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MARTIN WIBBELING

Die Herausforderungen
für Emissionszertifikate
für Feinstaubpartikel in
Santiago de Chile
Diplomarbeit im Fach Wirtschafts- und
Sozialgeographie
Themenstellerin: Prof. Dr. Martina Fuchs
Vorgelegt in der Diplomprüfung im Studiengang Volkswirtschaftslehre der Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln

Köln 2008
Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis .................................................................................................... II
Tabellenverzeichnis......................................................................................................... III
1. Einführung .................................................................................................................... 1
2. Santiago und die Feinstaubpartikel ............................................................................... 4
3. Emissionszertifikathandel ............................................................................................. 7
3.1. Das Konzept ........................................................................................................... 7
3.2. Allokationsverfahren .............................................................................................. 9
3.3 Potenzielle Probleme des Handels ........................................................................ 10
3.4. Weitere Ausgestaltungsmöglichkeiten ................................................................. 14
3.5. Zertifikathandelssysteme in der Praxis................................................................. 15
3.6. Zertifikate vs. Abgaben und Ordnungsrecht ........................................................ 18
4. Das „Programa de Compensación de Emisiones de Fuentes Fijas“ ........................... 19
4.1. Ausgestaltung des Zertifikatsystems .................................................................... 19
4.2. Beginn und Entwicklung des Zertifikathandelssystems ....................................... 22
4.3. Probleme des Zertifikathandels in Santiago ......................................................... 25
5. Fragestellung und Forschungsdesign .......................................................................... 31
5.1. Vorgehen und Methodik beim Subdepartamento de Calidad del Aire................. 31
5.2. Methodik der Untersuchung der Problematik der Unternehmen ......................... 33
6. Die Auswertung und Analyse der erhobenen Daten ................................................... 36
6.1. Das Experteninterview mit dem Direktor der Regulierungsbehörde ................... 36
6.2. Die Daten der Unternehmensbefragung ............................................................... 48
6.2.1. Der qualitative Teil ........................................................................................ 48
6.2.2. Der quantitative Teil ...................................................................................... 52
7. Schlussfolgerungen ..................................................................................................... 59
8. Literaturverzeichnis..................................................................................................... 61

1
Abkürzungsverzeichnis

CONAMA Comisión Nacional del Medio Ambiente

(Nationale Kommision für Umwelt)

BRD Bundesrepublik Deutschland

EU Europäische Union

KMU kleine und mittelständische Unternehmen

PROCEFF Programa de Control de Emisión de Fuentes Fijas

(Kontrollprogramm für Emissionen immobiler Quellen)

RECLAIM Regional Clean Air Incentives Market

SESMA Servicio de Salud Metropolitano del Ambiente

(Gesundheitsdienst der Metropole für die Umwelt)

US United States

WHO World Health Organization

II
Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Entwicklung der Emissionszertifikate ........................................................... 23


Tabelle 2: Transaktionsaktivitäten 1997 - 2005 .............................................................. 24
Tabelle 3: Genehmigungsverfahren ................................................................................ 28
Tabelle 4: Zertifikatüberschuss in den Jahren 1998 – 2005 in Kg/Tag .......................... 41

III
1. Einführung

Die Themenbereiche des Zertifikathandelssytems und der Feinstaubpartikel in Santiago


de Chile, die in dieser Arbeit behandelt werden, haben ebenfalls in der Bundesrepublik
Aktualität. Aufgrund der hohen Feinstaubpartikelemissionen sind nicht nur erst seit
kurzem in vielen deutschen Großstädten, wie in Berlin, Köln, Frankfurt und im
Ruhrgebiet, Umweltzonen eingeführt worden, sondern der Europäische Gerichtshof hat
den Menschen sogar das Recht zugestanden, Aktionspläne gegen zu hohe
Feinstaubbelastung einzuklagen.1 In Bezug auf den Zertifikathandel sorgen Beschlüsse
des EU-Gipfels vom 12.12.2008 für die Ausgestaltung des europaweiten
Zertifikatsystems für CO2 momentan für große Aufregung in der deutschen Industrie
und Energiewirtschaft. Diese befürchten erhebliche Mehrbelastungen durch eine
Quasisubventionierung des Kraftwerkparks in Osteuropa aufgrund eines
Zugeständnisses von 12% mehr Emissionszertifikaten für die neuen Mitgliedsländer
und der Entscheidung, dass ab 2013 Kraftwerke der alten Mitgliedsländer 70% ihrer
Zertifikate ersteigern müssen anstatt der angedachten 20%. In der näheren Zukunft wird
ferner noch entschieden werden, welche Branchen vom Zertifikathandel ausgenommen
werden, wodurch Verunsicherung für langfristige Planungen entsteht.2 Die Reduzierung
von Unsicherheit sowie finanzielle Belastungen durch den Zertifikathandel werden auch
in dieser Arbeit bei der Analyse des Systems thematisiert.
Diese Diskussionen zeigen einmal mehr den potenziellen Zielkonflikt und die
Interdependenzen zwischen Ökologie und Ökonomie auf. Im Prinzip sind
Emissionszertifikate jedoch prädestiniert für einen kostenminimalen Umweltschutz, da
sie die Vermeidung an der für die Volkswirtschaft kostengünstigsten Stelle
ermöglichen. Deshalb können sie gerade in Ökonomien, die nicht der sogenannten
ersten Welt angehören, eine Chance für den Umweltschutz sein, der dort durchaus als
finanzielle Belastung erachtet wird und nicht immer hohe Priorität genießt.
In der Wirtschafts- und Sozialgeografie waren bislang Arbeiten, die sich mit
umweltbezogenen Thematiken befassten, überraschenderweise eher rar gesät. Indes ist
doch die Beziehung zwischen den Menschen und ihrer natürlichen Umwelt eine der
Fragestellungen, die die Wirtschafts- und Sozialgeografie stets umtrieb. Umso
verwunderlicher ist dieser Tatbestand, da die Ökologie immerhin, insbesondere in sich
mit Ökonomie befassenden Wissenschaften, in der näheren Vergangenheit immer mehr

1 Vgl. Handelsblatt 2008a, S. 1


2 Vgl. Handelsblatt 2008b, S. 1
1
an Bedeutung gewonnen hat. Gerade Wirtschafts- und Industriegeografen sind
aufgerufen, ihren Beitrag zu nachhaltigem Wirtschaften zu leisten. Zertifikatsysteme
wären beispielsweise ein Umweltpolitikinstrument, das zu dieser Nachhaltigkeit
beitragen kann. In den letzten Jahren nun kann ein gesteigertes Interesse der
Wirtschafts- und Sozialgeografie, im angelsächsischen Raum ebenso wie in der BRD,
an ökologischen Herausforderungen konstatiert werden. In der deutschsprachigen
Forschung wurden vor allem Arbeiten mit Themen zu Unternehmen und Umweltschutz,
wie beispielsweise betriebliche Umweltmanagementsysteme, Umweltkommunikation,
umweltorientierte Unternehmensnetzwerke und die Rolle von Umweltdienstleistern,
verfasst. Jedoch auch Fragenstellungen zu Energiewirtschaft, Abfall und nachhaltiger
Stadtentwicklung fanden Beachtung. 3 Gleichzeitig entstanden Werke, die sich mit
diesen neuen Impulsen der Ökologie für die Wirtschafts- und Sozialgeografie
befassten. Hier wären unter anderem die Veröffentlichungen von Soyez 2002, Braun
2002 und die Abhandlungen zur ökologischen Modernisierung der Wirtschaftsgeografie
von Soyez/Schulz 2002 sowie Braun/Schulz/Soyez 2003 zu nennen.
Die Wirtschafts- und Sozialgeografie kann durch ihr Interesse an Mensch-Umwelt-
Beziehungen sich ebenso dem Forschungsfeld der Interdependenzen zwischen
Regulierungsinstitutionen und Umwelt stellen. In diesem Feld will sich diese Arbeit
verortet wissen, da sie sich mit der Analyse der Arbeit eines Regulierers eines
umweltpolitischen Instruments befasst. Die Wirtschafts- und Sozialgeografie kann hier
viel leisten aufgrund ihrer vielfältigen Methoden sowie ihrem Verständnis von
Auswirkungen des Umfeldes auf einzelne Akteure wie Unternehmen oder Regulierer.
Restriktionen der einzelnen Akteure auf ihr Verhalten können so berücksichtigt werden.
Das Verhalten beider Akteure hat Einfluss auf die Umwelt und Auswirkung auf die
Makroebene der Umweltpolitik. Soweit bekannt, ist eine Analyse der Regulierung von
Unternehmen über Zertifikathandelssysteme in der Wirtschafts- und Sozialgeografie
noch in keiner Arbeit behandelt worden.
Konkret beschäftigt sich die Arbeit mit dem Emissionszertifikatsystem für
Feinstaubpartikel in Santiago de Chile. Dieses System, genannt PROCEFF, zeigt in
seiner bisherigen Ausgestaltung deutliche Ineffizienz und Suboptimalität in seiner
Wirkungsweise. In dieser Arbeit soll der Fragestellung nachgegangen werden, ob das
Design des Systems, das bedingt wird durch das Verhalten und die individuellen
Restriktionen des Regulierers, hierfür verantwortlich zeichnen. Dafür wird, neben der

3 Vgl. Braun 2002, S. 10f.


2
Konfrontation des Regulierers mit den Herausforderungen und Verbesserungsansätzen
für das System, eine Befragung von Unternehmen durchgeführt, die ihre Gewichtung
der einzelnen Probleme, die sie direkt betreffen, und ihre Sicht der Arbeit der Behörde
erforschen will. Dergestalt soll dann beurteilt werden, ob der Regulierer mit ihrer
Ausgestaltungsform des Systems und seiner Arbeit das System richtig stützt und den
von ihm erwarteten Beitrag zum Umweltschutz in Santiago leistet.
Als Absolvent des Studienganges Regionalwissenschaften Lateinamerika sowie der
Volkswirtschaftslehre verbrachte der Autor zu Studienzwecken insgesamt fast drei
Jahre, unter anderem zur empirischen Erhebung für diese Arbeit im Dezember 2006 und
März 2007, in Santiago de Chile. Dort ließen sich am eigenen Leibe, wie bei Freunden
und Bekannten, die direkten Auswirkungen der hohen Feinstaubpartikelemissionen,
insbesondere in den Wintermonaten, erfahren. Aus diesem Grund bestand stets ein
Grundinteresse an Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität. Als der Verfasser
während seines Studiums in Santiago de Chile im Fach Umweltressourcen mit dem
Zertifikatsystem in Kontakt kam und aufgrund seiner vertieften Kenntnisse über
Emissionszertifikate, erworben neben dem Studium an der Wirtschafts- uns
Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln im Wahlbereich
Umweltmanagement und Umweltpolitik, entschloss er sich, seine Diplomarbeit diesem
Thema zu widmen.
In Kapitel 2 wird die Situation Santiagos als Ursache des Problems, ihr Umgang und
Schwierigkeit mit Feinstaubpartikeln sowie deren Charakteristika, die auch bedeutsam
für das Zertifikatsystem sind, erläutert. In Kapitel 3 werden Emissionszertifikate
grundlegend dargestellt. Auch werden sie kurz von Abgaben beziehungsweise vom
Ordnungsrecht differenziert. In dieser Arbeit sollen diese umweltpolitischen
Instrumente aber nicht als Alternative zum Zertifikatsystem untersucht werden, da dies
als Option bereits gewählt wurde, und die Sicherung seines Fortbestandes essenziell für
das Vertrauen in das System wie in die Umweltpolitik selbst ist. Die Darstellung von
Zertifikatsystemen kann nicht in seiner Gesamtheit geschehen, sondern nur vorbereitend
in den Aspekten des Emissionszertifikathandelssystems in Santiago de Chile, das in
Kapitel 4 vorgestellt wird. Die dort dargelegten Probleme und Anregungen aus anderen
Emissionszertifikatsystemen bilden die Grundlage für die Befragungen, die sich mit der
Analyse und Interpretation in Kapitel 5 und 6 finden. In Kapitel 7 wird, neben einem
Ausblick, schlussfolgernd und zusammenfassend ein Fazit gezogen.

3
2. Santiago und die Feinstaubpartikel

Die Stadt Santiago de Chile befindet sich in einer für ihre Luftqualität problematischen
geografischen Lage. Von Osten schließen sie die Anden und von Westen die Bergkette
der Küste ein. Im Norden liegt das Massiv um den Berg Chacabuco und im Süden
umgeben sie der Berg Chada und die Erhöhungen Paine. Jede dieser Formationen
erreicht mindesten die Höhe von 1000 Metern, und sie bilden gemeinsam ein Tal von 80
Kilometern Länge und 35 Kilometern Breite.4 Für die Dispersion von Schadstoffen ist
Wind ein entscheidender Faktor, der durch die beschriebenen Bedingungen aber nur
reduziert vorhanden ist. Resultierend gewinnen vertikale Luftvermischungen an
Bedeutung, womit die zweite Besonderheit Santiagos, diese indes klimatischer Natur,
Relevanz erlangt. Es handelt sich um Hochdruckgebiete des Pazifiks, die in den höheren
Luftschichten Santiagos für höheren Druck verantwortlich sind. Dieser höhere Druck
sorgt in der Luftschicht von 300 bis 1000 Metern für um acht Grad ansteigende
Temperaturen. Im Normalfall sinkt die Temperatur in der Troposphäre mit
zunehmender Höhe durch den Druckabfall. In Santiago geschieht dies allerdings nur bis
zu einer Höhe von 300 Metern. Resultat ist ein nur sehr langsames Absinken der
Luftmassen von der zweiten in die erste Schicht, womit sich quasi ein Deckel über dem
Tal bildet, der als thermische Inversion bezeichnet wird. Während dieses Phänomen das
ganze Jahr vorherrscht, verschlechtert sich die Situation in den Wintermonaten
zusätzlich durch das Erkalten der Erdoberfläche, die derart die Vermischung der
Luftschichten durch den Temperaturabfall zusätzlich erschwert. Die Dispersion der
emittierten Schadstoffe reduziert sich auf diese Weise im beschriebenen Tal fast nur auf
eine Luftschicht von 300 Metern, wodurch enorme Schadstoffkonzentrationen
hervorgerufen werden.5
Santiago hatte schon seit den 80er Jahren Probleme mit der Luftqualität. Die Lage
verschärfte sich dramatisch in den 90er Jahren durch das fortschreitende starke
Wirtschaftswachstum. Die Grenzwerte der World Health Organisation (WHO) wurden
oft überschritten, und so befand sich die Metropole schon 1992 weltweit unter denen
mit der schlechtesten Luftqualität, insbesondere in Bezug auf die
Feinstaubpartikelbelastung im Winter. 6 1996 wurde die Hauptstadt von der WHO
aufgrund der Emissionen von Feinstaubpartikeln, Kohlenmonoxid und Ozon offiziell

4 Vgl. Comisión Nacional del Medio Ambiente 1997, S. 15


5 Vgl. CENMA 2001, S. 4ff.
6 Vgl. Trade and Environment Database 1997, S. 1.
4
für verseucht erklärt. 7 Die Feinstaubpartikelemissionen überschritten die zulässigen
Grenzwerte an über 60 Tagen im Jahr. 8 Feinstaubpartikel sind laut der chilenischen
Umweltbehörde „Comisión Nacional del Medio Ambiente“ (CONAMA) die
schadhaftesten Schadstoffe in Santiago. Doch sind diese genau genommen nicht nur ein
Schadstoff, sondern setzen sich aus unterschiedlichen Stoffen zusammen, die wiederum
unterschiedlich schädlich sind. 9 Ihre Bestandteile sind Blei, Arsen, Quecksilber,
Sulfaten, Nitraten, Ruß, Beryll, Cadmium und Andere. Diese Stoffe sind für
Lungenkrebs, schwere Atemwegserkrankungen sowie Reizungen von Augen und Nase
verantwortlich.10
Relevant ist die Unterscheidung der Feinstaubpartikel in einen nicht atembaren Teil mit
einem Durchmesser zwischen 10 und 50 µm, der weniger schädlich ist, und den Teil
noch kleinerer atembarer Partikel, die in die Atemwege gelangen können. Je kleiner die
Partikel sind, desto gesundheitsgefährdender ist ihre Wirkung. Die Partikel mit einem
Durchmesser unter 2,5 µm durchdringen die Zellen der Lunge und gelangen direkt in
die Blutlaufbahn.11 So besteht eine starke Korrelation zwischen hohen Konzentrationen
dieser atembaren Feinstaubpartikel und der täglichen Sterblichkeitsrate,12 wie ebenfalls
Atemwegserkrankungen von Kindern. 13 Die Konzentration von Feinstaubemissionen
kleiner als 10 µm schädigen des Weiteren das Material, das ihnen ausgesetzt ist,
reduzieren die Produktivität der Agrarwirtschaft und schaden dem Tourismus, unter
anderem durch die Reduktion der Sichtweite als ästhetischem Wert. Das Resultat der
14
Luftverschmutzung sind ergo signifikante volkswirtschaftliche Kosten. Von
Bedeutung ist gleichfalls die Zugehörigkeit der Feinstaubpartikel zu den so genannten
nicht einheitlich assimilierbaren Schadstoffen, bei denen nicht nur die
Gesamtemissionen relevant sind, sondern auch der Emissionsort.
Emittentenkonzentrationen können lokale Grenzwertüberschreitungen auslösen.15
Schon früh war die Problematik erkannt und deshalb 1990 der „Plan de
Descontaminación Atmosférica para la Región Metropolitana“ ausgearbeitet worden. In
ihm wurden zu jener Zeit Maßnahmen und Empfehlungen entwickelt. Eine Wesentliche
war die Schaffung einer Behörde, die sich der stationären Quellen von

7 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2000, S 6 f.


8 Vgl. Comisión Nacional del Medio Ambiente 1997, S. 25
9 Vgl. O'Ryan 2000, S. 157
10 Vgl. Comisión Nacional del Medio Ambiente 1997, S. 13
11 Vgl. Comisión Nacional del Medio Ambiente 1997, S. 26f.
12 Vgl. Ostro et al. 1996, S. 106ff.
13 Vgl. Ostro et al. 1999, S. 72f.
14 Vgl. O'Ryan 2000, S. 166f.
15 Vgl. Tietenberg 1985, S. 22
5
Feinstaubpartikeln annehmen sollte. Diese war PROCEFF, das “Programa de Control
de Emisisones de Fuentes Fijas”, die dem Gesundheitsministerium “Servicio de Salud
del Medio Ambiente de la Región Metropolitana” (SESMA) untergeordnet wurde. 16
PROCEFF wurde durch das Decreto Supremo Nº4/92 des Gesundheitsministeriums
geschaffen und sollte sich ausschließlich der Reduktion der atembaren Feinstaubpartikel
widmen. 17 Bei den stationären Emissionsquellen wurde hierbei eine Verringerung der
18
Emissionen um 50% angestrebt. Heute trägt die Behörde den Namen
„Subdepartamento de Calidad del Aire“ und verfügt über ein Register aller stationären
Emissionsquellen von Feinstaubpartikeln.19
Im Winter löst die Grenzwertüberschreitung der Feinstaubemissionen zuerst „Alerta
Ambiental“(Umweltalarm), dann „Pre-Emergencia“(Vor-Notfall) und bei weiterer
Verschlechterung „Emergencia“(Notfall) aus. Diese Alarmstufen gehen jeweils mit
Maßnahmen wie der Einschränkung des Verkehrs, der Schließung von Schulen und der
Abschaltung von Fabriken einher. So müssen im Falle von „Pre-Emergencia”
Emittenten, die oben auf einer Liste der stärksten Verschmutzter stehen, und für über
20% der Emissionen verantwortlich sind, für 24 Stunden abschalten. Im Falle von
„Emergencia“ müssen Emittenten, die für 50% der Emissionen verantwortlich zeichnen,
ihre Fabriken abschalten. Von dieser Maßnahme sind Feinstaubpartikelemittenten mit
unter 32 mg pro Kubikmeter bei “Pre-Emergencia“ bzw. 28 mg pro Kubikmeter bei
„Emergencia“ ausgenommen.20 „Alerta Ambiental“ wird bei 195 µg Feinstaubpartikel
pro Kubikmeter bei täglichen Messwerten ausgelöst, „Pre-Emergencia“ ab 240 µg und
„Emergencia“ ab 330 µg. Der Grenzwert für Feinstaubpartikel kleiner als 10 µm liegt in
Chile bei 150 µg für tägliche Messwerte, in der Europäischen Union ist dieser bei 50 µg
angesiedelt. 21 Für diese Messungen hat SESMA ein Netz von Messstationen in
Santiago, das den Grad der Luftverschmutzung stetig kontrolliert.22
Unter den mobilen Emissionsquellen von atembaren Feinstaubpartikeln sind die Busse,
die in Santiago verkehren, die Größte. 23 Der Anteil der stationären Emissionsquellen
wie Industrieboiler, Öfen und anderen Industrieprozessen lag 1987 bei 61,6% und circa
eine Dekade später immer noch bei 34%. In diesen Prozentzahlen ist aufgewirbelter

16 Vgl. O'Ryan/Larraguibel 2000, S. 174f.


17 Vgl. Comisión Nacional del Medio Ambiente 1997, S. 94ff.
18 Vgl. O´Ryan/Miller/Miguel 2003, S. 10
19 Vgl. SESMA, 2002, S. 56
20 Vgl. SESMA 2002,S. 36f.
21 Vgl. SESMA 2002, S. 16ff.
22 Vgl. SESMA 2002, S. 34
23 Vgl. O'Ryan/Larraguibel 2000, S. 172
6
Staub nicht enthalten.24 Er entsteht zum Beispiel durch Aufwirbelungen hervorgerufen
durch den Großstadtverkehr. Insgesamt gesehen ist aufgewirbelter Staub die
Hauptemissionsquelle von Feinstaubpartikeln,25 allerdings wird er separat betrachtet, da
er einen natürlichen Ursprung hat, sich schnell wieder ablagert und, bedingt durch seine
Zusammensetzung, nur eine geringe gesundheitsschädliche Wirkung entfaltet.26

3. Emissionszertifikathandel

Das folgende Kapitel soll Emissionszertifikatsysteme und ihre


Ausgestaltungsmöglichkeiten darlegen. Dabei wird ebenfalls auf deren Optimierung,
auch in Bezug auf potentielle Probleme des Handels, eingegangen. Des Weiteren wird
an bereits existierenden Emissionszertifikathandelssystemen gezeigt werden, dass diese
Ausgestaltungsmöglichkeiten realisierbar sind und sich bereits in der Praxis bewährt
haben. Implementierung von Handelserleichterungen zeichnen beispielsweise Systeme
in den Vereinigten Staaten von Amerika aus. Von diesen bestmöglichen Formen des
Systemdesigns wird dann bei der Analyse des chilenischen Zertifikathandelssystems
ausgegangen.

3.1. Das Konzept

Emissionszertifikate wurden in den sechziger Jahren als Instrument der Umweltpolitik


27
von Thomas D. Crocker und John H. Dales entwickelt. Um exzessiver
Bewirtschaftung vorzubeugen, aufgrund von Nichtrivalität in der Nutzung und dem
Fehlen von Ausschlussmöglichkeiten aus der Nutzung vieler Umweltressourcen, sind
umweltpolitische Instrumente erforderlich. 28 Denn Umweltqualität ergibt sich nicht
endogen aus den marktwirtschaftlichen Austauschprozessen. Die zu bewirtschaftende
Knappheit von Umwelt muss politisch definiert und durch Instrumente gesteuert
werden, um Effizienz in der Verwendung sicherzustellen. So können negative
Marktexternalitäten verhindert werden, die Quantitäts- oder Qualitätsminderungen in

24 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2000, S. 7


25 Vgl. O'Ryan/Larraguibel 2000, S. 168
26 Vgl. Arguedas 2002, S. 62
27 Vgl. Bonus/Häder 1998, S. 32
28 Vgl. Klepper 1998, S. 137
7
der Nutzung der Ressource für Dritte bedeuten würden. Emissionszertifikate versuchen
dies durch Mengensteuerung über die Festlegung einer maximalen Emissionsmenge.29
Diese Emissionsmenge wird zertifiziert, gestückelt und kann daraufhin gehandelt
werden. Entweder nur jene, die über den ordnungsrechtlichen Emissionswert hinaus
reduziert wurde, oder, in der reineren Variante, alle Zertifikate.30 Vorher muss jedoch
die Gesamtemissionsmenge unter den betroffenen Emittenten allokiert werden. Da die
vorgegebene Menge bindend ist, werden die Emissionen auf einem Niveau eingefroren.
Die ökologische Treffsicherheit ist folglich garantiert. Emissionszertifikate haben
darüber hinaus den Vorteil, die ökologischen Ziele zu den geringsten
volkswirtschaftlichen Kosten zu erreichen. Sie genügen dem Kriterium der
Kosteneffizienz. Dafür muss indes ein transparenter und liquider Markt für den Handel
geschaffen werden. Zur Dokumentation der Transaktionen und der Entwicklung der
Emissionen der einzelnen Anlagen ist die Schaffung eines Registrierungssystems und
einer ökologischen Buchführung von Nöten. Die Entscheidungen über die Höhe der
individuellen Emissionsvermeidungen überlässt der Staat den Unternehmen, über deren
Vermeidungskosten er keine Kenntnis besitzt. Die Emittenten orientieren sich am Markt
am Preis der Emissionszertifikate und an ihren eigenen Vermeidungskosten.31
Prinzipiell können Firmen durch den Einsatz von End-of-pipe-Technologien, Variation
der Produktpalette oder Veränderung des Produktionsprozesses wie Brennstoffwechsel,
Verminderung der Produktion Emissionen vermeiden. Für die notwendigen
Informationen ist Fachpersonal erforderlich, das eher in großen als in kleinen und
mittelständischen Unternehmen zu finden ist. Diese haben jedoch die Möglichkeit,
wenn auch zu eventuell höheren Kosten, externe Spezialisten hinzuzuziehen.32
Grundsätzlich muss jeder Emittent entscheiden, ob es für ihn günstiger ist eine
Emissionseinheit zu vermeiden oder Zertifikate zu deren Marktpreis zu halten bzw. zu
kaufen. Die Grenzvermeidungskosten, die Vermeidungskosten der letzten
Emissionseinheit sind ergo entscheidend. Liegen die Grenzvermeidungskosten unter
dem Zertifikatspreis, können Zertifikate gewinnbringend vermieden werden. Wenn auf
der anderen Seite die Emissionsquelle nicht über genügend Zertifikate verfügt, und die
Grenzvermeidungskosten über dem Zertifikatspreis liegen, ist es wirtschaftlicher
Zertifikate zu kaufen als in Vermeidungstechnologien zu investieren.33

29 Vgl. Heggelund 1991, S. 19f.


30 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 2
31 Vgl. Amelung/Zenke 2005, S. 97f.
32 Vgl. Betz 2003, S. 96ff.
33 Vgl. Endres/Rehbinder/Schwarze 1994 , S. 6
8
Die statische Kosteneffizienz des Zertifikathandelssystems ist garantiert, da, bis die
Grenzvermeidungskosten mit dem Zertifikatpreis äquivalent sind, der Anreiz besteht
nach Vermeidungsmöglichkeiten zu suchen. Die Verkaufserlöse der Zertifikate können
zur Finanzierung der Investitionen herangezogen werden. Des Weiteren ist die
dynamische Kosteneffizienz durch die Stimulierung zur Entwicklung technische
Innovationen gegeben. Die Induktion ergibt sich aus den Opportunitätskosten der
Zertifikate.34 Der Grenznutzen aller Emissionen wird maximiert. Gleichzeitig ergeben
sich Vorteile für beide Handelsparteien. Dem Verkäufer nutzt der Verkaufspreis mehr
als die Emissionen, und der Käufer zieht größeren Nutzen aus den Emissionen als aus
dem Zertifikatspreis.35 Der Handel lohnt sich für die Emittenten solange bis sich ihre
Grenzkosten angeglichen haben. Volkswirtschaftlich wird so die gewünschte
Emissionsmenge kostenminimal erreicht. In diesem Gleichgewichtspunkt kann in der
36
Theorie kein Unternehmen kostengünstiger vermeiden als ein anderes. Der
Zertifikatspreis wird am Markt sinken sobald Innovationen erfolgen, da das
Zertifikatangebot sich vergrößert. Für die Generierung weiterer Anreize für
umwelttechnischen Fortschritt ist die Gesamtzertifikatmenge zu reduzieren. Der
Regulierer kann entweder Zertifikate zurückkaufen, abwerten oder ablaufende
Zertifikate nicht erneuern.37

3.2. Allokationsverfahren

Die Erstallokation kann durch verschiedene Vergabeverfahren erfolgen. Zum einen


besteht die Möglichkeit des „Grandfathering“, d.h. die kostenlose oder kostenpflichtige
Vergabe von Emissionszertifikaten an Altemittenten nach historischen Emissionswerten
mit der Möglichkeit der Berücksichtigung bereits realisierter Vermeidungsinvestitionen.
Das „Grandfathering“ garantiert den Bestandsschutz alter Emittenten. Neuen
hinzukommenden Unternehmen bleibt nur Zertifikate von Altemittenten zu erwerben.
Hält jedoch die Regulierungsinstanz Zertifikate für Neuemittenten zurück, können diese
später vergeben oder versteigert werden, wodurch dem Wettbewerbsnachteil der
Neuemittenten gegenüber den Altemittenten vorbeugt wird. Alternativ können auch alle
Zertifikate versteigert werden. Sind die Zertifikate unbefristet gültig, gibt es nur eine
Anfangsauktion. Haben sie eine befristet Gültigkeitsdauer, können öfter

34 Vgl. Koschel et al., S. 13


35 Vgl. Tietenberg 2002, S. 3
36 Vgl. Weimann 1998, S. 61
37 Vgl. Endres/Rehbinder/Schwarze, S. 6
9
Versteigerungen stattfinden, um die die Abgelaufenen wieder auszugeben. Die
Gültigkeitsdauer kann sich auch nach der Lebensdauer der Anlagen richten. Je kürzer
die Gültigkeitsdauer von Zertifikaten für erneute Versteigerungen, desto grösser die
Planungsunsicherheiten für die Unternehmen. Analog können sich nur schwerlich
Sekundärmärkte bilden. In jedem Fall berechtigen die Zertifikate zur Emission einer
bestimmten Mengeneinheit des Schadstoffes.
Die kostenlose Vergabe ermöglicht auf der anderen Seite eine leichtere politische
Durchsetzbarkeit, 38 doch auch Auktionen können so ausgestaltet werden, dass den
Unternehmen geringe Kosten entstehen. Alle Einnahmen können nach einem
Verteilungsschlüssel wie z.B. jenem des „Grandfatherings“ zurückgezahlt werden.39 Die
Einnahmen der Versteigerung der Zertifikate können auch zur Reduktion von
verzehrenden Steuern verwandt werden und so doppelten Nutzen erbringen.40 Optional
ist auch die Finanzierung der Administration des Zertifikatsystems oder besserer
Überwachungsmaßnahmen möglich. 41 Für Auktionen spricht zusätzlich die frühe
Vermittlung von Preissignalen an Unternehmen. Gerade für Zertifikatsmärkte mit
stockender Entwicklung kann dies vorteilhaft sein.42

3.3 Potenzielle Probleme des Handels

Die Wirkungseffizienz von Zertifikaten kann durch diverse Probleme eingeschränkt


werden. Transaktionskosten beispielsweise reduzieren die optimal gehandelte
Zertifikatsmenge, so dass die Äquivalenz aller Grenzvermeidungskosten nicht erreicht
wird. Kosteneinsparungspotentiale bleiben so ungenutzt. Transaktionskosten reduzieren
Wohlfahrtsgewinne sowohl durch die entgangenen Handelsgewinne, als auch durch die
zusätzlichen Aufwendungen für jeden Handel. 43 Transaktionskosten können beim
Markteintritt bedingt durch das Erlernen des Systems, die Überprüfung der
Vermeidungspotentiale, der Entscheidung zu handeln oder nicht, die Kosten der Suche
nach Handelspartnern, den Abschluss des Handels und dessen Durchsetzung
entstehen. 44 Die regulierende Behörde kann Transaktionskosten für die Unternehmen
vermeiden, indem sie den Handel nicht von einem Genehmigungsverfahren, welches

38 Vgl. Cansier 1998, S. 99ff.


39 Vgl. Tietenberg 1985, S. 101
40 Vgl. Tietenberg 2002, S. 8
41 Vgl. Tietenberg 2002, S. 18
42 Vgl. Koschel et al. , S. 58f.
43 Vgl. Betz 2003, S. 28
44Vgl. Cason/Gangadharan 2001, S. 146
10
die Unsicherheit für die Handelnden erhöht und sich in existierenden Programmen
negativ auswirkte, abhängig macht.45
Zudem können Unsicherheiten über die Entwicklung des Preises, in der Gegenwart wie
in der Zukunft, den Handel beeinträchtigen. Unternehmen verkaufen nur ungern, wenn
sie fürchten, dass ein späterer Zukauf nicht oder nur zu überhöhten Preisen möglich ist.
Auch langfristige Investitionen in Vermeidungstechnologien sind bei Ungewissheit über
zukünftige Preisentwicklungen schwer planbar. 46 Essenziell ist genauso Vertrauen in
den Fortbestand des Zertifikatsystems und die frühzeitige Ankündigung von
Emissionswertreduktionen der Zertifikate um die Investitionssicherheit zu garantieren.47
Eine einfache Ausgestaltung des Handelssystems schafft zusätzliche
Planungssicherheit. Hilfreich ist zudem die rechtzeitige Informierung der Emittenten
über zukünftigen Entscheidungen der Regulierungsbehörde und das Marktgeschehen.
Die Emittenten müssen Vertrauen in den Markt gewinnen.48
Förderlich wären eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit der Behörde sowie die
Abwicklung aller Transaktionen über ein per Internet zugängliches Computersystem.
Alle Teilnehmer verfügten auf diese Weise stets über alle relevanten Informationen.49
Mit einer besseren Informationspolitik und aktiveren Unterstützung könnte der
Regulierer den Firmen zudem beim Handeln helfen.50 Ein Lösungsansatz zur Reduktion
des Zertifikatpreisrisikos wäre die Legitimation von Sekundärmärkten seitens des
Regulators. An Börsen können sich Terminmärkte für Zertifikate bilden, auf denen die
51
Absicherung von Preisrisiken von morgen bereits heute möglich ist.
Handelsintermediäre helfen ferner beim Preisfindungsprozess und erhöhen das Angebot
an Zertifikaten bzw. reduzieren die Suchkosten. 52 Aus volkswirtschaftlicher Sicht
spricht daneben für private Händler, dass deren Gebühren, im Gegensatz zu
53
Transaktionskosten, keine Wohlfahrtsverluste darstellen. Emissionsstandards
wiederum schränken die freie Handelbarkeit und den Gebrauch von Zertifikaten ein.
Derartige Interferenzen sollten von der Regulierungsbehörde unterbunden werden.54

45 Vgl. Stavins 2001, S. 5f.


46 Vgl. Koschel et al. , S. 12
47 Vgl. Bonus/Häder 1998, S. 39
48 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 4
49 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 5
50 Vgl. Gangadharan 2000, S. 1
51 Vgl. Koschel et al. , S. 12
52 Vgl. Lucht/Sangardt 2005, S. 127
53 Vgl. Cason/Gangadharan 2001, S. 163f.
54 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 7
11
Ein weiterer Faktor, der die Funktionsweise von Zertifikatsystemen behindern kann, ist
Marktmacht. Marktmacht entsteht unter Umständen bei einer kleinen Anzahl von
handelnden Emittenten, Informationsasymmetrien zwischen den Handelnden oder,
wenn ein Unternehmen in den Besitz eines Großteils der Zertifikate gelangt.
Theoretisch möglich wäre dies bei einer Versteigerung der Zertifikate, doch würde jeder
andere rationale Emittent mitbieten, bis der Zertifikatspreis dem Unternehmenswert
entspricht. Ergo wäre dies sehr kostenintensiv. 55 Wenn ein Emittent jedoch bei der
Erstallokation bereits viele Zertifikate erhält und zukauft, könnte er versuchen den
Zertifikatspreis zu seinen Gunsten zu beeinflussen. 56 Über die Reduzierung seines
normalen Angebots erhöht er den Preis. Reduziert er umgekehrt seine normale
Nachfrage senkt er ihn. Beides entfernt ihn vom Gleichgewichtspreis. Der Regulierer
sollte eine dominante Quelle genau im Auge behalten. 57 Unternehmen könnten
gleichsam versuchen über den Beschaffungsmarkt für Zertifikate andere Unternehmen
aus dem Wettbewerb zu drängen. Dafür müssten die Teilnehmer des Zertifikathandels
allerdings in der gleichen Region und Branche operieren.58 Marktmacht kann effektiv
entgegengewirkt werden, wenn der Regulierer ein Limit für den Anteil der Zertifikate,
die gehalten werden dürfen, setzt und Zertifikate für Neuemittenten zurückhält.59
Essentiell für das Funktionieren des Emissionszertifikatsystems ist überdies die
Kontrolle und Sanktionierung der Emittenten. Es sollten die realen Emission jeder
Quelle und alle Transaktionen erfasst werden, um jedwede Überschreitung der erlaubten
Emissionsmenge aufzuspüren und entsprechend zu sanktionieren. Hierbei können
moderne automatische Messstationen installiert werden, die online automatisch die
Emissionen prüfen und berichten. Das Registrierungssystem muss nach dem Prinzip der
doppelten Buchführung arbeiten, um Doppelnutzung von Zertifikaten zu unterbinden.
Sanktionen können gegen Regelverstöße am System oder wegen Unterdeckung an
Zertifikaten verhängt werden. Sie sollten automatisch greifen, damit die Folgen ex-ante
klar sind. Die Strafe sollte sich an der Wahrscheinlichkeit der Entdeckung, der Höhe der
Unterdeckung und deren Nutzen orientieren. In schweren Fällen könnte auch der
60
Ausschluss vom Handel erfolgen. Die Strafhöhe darf dem ungeachtet nicht
unrealistisch hoch sein, da ihre Durchsetzung sonst schwerer und ressourcenintensiver

55 Vgl. Weimann 1998, S. 62ff.


56 Vgl. Villegas/Chavez 2004, S. 92f.
57 Vgl. Hitzeroth 2005, S. 14ff.
58 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 7
59 Vgl. Tietenberg 2002, S. 9
60 Vgl. Betz 2003, S. 55ff.
12
sein kann. Bei besonders schweren Verstößen besteht die Option das Strafrecht
hinzuzuziehen.61
Für die ökologische Treffsicherheit von Emissionszertifikathandelssystemen können
„Hot-Spots“ ein Problem darstellen. Unter diesem Stichwort wird die lokale
Konzentration von Zertifikaten und folglich Emissionen verstanden. Bei manchen
Schadstoffen können der Standort einer Emissionsquelle und die jeweiligen
Ausbreitungsbedingungen zu unterschiedlichen Schadwirkungen einer Emissionseinheit
führen. Dies erschwert die Implementierung eines Zertifikatsystems, denn um diesen
Gegebenheiten Rechnung zu tragen, sind zusätzliche Regulierungen erforderlich. Diese
verkomplizieren die Marktregeln für Unternehmen und schränken die freie
Handelbarkeit ergo die Kosteneinsparungspotentiale ein.62
Für diese Art von Schadstoffen kann ein „ambient permit“-System implementiert
werden. Grundvoraussetzung ist die Installation eines Netzes aus gezielt an „Hot-Spot“
platzierten Kontrollstationen für die Messung der Immissionen des Schadstoffs. Für
jede Messstation wird daraufhin ein eigener Zertifikatmarkt geschaffen, für den ein
Unternehmen Zertifikate halten muss, falls es dort Immissionen verursacht. Die
Zertifikatsmenge für jeden Stationsmarkt ergibt sich aus dem dortigen
Immissionsstandard. Jedes Zertifikat erlaubt einen anteiligen Immissionsbeitrag an der
entsprechenden Station. Nun wird jeder Emissionsquelle ein Transaktionskoeffizient
zugeordnet, der umso größer ist je näher sich die Quelle seiner Messstation befindet. Er
spiegelt die potenzielle Gefahr der Erhöhung der Schadstoffkonzentration am „Hot-
Spot“ wider. Für Quellen die näher am „Hot-Spot“ liegen, resultieren höhere
Transaktionskoeffizienten und somit weniger erlaubte Emissionen pro Zertifikat. Dieses
Handelssystem zielt zur Erreichung der kosteneffizienten Vermeidung auf die
Angleichung der marginalen Immissionsvermeidungskosten an jeder Messstation ab.63
In der Praxis scheitert das beschriebene System an mangelnder Administrierbarkeit und
hohen Transaktionskosten. Problematisch ist auch die Verkleinerung der Märkte. Je
kleiner die Märkte, desto ungewisser ist die Erreichung des Wettbewerbspreises für
Zertifikate und somit der kosteneffizienten Allokation. 64 Zur Vereinfachung des
Systems kann auch ein Markt geschaffen werden, der sich nur nach der Messstation
ausrichtet, die die schlechtesten Immissionswerte aufweist. Der Handel reduziert sich
folglich auf Zertifikate für nur eine Kontrollstation. Doch erweisen sich spätere

61 Vgl. Tietenberg 2002, S. 14


62 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 6
63 Vgl. Tietenberg 1985, S. 22 ff.
64 Vgl. Tietenberg 1985, S. 61 f.
13
Änderungen in den Emissionsstrukturen als Problem. Gegebenenfalls kann aber beim
Auftreten einer zweiten höheren Konzentrationsstelle ein zweiter Markt etabliert
werden. Derartige Systeme generieren für neue Quellen wie für starke Verschmutzer
den Anreiz zur Ansiedlung an Stellen mit niedrigen Immissionen. Eine Abwandlung des
Emissionszertifikalhandelssystems zur Lösung der Problematik sind lokale
Emissionszertifikate. Der Markt wird in mehrere Zonen eingeteilt, der interzonale
Handel jedoch verboten. Dies sichert das Nivea der Immissionen in jeder Zone,
allerdings reduziert sich mit der Zonengröße die Kosteneffizienz. Eine praktikablere
Ausgestaltung wäre auch den interzonalen Handel zu gestatten, aber durch ein
Zukaufsverbot für Emittenten von Hot-Spot-Zonen zu beschränken. So können diese
immer noch als Anbieter am Markt teilnehmen, die Immissionen erhöhen sich in dieser
kritischen Zone jedoch nicht. Alternativ wäre ein räumlich differenziertes
Emissionszertifikatssystem möglich. Gleichsam mit Zertifikaten, die ihrem Besitzer, je
nach Entfernung zur Kontrollstation, unterschiedlich hohe Emissionen zugestehen. Zur
Vereinfachung gruppiert man Quellen mit ähnlichen Immissionswirkungen. Innerhalb
der Gruppe kann im Verhältnis eins zu eins und zwischen den Gruppen gemäß einem
festgelegten Faktor gehandelt werden. Eine andere Möglichkeit sind
Emissionshandelsregeln, die jede Transaktion auf ihre Immissionswirkung prüfen.
Gestattet werden zum Beispiel nur Kontrakte, bei denen es an keinem Kontrollpunkt zu
65
Überschreitung der Immissionsstandards kommt. Durch die Verordnung von
Emissionsgrenzwerten, technologischen Standards oder Inputrichtlinien kann in
besonders verschmutzten Gebieten auch eine Reduktion von “Hot-Spots” versucht
werden.66

3.4. Weitere Ausgestaltungsmöglichkeiten

Die intertemporale Flexibilität kann durch „Banking“ und „Borrowing“ erhöht werden.
„Banking“ gestattet das Zurückhalten des Nutzungsrechts eines Zertifikats in der
aktuellen Periode für eine spätere Periode. Bei „Borrowing“ können Nutzungsrechte
von Zertifikaten vorgezogen werden. Durch „Borrowing“ können sich in der aktuellen
Periode die Emissionen erhöhen, durch „Banking“ senken. Gemeinhin wird volle
intertemporale Flexibilität nicht gewährt, da dadurch die temporale Häufung von
Emissionen befürchtet wird, die bei vielen Schadstoffen gefährlich ist. „Banking“ wird

65 Vgl. Tietenberg 1985, S. 78ff.


66 Vgl. Koschel et al. 1998, S. 44ff.
14
von einigen Systemen zugelassen. 67 „Banking“ kann durch größere Flexibilität für
Emittenten helfen deren Kosten bei Abwertungen der Emissionswerte von Zertifikaten
für die Reduktion der Gesamtemissionsmenge zu senken. „Banking“ kann weiterhin die
intertemporale Kosteneffizienz der Zertifikate verbessern. Zusätzlich erzeugt diese
Ausgestaltungsfrom durch die Verknappung des Angebots, aufgrund von gesparten
Emissionen und dem damit verbundenen Preisanstieg der Zertifikate, den Anreiz früher
in Vermeidungstechnologien zu investieren. Die vermiedenen Emissionen können
gleichsam angespart werden und bleiben für das Unternehmen sicher erhalten. Aus den
frühen Investitionen in Vermeidungstechnologien können sich technologische "Spill-
over-Effekte" ergeben, die die Kosten des Zertifikatssystems entscheidend senken
können.68
Bei „Banking“ besteht aber auch die Gefahr von „Overbanking“. Quellen können mehr
investieren als volkswirtschaftlich und intertemporal kostenoptimal ist. Dem wird in der
Praxis versucht vorzubeugen, indem Restriktionen für die Gesamtmenge gesparter
Zertifikate implementiert werden. Konkret könnte, wenn die gesparten Zertifikate 10%
der Gesamtmenge übersteigen, eine Abwertung von 2 zu 1 für alle weiteren gesparten
Zertifikate gelten.69
Um den Markt und so die Einsparungspotenziale zu vergrößern können auch
Zertifikatmärkte für verschiedene Schadstoffe miteinander verbunden werden. In
diesem Fall muss der Regulierer eine Austauschrate für die verschieden Zertifikate
festlegen. Da in vielen Städten die unterschiedlichen Schadstoffausstöße
zusammenhängen, sind derartig Überlegungen sehr relevant. Die Festlegung der
optimalen Austauschrate ist durchaus komplex und sollte dem Verhältnis der
Schädlichkeit der Schadstoffe entsprechen, aber auch die Maximalgrenzwerte
berücksichtigen.70

3.5. Zertifikathandelssysteme in der Praxis

In der Praxis existieren sogar bereits in Unternehmen freiwillige


Emissionszertifikatshandelssysteme. Seit dem Jahr 2000 betreiben Shell und BP-Amoco
diese intern, um die selbst gesetzten Emissionsreduktionsziele zu erreichen.71 Auch das

67 Vgl. Tietenberg 2002, S. 11


68 Vgl. Bosetti/Carraro/Massetti 2008, S. 19ff.
69 Vgl. Gangadharan /Farrel/Croson 2005, S. 23
70 Vgl. Montero 2001, S. 15ff.
71 Vgl. Oppermann 2001, S. 23
15
Kyoto-Protokoll will mit einem Emissionszertifikathandel weltweit den CO2-Ausstoß
verringern.72 In Deutschland wurde deshalb ein CO2-Emissionshandelsystem für knapp
2000 Großemittenten implementiert. Die Zuteilungsperiode und erste Handelsperiode
liefen von 2005 bis 2007. Die Zertifikate werden jährlich Ende Februar vergeben,
freilich nur in einem elektronischen Register. Jeder, der darüber hinaus am Handel
teilnehmen möchte, kann sich ein Konto einrichten lassen.73
Die ersten umfassenden Emissionszertifikatsysteme waren das „Acid Rain“-Programm
im Bereich Los Angeles zur Verminderung von Schwefeldioxidemissionen und das
RECLAIM-Programm in Südkalifornien, das auf eine Reduktion von Schwefel- und
Stickoxiden abzielt. Beide handeln Schadstoffe, die, wie bei Feinstaubpartikeln, bei
hohen lokalen Konzentrationen schadhafter wirken. Das RECLAIM-Programm schuf
die Grundlagen für einen funktionsfähigen Markt, indem es jegliche
Handelsbeschränkungen vermied. Dies ebnete niedrigen Transaktionskosten den Weg,
die den Erfolg des Programms sicherstellten. Einzig eine Restriktion zur Prävention von
74
„Hot-Spots“ existiert. Es wurden zwei Zonen gebildet, die Küsten- und die
Inlandszone. In beiden Zonen können die Zertifikate uneingeschränkt gehandelt werden,
doch ist die Veräußerung von Zertifikaten von der Küstenzone in die Inlandszone
untersagt. So sollen Erhöhungen der Schadstoffkonzentration in der Inlandszone
vermieden werden. 75 Um die Entwicklung des Marktes zu fördern, richtete die
Umweltbehörde zusätzlich ein Internetportal ein, auf dem Teilnehmer Kauf- und
Verkaufsangebote öffentlich machen können.76
Die meisten Teilnehmer des „Acid Rain“-Programms haben in den ersten sieben Jahren
am Markt partizipiert und konnten effiziente Vermeidungsstrategien verfolgen. 77 Das
Handelsvolumen stieg im Laufe des Programms. 1996 wurden zum Beispiel 4
Millionen Tonnen gehandelt. Im Vergleich zum traditionellen Ordnungsrecht ergaben
sich durch das Handelssystem Vermeidungskosteneinsparungen von einer Milliarde
US-Dollar jährlich. Analysen zeigen, dass der Nutzen des Programms seine Kosten bei
weitem übersteigt.78 Trotz der Bedeutung des Ortes der Emissionen bei Schwefeldioxid
ergaben sich keine „Hot-Spots“ im „Acid Rain“-Programm. Dies wird darauf
zurückgeführt, dass zufällig bei den größten Emissionsquellen die Vermeidungskosten

72 Vgl. Lueg 2007, S. 7


73 Vgl. Amelung/Zenke 2005, S. 107ff.
74 Vgl. Fromm/Hansjürgens 1998, S. 150f.
75 Vgl. Karl 1998, S. 90
76 Vgl. Betz 2005, S. 54f.
77 Vgl. Montero 2002, S. 25
78 Vgl. Stavins 1998, S. 71
16
am geringsten waren, da sich bei den größeren Ausstoßmengen geringere variable
Kosten für die Vermeidung ergaben.79 In den ersten fünf Jahren des Programms war
„Banking“ sehr stark ausgeprägt. 30% der allokierten Zertifikate wurden angespart und
80
erst danach langsam aufgebraucht. Das Programm induzierte über die
Wahlmöglichkeiten der Vermeidung für Unternehmen auch mehr Wettbewerb für
Hersteller von Vermeidungstechnologien. Es resultierten Anreize, die unter den alten
Regulierungsinstrumenten nicht entstanden.81 Interessant ist, dass Emissionsquellen, die
anfänglich nicht Teil des Programms waren, freiwillig teilnahmen, um Zertifikate zu
erhalten. Diese sollten geringere Vermeidungskosten haben, um so die Effizienz des
Systems zu erhöhen. 82 Um die Entwicklung des Marktes zu fördern, wurden kleine
jährliche einnahmenneutrale Auktionen über knapp 3% der Zertifikate durchgeführt, die
bereits früh Preissignale generieren und den Zugang für neue Quellen gewährleisteten.
Des Weiteren kann jeder Teilnehmer des Systems Zertifikate auf den Auktionen
anbieten. 83 Die gute Entwicklung des Zertifikatmarktes wurde auch über umfassende
Öffentlichkeitsarbeit der Regulierungsbehörde sichergestellt. Die Behörde ermöglicht
via Internet relevante Informationen wie Transaktionen, Preise und Marktpartner
abzurufen. Handelspartner zu finden ist dank vieler Handelsintermediäre, die ihre
Dienste zu nur einem Prozent des Lizenzpreises anbieten, keine Schwierigkeit. Es
bildeten sich ebenfalls Terminmärkte, die Sicherheit über die Preisentwicklung geben.84
Zur Überwachung der Emissionen an der Quelle wurden vom Regulator neue Software
und Technologien installiert, die die Kontrolle online ermöglichen. Dies erhöhte die
Effizienz der Arbeit der Regulierungsbehörde, senkte deren Kosten und induzierte
höhere Erfüllungsanreize für die Emittenten.85
Nachteilig wirkte sich die „20% Regel“ auf das Programm aus. Von Umweltschützern
gefordert, verlangt sie, dass jedes Zertifikat bei einem Handel um 20% seines
Emissionswertes abgewertet wird. Da Zertifikate ohne gehandelt zu werden ihren
Emissionswert behalten, verhindert die Regel Transaktionen und erhöht die Kosten der
Behörde durch zusätzlichen Regulierungsaufwand.86

79 Vgl. Ellermann 2003, S. 8f.


80 Vgl. Liski/Montero 2004, S. 2
81 Vgl. Ellermann , S. 91
82 Vgl. Montero 2004a, S. 88f.
83 Vgl. Ellerman et al. 2000, S. 169ff.
84 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 5
85 Vgl. Tietenberg 2002, S. 13
86 Vgl. Stavins 2001, S. 6
17
3.6. Zertifikate vs. Abgaben und Ordnungsrecht

In diesem Unterkapitel sollen kurz die alternativen Instrumente der Abgaben und des
Ordnungsrecht mit einem Zertifikatsystem verglichen werden, da diese meist als
Alternative dargestellt werden. Darüber hinaus kann das Prinzip der Zertifikate
dergestalt besser erläutern und abgegrenzt werden.
In vielen Staaten hat der Gesetzgeber traditionell das Ordnungsrecht zum Schutze von
Umweltressourcen eingesetzt. Doch ist das Ordnungsrecht ineffizient, da die
vermiedenen Emissionen zu teuer erkauft werden. Der Staat kann, da er die
individuellen Vermeidungskosten nicht kennt, keine kostenminimierenden Vorschriften
erlassen. 87 Jede Emissionsquelle ist zu einem Höchstmaß an Emissionen oder dem
Einsatz einer bestimmten Vermeidungstechnologie verpflichtet. Die Höhe der
Gesamtemissionen kann auf diesem Weg nicht festsetzen werden, denn sie steigt mit
jeder neuen Quelle oder erhöhter Produktion.88
Abgaben, die pro Emissionseinheit entrichtet werden müssen, können eine feste
Gesamtemissionsmenge genauso wenig garantieren. Die aggregierten Emissionen
ergeben sich erst als Reaktion auf die Höhe der Abgabe.89 Bei dieser Preissteuerung
muss versucht werden durch Anpassung des Abgabensatzes die optimale
Emissionsmenge zu erreichen. Durch diese stetigen Änderungen genügen die Abgaben
nicht dem Kriterium der Konstanz der Rahmenbedingungen genauso wie das
Ordnungsrecht, das sich stets dem Stand der Technik anpassen muss. Bei Zertifikaten
ist die mehr Verlässlichkeit gegeben. In Bezug auf die Freiheit der individuellen
Anpassung, wie auf Generierung von Innovationsanreizen zur Vermeidung, scheidet das
Ordnungsrecht gegenüber den Zertifikaten deutlich schlechter ab. Zertifikate haben
gegenüber den anderen beiden Instrumenten zudem den Vorteil den Unternehmen nicht
zwangsläufig finanzielle Mittel zu entziehen.90 Viele Studien, die die Kosten zwischen
Ordnungsrecht und Zertifikatsystemen vergleichen, kommen zu dem Ergebnis, dass
Zertifikate gegenüber dem Ordnungsrecht signifikante Kosteneinsparungen
91
ermöglichen.

87 Vgl. Endres/Rehbinder/Schwarze , S. 3
88 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 3
89 Vgl. Hansjürgens 1999, S. 3
90 Vgl. Zimmermann/Hansjürgens 1998, S. 52ff.
91 Vgl. Tietenberg 1985, S. 57
18
4. Das „Programa de Compensación de Emisiones de Fuentes Fijas“

Im folgenden Kapitel soll das Zertifikathandelssystem Santiagos vorgestellt werden. Es


wird dabei gleichzeitig auf historisch bedingte Ausgestaltungsformen eingegangen,
sowie ferner die Probleme, die sich in diesem System darstellen, aufgezeigt werden. Die
Probleme und deren potenzielle Lösungsansätze bilden die Grundlage für die Fragen in
den empirischen Erhebungen.

4.1. Ausgestaltung des Zertifikatsystems

Im März 1992 wurde das „Decreto Supremo 4“ unterzeichnet, welches die


Regulierungsbehörde PROCEFF schuf, sie beauftragte bis Dezember 1993
Informationen über die stationären Emissionsquellen von atembaren Feinstaubpartikeln
zu sammeln und die Erstallokation nach dem „Grandfathering“-Verfahren für die
teilnehmenden Quellen vorzunehmen. 1994 trat das Emissionszertifikathandelssystem
daraufhin in Kraft. Es inkludiert große stationäre Quellen wie Industrieboiler, Öfen und
große Heizkörper mit einer Ausstoßkapazität gleich oder größer als 1000 m3/h.92 Das
Zertifikatsystem entspricht dem Grundmodell mit einer Ausnahme. Die Zuteilung beim
„Grandfathering“ erfolgte nicht nach den tatsächlichen historischen Emissionswerten,
sondern nach den maximal möglichen Emissionen einer Quelle mit der vorhandenen
Technik und dem verwendeten Brennstoff.
Die Formel zur Berechnung lautete:
EDI (kg/día) = F0 (m³/h) * C0 (mg/m³) * 24 (h/día) * 10-6 (kg/mg)
EDI steht für „emisiones declaradas inicial“, die deklarierten anfänglichen Emissionen,
die auf Basis der Werte von 1992 berechnet wurden. F0 (m³/h) ist die maximale
Ausstoßrate der Quelle pro Stunde und C0 entspricht der Konzentration der
Feinstaubpartikel, d.h. Milligramm pro Kubikmeter, für die zur Vergabe ein
Einheitswert von 56 mg/m³ verwendet wurde. Dies wurde multipliziert mit 24 Stunden
und 10 hoch minus 6 um die Kilogramm pro Tag zu erhalten. Die EDI werden zur
Deckung der „emisiones declaradas diarias“ EDD, der deklarierten täglichen
Emissionen, verwendet, die ebenfalls nicht den realen Emissionen, sondern der
aktuellen maximalen Emissionskapazität entsprechen. Die Differenz zwischen diesen
Werten, die sich aus Änderungen in der maximalen Ausstoßrate F0 und der
Konzentration der Emissionen C0 ergeben können, kann gehandelt werden. Falls

92 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 270


19
Quellen verschiedene Brennstoffe verwenden, wird der die höchste Konzentration
Verursachende für die Berechnung zugrunde gelegt.93
Jedes Zertifikat gewährt seinem Besitzer das Recht ein Kilogramm atembarer
Feinstaubpartikel pro Tag, d.h. Partikel kleiner als 10 µm, für die Lebenszeit des
Zertifikatsystems zu emittieren. Doch obwohl die Einheit der Zertifikate in Kilogramm
pro Tag ausgedrückt ist, werden die Emissionen jeder Quelle nur einmal im Jahr
gemessen. Emissionsquellen, die bereits aktiv waren als das System 1992 initiiert
wurde, wurde der Status „Existierende Quelle“ zugestanden. Quellen, die später in
Betrieb genommen wurden, wurden als „Neue Quellen“ deklariert. Den bereits
vorhandenen Quellen wurden nach dem „Grandfathering“-Verfahren kostenlos auf
Basis der berechneten historischen Emissionswerte Zertifikate zugeteilt. Dies, wie
schon erwähnt, zu einem Einheitskonzentrationswert von 56 mg/m³ und ihrer
angegebener Ausstoßrate F0. Die Quellen, die erst später in Betrieb genommen wurden,
erhielten keine Zertifikate und mussten diese zur Deckung ihrer Emissionen von den
„Existierenden Quellen“ erwerben. „Existierende Quellen“, die durch neue ersetzt
wurden, wurden die Zertifikate ihrer Vorgänger übertragen. Die Gesamtmenge an
Zertifikaten, die vergeben wurde, betrug circa 64% der maximalen Emissionskapazität
zu Beginn des Programms. Wie aus der Berechnung der täglichen Emissionen zu
erkennen ist, legt das Programm keine explizite Emissionsgesamtmenge fest, sondern
eine Implizite, deren Obergrenze die maximal mögliche Ausstoßkapazität ist. Die
verlangte Deckungsrate der Emissionskapazität begann im Jahr 1994 mit nur 25%, um
nach Steigerungen von 25% pro Jahr 1997 100% zu erreichen. Von allen Quellen wurde
nach 1998 verlangt beim Verkauf mehr Zertifikate abzugeben als sie verkauften.
Konkret wurde eine Reduktion des Emissionswertes der gehandelten Zertifikate
entsprechend des Faktors 1/1,2 vorgenommen. Jeder Handel wird einem
Genehmigungsverfahren der Regulierungsbehörde unterworfen, selbst wenn der Handel
zwischen zwei Quellen desselben Besitzers stattfindet. Darüber hinaus müssen die
Emittenten, wie nicht am Programm teilnehmende Unternehmen, einem
Emissionsmaximum von 112 mg/h zu jedem Zeitpunkt entsprechen. Neben dieser
Handelsbeschränkung, unterliegen die Teilnehmer des Programms auch den Regeln der
„Pre-Emergencia“ und „Emergencia“ Perioden. Das Recht auf Emission ist trotz der
Zertifikate in diesen Perioden eingeschränkt.94

93 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2000, S. 8f.


94 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 270ff.
20
Die Erstellung des Inventars der Regulierungsbehörde über die Großemittenten von
atembaren Feinstaubpartikeln war zu Beginn des Programms alles andere als
abgeschlossen. Im ersten Verzeichnis erschienen 563 Teilnehmer als „Existierende
Quellen“ und 13 als „Neue Quellen“.95 Aus diesen zuerst aufgeführten „Existierenden
Quellen“ ergab sich eine Zertifikatmenge von 4.604,1 Kilogramm pro Tag. 96 Jedoch
tauchten in späteren Inventaren weitere Quellen auf, die zu dem Zeitpunkt noch
undefiniert waren. Insgesamt ergaben sich 1993 zu Beginn des Programms 680
aufgeführte Quellen. Die 85 undefinierten Quellen waren von selbst an die Behörde
herangetreten, um Zertifikate zu erlangen. 72 wurden letztendlich als „Existierende
Quellen“ eingestuft, und die restlichen 13 als „Neue Quellen“. Diese leichte
Vervollständigung des Inventars ist der Form des „Grandfathering“ geschuldet. Es
generierte den Anreiz für Unternehmen sich selbst zu melden, um noch kostenlos
Zertifikate zu erhalten. Gleichzeitig ergab sich indes der Anreiz die historischen
Emissionen falsch anzugeben, bedingt durch die geringen Informationen des
Regulierers zu diesen Werten. Nach einer späteren abschließenden Überprüfung blieben
von den ursprünglich 563 „Existierenden Quellen“ 415 über. Der Rest war vor März
1992 außer Betrieb genommen worden, doppelt registriert oder ungerechtfertigt
Teilnehmer des Programms. Aus den nun „Existierenden Quellen“ ergab sich eine
Anfangsemissionsgesamtmenge, die implizite Gesamtemissionsmenge, von 4.087,5
Kilogramm pro Tag. Obwohl das „Grandfathering“ Anreize zu opportunistischem
Verhalten schuf, war die Behörde mit diesen Informationen immer noch besser gestellt
als ohne jegliche Informationen über diese Firmen. 97 Die Quellen, die 1992 in das
Zertifikatsystem integriert wurden, machten zu diesem Zeitpunkt mehr als 40% der
Feinstaubpartikelemissionen aus.98
Quellen, die nicht mehr 1000 m³/h ausstießen, entschlossen im Programm zu
verbleiben, um ihre Zertifikate nicht zu verlieren. In diesem System können
Unternehmen ihre Emissionen reduzieren, indem sie ihren Brennstoff wechseln, von
Kohle, Holz oder Schweröl zu Gas oder schadstoffarmem Diesel, oder „End-of-Pipe“-
Technologien installieren, wie z.B. Filter. Unter den teilnehmenden Emittenten besteht
eine starke Heterogenität. So variierte die Konzentration der Emissionen, ebenso wie
die maximale Ausstoßrate, stark in den Anfängen des Programms.99 Die Heterogenität

95 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 274f.


96 Vgl. Palacios/Chávez 2002, S. 102
97 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 274f.
98 Vgl. Coreia 2006, S. 2
99 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 274f.
21
der Quellen sichert außerdem den Vorteil eines Zertifikatsystems gegenüber dem
Ordnungsrecht, denn es gesteht den Firmen mehr Flexibilität, die so nötig ist, in Bezug
auf ihre Vermeidungsstrategie zu. Analysen zeigen, dass das Zertifikatsystem zwar zu
6% mehr Emissionen geführt hat als ein entsprechend implementiertes Ordnungsrecht,
doch entsprechen die Wohlfahrtsverluste der Volkswirtschaft durch die zusätzlichen
Emissionen nur 8% des Wohlfahrtsgewinns durch niedrigere Vermeidungs- und
Produktionskosten.100 PROCEFF hatte zu Beginn des Programms keine Informationen
über die Größe und Anzahl der Emissionsquellen. Aus diesem Grunde konzentrierte es
all seine Ressourcen in den ersten 3 Jahren des Programms auf die Quantifizierung der
Quellen und Emissionen. Als Resultat ergab sich in den ersten 3 Jahren des Programms
keinen einzige autorisierte Transaktion, sondern es lief erst 1997 richtig an.101 Durch
eine neue Handelsregelung seit 2007 wird bei jedem Handel der Emissionswert des
102
Zertifikats um den Faktor 1/1,5 abgewertet. Weitere spezifische
Ausgestaltungsformen des Zertifikathandelssystems sind, dass der Verkauf eines
Zertifikats entweder permanent oder für ein Jahr, entsprechend einer Verleihung,
erfolgen kann.103 Zertifikate, die nicht verwendet werden, verlieren ihre Gültigkeit. Bei
inaktiven Quellen geschieht dies nach drei Jahren, bei aktiven Quellen nach zwei
Jahren.104

4.2. Beginn und Entwicklung des Zertifikathandelssystems

1997 wurde Erdgas aus Argentinien in Chile erhältlich. Es war wesentlich preiswerter,
und dementsprechend kam es zu einer schnell ansteigenden Anzahl von Firmen, die
diesen Brennstoff verwendeten. Erdgas verursacht erheblich geringere Konzentrationen
von atembaren Feinstaubpartikeln als andere Brennstoffe, die in Santiago verwendet
wurden. Schon 1999 hatten 178 von 573 Quellen es übernommen. Die Ursachen können
auch in der steigenden Anzahl von „Pre-Emergencia“ und „Emergencia“ Perioden
liegen, denn durch den Wechsel zu reineren Brennstoffen waren die Emittenten nicht
mehr gezwungen ihre Quellen abzuschalten. Weitere Analysen zeigten, dass wohl die
meisten Wechsel zu Erdgas aufgrund des günstigen Preises und somit aus

100 Vgl. Montero 2004b, S. 4f.


101 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2000, S. 21
102 Vgl. Interview mit Subdepartamento de Calidad del Aire
103 Vgl. Coreia 2006, S. 3
104 Vgl. Coreia 2006, S. 2
22
programmexogenen Gründen durchgeführt wurden. 105 Zu diesem Moment hatte das
Zertifikatsystem schon einen Vorteil nachweisen können, denn viele Firmen kauften
Zertifikate anstatt irreversible Investitionen zur Vermeidung zu tätigen, die sie unter
herkömmlichem Ordnungsrecht durchgeführt hätten. Diese waren nach dem Zugang zu
konzentrationsarmem Erdgas nicht mehr nötig. 106 Bis zum Jahre 2006 wurde Erdgas
immer noch nicht in ganz Santiago verwendet, ist jedoch in den meisten Stadtteilen
erhältlich. Da jedoch immer weniger Erdgas aus Argentinien geliefert wird, werden
eventuell einige Quellen wieder auf andere Brennstoffe umzusteigen müssen.107

Tabelle 1: Entwicklung der Emissionszertifikate


Entwicklung der Kg/Tag %
Emissionszertifikate in
Zugeteilte Zertifikate 4031,44 100,0%
1997
Reduktion durch 1/1,2 123,67 3,1%
Abwertung bei Handel
Reduktion durch 1/1,5 75,52 1,9%
Abwertung bei Handel
Reduktion an 300,52 7,5%
Zertifikaten bedingt
durch Senkung der
Konzentration auf
50µg/m³
Reduktion an 567,01 14,1%
Zertifikaten bedingt
durch Senkung der
Konzentration auf
32µg/m³
Zertifikate verloren 703,46 17,3%
durch „Nichtbenutzung“
Emissionszertifikate 2005 2261,27 56,1%
Quelle: Calfucura, E.; Coreia, J.; Sanchez, J.M. 2008,S.5.

105 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 275f.


106 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 269
107 Vgl. Coreia 2006, S. 6
23
Die zertifizierte Gesamtemissionsmenge ist nach 1998 mehrmals weiter reduziert
worden. So wurde der Emissionswert „EDI“ reduziert durch das Herabsetzen des
Einheitswertes der Konzentration. Im Jahr 2000 wurde er von den anfänglichen 56
mg/m3 auf 50 mg/m3 gesenkt, um 2004 noch einmal auf 32 mg/m3 reduziert zu werden.
Dies impliziert erst eine Reduktion auf 3.649,6 kg/Tag und dann auf 2.335,7 kg/Tag.108
Um das Jahr 2000 begannen auch Überlegungen der Regulierungsbehörde, den Faktor
um den die Emissionen bei Transaktionen abgewertet werden von 1/1,2 auf 1/1,5 zu
erhöhen. Diese Veränderungen vergrößerten die Unsicherheit über den Wert der
Zertifikate und trugen wahrscheinlich dazu bei, dass viele Firmen mehr Zertifikate
hielten als sie real benötigten.109 Aus diesen Verminderungen ergab sich im Jahre 2005,
dass nur noch 56% der anfänglichen Emissionszertifikatmenge Gültigkeit besitzt. 40%
dieser Reduktion sind dem Umstand geschuldet, dass die Emittenten ihre Zertifikate
nicht nutzten und diese verfielen.110

Tabelle 2: Transaktionsaktivitäten 1997 - 2005


Handel Quellen Transaktionen Kg/Tag total
Intra-Firm 279 140 924,42
Externe 67 74 492,95
Insgesamt 346 214 1417,37
Verkäufer 189
Existierende
Quellen
Verkäufer Neue 9
Quellen
Verkäufer 198
Insgesamt
Käufer 13
Existierende
Quellen
Käufer Neue 216
Quellen
Käufer Insgesamt 229
Quelle: Calfucura, E.; Coreia, J.; Sanchez, J.M. 2008,S.6.

108 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2000, S. 20


109 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 285
110 Vgl. Coreia 2006, S. 1
24
Die oben angeführte Tabelle zeigt Charakteristika der Transaktionsaktivitäten. Wie zu
erkennen ist, sind bis 2005 214 Handel genehmigt worden, bei denen 346 Emittenten
involviert waren. 35% der Erstallokationsmenge wurden gehandelt. 65% der
Transaktionen fanden zwischen Quellen ein und desselben Besitzers statt, was auf
Schwierigkeiten bei anderen Kontrakten hindeutet. Wie zu erwarten war, waren die
meisten Käufer von Zertifikaten neue Quellen. Die einzige Transaktion, die ein
Zertifikat auf jährlicher Basis zum Gegenstand hatte, wurde im Dezember 1996
beantragt. Alle übrigen Zertifikate wurden endgültig veräußert.111 Die erste Transaktion,
die nach Genehmigung stattfand, datiert Mitte 1998.112
Im Jahre 2007 wurden Industrieprozesse in das Zertifikatsystem für atembare
Feinstaubpartikel integriert. Im Mai desselben Jahres sollten alle Quellen ihre
Emissionen durch Zertifikate decken.113 Schon 2005 waren ihnen Zertifikate zugeteilt
worden. Die Industrieprozesse wurden gleichsam in „Existierende“ und „Neue“ Quellen
eingeteilt. Den Alten wurden Emissionszertifikate auf der Basis ihrer Emissionen von
1997 zugeteilt. Das Reduktionsziel für die Industrieprozesse war nach dem Umweltplan
für Santiago eine Senkung um 50% der Emissionen von 1997.114 Die „Existierenden
Quellen“ erhielten 50 bis 67 Prozent ihrer Emission von 1997 zugeteilt. Bei ihren
Transaktionen kommt es auch zu einer Reduktion des Emissionswertes um den Faktor
1/1,5. 120 Industrieprozesse wurden in das Zertifikatsystem eingegliedert, von denen
67% den Status „Existierende Quelle“ erhielten.115 Letztlich berechtigen die Zertifikate
nur zur Kompensation der täglichen Emissionen und können nicht angespart werden.
„Banking“ ist im Emissionszertifikathandelssystem von Santiago de Chile also nicht
gestattet. 116

4.3. Probleme des Zertifikathandels in Santiago

Das Zertifikathandelssystem Santiagos berücksichtigt, obwohl es sich bei dem


gehandelten Schadstoff um atembare Feinstaubpartikel handelt, die in höheren lokalen
Konzentrationen eine höhere Schadwirkung haben, nicht die Auswirkungen der
Transaktionen auf die lokale Luftqualität. Die höchsten Konzentrationen von

111 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2001, S. 19


112 Vgl. Coreia 2006, S. 10
113 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
114 Vgl. Calfucura/Coreia/Sánchez 2008, S. 7
115 Vgl. Coreia 2006, S. 3
116 Vgl. Palacios/Chávez 2002, S. 101
25
Feinstaubpartikeln finden sich im Zentrum der Stadt. 117 Es bestehen demzufolge
Befürchtungen, dass der normale Zertifikathandel zwischen allen Standorten eine „Hot-
Spot“-Gefahr birgt. Die größte Emissionsquelle befindet sich im Nordwesten der Stadt
und hat eine tägliche Emissionskapazität von 594 Kilogramm Feinstaubpartikel, 22%
der Gesamtmenge in der Stadt. Bei in einer Studie vorgenommen Aufteilung der Stadt
in knapp 300 Zellen, ergaben sich 7 sehr stark verschmutzte Zellen. Fernerhin zeichnen
die 14 schlechtesten Zellen für 65% aller Emissionen verantwortlich. Die Analyse zeigt
auch auf, dass in Santiago de Chile die Feinstaubemissionsreduktionen der
teilnehmenden Unternehmen um 40% noch signifikante Wohlfahrtsgewinne erbringen
würden. Es gäbe folglich durchaus Möglichkeiten und Anreize eine „Hot-Spot“-
Problematik anzugehen.118
In Bezug auf die Kontrolle der realen Emissionen ergeben sich Probleme, da die
Quellen zu klein waren, als dass sich die Installation von modernen Messgeräten
rechnen würde. Deshalb wurde als Näherungswert die maximale Emissionskapazität
nach den technischen Rahmenbedingungen und Brennstoff gewählt, die einmal im Jahr
119
kontrolliert wird. Die Sanktionen, die verhängt werden können, wenn eine
Emissionsquelle gegen das Reglement des Systems verstößt, entsprechen den Strafen,
die eine Gesundheitsbehörde verhängen kann und sind sehr niedrig. Gleichwohl kann
auch die Benutzung der Quellen eingeschränkt werden. Jedoch richtet sich die Sanktion
nicht nach der Höhe des Nutzens, den die Quelle aus der Überschreitung der zulässigen
Emission zieht.120 Die Höhe der Strafe variiert zwischen US$ 4,50 und US$ 90.000 und
wird erlassen nach einem Prozess der Gesundheitsbehörde, wenn eine Form des
Verstosses gegen das Reglement festgestellt wird.121 Die Emittenten müssen, um ihre
Emissionsberichte zu erstellen, die später an die Regulierungsbehörde zu senden sind,
Laboratorien, die von der Gesundheitsbehörde autorisiert worden sind, beauftragen die
Emissionen zu messen. Außerdem kontrolliert die Behörde stichprobenhaft Messungen,
die vor Ort vorgenommen werden, die Laboratorien, deren Einrichtung und ebenso
nimmt sie zufällig selbst Gegenmessungen mit ihren eigenen Geräten vor. Zu Beginn
des Programms ergaben sich öfters Differenzen zwischen den Messungen, die aber im
Laufe der Zeit zurückgegangen sind. Verstöße gegen das Reglement des Programms
waren im Laufe der Zeit Überschreitungen der zulässigen Emissionsmenge, kein Kauf

117 Vgl. O´Ryan/Bravo 2001, S. 271f.


118 Vgl. O´Ryan/Sánchez 2002 , S. 4ff.
119 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 268
120 Vgl. Calfucur/Coreia/Sánchez2008 , S. 17f.
121 Vgl. Villegas/Chavez 2004, S. 100
26
von Zertifikaten für erhöhte Emissionen, Manipulation der Quelle, damit
Überschreitungen nicht festgestellt werden können, Duale Quellen, die saubere
Brennstoffe angeben als sie nutzen, Zerstörung von Siegeln und Versiegelungen von
Zuläufen des schmutzigeren Brennstoffs. Die Strafe hierfür hängt von der Art des
Regelbruchs, der Höhe der Emissionsüberschreitung und der Schwere des Vergehens
ab. Diese Arten der Kontrolle waren unzureichend in den ersten Jahren des Programms
Erfüllung zu induzieren, und auch nach Besserungen in den Jahren 1998 und 1999,
wohl bedingt durch die Einführung von Erdgas und den so stark gesunkenen
Vermeidungskosten, zeigten stetige und wiederholte individuelle Überschreitungen,
dass es nicht gelingt mit dem Strafenkatalog der Gesundheitsbehörde Erfüllung der
122
Regeln zu induzieren. Es existieren Analysen zu den Charakteristika von
Unternehmen, die mehr emittieren als sie dürfen. Eine Untersuchung empfahl Quellen,
die keine Zertifikate erhalten haben, zu untersuchen.123 Eine Andere fordert Firmen, die
tendenziell in ihrem Brennstoff mehr als ein Prozent Schwefel und eine
Vermeidungstechnologie installiert haben, aus dem sekundären oder tertiären Sektor
stammen sowie über eine Art Heizkessel verfügen, verstärkt zu kontrollieren. Eine
Konzentration in der Revision auf derartige Quellen wäre sicher hilfreich. Ebenfalls
nicht zielführend ist bei der Ausgestaltung der Strafen, dass die Relation zwischen Höhe
der Überschreitung und der Sanktion nicht klar definiert ist. 124 Sie könnte bei
Unkenntnis der Vermeidungskosten einfach an den Zertifikatspreis gebunden werden,
125
allerdings nur, wenn dieser wirklich den Marktpreis repräsentiert. Um die
Überschreitungen der Emissionsrechte zu reduzieren, wäre alternativ eine engere
Zusammenarbeit der Regulierungsbehörde mit diesen Quellen möglich. Durch eine
bessere Kooperation und Hilfestellung kann der Regulierer die Kosten der Vermeidung
für die Emittenten deutlich senken und so auch den Nutzen, den das Unternehmen aus
der Nichterfüllung zieht.126
Ein Problem, dass die Entwicklung des Marktes gehemmt hat, sind die langen und
mühsamen Genehmigungsverfahren der Regulierungsbehörde für die Transaktionen von
Zertifikaten. Die folgende Tabelle gewährt einen kleinen Überblick.

122 Vgl. Palacios/Chávez 2002, S. 110ff.


123 Vgl. Murphy/Stranlund 2005, S. 3
124 Vgl. Palacios/Chávez 2002, S. 120ff.
125 Vgl. Stranlund 2006, S. 28
126 Vgl. Palacios/Chávez 2002, S. 126
27
Tabelle 3: Genehmigungsverfahren
Bearbeitungszeit der Monate
Genehmigungsverfahren nach 1998 bis
2005
Intra-Firm 17,2
Inter-Firm 14,5
Durchschnitt 16,2
Quelle: Subdepartamento de Calidad del Aire

So wurden in den ersten Jahren bis 1998 überhaupt keine Transaktion genehmigt, und
selbst danach waren die Zeiten unverhältnismäßig lang. Erstaunlicherweise waren die
Zeiten für Genehmigungen für Transaktionen von Zertifikaten zwischen Quellen ein
und desselben Besitzers langwieriger. Dies erklärt sich jedoch über die Konzentration
der Behörde auf die anderen Transaktionen. Derartige Zeiten für einen Handel
gewähren wenig Spielraum für kurzfristige Transaktionen zur Deckung erhöhter
Emissionen. Optimal wäre auch die Reduktion des restriktiven
Genehmigungsverfahrens auf eine bloße Dokumentation der Handel.127
Unsicherheit entstand des Weiteren durch die Exklusion der Industrieprozesse zu
Beginn des Programms. Es schien stets, dass sie zu einem Zeitpunkt in das Programm
integriert würden, doch war unklar wie viele Zertifikate allokiert würden, und somit wie
sich die Preise danach entwickeln würden.128 Neben dieser Unsicherheit scheinen auch
hohe Transaktionskosten die Entwicklung des Marktes beeinträchtigt zu haben. Ein
Indiz hierfür ist der hohe Prozentsatz von Transaktionen zwischen Quellen des gleichen
Besitzers, der sich bis 2005 schon auf 65% der realisierten Transaktionen beläuft, doch,
wenn noch Quellen mit gegenseitigen Beteiligungen berücksichtigt werden, erhöht sich
die Ziffer auf 81%. Neben hohen Transaktionskosten können diese Handel bedingt sein
durch den Verfall der Zertifikate nach 2 Jahren der „Nichtbenutzung“. Allerdings
deuten ferner die Daten in Bezug auf die Handelshäufigkeit auf signifikante
Transaktionskosten hin. Mehr als 80 Quellen, über 25% haben mehr als einmal
gehandelt, woraus Lerneffekte beim Handel geschlussfolgert werden können. 129 Eine
hohe Anzahl von verlorenen Emissionszertifikaten aufgrund von „Nichtbenutzung“

127 Vgl. Coreia 2006, S. 9f.


128 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2000, S. 24
129 Vgl. Coreia 2006, S. 8f.
28
lässt überdies vermuten, dass dem Handel hohe Transaktionskosten im Weg stehen, und
die Komplexität des Handelssystems zu groß ist. 130
Die schlechte Entwicklung des Handels belegen außerdem die krassen Abweichungen
im Vergleich von Preisen und die Anzahl der Transaktionen zu denen von Modellen
berechneten. Für die Zeit von Dezember 1996 bis 1997 waren die Preise drei Mal so
hoch wie vorhergesagt, und das Handelsvolumen entsprach nur 18% des
Vorhergesagten, wenn man die Transaktionen im laufenden Genehmigungsverfahren
mit hinzurechnet. Die Einführung von Erdgas hatte einen starken Effekt auf die Preise,
jedoch waren diese bis 1998 immer noch zu hoch, da sie bei dem riesigen zu
konstatierenden Angebotsüberhang eigentlich auf Null hätten fallen müssen. Dies zeigt
wiederum, dass viele Firmen sich nicht am Handel beteiligen und versuchen autark zu
vermeiden oder vorzogen durch Handel unter eigenen Quellen ihre Emissionen zu
decken. 131 Die Preise rangierten zwischen November 1997 und März 1998 zwischen
US$ 10.741 und 5.555 pro Kilogramm pro Tag. Die Spannweite lag zwischen US$
3.704 und 2.144 pro Kilogramm pro Tag in der Zeitspanne von Oktober 2000 bis 2005.
Da die Regulierungsbehörde keine Informationen über den gehandelten Preis erfragt,
sind diese dementsprechend rar, ins Besondere, da Kontrakte zwischen Quellen des
gleichen Besitzers ohne Preis zu Stande kommen.132
Um die Entwicklung des Marktes zu fördern, fehlt es seit Beginn des Programms an
einer grundlegenden Bedingung und zwar der Knappheit von Zertifikaten. 133 Das
Überangebot an Zertifikaten erklärt sich einmal aus der Überschätzung der
Regulierungsbehörde in Bezug auf die maximale Zertifikatmenge, bedingt durch die
Annahme, dass die Quellen 24 Stunden am Tag produzieren, obwohl die
durchschnittliche Auslastung nur bei 18 Stunden liegt. Die Zuteilung von
Emissionszertifikaten an 128 Quellen, die aber bereits 1997 nicht mehr existierten
machten 86,3% des anfänglichen Überschusses an Zertifikaten aus. Später zeichnete
immer mehr die Einführung des Erdgases für den Überschuss der Zertifikatsmenge
verantwortlich.134
Der Handel über eine Börse oder alternative Mechanismen könnte den Handel deutlich
verbessern. Börsenmakler könnten die Korrektheit der Transaktionen garantieren und

130 Vgl. Coreia 2006, S. 5


131 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2002, S. 282f.
132 Vgl. Coreia 2006, S. 7
133 Vgl. Evans/Kruge 2006, S. 7
134 Vgl. Coreia 2006, S. 5
29
die Transaktionskosten erheblich senken. 135 Ansonsten versäumte es die Behörde
grundlegende Faktoren wie eine liquidere Handelseinheit oder Auktionen für
Preissignale zu installieren.136
Schließlich ist es noch die Gefahr von Marktmacht, die das Funktionieren des Systems
bedroht. Wenn man die Quellen nach Besitzer gruppiert, wird die Hälfte aller
Zertifikate wird von 21 Unternehmenskonsortien gehalten, und von 5 Firmen werden
sogar 31% aller Zertifikate gehalten. Dieses Problem könnte durch die Erweiterung des
Marktes reduziert werden, ebenso wie die Schwierigkeit der Liquidität des Marktes.
Denn es würde die Angst viele Unternehmen verringern, Zertifikate zu verkaufen und
später, wenn sie expandieren wollen, nicht oder nur zu sehr hohen Preisen zurückkaufen
zu können.137 Einmal ist der Markt bereits über die Integration der Industrieprozesse
erweitert worden. Die Quellen des Programms waren kurz vor Inkludieren der
Industrieprozesse 2004 nur für 5% der Emissionen von Feinstaubpartikeln
verantwortlich. Um den Markt weiter zu erweitern, wären die mit Diesel getriebenen
Busse in Santiago geeignet, die zur selben Zeit 40% der Feinstaubpartikelemissionen
ausmachten. 138 Für die Busse könnten gleichermaßen nach dem Näherungsverfahren
Zertifikate vergeben werden. Auf diese Weise würde die Investitionen von
gasbetriebenen Bussen mitfinanziert und beschleunigt. Dieser intersektorale Handel
wäre substanziell für die Entwicklung des Marktes, wie für die Reduktion der
Feinstaubpartikelemissionen.139
Die Existenz eines weiteren Zertifikatsystems für NO , das in Santiago de Chile
besteht und auch nach maximaler Kapazität Zertifikate vergibt, würde sich anbieten für
einen Zertifikathandel zwischen den Systemen. Die Erhöhung der Liquidität des
Marktes und der Kosteneffizienz beider Systeme wären so zu erreichen. Hierfür müsste
jedoch ein Austauschkoeffizient festgelegt werden. Zwar besteht bei dessen Festlegung
Unsicherheit über die Auswirkungen auf die Umweltqualitätsziele, doch kann über die
Implementierung von Sicherheitsfaktoren hier vorgebeugt werden. Der erlaubte
Zertifikathandel würde in jedem Fall eine kosteneffizientere Allokation erreichen als
getrennt gehaltene Märkte.140

135 Vgl. Calfucura/Coreia/Sánchez 2008,S. 20


136 Vgl. Montero/Sánchez/Katz 2000, S. 23
137 Vgl. Montero/Sánchez/Katz et al. 2000, S. 22f.
138 Vgl. Montero 2004c, S. 26
139 Vgl. Calfucura/Coreia/Sánchez 2008, S. 14
140 Vgl. Calfucura/Coreia/Sánchez 2008. ,S. 21ff.
30
5. Fragestellung und Forschungsdesign

Wie schon in der Einleitung angesprochen, soll in dieser Arbeit der Fragestellung zum
Zertifikathandelssystem nachgegangen werden, ob dessen suboptimale Funktion, die in
Kapitel 4.2. und 4.3. dargelegt wurde, dessen Design und die Probleme der
Unternehmen in der Verantwortung des Regulierers liegen. Hierzu soll bei einer
Befragung der Behörde herausgefunden werden, wie diese die Probleme des Systems
sieht, welche Änderungen sie anstrebt und wie sie zu den Handlungsempfehlungen für
die Probleme, wie sie in den Kapiteln 3.3 bis 3.5 und 4.3 diskutiert wurden, steht. Auch
soll versucht werden die Gründe ihrer Handlungen offenzulegen. Durch die Befragung
der Unternehmen wird versucht werden ihre Sicht des Handelssystems und seiner
Problematik zu untersuchen. Welche Probleme haben diese wirklich und wie schwer
wiegen sie? Wie beurteilen sie das Administrieren der Behörde? Nach der Auswertung
wird sodann extrapoliert werden können, in wie weit die Behörde auf die Problematik
der Unternehmen eingeht, welche Verantwortung sie für die Ineffizienz des Systems
trägt und welche Konsequenzen sich aus ihren Handlungsabsichten ergeben. Im
Folgenden soll nun das Forschungsdesign, das zur Untersuchung der Fragestellung
gewählt wurde, dargestellt werden. Hierbei wird ebenfalls auf diverse Probleme, die
sich während der Erhebung und ihrer Vorbereitung ergaben, eingegangen. Da die
Befragung der Unternehmen und der Behörde auf verschiedene Weisen erfolgten,
werden ihre Methoden und Schwierigkeiten der Erhebung in verschiedenen Kapiteln
dargelegt.

5.1. Vorgehen und Methodik beim Subdepartamento de Calidad del


Aire

Zur Realisierung des Interviews mussten zuerst diverse Schwierigkeiten überwunden


werden. Um den Zugang zur Regulierungsinstitution zu erlangen, wurden persönliche
Kontakte zu Personen anderer Institution genutzt. Einmal geschah dies über Juan-Pablo
Montero und José Miguel Sánchez, beide Professoren der Pontificia Universidad
Católica de Chile, die sich bereits mit dem Zertifikathandel in Santiago befasst hatten,
und Professoren des Autors während seines Auslandsstudiums in Santiago de Chile
gewesen waren. Diese verwiesen zudem auf Jessica Coreia, Wissenschaftliche
Mitarbeiterin an der Universidad Diego Portales in Santiago de Chile, die sich ebenfalls
mit der Thematik befasst hatte, und bereits mit der Regulierungsbehörde in Kontakt

31
getreten war. Diese persönlichen Kontakte vermittelten einen Kontakt an der
Regulierungsbehörde und machten den Zugang so erst möglich. Die Behörde zog
schließlich keinen Nutzen aus der Erhebung, und doch störte diese ihren normalen
Arbeitsablauf und kostet sie Zeit. Darüber hinaus reduzierte dieses „Geschickt werden“
von vertrauten Personen das Misstrauen und erleichterte die Informationsgewinnung im
späteren Leitfadeninterview. Ferner ermöglichte sie den Bezug von Daten zum
Zertifikatsystem und einer Liste einiger teilnehmender Emittenten, bei deren Ausgabe
sich der Regulierer zuerst wenig kooperativ zeigte. Allerdings verlangte das
Subdepartamento de Calidad del Aire dennoch eine Genehmigung der übergeordneten
Behörde. Bei diesem Genehmigungsantrag mussten das Forschungsvorhaben formuliert,
und die Themenkomplexe der Fragen an die Regulierungsbehörde sowie an die
Unternehmen aufgeführt werden. Das Genehmigungsverfahren lief über zwei Wochen.
Als Interviewpartner wurde der Direktor als verantwortliche Person für die Handlungen
der Regulierungsbehörde ausgewählt. Doch nach dem Genehmigungsverfahren konnte
das Interview mit dem leitenden Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
leider noch nicht beim ersten Aufenthalt in Santiago durchgeführt werden, da dieser bis
zum 06. Januar 2007 nicht zu Verfügung stand, und musste bis März 2007 verschoben
werden.141
In diesem Interview sollte sichergestellt werden, dass die verschiedene
Themenkomplexe der Probleme des Handelssystems angesprochen werden. Diese sind
die Probleme des Zertifikatsystems, die in Kapitel 4.3 erwähnt wurden. Jedoch wurde
als Eingangsfrage sich zuerst allgemein nach der Sichtweise der Behörde zum
Handelssystem und seinen Problemen erkundigt. Dann wurden die einzelnen Probleme
wie der Suche von Handelspartnern, Unsicherheit durch Genehmigung und
Informationspolitik über die Systementwicklung, Abwertung der Zertifikate,
Marktmacht, Handelsbeschränkungen, Marktgröße, Komplexität des Systems,
Kontrolle, Liquidität der Zertifikate und Unsicherheit über Preisentwicklung
angesprochen. Nach der Stellungnahme des Regulierers sollte alsdann bei Bedarf
nachgehackt werden, wie seiner Position zu den in Kapiteln 3 und 4 genannten
potenziellen Lösungen ist. Ebenso sollte die Möglichkeit offen gehalten werden, auf die
Aussagen des Interviewpartners bei Interesse eingehen zu können. Es wurde versucht
die Themenkomplexe in einer thematischen Reihenfolge anzusprechen, um große
inhaltliche Sprünge zu vermeiden und so den Redefluss des Interviewpartners nicht zu

141 Zur Problematik beim Zugang zu Institutionen vgl. Flick 2000, S. 72ff.
32
unterbrechen. Hierbei wurden entweder thematische Zusammenhänge oder Aussagen
des Interviewten, die einen Übergang erlaubten, aufgegriffen. Das Interview wurde
daher als Leidfadeninterview konzipiert und konkret als Experteninterview
durchgeführt.142

5.2. Methodik der Untersuchung der Problematik der Unternehmen

Zur Untersuchung der Probleme der Firmen, die am Zertifikathandelssystem


teilnehmen, wurde über eine Kombination von quantitativen und qualitativen Methoden
realisiert, da diese in diesem Fall eine sinnvolle Ergänzung darstellten. 143 Durch
qualitative Leidfadengespräche sollten möglichst viele Informationen zu den
Erfahrungen und Probleme der Unternehmen mit dem Handelssystem gewonnen
werden. Angesprochen werden sollten als Themenkomplexe die Erfahrung mit dem
Handel sowie die Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit des Subdepartamento de Calidad del
Aire. Durch einen Fragebogen mit quantitativen Fragen wurde auf der anderen Seite
versucht die Probleme genau zu quantifizieren und einige Sachverhalte exakt zu
erfassen. Die Konzeption der Fragen der Interviews mit den Unternehmen wird kurz
der Analyse der Ergebnisse der einzelnen Frage vorangestellt, insofern dies erforderlich
erscheint. Sie ergeben sich jedoch aus dem Interview mit dem Regulierer und aus den
dargestellten Problemen des Zertifikatsystems.144
Nach dem Genehmigungsverfahren im Dezember erklärte sich der Regulierer nur bereit
eine Liste eines Teils der Unternehmen zur Verfügung zur stellen. Da es eine Liste von
Unternehmen, die bereits gehandelt oder ihre Zertifikate übertragen haben, gab, wurde
diese ausgewählt. Über eine Selektion von Unternehmen, die bereits gehandelt hatten,
verfügte der Regulierer nicht. Der Regulierer war ebenso nicht bereit die
Telefonnummern oder Emailadressen der Unternehmen herauszugeben. Allerdings
fanden sich auf der Liste die Anzahl der Emissionszertifikate der Unternehmen und die
jeweilige Anzahl der Quellen. Mehr konnte während des ersten Besuchs, vom 06.
Dezember 2006 bis zum 06. Januar 2007, neben einigen Pretests für die
Unternehmensbefragung, nicht realisiert werden.
Bei den Pretests wurde zuerst versucht über Emailadressen aus den Gelben Seiten in
Chile den quantitativen Teil der Fragebögen zu erheben, um für die quantitativen

142 Zur Konzeption von Leitfadeninterviews und Experteninterviews vgl. Flick 2000, S. 94ff.
143 Zur sinnvollen Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden vgl. Flick 2000, S. 280f.
144 Zur Konzeption von Fragen und Fragebögen vgl. Schnell/Hill/Esser 2008, S. 342ff.
33
Fragen bei der Unternehmensbefragung eine größere Datenmenge zu erhalten, doch
leider war der Rücklauf dieser verschickten Bögen gleich Null. So konnten während des
ersten Besuchs nur noch 3 persönliche Befragungen von Unternehmen durchgeführt
werden, die den Verdacht bestätigten, dass das Unverständnis des Systems, neben
mangelnder Motivation, ein entscheidender Faktor für die Rücklaufquote gewesen war.
Das persönliche Erscheinen erhöhte die Motivation und eröffnete die Möglichkeit die
Fragen zu erläutern. Die Struktur der Fragebögen und die Form der Fragen des
Leitfadeninterviews erwiesen sich als praktikabel. Gleichzeitig konnte eine
grundsätzliche Kooperationsbereitschaft bei den Unternehmen festgestellt werden, die
die Erhebung erst möglich machte. 145 Beim zweiten Aufenthalt in Santiago de Chile
vom 25.02.2007 bis zum 25.03.2007 wurden sodann die Interviews persönlich
durchgeführt. Jedoch wurden ebenfalls Unternehmen angetroffen, die die
Zusammenarbeit verweigerten. Einige fürchteten um Firmengeheimnisse, andere hätten
einem Interview nur mit einem Genehmigungsbeleg der Regulierungsbehörde
zugestimmt. Diesen wiederrum wollte die Behörde nicht ausstellen, da die
Untersuchung nicht in ihrem Auftrag durchgeführt wurde. Bei den Firmen stellte es sich
manchmal als problematisch heraus die für den Zertifikathandel zuständige Person zu
finden, wenn sich nicht besonders mit dem System befasst worden war.146
Bei der Auswahl der Unternehmen ergab sich die Schwierigkeit, dass aus
Sicherheitsgründen nicht aus jedem Stadtteil Firmen zur Erhebung herangezogen
werden konnten. Einige Unternehmen waren darüber hinaus nicht mit öffentlichen
Verkehrsmitteln zu erreichen, so dass diese ebenfalls für die Befragung ausscheiden
mussten. Doch auch zu den anderen Firmen konnten zumeist nicht direkt mit
öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt werden, so dass sie zu Fuß besucht werden
mussten. Diese Auswahl entspricht so zum Teil dem Auswahlkriterium der
„Annehmlichkeit“ nach Patton, nach dem die Auswahl nach der einfachsten
Zugänglichkeit ausgewählt wird. Dergestalt lässt sich mit begrenzten zeitlichen und
personellen Mitteln die Untersuchung durchführen und der Aufwand minimieren. Dies
reduziert zwar theoretisch die Verallgemeinerbarkeit der Daten, doch ist nicht zu
erkennen, warum die Probleme von Teilnehmern mit dem Handelssystem aus anderen
Stadtteilen anders geartet sein sollten.147 Die einzige Ausnahme ist allenfalls das Verbot

145 Zu Pretest vgl. Schnell/Hill/Esser 2008, S. 347ff.


146 Zur Problematik des Zugangs zu Einzelpersonen vgl. Flick 2000, S. 74ff.
147 Zu diesem Kriterium vgl. Flick 2000, S. 88
34
von Gas in einigen Stadtteilen. Diese befinden sich jedoch im Stadtzentrum und wurden
nicht durch die Selektion herausgefiltert.
Die Auswahl der Unternehmen erfolgte nach der schrittweisen Festlegung des
Theoretischen Sampling, das von Glaser und Strauss 1967 entwickelt wurde. Auf der
einen Seite sollte das Feld möglichst breit erfasst werden. So wurden versucht von der
Liste der Unternehmen, die die Regulierungsbehörde Subdepartamento de Calidad del
Aire bereit gestellt hatte, möglichst vielseitig vorhandene Unternehmenstypen
auszuwählen. Dabei wurde im Laufe der Erhebung stetig die Anzahl der verschiedenen
Unternehmenstypen kontrolliert und versucht dies bei der weiteren Selektion
entsprechend zu berücksichtigen. Die Grundgesamtheit der Unternehmenstypen war
hierbei aufgrund der zur Verfügung gestellten Liste des Regulierers nicht bekannt.
Dieser Prozess ergab 5 Textilunternehmen, 5 Krankenhäuser und Kliniken, 2 Labore, 3
Hotels, 4 Chemieunternehmen, 7 Unternehmen von Produktionen der Schwerindustrie,
3 Produzenten von Lebensmitteln und einen Flughafen. Durch diese breite Auswahl
sollten auch eventuelle Spezifika bei den Problemen mit dem Zertifikathandelssystems
von Unternehmenstypen geprüft werden. Die Unternehmenstypen, die nur in kleinerer
Auswahl vertreten sind, waren insgesamt in der Unternehmensliste weniger vertreten.
Ein Sonderfall ist der Flughafen von Santiago de Chile, der der Einzige ist, der am
Handelssystem partizipiert. Weitere Unternehmensmerkmale, die in der Firmenliste des
Regulators verzeichnet waren, wie ob Großemittent, d.h. Zertifikatbesitz von mehr als
10 Kg/Tag, oder nicht und Besitz von mehr als einer Quelle fanden Berücksichtigung.
Auf diesem Wege wurden 6 Großemittent und 11 Unternehmen mit mehr als einer
Quelle inkludiert werden. Typisch für das Handelssystem sind eher kleine
Emissionsquellen, doch sollte durch diese Auswahl untersucht werden, ob
Großemittenten weniger mit der Komplexität des Handelssystems zu kämpfen haben.
Dies kann angenommen werden, da es sich für sie mehr Ressourcen zu Verfügung
haben. Es kann zudem vorweg genommen werden, dass die Unterscheidung nach
Unternehmenstypen leider nur wenig relevante Zusatzinformationen erbrachte.
Auf der anderen Seite sollte schon über die Auswahl der Unternehmensliste versucht
werden den Schwerpunkt auf Unternehmen zu legen, die bereits mit dem
Zertifikatsystem und der Regulierungsbehörde aktiv in Kontakt gekommen waren. Wie
erwähnt, konnte vom Subdepartamento de Calidad del Aire eine Liste von Unternehmen
erlangt werden, die bereits Zertifikate gehandelt hatten oder Zertifikate von einer alten
auf eine neue Quelle übertragen hatten. Diese Konzentration der Auswahl erfolgte unter
der Annahme, dass von diesen als Interviewpartner durch ihre Erfahrungen mehr
35
relevante Informationen gewonnen werden können. In der zu Verfügung stehenden Zeit
konnten auf diese Weise 30 Unternehmen befragt werden. 148 In Bezug auf die
Grundgesamtheit der Firmen, die am Handelssystem teilnehmen, ist diese für den
Zeitpunkt der Befragung auf circa 600 zu beziffern. Die Liste der Firmen, die vom
Regulierer ausgehändigt wurde, bestand aus 396 Firmen, die schon gehandelt oder ihre
Emissionszertifikate von alten auf neue Quellen übertragen hatten.
Neben den Aufzeichnungen des qualitativen Interviews und den quantitativen Fragen
wurden auch Aufzeichnungen in Form eines Forschungstagebuchs gemacht. Diese
sollten Besonderheiten bei der Annäherung an die Interviewpartner, bei der Anwendung
der Methode und nach dem Interview einfangen, die ebenfalls Rückschlüsse für die
Fragestellung erlauben.149

6. Die Auswertung und Analyse der erhobenen Daten

Im Folgenden sollen die durch die Methoden gewonnen Daten und Aussagen vorgestellt
und jeweils gleich auf ihre Implikation hin analysiert und interpretiert werden.
Implikationen von Ergebnissen der Unternehmensbefragung für
Untersuchungstatbestände des Experteninterviews mit der Regulierungsbehörde werden
bei der Analyse der Daten der Unternehmensbefragung diskutiert werden.

6.1. Das Experteninterview mit dem Direktor der


Regulierungsbehörde

Zu Beginn des Interviews wurde dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del
Aire eine Eingangsfrage gestellt. Diese bezog sich auf seine Sicht und die der Behörde
zu den Problemen des Zertifikathandelssystems im Allgemeinen. Auf diesem Wege
sollte ohne vorherige Nennung von Problemen aus der Sicht des Interviewers, die
Sichtweise des Regulierers herausgefunden und Anknüpfungspunkte für den weiteren
Verlauf des Interviews gefunden werden. Als Kernaussagen ergab sich ein geringes
Interesse der Behörde an erfolgreichen Transaktionen der Firmen, da durch diese die
Unternehmen nur eigene Gewinne erzielen würden. Dies hätte keine Priorität für die
Regulierungsbehörde. Für sie sei es primär wichtig, dass alle Firmen nicht mehr
Feinstaubpartikel emittierten als aufgrund ihres Zertifikatbesitzes zulässig sei. Die

148 Zu den Varianten der Schrittweisen Auswahl aus dem Feld vgl. Flick 2000, S. 81ff.
149 Zur weiteren Dokumentation von Daten vgl. Flick 2000, S. 186ff.
36
Unternehmen könnten zwar jederzeit handeln, doch sei es das Problem der Emittenten
zu wissen wer Zertifikate verkaufe. Das Programm sei aus der nationalen Sicht für den
Umweltschutz ohnehin nicht von allzu großer Bedeutung und betreffe nur einen kleinen
Teil der Emissionen, die der Gesundheit der Menschen in Santiago nicht besonders
schade.150
Die Ansicht der Behörde, dass der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf der Kontrolle liegen
müsse und der Handel und seine Förderung eher zu vernachlässigen wären, deutet
darauf hin, dass die Behörde das Zertifikathandelssystem eher wie ein
ordnungsrechtliches Instrument anwendet, bei dem primär wichtig ist, dass jeder seine
maximale Emissionserlaubnis nicht überschreitet. Dies vermittelt den Eindruck, dass
der Regulierer die Kosteneinsparungspotenziale bei der Emissionsvermeidung durch
das Handelssystems nicht erkennt. Doch diese ergeben sich erst, wie in Kapitel 3.1.
dargelegt, aus dem Handel und insofern der Möglichkeit an den Stellen zu vermeiden,
an denen es am kostengünstigsten ist. Die Gewinne, die die Unternehmen dabei unter
Umständen realisieren, sind essenziell, da sie den Anreiz generieren zu handeln und
zudem zur Finanzierung von Vermeidungstechnologien verwendet können. Aus diesem
Grunde ist es wesentlich, dass möglichst viele, besser noch alle, sich lohnenden
Transaktionen verwirklicht werden. Und obwohl es evident ist, dass die Einhaltung der
erlaubten individuellen Emissionsgrenzen eine notwendige Bedingung für das
Funktionieren des Zertifikatsystems ist, erfüllt sich der eigentliche Sinn und Nutzen
dieses umweltpolitischen Instrumentes nicht, wenn der Handel nicht in Schwung
kommt. Folglich sollten der Handel und seine Unterstützung für die Behörde Priorität
besitzen.
Gleichsam lässt der Standpunkt des Direktors der Behörde, dass das Programm nicht
von allzu großer Bedeutung sei, vermuten, dass er nur bedingt vom System überzeugt
ist und keine Visionen für eine verbesserte Zukunft des Handels hat. Wenn nicht von
ihm, von wem sonst sollte dies jedoch erwartet werden. Nur so kann es zu einem
Leistungsfähigen, wie zum Beispiel dem RECLAIM-Programm in den Vereinigten
Staaten von Amerika, umstrukturiert werden. Es scheint, dass das Potential, besonders
das Einsparungspotenzial für die Volkswirtschaft, aber auch das Potenzial für
kosteneffizienteren Umweltschutz durch das Inkludieren von weiteren
Emissionsquellen, vom Regulierer nicht erkannt wird. Denn trotz der Einbeziehung der

150 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
37
Industrieprozesse, könnte eine weitere Ausweitung des Systems, zum Beispiel auf die
Dieselbusse der Stadt, das System zu einem durchaus Bedeutenden werden.
Entsprechend dieser Anknüpfungsmöglichkeit wurde der Interviewpartner als nächstes
auf die Ausweitung des Systems in Punkto Quellen und Austausch mit anderen
Zertifikatsystemen hin befragt. Er gab an, dass ja nun bis Mai 2007 die
Industrieprozesse in das System eingegliedert werden sollen. Da es von diesen aber
circa fünftausend im Raum Santiago gäbe, würde man nur einen kleinen Teil, der für
80% der Emissionen von Feinstaubpartikeln der Industrieprozesse verantwortlich
zeichne, inkludieren. In Bezug auf die Dieselbusse der Stadt, legte der Interviewpartner
dar, dass man darüber nicht nachgedacht habe und dies nicht plane. Er glaube, dass sich
dies nicht lohne und auch nicht zu realisieren sei, da die Anzahl der Busse variiere, und
sie auch außerhalb Santiagos fahren würden. Ebenso würde einen Handel zwischen
Zertifikatsystemen als nicht erforderlich erachtet.
Zuerst einmal ist die Entscheidung des Regulierers nur die große Quellen der
Industrieprozesse einzubeziehen insofern vernünftig, als dass es die Ressourcen der
Behörde auf die wichtigen Fälle konzentriert. An zweiter Stelle ist der Aussage, dass es
sich nicht lohne die Busse zu integrieren, entgegenzuhalten, dass diese, wie in Kapitel
4.3. dargestellt, einen Großteil der Emissionen in Santiago ausmachen. Der Aufwand
ist, falls man deren Emissionen ebenfalls durch ein Näherungsverfahren berechnet,
genauso groß wie bei den bisherigen Quellen. Die Liste des Fuhrparks der Firmen, die
nach der Reform des Nahverkehrssystems in Santiago nur noch aus wenigen
Großunternehmen bestehen151, könnte verwendet werden. Der verwendete Brennstoff
könnte wie bei immobilen Emissionsquellen berücksichtigt werden. Der
Fuhrparkbestand, veränderbar durch das Ausscheiden oder den Zukauf von Bussen, und
die Verwendung auf Linien außerhalb Santiagos, könnte approximativ berücksichtigt
werden, da hier keine steten Veränderungen auftreten. Warum die Ausweitung und auch
der Handel zwischen Zertifikatsystemen, unter Berücksichtigung der Ausführungen in
Kapitel 4.3, als entbehrlich angesehen wird, ist unverständlich. Beim Nachfragen zu
diesen Ansätzen, erfolgte jedoch nur erneut die Aussage, dass über eine derartige
Expansion nicht nachgedacht werde.152
Die ersten Aussagen des Regulierers wieder aufgreifend, wurde danach die Kontrolle
der Firmen und ihrer Sanktionierung bei Verletzung der individuellen Emissionsgrenze
zum Thema gemacht. Der Direktor erklärte, dass durch die jährlichen Kontrollen jede

151 Vgl. Libertad Desarrollo 2007, S. 1


152 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
38
Quelle, die nicht ihre individuelle Norm erfülle, durch die unabhängigen Laboratorien
und die Kontrollen der Behörde entdeckt würde. Die Höhe der Geldstrafen werde
allerdings nicht vom Subdepartamento de Calidad del Aire festgelegt, sondern von der
rechtlichen Abteilung des Gesundheitsministeriums. Auf diese habe die
Regulierungsinstanz keinen Einfluss. Allerdings denke man, dass durch die Strafe des
Verbots des weiteren Betreibens der Quelle, ein ausreichendes Drohpotenzial
vorhanden sei, um die Quellen zur Normerfüllung zu bewegen.153
Falls die Behörde mit diesem Kontrollverfahren wirklich alle Emittenten, die ihre
zulässige Emissionsmenge überschreiten entdeckt, ist dies beachtlich und dient dem
System. Wenn darüber hinaus die Festlegung der Höhe der Geldstrafen nicht im
Handlungsbereich des Regulierers liegt, ist die Verantwortung für die zu geringe Höhe
dieser ihm nicht anzulasten. In diesem Fall sollte der politische Entscheider aber vom
Regulator darauf hingewiesen werden, dass das System in diesem Punkte nachzubessern
ist. Die Ansicht des Subdepartamento de Calidad del Aire, dass ein mögliches Verbot
des Betriebs der Quellen die Teilnehmer davon abhalte mehr zu emittieren als ihnen
gestattet ist, dürfte hingegen ein Trugschluss sein. Nur bis 1998 hielten die „Neuen
Quellen“ insgesamt weniger Zertifikate als sie Emissionen auswiesen, doch bis 2005
gibt es Daten über „Neue Quellen“, die ihre Emissionen nicht mit entsprechend vielen
Emissionszertifikaten deckten. Diese Koinzidenz von Zertifikatüberschuss und
Emissionszertifikatunterdeckung der „Neuen Quellen“ bezeugt die Probleme Einhaltung
des Reglements herzustellen. Schlicht durch den programmexogenen Einfluss der
Einführung von billigem Erdgas aus Argentinien und dem einhergehenden
Emissionsrückgang kann es bedingt sein, dass die Zahl der Normüberschreitungen
zurückging. Wäre dies der Fall, würden bei der Herstellung von Zertifikatknappheit, als
Voraussetzung für den Handel, die Unternehmen ihre individuellen Normen wieder
brechen. Die Sanktionen könnten keine Normerfüllung induzieren. Dies soll im Kapitel
zu den Interviews mit den teilnehmenden Unternehmen noch näher untersucht und
diskutiert werden.
In wie weit der Regulator Freiheit über das Design des Zertifikatsystems habe, und ob
er über ausreichend Ressourcen verfüge, drängt sich als nächste Frage auf. Der Leiter
der Behörde erwiderte, dass die Ausgestaltung nach ihrem Gusto verändern könnte, mit
Ausnahme der Festlegung der Höhe und der Art der Strafe bei Bruch des Reglements
des Systems. Daraus ergibt sich auf der anderen Seite jedoch, dass der

153 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
39
Regulierungsbehörde die Verantwortung für alle übrigen Ausgestaltungsformen des
Systems zuzuschreiben ist. Ins Besonders, da der Direktor in Bezug auf die Mittel der
Behörde aussagte, dass sie in diesem Punkt keine Probleme hätten.
Zur Frage, warum in der Allokationsphase den Unternehmen so viele Zertifikate
zugeteilt wurden, bestätigte der Direktor, dass dies geschehen sei, weil man nicht
gewusst habe, auf welchem Niveau die tatsächlichen Emissionen gelegen haben. Dies
ist durch die begrenzte Möglichkeit der Erfassung der realen Emissionen zu Beginn des
Systems verständlich, doch hätte später, nachdem der Angebotsüberhang deutlich
wurde, größere Anstrengungen zur Reduktion realisiert werden müssen, um eine
gewisse Zertifikatsknappheit sicherzustellen.
Als nächstes wurde dementsprechend das Problem des Zertifikatüberangebots
thematisiert, das eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Handelssystem, wie
in Kapitel 4.3. erläutert, darstellt. Zunächst erwähnte der Direktor, dass Reduktionen
durch „Nichtbenutzung“, durch die Reduktion des Emissionswertes eines Zertifikats bei
Handel um den Faktor 1/1,5, beziehungsweise zuvor um den Faktor 1/1,2, und durch die
Reduktion des Emissionskonzentrationswertes CO (mg/m3) in der Formel zur
Berechnung des Emissionswertes der Emissionszertifikate vollzogen worden seien.
Über die letztgenannte Reduktionsmöglichkeit habe das Subdepartamento de Calidad
del Aire in der Vergangenheit schon große Anstrengungen unternommen, um die
Gesamtemissionsmenge zu reduzieren. Außerdem würde durch das baldige Inkludieren
von Industrieprozessen die Nachfrage nach Zertifikaten steigen. Abschließend führte er
an, dass es ja sowieso nicht so viele Zertifikate gäbe, da kaum Teilnehmer diese
anböten. Durch den Verlust bei „Nichtbenutzung“ würde zudem der Handel angeregt,
da Firmen zum Handel gezwungen würden.154
Als erstes kann zu der Aussage über die unzureichende Menge an Zertifikaten nur das
Gegenteil festgestellt werden. Die großen Reduktionsanstrengungen in der
Vergangenheit waren nicht ausreichend. Im Gegenteil ist ein riesiger Angebotsüberhang
zu konstatieren. Aus der Tatsache, dass wenige Zertifikate zum Kauf angeboten werden,
zu schließen, dass es wenig Zertifikate gäbe, ist zu kurz gegriffen. Der geringe Handel
ist, wie bereits ausführlich dargestellt, vielmehr den zahlreichen Problemen im Design
geschuldet. Dass das Inkludieren von Industrieprozessen die Nachfrage steigern und
nicht eher absenken wird, ist ebenfalls rein spekulativ, und somit keine
Argumentationsgrundlage. Die Zertifikate der Industrieprozesse werden schließlich

154 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
40
ebenfalls, wie der Regulierer bestätigte, nach einem Näherungsverfahren vergeben, zu
einem ähnlichen Prozentsatz der historischen Emissionen der Quellen und auch unter
der Annahme von 24 täglichen Betriebsstunden. 155 Die folgende Tabelle zeigt noch
einmal deutlich den erheblichen Zertifikatüberschuss, obwohl die Zertifikatmenge
reduziert wurde, in der Jahren 1997 bis 2005.

Tabelle 4: Zertifikatüberschuss in den Jahren 1998 – 2005 in Kg/Tag


Jahr Zertifikate Emissionen Zertifikatüberschuss
1997 4031,44 2017,16 2014,28
1998 4031,44 1375,42 2656,02
1999 4031,44 711,41 3320,03
2000 3683,74 683,51 3000,23
2001 3651,77 535,79 3115,98
2002 3069,24 520,06 2549,18
2003 2950,52 562,17 2387,35
2004 2861,71 540,52 2321,19
2005 2261,27 613,43 1647,84
Quelle: Coreia, J. 2006, S.5

Zur Regelung des Verlustes der Zertifikate bei „Nichtbenutzung“ ist verschiedenes
festzustellen. Auf der einen Seite ist der Versuch den Handel mit diesem Mittel
anzuregen sicherlich interessant, doch ist dies normalerweise bei
Zertifikathandelssystemen nicht notwendig, da sich dieser Anreiz bereits aus den
Handelsgewinnen generiert. In wie weit diese Regelung Unternehmen wirklich zum
Handeln bewegt wird soll die Unternehmensbefragung prüfen. Vor allem wird durch die
Reduktion bei „Nichtbenutzung“ der Anreiz in Vermeidungstechnologien zu investieren
unterwandert. Wenn Unternehmen feststellen, dass sie schon überschüssige Zertifikate
nicht verkaufen können und verlieren, werden sie eher nicht in
Vermeidungstechnologien investieren, da sie Gefahr laufen die gewonnen Zertifikate zu
Finanzierung der Investition ebenfalls zu verlieren. Viele Unternehmen werden durch
diese Regel Opfer der suboptimalen Ausgestaltung des Zertifikathandelssystems. Der
Verlust von Zertifikaten bei Nichtbenutzung generiert des Weiteren einen perversen
Anreiz, wenn Unternehmen nicht verkaufen können oder wollen. Sie können sich

155 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
41
gezwungen sehen mehr Feinstaubpartikel zu emittieren, um ihre Zertifikate zu nutzen
und nicht zu verlieren.
Auf die Problematik der Reduktion des Zertifikatwertes um 1/1,5 beim Handel
angesprochen, bzw. die höheren Kosten, die handelnden Unternehmen entstehen,
äußerte der Interviewpartner, dass die Regulierungsbehörde wolle, dass beim Handel
und an dem dadurch entstehenden Gewinn für die Unternehmen auch die Umwelt
beteiligt würde. Diese würde schließlich gehandelt, und es bestünde kein vornehmliches
Interesse daran, dass die Unternehmen Gewinn durch den Handel erzielten, sondern es
gäbe eher eine Verpflichtungen gegenüber der Umwelt. Diese Regelung würde
dauerhaft die Emissionen von Feinstaubpartikeln senken und wäre ein Gewinn für das
System. Außerdem wäre ja nur der Verkäufer betroffen, der die Zertifikate nicht mehr
brächte und so nicht besonders stark unter der Reduktion leiden müsse. Der Handel
würde somit nicht beeinträchtigt.156
Wenn die Behörde bei der Entwertung der Zertifikate um 1/1,5 beim Handel davon
ausgeht, dass dies nur den Verkäufer trifft, greifen ihre Überlegungen zu kurz. Wenn
der Verkäufer für seine Zertifikate nur 1/1,5 des Wertes erhält, wird er nicht bereit
sein, sie für diesen niedrigen Preis abzugeben, sondern versuchen die Kosten der
Reduktion auch auf den Käufer zu überwälzen, die Zertifikate ergo teurer zu verkaufen.
So werden die Kosten der Reduktion auf die beiden Handelsparteien aufgeteilt. Der
Käufer jedoch wird nur bereit sein eine bestimmte Summe für die Zertifikate zu
bezahlen. Diese wird maximal gleich seiner Grenzvermeidungskosten sein, da er sonst
in Vermeidungstechnologie investiert anstatt in Zertifikate. Die zusätzlichen Kosten des
Handels können so gegebenenfalls den Handel verhindern. Genau in dem Falle, wenn
die Grenzvermeidungskosten des Käufers durch die zusätzlichen Kosten überstiegen
werden. Auf jeden Fall erhöhen sich die Kosten für die beiden Partei für den Handel. Im
Prinzip wirkt die Regelung wie eine künstliche Erhöhung der Transaktionskosten.
Durch diese höheren Kosten geht das Handelsvolumen zurück, und es stellen sich
Wohlfahrtsverluste ein, deren Größe für die Volkswirtschaft von der Größe der
Reduktion des Handelsvolumens abhängt. Es stellt sich die Frage, warum die
Zertifikatmenge auf eine Weise reduziert werden muss, die verzehrend nicht alle
Emittenten betrifft, sondern nur die Handelnden bestraft, obwohl doch der Handel mit
den Zertifikaten der Sinn des Systems und die Quelle der Kostenersparnisse für die

156 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
42
Volkswirtschaft ist. In der Unternehmensbefragung soll erforscht werden, wie
schwerwiegend die Unternehmen diese Regelung wirklich beurteilen.
Diese Art der Reduktion der Gesamtemissionsmenge, mit der durchaus positiven
Intention des Regulierers, die Umwelt an den Gewinnen der Unternehmen durch den
Handel zu beteiligen, ist weiterhin zu kritisieren, da durch diese Regelung die
volkswirtschaftlich kostengünstigste Emissionsreduktion nicht erreicht werden kann,
und so die Möglichkeit zur Formulierung schärferer Umweltziele, die der Umwelt einen
Gewinn bringen würde, zunichte gemacht wird. Wird die kostengünstigste Allokation
verhindert, wird das System ad absurdum geführt. Es sollte zur Reduktion der
Emissionsgesamtmenge eine Form gewählt werden, die nicht das eigentliche Ziel des
Systems torpediert. Als Möglichkeiten kämen eine uniforme prozentuale Reduktion
aller Zertifikate in Betracht, natürlich mit frühzeitiger Ankündigung, oder ein Rückkauf
von Zertifikaten durch den Regulierer im Stile einer Offenmarktpolitik. Zusätzlich
unterläuft die Regelung den Handel mit Zertifikaten, die nur für kurze Zeit verkauft
werden sollen. Wenn verkauft wird, um später zurückzukaufen, werden die Zertifikate
einer zweifachen Abwertung unterworfen und diese Verluste müssen von möglichen
Handelsgewinnen eines kurzfristigen Verkaufs abgezogen werden. Die Entscheidung
des Regulierers nur für das Verbleiben der beiden schlechteren Reduktionsformen,
bedingt durch ihre Konsequenzen gegenüber der Reduktion der Konzentration in der
Berechnungsformel, ist sicherlich nicht ideal. Zudem wird so keine signifikante
Zertifikatreduktion sichergestellt, die in der Zukunft größere Handelsanreiz zu schaffen
würde, denn diese Reduktionen ergeben sich nicht automatisch.
Zur Sprache gebracht wurden alsdann die Genehmigungsverfahren für die Transaktion,
da diese ebenfalls ein Handelshindernis darstellen, wie auch dem Interviewpartner
extrapoliert wurde, und sich als nächsten Punkt anboten. Der Leiter der Behörde
erklärte, dass die Kontrolle der Handel die Verantwortung und Aufgabe der Behörde
wäre, und dass man auf diese Weise verhindern wolle, dass Zertifikate an systemexterne
Personen übergingen, da die Zertifikate besser an Emissionsquellen gebunden seien.157
Die geäußerte Erwiderung kann nur derart interpretiert werden, als dass der Regulierer
kein zielführendes Selbstverständnis vom Administrieren des Systems hat.
Genehmigungsverfahren für Transaktionen von Zertifikaten sind in der Ausgestaltung
des Systems, mit Ausnahme der Reduktion der Zertifikatmenge um 1/1,5, die jedoch
schnellstmöglich abgeschafft werden sollte, aus keinem Grunde erforderlich. Sie

157 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
43
verlängern nur künstlich die Zeit des Handels, verunsichern die Handelspartner und
verbrauchen Ressourcen des Regulierers, die zur Verbesserung des Systems an anderer
Stelle wesentlich besser eingesetzt werden könnten. Für das Funktionieren des Systems
würden notariell beglaubigte Kaufverträge von Zertifikaten zur Information der
Behörde völlig ausreichen. Der Bestand an Zertifikaten eines jeden Handelspartners im
Verzeichnis der Behörde könnte daraufhin angepasst werden. Was den zweiten Teil der
Antwort des Befragten betrifft, bleibt zu konstatieren, dass es für das System nicht
notwendig ist, den Zertifikatbesitz an Emissionsquellen zu binden. Mehr noch ist es
unverständlich, warum der Übergang von Emissionszertifikaten an systemexterne
Personen verhindern werden soll. In einem Zertifikatsystem gibt es keinen Zwang zu
verkaufen, und wenn jemand dazu bereit ist, dann nur weil er Nutzen daraus zieht. Wer
dieses Zertifikat kauft und ihm einen höheren Nutzen beimisst als der Verkäufer ist
irrelevant. Aus volkswirtschaftlicher Sicht entstehen auf diese Weise
Wohlfahrtsgewinne. Es kann für den Ablauf des Systems sogar von Vorteil sein, wenn
der systemexterne Käufer als Handelsintermediär auftritt. Diese Händler erhöhen die
Liquidität des Marktes und senken die Transaktionskosten für die teilnehmenden
Unternehmen. Niemand wäre bereit einem Handelsintermediär Zertifikate abzukaufen,
wenn er diese mit geringerem Aufwand selber finden und erstehen könnte.
Die Befragung des Interviewten knüpfte folglich daran an, wie es denn um
Handelsintermediäre im Zertifikathandelssytem bestellt ist, und wie die
Regulierungsbehörde diese sieht oder auch fördert, um den Handel in Schwung zu
bringen. Der Direktor der Verwaltung des Systems erwiderte, dass, wie er schon
erwähnt habe, kein Interesse daran habe, dass Zertifikate in die Hände Dritter, die nicht
Teilnehmer des Systems seien, fielen. Es sei nicht primär die Intention den
Unternehmen Gewinne zu ermöglichen, sondern, dass sie ihre Emissionen mit
Zertifikaten kompensieren und es nicht zu Überschreitungen der individuellen Normen
komme.158 Dies bestätigte die vorangegangen Erwiderungen und deren Implikationen.
Der Eindruck drängte sich auf, dass der Regulierer das umweltpolitische Instrument der
Emissionszertifikate nicht komplett begreift oder dessen Vorteile nicht ausnutzen will,
sondern wie im Ordnungsrecht nur zur Normerfüllung verwendet. Doch ist die
Realisierung aller Transaktionen, wie in Kapitel 3 dargestellt, essenziell für die
Erreichung der volkswirtschaftlich kostengünstigsten Emissionsvermeidung und somit
der Maximierung der Wohlfahrt.

158 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
44
Angesprochen wurde konkludent die Förderung des Handels durch die Behörde. Der
Interviewte erläuterte, dass es in der Behörde eine Liste gäbe, in der jeder, der
Zertifikate verkaufen wolle, sich eintragen könne. Falls jemand die Absicht zu kaufen
hege, könne er erscheinen und die Liste prüfen. Beim Nachfragen ergab sich, dass die
Unternehmen allerdings weder über die Existenz noch über den Inhalt dieses
Verzeichnisses informiert würden. Dies sei nicht die Aufgabe der Behörde. Sollte die
Suche der Unternehmen mit Hilfe der Liste nicht von Erfolg gekrönt sein, gäbe man den
Tipp in Zeitungen zu inserieren. Mehr Hilfe werde als unnötig erachtet.159
Diese Form den Handel zu unterstützen, ist sicherlich nicht ausreichend oder besonders
hilfreich. Gleichfalls können Unternehmen sie nur nutzen, wenn sie davon wissen.
Wesentlich besser geeignet wäre eine Internetplattform auf die alle Teilnehmer des
Systems zugreifen und bei Bedarf inserieren können. Dies wäre zielführender,
informativer und kostengünstiger als das Inserieren in Zeitungen. Es existiert bereits
eine Homepage der Behörde, in die eine solche Erweiterung relativ einfach integriert
werden könnte. Doch erachtet der Regulierer dies als nicht notwendig bzw. nicht als
seine Aufgabe. Ob Unternehmen sich mehr Unterstützung durch die Behörde
wünschen, und inwieweit die bisherigen Informationen erfolgreich Hilfestellung leisten
konnten, wird bei der Unternehmensbefragung überprüft werden.
Es folgte die Thematisierung der Öffentlichkeitsarbeit der Behörde allgemein, um zu
überprüfen, ob Hilfestellung hinsichtlich der Komplexität des Systems geleistet wird.
Der Interviewpartner teilte mit, dass es Sprechstunden für die Unternehmen gäbe und
sie ebenfalls per Telefon anrufen könnten. In den Sprechstunden wäre man auch bereit
das ganze Reglement des Systems zu erklären. Es gäbe sogar eine kleine Bibliothek.
Man würde jedoch nicht selbst aktiv, da dies ebenfalls nicht in den Aufgabenbereich des
Subdepartamento falle. Zusätzlich würde alle 3 Monate eine Karte mit Informationen
zur Änderungen des Systems verschickt. Änderungen wie die Reduktion der
Zertifikatsmenge werde durch Dekrete mit einem Jahr Vorlaufzeit erlassen. Diese Zeit
würde als ausreichend für die Unternehmen erachtet, um sich darauf einzustellen.
Aufklärung der Unternehmen in Hinblick auf die Funktionsweise des Systems wird also
grundsätzlich geleistet. Die Frage stellt sich jedoch, ob nicht eine aktivere Rolle seitens
des Regulierers in diesem Punkte angebrachter wäre. Die Unternehmensbefragung soll
diesen Punkt ebenfalls später näher überprüfen. Die schriftliche Information aller
Emittenten alle drei Monate ist von der Frequenz her durchaus positiv zu bewerten.

159 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
45
Inwiefern die übermittelten Informationen hilfreich zum Verständnis des Systems sind,
soll ebenso über die Interviews mit den Firmen herausgefunden werden, wie ob die
Vorlaufzeit von einem Jahr für Zertifikatreduktionen wirklich ausreichend ist. Dies mag
bei den Schwierigkeiten, die sich bei der Realisierung eines Handels andeuten und den
langen Genehmigungszeiten für die Transaktionen angezweifelt werden.
Erweitert wurde die Frage daraufhin noch um den Aspekt, ob die Behörde mit gewissen
Unternehmen, wie KMU oder Unternehmen, die wiederholt ihre Emissionen nicht
kompensiert haben, speziell zusammenarbeite und ihnen besondere Hilfestellung gäbe.
Dies wurde verneint mit der Wiederholung der Begründung, dass die Firmen sich selbst
zu kümmern hätten. 160 Bei der Unternehmensbefragung wird geprüft werden, ob
spezielle Unterstützung nötig wäre, denn beispielsweise die wiederholte Verletzung der
individuellen Emissionsnorm deutet darauf hin, dass Sanktionen hier offenbar nicht
weiterführen.
Als Nächstes wandte sich die Untersuchung der Implementierung von
Zertifikatversteigerungen zur Anregung des Handels bzw. zur Erleichterung des
Markteintritts „Neuer Quellen“ zu. Das Subdepartamento plane dies nicht, es würden
keine Zertifikate zurückgehalten und nicht beabsichtigt welche zu erwerben, um die
Emittenten nicht indirekt zu subventionieren, war das Ergebnis. Schließlich seien die
Zertifikate nicht mehr Besitz des Staates.161 Das Argument der Subventionierung gegen
einen Zertifikatrückkauf ist nachvollziehbar. Wenn dies allerdings nicht gewünscht ist,
besteht immer noch die Option, den Emissionswert aller Zertifikate zu reduzieren und
die gewonnene Emissionskapazität zu versteigern. Wenn man die Unternehmen nicht
finanziell belasten will, besteht zudem immer noch die Möglichkeit die Auktion, wie in
Kapitel 3.3. erwähnt, ohne Staatseinnahmen durchzuführen. Die Äußerung, dass die
Zertifikate nicht mehr Besitz des Staates seien, ist unverständlich, da sie schließlich nur
ein Recht auf Emission für eine bestimmte Menge verbriefen. Das Recht auf Festlegung
der Höhe der zulässigen Gesamtemissionen hat sich der Staat allerdings schon zu
Beginn des Systems bei der Erstallokation genommen. Gleichsam griff er ein, als er die
Gesamtemissionsmenge reduzierte. Darüber hinaus nimmt sich der Staat bei jeder
ordnungsrechtlichen Regelung das Recht das Höchstmaß an Emissionen pro Quelle
indirekt über das Vorschreiben von technologischen Standards oder direkt festzulegen.
Dieses Argument ist in diesem Kontext folglich ungültig. Die Versteigerungen scheitern
deshalb wohl eher, dieser Eindruck drängt sich auf, am Unwillen der Behörde.

160 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
161 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
46
Schließlich wurde der Direktor noch gebeten, den Standpunkt der Behörde zum
„Banking“ zu erörtern. Knapp stellte der Direktor klar, dass man diese Wahl den
Unternehmen nicht zugestehen wolle, und sie nicht als sinnvoll erachtet werde. Als
nach dem Grund gefragt wurde, wiederholte der Direktor nur, dass dies nicht sinnvoll
sei und war zu keiner weiteren Aussage zu diesem Aspekt zu bewegen. 162 Wie in
Kapitel 3.4. dargelegt, kann „Banking“ die intertemporale Kosteneffizienz, den
Handlungsspielraum der Unternehmen erhöhen sowie schneller zur
Emissionssenkungen führen. Die Sicht des Direktors in diesem Punkte bleibt
unverständlich. Ob diese Option von Investitionen in Vermeidungstechnologien
angeregt hätte, wird Gegenstand der Unternehmensbefragung sein.
Beim Thema Marktmacht erläuterte der Interviewte im Folgenden, dass keine
vorbeugenden Regelungen implementiert worden wären, da keine Gefahr gesehen
werde. Sie hätten beobachtet, dass viele kleine Quellen Zertifikate verkaufen wollten,
aber die Großemittenten nicht, da diese wachsen wollen. Folglich bestehe keine Gefahr
für negative Auswirkungen durch Marktmacht. 163 Diese Sichtweise ist als etwas
kurzsichtig zu bewerten. Dass Besitzer vieler Zertifikate ihre Zertifikate nicht verkaufen
wollen, kann einerseits ein Zeichen von Marktmacht sein oder andererseits den
Schwierigkeiten des Handels geschuldet sein, bedeutet aber nicht, dass Marktmacht
nicht oder potentielle in der Zukunft nicht ausgeübt wird.
Zur „Hot-Spot“-Problematik konnte herausgefunden werden, dass eine Norm für die
Höchstkonzentration der Emissionen festgelegt wurde. Dieser Höchstwert betrage 112
mg/m3 und solle der Gefahr von „Hot-Spots“ ausreichend vorbeugen. Mit einem
Emissionshöchstwert für jede Quelle wird zwar hohen individuellen Konzentrationen
vorgebeugt, nichtsdestoweniger kann eine lokale Häufung von Quellen mit ihren
Emissionen zu „Hot-Spots“ führen. Mit den in Kapitel 3.3. dargelegten
Ausgestaltungsvarianten könnte versucht werden dieser Gefahr „Hot-Spots“
entgegenzutreten. Auf diese angesprochen, gab der Direktor leider nur zu verstehen,
dass man sich mit diesen Optionen nicht beschäftigt habe. 164 Es bleibt nur zu
konstatieren, dass „Hot-Spots“-Gefahr eminent bleibt.
Angesprochen auf die Liquidität der Zertifikate, antwortete der Regulierer, dass die
Möglichkeit bestehe Zertifikate für nur ein Jahr zu verkaufen. Aufgrund des
Messverfahrens könnten keine Zertifikate mit der Gültigkeit eines Tages ausgeben

162 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
163 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
164 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
47
werden. 165 Da wie in Kapitel 4 erwähnt, die Quellen eher klein sind, und sich die
Installation teurer Messinstrumente nicht lohnt, bestätigt der Regulierer, dass eine
kleinere Stückelung der Zertifikate nicht realisierbar scheint.
Abschließend wurde noch ergänzend erfragt, ob und welche Regulierung noch dem
freien Handel und Gebrauch von Zertifikaten entgegenstehen. Der Interviewpartner
erwiderte, dass neben der erwähnten Norm von 112 mg/m3 als Höchstkonzentration
und der Abschaltung bei „Pre-Emergencia“ und „Emergencia“ von Quellen, die unter
diese Regulierung fallen, keine weiteren Beschränkungen bestünden. 166 Positiv zu
bewerten ist somit, dass der Regulierer keine weiteren Beschränkungen implementiert
hat. Inwieweit die bestehenden die Unternehmen im Zertifikatsystem behindern, soll
durch die Unternehmensbefragung in Erfahrung gebracht werden.

6.2. Die Daten der Unternehmensbefragung

Es wurden qualitative und quantitative Methodenformen bei der Erhebung der Daten
der Unternehmen angewandt. Die Daten werden mit einer Auswertung, Analyse und
Interpretation sukzessiv dargestellt werden. Dazu sollen sie noch eventuell mit
Resultaten des Leitfadeninterviews, die mit den Ergebnissen zusammenhängen,
diskutiert werden. In den Fragebögen wurde mit dem qualitativen Teil begonnen, damit
die rigide Frage-Antwort-Struktur des quantitativen Teils sich nicht negativ auf den
quantitativen Teil auswirkt. Dementsprechend wird in der Untersuchung nun ebenfalls
der qualitative Teil vorangestellt.

6.2.1. Der qualitative Teil

Im qualitativen Teil der Unternehmensbefragung sollten sich die Interviewten erst


einmal allgemein zu ihren Erfahrungen mit dem Zertifikatsystem äußern. Um für
Vergleichbarkeit der Aussagen zu sorgen, wurden danach bei nicht genannten Punkten
nachgehackt. Zur Konzeption der Fragen sei angemerkt, dass insbesondere die
Erfahrungen der Firmen mit dem Handel bzw. mit ihren Handelsversuchen sowie ihre
Einschätzung der Arbeit des Regulierers untersucht werden sollte.
Zur Untersuchung wie die Transaktionen der Unternehmen zustande gekommen waren,
um den Punkt der Handelsschwierigkeiten zu erforschen, wurden die Emittenten, die

165 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
166 Vgl. Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire
48
bereits gehandelt hatten, ihre Zahl belief sich auf 8, befragt. 2 Interviewpartner
erläuterten, Zertifikate mit Firmen gehandelt zu haben zu deren Besitzer ein
verwandtschaftliches Verhältnis bestand. Ein Unternehmen äußerte, mit einem anderen
gehandelt zu haben, das demselben Konzern angehöre, und ein weiteres mit den 3
Textilunternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft gehandelt zu haben. Zwei weitere
gaben an, mit Quellen innerhalb der Firma Zertifikate ausgetauscht zu haben und bei
den letzten zwei stellte sich heraus, dass das Subdepartamento de Calidad del Aire
ihnen zur Hilfe gekommen war, und sie über die Liste in der Behörde einen Partner für
die Transaktionen gefunden hatten. Ergo hatten nur 25% der befragten Unternehmen,
die gehandelt hatten, mit Hilfe des Regulierers gehandelt. Die Zahl sinkt auf 20%, wenn
nur die befragten Firmen berücksichtigt werden, die von der Hilfe des Regulierers
wussten und ihn aufgesucht hatten. Dies waren 10. Von allen 19 Unternehmen, die
hätten handeln wollen, konnte die Behörde de facto nur 10,5% zu einer erfolgreichen
Transaktion verhelfen. Dies deutet insgesamt auf eine geringe Effektivität der
gewählten Mittel zur Hilfe der Unternehmen beim Handel hin. 167 Vielmehr kam der
Großteil der Transaktionen über andere Beziehungen unter den Unternehmen zustande.
Diese Arten der Beziehungen reichen aber, wie das geringe Handelsvolumen erkennen
lässt, nicht aus, um den gesamten Markt in Schwung zu bringen.
Von den 22 Emittenten, die nicht gehandelt hatten, erklärten 11 Unternehmen, der
Handel sei für sie nicht relevant und man beschäftige sich nicht mit ihm, sondern
kompensiere die Emissionen ausschließlich mit den Zertifikaten, die man erhalten habe.
8 Unternehmen gaben sogar an, der Handel sei zu unbedeutend, zu schwierig oder lohne
sich nicht. Diese Unternehmen hatten sehr kleine Quellen. Für sie ist der Aufwand des
Handels zu groß verglichen mit den möglichen Erträgen aus dem Verkauf von
Zertifikaten. Um ihre Zertifikatüberschüsse dem Markt zuzuführen, müsste die
Transaktionskosten noch erheblich gesenkt werden. Von den übrigen 11, die nicht
gehandelt hatten, gaben 4 an, im Verbund ihrer Branche nach Hilfestellung zum
Zertifikathandel gesucht zu haben, und 7 gaben an, per Internet recherchiert zu haben.
Diesen Strategien war jedoch kein Erfolg beschieden, was eine zusätzliche
Unterstützung umso erforderlicher zu machen scheint. Ein kleiner Teil von 4 Firmen
gab sogar Protokoll, gar nicht zu wissen wie bei der Absicht eines Kaufs oder Verkaufs
vorzugehen sei. Nur ein Drittel der befragten Teilnehmer des Systems gab an, sie hätten
den Regulierer aufgesucht, um Hilfestellung für den Handel zu bekommen. Einem

167 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


49
Großteil, so zeichnete es sich in den Interviews ab, war nicht bekannt, dass der
Regulierer eine Liste für Kauf- und Verkaufsangebote verwalte. 168 In Hinblick auf den
Punkt wie die Hilfestellung der Behörde wirkt, ist dies ein Indiz, dass selbst die kleine
Hilfe, die den Unternehmen gewährt wird, ineffizient und zu passive ist.
Die Zertifikatpreise, die bei den Interviews in Erfahrung gebracht werden konnten,
lagen im Bereich der in Kapitel 4.3. angegebenen Spanne, was bestätigt, dass die Preise
weiterhin überhöht sind. Dies unterstreicht die geringe Liquidität des Marktes, der nur
mit Handelserleichterungen entgegengewirkt werden kann. Nur ein befragtes
Unternehmen hatte die Zertifikate von einem anderem umsonst erhalten. Dies war
hingegen nicht auf das Überangebot an Zertifikaten zurückzuführen, sondern auf einen
gemeinsamen Eigentümer beider Firmen. Der Emittent gab an, auf diese Weise
vorgegangen zu sein, um die Komplikationen des Zertifikatmarktes zu umgehen. 169
Die Arbeit der Behörde wurde von 17 Unternehmen als äußerst langsam beschrieben.
Sie seien immer noch mit der Kontrolle der Emissionskompensation von vor einem Jahr
beschäftigt. Der Regulierer geht davon aus, dass nicht mehr als die angebotene Hilfe
und die gebotenen Informationen nötig seien, doch gaben 26 von 30 Firmen an, dass sie
größere Unterstützung der Behörde begrüßen würden, und 19 Emittenten, dass man
kaum Informationen und keine Hilfestellung bekommen.170 Schlussfolgernd sind nicht
nur die Genehmigungsverfahren sehr langwierig, sondern zudem normalen Abläufe,
woraus Unsicherheit für die Planung der Firmen entsteht. Hiermit wäre die
Fragestellung, ob die Hilfestellung der Behörde ausreichend ist, hinreichend
beantwortet. 86,66% der befragten Unternehmen scheint sie nicht zu genügen. Die
Formen der Unterstützung der Behörde sind wenig bekannt, kommen nicht an und/oder
sind nicht zielführend. Dies verwundert nicht, nachdem die Behörde klar gestellt hatte,
dass sie ihre Aufgabe nicht in der aktiven Unterstützung des Handels und der
Unternehmen sieht. Zu der Informationspolitik muss ebenfalls angemerkt werden, da 19
der 30 Firmen sich unzureichend informiert fühlen, dass diese deutlich verbessert
werden muss und nicht langt, wie der Regulierer annimmt. Konkret angesprochen auf
die Ankündigung der Reduzierung des Zertifikatwertes, antworteten 19 Unternehmen,
dass diese nicht rechtzeitig erfolgt sei. Insgesamt 26 von 30 Quellen fügten jedoch
hinzu, dass aufgrund ihres großen Zertifikatbestandes ihnen keine

168 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


169 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
170 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
50
Kompensationsprobleme entstanden sind. 171 Diese Aussagen in Kombination sind
ebenfalls ein Indiz dafür, dass viele Firmen nicht verkaufen, um sicher zu gehen immer,
auch im Falle einer plötzlichen Reduktion, über ausreichend Zertifikate zu verfügen.
Die Annahme des Regulierers, dass ein Jahr Vorlaufzeit für eine Reduktion ausreiche,
muss folglich ebenfalls negiert werden. Ein weiteres interessantes Ergebnis war, dass zu
den Sanktionen 6 Firmen aussagten, dass sie wegen ihres Rufes stets ihre Emissionen
mit Zertifikaten decken wollten, um nicht negativ im System aufzufallen.172 Es scheint,
dass ,neben den normalen Strafen, auch das Denunzieren von Normverletzungen
Normerfüllung, wenn auch nur in geringem Masse, induzieren kann.
Wenn die Aussagen aus Sicht der unterschiedlichen Branchen geprüft werden, ergibt
sich die Auffälligkeit, dass alle 5 Krankenhäuser angaben, unter keinen Umständen
Zertifikate verkaufen zu wollen. Der Grund sei, dass sie in keinem Falle, bedingt durch
ihre Tätigkeit, abschalten könnten, wenn sie keinen sauberen Brennstoff mehr hätten.
Deshalb würden sie immer überschüssige Zertifikate zur Sicherheit halten. 173 Diese
Aussagen lassen erkennen, dass es kurzfristig sehr schwer zu sein scheint, Zertifikate
am Markt zu erwerben, wodurch, wie in einem Teufelskreis, noch weniger angeboten
werden. Denn gleichen Schluss lassen die Aussagen von 16 Unternehmen zu, die
anführten, nicht verkaufen zu wollen, da man vorhabe zu wachsen, die Zertifikate in der
Zukunft brauche und bemerkt habe, dass es schwierig sei diese bei Bedarf
wiederzuerlangen. Außerdem sagten sie aus, nicht verkaufen zu wollen, weil es
unsicher sei, zu welchem Preis später zurückgekauft werden könne. Dies bestätigt die
Bedeutung der Entwicklung von Sekundärmärkten, auf denen Zertifikate schon heute zu
einem festen Preis für einen zukünftigen Termin gekauft werden können.
Es wurde auch festgestellt, dass Firmen, die im Besitz des Staates sind, per se nicht am
Handel, zumindest dem Verkauf, teilnehmen können. Bei den Interviews mit diesen 4
unter den 30 Befragten, erklärten die Interviewpartner, die Zertifikate in diesen
Unternehmen seien Staatseigentum. Zum Verkauf derselben sei die Unterschrift der
Präsidentin von Nöten. Dies mache den Verkauf unmöglich, da wegen solch
unbedeutender Angelegenheiten die Regierung nicht behelligt werde. 174
Aus dem Forschungstagebuch ließen sich noch zusätzliche interessante Daten
gewinnen. Einmal wurde festgehalten, dass 16 Quellen vor der Befragung erklärt
werden musste, zu welchem Zertifikatprogramm die Befragung stattfinden wird, weil es

171 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


172 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
173 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
174 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
51
ihnen nicht besonders vertraut war. 19 stellten nach den Interviews noch Fragen, um
sich mehr über das System und seine Ausgestaltung zu informieren. Einerseits lässt dies
einmal mehr erkennen, wie wenig vertraut einem großen Teil der befragten Teilnehmer
des Systems das Programm ist, andererseits, dass durchaus zusätzliche Aufklärung
erwünscht ist, die anscheinend von anderer Stelle nicht geleistet wird. Laut
Forschungstagebuch äußerten sich 13 Firmen verwundert, dass eine Liste der
teilnehmenden Unternehmen beim Regulierer zu erhalten sei, und 8 kopierten sich diese
vom Autor für die Suche potenzieller Handelspartner, um zukünftige Transaktionen zu
erleichtern.175 Diese Aufzeichnungen bestätigen zusätzlich die vorherigen Ergebnisse,
zeigen wie wenig mögliche Hilfestellungen des Regulierungsbehörde bekannt sind, und
dass Unterstützung nötig ist und angenommen wird. Diese unterstützenden Tätigkeiten
bzw. die Information über die Möglichkeiten der Unterstützung wären von der Behörde
einfach zu leisten. In einer einfach gehaltenen allgemeinen Email an alle teilnehmenden
Unternehmen könnte die Behörde diese über die grundlegenden Ausgestaltungsformen
des Systems und die Formen der Unterstützung der Behörde aufklären.

6.2.2. Der quantitative Teil

Um die Unternehmen zu klassifizieren und später zu überprüfen, ob kleine und


mittelständische Unternehmen größere Probleme beim Handel entstehen, wurden die
Unternehmen eingangs gebeten sich als KMU oder Großunternehmen einzustufen.
Zur Analyse der Effektivität der Sanktionen der Regulierungsbehörde bei Verletzung
des Reglements des Zertifikatsystems, wurden die Unternehmen befragt, ob ihnen die
Höhe der Strafen bekannt wäre. Die direkte Frage, ob die Strafen zu niedrig seien, und
das Unternehmen überlege oder überlegt habe seine Emissionen aus diesem Grunde
nicht mit Zertifikaten zu decken, hätte schwerlich zu verwertbaren Ergebnissen geführt.
Kein Emittent würde zugeben mit der Verletzung des Reglements für wirtschaftliche
Vorteile zu liebäugeln. Allerdings sagten von den 30 befragten Firmen alle aus, dass
ihnen die Strafen für einen Regelverstoß nicht bekannt wären. Derart kann
geschlussfolgert werden, dass, da die Sanktionierungen den Firmen nicht bekannt sind,
diese keine abschreckende Wirkung entfalten können. Es bestätigt sich, dass ein
automatisierter Strafenkatalog besser geeignet wäre um Normerfüllung zu induzieren.
Um weiterhin den Abschreckungseffekt des möglichen Verbots des Betriebs der Quelle
zu überprüfen, wurde erfragt, ob die Abschaltung der Quelle bei Überschreitung der

175 Vgl. Forschungstagebuch


52
Norm oder sonstigen Regelverstößen befürchtet würde. Dies bejahten nur 5 Quellen und
somit knapp 17%.176 Die Möglichkeit einer Abschaltung ihrer Quelle ist folglich nicht
einmal für ein Fünftel der befragten Emittenten eine reale Gefahr. Der Direktor des
Subdepartamento de Calidad del Aire äußerte im Interview in Bezug auf das Induzieren
von Normerfüllung durch die Sanktionen die Ansicht, dass er glaube, dass das
Abschreckungspotential eines möglichen Verbots des Betriebs der Emissionsquelle
Normerfüllung in ausreichendem Masse induzieren werde. Indes kann dies nicht durch
die Befragung der Emittenten verifiziert werden. Die Erfüllung durch diese Form der
Abschreckung zu erzielen, scheint ergo keine erfolgreiche Strategie zu sein. Dies ließen
schon die kontinuierlichen Normüberschreitungen zu Beginn des Programms vermuten.
Der Regulierer sollte bei den zuständigen Stellen auf eine Änderung des Strafenkatalogs
hinsichtlich einer Verschärfung und Automatisierung insistieren.
Eine weitere Frage zielt auf das Verständnis des Systems seitens der Unternehmen ab.
Ob sie wüssten, dass sie durch „Nichtbenutzung“ ihre Zertifikate verlieren können,
wurde erfragt. Dies bestätigten von 30 Firmen nur 6 entsprechend 25%. In Anbetracht
der Tatsache, dass es für die Unternehmen realen finanziellen Verlusten entspricht,
wenn sie Zertifikate verlieren, ist dies sehr verwunderlich. Es kann daraus nur
geschlossen werden, dass das System für viele Unternehmen entweder zu komplex ist,
und deshalb die Regel nicht bekannt war, oder, dass die Regulierungsbehörde die
Unternehmen nicht ausreichend über die Funktionsweise des Systems informiert hat. In
jedem Fall erklärt dieser Wert, warum so viele Zertifikate durch „Nichtbenutzung“ aus
dem Zertifikatsystem ausgeschieden sind. Unter Einbeziehung der Charakteristika der
Unternehmen ergibt sich, dass von den 6 Großunternehmen unter den befragten Firmen
immerhin 4, gleich knapp 67%, wussten, dass sie ihre Zertifikate verlieren können. Bei
den kleinen und mittelständischen Unternehmen lag dieser Wert nur bei ungefähr 8%,
also 2 von insgesamt 24 Emittenten. Dieser eklatante Unterschied ist ein Indiz für die
größeren Probleme die KMU mit dem System haben. Bei Quellen, die über 10
Kilogramm an Emissionszertifikaten besaßen, lag der Wert immerhin noch bei 50%,
äquivalent 3 von 6 Quellen, die von der Regel wussten. Bei Firmen mit mehr als einer
Quelle, dies waren insgesamt 11, wussten 4, entsprechend ungefähren 36 %, von der
Regel. Dies ist nur unbeträchtlich mehr als insgesamt gesehen. Die Problematik mit
dem System unterstrich überdies die Frage an die Quellen, ob sie bereits Zertifikate
verloren hätten. Allen, denen die Regel unbekannt war, gaben an, nicht zu wissen, ob

176 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


53
sie bereits Zertifikate verloren haben. Die Firmen, denen die Regel bekannt war, hatten
keine Zertifikate verloren. Auf die weitere Frage an die Teilnehmer des Systems, die
von dieser Regelung wussten, ob es sie dazu bewegt habe zu handeln, bejahten dies 2.
Mit einer offenen Frage in welcher Form gaben sie an innerhalb der Firma gehandelt zu
haben. Diese Firmen umgingen die Schwierigkeiten des Handels und die Bedrohung des
Verlusts von Zertifikaten auf diesem Wege, was aber nicht zwingend zu
Wohlfahrtsgewinnen geführt haben muss, sondern eher dem Vermeiden des Verlusts
von Zertifikaten geschuldet ist. Die 3 Firmen, die sich nicht zum handeln bewegen
ließen, bekundeten gegebenenfalls einen schmutzigeren Brennstoff zu verwenden.177
Dies bestätigt die Befürchtung, dass die Regelung bei Unternehmen, die nicht handeln
können oder wollen, den perversen Anreiz generiert mehr Emissionen zu emittieren, um
die Zertifikate nicht zu verlieren. Der Regulierer wollte über den Verlust der Zertifikate
bei „Nichtbenutzung“ die Unternehmen zum handeln bewegen, obwohl dies eher
Zwang gleichkommt. Abschließend, wenn noch in Erwägung gezogen wird, dass
einerseits die Regelung zu wenig Emittenten bekannt war, sie andererseits noch zwei
Drittel der Firmen, die wegen ihre gehandelt haben, nur dazu bewegt hat innerhalb der
Firma zu handeln, ist zu urteilen, dass diese Regelung den Handel nur in sehr geringem
Maße anregt. Die hohen Verluste von Zertifikaten durch „Nichtbenutzung“ ließen es
schon vermuten. Dies schürt den Verdacht, dass ein größerer Teil der Transaktionen, die
innerhalb einer Firma stattgefunden haben, nur zur Vermeidung des Verlusts von
Zertifikaten getätigt wurde. Somit läg die Zahl der Kontrakte, die Wohlfahrtsgewinne
erbracht hätten, vermutlich noch niedriger, was die Effizienz durch das Design des
Systems vom Regulierer in ein noch schlechteres Licht rückt.
Nunmehr, um die Komplexität und indirekt die Informationspolitik der Behörde zu
überprüfen, wurde die Frage aufgeworfen, ob bekannt wäre, dass Zertifikate auch für
ein Jahr gekauft oder verkauft werden können. Nur 11 Firmen bejahten dies, was klar
stellt, dass ungefähr 63% der Unternehmen diese Handelsoption unbekannt war. Dies
macht verständlich, warum einerseits bisher nur einmal Zertifikate für ein Jahr verkauft
wurden, und warum andererseits Firmen, wenn sie nicht wissen, dass sie kurzfristig eine
unvorhergesehene Erhöhung der Emissionen durch den Ankauf von Jahreszertifikaten
kompensieren können, nicht verkaufen wollen. Allen großen Unternehmen war diese
Regel bekannt, doch circa 79% der KMU entsprechend 19 von 24 nicht. Ebenso alle 7
Emittenten von mehr als 10 Kilogramm pro Tag und nur 18% der Unternehmen, die

177 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


54
weniger als 10 Kilogramm pro Tag emittierten, kannten die Regel. Berücksichtigt man
die Anzahl der Quellen der Unternehmen, erreicht der Wert der Unternehmen, mit mehr
als einer Quellen, die über die Regulierung informiert waren nur noch 45% gegenüber
31% der Unternehmen mit nur einer Quelle.178
Die nächste Frage sollte sich wieder der Komplexität des Systems widmen. Ob ihnen
bekannt sei, dass sich beim Handel der Zertifikatwert um 1/1,5 reduziert. 12 Firmen
gaben an, dass sie von dieser Regel wüssten. Dies entspricht nur 40% der befragten
Unternehmen. Bei Großunternehmen lag der Wert ebenfalls bei 100%. Bei KMU waren
dies nur 25%. Bei Unternehmen mit mehr als 10 Kilogramm Emissionszertifikaten war
dies immer noch 86% gegenüber 26% der Unternehmen mit weniger als 10 Kilogramm.
Bei Emittenten mit mehr als einer Quelle war 64% diese Regelung bewusst, und 26%
der Unternehmen mit nur einer Quelle. Die Unternehmen, denen die Regelung bekannt
war, wurden daraufhin gebeten, anzugeben, ob diese sie vom Handel abgehalten habe.
Dies bestätigten nur zwei und somit 16,66%. Dies ist zwar nur eine geringe Anzahl,
doch dürfte sie im gesamten System durchaus höher liegen. Es wurde am Ende des
Fragebogens dann noch unter allen Unternehmen erfragt, nachdem diese nun Kenntnis
von der Regelung hatten, für wie schwerwiegend sie die Regelung der Reduzierung des
Zertifikatwertes beim Handel um den Faktor 1/1,5 wirklich halten. Sie sollten auf einer
Skala bis 10, mit Null als niedrigstem Wert, diese Problematik einstufen. Der
Durchschnittswert der Gewichtung von 4,76 deutet darauf hin, dass die durch die
Regelung künstlichen erhöhten Kosten durchaus ein Handelshemmnis sind. Dies
verdeutlicht bei der Gewichtung ebenfalls der Maximalwert von 10.179
Um den Sachverhalt der Komplexität des Systems für die Unternehmen abschließend zu
untersuchen, wurden die Unternehmen am Ende des Fragebogens gebeten, auf einer
Skala bis 10, mit Null als kleinstem Wert, einzustufen, wie groß ihr Problem mit der
Komplexität des Systems sei. Als Durchschnittswert ergab sich 7,03. Dieser Wert ist
ziemlich hoch und verdeutlicht, die Schwierigkeiten, die das System den Unternehmen
bereitet. Gleichzeitig fordert er, wie auch die vorangegangenen Fragen indizierten, für
ein Funktionieren des Systems eine bessere Informationspolitik, Öffentlichkeitsarbeit
und Kooperation der Regulierungsbehörde mit den Unternehmen. Wie zu erwarten,
ergab sich bei Großunternehmen bei dieser Messung nur ein Wert von 4,3, der erheblich
unter dem der KUM mit 7,71 lag. Bei Unternehmen mit mehr als einer Quelle und von
mehr als 10 Kilogramm ergab sich nur ein geringfügig anderer Wert als bei ihren

178 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


179 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
55
komplementären Gruppen. Abschließend ist zur Unterstützung der Firmen nach ihren
Charakteristika zu urteilen, dass eine spezielle Unterstützung bestimmter Unternehmen,
wie KMU oder Kleinemittenten, durch den Regulierer in jedem Fall anzuraten ist, da
doch erhebliche Unterschiede bei der Systemadaption zu Tage traten.180
Zur Überprüfung der Investitionsanreize in Vermeidungstechnologien, wurden die
Firmen gebeten offenzulegen, ob sie investiert haben, und wenn ja, ob dies aufgrund des
Systems geschehen war. Es gab nur eine Firma von 30 an, bereits einen Filter installiert
zu haben, um wegen des Systems Emissionen zu senken. Um weiter die Anreize, die
das System unter der momentanen Ausgestaltung generiert, zu durchleuchten, sollten
die Unternehmen angeben, ob ein Brennstoffwechsel vorgenommen worden war, und
wenn ja, ob dies in den Anreizen des Systems begründet liegt. 25 Firmen gaben an,
einen Brennstoffwechsel vorgenommen zu haben, doch war zu konstatieren, dass keine
Firma diesen aufgrund des Zertifikatsystems realisiert hatte.181 Dies deutet darauf hin,
wenn zudem der Überhang an Zertifikaten im Gegensatz zu den reellen Emissionen
berücksichtigt wird, dass das System nur einen sehr geringen Anreiz zur Vermeidung
generiert. Der Regulierer sollte dringend über eine Reduktion der Zertifikatmenge
nachdenken, um Investitionsanreize zu schaffen.
Um zu verifizieren, ob die Pre-Emergencia und Emergencia Regelungen oder die
Höchstkonzentration von 112 mg/m3 die Unternehmen im System behindert, wurden
diese dahingehend interviewt.182 Alle Unternehmen führten an, dass diese Regelungen
sie nicht im Gebrauch der Zertifikate stören würden. In Bezug auf die untersuchten
Unternehmen kann der Behörde somit positiv die Vermeidung von zusätzlichen
Normen, die den freien Gebrauch der Zertifikate einschränken, bescheinigt werden.
Es sollte zudem erforscht werden, ob die Möglichkeit des „Banking“ zusätzliche
Investitionsanreize induziert hätte. Ergo wurde sich bei den Unternehmen erkundigt, ob
sie bei der Möglichkeit des „Banking“ in Vermeidungstechnologien investieren würden.
Es wurde den Unternehmen in dieser geschlossenen Frage die Antwortmöglichkeiten ja,
wahrscheinlich, unwahrscheinlich und nein offen gelassen. Auf diese Frage antworteten
knapp 7% entsprechend 2 Unternehmen mit ja, wahrscheinlich antworteten wieder 7%,
183
unwahrscheinlich 5 entsprechend 17% und nein 21 entsprechend 69%. Die
Ergebnisse verdeutlichen, dass es durchaus zu Investitionen in
Vermeidungstechnologien gekommen wäre. Der Prozentsatz der Unternehmen, die

180 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


181 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
182 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
183 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
56
wahrscheinlich investiert hätten, ist zwar eher klein, doch ist jede Reduktion der
Emissionen erwünscht. Der geringe Prozentsatz ist nicht ungewöhnlich, da Vermeidung
im Zertifikatsystem nicht an jeder Stelle gewollt und sinnvoll ist.
Für die Untersuchung zur Versteigerungen von Zertifikaten, um neuen Quellen
Wettbewerbsnachteile aus dem Weg zu räumen, ergab sich auf einer Skala 0 bis 10 ein
Durchschnittswert der Antworten von 2. Unter den Firmen befanden sich 5 Quellen, die
nicht zu Anfang des Systems bestanden hatten und hierzu befragt wurden. Das Ergebnis
184
zeigt einen nur sehr geringen Wettbewerbsnachteil für die „Neuen Quellen“.
Begründet mag es darin liegen, dass die meisten Emissionsquellen tägliche Emissionen
von unter 10 Kilogramm haben, und der einmalige Ankauf von Zertifikaten bei den
Interviewten nicht stark ins Gewicht fällt. Es darf zudem als Indiz dafür gewertet
werden, dass nicht über Marktmacht im Zertifikatsystem versucht wurde Unternehmen
aus dem Wettbewerb zu halten.
Abschließend, nachdem den Interviewpartnern durch den gesamten Verlauf des
Interviews noch einmal alle Details und Erinnerungen in Bezug auf das System ins
Gedächtnis gerufen worden waren, sollten die verschiedenen Probleme, die mit dem
Zertifikathandelssystem bestehen, auf einer Skala 0 bis 10 bewertet werden. Die
Problematik einen Handelspartner zu finden wurde im Durchschnitt mit 8,10 bewertet.
Dies war der höchste Durchschnittswert aller zu bewertenden Probleme. Es scheint
folglich für die Unternehmen beim Wunsch zu handeln das größte Problem zu sein,
jemanden zu finden mit dem sie handeln können. Ergo sollte der Regulierer diesem
Problem am entschlossensten entgegentreten. Der Maximalwert von 10 und der
Minimalwert von 1 bestätigen, neben der Standardabweichung von 2,91,
unterschiedlich starke Schwierigkeiten für die Unternehmen.185 Dies erklärt sich über
die Unternehmen, die mit anderen Teilnehmern über verschiedenste Formen
miteinander verbunden sind und Handel einfacher abwickeln können.
Am zweithöchsten fiel die Gewichtung des Problems Informationen über zukünftige
Preise bzw. die Preisentwicklung zu erlangen aus. Der Wert lag im Durchschnitt bei
7,7. 186 Er verdeutlicht, dass Firmen davor zurückschrecken Zertifikate zu verkaufen,
weil sie befürchten diese bei Bedarf zu erhöhten Preisen zurückkaufen zu müssen.
Ansonsten zeigt dieses Resultat, dass Firmen nicht in Vermeidungstechnologie

184 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


185 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
186 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
57
investieren, weil sie nicht wissen, ob sich dies dauerhaft lohnt, bedingt durch Preise
bzw. Opportunitätskosten in der Zukunft.
Als nächstgrößte Komplikation für die befragten Unternehmen ergab sich die
Unsicherheit resultierend aus der Entwicklung der Emissionswerte der Zertifikate. Mit
einem Durchschnittswert von 5,96 illustriert dieses Ergebnis, dass der Regulierer
Reduktionspläne mit mehr Vorlaufzeit ankündigen sollte. 187 Weiterhin zeigt es, dass
Unternehmen ihre Zertifikate nicht verkaufen, da sie fürchten, dass ihr Zertifikatbestand
durch den Regulierer weiter reduziert werden könnte, und sie bei den momentanen
Schwierigkeiten des Handels nur schwer neue Zertifikate erlangen könnten.
Schon weniger schwerwiegend wurde die Langsamkeit der Genehmigungsverfahren
eingestuft. 4,56 als Durchschnittswert zeigt allerdings immer noch deren Relevanz.188
Will die Regulierungsbehörde das Zertifikatsystem verbessern, sollte sie auch an diesem
Punkt handeln. Vermutlich vereitelt es kurzfristige Käufe und Rückkäufe, da bei einer
durchschnittlichen Länge der Genehmigungszeit nach 1998 von 16,2 Monaten nicht von
kurzfristigen Transaktionen gesprochen werden kann. Die Unsicherheit, die das
Genehmigungsverfahren in Bezug auf die Durchführbarkeit der Transaktion entstehen
lässt, wurde nur noch mit 3,9 im Durchschnitt gewichtet. Das Resultat lässt zwar
erkennen, dass dieses Problem nicht besonders schwerwiegend ist, doch stellt es für
einige Firmen immer noch ein Problem dar. Grund genug aktiv zu werden, wie auch der
Maximalwert 9 unterstreicht. 189
Die Problematik der Stückelung der Zertifikate wurde von den befragten
Emissionsquellen nur mit 3,76 bewertet. Diese Unvollkommenheit in der Ausgestaltung
ist folglich nicht so relevant.190 Die Stückelung ist nicht das Hauptproblem des Handels.
Als letztes sollten die Unternehmen auf der Skala angeben, wie groß ihr Problem mit
der Beschaffung von Informationen zu Vermeidungsmöglichkeiten ist. Das Ergebnis
betrug nur 4,86. Interessant ist allerdings auch hier, dass der Wert bei kleinen und
mittelständischen Unternehmen bei 5,03 und bei Großunternehmen bei 3,33 lag. Die
Werte bei Unternehmen mit unterschiedlich vielen Quellen bzw. Emissionsrechten
unterschieden sich nicht besonders.191 Ein weiterer Bereich indem der Regulierer die
Unternehmen, insbesondere kleine und mittelständische, unterstützen könnte.

187 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen


188 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
189 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
190 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
191 Vgl. Interviews mit den am Zertifikathandel teilnehmenden Unternehmen
58
7. Schlussfolgerungen

Diese Arbeit hatte sich das Ziel gesetzt herauszufinden, ob das Verhalten und die
individuellen Restriktionen der Regulierungsinstitution und somit ihrem gewählten
Design des Zertifikatsystems für dessen Ineffizienz verantwortlich zeichnen, ergo wie
und warum sich die Regulierungsinstanz den Herausforderungen für
Emissionszertifikate für Feinstaubpartikel in Santiago de Chile und auch den
Verbesserungsansätzen stellt. Hierfür sollten auch die Sicht der teilnehmenden
Unternehmen der Arbeit des Regulierers und ihre Gewichtung der Probleme, die sie
betreffen erforscht werden. Abschließend bleibt nach den Analysen zu der Einstellung
zu den Lösungsansätzen und den Problemen folgendes festzuhalten. Ansätze zur
Lösung von Marktmacht, der „Hot-Spot“-Gefahr, „Banking“ und Reduktion der
Zertifikatsmenge zur Handelsanregung werden ignoriert, obwohl sie durchaus Relevanz
besitzen, und im Falle der Zertifikatverknappung sogar essenziell wichtig sind.
Die Beschränkung des Handels durch Normen konnte vermieden werden. Zu den
Herausforderungen in den Bereichen Sanktionierung und Liquidität der Zertifikate kann
eingeräumt werden, dass die Möglichkeiten zur Verbesserung vom Regulator
beschränkt sind und deren Ineffizienz ihm nicht angelastet werden können. In Punkto
Erweiterung des Zertifikatsystems können Fortschritte, wenn auch nicht unter
Ausschöpfung aller Möglichkeiten, konstatiert werden. Doch sind diese Probleme von
den Unternehmen nicht als schwerwiegend eingestuft worden. Es gilt die anderen zu
beseitigen. Die Genehmigungsverfahren und die Abwertung beim Handel sind zwar nur
mittelschwer bewertet worden, doch mit hohen Maximalwerten, und es wäre ein
leichtes diese zu beseitigen und setzte zudem Ressourcen für andere Aufgaben frei.
Versteigerungen, die der Regulierer ebenfalls ablehnt, wären für „Neue Quellen“ zwar
nicht sehr wichtig, für das große Problem der Unsicherheit der Preise und
Preisentwicklung aber durchaus. Handelsintermediäre, die hier genauso Abhilfe
schaffen könnten, sind auch ungewollt. Dabei könnten diese dem von Emittenten mit
Abstand als größtes Problem bewertete Aspekt, die Suche eines Handelspartners
Abhilfe verschaffen. Die Behörde indes erachtet die Förderung des Handels nicht als
ihre Aufgabe, bestraft den Handel von Zertifikaten sogar durch Abwertung. Dabei
geben überdies viele Antworten von Unternehmen Hinweise auf deren
Handelsprobleme. Gerade KMU und Firmen mit wenigen Zertifikaten könnten, wie fast
alle Auswertungen ergaben, zusätzliche Hilfe, zum Beispiel bei der Suche nach
Informationen zu Vermeidungsmöglichkeiten, besonders gebrauchen, im Gegensatz zu
59
Großunternehmen und Großemittenten. Für Unternehmen mit mehr als einer Quelle ist
diese Aussage leicht einzuschränken. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie fast
genauso große Schwierigkeiten wie KMU und Kleinemittenten haben. Dass die Arbeit
des Subdepartamento so schlecht bewertet wird, verwundert bei ihrer Einstellung zur
Unterstützung nicht. Ihre Informationspolitik ist insgesamt ineffizient, zu passiv, und
kann so auch dem schwerwiegenden Problem der Komplexität des Systems, auf das nur
allzu viele Ergebnisse wie auch das Forschungstagebuch hinweisen, nicht begegnen. Es
hat den Anschein, als wenn der Regulierer das umweltpolitische
Regulierungsinstrument der Zertifikate nicht vollständig begreift oder es wie ein
ordnungspolitisches Instrument anwenden will. Diesen Verdacht schürt, dass er durch
die Zertifikate ein vollständiges Verzeichnis aller Emittenten über deren freiwillige
Meldung erlangen konnte und nun keine größeren Emissionsreduktionen im Sinn zu
haben scheint. Da die Arbeit des Regulierers von den Unternehmen negativ beurteilt
wird, und auch die Analysen der Einstellung des Subdepartamento zu den
schwerwiegenden Problemen dies bestätigen, kann dessen Tätigkeit insgesamt leider
nur als unzureichend bewertet werden. Er stellt sich den wichtigen Herausforderungen
im Prinzip nicht und kann so nicht seinen Beitrag zum Umweltschutz in Santiago de
Chile leisten. Dies ist den individuellen humanen und sicherlich, auch wenn nicht
zugestanden, den materiellen Ressourcenbeschränkungen geschuldet. Über
Restriktionen, die von höherer Stelle oder der Politik, die Wirtschaft ist durchaus
einflussreich, beeinflussen, kann nur spekuliert werden, da keine Daten erlangt werden
konnten.
Als Ausblick für die Zukunft des Zertifikatsystems wird es sicherlich interessant sein zu
untersuchen, wenn genügend verwertbare Daten vorliegen, wie sich das Inkludieren der
Industrieprozesse auf das System auswirkt, wie sich die Zertifikatpreise entwickeln
werden, ob sie wirklich steigen sollten, den Handel so vielleicht mehr anregen und ob
derart wirklich Verbesserungen eintreten. Eigentlich kann dies nicht erwartet werden,
da den Industrieprozessen ebenfalls großzügig Zertifikate zugeteilt wurden. Der
Zertifikatsüberschuss wird also weiterhin bestehen bleiben, und es lässt sich kein Grund
erkennen, aus dem die Industrieprozesse nicht mit denselben Schwierigkeiten wie die
bisherigen teilnehmenden Emittenten zu kämpfen haben werden. Sollte das
Subdepartamento de Calidad del Aire seine Einstellung und Ansätze zu den
Herausforderungen dieses Regulierungsinstruments nicht ändern, wird dem System
keine bessere Zukunft beschieden sein.

60
8. Literaturverzeichnis

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Interviews

25.02.2007 bis 25.03.2007: 30 Interviews in Santiago de Chile mit am Progama de


Compensación de Emisiones de Fuentes Fijas teilnehmenden Unternehmen.

05.03.2007: Interview mit dem Direktor des Subdepartamento de Calidad del Aire, dem
SESMA (Servicio de Salud Metropolitana del Ambiente = Gesundheitsdienst der
Metropole für die Umwelt) zugehörgig.

25.02.2007 bis 25.03.2007 Forschungstagebuch erstellt vor, während und nach den
Interviews mit den teilnehmenden Emittenten

66
Erklärung Santiago de Chile, den 05.12.2008

Hiermit versichere ich, Dass ich diese Diplomarbeit selbstständig verfasst und keine
anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Die Stellen meiner
Arbeit, die dem Wortlaut oder Sinn nach anderen Werken entnommen sind, habe ich in
jedem Fall unter Angabe der Quelle als Entlehnung kenntlich gemacht. Dasselbe gilt für
Tabellen, Karten und Abbildungen.

_______________________________
( Martin Wibbeling )

67
Lebenslauf

Persönliche Daten

Name Martin Wibbeling

Geburtsdatum 20.03.1980
Familienstand ledig
Adresse Raiffeisenstr.9
48268 Greven

Ausbildung

03/2007 Erlangung des Vordiploms in


Regionalwissenschaften
Lateinamerika

03/2004-11/2005 Studium an der Pontificia


Universidad Católica de Chile,
Santiago de Chile

11/2003 Erlangung des Fakultätszertifikats


der Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Fakultät
der Universität zu Köln im
Wahlbereich Umweltmanagement
und Umweltpolitik

03/2003 Beginn des Studiums des


Diplomstudienganges
Regionalwissenschaften
Lateinamerika an der

68
Philosophischen Fakultät der
Universität zu Köln

03/2002 Erlangung des Vordiploms in


Volkswirtschaftslehre

10/2001 Beginn des Studiums der


Volkswirtschaftslehre an der
Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Fakultät
der Universität zu Köln

10/2000 – 09/2001 Studium der


Wirtschaftswissenschaften ohne
Schwerpunkt an der Universität zu
Oldenburg

09/1997-07/1999 Wirtschaftsgymnasium Ludwig-


Erhardt-Schule Münster

Praktische Tätigkeiten

01/2009 – 03/2009 Praktikum bei der


Wirtschaftskommission für
Lateinamerika und die Karibik der
Uno in Santiago de Chile in der
Abteilung für Natürliche Ressource
und Infrastruktur

08/2003-10/2003 Sozialpraktikum in der Pfarrei


Orizabita, im Bundesstaat Hidalgo,
Mexiko

9/2002 und 9/2001 Sozialpraktikum im


Betreuungszentrum für Behinderte
Sonnenhof, Schwäbisch Hall

10/1999-07/2000 Wehrdienst im 1. Stabs- und


Fernmeldebataillon 110 in Coesfeld

Zusätzliche Qualifikationen

Fremdsprachen Spanisch: sehr gute Kenntnisse


Englisch: sehr gute Kenntnisse
Portugiesisch: gute Kenntnisse

EDV-Kenntnisse MS Office: sehr gute Kenntnisse


SPSS: gute Kenntnisse
Regiograf: gute Kenntnisse

Führerschein Europäische Union B,C,E

69