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Philosophische Fakultät

Lehrstuhl für Politikwissenschaft


Lehrstuhlinhaber: Herr Prof. Dr. Winand Gellner
Wintersemester 2018/2019

Anrechnung für:
Prüfungsnummer: 371210
Modulgruppe A: Kernmodule
Oberseminar Governance

Analyse des Autonomie- und Dezentralisierungsprozesses im


Plurinationalen Staat Bolivien anhand der Governance-Theorien

vorgelegt im Rahmen des Oberseminars:


Governance
Dozent: Dr. Michael Weigl

Verfasser: Sergio Canedo Glasinovich


Matrikelnummer: 87802

Kontakt:
Franz-Stockbauer-Weg 23a
94032 Passau
canedoglasinovicsergio@gmail.com

Angaben zum Studium:


Studiengang: Staatswissenschaft, M.A.
Fachsemester: 1
Inhaltsangabe

1. Einleitung .............................................................................................................................................. 1
2. Theorien der Governance ...................................................................................................................... 2
2.1 Systemtheorie ................................................................................................................................ 2
2.2 Mehrebenen-Governance .............................................................................................................. 5
2.3 Ansätze für Multilevel-Governance .............................................................................................. 6
2.4 Problemlösung, Koordination, Lernen .......................................................................................... 7
2.5 Metagovernance ............................................................................................................................ 9
2.6 Annäherungsversuche ................................................................................................................. 10
2.7 Der Bedarf an strategischen und kooperativen Kompetenzen .................................................... 13
3. Fallstudie: Bolivien ............................................................................................................................. 14
3.1 Staatsstruktur............................................................................................................................... 14
3.2 Autonomie................................................................................................................................... 16
3.3 Arten der Autonomie in Bolivien................................................................................................ 16
3.3.1 Politische Konstituierung des Staates vom 07. Februar 2009 ............................................. 16
3.3.2 Gesetz N° 031 Rahmen der Autonomien und der Dezentralisierung der Verwaltung ........ 18
3.4 Arten von Kompetenzen gemäß der politischen Verfassung des bolivianischen Staates. .......... 19
4. Schlussfolgerungen ............................................................................................................................. 20
Bibliographie............................................................................................................................................... 23
Erklärung der wissenschaftlichen Redlichkeit ............................................................................................ 25
1. Einleitung
In der heutigen modernen Welt, mit einer beginnenden Globalisierung und der Schaffung neuer
Regierungsformen und Theorien in verschiedenen Bereichen, wie der Wissenschaft des Regierens,
haben die Länder die Notwendigkeit erkannt, sich anzupassen, um sich zu verändern oder von ihr
absorbiert zu werden, wie die Europäische Union mit ihrem supranationalen Modell. Deshalb
haben sich viele Länder entschlossen, die Art und Weise, wie sie sich diesen Herausforderungen
der "modernen Welt" stellen, zu ändern. Einer von ihnen ist Bolivien, das seit 2009 beschlossen
hat, das zentralistische Staatsmodell, das seit der Staatsgründung 1825 angewandt wurde, in ein
autonomes und dezentrales Modell mit einer Vielzahl von Akteuren zu ändern, die sowohl
konsolidiert als auch in der Zivilgesellschaft entstanden sind.

Die Analyse, die in dieser Arbeit durchgeführt wird, lautet: "Die Verwendung von Governance-
Theorien im Autonomie- und Dezentralisierungsprozess im Plurinationalstaat Bolivien". Unsere
Analysefrage lautet: Welche Struktur verwendet der bolivianische Staat im Prozess der
Dezentralisierung?

Es besteht die Notwendigkeit, diesen Prozess tiefer zu erforschen, nicht nur um die seit 2009
unternommenen Schritte zu bewerten, sondern auch um jene Probleme zu lösen, die in dem
Prozess der Dezentralisierung auftreten.

Die Literatur zum Thema Governance ist relativ neu, aber das bedeutet nicht, dass es in dieser
Wissenschaft keine bemerkenswerten Exponenten gibt, zu nennen sind insbesondere Mark Bevir,
Bob Jessop und Eva Sorensen als einige der bekanntesten Exponenten auf diesem Gebiet, die in
der vorliegenden Arbeit verwendet werden.

Leider gibt es in der bolivianischen Fallstudie noch keine Forschungsliteratur zu diesem Thema,
weshalb sich die Analyse auf die politische Verfassung des Plurinationalen Staates Bolivien und
die zu diesem Thema erlassenen Gesetze stützen wird.

Im ersten Teil der Forschung werden die Governance-Theorien behandelt, die Systemtheorie
wurde dabei als Grundlage für die Arbeit genommen, wobei alle verschiedenen Systeme, die Teil
der Struktur des bolivianischen Staates sind, nach der Analyse mit Multilevel-Governace als
grundlegendes Instrument im Prozess der Dezentralisierung des bolivianischen Staates und der
Umwandlung eines zentralistischen Staates in einen autonomen Staat, wobei die verschiedenen

1
Akteure, die Teil dieses Prozesses sind, in einer hierarchischen Weise in den verschiedenen
Organisationsebenen des bolivianischen Staates geteilt wurden. Schließlich wird Metagovernance
als Instrument zur möglichen Lösung der durch diesen Veränderungsprozess im bolivianischen
Staat verursachten Regierungsprobleme eingesetzt.

Dann erfolgt die konkrete Fallstudie, darüber, wie die Regierungsstruktur des Plurinationalstaates
Bolivien aus verfassungsrechtlicher Sicht angepasst wird, wobei auf die verschiedenen Gesetze
zurückgegriffen wird, die nach der Annahme und Vergesellschaftung des Verfassungstextes
erlassen wurden. Der Schwerpunkt liegt auf dem autonomen Prozess und den verschiedenen
Abteilungen und mehreren Organisationsebenen, die als Ergebnis dieses neuen Staatsmodells
entstanden sind.

2. Theorien der Governance


2.1 Systemtheorie
Die Kombination der Wörter Systeme und Theorie liefert buchstäblich die Idee einer Theorie als
ein interdisziplinäres Wissenschaftsgebiet, das die Natur komplexer Systeme in Natur,
Gesellschaft und Wissenschaft untersucht und komplexe Teile der Realität als Systeme darstellt.
Das Konzept der "Systeme" ermöglicht die empirische und vergleichende Untersuchung auch
jener politischen Institutionen neben dem Staat, sodass auch das internationale politische System,
Städte, politische Parteien oder andere Einheiten betrachtet werden können. Somit ist die
Systemtheorie eine Möglichkeit, immer komplexere Systeme durch ein Kontinuum zu entwickeln,
das den Menschen in der Umwelt umfasst.1

Die Systemtheorie spezifiziert keine bestimmten theoretischen Rahmen für das Verständnis von
Problemen und lenkt den Fokus nicht auf spezifische Interventionsstrategien, sondern dient als
organisatorischer konzeptioneller Rahmen oder Metatheorie für das Verständnis.2 Damit bildet die
Systemtheorie gewissermaßen die Grundlage für jedes weitere theoretische Verständnis, indem es
in klarer und prägnanter Weise auch eine Staatsstruktur mit einer Vielzahl von eigenen Systemen,
die miteinander verschmelzen, darstellen kann.

Verwurzelt in der Systemtheorie von Von Bertalanffy und der ökologischen Umwelt von
Bronfenbrenner, bietet die Ökosystemperspektive einen Rahmen, der es den Nutzern ermöglicht,

1
Anderson, R. E., Carter, I., & Lowe, G. R. Menschliches Verhalten im sozialen Umfeld. 1999.
2
Meyer, C. H. Klinische Sozialarbeit aus der Perspektive der Ökosysteme. 1983.

2
sich auf Theorien aus verschiedenen Disziplinen zu verlassen, um die komplexe Natur
menschlicher Interaktionen in einem sozialen Umfeld zu analysieren.3 Die Einführung der
Systemtheorie von Bertalanffy änderte diesen Rahmen, indem sie das System als Ganzes mit
seinen Beziehungen und Wechselwirkungen mit anderen Systemen als einen Mechanismus des
Wachstums und der Veränderung betrachtete.4 Das Hauptziel der Biowissenschaften war die
Entdeckung von organisatorischen Eigenschaften, die auf Organismen auf verschiedenen Ebenen
zur Analyse angewendet werden können. Dies führte zu der Grundannahme, dass „the whole is
more than the sum of its parts“.5

Der wichtige Unterschied zwischen den verschiedenen Bereichen, die diese Prinzipien
übernommen haben, war, wie sie mit anderen Theorien die Interaktion innerhalb des Organismus
erklären. Daher ist die Systemtheorie eine Organisationstheorie, die die Wechselwirkungen
zwischen den Systemen untersucht. “The way in which a field defines the system determines the
type of interaction”.6. Durkheim erklärte etwa, dass in hochgradig organisierten Systemen die
Arbeitsteilung zum Erhalt der Gesellschaften beiträgt.

„In highly organized systems, the division of labor contributes to the maintenance of
societies. In complex societies, individuals perform various roles that, while they lead to
specialization and segmentation, also create a high degree of mutual interdependence
between units. Although the individuals performing them will change, these roles persist
over time and maintain a society.“7

Talcott Parsons wiederum erweiterte die Arbeit um die Ausarbeitung der spezifischen Funktionen
von Sozialsystemen. Mit anderen Worten, ein bestimmendes Merkmal eines Sozialsystems ist
seine Funktion im weiteren gesellschaftlichen Umfeld.8 Dabei beschrieb er vier funktionale
Zustände von Sozialsystemen: (1) Anpassung (an das äußere Umfeld), (2) Zielerreichung oder
Wachstum, (3) Integration (mit anderen Sozialsystemen) und (4) Latenz (Homöostase) oder
Aufrechterhaltung von Mustern (Erhaltung von interaktiven Mustern und Bräuchen durch

3
VGL. Systemtheorie, BRUCE D. FRIEDMAN und KAREN NEUMAN ALLEN, S. 3.
4
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S. 4.
5
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S. 4.
6
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S. 4.
7
Durkheim, É. Die Arbeitsteilung in der Gesellschaft. 1984.
8
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S. 6.

3
Sozialisierungsprozesse), wobei sich diese Zustände sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern
integriert sind.9

Alle Sozialsysteme erhalten Informationen aus der Umwelt, nehmen an Prozessen teil und
generieren Ergebnisse. Soziale Systeme haben neben der Struktur auch bestimmte Funktionen10.
So ist die Familie ist ein wesentliches Sozialsystem mit der Funktion, ihre Mitglieder zu
sozialisieren und zu pflegen.

“Family systems theory looks at the dynamic processes of a family and intervenes
to correct or adjust maladaptive processes or structures.”11

Ein wesentlicher Prozess für eine Familie, aber auch für andere soziale Systeme, ist die
Kommunikation. So ist es eine wesentliche Aufgabe, die Kommunikation zu erleichtern und zu
verdeutlichen.12

Alle Systeme interagieren mit der Umgebung als Ursachen und Auswirkungen einer gegebenen
Situation und es ist wichtig, die dynamische Natur dieser Interaktion vollständig zu verstehen. 13
Jedes System ist eine Einheit der Totalität mit einer anderen Systemeigenschaft oder strukturellen
Einschränkung, die es von anderen Systemen abgrenzt.

A system is defined as “an organized whole made up of components that interact


in a way distinct from their interaction with other entities and which endures over
some period of time”.14

Der Informationsaustausch zwischen dem System und seiner Umgebung wird durch einen Prozess
geregelt, der als Bewertungsmethode bezeichnet wird, um festzustellen, ob die Ergebnisse des
Systems mit den wahrgenommenen (objektiven) Ergebnissen übereinstimmen, die das System
selbst ermittelt hat.15 Zusätzlich zu dieser internen Rückmeldung verfügt das System auch über ein
Verfahren zur Messung von Reaktionen aus der externen Umgebung. In beiden Situationen, wenn

9
VGL. Parsons, Talcot,. Das Sozialsystem. . 1951. S. 8-9.
10
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S.7.
11
Bowen, M. Family therapy in clinical practice. 1978.
12
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S.7.
13
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S.8.
14
Anderson, R. E., Carter, I., & Lowe, G. R. Menschliches Verhalten im sozialen Umfeld. 1999.
15
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S.8.

4
das System eine Abweichung zwischen Output und Ergebnis wahrnimmt, kann es den Prozess
ändern, indem es das Niveau der Inputs variiert.16

Das Konzept der Governance als System verdeutlicht die Grenzen der staatlichen Governance. Es
bedeutet, dass es keine einheitliche souveräne Behörde gibt. Auf der anderen Seite gibt es ein
selbstorganisiertes System, das sich aus voneinander abhängigen Akteuren und Institutionen
zusammensetzt. Systemtheoretiker unterscheiden hier oft zwischen "govern"17, also
zielorientierten Interventionen, und "govern", dem Gesamteffekt von steuernden Interventionen
und Interaktionen. Unter diesem Gesichtspunkt ist Governance ein selbstorganisiertes System, das
sich aus den Aktivitäten und dem Austausch von Akteuren und Institutionen ergibt.

Das Konzept ist nützlich für die Untersuchung von Veränderungen wie Transformation, Feedback,
Austausch, Spannung, Konflikt und Entwicklung. Es ist eine "Wissenschaft der Totalität", die
ontologische Haltung, die in dieser vagen Charakterisierung implizit darin besteht, dass das Ganze
eine Ebene der Realität an sich darstellt, die Merkmale aufweist, die auf der Ebene der einzelnen
Teile oder der Summe dieser Teile nicht identifiziert werden können.

2.2 Mehrebenen-Governance
Mehrebenen-Governance (auch Multilevel-Governance) wurde verwendet, um einen
vereinfachten Begriff von einer pluralistischen und stark verstreuten Politikgestaltung zu
vermitteln, an der mehrere Akteure (Einzelpersonen und Institutionen) auf verschiedenen
politischen Ebenen, von der supranationalen bis zur subnationalen oder lokalen Ebene, beteiligt
sind. Es impliziert räumliche Unterscheidungen und geografische Trennung, aber gleichzeitig ist
sein wichtigstes Merkmal die Verbindung zwischen den Ebenen. Multilevel-Governance
beschreibt Engagement und Einfluss in einem System, in dem keine Aktivitätsebene überlegen ist
und damit gegenseitige Abhängigkeiten durch die Verflechtung von politischen Aktivitäten
bestehen.18 In Anerkennung der "wachsenden Bedeutung subnationaler Entscheidungsebenen und
ihrer vielfältigen Verbindungen zu anderen Ebenen" schlug er die Entstehung einer Multi-Level-
Governance vor - "ein System kontinuierlicher Verhandlungen zwischen Regierungen, die auf

16
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S.8.
17
VGL. Systemtheorie, Bruce D. Friedman und Karen Neuman Allen, S.9-10.
18
VGL. Stephenson, Paul. Zwanzig Jahre Multi-Level-Governance: "Woher kommt sie? Was ist es? Where Is It Going? s. 817.

5
verschiedenen territorialen Ebenen verschachtelt sind", als Ergebnis "eines langfristigen
Entscheidungsprozesses.19

2.3 Ansätze für Multilevel-Governance


Es lässt sich feststellen, dass der Einsatz von Multilevel-Governance in den verschiedenen
Regierungsbereichen, die Teil des Systems ‚Staat‘ sind, vorhanden ist. Diese sind in vielen Fällen
bereits auf verschiedenen Ebenen dezentralisiert, nicht durch die Arbeit des Staates, sondern durch
ihre eigene Geschichte. Anhand der Systemtheorie als Grundlage lässt sich die direkte Beziehung
zwischen dieser und Multilevel-Governance für eine korrekte Staatsverwaltung nachweisen.

“A system of continuous negotiation among nested governments at several


territorial tiers’ as a result of ‘a broad process of institutional creation and
decisional reallocation that had pulled some previously centralized functions of the
state”.20

Das Prinzip der Governance lässt sich aus zwei Perspektiven betrachten. Die erste spiegelt den
vereinfachten Charakter der staatlichen Kontrolle und der Ausübung von Autorität in einem
einheitlichen Staat wider, während die zweite das geschichtete System koexistierender
Autoritätsebenen, ein komplexes Modell transnationaler institutioneller, öffentlicher und privater
Beziehungen mit überlappenden Kompetenzen, ausdrückt.21 Es handelt sich um eine Vereinbarung
zur verbindlichen Beschlussfassung, die private und öffentliche Akteure verschiedener Ebenen der
territorialen Aggregation in eine mehr oder weniger kontinuierliche Verhandlung, Beratung oder
Umsetzung einbezieht und keine ausschließliche politische Zuständigkeit zuweist oder eine stabile
Hierarchie der politischen Autorität auf einer dieser Ebenen bekräftigt.22

“Coordinated action by the supranational institutions with national, regional, and


local authorities, based on partnership and aimed at drawing up and implementing
EU policies”.23

Multilevel-Governance wurde ursprünglich im Hinblick auf den funktionalen Druck der


Regionalisierung untersucht, um die Politik zu berücksichtigen, d.h. Mechanismen zu schaffen,

19
VGL. Zwanzig Jahre Multi-Level-Governance: "Woher kommt sie? Was ist es? Wohin geht es? Paul Stephenson s. 818.
20
Marks, G. (1993) ‘Structural policy and multi-level governance in the EC, pp. 392.
21
Hooghe, L. und Marks, G. 'Den Zentralstaat auflösen, aber wie? Arten der Multi-Level-Governance' 2003. 235–236.
22
Schmitter, P. und Kim, S. "Die Erfahrungen mit der europäischen Integration und das Potenzial für die Integration in Nordostasien". 2005. s. 5
23
Warleigh, A. The Committee of the Regions: Institutionalising Multi-level Governance? 1999.

6
die den Zugang zu regionalen Interessen und deren aktive Teilnahme am politischen Prozess
ermöglichen. Drei Lösungen für das "Exklusions- und Inklusionsdilemma" für mehrstufige
Akteure waren: hierarchische Sequenzierung, flexible Assoziation/Dissoziation und flexible
Kopplung.24 Der Fokus auf die Koordinierung und Partnerschaft in verschiedenen Phasen des
politischen Entscheidungsprozesses, einschließlich der (Neu-)Formulierung und Umsetzung,
umfasst pluralistische Interaktionen, die Vereinigung verschiedener institutioneller Ebenen zur
"Steuerung", sei es auf funktionaler oder administrativer Ebene.25

In mehreren Erweiterungsrunden verlagerten sich die wissenschaftlichen Analysen des Multilevel-


Governance von den alten auf die neuen Mitgliedstaaten Ost- und Südosteuropas. Dennoch zeigten
die Länderfallstudien, dass die zentrale Kontrolle gegen divergierende subnationale Praktiken
fortbesteht. Regionalisierungsprozesse führten zu einer Differenzierung, die zu einer Vielzahl von
staatlichen Verwaltungskapazitäten in allen Ländern führte.26

2.4 Problemlösung, Koordination, Lernen


In einem frühen Stadium des Mutlilevel-Governance untersuchte Scharpf27 seine
Problemlösungsfähigkeit und argumentierte, dass seine Wirksamkeit auf verschiedenen
Regierungsebenen von Politikbereich zu Politikbereich unterschiedlich sei. Es wurden nationale
und europäische Kapazitätsengpässe in einer Reihe von Politikbereichen festgestellt und eine
zweidimensionale Konzeption der Problemlösungskapazitäten auf verschiedenen Ebenen
angeboten: ein Übergang von Verhandlungen zu positiven Summenspielen.

In der Folge wurde ein Wandel von der Kontrolle der nationalen Politik hin zur Koordinierung auf
europäischer Ebene in den Bereichen Verkehr, Telekommunikation und Energieinfrastrukturen
beobachtet. Conzelmann28 untersuchte die Auswirkungen nicht regulierender Politiken auf der
Ebene der Mitgliedstaaten im sich wandelnden Kontext der Regionalpolitik und stellte fest, wie
ein mehrstufiger Konsens über politische Lösungen Konflikte reduzierte. Andere untersuchten das
Lernen im Rahmen der Multilevel-Governance-Richtlinien.29

24
VGL. Zwanzig Jahre Multi-Level-Governance: "Woher kommt sie? Was ist es? Wohin geht es? Paul Stephenson s. 821.
25
VGL. Zwanzig Jahre Multi-Level-Governance: "Woher kommt sie? Was ist es? Wohin geht es? Paul Stephenson s. 822.
26
VGL. Stephenson, Paul. Zwanzig Jahre Multi-Level-Governance: "Woher kommt sie? Was ist es? Where Is It Going? s. 822. / Benz, A. und
Eberlein, B. "Die Europäisierung der Regionalpolitik: Muster der Multi-Level-Governance", Journal of European Public Policy. 1999. s. 329–48.
27
Scharpf, F. "Einführung: Die Problemlösungsfähigkeit von Multi-Level-Governance", 1997. S. 522-523.
28
Conzelmann, T. "Eine neue Regierungsform? Multi-Level-Governance zwischen Kooperation und Konflikt', 2008. s. 12-13.
29
Paraskevopoulos, C. (2001) "Social Capital, Learning and EU regional policy networks: evidence from Greece", 2001. S. 257.

7
Die Notwendigkeit der Dezentralisierung und der Arbeitsordnung zwischen den verschiedenen
Ebenen ist unter Berücksichtigung der Notwendigkeit der Hierarchie deutlich zu erkennen, denn
obwohl es verschiedene Ebenen gibt, brauchen diese kleinen oder großen Systeme eine Hierarchie
und eine Aufbauorganisation. Es stellt daher eine intrinsische Notwendigkeit für den Multilevel-
Governance dar, die Lösung von Konflikten in der Regierung zu erleichtern.

Schout30 konzentrierte sich auf die Unterschiede zwischen den Ebenen der Governance, den
politischen Instrumenten und der Art der Organisation und fragte, wie die Instrumente im
Mehrebenensystem der EU konzipiert und eingesetzt wurden: Im Zentrum stand die Frage, ob der
sogenannte „turn of governance“ seine Versprechen erfüllt hatte, eine bessere Lösung der
Probleme zu ermöglichen. Um dies zu beantworten, war es notwendig, die soziologischen Aspekte
der Richtlinien - Strukturen, Prozesse und Verfahren - sowie die Führung zu berücksichtigen.
Dabei lässt sich der hierarchische institutionellen Bedarf in den Prozessen verdeutlichen.
Gleichzeitig werden Strukturen unter Einbeziehung der verschiedenen Systeme, die zu ihnen
gehören, aufgebaut, ohne die Aufteilung der Ebenen in der aktuellen Governance zu vergessen.

Egan31 stellte fest, dass aufgrund des Wachstums transnationaler Netzwerke das politische Lernen
an mehreren Orten stattfindet; Zusammenarbeit und Interaktion fördern den Austausch von Ideen,
technischem Wissen und Informationen sowie die Förderung von Normen und Werten. Er verwies
auf transnationale Kooperationsnetzwerke auf internationaler Ebene, die ihre Nachbarn imitierten.
Tatsächlich förderte Multilevel-Governance Experimente, um politische und finanzielle
‚Stagnationen‘ zu überwinden, indem man sich externen Ideen aussetzte, die das Verständnis von
Eigennutz verändern könnten.32

Indem Multilevel-Governance mit ‚Network Governance‘ in Einklang gebracht wurde,33 wurde


die Politikgestaltung als ein Prozess betrachtet, der selbstorganisierte, mehrstufige Akteure
einbezieht - ein Zeichen für einen Wandel weg von der hierarchischen Richtung hin zu
kommunikationsbasierten Instrumenten.

Dabei muss die Bedeutung der Hierarchie im Umgang mit den Strukturen berücksichtigt werden,
um ein besseres Gleichgewicht zwischen unseren verschiedenen Ebenen zu erreichen. So handelt

30
Schout, A.'Organisatorisches Lernen im Multi-Level-Governance-System der EU', 2009. S.1129-1130.
31
Egan, M. "Governance und Lernen in der Zeit nach Maastricht?", 2009. S. 1248.
32
Zito, A. und Schout, A.'Lerntheorie überdacht: EU-Integrationstheorien und Lernen", 2009. S. 1115.
33
Jordanien, A. und Schout, A. Die Koordination der Europäischen Union: Exploring the Capacities of Networked Governance, 2006.

8
es sich um selbstorganisierte Akteure mit eigenen Strukturen, die jetzt Teil eines noch größeren
Systems mit konkreteren und definierten Ebenen sind.

2.5 Metagovernance
Während Governance ein vertrauter, aber diffuser Begriff mit einer langen Geschichte ist, ist das
Konzept von Metagovernance neuer und etwas fokussierter. Es wurde Mitte der 90er Jahre von
mehreren westeuropäischen Wissenschaftlern, die sich mit Problemen der Governance-
Komplexität, Governance und des Governance-Versagens befassen, unabhängig eingeführt und
seither in verschiedene theoretische und politische Paradigmen integriert.34

Der Begriff der Metagovernance geht über die der Regierungsfähigkeit hinaus. Dabei hängt er mit
der wachsenden Wahrnehmung der Probleme zusammen, die durch eine Kombination aus Staat
und Marktversagen und/oder durch eine Abnahme des sozialen Zusammenhalts in
fortgeschrittenen kapitalistischen Gesellschaften entstanden sind.35 Dies spiegelt sich in Begriffen
wie Regierungsüberlastung, Legitimationskrise, Orientierungskrise und Unregierbarkeit wider. Es
weckte gleichzeitig ein theoretisches und praktisches Interesse am Potenzial der Koordination
durch selbstorganisierte hierarchische Netzwerke und Assoziationen und andere Formen der
reflektierenden Zusammenarbeit. Governance-Netzwerke scheinen sich auf allen Ebenen sowie
innerhalb und zwischen den meisten Politikbereichen zu entwickeln. Daher wird die horizontale
Interaktion zwischen öffentlichen und privaten politischen Akteuren genutzt.

Metagovernance bezieht sich auf Governance höherer Ordnung, die über die konkreten Formen
der Governance hinausgeht, durch die das soziale und wirtschaftliche Leben konfiguriert, reguliert
und verändert wird.36

Wenn Governance also als formaler und informeller Prozess definiert ist, durch den eine Vielzahl
von Akteuren eine Vielzahl von sozialen, politischen und wirtschaftlichen Praktiken gemäß
einigen vordefinierten Zielen regulieren, kann Metagovernance allgemein als ‚Governance of
Governance‘ definiert werden.37 Metagovernance ist somit ein reflektierender und
reaktionsschneller Prozess, durch den Akteure versuchen, bestimmte Formen der Governance nach

34
VLG. Jessop, Bob. Metagovernance Januar 2011 s.1.
35
VLG. Jessop, Bob. Metagovernance Januar 2011 s.1-2.
36
VGL. Sørensen, Eva und Torfing, Jacob. Governance-Netzwerke effektiv gestalten und Demokratisch durch Metagovernance. S. 234 -235.
37
VGL. Sørensen, Eva und Torfing, Jacob. Governance-Netzwerke effektiv gestalten und Demokratisch durch Metagovernance. S. 245.

9
spezifischen Regeln, Verfahren und Standards zu kombinieren, zu erleichtern, zu gestalten und zu
lenken,38 die die hegemoniale Vorstellung davon verkörpern, was ‚Good Governance‘ bedeutet.

2.6 Annäherungsversuche
Die Metagovernance lässt sich als die Organisation der Selbstorganisation, die Regulierung der
Selbstregulierung, die Richtung der Selbstverwaltung, die Strukturierung der Interaktion innerhalb
von Governance-Netzwerken, und die Interaktion zwischen den Akteuren zu beeinflussen
Veränderungen in der Parameter des Systems im Allgemeinen definieren:

“Metagovernance is exercised not only by state actors but also by various networks
of public and private actors and a whole range of supranational, regional, and local
levels in the formal political system. In fact, metagovernance can potentially be
exercised by any resourceful actor – public or private. All it takes is resources and
a desire to influence activities performed by self-governing actors” " 39

Governance bezieht sich auf die Strukturen und Praktiken der Koordination sozialer Beziehungen,
die durch komplexe und wechselseitige Interdependenz gekennzeichnet sind; und Meta-
Governance wiederum auf die Koordination dieser Strukturen und Praktiken.40

Einige der ersten zeitgenössischen Überlegungen zur Metagovernance entstanden in der Arbeit
über die Herausforderungen, den Betrieb von relativ geschlossenen und selbstorganisierten
Systemen zu lenken und interdependente Systeme des kooperativen Verhaltens zu koordinieren41.

Unter Berücksichtigung der Fallstudie in der vorliegenden Arbeit ist notwendig, die Analyse vom
Ausgangspunkt der Systemtheorie aus zu erarbeiten, sodann auf Multilevel-Govnernance
einzugehen, um die Fallstudie schließlich mit Metagovernance unter Einbeziehung der bisherigen
Theorien analysieren und so eine konkrete Analyse dieser bereits etablierten spezifischen Systeme
mit ihren eigenen Hierarchien durchführen zu können, die in die verschiedenen
Organisationsebenen und Strukturen des bolivianischen Staates unterteilt sind.

38
VGL. Sørensen, Eva und Torfing, Jacob. Governance-Netzwerke effektiv gestalten und Demokratisch durch Metagovernance. S. 245 - 246.
39
Sørensen, Eva. Metagovernance: The Changing Role of Politicians in Processes of Democratic Governance 2006, 103.
40
VLG. Jessop, Bob. Metagovernance Januar 2011 s.2-3.
41
VLG. Jessop, Bob. Metagovernance Januar 2011 s.4.

10
Angesichts der Tendenz, dass die Governance erster Ordnung scheitert, sei es aufgrund
mangelnder Governance-Kapazität oder der inhärenten Unregierbarkeit der Governance-Objekte,
besteht die Vermutung, dass Metagovernance und Kalibrierung auch anfällig für Versagen sind.42

Hier lassen sich die hierarchische Notwendigkeit und die umfassende Beteiligung des
Metagovernors zur Vermeidung dieses so genannten ‚Scheiterns‘ beobachten, wenn man die damit
verbundene Fähigkeit der Governance, die verschiedenen Akteure, die Teil dieses Systems sind,
betrachtet, die Verteilung der Kapazitäten unter den Akteuren und die Rolle jedes einzelnen von
ihnen mit den Verantwortlichkeiten, die diese Rollen mit sich bringen, um die verschiedenen
auftretenden Schwierigkeiten lösen zu können, die immer mit direkter Kommunikation und mit
der Vielfalt der Akteure arbeiten.

Diese Vermutung ist am plausibelsten, wenn die relevanten Objekte von Governance und
Metagovernance kompliziert, miteinander verbunden und vielleicht intern oder gegensätzlich sind,
und wenn jeder Eindruck von Governance und Metagovernance bisher wirksam ist, davon
abhängig ist, bestimmte Governance-Probleme an andere Orte zu verlagern und/oder sie in eine
mehr oder weniger ferne Zukunft zu verschieben.43

Die Analyse des Scheiterns der Regierungsführung, die allgemein unter dem Gesichtspunkt der
politischen Auswirkungen betrachtet wird, schlägt drei Prinzipien für Metagovernance-Praktiken
vor:

(1) Deliberate cultivation of a flexible repertoire (requisite variety) of responses.


This involves recognition that complexity excludes simple governance solutions
and that effective governance often requires a combination of mechanisms
oriented to different scales, different temporal horizons, etc., that are
appropriate to the object to be governed. In this way strategies and tactics can
be combined and rebalanced to reduce the likelihood of governance failure in
the face of turbulence in the policy environment and changing policy risks.

(2) A reflexive orientation about what would be an acceptable policy outcome in


the case of incomplete success, to compare the effects of failure/inadequacies

42
VLG. Jessop, Bob. Metagovernance Januar 2011 s.16.
43
VLG. Jessop, Bob. Metagovernance Januar 2011 s.16.

11
in the market, government, and governance, and regular re-assessment of the
extent to which current actions are producing desired outcomes.

(3) Self-reflexive 'irony' such that the participants in governance recognize the
likelihood of failure but then continue as if success were possible. The supreme
irony in this context is that the need for irony holds not only for individual
attempts at governance using individual governance mechanisms but also for
metagovernance using appropriate metagovernance mechanisms.44

Die größte Herausforderung für meta-öffentliche Regierende besteht darin, zu vermeiden,


Governance-Netzwerke so zu regulieren, dass ihre Fähigkeit zur Selbstregulierung verloren geht.
Anstatt netzbasierte Politikprozesse direkt zu steuern, indem Regeln und Mandate erlassen und
sanktioniert werden, sollten die Behörden politische Befugnisse und Entscheidungsbefugnisse an
Governance-Netzwerke delegieren.

Gleichzeitig müssen sie diese Netzwerke durch eine Reihe von teils subtilen und indirekten
Formen der Governance regulieren und versuchen, das freie Handeln der Netzwerkakteure nach
einer Reihe von allgemeinen Geschäftsordnungen und wesentlichen Zielen zu gestalten, die vom
Metagovernor definiert wurden.

„Metagovernance involves the regulation of self-regulation through a combination


of ‘ technologies of agency ’ , creating a plurality of free, empowered and
responsible actors and ‘ technologies of performance ’ shaping the conditions for
the exercise of free action within complex networks.“45

Gewählte Politiker und öffentliche Manager können verschiedene Instrumente nutzen, um


Governance-Netzwerke zu verwalten:

1. Network design that aims to influence the scope, character, composition and
institutional procedures of the networks;

44
Jessop, Bob. Metagovernance January 2011 s.16.
45
Dean, M . 1999 . Gouvernementalität: Macht und Herrschaft in der modernen Gesellschaft . 1999, S. 167.

12
2. Network framing that seeks to determine the political goals, fiscal conditions,
legal basis and discursive story-line of the networks;
3. Network management that attempts to reduce tensions, resolve conflicts,
empower particular actors and lower the transaction costs in networks by
providing different kinds of material and immaterial inputs and resources;
4. Network participation that endeavors to influence the policy agenda, the range
of feasible options, the premises for decision making and the negotiated policy
outputs.”46

Metagovernance umfasst einen komplexen Satz von mehr oder weniger reflexiven sozialen
Praktiken im Zusammenhang mit der Steuerung sozialer Beziehungen, die durch eine komplexe
und wechselseitige Interdependenz gekennzeichnet sind. Das Interesse an diesem Thema ist mit
der Erkenntnis gewachsen, dass selbst unter den stärksten Befürwortern die Grenzen der
Heterarchie (Selbstorganisation) als Lösung für das Scheitern anderer Formen der Governance
erkannt wurden.

2.7 Der Bedarf an strategischen und kooperativen Kompetenzen


Metagovernance kann genauso scheitern wie Governance-Netzwerke. Die Metagovernance-
Strategien von Politikern und öffentlichen Managern stoßen oft auf starken Widerstand von
Netzwerkakteuren, die daran interessiert sind, die „begrenzte Autonomie“47 des Governance-
Netzwerks zu schützen.

1. The relevant political authorities and public agencies must assign responsibility
for the strategic governance of particular networks to the politicians and public
managers who are directly or indirectly involved in the networked governance
processes and, therefore, have the required knowledge of the organizational and
political landscape to act as metagovernors.
2. The public metagovernors must have sufficient understanding of how
governance networks can contribute to effective and democratic governance, and

46
Sørensen, Eva und Torfing, Jacob. Governance-Netzwerke effektiv und demokratisch durch Metagovernance gestalten. S. 246-247.
47
VLG. Sørensen, Eva und Torfing, Jacob. Governance-Netzwerke effektiv und demokratisch durch Metagovernance gestalten. S.253-254.

13
they must know how their form and functioning can be influenced through a
negotiated deployment of different metagovernance tools.
3. The public metagovernors must possess a range of strategic and collaborative
competences in order to craft, execute and revise their metagovernance strategies
in a context-sensitive manner...48

Die Rolle des Staates bei den Governance-Vereinbarungen wird untersucht, indem die Rolle der
Regierungen und staatlichen Stellen bei der Festlegung und Verwaltung von Governance-
Vereinbarungen näher analysiert wird.

Diese Rolle der Governance wird als Meta-Governance bezeichnet. Dabei geht es um wichtige
gestalterische und strategische Überlegungen sowie um wichtige normative Elemente, denn die
Regierungen sind weiterhin dafür verantwortlich, dass die Governance-Vereinbarungen wirksam,
rechenschaftspflichtig, legitim und demokratisch sind.

3. Fallstudie: Bolivien
Staaten und Regierungen sind immer weniger zentral für die Governance geworden oder wurden
„dezentralisiert“49. Das Argument stützt sich auf zwei Aspekte. Der erste ist, dass Regierungen
einen Großteil ihrer Befugnisse auf Marktteilnehmer oder politische Netzwerke übertragen haben.
Zweitens haben die Regierungen an Macht oder Autorität verloren und können die Aktivitäten der
Vielzahl von Akteuren, die derzeit an Governance-Prozessen beteiligt sind, nicht mehr effektiv
koordinieren oder steuern. Es wird daher argumentiert, dass die zentrale Regierungsbehörde
kompromittiert wurde.

Der Bolivianische Staat besteht aus einem sehr heterogenen Netzwerk von Organisationen, und
die Kontrolle dieser immer vielfältigeren Gruppe von Organisationen und Verbänden, von denen
viele über ein hohes Maß an Autonomie gegenüber gewählten Politikern und Gesetzgebern
verfügen, bleibt die größte Herausforderung moderner Governance.

3.1 Staatsstruktur

Artikel 1: Bolivien ist als einheitlicher Sozialstaat des plurinationalen


Gemeinschaftsrechts konstituiert, frei, unabhängig, souverän, demokratisch, interkulturell,
dezentral und mit Autonomien. Bolivien basiert auf Pluralität und politischem,

48
Sørensen, Eva und Torfing, Jacob. Governance-Netzwerke effektiv und demokratisch durch Metagovernance gestalten. S.254.
49
Bevir, M. Encyclopedia of Governance, 2007.

14
wirtschaftlichem, rechtlichem, kulturellem und sprachlichem Pluralismus im
Integrationsprozess des Landes.

Artikel 2: Angesichts der vorkolonialen Existenz der einheimischen indigenen


Campesino-Nationen und -Völker und ihrer angestammten Herrschaft über ihre Territorien
ist ihre Selbstbestimmung im Rahmen der Einheit des Staates gewährleistet, die aus ihrem
Recht auf Autonomie, Selbstverwaltung, Kultur, Anerkennung ihrer Institutionen und
Konsolidierung ihrer territorialen Einheiten gemäß dieser Verfassung und dem Gesetz
besteht.

Artikel 3: Die bolivianische Nation besteht aus allen Bolivianern, indigenen und
eingeborenen Bauernnationen und -völkern sowie den interkulturellen und
afrobolivianischen Gemeinschaften, die zusammen das bolivianische Volk bilden.

Regierungssystem

Artikel 11.

I. Die Republik Bolivien nimmt für ihre Regierung eine partizipative, repräsentative
und gemeinschaftliche demokratische Form an, mit gleichen Bedingungen
zwischen Männern und Frauen.
II. Die Demokratie wird auf folgende Weise ausgeübt, die durch das Gesetz entwickelt
wird:
1. Direkt und partizipativ, durch Referendum, Bürgerinitiative, Rückruf,
Versammlung, Rathaus und vorherige Konsultation. Die Versammlungen
und Räte haben nach dem Gesetz beratenden Charakter.
2. Vertreter, durch die Wahl der Vertreter durch allgemeine, direkte und
geheime Abstimmung, in Übereinstimmung mit dem Gesetz.
3. Gemeinschaft durch Wahl, Ernennung oder Ernennung von Behörden und
Vertretern nach den Regeln und Verfahren, die unter anderem für indigene
und eingeborene landwirtschaftliche Nationen und Völker im Einklang mit
dem Gesetz gelten.

Artikel 12°.-

I. Der Staat organisiert sich und strukturiert seine öffentliche Gewalt durch die
Gesetzgebungs-, Exekutiv-, Gerichts- und Wahlgremien. Die Organisation des
Staates basiert auf der Unabhängigkeit, Trennung, Koordination und
Zusammenarbeit dieser Organe.
II. Staatliche Funktionen sind Kontrolle, Verteidigung der Gesellschaft und
Verteidigung des Staates.
III. Die Aufgaben öffentlicher Stellen können weder in einem einzigen Gremium
zusammengefasst noch einander übertragen werden.

15
3.2 Autonomie
Autonomie aus theoretischer Sicht ist „die Befugnis von Gemeinden, Provinzen, Departements,
Regionen und anderen Einheiten des Staates, Interessen, die ihrem inneren Leben eigen sind, durch
Regeln und ihre eigenen Leitungsorgane zu regeln“50. Jede Norm oder jedes Organ, das aus der
Struktur der Autonomie entsteht, wird mittels der politischen Verfassung Boliviens in die
staatliche Ordnung und in die Organe der Zentralregierung integriert. Roberto Barbery definiert
die Autonomie als „die verfassungsmäßige Existenz von Regierungseinheiten innerhalb des
Staates, die von demokratisch gewählten Autoritäten regiert werden, die ihre Gerichtsbarkeit
ausüben, die über begrenzte normative Kapazitäten verfügen und spezifische Ressourcen und
festgelegte Kompetenzen im Rahmen der durch ein Sondergesetz vorgesehenen Bereiche
verwalten“51.

Dieses Problem hat viele dazu veranlasst, die staatliche Dezentralisierung zu rechtfertigen, weil
ein zentralisierter Staat keine optimale Leistung oder ein effektives Gegengewicht zwischen den
drei Mächten hat. Denn durch die Konzentration seiner Funktionen an einem Ort besteht im
Allgemeinen die Gefahr der Ineffizienz sowie Korruption. Es handelt sich also um einen
ineffizienten Staat, weil er die Bedürfnisse aller Bevölkerungsgruppen nicht kennt und keine große
Repräsentation und Autorität auf lokaler Ebene hat; in vielen Fällen kann dies dazu führen, dass
der Staat keine Legitimität besitzt. Sie ist bürokratisch, weil sie durch die Zentralisierung ihrer
Funktionen an einem Ort und in bestimmten Beamten eine übermäßige Bedeutung für die
öffentlichen Bediensteten und die von ihnen wahrgenommenen Aufgaben erzeugt; denn auf
nationaler Ebene sind sie in der Regel diejenigen, die mehr über das Thema wissen. Schließlich
führen diese beiden oben genannten Punkte zu fehlender Kontrolle und viel Bedeutung in jedem
der staatlichen Einheiten, die ihrerseits zu hohen Raten von Korruption und Misswirtschaft führen.

3.3 Arten der Autonomie in Bolivien.


3.3.1 Politische Konstituierung des Staates vom 07. Februar 2009
Nach dem Dritten Teil der bolivianischen Verfassung ist der Staat territorial in Departements,
Provinzen, Gemeinden und indigene und eingeborene bäuerliche Gebiete gegliedert und
organisiert.52 Es wird zwar auch die Möglichkeit eingeräumt, Regionen zu bilden, unter

50
IPIÑA NAGEL, Mauritius.... Autonomien: Merkmale und Grundprinzipien. La Paz, Bolivien, Garza Azul, März 2005. P.D.11 53
51
BARBERY ANAYA, Roberto. Volksbeteiligung, Dezentralisierung und Abteilungsautonomien in Bolivien. La Paz, Bolivien, Schütze Grafik,
2006. PG.22
52
Politische Konstituierung des Staates, vom 07. Februar 2009. Art. 269.

16
bestimmten, durch Sondergesetze geregelten Parametern.53 Jede der oben genannten
Gebietseinheiten, mit Ausnahme der Provinzeinheit,54 wird ausdrücklich als eine Ebene der
departementalen, regionalen und kommunalen Autonomie sowie der Autonomie der indigenen
und eingeborenen Bauern anerkannt. In diesem Zusammenhang erklärt das Plurinationale
Verfassungsgericht:

Artikel 1 der Verfassung charakterisiert: "Bolivien konstituiert sich in einem


einheitlichen, sozialen Staat des plurinationalen, gemeinschaftlichen, freien,
unabhängigen, souveränen, demokratischen, interkulturellen, dezentralen Rechts und
mit Autonomien (....) im Integrationsprozess des Landes"55.

Innerhalb dieser Einteilung stellt das neue autonome Regime, das von der politischen Verfassung
des Staates entworfen wurde, eine weitere der wesentlichen Säulen für den Aufbau des neuen
Staates dar. Es basiert auf einer territorialen Struktur und Organisation mit verschiedenen
Komponenten, in der es die Pluralität überwindet.

Artikel I der bolivianischen Verfassung sieht vor: „Bolivien ist territorial in Departements,
Provinzen, Gemeinden und indigene und eingeborene bäuerliche Gebiete organisiert“. Auf diese
Weise56 wird der zentralisierte Einheitsstaat durchbrochen, um die dezentrale Verteilung der
politischen Macht in den so genannten dezentralen und autonomen Gebietseinheiten durch die
Zuweisung von Kompetenzen zu etablieren und damit ein neues Modell des Verbundstaates
anzunehmen, das den Aufbau des neuen bolivianischen Staates besser ermöglicht.57

In dieser Perspektive schlägt der verfassungsmäßige Rahmen vier Arten von Autonomien vor:
departementale, regionale, kommunale und indigene sowie eingeborene Bauernautonomien, die
auf der Grundlage der sozialen Erfordernisse der Selbstbestimmung der indigenen Völker und der
regionalen Erfordernisse der departementalen Autonomien aufgebaut sind, die die notwendige
Umverteilung der politischen Macht auf territorialer Basis postulierten. Dies sind Bestrebungen,
die von der Verfassung gesammelt wurden, die einen komplexen Prozess des Aufbaus und der

53
Gesetz Nr. 339 über die Begrenzung der territorialen Einheiten vom 14. Januar 2013.
54
Salvador Crespo, Mayté. Provinzautonomie im spanischen Verfassungssystem: interkommunal und autonomer Staat. 1. Auflage. National
Institute of Public Administration Foundation, Democracy and Local Government. Barcelona-Spanien. 2007. Seiten 453-454
55
Plurinational Constitutional Sentence 1714/2012 Vom 1. Oktober 2012. Sucre-Bolivien.
56
Vlg. Plurinational Constitutional Sentence 1714/2012 Vom 1. Oktober 2012. Sucre-Bolivien.
57
Vlg. Plurinational Constitutional Sentence 1714/2012 Vom 1. Oktober 2012. Sucre-Bolivien.

17
Artikulation zwischen den verschiedenen Autonomien sowie zwischen ihnen und der zentralen
oder nationalen Ebene implizieren.58

3.3.2 Gesetz N° 031 Rahmen der Autonomien und der Dezentralisierung der Verwaltung
In der Folge hat das Gesetz Nr. 031 Autonomierahmen den Zweck des Autonomieregimes wie
folgt festgelegt:

205 Artikel 7. (ZWECK).

Ziel des Autonomiesystems ist es, die politischen und administrativen Funktionen des
Staates im Hoheitsgebiet ausgewogen und nachhaltig zu verteilen, um eine wirksame
Beteiligung der Bürger an der Entscheidungsfindung, die Vertiefung der Demokratie und
die Befriedigung kollektiver Bedürfnisse sowie die ganzheitliche sozioökonomische
Entwicklung des Landes zu gewährleisten. (....) Unter dieser Prämisse hat dieses Gesetz
auf jeder autonomen Ebene die folgenden Ziele festgelegt59:
Artikel 8. (ALLGEMEINE FUNKTIONEN DER AUTONOMIEN). Im Hinblick auf die
integrale Entwicklung des Staates und das Wohlergehen aller Bolivianer nehmen die
Autonomien vorzugsweise die folgenden Funktionen im Rahmen der vollen Ausübung all
ihrer Befugnisse wahr:
1. die Autonomie der indigenen und eingeborenen Bauern, um eine integrale
Entwicklung als Nationen und Völker sowie die Verwaltung ihres Territoriums zu fördern.
2. Abteilungsautonomie, Förderung der wirtschaftlichen, produktiven und sozialen
Entwicklung in ihrer Zuständigkeit.
3. Kommunale Autonomie, Förderung der lokalen Wirtschaftsentwicklung, der
menschlichen und städtischen Entwicklung durch die Bereitstellung öffentlicher
Dienstleistungen für die Bevölkerung sowie Beitrag zur ländlichen Entwicklung.
4. Regionale Autonomie, Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in
ihrer Zuständigkeit durch die Regelung der öffentlichen Ordnung in der Region im
Rahmen der ihr übertragenen Befugnisse.60

In Bezug auf die Regierungsform autonomer territorialer Einheiten erkennt das Gesetz Nr. 031,
als Autonomierahmen, die gleichen im Verfassungstext anerkannten demokratischen Formen an:

58
Plurinational Constitutional Sentence 1714/2012 Vom 1. Oktober 2012. Sucre-Bolivien.
59
Gesetz Nr. 031 Rahmen Für Autonomien Und Verwaltungsdecentralisierung vom 31. Juli 2010.
60
Gesetz Nr. 031 Rahmen Für Autonomien Und Verwaltungsdecentralisierung Vom 31. Juli 2010.

18
direkt und partizipativ, repräsentativ und gemeinschaftlich.61 Dann stellt es fest, dass die
Autonomie organisiert ist und ihre öffentliche Gewalt durch die Legislativ- und Exekutivorgane
strukturiert, und dass die Organisation autonomer Regierungen auf der Unabhängigkeit, Trennung,
Koordination und Zusammenarbeit dieser Organe beruht.62

In Anlehnung an den in Artikel 12-III enthaltenen Verfassungsgrundsatz wird erklärt, dass die
Funktionen öffentlicher Stellen nicht an einer einzigen Stelle zusammengefasst werden können
und auch nicht aneinander delegierbar sind. Die Regierung der indigenen und eingeborenen
Bauernautonomie wird nach ihren eigenen Regeln und Organisationsformen ausgeübt.63

3.4 Arten von Kompetenzen gemäß der politischen Verfassung des bolivianischen
Staates.
Nach Angaben der bolivianischen Verfassung gibt es die folgenden Arten von Kompetenzen:

„Die in dieser Verfassung definierten Kompetenzen sind:

a) Personen, deren Gesetze, Vorschriften und Durchsetzung nicht übertragen oder delegiert
werden und die der zentralen Ebene des Staates vorbehalten sind.

b) Exklusiv, d.h. diejenigen, bei denen eine Regierungsebene über legislative,


regulatorische und exekutive Befugnisse in einer bestimmten Angelegenheit verfügt und
die beiden letztgenannten übertragen und delegieren kann.

c) Gleichzeitig üben diejenigen, in denen die Gesetzgebung der zentralen Ebene des Staates
entspricht, und die anderen Ebenen gleichzeitig die Regelungs- und Exekutivbefugnisse
aus.

d) Geteilt, diejenigen, die der Grundgesetzgebung der Plurinational Legislative Assembly


unterliegen, deren Entwicklungsgesetzgebung den autonomen territorialen Einheiten
entspricht, je nach ihren Merkmalen und ihrer Art. Die Regulierung und Durchführung
obliegt den autonomen Gebietskörperschaften.“64

Jede der Kompetenzen oder Arten von Kompetenzen ist nach einer bestimmten Kombination von
Befugnissen und den territorialen Stellen, die sie ausüben, artikuliert, wobei die Abstraktion der

61
Vlg. Gesetz Nr. 031 Rahmen Für Autonomien Und Verwaltungsdecentralisierung Vom 31. Juli 2010. Art. 11.
62
Vlg. Gesetz Nr. 031 Rahmen Für Autonomien Und Verwaltungsdecentralisierung Vom 31. Juli 2010. Art. 12
63
Gesetz Nr. 031 Rahmen Für Autonomien Und Verwaltungsdecentralisierung Vom 31. Juli 2010. Art. 12.
64
Politische Konstituierung Des Staates, Vom 07. Februar 2009. Art. 297.

19
Subjekte erfolgt. So konzentrieren private und ausschließliche Befugnisse Gesetzgebungs-,
Regulierungs- und Exekutivbefugnisse auf der zentralen Ebene des Staates und unterscheiden sie
durch zwei Elemente: erstens, weil die ausschließlichen Befugnisse die Möglichkeit der
Übertragung oder Übertragung von Regulierung und Durchsetzung auf eine andere territoriale
Ebene akzeptieren, was bei privaten Befugnissen nicht möglich ist. Zweitens, weil die
letztgenannte Art von Befugnissen nur auf der zentralen Ebene ausgeübt wird,65 während die
Verfassung die ausschließlichen Befugnisse für jede einzelne territoriale Ebene der Regierung
aufführt.

Die gleichzeitigen und gemeinsamen kombinieren und verteilen die Kompetenzen auf zwei oder
mehr Ebenen und konfigurieren differenzierte Matrizen der Kompetenzverteilung. Die
Gebietskomponente ist dabei entscheidend: Sowohl aus theoretischer als auch aus
verfassungsrechtlicher Sicht sollte die territoriale Organisation nicht mit der politischen
Dimension dieser Organisation oder vielmehr mit der territorialen Machtverteilung verwechselt
werden. Im Bereich der territorialen Organisation genehmigt die Verfassung die Existenz von
Departements, Provinzen, Gemeinden und indigenen und indigenen bäuerlichen Gebieten,66 was
nicht im Widerspruch zu der Tatsache steht, dass das System der Autonomien in der politischen
Dimension nach vier territorialen Regierungsebenen konzipiert wurde: national oder zentral,
departemental, kommunal und indigen.

Die Verfassung sieht keine Regierungsform für die Provinzen als Gebietseinheiten vor, obwohl
sie sie als einen der territorialen Bezugspunkte für die Anpassung der Regionen betrachtet, von
denen einige unter bestimmten Bedingungen Zugang zur Autonomie haben könnten. Das eine ist
in der Tat das Konzept der ‚territorialen Einheit‘ und das andere das der ‚territorialen
Regierungsebene‘.

4. Schlussfolgerungen
Die Autonomie wurde als ideale Lösung für die Kommunikations- und Logistikprobleme des
Landes gewählt; aufgrund seiner Topographie und großen quadratischen Ausdehnung war die
Lebensfähigkeit des Organisation oft begrenzt oder konnte einfach nicht verwirklicht werden,

65
VLG.. Politische Konstituierung Des Staates, vom 07. Februar 2009. Art. 297.
66
Verfassung des Plurinationalstaates Bolivien, Artikel 269.

20
aufgrund verschiedener Ereignisse ohne Präzedenzfälle, von klimatischen Problemen bis hin zur
Entfernung.

Die Notwendigkeit, die Systemtheorie in die Analyse einzubeziehen, wird deutlich. Diese Theorie
wird als Grundlage für die Erklärung herangezogen, da es gelungen ist, die Vielfalt der Akteure,
die Teil der Struktur des bolivianischen Staates sind, zu schätzen. Die Existenz dieser Akteure
oder Systeme ist seit der Gründung des bolivianischen Staates offensichtlich, von denen die
meisten nicht Teil des betreffenden Staates waren, sondern selbst regierten, weshalb bei der
Einführung eines neuen Staatsmodells diese Einheiten, die bereits zuvor auf ihre Weise organisiert
waren, berücksichtigt werden müssen und kein neues Regierungsmodell durchgesetzt werden darf.
Dies ist der Fall im bolivianischen Staat, der sich für ein Organisationsmodell entschieden hat, das
nicht nur den Bedürfnissen des Staates, sondern auch denen des bolivianischen Volkes entspricht,
mit der Umsetzung verschiedener Organisationsebenen, bei denen alle diese Akteure / Systeme,
ob groß oder klein, berücksichtigt werden, von großen Abteilungsstrukturen bis hin zu kleinen
indigenen Völkern, die nach ihren eigenen Gesetzen regiert werden, aber wiederum Teil eines
großen Konglomerats von Akteuren sind, der den Staat ausmacht.

Der bolivianische Staat hat sich für die Mehrebenenverwaltung entschieden, um eine Hierarchie
zwischen den Organisationsebenen aufrechtzuerhalten, die sich gegenseitig mit fortgeschrittenen
Kommunikationsebenen bei der Verteilung der verschiedenen Aufgaben und Ziele unterstützen,
zugunsten einer stabilen staatlichen Entwicklung, die allen Sektoren zugute kommen kann. Mit
Multilevel-Governance wurde bei der Formulierung öffentlicher Politiken ein Prozess betrachtet,
an dem selbstorganisierte und mehrstufige Akteure teilnahmen, die einen Wandel weg von der
‚hierarchischen Richtung‘ hin zu kommunikativen Instrumenten signalisierten. Dies ist den
Beziehungen zwischen den verschiedenen selbstorganisierten Akteuren des Landes sehr zugute
gekommen und hat der Staatsregierung mit einer stärkeren Kontrolle und Annäherung zwischen
den autonomen Akteuren und der Staatsregierung geholfen, um die öffentliche Politik zu
entwickeln und die Bedürfnisse der verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu befriedigen.

Auf der anderen Seite besteht immer das Risiko des Scheiterns aufgrund der extremen Hierarchie
zwischen den Regierungsebenen. Metagovernance ist eine mögliche Lösung für diese Probleme,
denn es ist ein reflexiver und empfänglicher Prozess, durch den Akteure versuchen, bestimmte
Formen der Governance nach spezifischen Regeln, Verfahren und Standards zu kombinieren, zu

21
erleichtern, zu gestalten und zu steuern, die die Vorstellung von dem verkörpern, was ‚Good
Governance‘ ist.

Metagovernance kann genauso scheitern wie Governance-Netzwerke. Die Metagovernance-


Strategien von Politikern und öffentlichen Managern stoßen oft auf starken Widerstand von
Netzwerkakteuren, die daran interessiert sind, die begrenzte Autonomie des Governance-
Netzwerks in der bolivianischen Regierungsstruktur zu schützen.

Es ist notwendig, dass politische Autoritäten und relevante öffentliche Stellen die Verantwortung
für die strategische Steuerung bestimmter Netzwerke Politikern und öffentlichen Akteuren
übertragen, die direkt oder indirekt an Netzwerk-Governance-Prozessen beteiligt sind und daher
über die notwendigen Kenntnisse der organisatorischen und politischen Landschaft verfügen, um
als Metagovernors zu fungieren. Durch ihre physische Präsenz können sie sowohl die Probleme
als auch die Bedürfnisse der Sektoren, in denen sie tätig sind, beobachten und so auf eine
einheitliche Entwicklung mit klarer und präziser Kommunikation mit den verschiedenen Ebenen
des Staates hinarbeiten.

Die Gouverneure müssen über ausreichende Kenntnisse darüber verfügen, wie Governance-
Netzwerke zu einer effektiven und demokratischen Governance beitragen können, und sie müssen
wissen, wie ihre Form und ihr Funktionieren durch einen ausgehandelten Einsatz der
verschiedenen ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente beeinflusst werden können.

Ebenso müssen Menschen, die eine öffentliche Rolle im Staat spielen, über eine Reihe von
strategischen und kollaborativen Kompetenzen verfügen, um Governance-Strategien zu
entwickeln, umzusetzen und zu überprüfen, um mögliche Fehler im Regierungsmechanismus zu
antizipieren.

22
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Zito, A. and Schout, A. ‘Learning theory reconsidered: EU integration theories and learning’,
2009.

24
Erklärung der wissenschaftlichen Redlichkeit

Hiermit versichere ich, Sergio Canedo Glasinovich, dass ich die vorliegende Arbeit selbst-ständig
und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Hilfsmittel angefertigt habe. Die aus fremden
Quellen wörtlich oder sinngemäß übernommenen Gedanken sind als solche gekennzeichnet.

Diese Hausarbeit wurde in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner anderen Prüfungsbehörde
vorgelegt.

Passau, 17. 06. 2019

25