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KLEINE BIBLIOTHEK DES WISSENS

LUX-LESEBOGEN
NATUR- UND K U L I D R K ÜNDLICHE
HEFTE

ALEXANDE R SUDER

NICOLO PAGANINI
KÖNIG DER GEIGER

VERLAG SEBASTIAN LUX


MURNAU•MÜNCHEN•INNSBRUCK•BA
SE L
2

Unter väterlicher Obhut


Jf'hantastisch, faszinierend und hintergründig wirkte auf alle Zeit-
genossen die Erscheinung Paganinis, und auch heute noch stehen
wir in mancher Beziehung vor einem Rätsel, wenn wir uns mit
ihm befassen. Sein Leben, seine Gestalt, seine Kunst reizen immer
wie-der zu romanhafter Darstellung, zumal der Kern seiner
Gesamt-persönlichkeit und seines Künstlertums nicht mit der
Wiedergabe seines Lebenslaufes erfaßbar ist, sondern stets etwas
Unwägbares bleiben wird. Einige Jahre seiner Laufbahn sind
ohnehin in Zwie-licht getaucht, der Schleier des Geheimnisvollen
breitet sich über diese Zeit genauso wie über einige
Einzelheiten seiner Geigen-technik.
Über Paganinis Geburtsdatum sind wir unterrichtet: Nicolö
kam am 18. Februar 1784 im Passo di Gatta Mora, einer
schmalen Gasse Genuas, zur Welt. Sein Vater Antonio, ein kleiner
Geschäfts-mann, galt als hart und geizig, und eine sonnige,
unbeschwerte Jugend war dem so begabten Sohn nicht beschieden.
Mit spätestens sechs Jahren bekam der träumerische Knabe die
erste Violine in die Hand, und mit eiserner Energie, mit
unbeugsamer Strenge und wohl auch mancher Strafe wußte der
Vater die Übungsstunden im-mer mehr auszudehnen. Stundenlang
mußten die gleichen Passagen und Griffe geübt werden,
unermüdlich liefen die kleinen biegsamen Fingerchen am Griffbrett
auf und ab, ohne Rast strich der Arm den Bogen über die
Saiten. Diese dauernde Anstrengung erklärt es auch, daß
Paganinis Haltung ungewöhnlich wurde: Er hielt den rechten
Oberarm eng an den Körper gepreßt und führte den Bogen fast
nur mit dem Unterarm und dem Handgelenk. Die gehemmte
Beweglichkeit des Armes ist wahrscheinlich auf die ständige über-
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müdung des Kindes zurückzuführen, das einfach nicht mehr
die Kraft zur lebendigen Bogenführung aus dem Oberarm heraus
auf-bringen konnte.
Der Ehrgeiz Antonios wird im allgemeinen auf Habgier zurück-
geführt, auf sein Bestreben, möglichst rasch durch die Fähigkeiten
des Sohnes zu Reichtümern zu gelangen. Diesem Ziel diente auch
die andere, unablässig weiterverfolgte Marotte, auf magische Weise
zu einer glücklichen Lotteriezahl zu kommen. Dem Vernehmen nach
hat Antonio dabei keinen Erfolg gehabt, dafür kam ihm und
seinen Neigungen das geigerische Talent des Sohnes um so mehr
entgegen, als er selbst leidlich Mandoline gespielt haben soll. So
konnte man oft im Stübchen der allmählich wachsenden Familie
Paganini die Duette hören, wobei anfangs der Vater mit der
Mandoline den Takt angab, schon bald aber Nicolo die
führende Rolle übernahm.
Aus der Freude am Geigen und dem unerbittlichen Antreiben
durch den Vater gewann Nicolo schon nach einigen Jahren ein
erhebliches technisches Können. Von nun an bestimmte und
überwachte Vater Antonio nur noch die Übungszeit — die
violinistische Ausbildung hatten berufenere Hände übernommen:
zunächst der Orchester-geiger Giovanni Servetto, später der
genuesische Orchesterdirektor Giacomo Costa, der beste
Violinspieler der Stadt. Ihm hat Paganini ein liebevolles
Andenken bewahrt. Offenbar konnte der streng konservative
Musiker dem heißblütigen Jungen viel Neues mit we-niger
drakonischen Maßnahmen beibringen als der Vater. Natürlich
hatte Meister Costa viel an der Bogenführung auszusetzen, auch
suchte er den unentwickelten künstlerischen Sinn seines Zöglings
zu entfalten. Merkwürdigerweise endete der Unterricht Costas schon
nach sechs Monaten. Inzwischen hatten sich für Nicolo zwei Gönner
gefunden, die noch lange ihre schützende Hand über den
Jungen hielten, Marchese di Negro und der Opernkomponist
Francesco Gnecco.
Antonios wacher Ehrgeiz aber ließ den Knaben kaum zur
Ruhe kommen. Nur für den Anfang war er damit zufrieden,
daß der achtjährige Junge die Soli während des
Gottesdienstes in der San Lorenzo-Kirche spielen durfte. Bald
führten die Mäzene den Kleinen in Privatgesellschaften ein, und
endlich, 1793, kam die große Stunde des ersten Auftretens im
Konzertsaal.
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einem Konzert des Sängers Marchesi mitwirken, und das Publikum
von Genua klatschte stürmisch, als das Wunderkind Nicolö selbst-
komponierte Variationen über das französische Volkslied „Carma-
gnola" vortrug. Schon vorher hatte er eine Violinsonate geschrieben,
die aber verlorengegangen ist.
Der Vater spürte jedoch, daß die Frucht noch nicht reif
war, daß der junge Geiger und Komponist für sein Alter zwar
schon Überraschendes leistete, aber noch unendlich viel bis zur
wahren Meisterschaft zu lernen hatte. Genuas Meister waren
ihm nicht mehr gut genug. Die beiden Paganinis bestiegen also
den Reise-wagen nach Parma, um den bekannten Maestro
Alessandro Rolla, einen hervorragenden Vertreter klassischer
italienischer Geigen-kunst, aufzusuchen. Nach der Darstellung
Paganinis, wie er sie in späteren Jahren seinem ersten
Biographen Schottky in Prag gab, soll sich die erste Begegnung
überraschend genug abgespielt haben.
Rolla lag kränklich zu Bett, seine Frau wollte die beiden Besu-
cher abweisen. Antonio blieb aber hartnäckig, und so wurden sie
ins Musikzimmer geführt. Die Gäste blickten neugierig in die her-
umliegenden Manuskripte, Nicolö entdeckte am Flügel die Solo-
stimme des neuesten Violinkonzerts von Rolla — schnell war die
Geige ausgepackt, und vom Blatt weg musizierte der Junge das
schwierige Werk. Rolla im Nebenzimmer horchte auf und wollte
nicht glauben, daß ein Neunjähriger sein mit technischen
Kunst-stücken gespicktes Konzert ohne Vorübung spielen könne und
über-zeugte sich nun doch selbst von der unglaublichen
Geschicklichkeit Paganinis. Damit war die Aufnahme des Schülers
gesichert. Sehr viel aber scheint der Neunjährige nicht
angenommen zu haben, zu stark schon war seine Eigenart
ausgeprägt, zu lange war er Auto-didakt gewesen. Dagegen lernte
er viel und eifrig von einem ande-ren klassischen Meister, von
dem berühmten Opernkomponisten Ferdinando Paer und
dessen Lehrmeister Ghiretti. Nun galt es Fugen zu schreiben
und die strengen Gesetze der Stimmführung zu beherrschen, kurz,
sich das Handwerk der Komponisten an-zueignen.
In Parma blieb Nicolö nicht allzulange, nach einigen
Monaten intensiven theoretischen Arbeitens kehrte er in die
häusliche Enge väterlicher Aufsicht zurück. Erst 1797 hielt ihn der
Vater für würdig,
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eine große Tournee durch Oberitalien mit ihm zu
unternehmen, Beifallumrauscht bereiste er alle größeren Städte,
stets geführt, umsorgt und bewacht von Antonios unerbittlichen
Anordnungen. Immer stärker wuchs in dem Knaben die
Sehnsucht nach Freiheit, der Drang, sich den väterlichen Fesseln
zu entwinden, der Wille, selbständig sein Leben zu gestalten. Und
bald sollte sich die Gele-genheit dazu ergeben.

Frei
Sankt Martinstag in Lucca! Zum alljährlichen großen Musikfest
strömt alle Welt in die traditionsreiche alte Stadt. Feierliches Hoch-
amt, Volksfesttrubel und überfüllte Konzerte vor einem Publikum
voll südländischer Begeisterung geben ein farbenfrohes Bild fest-
licher Stimmung. Paganini hat dem Vater die Erlaubnis
abgerungen, in Begleitung des älteren Bruders nach Lucca zu
fahren. Auch hier bezwingt er die Zuhörer, auf manche wirkt
schon jetzt das Spiel des Sechzehnjährigen mit dämonischer
Gewalt, seine Gaben erschei-nen übernatürlich. Dazu tragen die
hochaufgeschossene, hagere Ge-stalt, das bleiche Antlitz und sein
glühendes Auge viel bei. Er soll mit dem Teufel im Bunde stehen,
flüstert man sich zu, und gele-gentlich macht einer noch rasch
vorsorglich das Kreuzzeichen. Paga-nini erobert Lucca, so wie er
später alle Städte erobern wird. Aber noch ist er am Anfang,
noch gilt es zunächst, sich der Obhut und Tyrannei des Vaters zu
entziehen. Es gelingt ihm, dem auf-passenden Bruder zu
entwischen, drei Tage forscht der Bruder nach Nicolö —
vergeblich.
Jetzt winkt die goldene Freiheit, jetzt endlich beginnt für ihn
das Leben nach so langen Jahren qualvollen Zwangs. Paganini.
ist sehr empfänglich für Frauenschönheit, und die Frauen werden
von seiner Erscheinung magisch angezogen, das Seltsame,
Außerordent-liche reizt an diesem Manne, der außerhalb
gewöhnlicher Maßstäbe bleibt. So spinnt sich manche Romanze
an in diesen Jahren bis 1805, die eine Lücke in Paganinis
Biographie bilden. Er scheint das Leben zu genießen, gewinnt
viel Geld durch Konzerte — es rinnt ihm durch die Finger.
Der Spielteufel hält ihn in seinen Krallen, er verspielt sogar
sein Instrument, bis er eines Tages genug hat und für immer
dem Spieltisch entsagt. Und dazwischen,
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einer schönen Dame wegen, entdeckt er die Reize des Gitarrespiels.
„Natürlich" ist er auch hier bald virtuoser Meister.
In späteren Jahren wurde der Meister oft nach diesem
Zeitraum bis 1805 gefragt, stets jedoch wich er aus oder
verweigerte die Antwort. So hielt sich hartnäckig das Gerücht, er
habe wegen ge-fährlicher Händel im Gefängnis gesessen, habe dort
das Spiel auf der G-Saite allein geübt, ja er habe sich, um wieder
frei zu werden, dem Leibhaftigen verschrieben! Kein Wunder, daß
den braven Bürger Angst beschlich — und doch, von
unwiderstehlicher Neugier getrie-ben, eilte er zum nächsten
Konzert, eilte, um den Hexenmeister selbst zu hören und zu sehen.
Und wieder der gleiche erregende Eindruck: Paganinis schleppen-
der Gang, sein bleiches, oft hohlwangiges Gesicht, die merkwürdige
Haltung und gar erst sein Spiel! Alle Teufelskünste schienen sich
in den glitzernden Passagen, in wirbelnden Trillern und gestoche-
nen Pizzicati auszutoben — der Mann m u ß t e mit dem Gottsei-
beiuns im Bunde stehen! Und immer war das Publikum hingerissen,
stets vermochte Nicolö die Massen in seinen Bann zu ziehen, die
Menge lag ihm zu Füßen.
Dem jungen Mann von kaum einundzwanzig Jahren stand
jedoch die Entwicklung zu künftigem Weltruhm noch bevor. Wohl
war er bereits ein unvergleichlicher Geiger, aber er mußte sich erst
mit den Besten seines Faches messen, mußte erst alle
persönlichen Beson-derheiten seines Virtuosentums voll ausbilden.
Die ungehemmte Freude am Dasein überwucherte zunächst die
letzte künstlerische Zielsetzung, der Glanz des Lebens lockte
mehr als die einsame Höhe unerreichten Geigenspiels.

In fürstlichen Diensten
Seine fast triebhafte Freiheitsliebe hat Paganini am 14. Septem-
ber 1805 für einige Jahre an die Kette gelegt. Im selben Lucca,
das 1799 für ihn die Pforte zur Ungebundenheit bedeutet
hatte, entschied sich ein zweites Mal sein Schicksal. Das
Provinzstädtchen war zur Residenz erhoben worden, Napoleons
Schwester Maria Anna Elise regierte mit ihrem Gatten Feiice
Bacciocchi das Fürsten-tum Piombino. Ein Hofstaat mit vielerlei
Intrigen hatte sich gebil-det, rauschende Feste jagten einander,
und die Fürstin, eine
sinnenfrohe und anspruchsvolle Persönlichkeit, lenkte das lustige
Treiben.
Erwartungsvoll harrte das höfische und städtische Publikum an
jenem 14. September auf Paganinis Auftreten im Konzert. Lösten
das seltsam linkische Gebaren des Meisters, seine eckigen Verbeu-
gungen bei der hohen Gesellschaft zunächst verwundertes Lächeln
aus, so wurden seine Zuhörer mit jeder Darbietung mehr von
Nicolos Geige hingerissen, seine Künste faszinierten selbst die Für-
stin. Sie spürte sofort das Geniale in diesem Mann und beschloß,
ihn an sich zu fesseln. Kaum hatte sich Paganini von den Strapazen
des Konzerts etwas erholt, nahm er in einer Audienz von der
Fürstin seine Bestallung als Kammervirtuos und Hofkapellmeister
der Oper entgegen. Um auch bei Hofe einen offiziellen Rang ein-
zunehmen, wurde er zum Offizier der Leibwache „befördert".
Damit begann nun eine angespannte Tätigkeit, die ihn musika-
lisch ungemein förderte, hatte er doch zahlreiche Opernaufführungen
zu leiten, zweimal während eines Monats in Konzerten solistisch
aufzutreten und auch noch bei Kammermusikabenden am Hofe mit-
zuwirken. Für den jungen Geiger bedeuteten die neuen Aufgaben-
bereiche das Hineinwachsen in ein umfassendes Musikertum; über
den Spezialisten erhob sich der in allen Sätteln gerechte Meister,
der ebenso gut ein Quartett anzuführen wußte, wie er mit Tempe-
rament und Geschick eine Oper durch alle Fährnisse steuern konnte.
Welche Gewandtheit er gerade in diesem Fach schon bald erreicht
hatte, zeigt die glatt gewonnene Wette, in welcher er sich anhei-
schig machte, eine Oper von Panesi geigend zu dirigieren, aber da-
bei nur die beiden unteren Saiten zu verwenden. In späteren Jah-
ren, in Rom, rettete er eine Premiere seines Freundes Rossini, als
er am Tage vor der Aufführung für den plötzlich gestorbenen Ka-
pellmeister einsprang und das Werk — die Violinstimme eine Ok-
tave höher mitspielend — glänzend über die Bühne brachte. In
Lucca kam aber vor allem der Komponist Paganini zu ersten Ehren.
Nicht nur, daß er ein Konzert für Violine und Englischhorn mit
Orchesterbegleitung in der fabelhaften Zeit von zwei Stunden kompo-
nierte; auf Grund seiner Stellung war er auch genötigt, seiner erlauch-
ten Gönnerin und dem Publikum immer wieder neue Stücke zu bieten.
Meist schrieb er lediglich die Begleitung flüchtig auf, die Solo-

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stimme hatte er im Kopf und improvisierte nach Lust und Laune.
Dadurch sind uns nur wenig Kompositionen aus dieser Zeit er-
halten.
In Lucca entwickelte Paganini seine unglaubliche Fähigkeit, auf
einer einzigen Saite seiner Geige Stücke großen Tonumfangs wie-
derzugeben. Es kam ihm dabei ;seine ungeheuer gelenkige Hand
mit ihrer übergroßen Spannweite zugute, zum Teil eine Folge des
unablässigen Übens in frühester Jugend. Außerdem hatte er die
Technik der linken Hand so weit ausgebildet, daß er zwei Töne so
rasch hintereinander greifen konnte, daß sie dem Zuhörer wie ein
Doppelgriff erschienen. Durch das Aufziehen nur der tiefsten Saite
mit ihrer besonders sonoren Klangfarbe vermochte er auch den Cha-
rakter des Instruments weitgehend , zu ändern, klingen doch die-
selben Töne auf verschiedenen Saiten durchaus nicht gleich.
Fürstin Marie Elise hat , durch ihr künstlerisches Interesse und
ihre persönliche Gunst und Neigung nachhaltig Einfluß auf Paga-
nini genommen. Wahrscheinlich dürfte Nicolö, der ja aus sehr ein-
fachen Verhältnissen stammte — vom Besuch irgendwelcher Schulen
spricht keine Biographie —, am Hof zu Lucca sich auch jene gesell-
schaftliche Gewandtheit angeeignet'haben,- die ihn befähigte, sich
ohne Hemmungen in jedgli. Kreise, geschickt und selbstbewußt zu
bewegen. ' „ , ......^ .
Aber das Idyll dauerte nicht allzulange. Im Bewußtsein neuer
Kraft drängte es den Künstler, sein Können auch in weiterem Um-
kreis hören zu lassen, er bat um Urlaub. Schon 1808 sehen wir ihn
auf Reisen, ein Jahr später übersiedelt er dann mit dem gesamten
Hofstaat nach Florenz, da Marie Elise Herzogin von Toscana ge-
worden ist. Und wieder ein Jahr später führen ihn Konzertfahrten
in die Lombardei und in die Romagna. Die Bindungen zur Herzo-
gin scheinen sich zu lockern, und im Frühjahr 1813 erfolgt end-
gültig der Bruch. Paganini ist wieder frei — und niemals wieder
hat er die Bürde eines Amtes, den Zwang einer Stellung ange-
nommen.
Paganini erobert Italien
Franz Xaver Süßmayer, Mozarts Schüler und Vollender seines
Requiems, hatte eine Ballettmusik, „Die Hochzeit zu Benevent",
geschrieben. Zehn Jahre nach seinem Tode wurde das Werk in

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Der „Hexenmeister". (Nach einer Lithographie von Karl Begas.)
Mailand aufgeführt — und hier, in dieser Aufführung holte sich
Paganini aus einem Oboenthema, das Hexen symbolisierte, die
Anregung zu seinen späterhin -weltberühmten Variationen „Le
streghe" — die Hexen. Jetzt, im Vollbesitz unvergleichlicher Meister-
schaft, hatte er für seine Programme das „Zugstück", womit er
sich, seine Person und sein Spiel, in Szene setzen konnte. Schon
das erste Erklingen der „Hexen" in der Mailänder Scala versetzte
das Publikum in Ekstase, und nicht weniger als zehnmal mußte er

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sein Konzert wiederholen, er hatte die Stadt im Sturm genommen.
Seit dieser Zeit sprach man auch außerhalb Italiens Grenzen über
Paganini. Die Leipziger Musikalische Zeitung brachte einige Monate
später einen ausführlichen Bericht aus Mailand.
„Sein Spiel ist wahrhaft unbegreiflich", schreibt der Musikkriti-
ker der Zeitung. „Er hat gewisse Gänge, Sprünge und Doppelgriffe,
die man noch von keinem Violinspieler, wer er auch sei, gehört hat;
er spielt (mit einem ganz eigenen Fingersatz) die schwersten zwei-,
drei- und vierstimmigen Sätze; ahmt viele Blasinstrumente nach;
er gibt in den allerhöchsten Tönen ganz dicht am Steg die chromati-
sche Scala so rein zu hören, daß es beinahe unglaublich scheint; er
spielt zum Erstaunen die schwierigsten Sätze auf einer Saite, kneipt
auch wohl, im Scherze, auf den anderen den Baß dazu; oft über-
zeugt man sich kaum, daß man nicht mehrere Instrumente höre;
kurz, er ist einer der künstlichsten Violinspieler, die je die Welt
gehabt h a t . . . "
Mailand, seine Atmosphäre, seine schönen Frauen, das dankbare
Publikum liebte Paganini besonders unter den italienischen Städten,
immer wieder kehrte er dorthin zurück. Allerdings litt er dort auch
unter Krankheitsanfällen, die sich schon mehrmals bemerkbar ge-
macht hatten. Schon jetzt rächten sich die Überanstrengung in der
Jugend und die Reisestrapazen bei den damals nicht gerade kom-
fortablen Verkehrsmitteln. Auch wissen wir, daß Paganini nach je-
dem Konzert völlig erschöpft war und leer, ausgebrannt, am ganzen
Körper schweißgebadet und totenblaß das Podium mit letzter Kraft
verließ. Dieses ständige Angespanntsein forderte seinen Tribut am
Körper. Der Meister ertrug bis zu seinem Lebensende schwere kör-
perliche Qualen. Nur sein eiserner Wille besiegte immer wieder die
Krankheiten, gab ihm die Kraft zu erneuten Reisen, zu neuen
Konzerten, zu neuen Erfolgen.
Rossini, den „Schwan von Pesaro", lernt der Künstler 1814 in
Bologna kennen, es wird eine Freundschaft fürs Leben. Noch ist
der Opernkomponist nicht im Zenit seiner Laufbahn, erst zwei Jahre
später geht der „Barbier von Sevilla" in Rom über die Bühne,
aber schon ist auch Rossini ein gefeierter Mann. Jeder der Beiden
erkannte die Größe des anderen an, und sie förderten sich gegen-
seitig. Die von Paganini geleitete Premiere einer Rossini-Oper in

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Rom haben wir schon kurz gestreift — aber auch lustige Streiche ver-
übten sie in freundschaftlicher Eintracht. Im römischen Karneval
z. B. verkleideten sie sich (Rossini staffierte sich noch rundlicher aus,
Paganini wirkte durch Frauenkleidung noch hagerer) und zogen, durch
Freund und Freundin zum Quartett ergänzt, als „Blinde Künstler"
singend und spielend durch Roms Straßen, ständig mit einem Rossini-
Lied um milde Gaben bettelnd — für die Armen. Sie sollen am Abend
vor Lachen und Singen recht heiser gewesen sein . . .
Ein anderes Erlebnis des Virtuosen hätte sich beinahe gefährlich
ausgewirkt: Zu einem Konzert in Ferrara sagte eine berühmte
Sängerin ihre Mitwirkung in letzter Stunde ab, Paganini mußte
sich rasch nach Ersatz umsehen und schien auch Glück zu haben.
Die mit der Gitarre begleitete Arie der Sängerin war zu Ende, das
Publikum klatschte — nur ein Pfiff störte den Applaus. Der Meister
kochte vor Zorn und beschloß, sich zu rächen. In der letzten Pro-
gramm-Nummer führte er einige Tierstimmen-Imitationen als be-
sonderes Kunststückchen vor und, zum Publikum gewandt: „Dies
für den Pfeifer", ahmte er zum Schluß das I—A des Esels nach. Das
Publikum indessen lachte nicht, sondern wütete und begann, das
Podium zu stürmen. Mühsam rettete er sich zu seinem Gasthof und
erfuhr dort zu seinem Staunen, daß er die Städter tödlich beleidigt
habe. Die Ferraresen galten bei den Landbewohnern der Gegend
als dumm, als Esel, und kehrte jemand aus der Stadt zurück, so
antwortete er auf die Frage „Wo warst du?" nur mit „I—A". Der
Vorfall schien Ferraras Ehre aufs tiefste getroffen zu haben, denn
der Magistrat verhängte ein lebenslängliches Auftrittsverbot!
Ein Ereignis muß des Künstlers Begegnung mit Charles Philippe
Lafont, Frankreichs bedeutendstem Geiger dieser Zeit, gewesen
sein. In Mailand trafen sie aufeinander, und Lafont machte sofort
den Vorschlag eines gemeinsamen Konzertes. Paganini sagte nur
sehr zögernd zu, er wollte einen öffentlichen Wettkampf mit Sieg
und Niederlage vermeiden. Es war für das Mailänder Publikum ein
unvergleichlicher Genuß, zwei derartige Geiger zusammen in einem
Doppelkonzert von Kreutzer und einzeln in Violinkonzerten eigener
Komposition zu hören. Lafont, als Vertreter der französischen
Geigenschule, soll vor allem im getragenen Spiel voller Tonschön-
heit geglänzt haben, während Paganini in seiner kühnen Virtuosi-

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tat und seinem leidenschaftlichen Temperament der Stärkere war.
Noch zwei anderen Meistern auf der Violine begegnete Pagamm in
diesen Jahren: Ludwig Spohr und Karl Joseph Lipinski. Spohr be-
wunderte zwar die unerhörte Technik, fand jedoch am Geschmack
des Italieners einiges auszusetzen, während der Pole Lipinski
eigens die Reise von Warschau nach dem Süden angetreten hatte,
um Paganini zu hören, um von ihm zu lernen, und wirklich seine
hochgespannten Erwartungen bestätigt fand.
Immer wieder wurde der Hexenmeister aus Genua zwischen den
Konzerten von der Krankheit gepackt, besonders heftig, als er
sich anschickte, auch das südliche Italien zu erobern. In Neapel er-
ging es ihm 1819 besonders schlecht, wurde er doch von seinem
groben Hausherrn, der die ansteckende Schwindsucht fürchtete, kur-
zerhand samt seinem Bett auf die Straße gesetzt. Glücklicherweise
befreite ihn ein befreundeter Cellist aus seiner mißlichen Lage,
nicht ohne dem brutalen Neapolitaner eine derbe Tracht Prügel zu
verabreichen. Die glühende Leidenschaft Neapels bereitete Paganini
immer überwältigende Erfolge, während er merkwürdigerweise in
Palermo das erstemal viel weniger Furore machte.
Unter den verschiedenen Mailänder Aufenthalten ragt seine Tätig-
keit im Jahre 1820 besonders hervor. „Gli Orfei" nannte sich eine
Vereinigung von Kunstfreunden, die sich die Aufführung und Ver-
breitung von guter Musik zum Ziele gesetzt hatte. Paganini nahm
lebhaften Anteil daran und stellte sich als Geiger und Dirigent in
den Dienst der Sache. Er trat damit nachdrücklich den Vorwürfen
kalten Eigennutzes und gewissenloser Geldgier entgegen; denn
schon längst galt Paganini als kühler Rechner, der sich seines Wertes
wohl bewußt war. Sicher haben ihn die häufigen Krankheitsanfälle
daran gemahnt, daß er vielleicht eines allzufrühen Tages nicht mehr
zu konzertieren in der Lage sein könnte. In Mailand bewies er
aber, daß zu seinen vielfältigen Charakterzügen unbedingt jene
Fähigkeit gehörte, das gewohnte Denken zu verlassen und sich un-
gehemmt und voll Energie einer bestimmten Aufgabe — künstleri-
scher oder persönlicher Art — zu widmen. Neben dem nüchtern
überlegenden Menschen steht die spontane Leidenschaft, die im ge-
gebenen Augenblick durchaus echter Großmut fähig ist.

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Neue Bindung
In etwas mehr als zehn Jahren, seit 1813, hatte sich der Meister
die italienische Halbinsel unterworfen. Kreuz und quer war die
verhangene Kutsche — er haßte das grelle Licht — mit dem wort-
kargen, fremdartig wirkenden Mann gezogen, vielhundertmal wa-
ren die Pferde gewechselt worden, immer wieder prangten die Pla-
kate „Paganini farä sentire il suo Violino" — „Paganini wird seine
Geige ertönen lassen" in den Städten, allerorten jubelte ihm nicht
nur das große Publikum zu — stets winkte ihm auch die Gunst der
schönsten und vornehmsten Frauen.
Antonia Bianchi aber war eine kleine Choristin, als sie 1824 in
Venedig unseren Meister gefangennahm. Bei Paganini war das an
sich kein ungewöhnlicher Vorgang, eigentümlich nur, daß sich aus
der flüchtigen Begegnung eine tiefe Leidenschaft entwickelte, daß
er, der die Fürstenpaläste so gut kannte wie die Boudoirs der
bürgerlichen Welt, an diesem einfachen Menschenkind ohne über-
durchschnittliche Gaben oder ausgesprochene Schönheit Gefallen
fand. Vielleicht reizte ihn ihre natürliche Anmut und ihre Kindlich-
keit, vielleicht auch liebte er ihre hübsche Stimme. Vielleicht aber
fand er eine große Genugtuung darin, bei diesem Mädchen der
allein gebende Teil zu sein, sie zu sich heraufzuziehen, ihr ebenso
zum Aufstieg zu verhelfen, wie er selbst einst aus schlichten Ver-
hältnissen sich zur Größe emporgereckt hatte. Alles dies wissen wir
nicht, wir erkennen nur, daß Antonia entscheidend Paganinis Leben
beeinflußt hat. Zunächst bildete er mit großem Geschick die Stimme
der Kleinen aus, so daß sie schon im Frühjahr mit Erfolg neben
ihm auftreten konnte. Doch dann zogen sich die Liebenden nach
Sizilien zurück, am 23. Juli 1825 kommt Achilles Cyrus Alexander
Paganini zur Welt. Von nun an hat der Meister ein fest umrissenes
Ziel vor Augen; hatte er bisher das Leben als reisender Virtuose
um des Ruhmes willen auf sich genommen, so lebte er fortan für
sein Kind. Der Wert klingender Münze wird ihm noch kostbarer,
sein Geiz übertrieben — alle Schätze werden für Achillino auf-
bewahrt. Er ist ein besorgter Vater, mit geradezu rührender Ge-
duld umhegt er den Kleinen, vor allem, seit er allein die Verant-
wortung für den Jungen trägt und mit ihm durch die Lande zieht.
Die Beziehungen zu Antonia lockerten sich nämlich, sie wurde

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— manchmal sogar grundlos — von wütender Eifersucht ergriffen,
machte in ihren Zornesausbrüchen nicht einmal vor Paganinis kost-
barsten Instrumenten halt und stellte immer größere persönliche
Ansprüche. Der Meister ertrug indessen alle Launen seiner Antonia
im Hinblick auf Achille, er fühlte, daß das Kind wenigstens in den
ersten Lebensjahren die Mutter nicht entbehren konnte.
Nach einem herrlichen Jahr der Ruhe und Erholung auf Sizilien
nahm Paganini 1826 wieder seine Tourneen durch Italien auf. Wie-
der begleiteten ihn die Ovationen seiner Landsleute, und stärker
wuchs der Wunsch in ihm, nun auch den Sprung über die Alpen zu
wagen. Schon häufig hatten ihn Einladungen von dort erreicht, aber
der bereits vor zehn Jahren gefaßte Plan einer Europareise wurde
immer aufgeschoben, die angegriffene Gesundheit ließ derartige
Strapazen nicht zu. In Rom dekorierte ihn 1827 der Papst mit dem
Orden „Ritter zum Goldenen Sporn" — eine Auszeichnung, die
Paganini äußerst willkommen war, denn seine sagenumwobenen
Beziehungen zum Teufel wurden stets herangezogen, wenn man
seine ungeheuren Fähigkeiten nicht mit natürlichen Mitteln, mit
Fleiß und Arbeit, mit Genie und Begabung, erklären wollte. Aber
trotz der kirchlichen Auszeichnung galt er auch weiterhin vielen als
der dämonische Hexenmeister — seine Erscheinung und sein Spiel
waren zu ungewöhnlich, als daß jener Aberglaube verstummen konnte.

Europa
Mit vierundvierzig Jahren zog Paganini nach Norden, um endlich
ganz Europa wissen zu lassen, daß der begnadetste Geiger der Welt
nicht nur in Italien Geltung beanspruchte. Auf der Reise begleitete
ihn, wie immer, Achille mit seiner Mutter, es sollte die letzte ge-
meinsame Fahrt sein. Die Meinungsverschiedenheiten hatten ein
solches Ausmaß erreicht, daß an ein Zusammenleben nicht mehr zu
denken war. In Wien verabschiedete sich Antonia Bianchi, mit einer
großen Summe endgültig und notariell abgefunden.
Am 16. März 1828 traf der Virtuose in der Donaumetropole ein,
bald darauf fand das erste Konzert statt. In meisterhafter Regie
hatte es der Künstler verstanden, durch geschickte Pressenotizen,
durch umherschwirrende Gerüchte, durch sonderbares persönliches

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Gebaren die Neugier der Wiener aufs höchste zu steigern. Alles
fieberte dem Auftritt des Meisters entgegen — und nach dem Spiel
löste sich die Spannung in einen orkanartigen Beifallssturm, wie
ihn Paganini selbst bei seinen temperamentvollen Landsleuteh sel-
ten verzeichnet hatte. Wien lebte wieder einmal in einem Begei-
sterungsrausch; stärker noch als der Rossini-Taumel 1822 hatte die
Stadt jetzt das Paganini-Fieber ergriffen.
In zwanzig Konzerten riß der unheimliche Spieler aus Genua die
Menge hin, arm und reich war in gleichem Maße verzaubert, monate-
lang war er allein das Gesprächsthema, und trotz höchster Eintritts-
preise konnten die Säle die andrängenden Massen nicht aufnehmen.
Der Geiger selbst war auf Schritt und Tritt von Bewunderern um-
geben, die Paganini-Mode machte die Stadt verrückt. Die absurde-
sten Dinge wurden mit ihm in Verbindung gebracht, von den Paga-
nini-Semmeln bis zu Paganini-Handschuhen war alles dieser Sucht
unterworfen. Der Meister ließ sich die Ehrungen wohl gefallen,
wuchs doch damit sein Konto in erfreulicher Weise, und Achillino
brauchte dann später keine Sorgen zu h a b e n . . . Er selbst lebte
wahrhaft bescheiden, aß und trank sehr mäßig, sein Reisegepäck
war geradezu dürftig — und Trinkgelder gab er sowieso nie.
Aber seine Begabung, sich selbst in Szene zu setzen, hatte mit-
unter recht merkwürdige Folgen. So mußte er ernstlich dem Glau-
ben entgegentreten, daß er vom Satan persönlich abstamme! Und
seine Entgegnung auf die Anspielungen, er habe im Gefängnis ge-
sessen, faßte er so vorsichtig und unbestimmt ab, daß er diesem
Gerücht dadurch nur neue Nahrung gab. Das wieder erhöhte den
Reiz bei den Wienern — und damit seine Einnahmen.
Franz Schubert hat in diesen seinem letzten Lebensjahr Paganini
zweimal gehört und war ergriffen von seinem getragenen Spiel
(„Ich habe einen Engel in Paganinis Adagio singen gehört"), ge-
packt von seinen technischen Bravourstücken. Grillparzer geriet
ebenfalls in seinen Zauberbann, aber in dichterischem Scharfblick
erkannte er die gespaltene Persönlichkeit des Meisters, die leiden-
schaftliche Hingebung des ganzen Menschen während des Spiels und
danach die Ausschaltung der künstlerischen Seele, wobei nur der kalt
berechnende Verächter der Massen zutage trat, der die von ihm selbst
im Publikum hervorgerufene Gemütsbewegung verhöhnt.

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Für das Wiener Abschiedskonzert hatte Paganini ein neues Violin-
konzert geschrieben (Es-Dur), es fand Zustimmung, auch bei der
Kritik, während eine ebenfalls aufgeführte achtsätzige „Dramatische
Sonate für das ganze Orchester, bei analoger Dekoration mit Solos
und Variationen" von einem gewissen Herrn Panny nur durch Pa-
ganinis Schlußgestaltung gefiel.
Nach einer Erholungspause in Karlsbad betrat der Geiger Prager
Boden, jene Stadt, die Mozart so sehr geliebt und die ihm den in
Wien versagten Erfolg beschieden hatte. Die Mozart-Tradition
wurde an der Moldau noch lange gepflegt, die alte Rivalität in
künstlerischen Fragen mit Wien war geblieben. Paganini war in
Wien enthusiastisch gefeiert worden — demzufolge fanden die Pra-
ger Anlaß, ihn entsprechend negativ zu bewerten. In mehreren
Blättern waren recht gehässige Berichte zu lesen, wie der folgende
eines Redakteurs:
„O närrische Welt, o wunderbarer Geschmack, o enthusiastische
Wiener! Nie bin ich so plötzlich aus allen meinen Himmeln gestürzt
worden, als durch diesen Virtuosen! Ich begreife nicht, wenn man
Romberg, Rode, Spohr, Lafont usw. gehört hat, wie man solchen
Harlekinaden nur einen Augenblick sein Ohr leihen kann. Ich war
einmal in seinem Konzert und nie mehr sieht er mich wieder. Er
hat eine große Fertigkeit in der linken Hand, wozu man durch
Übung kommen kann, ohne Talent, Genie, Geist, Gefühl und Ver-
stand zu besitzen — es ist eine rein mechanische Fertigkeit. Die
Hauptsachen, die sich immer wiederholen, sind ein unausstehliches
widerliches Quieken am Steg, was gar keine geregelten Töne, son-
dern ein Spatzengezwitscher ist, und dann am Ende jeder Variation
ein schnelles Pizzicato mit der linken Hand von sechs Tönen. Sein
Vortrag ist weder großartig noch geschmackvoll; sein Ton ist un-
kräftig ohne Fülle, und wenn er sich ungewöhnlich anstrengt, rauh;
die Flageolettöne gehen nicht selten ins Zischen und Quietschen
über; seine Verzierungen und Kadenzen sind im hohen Grade ge-
schmacklos, zum Teil ganz altmodisch. Eine wahre Künstelei ist das
Spiel auf der G-Saite, da er dazu meist nur e i n e n Finger ge-
braucht, so entsteht durch das unaufhörliche Auf- und Abfahren
desselben ein ganz abscheuliches Miauen und Heulen, an welchem
Herr Paganini ein besonderes Wohlgefallen zu haben scheint. Seine
Programm zu einem Konzert, das Paganini in der Aula Leopoldina
in Breslau im Jahre 1829 veranstaltete.
Hauptschwäche: Mangelhafter Vortrag des Ada-
gio ..."
In dieser Tonart geht es weiter. Bewußt schrieb man in Prag
das Gegenteil von dem, was die Wiener Presse berichtet hatte. Dies
hinderte das Publikum jedoch nicht, zu allen sechs Konzerten in
Scharen herbeizuströmen und Paganini mit klingendem Lohn zu
überhäufen. Die Zeitungsartikel verbreiteten sich jedoch in Deutschland
und schadeten dem Künstler sehr. Zu diesem Übel gesellte sich eine
neue lästige und schmerzhafte Krankheit: Durch eine verfehlte
Zahnoperation entzündete sich der Unterkiefer, und er verlor alle

17
unteren Zähne. Und dann hören wir zum erstenmal von einer
Kehlkopfentzündung, die sich, zwar im Moment geheilt, zu einem
bösartigen chronischen Leiden entwickeln sollte.
Doch bot Prag nicht nur Unerquickliches: Professor Schottky, ein
begeisterter Verehrer seiner Kunst, entwarf den Plan zu einer
Biographie des Meisters; sie erschien im Jahre 1830 und ist eine der
Hauptquellen für alle späteren Arbeiten geworden. Schottky ver-
danken wir auch folgende lebhafte Schilderung, die er unmittelbar
nach einem Konzert aufgezeichnet hatte:
„Er ist so mager, daß man füglich nicht magerer sein kann; dabei
hat er eine blaßgelbe Farbe, eine große weit hervorstehende Adler-
nase und lange knochige Finger. Kaum scheint er in der Kleidung
zusammenzuhängen, und macht er seine Verbeugungen, so bewegt
sich der Körper auf eine so sonderbare Art, daß man alle Augen-
blicke fürchtet, die Füße könnten sich vom Rumpfe trennen und
der ganze Mensch würde in einen Knochenhügel zusammenstürzen.
Beim Spiel ist der rechte Fuß vorgeschoben, der, wenn die Passagen
lebhafter werden, mit ans Komische grenzender Heftigkeit den Takt
angibt, ohne daß aber das Gesicht etwas von seiner Abgestorbenheit
verlöre, außer wenn es sich für den Beifallsdonner zum sonderba-
ren Lächeln verzieht, wo sich allmählich die Lippen wunderlich ver-
schieben und die Augen, zwar mit innigem Selbstgefühl, aber doch
nicht ohne Gutmütigkeit, nach allen Seiten blinzeln. Bei schwierigen
Stellen bildet sein Körper eine Art Dreieck, da sich der Leib dann
übermäßig einbiegt, während der Kopf und der rechte Fuß vor-
anstehen . . . "
In dieser Schilderung steht der dämonische Zauberer vor uns, der
nicht nur die leicht entflammbaren Wiener mitreißt, sondern — ein
Jahr später — sogar die nüchternen Berliner zu vorher nie ge-
kanntem Jubel zwingt. „Ich war wieder in Wien", soll er selbst
ausgerufen haben, als ihm nun auch Berlin zu Füßen lag und die-
selben Modetorheiten eine zweite Auflage erfuhren. Zehnmal trat
der Meister in Konzerten auf, das Spielen in Wohltätigkeitskonzer-
ten steigerte noch die Sympathie der Berliner. Zum österreichischen
„k. u. k.-Kammervirtuosen-" gesellt sich der preußische „Kammer-
musikus"-Titel, ungezählte Würden, Ehrungen und Orden folgten
in den nächsten zehn Jahren.

18
Von Mai bis Juli 1829 weilt Paganini in Warschau — und hier
vollzieht sich eine musikgeschichtliche Begegnung, wie sie in dieser
Bedeutung noch zweimal stattfinden sollte: Junge Künstler am
Scheidewege ihrer Laufbahn, am entscheidenden Punkt ihrer künst-
lerischen Zielsetzung, hören den Teufelsgeiger, sind fasziniert
von den Möglichkeiten des Instruments und von der Ausstrahlung
des Virtuosen.
Chopin hört in Warschau Paganini. Er ist als Pianist schon ein
Vollendeter, auch seine Kompositionsstudien hat er gerade abge-
schlossen, da trifft ihn, den so empfindsamen, für die leisesten
Schwingungen so besonders empfänglichen Künstler, das Paganini-
Erlebnis. Der romantische Eindruck der Persönlichkeit ist vielleicht
noch stärker, als der der überwältigenden Virtuosität. Paganinis
Verwachsensein mit dem Instrument, sein Nur-Musikertum, sein
Leben für den diesseitigen, momentan greifbaren und stets neu zu
erkämpfenden Erfolg, seine Fähigkeit, die Grenzen des Instruments
auszuweiten, all das berührt in Chopin verwandte Anlagen. So wie
Paganini für die Violine, ist Chopin für das Klavier geboren —
durch den Geiger wird dem 19jährigen Pianisten der Weg gewiesen.
Bei aller Verschiedenheit der Charaktere und der Geisteshaltung
haben beide ein ähnliches Ideal: das des gefeierten, beglückenden
Künstlers, der in der Einheit von Schöpferkraft und Inter-
pretation die Menschen bezwingt und entrückt. Nur mit dem
bedeutsamen Unterschied, daß Chopins Werke sowohl die Tore zur
Zukunft aufstoßen, als auch die Gegenwart überdauern, während
Paganinis Kompositionen zu sehr an ihren Schöpfer gebunden sind,
um nach seinem Tode Allgemeinbesitz zu werden.
Noch entscheidender als auf Chopin war Paganinis Wirkung
auf Robert Schumann. Ebenfalls noch keine zwanzig Jahre alt,
schwankte Schumann zwischen dem empfohlenen Jurastudium, sei-
ner geliebten Musik und seiner Neigung zur Dichtkunst. Ihm, der
in der romantischen Welt eines Jean Paul lebte, mußte Paganini,
den er in Frankfurt im Frühjahr 1830 erlebte, als die Verkörpe-
rung des Virtuosentraums schlechthin erscheinen. Tatsächlich beein-
druckte ihn der Wundergeiger so stark, daß von da ab sein Ent-
schluß feststand, ein „Paganini des Klaviers" zu werden. Daß durch
seine spätere Handverletzung dieser Entschluß in eine andere, die

19
schöpferische Richtung gelenkt wurde, bedeutete für die deutsche
Kunst des 19. Jahrhunderts einen besonderen Glücksfall.
Denn das Schicksal hatte einem anderen Meister die Aufgabe, ein
„Paganini des Klaviers" zu werden, gestellt. Franz Liszt, das piani-
stische Wunderkind, der Liebling der Pariser Salons schon als Jüng-
ling, war ebenfalls ein vollendeter Klavierspieler, als er mit 19 Jah-
ren Paganini in der Seinestadt zum ersten Male hörte. Hier erblickt
man am deutlichsten die Wandlung, die der König der Violine in
einem jungen Künstler hervorrufen konnte. Bisher war Liszt ein
Virtuose von einem Format, wie es in der Welt deren mehrere
gab — wie Herz, Kalkbrenner, Moscheies, Thalberg und andere.
Paganini erst öffnete Liszt die Augen, welche Möglichkeiten das
Klavier noch in sich barg, Paganini erst brachte ihn auf den Gedan-
ken, alle die brillanten technischen Erweiterungen auf den Flügel zu
übertragen. Und nun begann Liszt erneut mit dem Studium und
übte konsequent so lange, bis er als unerreichter Meister auf dem
Pianoforte gelten konnte. Auch darin, daß er sich künftig in zu-
nehmendem Maße die Kompositionen selbst schrieb und für sein
eigenes Können einrichtete, war ihm der Hexenmeister ein Vorbild.
Doch versuchte er mehr und mehr, seine Virtuosität in den Dienst
des musikalischen Ausdrucks zu stellen.
Alle drei Meister haben in ihren Werken Paganini Tribut gezollt,
Chopin in einem Variationenwerk „Souvenirs de Paganini", Schu-
mann in einigen Klavierwerken nach Capricen des Geigers, wobei
ihn vor allem die Verdeutlichung des „poetischen Gehalts" beschäf-
tigte. Liszt übertrug ebenfalls Paganini-Capricen auf das Tasten-
instrument, ihn reizte mehr das bravouröse Element. Und noch ein
weiterer Komponist höchsten Ranges ließ sich von Nicolo gefangen-
nehmen: Johannes Brahms. In seinen Paganini-Variationen ver-
einte er pianistische Virtuosität mit seinem persönlichen, eigenwilli-
gen Stil. Er war es auch, der von Paganini behauptete, seine Capri-
cen „lassen eine ebenso starke Begabung zur Komposition im all-
gemeinen, wie für die Violine im besonderen erkennen." Fürwahr,
aus dem Munde des kritischen Brahms ein gewichtiges Wort. Schu-
mann äußerte: „Paganini ist der Wendepunkt der Virtuosität", und
Chopin stellte bündig fest: „Paganini ist die Vollkommenheit."
Alle diese Zeugnisse von berufener Seite lassen den ungeheuren

20
Einfluß des Italicners auf Zeitgenossen und Nachwelt erkennen.
Wir dürfen sagen, daß die Musikgeschichte ohne die Gestalt Paga-
ninis nicht nur um ein äußerst reizvolles, schillerndes Element är-
mer wäre, sondern sich wahrscheinlich sogar anders entwickelt
hätte. Viele der romantischen und virtuosen Zielsetzungen, die um
1830 im Verborgenen lagen, sozusagen unter der Oberfläche schwel-
ten, hat Paganini durch sein Auftreten in mancherlei Beziehung erst
freigelegt; durch direkte und indirekte Anregungen gab er neuen
Strömungen lebhaften Auftrieb.

Brief Paganinis, in dem er den Komponisten Berlioz bittet, als seine


Huldigung zwanzigtausend Francs anzunehmen. (Übersetzung s. S. 23).

21
Die Europatourn^e Paganinis hatte bis Warschau geführt. Von
hier aus wandte er sich wieder nach Deutschland und reiste fast
zwei Jahre lang kreuz und quer durch das Land. Seine Geige er-
klang in Hamburg wie in München, in Städten wie Coburg, Kassel
oder Koblenz. Stets begleitete ihn Achille, unermüdlich sorgte der
Vater für ihn. Der Kleine war ihm schon bald von großem Nutzen,
sprach er doch bereits mit sieben Jahren drei Sprachen fließend
und bewährte sich in Deutschland als Dolmetscher; denn der
Vater konnte sich nur italienisch und französisch ausdrücken. In der
Reisekutsche saß meist noch ein Impresario, der dem Künstler die
geschäftlichen Verhandlungen abnahm und lästige Organisations-
fragen löste. In den Orchesterproben deutete der Meister seine Soli
nur kurz an, auch die Musiker sollten am Abend überrascht werden.
Um jede Möglichkeit unerlaubter Verbreitung seiner Werke zu
unterbinden, legte er die handgeschriebenen Noten erst unmittelbar
vor Probenbeginn auf und sammelte sie nachher sofort wieder ein.
Die Proberäume mußten auch menschenleer sein — dafür im Kon-
zert umso voller; er konnte bei mangelhaft besuchten Abenden
rasend werden. Seiner Technik und künstlerischen Kraft war er
übrigens seit langem schon völlig sicher, während der jahrelangen
Europareisen hat ihn niemand üben hören. Schon in Italien waren
Berichte von Mund zu Mund gegangen, die seine unglaubliche Si-
cherheit in der Intonation spiegelten, oft soll er mit verstimmter
Geige vollkommen rein gespielt haben. In seinen Konzerten wandte
er hierbei bewußt einen Trick an: Bei seinem Violinkonzert in
Es-Dur z. B. stimmte er das ganze Instrument einen halben Ton
höher (das gab der Geige einen glänzenderen Klang) und führte
seine Soli auf diese Weise griffmäßig in D-Dur aus, während das
Orchester in Es-Dur spielte.
Der Kapellmeister Karl Guhr hatte während Paganinis mehr-
monatigem Aufenthalt in Frankfurt, wo Achille krank daniederlag,
Gelegenheit, ausgiebig seine Technik zu studieren. Entgegen frühe-
ren Behauptungen bestreitet Guhr, daß der Meister seine Violine
auch mitten im Spiel umgestimmt habe, erzählt aber, daß das In-
strument bei besonderen Anlässen nicht in der normalen Stimmung
erklungen sei. Auch erwähnt er die ungewöhnlich dünnen Saiten,
die zwar eine geringere Tonfülle zur Folge haben, dafür jedoch bei

22
schnellen Passagen leichter ansprechen. An Paganinis Bogentechnik
bewunderte Guhr vor allem die Elastizität, der Bogen springe so-
zusagen von selbst über die Saiten, bei größter Exaktheit audi der
kürzesten Notenwerte.
Guhrs Schrift „Über Paganinis Kunst, die Violine zu spielen",
gibt uns das genaueste Bild von der fast unglaublichen Beherr-
schung des Technischen, gibt uns zugleich ein Bild von den einmali-
gen Vorzügen, die die Natur dem Meister für sein Geigenspiel mit-
gegeben hatte.

Höchster Triumph und Abschied


Deutschland bedeutete für den Meister letzten Endes, bei allen
Erfolgen, nur eine Zwischenstation, nur die Vorbereitung für seinen
endgültigen europäischen Sieg. In Paris versammelten sich damals
alle Künstler von Rang und Namen, in Paris, der eigentlichen
Hauptstadt Europas jener Zeit, entschied sich der Weltruhm. Von
hier gingen ständig neue Impulse in künstlerischer Beziehung aus,
die Pariser Salons mit ihrem regen geistigen Leben galten als die
erstrebenswerten Vorbilder. Paganini betrat am 24. Februar 1831
die Stadt und gab in zwei Monaten elf Konzerte, die den Parisern
endlich Gelegenheit boten, sich selbst von den märchenhaften Glanz-
leistungen des Teufelsgeigers zu überzeugen, von dem sie schon
die unwahrscheinlichsten Berichte vernommen hatten. Und auch
hier brach wieder das Paganini-Fieber aus, ergriff alle Kreise —
Paris war hingerissen. Erneut bemächtigte sich die Mode der Ge-
stalt des Geigers, er wurde das Tagesgespräch. Doch der Taumel
zeigte auch hier bald unliebsame Auswirkungen: Unter den zahl-
reichen Paganini-Porträts, die überall zur Schau gestellt waren, be-
fand sich auch ein Bild „Paganini im Gefängnis". Der Künstler
setzte sich dagegen in einem offenen Brief heftig zur Wehr, ohne
jenen Zeitraum von 1800 bis 1805 befriedigend und stichhaltig zu
belegen. So konnten die bösartigen Gerüchte nicht verstummen.
Seine ungeheuren Einnahmen erregten bald den Neid, und als er
sich weigerte, in einem „Wohltätigkeitsballfest" mitzuwirken, ent-
rüstete sich die Öffentlichkeit. Zwar spielte er bald darauf zugun-
sten der Armen, aber Paris war ihm jetzt verleidet, er brach seinen
Aufenthalt ab und wandte sich England zu.

23
In London bereitete ihm die Presse einen unfreundlichen Emp-
fang, sie verübelte dem Künstler die ungewöhnlich hohen Eintritts-
preise, die er für sein Konzert fordern wollte. Er lenkte jedoch
noch rechtzeitig ein, und so endete das erste Auftreten auf der
Insel mit einem beispiellosen Triumph. Während des Sommers war
Paganini im Londoner „Theatre Royal" fünfzehnmal zu hören,
die Einnahmen beliefen sich auf etwa 260 000 Francs, Paris hatte
ihm „nur" 165 000 Francs gebracht.
Auch in vielen privaten Gesellschaften ließ der Meister seine Vio-
line ertönen, nicht ohne beträchtliche Honorare zu nehmen; er gab,
die Modeströmung ausnutzend, mehr oder weniger begabten Mit-
gliedern der Aristokratie einzelne Unterrichtsstunden — ebenfalls
zu einem märchenhaften Preis. Unter diesen Umständen ist die
Klage der englischen Zeitungen über den „Ausbeuter" nicht ganz
unverständlich, allein seine nicht nachlassende Virtuosität übte noch
genug Anziehungskraft aus, um nach London auch die englischen
Provinzen und Irland zu bereisen. Innerhalb von neun Monaten hat
Paganini auf angelsächsischem Boden 132 Konzerte gegeben, rein
körperlich schon eine bewundernswerte Leistung, wenn man die
recht strapaziösen Reisen in der Postkutsche in Betracht zieht.
Der genuesische Hexenmeister befand sich auf dem Gipfel seiner
Laufbahn; nun hatte er wirklich ganz Europa in Begeisterung ver-
setzt, hatte Stürme des Beifalls entfacht, hatte die musikalische
Welt überwältigt. Durch seine so sehr vom Herkömmlichen abwei-
chende Erscheinung hatte sich ein Kranz von Legenden um seine
Person gewoben, die seinen durch das Spiel erworbenen Nimbus
noch verstärkte. Er konnte es sich jetzt erlauben, den englischen
König mit einigen hingeworfenen Zeilen auf seiner lilafarbenen
Visitenkarte mit Goldrand zu brüskieren und ihm zu sagen, daß
„Paganini nicht mit sich feilschen lasse" — er war sich der Macht
seines ungekrönten Virtuosentums sicher.
Neue Ideen hatte er seiner Geige eingehaucht, neue Impulse in
jungen Musikern erweckt, neue Methoden wandte er nun auch zur
Durchführung seiner englischen Tourneen an: Zum ersten Male
schloß ein Künstler mit einem Manager einen Vertrag, der Paganini
eine bestimmte Summe garantierte, während der Manager, eine
etwas zweifelhafte Figur namens Watson, auf Gewinn spekulierte,

24
dafür aber auch das Risiko zu tragen hatte. Diese Form der Part-
nerschaft, heute längst üblich geworden, erregte damals die Leute;
sie fanden es unerhört, daß sich der Künstler verkaufte, seine
Freiheit mit materieller Sicherheit vertauschte und dadurch der
Sklave seines Vertrages wurde; denn die Termine diktierte der
Manager, bei Paganinis anfälliger Gesundheit ein schwerwiegender
Nachteil. Aber des Künstlers Schwäche für Francs und Pfunde war
schon sprichwörtlich, er lebte in der beständigen Sorge, dem Jungen
nicht genügend Geld und Gut hinterlassen zu können. Nach wie vor
hing er mit fast abgöttischer Liebe an dem Kleinen, Berichte von
Zeitgenossen wie auch einige wenige Briefe an Achillino legen ein
rührendes Zeugnis ab für die zärtliche Sorge des Vaters, für die
vielleicht sympathischste menschliche Seite des Meisters. Auch seine
Mutter Teresa verehrte er zeitlebens, ihr Tod 1831 erfüllt ihn mit
tiefem Schmerz, während er das Ableben seines Vaters einige Jahre
früher gleichgültig hingenommen haben soll — zu sehr hatten des-
sen Härte und Habgier wohl ihre Spuren ins Herz Paganinis ge-
graben, der König der Geiger konnte seine freudlose Jugend nicht
vergessen, weshalb er auch sein Kind so gänzlich anders erzog.
Nach den England-Erfolgen des Jahres 1831 begab er sich wieder
nach Paris, wagte der Cholera Trotz zu bieten und spielte auch füt
die Kranken; die Überwindung der allgemeinen Angst vor der
schrecklichen Seuche durch den Geiger glich einer Sensation. Bis
1833 konzertierte er abwechselnd in Frankreich und England, im-
mer noch von den Massen umjubelt; aber schon spürte er ein all-
mähliches Nachlassen der ursprünglichen Begeisterung; denn selbst
ein so außergewöhnliches Ereignis wie das Auftreten Paganinis
mußte durch die vielen Wiederholungen an Reiz einbüßen. Er selbst
hatte die Maßstäbe für sein virtuoses Können gesetzt, er konnte
sich nicht steigern, und so wurde sein Auftreten zum gewohnten
Bild innerhalb der Saison. Dazu kam die feindselige Einstellung
der Presse, die immer mehr den Geizhals Paganini kommentierte,
den „Ausplünderer Englands", und über sein Spiel nichts mehr
Neues zu sagen wußte. 1833 erhielt sein Ruf auch in Paris einen
schweren Stoß; denn alle Welt nahm es ihm übel, daß er sich wei-
gerte, in einem Konzert zu Gunsten der Schauspielerin Harriet
Smithson mitzuwirken, der Braut Hector Berlioz', die unverschuldet

25
in Not geraten war. und der viele Pariser Künstler ihre Hilfe zu-
gesagt hatten.
Diese Weigerung zehrte an dem moralischen Kredit des Virtuosen
auch in Frankreich. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Ein
Jahr später reiste er nach Belgien; dort hetzte ein Teil der Presse
gegen den „Scharlatan", warnte vor dem „Verdammten", versuchte
sein Können mit dem Begriff „Hexenkünste" abzutun. Sein Geiz
wurde als die allein interessante Eigenschaft seiner Persönlichkeit
charakterisiert — mit dem Erfolg, daß in den kleinen Städten die
Säle halbleer waren und ihn in Brüssel sogar ein Mißerfolg er-
wartete. Mit Hohngelächter wurde er empfangen, beleidigende Zu-
rufe schallten zum Podium herauf. Und hier versagte zum ersten
Mal die Wunderkraft seines Geigentons, die Triller und Doppelgriff-
Passagen, die Flageoletts und Pizzicati verhallten wirkungslos, das
Publikum höhnte weiter.
Fluchtartig verließ er Belgien, versuchte erneut an der Themse
sein Heil, aber die Engländer waren gleichgültig geworden. Er
kehrte nach Paris zurück, aber auch hier stellte sich die Presse gegen
ihn. Im „Journal des Debats" schrieb Jules Janin:
„Wie empfing man zuerst dieses groteske Etwas, diesen lebenden
Leichnam Paganini bei uns! Man hätte die Mauern von Paris ge-
stürmt, wenn die Tore nicht weit genug gewesen wären! . . . U m
ihn zu hören, überwand man sogar die Furcht vor der Cholera. Und
heute? Jetzt ist er für uns tot! Als Künstler ist er tot! Der Geiz-
hals hat den Künstler in ihm getötet. An jenem Tag, an dem Paga-
nini, goldbeladen aus London zurückgekehrt, sich weigerte, in dem
Wohltätigkeitkonzert für einige arme englische Schauspieler, deren
letzte Hilfsquellen erschöpft waren, zu spielen, verlor er bei uns je-
den Kredit. Er kann reisen in Frankreich, wohin er will, seine Geige
wird überall in ihrem Kasten bleiben müssen, zu unnützem Schwei-
gen verdammt!"
Paganini hatte dem nichts zu entgegnen, sein Stolz verbot ihm
überdies die Annahme von Janins Vorschlag, ein Konzert zu Gunsten
der Opfer einer Überschwemmungskatastrophe zu geben. In diesem
Falle hätte die Presse dem Künstler sein Publikum wieder zuge-
führt. Janin verstärkte noch seine Angriffe —• und Paganini wehrte
sich nicht mehr. Er hatte nicht mehr die Kraft zu wirkungsvoller

26
Verteidigung, Krankheit schwächte seinen Körper, und durch die
Konzertreisen war er müde geworden. Und er fühlte, daß er seinen
stärksten Bundesgenossen, die kunstbeflissenen Konzertbesucher,
die beifallswilligen Massen, nicht mehr in seinen Bann ziehen
konnte.
Welch ein Bogen hatte sich in den sechs Jahren seiner Europa-
Tournee vollendet! In steilem Aufstieg hatte er seine Triumphe in
Österreich, Deutschland, Frankreich und England steigern können;
langsam hatte er an Beliebtheit eingebüßt, bis er schließlich als der
geizige Scharlatan aus Italien angeprangert worden war. Freilich
waren nicht nur die veränderten Verhältnisse, die Presse, die allge-
meine Sensationslust schuld an diesem Niedergang, er selbst hatte
an seinem eigenen Sturz heftig mitgearbeitet. Vor allem beging er
den Fehler, sein Auftreten zu sehr als „Schau" zu inszenieren, die
außerkünstlerischen Effekte erschienen ihm von jeher äußerst wich-
tig, die Regie mußte alle Register der Reklame beherrschen. Die
Überbewertung des Materiellen und eine oft rücksichtslose Härte im
Durchsetzen eigener Interessen ließen dann im Lauf der Zeit seine
ungewöhnlichen Fähigkeiten vergessen, die Kritiker übersteigerten
das Negative gegenüber dem Künstlertum — sie sahen bei ihm nur
üble Spekulation, wovor das Publikum gewarnt werden müsse.
Paganini zog sich zurück, er verließ die Stätten seiner einstigen
Siege und fuhr in sein Heimatland. Italien bereitete ihm einen
grandiosen Empfang, er galt als Nationalheros. Doch der Fünfzig-
jährige bedurfte der Ruhe; in der Nähe von Parma erwarb er die
prächtige Villa Gaiona, um sich von der Mühsal der Jahre zu er-
holen. Andere Pläne gingen ihm durch den Kopf: Er wollte seine
Kompositionen veröffentlichen und eine Violinschule herausgeben,
worin er das Geheimnis seiner Kunst preiszugeben beabsichtigte.
Leider blieben beide Vorhaben unausgeführt, offenbar konnte er
dem Auftreten in Konzerten noch nicht völlig entsagen und hütete
sich deshalb, der Konkurrenz seine eigenen Waffen in die Hand zu
drücken.
Am Hofe zu Parma übernahm er musikalische Aufgaben, genoß
hohe Ehren und erfreute sich der Gunst der Großherzogin Marie
Luise; in Turin spielte er wieder für die Cholerakranken. Sogar ein
Angebot für Amerika lag vor, es kam von Mister Watson, mit dem

27
Paganini jedoch nichts mehr zu tun haben wollte. Zudem war sein
Körper zu angegriffen, um noch einmal anstrengende Konzertreisen
zu ertragen. Zu seinem alten Leiden gesellte sich jene Kehlkopf-
krankheit, die ihm schon in Prag zu schaffen gemacht hatte und jetzt
seine Stimme bedrohte.
Und immer noch kreisten die Gerüchte um ihn, Meldungen von sei-
nem Tod gingen um, in Paris verfaßte man 1837 schon die Nachrufe.
Er selbst widerlegte die Berichte durch seine Anwesenheit recht
nachdrücklich — aber sogleich war wieder eine Skandalgeschichte im
Umlauf: Der Meister hatte sich als Geschäftsmann betätigt und war
an einem äußerlich angesehenen, in Wahrheit aber einem recht zwei-
felhaften Unternehmen „Casino Paganini" beteiligt. Die Polizei hob
das Spielernest mit Amüsierbetrieb aus — und Paganinis Ruf war
erneut schwer angeschlagen; er wurde zu 50 000 Francs Schadener-
satz verurteilt. Wenige Monate später stand wieder eine blamable,
diesmal private Geldgeschichte in der Zeitung, und Paganinis Name
wurde in Paris nur noch mit Spott oder Verachtung genannt.
Wieder einige Monate später wandelte sich jedoch dieses Bild
durch ein Ereignis, das in seinen Hintergründen und in seinem
Wahrheitsgehalt bis heute nicht ganz geklärt ist. Hector Berlioz, der
hochromantische Künstler, hatte mit seiner Oper „Benvenuto Cel-
lini" Schiffbruch erlitten. Um den Verzweifelten wieder aufzurichten,
veranstalteten seine Freunde kurz vor Weihnachten 1838 zwei Kon-
zerte — und nun lassen wir wieder, gekürzt, die gewandte Feder
Jules Janins sprechen:
„Diesmal war Berlioz an seinem gewohnten Posten und führte
das Orchester selbst an; doch man brauchte ihn nur anzusehen, um
sofort seine verzagte Mutlosigkeit zu erkennen . . . Doch allmählich,
beim Anhören der ,Phantastique', jenes erschütternden Werkes, in
dem er all seine Freuden und Schmerzen geborgen, kehrte ihm der
Lebensmut zurück, seine Augen füllten sich mit Tränen, sein Herz
schlug höher, und die Zuhörer, gleich ihm ergriffen, spornten seine
Kraft immer stärker an. Doch dies alles trat augenblicklich zurück
vor einer überraschenden Erscheinung: In einer Ecke des düsteren
Saales sah er einen schwarzhaarigen, allgemein als herzlos verschrie-
enen Mann, der zu weinen schien. Wahrhaftig, er hatte dicke Tränen
in den Augen, sein eisiges, italienisches Lächeln war verschwunden;

28
es war in der Tat Paganini, der hier seinen Gefühlen freien Lauf
ließ . . .
Diesen Menschen — diesen wandelnden Schatten entdeckte nun
Berlioz in seinem Konzert, wie er in tiefster Ergriffenheit den
Schicksalen seines ,Harold' Beifall spendete. Als das Stück beendet
der letzte Seufzer des Orchesters verhallt war, näherte sich Paganini
unerwartet Berlioz und ließ sich in Gegenwart aller vor ihm auf die
Knie fallen. Sprechen kann er ja nicht mehr, seine Stimme ist be-
reits erloschen, aber nicht sein Enthusiasmus. Und dieser hat sich
wohl nie elementarer geäußert.. . Zum erstenmal haben wir be-
griffen, daß Paganini in der Tat ein Mensch wie andere ist, daß
ihm wirklich ein warmes Herz im Busen schlägt, daß sein Auge weinen,
seine Seele fühlen kann, und daß also an dem Talent dieses Sonder-
lings nichts übernatürlich ist als eben sein Talent selbst..."
Das Überraschendste an dieser Geschichte ereignete sich zwei Tage
darauf: Paganini ließ Hector Berlioz einen Scheck über 20 000
Franks mit folgendem Briefchen überbringen: „Mein lieber Freund!
Beethoven ist tot, und nur Berlioz konnte ihn wiedererwecken; und
ich, der ich Ihre himmlischen Kompositionen, würdig des Genies, das
Sie sind, genossen habe, ich erachte es als meine Pflicht, Sie zu bit-
ten, als meine Huldigung 20 000 Francs anzunehmen." Berlioz
war gerettet, sein Ansehen ungeheuer gestiegen, und er selbst be-
wahrte Paganini tiefe Dankbarkeit und Freundschaft.
Die Pariser indessen waren nicht so ohne weiteres von der Groß-
herzigkeit des Virtuosen überzeugt, man mutmaßte Machenschaften
von dritter Seite. Auf jeden Fall wird wohl das Journal des Debats
seine Hände im Spiel gehabt haben, sei es, daß es den Geiger
zwang, den Betrag zu zahlen, sei es, daß Paganini nur als Stroh-
mann auftrat und das Geld tatsächlich von der Zeitung stammte,
Berlioz aber die wirklichen Geber nicht kennen sollte. Interessant
bleibt, daß in Paganinis berühmtem „rotem Buch", das er immer bei
sich zu tragen pflegte und das genaueste Aufstellungen über Ein-
nahmen und Ausgaben enthielt, keine Notiz über jene 20 000
Francs zu finden ist. Wie nun diese geheimnisvolle Angelegenheit sich
in Wahrheit abgespielt hat, läßt sich nicht mehr ergründen, es bleibt
die Tatsache, daß Paganinis Name jetzt wieder ohne Makel glänzte
— und wieder eine neue Legende den Meister umgab.

29
Der große Geiger musizierte nur nodi
selten, und wenn er es tat, dann meist nur
in privatem Kreis, wie Berlioz berichtet:
„ . . . In seltenen Augenblicken des Wohl-
befindens ergriff er seine Geige, um, wie
es der Zufall gab, Trios oder Quartette
von Beethoven, die er glühend liebte, mit
einigen Genossen, die zugleich die einzigen
Zuhörer waren, vorzutragen. Ein anderes
Mal, wenn ihn das Violinspiel zu sehr er-
müdete, zog er eine allen unbekannte
Sammlung selbstverfaßter Duette für Vio-
line und Gitarre hervor, übernahm selbst
die Gitarrepartie und entlockte dem In-
strument unerhörte Wirkungen . . . "
Paganinis Gesundheitszustand verschlech-
terte sich — und jetzt fand der Mensch
Paganini die größte menschliche Genug-
tuung in seinem Leben. So wie er in zärt-
licher Liebe seinen Sohn aufgezogen, ihm
vielleicht als Einzigem sein Herz aufge-
schlossen hatte —, so dankte ihm nun
Achillino diese Liebe mit der treuesten Paganini
Hingabe und Pflege. Nicolö konnte nicht Silhouette von
mehr sprechen, oft wurde er von wütenden Albert Edouard
Schmerzen gepeinigt, aber Achille war immer da, der Junge lebte
nur für ihn. Der Vater wollte sogar eine Gespielin für Achille adop-
tieren — es kam nicht mehr dazu. Anfang 1839 reiste er nach Süd-
frankreich, immer voller Hoffnung auf Genesung. Jedoch weder die
klare Luft, noch Schwefelbäder und alle möglichen Medikamente be-
wirkten die Heilung. Der Herbst sah ihn wieder in seiner geliebten
Villa Gaiona, noch hatte er nicht alle Pläne begraben. Vor der Win-
terkälte floh er im Dezember nach Nizza, der letzten Station seiner
Lebensreise. Die Kehlkopfschwindsucht ließ ihn nicht mehr aus ih-
ren Krallen, sein Leiden wurde immer qualvoller, ständig hatte er
mit Atemnot zu kämpfen und empfand doch zugleich die Luft als zu
rauh, kaum konnte er noch Nahrung zu sich nehmen. Seit Anfang

30
Mai mußte er ständig liegen, und am Abend des 27. Mai 1840 er-
losch sein Leben — ein letztes Mal hatte er nach der neben ihm lie-
genden Geige gegriffen, bei ihrem Anblick soll er noch einmal ge-
lächelt haben, ehe er verschied.
Paganinis Reise aber war noch nicht zu Ende. Der im Leben un-
entwegt Gehetzte fand auch im Tode noch keine Ruhe, unerbittlich
hing dem toten Körper wahnwitziger Aberglaube und dämonischer
Wahn nach. Erneut flammte das gehässige Gerede von seiner gottes-
lästerlichen Beziehung zum Satan auf; Dummheit, Neid und Bosheit
triumphierten. Man verweigerte ihm die Bestattung in geweihter
Erde. Achille, der Alleinerbe des riesigen Vermögens, und Freunde
Paganinis verhandelten über drei Jahre, bis der Leichnam endlich
bei Genua in die Erde gesenkt werden durfte. Nach zwei weiteren
Jahren wurde Paganini nahe der Villa Gaiona in einem Dorffried-
hof beigesetzt. Abseits von den Zentren der Kunst mußten die Ver-
ehrer des Wundergeigers weit pilgern, um zu der Grabstätte des
Meisters zu gelangen. 1876 überführte man die sterbliche Hülle nach
Parma, aber erst zwanzig Jahre danach fand Paganini endgültig sei-
nen Platz in einem Ehrengrab auf dem neuen Friedhof zu Parma.
Der größte Geiger der Welt ist tot, aber noch lebt er in der Gegen-
wart als eine Gestalt, deren Wirklichkeit man kaum fassen kann.
Alle Lebensbeschreibungen und zeitgenössischen Berichte können
das Geheimnis dieses Hexenmeisters nicht bis ins Letzte ergründen.
Die Mischung südländischen Temperaments mit eiskalter Berech-
nung, glühender Liebe zur Musik mit naivem Egoismus, die Mei-
nung endlich von hohem Künstlertum mit der Neigung zu billiger
Effekthascherei — alles dies sind festzustellende Charaktereigentüm-
lichkeiten. Worin aber das wahrhaft Einmalige seines Virtuosentums
lag, diese Fähigkeit, zeitlebens ohne Rivalen zu bleiben, ja im ei-
gentlichen Sinne ohne Nachfolger bis auf den heutigen Tag, ferner
die Fähigkeit, Musiker wie das Publikum der Masse in gleicher
Weise in seinen Bann zu ziehen — das wird Geheimnis bleiben, das
Geheimnis des Genies Paganini.
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