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BW3 – Finanzierung und Investition

I. Investitionsrechnung unter Sicherheit I


1. Erste Begrifflichkeiten und Zusammenhänge
Alle finanziellen Maßnahmen zur:
Aufgliederung in:
- Planung
- Kapitalbeschaffung
Finanzwirtschaft: - Steuerung
- Kapitalverwendung
- Kontrolle
- Kapitalverwaltung
von Zahlungsströmen des Unternehmens.

= Gewinn-Manager; Sicherung der Gewinnerzielung; Gewinn als Steuerungsgröße;


Controller:
Leiter des Rechnungswesens
= Finanz-Manager; Sicherstellung der jederzeitigen Zahlungsfähigkeit; Liquidität/
Treasurer:
Rentabilität und Risiko als Steuerungsgrößen; Leiter der Finanzwirtschaft

Der Investitionsentscheidungsprozess:
Vorbereitung: Investitionsanregung, z.B. neue Vorschriften, externer Impuls

Entscheidungskriterien auf Basis monetärer (quantitative Bewertung durch


Entscheidung: Investitionsrechnung) und monetär schwer erfassbarer Daten (qualitative Bewertung
durch Nutzwertanalyse)

Durchführung: erfolgt nach Investitionsantrag

Kontrolle: Zielkontrolle, weitere Maßnahmen (zur Korrektur?)

2./3. Der Investitionsbegriff und dessen Merkmale


Alle Aktivitäten, welche Geldausgaben (= Geldflüsse) für die Bereitstellung eines
Investitionen: bestimmten Leistungspotentials bewirken und mit denen zu einem späteren Zeitpunkt
größere Gewinne oder kleinere Geldausgaben erreicht werden (sollen).

- Langfristige Betrachtung:
- Langfristiges Kapital:
Merkmale:
- Vermehrte Fixkosten:
- Komplexität von Datenbeschaffung und -einwertung:

- Sachinvestitionen: Ersatzinvestitionen (z.B. Erneuerung einer Maschine, keine


Kapazitätssteigerung), Erweiterungsinvestitionen (Kapazitätserhöhung),
Rationalisierungsinvestitionen (Kapazitätserhöhung) → Anlage in
Sachvermögen
Arten:
- Finanzinvestitionen: Kauf von Beteiligungspapieren, Grundstückskäufe,
Immobilienkäufe → Anlage in Finanzvermögen
- Immaterielle Investitionen: Forschung und Entwicklung,
Ausbildungsinvestition, Sozialinvestition → Anlage in immaterielles Vermögen

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4. Investitionsentscheid und Investitionsrechnung
- Grundsatz: vorteilhafte Investitionen (weiter) durchführen; unvorteilhafte
Investitions- Investitionen nicht (weiter) durchführen
entscheid: - Entscheid: Auswahl zwischen verschiedenen Alternativen, die den
Entscheidungsträgern zur Verfügung stehen
- Ziel: Ermitteln der voraussichtlichen wirtschaftliche Auswirkungen einer
Investition
Investitions- - Frage: Wird ein Investitionsprojekt (IP) zum zukünftigen Unternehmenserfolg
rechnung: beitragen?
- Datenbasis: monetäre Daten und Imponderabilien (monetär schwer erfassbare
Daten, z.B. Flexibilität, Handhabung, Service)

5. Die Investition als Zahlungsstrom


Fluss von Zahlungen über einen Zeitraum hinweg; auf einem Zeitstrahl abgetragene
Reihe von Zahlungen, die in einer bestimmten Höhe zu einem bestimmten Zeitpunkt
mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit auftreten
- Zeitpunkt 𝑡 = 0 ist der Beginn des ersten Jahres
Zahlungsstrom:
- Zeitpunkt 𝑡 = 1 stellt das Ende des ersten Jahres und zugleich den Beginn des
zweiten Jahres dar
- Einzahlung: positives Vorzeichen
- Auszahlung: negatives Vorzeichen

6. Die Vorteilhaftigkeit einer Investition


- Höhe der Ein- und Auszahlungen
- Zeitpunkt bzw. zeitliche Verteilung der Ein- und Auszahlungen
Einflussfaktoren der - Wahrscheinlichkeit des Eintreffens der Ein- und Auszahlungen
Vorteilhaftigkeit: - Alternative Anlagemöglichkeiten des zu investierenden Kapitals (z.B. anderer
Zins) → Überwindung der hurdle rate notwendig (fiktive
Mindestverzinsungsanforderung)

- Höhe von Gewinn/Verlust der Investition?


𝐷𝑖𝑓𝑓𝑒𝑟𝑒𝑛𝑧 𝑎𝑢𝑠 𝐴𝑛𝑓𝑎𝑛𝑔𝑠 − 𝑢𝑛𝑑 𝐸𝑛𝑑𝑤𝑒𝑟𝑡

zentrale Fragen: - Höhe des impliziten Zinssatzes?


𝐸𝑛𝑑𝑤𝑒𝑟𝑡−𝐴𝑛𝑓𝑎𝑛𝑔𝑠𝑤𝑒𝑟𝑡
𝐴𝑛𝑓𝑎𝑛𝑔𝑠𝑤𝑒𝑟𝑡
= 𝑍𝑖𝑛𝑠𝑠𝑎𝑡𝑧

- Was müsste eine alternative Anlagemöglichkeit bieten?

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II. Investitionsrechnung unter Sicherheit II
1. Ermittlung des Endwerts einer Investition
Endvermögen einer Investition nach Verzinsung; Kontostand zu einem bestimmten
Definition
Zeitpunkt, der parallel zur Investition mitläuft (Saldierung aller Ein- und Auszahlungen und
Endwert:
entsprechende Verzinsung: Schuldzinsen/Guthabenzinsen)
Endwert 𝐸𝑇 im Zeitraum/Planungshorizont 𝑇
Zahlungsstrom 𝑍𝑇
Begriffe: Finanzierungslimit 𝐿𝐼𝑀 (darf nicht überschritten werden)
Haben-Zins ℎ𝑡 (gutgeschriebener Zins) zum Zeitpunkt 𝑡
Soll-Zins 𝑠𝑡 (abgebuchter Zins)

1. Schritt: wenn −𝐸0 > 𝐿𝐼𝑀 ist die Investition


Berechnung:
Finanzierungslimit prüfen! nicht finanzierbar!

2. Schritt:
Prüfung: Finanzmittelüberschuss oder -defizit?

Fall 1: Finanzmittelüberschuss für 𝐸0 ≥ 0 Fall 2: Finanzmitteldefizit für 𝐸0 ≤ 0


𝐸1 = 𝑍1 + (1 + ℎ1 ) ∗ 𝐸0 𝐸1 = 𝑍1 + (1 + 𝑠1 ) ∗ 𝐸0

3. Schritt:
Finanzierungslimit prüfen! (s.o.)

4. Schritt:
Prüfung: Finanzmittelüberschuss oder -defizit?
→ analoge Weiterrechnung bis Ende des Planungszeitraums erreicht!

ein Zahlungsstrom mit leeren Zahlungen (nur nullen) wird als Nicht-Investition oder
Nicht-
Unterlassungsalternative bezeichnet!
Investition:
→ eine Investition ist nur dann vorteilhaft, wenn ihr Endwert größer/oder gleich null ist!

neue Voraussetzungen: Kalkulationszinssatz 𝑖 ersetzt ℎ𝑡 und 𝑠𝑡 (Habenzins = Sollzins); es


besteht außerdem kein Finanzierungslimit!
Spezialfall
(Kalkulations- Neue Formel:
zinssatz und Zeitpunkt: 𝐸𝑡 = 𝑍𝑡 + (1 + 𝑖) ∗ 𝐸𝑡−1 (𝑡 = 1, … , 𝑇) mit 𝐸0 = 𝑍0
kein LIM):
𝒁
Zeitraum: 𝑬𝑻 = ∑𝑻𝒕=𝟎(𝟏 + 𝒊)𝑻−𝒕 ∗ 𝒁𝒕 = (𝟏 + 𝒊)𝑻 ∗ ∑𝑻𝒕=𝟎 (𝟏+𝒊)
𝒕
𝒕 entspricht dem aufgezinsten

Kapitalwert Aufzinsungsfaktor Kapitalwert

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2. Ermittlung des Kapitalwerts einer Investition
Definition: Betrag, um welchen Betrag der Wohlstand eines Investors wächst, wenn das IP relativ zu
einer entspr. Alternative durchgeführt wird; Summe aller auf den Zeitpunkt 𝒕 = 𝟎
abgezinsten Investitionszahlungen (Barwerte); Geldbetrag, der eingesetzt werden muss,
um unter Berücksichtigung aller Ein- und Auszahlungen und der Verzinsung auf 0 zu
rauszukommen

Formel: 𝒁
𝑲𝑾(𝒁) = ∑𝑻𝒕=𝟎 (𝟏+𝒊)
𝑡
𝒕

Zweck: Vergleich eines Investitionsvorhabens mit dem Anlegen des Geldes auf dem Kapitalmarkt zu
einem bestimmten Kalkulationszinssatz

Interpretation: KW = 0: Der Investor erhält sein eingesetztes Kapital zurück und eine Verzinsung der
ausstehenden Beträge in Höhe des Kalkulationszinssatzes. Die Investition hat keinen Vorteil
gegenüber der Anlage am Kapitalmarkt zum gleichen (risikoäquivalenten) Zinssatz.
KW > 0: Der Investor erhält sein eingesetztes Kapital zurück und eine Verzinsung der
ausstehenden Beträge, die den Kalkulationszinssatz übersteigen.
KW < 0: Die Investition kann eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals zum
Kalkulationszinssatz nicht gewährleisten.

Ergebnis: Das Investitionsvorhaben mit dem maximalen Kapitalwert ist die optimalste Alternative!
→ niemals eine Investition mit negativem Kapitalwert realisieren!

III. Investitionsrechnung unter Sicherheit III


1. Barwert, Endwert und Verzinsung
auf die Gegenwart abgezinste Zahlungen, um eine bessere Vergleichbarkeit zu schaffen (der
Definition
Barwert ist der Ausgangspunkt einer Anlage mit bestimmten Zinssatz, die nach einer
Barwert:
bestimmten Zeit einen bestimmten Wert (Endwert) erreichen soll)

Definition Wertsteigerung/Wertminderung zwischen Barwert und Endwert über einen festgelegten


Verzinsung: Zeitraum

mathematischer 𝐵𝑎𝑟𝑤𝑒𝑟𝑡 ∗ (1 + 𝑍𝑖𝑛𝑠𝑠𝑎𝑡𝑧)𝑡 = 𝐸𝑛𝑑𝑤𝑒𝑟𝑡 → 𝑉𝑒𝑟𝑧𝑖𝑛𝑠𝑢𝑛𝑔 = 𝐸𝑛𝑑𝑤𝑒𝑟𝑡−𝐵𝑎𝑟𝑤𝑒𝑟𝑡


𝐵𝑎𝑟𝑤𝑒𝑟𝑡
Zusammenhang:

𝑬𝒏𝒅𝒘𝒆𝒓𝒕 𝑬𝒏𝒅𝒘𝒆𝒓𝒕
𝑩𝒂𝒓𝒘𝒆𝒓𝒕 = (𝟏+𝒊)𝒕
= 𝑽𝒆𝒓𝒛𝒊𝒏𝒔𝒖𝒏𝒈
Formel:

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2. Investitionsrechnungsverfahren
dynamische Verfahren statische Verfahren
Beobachtung von Zahlungsströmen (Kapitalwert, Betrachtung nicht zahlungswirksamer Größen;
Barwert, Endwert); Miterfassung des zeitlichen Anfalls Zurückgreifen auf periodisierte Erfolgsgrößen
(Durchschnittswerte)
- Kapitalwertmethode - Kostenvergleichsverfahren
- Gewinnvergleichsverfahren
- Rentabilitätsvergleichsverfahren
- Amortisationsrechnung
Investitionsentscheidungen:
- Wahlentscheidungen (zw. Einer Alternative)
- Investitionsdauerentscheidungen (oder Nutzungsdauer)
- Programmentscheidungen (Mischung der oberen)

3. Wirtschaftlichkeitsrechnung
Ziel: Erfassung voraussichtlicher wirtschaftlicher Auswirkungen der geplanten Maßnahme
Investitionsrechnung
Gliederung:
Verfahrensvergleich (es wird keine Investition getätigt; reine Änderung des Verfahrens)

4. Nutzwertanalyse
- Investitionsrechnung: Auswertung „harter“ monetärer Daten
Abgrenzung: - Nutzwertanalyse: Auswertung und Einbezug „weicher“ Größen (monetär schwer/
nicht erfassbar)

- Tabellarische Auflistung der Einflussgrößen/Faktoren


- Festlegung einer Gewichtung (summiert sich in der Regel auf 100 auf)
Vorgehen: - Bewertung der einzelnen Faktoren; anschließend Multiplikation aus Gewichtung
und Bewertung
- Summierung des Bewertungsergebnisses, Rangbildung

IV. Investitionsrechnung unter Unsicherheit I


1. Das Grundmodell der Entscheidungstheorie
Die Ergebnis-Matrix:
Bemerkungen:
- Handlungsalternativen 𝐴𝑖 schließen sich gegenseitig Umweltzustände 𝑺𝒋 𝑆1 𝑆2 𝑆3 𝑆4 𝑆5
aus Eintrittswahrsch. 𝒑𝒎 𝑝1 𝑝2 𝑝3 𝑝4 𝑝5
- Immer mindestens zwei Handlungsalternativen
𝐴1 𝑌11 𝑌12 𝑌13 𝑌14 𝑌15
- Umweltzustände besitzen Eintritts-
Alternativen 𝑨𝒊

wahrscheinlichkeiten 𝑝𝑚 𝐴2 𝑌21 𝑌22 𝑌23 𝑌24 𝑌25


- Tritt ein bestimmter Umweltzustand 𝑆𝑗 ein, führt dies 𝐴3 𝑌31 𝑌32 𝑌33 𝑌34 𝑌35
zu einem sicheren Ergebnis 𝑌𝑖𝑗 (z.B. ein bestimmter 𝐴4 𝑌41 𝑌42 𝑌43 𝑌44 𝑌45
Zahlungsstrom) 𝐴5 𝑌51 𝑌52 𝑌53 𝑌54 𝑌55
- Unsicherheit herrscht nur darüber, welcher
Umweltzustand eintreten wird!

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Eintrittswahrscheinlichkeiten:

objektive
(frequentistische) Grenzwert einer relativen Häufigkeit mit unendlich großer Anzahl an Fällen
Wahrscheinlichkeiten:

entspricht dem Grad der Überzeugung einer Person (rationales Verhalten


vorausgesetzt)

Berechnung (Glaubwürdigkeitsgewichte):
subjektive 𝑔𝑖
Wahrscheinlichkeiten: 𝑝𝑖 = ∑𝑔𝑖 mit 𝑔𝑖 Berechnungsgewicht
𝐺𝑙𝑎𝑢𝑏𝑤ü𝑟𝑑𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡𝑠𝑔𝑒𝑤𝑖𝑐ℎ𝑡 𝑓ü𝑟 𝑆1
also 𝑝𝑖 = 𝑆𝑢𝑚𝑚𝑒 𝑎𝑙𝑙𝑒𝑟 𝐺𝑙𝑎𝑢𝑏𝑤ü𝑟𝑑𝑖𝑔𝑘𝑒𝑖𝑡𝑠𝑔𝑒𝑤𝑖𝑐ℎ𝑡𝑒

Es gilt weiterhin: ∑𝑝𝑖 = 1 ; 0 ≤ 𝑝𝑖 ≤ 1 ∀ 𝑖

2. Das 𝝁-Prinzip (Erwartungswert)


grundlegende Erwartungswert einer Handlungsalternative zur besseren Entscheidungsfindung
Überlegung: ausrechnen

𝜇𝑖 = ∑𝑚 𝑗=1 𝑝𝑗 ∗ 𝑌𝑖𝑗 also die Summe aller möglichen Ergebnisse mal


Erwartungswert 𝝁:
Eintrittswahrscheinlichkeit einer bestimmten Handlungsalternative 𝐴𝑖

Nicht immer ist die Handlungsalternative mit dem höchsten Erwartungswert zwingend
die beste der zur Auswahl stehenden Alternativen!
Problem:
Der Erwartungswert stellt nicht in der Situation eine vernünftige Handlungsempfehlung
dar und bedarf einer Ergänzung!

3. Das 𝝁-𝝈-Prinzip (Erwartungswert und Varianz)


Der Erwartungswert gibt keine Auskunft über Risiken und Chancen einer
grundlegende
Handlungsalternative (Ausmittelungseigenschaft), es bedarf einem zweiten
Überlegung:
Kriterium, das diese Eigenschaft anzeigt!
2
𝛿𝑖2 = ∑𝑚 2
𝑗=1 𝑝𝑗 ∗ (𝑌𝑖𝑗 − 𝜇𝑖 ) und Standardabweichung 𝛿𝑖 = +√𝛿𝑖 also das die

Varianz 𝜹𝟐 : Abweichung der realisierten Wertentwicklung vom Erwartungswert.


Notiz: für die sachbezogenen Rechnungen reicht das positive Ergebnis der Wurzel; dies sollte durch das
+ jedoch gekennzeichnet werden!

Ergänzung des Erwartungswerts um die Standardabweichung


→ μ-δ-Prinzip der Entscheidungstheorie
𝝁-𝜹-Prinzip:
Weiterhin entscheidet jedoch die Risikoeinstellung des Entscheidungsträgers über
die finale Auswahl!

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4. Prinzip der Diversifikation
grundlegende Reduktion von Ergebnisrisiken durch die Tätigung mehrerer Investitionen parallel?
Überlegung: → Portfoliotheorie/Portfolioselektion

Bemerkungen: 𝑚
- Jede Investition wirft für jeden Umweltzustände 𝑺𝒋 𝑆1 𝑆2 𝑆3 𝑆4 𝑆5
𝜇𝑖 = ∑ 𝑝𝑗 ∗ 𝑟𝑖𝑗 𝛿𝑖
möglichen Umweltzustand Eintrittswahrsch. 𝒑𝒎 𝑝1 𝑝2 𝑝3 𝑝4 𝑝5 𝑗=1
zustandsabhängige Rendite 𝑟𝑖𝑗 ab Investition A (= 𝐴1 ) 𝜇1 = 𝑝1 ∗ 𝑟11 + ⋯ + 𝑝5 ∗ 𝑟15
𝑟11 𝑟12 𝑟13 𝑟14 𝑟15 𝛿1
𝐸𝑛𝑑𝑤𝑒𝑟𝑡−𝐴𝑛𝑓𝑎𝑛𝑔𝑠𝑤𝑒𝑟𝑡
- 𝑟𝑖𝑗 = 𝜇2
𝐴𝑛𝑓𝑎𝑛𝑔𝑠𝑤𝑒𝑟𝑡 Investition B (= 𝐴2 ) 𝑟21 𝑟22 𝑟23 𝑟24 𝑟25 𝛿2
-
𝝁-𝝈-Koordinatensystem:
X-Achse: 𝜹, Risiko einer Investition in Prozent
Y-Achse: 𝝁, erwartete Rendite einer Investition in Prozent

Gezeigt werden die Ergebnisse, wenn alles entweder in A oder in B


investiert wird.

Diversifikation:

Die gesamten Mittel werden nicht in eine Investition gesteckt,


sondern ein Teil 𝑤1 der Mittel in Investition A und der andere Teil
𝑤2 = 1 − 𝑤1 in Investition B.

Die Einzelrenditen 𝑟𝑖𝑗 werden demnach einfach mit 𝑤1 bzw. 𝑤2


(Prozentsätze) multipliziert und können anschließend aufsummiert
werden (entspricht einer neuen Investition C). Darauffolgend kann
ein neuer Erwartungswert mit Standardabweichung ermittelt
werden.

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V. Investitionsrechnung unter Unsicherheit II
1. Portfolioauswahl
Für die zustandsabhängigen Renditen eines gemischten Portfolios gilt:
Grundlage:
𝑟𝑀1 = 𝑤1 ∗ 𝑟11 + 𝑤2 ∗ 𝑟21 also 𝒓𝑴𝒋 = 𝒘𝟏 ∗ 𝒓𝟏𝒋 + 𝒘𝟐 ∗ 𝒓𝟐𝒋

Erwartungswert Erwartete Rendite des gemischten Portfolios:


(Portfoliorendite): 𝜇𝑃𝑜𝑟𝑡𝑓𝑜𝑙𝑖𝑜 = 𝝁𝑷 = 𝒘𝟏 ∗ 𝝁𝟏 + 𝒘𝟐 ∗ 𝝁𝟐

Varianz und 2
Formel 1: 𝛿𝑃2 = ∑𝑗 𝑝𝑗 ∗ (𝒓𝑴𝒋 − 𝝁𝑷 )
Standardabweichung
(Portfoliorisiko): Formel 2: ergibt sich durch Einsetzen der oben definierten Werte!
𝟐 𝟐
𝛿𝑃2 =𝒘𝟐𝟏 ∗ ∑𝒋 𝒑𝒋 ∗ (𝒓𝟏𝒋 − 𝝁𝟏 ) +𝒘𝟐𝟐 ∗ ∑𝒋 𝒑𝒋 ∗ (𝒓𝟐𝒋 − 𝝁𝟐 ) +2 ∗ 𝑤1 ∗ 22 ∗ ∑𝒋 𝒑𝒋 ∗ (𝒓𝟏𝒋 − 𝝁𝟏 ) ∗ (𝒓𝟐𝒋 − 𝝁𝟐 )
𝑽𝒂𝒓𝒊𝒂𝒏𝒛 𝜹𝟐𝟏 𝑽𝒂𝒓𝒊𝒂𝒏𝒛 𝜹𝟐𝟐 𝑲𝒐𝒗𝒂𝒓𝒊𝒂𝒏𝒛 𝜹𝟏𝟐

Formel 3: 𝛿𝑃2 = 𝑤12 ∗ 𝜹𝟐𝟏 + 𝑤22 ∗ 𝜹𝟐𝟐 + 2 ∗ 𝑤1 ∗ 𝑤2 ∗ 𝜹𝟏𝟐

Dementsprechend gilt für die Standardabweichung:

𝜹𝑷 = √𝒘𝟐𝟏 ∗ 𝜹𝟐𝟏 + 𝒘𝟐𝟐 ∗ 𝜹𝟐𝟐 + 𝟐 ∗ 𝒘𝟏 ∗ 𝒘𝟐 ∗ 𝜹𝟏𝟐

Kovarianz: Gibt einen möglichen Zusammenhang zwischen zwei sich zufällig entwickelnden
Werten an.

𝐶𝑂𝑉(𝐼𝑃 1, 𝐼𝑃 2) = 𝛿12 = ∑ 𝒑𝒋 ∗ (𝒓𝟏𝒋 − 𝝁𝟏 ) ∗ (𝒓𝟐𝒋 − 𝝁𝟐 )


𝒋

Es gilt:
𝛿𝑖𝑗 > 0 : Gleichlauf zwischen den beiden Werten
𝛿𝑖𝑗 < 0 : Gegenlauf zwischen den beiden Werten
→ da die Kovarianz ein absolutes Maß ist, ist eine Vergleichbarkeit zwischen Werten
nicht möglich!

Korrelations- Normierung der Kovarianz


koeffizient: 𝜹𝟏𝟐
𝑟ℎ𝑜 = 𝝆 = ; nimmt nur Werte zwischen −1 und +1 an!
𝜹𝟏 ∗𝜹𝟐
Daraus ergibt sich: 𝜹𝟏𝟐 = 𝝆 ∗ 𝜹𝟏 ∗ 𝜹𝟐

Es gilt:
𝜌 = −1 : vollständiger Gegenlauf
𝜌 < 0 : Gegenlauf zwischen den beiden Werten
𝜌 ≈ 0 : kein Zusammenhang
𝜌 > 0 : Gleichlauf zwischen den beiden Werten
𝜌 = 1 : vollständiger Gleichlauf

Graphisch ergibt sich folgendes Bild:


Je kleiner 𝜌, desto mehr „Bauch“ hat die Parabel der Mischungsverhältnisse im 𝜇-𝛿-
Diagramm und desto attraktiver wird ein gemischtes Portfolio (je weniger
Zusammenhang zwischen den gewählten Investitionen herrscht, desto weniger Risiko
besteht).
Bei 𝜌 ≈ 1 ist keine Risikoreduktion möglich, ein gemischtes Portfolio macht keinen
Sinn, da viel zu große Abhängigkeit der Investitionen voneinander herrscht.
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Das risikominimale Portfolio:

die Gewichtungen 𝒘𝟏 und 𝒘𝟐 = 𝟏 − 𝒘𝟏, für die ein optimales Rendite-Risiko-


Gesucht: Verhältnis vorherrscht (Hochpunkt der Parabel aller möglicher
Mischungsverhältnisse)

Ausgangspunkt: 𝛿𝑃2 = 𝑤12 ∗ 𝛿12 + 𝑤22 ∗ 𝛿22 + 2 ∗ 𝑤1 ∗ 𝑤2 ∗ 𝛿12

𝛿𝑃2 = 𝑤12 ∗ 𝛿12 + (1 − 𝑤1 )2 ∗ 𝛿22 + 2 ∗ 𝑤1 ∗ (1 − 𝑤1 ) ∗ 𝛿12


Ersetzen von 𝒘𝟐 :

Umformung: …
Ableiten: …
Gleich null setzen: …
𝛿 2 −𝛿
12
𝑤1 = 𝛿 2 +𝛿22 −2∗𝛿
Auf 𝒘𝟏 auflösen: 1 2 12

Berechnung von 𝝁𝑷 und 𝜹𝑷 : …

Graphische Interpretation:
Neben dem risikominimalen Mischungspunkt V (= Safety
First Portfolio) wird es bei gleichem Risiko immer zwei
verschiedene Investitionsmöglichkeiten geben. Hierbei ist
jedoch stets das Portfolio auf der oberen Hälfte der
Parabel vorzuziehen (da bessere Renditen). Die Portfolios
auf dieser Linie sind effizienter als die unteren.
→ Effizienzlinie

VI. Investitionsrechnung unter Unsicherheit III


1. Verfahren zur Investitionsbeurteilung unter Unsicherheit
Bekannteste Verfahren:

Zu- und Abschläge an sämtlichen Daten der Investitionsrechnung


Korrekturverfahren: → Ergebnis: „sichere“ Daten, Durchführung einer Investitionsrechnung unter
Sicherheit

Analyse der Empfindlichkeit von Outputgrößen (z.B. Kapitalwert, Endwert) auf


Sensitivitätsverfahren:
die Veränderung einer oder mehrerer Inputgrößen

Ziel: Ableitung konkreter Häufigkeitsverteilungen für die Outputgrößen einer


Risikoanalyse:
Investitionsrechnung

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Schritte der Risikoanalyse:

1. Schritt: Festlegung der als unsicher angesehenen Inputgrößen 𝑝 = Preis eines Produktes, der innerhalb eines
Zeitintervalls mit einer bestimmten
Wahrscheinlichkeit zwischen 2,50€ und 4,50€
liegen wird.
Glaubwürdigkeits-
Intervall Wahrsch.
Schätzung der zugrundeliegende relativen gewicht
2. Schritt: 3
Häufigkeitsverteilungen (Eintrittswahrscheinlichkeiten) [𝟐, 𝟓 − 𝟑, 𝟐) 3
10
6
[3,2 − 4,0) 6
10
1
[4,0 − 4,5] 1
10
Benötigt werden bspw. 100 (zufällige)
Verkaufspreise auf Basis von Zufallszahlen 𝑟𝑖 ,
Generierung eines (zufälligen) Satzes an Eingabedaten welche der Wahrscheinlichkeiten entsprechen
unter Verwendung der Monte-Carlo-Simulation: sollen (vgl. mit repräsentativer Stichprobe)
30 Stück nach der Vorschrift:
- Erzeugung gleichverteilter Zufallszahlen 𝒓𝒊 𝑣𝑖 = 𝟐, 𝟓 + (𝟑, 𝟐 − 𝟐, 𝟓) ∗ 𝑟𝑖 } 𝑣1 , 𝑣2 , … , 𝑣30
3. Schritt: zwischen 0 und 1
60 Stück nach der Vorschrift:
- Umwandlung dieser Zufallszahlen entsprechend 𝑣𝑖 = 3,2 + (4,0 − 3,2) ∗ 𝑟𝑖 } 𝑣31 , 𝑣32 , … , 𝑣90
der Wahrscheinlichkeiten der jeweiligen
10 Stück nach der Vorschrift:
Inputgrößen
𝑣𝑖 = 4,0 + (4,5 − 4,0) ∗ 𝑟𝑖 } 𝑣91 , 𝑣92 , … , 𝑣100
𝑟𝑖 ∈ [0 ; 1]

Berechnung der interessierenden Outputgrößen unter


4. Schritt:
der Verwendung der genierten Eingabedaten

Wiederholung der Schritte 3 und 4, bis sich die relative


5. Schritt: Häufigkeitsverteilung der interessierenden Outputgröße
stabilisiert hat

VII. Arten und Kosten der Finanzierung I


1. Kapitalherkunft und Kapitalart
Definition = Kapitalbeschaffung (Passivseite der Bilanz), umfasst alle betrieblichen Prozesse zur
Finanzierung: Bereitstellung und Rückzahlung der finanziellen Mittel einer Unternehmung
Finanzierung
- Innenfinanzierung:
nach
- Außenfinanzierung:
Kapitalherkunft:
- Fremdfinanzierung: Finanzierung durch Fremdkapital; zur Verfügungsstellung von
Fremdkapital oder Sachleistungen (z.B. Lieferantenkredit);
Merkmale: Vertragsfreiheit; Kapitaldienst (vertraglich vereinbarte Zins- und
Tilgungsleistungen); keine Mitbestimmungsrecht des Kreditgebers;
Befriedigungsvorrecht des Gläubigers bei Insolvenz; Kreditsicherheiten; i.A. nicht
Finanzierung
kündbar
nach Kapitalart:
Ausnahmen des Kündigungsverbots: nicht ordnungsgemäße vertragliche Erfüllung
(z.B. wesentliche Verschlechterung der Vermögensverhältnisse), vertraglich
vereinbarte Kündigungsrechte (z.B. Sondertilgungsrechte)

- Eigenfinanzierung: Eigenkapital

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2. Märkte für Fremdkapital
Normale Zinsstrukturkurve:
steigender Zins mit steigender Laufzeit

Flache Zinsstrukturkurve:
konstanter Zins, unabhängig von der Laufzeit

Inverse Zinsstrukturkurve:
sinkender Zins mit steigender Laufzeit

Definition
= festverzinsliche Wertpapiere, die langfristigen Krediten entsprechen
Anleihen:
+𝐾 zufließender Betrag bei Emission, es gilt: 𝐾 = 𝑝𝑟𝑜𝑧. 𝐾𝑢𝑟𝑠 ∗ 𝑁
−𝐶 Zinszahlungen
−𝑁 Tilgungszahlung (Nominalbetrag)
𝑇 Laufzeit
Anleihe als
Zahlungsstrom:

Sonderfall
variabler Zins: FLR = Floating Rate (üblicher variabler Zinssatz nach EURIBOR)
Kurs:

Anleihenbonität:

Fähigkeit der Anleihen, dem Kapitaldienst fristgerecht und vollständig nachzukommen;


Bewertung:
Berücksichtigung von quantitativen und qualitativen Kriterien
Abstufung (nach
AAA, AA+, AA, AA-, … CCC, CC, D
Standard & Poor):
Investment Grade: AAA bis BBB-
Non-Investment
schlechter als BBB-, also ab BB+
Grade:
Darstellung von Wahrscheinlichkeiten (Prozentwerte) von einem Ratingzustand in einen
Migrationsmatrix:
anderen Ratingzustand zu kommen bzw. im selben Zustand zu bleiben

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VIII. Arten und Kosten der Finanzierung II
1. Eigenschaften und Merkmale der Eigenfinanzierung
Definition
Eigen- = Zuführung von Eigenkapital durch die Eigentümer einer Unternehmung
finanzierung:
- Basis zur Finanzierung des Unternehmensvermögens
- Haftungsfunktion/Risikoreduktion
Funktionen: - Grundlage für die Gewinnverteilung
- Relevanz in Bezug auf Kreditwürdigkeit
- sollte Ertrag bringen

Möglichkeiten:
Eigenkapital- - die bisherigen Eigentümer erhöhen ihre Einlagen
aufbringung: - neue Eigentümer treten durch das Tätigen ihrer Einlagen in den Kreis der bisherigen
Eigentümer hinzu

- erhält Anspruchsrecht am Gewinn, am Vermögen und am Liquidationserlös


- Informations- und Mitentscheidungsrechte
- unternehmerisches Risiko und unterschiedliche Rechtsfolgen für die Eigenkapitalgeber,
Kapitalgeber:
z.B. Nachschusspflicht bei einem geschlossene Fonds: Verpflichtung eines
Gesellschafters oder Genossen, anteilsmäßig das bestehende Gesellschaftskapital zu
erhöhen bzw. für entstandene Verluste zu haften

2. Bezug zur Bilanz


Aktivseite: = Kapitalverwendung (Investition) → sollte Zinsen 𝒌𝑨 bringen, um die Passivseite zu finanzieren

= Kapitalherkunft (Quellen) → verursachen Kosten in Form von Eigenkapitalkosten 𝒌𝑬𝑲 und


Passivseite:
Fremdkapitalkosten 𝒌𝑭𝑲

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3. Kapitalkosten und Kapitalstruktur
Kapitalkosten: = Zinsen, die den Fremdkapitalgebern (z.B. Banken) zustehen und die die Eigenkapitalgeber
erwarten (z.B. entsprechende Rendite) → Zusammensetzung aus Eigen- und
Fremdkapitalkosten

Fremdkapital- direkter Zusammenhang mit Zinsstruktur des Kapitalmarkts und den Bonitätsrisiken der
kosten: Unternehmung (s. Rating)
Fremdkapitalkosten = laufzeitadäquater Zins/risikofreier Zins + Bonitätsaufschlag (Spread)
𝑘𝐹𝐾 = 𝒓𝑭 + 𝒔𝑭𝑲 → Spreads i.A. direkt beobachtbar!

Eigenkapital- direkter Zusammenhang mit Zinsstruktur am Kapitalmarkt und den sog. Marktrisiken
kosten:
Eigenkapitalkosten = risikofreier Zinssatz + Spread
𝑘𝐸𝐾 = 𝒓𝑭 + 𝒔𝑬𝑲 → Spread i.A. nicht direkt beobachtbar, daher Berechnungsmodell CAPM
(Capital Asset Pricing Model)

Zusammen- Modellübergreifend gilt:


fassung:
𝑠𝐸𝐾 ≫ 𝑠𝐹𝐾 ⟺ 𝑘𝐸𝐾 ≫ 𝑘𝐹𝐾 → Eigenkapital ist teurer als Fremdkapital
Gründe: Eigenkapitalgeber möchten für ihre Beteiligung und dem damit verbundenen
unternehmerischen Risiko mehr Zinsen als eine Bank, die durch eine Kreditvergabe einen
verpflichtenden Kapitaldienst festgeschrieben hat

Aktivzinsen: Da die Aktivzinsen die Kapitalkosten auffangen sollten, gilt folgender Zusammenhang als
natürliche Untergrenze der Aktivzinsen:
𝐴 ∗ 𝑘𝐴 = 𝐸𝐾 ∗ 𝑘𝐸𝐾 + 𝐹𝐾 ∗ 𝑘𝐹𝐾 mit 𝐴 Wert der Aktiva, 𝐸𝐾 Wert des EKs und 𝐹𝐾 Wert des FKs
Gewichtete Kapitalkosten durch Umformung:
𝑬𝑲 𝑭𝑲
𝒌𝑨 = 𝑬𝑲+𝑭𝑲 ∗ 𝒌𝑬𝑲 + 𝑬𝑲+𝑭𝑲 ∗ 𝒌𝑭𝑲 → Gesamtkapitalkosten der Aktiva

Leverage- Es gilt weiterhin (durch weiter Umformung):


Effekt: 𝑭𝑲
𝑘𝐸𝐾 = 𝑘𝐴 + (𝒌𝑨 − 𝒌𝑭𝑲 ) ∗ 𝑬𝑲 unter der Annahme: 𝒌𝑨 − 𝒌𝑭𝑲 > 𝟎 (Aktivseite muss auf jeden
Fall die Verzinsung des Fremdkapitals leisten können)
Hebelwirkung:
𝑭𝑲
Hebel: 𝑬𝑲 → falls 𝐹𝐾 = 0, 𝑘𝐸𝐾 = 𝑘𝐴 ; falls 𝐹𝐾 > 0, 𝑘𝐸𝐾 > 𝑘𝐴
→ durch Hinzunahme von Fremdkapital erhöht sich die Verzinsung des Eigenkapitals! (durch
den Einsatz von Fremdkapital kann die Eigenkapitalrendite für die Eigentümer gesteigert
werden)
Weitere Formelzusammenhänge:
𝐸𝐾 𝐹𝐾 𝐸𝐾 𝐹𝐾 𝐹𝐾
a) 𝐸𝐾+𝐹𝐾
= 1 − 𝐸𝐾+𝐹𝐾 → 𝐸𝐾+𝐹𝐾 + 𝐸𝐾+𝐹𝐾 = 1 mit 𝐸𝐾+𝐹𝐾 = Verschuldungsgrad
𝐹𝐾 𝑉𝑒𝑟𝑠𝑐ℎ𝑢𝑙𝑑𝑢𝑛𝑔𝑠𝑔𝑟𝑎𝑑
b) =
𝐸𝐾 1−𝑉𝑒𝑟𝑠𝑐ℎ𝑢𝑙𝑑𝑢𝑛𝑔𝑠𝑔𝑟𝑎𝑑
𝐹𝐾
𝐸𝐾
c) 𝑉𝑒𝑟𝑠𝑐ℎ𝑢𝑙𝑑𝑢𝑛𝑔𝑠𝑔𝑟𝑎𝑑 = 𝐹𝐾
1+
𝐸𝐾

„Zu-Fuß“-Variante:
𝐸𝐾𝑎𝑘𝑡𝑢𝑒𝑙𝑙 −𝐸𝐾𝑎𝑙𝑡
(1) Gesamtkapitalkosten mit 𝑘𝐴 verzinsen, (2) 𝐹𝐾 und 𝑘𝐹𝐾 abziehen, (3) 𝐸𝐾𝑎𝑙𝑡

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4. WACC (Weighted Average Cost of Capital)
Definition = um die Steuern auf das Fremdkapital angepasste Gesamtkapitalkosten
WACC:
Formel: 𝑬𝑲 𝑭𝑲
𝑊𝐴𝐶𝐶 = 𝑬𝑲+𝑭𝑲 ∗ 𝒌𝑬𝑲 + 𝑬𝑲+𝑭𝑲 ∗ 𝒌𝑭𝑲 ∗ (𝟏 − 𝝉) mit 𝜏: durchschnittlicher Steuersatz
𝑭𝑲
= 𝒌𝑨 − 𝒌𝑭𝑲 ∗ 𝝉 ∗ (alternative Formel)
𝑬𝑲+𝑭𝑲

IX. Arten und Kosten der Finanzierung III


1. Grundlagen der Zinsrechnung
Zins: = Vergütung für die Überlassung von Geld, z.B. auf ein Konto, abhängig von Höhe des
Geldbetrages und Dauer der Überlassung

Zinsberechnung: Berechnung nach:


- konkrete Berechnung der Länge des Zinszeitraumes (z.B. 30/360-Methode oder
echt/echt-Methode)
- Behandlung der bereits gezahlten Zinsen (Zinseszins)
- Zeitpunkt der Zinszahlung (vorschüssig oder nachschüssig)

Begriffserklärung: Barwert = abgezinster Wert, der zu Beginn auf einem Konto angelegt werden muss, um bei
bestimmtem Zinssatz und bestimmter Laufzeit einen vorgegebenen Wert zu erreichen
→ Anfangsbestand
Endwert = aufgezinster Wert, der ausgehend von einem Anfangsbestand (Barwert) am
Ende der Laufzeit auf dem Bankkonto verfügbar ist → Endbestand
𝒏
Endwert der 𝑲𝑩𝒏 = 𝑲𝑩𝟎 ∗ (𝟏 + 𝒓𝒈 ) ; mit 𝐾𝐵0 : Anfangskapital, 𝑛: Laufzeit, 𝐾𝐵𝑛 : Endkapital, 𝑟: Zins
geometrischen 𝑛
Verzinsung: Aufzinsungsfaktor: (1 + 𝑟𝑔 )

Barwert der durch Umstellen der Formel ergibt sich:


geometrischen 𝑲𝑩𝒏 𝟏
Verzinsung: 𝑲𝑩𝟎 = 𝒏 = 𝑲𝑩𝒏 ∗ 𝒏
(𝟏+𝒓𝒈 ) (𝟏+𝒓𝒈 )
1
Abzinsungsfaktor: 𝑛
(1+𝑟𝑔 )

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2. Renten
Rente: = regelmäßige und in gleicher Höhe wiederkehrende Zahlung
Unterscheidung:
- vorschüssige Rente: wird zu Beginn der Periode ausbezahlt
- nachschüssige Rente: wird am Ende der Periode ausbezahlt

Formel: vorschüssige Rente nachschüssige Rente


zu Fuß: zu Fuß:
𝑇−1 𝑇
𝑇−𝑡
∑ 𝑅 ∗ (1 + 𝑖) ∑ 𝑅 ∗ (1 + 𝑖)𝑇−𝑡
𝑡=0 𝑡=1
Endwert
direkt: direkt:
𝑇
(1 + 𝑖) − 1 (1 + 𝑖)𝑇 − 1
𝑅 ∗ (1 + 𝑖) ∗ 𝑅∗
𝑖 𝑖
direkt: direkt:
Endwert 1+𝑔 𝑇 1+𝑔 𝑇
1−( ) 1 + 𝑔 1−( )
(dynamisiert) 𝑅 ∗ (1 + 𝑖)𝑇 ∗ 1+𝑖 𝑅 ∗ (1 + 𝑖)𝑇 ∗ ∗ 1+𝑖
1+𝑔 1+𝑖 1+𝑔
1− 1−
1+𝑖 1+𝑖
zu Fuß: zu Fuß:
𝑇−1 𝑇
𝑅 𝑅
∑ ∑
(1 + 𝑖)𝑇 (1 + 𝑖)𝑇
𝑡=0 𝑡=1
Barwert
direkt: direkt:
(1 + 𝑖)𝑇 − 1 (1 + 𝑖)𝑇 − 1
𝑅 ∗ (1 + 𝑖) ∗ 𝑅∗
𝑖 ∗ (1 + 𝑖)𝑇 𝑖 ∗ (1 + 𝑖)𝑇
direkt: direkt:
𝑇
1+𝑔 1+𝑔 𝑇
Barwert 1−( ) 1+𝑔 1 − ( )
𝑅∗ 1+𝑖 𝑅∗ ∗ 1+𝑖
(dynamisiert) 1−
1+𝑔 1+𝑖 1−
1+𝑔
1+𝑖 1+𝑖

Sonderfall: Barwert einer Rente mit unendlicher Laufzeit:


𝑅
- vorschüssig:
𝑖
𝑅
- nachschüssig: (1 + 𝑖) ∗ 𝑖

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3. Grundlagen der Tilgungsrechnung
Abzahlungs- gleichbleibende Rückzahlungsbeträge, entsprechend abnehmende Zinsen und steigende
kredit: Tilgung

Festkredit: Zahlung gleichbleibender Zinsen über die gesamte Laufzeit, Tilgung der gesamten
Kreditsumme am Ende der Laufzeit

Annuitätskredit: Zahlung einer gleichbleibender Annuität (Zins und Tilgung) → Rückzahlungsbetrag


entspricht einer nachschüssigen Rente
𝒓∗(𝟏+𝒓)𝒏
Höhe der Annuität: 𝑲𝒓𝒆𝒅𝒊𝒕𝒔𝒖𝒎𝒎𝒆𝒗𝒆𝒓𝒃𝒍𝒆𝒊𝒃𝒆𝒏𝒅 ∗ (𝟏+𝒓)𝒏 mit 𝑛: verbleibende Kreditlaufzeit
−𝟏

Grundlagen: zu zahlende Zinsen: 𝑅𝑒𝑠𝑡𝑠𝑐ℎ𝑢𝑙𝑑 ∗ 𝑍𝑖𝑛𝑠𝑠𝑎𝑡𝑧


Rückzahlungsbetrag: 𝑧𝑢 𝑧𝑎ℎ𝑙𝑒𝑛𝑑𝑒 𝑍𝑖𝑛𝑠𝑒𝑛 + 𝑇𝑖𝑙𝑔𝑢𝑛𝑔
Weiterhin gilt: 𝑅𝑒𝑠𝑡𝑠𝑐ℎ𝑢𝑙𝑑 𝐽𝑎ℎ𝑟𝑒𝑠𝑒𝑛𝑑𝑒 𝑉𝑜𝑟𝑗𝑎ℎ𝑟 =
𝑅𝑒𝑠𝑡𝑠𝑐ℎ𝑢𝑙𝑑 𝐽𝑎ℎ𝑟𝑒𝑠𝑏𝑒𝑔𝑖𝑛𝑛 𝑎𝑘𝑡𝑢𝑒𝑙𝑙𝑒𝑠 𝐽𝑎ℎ𝑟

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X. Finanzplanung und Risikomanagement
1. Begriff der Liquidität
= Gewährleistung der jederzeitigen Liquidität sowie das finanzielle Gleichgewicht
einer Unternehmung; befindet sich im Spannungsfeld zwischen Liquidität
Finanzplanung:
(Verfügbarkeit), Rentabilität (Zins) und Risiko (Schwankung) → keiner der drei
Eckwerte kann isoliert verändert bzw. optimiert werden („magisches Dreieck“)

- Verfügbarkeit von Kapital, bezogen auf bestimmten Zeitpunkt oder Zeitraum


- Wahrung der Liquidität gesetzlich gefordert!
Liquidität:
- Eine Insolvenz liegt vor, wenn der Schuldner zahlungsunfähig ist oder zu
drohen ist

- Analyse der strukturellen Zusammenhänge von Aktiva und Passiva der Bilanz
mithilfe sog. Finanzierungsregeln
Strukturelle
- Vertikale Finanzierungsregeln: innerhalb einer Seite
Liquidität:
- Horizontale Finanzierungsregeln: zwischen den Bilanzseiten
→ Festlegung der Regeln i.d.R. vom Fremdkapitalgeber

- Liquidierbarkeit von Vermögensteilen zur Verwendung bzw. Umwandlung in


Zahlungsmittel
- zentrale Parameter: Höhe des Liquidationserlöses (abhängig von Qualität,
Absolute Liquidität:
Marktgegebenheiten (Marktexistenz, -gängigkeit, Organisationsgrad) und
Dringlichkeit) und Liquidierungsdauer
-

- Bezug auf Zahlungsfähigkeit


- Statische Liquidität: Betrachtung von Größenverhältnissen der Bilanz;
Betrachtung der Elemente: Zahlungsmittel, kurzfristige Forderungen, Vorräte
und kurzfriste Verbindlichkeiten → Ermittlung von Liquiditätsgraden:
𝑍𝑎ℎ𝑙𝑢𝑛𝑔𝑠𝑚𝑖𝑡𝑡𝑒𝑙
o 1. Grad (Barliquidität): 𝑘𝑢𝑟𝑧𝑓𝑟𝑖𝑠𝑡𝑖𝑔𝑒 𝑉𝑒𝑟𝑏𝑖𝑛𝑑𝑙𝑖𝑐ℎ𝑘𝑒𝑖𝑡𝑒𝑛 < 1
Relative Liquidität: 𝑍𝑎ℎ𝑙𝑢𝑛𝑔𝑠𝑚𝑖𝑡𝑡𝑒𝑙+𝑘𝑢𝑟𝑧𝑓𝑟𝑖𝑠𝑡𝑖𝑔𝑒 𝐹𝑜𝑟𝑑𝑒𝑟𝑢𝑛𝑔𝑒𝑛
o 2. Grad (kurze Sicht): ≈1
𝑘𝑢𝑟𝑧𝑓𝑟𝑖𝑠𝑡𝑖𝑔𝑒 𝑉𝑒𝑟𝑏𝑖𝑛𝑑𝑙𝑖𝑐ℎ𝑘𝑒𝑖𝑡𝑒𝑛
𝑍𝑎ℎ𝑙𝑢𝑛𝑔𝑠𝑚𝑖𝑡𝑡𝑒𝑙+𝑘𝑢𝑟𝑧𝑓𝑟.𝐹𝑜𝑟𝑑𝑒𝑟𝑢𝑛𝑔𝑒𝑛+𝑉𝑜𝑟𝑟ä𝑡𝑒
o 3. Grad (mittlere Sicht): 𝑘𝑢𝑟𝑧𝑓𝑟𝑖𝑠𝑡𝑖𝑔𝑒 𝑉𝑒𝑟𝑏𝑖𝑛𝑑𝑙𝑖𝑐ℎ𝑘𝑒𝑖𝑡𝑒𝑛
>1
- Dynamische Liquidität: Bezug auf uneingeschränkte Erfüllung aller fälligen
Zahlungsverpflichtungen; Erfassung sämtlicher erwarteter Ein- und
Auszahlungen → in der Praxis kaum oder nicht möglich!

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2. Risikomanagement
Risiko: = Gefahr einer negativen Abweichung von einer Zielgröße und dessen Konsequenzen
→ mögliche Ursachen: unvollkommene Informationen, Unsicherheit über die
zukünftige Entwicklung
Systematisierung:
- Finanzwirtschaftliche Risiken:
o Marktrisiken: Risiko einer negativen Preisentwicklung auf den
Finanzmärkten (bestehend aus Aktien, Währungen, Anleihen, Zinsen,
Rohstoffen); Begriffe:
Hausse: stark steigender Markt
Baisse: stark sinkender Markt
o Kreditrisiken: Risiko der negativen Abweichung des tatsächlichen vom
geplanten Ergebnis eines Kreditengagements
- Leistungswirtschaftlich Risiken

Risikomanagement: = unternehmensweite Messung und Steuerung aller Unternehmensrisiken unter


Berücksichtigung von Verbundeffekten (z.B. Diversifikation/Streuung,
Klumpenbildung) zwischen unterschiedlichen Risiken
Ursachen: rechtlich, volkswirtschaftlich, technologisch

Risikomanagement- Risikoidentifikation → Risikomessung und -analyse → Risikosteuerung →


prozess: Risikocontrolling
„Chinese Wall der BWL“:
Trennung von Risikocontrolling und andere Phasen des Risikomanagements
(personell, räumlich, …) → völlige Unabhängigkeit notwendig!

Exkurs – Öl: - 1 Barell = 1 Fass Öl = 159 Liter


- Brent: Öl aus der Nordsee
- WTI (West Texas Intermediate): US-amerikanisches Öl
- Einflussgrößen auf den Benzinpreis: Einkaufspreis Öl, Frachtkosten,
Raffineriekosten

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XI. Finanzplanung und Risikomanagement II
1. Risikomessung
Risikomessung: = Kern des Risikomanagements: nur mess-/erfassbare Risiken können gesteuert
werden; Erfassung mittels Risikomaßen (i.d.R. Darstellung als positive Zahlen)

Quantitative Einfache Verlustmaße:


Risikomessung:
- Maximalverlust: größtmöglicher Schaden einer Vermögensposition
- erwarteter Verlust: aufsummierte, mögliche Schäden mit
Eintrittswahrscheinlichkeit = abgeschnittener Erwartungswert
Kennzahlen:
𝟐
- Volatilität: Ausmaß der Schwankungen; +√𝒑𝒋 ∗ (𝒓𝒋 − 𝝁) (Standardabw.)
mit 𝜇 = ∑𝑖 𝑝𝑗 ∗ 𝑟𝑗 : durchschnittliche relative Vermögensänderung,
𝐸𝑊−𝐴𝑊
𝑝𝑗 : Eintrittswahrscheinlichkeit, 𝑟𝑗 : relative Vermögensänderung (= )
𝐴𝑊
- Sensitivität: Maß, wie empfindlich das Vermögung auf Veränderungen einer
oder mehrerer Einflussgrößen reagiert
- Value at Risk: Quantifizierung von Risiken resultierend aus
Marktpreisveränderungen: „Man ist sich zu 𝑎 sicher, dass ein Portfolio in den
nächsten Tagen nicht mehr als 𝑉€ an Wert verlieren wird“; Obergrenze des
Wertverlustes eines Portfolios bei einem bestimmten
Wahrscheinlichkeitsniveau (Konfidenzintervall); keine Veränderung der
Zusammensetzung des Portfolios während der Haltedauer; z.B. VaR von 1 Mio €
bei 99%-Konfidenzniveau →nur mit 1% Wahrscheinlichkeit tritt innerhalb der
Haltedauer ein Verlust von mehr als 1 Mio € auf

Qualitative Scoring-Modelle:
Risikomessung:
- z.B. Schufa, Nutzwertanalyse

Backtesting: = Überprüfung der Prognosequalität; Ermittlung der Anzahl der VaR-Überschreitungen


(graphisch: zählen der Unterschreitungen der Rendite/Verluste unter die VaR-Linie)

Musterportfolio: = spezielle Referenzportfolios im Rahmen der Geldanlage


Zweistufiger Ansatz:
- Identifizierung/Festlegung verschiedener Anlegertypen gem. jeweiliger
Risikotoleranz (risikoscheu bis risikofreudig)
- Zusammenstellung entsprechender Mischung für die entsprechenden
Risikotypen →Anlageempfehlungen in Form eines Musterportfolios
Arten von Musterportfolios:
- „Sicherheit“: ausschließlich risikolose Anlagen (z.B. Staatsanl., REX, iBOXX)
2 1
- „Ertrag“: Kombination aus 3 risikoloser und 3 risikobehafteter Anlage
1 2
- „Wachstum“: Kombination aus 3 risikoloser und 3 risikobehafteter Anlage
- „Dynamik“: ausschließlich risikobehaftete Anlage (z.B. DAX30, EURO STOXXS)
→Ermittlung von Schätzwerten (aus historischen Daten) für zu erwartende Rendite
(return) 𝜇 und erwartende Volatilität (Risiko) 𝜎

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Renditeentwicklung - 𝑎 = Fläche unter der Gaußkurve; in 𝑎 Fällen liegt die Realisation einer
anhand der normalverteilten Zufallsvariable im entsprechenden Intervall
Normverteilung: - 𝜎 = Standardabweichung
- 𝑏 = Faktor der Bandbreite
- 𝒃 ∗ 𝝈-Band = Intervall um den Erwartungswert: [𝜇 − 𝑏 ∗ 𝜎 ; 𝜇 + 𝑏 ∗ 𝜎]
Zusammenhang:
𝑎 95% 99% 99,9%
𝑏 1,96 2,58 3,29

Mit 95%iger Wahrscheinlichkeit (𝑏 = 1,96) gilt:


- schlechteste Rendite: 𝜇 − 1,96 ∗ 𝜎
- beste Rendite: 𝜇 + 1,96 ∗ 𝜎
Schlussfolgerung:
- 95% der Renditerealisationen (entspricht der Wahrscheinlichkeitsmasse) liegen
in diesem Intervall: [𝜇 − 1,96 ∗ 𝜎 ; 𝜇 + 1,96 ∗ 𝜎]
- in den verbleibenden 5% liegen die Renditeausreißer
5%
- 97,5% (= 95% + 2 ) weisen mindestens einen Werte von 𝜇 − 1,96 ∗ 𝜎 auf
- 2,5% der Renditerealisationswerte weisen einen Wert unterhalb von 𝜇 −
1,96 ∗ 𝜎 auf
→ in 2,5% der Fälle (die „schlechtesten“ Fälle) liegen die Renditerealisationen
mindestens 𝟏, 𝟗𝟔 ∗ 𝝈 unterhalb der erwarteten Rendite 𝝁

Graphisch:

Zusammenfassung: Ausgehender von einem anzulegenden Geldbetrag 𝑊 gelten folgende


Zusammenhänge:
- 97,5% der möglichen Werteentwicklungen haben eine Höhe von mindestens
𝑊 ∗ (𝜇 − 1,96 ∗ 𝜎)
- „nur“ 2,5% der möglichen Wertzuwächse liegen unterhalb von 𝑊 ∗ (𝜇 − 1,96 ∗
𝜎)
- mit einer Wahrscheinlichkeit von 97,5% verliert man vom Ausgangspunkt 𝑊 ∗ 𝜇
höchstens einen Betrag in Höhe von 1,96 ∗ 𝜎 ∗ 𝑊 € (= Value at Risk für 𝛼 =
97,5%)
Ermittlungsansätze des Value at Risk:
- analytischer Ansatz (Varianz-Kovarianz-Ansatz)
- historischer Ansatz
- Monte-Carlo-Ansatz
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Verallgemeinerung: Aussage für andere Wahrscheinlichkeiten:
𝛼 95% 97,5% 99% 99,9%
𝛾(𝛼) 1,64 1,96 2,33 2,58
Graphisch:

XII. Finanzplanung und Risikomanagement III


1. Einführung: Märkte
Geschäfte: - Kassageschäft: Vertragsschluss, Lieferung, Abnahme, Bezahlung zum selben
und sofortigen Zeitpunkt
→ Kassamarkt/Sportmarkt
- Termingeschäft: Vertragsschluss erfolgt sofort; Lieferung, Abnahme und
Bezahlung erst in der Zukunft (future markets)
→ Terminmarkt: Forwards/Futures, Optionen

Terminmärkte: Gliederung nach Art der Erfüllung:


- Unbedingte Termingeschäfte: Geschäft ist für beide Seiten verpflichtend
- Bedingte Termingeschäfte: eine Vertragspartei hat ein Wahlrecht bzgl. der
Vertragserfüllung
Gliederung nach Grad der Standardisierung:
- Börsengehandelte Produkte
- Nicht-börsengehandelte Produkte (OTC = Over the Counter)

Begriffe: - Kauf-Position: Long-Position


- Verkaufs-Position: Short-Position

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2. Futures und Grundgeschäftsarten des Optionsgeschäftes
Futures: = standardisiertes, unbedingtes Termingeschäft mit Liefer- und Abnahmeverpflichtung
mit festgelegtem Lieferpreis, Lieferzeitpunkt, Liefermenge, …

Optionen: = standardisiertes, bedingtes Termingeschäft mit festgelegtem Lieferpreis,


Lieferzeitpunkt, Liefermenge, …, jedoch mit Wahlrecht zum (Ver)Kauf
- Kaufoption (Call): Möglichkeit, aber keine Pflicht ein Gut zum
Verfallstag/Ausübungstag zum vereinbarten Preis zu kaufen
- Verkaufsoption (Put): Möglichkeit, aber keine Pflicht ein Gut zum
vereinbarten Preis zu verkaufen

Grundgeschäfts- 1. Kauf einer Kaufoption = Long Call


arten: 2. Verkauf einer Kaufoption = Short Call
3. Kauf einer Verkaufsoption = Long Put
4. Verkauf einer Verkaufsoption = Short Put

3. Gewinn- und Verlustprofile


P-L-Diagramm: - X-Achse: Aktienkurs
- Y-Achse: Gewinn (oberhalb der x-Achse), Verlust (unterhalb der x-Achse)

Long/Short Long Underlying (Kaufposition): Short Underlying (Verkaufsposition):


Underlying: z.B. Kauf einer Aktie z.B. Verkauf einer Aktie
bei fallendem Kurs werden Verluste Prinzip: etwas per heute „teuer“ zu
verzeichnet, bei steigendem Kurs verkaufen und später wieder günstig
Gewinne zurückzukaufen; bei fallendem Kurs
können Gewinne, bei steigendem Kurs
Verluste verzeichnet werden

Auszahlungsfunktion:
𝑆 − 𝑋 ; mit 𝑆: Kurs der Aktie; 𝑋: Basispreis

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Long Call: = Kauf einer Kaufoption

Long Call (ohne Prämie): Long Call (mit Prämie):


solange die Aktie noch keinen Gewinn bei einer Nicht-Realisation tritt ein
macht, wird die Option nicht realisiert Verlust in Höhe der Optionsprämie ein

Auszahlungsfunktion:
−𝑂 + 𝑀𝑎𝑥[𝑆 − 𝑋 ; 0] mit 𝑂: Optionsprämie; 𝑆: Kurs der Aktie; 𝑋: Basispreis
→ unendliches Gewinnpotential (unbegrenzter Aktienkurs), durch die Optionsprämie
beschränktes Verlustpotential

Long Put: = Kauf einer Verkaufsoption

Long Put (ohne Prämie): Long Put (mit Prämie):

Auszahlungsfunktion:
−𝑂 + 𝑀𝑎𝑥[𝑋 − 𝑆 ; 0] mit 𝑂: Optionsprämie; 𝑆: Kurs der Aktie; 𝑋: Basispreis
→ Gewinnpotential ist auf den Basispreis abzgl. des Kurses beschränkt; das
Verlustpotential ist auf die Optionsprämie beschränkt

Zusammenfassung: Call (Kauf) Put (Verkauf)


𝑺>𝑿 in-the-money out-of-the-money
𝑺=𝑿 at-the-money at-the-money
𝑺<𝑿 out-of-the-money in-the-money

Kombination: Vorgehen: beide Einzelkurven auszeichnen; Kombinationskurve erschließen und


beschreiben! (z.B. Was hebt sich auf? Was verstärkt sich? Was ist dominant?)

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