Sie sind auf Seite 1von 2

Vorgeschichte Israels

1. Zur Historizität der Erzeltern

1. Albrecht Alt, Der Gott der Väter (1929)

Eigentümliche Gottesbezeichnungen der Genesis: Gott deines/meines/unseres Vaters


Abraham/Isaak/Jakob; Schrecken Isaaks und Starken Jaboks.

Aufgrund der Bindung des Gottes an die Einzelperson als Offenbarungsempfänger wird die
Historizität der Patriarchen vorausgesetzt.

Dagegen Matthias Köckert: die Texte widerspiegeln nicht wirklich nomadisches Milieu und der
Religionstyp kann viel eher religionssoziologisch als Ausdrck der Individual- oder
Familienfrömmigkeit erklärt werden. Damit ist weder die Herkunft der Tradition aus vorstaatlicher
Zeit sicherzustellen noch die Möglichkeit der Fiktion auszuschließen.

2. Die Personennamen

Auch wenn die Personennamen als Grupppenbezeichnungen verwandt worden und die Namen
westsemitisch belegt sind, ist nicht ausgeschlossen, dass es sich um fiktive Personen handelt,
die zu Eponymen gemacht wurden. Letzlich ist weder nachzuweisen noch auszuschließen, dass
es historische Personen mit Namen Abram, Sarai, Isaak, Rebekka, Jakob, Rahel, Lea usw.
gegeben hat. Ob diese dann auch hinter den Erzähltradtionen der Erzelternerzählungen stehen,
steht noch einmal auf einem anderen Blatt.

3. Völkerwanderungen in der Erzelternzeit?

Ethnische Massenbewegungen im 3./2. Jt. v. Chr?

Keine Völkerwanderungen in größerem Stil, sondern Veränderungen in den Siedlungsformen, d.


h. sozioökonomisch begründeter Wechsel zwischen städtischen und ländlichen Lebensformen;
Ein längerer Prozess der Umsiedlung einer Menschengruppe.

Damit entfallen die amoritische oder aramäische Wanderungsbewegung im 2. Jt. v. Chr. als
Hintergrund der Erzelternerzählungen.

Die Wanderungen der Erzeltern sind durch das überlieferungsgeschichtliche und literarische
Wachstum der Erzählungen zu Erzählkränzen bedingt, nicht durch tatsächliche oder historische
Wanderungen; Mitunter werden Tausende von Kilometern zurückgelegt, ohne dass hierfür ein
Grund ersichtlich ist. Das lässt weder auf reale (Völker-)Wanderungen schließen, noch sich aus
einer (halb-)nomadischen Existenz ableiten. Vielmehr scheint es umgekehrt zu sein: Wanderungen
sind als literarisches Mittel zu erachten, um einzelne Überlieferungen, die an bestimmten Orten
hängen, miteinander zu verbinden.

4. Ur in Chaldäa?

In Ur lebten erst seit dem 8. Jh. v. Chr. Aramäisch sprechende Chaldäer.

Gerar im Philisterland?

Ausgrabiungen haben ergeben, dass Gerar ein bedeutender Ort war - allerdings nur in der ersten Hälfte des 2.
Jahrtausends und dann im späten 8. und 7. Jh. v. Chr.

Die Philister jedoch haben die kanaanäische Küste um 1200 erreicht, zu einem Zeitpunkt, als Gerar keine Besiedlung
aufweist.

Die Kamele?

In den Erzählungen um Abraham (Gen 12,16) und Besonders in den Erzählungen um Rebekka und Isaak werden häufig
Kamele erwähnt. Das einhöckrige Kamel oder Dromedar als domestiziertes Last- und Jagdtier ist in Palästina erst nach
1000 v. Chr. über die Midianiter (=Ismaeliter) bekannt geworden. In den Erzelternerzählungen ist das Kamel ein
Statussymbol, um den Reichtum Jakobs (vgl. Gen 30,43; 32,8.16) und des Pharaos (Gen 12,16) zu veranschaulichen.
Dass der Pharao Kamele besessen habe, darf aber als unwahrscheinlich gelten, da Kamele weder in ägyptischen
Texten noch auf Bildern nachzuweisen sind; zudem gibt es kein ägyptisches Schriftzeichen für „Kamel“. Auch wenn das
Kamel bereits um 1000 bekant war, wurde es als wüstentaugliches Transpormittel jedoch erst intensiv im 8. bis 7. Jh. v.
Chr. im assyrischen Reich verwendet. Denn das Kamel ist das einzige Tier, das lange Wüstenstrecken ohne Wasser-
und Nahrungsaufnahme durchhalten kann. Damit war das Kamel die Voraussetzung für den weltweiten Handel mit
Luxusgüttern aus Südarabien. Von diesem Handel wird aber bereits in den Erzelternerzählungen z.B. in Gen 37,25
(„Harz, Balsam und Myrrhe“) berichtet. Der wirtschaftlich lukrative Karawanenhandel kann sich aber wegen des noch
nicht domestizierten Kamels nicht in der „Zeit Abrahams“, sondern erst im assyrischen Reich entwickelt haben. Die
Kamele und Kamelkarawanen der Erzelternerzählungen müssen somit aus viel späterer Zeit stammen.

5. ätiologische Elemente.