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Fütterung von Kleinvögeln

Merkblätter für die Vogelschutzpraxis


Ist Fütterung sinnvoll? oder Brot gehören also nicht dazu. Aus ökologi-
schen Gründen verzichten wir zudem auf die Ver-
Eine sachgemässe Zufütterung in Zeiten mit wendung von Futterbestandteilen, die aus weit
Nahrungsmangel kann gewissen Kleinvögeln im entfernten Ländern stammen, namentlich auf
Siedlungsbereich das Überleben erleichtern, vor Palmöl, Kokosfett und Erdnüsse.
allem im Winterhalbjahr. Diese gehören jedoch Neue Studien aus England und Deutschland
zu Arten, die in der Schweiz durchwegs nicht ge- zeigen, dass das Verfüttern von Meisenknödeln
fährdet und an die bei uns herrschenden Lebens- und anderem stark fetthaltigem Futter im Winter
bedingungen angepasst sind. Vögel seltener und und in der Brutperiode den Bruterfolg von Mei-
gefährdeter Arten der Roten Liste kommen da- sen deutlich reduzieren kann. Zu den Körnerfres-
gegen kaum an die Futterstellen. Vorrangig für sern, der grössten Vogelgruppe am Futterhaus,
den Schutz einer artenreichen Vogelwelt ist des- gehören Arten mit dickem, kräftigem Schnabel
halb die Erhaltung von vielfältigen und intakten wie Finken und Sperlinge, aber auch Meisen,
Lebensräumen, welche auch den Insektenfres- Kleiber und Spechte. Für sie gibt es im Handel
sern unter den Vögeln im Sommer genügend Nah- verschiedene Fertigfuttermischungen. Viele da-
rung bieten. von enthalten allerdings hohe Anteile an Getrei-
Futterstellen bieten eine gute Gelegenheit, Vö- dekörnern, die fast nur von Tauben und Sperlin-
gel aus der Nähe zu beobachten und ermöglichen gen gefressen werden und sonst liegen bleiben.
somit schöne Naturerlebnisse. Deshalb ist gegen Wählen Sie deshalb Mischungen aus, die ganz
ein sachgemässes und massvolles Füttern nichts oder grösstenteils aus Sonnenblumenkernen und
einzuwenden, wenn wir uns gleichzeitig auch für Hanfsamen bestehen. Dunkle Sonnenblumen-
Massnahmen gegen die dringenden Natur- und kerne haben eine weichere Schale als helle und
Vogelschutzprobleme einsetzen. können von den Vögeln besser geöffnet werden.
Körnerfresser nehmen auch das für Weichfres-
ser empfohlene Futter an.
Grundsätze für die sachgemässe Von den Weich- und Insektenfressern erschei-
Fütterung nen nur Amsel, Rotkehlchen und Star regelmä-
ssig an der Futterstelle. Sie fressen gerne Ha-
1. Wann soll man füttern? ferflocken, zerhackte Baum- und Haselnüsse,
Bei Dauerfrost, Eisregen oder geschlossener Rosinen und Obst, das bereits etwas angefault
Schneedecke kann die Fütterung eine Überle- sein darf. Schneefall kann Zugvögel vor allem im
benshilfe sein. Der Futterbedarf ist am frühen Vorfrühling bei der Nahrungssuche stark behin-
Morgen am grössten, weil die Vögel nach der dern. Dann kann es ihnen nützen, wenn wir Kom-
langen Nacht besonders hungrig sind. Viele Vö- posthaufen oder Miststöcke abdecken und damit
gel kommen auch am Nachmittag nochmals an den Zugang zu Insekten erleichtern. Einzelne Ar-
die Futterstelle, um für die Nacht vorzusorgen. ten fressen dann auch gern Rosinen oder Obst.
Wir raten deshalb, die Futtervorräte jeweils am
Abend so aufzufüllen, dass sie für mindestens 3. Wie soll man die Futterstelle
24 Stunden reichen. einrichten?
Bieten Sie Körner, Haferflocken und Rosinen in ei-
2. Was soll man füttern? nem Futterhaus mit Reservebehälter (Silo) an, wo
Achten Sie auf qualitativ einwandfreies Futter. sie vor Nässe geschützt sind und in die offenen
Dieses sollte möglichst der natürlichen Nahrung Krippen nachsickern. Diese Futterentnahmestellen
der Vögel entsprechen; Gewürztes, Essensreste sollen so schmal sein, dass die Vögel sich nicht hin-

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Schweizer Vogelschutz
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Fütterung von Kleinvögeln
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einsetzen (und hineinkoten – siehe unten) können. der Jahreszeit immer wieder Meldungen von Vo-
Das Haus sollte ein ausreichend überstehendes, gelfreunden, die um ihre Futterstellen oder Vo-
wasserdichtes Dach aufweisen, das aber die Sicht geltränken apathisch wirkende Kleinvögel (meist
nach allen Seiten hin möglichst wenig behindert Finken) mit aufgeplustertem, struppigem Gefie-
(Abb. 1). Moderne, säulenförmige Futterautoma- der beobachtet haben, von denen einige anschlie-
ten mit seitlichen Entnahmestellen sind ebenfalls ssend sogar gestorben sind. Solche Symptome
empfehlenswert (Abb. 2), aber nur für Körnerstreu- deuten auf Infektionskrankheiten hin. Häufig wer-
futter geeignet. Obst kann auch auf dem offenen den diese über den Kot kranker Vögel verbrei-
Boden, aber nicht direkt unter den Futterhäusern tet. Vermeiden Sie deshalb Kot-Verunreinigungen
ausgelegt werden. Als Zufluchtsorte bei Gefahren am Futterplatz nach Möglichkeit (z.B. durch sch-
sollten in der Nähe des Futterhauses Bäume oder male Krippen am Futterhaus oder Vogeltränken
Sträucher stehen. Die unmittelbare Umgebung der mit dauernd fliessendem Wasser – siehe oben).
Futterstelle – etwa im Umkreis von 2-5 m – sollte Wo dies nicht möglich ist, z.B. unter dem Futter-
jedoch frei sein, damit nicht Feinde, wie z.B. Kat- haus, wo neben dem Kot der Vögel auch regelmä-
zen, den Vögeln auflauern können. ssig Körner herunterfallen, sollten Sie das Körner-
Kot-Gemisch regelmässig wegräumen. Falls Sie
4. Wie steht’s mit Wasser? mehrere tote Vögel direkt um das Futterhaus fin-
Vögel nutzen Wasserstellen ganzjährig zum Ba- den, melden Sie uns dies bitte! Entfernen Sie das
den oder Trinken. Im Winter fressen sie auch Futterhaus dann sofort und reinigen Sie es sehr
Schnee, um ihren Durst zu löschen. Wegen der gründlich. Nehmen Sie die Fütterung dann erst 3
Gefahr von Krankheitsübertragungen (siehe un- Wochen später und an einem neuen Standort wie-
ten) raten wir, den Vögeln nur dann eine Wasser- der auf, denn gewisse Krankheitserreger können
stelle anzubieten, wenn diese täglich gereinigt am Boden längere Zeit überleben.
und das Wasser mindestens einmal pro Tag er-
setzt werden kann. Noch besser sind Vogelbäder, 6. Bekämpfung von Ambrosia
bei denen dauernd Frischwasser hindurchfliesst. Ambrosia-Samen tauchen ab und zu in Wildvo-
Achten Sie auf eine katzensichere Platzierung! gel-Futtermischungen auf. Weil die Pollen beim
Menschen Asthma-Anfälle auslösen können,
5. Krankheiten vorbeugen! müssen alle Ambrosia-Pflanzen gemeldet und be-
Die Übertragung von Krankheiten stellt an Fut- kämpft werden. Alles Weitere zu diesem Thema
terstellen mit Abstand die grösste Gefahr dar. In ist unter www.ambrosia.ch zu finden.
den letzten Jahren erhalten wir unabhängig von

Futtersilo

Abb. 1 Abb. 2
schmale Krippen
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Autor: Kurt Bollmann & Johann von Hirschheydt | 2006, Revision 2014, Aktualisierung 2019
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