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Ancel Keys

Hungerstoffwechsel
reinhard.imoberdorf@ksw.ch
Stoffwechsel

• Als Stoffwechsel oder


Essen
Metabolismus bezeichnet Trinken
man die Gesamtheit der
chemischen Prozesse in Stoff-
Lebewesen. Dabei Energie- wechsel
Atmung
gewinnung
wandelt der Organismus Metabo-
chemische Stoffe in lismus
Zwischenprodukte
Ausschei-
(Metaboliten) und dung
Endprodukte um.
Stoffwechsel
Was ist eine Kilokalorie ?

• 1 kcal ist definiert als die


Energiemenge, die benötigt wird,
– um die Temperatur von 1 kg Wasser
– bei einem Atmosphärendruck von
760 mm Hg
– Von 14.5 auf 15.5 Grad Celsius zu
erhöhen
Formen der Energiespeicherung

• Fett
– Triglyceride
• Protein
– Muskulatur
• Kohlenhydrate
– Glykogen
workshopernaehrung.de

• Erik
– Diätassistent
– Freier Ernährungsberater
– Autor

• Folien 8-12 übernommen aus dem Internet


Traubenzucker (Glukose)
Traubenzucker ist Energie
Insulin wichtig
Insulin - das Speicherhormon
Insulin tief = Fettabbau
(In)effizienz der Speicher

• Glykogen + 1-2 g H2O + Elektrolyte


– Isotone Flüssigkeit
– 1g Glykogen ≈ 1-2 kcal auf Gewicht bezogen
• Protein
– Wichtig für Funktion: Enzyme, Struktur etc.
– Keine Speicherung
– 1 g Muskelprotein ≈ 1 kcal auf Gewicht
bezogen
Effizienz des Fettspeichers

• Subkutanes Fett ca. 90% des Gewichtes


– 1 g Fett ≈ 9 kcal auf Gewicht bezogen

• Überlebensvorteil
– Überfluss: Fettgewebe Expansion
– Hunger: Fettgewebe Depletion
Gehirn

• Herausragende
Bedeutung für den
Menschen
• 1.4 kg ≈ Anteil von
– 2% am Körpergewicht
– 20% am Energie-
stoffwechsel
– 15% des Herzminuten-
volumens
Energiereserven
Mann 70 kg, GU 1800 kcal / Tag
Brennstoff kg kcal
Gewebe
 Fett (Triglyceride Fettgewebe) 15 141‘000
 Protein (vor allem Muskel) 6 24‘000
 Glykogen (Muskel) 0.150 600
 Glykogen (Leber) 0.075 300
Total 165‘900
Zirkulierender Brennstoff
 Glukose (Extrazellulärflüssigkeit) 0.020 80
 Freie Fettsäuren (Plasma) 0.0003 3
 Triglyceride (Plasma) 0.003 30
Total 113
Mensch hat 2 Speicher

ABER: Muskel - Abbau =


Einschränkung von Funktion
Ziel beim Hungern

• Erhalten der Proteine


• Erhalten der Proteine
• Erhalten der Proteine
• Dies wird erreicht durch
– Verlagerung der Energielieferanten von
– Glukose auf Fettsäuren + Ketonkörper
Normaler Mann
1 Tag fastend
Verbrennung in 24 h

Cori Zyklus
Cori Zyklus
• Wie wissen Muskel und Fett, dass sie der
Leber Substrate liefern müssen?

Insulin tief
Insulin

• Ein niedriger Insulin-


spiegel ist für die Zellen
das Signal, die
gespeicherten
Nährstoffe wieder
freizusetzen und
abzugeben, um den
Körper mit Energie zu
versorgen.
Noradrenalin

Insulin
Übergang zum langen Fasten

• Normal: 90-100 g Protein


• Starvation: 5-6 Wochen
• HarnstoffUrin ↓↓
– Protein Katabolismus↓
• Ammoniak ↑
Harnstoff im Urin

• Harnstoff im Urin wichtiges osmotisches


Lösungsmittel
• Fasten
– HarnstoffUrin ↓↓
– Wasser (H2O) Exkretion im Urin sinkt
– Urinvolumen sinkt bis auf 200 ml / Tag
• In einer temperierten,
feuchten Umgebung
braucht ein Fastender
wenig Wasser

• Überlebensvorteil
Normaler Mann
5-6 Wochen fastend
Fasten
1 Tag 5 - 6 Wochen
44 statt 144 g Glukose zum Gehirn

 Gehirn muss reagieren


 Möglichkeiten

1. E-Verbrauch↓↓↓
2. Glukoseproduktion aus
Fettsäuren
3. Glukose durch
anderen Brennstoff
ersetzen
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Wie reagiert das Gehirn des Menschen ?
2 000
1 000
A: Drosselt Energie- B. Reagiert nicht 500
verbrauch 300
200
C. Ersetzt Glukose D. Produziert Glukose 100
als als
Brennstoff
Brennstoff aus Fettsäuren
Brain Fuel
Brain Fuel
Ketonkörper
Ketonkörper
Ketonkörper - Reservebrennstoff

• ß-Hydroxybutyrat Energiequelle für


– Die meisten Bakterien
– Protozoen
– Archaea
– Seit 2-3 Milliarden Jahren
Das Herz - ein Allesfresser
Anteil an
Energiesubstrat Gesamtproduktion Bevorzugte Situation
(%)
Fettsäuren 60 - 90 Erhöhter Energiebedarf
Herzinsuffizienz,
Glukose 10 - 40
Ischämie, DM
Laktat <1 - 40 Exercise
Aminosäuren >1 - 5 Eiweiss Abbau
Ketonkörper <1 - 40 Fasten
Ethanol >1 -5 Keine

Kodde IF. Comp Biochem Physiol


2007;146:26-39, Part A.
Ketonkörper - Reservebrennstoff

• ß-Hydroxybutyrat
– Wichtigster Brennstoff für Gehirn beim Fasten
– Verdrängt Glukose
– Sichert Überleben bei längeren
Fastenperioden

– Gab dem Gehirn eine Sonderstellung bei der


Evolution des Menschen
Neugeborenes - grosses Gehirn

• Einzige Primaten, die fett


geboren werden
– Kalorienbank für grosses
Gehirn?

• Geburtsprobleme
• Extrem empfindlich auf
Hypoxie
– Folge des grossen Gehirns
Neugeborenes

• Ketotischer Stoffwechsel
• Blutzucker fällt dramatisch
• ßOHB steigt auf 2-3 mM
• Gehirn bei Geburt
– 60%-70% des Gesamtstoffwechsels
– Fast 50% in Form von ßOHB
• Vormilch (Kolostrum): relativ viele Triglyceride und
Protein und wenig Kohlenhydrate
• = Atkins Diät beim Start ins Leben
ßOHB Konzentrationen beim Fasten
Winterruhe der Braunbären

• Herzschlag, Atemfrequenz, Temperatur↓


• Keine Nahrung, keine Flüssigkeit
• Keine Defäkation, kein Urin
• Körpergewicht↓
– Weibchen 40%
– Männchen 22%

• Fettreserven im Herbst
Braunbär beim Fasten

• Entwickelt keine Ketose (!)


• ßOHB < 0.5 mM

• Weil
– Hirn < 5% Anteil am Stoffwechsel
– Lipolyse liefert genügend Glycerin für die
hepatische Glukoneogenese
Mensch Langzeitfasten

• Zufuhr von 100 - 150 g Glukose


• Stellt Proteolyse ab
• Lipolyse geht weiter, aber
– Insulin↑
– Ketogenese stoppt
Evolution

• Sammler und Jäger


– Längere Hungerperiode
• Hirn „frisst“ ßOHB
– Ein paar Beeren (Kohlenhydrate)
– Ketogenese und Proteinabbau stopp

• Gäbe es den Homo sapiens ohne ßOHB?