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Journal of Coptic Studies 17 (2015) 215–234

doi: 10.2143/JCS.17.0.3132127

REviews

Simon Gathercole. The Gospel of Thomas. Introduction and Commentary.


Texts and Editions for New Testament Study 11. Leiden/Boston
2014. Gebunden, xi + 723. ISBN 978-90-04-19041-2.

Seit etwa zwanzig Jahren wird das Thomasevangelium (EvThom) in der Forschung
verstärkt als eigenständige Schrift des antiken Christentums wahrgenommen.
Neben verschiedenen Monographien sind dabei insbesondere Kommentare zu
nennen wie die von Richard Valantasis, April D. DeConick, Uwe-Karsten Plisch,
Petr Pokorný und Charles W. Hedrick.1 Simon Gathercole (im Folgenden G.),
Senior Lecturer in New Testament Studies an der Universität Cambridge und
Fellow des Fitzwilliam College, veröffentlicht nun den bisher umfangreichsten
Kommentar zu dieser Schrift. G. hat bereits mehrere Vorarbeiten zum EvThom
veröffentlicht, unter denen besonders die Monographie The Composition of the
Gospel of Thomas die wesentlichen Voraussetzungen für seinen Kommentar dar-
legt.2 Die gelungene Verbindung zwischen der sorgfältigen Beschäftigung mit
dem Text des EvThom sowie der klar strukturierten Auseinandersetzung mit der
bisherigen Forschungsdiskussion, die bereits in dieser Monographie vorliegt,
zeichnet auch den Kommentar aus.
Mit fast zweihundert Seiten hat die vergleichsweise ausführliche Einleitung
des Kommentars beinahe den Umfang einer eigenen Monographie. Wie im Fol-
genden näher beleuchtet wird, stellt die Einleitung unzählige Einzelergebnisse
der Forschung am EvThom zusammen, diskutiert diese und legt damit zugleich
die Voraussetzungen für den folgenden Kommentar dar. Da in der Einleitung der
spezifische Standpunkt dieses Buches im Kontext einer vielfältigen, mitunter
sehr strittigen Forschungsdiskussion deutlich wird, soll die Einleitung auch in
der folgenden Rezension verstärkt berücksichtigt werden.
Bereits das Vorwort legt den programmatischen Ansatz des Kommentars offen:
G. möchte nicht die Traditionsgeschichte der einzelnen Logien des EvThom
rekonstruieren, sondern die Bedeutung der Thomaslogien im Kontext des 2. Jahr-
hunderts, in welchem er die Abfassung des Textes annimmt, untersuchen. Zugleich
soll dies das religiöse Profil des EvThom erklären (ix–x). In einem ersten Kapitel
beschreibt G. die vier Textzeugen (P. Oxy. I 1, IV 654, IV 655 und NHC II),
wobei deren Fund- und Publikationsgeschichte besonders berücksichtigt wird. Die
philologischen Anmerkungen zu Codex II fallen dabei vergleichsweise kurz aus.
Hierzu vermerkt G. lediglich unter Verweis auf Bentley Layton, dass der Text
von NHC II,2 in sahidischem Koptisch „with a great number of non-standard

1
 Auch der von J. Frey/E.E. Popkes und J. Schröter herausgegebene Sammelband Das
Thomasevangelium. Entstehung — Rezeption — Theologie. BZNW 157. Berlin/New York
2008, verpflichtet sich ausdrücklich diesem Ansatz.
2
  Vgl. ausführlich T.J. Kraus, Rezension „Simon Gathercole. The Composition of the
Gospel of Thomas“, JCoptS 15 (2013), 291–294.

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features“ verfasst ist (10), ohne die dialektalen Einflüsse und ihre Bedeutung für
das Verhältnis zu anderen Texten des Codex II zu beleuchten. Anschließend fragt
G. danach, ob sich aus dem Charakter der erhaltenen Manuskripte etwas über die
Herkunft und die ursprüngliche Verwendung des EvThom gewinnen lässt. Nach
einer Diskussion verschiedener Forschungsansätze schlussfolgert G. mit angemes-
sener Zurückhaltung, dass große Teile davon eher spekulativ sind, und fordert,
man solle in Bezug auf die Frage, ob hinter Codex II ein eigener theologischer
Ansatz erkennbar wird, eher „agnostic“ bleiben (13). Daher geht G. auch nicht
davon aus, dass das EvThom im Kontext des Codex II oder sogar des gesamten
Nag-Hammadi-Fundes ausgelegt werden sollte.
Ein separates Kapitel vergleicht anschließend die drei griechischen und den
koptischen Text miteinander (Kapitel 2). Das erklärte Ziel dieses Vergleichs ist
zu zeigen, dass auch das koptische Manuskript aus dem 4. Jahrhundert im Wesent-
lichen einen Text aus dem 2. Jahrhundert enthält, sodass eine Auslegung in die-
sem historischen Kontext gerechtfertigt ist (15). G. führt zunächst die Differenzen
zwischen den überlieferten Textformen auf und wendet sich anschließend den
Gemeinsamkeiten zu. Die Differenzen werden in verschiedene Kategorien einge-
ordnet wie etwa solche, die aus dem Übersetzungsprozess resultieren, Abschreib-
fehler sowie wesentliche Unterschiede („substantive differences“). Was den
Übersetzungsprozess betrifft, führt G. die Differenzen hauptsächlich auf die
Unterschiede zwischen der griechischen und koptischen Sprache zurück, etwa
mit Blick auf die Syntax. Dem gegenüber ist an die Mahnung Ernst Haenchens
zu erinnern, der bereits darauf hinwies, der Übersetzer habe „eine viel aktivere
Rolle gespielt, als wir bisher geahnt haben.“3 Bemerkenswert ist auch, dass G. in
der Kategorie „wesentliche Unterschiede“ nicht mehr nach einzelnen Manuskripten
zitiert, sondern nur vom griechischen und koptischen Text spricht, auf den er sich
mit Hilfe der geläufigen Logienzählung bezieht. Dabei werden die verschiedenen
Charakteristika, die die griechischen Manuskripte jeweils unterscheiden — Buch-
form, Material etc. — nur noch wenig berücksichtigt. Vor allem aber tritt dadurch
der Befund in den Hintergrund, dass die Differenzen zwischen NHC II,2 und
P. Oxy. IV 655 besonders ausgeprägt sind. Abgesehen von der Textlänge im
Vergleich mit NHC II,2 unterscheidet sich P. Oxy. IV 655 auch an mehreren Punk-
ten von den beiden anderen griechischen Zeugen, etwa darin, dass die charakteris-
tische Abfolge von separat eingeleiteten Jesusworten nicht unmittelbar ersichtlich
ist. Dies hat die Erstherausgeber B.P. Grenfell und A.S. Hunt — bekanntlich vor
der Entdeckung des Nag-Hammadi-Textes — dazu veranlasst, diesen Papyrus als
„Fragment of a Lost Gospel“ zu beschreiben, während die anderen beiden als
„ΛΟΓΙΑ ΙΗΣΟΥ“ (P. Oxy. I 1) bzw. „New Sayings of Jesus“ (P. Oxy. IV 654)
überschrieben wurden.4 Im Bereich der Gemeinsamkeiten benennt G. die im
Wesentlichen gleiche Abfolge der griechischen und koptischen Texte und das im

3
 E. Haenchen, „Literatur zum Thomasevangelium“, Theologische Revue 27 (1961),
147–178 (161).
4
  Vgl. J. Schröter, „Das Evangelium nach Thomas (Thomasevangelium [NHC II,2
p.  32,10–51,28]). Oxyrhynchus-Papyri I 1, IV 654 und IV 655 (P. Oxy. I 1, VI 654 und
IV 655). Einleitung“. In: C. Markschies/J. Schröter (eds.): Antike christliche Apokryphen
in deutscher Übersetzung. 1. Band: Evangelien und Verwandtes. Teilband 1, Tübingen
7
2012, 481–506 (488–492).

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Wesentlichen gleiche Material. Besondere Aufmerksamkeit schenkt er denjenigen


griechischen Wörtern, die sich auch als graeco-koptische Wörter im Text von
Codex II finden, wobei insbesondere die ähnlichen griechischen Partikeln ein
starkes Indiz seien, dass es sich um die koptische Übersetzung des Textes handelt,
der auch in den Oxyrhynchus-Fragmenten bezeugt ist. Als Fazit dieses Kapitels
hält G. fest, es gebe zwar Textunterschiede zwischen den griechischen Frag-
menten und NHC II,2. Jedoch würden diese Unterschiede gelegentlich überbe-
tont, womit er sich etwa gegen die Einschätzung Wilfried Eiseles ausspricht.
Demzufolge sieht G. keine Notwendigkeit, die griechischen Fragmente und den
koptischen Text separat auszulegen. Vielmehr werde der Kommentar dort, wo
die „Lesarten“ offensichtlich differieren, versuchen zu erörtern, welche Lesart die
frühere ist (23f.). Mit Blick auf die zukünftige Rezeption dieses Werkes durch die
Forschung ist zu erwarten, dass sich die Diskussion vor allem an diesem Kapitel
entzünden wird. Denn das Argument, wonach der koptische Text im Wesentlichen
(„in substance“) in allen drei griechischen Textzeugen belegt ist und somit von
einer weitgehend stabilen Textüberlieferung zwischen 2. und 4. Jahrhundert aus-
gegangen werden kann (23), führt zu der Frage zurück, ob dieser wesentliche
Bestand, diese Substanz als ausreichend breit und tragfähig eingeschätzt wird.
In einer „Appended Note“ findet anschließend eine detaillierte Auseinander-
setzung mit den Argumenten für eine stufenweise Entstehung des EvThom statt
(sog. Rolling-Corpus-Modell), wie sie von John D. Crossan und zuletzt vor allem
von DeConick vertreten wurde. Zwar hält G. den Beweis, dass es keine stufen-
weise Entstehung gab, für unmöglich. Jedoch hält er die Argumente dafür ebenso
wenig für überzeugend, besonders die Kriterien für die Zuweisung einzelner
Logien zu einer bestimmten Stufe. Demzufolge soll der Kommentar den Text
der erhaltenen Manuskripte auslegen — „without reliance on any such specula-
tive archaeology“ (34).
In den folgenden beiden Kapiteln stellt G. die externen Zeugnisse für das
EvThom vor. Dabei werden zunächst namentliche Nennungen des EvThom in der
antiken und auch mittelalterlichen Literatur lediglich wiedergegeben und ins
Englische übersetzt, ohne sie einzeln zu bewerten (Kapitel 3). Bemerkenswert
ist, dass die aufgeführten Zeugnisse im vorliegenden Band in etwa den doppelten
Umfang dessen haben, was Harold W. Attridge zusammengestellt hatte (35), wenn-
gleich G. festhält, dass nicht in jedem Fall ein Bezug auf das EvThom gesichert
ist (60). Ein separates Kapitel führt mögliche antike Bezugnahmen auf den Inhalt
des EvThom auf, wobei diese in englischer Übersetzung synoptisch neben den
relevanten Thomaslogien wiedergegeben werden (Kapitel 4). Diese inhaltlichen
Bezugnahmen werden jeweils unter Berücksichtigung der bisherigen Forschung
erläutert.
Anschließend fragt G. danach, in welcher Sprache das EvThom ursprünglich
verfasst wurde (Kapitel 5). Dieses Kapitel stellt eine Zusammenfassung des
entsprechenden Abschnitts aus der Monographie The Composition of the Gospel
of Thomas dar, in der G. bereits schlüssig für eine ursprünglich griechische
Abfassung argumentiert hatte.5 Auch in der Diskussion der Herkunft des EvThom
(Kapitel 6) bezieht G. die bisherigen Vorschläge der Forschung intensiv ein und

5
  Vgl. die Rezension von T. J. Kraus (s. Anm. 2).

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urteilt salomonisch: „it is probably best to admit our ignorance about Thomas’s
provenance, while acknowledging that Syria and Egypt are reasonable possibi-
lities“ (110f.).
Das 7. Kapitel widmet sich der zentralen Frage der Datierung des EvThom als
Ganzem sowie der Verfasserschaft. Dabei werden die Ergebnisse der vorhergehen-
den Kapitel nun zusammengeführt. Als Anhaltspunkte für den terminus ante quem
hält G. lediglich die Oxyrhynchus-Papyri sowie die Hippolyt-Erwähnung für aus-
schlaggebend (116). Für den terminus a quo wertet er Logion 71 aus, das in die
Zeit nach 135 n.Chr. weise. Darüber hinaus ließen sich  redaktionelle Elemente
aus Lk sowie Einflüsse von Röm und möglicherweise auch 1Kor erkennen, sodass
ein Abfassungsdatum vor 100 n.Chr. kaum vorstellbar sei. Als ein weiteres Indiz
sieht G. die Aussagen des EvThom zum Judentum und insbesondere zur Beschnei-
dung (EvThom 53), denen er Justin vergleichend zur Seite stellt (Dial. 19,3). Als
Fazit will G. den Entstehungszeitraum nicht zu eng begrenzen — auch wenn sich
der gelehrte horror vacui dem widersetze — und datiert die Entstehung des
EvThom in die Zeit der sog. Antoninischen Dynastie (138–192 n.Chr.). Die Iden-
tität des Verfassers schließlich sei leider völlig unbekannt (124).
Die folgenden beiden Kapitel behandeln den Aufbau des EvThom (Kapitel 8)
sowie die Frage, welcher Gattung diese Schrift zugeordnet werden kann (Kapitel 9).
Hinsichtlich des Aufbaus setzt sich G. zunächst mit verschiedenen Einteilungen
in größere Blöcke auseinander, die er jedoch für nicht überzeugend hält. Dem
gegenüber werden drei strukturierende Mittel positiv hervorgehoben: erstens die
wiederkehrende Logieneinleitung ⲡⲉϫⲉ ⲓ⳰ⲥ; zweitens ein eröffnender Abschnitt
am Beginn des EvThom, der mit Logion 2 oder 3 ende; sowie drittens Verbindun-
gen, die durch Stichworte, gemeinsame Themen oder gemeinsame Form (z.B. Para-
beln) hergestellt werden, wodurch sich Paare oder „cluster“ von Logien ergeben
(130–135). Daraus entnimmt G., dass der literarische Kontext zwar bedeutsam
ist, aber nicht in jedem Fall für die Interpretation entscheidend. Daher soll der
Kommentar einen Mittelweg beschreiten, der die beiden Extreme sowohl einer
Loslösung der einzelnen Logien aus dem Kontext einerseits als auch eine „con-
textual parallelomania“ andererseits vermeidet (135f.). Mit Blick auf die Gattungs-
frage werden „Evangelium“ als Erzählung und „Sentenzen-“ bzw. „Chrien-
sammlung“ favorisiert. G. schlägt schließlich vor, im EvThom eine Mischgattung
(„mixed genre“) zu sehen (142). Unter Aufnahme der neueren literaturwissen-
schaftlichen Gattungstheorie könnte man weiterführend auch von einer „hybriden
Gattung“ sprechen. Was die Bewertung der Narrativität des EvThom betrifft, wäre
eine geringere Orientierung an der Handlungsstruktur der kanonisch gewordenen
Evangelien und stattdessen eine stärkere Berücksichtigung narratologischer Ansätze
in der Literaturwissenschaft weiterführend. So hatte etwa Valantasis bereits in
diese Richtung gewiesen, indem er festhielt, dass ein Erzähler im EvThom Jesus
als eine Figur darstellt, die zu einem Publikum spricht: „This narrativized Jesus
pronounces sayings.“6 Für die Auslegung des EvThom ergäbe sich damit unter
anderem eine stärkere Berücksichtigung der darin redenden Figuren, der Art und

6
 R. Valantasis, The Gospel of Thomas. New Testament Readings. London/New York
1997, 8; vgl. auch die narratologisch ausgerichtete Studie zur Mischna von M. Simon-
Shoshan, Stories of the Law. Narrative Discourse and the Construction of Authority in the
Mishnah, Oxford/New York 2012.

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Weise, in der sie charakterisiert werden, sowie beispielsweise eine genauere


Wahrnehmung der Narrativität in den Parabeln.
Eine hervorragende Übersicht stellt das Kapitel „The Religious Outlook of
Thomas“ dar (Kapitel 10), das anstelle einer „tidy theology“ stehe. Hierin ent-
faltet G. systematisch die wichtigsten Inhalte des EvThom. Zugleich werden in
diesem Kapitel zahlreiche neuere Einzelstudien zu den verschiedenen Themen
aufgenommen. Zunächst werden unter der Überschrift „Theological Frame-
work“ Aussagen zum „Vater“, zum „Königreich“, zu „Schöpfung und Fall“ bis
hin zu „(Selbst-) Erkenntnis“ und „Erlösung“ zusammengestellt. Dabei wird der
„Fall“ als eine Art Zerfall, genauer als ein Auseinandertreten in binäre Gegen-
sätze bestimmt (154). Der anschließende Abschnitt „The Practice of Discipleship
in Thomas“ thematisiert, wie dieser Zustand des Zerfalls nach dem EvThom
überwunden werden kann: durch „Self-Union“, „Gender Union“ und „Chris-
tological Union“. In der zuletzt genannten Kategorie nimmt G. auf das „Wer-
den wie ich“ in EvThom 108 Bezug, das als eine Art „unitive mysticism“ oder
ὁμοίωσις θεῷ zu verstehen sei (158). Schließich werden auch konkrete Forderun-
gen wie Zielstrebigkeit und Unbeirrbarkeit genannt, die etwa in einigen Parabeln
ausgedrückt würden (EvThom 8; 76 und 107). In der kontroversen Diskussion
um die Bedeutung der Askese im EvThom kommt G. zu dem Schluss, dass das
EvThom Ehelosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber biologischer Verwandt-
schaft zwar positiv auszeichnet, sie aber nicht als unbedingte Forderung dar-
stellt (161). Nach einem kurzen Abschnitt zu sozialethischen Aspekten kommt
G. auf die Darstellung der Gegner zu sprechen. Die scharf ablehnenden Aussagen
gegenüber den „Juden“ sowie jüdischer religiöser Praxis sprechen für G. gegen
eine Verortung in einem „judenchristlichen“ Milieu. Ebenso sei das EvThom
sehr kritisch gegenüber der breiten „non-Thomasine Christianity“, zu der auch
die Valentinianer gehören könnten (165). In einer weiteren „Appended Note“
wird ausführlich die Frage diskutiert, ob das EvThom als „gnostisch“ zu betrach-
ten ist. In Zusammenhang mit der kontroversen Debatte um den „Gnosis“-Begriff
geht G. davon aus, dass es eine hairesis gegeben habe, deren Anhänger sich als
Γνωστικοί verstanden hätten und die von den Valentinianern oder den Anhän-
gern des Marcus Magus zu unterscheiden seien. Die Lehren dieser Γνωστικοί
sieht G. in Iren. haer. I 29 zusammengefasst. Demzufolge könne das EvThom
kaum als „gnostisch“ angesehen werden, weil es keine Demiurgen-Erzählung
enthält und darüber hinaus EvThom 85 festhalte, dass Adam von einer positiven
„Kraft“ erschaffen wurde. Dennoch zeige der Hinweis auf die Naassener bei
Hippolyt oder auch die Zusammenstellung mit „gnostischen“ und valentinia-
nischen Schriften in Codex II, dass das EvThom sehr verschiedenen Gruppen
brauchbar erschien.
Im ihrem letzten ausführlichen Kapitel legt die Einleitung dar, welche Bedeu-
tung das EvThom für die Auslegung des Neuen Testaments und die Frage nach
dem historischen Jesus hat (Kapitel 11). Dazu setzt sich G. mit den wichtigsten
Argumenten auseinander. Das Argument, das EvThom sei von den Synoptikern
literarisch unabhängig, hält G. für nicht zutreffend. Ebenso sei die historische
Nähe weder in zeitlicher noch in kultureller Hinsicht bedeutsam. Was die kul-
turelle Nähe zum historischen Jesus betrifft, zeige das EvThom eine gewisse
„ignorance of the realia of first-century Palestine“ (181). Darüber hinaus sei das
Gesamtbild, das das EvThom von Jesus zeichne, historisch nicht plausibel, was

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sich besonders an den Aussagen zu jüdischer Religiosität und zum Alten Testa-
ment zeige. Auch was schließlich die Frage betrifft, ob das EvThom eine Quelle
ansonsten unbekannter Jesusworte sein könnte, ist G. sehr skeptisch. Obwohl
dies prinzipiell möglich sei, zeige jedoch die neuere Forschungsdiskussion, dass
die Kriterien zur Bestimmung der Authentizität einzelner Herrenworte fragwür-
dig seien, was ebenso für die kanonisch gewordenen Evangelien gelte. Daher
sei das EvThom für die Rekonstruktion eines historischen Jesusbildes nicht län-
ger als brauchbar einzuschätzen. Leider bleibt es bei diesem negativen Befund.
Ein Ausblick auf neuere Tendenzen der Jesusforschung, in denen insbesondere
„Erinnerung“ bzw. „memory“ eine wichtige hermeneutische Kategorie darstellt,
wäre eine weiterführende Bereicherung dieses Kapitels. In diesem Rahmen
wären Anmerkungen zur spezifischen Rezeptionsweise und Konzeptualisie-
rung der Jesusüberlieferung im EvThom ebenso wünschenswert wie auch eine
positive Würdigung seiner theologiegeschichtlichen Stellung im Kontext des
2. Jahrhunderts, in einer Zeit also, in der der neutestamentliche Kanon gerade
erst entsteht.
Das kurze Kapitel 12 beschreibt anschließend den Aufbau des Kommentars
und leitet damit zum Kommentarteil über. Am Beginn jedes Logions steht, sofern
vorhanden, der Text der Oxyrhynchus-Papyri sowie der koptische Text, beide
versehen mit einer eigenen englischen Übersetzung des Autors (vgl. xi). Außer-
dem verzeichnet eine ausführliche Fußnote am Beginn jeweils relevante Sekun-
därliteratur auf dem neuesten Stand. Dem folgt in der Regel ein „Textual Com-
ment“, der sowohl Probleme des griechischen respektive des koptischen Textes
betrifft, als auch das Verhältnis zwischen beiden diskutiert, sofern sich diese
Frage stellt. Ein weiterer Abschnitt diskutiert anschließend die Auslegung jedes
Logions auf der Basis der frühesten ermittelten Textform („Interpretation“).
Abschließend werden Erläuterungen zu einzelnen Sätzen angefügt, die sowohl
linguistische Details als auch spezielle Probleme der Deutung betreffen („Notes“).
In allen Abschnitten wird die bisherige Forschungsliteratur in sehr umfangreicher
Weise mit einbezogen. Häufig werden verschiedene Deutungsvorschläge referiert
und mit Blick auf ihre Plausibilität diskutiert. Ein anschauliches Beispiel dafür ist
die Auslegung des kürzesten, jedoch sehr deutungsoffenen Logions (EvThom 42):
ⲡⲉϫⲉ ⲓ⳰ⲥ ϫⲉ ϣⲱⲡⲉ ⲉⲧⲉⲧⲛⲣⲡⲁⲣⲁⲅⲉ („Jesus said, ‚Be passers-by!‘“, 379).
Hierzu referiert G. insgesamt acht verschiedene Deutungsvorschläge und votiert
schließlich dafür, als implizites Objekt des Vorübergehens die „Welt“ anzuneh-
men („‚Pass by the world‘“, 382). Zugleich betont er, jede Interpretation eines
derart elliptischen Spruches könne immer nur unter Vorbehalt erfolgen (383).
Der Kommentar zeigt sich insgesamt in seinem Umgang mit dem Text als
„konservativ“ im besten Sinne des Wortes. So wird etwa die vorgeschlagene
Konjektur in EvThom 51,1, die ⲉⲧⲁⲛⲁ<ⲥⲧ>ⲁⲥⲓⲥ statt ⲉⲧⲁⲛⲁⲡⲁⲩⲥⲓⲥ lesen
möchte, als unnötig zurückgewiesen. Die strittige Frage, wie die Charakterisie-
rung des Weinbergbesitzers in EvThom 65,1 zu ergänzen ist, lässt G. ausdrücklich
offen, indem er folgenden Text wiedergibt: ⲟⲩⲣⲱⲙⲉ ⲛⲭⲣⲏ[…]ⲥ ⲛⲉⲩⲛ̄ⲧ[ⲁϥ]
ⲛⲟⲩⲙⲁ ⲛⲉⲗⲟⲟⲗⲉ („‚A […] man had a vineyard.‘“, 457). Nach einer detail-
lierten Abwägung der Argumente für ⲟⲩⲣⲱⲙⲉ ⲛⲭⲣⲏ[ⲥⲧⲟ]ⲥ („ein [gütiger]
Mensch“) oder für ⲟⲩⲣⲱⲙⲉ ⲛⲭⲣⲏ[ⲥⲧⲏ]ⲥ („ein [Wucherer]“) kommt G. zu
dem Schluss, zwischen beiden Rekonstruktionsversuchen lasse sich keine ein-
deutige Entscheidung fällen (460). Eine ausführliche Diskussion findet auch in

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Bezug darauf statt, wie die Logieneinleitung ⲡⲉϫⲉ ⲓ⳰ⲥ/λέγει Ἰησοῦς in eine
moderne Sprache übersetzt werden kann. Hierzu positioniert sich G. so, dass
nicht nur die koptische Version in der Vergangenheitsform übersetzt wird, son-
dern auch der griechische Text. Letzteres begründet er damit, dass bei der
Einleitung der Worte Jesu mit Präsens-Formen der Aspekt des Imperfekts
dominiere (202f.).
Das Buch wird von einem umfangreichen Literaturverzeichnis sowie einem
sehr sorgfältigen Stellen-, Autoren- und Sachregister abgeschlossen, das die
Handhabung dieses ohnehin klar strukturierten Werkes noch vereinfacht. Was den
imposanten Gesamtumfang des Buches von 723 Seiten betrifft, fällt allerdings ins
Auge, dass der Band stellenweise beinahe verschwenderisch mit dem vorhande-
nen Papier umgeht, da jedes Kapitel der Einleitung und auch die Auslegung jedes
einzelnen Logions jeweils auf einer neuen Seite beginnen.
Dieses reichhaltige Buch verfolgt mit seinem unbedingten Festhalten an der
Einheitlichkeit des EvThom sowie seiner Datierung des gesamten Textes in das
2. Jahrhundert einen ebenso sorgfältig argumentierten wie auch hervorragend
durchgeführten Ansatz. Angesichts der kontroversen Debatten, die das EvThom
sowohl im Grundsatz als auch in vielen Detailfragen umgeben, sowie vor allem
mit Hinblick auf die Tatsache, dass Forschungsbeiträge zu dieser Schrift oft
verstreut in Sammelbänden, Festschriften und verschiedenen Fachzeitschriften
erscheinen, erweist sich die umfangreiche Berücksichtigung der Sekundärlitera-
tur als kaum zu überschätzender Gewinn für die zukünftige Forschung. Dass sich
dieses Buch zu einem Standardwerk für die Forschung am EvThom etablieren
dürfte, ist ebenso zu erwarten wie es allen, die an dieser Schrift interessiert sind,
wärmstens zu empfehlen ist. Durch die Loslösung des EvThom aus der Umklam-
merung durch die Gnosis-Debatte, durch die es in weiten Teilen der deutschspra-
chigen Forschung nach wie vor dominiert wird, ist dieser eingeleitete Kommen-
tar ein unschätzbar wertvoller Beitrag, um den Blick auf das EvThom freizulegen:
„a fascinating artefact from the second century“ (185).
Konrad Schwarz

Wolfgang Kosack. Basilios, De archangelo Michael, sahidice. Pseudo–


Euhodios, De resurrectione, sahidice. Pseudo–Euhodios, De dor-
mitione Mariae virginis, sahidice & bohairice. Berlin 2014. 278 S.
ISBN 978-3-906206-02-8.

Wolfgang Kosack, der in den letzten Jahren als ungemein produktiver Autor in
Erscheinung trat, versucht mit diesem, in seinem Hausverlag Christoph Brunner 7
erschienenen Buch drei koptische homiletische Texte vorzulegen, denen zeilen-
parallel andere Versionen derselben Homilien aus Editionen und Handschriften
mit Übersetzungen beigegeben sind.
Eine knappe Einführung (S. 6–10) leitet den I. und II. Teil ein, die Vorgän-
gerarbeiten nennt und Angaben zur Erhaltung von Papyruskodex Turin, Museo

7
 Neben Kosack sind im Verlag als Autoren nur noch Esmeraldo Tuntenfisch mit Sau-
ber hingeferkelt und Gernot Sommerlatte mit Die meisten Männer sind lesbisch vertreten.

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Egizio 63000 cod. 128 sowie zu Handschriften der Pierpont Morgan Library
bietet, denen die Texte für den I. und II. Teil entnommen sind.9 Als Literaturer-
gänzung muss hier allerdings der vor über zwanzig Jahren erschienene Katalog
der Coptica der Pierpont Morgan Library von Depuydt genannt werden.10
Der I. Teil bietet nach einer Einleitung den Text der Homilie De archangelo
Michael des Basilius nach dem Turiner Papyrus.11 Durch Abgleich mit M 592
ordnet Kosack der Homilie zwei Seiten zu, die in Rossis Edition dem im II. Teil
behandelten Text des Pseudo-Evodius zugerechnet werden (S. 8, 18, Text S. 27–
30; Rossis Blätter II und III, cf. S. 113–114 seiner Edition).
Im II. Teil wird des Pseudo-Evodius’ De resurrectione geboten, die Kosack
aufgrund von lateinischem Vokabular in koptischer Translitteration auf eine latei-
nische Vorlage zurückführt (S. 43–45, 115). Es ist nur schwerlich ein Beweis für
eine lateinische Vorlage eines Textes, wenn eines von 96 Kapiteln12 lateinisch-
fachsprachliches Vokabular des antiken Rennbetriebes enthält. Der Leser hätte sich
hier eine über die Behauptung hinausgehende Argumentation gewünscht.
I. und II. Teil von Kosacks Arbeit gehören nicht nur durch die Handschriften
zusammen, die beide Homilien überliefern, sondern sind auch im Aufbau parallel
bis hin zu wortidentischen Passagen in den Einleitungen. In beiden Teilen hätte die
Präsentation des koptischen Textes viel gewonnen, ließe der Autor nicht nur Leer-
zeilen, sondern hätte auch die Handschrift durchgängig mit Kürzel vermerkt. Text-
varianten werden durch Unterstreichung bezeichnet; ein kritischer Apparat hätte
dem Leser in seiner Übersichtlichkeit mehr Nutzen gebracht. Unverständlich ist, dass
Kosack Textunterschiede durch fehlerhaftes Abschreiben und fehlerhaftes Hören
beim Diktat zugleich erklärt (S. 12–13, 39–41). Bei den als Differenzen der Versi-
onen angeführten Textpassagen wäre eine tabellarische Übersicht wünschenswert
gewesen oder wenigstens eine genaue Kennzeichnung der Handschriften (S. 13–14,
41–43 etc.). So wirken die ausschnittsweise gebotenen Angaben willkürlich.

8
 Edition in Francesco Rossi. I papiri copti del Museo egizio di Torino II.4. Turin 1892:
7–42. Leuven Database of Ancient Books (LDAB) id: 108393; http://www.trismegistos.
org/ldab/text.php?tm=108393.
9
 I. New York, Pierpont Morgan Library, M 592 fol. 22–27: Der Basilius-Text liegt
vor in Mark C. Stone. „Secound Homily on St. Michael Archangel delivered at Lasike,
attributed to Basil of Caesarea.“ In: Leo Depuydt (ed.). Homiletica from the Pierpont
Morgan Library: seven Coptic homilies attributed to Basil the Great, John Chrysostom,
and Euodius of Rome. CSCO 524–525, Copt. 43–44. Leuven 1991, 17–23.
II. New York, Pierpont Morgan Library, M 592 fol. 28–51r: Die Evodius Predigt wurde
ediert in Paul Chapman. „Homily on the Passion and Resurrection attributed to Euodios
of Rome.“ In: ebenda, 79–106.
10
 Leo Depuydt. Catalogue of Coptic Manuscripts in the Pierpont Morgan Library.
Corpus of Illuminated Mauscripts 4–5; Oriental Series 1–2. Leuven 1993.
11
  Kosack ordnet den Text einem Basilius von Lasike zu, S. 11, den Turiner Papyrus
paläographisch der Mitte des 6. Jh., S. 7. Für ihn seien Autor und koptische Version
nahezu zeitgleich anzusetzen, S. 11–12. Nachfolgend werden Datierung und Autorschaft
als Gewissheit vorausgesetzt. Die Datierung bei LDAB, wo der Text Basilius dem Großen
von Caesarea Mazaka zugeschrieben wird, ist 600–899 A.D., cf. Anm. 8.
12
 Die Kapiteleinteilung ist modern, cf. die Edition von Chapman in Anm. 9, doch ist
der Textumfang der inhaltlich bedingten Unterteilung derart, dass das von Kosack ange-
führte 49. Kapitel unter 1/100 des Gesamttextes umfasst. Bei der Einleitung zur Überset-
zung vermutet Kosack bereits eine wörtliche Übertragung aus dem Lateinischen, cf. S. 115.

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Der III. Teil von Kosacks Buch bietet die Predigt De dormitione Mariae vir-
ginis bohairisch und sahidisch, die ebenfalls Pseudo-Evodius zugeschrieben
wird.13
Der bohairische Text dient Kosack als Leitversion, der die sahidischen Textzeu-
gen beigesellt sind. Außer der Bemerkung, es müsse mindestens zwei koptische
Versionen geben, verzichtet der Autor auf weiterführende Informationen, Beschrei-
bung der Handschriften, Sekundärliteratur oder eine Interpretation (S. 143–146).14
Bei der Textdarbietung macht sich das Fehlen von Siglen überaus störend bemerk-
bar, sodass selbst bei gründlicher Lektüre kaum noch erschließbar ist, welcher
Handschrift oder Edition welche Textzeile zuzuordnen wäre (S. 147–234). Haupt-
sächlicher Nutzen für den Leser ist die Erkenntnis, dass redaktionelle Sorgfalt
durchaus nicht nur schmückendes Beiwerk ist. Da die Übersetzung nahezu keine
Siglen enthält, somit Bezüge nicht eindeutig sind, ist sie nutzlos.
Die Bibliographie ist knapp gehalten, führt rund die Hälfte der im Text genann-
ten Titel nicht auf, und man wünschte sich mehr Sorgfalt bei Querverweisen.15
Gänzlich vermisst man Indices. Da die Handschriften der Pierpont Morgan Lib-
rary, die in I. und II. Teil behandelt werden, andernorts in vorzüglichen wissen-
schaftlichen Editionen mit Indices der Bibelstellen, griechischen Lehnwörter und
Namensverzeichnissen vorliegen,16 ist es zu verschmerzen, dass Kosack davon

13
 Als Quelle für den bohairischen Text liegt zugrunde:
Paul de Lagarde. Agyptiaca. Göttingen 1883, 38–63; https://archive.org/details/
aegyptiaca01lagagoog.
Für den sahidischen Text werden folgende Quellen genannt:
Wilhelm Spiegelberg. „Eine sahidische Version der Dormitio Mariae“, RecTrav 25
(1903), 2–4; http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rectrav1903/0007?sid=f97ff8a393d5c09
6a4d4fca7a50d1716.
Forbes Robinson. Coptic Apocryphal Gospels. Translations Together with the Texts
of Some of Them. Cambridge 1896, 44–67 (englische Übersetzung des bohairischen
Textes), 66–89 (Text sahidischer Fragmente mit Übersetzung); https://archive.org/
details/copticapocrypha00robigoog.
New York, Pierpont Morgan Library, M 596 fol. 40–52 und M 598 fol. 3–19.
Die Edition von M 596 und M 598 scheint Kosack unbekannt zu sein: Stephen J. Shoe-
maker, „The Sahidic Coptic Homily on the Dormition of the Virgin attributed to Evodius
of Rome. An Edition from Morgan Manuscripts 596 and 598 with Translation.“ AnBol 117
(1999), 241–283; (via academia.edu online zugänglich).
14
 Es seien wenigstens einige Titel mit weiterführenden Angaben und Literaturver-
weisen genannt:
Simon C. Mimouni. Dormition et assomption de Marie. Histoire des traditions anciennes.
Theologie historique 98. Paris 1995 (Kapitel 3); E. Lucchesi, „Un évangile apocryphe ima-
ginaire.“ OLP 28 (1997), 167–178; Mark Sheridan, „A Homily on the Death of the Virgin
Mary Attributed to Evodius of Rome.“ In: ICCoptS 7, 393–405; Hans Förster. Transitus
Mariae. Beiträge zur koptischen Überlieferung. Mit einer Edition von P.Vindob. K. 7589,
Cambridge Add 1876 8 und Paris BN Copte 12917 ff. 28 und 29. GCS Neue Folge 14, Neu-
testamentliche Apokryphen II. Berlin 2006. Siehe auch http://alinsuciu.com/2011/09/15/
coptic-fragments-on-the-dormition-of-the-virgin.
15
  Vgl. die Bibliographie etwa mit S. 11, 38, 44 und 142, wo Kurztitel, allerdings keine
vollständigen bibliographischen Nachweise angeführt werden. Der Titel, der unter I. Text-
editionen mit „desgl.“ auf F. Rossis Edition folgt, ist keineswegs auf Rossi zu beziehen,
sondern auf den zuerst angeführten CSCO-Band.
16
  Cf. Anm. 9.

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nichts bietet. Für den Turiner Papyrus indes wäre eine über die Erstpublikation
hinausgehende Texterschließung wünschenswert gewesen, nicht zu reden von den
im III. Teil aufgenommenen Texten, die durch Nutzung von editorischem Hand-
werkszeug wie dem Leidener Klammersystem oder Siglen viel gewonnen hätten.
Insgesamt ist Kosacks Buch eine Lektüre, der man eine Leserschaft wünscht,
die sie mit wachem Blick zu beurteilen vermag und aus dem Vorgehen des
Autors Schlüsse für eigene Projekte zu ziehen versteht.
Matthias H. O. Schulz

Peter Nagel, Codex apocryphus gnosticus Novi Testamenti. Band 1:


Evangelien und Apostelgeschichten aus den Schriften von Nag
Hammadi und verwandten Kodizes. Koptisch und deutsch. Wissen-
schaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament 326. Tübingen
2014. 397 S., ISBN 978-3-16-153343-3.

Peter Nagel verwirklicht mit dem ersten Band von Codex apocryphus gnosticus
Novi Testamenti ein Desiderat: Erstmals werden die koptischen Texte, welche
im weitesten Sinne die Selbstbezeichnung „Evangelium“ tragen, in einem Band
versammelt. Es sind dies „Das Evangelium nach Maria“ (Text I: 1–27), „Evan-
gelium Veritatis“ (Text II: 29–96), „Das Evangelium nach Thomas“ (Text III:
97–164), „Das Evangelium nach Philippus“ (Text IV: 165–259), „Das Evange-
lium des Judas“ (Text V: 261–309), „Osterspiel: Maria Magdalene und der
Auferstandene“ (Text VI: 311–319), „Die Tat des Petrus“ (Text VII: 321–333),
„Die Taten des Petrus und aller zwölf Apostel“ (Text VIII: 335–369) und „Die
Leiden der Apostel und ihrer Jüngerinnen nach dem ‘Psalm der Geduld’“ (Text
IX: 371–385). Ferner enthält das Werk drei Indices: „Register der Eigennamen“
(387–392), „Register der Bibelstellen“ (392–397) und „Besonders behandelte
Wörter und Wortverbindungen“ (397). Der Aufbau der Textdarbietung folgt
einem sehr einfachen Schema: Auf eine kurze Einleitung folgen koptischer Text
und deutsche Übersetzung. Der koptische Text wurde anhand von Faksimileaus-
gaben oder (beim Berliner Papyrus 8502) am Original kollationiert (vgl. V–VI),
und so hat jeder, der diese Ausgabe in die Hand nimmt, einen verlässlichen Text.
Gegebenenfalls schließen sich daran weitere kurze Abschnitte an (so für das
Evangelium der Maria „Griechische Fragmente“ [20–25] und „Erläuterungen zu
ausgewählten Stellen“ [26–27]). Die Literaturauswahl beschränkt sich auf das
Allerwesentlichste: Frühere Editionen werden in chronologischer Ordnung
genannt. Ziel ist es, hiermit jedem Leser die Möglichkeit zu geben, diese zu
finden und sich rasch anhand der verschiedenen Ausgaben ein Bild zu machen,
wie sich das Verständnis des jeweiligen Textes im wissenschaftlichen Diskurs
entwickelt hat und wie sich dies in der Entwicklung der Übersetzung niederge-
schlagen hat. Ferner werden ausgewählte Studien in der Bibliographie geboten.
Ausdrücklich wird für alles Weitere auf die von D. M. Scholer herausgegebene
Nag Hammadi Bibliography verwiesen (VIII).
Bereits das kurze Vorwort bietet auf wenigen Seiten wichtige wissenschaftli-
che Anstöße (VI): „Unsere Sammlung legt die Titelbezeichnung der Texte selbst
und damit deren Intention, diese oder jene Gattung zu repräsentieren, zugrunde,

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gleichviel, ob der von den Autoren, den Übersetzern oder vielleicht nur Kopisten
gewählte Titel modernen literaturwissenschaftlichen Anforderungen entspricht.
Dies mag eine Vereinfachung sein, doch präsentiert (und respektiert) diese die
Texte so, wie sie während der antiken Überlieferung verstanden sein wollten.“
Peter Nagel will mit diesen wenigen Sätzen eigentlich vor allem die Zusammen-
stellung der Texte rechtfertigen, gleichzeitig wirft er jedoch damit unmissver-
ständlich für alle die Frage auf, ob es sinnvoll ist, das „Evangelium“ überhaupt
als eine eigene literarische Gattung zu sehen, wie dies gerade in der Theologie
immer wieder versucht wird. Dies wird durch die Art der Zusammenstellung
implizit verneint — und zwar nicht, weil dies eine (wie auch immer geartete)
theoretische Entscheidung erfordert, sondern weil der Textforscher vor dem Pro-
blem steht, dass die Texte, welche eine derartige Bezeichnung tragen, unter-
schiedlichen literarischen Gattungen zugerechnet werden können. So wird bereits
bei der Auswahl der Texte der Bezug zum Text überaus deutlich. Und eben
dieser Bezug zum Text war es, der Peter Nagel bewogen hat, den vorliegenden
Band zusammenzustellen (V): „Die Aufmerksamkeit richtet sich vorwiegend auf
die Übersetzungen, während die Originaltexte weitaus weniger oder kaum noch
konsultiert werden. Unser auf koptischen Texten basierender Codex apocryphus
gnosticus Novi Testamenti möchte diesem Mangel abhelfen, indem er den Über-
setzungen die originalsprachlichen Texte zur Seite stellt, denn die Begegnung
mit den Quellentexten kann letztlich durch keine Übersetzung völlig ausgeglichen
werden, und je länger die Übersetzung eines Textes tradiert wird, desto mehr
gewinnt sie an Eigenleben gegenüber dem Original.“ Diese Hinführung zum Text
gelingt Peter Nagel: Indem sowohl ein kritischer Apparat zum koptischen Text
geboten wird, in welchem neben den üblichen textlichen Problemen, die sich bei
der Edition eines antiken Textes ergeben, auch gegebenenfalls abweichende
Transkriptionen des jeweiligen Textes in anderen Editionen verzeichnet sind, als
auch direkt in der Übersetzung schwierige Stellen mit Anmerkungen versehen
sind, welche es auch Anfängern des Koptischen ermöglichen, die Entscheidun-
gen, welche einer Übersetzung oftmals notwendigerweise zugrunde liegen, nach-
zuvollziehen. In Fällen, in denen eine kurze Anmerkung nicht ausreicht, finden
sich weitergehende Ausführungen zu sprachlichen (und anderen) Problemen in
den einem Teil der Texte angefügten knapp gehaltenen „Erläuterungen zu aus-
gewählten Stellen“. Diese Erläuterungen sind ebenfalls extrem knapp gehalten,
sodass man zwar — ähnlich einem guten Lexikonartikel — die entscheidenden
Informationen erhält, für alles Weitere jedoch auf die weiterführende Literatur
verwiesen wird. In diesen „Erläuterungen“ werden sowohl philologische Fra-
gen etwas ausführlicher behandelt — es sei auch nur auf die syntaktischen Prob-
leme des Übergangs von BG 18,21 auf 19,1 im „Evangelium nach Maria“ ver-
wiesen (26) —, wie auch thematische Aspekte kurz beleuchtet — so z.B. die
nautische Symbolik, welche sich im „Evangelium der Wahrheit“ findet (95).
Es ist gerade die knappe Darstellung, die neben einer philologisch genauen
Übersetzung die wichtigsten Hinweise enthält, die dieses Werk wohl sehr rasch zu
einem Standardwerk werden lässt: Zahlreiche antike Werke, die oftmals gemein-
sam behandelt werden, weil sie mit der Bezeichnung „Evangelium“ verbunden
und in koptischer Sprache überliefert sind, sind jetzt in einem Buch in einer
Weise zugänglich, die nur als vorbildlich bezeichnet werden kann. Für den ersten
Zugang zu diesen Texten ist man damit nicht mehr auf eine ganze Bibliothek

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verwiesen, sondern kann vielmehr „den Nagel“ zur Hand nehmen. Und so darf
man sich als Rezensent dem Wunsch von Peter Nagel anschließen (VIII): „Sehr
würde ich mir wünschen, dass die vorliegende Textsammlung sowohl den Mit-
forschenden als auch einem weiteren Interessentenkreis dienlich sein könnte und
nicht zuletzt in Seminarübungen Verwendung finden würde, um den alten, weit-
hin vergessenen Grundsatz ‘Te totum applica ad textum’ wieder in Erinnerung
zu bringen.“
Hans Förster

James M. Robinson, The Nag Hammadi Story. Vol. 1: The Discovery and
Monopoly, Vol. 2: The Publication. NHMS 86. Leiden 2014, 1216 S.
ISBN 978-90-04-26251-5.

Das zu besprechende Buch „The Nag Hammadi Story“ ist die Erfüllung einer
Forderung des Internationalen Komitees der Nag Hammadi Codices (ernannt von
der Unesco und gesetzlich sanktioniert von der Arabischen Republik Ägypten)
nach einer Aufarbeitung der gesamten Geschichte der Texte, angefangen von ihrer
Entdeckung im Jahr 1945, über die Forschungsgeschichte und den Publikations-
prozess, bis hin zur Publikation selbst,17 die in Form einer Faksimile-Ausgabe und
einer Übersetzung in englischer Sprache im Jahre 1977 zum Abschluss gebracht
werden konnte.18 Der Dokumentation der Ereignisse dieser wechselreichen 32
Jahre widmet sich James M. Robinson auf insgesamt 1216 Seiten, gegliedert in
13 Kapitel und aufgeteilt auf zwei Bände (Volume 1: The Discovery and Mono-
poly und Volume 2: The Publication). Dabei vermag er den Blick hinter den
Kulissen zu eröffnen: Als Quelle dient ihm vor allem die extensive Korrespon-
denz, die in den „Nag Hammadi Archives“ deponiert und von Robinson in seiner
Position als „Permanent Secretary“ des Unesco Komitees verwaltet wurde. Bei
diesen schriftlichen Zeugen handelt es sich nicht nur um Briefe oder Sitzungs-
protokolle, sondern auch um Reiseberichte, Tagebucheinträge, Notizen, Tele-
grammtexte etc. Aber auch unzählige Interviews, die in und außerhalb Ägyptens
von Robinson durchgeführt und in einem schwarzen Notizbuch aufgezeichnet
wurden, fanden als wichtige Zeitzeugnisse Eingang in diese Geschichte. Alle
Texte, sofern sie nicht ursprünglich in Englisch sind, wurden ins Englische über-
tragen (in den Fußnoten sind die Texte in ihrer Originalsprache abgedruckt). An
vielen Stellen lässt Robinson die Akteure nur durch ihre Zeugnisse sprechen und
kommentiert die subjektiv formulierten Aussagen kaum. Teilweise können auf-
grund des großen Archivmaterials auch bestimmte Ereignisse aus verschiedenen
Perspektiven präsentiert werden. Gerade diese Gegenüberstellungen erlauben,
auf subjektive Empfindungen der einzelnen Akteure rückzuschließen, und legen
so hautnah persönliche Intentionen, Strategien, Pläne, Wünsche oder einfach nur

17
 Protokoll des 1. Treffens des Unesco Komitees, Tagungsordnungspunkt 13: „It was
agreed that a history of the Nag Hammadi discovery and of subsequent research should
be written in future.“ Vgl. Robinson, S. 1052.
18
  J. M. Robinson et al. (Hg.), The Facsimile Edition of the Nag Hammadi Codices:
IX and X. Leiden 1977 und The Nag Hammadi Library in English. Leiden 1977.

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Informationslücken und Enttäuschungen der Beteiligten frei. Daher ist diese


Geschichte aufgrund ihrer Konzeption nicht in erster Linie an ein Publikum
gerichtet, das an einer kompakten und überblicksartigen Erzählung interessiert ist,
sondern an ein Fachpublikum, das mit den Nag Hammadi Texten vertraut ist und
an dieses Buch mit einem Vorwissen und gezielten Fragestellungen herangeht.
In chronologischer Reihenfolge beginnt im Kapitel I die Geschichte der Nag
Hammadi Codices natürlich in Ägypten im Jahre 1945, wo diese entdeckt und
über Schieber schließlich auf den Antiquitätenmarkt von Kairo gelangten (1945–
1946) („The Discovery and Trafficking of the Nag Hammadi Codices“, S. 1–
119). Als wichtigste Quelle dazu sind die Berichte von Jean Doresse zu erachten,
der jeweils im Herbst/Winter der Jahre 1947–1953 Ägypten bereiste (zusammen-
gefasst in Teil I auf S. 3–20). Ergänzend dazu bietet Robinson in Teil 2 die
Ergebnisse seiner persönlich unternommenen Nachforschungen in der Gegend
von Nag Hammadi; wobei sein Augenmerk vor allem auf der genauen Lokali-
sierung und zeitlichen Verortung des Fundes lag. Ferner führte er Interviews mit
den wichtigsten Akteuren durch, so diese noch am Leben waren, wie etwa 1975
mit Muḥammad ῾Alī, einem der Entdecker des Tonkruges, der die Codices ver-
barg. Die Erzählung, dass dessen Mutter Ummah zwei Manuskripte verbrannt
hätte, hält Robinson nur für ein Gerücht, da Muḥammad ῾Alī später nur angab,
dass er ein Feuer gesehen habe (S. 39). Tatsächlich fehlen die Hülle von Codex
XII und der Großteil der Blätter der Codices XII und X, ferner einzelne Blätter
der Codices II, III, VI, VIII und IX. Robinson vermutet daher, dass all dies nach
der Entdeckung schlichtweg verloren gegangen sei.19 Teil 3 widmet sich sodann
detailliert dem Schwarzhandel der Codices: die Codices II und VII erwarb der
Antiquitätenhändler Phokion J. Tano (S. 44–55), Codex I der Händler Albert
Eid (S. 55–64), die Codices II, IV–IX, XI und Teile von I, X, XII, XIII eben-
falls Tano (S. 64–65) und Codex III das Koptische Museum (S. 66–70). Teil 4
bietet unter anderem bislang unpublizierte Berichte zur Entdeckung der Codices
(S. 71–104). Teil 5 widmet sich abschließend der wissenschaftlichen Debatte um
Robinsons bereits publizierte Berichte zur Entdeckung und zum Schwarzhandel
(S. 104–119).
Mit Kapitel II („The French Leadership in Early Nag Hammadi Studies 1946-
1953“, S. 121–349) beginnt die Aufarbeitung des wissenschaftlichen Wettstreits,
sowohl die Forschung als auch die Publikation der Nag Hammadi Texte zu kon-
trollieren. Der erste wissenschaftliche Kontakt mit den Nag Hammadi Codices
war vor allem französisch geprägt. Als Hauptpersonen sind zum einen das Ehe-
paar Jean und Marianne Doresse und zum anderen Henri-Charles Puech, Dores-
ses Vorgesetzter am CNRS (Paris) zu nennen. Robinson beschäftigt sich vor
allem mit der Rolle von Doresse, den er als „by far the most aggressive French
scholar involved in Nag Hammadi studies in the first years“ (S. 123) bezeichnet.
Doresse selbst schildert seinen ersten Kontakt mit den Texten in Zusammenhang
seiner ersten dreimonatigen Ägyptenreise (1. Okt.–31. Dez. 1947): Togo Mina,
der Direktor des koptischen Museums in Cairo habe ihn gefragt, ob dieser ein
neu erworbenes Manuskript reparieren und studieren wolle und Doresse habe

19
 Mit Ausnahme der Fragmente, die in der Beinecke Library in Yale zutage kamen,
wurde nichts weiter mehr gefunden.

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sofort erkannt, dass es sich dabei um fünf bislang unpublizierte gnostische Texte
handeln würde. Eine gemeinsame Publikation von Togo Mina und Doresse
wurde geplant, zu der noch Puech und Walter Till hinzugezogen werden sollten.
Die Entdeckung des Inhalts des Manuskripts im Koptischen Museum (Codex III)
wurde der Presse schließlich am 10. Januar 1948 euphorisch mitgeteilt (S. 208–
209). Im Rahmen der ersten Reise fertigte Doresse Fotos vom gesamten gnos-
tischen Papyrus des Koptischen Museums und vom Eid Papyrus an. Während der
2. Reise (1948–1949) konnte Doresse über den Händler Tano auch Abschriften
und Fotos von jenen Papyri machen, die mittlerweile im Besitz der Mlle. Dattari
(zu ihrer Person siehe auch S. 247) waren. Die gesamten Zusammenfassungen
der Arbeitsberichte von Doresse (S. 131–134) inszenieren seine zentrale Rolle
in der Erforschung der Nag Hammadi Texte, bieten aber auch Einsicht in das
Abhängigkeitsverhältnis von Togo Mina und in die Spannungen mit seinem Vor-
gesetzten Puech, den Doresse stets mit Informationen, Fotos und Transkriptionen
versorgte. Robinson stellt diesen Berichten die detaillierteren Reiseaufzeichnungen
von 1947–1954, verfasst von Marianne Doresse, gegenüber (S. 135–160 und 170–
177). Sowohl von Jean als auch von Marianne Doresse wurde verschwiegen, dass
zwei Monate nach der Aufnahme des Codex III in das Koptische Museum bereits
François Damas und Henri Corbin diesen im Dezember 1946 als gnostischen Text
identifizierten und ein Publikationsplan mit Damas anvisiert war (S. 177). Im
Frühling 1947 dürfte Damas auch den Codex Eid = Codex I im Geschäft des
Antiquitätenhändlers Eid gesehen haben (S. 181). Eine Zusammenstellung der
Publikationen zu Codex III bietet Robinson sodann auf den S. 241–244.
Ein wichtiges Thema des 2. Kapitels stellt auch das von Doresse angefertigte
Inventar vom Dezember 1948 dar, das insgesamt 11 Codices (völlig fehlt Codex XII)
zählt (S. 252–258) und das auch Puech für sein publiziertes Inventar in der Fest-
schrift Crum (S. 258) benutzte. Mit Ausnahme des 1956 publizierten Faksimile-
Bandes, publiziert vom späteren Direktor des Koptischen Museums, Pahor Labib
(S. 267), blieb dieses Inventar über zehn Jahre lang die einzige Informations-
quelle zu den Nag Hammadi Texten. Eine Kritik zu diesem Inventar bietet
Robinson auf den S. 269–278.
Der nachfolgende Direktor des Koptischen Museums, Pahor Labib (1951–
1965), der den Einfluss der deutschen Wissenschaftler stärkte, sowie das Abbre-
chen der diplomatischen Beziehungen mit Frankreich infolge der Suez-Krise im
Jahr 1952, erschwerten mehr und mehr die Kontrolle der Nag Hammadi Texte
durch französische Wissenschaftler. Ferner war die weitere Bearbeitung der Texte
der Tano/Dattari-Sammlung durch die staatliche Requirierung am 8. Juni 1952
und des infolge geführten Rechtsstreits der Mlle. Dattari, die sich aufgrund des
offiziell nicht zustande gekommenen Kaufes weiterhin als Besitzerin der Texte
sah, nicht mehr möglich (S. 322–329).
Kapitel III ist dem Eid Codex gewidmet („The Eid Codex = The Jung Codex =
Codex I“, S. 351–485). Nach der ersten wissenschaftlichen Analyse im Januar
1947 durch den Koptologen Bernhard Couroyer (S. 355) erfolgte die erste wissen-
schaftliche Bekanntgabe durch Doresse und Puech am 20. Februar 1948 (S. 362f.).
Ende 1948 verließ Eid — und mit ihm der Codex — Ägypten (Robinson lässt
es offen, ob auf legalem oder illegalem Weg: S. 377), um zunächst geeignete
Käufer in den USA zu suchen. Erfolglos kehrte Eid nach Ägypten zurück, jedoch
ohne den Codex; diesen hatte er im Herbst 1949 noch in einem Schließfach in

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Brüssel deponiert. Nach Eids Tod im November 1950 gelang es Gilles Quispel
über die Kontaktperson der Witwe Eids, George Loop, den Eid Codex in Brüssel
ausfindig zu machen und diesen nach längeren Preisverhandlungen offiziell am
10. Mai 1952 für 35.000 Sw.Fr. für das Jung Institut in Zürich zu erwerben (S. 428).
Der erste Plan, den Jung Codex zum Geburtstag von C. G. Jung am 26. Juli 1953
bereits zu publizieren, konnte nicht eingehalten werden (S. 445). Verzögerungen
beim Fertigstellen des Manuskripts bereitete vor allem die Unvollständigkeit des
Jung Codex. Die Publikationsrechte für die sog. „missing 40 pages“ — eigent-
lich fehlten 38 Seiten, die in der Tano/Dattari Sammlung waren; zwei total frag-
mentarische Seiten werden nicht gezählt (S. 455) — konnten nicht erworben
werden (s. auch unten Kap. IV). Die Publikation des Jung Codex wurde letztlich
erst im Jahr 1975 abgeschlossen (S. 481; s. auch unten Kap. IV).20
Kapitel IV („The Swiss Leadership in Nag Hammadi Studies“, S. 487–614)
steht inhaltlich in einem sehr engen Kontext zum vorangegangenen Kap. III:
Nachdem das Jung Institut den Kauf des Eid Codex erfolgreich zum Abschluss
bringen konnte, war das nächste Ziel, die Fotos und die Publikationsrechte der
sog. „missing 40 pages“ des Codex I zu sichern. Diese waren als Teil der Dattari/
Tano-Sammlung seit dem 12. Mai in den Besitz des ägyptischen Staates überge-
gangen. Die große Hoffnung bestand aber eigentlich darin, alle Nag Hammadi-
Texte, entweder in Frankreich von der Imprimerie Nationale (Plan Puech), in
den Niederlanden von Brill (Plan Quispel) oder in der Schweiz durch das Jung-
Institut (Plan Meier) herausgeben zu können (S. 487). Die starken diplomatischen
Bemühungen vor allem vonseiten des Schweizer Botschafters in Ägypten, Beat
von Fischer-Rechenbach, blieben aber letztlich ohne Erfolg (S. 488–546). Auch
das diplomatische Angebot von C. A. Meier, dem Direktor des Jung Instituts, an
Mustafa Amr, dem Generaldirektor der Altertümer in Kairo, den Jung-Codex
nach dessen Publikation an Ägypten zu retournieren (Brief vom 22. Juni 1955),
um an das Material der „40 pages“ oder mehr(?) heranzukommen, war ohne
Erfolg. Dieser Misserfolg wurde jedoch mitunter als Ausrede benutzt, warum die
Publikation des Eid Codex nicht zeitgerecht — geplant war ja zum 80. Geburts-
tag von Jung — erscheinen konnte (S. 547). Die deutsche Übersetzung des Evan-
geliums Veritatis, ein Teil des Eid Codex, ging erst am 25. Juni 1956 in Druck.21
Die Rückgabe des Eid Codex erfolgte in Etappen und kam erst im Jahr 1975 zum
Abschluss.22 Die Aufbewahrung des eigentlichen Codex I an den beiden Orten
Zürich und Kairo, führte zusätzlich zur Problematik, dass die richtige kodikolo-
gische Reihenfolge und Nummerierung der Seiten erst gemacht werden konnte,
als dieser 1975 wieder vollständig in Kairo war.
Im Kapitel V („The Dutch Leadership in Nag Hammadi Studies“, S. 615–692)
erörtert Robinson die Rolle der führenden Wissenschaftler aus den Niederlanden
im Publikationsprozess der Nag Hammadi Texte. Ein großer Erfolg ist sicherlich
Gilles Quispel (zu seiner Person siehe auch S. 615–627) zu verdanken, der die

20
 R. Kasser et al. (eds.), Tractatus Tripartitus Pars II. De Creatione Hominis Pars III.
De Generibus Tribus Codex Jung F.LIIv–F.LXXv (pp. 104–140). Bern 1975.
21
 Die restlichen Publikationen durch das Jung Institut sind auf den S. 573 und 610
zusammengestellt.
22
 Zum Vorgang der Rückgabe siehe auch S. 610–614.

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ägyptischen Behörden während seines Kairo-Aufenthaltes im März/April 1955


überzeugen konnte, einerseits die noch versiegelten Boxen im Koptischen
Museum endlich öffnen zu lassen und andererseits ein Internationales Komitee
zu ernennen, das die Publikation aller Manuskripte durchführen sollte (S. 657–
677). Auf ihn geht auch die Involvierung des Brill Verlages zurück (S. 686–
692).
Kapitel VI erörtert die Rolle des „International Committee of Gnosticism“
(„The International Committee of Gnosticism 1956“, S. 693–798), das für die
Publikation der Nag Hammadi Texte verantwortlich zeichnen sollte und das vom
29. September bis 27 Oktober 1956 in Kairo zusammentraf. Auf der Agenda
stand unter anderem die Klärung, an welchem Publikationsort die Texte erschei-
nen sollten und wie die Ablichtung der Papyri finanziert werden sollte (S. 741).
Aus diesem Treffen resultieren zwei inoffizielle Dokumente, die „Wishes“ und
„Decisions“ betrafen und von Puech (S. 721f) und Quispel (S. 723) verfasst
wurden. Im Jahr 1956 konnte Pahor Labib auch den ersten Band seiner Faksimile-
Edition veröffentlichen (S. 735),23 der die „missing 40 pages“ des Codex I und
die Seiten 1–100 des Codex II bot — diese Faksimile-Edition wurde jedoch nach
Band I eingestellt. Søren Giversen, der vom Komitee nach Kairo geschickt wurde,
um Mikrofilmaufnahmen zu machen, räumte Pahor Labib lediglich neun Tage für
die Arbeit ein (1.–9. Jan. 1958). Er produzierte Mikrofilme von Codex II, III und
IX, der noch als IV nummeriert war. Teile der Arbeit (Blätter von Codex II und
III) waren aufgrund der falschen Ausrichtung des Blitzlichtes jedoch unbrauchbar
(S. 758). Ein zweites Treffen des „International Committee of Gnosticism“ war
zwar in Planung, fand jedoch nicht mehr statt (S. 767), wodurch dieses auch auf-
hörte als Gremium zu existieren.
Dem Evangelium des Thomas, dem meist studierten Traktat der Nag Hammadi
Codices, ist ein eigenes Kapitel gewidmet („The Gospel of Thomas“, S. 799–
899). Unabhängig voneinander erschienen mehrere editiones principes: Zuerst die
deutsche Übersetzung im Jahr 1958 von Leipoldt (S. 856, 871),24 und im Jahr
1959 erst die „offizielle“ bei Brill (S. 869–871).25 Diese war jedoch ein derartiger
Verkaufserfolg, dass sich Brill bereit erklärte, auch die restlichen Publikationen
bezüglich der Nag Hammadi Codices zu drucken (S. 875–878).
Mit der Veröffentlichung des Faksimile-Bandes von Pahor Labib im Jahr 1956,
entstand auch unter den deutschen Wissenschaftlern der Wunsch, eine komplette
deutsche Übersetzung der Traktate zu publizieren (Kapitel VIII: „The German
Leadership in Nag Hammadi Studies“, S. 901–945). Dieser Plan wurde vor allem
von Johannes Irmscher 1959 geäußert (S. 944–945), der damals noch an eine
vollständige Publikation der Faksimile-Edition aller Nag Hammadi Codices
durch Pahor Labib glaubte. Die Arbeit daran wurde jedoch erst 1995 vom Ber-
liner Arbeitskreis für koptisch-gnostische Schriften unter Hans-Gebhard Bethge

23
 P. Labib (ed.), Coptic Gnostic Papyri in the Coptic Museum at Old Cairo, Vol. 1.
Cairo 1956.
24
  J. Leipoldt, Ein neues Evangelium? Das koptische Thomasevangelium übersetzt und
besprochen, ThLZ 83 (1958), 481–496.
25
 A. Guillaumont et al. (eds.), The Gospel according to Thomas: Coptic Text Esta-
blished and Translated. Leiden 1959.

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aufgenommen. Eine deutsche Übersetzung erschien schließlich in 2 Bänden 2001


und 2003 sowie eine Paperback-Gesamtausgabe 2007.26
Mit dem Kapitel IX wird die Aktivierung und die Rolle der Unesco in den
1960er Jahren näher erläutert („Unesco under French Leadership 1960–1970“,
S. 947–994). Ein „Preliminary Committee“ (Pahor, Krause, Malinine) wurde
zunächst von der Unesco ernannt und traf vom 9.–30 Okt. 1961 in Kairo zusam-
men. Dieses formulierte als erstes Ziel die Publikation einer neuen Faksimile-
Edition. Danach sollte die Zuteilung der Texte an die Bearbeiter erfolgen und
eine Publikation der 23 Traktate unter der Schirmherrschaft der Unesco in Druck
gehen. Die in den 60er Jahren durchgeführte Fotoarbeit (abgeschlossen 1966)
war jedoch fehlerhaft (S. 984) — die Reihenfolge der Fragmente war nicht kor-
rekt — und musste schließlich vom offiziellen technischen „Sub-Committee“
der Unesco später wiederholt werden. Das Kapitel beschließt ein Bericht über
die französische Aktivierung der Unesco im Jahr 1961 und den Planungen wäh-
rend der 60er von Antoine Guillaumont (sog. „Aide-Memoire“, S. 988–994).
Der Beginn des Forschungsinteresses von Robinson selbst (damals Professor
of Religion in the Claremont Graduate School/CGS) im Jahr 1966 und die Grün-
dung seines eigenen Projektes „Coptic Gnostic Library Project“ mit einem Team
von US-amerikanischen Koptologen im Sommer 1966 werden in Kapitel 10
genauer geschildert („The Coptic Gnostic Library Project“, S. 995–1038).
Nach dem Gründungstreffen des „Editorial Board of Nag Hammadi Studies“
(S. 1040) im Rahmen des „International Colloquium of Gnosticism“, fand das
lang ausständige erste offizielle Treffen des Internationalen Unesco Komitees
vom 15.–18. Dez. 1970 in Kairo statt (Kapitel XI: „The International Committee
for the Nag Hammadi Codices“, S. 1039–1100). Robinson, als gewählter „Sec-
retary of the International Committee“, bereitete das Programm des Treffens vor
(der offizielle Sitzungsbericht: S. 1048–1057). Im Januar 1971 erfolgte dann die
Konstituierung des Komitees in Form eines dauerhaften Gremiums durch ägyp-
tischen Bescheid (S. 1058–1059). Für das neue Faksimile-Projekt gelang es
Robinson, das Fotomaterial von Doresse (Fotos von Codex III/Aufnahmejahr
1947; Fotos der Codices der Mlle. Dattari und die Negative von Eids Codex =
Codex I) zu integrieren.27 Das Platzieren der Fragmente, die Festlegung der Sei-
tenfolge und das nochmalige Fotografieren der Codices wurden in den Jahren
1970–1973 vonseiten des „Technical Sub-Committee“ nochmals durchgeführt.
Ende 1977 erschien die Nag Hammadi Library auf Englisch und die Faksimile-
Edition konnte abgeschlossen werden. (S. 1095–1100, siehe auch Anm. 1). Kapi-
tel 12 bietet neben Robinsons Aufzeichnungen zu seinen Reisen in die Gegend
von Nag Hammadi, die Grabungsberichte der Kampagnen 1975, 1976 und 1978
(„The Nag Hammadi Excavations“, S. 1101–1148). Ein Index beschließt den 2.
Band (S. 1149–1216).
Kerstin Sänger-Böhm

26
  H.-M. Schenke et al. (eds.), Nag Hammadi Deutsch, 1. Band: NHC I,1–V,I; 2.
Band: NHC V,2–XIII,1 BG 1 und 4. Berlin/New York 2001 und 2003.
27
 Auf den Fotos von Doresse waren teilweise noch einzelne Buchstaben erkennbar,
die später verloren waren.

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232 reviews

Karlheinz Schüssler, Das koptisch-sahidische Johannesevangelium


sa 506 aus dem Jeremias-Kloster von Sakkara. Arbeiten zur Biblia
Coptica 1. Wiesbaden 2013. 280 p.  ISBN 978-3-447-06735-5

The present volume presents and examines the text of the Sahidic version of
John’s gospel in the Chester Beatty Library, Dublin (CBL Cpt. 814). The editor
identifies the manuscript as sa 506 in keeping with the Harrossowitz series, the
purpose of which is to publish research in support of Schüssler’s larger Biblia
Coptica project. Those preferential to the Münster sigla will recognize this manu-
script as sa 5.
The reader encounters an eclectic and through examination of the context of
the relevant codex’s discovery after a brief description of the other complete or
almost-complete witnesses to John’s gospel, which is only summarized in the
1932 publication by Herbert Thompson of one of the four other related codices.
Schüssler offers the most comprehensive survey of the fifteen related coins,
the most recent of which dates no earlier than 582 CE, suggesting that accom-
panying group of pristine codices were produced not long afterward, probably
circa 600 CE.
One question about the provenance of the Saqqara codices demands attention.
Schüssler suggests that the codices were discovered “während einer Grabung
im Winter 1924/1925 nahe des Jeremias-Klosters bei Sakkara” (p. 5) and cites
Berthe van Regemorter Binding Structures in the Middle Ages, which itself states
“These volumes were found by native diggers during the season 1924/1925 at a
site near Sakkara” (van Regemorter, 173). The words of van Regemorter are of
unclear origin and may or may not derive from an Egyptian antiquities dealer.
These two statements should be reconciled against Thompson’s indication that
“in the winter of 1924–5 Mr Chester Beatty of London saw five small vellum
manuscripts in their original bindings at a dealer’s [shop] in Cairo” (The Coptic
Version of the Acts of the Apostles …, 5). James Edward Quibell excavated the
monastery of Apa Jeremias until 1910, and in 1924 onward Pierre Lacau and
Cecil Firth were excavating the Step pyramid complex near a Saqqara necropo-
lis. Clearly, natives discovered the codices and not archeologists, and the precise
discovery site remains uncertain. Our modern association of these codices lies
primarily with the testimony of the dealer and secondarily with the manuscript
colophon in CBL 815 “the Father, the Son, the Holy Spirit, our father Michael,
our father Gabriel, our mother Mary, our mother Sibylla, Apa Jeremias, Apa
Enoch …” which appears in inscriptions and graffiti at the Apa Jeremias site
excavated by James Quibell (Thompson, x). A modern association of these five
manuscripts with the site of Apa Jeremias and the coins dating their origin to
circa 600 CE is therefore reasonably secure, but not because the archeological
provenance can be traced. Rather the certainty lies with the manuscripts’ internal
corroboration of the dealer’s account.
Some further comments on the dating of primary Sahidic John manuscripts
(p. 2) deserves attention, especially since this volume presents itself as a defini-
tive critical edition. In the case of the Apa Jeremias manuscripts just mentioned,
the dating is strong compared to other comparable manuscripts. With regard to
the Barcelona gospels codex which Schüssler references, the scholar is moving

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into the area of almost completely arbitrary paleography (Quecke) along with
unreliable dialectal traits (Orlandi), and in this light the attribution “aus dem
5. Jh. n.Chr.” is tenuous (Cf. Askeland, John’s Gospel, 2012, pp. 83–89). Simi-
larly, the assignment of the Pierpont Morgan codex M 569 to the 8th century,
should be taken cum grana salis, as the collection catalogue suggests the date
range 822–914 CE, based upon colophons in related manuscripts.
This monograph discusses at length the pagination (p. 9), construction of the
codex (pp. 10–15), the script and punctuation markers (15–21). A technical sur-
vey compares the chapter system, as marked by the coronis in the present codex,
within the broader Coptic John tradition, concluding that, while at least one
Sahidic witness follows the Greek Kephalaia tradition, the present manuscript
offers its own idiosyncratic divisions. A section discussing the relationship of
Johannine scriptural citations explores the degree to which the Sahidic agrees with
either known Sahidic Old Testament witnesses or with the “LXX” (pp. 25–30).
This entire inquiry appears to be flawed at the outset, as Schüssler employs
the term “LXX” to Greek Isaiah and the Psalter. Naturally, the historic “LXX”
entailed only the Torah, and the distinct Greek Vorlage of (e.g.) Sahidic Isaiah
would be an open question. Furthermore, in his examples, Schüssler compares
Sahidic John to a Sahidic OT reading and a Greek OT reading, but does not
reference the Greek NT reading, obscuring the possible similarity of the known
Greek OT tradition to the known Greek NT citation. The simplest possible solu-
tion is that the Johannine Greek quotation was directly translated into Sahidic
without any active reference to a Sahidic or Greek OT text, yet no mention or
estimation of this appears in the discussion. The relevance of his findings to the
textual criticism of the NT and OT is unclear (“Die Zitate stimmen nur zum Teil
mit der zitierten Quelle wörtlich überein…”).
In this reviewer’s opinion, the most novel and valuable contributions of this
monograph lie in Schüssler’s extensive survey of the “Sprache des Johannest-
extes” (31–77), which actually does not focus on the language or dialects but
rather on the scribal habits and translational peculiarities of the particular scribe
and text. Clearly, an enormous amount of energy has poured into a careful com-
parison of the present Sahidic text against both the other extant Sahidic witnesses
and the Nestle Aland critical text, providing the text critic with a valuable data
set. This information will require further analysis before it can be incorporated
into future critical editions. Schüssler’s comparisons to the Greek text do not
weigh the relevance of Greek variant readings. For instance, in 12:47 and 19:16,
Sahidic omission and addition against the Greek can be explained by appeal to
readings found in the critical apparatus of the NA28. Similarly, Schüssler does
not incorporate Gerd Mink’s watershed 1972 article on Greek-Coptic linguistic
equivalence, and does not consider at what points formally literal translations
should be normative. As examples, one could cite 7:44 and 17:13, where issues
of the possessive definite article and the historic present are probably responsible
for the perceived deviations (Mink, §§ 31 and 10, resp.). It is impossible to
evaluate Schüssler’s unstated statistical or methodological grounds for his con-
clusion about this manuscript, specifically that the John text is a recension toward
the Greek text (p. 77).
A review of fourteen of the sixty-seven pages of Schüssler’s transcription
against grayscale images of the codex (folio 130r through 136v, John 9:38–12:1)

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revealed only one error (11:51, ⲙⲙⲁⲩⲁⲁϥ should read ⲙⲁⲩⲁⲁϥ), suggesting
that the transcription as a whole is extremely reliable. Although the legacy Laser-
Coptic font is generally attractive and helpful, it lacks the versatility of Antinoou
in terms of conjoining and centering superlineation. Furthermore, the editor has
annotated the text with footnotes which closely resemble the versification. If
future volumes were to follow in this series, a program such as The Classical
Text Editor would be preferential to the current software (presumably Microsoft
Word), allowing the editor to annotate variants by line and word, for instance.
Despite the untimely passing of the editor shortly after the publication of this
volume, the scholarly world can be grateful that the core transcription behind this
work will be preserved and shared digitally via the edifices of the International
Greek New Testament Project and the Institut für neutestamentliche Textfor-
schung and through the diligence of Schüssler’s colleague Hans Förster.
In summary, specialist in Coptic Bible will regard the present monograph as
a helpful tool in reconstructing the textual history of the Sahidic John tradition
and a core resource on the codicological construction of the actual manuscript.
The work’s major drawbacks result from the author’s general isolation from
recent innovation in scholarship and technology, with the result that the volume
is not a definitive work on the nature of the text, but rather a transcription with
extensive exploratory notes.
Christian Askeland

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