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Ausgabe Dezember 2019

Magazin der
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Leben aus
dem Eis Seite 12

Bio-Klebstoff aus der Natur Seite 6 ◼ Höhlenbär im Halltal Seite 10 ◼

Neue Wettermodelle Seite 14 ◼ Tag der Menschenrechte Seite 16 ◼

Beilage zur Tiroler Tageszeitung www.uibk.ac.at


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Mit 1669 in die Welt


Ausgewählte NachwuchswissenschaftlerInnen werden mit einem
Konferenzstipendium von 1669 – Wissenschafft Gesellschaft in die Welt geschickt.
Sie stellen ihre Forschungsarbeit einem internationalen Fachpublikum vor, bauen
Kooperationen auf, machen die Universität Innsbruck weltweit bekannt und lernen
die Scientific Community außerhalb Österreichs kennen.

„Research is an enduring daring adventure!“, meint Siamak Ihren Vortrag „Pene-


Nejadhosseini Soudani, Doktorand der Studienrichtung Management, tration and Inter-
bei The 12th Interdisciplinary Perspectives on Accounting (IPA) ruption of Alpine
conference/Emerging Scholars Colloquium in Edinburgh, Schottland, Foehn (PIANO): Eva-
wo er über „The Effect and Use of ,Western‘ Performance Management luation of processes
Concepts in the Middle East: The Case of Balanced Scorecards in the with multiple Doppler
National Iranian Petroleum Industry“ referierte. wind lidars“ hielt
Maren Haid, Doktorandin der Studien-
richtung Atmosphärenwissenschaften,
auf der 18th Conference of Mountain
Elisabeth Happ, Projektmitarbeiterin am Institut für Meteorology, in Santa Fe, New Mexico.
Sportwissenschaft, referierte in Ljubljana, Slowenien, bei der Sie meint: „Dies war meine erste
TTRA Konferenz Travel and Tourism Research Association zu fachspezifische Konferenz. Dadurch
ihrem quantitativen Forschungsansatz „Sport Business in Alpine hatte ich die Chance, die Community
Tourism Destinations – Analysing Factors of Competitiveness“: „Die kennen zu lernen und mit etablierten
Konferenz gab mir die perfekte Plattform, meine Forschungsarbeiten WissenschaftlerInnen in meinem
zu präsentieren, von renommierten Wissenschaftlern wertvolles Bereich persönlich ins Gespräch
Feedback einzuholen und internationale Kontakte zu knüpfen.“ zu kommen. Ich habe die Zeit sehr
genossen. Danke Förderkreis 1669 für
die Unterstützung!“

„Das 1669-Konferenzstipendium hat mir viel ermöglicht, wie die


Aufmerksamkeit des wissenschaftlichen Diskurses, Kontakte ins
europäische Ausland und die Publikation meiner Ergebnisse in Über „HOT: A Height
englischer Sprache“, bedankt sich Fabian Brenker, Doktorand der Optimized Trie
Studienrichtung Philosophie, der beim 24th European Archaeologists Index for Main-
Association (EAA) Annual Meeting in Barcelona, Spanien, über sein Memory Database
Forschungsgebiet „Tournaments – Image(s) of a German Elite in the Systems“ referierte
14th-16th Centuries“ sprach. Robert Binna,
Studienrichtung
Informatik, auf der SIGMOD’18
Konferenz in Houston, Texas. „Vielen
Ann-Kathrin Dittrich, Doktorandin der Studienrichtung Education, Dank für die Unterstützung an den
freut sich: „Danke an den Förderkreis 1669. Die Teilnahme Förderkreis 1669 der Universität
ermöglichte mir, meine Forschung in einen internationalen Diskurs Innsbruck. Durch Ihre Hilfe
zu stellen und neue Kontakte zu knüpfen.“ Sie sprach bei der wurde es mir ermöglicht, meine
European Association for Research on Learning and Instruction Forschungsergebnisse zu präsentieren
(EARLI) – SIG11 Teacher Education Conference 2018 in Kristiansand, und mich mit international
Norwegen, über „General Pedagogical Knowledge (GPK) and Diversity renommierten ForscherInnen
in Teacher Education and Classroom Learning“. auszutauschen. Danke!“

Interessiert? Werden Sie FörderIn bei 1669 – Wissenschafft Gesellschaft!


Die Mitglieder des Förderkreises unterstützen die Universität Innsbruck gemeinsam in einem Netzwerk, als Brücke in die Gesellschaft,
sowohl ideell als auch materiell. Wenn Sie mehr über den Förderkreis erfahren wollen, kontaktieren Sie uns bitte unter der Tel. 0 512/507-
38 554, E-Mail: foerderkreis1669@uibk.ac.at – Weitere Info: www.uibk.ac.at/foerderkreis1669
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Inhalt Ausgabe Dezember 2019


Editorial

4 Erweiterte neue Welt


Wie beeinflussen digitale Inhalte unsere Wahr-
nehmung von realen Räumen? Dieser Frage gehen
Forscher in zwei öffentlichen Parks nach.

6 Klebstoff aus der Natur


Die Biologin Birgit Lengerer will das Rätsel um
Klebemechanismen bei der Fortbewegung von

Foto: Gerhard Berger


4
Seesternen lösen.

8 Von den Besten lernen


Studie zum Führungshandeln an preisgekrönten
Schulen in Deutschland.

10 Höhlenbären entdeckt
In einer Halbhöhle im Halltal wurden Überreste
von ausgestorbenen Höhlenbären entdeckt. Liebe Leserin, lieber Leser!

12 Leben aus dem Eis Unser Jubiläumsjahr neigt sich dem


Wie entwickeln sich Organismen unter lebens- Ende zu und ich möchte mich herzlich
feindlichen Bedingungen? Mit dieser Frage befasst bei Ihnen bedanken, weil Sie die vielen
sich ein Forscherteam um Ursula Peintner. Veranstaltungen, das „Fest der Wissen-
schaft“, unser Dialogforum „Zukunft
14 Neue Prognosemodelle denken“, die Diskussionen, Führungen

8
Wissenschaftler arbeiten an der Entwicklung von oder Ausstellungen besucht haben. Sie
statistischen Methoden zur Wettervorhersage. alle haben uns geholfen, das 350-Jahr-
Jubiläum zu einem Erfolg zu machen,
16 Interview denn es war eines unserer großen Ziele,
Marie-Luisa Frick spricht über Menschenrechte mit den Menschen in Tirol ins Gespräch
und ihre gesellschaftliche Bedeutung. zu kommen. Dank Ihnen ist das auch
zehntausendfach gelungen.
18 350 Jahre Universität Innsbruck Wir haben in den vergangenen Mona-
Expertinnen und Experten stellten mögliche Sze- ten neue Dinge ausprobiert und werden
narien, Denkansätze und Perspektiven für die Zu- die eine oder andere Veranstaltungs-
kunft unserer Gesellschaft vor. form wohl auch beibehalten, denn der
Wunsch, mit Ihnen in Kontakt zu kom-
21 Engagement für die Uni men und zu bleiben, endet nicht mit dem
Dank des Engagements von privaten und öffent- Jubiläum. Vielmehr verstehen wir das
lichen Gönnern startet die neue Uni-Stiftung mit als Beginn eines Dialogs zur positiven
2,5 Mio. Euro als Grundkapital in die Zukunft. Weiterentwicklung unseres Standortes.

18
In diesem Sinne bieten wir Ihnen auch
21 Geschichten aus der Geschichte wieder einen Einblick in die Arbeit un-
Um 1900 versuchte die Universität, sich etwas zu serer WissenschaftlerInnen: So zeigen
öffnen, und veranstaltete regelmäßig populärwis- wir, wie die Wahrnehmung von (Na-
senschaftliche Vortragsreihen. tur-)Räumen durch digitale Hilfsmittel
wie der Augmented Reality beeinflusst
wird, wie Leben auch im Eis möglich
ist oder moderne Messmethoden hel-
fen, das Alter von Höhlenbärknochen
im Halltal zu bestimmen. Sie finden auf
ImprEssum den folgenden Seiten aber auch ein in-
teressantes Interview mit der Philoso-
wissenswert – Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – 10. Dezember 2019
phin Marie-Luisa Frick, die sich mit den
Herausgeber und Medieninhaber: Universität Innsbruck; Hersteller: Intergraphik GmbH.
Sonderpublikationen, Leitung: Frank Tschoner. Menschenrechten auseinandersetzt.
Redaktionelle Koordination: Susanne E. Röck, Christa Hofer. Ich wünsche Ihnen angenehme Weih-
Redaktion: Melanie Bartos, Eva Fessler, Christian Flatz, Christa Hofer, Stefan Hohenwarter, Lisa Marchl, nachtstage und einen erfolgreichen
Daniela Pümpel, Susanne E. Röck, Uwe Steger. Start ins neue Jahr!
Covergestaltung: Catharina Walli.
Foto Titelseite: iStock/mbbirdy; Fotos Seite 3: Eva Fessler, iStock/stockfour, Universität Innsbruck.
Anschrift für alle: 6020 Innsbruck, Brunecker Straße 3, Postfach 578, Tel. 0512 53 54-1000. Univ.-Prof. Dr. Tilmann Märk
Rektor der Universität Innsbruck
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Erweiterte
neue Welt
Wie beeinflussen digitale Inhalte unsere
Wahrnehmung von realen Räumen? In einer
methodisch breit ausgerichteten Untersuchung
in zwei öffentlichen Parks in Innsbruck und Wien
gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
verschiedener Einrichtungen unter anderem dieser
Frage nach.

U
nsere Umgebung ist längst nicht mehr Tablet über Sehenswürdigkeiten informieren
die Summe dessen, was wir mit un- oder Ausgeh-Tipps aus sozialen Medien und
seren Sinnesorganen wahrnehmen: Bewertungsplattformen bekommen. Was auf
Durch die Nutzung von mobilen digitalen den ersten Blick unverfänglich erscheint,
Geräten erweitern wir die physische Welt könnte Menschen aber durchaus zum Ziel für
immer öfter um Online-Inhalte und bewe- Manipulationen machen. „Wir leben inmit-
gen uns in einer sogenannten erweiterten ten einer räumlichen Revolution: Augmented
Realität (Englisch: Augmented Reality – sie- Reality wird in Zukunft noch präsenter sein“,
he Infobox). Zum Beispiel, wenn wir in einer sagt Tabea Bork-Hüffer, Universitätsprofes-
fremden Stadt unterwegs sind und uns mit- sorin am Institut für Geographie. Aktuell ist
hilfe von QR-Codes auf dem Smartphone oder aber nicht geklärt, wie sich die Überschnei-
dung von digitalem und physischem Raum
auf die menschliche Wahrnehmung auswirkt. plexen und aufwändigen Feldexperimente, an
Genau das wollen Tabea Bork-Hüffer, Niklas denen je 10 Personen in Innsbruck und Wien

Digital
Gudowsky-Blatakes, Katja Kaufmann und teilnehmen. Die Teilnehmerinnen und Teil-
Martin Rutzinger im interdisziplinären und nehmer werden auf einer festgelegten Route
real institutionenübergreifenden Projekt „Digi- durch den jeweiligen Park geleitet und erhal-
tAS – The Digital, Affects and Space“ erfor- ten in Echtzeit digitale Inhalte auf ihr Smart-
schen. phone. Während der Experimente tragen sie
Das vielleicht anschaulichste Beispiel Für ihr von der Österreichischen Akademie
für „Augmented Reality“ ist die von der Wissenschaften (ÖAW) gefördertes Vorha-
Google entwickelte Datenbrille, die 2014 ben gehen die Wissenschaftlerinnen und Wis- »Wir leben inmitten einer
als tragbarer Minicomputer herauskam, senschaftler von Universität Innsbruck und räumlichen Revolution:
u. a. aus datenschutzrechtlichen Grün- ÖAW ins Feld, oder besser gesagt in den Park: Augmented Reality wird in
den aber bald wieder vom Markt ver- Mit dem Innsbrucker Rapoldipark und dem
schwand und jetzt eine Neuauflage erle- Wiener Venediger-Au-Park haben sie bewusst
Zukunft noch präsenter sein.«
ben soll. Das DigitAS-Team, an dem Wis- zwei stark debattierte öffentliche Räume als Univ.-Prof. Tabea bork-Hüffer
senschaftlerinnen und Wissenschaftler Untersuchungsorte ausgewählt, zu denen es
sowie Studierende von verschiedenen eine Vielzahl an digitalen Inhalten gibt. „Ei- Eye-Tracking-Brillen, die beim Spaziergang
Instituten der Universitäten Innsbruck nerseits vermittelt der mediale Diskurs den durch den Park die Augenbewegungen, Fixa-
und Klagenfurt sowie der ÖAW betei- Eindruck, diese Parks seien sehr gefährliche tionen und weitere für die kognitive Aktivi-
ligt sind, versteht unter „Augmentierter Orte, wo Drogenhandel und Gangkriminalität tät relevante Parameter aufzeichnen. Mithilfe
Realität“ Technologien, die digitale In- stattfinden. Andererseits finden wir im Netz dieses Verfahrens, das ursprünglich aus der
halte in reale Umgebungen importieren. auch Videos von Veranstaltungen oder Bil- Psychologie kommt, lässt sich beispielsweise
Die virtuellen Inhalte sind dabei auf re- der von Kinderspielplätzen, wo sich Familien feststellen, wie viel Aufmerksamkeit die For-
ale Objekte bezogen, können in Echtzeit sehr wohl fühlen“, beschreibt Tabea Bork- schungssubjekte welchen digitalen und phy-
betrachtet werden und bieten die Mög- Hüffer die Inhalte, die online verfügbar sind. sischen Elementen ihrer Umwelt beimessen.
lichkeit zur Interaktion. Eine ausgewählte Zusammenstellung dieser Darüber lässt sich auch ableiten, wie gestresst
digitalen Inhalte ist dann auch Teil der kom- jemand ist. Eine konkrete Situation im Feld-
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Wissenschaftlerin Dr. Katja Kaufmann kann die


Aufzeichnung live mitverfolgen (Bild oben).
Mobile Eye-Tracker kommen im Projekt in der
sozialwissenschaftlichen Forschung zum
Einsatz. Das ist neu.

Eine studentische Projektmitarbeiterin


testet die mobile Eye-Tracking-Brille
im Rapoldipark. Die TeilnehmerInnen
der Feldexperimente sehen relevante
digitale Inhalte auf dem Smartphone,
während sie auf einer vorgegebenen
Route durch Parks gehen.
Fotos: Eva Fessler

experiment kann also folgendermaßen aus- schaftlerin am Institut für vergleichende Me- sie zu erforschen“, unterstreicht Bork-Hüffer
sehen: Eine Studienteilnehmerin in Innsbruck dien- und Kommunikationsforschung (ÖAW das methodische Interesse. „Gerade bei neuen
sieht auf ihrem Smartphone ein Video von ei- und Universität Klagenfurt). Ob das Verfah- Methoden tauchen aber nicht nur praktische,
ner Schlägerei, ein Foto von einem Fest oder ren für die Annäherung an Forschungsfragen sondern auch viele forschungsethische Fra-
liest einen Forumsbeitrag zu einer Razzia, wie diese geeignet ist, wird sich im Zuge der gen auf“, ergänzt Katja Kaufmann. „Wir wol-
während sie an jenen Stellen im Rapoldipark Studie zeigen. Die Datenerhebungen mithilfe len unsere Erfahrungen daher in Form von
vorbeigeht, an denen das Geschehen tatsäch- der mobilen Brille sind daher nur ein Teil des Best-Practice-Empfehlungen für andere zu-
lich stattgefunden hat. Durch die Verknüp- Forschungsansatzes: „Wir führen vor dem gänglich machen.“
fung der Eye-Tracking-Aufzeichnungen mit Experiment umfangreiche qualitative In-
GPS-Daten wollen die Wissenschaftlerinnen terviews mit unseren Teilnehmerinnen und Workshops für ein gutes Miteinander
und Wissenschaftler zeigen, wie die Testper- Teilnehmern. Anschließend besprechen wir
sonen an bestimmten Punkten reagieren und mit ihnen zeitnah auch die Zwischenergeb- DigitAS hat aber noch ein weiteres Ziel, an
interagieren. Die Metriken werden letztend- nisse der jeweiligen Erhebung im Park inklu- dem vor allem Dr. Niklas Gudowsky-Blatakes
lich von PD Dr. Martin Rutzinger vom Insti- sive ihrer Affects Maps. Wir sind der Ansicht, vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung
tut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung dass die Bedeutung, die die Menschen dem der ÖAW in der letzten Projektphase arbeiten
der ÖAW auf einer Karte als „Affects Maps“ Wahrgenommenen beimessen, auch sehr wird. Um einen Wissenstransfer zu gewähr-
visualisiert. wichtig ist“, so Kaufmann. Das Forschungs- leisten, will das Projektteam im Anschluss an
team, in dem in unterschiedlichen Projekt- die Studie sogenannte Szenario-Workshops
Methoden-Mix als Instrument phasen auch Studierende mitwirken, will al- durchführen und darin mit den unterschied-
so nicht nur der konkreten Frage nachgehen, lichen Nutzergruppen von Parks und Ver-
„Die qualitativen und quantitativen Me- wie emotional wir auf digitale Inhalte reagie- antwortlichen aus der Politik folgende Fra-
thoden der sozialwissenschaftlichen For- ren, die öffentliche Orte positiv oder negativ gen diskutieren: Soll man augmentierte Um-
schung finden immer im Nachhinein statt. darstellen, sondern auch neue Methoden tes- welten regulieren oder reglementieren? Und
Mit der mobilen Brille versuchen wir erstmals ten und kritisch reflektieren. „Die Fragen, die wenn ja, wie kann ein gutes Miteinander im
dabei zu sein, wenn etwas passiert“, erklärt sich aus der Überschneidung von Online- und öffentlichen Raum auch mittels digitaler Me-
Dr. Katja Kaufmann, Wissenschaftlerin an Offline-Welten ergeben, sind drängend und dien gestaltet werden?
der Universität Innsbruck und Gastwissen- wir brauchen angemessene Instrumente, um eva.fessler@uibk.ac.at ◼
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Alle bisherigen Arbeiten zum


Klebemechanismus von Seesternen
wurden fast ausschließlich mit dem
Gemeinen Seestern,
Asterias rubens, durchgeführt.
Fotos: iStock/Schlegelpictures; Birgit Lengerer

Von der Natur lernen


Seesterne stehen im Zentrum der Forschungsarbeit von Birgit Lengerer.
Die Biologin will das Rätsel um ihre noch relativ unverstandenen
Klebemechanismen bei der Fortbewegung lösen und so möglicherweise
den Weg für biomimetische Klebstoffe ebnen.

F
ür viele marine Lebewesen ist die Pro- logisch abbaubar und haften auf nahezu allen ziel dabei ist, die von natürlichen Systemen
duktion von Klebstoffen überlebens- Oberflächen“, beschreibt Birgit Lengerer, gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, um
wichtig. Sie werden von den Organismen Post-Doc am Institut für Zoologie an der Uni- biomimetische Kleber zu entwickeln. „Die
unter anderem dazu genutzt, sich kurzzeitig versität Innsbruck. Zahlreiche Wissenschaft- Anwendungsgebiete dieser Klebstoffe wären
oder dauerhaft anzuhaften, Behausungen zu lerinnen und Wissenschaftler haben das Po- vielfältig: Von umweltfreundlichen Klebern
bauen oder Beute zu fangen. „In vielerlei Hin- tenzial von biologischen Klebesystemen er- für den täglichen Gebrauch bis hin zu hoch-
sicht sind diese natürlichen Klebstoffe han- kannt und erforschen die Mechanismen unter spezialisierten Klebstoffen für den industri-
delsüblichen Klebern weit überlegen. Sie wir- anderem an Plattwürmern, Manteltierchen ellen oder biomedizinischen Bereich wäre ein
ken schnell und effizient, sind ungiftig, bio- und Seesternen. Langfristiges Forschungs- Einsatz denkbar“, erklärt Birgit Lengerer das
Potenzial dieser natürlichen Klebstoffe. Ihr
Forschungsgebiet sind die Fortbewegungs-
Zur PersoN mechanismen von Seesternen.

Birgit Lengerer (*1987) studierte Molekulare Zell- und Kleben statt


Entwicklungsbiologie an der Universität Innsbruck, wo sie 2017
saugen
zum Thema „Temporäre Anhaftung und Regeneration in marinen
Plattwürmern“ promovierte. Im Rahmen eines vom FWF geförderten „Seesterne nutzen ihre zahlreichen Füß-
Forschungsstipendiums wechselte sie im Anschluss an die chen an der Unterseite ihrer Arme, um sich
Universität Mons in Belgien, um Adhäsionsproteine in Seesternen im Meer fortzubewegen. Lange hat man ge-
zu erforschen. Nach ihrem zweijährigen Auslandsaufenthalt kehrte glaubt, dass es sich bei den Füßchen um klei-
sie im Oktober 2019 an die Universität Innsbruck zurück, um ihre Forschung an ne Saugnäpfe handelt. Ein Missverständnis,
temporären Klebstoffen fortzusetzen. das sich nach wie vor in vielen Lehrbüchern
finden lässt“, beschreibt Lengerer. „Tatsäch-
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lich basiert die Fortbewegung von Seester-


nen aber auf einem dualen Drüsen-System.
Für ihre temporäre Anhaftung produzieren
sie einen proteinhaltigen Klebstoff, mit des-
sen Hilfe sie ihre zahlreichen Füßchen fest-
kleben.“ Da dieser Klebstoff auch wieder ge-
löst werden muss, produzieren sie eine zwei-
te, zurzeit unbekannte Substanz, die diese
starke Verbindung löst. „Seesterne sind in ih-
rem natürlichen Habitat starken Strömungen
und Wellen ausgesetzt und haben dement-
sprechend die Morphologie ihrer Klebeorgane
und die Klebeproteine an diese extremen Be-
dingungen angepasst“, erklärt Lengerer. Dies
bestätigen auch erste Ergebnisse, die die Bi-
ologin als Schrödinger-Stipendiatin des Ös-
terreichischen Wissenschaftsfonds FWF im
Labor von Patrick Flammang an der Univer-
sität Mons erzielt hat.

Konservierter Mechanismus
mit Unterschieden
Alle bisherigen Arbeiten zum Klebeme-
chanismus von Seesternen wurden fast aus-
schließlich mit dem Gemeinen Seestern
Asterias rubens durchgeführt. Die Biologin Bir-
git Lengerer arbeitet hauptsächlich mit einer
anderen Seesternart, dem Asterina gibbosa.
Diese mit Asterias rubens nur entfernt ver-
wandte, kleinere Art ist weit verbreitet und
pflanzt sich, anders als Asterias rubens, auch
unter Laborbedingungen problemlos fort.
„Dies hilft uns sehr bei unserer Arbeit. Wir
hoffen, so die Funktion der einzelnen Kle-
beproteine direkt an lebenden Tieren ana-
lysieren zu können“, erklärt Birgit Lengerer.
In ersten Untersuchungen konnte sie bereits
zeigen, dass sich die Zusammensetzung der
Klebstoffe bei diesen beiden Arten unter-
scheidet. „Wir haben die Proteinsequenzen,
die im Klebstoff von Asterias rubens gefun-
den wurden, mit Sequenzen verschiedenster
Seesternfamilien verglichen und haben he-
rausgefunden, dass vor allem lange kohäsive
Proteine stark konserviert sind, also evoluti-
onär sehr früh in der Entwicklung der Tiere
angelegt wurden. Ein bedeutender Anteil der
Sequenzen wurde allerdings nicht oder nur
unzureichend in anderen Arten gefunden,
was eine Anpassung der Haftproteine an den
jeweiligen Lebensraum vermuten lässt“, er-
läutert Birgit Lengerer. Durch die detaillierte
Analyse in Asterina gibbosa hofft die Wissen-
schaftlerin nun im Vergleich zu Asterias rubens
die essenziellen Bestandteile von Seestern-
Klebstoffen zu entschlüsseln und die Vari-
ation besser zu verstehen. Zudem konnte sie
erste Hinweise darauf identifizieren, wie sich
die Tiere von dem starken Klebstoff lösen, um
sich fortzubewegen. „Wir haben eine Protea-
se gefunden, die nur in den Drüsen produziert Die Bilder zeigen die von Birgit Lengerer untersuchte Seestern-Art Asterina gibbosa (oben),
wird, die es den Füßchen ermöglichen, sich die zahlreichen Füßchen an der Unterseite der Seestern-Arme (Mitte) und ein Tubenfüß-
loszulösen. In Kooperation mit dem Labor von chen in 170-facher Vergrößerung, dargestellt mit einem Rasterelektronenmikroskop (un-
Patrick Flammang versuche ich nun, diese ten). Im Bild unten rechts eine schematische Darstellung des Zwei-Drüsenklebesystems:
Protease in Bakterien herzustellen und ihre Klebedrüsen sind in Rot dargestellt, Loslösdrüsen in Grün und Epidermiszellen in Blau.
Funktion zu bestätigen“, so die Biologin.
susanne.e.roeck@uibk.ac.at ◼
8

Von den Besten lernen


Was zeichnet eine gute Schule aus? Was machen jene Schulen anders, die in
den vergangenen Jahren mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden
sind? Diesen Fragen ist ein Team um Univ.-Prof. Michael Schratz und Ass.-Prof.
Markus Ammann vom Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der
Universität Innsbruck nachgegangen.

D
ie Ergebnisse der Studie unter dem Ti- weit überdurchschnittlich abschneiden. men noch Interviews mit der Schulleitung,
tel „Von den Besten lernen“ werden Was für Schulen sind das, die diesen Kriterien mit den Lehrenden und auch mit Schüle-
derzeit in einem Abschlussbericht zu- entsprechen? rinnen und Schülern. Insgesamt kamen so
sammengefasst und sollen sich künftig auch Michael Schratz: Den Deutschen Schulpreis 111 Interviews zusammen, die mehr als 1.000
in der Ausbildung von Lehrerinnen und Leh- haben ganz unterschiedliche Einrichtungen Seiten füllen.
rern niederschlagen. erhalten – von der Grundschule über inte- Wie schauen die ersten Ergebnisse der Studie
Mit Ihrer Studie untersuchten Sie Schulen, die grierte Gesamtschulen, deutsche Schulen im aus?
mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet Ausland bis hin zum Gymnasium. Und: Alle Markus Ammann: Es hat sich ziemlich
wurden. Was hat Sie am meisten interessiert? deutschen Bundesländer, bis auf eines, haben schnell herausgestellt, dass es „die“ Füh-
Markus Ammann: Im Zentrum stand das bereits Siegerschulen. Auffallend ist auch, rungspersönlichkeit nicht gibt. Vielmehr ist
Führungshandeln an diesen Schulen. Wir dass aus den neuen Bundesländern sehr in- es ein Zusammenspiel von persönlichen Ei-
wollten wissen, wie dieses ausschaut und wie novative Schulen dabei sind. genschaften, dem gelebten Führungsmodell
es sich vor allem vom Führungshandeln un- und dem schulischen Umfeld. Klar gezeigt
terscheidet, das wir an anderen Schulen ken- Ein genauer Blick in die hat sich auch, dass einer bzw. eine allein
nen. nichts erreichen kann. Es braucht ein Netz-
Siegerschulen
Welche Schulen haben Sie sich angeschaut? werk, die entsprechende Zusammenarbeit,
Markus Ammann: Wir haben uns insgesamt Zurück zur Studie: Was haben Sie sich in den die Gemeinschaft. Auffallend war auch, dass
28 Schulen näher angeschaut, die in den ver- Siegerschulen angeschaut? „Verantwortung“ für alle ein wichtiger Be-
gangenen zehn Jahren mit dem Deutschen Markus Ammann: Das Studienteam hat al- griff war.
Schulpreis ausgezeichnet wurden und in de- le Schulen selbst besucht und dort drei Tage Michael Schratz: Alle Schulen gehen Prob-
nen noch dieselben Direktorinnen und Di- verbracht. Einen ganzen Tag lang haben wir leme und Herausforderungen aktiv an. Sie
rektoren tätig waren wie zum Zeitpunkt der die Schulleitung begleitet – bei ihrer Tätig- holen sich Unterstützung, wenn sie sie be-
Preisvergabe. keit im Haus, aber auch bei Terminen außer nötigen, versuchen Wege zu finden, drin-
Haus. Natürlich haben wir auch den Unter- gend benötigte Geldmittel aufzutreiben,
Sechs Kriterien als Basis der richt besucht. Die Eindrücke haben wir in suchen miteinander nach Lösungen, wenn
Kurzberichten zusammengefasst. Dazu ka- Probleme auftreten. Kurz gesagt, die „Bring-
Schulbewertung
Hol-Schuld“ in diesen Schulen ist eine ande-
Was zeichnet die Schulen, die prämiert wur- re, auch die Kommunikation – intern und mit
den, aus und nach welchen Kriterien wurden allen Schulpartnern.
und werden sie beurteilt?
Michael Schratz: Ziel des Deutschen Schul-
Die Studie Markus Ammann: Vielleicht ein Beispiel, wie
diese Schulen versuchen, das Beste aus be-
preises ist es, die Qualität von Schule und Un- stimmten Situationen zu machen. Es braucht
terricht nachhaltig zu verbessern. Wir versu- „Von den Besten lernen“ lautet der gute Räume, um gut unterrichten zu können.
chen damit, seit zehn Jahren – so lange gibt Titel der Studie, die sich mit dem lern- Eine der besuchten Schulen ist in einem Ge-
es den Preis bereits – hervorragende päda- wirksamen Schulleitungshandeln in bäude aus der Zeit um 1900 untergebracht.
gogische Arbeit sichtbar und auf innovative den vom Deutschen Schulpreis aus- Architektonisch also kaum mit modernen pä-
pädagogische Konzepte aufmerksam zu ma- gezeichneten Lehreinrichtungen aus- dagogischen Konzepten vereinbar. Die Schule
chen. Schulen sollen einander inspirieren und einandersetzt. hat sich in der Folge die vorhandenen Räume
voneinander lernen. Die Studie ist in einer Kooperation und Bereiche einfach erobert. Hier findet der
Für die Vergabe des Deutschen Schul- von Universität Innsbruck, der Robert- Unterricht zum Beispiel auch in den Gängen
preises, der mit 100.000 Euro sehr hoch do- Bosch-Stiftung und dem Deutschen statt.
tiert ist, haben wir sechs Kriterien definiert, Schulpreis durchgeführt worden. Michael Schratz: Eine andere Schule war mit
die erfüllt werden müssen: Leistung, Umgang Mitgearbeitet haben neben Micha- einem Schüler mit ganz spezifischem Un-
mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwor- el Schratz und Markus Ammann noch terstützungsbedarf konfrontiert. Die Schu-
tung, Schule als lernende Institution sowie Veronika Möltner, Werner Mauersberg, le ging das Problem aktiv an, holte sich das
Schulklima, Schulleben und außerschulische Niels Anderegg, Malte Gregorzewski nötige Know-how von außen, um mit for-
Partner. In all diesen Bereichen müssen die und Alexander Bergmann. dernden Situationen umgehen zu können, die
Schulen gut und mindestens in einem Bereich im Unterricht auftreten können.
9

Auf dem Weg zur


außergewöhnlichen Schule
braucht es auch innovative
Unterrichtskonzepte.
Fotos: iStock/stockfour; Schratz; David Lederbauer

Was geschieht mit den Studienergebnissen? bei standardisierten Vergleichstests zumin- gehen allerdings innovativ damit um. Was
Markus Ammann: Wir haben bei der Aus- dest gleich gut oder besser ab als jene aus aber alle Schulen brauchen, um aktiv agie-
wertung unserer Daten insgesamt 56 Facetten vergleichbaren Schulen. ren zu können, ist Vertrauen: innerhalb der
von Schulführung beschrieben. Diese bringen Was brauchen Schulen, um so agieren zu kön- Schulgemeinschaft, aber auch von der Politik,
zum Ausdruck, wie vielfältig und bunt das nen? Sind die Siegerschulen des Deutschen den Gemeinden, den Eltern. Und: Es braucht
alles ist, was die Schulleitungen machen. Es Schulpreises finanziell und personell anders Anerkennung. Schulen, auch unsere, leisten
zeigt weiters, wie bunt und vielschichtig die- ausgestattet? extrem viel, besonders mit Blick auf die be-
ser Beruf ist. Dieses „Facettenmodell“ der Michael Schratz: Nein, sie kämpfen mit stehenden Rahmenbedingungen.
Führung soll nun noch mehr ausdifferen- denselben Problemen wie andere Schulen. Sie christa.hofer@tt.com ◼
ziert werden und künftig bei der Ausbildung
von Schulleiterinnen und Schulleitern, aber
auch Lehrenden zum Einsatz kommen. Un- ZU Den PerSonen
sere Studierenden können sich außerdem in
verschiedenen Lehrveranstaltungen mit den Univ.-Prof. Dr. Michael Schratz ist Experte in den Bereichen
prämierten deutschen Schulen und unseren Leadership und Lernen, Autor und Vortragender. Als
Studienergebnissen auseinandersetzen. Ge- Gründungsdekan der School of Education an der Universität
plant ist auch, künftig Exkursionen zu diesen Innsbruck engagierte er sich in der Reform der Lehrer/-innenbildung,
Schulen zu machen. Unser Ziel ist es, dass Stu- als wissenschaftlicher Leiter der österreichweiten Leadership
dierende eigene Fragestellungen entwickeln Academy hat er über 3.000 Führungspersonen im Bildungswesen
und daraus für sich Erkenntnisse gewinnen. in Prozesse entstehender Zukunft eingeführt. Schratz ist seit zehn
Die Organisation des Unterrichts ist in diesen Jahren außerdem Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises.
Schulen zum Teil weit entfernt von dem, was
die Studierenden aus der eigenen Schulzeit Ass.-Prof. Mag. Dr. Markus Ammann ist Studienbeauftragter
kennen. Alle besuchten Schulen haben einen für Bildungswissenschaftliche Grundlagen am Institut für
stark personalisierten Unterricht und kaum LehrerInnenbildung und Schulforschung (ILS) an der Universität
Vortragstätigkeit der Lehrenden. Die Kinder Innsbruck. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören
und Jugendlichen erarbeiten viel selbststän- unter anderen die Organisationstheorie der Schule, Cross-Border-
diger ihre Aufgaben. Das heißt nicht, dass sie Learning und Leadership in schulischen Transformations-
„nur spielen“. Im Gegenteil: Die Schülerinnen prozessen.
und Schüler dieser Siegerschulen schneiden
10

Diese Halbhöhle auf etwa 1700 Metern


Höhe im Halltal ist der bisher einzige
Fundort von Überresten des ausgestorbenen
Höhlenbären im Karwendelgebirge.
Am Schienbeinknochen (rechts) eines
jungen Höhlenbären lassen sich oben
und unten Bissspuren erkennen.
Fotos: Christoph Spötl

Karwendel: Erstmals
Höhlenbären entdeckt
Höhlenbären lebten in der letzten Kaltzeit und starben vor rund 25.000 Jahren aus.
Dass sie auch im Karwendel in der Nähe von Innsbruck vorkamen, war bisher
nicht bekannt. Dank eines aufmerksamen Bergsteigers gelang Christoph Spötl vom
Institut für Geologie nun erstmals der Nachweis dieser „Riesenbären“ im Halltal.

M
it einer Länge von bis zu 3,5 Me- für die Winterruhe auf, lebten also nicht das war für uns die Entdeckung von Knochen
tern und einer Schulterhöhe von ganze Jahr über darin. Vor etwa 25.000 Jah- und Zähnen des Höhlenbären in einer Höhle
etwa 1,7 Metern war der Höhlenbär ren starben die letzten Exemplare aus. „In im südlichen Karwendel, die wir nun endlich
deutlich größer als der heute lebende Braun- den Ostalpen sind bisher etwa 50 Fundstellen viele Jahre nach ihrer zufälligen Entdeckung
bär. Der Höhlenbär gilt als Vertreter der so des Höhlenbären bekannt. Die meisten dieser beschreiben und zuordnen konnten“, freut
genannten Megafauna, also besonders groß Bärenhöhlen liegen im Grazer Bergland und sich der Geologe.
gewachsener Säugetiere ihrer Zeit. Höhlen- in den Nördlichen Kalkalpen zwischen Nie-
bären lebten während der letzten Kaltzeit derösterreich und Salzburg. In Tirol konnten Fundort Absam
(Pleistozän) und besiedelten auch den Al- bisher nur in der Tischoferhöhle bei Kufstein
penraum. Sie ernährten sich – was aufgrund Überreste gefunden werden“, erklärt Prof. Die Höhlenbären-Reste stammen aus ei-
ihrer imposanten Erscheinung vielleicht et- Christoph Spötl, Leiter der Arbeitsgruppe für ner Halbhöhle in etwa 1700 Meter Seehöhe
was überraschen mag – fast ausschließlich Quartärforschung am Institut für Geologie im Halltal, einem kleinen Seitental des Inn-
von Pflanzen. Höhlen suchten sie vor allem der Uni Innsbruck. „Umso überraschender tals im Gemeindegebiet von Absam. Bereits
11

vor 35 Jahren hat der Absamer Reinhard Fe-


derspiel die Knochenreste bei einer Berg-
tour in diesem Gebiet zufällig gefunden. „Die
Knochenstücke waren in feinem, hellbrau-
nem Sand eingebettet. Herr Federspiel grub
sie aus und verwahrte sie bei sich zu Hause.
2018 wurden sie an uns zur weiteren Analy-
se übergeben. Ich habe die Fundstelle auch
nochmals aufgesucht: Die etwa fünf Meter
tiefe Höhle ist nur weglos erreichbar und be-
findet sich in einem etwas ausgesetzten Be-
reich der so genannten ‚Steinernen Knappen‘.
Das von Reinhard Federspiel beschriebene
gelbbraune Feinsediment konnte auch heute
noch dort beobachtet werden“, erzählt Spötl.
Gemeinsam mit seiner Kollegin und Expertin
für eiszeitliche Säugetiere Dr. Martina Pacher
vom Institut für Paläontologie der Uni Wien
Christoph Spötl und
analysierte Christoph Spötl die Knochen-
Reinhard Federspiel
stücke. Das gefundene Material besteht aus
mit dem fast vollständig
32 Resten von mindestens sechs Höhlen-
erhaltenen Unterkiefer eines
bären. Dabei handelt es
Höhlenbären.
sich um Überreste Foto: Universität Innsbruck
sowohl von ausge-
wachsenen Bären
als auch von Jung-
tieren. Neben Frag-
menten von Ober- chen zwischen 36.000 und 40.000 Jahren an- Dennoch könnte es darauf hinweisen, dass es
armen und Ober- so- zusiedeln ist“, verdeutlicht der Geologe. „In mehr als nur eine Phase im Pleistozän gab, in
wie Unterschenkeln diesem Zeitraum hielten sich die Höhlen- der sich Höhlenbären im Halltal aufhielten.“
wurden auch Schädel- bären mit großer Gewissheit im Halltal auf. Der erstmalige Nachweis von Höhlenbären
reste in Form von Schei- Der Wert überlappt auch mit den Vorkommen im Karwendel ist für die Forschung von be-
telbeinen, ein fast voll- von Höhlenbären in Kufstein.“ Die Optik des sonderem Interesse: Die Lokalisierung ist ein
ständiger Unterkiefer Inntales und seiner Seitentäler war zu die- wichtiger Puzzlestein in der Rekonstrukti-
und einzelne Backenzäh- ser Zeit – die Epoche wird in der Fachsprache on der Verbreitung dieses ausgestorbenen
ne gefunden. „Die Kno- als „Mittelwürm“ bezeichnet – freilich eine eiszeitlichen Pflanzenfressers und füllt die
chenüberreste sind teil- ganz andere: „Die Inntalsohle war zu dieser Lücke zwischen dem Vorkommen bei Kuf-
weise stark verwittert und Zeit von einem großen, fjordähnlichen See stein und jenem im Sulzfluh-Gebiet im Süden
weisen deutliche Korro- bedeckt, der über Innsbruck hinaus noch ein Vorarlbergs. Dass ein Nachweis ausgerechnet
sionsspuren auf, dennoch Stück ins Oberinntal reichte. Die Ufer waren in den Tiroler Kalkalpen gelungen ist, freut
konnten wir die Fragmente von einer kaltzeitlichen Tundra-Vegetati- das Innsbrucker Forscher-Team: „Die Chan-
bestimmen und datie- on geprägt.“ Als bemerkenswert bezeichnet cen auf weitere Funde in diesem Gebiet sind
ren“, sagt Spötl. Auf dem Christoph Spötl das Datierungsergebnis einer allerdings nicht sehr hoch, da die Höhlen-
Schienbeinknochen eines Knochenprobe: „Das Alter einer Probe dürf- dichte im Vergleich zu weiter östlich gele-
Jungtieres wurden bei- te über die 50.000 Jahre hinausgehen, ist al- genen Gebieten viel geringer ist. Unser Dank
spielsweise Bissabdrucke so nicht mehr mit der Radiokarbonmethode gilt daher Reinhard Federspiel, der uns die
eines mittelgroßen Raub- einordenbar. Leider haben wir nur bei einer Funde für die Analysen und zur weiteren Ver-
tieres – möglicherweise Analyse ein solches Ergebnis erhalten, da- wahrung bereitwillig überließ“, betont Spötl.
eines Wolfes – entdeckt her sollte es auch nicht überbewertet werden. melanie.bartos@uibk.ac.at ◼
(siehe Bild).

Altersbestimmung
Zur Altersbestim-
mung zog Christoph
Spötl die Radiokar-
bon-Methode heran.
Die Methode, die auch
unter der Bezeichnung C-14-Methode
bekannt ist, wird häufig zur Datierung von Blick auf die Fundstelle zwischen
organischem Material verwendet, indem der Großem Lafatscher (links) und
Gehalt radioaktiven Kohlenstoffs ermittelt Großem Bettelwurf (rechts) mit
wird. Mit dieser Vorgehensweise können Da- der Kapelle von St. Magdalena im
tierungen bis etwa 50.000 Jahre in die Ver- Halltal. Die Höhleneingänge sind in
gangenheit vorgenommen werden. „Wir ha- der Bildmitte oben zu erkennen.
ben von den Knochen-Fragmenten Proben Foto: Christoph Spötl
entnommen und ihr Alter bestimmt. Dabei
haben wir ermittelt, dass das Alter der Kno-
12

Leben aus
dem Eis
Wie entwickeln sich Organismen unter
lebensfeindlichen Bedingungen, wie entsteht
fruchtbarer Boden, und wovon ernähren sich
Pioniertiere, die diese Gebiete besiedeln? An diesen
Fragen forscht die Mikrobiologin Ursula Peintner
mit ihrem Team.

I
deale Voraussetzungen für ihre Forschung in früheren Arbeiten haben wir festgestellt,
finden die Mikrobiologinnen und Mikro- dass Mikroorganismen in schneebedecktem
biologen am Gletschervorfeld des Rot- Boden zehnmal mehr Biomasse bilden als im
moosferners in den Ötztaler Alpen. Aufgrund Sommer. Bis jetzt haben wir uns aber noch
des wärmer werdenden Klimas zieht sich der nicht an Stellen herangewagt, an denen Le-
Gletscher immer weiter zurück und erlaubt so ben erst entsteht, wie etwa im gerade von Eis
die Beobachtung früher Phasen der Boden- befreitem Boden“, sagt Ursula Peintner, Pro-
entwicklung. Ihre Untersuchungen zeigen, fessorin am Institut für Mikrobiologie. Die-
dass das Mikrobiom aus dem Gletschereis se Ergebnisse konnte Peintner Mitte dieses
eine wichtige Rolle bei der Erstbesiedelung Jahres auch im Forschungsmagazin Environ-
spielt. mental Microbiology veröffentlichen.
Mit Hilfe des modernen „next generation
sequencing“ (NGS), einer Methode, die das »Wir haben auch Pilze gefunden,
parallele Sequenzieren einer großen Anzahl
bei denen wir uns gefragt
von DNA-Molekülen erlaubt, ist es den Wis-
senschaftlerinnen und Wissenschaftlern ge- haben, wie sie an diesen frühen
lungen, Mikroorganismen vor allem in Form eisfreien Standorten wachsen schungsstelle der Universität Innsbruck fi-
von Pilzen im Gletschervorfeld nachzuwei- können.« nanzierte Untersuchung das Gletschervorfeld
sen. Selbst im kargen Boden direkt an der in drei Versuchsflächen aufgeteilt: eine direkt
Gletscherzunge konnten die Forscherinnen UrsUla Peintner an der Gletscherzunge, wo sich der Gletscher
und Forscher eine hohe Diversität an Pilz- erst innerhalb der letzten drei Jahre zurück-
arten nachweisen. Durch Untersuchungen Das Team, zu dem neben Ursula Peint- gezogen hat, eine, die seit mindestens neun
sowohl im Sommer als auch im Winter konn- ner auch zwei Studierende und zwei wissen- bis maximal 13 Jahren gletscherfrei ist, und
ten sie zudem erstmals einen saisonalen schaftliche Mitarbeiterinnen des Instituts eine, die bereits 18 bis 25 Jahre vom Eis be-
Wechsel von Arten dokumentieren. „Bereits zählen, hat für diese von der Alpinen For- freit ist.

Überlebenskünstler
ZUr PErson In den Versuchsfeldern wurden jeweils im
Sommer und im Winter kleine Polyethylen-
Ursula Peintner (*1966 in Bruneck in Südtirol) studierte Biologie Säckchen vergraben. Sie waren alle mit ste-
an der Universität Innsbruck. Seit 1991 ist sie am Institut für rilem Quarzsand gefüllt und hatten Maschen,
Mikrobiologie in Lehre und Forschung tätig. Sie hat zahlreiche die gerade so groß waren, dass Pilze durch-
Forschungsaufenthalte unter anderem in den USA und in Sibirien wachsen konnten. Die Ergebnisse waren für
verbracht. Ihr Forschungsschwerpunkt sind Pilze, wobei viele das Team überraschend: „Sogar in der erst
verschiedene Aspekte betrachtet werden: von der Biodiversität und seit kurzem eisfreien Fläche haben wir Pilze
Beschreibung neuer Arten zur möglichen Nutzung und Funktion von im Boden gefunden und noch dazu je nach
Pilzen, einschließlich der mannigfaltigen Interaktionen von Pilzen mit Pflanzen und Saison andere. Im Winter zum Teil sogar
anderen Mikroorganismen. Ursula Peintner ist Leiterin des im Mai gestarteten mehr verschiedene Arten als im Sommer“,
FWF-Projektes „MICINSNOW – Microbial Interactions in Snow Covered Habitats“. sagt Ursula Peintner. Zwischen den jüngsten
und den ältesten untersuchten Flächen gibt
13

Den Einfluss von Mikrobiom aus dem


Gletschereis auf die Bodenentwicklung erforschen
Mikrobiologinnen und -biologen um Ursula Peintner
am Rotmoosferner in den Ötztaler Alpen.
Foto: Bildarchiv Alpine Forschungsstelle Obergurgl

»Sogar in der erst seit kurzem orten wachsen können. Beispielsweise einen jekts „MICINSNOW – Microbial Interactions
Rostpilz, der normalerweise strikt an Pflan- in Snow Covered Habitats“ weitergeforscht
eisfreien Fläche haben wir Pilze
zen gebunden ist und alleine nicht überleben werden. Das Projekt MICINSNOW unter-
im Boden gefunden und noch kann. Außerdem sind etwa 20 bis 30 Prozent sucht, wie winteraktive bodenmikrobielle
dazu je nach Saison andere. der Pilze, die wir entdeckt haben, noch nicht Gemeinschaften miteinander interagieren.
Im Winter zum Teil sogar bekannt“, erklärt die Mikrobiologin. Welche Im Winter, wenn Pflanzen sich in der Ru-
Tiere diese lebensfeindlichen Habitate besie- hephase befinden, setzen Mikroorganismen
mehr verschiedene Arten als deln und wovon sie sich ernähren, wurde in totes Material um, sie wachsen und bilden
im Sommer.« Zusammenarbeit mit Rüdiger Kaufmann und dadurch leicht verfügbare Biomasse, welche
UrsUla Peintner
Michael Traugott vom Institut für Ökologie den Pflanzen im Frühling für ihr Wachs-
untersucht. An denselben Standorten wur- tum zur Verfügung steht. Das vom Wissen-
den die ersten Tiere, nämlich Springschwän- schaftsfonds FWF geförderte Forschungs-
es dabei einen großen Unterschied in der Zu- ze (Collembolen), identifiziert und quantifi- projekt legt den Fokus auf diese Interakti-
sammensetzung der Arten. ziert. Die meisten Collembolen wurden direkt on von Bakterien und Pilzen und wie dieses
Die Mikroorganismen und Pilze in den un- am Gletscherrand gefunden und hatten mit Zusammenspiel das Leben in kalten, extrem
tersuchten Flächen, die am längsten eisfrei Pollen, pilzlichem Material und Mineralpar- nährstoffarmen Böden ermöglicht. Das Wis-
sind, entwickeln sich bereits hin zu normalen tikeln gefüllte Mägen. Das deutet darauf hin, sen über typische Wechselwirkungen zwi-
Bodenpilzgesellschaften, die eigentlich erst dass Eis und die darin enthaltenen Nährstoffe schen Mikroorganismen gibt Aufschluss
in Böden vorkommen, die 100 bis 150 Jahre für das Überleben dieser ersten tierischen Be- über die mögliche Rolle mikrobieller Ver-
eisfrei sind. In den vordersten Flächen, also siedler essenziell sind. bindungen in kalten Böden und schafft die
während der ersten ein bis drei eisfreien Jah- Voraussetzungen für weitere experimen-
re, finden sich vor allem Hefen, die später ver- Projekt MICINSNOW telle Untersuchungen zur Funktion von Pil-
mutlich verdrängt werden. „Wir haben auch zen und prokaryontischen Organismen in
Pilze gefunden, bei denen wir uns gefragt ha- Mit diesen Ergebnissen soll nun im Rah- schneebedeckten Böden.
ben, wie sie an diesen frühen eisfreien Stand- men des am 1. Mai 2019 gestarteten Pro- lisa.marchl@uibk.ac.at ◼
14

Wahrscheinlich sicher
Dürre und Hitze im Sommer, starker Regen im Frühling oder weiße Weihnachten?
Um zukünftig genauer Bescheid zu wissen, arbeitet Reto Stauffer am Institut für
Statistik und im neu gegründeten Forschungsschwerpunkt Digital Science Center
(DiSC) an der Entwicklung von statistischen Methoden zur Wettervorhersage.

D
amit sich die Menschen auf Regen, ten Messungen durchgeführt werden können, turen erarbeiten“, verdeutlicht der Wissen-
Schnee oder Sonnenschein einstel- passieren in den Prognosen kleinere Fehler schaftler.
len können, erstellen Expertinnen und Abweichungen“, so Reto Stauffer, der mit
und Experten täglich Vorhersagen basierend seinem Team daran arbeitet, mithilfe sta- Wind und Wetter
auf Wettermodellen, die auf den physika- tistischer Methoden die Vorhersagen weiter
lischen Grundlagen basieren. „Modelle sind zu verbessern. „Basierend auf den Wetter- Wird der Sommer dürr und trocken oder
immer eine Annäherung an die Realität und vorhersagen der letzten fünf Jahre und den der Winter kalt und nass? Stauffer stellt einen
es können nie alle Besonderheiten der Natur, reellen Messungen dazu möchten wir mit- großen Trend in Richtung subsaisonaler, also
wie etwa die Einflüsse der Nordkette auf das tels Statistik herausfinden, unter welchen längerfristiger Vorhersagen, fest. Bis zu zwei
Wetter in Tirol, vollkommen erfasst werden. Umständen das physikalische Modell einen Monate im Voraus soll es möglich sein, ei-
Dadurch, dass man noch nicht alle Prozesse Fehler gemacht hat. Daraus können wir für ne Tendenz des Wetters vorherzusagen, eine
genau versteht und auch nicht an allen Punk- zukünftige Prognosen lernen und Korrek- nicht ganz einfache Aufgabe. Die Atmosphäre

Reto Stauffer arbeitet daran, mithilfe statistischer


Methoden die Wettervorhersagen weiter zu verbessern.

Im Bild oben links die Niederschlagswahrscheinlichkeit


in Prozent für ganz Tirol am 2. Dezember 2019
von 7 bis 8 Uhr morgens. Vor allem im Norden und
Nordosten waren Niederschläge zu erwarten.

Im Bild oben rechts die Niederschlags-


wahrscheinlichkeit für Europa am 4. Dezember 2019.

Fotos: iStock/AWelshLad, Reto Stauffer, Uni Innsbruck


15

ist ein chaotisches System und man versucht nächsten halben Stunde, müssen eventuell flächendeckende Prognosen sind aber nicht
schon seit mehreren Jahren abzuschätzen, Start- und Landebahnen umgeplant werden. nur regional für Tirol, sondern weltweit rele-
wie sicher solche langfristigen Prognosen Eine Aufgabe, die gerade in Innsbruck, zu vant. Die Expertinnen und Experten könnten
sind. „Es geht aber schon lange nicht mehr Föhn-Zeiten, besonders herausfordernd und so zukünftig noch besser Klimaextreme pro-
nur darum, ob es weiße Weihnachten geben wichtig ist. „Föhn ist nicht messbar, sondern gnostizieren und beispielsweise schon früh-
wird oder nicht. Vielmehr sollen Wahrschein- nur die Stärke des Windes. Gerade entwickeln zeitig vor wahrscheinlichen Dürreperioden
lichkeitsvorhersagen klären, wie sicher es ist, wir ein statistisches Modell, das entscheidet, warnen. „So könnte einer drohenden Was-
dass es weiße Weihnachten geben wird“, er- ob es nur starker Wind oder schon Föhn war. serknappheit vorgebeugt oder Vorsichtsmaß-
läutert Stauffer. In ihren Forschungen sind Daraus entwickeln wir weitere Vorhersage- nahmen für ein mögliches Hochwasser ge-
die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft- modelle, um die Wahrscheinlichkeit für Föhn troffen werden“, sagt der Statistiker.
ler noch auch auf Beobachtungen angewie- für die kommenden Tage zu berechnen“, so
sen, um ihre Algorithmen zu trainieren, zu der Experte, der betont, dass diese Vorhersa- Digitales Miteinander
überprüfen und weiter zu verbessern. „Dafür gen beispielsweise auch für Veranstalter von
nützen wir auch Machine Learning, also au- Großereignissen relevant sind. Reto Stauffer ist nicht nur am Institut
tomatisiertes Lernen. Als Trainingsdatensatz für Statistik wissenschaftlich tätig, son-
beziehen wir uns auf die Vorhersagen und Prognosen dern ist auch Mitglied des neu gegründeten
Beobachtungen aus den letzten Jahren, um Forschungsschwerpunktes „Digital Science
daraus zu lernen. Ist eine Wettervorhersage Wie der Flughafen oder Event-Planer sind Center“ (DiSC). Die Digitalisierung bezeich-
für eine bestimmte Region immer um 3 °C zu viele Branchen, wie auch Paketdienste oder net die tiefgreifende Transformation von
kalt, dann kann man davon ausgehen, dass Energieerzeuger, von möglichst genauen, Prozessen durch digitale Hilfsmittel, Metho-
man am kommenden Tag anstatt von den langfristigen Prognosen abhängig. Aufbau- den und Medien. Sie durchdringt derzeit alle
prognostizierten 4 °C eher von 7 °C ausgehen end auf bereits bekannten statistischen Me- Bereiche unserer Gesellschaft, einschließ-
kann“, so der Statistiker. Ziel der angewandten thoden adaptieren Stauffer und sein Team lich Wissenschaft, Wirtschaft und soziale
Forschungen von Stauffer und seinem Team diese für ihre Anwendungsgebiete, wie etwa Beziehungen. Im Zentrum dieser Entwick-
ist es, die von ihnen entwickelten Methoden flächige Vorhersagen für Tirol. „Das Problem lungen stehen neue Möglichkeiten der Da-
als Open-Source-Software beispielsweise der bei den meisten bisher bekannten Metho- tenanalyse und der künstlichen Intelligenz.
Zentralanstalt für Meteorologie und Geody- den ist, dass die Korrektur von Temperatur- Sie entfalten ihr Potenzial durch interdiszi-
namik (ZAMG) zur Verfügung zu stellen. Aber und Niederschlagsvorhersagen nur punktu- plinäre Synergien zwischen Informatik, Ma-
auch Flughäfen sollen von den Forschungen ell durchgeführt werden kann. Unser Ziel ist thematik, Statistik und allen anderen wis-
direkt profitieren. „Derzeit arbeiten wir da- es aber, flächige Vorhersagen für alle Punkte senschaftlichen Fachdisziplinen. „Als Mit-
ran, Windvorhersagen für Flughäfen zu ver- Tirols gleichzeitig zu erstellen“, erläutert glied des DiSC, unter der Leitung von Justus
bessern“, erläutert Stauffer. Gerade für Flug- Stauffer. Er verdeutlicht, dass dafür die gän- Piater, Professor am Institut für Informa-
zeuge ist es wichtig, ob sie beim Starten und gigen räumlich-statistischen Modelle so um- tik, arbeite ich genau an der Schnittstelle,
Landen mit Rückenwind zu rechnen haben gebaut werden müssen, dass alle Daten und an der schon sehr viele Daten mit Machine
oder nicht. Ändert sich der Wind im Lauf der Parameter kombinierbar sind. Langfristige Learning für angewandte Bereiche aufbe-
reitet werden“, so Stauffer, der eines von 15
Mitgliedern im Forschungsschwerpunkt ist.
Die Expertinnen und Experten unterschied-
ZuR PeRSon lichster Forschungsrichtungen sollen sich
und ihre wissenschaftlichen Untersuchungen
Reto Stauffer promovierte 2016 im Fach „Atmosphärenwissen- gegenseitig bereichern und ergänzen. „Wir
schaften“ an der Universität Innsbruck und beschäftigt sich seit werden in Kürze auch ein gemeinsames Bü-
vielen Jahren mit der Entwicklung neuer statistischer Verfahren und ro beziehen, in dem der Mathematiker ne-
der dazu nötigen Software. Die neuen Verfahren werden eingesetzt, ben dem Statistiker oder der Biologin sitzt.
um genauere und verlässlichere Wettervorhersagen zu erstellen. In ungezwungener Atmosphäre sollen sich
Seit einem Jahr ist er auch Mitglied des an der Universität Innsbruck Synergien entwickeln und in gemeinsamen
neu gegründeten Digital Science Centers (DiSC), wo er sein Wissen Gesprächen Anknüpfungspunkte und Über-
in Forschung und Lehre einbringt und gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern schneidungen oder einfach nur ein gemein-
aus anderen Fachbereichen die Digitalisierung an der Universität unterstützt und samer Ideenaustausch entstehen“, freut sich
vorantreibt. Reto Stauffer.
daniela.puempel@uibk.ac.at ◼
16

„DIE Menschenrechte
gibt es nicht“
Marie-Luisa Frick ist Professorin für Philosophie. Neben der Philosophie
hat die gebürtige Lienzerin auch Rechtswissenschaften studiert. Da
liegt es nahe, dass die Rechtsphilosophie zu ihren Forschungsfeldern
zählt. Im Interview zum Internationalen Tag der Menschenrechte heute,
10. Dezember, spricht Frick über Menschenrechte, ihre gesellschaftliche
Bedeutung und warum es sie zu wahren gilt.

Frau Frick, was genau sind Menschenrechte Gerichtshof für Menschenrechte geben. Zu- konvention, die von einem Gericht geschützt
eigentlich und wer bestimmt sie? nächst ist es nur bei dieser Erklärung geblie- wird. Das ist etwas Besonderes. Inzwischen
Marie-Luisa Frick: Menschenrechte sind ben. Dann hat es Jahrzehnte später zwei Pakte folgen auch andere Regionen diesem Vorbild:
Ansprüche, die jedem Menschen zustehen gegeben, die die Menschenrechte noch ein- So hat auch die Afrikanische Union eine Afri-
sollten, nur weil er Mensch ist. Wenn man auf mal aufspalten in die bürgerlich-politischen kanische Menschenrechts-Charta mit einem
die internationale Ebene blickt, gibt es ei- und die wirtschaftlichen, sozialen und kultu- Afrikanischen Gerichtshof für Menschen-
ne Reihe von Menschenrechtsdokumenten: rellen Rechte. Zu einem globalen Gerichtshof rechte. Natürlich funktioniert das noch nicht
Einerseits sind das unverbindliche Erklä- für Menschenrechte ist es aber bekanntlich so gut wie in Europa, wo das schon seit den
rungen, andererseits aber auch verpflich- nie gekommen. 50er-Jahren Tradition hat. Die gemeinsame
tende Verträge. Es gibt also nicht die Men- Auf europäischer Ebene haben wir einen sol- Idee aber ist, einen Vertrag zu haben, der
schenrechte. Es gibt sie immer nur in einer chen Gerichtshof für Menschenrechte. wirklich überwacht wird.
bestimmten Form, die von Kultur, Religion, Frick: Ja. Das europäische System für Men- Inwiefern sehen Sie einen Zusammenhang
Geschichte oder zeitlichem Kontext abhängt. schenrechte wird von der internationalen zwischen Menschenrechten und demokra-
Für viele sind das Verbot von Sklaverei und Organisation des Europarats und seinem tischen Systemen?
Folter „zwingende“ Menschenrechte, alles Straßburger Gerichtshof getragen. Da sind Frick: Es gibt ganz klar einen ideenge-
andere ist mehr oder weniger Verhandlungs- nicht nur europäische Staaten dabei, sondern schichtlichen Zusammenhang. Sowohl den
sache. Bei der UN-Menschenrechtserklärung auch die Türkei, Russland oder Aserbaid- Menschenrechten als auch der Demokratie
aus 1948 haben sich die damaligen Staaten schan. Hier haben wir eine Menschenrechts- liegt die gleiche Idee zugrunde: das Prinzip
durch Vertreter auf eine Liste geeinigt. Es gibt der Volkssouveränität. Das kommt aus der
Protokolle, die diese knapp zweijährigen Ver- politischen Philosophie, ganz konkret von

Sie möchten
handlungen nachzeichnen. So kann man auch der Idee, dass Staaten von Menschen für ei-
heute nachvollziehen, welcher Vertreter wel- nen bestimmten Zweck gebildet werden.
chen Landes worauf Einfluss genommen hat. weiter hören? Staaten haben einen Auftrag – den Schutz
Das Schöne bei der Allgemeinen Erklärung der „natürlichen“ Rechte des Menschen. So
der Menschenrechte ist, dass sie ein gelun- hat man im 17. Jahrhundert Menschenrechte
gener Kompromiss zwischen verschiedenen Die Philosophin begründet. Die Schwierigkeit ist, dass es auch
politischen Ideologien ist: Es gab wirklich Marie-Luisa Frick Konflikte geben kann zwischen Volkssouve-
das Bestreben, eine Erklärung zu verfassen, war auch zu Gast im ränität und Menschenrechten, weil natürlich
die möglichst universal, also allgemein ver- Podcast „Zeit für theoretisch eine demokratische Mehrheit
tretbar ist. Wissenschaft“ der auch Rechte abschaffen kann. Es gibt also ei-
Die UN-Menschenrechtserklärung ist aber Universität Inns- ne historische Verbindung, eine sehr enge so-
nicht bindend, war das so geplant? bruck. Darin spricht gar, aber keine einfache Harmonie.
Frick: Es gibt auf globaler Ebene das System sie unter anderem Ist die islamische Erklärung der Menschen-
der Vereinten Nationen, die mit der Allge- über die Wahrung rechte, die sich auf die Scharia bezieht und
meinen Erklärung der Menschenrechte den der Menschenrechte, zivilisiertes Strei- durchaus Einschränkungen enthält, auch eine
ersten Schritt gesetzt haben. Von Anfang an ten und Demokratie. Einschränkung der allgemein gültigen Men-
aber war das Ziel, zuerst eine Erklärung und www.uibk.ac.at/podcast/zeit schenrechte?
dann einen Vertrag zu machen. Um diesen Frick: Es gibt zwei Sichtweisen. Die einen be-
Vertrag durchzusetzen, sollte es auch einen fürworten die Zuwendung anderer Kultur-
17

Marie-Luisa Frick hat Philosophie und


Rechtswissenschaften studiert.
Zu den Forschungsthemen der Philosophin
zählt auch die Rechtsphilosophie.
Foto: Universität Innsbruck

räume oder Religionen hin zu den Menschen- entwickeln sich immer weiter. Der Verband demokratisches Gemeinwesen, also wir alle,
rechten, egal um welchen Preis. Die anderen, südostasiatischer Nationen (ASEAN) hat ei- festlegen muss, welche Äußerungen von die-
zu denen auch ich mich zählen würde, sehen ne eigene Menschenrechtserklärung, die sehr ser Freiheit erfasst sind. Es wird jedem ein-
zumindest ein zweischneidiges Schwert. Bei umfassend und gut ausgearbeitet ist. Sie hat leuchten, dass nicht alles, was man sagen
der Erklärung der Menschenrechte im Islam kleine Akzente anders gesetzt. Die Afrika- kann, auch den Schutz der Meinungsfreiheit
wird eine Version von Menschenrechten pro- verdient. Viele Menschen heute glauben, sie
klamiert, die wesentliche Menschenrechte werden sanktioniert, nicht vom Staat, son-
nicht enthält, wie beispielsweise das Recht »Sowohl den Menschenrechten dern von anderen Menschen. Das wäre die
auf Religionsfreiheit, das Recht auf Gleich- als auch der Demokratie liegt zweite, die gesellschaftliche Dimension der
heit für Mann und Frau oder das Recht auf die die gleiche Idee zugrunde: das Meinungsfreiheit. Menschen werden be-
Freiheit der Meinungsäußerung. Es fehlen al- schämt, sie werden mitunter lächerlich ge-
so zentrale Grundfreiheiten, weil die religiöse Prinzip der Volkssouveränität.« macht oder sie werden ausgegrenzt, wenn sie
„Wahrheit“ höher steht. Die Schwierigkeit ist Marie-luisa Frick bestimmte Meinungen äußern. Das ist tat-
zudem, dass durch einen solchen Akt, diese sächlich ein Problem, wenn auch weniger ein
Erklärung zu setzen, eine gewisse Islami- menschenrechtliches als vielmehr ein Pro-
sierung der Menschenrechte vorgenommen nische Charta der Menschenrechte und Völ- blem von Streitkultur und wie wir Demokra-
wird. Es wird der Anspruch erhoben, dass der kerrechte hat schon im Namen eine Abwei- tie verstehen. Dort, wo Menschen ihre Mei-
Islam die Menschenrechte viel früher und chung. Es geht auch um Kollektive, die Rechte nungen präventiv nicht äußern, aus Angst
viel besser verwirklicht hätte als die UN oder haben, nämlich Völker. Aber nicht alles, was vor Stigmatisierung, da verliert der politische
westliche Staaten. Weder ist dieser Anspruch eine Abweichung ist, muss ein Problem sein. Diskurs an Tiefe und Schärfe und ist oft nur
historisch einlösbar, noch trägt er zum Ver- Meinungsfreiheit ist ein Menschenrecht. Wie mehr ein Scheindiskurs. In einer ernsthaften
ständnis bei. geht man mit den Teilen der Bevölkerung um, Debatte muss auch Schwieriges, Verletzendes
Auch in Asien wird eine westliche Position der die das Gefühl haben, nicht mehr sagen zu und zum Teil Irritierendes ausgesprochen
Menschenrechte kritisiert. Muss die Weltge- dürfen, was sie denken? werden können, und es muss mit Argumenten
meinschaft die Menschenrechte überdenken? Frick: Meinungsfreiheit hat zwei Dimen- reagiert werden.
Frick: Menschenrechte stehen nie fest, sie sionen. Zunächst eine rechtliche, in der ein stefan.hohenwarter@uibk.ac.at ◼
18

Die Zukunft Tirols


gemeinsam gestalten
Zum Abschluss des 350-Jahr-Jubiläums lud die Universität Innsbruck Ende
November die Bevölkerung ein, gemeinsam über die Zukunft der Region zu
diskutieren. Unter dem Motto „Zukunft denken“ stellten Expertinnen und
Experten mögliche Szenarien, Denkansätze und Perspektiven für die Zukunft
unserer Gesellschaft vor.

D
as Jubiläumsjahr 2019 war und ist für Expertinnen und Experten an der SoWi in tor Karlheinz Töchterle, der als Beiratsvorsit-
die Universität Innsbruck nicht nur Innsbruck mögliche Szenarien, Denkansät- zender der Lebensraum Tirol GmbH wesent-
Gelegenheit, bisher Erreichtes zu fei- ze und Perspektiven für die Zukunft unserer lich an der regionalen Entwicklung mitwirkt.
ern, sondern auch und vor allem Anlass, die Gesellschaft vorgestellt und in interaktiven Namhafte Rednerinnen und Redner wie die
Bedeutung der Universität für die Region Formaten mit den Menschen aus der Region österreichische Philosophin und Publizistin
und ihre Wechselwirkung mit der Gesell- darüber gesprochen. Isolde Charim, der in Wien tätige Neuropsy-
schaft noch stärker herauszuarbeiten“, be- chologe Claus Lamm und die ehemalige dä-
tonte Rektor Tilmann Märk. „Deshalb haben Spannende Themen zum nische Umweltministerin Ida Auken nahmen
wir die Bevölkerung zum Abschluss dieses an den vier Halbtagen spannende Themen auf
Zuhören und Mitreden
markanten Jahres 2019 dazu eingeladen, mit und animierten zum Zuhören und Mitreden.
uns über die Zukunft unseres Landes zu dis- Kuratiert wurde die Veranstaltung vom Eröffnet wurde das Diskussionsforum mit
kutieren.“ Von 20. bis 22. November haben ehemaligen Wissenschaftsminister und Rek- einem Vortrag des Zukunftsforschers Andre-

Zum Abschluss des Jubiläumsjahrs


diskutierten in der SoWi-Aula
Expertinnen und Experten mit der Bevölkerung
über wichtige Zukunftsfragen für die Region.
Foto: Uni Innsbruck
19

Eine smarte
as Reiter über Erfolgsfaktoren für die Regi-
onen der Zukunft (siehe Interview).

Smarte Wege in eine

Region
nachhaltige Zukunft
Am ersten Vormittag stand das Thema
„Siedlungsraum- Verkehr - Energie“ im Mit-
telpunkt. Dabei ging es etwa um die Frage,
welche Chancen IT und neue Technologien für
die Bewältigung aktueller Herausforderungen
bieten. Unser vernetztes Gesellschafts- und
Wirtschaftssystem basiert auf einem hohen
Energiebedarf. Der Klimawandel in den letz- Ein Gespräch mit dem Zukunftsforscher
ten Jahrzehnten zeigt deutlich, dass radika- Andreas Reiter, der beim Diskussionsfo-
le Änderungen in Richtung Energieeffizienz, rum „Zukunft denken“ der Universität
erneuerbare Energieträger und Verhaltens- Innsbruck vorgeschlagen hat, Tirol in eine
änderungen in kurzer Zeit stattfinden müs- „Smart Rural Area“ zu verwandeln.
sen, um die Lebensgrundlagen für die nächs- Wissenswert: Herr Reiter, was sind die zen-
ten Generationen zu sichern, darin waren tralen Herausforderungen für unsere Gesell-
sich die Expertinnen und Experten einig. Der schaft heute?
Nachmittag widmete sich dem Thema „Arbeit Andreas Reiter: Die digitale Transforma-
- Wirtschaft - Bildung“ und fragte nach den tion bringt einen Wettbewerb der Algorith-
Auswirkungen der digitalen Transformation men und die Kollaboration von Mensch und
auf die einzelnen Wirtschaftssektoren, auf Künstlicher Intelligenz. Bildung und Krea-
die Organisation und Nachhaltigkeit unserer tivität sind hier die entscheidenden Stand-
Arbeit, auf Berufsbilder, Qualifizierungspro- ortfaktoren. Auch die ökologische Trans-
zesse und Bildungsnotwendigkeiten. Dabei formation zählt zu den Entwicklungen, die
ging es auch um die Frage, welche der histo- unser Leben in den nächsten Jahrzehnten
risch gewachsenen und kulturell in Tirol ver- am stärksten verändern wird. Die Wirt-
ankerten Strukturen in der neu anbrechenden schaft muss sich ökologisieren, wir müssen Zukunftsforscher Andreas Reiter.
Zeit erhaltenswert, ausbaufähig oder verän- unseren Lebens- und Konsumstil ändern Foto: ZTB_Zukunftsbüro

derbar erscheinen und was gänzlich neu ge- vor allem in Hinblick auf Ernährung und
dacht werden muss. Mobilität. Und dies alles passiert vor dem
Hintergrund von gesellschaftlichen Um- rol entstehen. Tirol von morgen sollte sich
Zukunftskräfte brüchen, die durch die wachsende soziale in der direkten Verbindung von Campus,
Ungleichheit zwischen Akademikern und smarter Produktion und hochwertigem al-
entfesseln
einem digitalen Prekariat sowie die durch pinem Lebensraum realisieren. Allerdings
Wie ein gutes Leben für alle ausschauen den Klimawandel ausgelösten Migrations- wird Tirol nur dann zukunftsfit, wenn es
könnte, wurde am Vormittag des zweiten Ta- wellen aus dem Süden verursacht werden. mit forciertem Talente-Marketing junge
ges in der SoWi-Aula thematisiert. Eines der Europa wird sich auch mit einem Kampf um Performer, und hier vor allem junge Frauen
prägendsten Phänomene aktueller westlicher Talente konfrontiert sehen. anzieht und diesen eine hochwertige und
Gesellschaften ist die Angst vor der Zukunft. Beim Diskussionsforum haben Sie darüber familienfreundliche Infrastruktur bietet.
Soziale Ungleichheiten, instabile politische gesprochen, wie sich Regionen für die Zu- Schöne Bergwelt allein reicht nicht. Inte-
und ökonomische Verhältnisse, rasante tech- kunft fit machen können. Welche Ratschläge ressant ist hier auch die wachsende Grup-
nische Entwicklungen und schwer kalkulier- haben Sie für Tirol? pe der Menschen mit „multilokalem Le-
bare populistische Strömungen sind Ursa- Reiter: Die erfolgreiche Region der Zu- bensstil“ – zwei Tage hier, drei Tage dort
chen dafür. Mit dem Programm wollten die kunft ist agil und sie ist ein bewegliches – hier können attraktive neue Co-Living-
KuratorInnen aus dieser oft nur eingebildeten Ökosystem. Strategisch muss sie sich glo- Konzepte im ländlichen Raum entwickelt
Zukunft ausbrechen und sich über eine wün- kal ausrichten, als regionaler Hub mit ei- werden.
schenswerte Zukunft austauschen. Mit den ner globalen Perspektive. Die Zukunft Was kann jede und jeder Einzelne in Tirol
BesucherInnen wurden entlang ausgewähl- gehört der „Smart Rural Area“: smarte beitragen, um das Land zukunftsfit zu ma-
ter Themen zukunftsfähige Ideen artikuliert. Plattformen, die alle Akteure miteinan- chen?
Warum wir trotz wissenschaftlicher Tatsa- der vernetzen. Tirol muss sein regionales Reiter: Es ist notwendig, dass jeder von
chen und politischer Abkommen zur Begren- Kapital noch stärker verdichten, wie dies uns achtsam im Umgang mit Ressourcen
zung des Klimawandels unser Verhalten im- zum Beispiel in der Werkstätte Wattens jeglicher Art ist, seien es Menschen, Um-
mer noch nicht ändern, diese Frage stand im geschieht. Es braucht auch hier regionale welt, Intelligenz, Empathie oder finanzi-
Zentrum der Diskussion am Freitagnachmit- Allianzen zwischen Unternehmen, Inku- elle Mittel. Und es braucht Offenheit und
tag. Nach einem Einblick in den Beitrag psy- batoren, Wissenschaft und Kreativen. Es Bereitschaft, sich im eigenen Umfeld zu
chologischer Denk- und Verhaltensmuster braucht eine neue Komplizenschaft zwi- engagieren, zum Beispiel in einem Ehren-
zum menschengemachten Klimawandel des schen Wissenschaft, Künstlern und Unter- amt. Und es ist natürlich wichtig, dass sich
Neuropsychologen Claus Lamm wurden Per- nehmen. jeder als Teil dieser kollaborativen Regi-
spektiven für den Wandel von Tourismus und Als Leitbranche müssen die alpinen on versteht. Jeder ist ein wichtiger Knoten
Freizeitkonsum entwickelt. Einen wichtigen Technologien mit dem Tourismus ver- in diesem regionalen Beziehungsgeflecht,
Beitrag dazu leisteten auch die Studierenden schmelzen – so kann eine internationale egal ob Start-up-Unternehmen oder Zivil-
des Bachelorstudiums Wirtschaft, Gesund- Marke mit dem Innovationsabsender Ti- gesellschaft.
heits- und Sporttourismus in Landeck.
christian.flatz@uibk.ac.at ◼
20

Engagement für die Uni


In Anlehnung an den Haller Salzaufschlag zur Finanzierung der ersten Professuren
im Jahr 1669 und aus Anlass ihres 350. Geburtstages hat die Universität Innsbruck
eine Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Bildung gegründet. Dank dem
Engagement von privaten und öffentlichen StifterInnen startet die Stiftung mit 2,5
Mio. Euro als Grundkapital in die Zukunft.

D
ie gemeinnützige Bundesstiftung Uni- Georg Willi namhafte private Stifterinnen

Stiften ist
versität Innsbruck ist mit einem soge- und Stifter vorgestellt werden.
nannten „Matching-Fund“ ins Jubilä-
umsjahr gestartet: Die Länder Tirol, Vorarl- Grundstein gelegt mehrfach attraktiv
berg und Südtirol sowie die Stadt Innsbruck
hatten zu Jahresbeginn eine Verdopplung der „Wir haben den Matching-Fund erfüllt
von privater Seite für die Universität zur Ver- und sogar übertroffen. Damit ist es gelungen, Die Stiftung Universität Innsbruck
fügung gestellten Mittel zugesagt. Ende No- im Jubiläumsjahr einen ersten, wichtigen wurde nach dem Bundesstiftungs-
vember enthüllten Vertreter des Rektorates, Grundstein für Kapital- und Vermögensauf- und Fondsgesetz gegründet und han-
Unirats und Senats im Foyer des Hauptge- bau zu legen“, freute sich Rektor Tilmann delt nach dem Prinzip der Gemeinnüt-
bäudes eine Ehrentafel in dauernder Erin- Märk, der mit Ehrensenatorin Sabina Kass- zigkeit. Der Staat belohnt Stiften für
nerung an die ersten Stifterinnen und Stif- latter Mur den Stiftungs-Vorstand bildet. gemeinnützige Zwecke. Ähnlich wie
ter: Mit Markus Langes-Swarovski von der D. Auch die Vertreter von Land und Stadt zeigten Spenden können Zuwendungen – auch
Swarovski KG, Franz Portisch vom Vorstand sich über Wirkung und Erfolg dieses beson- testamentarischer Art – an die Uni-
der ERSTE Stiftung, Unternehmer Klaus Ort- deren Geburtstagsgeschenks erfreut. „Wir versität Innsbruck und ihre gemein-
ner, Präsident Konrad Bergmeister von der denken jetzt an morgen und gestalten heute nützige Stiftung steuerlich abgesetzt
Stiftung Südtiroler Sparkasse, Konsul Mario für die Gesellschaft von morgen: Die Univer- werden. Weitere Informationen unter:
Stedile-Foradori mit der Tiroler Tuchfabrik sität Innsbruck als Bildungsflaggschiff West- https://stiftung-universitaet-innsbruck.at/
Baur-Foradori, Magda und Gerhard Mayr aus österreichs ist dafür unverzichtbar“, mein-
London, Rechtsanwalt und Alumnus Florian te Tirols Landeshauptmann Günther Platter.
Marxer, Michael A. Popp und Rektor Tilmann Bürgermeister Georg Willi unterstrich den einem Jahr vom Förderkreis 1669 – Wissen-
Märk mit seiner Frau Hiltraud Zuegg-Märk Ausbau der Spitzenposition „seiner“ Univer- schafft Gesellschaft zur Verfügung gestellt
konnten den anwesenden Landeshauptleuten sität in Österreich: „Die Stiftung verbreitert worden: Namhafte Persönlichkeiten des so-
Tirols und Südtirols, Günther Platter und Ar- die finanzielle Grundlage und eröffnet da- zialen, kulturellen und wirtschaftlichen Le-
no Kompatscher, Gabriela Dür in Vertretung für neue Handlungsspielräume.“ Das Grün- bens Nord-, Ost- und Südtirols, Vorarlbergs,
des Vorarlberger Landeshauptmannes Mar- dungskapital für die gemeinnützige Bun- Liechtensteins und Luxemburgs gehören die-
kus Wallner sowie Innsbrucks Bürgermeister desstiftung Universität Innsbruck war vor sem Netzwerk an.

Nachhaltig fördern
Ziel der Stiftung ist, die Universität Inns-
bruck mittel- und langfristig in Forschung,
Lehre, Aus- und Weiterbildung sowie Inter-
nationalisierung zukunftsorientiert, wirk-
sam und nachhaltig zu fördern. „Um künf-
tige Herausforderungen zu meistern, braucht
unsere Universität neben den staatlichen
Zuwendungen auch private Förderinnen und
Förderer - für Projekte, die hohen persön-
lichen und wissenschaftlichen Einsatz und
mehr Ressourcen fordern als bisher“, werben
Rektor Tilmann Märk und Sabina Kasslatter
Mur für weitere Zuwendungen. „Mit der Stif-
tung Universität Innsbruck können private
und unternehmerische FörderInnen sichtbar
Die privaten und öffentlichen StifterInnen mit
werden und dauerhaft einen aktiven Beitrag
der Universitätsspitze vor der Ehrentafel.
Foto: Manuela Tessaro
für die Forschungs- und Ausbildungsqualität
vieler junger Menschen leisten.“
christian.flatz@uibk.ac.at ◼
21

Geschichten aUs der Geschichte

Volkstümliche
Universitätsvorträge
Die Universität war lange Zeit ein relativ abgeschlossener Ort der
Wissensvermittlung, zu dem nur wenige Menschen Zugang hatten. Erst
um 1900 versuchte die Universität, sich etwas zu öffnen, und veranstaltete
regelmäßig populärwissenschaftliche Vortragsreihen.

A
m Ende des 19. Jahrhunderts begann
die Universität, sich zunehmend
einem breiteren Publikum zu öffnen
und veranstaltete sogenannte Volkstümliche
Universitätsvorträge oder, wie man sich
schon damals modern ausdrückte, „Univer-
sity extensions“. Die ersten Vorträge dieser
Art fanden in Innsbruck 1897 in der Univer-
sität statt und zogen in der Folge alljährlich
eine große Anzahl an Zuhörerinnen und Zu-
hörern an. Als Vorbild galten die Volkstüm-
lichen Universitätsvorträge in der Wiener
Urania. Das Ziel war „jene Volkskreise geis-
tig zu fördern, welchen bisher die akade-
mische Bildung unzugänglich war“. Beson-
ders im Blick hatte man in diesem Sinn die
Arbeiterschaft. Insgesamt wurden vielfach
Themen gewählt, die von alltäglichem Inte-
resse waren, aber auch abstraktere und spe-
zielle Vorträge wurden in das jeweilige Pro-
gramm aufgenommen.
Während diese Vorträge direkt von der
Universität angeboten wurden, gab es seit Quelle des Bildes:
Universitätsarchiv Innsbruck,
den 1880er-Jahren auch schon vereinzelt Akten des Rektorats,
Karton 31,
Veranstaltungen, die von Vereinen oder 420/R ex 1894/95.
Professoren abgehalten wurden, die aber
ebenfalls die Räumlichkeiten der Universi-
tät nutzten. Dazu zählen auch die „öffent-
lichen gemeinverständlichen Vorträge des ten die ersten beiden Vorlesungsserien 1897 und populären Vorträgen gerecht zu werden.
deutschen Sprachvereins“, die in der Quelle und 1898 mehr als 6000 Besucher und Be- Christof Aichner ◼
angekündigt werden. Die Einnahmen die- sucherinnen, darunter knapp ein Drittel aus
ser Vorträge sollten dem Studenten-Unter- der Arbeiterschaft. Der Frauenanteil von je- Die Historikerin Margret Friedrich und
stützungs-Verein zukommen, der seit den weils etwa 30 Prozent zeigt den Bildungs- der Historiker Christof Aichner haben sich
1870ern bestand und bedürftige und kranke hunger von Frauen, die an der Universität ja zum Jubiläumsjahr der Universität Innsbruck
Studenten mit Sach- und Geldmitteln un- erst um 1897 bzw. 1900 (an zwei Fakultäten) in die Archive begeben und arbeiteten
terstützte und eine wichtige Institution für zugelassen waren. Die Volkstümlichen Uni- 350 Jahre Universität in anekdotischen
diese Studenten darstellte. versitätsvorträge zeigen aber auch, dass Beiträgen auf. Eine ausführliche
Insgesamt sind all diese Initiativen und die Universität, insbesondere aber einzel- Universitätsgeschichte in Buchform ist
Veranstaltungen einerseits Ausdruck eines ne Professoren, sich ihrer wichtigen gesell- im Oktober erschienen, die kurzen
zunehmenden Bildungshungers breiterer schaftlichen Rolle bewusst wurden und ver- „Geschichten aus der Geschichte“ gibt es
Bevölkerungsschichten und des wichtigen suchten, dieser durch einen direkten Kon- wöchentlich neu hier:
Stellenwerts von Bildung. So verzeichne- takt zu breiteren Bevölkerungsschichten www.bit.ly/uni-geschichten
22

Uni ist Tirolissimo


Die Marketingmaßnahmen im Rahmen des 350-Jahr-Jubiläums wurden nun
auch von der Tiroler Kreativwirtschaft gewürdigt. Bei der Tirolissimo-Verleihung
am 29. Oktober im Congress wurde die Uni mehrfach ausgezeichnet.

A ls jährliches Branchenbarometer in Sachen


Kreativität prämiert der Tiroler Werbe-
preis bei der Tirolissimo-Verleihung die bes-
ten Ideen des Jahres. Insgesamt 90 Agenturen
und Vertreter der Tiroler Kreativwirtschaft
schickten heuer 257 Einreichungen ins Rennen.
Unter der Leitung von Marielle Wilsdorf von
der Agentur Jung von Matt Hamburg kamen am
Jury-Tag zwölf hochkarätige Werbefachleute
zusammen, um die Einreichungen in 22 Kate-
gorien zu bewerten und die Sieger 2019 zu er-
mitteln. In der Kategorie Imagefilm erhielt der
Anfang des Jahres präsentierte Uni-Film von
Hafzoo den Tirolissimo. Der MitarbeiterInnen-
Film „Gemeinsam sind wir Uni“ schaffte es
in der Kategorie Visual/Video Spot in die Lis-
te der Nominierten. Und am Ende der Verlei-
hung die große Überraschung: Die Universität
Innsbruck wurde für ihre mutigen Aufträge im
Jubiläumsjahr als „Kunde des Jahres“ ausge-
zeichnet.
Die Trophäen nahmen Vizerektor Wolfgang
Meixner und Pressesprecher Uwe Steger ent-
gegen. „Für uns sind diese Auszeichnungen
eine schöne Bestätigung unserer Arbeit“, freut
sich Uwe Steger. „Wir haben in diesem Jubi-
läumsjahr sehr viele Maßnahmen umgesetzt
und die Universität in ihrer Vielfältigkeit nach
außen hin dargestellt. Dass diese Projekte nun
Die Tirolissimo-Gewinner 2019.
Foto: Markus Kaltenböck
auch von internationalen Kreativ-ExpertInnen
als preiswürdig anerkannt werden, freut uns
natürlich sehr.“

Mit mehr Sicherheit Ehrenkreuz


länger zu Hause leben für Karl Weber
Ä lteren Menschen soll es ermöglicht werden,
länger selbstständig im eigenen Wohnum-
feld zu leben. Unterstützen werden sie künftig
ausprobieren und ihre Erfahrungswerte beisteu-
ern können. Manfred Kofler, Julia Metzler und
ihr Team bieten jeweils freitags kostenlose Bera-
U niv.-Prof. Karl Weber vom Institut für
Öffentliches Recht, Staats- und Verwal-
tungslehre der Universität Innsbruck erhielt
smarte Anwendungen, die ihnen das Leben er- tungen und Infos über verschiedene Lösungen an. für seine herausragende wissenschaftliche
leichtern und mehr Sicherheit bieten. Exper- So haben Seniorinnen und Senioren sowie deren Arbeit und sein verdienstvolles Wirken an der
tinnen und Experten der Uni Innsbruck haben Angehörige die Möglichkeit, sich umfassend über Leopold-Franzens-Universität das Ehren-
mit den Johannitern und Vertretern der Firma alle Möglichkeiten zur technischen Erweiterung kreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
FAWO diese neuen Lösungen vorgestellt. Gesucht ihrer Wohnungen oder über die Teilnahme im Rektor Tilmann Märk überreichte die Aus-
werden derzeit noch Personen ab 65 Jahren, die Projekt zu informieren. Eine Voranmeldung für zeichnung im Rahmen einer kleinen akade-
im Rahmen eines Forschungsprojektes ein Jahr eine Beratung ist erwünscht (Tel. 0512/570 512-4, mischen Feier am 13. November an den Wis-
lang unterschiedliche Technologien kostenlos E-Mail: i-evAALution@uibk.ac.at). senschaftler.

Französische Akademie ehrte Ferlaino


D ie Experimentalphysikerin Francesca
Ferlaino wurde für ihre international be-
achteten Forschungen mit ultrakalten Gasen
Physics of the Houches“-Preis, den die Fran-
zösische Akademie der Wissenschaften ver-
leiht, ausgezeichnet. Der Preis, der in diesem
an die französische Physikerin Cécile DeWitt-
Morette, die in den Savoyer Alpen eine in-
ternational bekannte Denkwerkstatt für die
mit dem „Cécile DeWitt-Morette School of Jahr zum ersten Mal vergeben wird, erinnert moderne Physik gegründet hat.
23

Fotos: Axel Springer, Franz Oss

Eine Universität – viele Gesichter


D ie Universität Innsbruck ist
Forschungs- und Arbeitsplatz
32.000 Menschen. Ihr diesjähriges
Studien-,
von über
Jubiläum
vorzustellen, die sich hinter dieser Zahl ver-
bergen. Unter dem Titel „Gemeinsam sind wir
Uni“ wurden das ganze Jubiläumsjahr hin-
verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitar-
beiter der Universität Innsbruck vorgestellt.
Weitere Info unter www.uibk.ac.at/350- jahre/
nutzt die Universität auch dazu, Personen durch in Kooperation mit der Target Group gemeinsam

Universitäres Spin-off
Innfoliolytix gegründet
D ie BTV und die Universität Innsbruck
schließen sich für ein neues Unterneh-
men zusammen. Innfoliolytix mit Sitz in
gestrategien Kapitalmarktanlegern zugäng-
lich macht. Univ.-Prof. Dr. Jochen Lawrenz
und Univ.-Prof. Dr. Matthias Bank, CFA, sind
Foto: Uni Innsbruck

Innsbruck entwickelt Kapitalmarktstrate- als Miteigentümer maßgeblich an der Grün-

JungforscherInnen
gien, die ausschließlich auf neuesten wissen- dung beteiligt.
schaftlichen Forschungsergebnissen basie- Beide Professoren sind ausgewiesene Ex-

ausgezeichnet
ren. perten im Bereich der Banken- und Kapital-
Innfoliolytix – ein Wortspiel aus „Inns- marktforschung: Univ.-Prof. Dr. Jochen Law-
bruck“, „Portfolio“ und „Analytics“ – ver- renz ist Professor für Risikomanagement am
steht sich als universitäres Spin-off-Unter-
nehmen, das im Bereich der modernen Kapi-
talmarkttheorie forscht und insbesondere die
Institut für Banken und Finanzen der Univer-
sität Innsbruck und Univ.-Prof. Dr. Matthi-
as Bank, CFA, ist Dekan der Fakultät für Be-
I m Rahmen einer Feier verliehen am 21. No-
vember Vizerektor Bernhard Fügenschuh,
Thomas Schöpf (Rektor der PHT) und Maria
damit in Verbindung stehenden Forschungs- triebswirtschaft und Professor für Bankwirt- Kalcsics (Vizerektorin der KPH) das Jung-
ergebnisse in Form von quantitativen Anla- schaft. forscherInnen-Diplom an jene 44 Kinder, die
mindestens an vier Kursen der Kinder-Som-
mer-Uni 2019 teilgenommen haben. Im Rah-

Ausstellung zu Lois Welzenbacher


men der Kinder-Sommer-Uni 2019, die be-
reits zum 17. Mal in Zusammenarbeit mit dem
Innsbrucker Ferienzug stattfand, wurden im

H euer fällt das Jubiläumsjahr der Univer-


sität Innsbruck zusammen mit dem 130.
Geburtstag von Lois Welzenbacher (1889–
Adambräu und „Übervater der Tiroler Archi-
tekturmoderne“ eine gemeinsame Ausstel-
lung gewidmet, die am 11. Oktober eröffnet
Jahr 2019 über 120 Kurse und Workshops ver-
anstaltet. Zum dritten Mal gab es ein Pro-
gramm am Standort Lienz sowie weitere tolle
1955). Aus diesem Grund haben aut.architek- wurde und noch bis 18. Jänner zu sehen ist. Angebote seitens der Kirchlichen Pädago-
tur und tirol und das Archiv für Baukunst der Weitere Informationen: https://archiv-bau- gischen Hochschule Edith Stein in Stams und
Universität Innsbruck dem Architekten des kunst.uibk.ac.at/ der Pädagogischen Hochschule Tirol.
hautnah
11. Dezember, 19 Uhr nen. Info zur Ausstellung und Gesprächs- Dr. Martin Franz (Universität Osnabrück).
Zu Gast: Die Literarische Soiree von Ö1 terminen: bit.ly/schoenheitvorweisheit. Ort: Hörsaal 7, Hörsaaltrakt Geiwi, Erdge-
Ö1-Moderatorin Gudrun Hamböck disku- Ort: Tiroler Landesmuseum Ferdinande- schoß, Innrain 52e
tiert mit Susanne Gurschler (Kulturjour- um, Museumstraße 15
nalistin und Sachbuchautorin), Ekkehard 22. Jänner, 18.15 Uhr
Hey-Ehrl (Buchhändler) und Anna Rotten- 16. Jänner, 19 Uhr Hochpräzises Monitoring von Infra-
steiner (Literaturvermittlerin und Auto- Wie viel Selbstbestimmung ist noch ge- strukturbauwerken mit geodätischen
rin) über folgende Romane: Jérome Ferrari: sund? Medizin zwischen Fürsorge und Sensoren
Nach seinem Bilde, Secession Verlag; Julie (Selbst-)Verantwortung Vortrag von Dr. Ing. Jens-André Paffenholz
Otsuka: Als der Kaiser ein Gott war, Lenos Auf Einladung des Arbeitskreises Wissen- (Leibniz Universität Hannover) im Rahmen
Verlag, und Damir Karakaš: Erinnerung an schaft und Verantwortlichkeit (WuV) dis- des Geodätischen Kolloquiums des Ar-
den Wald, Folio Verlag. Ort: Literaturhaus kutieren: Barbara Friesenecker (stv. ärzt- beitsbereichs Geometrie und Vermessung.
am Inn, Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock liche Leiterin Intensivmedizin, Vorsitzende Ort: HSB 6, Technikerstraße 13
ARGE Ethik der ÖGARI), Georg Gasser (Priv.
12. Dezember, 16 Uhr Dozent für Philosophie, Institut für Christ- 22. Jänner, 18 Uhr
Verabschiedung von Universitätsangehö- liche Philosophie), Michael Ganner (Univ.- Philosophisches Café: Was sind postsä-
rigen in den Ruhestand Prof. Bürgerliches Recht und Grundlagen kulare Konflikte?
Mit einem Festakt werden an der Uni Inns- der Rechtswissenschaft), Elisabeth Medi- Seit fast zwanzig Jahren bietet das Inns-
bruck einmal jährlich die im laufenden Jahr cus (Ärztin für Allgemeinmedizin, Spezia- brucker Philosophische Café eine Plattform
emeritierten bzw. pensionierten Professor- lisierung in Palliativmedizin). Ort: Stadtbi- für die vorurteilsfreie, lebendige Ausei-
innen und Professoren, wissenschaftlichen bliothek, Amraser Straße 2/1.Stock nandersetzung mit Themen außerhalb der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die „Elfenbeintürme“ der Universitäten. Vor-
allgemeinen Uni-Bediensteten verabschie- 21. Jänner, 18 Uhr tragende dieses Termins: Univ.-Prof. Dr.
det. Ort: Aula, Universitätshauptgebäude, Gemeinsinn. Was ihn bedroht und was Kristina Stöckl, Institut für Soziologie. Ort:
Christoph-Probst-Platz 3, 1. Stock wir für ihn tun können Die Bäckerei, Dreiheiligenstraße 21a
Der Forschungsbereich Konflikt – Trauma
19. Dezember, 18 Uhr – Gewalt der Fakultät für Bildungswissen- 27. Jänner, 9 Uhr
Wissenschaftler*innen im Gespräch: schaften lädt zum Vortrag von Prof. Dr. Dr. Widerspruch für Alle?! Proteste, soziale
Hanns-Christoph Nägerl und Kathrin Aste h.c. Aleida Assmann, renommierte Kultur- Bewegungen und Solidarität
Ende September wurde die Sonderausstel- wissenschaftlerin und Friedenspreisträge- Beim traditionellen Montagsfrühstück
lung „Schönheit vor Weisheit. Das Wissen rin 2018 des Deutschen Buchhandels. Ort: sprechen Sina Kamala Kaufmann und Frank
der Kunst und die Kunst der Wissenschaft“ Aula, Universitätshauptgebäude, Chris- Welz über Fridays for Future, Omas gegen
anlässlich des 350-Jahr-Jubiläums der Uni toph-Probst-Platz 3, 1. Stock Rechts, Extinction Rebellion Proteste und
Innsbruck in Kooperation mit den Tiro- wie sich der Charakter von Kritik und Wi-
ler Landesmuseen eröffnet. Highlight im 21. Jänner, 19.15 Uhr derspruch verändert zu haben scheint. Mo-
Rahmenprogramm ist die Reihe „Wissen- Die Geschichte von den Dschungelnoma- deration: Erika Wimmer. Ort: Literaturhaus
schaftlerInnen im Gespräch“. Markus Som- den in Indien – Produktbiographien in am Inn, Josef-Hirn-Str. 5, 10. Stock
mersacher führt mit zwei Wissenschaft- globalen Produktionsnetzwerken
lerInnen ein Gespräch über Werdegang, Das Institut für Geographie und die Inns- Weitere Info gibt es im Online-Veranstal-
Motivation und mögliche Parallelen bzw. brucker Geographische Gesellschaft laden tungskalender der Universität Innsbruck
Gegensätze in ihren Forschungsdiszipli- zum Vortrag und zur Diskussion mit Prof. unter http:// www.uibk.ac.at/events

Die Universität Innsbruck wünscht allen Leserinnen und Lesern


einen entspannten Jahresausklang und einen erfolgreichen Start ins Jahr 2020.
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