen bei
chotherapie für unnötig oder falsch, dann lehnt Ihre den Versorgungsämtern oder dem „Weißen Ring“,
Krankenkasse den Antrag ab. Gegen diese Entschei- einem gemeinnützigen Verein, der Opfern von Straf-
dung können Sie sich wehren und Widerspruch ein- taten hilft.
legen. Im Widerspruchsverfahren fordert die Kran-
kenkasse dann ein Obergutachten an. Es soll klären,
ob eine Psychotherapie für Sie notwendig und richtig b) Stationäre psychotherapeutische
ist. Es kann sein, dass Ihre Krankenkasse den An- Behandlung
trag auf eine Psychotherapie aus anderen Gründen
ablehnt. Auch dagegen können Sie Widerspruch ein- Manchmal ist bei einer seelischen Erkrankung eine
legen. In diesem Fall hat die Ablehnung nichts mit Behandlung im Krankenhaus notwendig. Dabei ist
dem Gutachten zu tun, die Kasse fordert daher kein es egal, ob Sie schon eine ambulante Psychotherapie
Obergutachten an. gemacht haben oder die Krankenkasse den Antrag
auf eine ambulante Psychotherapie genehmigt hat.
Wenn Sie, gleich aus welchen Gründen, während ei- Die Krankenkasse prüft allerdings, ob medizinische
ner laufenden Psychotherapie den Psychotherapeu- Gründe für eine Behandlung im Krankenhaus vorlie-
ten, die Therapieform oder beides wechseln möch- gen. Gerade bei seelischen Erkrankungen halten die

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Kapitel 9: Psychotherapeutische Leistungen

Krankenkassen häufig eine stationäre medizinische dividuelle Antwort bekommen können. Es gibt dafür
Rehabilitation (früher: Kur) für ausreichend. Wenn keine allgemeinen Regeln. Was können Sie also tun?
Ihre Krankenkasse eine Krankenhausbehandlung
ablehnt, können Sie gegen diese Entscheidung Wi- Sie können Ihre Freunde und Bekannten fragen. Sie
derspruch einlegen. können etwas über die verschiedenen Behandlungs-
formen lesen. Sie können Ihren Arzt fragen.
Nach einer Krankenhaus-Entlassung oder wenn Sie
gar nicht ins Krankenhaus gehen möchten, können Ihre Krankenkasse übernimmt grundsätzlich nur die
Sie Unterstützung bekommen durch: Kosten für bestimmte Behandlungsmethoden (sie-
•• ambulante psychiatrische Pflege oder he oben, Abschnitt 2a). Sie können sich für einen
Psychotherapeuten entscheiden, der mehrere die-
•• Soziotherapie.
ser Methoden anbietet. Er sagt Ihnen während der
Probe-Sitzungen, welche Methode er in Ihrem Fall
Für beides brauchen Sie eine Verordnung Ihres Arz-
für geeignet hält.
tes.
Überlegen Sie unabhängig davon vorher, was Ihnen
Wenn Sie in einer akuten Krise Ihren Arzt oder Psy-
bei der Auswahl des Psychotherapeuten wichtig ist:
chotherapeuten nicht erreichen oder keinen haben,
können Sie sich auch an den sozialpsychiatrischen •• Wollen Sie lieber mit einem Mann oder einer
Dienst oder eine Institutsambulanz einer psychi- Frau arbeiten?
atrischen Klinik wenden. Auch wenn jemand aus •• Vertrauen Sie eher einem älteren oder jüngeren
Ihrer Familie, ein Freund, Bekannter oder Kollege Menschen?
von Ihnen in einer akuten Krise ist, können Sie selbst •• Suchen Sie jemanden mit ganz besonderen Er-
sich dort Unterstützung holen. Die Aufgaben des so- fahrungen, zum Beispiel mit der Behandlung von
zialpsychiatrischen Dienstes regelt jedes Bundesland Menschen, die Gewalt-Taten erlebt haben?
selbst (im Landesgesetz über Hilfen und Schutzmaß-
nahmen bei psychischen Krankheiten, PsychKG). Auch das Internet und das Telefonbuch können Ihnen
Die Adresse und Telefonnummer des sozialpsychiat- weiterhelfen. Dort finden Sie bei vielen Psychothe-
rischen Dienstes oder der Institutsambulanz erfahren rapeuten Hinweise zu ihren Behandlungsmethoden
Sie bei Ihrem Gesundheitsamt oder im Telefonbuch. und Schwerpunkten sowie zu Einzel- und Grup-
pentherapie. Auf den Internetseiten der Landes-
Psychotherapeutenkammern und der Landes-Ärz-
3. Wie finde ich den richtigen tekammern gibt es Suchprogramme. Dort können Sie
gezielt nach einem Psychotherapeuten suchen.
Psychotherapeuten und welche
Allerdings gibt es in vielen Regionen nicht genug
Behandlungsform eignet sich für Psychotherapeuten mit Kassenzulassung. Besonders
mich? auf dem Land und für Kinder und Jugendliche klappt
es daher oft nicht sofort mit einem freien Therapie-
platz. Sie müssen sich dann auf eine Wartezeit ein-
Vielleicht ahnen Sie schon, dass Sie hier auf die Fra-
richten.
ge nach der richtigen Therapieform für Sie keine in-

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Kapitel 9: Psychotherapeutische Leistungen

Am wichtigsten ist es jedoch, dass die „Chemie“ zwi-


Diese tIPPS können Ihnen helfen, den rich-
schen Ihnen und dem Psychotherapeuten stimmt. Die
Voraussetzung für eine erfolgreiche Psychotherapie
tigen Psychotherapeuten zu finden:
ist eine Beziehung zwischen Ihnen und dem Psycho-
ÎÎViele Psychotherapeuten sind nur zu ganz therapeuten, mit der Sie sich beide wohlfühlen. Auf
wenigen Zeiten telefonisch direkt zu errei- dieser Grundlage arbeitet der Psychotherapeut mit
chen. Diese Zeiten erfahren Sie über den Ihnen nach einer bestimmten Methode. Sie bilden
Anrufbeantworter. Machen Sie sich eine also miteinander ein Team, um durch gemeinsame
Liste der Psychotherapeuten, die Sie anru- Arbeit Ihren Seelen-Zustand zu verbessern. Eine
fen und notieren Sie sich gleich die Zeiten. Psychotherapie kann lange dauern – da ist es wich-
Sie können auch Ihre Telefonnummer und tig, dass Sie und Ihr Psychotherapeut gut miteinan-
eine Nachricht auf den Anrufbeantworter der zurechtkommen.
sprechen, wenn der Psychotherapeut in sei-
ner Ansage ausdrücklich anbietet zurück zu Nutzen Sie daher die Probesitzungen, um sich ge-
rufen. Manche Psychotherapeuten tun dies genseitig kennen zu lernen. Stellen Sie in diesen Sit-
nicht und rufen dann auch nicht zurück. zungen alle Fragen, die Ihnen wichtig sind:
Diese Therapeuten setzen eine solche „ers- •• Welche Ausbildung hat der Psychotherapeut?
te Hürde“ bewusst: wenn Sie nicht wieder Welches sind seine Schwerpunkte bei der Arbeit?
anrufen, ist Ihre Motivation für die Arbeit Wie viel Erfahrung hat er mit Ihrem besonderen
in einer Psychotherapie eventuell nicht aus- Problem?
reichend.
•• Welche Therapieform schlägt er Ihnen vor und
ÎÎLassen Sie sich bei mehreren Psychothera- was bedeutet das?
peuten auf die Warteliste setzen. Nutzen Sie
•• Was erwartet er von Ihnen in der Arbeit?
die Wartezeit und versuchen Sie, Probesit-
zungen zu vereinbaren. •• Wie lange wird die Therapie voraussichtlich dau-
ern?
ÎÎVormittags sind meistens leichter Termine
zu bekommen als spät nachmittags oder Hören Sie dann genau auf Ihr Gefühl, auf Ihre „inne-
abends. Halten Sie verschiedene Wochen- re Stimme“, und prüfen Sie sorgfältig Ihre Eindrücke:
tage für Termine bereit.
•• Haben Sie wirklich Vertrauen zu dem Psycho-
ÎÎFalls es um Ihr Kind geht: Manche Landes- therapeuten? Können Sie sich vorstellen, dass Sie
Psychotherapeutenkammern orga nisieren, ihm gegenüber alles ansprechen und ausspre-
dass in Akutfällen ein Kinder- und Jugend- chen können – auch sehr unangenehme, peinli-
lichenpsychotherapeut ansprechbar ist und che, intime Gefühle?
informieren Sie entsprechend.
•• Fühlen Sie sich von ihm ernst genommen? Hört
ÎÎWenn Sie dringend eine Therapie brauchen er Ihnen zu? Antwortet er ausführlich genug und
und keinen Therapieplatz in Ihrer Umge- klar auf Ihre Fragen? Verhält er sich unfreund-
bung finden oder die Wartezeit zu lang lich auf Ihre Fragen? Antwortet er gereizt, wenn
ist. Dann muss die Kasse Ihnen eine Psy- Sie sagen, dass Sie unsicher sind oder sich nicht
chotherapie bei einem Psychotherapeuten wohl fühlen?
auch genehmigen, der nur privat abrechnet.
Klären Sie in diesem Fall die Einzelheiten Und wenn Sie sich entschieden haben: Prüfen Sie
der Bezahlung der Therapie mit Ihrer Kasse während der Psychotherapie, ob es Ihnen nach ei-
genau ab oder lassen Sie sich dazu vorab ner angemessenen Zeit besser geht. Bedenken Sie,
informieren. dass eine Therapie meist zwischen 20 und 100 Stun-
den dauert. Nach 10 bis 20 Stunden sollten Sie erste
Veränderungen feststellen, am besten natürlich eine
Verbesserung.

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Kapitel 9: Psychotherapeutische Leistungen

4. Vereinbarungen über termine, Sprechen Sie frühzeitig über Urlaubspläne. Je mehr


sich Ihre Urlaubszeiten überschneiden, desto weni-
Ausfallhonorar und urlaub ger wird die Therapie unterbrochen.

Bei einer Psychotherapie sind regelmäßige Sitzungen


wichtig. Sie machen also mit dem Psychotherapeuten
feste Termine aus. Wenn Sie zu einem verabredeten
AchtunG: Verweigern Sie unbedingt
Absprachen darüber,
Termin nicht erscheinen, kann der Psychotherapeut
•• gegenüber Ihrer Krankenkasse eine andere
ein Ausfallhonorar von Ihnen verlangen (siehe Kapi-
Diagnose anzugeben oder
tel 6 Abschnitt 6).
•• nach einer anderen Therapieform zu arbei-
ten, als Sie beantragt haben.

AchtunG: Vereinbaren Sie das schrift-


lich vor Beginn der Therapie. Von weiteren Selbst wenn Sie einen Vorteil davon hätten – ein sol-
Absprachen zum Honorar raten wir Ihnen als ches Verhalten des Psychotherapeuten wäre eindeu-
Kassenpatient dringend ab. tig unseriös.

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Kapitel 10: Wo finde ich gute und sichere Informationen?

Kapitel 10: Wo finde ich gute und sichere


Informationen?
1. Informationen über Krankheiten Ärzte mit besonderer erfahrung bei
bestimmten erkrankungen:
Allgemein: örtliche oder bundesweite Selbsthilfegruppen, siehe
4. und
www.patienten-information.de oder www.aezq.de •• www.paritaet.org  Online-Beratung
www.gesundheitsinformation.de
•• www.achse-online.de
Selbsthilfe-Netzwerk für seltene Erkrankungen
einzelne Bereiche: Ärztliche Fachgesellschaften und Berufsverbände
Allergie, Umwelt, Gesundheit:
•• www.allum.de
einen Psychotherapeuten finden:
Krebs:
Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und
•• www.krebsinformationsdienst.de
Jugendlichenpsychotherapeuten:
Psychische Erkrankungen: •• Bundes-Psychotherapeutenkammer
www.bptk.de  Patienten  Therapeuten-Suche 
•• www.psychotherapiesuche.de Therapeutensuche der Landes-Psychotherapeuten-
•• www.bptk.de  Patienten  Psychische Störun- kammern, Bundesland auswählen
gen von A bis Z •• Psychotherapie-Informationsdienst
www.psychotherapiesuche.de
Zähne:
•• www.agz-rnk.de Ärztliche Psychotherapeuten und Kinder- und Ju-
Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit gendlichenpsychiater und -psychotherapeuten: Sie-
he oben „Einen Arzt finden“
•• www.kzbv.de
Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung
einen Zahnarzt finden
Leitlinien zum ärztlichen Vorgehen: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung
•• www.awmf.org  Leitlinien teilweise auch für •• www.kzbv.de  Patienten  Zahnarztsuche 
Patienten Bundesland auswählen

2. Informationen über Ärzte, Gute Arztpraxis, checkliste


•• Checkliste „Woran erkennt man eine gute Arzt-
Psychotherapeuten, Zahnärzte, praxis? Checkliste für Patientinnen und Patien-
ten“
Krankenhäuser Vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin
(ÄZQ), zu finden unter: www.patienten-information.
de  Ich suche einen Arzt
einen Arzt finden:
Bundesärztekammer: Das richtige Krankenhaus finden, bundes-
•• www.baek.de  Patienten  Arztsuche  Bun- weit
desland auswählen
•• www.weisse-liste.de
Gesundheitsportal von vielen Patienten-Organisa-
Stiftung Gesundheit:
tionen
•• www.stiftung-gesundheit.de oder •• www.klinik-lotse.de
•• www.arzt-auskunft.de Verband der Ersatzkassen

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Kapitel 10: Wo finde ich gute und sichere Informationen?

•• www.deutsches-krankenhaus-verzeichnis.de •• www.gapinfo.de/gesundheitsamt/alle/behoerde
Krankenhaus-Gesellschaft  Gesundheitsämter in Deutschland, Ihr örtli-
•• www.arzt-auskunft.de ches Gesundheitsamt
Stiftung Gesundheit, •• www.dag-selbsthilfegruppen.de
Tel: 0800 - 7 39 00 99, kostenlos Überblick, Allgemeines zu Selbsthilfegruppen
•• Selbstverpflichtungs-Erklärung: „Leitsätze der
Selbsthilfe für die Zusammenarbeit mit Personen
Das richtige Krankenhaus finden, regional des privaten und öffentlichen Rechts, Organisati-
einige Beispiele onen und Wirtschaftsunternehmen, insbesonde-
•• Berlin: www.gesundheitsberater-berlin.de re im Gesundheitswesen“ zu finden unter www.
bag-selbsthilfe.de  Gesundheitliche Versor-
•• Hamburg: www.hamburger-krankenhausspie-
gung
gel.de
•• www.vdek.com  Vertragspartner  Selbsthilfe.
•• Ruhrgebiet: www.kliniken-rhein-ruhr.de
Homepage der Ersatzkassen
•• Bremen: www.bremer-krankenhausspiegel.de
•• www.patientenberatung-bremen.de
von Ärzte-, Zahnärzte- und Psychotherapeutenkam-
mer, Landesregierung, Krankenkassen, Krankenh-
3. Informationen über Arzneimittel ausgesellschaft getragen
•• www.unabhaengige-patientenberatung.de
und hilfsmittel von Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bun-
•• www.arzneimittelberatungsdienst.de desverband, Verbund unabhängige Patientenbera-
Unabhängige Verbraucher- und Patientenberatung tung getragen
und Medizinische Fakultät der Technischen Univer- •• www.agz-rnk.de
sität Dresden, allgemeine Informationen, Telefonbe- Zahngesundheit: Patientenberatung
ratung
•• www.patientenbeauftragte.de
•• www.bfarm.de Bundes-Beauftragte für Patientinnen und Patienten,
Bundesinstitut, allgemeine Informationen zu Arznei- Tel: 030-18-441-3420
mitteln
•• www.dimdi.de
Deutsches Institut für medizinische Dokumentation
und Information dort finden Sie eine Liste über die 5. Patienten-Verfügung,
von Zuzahlungen befreiten Arzneimittel sowie eine
Liste über die aktuellen Arzneimittel, für die Fest-
Betreuungs-Verfügung,
beträge vereinbart worden sind Vorsorge-Vollmacht
•• www.gutepillen-schlechtepillen.de  Zuzahlung •• Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krankheit und
sparen Alter“, Bayerisches Justizministerium, 11. Auf-
Kostenvergleich in Hinsicht auf Zuzahlungen lage, Beck-Verlag 2009
•• www.rehadat.de •• Broschüren „Patientenverfügung“ und „Be-
Hilfsmittel treuungsrecht“, Bundesministerium der Justiz,
online-Bestellung und Herunterladen unter:
www.bmj.bund.de Service Publikationen
Informationen zu Labortests
www.labtestonline.de Bestellung unter:
Publikationsversand der Bundesregierung,
Postfach 48 10 09, 18132 Rostock,
4. Selbsthilfegruppen und Telefon 01805 77 80 90 (12 Cent/Min.),
Fax 030- 18105808000.
Patienten-Beratungsstellen
•• www.paritaet.org  Online-Beratung
•• www.nakos.de
Suche nach Selbsthilfegruppen

DER PARITÄTISCHE – Ihre Rechte als Patient (2. Auflage) – Verlag C.H. Beck – Hersteller: Frau Deuringer –
Stand: 25.03.2011 Status: Imprimatur Seite 59
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Kapitel 10: Wo finde ich gute und sichere Informationen?

Formulare des Instituts für Medizinethik der Ruhr-


Universität Bochum:
6. richtlinien, Gesetze, urteile
•• www.zme-bochum.de  Veröffentlichungen  •• www.g-ba.de  Informations-Archiv  Richtli-
Patientenverfügungen. nien,
Gute, aber etwas aufwändige Entscheidungshilfe. Richtlinien des G-BA (Gemeinsamer Bundesaus-
Sowohl für das Herunterladen als auch für Bestel- schuss)
lungen wird um eine Kostenerstattung von € 5,– bis € •• www.kbv.de  Rechtsquellen  G-BA-Richtlini-
7,50 gebeten. en, Ärztliche Versorgung
•• www.kzbv.de  Zahnärzte  Rechtsgrundlagen
Bestellung unter: G-BA-Richtlinien, Zahnärztliche Versorgung
Ruhr-Universität Bochum, •• www.gesetze-im-internet.de
Zentrum für Medizinische Ethik, alle deutschen Gesetze
Gebäude GA 3/53,
D-44780 Bochum,
Med.Ethics@ruhr-uni-bochum.de urteile:
•• www.bundessozialgericht.de
Formulierungsvorschläge für Patienten-, Betreu-
ungsverfügungen und Vorsorgevollmachten, ohne •• www.sozialgerichtsbarkeit.de
Bewertung: •• www.bundesgerichtshof.de
•• www.ethikzentrum.de  Patientenverfügung

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Stichwortverzeichnis

Stichwortverzeichnis
A C-E
Abgerechnete Leistungen 39 Chefarztbehandlung 23
Ambulante Psychotherapie 52 Einsichtsrecht in Akten 8
Anwaltskosten 18 Einsichtsrecht in die ärztliche Dokumentation 30
Arbeitsunfähigkeit 16 Einwilligung in die Behandlung 27, 29
Arzneimittel (siehe auch Medikamente) 14 Einwilligungsfähigkeit 29
Arzt – abgerechnete Leistungen 39 Empfängnisverhütung 12
Arzt – Fehler siehe Fehler Entbindung von der Schweigepflicht 32
Arzt – Schadenersatz bei Fehler 42 Entlassung aus dem Krankenhaus 24
Ärztehaus 19 Europäische Union 17
Ärztekammer 10 F
Ärztekammer – Gutachter-Kommissionen 43 Facharzt-Bezeichnung 20
Ärztekammer – Schlichtungsstelle 43 Fahrtkosten 14
Arzthaftung 40 Fahrtkosten – Krankenhaus 26
Arzthaftung – gütliche Einigung 43 Fahrtkosten – Zuzahlungen 36
Arzthaftung – Gutachter-Kommissionen 43 familienversichert 5
Arzthaftung – Rechtsanwalt 44 Fehler des Arztes – Aufklärungsfehler 41
Arzthaftung – Schlichtungsstellen 43 Fehler des Arztes – Behandlungsfehler 40
Arzthaftung – Unterstützung durch die Fehler des Arztes – Beweise 41
Krankenkassen 43 Fehler des Arztes – Nachsorgefehler 40
Arzthaftung – Verfahren 43 Fehler des Arztes – Organisationsfehler 41
Ärztliche – Dokumentationspflicht 29 Fehler des Arztes – Therapiefehler 40
Ärztliche – Dokumentationspflicht – Festbetrag 16
Aufbewahrung 30 Freie Arztwahl 19
Ärztliche – Dokumentationspflicht – freiwillig versichert 5
Einsichtsrecht 30 Früherkennung von Krankheiten 12
Ärztliche – Dokumentationspflicht – Kopieren 30 G
Ärztliche Schwerpunktbezeichnung 20 Gebührenordnung für Ärzte – GOÄ 9
Ärztliche Zusatzbezeichnung 20 Gebührenordnung für Zahnärzte – GOZ 9
Arztsuche 19 Gemeinsamer Bundesausschuss – G-BA 11
Arzttermin – nicht wahrgenommen 39 Gemeinschaftspraxis 19
Aufklärung – Verständlichkeit 28 Generika 16
Aufklärung durch den Arzt 27 Gerichtskosten 18
Aufklärung über alternative Behandlungen 28 Gesundheits-Fachberufe 10
Aufklärung über den Verlauf der Erkrankung 28 Gesundheitsfond 8
Aufklärung über die Diagnose 28 Gutachten im Haftungsfall 42
Aufklärung über Risiken 28 Gutachter-Kommissionen 43
Aufklärungs-Fehler 41 Gutachterverfahren in der Psychotherapie 54
Ausfallhonorar 39
H
Ausfallhonorar in der Psychotherapie 57
Haftung des Arztes 40
Ausland 17
Haftung des Zahnarztes 49
Ausland – Zahnersatz 48
Haushaltshilfe 13
Ausnahmen von der Schweigepflicht 32 Haushaltshilfe – Zuzahlung 35
aut idem 16 Häusliche Krankenpflege 13, 25
B Häusliche Krankenpflege – Zuzahlung 35
Befreiung von Zuzahlungen 36 Heil- und Kostenplan 45
Behandlungsfehler 40 Heilmittel 13
Beitragssatz 8 Heilmittel – Zuzahlung 34
Belastungsgrenze 36 Heilpraktiker 10, 51
Belastungsgrenze – Berechnung 36 Hilfsmittel 13
Beleg-Krankenhaus 24 Hilfsmittel – Zuzahlung 34
Hospiz 14
Berufsordnung des Arztes 10
Beschwerden im Krankenhaus 24 I
Beweise von Arztfehlern 41 Implantate 46
Bonusprogramm 7 Individuelle Gesundheitsleistungen – IGeL 9, 38

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Stichwortverzeichnis

K Psychotherapeut/Psychotherapie 51
Kassen-Arzt 8 Psychotherapie – ambulant 52
Kassenärztliche Vereinigung 8 Psychotherapie – Ausfallhonorar 57
Kassen-Psychotherapeut 8 Psychotherapie – Einzeltherapie 52
Kassenzahnärztliche Vereinigung 8 Psychotherapie – Gruppentherapie 52
Kieferorthopädische Behandlung 45 Psychotherapie – Gutachterverfahren 54
Kieferorthopädische Behandlung – Psychotherapie – Methoden 52
Selbstbeteiligung 47 Psychotherapie – Probe-Sitzungen 52, 56
Klage 18 Psychotherapie – stationäre Behandlung 54
Klinikführer 22 Psychotherapie – Suche nach einem
Kostenerstattung 7 Psychotherapeuten 55
Krankengeld 16 Psychotherapie als Lebensberatung 51
Krankenhaus 9, 22 Q-R
Krankenhaus – abgerechnete Leistungen 39 Qualitätsbericht des Krankenhauses 22
Krankenhaus – Aufnahmevertrag 23 Rabattvertrag 16, 34
Krankenhaus – Beschwerden 24 Rechtsanwalt 18
Krankenhaus – Einweisung 23 Rechtsanwalt – Beratung bei der Arzthaftung 44
Krankenhaus – Entlassung 24 Regelversorgung beim Zahnarzt 46
Krankenhaus – Fahrtkosten 26 Rehabilitation 14, 22
Krankenhaus – Leistungen 23 Rehabilitation – Zuzahlungen 36
Krankenhaus – Recht auf Information 24 Reise-Krankenversicherung 17
Krankenhaus – Wahlleistungen 23 Ruhen der Krankenversicherung 6
Krankenhaus – Zuzahlungen 35
Krankenversichertenkarte 7 S
Krankschreibung 16 Schadenersatz 42
künstliche Befruchtung 12 Schlichtungsstelle 43
Kurzzeitpflege 25 Schwangerschaftsabbruch 13
Schweigepflicht 31
L-M Schweigepflicht – Ausnahmen 32
Lohnfortzahlung 17 Schweigepflicht – Entbindung 32
Medikamente – Zuzahlung 34 Selbstbeteiligung 33
Medikamente siehe auch Arzneimittel Selbsthilfe-Gruppen 10, 13
Medizinischer Dienst der Krankenkassen 8 Sozialgericht 18
Medizinisches Versorgungszentrum – MVZ 19 Sozialpsychiatrischer Dienst 55
N Soziotherapie 14
Nachsorgefehler 40 Sterilisation 13
Negativliste 15 T-V
Neurologe 51 Therapiefehler 40
Notarzt 20 Transport aus dem Ausland 17
Notfalldienst 20 Verbandmittel 13
O Verbandmittel – Zuzahlung 34
Off-Label-Use von Arzneimitteln 15 Verhütung von Krankheiten 12
verschreibungspflichtige Arzneimittel 14
Organisationsfehler 41
Vertragsarzt 9
OTC-Arzneimittel 15
Vorsorge-Leistungen 12
P
W
Palliativ-Versorgung 14
Wahlleistungen im Krankenhaus 23
Patienten-Akte 29
Wahltarif 7
Patienten-Beratungsstelle 59
Wechsel der Krankenkasse 8
Patienten-Dokumentation 29
Weiterbildung des Arztes 10
Patientenquittung 39
Widerspruch 18
pflichtversichert 5
Praxisgebühr 33 Z
Praxisgemeinschaft 19 Zahnarzt – Eigenanteil 47
Private Krankenversicherung 6 Zahnarzt – Härtefall-Zuschuss 48
Prozesskostenhilfe 18 Zahnarzt – Heil- und Kostenplan 45
Psychiater 51 Zahnarzt – Implantate 46

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Stichwortverzeichnis

Zahnarzt – Kinder 45 Zuzahlung – Heilmitteln 34


Zahnarzt – mangelhafte Leistung 49 Zuzahlung – Hilfsmitteln 34
Zahnarzt – Regelversorgung 46 Zuzahlung – Medikamenten 34
Zahnarzt – Selbstbeteiligung 47 Zuzahlung – Soziotherapie 35
Zahnarzt – Zahnersatz aus dem Ausland 48 Zuzahlung – Verbandmitteln 34
Zahnersatz 46 Zuzahlung – Befreiung 36
Zusatzbeitrag 8 Zuzahlung – Rehabilitation 36
Zuzahlung 33 Zuzahlung – Fahrtkosten 36
Zuzahlung – Behandlung der Zähne 45 Zuzahlung im Krankenhaus 35
Zuzahlung – Haushaltshilfe 35 Zweite Meinung 20
Zuzahlung – häuslicher Krankenpflege 35

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