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EMA

Robert Musil (geboren am 6. November 1880 in Klagenfurt am Wörthersee; † 15. April 1942 in
Genf) war ein österreichischer Dichter , Schriftsteller und Theaterkritiker. Zu Musils
schriftstellerischen Arbeiten zählen Kritiken, Dramen, Novellen , Essays und zwei Romane
1880: Robert Musil wird am 6. November in Klagenfurt geboren. Er entstammt einer
altösterreichischen Familie.
1894: Musil besucht die Militäroberrealschule in Mährisch-Weißkirchen.
1901: Robert Musil legt nach seinem Studium in Brünn ein Examen als Ingenieur im
Fachbereich Maschinenbau ab.
1902 – 1903: Musil ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Hochschule
Stuttgart tätig. Er entschließt sich für ein Zweitstudium der Philosophie und Psychologie an der
Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. Robert Musil gibt seinen Beruf als Ingenieur auf.
1906: Musils erster Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß erscheint.
1910: Robert Musil zieht nach Wien um und nimmt eine Stelle als Bibliothekar an der dortigen
Technischen Hochschule an.
1914 – 1919: Musil dient im Ersten Weltkrieg . Er ist Herausgeber der Tiroler Soldaten-Zeitung
in Bozen. Sein Vater wird mit dem erblichen Adelstitel Edler von Musil ausgezeichnet. Robert
Musil etabliert sich als Schriftsteller. Seine beiden Erzählungen Vereinigungen erscheinen.
1921 – 1930: Musil vollendet sein großes Schauspiel Die Schwärmer . Er erhält den Kleist-Preis.
Dem Schriftsteller wird der Kunstpreis der Stadt Wien und 1929 der Gerhart-Hauptmann-Preis
verliehen.
1938: Er zieht ins Exil in der Schweiz um und lebt in Zürich und in Genf. Seine Werke dürfen in
Österreich nicht mehr verkauft werden.
1942: Robert Musil stirbt am 15. April in Genf.

DOMNICA

Der moderne Roman bezeichnet die Prosaliteratur nach Beginn des 20. Jahrhunderts. Im
Vordergrund dieser Literaturepoche steht das Experimentieren mit neuen literarischen
Techniken. Während die traditionellen Erzählungen sich durch einen klaren Aufbau und eine
strikte Trennung der verschiedenen literarischen Gattungen auszeichnen, vermischen sich im
modernen Roman oft die Grenzen zwischen Epik, Lyrik und Dramatik. Diese Art der
Erzählweise kann fragmentarisch erscheinen und ähnelt in ihrem Aufbau manchmal der
filmischen Montagetechnik.
In den der Moderne vorausgegangenen Literaturepochen, wie Realismus, Naturalismus oder
Romantik, wurde überwiegend auf wörtliche Rede verzichtet oder diese durch indirekte Rede
ersetzt. Im modernen Roman ist die direkte Rede hingegen ein häufig verwendetes sprachliches
Mittel. Zudem wird im modernen Roman nicht mehr streng chronologisch erzählt, sondern die
Handlung durch Rückblenden, Erinnerungen und/oder Assoziationen neu strukturiert.
Der Aufbau des modernen Romans wird dadurch wesentlich komplexer, was auch sein
Verständnis erschweren kann

Held und Erzählweise


Einen bedeutenden Unterschied zwischen moderner und traditioneller Erzählweise stellt die
Vermittlung des Helden dar. Während er im traditionellen Roman fast immer als eine positive
Figur erscheint, mit der sich der Leser aufgrund seiner moralischen Stärke identifizieren kann,
erweist sich der moderne Held eher als eine durchschnittliche oder sogar negative Figur. Er
ähnelt aufgrund seiner Unzulänglichkeit dem normalen Alltagsmenschen oder bietet als
sogenannter Antiheld keine Identifikationsfläche für den Leser.
Im modernen Roman dominiert hingegen überwiegend eine personale Erzählweise. Dabei wird
wechselweise aus Sicht der handelnden Personen berichtet. Typisch für den modernen Roman
sind die häufigen Perspektivenwechsel der Figuren, die zu einer vielschichtigen Erzählweise
beitragen
Weltbild und Lebenssinn
Der traditionelle Roman vermittelt dem Leser eine Weltanschauung, welche sich einfach und
übersichtlich gestaltet. Dabei spielen Werte, wie Schönheit, Güte, Liebe, Gottesglaube und
Religiosität, eine wichtige Rolle.
Die Literatur der Moderne besitzt keine einheitliche Weltanschauung mehr, denn auch die Werte
haben sich verändert. Während Epochen wie Klassik, Romantik oder Naturalismus, klare
Wertmaßstäbe besaßen und die Dinge in Gut und Böse unterteilten, sind die Werte der Moderne
nicht mehr klar definiert.
Aufgrund der industriellen Revolution Anfang des 20. Jahrhunderts existiert eine Werteflut, was
bei den Menschen zu Unsicherheit führt. Der moderne Mensch verfügt über kein einheitliches
Weltbild mehr, da zu viele unterschiedliche Einflüsse auf ihn einwirken. Die Weltanschauung
der Moderne ist gespalten und kompliziert, manchmal sogar verworren und unharmonisch.

OLGUTA
„Der Mann ohne Eigenschaften
Die Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird durch ein Selbstreflexivwerden der
aufklärerischen Vernunft bestimmt. Es bildet sich ein spezifisch moderner Subjektbegriff heraus,
der durch Begriffe wie Pluralität, Modularität, Fragmentarizität, Perspektivität, Transformation
und Inszenierung gekennzeichnet ist. Dabei entsteht eine charakteristische Ambivalenz, die
sowohl in der Philosophie als auch in der Literatur zu neuen Antworten auf Fragen der
Lebensgestaltung und des Umgangs mit der Wirklichkeit führen. Die vorliegende Arbeit stellt
diesen Prozess ausgehend von den Entwicklungen im Wien der Jahrhundertwende (ca. 1880-
1938) dar. Das Denken Robert Musils, wie es in seinem Gesamtwerk, vor allem aber in seinem
Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ zum Ausdruck kommt, wird als eigenständige, selbst
ebenfalls „moderne“ Antwort auf die Situation der Moderne interpretiert. Musils Roman bietet
diesen ‚Lebensfragen' in ähnlicher Weise ein Forum, wie es der Wiener Kreis für die Fragen der
Wissenschaftsphilosophie tat. Sowohl der Wiener Kreis als auch Robert Musil versuchen auf
konstruktive Weise mit der modernen Zersplitterung und dem Abstraktwerden der Welt
umzugehen. Doch weitet Musil das Feld seiner Untersuchung vom Bereich der
(wissenschaftlichen) Erkenntnis auf den der individuellen Lebensentwürfe aus. Nicht die
konkreten inhaltlichen ‚Untersuchungsgegenstände' machen den gemeinsamen Horizont von
Wiener Kreis und dem „Mann ohne Eigenschaften“ aus, sondern die Art des Umgangs mit
diesen Gegenständen, insofern er rational, experimentell und fehlbar ist.
Modernitatea de la începutul secolului XX este determinată de auto-reflexivitatea rațiunii
iluministe. Un concept specific modern de subiect apare, care se caracterizează prin termeni
precum pluralitate, modularitate, fragmentaritate, perspectivă, transformare și punere în scenă.
Rezultatul este o ambivalență caracteristică care duce la noi răspunsuri la modelarea vieții și la
tratarea realității, atât în filozofie, cât și în literatură. Această lucrare prezintă acest proces
pornind de la evoluțiile din Viena la sfârșitul secolului (circa 1880-1938). Gândirea lui Robert
Musil, așa cum este exprimată în opera sa completă, dar mai ales în romanul său „Omul fără
calități”, este interpretat ca un răspuns independent, chiar „modern” la situația modernă.
Romanul lui Musil oferă un forum similar cu aceste „întrebări ale vieții”, așa cum a făcut Cercul
de la Viena pentru întrebările filozofiei științei. Atât cercul vienez, cât și Robert Musil încearcă
într-un mod constructiv să facă față fragmentării moderne și devenirii abstracte a lumii. Dar
Musil extinde câmpul investigației sale de la domeniul cunoștințelor (științifice) la cel al
conceptelor individuale de viață. Nu „obiectele de investigare” substanțiale concrete constituie
orizontul comun al Cercului de la Viena și „omul fără calități”, ci modul de a trata aceste obiecte
în măsura în care sunt raționale, experimentale și falibile.
Der Mann ohne Eigenschaften ist einer der gewaltigsten Romane der deutschen Literatur. Mit
seinem Helden Ulrich schuf Robert Musil eine Figur, an deren innerem Dilemma sich die
Zerrissenheit der Moderne demonstrieren lässt. Er ist ein Mann ohne Eigenschaften, weil er
keine für ihn selbst geeignete erkennen kann. In einer groß angelegten Aktion zur Vorbereitung
der Feier des kaiserlichen Thronjubiläums stößt Ulrich auf die unterschiedlichsten Vertreter der
damaligen österreichischen Elite. Deren Zusammenwirken bei der „Parallelaktion“ führt aber ins
Leere, denn man kann sich auf keine Maßnahmen einigen. Aus den vielen Gesprächen und
philosophischen Überlegungen im Roman wird deutlich, dass die rationale, moderne Welt keinen
seelischen Halt mehr bietet. Man ahnt, dass das Ganze nur in den Abgrund des Ersten Weltkriegs
führen kann, in dem sich das unterdrückte Nichtrationale gewaltsam entlädt. Wer von dem Buch
eine stringente, zielgerichtete Geschichte erwartet, wird enttäuscht sein: Der Roman ist zum
einen unvollendet, zum anderen lebt er vor allem von philosophischen Abschweifungen und
essayistischem Schreibstil. Wer sich aber darauf einlässt, kann wertvolle Einsichten gewinnen
und wird durch die feine Ironie Musils auch noch köstlich unterhalten.
In 180 Kapitelüberschriften hat Musil die bei Lebzeiten publizierten drei Teile seines
Hauptwerks gegliedert: 19 entfallen auf den ersten Teil – „eine Art Einleitung“; 104 auf den
zweiten Teil – „Seinesgleichen geschieht“; 38 auf den dritten Teil – „Ins Tausendjährige Reich
(Die Verbrecher)“. Während das „Seinesgleichen“ des zweiten Teils für das (von Musil
arrangierte) banale Alltagsgeschehen der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg steht, ist das
„Tausendjährige Reich“ die Chiffre für jenen anderen mystischen Zustand, den „die Verbrecher“
Agathe und Ulrich seit ihrer Wiederbegegnung anstreben.

Mit den Kapitelüberschriften erweckt Musil zunächst den Anschein des herkömmlichen
Erzählers, der ein übersichtlich geordnetes Ganzes aus in sich geschlossenen Einzelabschnitten
entwickelt. „Das Entscheidende, weshalb Kapitel zu bilden sind“, heißt es in Musils
Tagebuchnotizen, „ist etwas Psychotechnisches: ein kleineres, geschlossenes Thema ist leichter
anzupacken, u. ein solcher Rahmen füllt sich leichter mit dem Stoff und seinen
Ergänzungen.“[78] Zugleich können die einzelnen Überschriften Lesern beim Einordnen und
Wiederauffinden bestimmter Figuren, Geschehnisse und Reflexionsbögen helfen,[79] was zu
Musils Bitte passt, man möge sein Werk zweimal lesen, „im Teil und im Ganzen.“[80]
Mal sind die Überschriften lakonisch kurz gehalten: 5. Ulrich; 8. Kakanien; 14. Jugendfreunde;
18. Moosbrugger.
Mal kommen sie beinahe geschwätzig daher: 7. In einem Zustand von Schwäche zieht sich
Ulrich eine neue Geliebte zu; 12. Die Dame, deren Liebe Ulrich nach einem Gespräch über Sport
und Mystik gewonnen hat; 13. Ein geniales Rennpferd reift die Erkenntnis, ein Mann ohne
Eigenschaften zu sein.
In wechselnder Abmischung werden ironisch-satirische Akzente gesetzt: 22. Die Parallelaktion
steht in Gestalt einer einflußreichen Dame von unbeschreiblicher geistiger Anmut bereit, Ulrich
zu verschlingen; 26. Die Vereinigung von Seele und Wirtschaft. Der Mann, der das kann, will
den Barockzauber alter österreichischer Kultur genießen. Der Parallelaktion wird dadurch eine
Idee geboren; 28. Ein Kapitel, das jeder überschlagen kann, der von der Beschäftigung mit
Gedanken keine besondere Meinung hat.

BIANCA
Zusammenfassung
Ein Mann ohne Eigenschaften
Ulrich ist ein Mann ohne Eigenschaften. Er ist 32 Jahre alt und hat immer noch eine Art
Wartehaltung gegenüber dem Leben. Von scharfem analytischem Verstand, erkennt er sehr
genau die Unzulänglichkeiten im Dasein seiner Zeitgenossen, er selbst hat aber auch noch keinen
Lebensansatz gefunden, auf den er sich festlegen möchte. So lebt er mehr oder weniger in den
Tag hinein.
„Wenn es aber Wirklichkeitssinn gibt, (...) dann muss es auch etwas geben, das man
Möglichkeitssinn nennen kann (...) So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit
definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu
nehmen als das, was nicht ist.“ (S. 16)
Früher hatte er noch die Vision, einmal ein bedeutender Mann zu werden. Auf drei Wegen hat er
probiert, diese Idee umzusetzen: Da er in der Schule von Napoleon beeindruckt war, versuchte er
sein Glück zuerst beim Militär. Er trat einem Reiterregiment bei, hatte Affären, duellierte sich
und brachte es in kurzer Zeit bis zum Leutnant. Als er aber mit einem Finanzmann wegen einer
Frauengeschichte aneinandergeriet, gewann dieser die Auseinandersetzung, indem er mit dem
Kriegsminister sprach. Ulrich wurde zurechtgewiesen, er erkannte, dass er es eigentlich nur zu
einem betrunkenen Rabauken gebracht hatte, und gab diese undankbare Laufbahn auf.
„Es ist eine Welt von Eigenschaften ohne Mann entstanden, von Erlebnissen ohne den, der sie
erlebt, und es sieht beinahe aus, als ob im Idealfall der Mensch überhaupt nichts mehr privat
erleben werde und die freundliche Schwere der persönlichen Verantwortung sich in ein
Formelsystem von möglichen Bedeutungen auflösen solle.“ (S. 150)
Als Nächstes wurde Ulrich Ingenieur. Aber auch hier stieß er nur auf viel Borniertheit, ohne
einen Lebenssinn zu finden. Die Techniker sind in seinen Augen zwar in ihrem Bereich
erfolgreich, versagen aber dabei, daraus einen überzeugenden Lebensentwurf zu entwickeln. So
sah er seine letzte Chance darin, sich als Mathematiker zu bewähren. Auch auf diesem Feld
leistete er Beachtliches und galt als Hoffnungsträger. Als er aber eines Tages in der Zeitung las,
dass ein Reitpferd als genial bezeichnet wurde, gab er die Hoffnung auf, als Genie Zufriedenheit
zu finden. Er mietete sich ein kleines Schlösschen am Stadtrand von Wien und beschloss, ein
Jahr lang „Urlaub vom Leben“ zu nehmen.
Jugendfreunde
Gelegentlich verbringt Ulrich etwas Zeit mit seinem Jugendfreund Walter und dessen
Frau Clarisse, die ein ungewöhnliches Paar abgeben. Clarisse hat von Jugend an geglaubt, dass
sie zu Großem berufen sei. In Walter, der als angehendes musikalisches Genie galt, sah sie ihre
Chance, dieses Bestreben zu verwirklichen. Mittlerweile hat Walter aber eine Stelle als kleiner
Beamter im Kulturamt angenommen und sein Talent ist mehr oder weniger am Versiegen.
Obwohl er früher schwülstige Musik ablehnte, schließt er sich immer öfter in sein Zimmer ein
und spielt dann am Klavier ungehemmt Wagner. Clarisse sieht das als eine Gefahr für sein
Genie. Zur Strafe verweigert sie sich ihm. Gleichzeitig will sie damit auch vermeiden, von
Walter ein Kind zu bekommen: Sie hat Angst davor, dann in der erdrückenden Enge der
normalen bürgerlichen Welt zu enden.
Der Prostituiertenmörder
In dieser Zeit findet der Prozess gegen den offensichtlich schwachsinnigen
Zimmermann Moosbrugger statt, der eine Prostituierte, von der er sich gleichzeitig angezogen
und dann wieder belästigt fühlte, auf bestialische Weise ermordet hat. Moosbrugger hat bereits
früher Gewalttaten begangen und wird nun zum Tod verurteilt. Ulrich wohnt dem Prozess bei
und findet, dass Moosbrugger eigentlich wegen Unzurechnungsfähigkeit in die Psychiatrie hätte
eingewiesen werden sollen. Er fasst vage den Entschluss, sich irgendwie für den Verurteilten
einzusetzen. Als er Clarisse von Moosbrugger erzählt, ist diese von dessen Schicksal ungewohnt
berührt. Sie setzt sich als Ziel, irgendwie eine Begnadigung für Moosbrugger zu erwirken, und
erhofft sich davon eine innere Erlösung.
EMA
Der Brief des Vaters
Im Gegensatz zu seinem Sohn ist Ulrichs Vater ein Musterbeispiel an Erfolg durch Anpassung
an die bestehenden Machtverhältnisse. Als Hauslehrer hat er sich beim österreichischen Adel
eingeschmeichelt, obwohl er dies aufgrund seines eigenen Vermögens nicht nötig gehabt hätte.
Durch diese Beziehungen hat er es am Ende aber zu einer Rechtsprofessur, der Mitgliedschaft in
angesehenen Akademien und sogar zur Erhebung in den erblichen Adelsstand gebracht.
„Es ist nicht schwer, diesen zweiunddreißigjährigen Mann Ulrich in seinen Grundzügen zu
beschreiben, auch wenn er von sich selbst nur weiß, dass er es gleich nah und weit zu allen
Eigenschaften hätte und dass sie ihm alle, ob sie nun die seinen geworden sind oder nicht, in
einer sonderbaren Weise gleichgültig sind.“ (S. 151)
Der Vater schreibt Ulrich einen Brief, in dem er ihn ermahnt, sich mehr um seine
gesellschaftliche Stellung zu kümmern. Er hat erfahren, dass Vorbereitungen für die Feier zum
30-jährigen Thronjubiläum des deutschen Kaisers im Jahr 1918 bei österreichischen Patrioten
das Bestreben ausgelöst haben, die Deutschen durch eine im gleichen Jahr stattfindende Feier
zum 70-jährigen Thronjubiläum des österreichischen Kaisers zu übertrumpfen. Es sei schon eine
entsprechende Aktion in Wien im Gange und man habe Ulrich bei diesem Unterfangen eine
ehrenvolle Stellung zugedacht. Ulrich solle entsprechende Verbindungen aufnehmen und auch
endlich den Kontakt zum Haus des Sektionschefs Tuzzi suchen, der es, obwohl er nur
bürgerlicher Herkunft sei, im Außenministerium zu einer einflussreichen Position gebracht habe.
Dessen Frau Ermelinda Tuzzi sei in der Gesellschaft hoch angesehen und eine entfernte
Cousine von Ulrich.
Die Parallelaktion in Kakanien
Der eigentliche Erfinder der „großen vaterländischen Aktion“ in Österreich ist Graf Leinsdorf.
Als Patriot übt der Graf in Kakanien (der k. u. k. Monarchie) hinter den Kulissen erheblichen
Einfluss aus, obwohl er kein offizielles Amt am Hof oder im Staat bekleidet. Ein wichtiges Ziel
von Graf Leinsdorf ist es, die Einheit des Vielvölkerstaats Kakanien durch Einbindung des
Großbürgertums nach dem Motto „Bildung und Besitz“ voranzutreiben. Er sieht die inoffizielle
vaterländische Aktion zur Vorbereitung der Jubiläumsfeiern für den eigenen „Friedenskaiser“ als
willkommene Gelegenheit, die wesentlichen Volkskräfte zu einen. Als er Ulrich später kennen
lernt, ernennt er ihn zum Generalsekretär dieser „Parallelaktion“.
„Unsere Anschauung von unserer Umgebung, aber auch von uns selbst, ändert sich mit jedem
Tag. Wir leben in einer Durchgangszeit. Vielleicht dauert sie, wenn wir unsere tiefsten Aufgaben
nicht besser anpacken als bisher, bis zum Ende des Planeten.“ (Ulrich zu Walter und Clarisse,
S. 215 f.)
Ulrich macht aber zuerst seiner Cousine seine Aufwartung. Ermelinda Tuzzi (deren eigentlicher
Vorname Hermine ist) führt in ihrem Haus regelmäßig einen Salon, in dem alle Teile der
gehobenen Bevölkerungsschichten verkehren. Sie gilt als eine Art „Seelenfürstin“, die mit Geist
und Schönheit alle in ihren Bann zieht. Auch Ulrich ist von seiner Cousine sehr angetan, die,
etwas korpulent und mit langen schwarzen Haaren, dem Schönheitsideal vieler Männer
entspricht. Ulrich gibt ihr den Spitznamen Diotima, nach der berühmten Lehrerin der Liebe.
„Er hat sich augenblicklich zu der Erkenntnis durchgerungen, dass es in der Geschichte der
Menschheit kein freiwilliges Zurück gibt. Aber das Erschwerende ist, dass wir ja auch kein
brauchbares Vorwärts haben.“ (Ulrich über Graf Leinsdorf, S. 272)
Weil Diotima auch eine enge Freundin des Grafen Leinsdorf ist, beschließt dieser, ihren Salon
zum Mittelpunkt der Parallelaktion zu machen. So treffen sich von nun an die wichtigsten
Vertreter aus Staat, Wirtschaft und Gesellschaft regelmäßig im Hause Tuzzi, um eine große Idee
für das kaiserliche Thronjubiläum zu entwickeln. Aber leider gibt es zu jedem Vorschlag immer
irgendwelche Bedenken und die Aktion dreht sich zusehends im Kreis.
Ein Neuankömmling
Verkompliziert wird das Ganze noch durch das Eintreffen des preußisch-jüdischen
Industriemagnaten und „Großschriftstellers“ Dr. Paul Arnheim. Von diesem wird gemunkelt,
dass er sagenhaft reich sei. Sein Vater besitzt viele Fabriken und Handelshäuser und ist
geschäftlich äußerst erfolgreich. Arnheim selbst liegt vor allem die Verknüpfung von Seele und
Wirtschaft am Herzen. Er macht Diotima seine Aufwartung, weil er schon viel von ihr gehört
hat. Sie ist von dem Neuankömmling begeistert. Die beiden entbrennen in kurzer Zeit in
platonischer Liebe zueinander und Diotima schleust Arnheim in ihren Salon ein, wo er
zunehmend Einfluss auf die Diskussionen über die Parallelaktion gewinnt.
„Ein Mann ohne Eigenschaften sagt nicht Nein zum Leben, er sagt Noch nicht!“ (Clarisse über
Ulrich, S. 444)
Sektionschef Tuzzi hat als erfahrener Diplomat weniger romantische Vorstellungen und versucht
herauszufinden, was Arnheim wirklich in seinem Haus treibt. Tuzzi hat zuerst die Idee, dass
Arnheim im Auftrag des russischen Zaren pazifistische Ideen bei den Österreichern verbreiten
soll. Wie sich später aber herausstellt, hat Arnheim es vor allem auf die galizischen Ölquellen
abgesehen. Als entsprechende Verhandlungen in die Wege geleitet sind, zieht sich Arnheim auch
tatsächlich wieder von Diotima zurück. Diese befasst sich mittlerweile aber sowieso statt mit der
Seele mit sexualwissenschaftlichen Themen und beschließt, erst einmal ihren Mann zu einem
besseren Liebhaber zu erziehen.
„Es erging Arnheim nicht anders wie seinem ganzen Zeitalter. Dieses betet das Geld, die
Ordnung, das Wissen, Rechnen, Messen und Wägen, alles in allem also den Geist des Geldes
und seiner Verwandten an und beklagt das zugleich.“ (S. 509)
Weil die Parallelaktion keine große Idee zustande bringt, erregt sie im Volk zunehmend
Misstrauen. Als Graf Leinsdorf dann auch noch den gebürtigen Polen Baron Wisnieczky zum
Haupt des Propagandakomitees beruft, welches die Parallelaktion in Kakanien populär machen
soll, reagieren vor allem viele aus dem deutschen Bevölkerungsanteil unwillig. Es kommt sogar
zu einer lautstarken Demonstration vor dem Palais des Grafen.
DOMNICA
Die verlorene Schwester
Kurz nach diesem Aufruhr, den Ulrich im Grafenpalais miterlebt, erhält er die Nachricht vom
Tod seines Vaters. Bei seiner Reise zur Beerdigung in der Provinzstadt wird Ulrich klar, dass er
im Elternhaus auf seine jüngere Schwester Agathe treffen wird. Die beiden haben sich in der
Kindheit kaum gekannt, weil Ulrich nach dem frühen Tod der Mutter die meiste Zeit außer Haus
erzogen worden ist. Auch bei der ersten Hochzeit seiner Schwester konnte Ulrich nicht anwesend
sein, weil er nach einem Duell mit einer Schussverletzung im Krankenhaus lag. Agathe heiratete
damals sehr jung einen Mann, den sie abgöttisch liebte, der aber noch auf der ausgedehnten
Hochzeitsreise an Typhus starb. Vor fünf Jahren hat sie dann auf Drängen ihres Vaters dem
Werben des langweiligen Mittelschullehrers Gottlieb Hagauer nachgegeben und noch einmal
geheiratet. Hagauer ist zwar eine anerkannte Autorität in Erziehungsfragen und hat viel beachtete
Bücher verfasst, Agathe findet ihn aber banal und langweilig und ist seiner praktisch von Anfang
an überdrüssig gewesen. Sie beschließt nun, nicht mehr zu Hagauer zurückzukehren.
„Der grobe Erwerbstrieb für die Vorteile des Lebens fehlte Ulrich noch mehr als ihm, und der
sublime Erwerbstrieb, der Wunsch, sich die Würden und Wichtigkeiten des Daseins zu eigen zu
machen, fehlte ihm in einer geradezu ärgerlichen Weise. Dieser Mensch war ohne Bedürfnis
nach Gewicht und Substanz des Lebens.“ (Arnheim über Ulrich, S. 547)
Für ihre erste Begegnung im Elternhaus haben beide Geschwister unabhängig voneinander einen
geschlechtslos wirkenden Hausanzug angezogen, sodass sie beim ersten Treffen fast wie
Zwillinge aussehen. Auch innerlich fühlen sie gleich eine tiefe Seelenverwandtschaft und
verbringen Stunden des Gesprächs miteinander. Ulrich erzählt Agathe viel vom andersartigen
Erleben der Mystiker. Schließlich verspricht er ihr, dass sie beide einst zusammen in einem so
paradiesischen Zustand, einem „Tausendjährigen Reich“, leben werden.
„Alte Zeiten haben versucht, sich ein solches Leben schon auf Erden vorzustellen: das ist das
Tausendjährige Reich, geformt nach uns selbst und doch keins der Reiche, wie wir sie kennen!
Und so werden wir leben!“ (Ulrich, S. 801)
Der Beerdigung des Vaters, zu der auch Hagauer erscheint, wohnen viele Würdenträger bei.
Anschließend überreden die Geschwister Hagauer, erst einmal ohne Agathe in seine Provinzstadt
zurückzukehren. Bevor Ulrich wieder nach Wien abreist, vereinbaren sie, dass Agathe bis zu
ihrer Scheidung bei Ulrich wohnen wird. Aus Abscheu gegenüber Hagauer beschließt sie, das
väterliche Testament so zu fälschen, dass Ulrich alles erbt. Dadurch erhält Hagauer keinen
Zugriff auf das väterliche Erbe. Ulrich gelingt es nicht, sie vor seiner Abreise von ihrem
Vorhaben abzubringen.
Die Geschwister in Wien
Nach seiner Rückkehr erfährt Ulrich, dass die Parallelaktion immer mehr versandet. Graf
Leinsdorf hat in seiner Verzweiflung über den sich anbahnenden Misserfolg eine „Parole der
Tat“ ausgegeben – aber ohne klare Ideen sind effektive Handlungen schwierig durchzuführen.
Als Agathe in Wien ankommt, leben die Geschwister in einem innigen Verhältnis auf engstem
Raum in einem Teil des vom Bruder gemieteten Schlosses. Bei gesellschaftlichen Anlässen
erklären sich Ulrich und Agathe als „siamesische Zwillinge“. Obwohl sie es nicht ausleben,
wächst zwischen den beiden eine erotische Spannung heran. Ulrich ignoriert Briefe von Hagauer
oder antwortet ihm abweisend. Dann schreibt dieser direkt an Agathe. Die Art und Weise, wie er
ihr darlegt, dass es falsch von ihr war, ihn zu heiraten und ihn dann ohne triftigen Grund einfach
zu verlassen, erschüttert Agathe. Als Ulrich sie nicht ausreichend in Schutz nimmt, läuft sie mit
der Absicht davon, sich das Leben zu nehmen. Nachdem sie dann doch zu Ulrich zurückkehrt,
nehmen beide an der großen Gesellschaftsveranstaltung im Hause Tuzzi teil, durch die der
Parallelaktion noch einmal Leben eingehaucht werden soll. Aber das Unterfangen misslingt.
Während eines intimen Gesprächs in der Küche werden Ulrich und Agathe von Diotima,
Arnheim und anderen gestört. Als Ulrich mit ihnen die Unterhaltung weiterführt, verlässt Agathe
allein und von ihrem Bruder unbemerkt das Haus.

OLGUTA
Zum Text
Aufbau und Stil
Der erste Teil des Romans, der noch zu Musils Lebzeiten veröffentlicht wurde, besteht aus zwei
Büchern. Das erste Buch enthält in 19 Kapiteln „Eine Art Einleitung“, in der vor allem Ulrich
und sein Hintergrund vorgestellt werden. Darauf folgt dann unter dem Titel „Seinesgleichen
geschieht“ der zweite Teil mit über hundert Kapiteln. Dort stehen Ulrich und die Parallelaktion
im Mittelpunkt. Wie der Titel schon sagt, geschieht dabei immer das Gleiche, die ganze
Angelegenheit dreht sich im Kreis. In den Diskussionen zwischen den Figuren gibt es keine
echten Fortschritte, jede bleibt irgendwo in ihrer eigenen Unzulänglichkeit gefangen. Der zweite
Teil enthält das dritte Buch des Romans mit 38 Kapiteln. Dieser Teil trägt den zeitgeschichtlich
fast prophetischen Titel „Ins Tausendjährige Reich (Die Verbrecher)“. Hier kommt etwas
Bewegung ins Leben der Figuren: Ulrich entdeckt seine Schwester Agathe, und die schöne
Diotima schreitet von Fragen der Seele zu eher praktischen Fragen der Sexualwissenschaft fort.
Stilistisch ist das ganze Werk von höchster literarischer Brillanz. Mit präziser Sprache und feiner
Ironie präsentiert Musil jede einzelne Figur in ihrer eigenen Gedankenwelt. Die Dialoge spiegeln
die hochgestochene Sprechweise der Elite jener Zeit überzeugend wider, die Bildsprache ist
plastisch und die Analogien und Vergleiche sind von oft erstaunlicher Treffsicherheit. Das
Ganze ist also durchaus ein literarisches Lesevergnügen, auch wenn die Handlung oft nicht recht
vom Fleck kommt.