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Valie Export/Peter Weibel:


Die Zweiheit der Natur

N atu re and N a tu re ’s Laws


lay hîd in n ight
God sa id , Let Newton bel
and ali w a s light.

A le x a n d e r Pone
r.
D ie s e s b e rü h m te C ouplet ver-
w e is t a u f ein e fundam entalè
Z w e ih e it, die als das schwaché
o d e r s ta rk e a n th ro p is c h e Prin^'
zip b ek a n n tg e w o rd e n ist. Die­
se s P rin zip v e rs u c h t in den
v e rs c h ie d e n s te n Form ulierun-
nsi gen von P yth ag o ras über Goe­ l iï
th e b is zu R o b ert D icke die
B ezieh u n g des M en s ch en als
P ro d u k t d e r N a tu r zu r Natur
fit:
s e lb s t zu b e s c h re ib e n . Warum
is t das A u g e so w ie es ist,
n â m lic h , daB es m it Hilfe des
L ichts se h en kann? W arum ist
d ie W e lt so, w ie sie ist, nàmlich
aus C arbon, H yd ro g en , Oxygeri
und N itro g en , also aus jenen
v ie r w e s e n tlic h e n Elementen
b e s te h e n d , die w ir zum Leben
b rau ch e n ? Ist es deswegen,
w eil das A u g e s o n n en h aft ist,
H t w ie G oethe ve rm u te te? W ir kôn-
nen die S o n n e se h en , w eil die
A u s b ild u n g des A u g es den Ge-
„ -W ;* : SS
se tze n des Lichts gem âB erfolgt
8 » * « ist. O der ist es so, w eil wir
s æ 4 ^ ;s 8 & 'a a s s s ïâ ex is tie re n , m ü sse n die Naturge-
Peter Weibel: ..Orbitale Skulptur I , 1985. Beitrag zu Valie Exporî/Peter Weibel: „Die Zweiheit
der Natur" s e tze so g e w e s e n se in , daB sie
eben u n s e re E xisten z so er-
m ô g lic h t h ab en w ie sie is t Mit
den W o rten von Pythagoras:
„ D e r M e n s c h is t das MaB aller.
D irig e .11 S in d w ir hier, weil die
fu n d a m e n ta le n K o nstanten des
K o sm o s w ie die G ravitation und
die L ic h tg e s c h w in d ig k e it so
sin d , w ie sie nun ein m al sind, z.
B. k o n s ta n t, das heiBt dimen-
sio n s lo s und u n a bhàngig von ;
je d e m M aB sy ste m , oder sind
u m g e k e h rt die K onstanten so,
w ie sie sind, eben w eil wîr
M e n s c h e n so und so existieren.

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5 noch heute, in d e r W e lt der A u s g e h e n d von d ie s e r la b y rin - d er w eib lic h e n N atur, von der
Q uantenm echanik und des ex - th is c h e n V e rk n o tu n g d e r R ep ré­ N a tu r als O rg an ism u s und von
| Dandierenden U n iversu m s, w o se n ta tio n d e r W e lt im W is s e n d e r N a tu r d er Frau, von der
I Jjje |nte ra ktio n eine groBe Rolle und d e r W e lt im ProzeB des Frau als H exe. M an tre n n t die
I gnjgit, wo je d e s e le m e n ta re W e rd e n s , w e rd e n w e ite re B eu n - W e lt in P roduktion und R epro-
i phânômen n u r ein P hânom en ru h ig u n g en in je n e K ateg o rie n d u k tio n , in O rdnung und C haos.
| jSt, wenn es re g is trie rt ist, und d e r T re n n u n g und O ppositio n D ie R ep ro d u ktio n is t A u fgabe
I wo der B e o b a ch ter an d e r D e fi- g e tra g e n , die von d e r bin âren des W e ib lic h e n , die w e ib lic h e
: nition d er R ea litâ t p a rtizip ie rt A m b iv a le n z des W o rte s N atu r N a tu r e rs c h e in t als C haos. D er
i Mas p a rtizip a to ris c h e U n iv e r- a u s g e lô s t w e rd e n . So w ie m an M an n ist das p ro d u ktiv e M o ­
sum von Joh n A rc h ib a ld W h e e - n am lic h z w is c h e n d er N a tu r des m e n t e in e r m e c h a n is c h e n Ord­
ler), kann z w is c h e n dem T h e o - M e n s c h e n und den D in g en d er nung, w e lc h e die N atu r be-
1 rien, Erklàrung en und M o d elle N a tu r u n te rs c h e id e t, also dem h errs ch t. Das M a n a g e m e n t d er
aufs'teilenden M e n s c h e n und W o rt N a tu r eine zw e id e u tig e N a tu r a ls M e c h a n is m u s der
der b eo bachtenden N a tu r ke in e B ed e u tu n g ve rle ih t, so en t- M ach t. D ie n a tü rlic h e n Gaben
scharfe T re n n u n g s lin ie m e h r s p rin g t d ie s e r b inâren S e m a n tik w e rd e n zu Gütern und W are n .
verlaufen, so n d ern die U n ie ein e fo rtla u fe n d e K ette b in â re r
V on p h y sik a lis c h e n bis zu so -
zwischen b e o b a c h te n d e r A p p a - O p p o s itio n en . M an s p ric h t von
zia le n S ys tem en se h en w ir also
ratur und b e o b a c h te te m System d e r M a c h t d e r N a tu r ü b e r den
ein e Kette von b in âren O pposi­
ist ein Lab yrinth. In d ie s e r W e lt M e n s c h e n und g le ic h ze itig von
tio n e n , die notd ü rftîg von e in e r
gilt der D e te rm in is m u s eines d e r O h n m a c h t d er N a tu r g e g e n -
v e re in h e itlic h e n d e n T h é o rie un-
Spinoza n ich t m ehr: „N ic h ts im ü b e r d e r m e n s c h lic h e n T e c h n ik .
te r dem N am én ..E in h e it der
Universum ist zu fà llig , so n d ern
M an te ilt die W e lt in m ân n lich N a tu r“ zu s a m m e n g e s c h w e iB t
aile Dinge w e rd e n d urch die
und w e ib lic h . M an s p ric h t von w ird , a n s ta tt sie in B ru ch stü cke
’ Notwendigkeit d e r g ô ttlich en
Natur in ih re r b es o n d eren
Seinsweise b e s tim m t" (E thik,
XXIX). In d ie s e r W e lt kôn nen
obige F ragen so n ich t m e h r
| gestellt w e rd e n , w e il in ih r die
Natur nicht m e h r e in e F rag e der
Meisterung o d e r K o n trolle ist,
sondern die B es ch re ib u n g und
Erklârung d e r W e lt durch den
Menschen ist g le ic h ze itig eine
Teilnahm e am ProzeB des W e r-
dens d iese r W elt.

'!■ Von C arnot bis B o ltzm a n n sin d .


| die ersten G esten g e lie fe rt w o r-
î den, w elch e die k la s s is c h e T e i-
\ 'ung zw isc h en d er U n iv e rs a litâ t
j des G esetzes und dem S osein
! des M en s ch en a u fg e h o b e n h a -
j ben, auf w e lc h e r das a n th ro p i-
ï sche P rinzip b eruht. H eute e n t-
i decken w ir die G renzen d er
j Gesetze und die G renzen je n e r
i Realitât, in den en die N atu r Valie Export: „Die Zweiheit der Natur” , 1986 Foto: Fritz Prasek
j kontrolliert w e rd e n kann. „D ie
) Natur c o d ie rt das U n iversu m
i nicht“ (M ic h e l S e rre s , La T ra -
! duction, S. 62).

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ein e s Lab yrin th s zu zerstieben
D e s h a lb ke n n t d ieses Video
d er T h é o rie und Praxis der
F lü s s e g em âb (ih re r duplizier-
te n N a tu r w e g e n ), auch einen
m â n rilich en und w eiblichen
P ro d u ze n te n . Das vorliegende
V ideo v e rs c h re ib t sich der As-
th e tik d er S c h w e rk ra ft und des
L ichts. Gem aB dem Gravita-
tio n s lin s e n e ffe k t je d o c h ist sein
U n iversu m m it Doppelbildern
b e v ô lk e rt, die einem einzigen
H im m e ls o b je k t entsprechen.
N ach E instein kann ja die
S c h w e rk ra ft ein es m assiven
H im m e ls o b je k ts zw isc h en der
E rde und ein em fe rn e n Stem
das L ich t d ie s e s S tern s beugen
und d a d u rc h m e h re re Abbilder
an a n d e re r S te lle ais dem tat-
s à c h lic h e n S ta n d o rt des Sterns
e rze u g e n . D ie B es ch re ib u n g der
R ea lità t w ird u n v o llstândig, das
U n iversu m o ffen . Die kausale
S tru k tu r d e r W e lt e rsch e in t als
eine v a ria b le Fuge a u f den Cos-
m ic S trin g s . D ieses Video ist
w ie ein G astspiel der Crazy
C o sm ic S trin g s im Klub der
R ealitàt. D eto n atio n en der Gra-
v ita tio n s g ita rre hinterlassen
s c h w a rz e L ô c h e r. Lichtstrahlen
su c h en die N ad e ln des BewuGt-
se in s im G alaxien h au fen . Tau-
se n d e S tim m en singen in Tau-
se n d en S p ra c h e n im universa-
len C ode. D à m o n e n d er Dyna-
m ik sc h re ib e n die T h é o rie und
P raxis d e r W o lk e n . D ie W inde in
ih re r ka n o n is c h e n Form zerstô-
ren die d e te rm in is tis c h e n Trâu-
m e. D ie P a s s a g e von lokal zu
g lobal ist v e rw e h t. D er Staats-
m ann und d ie S taatsfrau wer-
den z u r M im e s is d e r Kontradik-
tio n . Am E n d e des Beweises
a n d e rt die N a tu r die Prâm issen,
sod ab d e r M e n s c h zum Namen
des U n e n ts c h e id b a re n wird.
W e r w irft den S tein und hort die
H a rm o n ie n eu en S tils in diesem
S ze n a riu m d e r Z w e ih e it der Na­
tu r?

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Hervé Guitric und P unkten re ch n e n muB, deren
Monique Nahas D ich te von d er K o m p lexitâ t der
O b erflâc h e ab h ân g ig ist. D ie
Les Petites Histoires de O b erflâc h e w ird dann auf eine
jyiamy Computer" d e r n a c h s te h e n d e n A rten g e-
füilt:
1) D ie Punkte w e rd e n b iiin e a r
Einleitung in te rp o lie rt, v ie r zu vier, w o -
KOnstler, die p e rs o n a lis ie rte d urch e in e a u to m a tis c h e G ou-
Com puter-W erkzeuge zu r ra u d -T ô n u n g d er O berflâche e r-
Schaffung von B itdern e n tw ik - z ie lt w ird .
Iceln w ollen, hab en die W ahl 2) D ie P unkte kôn nen lin e a r
zwischen v e rs c h ie d e n e n z w is c h e n zw e i a u fe in a n d e rfo l-
Methoden d er O b je k td a rs te l- g en den Punkten in te rp o lie rt
lung. M alen und A n im a tio n s - w e rd e n , w o d u rc h ein N etz von
techniken, die sie fu r die F â r- K urven fü r u und v d er O b erfia-
bung, T ô n u n g , T e x tu a lis ie ru n g che entsteh t, âh n lich w ie in der
oder V erân d e ru n g von O berflâ­ g e s c h n ü rte n H and in Bild 1.
chen sch affen w o lle n , sind von D ie s e r V o rg a n g e rze u g t eine A rt
der gew àhlten . D a rs te llu n g s a rt d e r F a s e r-D a rs te llu n g , w ie w ir
abhângig. sie z u r S ch affu n g etw a der
Aus m e h rere n G ründen en t- W a ld - und H a a rb ild e r ve rw e n d e t
schieden w ir uns fu r B -S p lin e - h ab en .
Oberflâchen: E in erseits , w eil 3) D ie Punkte w e rd e n ü b e rh au p t
das unserem p e rsô n lich en Ge- n ic h t in te rp o lie rt, w o d u rch eine
schmack am m eiste n en tsp rach p o in tiiis tis c h e O b erflâc h e en t­
- wir hab en eine V o rlie b e fü r steh t. In d iese m Fall stellt die
glatte O b erflâc h en und ko n ti- D ic h te d er g e re c h n e te n Punkte
nuierliche F o rm - und F a rb v a ria - einen P a ra m e te r dar, d er die
tionen; zw e ite n s , w e il d er O slo- K o n stru ktio n von O berflâchen
Algorithmus ein u n s e re r M e i- m it v a riie re n d e n D ichten er-
nung nach u n ü b e rtro ffe n e s M o - laubt, w ie in Bild 2 zu se h en .
dellierwerkzeug ist; und
schlieblich, w eil die R ec h en ze it,
- Y A Pas en d'Adam
die früher ein ig e U n g e le g e n h e i-
D ie s e h is to ris c h e S e q u e n z v e r­
ten brachte, in zw is c h e n z ie m -
w e n d e t v e rs c h ie d e n e T e c h n i-
lich u n p ro b lem atisc h g ew o rden
ken:
ist.
1. die In te rp o la tio n von K on-
tro llp u n k te n
Die Verwendung von B-Splines zur 2. die F a s e r-M e th o d e
Herstellung dreidimensionaler
3. eine ev o lu tio n â re T e x tu r-
Bilder
T e ch n ik.
Dreidimensionale Bilder kann
man m it B -S p lin es erzielen , d e- K O N TR O L L P U N K T -IN T E R P O L A -
ren K o n troilpunkte von den drei T IO N . D urch die In te rp o latio n
Koordinaten x, y, z b e s tim m t d e r K o n tro ilp u n kte von zw ei
sind. V e rd e c k te T eile und B -S p lin e -O b e rflâ c h e n erzielen
Schatten w erd en m ittels Z - und w ir eine d re id im e n s io n a le In te r­
S -B yffer-M ethoden gerech n et, p o latio n . D e r O slo -A lg o rith m u s
wie w ir das in ..C o m p u te r A rt ist h ie r auch s e h r nützlich, w eil
with R odin“ b es ch rieb en hab en. er uns erla u b t, die Z ah l d er zu
Es w erden n ich t aile Punkte in te rp o lie re n d e n O b erflâc h en -
eines B ildes g erech n et, w eil k o n tro llp u n k te zu eg a lisieren
man led ig lich G ruppen von und an a u s g e w â h lte n Stellen