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Ein Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung

Der Freundinnen-Klub
Eine Geschichte von Annette Moser illustriert von Irmgard Paule, erschienen
im Loewe Verlag.
Elena hockte in einem leeren Umzugskarton und sah Mama und Papa beim

Auspacken zu. „Was für ein Chaos!“, stöhnte Papa und Mama meinte: „Elena,

geh doch rauf und spiel in deinem schönen neuen Zimmer.“

Elenas Zimmer war als einziges schon

fertig eingerichtet. Die Tapete war mit

rosa Blümchen und gelben

Schmetterlingen bedruckt und ihr

großes Bett stand mitten im Raum. So

eins hatte sich Elena schon immer

gewünscht. Trotzdem war sie

unzufrieden.

„Allein spielen ist langweilig“, maulte

Elena und kletterte aus dem Karton.

„Ich habe hier ja noch keine einzige

Freundin.“

Mama strich Elena über den Kopf. „Ich weiß, du vermisst Bea. Aber bestimmt

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lernst du bald ein anderes nettes Mädchen kennen. Spätestens nach den

Ferien, wenn du in deine neue Schule kommst.“

Elena seufzte und schlurfte in den Garten. In diesem Moment bog ein Auto in

das Nachbargrundstück ein. Kaum hatte es gehalten, sprang ein Mädchen mit

einem langen blonden Pferdeschwanz heraus. Sie war braun gebrannt, hatte

eine kleine Stupsnase und trug pinkfarbene Shorts und ein lila Top.

„Die sieht aber nett aus“, dachte Elena. „Ein bisschen wie Bea.“

„Hallo!“, rief das Mädchen Elena über den Zaun hinweg zu und kam neugierig

ein paar Schritte näher. „Ich heiße Lisa. Wohnst du jetzt etwa nebenan?“

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Elena nickte. „Ja, wir sind vorgestern hier eingezogen. Ich bin Elena.“

„Herzlich willkommen!“ Lisas Mama und Papa winkten Elena zu und holten

Gepäck aus dem Kofferraum. Sie sahen genauso nett aus wie Lisa.

„He, willst du vielleicht rüberkommen und mit mir Federball spielen?“, fragte

Lisa. „Ich habe die Schläger im Urlaub bekommen, aber meistens war es am

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Strand zu windig. Wir waren nämlich gerade zwei Wochen in Spanien im

Urlaub.“

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„Klar, ich komme gleich!“, rief Elena. „Ich sag nur schnell meiner Mama

Bescheid!“

Die Mädchen spielten Federball, bis es

ihnen zu langweilig wurde. Dann zeigte

Lisa Elena ihr Zimmer. Sie hatte kein

großes Bett, aber dafür ein Aquarium

und Elena durfte den kleinen Fischen

aus einer Dose Futter geben. Anschließend packten sie Muscheln aus, die

Lisa am Strand gesammelt hatte. Sie sortierten sie nach Farben und Formen

und die schönsten gaben sie ins Aquarium.

„Es war super heute“, meinte Lisa, als Elena am Abend nach Hause musste.

„Ja, finde ich auch“, sagte Elena. „Denkst du, wir könnten vielleicht beste

Freundinnen werden?“, fragte sie vorsichtig.

Lisa strahlte. „Klar, das wäre prima!“ Plötzlich biss sich Lisa auf die Lippen.

„Aber ich glaube, das … das geht doch nicht so richtig“, stammelte sie. „Ich

habe nämlich schon zwei beste Freundinnen. Aber wir können ja trotzdem ab

und zu miteinander spielen.“

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Elena nickte traurig. Dann rannte sie schnell nach Hause.

„Na, habt ihr schön zusammen gespielt?“, wollte Mama wissen, als sie Elena

ins Bett brachte. „Man konnte euch ja bis hierher lachen und kreischen

hören.“

„Ja, Lisa ist nett“, antwortete Elena. „Aber eine beste Freundin braucht sie

nicht mehr. Sie hat schon zwei.“

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Am nächsten Tag waren Mama, Papa und Elena bei einem neuen Kollegen

von Papa eingeladen. „Herr Kroll hat eine Tochter, die genauso alt ist wie du“,

meinte Papa.

Als Herr Kroll und seine Frau die Tür öffneten, lugte ein Mädchen hinter einer

Ecke hervor. Sie trug ein langes rosa Kleid und auf den braunen Locken saß

eine goldene Krone. „Elena, das ist Laura“, sagte Frau Kroll. „Wahrscheinlich

kommst du in ihre Klasse.“

„Spielst du Prinzessin?“, fragte Elena. „Ich habe zu Hause fast die gleiche

Krone. Nur in Silber.“

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„Oben in meinem Zimmer ist noch eine“, sagte Laura fröhlich. „Wenn du willst,

kannst du sie gern aufsetzen.“

Die Mädchen rannten die Treppen hoch. Elena sah sich staunend um. Alles in

Lauras Zimmer war rosa und golden: der Tisch, der Stuhl, die Vorhänge, der

Spiegel an der Wand, das Bett und der riesige Schrank.

„Gefällt es dir?“, fragte Laura. „Meine Mama und ich haben alles selbst

angestrichen.“

Elena nickte. „Dein Zimmer ist wunderschön“, sagte sie bewundernd. „Fast

wie ein Prinzessinnenschloss.“

„Ja, aber leider ärgert mich mein Bruder Tom immer, wenn ich Prinzessin

spielen will“, seufzte Laura. „Er stürmt dann einfach in mein Zimmer und tut

so, als wäre er ein Pirat. Alles nimmt er mir weg. Eben hat er mir meine

Halskette und mein Armband geklaut.“

„He, ich hab eine Idee!“, rief Elena. „Wir tun nur so, als wären wir

Prinzessinnen. Dabei sind wir eigentlich Räuber.“

„Ja, super, wir sind zwei Räuberprinzessinnen!“ Laura kramte in ihrer

goldenen Schatzkiste und holte für Elena eine Krone und ein großes rosa

Tuch hervor. Das band sich Elena als Umhang um. Anschließend bauten sie

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auf Lauras Bett mit Büchern und Decken eine rosa Räuberhöhle und

bewaffneten sich mit Kissen.

„Ihr seht ja vielleicht dämlich aus“, stöhnte Tom, als die beiden in sein Zimmer

schlichen. Er lag gerade auf seinem Bett und blätterte in einem Comicheft.

„Wie zwei rosa Marzipanschweinchen.“

„Auf die Plätze, fertig, los! Angriff der Räuberprinzessinnen!“, brüllten Elena

und Laura. „Her mit der Beute!“

Sie stürzten sich auf Lauras Bruder, kitzelten ihn und bewarfen ihn mit Kissen,

bis sie Lauras Halskette und ihr Armband zurückerobert hatten. Außerdem

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schnappten sie sich zwei Kaugummis und eine halbe Tafel Schokolade. Die

Beute teilten sie in ihrer Räuberhöhle. Insgesamt gab es noch drei weitere

Angriffe von Pirat Tom und vier von den Räuberprinzessinnen.

Am Abend verabschiedeten sich Elenas und Lauras Eltern voneinander.

„Schade, dass du schon weg musst. Wir waren super Räuberprinzessinnen“,

fand Laura.

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„Du kannst ja bald mal zu mir kommen“, schlug Elena vor. „Ich brauche

sowieso noch eine neue beste Freundin.“

Da wurde Laura plötzlich ganz rot. „Ich … weiß nicht so genau“, stotterte sie.

„Weißt du, das Problem ist, ich habe schon zwei beste Freundinnen …“ Und

etwas leiser fügte sie hinzu: „Aber wir sehen uns ja nächste Woche in der

Schule.“

„Na gut“, murmelte Elena traurig. „Dann bis nächste Woche!“

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Am darauffolgenden Morgen brachte Mama Elena zum Ponyhof Rübezahl.


Elena war ganz aufgeregt. Sie wollte schon immer reiten lernen.

Die Reitlehrerin Isabella war sehr nett. „Das hier ist Elena“, sagte sie zu den

anderen Mädchen in der Gruppe. „Wer will sich ein bisschen um sie kümmern

und ihr alles erklären?“

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„Ich!“, rief sofort ein Mädchen mit

kurzen dunklen Haaren und

Sommersprossen. „Komm mit, ich

zeige dir den Hof. Ich heiße übrigens

Lilli.“

„Reitest du schon lange?“, wollte Elena

wissen. „Ich habe erst einmal auf

einem Pony gesessen.“

„Ich reite, seit ich vier bin“, antwortete

Lilli. „Aber du wirst es sicher auch

schnell lernen. Willst du mal mein

Pflegepony Vanilla sehen? Es steht

dort drüben auf der Koppel. Wenn du

möchtest, darfst du mir helfen, es zu striegeln und seine Hufe auszukratzen.“

Gern“, antwortete Elena strahlend und lief mit Lilli zur Koppel. Liebevoll

wuschelte sie dem Pony durch die Mähne. „Lustig, sein Fell sieht ja wirklich

aus wie Vanille!“

Lilli zeigte Elena, wie man Ponys sattelt und den Führstrick befestigt. Und

Elena durfte sogar auf Vanilla reiten. „Das machst du richtig toll!“, riefen Lilli

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und Isabella ihr zu und Elena war sehr stolz. Am Abend holte Mama sie ab.

„Das hat Spaß gemacht!“, rief Elena

und winkte Lilli zu. „Bist du morgen

auch wieder auf dem Ponyhof?“

Lilli schüttelte den Kopf. „Nein, morgen

treffe ich mich mit meinen zwei besten

Freundinnen. Da habe ich keine Zeit.

Aber übermorgen vielleicht.“

Elena stieg schnell zu Mama ins Auto.

Plötzlich traten ihr Tränen in die Augen

und sie weinte einfach los. „Aber was

ist denn?“, fragte Mama ganz besorgt.

„Hat dir das Reiten nicht gefallen?“

„Doch“, sagte Elena schniefend. „Aber niemand will richtig mit mir befreundet

sein. Alle Mädchen haben schon beste Freundinnen.“

„Aber wir sind doch gerade erst hierhergezogen“, versuchte Mama, Elena zu

trösten. „Du wirst sehen, bald findest du auch eine nette Freundin.“

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Am nächsten Tag spielte Elena gerade allein im Garten, als sie nebenan Lisa

aus dem Haus kommen sah. Heute trug sie ein weißes Shirt, auf dem eine 3

und ein großes L standen. Lisa verschwand mit einer Flasche Saft in einem

kleinen Gartenhaus. Kurz darauf tauchte plötzlich Laura auf und folgte Lisa.

„Na so was“, staunte Elena. „Die beiden kennen sich ja! Und Laura hat sogar

das Gleiche an wie Lisa.“

Es dauerte nur ein paar Minuten, da stürmte auf einmal Lilli in das

Gartenhaus. Wie die beiden anderen trug sie ein weißes Shirt mit einer 3 und

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einem L. Seltsam.

„He, Elena, kommst du mal rüber?“ Lisas Kopf tauchte aus dem

Gartenhausfenster auf und sie winkte Elena wie wild zu.

Als Elena gespannt das Gartenhaus betrat, lächelten ihr die drei Mädchen

schon erwartungsvoll entgegen.

„Hallo, Elena“, sagten sie wie aus einem Mund.

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„Hallo“, grüßte Elena zurück. „Was macht ihr denn alle hier? Und was

bedeuten die 3 und das L?“

„Ganz einfach“, erklärte Lisa. „Laura, Lilli und Lisa – wir sind die 3 L. Das ist

der Name unseres Freundinnen-Klubs, verstehst du?“

„Wir finden dich alle total nett und wollen dich unbedingt als neue Freundin in

unserem Klub“, erklärte Laura weiter.

„Es gibt nur ein Problem: Dein Name fängt nicht mit einem L an“, fügte Lilli

hinzu. „Und deshalb wollten wir dich fragen, ob wir vielleicht einfach Leni zu

dir sagen dürfen. Das wäre wirklich praktisch.“

„Leni?“ Elena strahlte. „Na klar, so hat mich Bea doch auch immer genannt.“

„Super!“, jubelten die Mädchen. Schnell holte Laura einen dicken schwarzen

Filzstift, strich auf jedem Shirt die 3 durch und malte eine 4 daneben. „Und

jetzt machen wir dir auch ein Shirt, Leni. Denn ab heute sind wir die 4 L.“

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Der Freundinnen-Klub
Geschichte aus: Lesenlernen in 3 Schritten. Die schönsten
Freundinnengeschichten
Autor: Annette Moser
Illustration: Irmgard Paule
Verlag: Loewe
Alterseinstufung: ab 7 Jahren
ISBN: 978-3-7432-0342-6

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