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Meditationsbild des

heiligen Bruder Klaus


Text von Erwin Keller

Pfarrei St. Theodul


1950 Sitten
25.09.2017
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Entstehung des Bildes
Über die Entstehung und Herkunft ren Kreis; diese beiden Kreise sind
des Bildes besteht keine letzte verbunden mit sechs Strahlen.
Klarheit. Dem ausführlichen Bild Wahrscheinlich hatte aber Bruder
liegt offensichtlich die Skizze des Klaus nicht nur diese Skizze, son-
Rades zugrunde. In der Mitte ist dern bereits das gemalte Bild, das
ein einfacher Punkt, umgeben von möglicherweise im Elsass entstan-
einem inneren und einem äusse- den war.

Meditationsbild des Nikolaus von der Flüe (1417-1487)

Wie Bruder Klaus mithilfe seines Aufzeichnungen des Heinrich von


Bildes meditiert hat, wissen wir Gundelfingen aus dem Jahre 1488.
aus zwei Textzeugen der damali- Möglicherweise stammen auch
gen Zeit, aus dem «Pilgertraktat» beide Texte vom gleichen Autor.
eines anonymen Pilgers, gedruckt
1487 in Augsburg, und aus den

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Das Bild des Rades
Gemäss Aussagen des Pilgertrakta- ches Antlitz zu sehen. Warum
tes zeigte der Einsiedler dem Pil- Gott mit einem menschlichen Ant-
ger eine Figur, die aussah wie ein litz dargestellt wird, erklärt der
Rad mit sechs Speichen, und er- Pilger folgendermassen: «… weil
klärte dazu: der Herr gesprochen hat: Wir wol-
len einen Menschen schaffen nach
«Siehst du diese Figur? So ist das
unserem Bild und unserer Ge-
göttliche Wesen. Die Mitte bedeu-
stalt» (vgl. Gen 1,26) und weil
tet die ungeteilte Gottheit, in der
sich die Heiligen erfreuen. Die «Gott vom Himmel herabgestie-
gen ist und menschliche Gestalt
drei Spitzen, die in der Mitte,
angenommen hat».
beim inneren Ring, hineingehen,
bedeuten die drei Personen. Sie Die Darstellung Gottes mit einem
gehen aus von der einen Gottheit menschlichen Antlitz hat also ih-
und haben den Himmel und die ren Grund darin, dass Gott den
Erde umfangen. Und so, wie sie Menschen nach seinem Bild und
ausgehen in göttlicher Macht, so Gleichnis geschaffen hat und dass
gehen sie auch hinein, sie sind ei- Gott selber Mensch geworden ist
nig und ungeteilt in ewiger Herr- in Jesus Christus.
schaft. Das bedeutet diese Figur.»
Das gekrönte Gesicht in der Mitte
des Meditationsbildes ist das Ant-
Das menschliche litz Christi, des Sohnes Gottes,
Antlitz Gottes in Jesus der Mensch geworden ist. Er ist
Christus das Ebenbild des unsichtbaren
Das Radbild ist auch im gemalten Gottes (vgl. Kol 1,15). Und wer
Bild gut erkennbar als inneres Me- IHN sieht, sieht Gott, den Vater
daillon, das von sechs äusseren (vgl. Joh 14,9). Gott ist so, wie
Rundbildern umgeben ist. Nun Jesus war. Gott ist nicht eine
aber ist im gemalten Bild in der anonyme, gesichtslose Allmacht,
Mitte, die nach eben zitierter Aus- sondern Gott ist uns mit einem
sage «die ungeteilte Gottheit be- menschlichen Angesicht zugewen-
deutet», ein gekröntes menschli- det – in Jesus Christus.

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Hungertuch, nach dem Motiv des um 1480 entstandenen Meditationsbildes von Bruder Klaus

Gott steht in der Mitte von allem. illustriert – so nach der Aussage
Von Gott geht alles aus und zu des Pilgers:
Gott kehrt alles zurück. Das zei-
«Ich fügte jeder Speiche des Ra-
gen die sechs Strahlen zwischen
dem inneren und dem äusseren des ein Gleichnis bei, damit ich
Kreis an. alles gut verstehen konnte.»
Was das heisst, wird in den äusse-
ren sechs Medaillons gleichsam

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Gott-Vater, der Schöpfer Strahl sagt uns: «dass Er der Gott
der Welt ist, der alle Dinge sieht und dem
nichts verborgen ist… Darum sah
Doch bevor wir zu diesen Gleich-
Er unser grosses Elend», das durch
nissen kommen, bleiben wir bei
die Sünde in die Welt gekommen
den sechs Strahlen oder «Spei-
ist. Und da – so wird im Pilgertrak-
chen» des Rades. Bei diesen ist es
tat weiter ausgeführt – «gewann
so, dass drei Strahlen ihre Spitze
die Barmherzigkeit die Oberhand,
beim Antlitz haben, genauer ge-
und es wurde erkannt, dass Gott
sehen eine beim Ohr, eine beim
seinen eingeborenen Sohn senden
Auge und eine beim Mund.
und dass dieser menschliches
Der Strahl mit der Spitze beim Ohr Fleisch annehmen sollte, damit Er
will der Pilger so verstehen, «dass den Sündenfall wieder gutmache.
Gott alles weiss, sowohl das Ver- So ist die zweite Person ausge-
gangene wie das Zukünftige, und gangen, das ist der Sohn Gottes,
Er wusste, wie Er alle Dinge er- der mit Gott vereint ist in ewiger
schaffen wollte, in welcher Wei- Wesenheit, ungeteilt, immer und
se, Form und Gestalt, jede Krea- ewig».
tur in ihrer Eigenart…
Darum ist Er der Schöpfer aller Gott, der Heilige Geist
Dinge und der Vater von allem, Der dritte Strahl mit der Spitze
denn Er hat alles gemacht. Wohl beim Antlitz Gottes geht vom
deshalb wird Er Vater genannt, Mund aus. Dazu ist im Pilgertrak-
die erste Person. Denn Er ist tat zu lesen:
ewig, vorher und nachher, in sei-
ner Erhabenheit, und in seinem «Er (Gott) ist der Brunnen, wo-
Ratschluss sind die Dinge im Vo- raus alle Weisheit fliesst und
raus geboren und gemacht wor- demjenigen mitgeteilt wird, der
den.» ihrer aus echter Liebe begehrt.
Das ist die süsse Einfliessung des
Dementsprechend stellt das äusse- Heiligen Geistes, wodurch es uns
re Rundbild, zu dem dieser Strahl ermöglicht wird, seine reine
vom Ohr des Antlitzes Gottes aus- Gottheit ewig anzuschauen.»
geht, die Schöpfung dar.
Dieser Strahl geht zum Bild von
der Verkündigung an Maria.
Gott-Sohn, der Erlöser der
Welt «Der Engel des Herrn brachte Ma-
ria die Botschaft, und sie empfing
Der Strahl, der mit der Spitze vom
vom Heiligen Geist.»
Auge Gottes ausgeht, führt zum
Bild vom Kreuz Christi. Dieser

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Wie der Heilige Geist im Schoss Sprossen zu bringen, …so ist es
Marias die Menschwerdung Gottes auch mit dem Wort, das meinen
wirkte, so ist es der Heilige Geist, Mund verlässt: Es kehrt nicht zu
der uns Menschen göttliches Le- mir zurück, ohne zu bewirken,
ben einhaucht, so dass wir zu Gott was ich will, und das zu errei-
gelangen können. chen, wozu ich es ausgesandt ha-
be» (Jes 55,10-11).
Nicht ohne Wirkung In den Strahlen, die die «Rück-
Die drei genannten Strahlen mit kehr» der göttlichen Personen be-
der Spitze beim göttlichen Antlitz deuten, ist unser Weg zu Gott an-
bedeuten also die «drei Personen, gezeigt; so erklärt Heinrich von
die von der einen Gottheit ausge- Gundelfingen:
gangen sind und mit ihrer grossen «Durch das Wahrnehmen der
Kraft und Weite Himmel und Erde spürbaren, bei uns erzielten Wir-
umfassen; sie sind einig in ewiger kungen und durch eifriges Nach-
Macht, immer und ewig». denken können wir zur Erkenntnis
Von den andern drei Strahlen, die der unfassbaren Gottheit gelan-
mit dem breiten Ende beim inne- gen. Das zeigen die Strahlen an,
ren Kreis enden, schreibt Heinrich die mit ihrem breiten Teil das
von Gundelfingen: göttliche Abbild berühren.»

«Wie die drei Personen in ihrer


Macht die Spitzen jener Strahlen Vielfältiges Betrachten
aussenden, so kehren sie in der Wie bereits oben erwähnt, wollen
gleichen Kraft breiter verlaufend die äussern Medaillons wie
zurück in den Spiegel der Gott- Gleichnisse illustrieren, was in
heit.» den Strahlen vom Wirken Gottes
für uns Menschen anklingt. Und
Das Wirken Gottes in der Welt ist
diese Bilder können dann zu ei-
aber nicht ohne Wirkung geblie-
ben, sondern bewirkt im Men- nem vielfältigen Betrachten, Me-
ditieren und Beten anregen, zum
schen die Teilnahme am Leben
Beispiel über das Leben und Wir-
Gottes, wie schon Jesaja ge-
schrieben hat: ken Jesu, über die Werke der
Barmherzigkeit, über das Vaterun-
«Wie der Regen und der Schnee ser oder über Glaube, Hoffnung
vom Himmel fällt und nicht dort- und Liebe.
hin zurückkehrt, ohne die Erde zu
tränken und sie zum Keimen und

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Die äusseren Medaillons
Die äusseren Medaillons wollen Das irdisch-menschliche Leben Je-
wie Gleichnisse illustrieren, was in su beginnt im Haus von Nazareth,
den Strahlen vom Wirken Gottes bei der Verkündigung des Engels
für uns Menschen anklingt und an Maria. Durch das Wirken des
können dann zu einem vielfältigen Heiligen Geistes wird Gottes ewi-
Betrachten, Meditieren und Beten ger Sohn Mensch im Schoss der
anregen, zum Beispiel über das Jungfrau Maria. Sie, die auser-
Leben und Wirken Jesu, über die wählte Frau von Nazareth, darf
Werke der Barmherzigkeit, über dem Gottessohn Fleisch und Blut
das Vaterunser oder über Glaube, geben, damit Gott ein menschli-
Hoffnung und Liebe. ches Antlitz annehmen kann.

Das Leben Jesu betrachten


Das nächste Bild von der Geburt
Weil Gott uns in Jesus Christus Jesu im Stall von Betlehem ist
anblickt, weil Gott so ist wie Je- äusserst karg und zeigt nur Maria,
sus, hat Bruder Klaus immer wie- die Mutter, das nackte Kind und
der über das Leben und Sterben, Ochs und Esel.
das Leben und Handeln Jesu nach-
gedacht. Die Betrachtung des Le-
bens Jesu ist die grundlegende
Meditation beim Bild von Sach-
seln. Sie beginnt beim Bild unten
und geht dann im Uhrzeigersinn
rundum.

Die «Armut» dieses Bildes erinnert


daran: Gottes Sohn ist arm gewor-
den, um durch seine Armut uns
reich zu machen.

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Das dritte Bild kann verschieden Während ihm grösseres Unrecht
gedeutet werden. Als Bild der angetan wird, zeigt Er, dass Er die
Schöpfung – Gott hat alles ge- Menschen liebt bis zum letzten.
schaffen: Engel, Menschen, Sonne
und Mond, Tiere und Vögel, Berge
und Täler. Im Rahmen der Be-
trachtung des Lebens Jesu zeigt es
uns auch Jesus als Lehrer. Er ist
in die Welt gekommen, um uns
Kunde zu bringen von Gott und
seinem Reich, das vollendet wird,
wenn er wiederkommt.

Dem Weihnachtsbild gegenüber


steht das Bild vom Tod Jesu am
Kreuz. Auch dieses Bild ist äus-
serst karg und einfach gehalten.
Jesus, das lebendige Wort Gottes,
verstummt im Tod, doch umso
lauter ergeht hier seine Botschaft:
So ist Gott! So sehr hat Gott die
Welt geliebt!
Das vierte Bild oben in der Mitte
zeigt uns den Verrat des Judas
und die Gefangennahme Jesu.
Nachdem das Bild zuvor an die
Verkündigung Jesu erinnert hat,
will dieses Bild auch das heilende
Wirken Jesu sichtbar machen. So
wie er auf dem Bild das Ohr des
Malchus heilt, ist Er gekommen,
um zu heilen, was verwundet ist
und hat selber das Leiden der
Menschen auf sich genommen.

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Nachdem die ersten fünf Bilder vom Leben Jesu sprechen, auch
die Menschwerdung und Geburt, die Werke der Barmherzigkeit be-
das Reden und Wirken Jesu und trachtet. Diese Werke der Barm-
seinen Tod am Kreuz zeigen, wür- herzigkeit sind auch am Rand der
de man im sechsten Medaillon ein Bilder in kleinen Zeichen enthal-
Bild des Auferstandenen erwar- ten. Auch diese zweite Betrach-
ten. Doch stattdessen sehen wir tungsreihe beginnt beim Bild un-
hier ein Bild von der heiligen ten und geht im Uhrzeigersinn
Messe. Und das ist ja durchaus ein rundum.
Osterbild. Denn in der Eucharistie Im Bild von der Verkündigung se-
ist der Auferstandene immer wie-
hen wir unten zwei Krücken als
der in unserer Mitte, verborgen
Symbol für das Werk der Barmher-
unter den Zeichen des Sakramen- zigkeit, den Kranken zu helfen
tes, bis Er einst wiederkommt in
und sie zu besuchen. Der Zusam-
Herrlichkeit.
menhang mit dem Bild von der
Menschwerdung besteht darin,
dass Gott in diese Welt eingetre-
ten ist, um uns Menschen, die wir
alle in irgendeiner Weise hei-
lungsbedürftig sind, zu besuchen
und heimzusuchen, uns zu stär-
ken, zu heilen und zu trösten.
Diese Liebe des Herrn dürfen wir
den Kranken und Leidenden er-
fahrbar machen.
Im Weihnachtsbild sehen wir un-
ten am Rand einen Wanderstab
und eine Reisetasche als Symbol
Werke der Barmherzigkeit für das Werk der Barmherzigkeit,
betrachten Fremde, Obdachlose und Hei-
Die Stationen und Bilder vom Le- matlose zu beherbergen. Der Zu-
ben, vom Reden und Handeln, sammenhang mit dem Leben Jesu
vom Leiden und Sterben Jesu füh- ist klar: Er kam im Stall zur Welt,
ren uns die Liebe Gottes vor Au- weil in der Herberge für sie kein
gen und sind ein Appell an unsere Platz war, und kaum war Er gebo-
Liebe. Unsere Antwort auf den ren, musste die Heilige Familie
Anruf Gottes muss sich in der Lie- nach Ägypten flüchten, weil man
be gegenüber den Mitmenschen ihm nach dem Leben trachtete.
ausweisen. Darum hat Bruder
Klaus in den gleichen Bildern, die

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Beim nächsten Bild sehen wir Brot Jesu eine Hoffnung über den Tod
und Wein als Symbole für die hinaus gegeben ist.
Werke der Barmherzigkeit, Hung-
rige zu speisen und Durstige zu Das Vaterunser betrachten
tränken. Jesus hat den Menschen
Im Leben Jesu hat Bruder Klaus
Brot gegeben und zugleich den
das Handeln Gottes für uns Men-
Jüngern aufgetragen: Gebt ihr
schen erkannt und in den Werken
ihnen zu essen!
der Barmherzigkeit die geziemen-
Am Rande des Bildes von der Ge- de Antwort des Menschen auf die-
fangennahme sehen wir eine Ket- ses Handeln Gottes. Solches Be-
te: Sie erinnert an das Werk der trachten ist auch immer wieder
Barmherzigkeit, Gefangene zu Beweggrund zum Gebet und ist
besuchen und zu trösten. Der Zu- selber Gebet. Für den Christen
sammenhang mit dem Leben Jesu hat aber jenes Gebet einen Vor-
ist klar: Jesus liess sich gefangen rang, welches Jesus selber uns
nehmen, um uns von der Fessel beten gelehrt hat. Da das Vater-
der Sünde zu befreien. unser in wenigen Sätzen sozusa-
Beim Kreuzigungsbild sehen wir gen die ganze Botschaft des
am Fuss des Kreuzes ein Kleid als christlichen Glaubens enthält,
Symbol für das Werk der Barmher- konnte Bruder Klaus auch dieses
zigkeit, Nackte zu bekleiden. Je- Gebet in den Bildern seiner Medi-
sus selber wurde vor der Kreuzi- tationstafel erkennen und be-
gung seiner Kleider und seiner Eh- trachten.
re beraubt. Jesus aber liess sich Diese dritte Betrachtung beginnt
alles nehmen, um uns das neue beim Bild oben links und geht
Kleid göttlicher Ehre und Liebe zu dann gegen den Uhrzeigersinn
geben. weiter.
Auf dem Eucharistiebild, das zu- Zum Bild der Schöpfung gehört die
gleich Osterbild ist, sehen wir im erste Bitte: «Geheiligt werde
Hintergrund einen Sarg für das dein Name.» Gott hat alles er-
Werk der Barmherzigkeit, Tote zu schaffen. Durch ihn und auf ihn
begraben und Trauernde zu hin ist alles. Alle Geschöpfe loben
trösten. Wir behandeln den Leib den Herrn, wie es die Psalmen sa-
des Verstorbenen ehrfürchtig, gen. Oder wie es im Hochgebet IV
weil er in der Kommunion zum heisst: «Durch unseren Mund
Tempel Gottes geworden ist, und rühmen dich alle Geschöpfe», so
wir können die Trauernden trös- sollen wir Menschen das stumme
ten, weil uns in der Auferstehung Lob der Schöpfung singend und

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rühmend vor Gott tragen, auf dass Jahre lang nur mehr vom Wort
sein Name geheiligt werde. und Brot Gottes gelebt hat.
Zum Weihnachtsbild gehört die Die Bitte «Vergib uns unsere
Bitte: «Dein Reich komme.» In Schuld, wie auch wir vergeben
der Ankunft des Sohnes Gottes in unseren Schuldigern» betrachten
der Welt ist das Reich Gottes an- wir mit dem Bild von der Kreuzi-
gebrochen. Allerdings noch nicht gung. Jesus selber hat seinen Tod
in vollendeter Weise. Dass Gott so gedeutet und gesagt, dass sein
selber vollende, was Er in dieser Blut vergossen wird zur Vergebung
Welt begonnen hat, und das Reich der Sünden. Aber auch hier, in der
Gottes in seiner vollendeten Ge- Mitte des Erlösungsgeschehens,
stalt komme, beten wir in der zeigt sich in ganz ernst gemeinter
zweiten Bitte des Vaterunser. Weise, dass Gott unser Mitwirken
Das Reich Gottes kommt durch das will: Er will, dass auch wir bereit
sind zur Versöhnung und wir ei-
Wirken Gottes, aber Gott will un-
nander vergeben und verzeihen.
ser menschliches Mitwirken einbe-
ziehen. Das Reich Gottes kommt «Führe uns nicht in Versuchung,
und weitet sich aus, wo Gottes sondern erlöse uns von dem Bö-
heiliger Wille angenommen und sen.» Wenn Bruder Klaus diese
erfüllt wird im Himmel und auf letzte Bitte des Herrengebetes
Erden. Dafür steht die Antwort mit dem Bild vom Verrat des Ju-
Marias: «Siehe ich bin die Magd das verbindet, wird damit in ehr-
des Herrn; mir geschehe, wie Du licher Weise die Deutung und das
gesagt hast.» Darum gehört zum Bekenntnis abgelegt: Das Versa-
Bild von der Verkündigung die Bit- gen in der Versuchung und alles
te: «Dein Wille geschehe, wie im Tun des Bösen, alles menschliche
Himmel so auf Erden.» Sündigen ist zutiefst ein Verrat an
Jesus, an seiner Botschaft, an sei-
Dem Bild von der Eucharistie ist
ner Liebe, ein Verrat am Glauben.
die Bitte zugeordnet: «Unser
tägliches Brot gib uns heute.» Wir beten darum, Gott möge uns
davor bewahren und daraus erlö-
Mit dieser Bitte ist alles gemeint,
sen.
was der Mensch zum Leben
braucht, auch die irdischen Güter. Mit dem Lobpreis «Denn dein ist
Aber der Mensch lebt nicht vom das Reich…» kehren wir bei der
Brot allein, sondern von jedem Meditationstafel wieder in die Mit-
Wort aus Gottes Mund und vor al- te zurück – zum Antlitz Gottes,
lem vom lebendigen Brot, das vom dem alle Ehre gebührt.
Himmel kommt. Für Bruder Klaus
war dies so real, dass er fast 20

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Vielfältiges Betrachten gänge und Möglichkeiten, zum
Beispiel die Betrachtung des Wir-
Diese drei Betrachtungen zeigen,
kens der drei Personen Gottes in
wie Bruder Klaus mit seiner Medi-
der Schöpfung, in der Erlösung
tationstafel gebetet und meditiert
und Vollendung der Menschen
hat und wie diese Tafel auch uns
oder die drei göttlichen Tugenden
anregen kann zu Gebet und Medi-
Glaube, Hoffnung und Liebe, usw.
tation. Es gäbe noch andere Zu-

Traditionelle Betrachtungsweise des illustrierten Radbildes nach dem „Vaterunser“

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