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EFFI BRIEST von Theodor Fontane Die Schuldfrage Inhalt:

1. Vorüberlegungen
2. Die Stellung der Frau im 19. Jahrhundert
3. Die Tragödie
4. Die Verdächtigen
4.1. Die Gesellschaft
4.2. Effie
4.3. Herr von Briest nebst Ehefrau
4.4. Innstetten
4.5. Das Schicksal
5. Das Urteil
6. Nachtrag

1. Vorüberlegungen
Theodor Fontane schrieb dieses Drama über das Schicksal eines Mädchens in einer Zeit, als
diese Geschichte etwas Revolutionäres darstellte. Im 19. Jahrhundert lebte die deutsche Frau
der Oberschicht in einer Normalbiographie. Das sollte bedeuten: Kindheit, Vorbereitung auf die
Ehe, Handarbeit, Heirat, Elternschaft und schließlich meistens das Großelterntum. Und sie
lebte stets ihre Rolle neben oder sogar nach dem Gatten. Diese Normalbiogra phie wurde
niemals verlassen. Ansonsten wurde man von der Gesellschaft ausgeschlossen, da
Andersartigkeit keinerlei Duldung fand. Diesen Frauen blieb gar nichts und sie hatten auch nie
mehr die Möglichkeit, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und ein normales Leben zu
führen. Nun kann man sich die Frage stellen: „Gehört diese Zeit, in der „Effie Briest“
geschrieben wurde und die damalige Stellung der Frau wirklich der Vergangenheit an?“ Hat
sich bis heute alles ganz und gar verändert? Sind der Mann und die Frau im 20. Jahrhundert
gleichgestellt? Wenn das so wäre, würde das bedeuten, dass beide die gleichen Möglichkeiten
in ihrem Leben haben. Doch sieht man genau hin, gibt es, wenn auch nur kleine, Unterschiede
bis heute. Noch heute werden von dem schwachen Geschlecht besondere Tugenden erwartet.
Das gleiche Verhalten von Mann und Frau wird bis heute anders gedeutet, ein Beispiel dafür
können die Begrifflichkeiten „Rumhuren“ kontrovers „Hörner abstoßen“ sein. „Die Familie
versorgen“ aus Sicht des Mannes (Geld durch Arbeit verdienen) oder aus Sicht der Frau
(Kochen und Pflegen der Kinder und des Hauses“) sind zwei vollkommen unterschiedliche
Dinge. Wem hier welche Rolle zugesprochen wird, steht in der Gesellschaft bis heute völlig
außer Frage. Meiner Meinung nachisst dieses Missverhältnis, bezogen auf die Gleichstellung
von Mann und Frau, nicht vollständig verschwunden aber die Individualisierung der Frau ist
sehr weit fortgeschritten. War „Effie Briest“ ein Anfang der Emanzipation? Eine Frau, welche
sich offen gegen alle Tugenden und Grundsätze stellte und die sich traute die eigenen
Grundsätze zu leben. Sie wurde von Spaß und Nervenkitzel angetrieben, was vielleicht mit
dem heutigen Spruch „no risk no fun“ gleichzusetzen ist. Diese Eigenschaften, welch e Theodor
Fontane Effie Briest zugesprochen hatte, waren für die damalige Zeit vollkommen untypisch
oder auch schlicht unpassend. Als ich begann das Buch über Effi Briest zu lesen, war es mir
ein Leichtes, dieses in sehr kurzer Zeit zu Ende zu bringen. Ich habe Kapitel für Kapitel
verschlungen, um zu erfahren wie es nun weiter geht. Interessant ist, dass viele Leute die ich
nach dem Buch befragt habe, mir die Antwort gaben: „ Das Langweiligste was ich je gelesen
habe“. Merkwürdig, wie unterschiedlich die Reaktionen auf solch eine Literatur sein können.
Doch woran kann diese unterschiedliche Auffassung liegen. Die Komplexität dieser Tragödie
ist kaum zu erfassen. Der unvergleichliche Charakter der Effie, ob nun angeboren oder
anerzogen, in einer Gesellschaft welche Ihrer noch nicht würdig war. Clever genug um zu
wissen, dass Sie nur durch einen starken und erfolgreichen Gatten im Leben etwas erreichen
kann. Herr und Frau von Briest, so gezeichnet und beeindruckt von der Gesellschaft, dass sie
sich gegen ihr einziges Kind stellen. Der falsche Ehrgeiz und das (falsche) Ehrgefühl eines
Mannes im 19. Jahrhundert. Bis hin zum immer wehrenden Schicksal, was zu dieser Tragödie
wohl das Letzte hinzugetan haben mag. Warum ist Effie in solch eine unmoralische Situation
hinein geschlittert. Dieser spannenden Frage will ich in der folgenden Arbeit auf den Grund
gehen und erörtern, wer hier eigentlich die Schuld oder auch die Mitschuld an der Tragödie
von Effie Briest trägt.

2. Die Stellung der Frau im 19. Jahrhundert

Wenn im 19. Jahrhundert ein Mädchen das Licht der Welt erblicken durfte, kam aus der breiten
Gesellschaft eine Reaktion wie diese: „Na, beim nächsten Mal klappt es bestimmt.“ Was ist hier
schief gelaufen? Warum ist die Freude über einen Knaben größer, als über die Geburt eines
Mädchens. Ein Erstgeborener, hier ist das männliche Geschlecht entscheidend, tritt traditionell in
die Fußstapfen des Vaters und übernimmt Haus und Hof. Er kann der Familie in Zukunft Ehre
machen. Ein Mädchen hingegen brachte als schwaches Geschlecht nur Verpflichtungen für die
Familie. Je früher es verheiratet wurde, desto besser. Hinzu kam die Aussteuer, welche vom
Brautvater gestellt werden musste. Es kostete also auch noch Geld, die Mädchen „unter die
Haube“ zu bringen. Unverheiratete Frauen wurden früher nicht akzeptiert. Die adlige oder
bürgerliche Ehe wurde meist von den Eltern arrangiert, wobei Liebe eine untergeordnete Rolle
spielte. Es war wichtiger, dass der Mann eine hohe soziale und gesellschaftliche Stellung hatte.
Der Mann war das Familienoberhaupt und dominierte die Frau. Sie trat damit von der
Vormundschaft des Vaters in die Vormundschaft des Ehemannes über. Ein Glück war es dann
nur, wenn dieser zugesprochene Ehemann gut aussehend war und eine gute Stellung hatte.
Einen Beruf auszuüben war nur den Frauen der Arbeiterklasse erlaubt, da sie ihren Mann bei der
Ernährung der Familie unterstützen musste, um zu überleben. Beim Adelsgeschlecht war dies
eher verpönt, außerdem benötigten sie dazu die Erlaubnis ihres Mannes. Doch eine Frau hatte
auch Pflichten und einen Aufgabenbereich. Innerhalb dieses Bereiches durften durchaus eigene
Entscheidungen getroffen werden. Zu diesem Verantwortungsbereich gehörten Haus und Garten.
Teilweise das Gesinde und die Kinder. Die Frau wird in der Gesellschaft für nicht wichtig erachtet.
Statt als lediglich nette Dekoration neben dem Mann, kann die Frau bei besonderer Schönheit
sogar als Statussymbol gelten. Die Frau ist also nicht als ein eigenständiges Wesen zu
betrachten, sondern als ein Objekt, welches sich für den Mann schön zu machen hat und stets
gefügig sein musste. Die Gefühlsduseleien von Frauen brauchten vom geistig überlegenden
Manne nicht weiter beachtet zu werden. Ehebruch war die schlimmste Sünde im Leben einer
Frau, ein unverzeihliches Vergehen mit dem sie Ehre, Familie und ihren Platz in der Gesellschaft
verlor. Als Ehebrecherin verlor die Frau automatisch das Sorge - und Umgangsrecht für ihre Kinder
sowie alle Ansprüche auf finanzielle Unterstützung durch die Familie. Auch durfte sie ohne
Einverständnis des Mannes nicht dessen Namen weiterführen. Begann der Mann aber Ehebruch,
so war das ein Kavaliersdelikt, welches keine Folgen nach sich zog. Bei der Frau hingegen führte
der Ehebruch zur Scheidung und dem absoluten gesellschaftlichen Aus ohne Möglichkeiten zur
Wiedergutmachung. Die Frau in der preußischen Gesellschaft war also wirtschaftlich und
gesellschaftlich vollkommen von ihrem Mann abhängig.

3. Die Tragödie

e Wenn es darum geht, festzustellen, wer die Schuld an diesem gesamten Desaster trägt, ist
vorher zu klären wofür wir einen Schuldigen suchen. Von welcher Tragödie sprechen wir? Ist die
Tragödie der Ehebruch, welchen Effi mit Major Crampas begeht, sprechen wir von dem Tod von
Crampas, welcher in dem Duell zwischen Instetten und Crampas ums Leben kam, oder geht es
letztlich um Effis Ausschluss aus der Gesellschaft und dem Verstoß von Ihrer gesamten Familie?
Sicherlich gibt es auch Leute die schon die frühzeitige Heirat von Effi und Instetten als Tragödie
bezeichnen würden. Schließlich stirbt Effi viel zu jung, mit ihrem Einverständnis hören ihr Körper
und ihre Seele auf, für das Leben zu kämpfen. Ich möchte all diese Dinge zusammen als die
Tragödie bezeichnen, mit besonderem Augenmerk auf Effi, die Hauptperson des Dramas. 4. Die
Verdächtigen Wer kann nun die Schuld oder die Mitschuld an dieser tragischen Entwicklung in
Effis Leben tragen. In meinen Augen gibt es mehrere Verdächtige, worauf ich meine Ermittlung en
möchte:

4.1 Herr von Briest nebst Frau

4.2 Effie
4.3 Innstetten

4.4 Die Gesellschaft

4.5 Das Schicksal

4.1 Herr von Briest nebst Ehefrau

Herr und Frau von Briest erziehen ihr Kind im Sinne der Gesellschaft und vermitteln ihrem Kind
die Normen und Werte der Gesellschaft, indem sie Ihrem Kind diese vorleben. Beide lieben ihr
Kind und sind sehr strebsam. Diese Eigenschaft haben sie auch an ih r Kind weitergegeben.
Dennoch liest man hin und wieder, dass sie Effi doch etwas anders behandeln als es die
Gesellschaft vorsieht. Ein gutes Beispiel hierfür lesen wir in Effi Briest auf Seite 6, Zeile 27 -35:
„Und dann, warum steckst du mich in diesen Hänger, in diesen Jungskittel? … du bist schuld.
Warum trage ich keine Staatskleider? Warum machst du keine Dame aus mir?“ Mama Briest
fördert bewusst die Eigenschaften ihrer Tochter, (Leidenschaft, Ungestümheit) und Effi darf ihre
Meinung auch stets frei äußern. Vom Ehrgeiz getrieben, interpretieren die von Briests den
Heiratsantrag von Innstetten als sehr gute Partie für ihre Tochter und stimmen schnell zu. Mutter
Briest tut, so als hätte Effi die Entscheidung selbst zu treffen, doch weiß sie ihre strebsame
Tochter gut zu manipulieren in dem sie ihr sagt: „…und wenn du nicht ,nein‘ sagst, was ich mir von
meiner klugen Effi kaum denken kann, so stehst du mit zwanzig Jahren da, wo andere mit vierzig
stehen. Du wirst deine Mama weit überholen.“ (Effi Briest, Seite 14) Als die Verlobung perfekt ist
und Mutter Briest bemerkt, dass Effi nahezu gleichgültig und gefühlskalt bleibt, wenn Briefe von
Innstetten eintreffen, macht sie sich Sorgen und versucht Effi ins Gewissen zu reden. Sie will von
ihr erfahren, ob sie Instetten wirklich heiraten will. Auch Vater Briest spricht nach dem Polterabend
sorgenvoll mit seiner Frau. Beinahe so, als ob sie bereit wären, die Hochzeit abzusagen wenn ihr
einziges Kind todunglücklich über diese Heirat ist. Die Eheleute Briest haben ih re Tochter in diese
Heirat hinein getrieben, weil sie das Beste, einen guten Stand, für ihre Tochter wollten. Doch
scheinbar nicht zu jedem Preis, welcher hier das Glück ihrer Tochter gewesen wäre .

4.2 Effi

Effi ist ein sehr leidenschaftliches, verspieltes Kind von 17 Jahren, welches gern immer etwas
Neues erlebt und welchem schnell langweilig wird. Sie scheint übermütig und auch ein wenig
leichtsinnig zu sein. Sie liebt es, sich in Gefahr zu begeben: „Am liebsten aber hatte Sie wie früher
auf dem Schaukelbrett gestanden, und in dem Gefühle. Jetzt stürz ich‘, etwas eigentümlich
Prickelndes, einen Schauer süßer Gefahr empfunden.“ (Effi Briest, Seite 99) Sie wirkt eher wie ein
Junge als ein Mädchen, trägt einen Jungenskittel, klettert gerne auf Bäume und sp ielt Verstecke
mit ihren Freundinnen. Selbst die Eheschließung mit Geert von Innstetten scheint sie nicht anders
als ein neues Spiel zu begreifen. Für diese Eigenschaften und ihre Torheit kann Effi nichts, denn
mit unseren Eigenschaften werden wir geboren. Und doch sind es diese, welche Effi in die Arme
von Major Crampas treiben. Hier erlebt sie Leidenschaft, Abwechslung und das Prickeln des
Schauers aus süßer Gefahr, welchen sie so liebt. Doch was treibt sie zu der Heirat mit Innstetten?
Warum hat sie so schnell versucht sich mit der neuen Situation gut zu stellen? Effi war sehr
anspruchsvoll, nicht was ihre Kleider oder teuren Schmuck betraf, auch nicht die Ausstattung ihres
neuen Heimes hat sie interessiert, sie ließ sogar die Aussteuer von ihrer Mutter b esorgen. Doch
Effi war auf ihre eigene Art anspruchsvoll: „Nur das Eleganteste gefiel ihr, und wenn sie das Beste
nicht haben konnte, so verzichtete Sie auf das Zweitbeste…. Und wenn es aber ausnahmsweise
wirklich etwas zu besitzen galt, so musste dies immer etwas ganz Apartes sein.“ (Effi Briest, Seite
19).Das ist auch der Grund warum Effi Geert von Instetten ohne Wiederspruch geheiratet hat.
Daher gab sie sich solche Mühe, sich mit ihrem neu geschriebenen Schicksal schnell
anzufreunden. Effi wusste, dass sie in naher Zukunft heiraten würde. Und auch hier würde sie
nicht jeden, sondern nur den Besten nehmen. (Seite 16, Zeile 21) „Gewiss ist er der Richtige…
Natürlich muss er von Adel sein und eine Stellung haben und gut aussehen.“ (Seite 26, Zeile18)
Und wenn Zärtlichkeit und Liebe nicht sein können,……, nun, dann bin ich für Reichtum und ein
Vornehmes Haus. (Seite, 28, Zeile 26) „…er ist ja noch nicht alt und ist gesund und frisch,
soldatisch und schneidig.“ Hier scheint Gerd von Innstetten erste Wahl zu sei n und fällt damit
genau in Effis Raster. Durch Effis Oberflächlichkeit, Naivität und durch ihr Streben nach dem
Besten, um sich von der Umwelt abgrenzen zu können, treibt auch sie selbst sich in ihr Unglück .

4.3 Innstetten

Innstetten ist ein Mann von Pünktlichkeit und „…fester Prinzipien“ (Effi Briest, Seite 28). Er steht
im Gegensatz zur leichtsinnigen und eben nicht prinzipientreuen Effi. Bereits vor der Hochzeit
erkennt Effi dies und äußert ihre Bedenken. Zitat: “.. Er sei auch ein Mann von Grundsätzen. Und
das ist, glaub ich, noch was mehr. Ach, und ich…ich habe keine,…, da liegt etwas, was mich quält
und ängstigt. Er ist so lieb und gut gegen mich und so nachsichtig, aber…ich fürchte mich vor
ihm.“ (Effi Briest S.28, Zeile 38-42 ) Frau von Briest erkennt, dass Innstetten ein „Karrieremacher“
ist und deutet an, dass er Effi langweilen wird. In seiner Ehe ist er Effi gegenüber eher kühl. Er ist
ein Mensch der seine Gefühle niemals zeigt, der immer öffentlich bleibt und nie privat ist. Auch
Herr von Briest äußert sein Bedenken über das Verhalten von Instetten, als Effi sechs Wochen in
Hohen Cremen zu Besuch ist. (Seite 101, Zeile 26) “Mich wundert nur, dass er nicht mal Urlaub
gemacht hat und rüber geflitzt ist. Wenn man so eine junge Frau hat.“ …. „Innstetten ist so
gewissenhaft und will, glaub ich, gut angeschrieben sein, und hat so seine Pläne für die Zukunft .“
…“Wenn man so zärtlich ist… und dazu der Unterschied der Jahre…da lächeln die Leute bloß.“
„Ja, dass tun sie, Effi, aber darauf muss man´s ankommen lassen.“ In seinem Beruf ist er sehr
verantwortungsvoll, seine Karriere hat Vorrang gegenüber der Familie. Innstetten gibt sich in
Gegenwart von Effi sehr dominant. Er steht ihr nur wenig zur Seite und zeigt kaum Verständ nis für
ihre Belange. Er ist Effi gegenüber zwar immer korrekt und höflich, schenkt ihr aber weder Liebe
noch Zärtlichkeit. Auch Effi kann ihren Mann nur achten und schätzen, nicht aber lieben. Effi
bemüht sich dennoch, ihre Rolle als liebende, verantwortungsbewusste und demütige Ehefrau zu
erfüllen, ist aber schon bald damit überfordert. „Schnell wird ihr bewusst, was ihr in ihrer Ehe
eigentlich fehlt. „ …Huldigungen, Anregungen, kleine Aufmerksamkeiten, Innstetten war lieb und
gut, aber ein Liebhaber war er nicht.“ (Effi Briest, Seite 86) Das Leben in Kessin langweilt sie, so
wie sie auch ihrer Mutter schon vor der Ehe erzählte, dass sie Langeweile quält. Sie sehnt sich
nach Aufmerksamkeit, Abwechslung, Zuneigung und Bewunderung und findet dies alles in Ma jor
Crampas. Sie ist daher ein leichtes Opfer für den „Damenmann“ und Innstetten öffnet ihm die
Pforten.

4.4 Die Gesellschaft

Durch Innstettens Verhalten, als er von dem Ehebruch erfährt, wird seine Treue zu den
gesellschaftlichen Konventionen deutlich. Letztendlich zerstört er lieber sein und Effis Leben, und
gehorcht den Konventionen aus Sorge um seine berufliche Laufbahn, aus Eitelkeit und Ehrgefühl,
weil dies der Weg des geringsten Widerstandes ist und schließlich auch, weil ihm dies von der
Gesellschaft so anerzogen wurde. Da er sich damit ins Unglück stürzt, ist dies eine deutliche Kritik
am preußischen Adel und seiner Unfähigkeit, sich den wandelnden gesellschaftlichen
Verhältnissen anzupassen. Es macht deutlich, dass die Gesellschaft über dem Interesse des
Individuums steht und dass sich der Einzelne an die Gesellschaft anpassen muss. Eine
Schlüsselszene in diesem Konflikt zwischen Gesellschaft und Individuum zeigen die folgenden
Szenen im Gespräch zwischen Wüllersdorf und Innstetten nach der Entdeckung des Ehebruchs:
„Ich liebe meine Frau, ja, seltsam zu sagen, ich liebe sie noch, und so furchtbar ich alles finde,
was geschehen, ich bin so sehr im Bann ihrer Liebenswürdigkeit, eines ihr eigenen heiteren
Charmes, dass ich mich, mir selbst zum Trotz, in meinen letzten Herzenswinkel zum Verzeihen
geneigt fühle. … Also noch einmal, nichts von Hass oder dergleichen, und um eines Glückes
willen, dass mir genommen wurde, mag ich nicht Blut an den Händen habe; aber jenes, wenn sie
wollen, uns tyrannisierendes Gesellschaftsetwas, das fragt nicht nach Charme und nicht nach
Liebe und nicht nach Verjährung. Ich habe keine Wahl, ich muss…..Ich finde es furchtbar dass sie
recht haben, aber sie haben recht. Ich quäle sie nicht länger mit meinem `muss es sein‘. Die Welt
ist nun einmal wie sie ist und die Dinge verlaufen nicht wie wir wollen, sondern wie die anderen
wollen.“ (Effi Briest, Seite 199 und 200) Beide Herren sind überzeugt davon, nicht die Wahl zu
haben und gemäß den Erwartungen der Gesellschaft handeln zu müssen. Selbst die Eltern Effis
beugen sich fraglos den gesellschaftlichen Konventionen und verstoßen sie nach dem Ehebruch
aus ihrem Elternhaus. Die Gewichtung zwischen der öffentlichen Meinung und dem individuellen
Schicksal wird damit sehr deutlich. Wer nicht funktioniert, wird einfach ausgestoßen. Als Effi krank
ist, kann Effis Vater endlich den Mut dazu aufbringen sich gegen d ie Gesellschaft zu stellen und
nimmt Effi wieder im Elternhaus auf. Die Situation der Eltern, die zwischen der Anerkennung der
Gesellschaft und dem Schicksal ihrer Tochter stehen, wird in folgendem Zitat deutlich: „Mach mir
keine Vorwürfe, Briest, ich liebe sie so wie du, vielleicht noch mehr, jeder hat seine Art. Aber man
lebt doch nicht bloß in der Welt, um schwach und zärtlich zu sein und alles mit Nachsicht zu
behandeln, was gegen Gesetz und Gebot ist und was die Menschen verurteilen und, vorläufig
wenigstens, auch noch- mit Recht verurteilen.“ „Ach was. Eins geht vor.“ „Natürlich, eins geht vor,
aber was ist das eine?“ „Liebe der Eltern zu ihren Kindern. Und wenn man gar bloß eines hat…“
„Dann ist es vorbei mit Katechismus und Moral und mit dem Anspruch der Gesellschaft.“ „Ach,
Luise, komme mir mit Katechismus, so viel du willst, aber komme mir nicht mit, Gesellschaft.“ „Es
ist sehr schwer, sich ohne Gesellschaft zu behelfen.“ „Ohne Kind auch. Und dann glaube mir,
Luise, die Gesellschaft, wenn sie nur will, kann auch ein Auge zudrücken.“ (Effi Briest, Seite
234/235) Im Roman macht Fontane deutlich, dass das Leben einer Frau von vornherein
fremdbestimmt ist. Die Ehe Effis wird von ihren Eltern arrangiert. Dabei spielt die Meinung Effis
und ob sie ihren zukünftigen Mann liebt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass ihr Ehemann eine gute
gesellschaftliche Stellung hat und finanziell abgesichert ist. Die Frau ist immer unmündig, der
Mann domininiert sie. „Effi ist unser Kind, aber seit dem dritten Oktober ist sie B aronin Innstetten.
Und wenn ihr Mann, unser Schwiegersohn, eine Hochzeitsreise machen und bei der Gelegenheit
jede Galerie neu katalogisieren will, so kann ich ihn daran nicht hindern. Das ist eben das, was
man sich verheiraten nennt.“ „Also jetzt gibst du das zu. Mir gegenüber hast du’s immer bestritten,
immer bestritten, dass die Frau in einer Zwangslage sei.“ (Effi Briest, S.35) Die Frau muss ihrem
Ehemann bedingungslos ‚bis ans Ende der Welt’ folgen. Die Ehefrau hat die Funktion als
Hausfrau, Mutter und Repräsentationsfigur ihres Mannes zu erfüllen. Sie lebt nur für den Mann,
darf keine negativen Gefühle zeigen oder äußern und hat mit dem Leben, welches ihr der Mann
bietet, glücklich zu sein Innstetten fühlt sich nach der Entdeckung des Ehebruchs „…unend lich
unglücklich, gekränkt, [und] schändlich hintergangen…“ (Effi Briest, Seite.198) und er war „…ohne
jedes Gefühl von Hass oder gar Durst nach Rache, [liebte seine Frau, war] im Bann ihrer
Liebenswürdigkeit, eines ihr eigenen heiteren Charmes [und] fühl[te sich] zum Verzeihen geneigt.“
(Effi Briest, Seite199) Dennoch setzt er lieber seine Liebe, seine Familie und sein Lebensglück
aufs Spiel und duelliert sich, als sich den gesellschaftlichen Zwängen zu widersetzen. Das zeigt,
dass er kein besonders selbstbewusster Mensch ist, denn seine Prinzipien, die er von der
Gesellschaft übernommen hat, ersetzen ihm eigenes Überlegen und den Mut zu ungewöhnlichen
Schritten. Damit zerstört er sein Leben, wie ihm am Ende auch bewusst wird. Zitate: „Ich hab mich
Freuen verlernt.“, „Ich find das alles so trist und elend, und es wäre zum Totschießen, wenn es
nicht so lächerlich wäre.“ (Effi Briest, S.242), „Nichts gefällt mir mehr, je mehr ich fühle, dass dies
alles nichts ist. Mein Leben ist verpfuscht.“ (Effi Briest, S.243) Er duelliert sich mit Crampas nur,
um der Gesellschaft zu genügen und um seine Ehre zu retten, obwohl er Effi eigentlich liebt und
bereit wäre, ihr zu verzeihen. Verstand und gesellschaftliche Konventionen bestimmen sein
Leben, ein Leben, in dem kein Platz für Gefühle und freie Entscheidungen ist. Letzten Endes
beschließt er, nach Afrika auszuwandern „…weg von hier, weg und hin unter lauter pechschwarze
Kerle, die von Kultur und Ehre nichts wissen.“ (Effi Briest, S.243) und erkennt, dass Kultur und
Ehre Schuld an seinem zerstörten Lebensglück sind. „Denn gerade das, dieser ganze Krimskrams
ist doch an all dem Schuld.“ (Effi Briest, S.243) 4.5 Das Schicksal Auch eine wesentliche Rolle in
diesem Stück spielt das Schicksal, welches früher wie heute in unser aller Leben mitwirkt. Wenn
Innstetten nicht nach Hohen Cremen gekommen wäre und um Effis Hand angehalten hätte, hätte
sie vielleicht noch viele Jahre weiter geschaukelt. Oder hätte sie auf den mehrfachen Ruf Ihrer
Freundinnen gehört: „Effi komm“ (Effi Briest, Seite 10). Was wäre dann aus Effi geworden? Dieser
Warn- bzw. Lockruf hätte Effi von ihrem Schicksal mit Innstetten wegführen können, doch sie hat
nicht darauf gehört und ihr weiteres Schicksal ist damit besiegelt. Zusätzlich zu den genannten
Umständen gibt das Schicksal mit ihren unglücklichen Zufällen, wie der Fund der Briefe durch
Innstetten, den Rest zur vollkommenden Tragödie mit ihrem dramatischen Ende. Bis heute ist das
Schicksal als solches nicht zu unterschätzen.

5. Das Urteil

Trägt Effi selbst die Schuld an der Tragödie? Ist Ihr Gatte zu wenig auf die Bedürfnisse seiner
Frau eingegangen oder muss man Herrn und Frau Briest die Schuld an dem Geschehenen geben,
weil Sie Ihre einzige Tochter aus reinem Ehrgeiz viel zu früh „unter die Haube“ geb racht haben.
Vielleicht passen aber auch einfach die Rahmenbedingungen der Gesellschaft des 19.
Jahrhundert nicht zu Effis Temperament und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Effis Schicksal
wird also als unvermeidliche Konsequenz herrschender gesellschaftlicher Rahmenbedingungen
geschildert: In der Gesellschaft des späten 19. Jahrhundert musste Effis Ehe mit Innstetten ins
Unglück führen. Das heißt jedoch nicht, dass allein die gesellschaftlichen Normen und Werte
daran Schuld haben. Vielmehr ist das komplexe Zusammenspiel aller Faktoren (Eheleute Briest,
Effi, Innstetten, Gesellschaft, Schicksal) die Ursache für diese Tragödie. Effi kann nicht gegen ihre
Natur, Innstetten kann und will nicht gegen seinen Charakter handeln und die gesellschaftlichen
Konventionen werden zu langsam aufgebrochen. Alle Verdächtige werden also zu Schuldigen und
es kann auf keinen Faktor verzichtet werden.

6. Nachwort

Die Frauen waren damals die Opfer der gesellschaftlichen Umstände. Sie waren prinzipiell
diejenigen, die sich den Verhältnissen anpassen mussten und übernahmen, wenn die Ehe
scheiterte, stets die Schuld. Auch Effi nimmt die Schuld des Ehebruchs auf sich, obwohl sie Major
Crampas beschuldigen könnte. Zitat: „Ihr Tun mag entschuldbar sein, nicht das meine. Meine
Schuld ist sehr schwer.“ (Effi Briest,S.160) Schon zu Beginn des Romans wird deutlich, dass die
Ehe der beiden scheitern würde. Sie haben unterschiedliche Vorstellungen von der Ehe und völlig
gegensätzliche Charaktereigenschaften. Das der Roman dann schließlich mi t dem Tod Effis und
einem unglücklichen Geert von Innstetten endet, musste so kommen, da ein anders vielleicht
glücklicheres Ende für beide Charaktere zu dieser Zeit in Preußen unrealistisch gewesen wäre.
Außerdem macht Fontane damit die Ausweglosigkeit de r Frau im 19. Jahrhundert sehr gut
deutlich. Diese Vorstellungen von einer Ehe haben sich bis in die heutige Zeit glücklicherweise
weitgehend gewandelt. Dennoch muss die Frau in manchen Bereichen des Lebens auch heute
noch um die Gleichberechtigung gegenüber dem Mann kämpfen. Aber solange es solche
Schriftsteller gibt, wie Fontane einer war, die die Gesellschaft darauf aufmerksam machen und
zum nachdenken und zu Veränderungen anregen, wird sich die Gesellschaft auch
weiterentwickeln. Literaturverzeichnis Primärtext: Theodor Fontane: Effi Briest, 171. Hamburger
Leseheft, Printed in Germany 2009 Sekundärtexte: Sapan, Andi: Effi Briest –Theodor Fontane
Verfügbar: http://referateguru.heim.at/Effi.htm Wikipedia: Effi Briest Verfügbar:
http://de.wikipedia.org/wiki/Effi_Briest