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Karrierecoach

München – Heike
Dietzel

Karriereplanung
Wie Sie Ihren beruflichen
Weg erfolgreich gestalten


KARRIERECOACH MÜNCHEN –
HEIKE DIETZEL

KARRIEREPLANUNG
WIE SIE IHREN BERUFLICHEN
WEG ERFOLGREICH GESTALTEN
TEIL I

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Karriereplanung: Wie Sie Ihren beruflichen Weg erfolgreich gestalten
TEIL I
1. Auflage
© 2016 Karrierecoach München – Heike Dietzel & bookboon.com
ISBN 978-87-403-1374-1

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KARRIEREPLANUNG Inhaltsverzeichnis

INHALTSVERZEICHNIS
Die Autorin 6

Karrierecoach München – Das Unternehmen 7

Vorwort 9

Karriereplanung in 3 Schritten 10

1 Schritt 1 – Analyse 12
1.1 Selbst- vs. Fremdbild 13
1.2 Persönlichkeitstests 15
1.3 Ihre Werte 16
1.4 Ihre Motivatoren 20
1.5 Ihre Interessen 21
1.6 Ihre Lebenssituation 22
1.7 Ihre Vision und Ihre beruflichen Ziele 24
1.8 Ihre Träume 28

4
KARRIEREPLANUNG Inhaltsverzeichnis

2 Schritt 2 – Berufliche Alternativen und eine


stimmige Karrierestrategie 29
2.1 Sammeln von ersten Ideen zu beruflichen Möglichkeiten und
Alternativen bzw. neuen Herausforderungen 30
2.2 Ihre Erfolgsgeschichten 32
2.3 Realistische Wahl und Priorisierung der Alternativen 35
2.4 Insiderwissen 40
2.5 Netzwerkanalyse 41
2.6 GAP-Analyse: Ihr (möglicher) Bedarf an Weiter- oder Fortbildung 41
2.7 Aufwands- und Ressourcenplanung 45

3 Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie 47


3.1 To-Do-Liste für Ihre Effektivität 47
3.2 Taten statt Worte 61
3.3 Alles ist möglich 62
3.4 Der „Nasenfaktor“ 63
3.5 Erfolgskontrolle 66

Schlusswort: Fortsetzung folgt 69

Bibliografie 70

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KARRIEREPLANUNG Die Autorin

DIE AUTORIN

Heike Dietzel ist selbstständige Karriereberaterin, Coach und Trainerin. Seit über drei Jahren
ist sie für Karrierecoach München tätig und hat seitdem mehr als 200 Klienten bei der
beruflichen Neu- oder Umorientierung erfolgreich beraten und begleitet. Als Coach und
Trainerin hat sie sich auf die Themen Selbst- und Stressmanagement, Life Styling und die
erfolgreiche Umsetzung von Veränderung spezialisiert. In ihren Beratungen und Trainings
lädt sie ihre Klienten und Workshop Teilnehmer dazu ein, die eigene Person, Stärken
und Schwächen, Werte und Lebenssituation offen und ehrlich zu reflektieren, um neue
Perspektiven zu finden und das eigene Potenzial ausschöpfen zu können.

Für Unternehmen ist sie insbesondere als Trainerin für Change-Management tätig. Als
Gastdozentin leitet sie an zahlreichen Universitäten Workshops und Seminare rund um die
Themen Karriere, Persönlichkeitsentwicklung und Soft Skills. Ihre Coachings, Workshops
und Trainings hält sie auf Deutsch, Englisch und Italienisch.

Grundlage ihrer Beratungs- und Coaching Tätigkeit ist eine zweijährige Trainer- und Coach-
Ausbildung auf Basis der Humanistischen Psychologie und eine einjährige Weiterbildung
in achtsamkeitsbasierter Stressbewältigung (MBSR). Die Diplom-Kulturwirtin war vor
ihrer Tätigkeit als Karriereberaterin, Coach und Trainerin viele Jahre bei internationalen
Unternehmen in leitenden Funktionen in Deutschland und Italien tätig.

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KARRIEREPLANUNG Karrierecoach München – Das Unternehmen

KARRIERECOACH MÜNCHEN –
DAS UNTERNEHMEN

Karrierecoach München (www.karrierecoach-muenchen.de) ist Ihr kompetenter Partner


bei allen Themen rund um Ihre Karriere, berufliche Neuorientierung oder berufliche und
persönliche Weiterentwicklung. Unser Team besteht aus neun erfahrenen Karriereberatern und
Coaches. Gerne helfen wir Ihnen dabei, sich selbst noch besser kennenzulernen, Ihre Talente
im Bewerbungsprozess oder im Job erfolgreich einzusetzen und diese weiterzuentwickeln. Im
Rahmen eines Coaching-Termins arbeiten wir zusammen an Ihren Zielen. Das Coaching
kann bei uns vor Ort in München stattfinden. Gerne können wir Ihnen auch ein Telefon-
Coaching oder Skype-Coaching anbieten.

In den letzten Jahren haben wir weit über 1.000 Personen im Rahmen ihrer Bewerbungs-
oder Veränderungsprozesse bzw. beruflichen Anliegen erfolgreich unterstützt.

Mit Karrierecoach München finden Sie Ihren beruflichen und/oder privaten Weg passgenau, weil…

• wir mit Ihnen Ihre ganz persönlichen/beruflichen Möglichkeiten ausloten.


• wir mit Ihnen Ihre Ziele neu und maßgeschneidert definieren.
• wir konkret auf Ihre individuellen Bedürfnisse eingehen.
• wir Ihre Stärken, Schwächen und Potenziale im Detail analysieren.
• wir Ihnen erfolgreiche Selbstmarketing-Strategien an die Hand geben und mit Ihnen
Ihre Selbstpräsentation gezielt trainieren.

Unser Angebot im individuellen Einzel-Coaching:

• Ausführliche Analyse der Ist-Situation


• Reflexion Ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn, notwendige oder sinnvolle Schritte
• Zielbestimmung: weitere Karriere- bzw. Berufsplanung
• Erstellung eines Kompetenzprofils (Fähigkeiten, Stärken, Schwächen, Werte u. ä.)
• das Erkennen und die zielorientierte Weiterentwicklung Ihrer Schlüsselqualifikationen

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KARRIEREPLANUNG Karrierecoach München – Das Unternehmen

• eine optimierte strategische Gestaltung des Bewerbungsprozesses


• individuelle Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche
• gezieltes Assessment-Center-Training im Vorfeld des Einstiegs in den neuen Job
• bei Bedarf: professioneller Check bzw. Optimierung oder vollständige Neuerstellung
Ihrer Bewerbungsunterlagen
• Optimierung und Neuerstellung von Zwischen- und Arbeitszeugnissen

Zudem führen wir jedes Jahr ca. 100 Trainings und Workshops für Unternehmen,
Hochschulen und Schulen durch. Wir sind Experten bei allen Themen rund um Beruf,
Karriere, Persönlichkeits- und Führungskräfteentwicklung und schneiden unsere Trainings
exakt auf den Bedarf der Kunden zu.

Wir unterstützen viele Unternehmen bei der Personalsuche bzw. im Recruiting-Prozess. Bei
Personalauswahlverfahren (Assessment und Development Center) stehen wir mit unserem
Know-how und unserer langjährigen Erfahrung den Unternehmen als kompetenter Partner
ebenso zur Seite wie bei Outplacement-Projekten.

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KARRIEREPLANUNG Vorwort

VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser,

der Beruf spielt in jedem Leben eine wichtige Rolle. Bestimmt auch in Ihrem, denn sonst
hätte Sie das Thema „Karriereplanung“ nicht sofort angesprochen und zum Download dieses
eBooks motiviert. Wenn Sie auf der Suche nach konkreten Hinweisen und Ratschlägen sind,
wie Sie sich beruflich weiterentwickeln und damit erfolgreich sein können, dann haben Sie
mit diesem eBook einen großen Treffer gelandet: Auf Sie wartet eine sehr praxisbezogene
Anleitung, die Sie Schritt für Schritt zu neuen beruflichen Perspektiven führen wird.

In diesem eBook plaudere ich für Sie aus dem „Nähkästchen“: Ich habe für Sie den
Beratungsprozess nachgebildet, den ich als Karriereberaterin mit meinen Klienten normalerweise
durchlaufe. Von diesem weiß ich durch viele Erfolgsgeschichten, dass er sehr zielführend
ist. Ich lade Sie hiermit ein, sich auf diese „Reise“ zu einem neuen beruflichen Horizont
mit mir einzulassen. Wir werden gemeinsam, wie in einer individuellen Karriereberatung,
Schritt für Schritt Ihre Karriere planen und wenn Sie wollen, auch umsetzen.

Karriere betrachte ich grundsätzlich nicht im klassischen Sinn als eine stetige berufliche
Weiterentwicklung von einer Hierarchieebene zur nächsten. Mein Verständnis von Karriere
ist, den ganz eigenen, individuellen Weg im Job zu finden und erfolgreich umzusetzen. Sie
werden in diesem eBook also Übungen machen, in denen Sie mehr Klarheit gewinnen, welcher
berufliche Weg oder welche Entscheidung für Ihre Karriere stimmig und erfolgsführend
sein können.

In meinen Augen gibt es in der Karriereplanung keine vorgefertigten Konzepte oder Lösungen.
Denn wir von Karrierecoach München sind davon überzeugt, dass eine Karrierelösung nur
dann nutzenstiftend ist, wenn sie auf die Persönlichkeit, die Werte und natürlich auch
Lebenssituation desjenigen abgestimmt ist, der im Fokus der Beratung oder des Coachings steht.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre und viel Erfolg bei Ihrer ganz eigenen,
erfolgsführenden Karriereplanung!

Herzlichst

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KARRIEREPLANUNG Karriereplanung in 3 Schritten

KARRIEREPLANUNG IN 3 SCHRITTEN
Sie stehen am Anfang Ihres Berufslebens oder sind schon mittendrin und wollen sich
beruflich weiterentwickeln. Ihre nächsten beruflichen Schritte zu planen ist der erste Schritt
in die richtige Richtung, um mit diesem Unterfangen erfolgreich zu sein.

Warum sollen Sie planen? Können Sie Karriere oder berufliche Weiterentwicklung nicht
auch intuitiv oder spontan erreichen? Als Projektmanagerin habe ich die Erfahrung
gemacht, dass Projektpläne sehr wichtig sind. Die vielen Fälle spontanen Vorgehens nach
dem Gießkannenprinzip, die ich seit mehreren Jahren als Karriereberaterin gesehen habe,
bestätigen mir ebenfalls, dass eine strategische, planvolle Vorgehensweise eine der wichtigsten
Grundlagen für den Erfolg im Bewerbungsprozess ist.

Wenn Sie spontan und impulsiv, d. h. ohne Plan, Struktur oder Strategie vorgehen, machen
Sie sich von Glück und Zufall abhängig. Glück brauchen Sie grundsätzlich im Leben und
auch im Berufsleben ist Glück ein nicht zu unterschätzender Faktor. Jedoch würde ich mich
an Ihrer Stelle nicht zu 100% darauf verlassen, dass Ihnen das Glück reicht, um zum Ziel
zu gelangen. Bei jedem Projekt oder Vorhaben ist die Frage wichtig, was man tun kann,
um das eigene Projekt oder Vorhaben zum Erfolg zu führen.

Bitte betrachten Sie Ihre Karriere bzw. Ihr Berufsleben als ein äußerst wichtiges Projekt
und Vorhaben, für das Sie gewisse Dinge tun sollten, um es zum Erfolg zu führen. Viele
Dinge liegen in Ihrer Hand und diese sollten Sie mit dem nötigen Ernst und mit möglichst
großer Einsatzbereitschaft angehen.

Wenn Ihnen Ihre berufliche Weiterentwicklung wichtig ist, sollten Sie diese mit dem größt-
möglichen Einsatz betreiben, sodass Sie am Ende des Tages mit gutem Gewissen sagen
können, dass Sie alles, was Ihnen möglich war, getan haben, um Ihre Karriere in die ge-
wünschte Richtung zu entwickeln.

Ein geplantes Vorgehen sollte wichtiger Teil Ihres Karriereprojekts und Ihrer Karrierestrategie
sein, um ans Ziel Ihrer beruflichen Wünsche zu gelangen. Bevor ich mit einem Kunden
über Bewerbungsunterlagen, Stellenrecherche oder Vorstellungsgespräche spreche, frage ich
ihn immer, welche Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie er hat und wo er in fünf Jahren
sein möchte. Wissen Sie dies auch? Die Antworten auf diese beiden Fragen sind zentraler
Bestandteil jeder Karriereplanung, die Ihnen die Erfüllung Ihrer beruflichen Ziele bringen soll.

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KARRIEREPLANUNG Karriereplanung in 3 Schritten

Karriereplanung, wie ich sie Ihnen ans Herz legen will, führt immer zu einer individuellen
Lösung. Vorgefertigte Karrierekonzepte machen in meinen Augen wenig Sinn. Wir alle
sind Individuen mit einer einzigartigen Persönlichkeit, mit Charakter und eigenen Werten.
Jeder von uns besitzt eine einmalige Mischung aus Stärken und Schwächen, Interessen
und Glaubenssätzen. Glücklicherweise sind wir alle (noch) nicht reproduzierbar, was uns
im Berufsleben einen großen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann – wenn wir unsere
Einmaligkeit erkennen und es verstehen, sie zur Differenzierung einzusetzen. Gleichzeitig
befindet sich jeder von uns in einer ganz bestimmten Lebenssituation, die die Bandbreite
der eigenen beruflichen Weiterentwicklung definiert und maßgeblich bestimmt.

Diese Faktoren – Persönlichkeit, Werte, Interessen, Motivationen, Lebenssituation – müssen


wir in die Karriereplanung einbeziehen, um zu einer stimmigen und passenden Lösung
zu kommen.

Schauen wir uns nun gemeinsam Schritt für Schritt an, wie Sie in einem strukturierten
Prozess Ihre berufliche Karriere planen können.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

1 SCHRITT 1 – ANALYSE
Viele Menschen sind überfordert, wenn ich sie im ersten Beratungsgespräch nach ihren
wichtigsten Stärken und Schwächen befrage. Sich selbst zu kennen und sich seiner eigenen
Persönlichkeit bewusst zu sein ist jedoch die Basis – wie bereits vorher ausgeführt – für eine
erfolgsführende, stimmige Lösung für die eigene Karriereentwicklung. Fragen Sie sich daher
an dieser Stelle: Wie gut kenne ich mich? Können Sie mir spontan Ihre drei wichtigsten
Stärken und Schwächen nennen?

Es gibt verschiedene Wege, sich und die eigene Persönlichkeit zu reflektieren. Machen Sie
sich Gedanken über sich selbst, führt Sie dies zu Ihrem Selbstbild, welches natürlich sehr
subjektiv gefärbt ist. Dafür können Sie nicht viel, es liegt in der Sache an sich begründet.
Wir alle haben blinde Flecken, die wir nicht erkennen und ausblenden. Wir haben fast alle
die Tendenz, uns selbst in einem besseren Licht zu sehen, als es den Tatsachen entspricht.
Es gibt meiner Erfahrung nach nur wenige Menschen, die ein sehr realistisches Selbstbild
von sich haben, und diese wenigen sind wahrscheinlich die (fast) „Erleuchteten“.

Die Problematik des Selbstbildes gibt das sog. Johari-Fenster sehr gut wieder:

Abbildung 1: Johari-Fenster

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

1.1 SELBST- VS. FREMDBILD


Da unser Selbstbild immer auch getrübt ist, sollten Sie Ihrem Selbstbild eine möglichst
objektive Einschätzung Ihrer Persönlichkeit gegenüberstellen. Dies können Sie tun, indem
Sie sich von möglichst objektiven Dritten Feedback einholen. Fragen Sie Kollegen und
Freunde – aus der Personalentwicklung weiß man, dass das Feedback von sog. Peers das
treffendste ist. Die Menschen, die im Berufsumfeld viel Zeit mit Ihnen verbringen und Sie
daher gut kennen, geben oft das beste Feedback.

Fragen Sie mehrere Kollegen oder Freunde. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass Sie
sich, wenn auch nicht repräsentativ, verschiedene Meinungen einholen. Fragen Sie Menschen,
von denen Sie wissen, dass sie Ihnen ehrliches, vielleicht sogar kritisches Feedback geben
werden. Dieses hilft ihnen weit mehr als das extrem positive Feedback, das Sie bestätigt
und Ihnen schmeichelt, aber in Ihrer Entwicklung nicht wirklich weiterhilft. Im Folgenden
haben wir von Karrierecoach München einen kurzen Fragebogen entwickelt, mit dem Sie
sehr einfach einen Selbst-Fremdbild-Abgleich Ihrer Persönlichkeit machen können.

Selbstbild >< Fremdbild

PERSÖNLICHKEITS- PERSÖNLICHKEITS-
0 1 2 3 4   0 1 2 3 4
MERKMALE  MERKMALE
sachlich-neutral                       sachlich-neutral
selbstbewusst                       selbstbewusst
tatkräftig, aktiv                       tatkräftig, aktiv
entschlossen                       entschlossen
anpassungsfähig                       anpassungsfähig
selbstbeherrscht                       selbstbeherrscht
zuverlässig, loyal                       zuverlässig, loyal
aufgeschlossen, offen                       aufgeschlossen, offen
schlagfertig, spontan                       schlagfertig, spontan
kreativ, innovativ                       kreativ, innovativ
begeisterungsfähig                       begeisterungsfähig
vielseitig begabt                       vielseitig begabt
ehrgeizig                       ehrgeizig
geltungsbedürftig                       geltungsbedürftig
impulsiv                       impulsiv
kontaktfreudig                       kontaktfreudig
tolerant                       tolerant
einfühlend                       einfühlend

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

ausgeglichen                       ausgeglichen
kompromissbereit                       kompromissbereit
optimistisch                       optimistisch
freundlich                       freundlich
ungeduldig                       ungeduldig
hilfsbereit                       hilfsbereit
kann überzeugen                       kann überzeugen
autoritär                       autoritär
warmherzig                       warmherzig
unsicher                       unsicher
aggressiv                       aggressiv
humorvoll                       humorvoll
introvertiert                       introvertiert
kritikfähig                       kritikfähig
risikobereit                       risikobereit
kann gut verhandeln kann gut verhandeln

Abbildung 2: Selbst- vs. Fremdbild

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Nachdem Sie mit Ihrem Partner Ihre Einordnung gemacht haben, können Sie herausfinden,
bei welchen Merkmalen Sie in Ihrer Einschätzung weit auseinanderliegen. Interessant wird
es also bei den Persönlichkeitsmerkmalen, bei denen Sie beide mindestens zwei Punkte oder
Kästchen differieren. Fragen Sie Ihr Gegenüber, warum und auf Basis welcher Erfahrung es
zu dieser Einschätzung gekommen ist. Ihre Kollegen oder Freunde sind zu ihrer Meinung
über Sie insbesondere durch konkrete Erfahrungen gelangt. Deswegen ist es wichtig, deren
Einordnung genau zu verstehen. So können Sie erkennen, welches konkrete Verhalten dazu
geführt hat, dass man Ihnen bestimmte Eigenschaften stärker zuschreibt als andere. Durch
diese Reflexion und Erkenntnis haben Sie die Möglichkeit, Ihr Verhalten zu ändern, um
damit eine andere Wirkung auf Ihre Mitmenschen zu erzielen und Ihre Beziehung zueinander
anders zu gestalten – je nachdem, was Ihnen wichtig ist.

1.2 PERSÖNLICHKEITSTESTS
Sie haben wahrscheinlich schon selbst erkannt, dass das Selbst- wie auch das Fremdbild
gute Möglichkeiten sind, über sich zu lernen und sich zu erkennen, die beide jedoch in
der Aussagekraft begrenzt bleiben, da sie sehr subjektiv sind. Sie können sich jedoch über
einen Persönlichkeitstest eine dritte, weit objektivere Meinung über Ihre Person einholen.
Es gibt heute eine fast unbegrenzte Anzahl von Persönlichkeitstests, sodass Sie bei Ihrer
Wahl ebenfalls gezielt und überlegt vorgehen sollten.

Ein validierter Persönlichkeitstest, das heißt, ein Persönlichkeitstest, der sich durch die
Praxis und viele hunderte, wenn nicht tausende Nutzer bewiesen hat und immer wieder
überarbeitet und weiter verbessert wurde, ist genau das, was Sie suchen sollten.

Jeder Persönlichkeitstest, dem ein fundiertes, psychometrisches Verfahren zugrunde liegt, das
in der Entwicklung dementsprechend komplex ist, wird häufig kostspielig sein. Sie können
hier viel Geld investieren. Nehmen Sie sich somit die Zeit, um sich gut zu informieren.
Viele Karriereberater und Coaches arbeiten mit validierten Testverfahren und können Ihnen
hierzu fundiert Auskunft geben. Lassen Sie sich nichts „aufschwatzen“ – vergleichen Sie
immer mindestens zwei Angebote, das ist eine alte Regel im Einkauf. Das Geld, das Sie
investieren, sollte sich auf alle Fälle durch fundierte, aussagekräftige Testergebnisse lohnen.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Nun haben Sie drei konkrete Vorgehensweisen, um sich zu reflektieren und klarer und
bewusster werden zu können. Welches ist die zielführendste Herangehensweise? Am besten,
Sie kombinieren alle drei „Tests“. Jeder der drei dargestellten Wege, ob über das Selbstbild,
das Feedback durch Dritte oder einen Persönlichkeitstest, birgt eine neue Erkenntnis, die
wertvoll sein wird. Überbewerten Sie die Ergebnisse jedoch nicht. Fremdbilder sind immer
auch subjektiv. Persönlichkeitstests haben ihre Grenzen. Wie im Marketing auch, macht es
der (Methoden-) Mix. Und die grundsätzlich offenen Augen und Ohren, mit denen Sie sich
selbst immer wieder reflektieren. So kommen Sie langsam über die Zeit zu einem immer
kompletteren, realistischeren Bild über sich. Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie sich von
einem Test oder Feedback nicht exakt getroffen fühlen. Tests abstrahieren und kategorisieren.
Wir sollten sogar glücklich sein, dass wir so individuell sind, dass sich unsere Persönlichkeit
durch einen Test nie zu 100% erfassen lassen wird.

1.3 IHRE WERTE


Eine weitere Übung, die Ihnen hilft, eine passende, stimmige Lösung für Ihre Karriere zu
finden, ist die Auseinandersetzung mit Ihren Werten. Jede Persönlichkeit, also jeder von
uns, ist maßgeblich von ihren Werten beeinflusst. Unsere Werte beeinflussen jede unserer
Entscheidungen. Bevor Sie sich konkrete Gedanken machen, wie Sie sich beruflich (weiter-)
entwickeln möchten, sollten Sie sich Klarheit darüber verschaffen, was Sie aktuell in Ihren
Entscheidungen maßgeblich beeinflusst.

Um Ihre Wertebasis zu erkennen, können Sie wie folgt vorgehen:

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Abenteuer
Anpassungsbereitschaft
Anständigkeit
Arbeit
Bildung
Bescheidenheit 3
Disziplin
Durchsetzungsvermögen
Ehrlichkeit
Erfolgsorientierung
Fleiß
Fortschritt
Freiheit
Freundschaft
Frieden
Freundlichkeit
Glaube
Gleichheit
2  
Gehorsam
Gerechtigkeit
Gesundheit
Humor
Konsum
Kritikfähigkeit
Leistungsfähigkeit
Lebensgenuss
Liebe
Menschlichkeit
Mitbestimmung
Mitleid
Mut 1  
Nächstenliebe
Natur bewahren
Ordnung
Pflichtbewusstsein
Pünktlichkeit
Ruhe
Sauberkeit
Schönheit
Selbstständigkeit
Selbstvertrauen
Soziales Verhalten
Toleranz  

Treue Gestalten Sie Ihre eigene Wertpyramide


Verantwortung
Vorsicht 1. Die Basis, auf der alles ruht
Wahrheit
2. Das Mittelfeld, ohne das es nicht geht
Wohlstand
Zuverlässigkeit 3.  Die  Spitze,  die  alles  abrundet  
Zivilcourage
 
Abbildung 3: Meine Wertepyramide
Abbildung 3: Meine Wertepyramide

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Betrachten Sie das Ergebnis immer auch unter dem Gesichtspunkt, dass es eine Momentaufnahme
des Spiegelbilds Ihrer Werte ist. Unsere Werte ändern sich permanent. Denken Sie kurz
zurück an Ihre Jugend. Bestimmt hatten Sie als 15-Jähriger ein anderes Wertesystem als
heute. Mir war z. B. in meiner Jugend die Nachhaltigkeit meines Lebensstils nicht besonders
wichtig. Heute ist mein Umweltbewusstsein viel stärker ausgeprägt und der Wert „Natur“
und deren Schutz bzw. Erhaltung ist für mich heute sehr zentral.

Gehen Sie davon aus, dass sich Ihr Wertesystem weiter verändern wird. Es hängt von unserer
Lebenssituation, natürlich auch vom Alter ab und welche Erfahrungen wir in unserem Leben
machen. Sicherlich hat die aktuelle politische Lage und Situation rund um die Flüchtlinge
aus Syrien und Afrika ebenfalls Auswirkungen auf unser Wertesystem. Der Friede auf der
Welt hat mit Sicherheit in vielen unserer Wertesysteme durch die aktuellen Ereignisse einen
höheren Stellenwert eingenommen.

Sie mögen sich jetzt vielleicht fragen, ob es Werte gibt, die typisch für Menschen sind,
die gerne „Karriere machen“? Oder gibt es Werte, die typischerweise die Menschen in sich
haben, die weniger karriereaffin sind? Und hier meine ich jetzt die Karriere im traditionellen
Sinn, also schnell in der Hierarchie nach oben steigen zu wollen. Es fallen mir spontan
vier Werte ein, die Karriereentscheidungen maßgeblich beeinflussen. Diese sind: Familie,
materieller Wohlstand, Sicherheit und Selbstverwirklichung. Diese Werte nenne ich, da ich
an Kunden denken muss, die durch diese Werte maßgeblich in ihren Karriereentscheidungen
beeinflusst wurden. Die Aufzählung ist also ein reiner Erfahrungswert und basiert nicht auf
einer repräsentativen Befragung.

Es gibt viele Menschen, für die Familie einen sehr hohen Wert darstellt. Gehören Sie auch
dazu? Dann ist es wichtig, dass Sie eine Ordnung in Ihr Wertesystem bekommen – so wie
es die Übung vorsieht. Das bereitet Sie auf mögliche Entscheidungen vor, die Sie in Ihrem
Berufsleben treffen müssen. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass Sie Ihre Werte und
deren Rangfolge für sich klar definiert haben. Dies kann Ihnen die Entscheidung sehr viel
leichter machen. Beruf und Familie, gerade für Frauen, sind oft schwierig unter einen Hut
zu bringen.

Machen Sie sich deshalb immer wieder klar, was im Zweifelsfall für Sie mehr Wert hat:
Zeit mit Ihrer Familie zu verbringen und z. B. Ihre Kinder aufwachsen zu sehen oder den
Hauptteil Ihrer Zeit im Büro zu verbringen, um Ihren Job bestmöglich zu erledigen und viel
Geld zu verdienen.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

In individuellen Coachings ist mir bei Kunden auch der Wert „materieller Wohlstand“
aufgefallen. Vor allem Männer gehen mit dem materiellen bzw. finanziellen Aspekt in ihren
Jobs sehr klar und offensiv um. Vor kurzem hatte ich einen Kunden, der in einer sehr guten
Position eines Direktors in einem angesehenen deutschen Unternehmen arbeitet. Er meinte,
dass er den Job nur wechseln wolle, wenn er im neuen Job und Unternehmen deutlich
mehr Geld verdienen würde. Seine aktuelle Position sei toll, er habe vieles, wovon andere
nur träumen. Seine Karriereentscheidung ist klar von dem „noch mehr Geld“ und damit
von materiellem Wohlstand getrieben. Oft habe ich auch von Frauen wie Männern gehört,
dass sie sich motiviert fühlten, viel im Beruf zu erreichen, weil sie ihren Kindern und auch
ihren Partnern ein „gutes Leben“ bieten möchten – ein Leben in Wohlstand, in dem man
sich Urlaube, ein Eigenheim, eine gute Ausbildung und ein großes Auto leisten kann.

In der aktuellen „Generation Y“ hat aber auch ein weiterer Wert große Bedeutung
gewonnen. Viele Studien haben gezeigt, dass diese Generation maßgeblich von den Werten
„Selbstbestimmung“ oder „Selbstverwirklichung“ geprägt ist. Für die jungen 20- bis 35-Jährigen
ist es sehr wichtig, sich beruflich zu verwirklichen. Ihre prioritären Bedürfnisse sind weit von
der Existenzsicherung entfernt. Es geht um die Umsetzung der eigenen Ideen, darum, den
ganz eigenen beruflichen Weg zu gehen und sich dabei von niemandem abhängig zu machen.

Interessanterweise ist diese Generation weniger bereit, Kompromisse einzugehen und sich
in vorgegebene Systeme einzuordnen. Die „Generation Y“ sucht sich ihren ganz eigenen,
individuellen Weg, und der bedeutet eben oft, nicht die klassische Karriereleiter nach oben
zu klettern, sondern die eigenen Vorstellungen, Talente und Ideen umzusetzen. Oft verzichten
diese Menschen auf ein hohes Gehalt, den wichtigen Titel und andere Statussymbole, die
Unternehmen gerne geben und die für meine Generation und die meiner Eltern (ich bin 45
Jahre alt) noch wichtiger waren. So ist diese Generation deutlich flexibler und sogar bereit,
Umwege zu machen oder andere Wege zu gehen, um an das berufliche Ziel zu gelangen.
Kürzlich habe ich in einem höchst interessanten Artikel in der Süddeutschen Zeitung von
einer jungen Unternehmensberatung gelesen, die aus einer Gruppe von 30 gleichgesinnten
Absolventen desselben Studiengangs gegründet wurde. Diese haben sich zusammengefunden
und entschieden, ein Unternehmen ganz nach ihrem Sinn und ihren Werten zu gründen,
nämlich ein basisdemokratisches Unternehmen, in dem alle die gleiche Entscheidungsgewalt
haben und jede Entscheidung durch Konsens getroffen wird. Ein Unternehmen, in dem
jede Person jedes Jahr das Recht hat, sich ein Sabbatical zu nehmen, durch das es im
Unternehmen „deaktiviert“ ist, um nach dem freien Jahr wieder als vollständiger Mitarbeiter
aufgenommen zu werden.

Sie sehen, dass die Generation Y neue Ideen entwickelt und verwirklicht. Häufig werden
diese von ihren wichtigsten Werten getragen, im beschriebenen Fall von Selbstverwirklichung
und Gleichberechtigung.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Machen Sie sich Ihre Werte klar. Es geht nicht darum, dass Sie diese bewerten, sondern nur
darum, dass Sie sie klar vor Augen haben. Sie tun sich keinen Gefallen damit, Ihre eigenen
Werte zu bewerten, ob diese negativ oder positiv sind. Sie sind schlichtweg ein Fakt, ein
wichtiger Bestandteil Ihrer Persönlichkeit, die Sie ernst nehmen sollten und die Ihnen helfen
werden, eine für Sie stimmige Entscheidung in Ihrem weiteren Berufsleben zu treffen.

1.4 IHRE MOTIVATOREN


Möglicherweise haben Sie bereits von intrinsischer und extrinsischer Motivation gehört.
Ich kenne die beiden Begriffe noch aus dem Studium der Betriebswirtschaft und kann mich
gut daran erinnern, wie ich die Bedeutung beider Begriffe für mein Vordiplom gelernt habe.
Warum sollten Sie sich im Rahmen Ihrer Karriereplanung überlegen, was Sie motiviert?

Nun, die Antwort liegt mehr oder weniger auf der Hand:

-- Sind Gehalt, Titel, Gewinnbeteiligungen, ein Dienstwagen für Sie wichtige Faktoren,
um sich im Beruf motiviert zu fühlen, ist dies ein Hinweis darauf, dass Sie eher
der Typ der klassischen Karriere sind. Sie sind eher der, der möglichst schnell
die Karriereleiter hinaufsteigen sollte, um sich ein möglichst hohes Gehalt oder
einen wichtigen Titel zu verdienen, um zufrieden und glücklich zu sein. Sich dies
einzugestehen ist ein wichtiger Schritt, um schneller zu dem zu gelangen, was Sie
zufrieden und glücklich macht und zu mehr Leistung motiviert. Auch hier gilt:
Bewerten Sie nicht. Nehmen Sie an, wer Sie sind und handeln Sie danach. Nichts
Anderes liegt in Ihrer Verantwortung, als das Notwendige zu tun, was zu Ihrem
eigenen Glück beiträgt.
-- Im Bereich der intrinsischen Motivatoren ist die logische Folgerung nicht ganz so
einfach. Machen Sie sich zuerst einmal bewusst, was genau Sie motiviert bzw. was
Sie benötigen, um sich motiviert zu fühlen. Das kann sehr unterschiedlich sein:
Brauchen Sie Wettbewerb, Anerkennung und Wertschätzung, um sich motiviert zu
fühlen? Wertschätzung und Anerkennung brauchen wir bestimmt alle. Interessant
wird es in den Bereichen „Wettbewerb“ und „Konkurrenz“, die für viele von uns,
insbesondere für Männer, sehr wichtige Motivatoren sind. Welche Rückschlüsse
können Sie hieraus ziehen? Suchen Sie sich ein berufliches Umfeld, in dem
Wettbewerb und Konkurrenz eine wichtige Rolle spielen. Das könnte im Vertrieb
oder in einem Unternehmen sein, in dem die Unternehmenskultur stark auf
Wettbewerb und Konkurrenz ausgerichtet ist. Alle Berufe, die nah am Sport oder
sogar Leistungssport gelegen sind, werden Ihnen die Möglichkeit geben, sich mit
Wettbewerb und Konkurrenz auseinanderzusetzen und in Verbindung mit dieser
Haltung zu kommen, die Sie zu mehr Leistung anspornt.

20
KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Sie sehen, worum es mir hier geht:

Reflektieren Sie sich, um einen Beruf, ein Unternehmen, eine Position oder einen Bereich
zu finden, die Ihnen und Ihrer Persönlichkeit entsprechen. Denn erst dann werden Sie
rundherum zufrieden, wenn nicht glücklich sein, und Sie werden Ihren Arbeitgeber mit einer
tollen Leistung ebenfalls zufrieden und glücklich machen.

Falls es Ihnen schwerfällt, die für Sie zutreffenden Motivatoren zu definieren, fangen Sie
morgen damit an, sich im beruflichen Umfeld genauer zu beobachten.

Stellen Sie sich dabei folgende Fragen:

-- In welchen Situationen fühle ich mich stärker motiviert? Wann fühle ich viel
Energie in mir? Wann habe ich das Gefühl, Bäume ausreißen zu können?
-- Wie sehen diese Situationen aus? Welche Bedingungen sind in diesen
Situationen gegeben?

Nehmen Sie sich eine Art Tagebuch mit ins Büro, in das Sie sich Notizen darübermachen
können. Sie werden Ihnen definitiv wichtige Aufschlüsse über Ihre Motivatoren geben.

1.5 IHRE INTERESSEN


Wenige beziehen ihre eigenen Interessen in die Berufsfindung oder später in die berufliche
Weiterentwicklung stark genug mit ein. In meinen Augen sind die eigenen Interessen
jedoch ein maßgeblicher Faktor, um im Beruf motiviert zu sein, Spaß zu haben und
Leistung erbringen zu können. Wählen Sie einen Beruf, der Ihrer Persönlichkeit und Ihren
Interessen entspricht, sind Sie meiner Erfahrung nach auf einem sehr, sehr guten Weg ein
leistungsstarker, motivierter Mitarbeiter oder Unternehmer zu werden und Sie werden Spaß
in der Arbeit haben!

21
KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Mein Vater hat Zeit seines Lebens immer wieder zu mir gesagt, dass ich beruflich etwas
tun solle, was mir Spaß macht. Ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er mir diesen
Leitsatz mitgegeben hat, dem ich bisher konsequent gefolgt und damit sehr glücklich
geworden bin. In meinem Studium und Beruf habe ich mich immer auch mit den Themen
auseinandergesetzt, die mir Spaß und Freude gemacht haben. So haben mich in der Schule
immer viele Fächer interessiert. Der Deutschleistungskurs hat mir sehr viel Spaß gemacht,
da unser Lehrer uns die Gesamtzusammenhänge zwischen Geschichte, Philosophie und
Literatur aufgezeigt hat. Ich erinnere mich heute noch an viele Details. Mein Studium war
interdisziplinär ausgelegt. Es machte mir sehr viel Spaß, in die Perspektiven und Arbeitsweisen
verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen „hineinzuschnuppern“, ohne in die Tiefe gehen
zu müssen. Später hat mir die Arbeit als Auditorin sehr viel Spaß bereitet, da ich in die
Arbeit verschiedenster Bereiche und in die verschiedensten Prozesse Einblick bekam und
ich das unternehmerische Gesamtsystem deutlich besser verstehen konnte, das mich schon
immer interessiert hat. Heute bekomme ich Einblick in viele Leben und die Entwicklung
von Menschen, was meinem Interesse für Psychologie sehr stark entspricht.

Sich die eigenen Interessen vor Augen zu führen, ist eine relativ einfache Übung. Ich hoffe,
dass ich Sie überzeugt habe, dies zu machen:

Nehmen Sie sich ein wenig Zeit. Reflektieren Sie folgende Fragen und notieren Sie möglichst
spontan und ehrlich Ihre Antworten:

-- Welche Zeitschriften und Bücher lesen Sie gerne? Gibt es Themen, die immer
wiederkehren, die Sie besonders beschäftigen / bewegen / interessieren?
-- Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich gerne im Job? Für welche Themen /
Projekte / Initiativen / Aufgaben machen Sie auch mal freiwillig Überstunden?
-- Zu welchen Themen / in welchen Bereichen besuchen Sie gerne Seminare oder
Kongresse und investieren auch privat Geld für Weiterbildungen?
-- Welche Freizeitinteressen/-aktivitäten verfolgen Sie schon seit vielen Jahren?
-- Welches Spezial- bzw. Expertenwissen haben Sie sich im Job oder privat angeeignet?

1.6 IHRE LEBENSSITUATION


Nun wissen Sie schon sehr viel über sich bzw. haben sich einiges auf den letzten Seiten
bewusstmachen können: Ihre Persönlichkeit mit Ihren Stärken und Schwächen, Ihre Werte,
Motivatoren und Ihre Interessen. Dies sind zentrale Punkte in Ihrer Karriereplanung, um
zu einer stimmigen, zu Ihnen passenden Lösung zu gelangen.

22
KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

In einer Karriereberatung frage ich meine Klienten immer nach ihrer aktuellen Familien-
situation. Es macht einen fundamentalen Unterschied, ob ein 35-jähriger junger Mann
ledig oder verheiratet ist und Kinder hat oder nicht. Es macht genauso einen wichtigen
Unterschied, ob eine 35-jährige Frau ledig oder verheiratet ist oder nicht und ob sie bereits
Kinder hat oder haben möchte.

Gerade die letzte Frage ist wichtig, ob Kinder in Planung sind und wann man sich diese
wünscht. Ein 35-jähriger Familienvater mit zwei kleinen Kindern wird sich – diese Fälle
hatte ich bereits mehrfach – karrieretechnisch anders orientieren als ein 35-jähriger Mann
ohne Bindung und Familie. Das sind natürlich zwei Extremfälle, aber sie zeigen Ihnen
die Bedeutung der Frage nach der Lebenssituation und der in Zukunft gewünschten
Lebenssituation auf.

Fragen Sie sich also die Frage aller Fragen: Für wen trage ich Verantwortung? Für mich
allein oder auch für eine Partnerschaft – bitte nicht für den Partner! – und/oder für ein
oder mehrere Kinder?

Wenn Sie bereit sind, die Verantwortung, die Sie für sich, für eine Partnerschaft und/
oder für Ihre Kinder haben, ernst zu nehmen und diese anzunehmen, darf ich Sie jetzt
dazu auffordern, diesen Aspekt in Ihre berufliche Fragen miteinzubeziehen. Wie? Indem
Sie sich bei der Bewertung Ihrer beruflichen Alternativen und dem Weg der beruflichen
Weiterentwicklung, den Sie in Betracht ziehen, folgende Fragen stellen:

-- Was bedeutet mein beruflicher Weg und meine beruflichen Ziele für meine
Partnerschaft? Ist mein Partner bereit, diese Entwicklung mitzutragen? Wenn
Sie es nicht wissen, dann fragen Sie ihn.
-- Was bedeutet die von mir gewünschte berufliche Alternative für meine Kinder?
Sind Sie bereits in einem Alter, wo ich sie um ihre Meinung fragen kann? Wenn
ja, dann fragen Sie sie! Kinder sind sehr ehrlich, sie werden Ihnen ihre Meinung
sagen. Überlegen Sie insbesondere, was es bedeutet, wenn ein beruflicher Wechsel
einen Umzug mit sich zieht. Ein Umzug ist eine große Veränderung für Kinder:
Schulwechsel und Freunde ändern sich. Besprechen Sie sich auf jeden Fall mit
Ihrem Partner.

Eine berufliche Entscheidung, die eine Auswirkung auf Ihr familiäres Umfeld hat, sollten
Sie immer mit den Menschen besprechen und abstimmen, die Ihnen nahe sind und die
Auswirkung zu spüren bekommen. Es gibt Untersuchungen zu dem Thema, die gezeigt haben,
dass die Stabilität und Unterstützung durch das soziale Umfeld kritisch für die Entwicklung
von Karrieren und den Erfolg im Berufsleben sind. Vereinfacht gesagt:

23
KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Je geschlossener Sie mit Ihrer Familie und Ihrem Partner sind und diese Ihnen Rückendeckung
geben, desto einfacher und besser wird es Ihnen gelingen, Ihre beruflichen Ziele umzusetzen.

1.7 IHRE VISION UND IHRE BERUFLICHEN ZIELE


Nun sind wir schon sehr weit gekommen in unserer Analyse. Es fehlen noch zwei Punkte,
die für die Umsetzung Ihrer beruflichen Vorstellungen ebenfalls sehr wichtig sind: die
beruflichen Ziele und eine Vision! Es geht also darum, sich sehr konkrete Vorstellungen
zu machen, wo Sie beruflich in zwei bis drei Jahren sein wollen. Es handelt sich also um
die gerne auch in Vorstellungsgesprächen gestellte Frage, wo Sie sich in ein paar Jahren,
maximal in fünf, sehen.

24
KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Für viele ist diese Frage schwer zu beantworten, obwohl sie eine Standardfrage ist und
man sie gut vorbereiten kann. Ich würde gerne noch einen Schritt weitergehen und wagen
zu behaupten, dass diese Frage überhaupt nicht korrekt beantwortet werden kann. Denn
realistisch betrachtet kann man sein Leben nicht fünf Jahre im Voraus planen. Ein bis
zwei Jahre, sagt man im Allgemeinen, sind vorhersehbar und damit auch planbar. Aber
innerhalb von fünf Jahren kann in einem Menschenleben so viel und so Einschneidendes
passieren, dass man von seinem ursprünglichen Plan deutlich abweichen und evtl. völlig
umdisponieren muss. Insofern gebe ich Ihnen hier und jetzt einen wohlgemeinten Rat: Falls
Sie in Jobinterviews diese Frage gestellt bekommen, stellen Sie diese Tatsache heraus. Ein
bis zwei Jahre sind realistisch planbar, der Rest ist schwer vorhersehbar und obliegt höheren
Gesetzen, die nur wenige Menschen bisher begriffen haben.

Konzentrieren Sie sich also maximal auf die konkrete Planung der nächsten zwei Jahre!

Was Sie definitiv tun sollten, ist, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie Ihre Zukunft
in zentralen Dingen aussehen sollte. Dafür müssen Sie nicht ins Detail gehen oder ganz
konkret werden. Es geht vielmehr darum, dass Sie Ihre Zukunft in vagen, aber erkennbaren
Zügen skizzieren, so dass Sie eine Vorstellung davon bekommen, wie Sie leben möchten
(und wie nicht). Dies sollte den beruflichen Aspekt miteinbeziehen, denn der Beruf spielt
eine zentrale Rolle in (fast) jedem Leben.

Wählen Sie sich für diese Lebens-Skizze das Medium, das Ihnen am meisten zusagt:

-- Malen Sie ein Bild, wenn Sie gerne zeichnen oder malen. Nehmen Sie die Farbe
und die Pinsel, mit denen Sie normalerweise am liebsten zeichnen.
-- Machen Sie eine Collage, wenn Sie gerne basteln. Sammeln Sie Bilder aus Zeitungen,
die Sie gerne lesen. Nehmen Sie die Bilder/Fotos, die Ihnen ins Auge stechen, die
Sie ansprechen. Diese Bilder haben definitiv etwas mit Ihnen zu tun und zeigen
Ihnen, wo es Sie hinzieht. Natürlich können sie auch selbst Fotos machen und
diese für Ihre Fotocollage verwenden.
-- Wenn Sie gerne schreiben, dann schreiben Sie. Worte kommen zwar aus dem
Kopf und Geist, aber definitiv werden Sie das aufschreiben, was Ihnen in diesem
Moment wichtig ist und große Relevanz für Sie hat.

Grundsätzlich würde ich Ihnen für alle Übungen, die ich hier beschreibe und Ihnen ans Herz
lege, empfehlen, dass Sie sich bewusst Zeit für diese nehmen und an einem Ort arbeiten,
an dem Sie ungestört sind. Vielleicht gibt es auch einen Ort in der Natur, an dem Sie sehr
gerne sind und der Ihnen für diese Übungen Kraft und Energie geben kann.

25
KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

Wenn Sie Ihre Vision dokumentiert haben, dann lassen Sie sie ein paar Tage ruhen, d. h.,
legen Sie sie in eine Schublade in Ihrem Schreibtisch und schauen Sie sie nicht an. Denn
mit dem Abstand von ein paar Tagen werden Sie wieder mehr in Ihrem Bild erkennen
können. Sie können das Bild auch einer anderen Person zeigen, die Ihnen eine ehrliche,
konstruktive Meinung gibt. Betrachten Sie gemeinsam das Bild und hören Sie zu, was die
Person zu Ihrem Bild sagt, was ihr auffällt. Wenn Sie diese Übung allein machen wollen,
dann fragen Sie sich das gleiche:

-- Was fällt mir auf? Welche Themen kann ich erkennen, die mir wichtig sind?
-- Welche Farben und Motive spielen eine zentrale Rolle, die mir etwas über mich,
meinen Beruf und meine Wünsche sagen können?

Je nachdem, wie konkret und klar Ihr Zukunftsbild geworden ist, können Sie hieraus Ihre
Ziele ableiten. Wichtig für die Zielumsetzung ist, dass Sie sich nicht zu viel auf einmal
vornehmen, was wiederum bedeutet, dass Sie sich in kleinen Zwischenschritten auf Ihr
Hauptziel zubewegen sollten.

Beachten Sie bei der Formulierung Ihrer Ziele Folgendes:

-- Setzen Sie sich ein Hauptziel, z.  B. die Übernahme einer Führungsposition im
mittleren Management in einem mittelständischen, international ausgerichteten In-
dustrieunternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre. Definieren Sie Zwischenziele
auf dem Weg zur Erreichung dieses Hauptziels. Überlegen Sie, was Sie brauchen,
um das Hauptziel zu erreichen. Es könnte Ihnen nützlich sein: die Erweiterung
Ihrer Führungskompetenz, die Teilnahme an einem speziellen Förderprogramm
für Führungskräfte, das viele Arbeitgeber anbieten, die Verbindung zu guten
Headhuntern und Personalvermittlern, die Ihnen die Stellenrecherche erleichtern.
Ein Zwischenziel, das sich daraus ergeben kann, kann z.  B. die Aufnahme in das
Führungskräfte-Förderprogramm bei Ihrem aktuellen Arbeitgeber sein. Um dies zu
erreichen, brauchen Sie höchstwahrscheinlich eine sehr gute Leistungsbeurteilung
in den nächsten mind. 2 Beurteilungen, das Belegen eines Führungskräfteseminars
innerhalb der nächsten 2 Jahre, der Aufbau von Kontakten zu mind. 4–5 Head-
huntern, mit denen Sie regelmäßig (ca. alle 2–3 Monate) in Kontakt treten. All dies
können wichtige Zwischenziele auf dem Weg zum Erreichen Ihres Hauptziels sein.

26
KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

-- Formulieren Sie Ihre Ziele nach der SMART-Regel: spezifisch, messbar, attraktiv,
realistisch und terminiert. Machen Sie den Realitätscheck besonders gründlich:
Ist es realistisch umsetzbar, was ich mir vornehme? In den meisten Fällen sind
wir sehr optimistisch und überschätzen unsere eigenen Kräfte und Energien. Wir
unterschätzen oft die Zeit, die wir für die Umsetzung unserer Vorhaben benötigen.
In einem guten Zeitmanagement kalkuliert man einen 20%igen Zeitpuffer mit ein,
um Unvorhergesehenem Rechnung zu tragen.
-- Dokumentieren Sie Ihre Ziele, um das, was Sie erreichen wollen, schwarz auf weiß
vor sich zu haben. Damit werden Ihre Ziele klarer und gewinnen an Ernsthaftigkeit.
Sie verankern sie auf diese Weise noch besser in Ihrem Kopf.
-- Es ist wichtig, dass Sie sich für die Umsetzung Ihrer Ziele verpflichten. Schließen
Sie deshalb einen „Vertrag mit sich selbst“. Unterschreiben Sie mit Ort und Datum
das Blatt Papier, auf dem Sie Ihre Ziele festgeschrieben haben. Legen oder hängen
Sie den „Vertrag“ an einen zentralen Ort, sodass Sie diesen immer wieder sehen
und sich so Ihr Gedächtnis auffrischt.
-- Ein weiterer Sicherheitsmechanismus, den Sie sich einrichten können, ist, sich einen
Sparringspartner zu suchen, der Sie in der Umsetzung der Ziele begleitet. Suchen
Sie sich einen Freund oder Kollegen, der ziel- und ergebnisorientiert ist, der für Sie
vielleicht eine Art Vorbild in der Umsetzung seiner persönlichen wie beruflichen Ziele
ist. Er wird Ihnen wichtigen Input aus seiner Erfahrung geben können, von dem Sie
profitieren können. Vereinbaren Sie ein regelmäßiges Treffen, ca. alle 3 Monate (je
nachdem, in welchen Zeiträumen und -abschnitten Ihre Ziele terminiert sind), bei
dem Sie Ihrem Sparringspartner Rede und Antwort stehen.
-- Überlegen Sie sich, wie Sie die Erreichung von Ihren Zielen gewährleisten können:
Wie wollen Sie sich dafür belohnen? Ein schönes Essen in Ihrem Lieblingsrestaurant?
Eine Massage? Ein Ausflug in die Berge mit einer Übernachtung? Ihre Belohnung
sollte in Relation zum Erreichten stehen. Definieren Sie diese gleich zu Beginn, damit
sie auch als Motivation wirken kann.
-- Überlegen und definieren Sie für sich, wie Sie damit umgehen wollen, wenn Sie
Ziele nicht erreichen. Welche Konsequenz wollen Sie daraus ziehen? Wollen Sie sich
„bestrafen“? Seien Sie nicht zu hart mit sich, aber auch nicht zu weich. Wichtig
ist, sich zu fragen, was der mögliche Grund ist, warum Sie nicht motiviert genug
waren. Haben Sie sich vielleicht zu viel vorgenommen? Sollten Sie das Ziel noch
einmal unterteilen und sich Zwischenziele stecken? Erkennen Sie die Ursache für
Ihre Nicht-Motivation oder möglicherweise Ihre Blockade. Arbeiten Sie daran,
Blockaden und Ursachen dieser zu beheben. Wenn Sie erkennen, dass das Ziel
eventuell nicht wichtig genug ist, um Sie zu motivieren, dann haben Sie den Mut,
sich von diesem Ziel zu verabschieden.

27
KARRIEREPLANUNG Schritt 1 – Analyse

-- Im Change-Management will man mit einer Kraftfeldanalyse Transparenz schaffen,


wie man das Veränderungsprojekt durch gezielte Maßnahmen weiter voranbringen
kann, indem man hemmende oder negative Kräfte analysiert und den förderlichen
und positiven Kräften gegenüberstellt. Was Sie in Ihrem Berufsleben vorhaben, ist
ein Veränderungsprozess oder ein Vorhaben, dessen Kräftefeld Sie genauso analysieren
können. Überlegen Sie sich dann, wenn Sie hemmende wie förderliche Kräfte
gegenübergestellt haben, welche Maßnahmen Sie ergreifen können, um hemmende
Kräfte zu neutralisieren und förderliche Kräfte noch stärker zu machen. Diese Übung
wird Ihnen helfen, das Kräftefeld rund um Ihr berufliches Veränderungsprojekt
zu optimieren!

1.8 IHRE TRÄUME


„Gehe vertrauensvoll in die Richtung deiner Träume! Führe das Leben, das du dir vorgestellt
hast. Wenn du dein Leben vereinfachst, werden auch die Gesetze des Lebens einfacher.“

Dieses Zitat von Henry David Thoreau, das mich seit vielen Jahren begleitet, will ich Ihnen
mitgeben und Sie daran erinnern, dass es wichtig ist, an Ihre Träume immer wieder zu
denken und nicht zu vergessen, diese umzusetzen.

Einige der glücklichsten Jahre meines Lebens habe ich verbringen dürfen, weil ich mit ein
wenig Mut und Vertrauen zwei Träume umgesetzt habe. Das war zum einen, in Florenz zu
leben, wo ich fünf wunderschöne Jahre verbracht habe, und zum anderen, eine Weltreise
zu machen, die mich durch Australien, Neuseeland, Afrika und Indien geführt hat. Also:
Vergessen Sie Ihre Träume nicht und gehen Sie vertrauensvoll in ihre Richtung! In ihrer
Erfüllung liegen unvergessliche Momente, die Ihnen niemand mehr nehmen kann.

28
 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

2 SCHRITT 2 – BERUFLICHE
ALTERNATIVEN UND EINE
STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE
Zuerst einmal will ich Ihnen zur Erreichung des ersten Meilensteins in einer erfolgsführenden
Karriereplanung gratulieren! Sie haben sich bis hierher sehr intensiv mit Ihrer Persönlichkeit
auseinandergesetzt. Wenn Sie die Übungen im ersten Kapitel ernst genommen haben, dann
haben Sie einen nicht unerheblichen Teil Ihrer Freizeit darauf verwendet, sich zu reflektieren.
Ich kann Ihnen versichern, dass sich die investierte Zeit auszahlen wird. Und das schon
gleich: Im nächsten Schritt des Karriereplanungsprozesses wissen Sie mit Sicherheit sehr viel
klarer, was Sie bereits heute bewegt, als Persönlichkeit ausmacht und in welche Richtung
Sie beruflich wie privat marschieren möchten.

In der Beratung mit meinen Kunden, die sich neue berufliche Alternativen und eine stimmige
Karrierestrategie wünschen, löst dieser erste Schritt bereits sehr viel aus. Viele meiner Kunden
bekommen in der Auseinandersetzung mit ihren Werten, Interessen, Wünschen, Träumen,
Stärken und Schwächen selbst Ideen, in welche neue beruflichen Richtung sie gehen können
und, um erfolgreich zu sein, sogar gehen sollten.

Was ich damit sagen will, ist: Verbringen Sie immer wieder Zeit mit sich selbst. Gehen
Sie bewusst in die Stille, um nach Innen schauen zu können. Wir leben heute in einer
Gesellschaft, die sehr viele Reize und Signale aussendet, die uns immer wieder ablenken.
Aber die Antworten auf Ihre wichtigen Berufs- und Lebensfragen finden Sie leider wenig
bis gar nicht in der äußeren Welt, sondern vielmehr durch den konzentrierten, ruhigen
Blick in Ihr Inneres. Wenn Sie also die Übungen im ersten Schritt nicht ganz so ernst
genommen haben, dann gehen Sie jetzt besser noch einmal zurück „auf Los“ und beginnen
die Übungen noch einmal von vorne. Es wird sich lohnen!

29
 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Der nächste Schritt in unserem Karriereplanungsprozess, den wir jetzt gehen wollen,
beinhaltet folgende Punkte:

• Sammeln von ersten Ideen zu beruflichen Möglichkeiten und Alternativen bzw.


neuen Herausforderungen
• Realistische Wahl und Priorisierung der Alternativen
• Aufwands- und Ressourcenplanung, um die Strategie umzusetzen
• GAP-Analyse: Welche Weiter- oder Fortbildung ist eventuell notwendig
• Definition einer entsprechenden Karrierestrategie
• Maßnahmen zur Umsetzung der gesteckten Ziele
• Suche nach potentiellen Arbeitgebern und Stellen

2.1 SAMMELN VON ERSTEN IDEEN ZU BERUFLICHEN


MÖGLICHKEITEN UND ALTERNATIVEN BZW. NEUEN
HERAUSFORDERUNGEN
Die meisten meiner Kunden entwickeln durch die intensive Selbstreflexion im ersten
Schritt bereits erste gute Ideen für berufliche Alternativen. Ich will Ihnen hier jetzt die
Möglichkeit geben, kurz innezuhalten, wenn es Ihnen ähnlich ergangen ist, um diese Ideen
und Gedanken, festzuhalten. Schreiben Sie auf, welche beruflichen Möglichkeiten Ihnen
durch den Kopf gegangen sind. Ob sich diese nun auf Positionen, Berufe, Branchen oder
Arbeitgeber beziehen, ist egal. Alles ist erst einmal wichtig und Sie sollten diese Gedanken
nicht verlieren.

Deswegen notieren Sie sie bitte Ihre ersten Ideen in Ihr Notizbuch, das Sie sich idealerweise
für Ihr Projekt „Bewerbung“ zugelegt haben.

Am Ende dieser Serie von Selbstreflexionen und Übungen stelle ich meinen Klienten immer
auch eine Phantasie-Frage bzw. mache eine Vorstellungsübung mit ihnen, die ich jetzt gerne
auch mit Ihnen machen möchte. Sie geht folgendermaßen:

Stellen Sie sich bitte vor, ich sei eine gute Fee, die Ihnen jeden Wunsch erfüllen kann.
Ich gebe Ihnen aber nur drei Wünsche, die sich alle drei nur auf Ihren nächsten Job bzw.
Beruf beziehen dürfen.

Was wünschen Sie sich von mir?

Notieren Sie sich Ihre drei Wünsche, damit sie nicht verloren gehen.

30
 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Durch die Begrenzung auf drei Wünsche sind Sie gezwungen, klarer zu werden und sich zu
überlegen, was das wichtigste ist und was Sie sich im Grunde am sehnlichsten wünschen.

Im Weiteren habe ich ein paar Aspekte zusammengetragen, die Ihnen helfen sollen, noch
konkreter zu werden. Mit einer klaren Auswahl können Sie einen Anforderungskatalog
definieren, der Ihnen hilft, noch klarer und fokussierter Ihren nächsten, hoffentlich „idealen
Job“ und Entwicklungsweg ins Visier zu nehmen. Ich bin überzeugt, dass je klarer wir sehen,
was wir wollen und suchen, desto leichter es uns fällt, es zu finden oder zu erreichen.

Seien Sie spontan und ehrlich. Vertrauen Sie auf Ihre Intuition und Ihr Unterbewusstsein,
das genau weiß, was gut für Sie ist. Unterstreichen Sie die Option, die sich für
Sie stimmig und richtig anfühlt.

Ihr „idealer Job“


Unternehmen / Arbeitgeber
99 Unternehmensgröße: groß / mittel / klein
99 Image und Bekanntheit des Unternehmens: international bekannt/ regional bekannt/
unbekannt
99 Sektorzugehörigkeit: Dienstleistung / Industrie
99 Branchenzugehörigkeit: z.B. Bank / Versicherung / IT / Produktion / Handel /
Politik / Kultur / Sozialer Bereich / Medizin / Pharma / …
99 Das Unternehmen ist: neu gegründet / alteingesessen
99 Eigentümer: staatlich / privat / gemeinnützig / Gesellschaftsform
99 Charakter des Unternehmens: konservativ / neutral / modern

Arbeitsumfeld
99 Standort: große Stadt / kleine Stadt / Zentrum / Stadtrand
99 Entfernung von zu Hause: bis 50 / bis 100 / über 100 Kilometer
99 Fahrt zum Arbeitsplatz: Auto / Öffentliche Verkehrsmittel
99 Umgang innerhalb des Unternehmens: formell / leger
99 Meine Arbeitsgeschwindigkeit sollte sein:
99 relativ frei einteilbar / gleichbleibend / sehr schnell (Zeitdruck)
99 Arbeitsplatzsicherheit: befristete Stelle / 1 Jahr / 3 Jahre / länger
99 Meine Wochenarbeitszeit sollte sein: mehr als 40 Stunden bei Bedarf /
genau 40 Stunden / Teilzeit / flexibel / Gleitzeit
99 Ich bin verfügbar für: Überstunden / Arbeit an den Wochenenden / Schichtarbeit
99 Ich möchte reisen: oft / manchmal / nie

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Position / Aufgaben
99 Art (Typus) der Beschäftigung: Beamter / Angestellter / Freiberufler
99 Meine Position soll Führungsaufgaben enthalten: ja / zum Teil / nein / perspektivisch
99 Ichmöchte einer Führungskraft unterstellt sein: permanent / zum Teil / gar nicht
/ aus der Entfernung
99 Ich möchte arbeiten: ständig im Team / manchmal im Team / weitgehend allein
99 Ich bevorzuge Teamarbeit: in festen Teams / ständig mit neuen Menschen
99 Mein Job sollte sein: sehr abwechslungsreich / ein wenig abwechslungsreich / Routine
99 Ich möchte mich kreativ einbringen: ja / teilweise / nein
99 Ich möchte in der Öffentlichkeit arbeiten: immer / manchmal / eher selten
99 Ich möchte: viel / wenig / gar nicht am PC arbeiten
99 Ich arbeite am liebsten mit: Menschen / Dingen / Daten
99 Ich arbeite lieber: am Telefon / von Angesicht zu Angesicht / beides
99 Ich ziehe es vor: zu delegieren / alles selbst zu erledigen
99 Mein Job sollte sein: ähnlich wie der alte / komplett unterschiedlich oder neu
99 (verglichen mit meinen bisherigen beruflichen Erfahrungen)
99 Perspektiven / Entwicklungsmöglichkeiten (Position, Verantwortung)

Entgelt / Zusatzleistungen
99 Wie soll meine Arbeitsleistung abgegolten werden:
Gehaltsbestandteile: Fixgehalt / leistungsabhängig / nur Provisionen / beides
99 Einstiegsgehalt, Gehaltsentwicklung
99 Anerkennung ist mir: sehr wichtig / wichtig / weniger wichtig
99 Unternehmen sollte besondere Sozialleistungen bieten: wichtig / unwichtig
99 Weiterbildungsmöglichkeiten sind mir: sehr wichtig / wichtig / nicht wichtig
99 Aufstiegschancen (finanziell) sind mir: sehr wichtig / wichtig / nicht wichtig
99 Incentives / Firmenevents
Abbildung 4: Mein „idealer“ Job

2.2 IHRE ERFOLGSGESCHICHTEN


Um Ihnen einen weiteren „Kick“ in die richtige Richtung zu geben, empfehle ich Ihnen,
sich intensiv mit Ihren Erfolgsgeschichten auseinanderzusetzen. Diese sind ein wichtiger
Hinweis darauf, was Sie gut können und was Ihnen Spaß macht. Ihre Erfolgsgeschichten
zu sammeln und zu reflektieren, hat den weiteren Vorteil, dass Sie sich stärken und den
Blick auf das Positive in Ihrer Biografie wenden. Zudem werden Sie diese in der Umsetzung
Ihrer Strategie im Bewerbungsprozess brauchen. Sie sind die Grundlage für eine erfolgreiche
Überzeugungsarbeit, die Sie leisten werden müssen.

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Nehmen Sie sich Zeit an einem stillen, ruhigen Ort – mindestens eine Stunde – und arbeiten
Sie mit folgenden Fragen:

• Bei welchen Projekten oder Aufgabenstellungen habe ich in der Vergangenheit


positives Feedback erhalten?
• In welchen Bereichen oder bei welchen Themen bin ich gelobt worden?
• Welche Arbeiten, Tätigkeiten oder Aufgaben sind mir besonders gut gelungen,
so dass andere dies wahrgenommen und mir rückgemeldet haben?

Schränken Sie sich nicht auf den beruflichen Bereich und Ihr Arbeitsleben ein. Denken
Sie genauso an den Freizeitbereich, Ihre Hobbys oder ihr ehrenamtliches Engagement. Oft
schlummern hier versteckte Talente und Potenziale.

Schreiben Sie alle Erfolgsgeschichten möglichst detailliert auf. Wenn es Ihnen hilft,
schließen Sie die Augen und stellen Sie sich die konkreten Situationen in Ihrem inneren
Auge vor.

Falls Sie Schwierigkeiten haben, machen Sie sich von dem Anspruch frei, dass es sich bei
Erfolgsgeschichten um den Nobelpreis handeln muss. Das zeigt nur, dass Sie sehr hohe
Ansprüche an sich haben und sehr kritisch mit sich umgehen. Seien Sie also etwas weniger
kritisch und schauen Sie genauer hin. Sie haben sicherlich – wie die meisten von uns – viele
Dinge, die in Ihrem Leben gut gelaufen sind, wie z. B.:

• ein (sehr) gut abgeschlossene Schul-, Berufsausbildung, ein Studium oder sogar
mehrere Studienabschlüsse
• eine sehr gut benotete Seminar-, Semester-, Bachelor-, Master- oder Doktorarbeit
• Positives Feedback von Lehrern, Dozenten, Professoren, Kollegen, Vorgesetzten oder
Kunden, mit denen Sie zusammengearbeitet haben
• Besondere Leistungen im Sport, z. B. (Co-) Leitung einer Mannschaft, vordere
Plätze bei Turnieren oder Meisterschaften
• Besondere Leistungen oder Auszeichnungen in der Schule, Berufsausbildung, Studium
(bei Themenwettbewerben, Rankings beim Berufsabschluss, Stipendien, etc.)
• Besondere Leistungen oder Ämter im privaten oder beruflichen Bereich (Klassen-,
Schulsprecher, Studentenvertretung, Verbände, Betriebsrat, Netzwerke, Parteien,
Organisationen)

33
 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

• Besondere Leistungen in Ehrenämtern


• Besondere Leistungen im Beruf oder Job (Abschluss eines Dualen Studiums oder
einer Weiterbildung neben dem Vollzeitjob, Gewinnen von Neukunden, eigene
Erfindungen, der zeitgerechte Abschluss eines strategischen Projekts, zeitgerechte
Abgaben, Korrektur eines wichtigen Fehlers bei Berechnungen, der dem Unternehmen
viel Geld gespart hat, etc.)

Es wird Ihnen etwas einfallen, da bin ich mir sicher. Legen Sie sich Ihren Lebenslauf neben
sich, so dass Sie Schritt für Schritt Ihre Ausbildung und Berufserfahrung durchgehen kön-
nen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie überhaupt keine Erfolgsgeschichten haben. Es
braucht vielleicht nur etwas Zeit, bis Sie im Konzept der Erfolgsgeschichte gelandet sind.
Denn wir Deutschen sind es leider „dank“ unserer Mentalität nicht gewohnt, uns gerne
und oft mit unseren Erfolgsgeschichten zu beschäftigen. Insofern ist es auch normal, dass
Sie damit anfangs etwas Schwierigkeiten haben bzw. es Ihnen etwas eigenartig vorkommt.

34
 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Ich wünsche mir mindestens 10 Erfolgsgeschichten von Ihnen. Wenn es mehr werden
und Sie ein Zusatzblatt verwendet haben, bin ich stolz auf Sie und freue mich mit Ihnen!
Je mehr Erfolgsgeschichten Sie finden, desto besser! Was ich Sie jetzt bitten möchte, ist
Folgendes: Lesen Sie Ihre Erfolgsgeschichten noch einmal in Ruhe durch. Markieren Sie
für jede Geschichte das zentrale Thema und versuchen Sie die Stärke bzw. Kompetenz
daraus zu erkennen, die es Ihnen ermöglicht hat, diesen Erfolg zu erreichen. Notieren Sie
sich diese am Rand die Fähigkeit und Kompetenz bzw. Kompetenzen in jeder Zeile.

2.3 REALISTISCHE WAHL UND PRIORISIERUNG DER ALTERNATIVEN


In der realen Beratung bin ich mit meinen Kunden jetzt an dem Punkt, an dem der Kunde
und ich bis zum nächsten Termin getrennt weiterarbeiten, um im nächsten Termin über
konkrete Jobalternativen brainstormen und eine stimmige Karriere- und Bewerbungsstra-
tegie definieren zu können. Der Zwischenschritt ist ein sehr wichtiger, bevor man die
konkreten, realistischen beruflichen Alternativen zu einem strategischen Gesamtkonzept
zusammensetzen kann.

Um zu konkreten, realistischen beruflichen Alternativen zu gelangen, lege ich für meinen


Kunden ein sog. „Storyboard“ an, das mir hilft, den Überblick über die in der Analyse
reflektierten Ressourcen zu behalten. In dieses „Ressourcen-Storyboard“ trage ich alle
bisherigen Ergebnisse auf einer Seite zusammen. Im Folgenden finden Sie eine Vorlage, die
Sie für das Zusammentragen Ihrer Ergebnisse gerne verwenden können.

Ihr Ressourcen-Storyboard
1 Meine wichtigsten Stärken Schwächen
-- Fachlich:
-- Methodisch:
-- Personal:
-- Sozial:

2. Die wichtigsten 3 Werte


1. 
2. 
3. 

3 Meine größten Interessen


-- 
-- 
-- 

35
 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

4 Meine wichtigsten Erfolgsgeschichten


-- Fachlich:
-- Methodisch:
-- Personal:
-- Sozial:

5 Meine Vision




6 Meine beruflichen Ziele


1. 
2. 
3. 
4. 

7 Meine 3 Wünsche an die Fee


1. 
2. 
3. 

8 Mein Anforderungskatalog „Idealer Job“


-- Position/ Aufgabe:
-- Arbeitsumfeld:
-- Entgelt/ Zusatzleistung:
-- Unternehmen/ Arbeitgeber:

Schauen Sie sich Ihr Storyboard noch einmal genau und in Ruhe an. Erkennen Sie daraus
berufliche Alternativen, Berufs- oder sogar bereits konkrete Stellenprofile? Schreiben Sie
sich die Stichwörter auf, die Ihnen einfallen.

36
 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

→ Wenn Sie bereits konkrete Stellenprofile aufgeschrieben haben, würde ich Ihnen
empfehlen, sich hierzu gleich konkrete Stellenbezeichnungen zu suchen, am besten mindestens
drei bis vier. Für mich spielt dabei der Arbeitgeber noch nicht die ganz entscheidende Rolle.
Sie sollten erst einmal einen Check anhand einer real ausgeschriebenen Stelle machen, um
zu sehen, wie stark Ihre Motivation für diese ist:

-- Zieht Sie die Stellenbeschreibung an? Finden Sie die beschriebene Stelle attraktiv?
Wollen Sie sie?
-- Oder was passiert, wenn Sie die Stellenbeschreibung zusammenknüllen und wegwerfen?
Sind Sie traurig und enttäuscht, würden Sie sie doch gerne haben?

Auf diese Weise können Sie die Streu vom Weizen trennen. Entscheiden Sie sich gleich
klar für oder gegen eine Stelle bzw. ein Stellenprofil.

Betrachten Sie dabei Ihr Storyboard: Passt diese Stelle zu Ihnen, weil Sie Ihren Stärken,
Ihren Interessen, Ihren Werten, Ihrer aktuellen Lebenssituation und Ihrer Vision entspricht?
Ist sie der richtige Schritt, um Ihre beruflichen Ziele umsetzen zu können?

Wenn Sie diese Fragen mit einem klaren Ja beantworten können, dann gehört diese Stelle
bzw. dieses Stellenprofil definitiv auf den „guten“ Stapel und nicht in den Papierkorb!

→ Wenn Sie keine konkreten Stellenprofile notiert haben, sondern Begriffe, die aus
dem Unternehmen oder einem Fachbereich stammen, wie z.  B. „Product Management“,
„Buchhaltung“ oder „Controlling“, dann sind Sie auch schon sehr nah an konkreten
Stellenprofilen und brauchen nur noch ein wenig Anregung, um genauer werden zu können.

Gehen Sie auf eines der großen Jobportale bzw. nutzen Sie eine der großen Jobsuchmaschinen –
am besten eine Metasuchmaschine wie z.  B. kimeta.de oder indeed.de – um mit Ihrem
Schlagwort konkrete Stellen zu suchen. Sie werden jetzt eine größere Vielfalt an Stellenprofilen
als Suchergebnis erhalten. Jetzt ist es Ihre Aufgabe, herauszufiltern: Welche Stellenprofile
kann ich erkennen und welche sprechen mich an? Gleichen Sie nach dem spontanen
Interesse das Stellenprofil immer auch mit Ihrem Storyboard ab: Wie gut passt dieses
Stellenprofil zu mir und ist es der richtige Schritt, um meine beruflichen Ziele und meine
Vision erreichen zu können?

→ Geht es bei Ihnen um eine grundsätzliche berufliche Neuausrichtung und haben


Sie für sich erkannt, dass Sie einen neuen Beruf erlernen möchten, dann kann ich Ihnen
folgendes ans Herz legen:

37
 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Auf Basis Ihrer ersten Ideen sollten Sie sich mit konkreten Berufsbildern auseinandersetzen.
Hierzu bietet das berufenet der Agentur für Arbeit (berufenet.arbeitsagentur.de) eine sehr
gute Datenbank, die alle Berufsbilder beinhaltet, gut strukturiert ist und detailliert mit den
dazugehörigen Ausbildungswegen beschreibt. Gleichzeitig gibt es sehr gute Berufsinteressentests,
die Sie online machen können, die Ihnen helfen, aus Interessen und Wünschen konkrete
Berufsfelder oder Berufsprofile zu machen. Schauen Sie hierzu in die Bibliografie, das
weiterführende Literatur beinhaltet.

→ Geht es bei Ihnen nicht um einen Berufswechsel, haben Sie aber für Ihren nächsten
beruflichen Schritt relativ unkonkrete Begriffe notiert („Arbeit mit Menschen“, „Kreative
Beschäftigung“, „Möglichst viel unterwegs sein“, „Unabhängig sein“), dann besteht jetzt
Ihre Herausforderung darin, selbst oder mit professioneller Hilfe oder Hilfe eines Freundes
oder Partners zu brainstormen. Versuchen Sie die Begriffe mit konkreten beruflichen
Tätigkeitsfeldern zu verbinden. Vielleicht hilft Ihnen dabei folgende Frage:

-- Welcher Unternehmensbereich und welche Tätigkeit bieten mir die Möglichkeit,


mit Menschen zu arbeiten/ mich kreativ zu beschäftigen/ möglichst viel unterwegs
zu sein oder unabhängig zu sein?

Notieren Sie sich z.  B. in einem Mindmap zu jedem Ihrer Begriffe/ jedem Thema die
Unternehmens- und Tätigkeitsbereiche, die es klassischerweise in einem Unternehmen
oder einer Organisation gibt bzw. natürlich auch die Berufe, die Sie diesen Begriffen und
Themen zuordnen können. Im Mindmap haben Sie dann den Überblick, welche Tätigkeit
in welchem Bereich am häufigsten genannt ist und sich als Ziel herauskristallisiert.

Kommen Sie auf den genannten Wegen und mit der empfohlenen Arbeitsweise partout
nicht weiter, dann suchen Sie sich bitte professionelle Hilfe, z.  B. einen Karriereberater
oder Karrierecoach, der Ihnen mit Sicherheit mit seinem Wissen und Erfahrungswerten die
richtigen Fragen und den passenden Anstoß geben kann. Denn das Wichtigste in Ihrem
Prozess ist, dass Sie nicht zum Stillstand kommen, sondern aktiv weitermachen.

Dokumentieren Sie jetzt noch einmal, welche Tätigkeiten/ Berufe und Stellenprofile Sie
identifizieren konnten. Eine(s) ist definitiv zu wenig. Sie sollten immer – so eine weise
Lebensregel- ein Back-up, also einen Plan B haben. Zwei Möglichkeiten sind also Ihr
Minimalziel. Drei bis vier sollten es im Idealfall werden. So haben Sie weitere berufliche
Alternativen, wenn Ihr Traumjob oder Ihre Wunschstelle und Ihr Plan B nicht zu finden sind.

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Der Weg zur Umsetzung Ihrer mittel- bis langfristigen Karriereziele


Sie haben sich in Ihrem Karriereplanungsprozess – soweit Sie die beschriebenen Übungen
gemacht haben – mit Ihrem nächsten beruflichen Schritt auseinandergesetzt. Sie fragen
sich vielleicht, warum ich noch nicht von weiteren beruflichen Schritten/ Jobs geschrieben
habe. Das hat einen guten Grund. Denn bis zu diesem Punkt im Karriereplanungsprozess
hat es noch keinen Sinn gemacht. Macht es jetzt Sinn? Sie sollten jetzt Klarheit, zumindest
eine relative, über Ihren nächsten Job, Ihre nächste Position haben. Wenn Sie eine lineare
Entwicklung im Sinne einer „Karriereleiter“ im Sinn haben, dann können Sie sich die
nächste Position bereits ausmalen und definieren. Es sollte nicht allzu schwierig sein, die in
der Hierarchie nächstgelegene Position zu identifizieren. Dies macht durchaus Sinn, damit
Sie Ihren nächsten Schritt immer auch vor Augen bzw. im Visier haben. Denn wenn sich in
der Organisation eine Möglichkeit ergibt bzw. andeutet, sollten Sie schnell handeln können
und bereitstehen. Leider kann man nie wissen, wann sich eine solche Möglichkeit ergibt.
Es gehört immer auch ein Quäntchen Glück dazu, seine beruflichen Ziele so erreichen zu
können, wie man es sich ausgemalt bzw. geplant hat.

In meinen Augen ist jede Planung relativ. Jeder, der schon einmal im Projektmanagement –
und die eigene Karriere bzw. das eigene Berufsleben sind durchaus Projekte – gearbeitet hat,
weiß, wie relativ jede Planung sein kann. Es gibt Faktoren im Umfeld eines jeden Projekts,
die nicht zu beeinflussen sind. Genauso ist es im Berufs- wie auch im Privatleben. Deswegen
rate ich Ihnen, sich nicht zu sehr und zu lange damit zu beschäftigen, die nächsten drei bis
vier bis fünf Karriereschritte zu entwerfen und zu planen. Realistisch gesehen, werden Sie
diese Planung wieder über den Haufen werfen müssen. Das Leben wird Ihnen einen Strich
durch die Rechnung bzw. durch Ihre langfristige Planung machen und darüber werden Sie
dann höchstwahrscheinlich sehr enttäuscht sein und sogar einen hohen Frust aufbauen, was
demotivierend für die weitere Entwicklung sein kann.

Also planen Sie in diesem Sinn „nur“ den nächsten Karriereschritt und entwerfen Sie ein
Bild des darauffolgenden.

Konzentrieren Sie sich auf die passgenaue Umsetzung des nächsten Karriereschritts und die
Erfüllung Ihrer Ziele, die mit dieser Stelle verbunden sind, und ebenso auf die Erwartungen
Ihres Arbeitsgebers. Das ist Ihre vorrangige Aufgabe für die nächsten Monate und wenn
Sie in der neuen Stelle angekommen sind, für die nächsten – erfahrungsgemäß – zwei bis
drei Jahre.

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Wenn es dann um den konkreten nächsten Schritt geht (also von heute aus gesehen den
zweiten), dann gehen Sie wieder in den gleichen Planungsprozess, in dem Sie sich heute
befinden. Denn auch Sie verändern sich, nicht nur der Arbeits- und Stellenmarkt. Das
bedeutet, Sie entwickeln sich mit Ihren Kompetenzen, Stärken und Schwächen weiter. Ihre
Lebenssituation verändert sich möglicherweise, ebenso Ihre Werte und Ihre Interessen. Es
ist nun einmal ein Prinzip unseres Universums, dass alles immer in Veränderung ist.

Seien Sie also zufrieden mit sich, wenn Sie an diesem Punkt mehr Klarheit über den nächsten
und darauffolgenden Karriereschritt gewonnen haben.

2.4 INSIDERWISSEN
Ein Wegbereiter für Ihren Erfolg im nächsten Karriereschritt wird sein, möglichst viel
Insiderwissen über den angestrebten Tätigkeitsbereich zu bekommen. Dieses hilft Ihnen,
zum einen die Tätigkeit selbst besser zu verstehen, zum anderen zu verstehen, wie
Sie auf schnellstem, direktestem Weg dort hingelangen können. Insider können Ihnen
wertvolle Informationen und Tipps geben, die normalerweise in keinem Buch oder Artikel
oder in den wenigsten Fällen im Internet zu finden sind. Wenn Sie richtig Glück haben,
wird dieser Mensch Ihnen auch Zugang zu einem Unternehmen oder Job verschaffen, der
in keinem Stellen- oder Jobportal veröffentlicht ist!

Natürlich sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass es sich immer auch um subjektive
Meinungen und Erfahrungen handelt. Deswegen sprechen Sie immer mit mehreren Menschen
und ordnen Sie das Gesagte ein. Können Sie eine Tendenz ins Positive oder Negative
erkennen? Überlegen Sie sich vorab verschiedene Fragen – gehen Sie also gut vorbereitet
in das Gespräch mit einem Insider, der auch ein Bekannter oder Freund sein kann. Sie
können aber auch berufliche Netzwerke wie Xing oder LinkedIn sowie Berufsverbände
nutzen, die ebenfalls Netzwerktreffen organisieren, wo Sie mit Experten aus bestimmten
Berufen sprechen können. Seien Sie kreativ und vor allem proaktiv: Je mehr Energie
Sie in die Klärung Ihrer beruflichen Fragen stecken und auf andere zugehen, desto mehr
Informationen werden Sie erhalten und Ihre Fragen klären können.

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

2.5 NETZWERKANALYSE
Um an Insiderwissen heranzukommen, sollten Sie zuerst einmal Ihr Netzwerk analysieren.
Netzwerken ist heute ein entscheidender Erfolgsfaktor in der Karriereentwicklung.
Eine Statistik sagt, dass fast 50% aller Jobs über persönliche Kontakte vergeben werden.
Deswegen frage ich meine Kunden zu Anfang immer auch nach Ihrem Netzwerk. Zeit in den
Aufbau des eigenen Netzwerks zu stecken, ist zuerst einmal eine Investition in die Zukunft.
Zudem ist Netzwerken immer auch erst einmal ein „Geben“, bis sich die investierte Zeit
und das Geben ausbezahlen wird, da man Ihnen im Gegenzug oft wichtige Informationen
oder Kontakte geben wird.

Gehen Sie auch bei der Netzwerkanalyse möglichst strukturiert voran. Machen Sie sich eine
Liste mit Ihren Kontakten. Sie können dabei folgende weitere Informationen notieren, die
Ihnen im Bewerbungsprozess weiterhelfen werden, den Überblick zu bewahren:

Name/ Letzter
Geburtstag Tätigkeit Branche Thema
Vorname Kontakt

2.6 GAP-ANALYSE: IHR (MÖGLICHER) BEDARF AN WEITER-


ODER FORTBILDUNG
Ein wichtiger Punkt für die Umsetzung Ihrer beruflichen Ziele ist die Frage, ob Sie das
Anforderungsprofil des gewünschten Berufs bzw. der angestrebten Position oder Stelle
erfüllen. Diese Frage bezieht sich auf ein sehr zentrales Prinzip im Bewerbungs- bzw.
Karriere-entwicklungsprozess, das sog. „Matching“.

Im „Matching“ geht es darum, dass Sie als Bewerber die Perspektive wechseln und den
Brückenschlag zu den Anforderungen Ihres potentiellen Arbeitgebers oder Vorgesetzten
(falls Sie sich intern bewerben) machen. Jeder Beruf, jede Stelle bzw. jede Position hat
ein bestimmtes Anforderungsprofil und ist verbunden mit einer Liste von Kompetenzen,
die der ideale Bewerber mitbringen soll. Dieses Kompetenz- oder Anforderungsprofil ist in
jeder Stellenanzeige oder auch internen Stellenbeschreibung klar dokumentiert. Üblicherweise
werden die geforderten Kompetenzen in folgende Kategorien eingeteilt, die ich – falls Sie
sich erinnern, bereits weiter oben in Ihrem Ressourcen-Storyboard verwendet habe:

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

1. Fachliche Kompetenzen (oder Hard Skills)


Die in der Berufsausbildung oder im Studium erworbenen fachlichen Kenntnisse, die
relevante Berufserfahrung und die Branchenkenntnisse
2. Methodische Kompetenzen (ebenfalls Hard Skills)
z. B.: Methoden des Qualitätsmanagements, der Softwareentwicklung, Projektmanagement
3. Personale Kompetenzen (Soft Skills)
z. B.: Durchhaltevermögen, Selbstvermarktungskompetenz, Schlagfertigkeit und
Ihre Arbeitsweise
4. Soziale Kompetenzen (ebenfalls Soft Skills)
z. B.: Team-, Kommunikations- und Kritikfähigkeit, Empathie

Es gibt eine fast unendliche Anzahl von Kompetenzprofilen oder -modellen, die mit
Sicherheit mehrere Bücher füllen. Der Einfachheit und des Praxisbezugs wegen habe ich
mich dafür entschieden, Ihnen das Modell aufzuzeigen, auf dem die meisten Stellenanzeigen
und -beschreibungen basieren.

Damit Sie im Bewerbungsprozess erfolgreich sind, brauchen Sie eine möglichst große
Schnittmenge zwischen den geforderten Kompetenzen und Ihren Kompetenzen. Um zu
erkennen, ob Sie die wichtigsten Kompetenzen besitzen, sollten Sie das Anforderungsprofil
der Stelle Ihrem Kompetenzprofil gegenüberstellen.

Hierbei sollte Ihnen folgendes Raster helfen:

STELLENPROFIL MEIN PROFIL

Fachliche Fachliche
Kompetenzen Kompetenzen

Methodische Methodische
Kompetenzen Kompetenzen

Personale Personale
Kompetenzen Kompetenzen

Soziale Soziale
Kompetenzen Kompetenzen

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Eine wichtige Unterscheidung bei den Kriterien bzw. Kompetenzen, die für eine Stelle gefordert
sind, ist die Unterscheidung nach Muss- und Kann-Kriterien. Diese können Sie sehr leicht
nachvollziehen, denn die sog. Kann-Kriterien haben normalerweise Zusätze wie „idealerweise“,
„von Vorteil ist“, „wünschenswert“, etc. In den meisten Fällen liegen die wichtigsten Muss-
Kriterien im fachlichen Bereich. Gerade bei technischen oder Ingenieursberufen sind die
fachlichen Kompetenzen sehr wichtig und werden generell auch immer genauer überprüft.

Erkennen Sie jetzt in der Gegenüberstellung und im direkten Vergleich Ihrer Kompetenzen
mit den geforderten Kompetenzen eine Lücke? Können Sie von den geforderten Muss-
Kriterien eine oder mehrere nicht erfüllen? Liegen diese im fachlichen Bereich?

Dann sollten Sie sich überlegen, welche Weiter- oder Fortbildung Ihre Kompetenzlücken
schließen kann und für Sie sinnvoll ist. Der Weiterbildungs- und Fortbildungsmarkt ist
ein sehr großer mit einer riesigen Anzahl von Anbietern. Planen Sie genügend Zeit ein, um
hier eine gute Entscheidung treffen zu können. Im Zweifelsfall nehmen Sie – falls Sie die
Weiterbildung aus der eigenen Tasche bezahlen müssen – viel Geld in die Hand.

Im Folgenden habe ich einige Punkte zusammengetragen, die Ihnen die Suche erleichtern
sollen bzw. auf die Sie unbedingt achten sollten:

• Ist die Bildungsmaßnahme zielgerichtet? – Es geht nie darum, irgendeine


Fortbildung zu absolvieren. Sie sollte auf jeden Fall Ihren Marktwert bzw. Ihre
Chancen verbessern und Ihnen sowie dem Arbeitgeber einen deutlichen Mehrwert
stiften. Sinnvollerweise haben die neu erworbenen Kenntnisse einen direkten Bezug
zum Job.
• Inhaltliche Qualität der Weiter- oder Fortbildung: Sprechen Sie mit dem Ausbilder
bzw. dem Dozenten, am besten bei einem persönlichen Termin. So sehen Sie auch
gleich die Räumlichkeiten des Instituts oder der Schule, in denen Sie sich wohl fühlen
sollten. Welchen fachlichen oder methodischen Hintergrund hat der Dozent? Haben
Sie das sichere Gefühl, dass Sie von ihm das lernen können, was Sie sich wünschen?
Ist er Ihnen sympathisch? Kommen Sie auf Anhieb gut mit ihm aus? Gehen Sie
gut vorbereitet in das Gespräch und stellen Sie konkrete Fragen, die sich auf seinen
Werdegang, seine Ausbildungsphilosophie und -werte und den praktischen Bezug
der Ausbildung abzielen.
• Dauer der Weiter- oder Fortbildung: wie lange dauert der Kurs? Stehen die
Inhalte in einem guten Verhältnis zur Dauer? Lieber investieren Sie mehr Zeit in
die Weiterbildung, ein Crashkurs nutzt Ihnen, wenn auch nur kurzfristig, etwas.

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

• Anerkennung der Fort- oder Weiterbildung: Hierzulande werden Fort- und


Weiterbildungen, die von Verbänden oder Berufsgenossenschaften anerkannt sind,
höherwertiger betrachtet als solche, die es nicht sind. Deutschland ist (leider) immer
noch das „Land der Zertifikate und Urkunden“, was Sie bei der Wahl Ihres Kurses
nicht außer Acht lassen sollten.
• Kosten: Fort- und Weiterbildungen sind in den meisten Fällen teuer. Deswegen
sollten Sie sich Zeit lassen und in Ruhe recherchieren und die oben genannten
Punkte gegeneinander abwägen.

Auch bei der Wahl eines Kurses kann Insiderwissen sehr wertvoll sein und Ihnen im
Zweifelsfall Geld sparen. Insider sind in diesem Fall Menschen, die den Wert eines bestimmten
Kurses oder Trainings realistisch einordnen können. Dies können ehemalige Teilnehmer
sein, Mitarbeiter in den Berufs- und Fachverbänden und Organisationen (falls diese Ihnen
Auskunft geben dürfen) oder Mitarbeiter von Personal- oder Fachabteilungen.

Seien Sie also auch hier proaktiv und gehen Sie auf die Suche nach Insiderwissen! Insider
können Ihnen den entscheidenden Hinweis geben, um die richtige Wahl bzw. Entscheidung
treffen zu können.

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

2.7 AUFWANDS- UND RESSOURCENPLANUNG


Zu jedem Projekt gehört normalerweise eine detaillierte Aufwands- und Ressourcenplanung.
Es wird ein Team zusammengestellt und man definiert, wieviel Zeit von jedem Teammitglied
für die Umsetzung des Projekts benötigt wird. Daneben müssen finanzielle Ressourcen bzw.
ein Budget kalkuliert werden. Mit einer strukturierten Planung wird sichergestellt, dass im
Unternehmen mit den endlich zur Verfügung stehenden Ressourcen verantwortungsvoll
umgegangen wird.

Sie tun sehr gut daran, Ihre Karriere ebenfalls als Projekt zu begreifen, um ähnlich wie im
Unternehmen bewusst und verantwortungsvoll mit Ihren Ressourcen umzugehen. Nach
mehreren Jahren in der Karriereberatung habe ich ein klares Bild davon erhalten, wieviel
Aufwand in einem Bewerbungsprozess steckt. Viele meiner Kunden, die einen Vollzeit-Job
haben, unterschätzen dies und verlieren über die Wochen und Monate die Umsetzung Ihrer
beruflichen Ziele wieder aus den Augen. Es erfordert sehr viel Selbstdisziplin, sich abends
oder am Wochenende mehrere Stunden hinzusetzen, um nach Weiterbildungen, neuen
Arbeitgebern und Jobs zu suchen sowie Bewerbungsunterlagen zu optimieren. Die Aufwands-
und Ressourcenplanung ist also ein weiterer Schritt, mit dem Sie sicherstellen können, dass
die Umsetzung Ihrer beruflichen Vorhaben am Ende mit Erfolg gekrönt sein wird.

Wie können Sie also Aufwand und Ressourcen, die Sie in den nächsten Wochen benötigen,
realistisch planen?

Zuerst einmal wollen wir uns überlegen, welcher Aufwand tatsächlich in der Umsetzung
Ihres nächsten beruflichen Schrittes steckt. Folgende Schritte und Aktionen werden auf
Sie zukommen:

• Recherche und Besuch einer Weiter- oder Fortbildung (je nach Ergebnis der
GAP-Analyse)
• Regelmäßige Suche nach einem potentiellen neuen Arbeitgeber und Stelle
• Optimierung Ihrer Bewerbungsunterlagen
• Anpassung der Bewerbung an die jeweilige Stelle und Zusammenstellen der
Unterlagen für jede Bewerbung
• Check und gegebenenfalls Optimierung Ihres Xing- und evtl. auch LinkedIn-Profils
• Aufbau und Pflege Ihres beruflichen Netzwerks inkl. (wo sinnvoll) Kontakten
zu Headhuntern/ Personalvermittlern
• Besuch von Jobmessen, Karriereevents und Netzwerkveranstaltungen
(Xing, Berufsverbände, andere Businessnetzwerke)
• Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche und evtl. Assessment-Center
• Erfolgskontrolle

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 SCHRITT 2 – BERUFLICHE ALTERNATIVEN UND
KARRIEREPLANUNG EINE STIMMIGE KARRIERESTRATEGIE

Die Liste der notwendigen Aktionen ist lang. Jetzt überlegen Sie sich, wieviel Zeit Sie
jede Woche in die Umsetzung dieser Schritte realistisch investieren können. Dass diese
Planung realistisch sein soll, ist ebenfalls Basis für Ihren Erfolg.

Je mehr Zeit Sie in Ihr Berufsprojekt stecken können, desto schneller werden Sie ans Ziel
kommen. Ich kann Ihnen aus meiner täglichen Arbeit mit Jobsuche, Bewerbungsunterlagen
für Kunden und Netzwerken in eigener Sache sagen, dass die Stunden geradeso an Ihnen
vorbeifliegen, noch dazu, wenn Sie gute Arbeit leisten möchten, ohne dass ich dabei
perfektionistisch bin.

Fangen Sie mit einem Zeitkontingent an, das realistisch ist: drei bis vier Stunden in
der Woche sollten Sie investieren können. Am Anfang wird es länger dauern, bis Sie einen
Rhythmus gefunden haben und in die Sache „reingekommen“ sind. Dann wird es Ihnen
auch Spaß machen, wenn die Dinge in Bewegung gekommen sind. Verteilen Sie die Stunden
in Ihrem Wochenplan möglichst so, dass Sie freie Abende belegen und Sie nicht auf Ihren
Lieblingssport, Ihren Theaterbesuch oder Ihren Stammtisch verzichten müssen. Das wäre
eher kontraproduktiv. Halten Sie die Wochen- oder Wochenendtage dann auch ein, sodass
Sie den besagten Rhythmus und eine Gewohnheit entwickeln können. Überlegen Sie
sich, wo in Ihrer Wohnung oder an welchem anderen Ort Sie an Ihrem Karriereprojekt
arbeiten wollen. Machen Sie Ordnung an diesem Ort/ Schreibtisch, so dass Raum für
Ihr Projekt entstehen kann. Ich werde im nächsten Kapitel noch weitere „Best practices“
beschreiben, mit denen Sie die Umsetzung Ihres Projektes erleichtern können.

Behalten Sie im Hinterkopf, dass es Ressourcen gibt, die Sie zusätzlich mit „an Board“
holen können. Es gibt Karriereberater wie uns bei Karrierecoach München, deren Beruf es
ist, Menschen wie Sie professionell zu unterstützen. D. h., Sie können alle oben genannten
Aktionen abgeben. Dies ist natürlich mit Kosten verbunden, kann aber im Zweifelsfall die
richtige Maßnahme sein, um Ihr Projekt weiter auf Kurs zu halten.

46
KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

3 SCHRITT 3 – DIE UMSETZUNG


IHRER BEWERBUNGS- BZW.
KARRIERESTRATEGIE
Ich darf Ihnen noch einmal gratulieren! Sie haben einen weiteren großen Schritt getan und
begeben sich jetzt noch nicht auf die Zielgerade, aber stehen davor, einen weiteren wichtigen,
aufregenden Schritt zu gehen: Sie gehen in die Umsetzung! Das, was wir in den Schritten
1 und 2 gemacht haben, hat sich noch in einem theoretischen Rahmen bewegt. Sie haben
analysiert und strategisch gedacht und geplant. Jetzt geht es darum, dass Sie die Theorie in
die Praxis umsetzen und sich darum kümmern, dass Ihre berufliche Vision Wirklichkeit wird!

Bereits im letzten Abschnitt sind Sie eine Liste von Aktionen durchgegangen, anhand derer
Sie gesehen haben, was in der Umsetzung auf Sie wartet. Sie haben sich entschieden, wie
viele Stunden Sie an welchen Tagen in der Woche mit diesen Aktionen verbringen sollten
und idealerweise einen Arbeitsplatz dafür geschaffen. Freuen Sie sich darauf, dass es jetzt
endlich losgeht?

3.1 TO-DO-LISTE FÜR IHRE EFFEKTIVITÄT


Da ich weiß, wie viel man als Vollzeit-Arbeitender – was für mich der Worst Case ist –
im Kopf hat, empfehle ich Ihnen wärmstens, die folgenden Aktionen noch einmal in eine
To-Do-Liste zu setzen und sich klar zu machen, wie viel Zeit Sie jede Woche in der ersten
Phase der Umsetzung auf welche Aktionen verbringen wollen.

Die folgende Tabelle ist ein Vorschlag, den Sie gerne übernehmen können.

47
KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

AKTION Stunden/ Woche Wann Status

Optional: Recherche und


Besuche einer Weiter- oder 4 Stunden
Fortbildung (je nach Ergebnis (Priorität)
der GAP-Analyse)

Optimierung der
Bewerbungsunterlagen
8 Stunden
(Lebenslauf, evtl. Projekt-
Kompetenz-Liste)

Check und gegebenenfalls


Optimierung Ihres Xing- und 3–4 Stunden
evtl. auch LinkedIn-Profils

Suche nach einem potentiellen


1–2 Stunden/
bzw. neuen Arbeitgeber und
Woche
einer passenden Stelle

Anpassung der Bewerbung


Ca. 3–4
an die jeweilige Stelle
Bewerbungen/
und Zusammenstellen der
Woche
Unterlagen für jede Bewerbung

Aufnahme und Pflege Ihres


Ca. 1 Stunde/
beruflichen Netzwerkes, inkl. –
Woche
wo sinnvoll – Headhunter

Besuch von Jobmessen,


Karriereevents und
Ein halber bis
Netzwerkveranstaltungen
ganzer Tag
(Xing, Berufsverbände, andere
Businessnetzwerke)

48
KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Priorisierung
Falls sich im zweiten Schritt Ihrer Karriereplanung während der GAP-Analyse herausgestellt
hat, dass Sie eine Weiter- bzw. Fortbildung benötigen, um den gewünschten Beruf oder die
gewünschte Position ausüben zu können, dann muss die Suche nach einer entsprechenden
Weiterbildung an erster Stelle stehen und Ihre erste Priorität sein, auf die Sie erst einmal
die gesamte Ihnen zur Verfügung stehende Zeit bzw. Energie verwenden.

Wie in jedem anderen Projekt, in dem begrenzte Ressourcen zur Verfügung stehen, sollten
Sie die Tätigkeiten in eine logische Reihenfolge bringen. Ich habe hierzu ebenfalls einen
Vorschlag, der wie folgt aussieht:

Grundsätzliche Überarbeitung Ihrer Bewerbungsunterlagen


Bringen Sie erst einmal Ihre Bewerbungsunterlagen, insbesondere Ihren Lebenslauf, auf
Vordermann. Viele von Ihnen werden Lebensläufe haben – das weiß ich aus Erfahrung – die
nicht dem heutigen Standard entsprechen. Ich werde später noch einmal kurz auf Details
eingehen, um Ihnen die wichtigsten Inhalte und Kriterien mit auf den Weg zu geben.
Unterschätzen Sie den Aufwand für diese Überarbeitung nicht. Überlegen Sie sich, ob es
sinnvoll ist – je nachdem, was Sie in der Vergangenheit gemacht haben und in welche
Position Sie möchten, eine Projektliste oder Leistungsbilanz zu erstellen. Der Lebenslauf
ist eine tabellarische Übersicht über das, was Sie in Ihrem Leben bisher gemacht haben. Dies
bezieht sich hauptsächlich auf Ihre Berufserfahrung und Ausbildung, Fortbildung/ Trainings,
Sprachen- und PC-Skills. Es kann durchaus für den Leser Ihrer Bewerbungsunterlagen
wertvoll sein, wenn Sie in einer Projektübersicht mehr Details zu Ihren Projekten geben und
damit überzeugender Ihre Projekt- und je nach Fachgebiet natürlich auch Fachkompetenz
darstellen können.

Je nachdem, wie effektiv Sie arbeiten und wie Sie sich bereits über den letzten Stand der
Dinge in Bezug auf Lebensläufe und Projektlisten informiert haben, würde ich dennoch
einen Arbeitstag hierfür ansetzen.

Nach getaner Arbeit sind Sie jetzt in der Lage, jedem Headhunter oder Personalvermittler
Ihre berufliche Visitenkarte zu schicken. Das ist bereits sehr viel wert, denn es bedeutet,
dass Sie im Bewerbungsprozess schon grundsätzlich operativ sind.

49
KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Check und gegebenenfalls Optimierung Ihres Xing- und evtl. auch LinkedIn-Profils
Die Aktualisierung und Überarbeitung dieser beiden Profile ist ebenfalls ein wichtiger
Schritt, um aktiv am Bewerbungsprozess teilnehmen zu können. Xing wie auch LinkedIn
sind berufliche Netzwerke, in denen sich sehr viele Headhunter und Personalvermittler
tummeln. Für Letztgenannte sind dies riesige Datenbanken mit Profilen von Bewerbern, die
potentiell zu vermitteln sind. Sind Sie dort präsent und mit einem guten Profil vertreten,
haben Sie einen sehr wichtigen Bewerbungskanal für sich erschlossen. Somit steht für mich
der Check und die Optimierung Ihres Profils bei Xing und LinkedIn – wenn Sie sich in
einem internationalen Unternehmen bewerben wollen, sollten Sie auch auf LinkedIn präsent
sein – an der zweiten Stelle Ihrer To-Do-Liste.

Suche nach einem potentiellen Arbeitgeber und einer neuen Stelle


Nun sind Sie bereit, aktiv in den Bewerbungsprozess einzusteigen. Ihr Lebenslauf liegt bereit
und Ihre digitalen Profile auf LinkedIn und Xing sind gecheckt und auf den aktuellen
Stand gebracht. Jetzt kann es losgehen! Ja, kann es. Nur will ich Ihnen noch ein wenig
Theorie mitgeben, bevor Sie es dann aber wirklich geschafft haben! Damit Sie sich nicht in
der riesigen Welt der Jobportale verlieren oder einen wichtigen Kanal übersehen. Denn da
draußen gibt es Jobmöglichkeiten für Sie und ich meine, dass es wichtig ist, dass Sie viele
davon „abgreifen“, um möglichst schnell an Ihr Ziel zu gelangen.

Welche Bewerbungskanäle gibt es also? Am einfachsten zähle ich kurz die wichtigsten auf:

1. Jobportale und (Meta-)Suchmaschinen


2. Jobmessen und Karriereevents
3. Personaldienstleister, Vermittler und Headhunter
4. Social Media
5. Online Netzwerke wie Xing und LinkedIn
6. Persönliches Netzwerk
7. Initiativbewerbungen

50
KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Um alle für Sie relevanten Jobmöglichkeiten zu erfassen, sollten Sie alle Bewerbungskanäle
in Ihre Suche einbeziehen. Viele lassen die Initiativbewerbung außer Acht oder gerne
auch die Personaldienstleister, weil sie nicht (mehr) als „Zeitarbeiter“ tätig werden
möchten. Die effektivsten Kanäle sind diejenigen, wo Sie persönlichen Kontakt zu
Unternehmensvertretern aufbauen können oder Insiderwissen erhalten. Man spricht
hier auch vom „versteckten“ Stellenmarkt, zu dem Sie sich, wie gesagt, über persönliche
Kontakte Zugang verschaffen können.

Wie im Bereich Marketing ist der Mix der Kanäle entscheidend. Konzentrieren Sie sich
nicht nur auf einen Such Weg. Variieren Sie, aber verlieren Sie sich auch nicht in den
verschiedenen Plattformen. Gerade bei den Jobportalen oder Jobsuchmaschinen kann die
Suche sehr zeitintensiv werden. Deswegen empfehle ich Ihnen hier sehr, sich auf zwei bis
drei Jobsuchmaschinen zu konzentrieren. Es gibt mittlerweile spezialisierte Jobportale, die
sich auf eine Berufsparte oder Berufsgruppe fokussieren, wie z.  B. Jobs in den Bereichen
Vertrieb, Marketing, Finanzen oder Jobs für Naturwissenschaftler. Diese Jobportale sind
natürlich insbesondere dann sehr interessant, wenn Sie auf diese Bereiche spezialisiert und
ausgerichtet sind. Zudem empfehle ich Ihnen die Arbeit mit sog. Metasuchmaschinen – wie
z. B. kimeta.de oder indeed.de – die Ihnen ebenfalls sehr viel Zeit ersparen, denn diese filtern
viele einzelne Jobportale, so dass Sie sich die Suche über einzelne Webseiten ersparen können.

Grundsätzlich ist der Bewerbungsprozess sehr zeitintensiv. Achten Sie darauf, dass Sie
eine Arbeitsweise für sich finden, die möglichst effizient ist. Das bedeutet nicht, dass
Sie Massenbewerbungen verschicken sollen, was auf alle Fälle kontraproduktiv ist. Dass Sie
dieses eBook lesen, ist ein Hinweis darauf, dass Sie sich gezielt vorbereiten und planvoll
an ein so wichtiges Projekt wie Ihre Karriereentwicklung herangehen. Schaffen Sie sich
immer eine Struktur, auf der Sie aufbauen können, und gehen Sie auf smarte Weise an
die Sache heran. Wir werden gleich noch einmal eine „Best practice“ sehen, mit der Sie
effizienter arbeiten und sich Zeit sparen können.

Für die Suche nach konkreten Stellen, sollten Sie jede Woche zwei Stunden veranschlagen.
Je nachdem, wie ergiebig Ihre Suche ist, können Sie auch weniger Zeit damit verbringen.
Es ist schwierig, vorauszusehen, wie ergiebig Ihre Suche von Mal zu Mal ausfallen wird.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Liste mit potenziellen Arbeitgebern


Bisher sind wir von bestimmten Stellenprofilen ausgegangen, für die Sie entsprechende Stellen
gesucht haben. Sie haben sich inhaltlich mit Ihrem zukünftigen Arbeitgeber auseinander-
gesetzt. Diese Anforderungskriterien – Sie erinnern sich an die Liste mit den Anforderun-
gen in Bezug auf Position/ Stelle, Arbeitsumfeld, Unternehmen, etc. – die Sie im zweiten
Schritt bearbeitet haben und die Teil Ihres Ressourcen-Storyboards ist. Dieses benötigen Sie
jetzt! Denn wir wollen die Suche nach einer passenden Stelle noch von einer anderen Seite
betrachten. Ihr Arbeitgeber und damit auch die Branche Ihres Arbeitsgebers sind neben
dem Stellenprofil wichtige Komponenten in Ihrer Karriere- bzw. Bewerbungsstrategie. Für
manche ist der Arbeitgeber sogar wichtiger als die Stelle selbst. Nehmen Sie sich also zu
Beginn Ihrer Suche ein wenig Zeit, um über diese Fragen zu reflektieren:

-- Welches Produkt hat mich schon immer fasziniert oder finde ich sehr spannend?
Oder welches Produkt finde ich heute toll und interessiert mich sehr?
-- Welches Unternehmen hat mich schon immer beeindruckt oder fasziniert? Oder
welches Unternehmen finde ich heute besonders eindrucksvoll und faszinierend?

Notieren Sie in Ihr Notizbuch, was Ihnen hierzu spontan einfällt.

Jeder von uns hat Interessengebiete und Themen, Hobbies, Leidenschaften und Dinge,
für die wir uns begeistern. Warum sollten Sie dieses Interessengebiet, Thema, Hobby oder
diese Leidenschaft nicht auch beruflich in den Mittelpunkt stellen? Es gibt möglicherweise
ein Produkt oder Unternehmen, das mit Ihrem Interessensgebiet oder – Thema, Ihrer
Leidenschaft oder Hobby in enger Verbindung steht. Seien Sie smart genug, sich einen
Arbeitgeber zu suchen – der es zumindest zu versuchen – der ein Produkt hat oder sich
in einer Branche befindet, der mit Ihren Themen in Verbindung steht. Das macht mehr
als Sinn: denn mit diesem Produkt oder Branche sind Sie emotional stark verbunden und
werden eine große Motivation dafür entwickeln bzw. schon haben. Eine Win-Win-Situation
für Sie und Ihren Arbeitgeber, denn aus Ihrer starken Motivation wird eine entsprechend
starke Leistung entstehen!

Machen Sie sich also eine Liste mit potenziellen Arbeitgebern/ Unternehmen, für die Sie
gerne arbeiten würden. Sie können hierzu Branchenverzeichnisse und -führer zu Rate ziehen
oder auch die Mitgliederlisten von Unternehmens-Verbänden oder Organisationen nut-
zen. Im nächsten Schritt sollten Sie die Webseiten der Unternehmen nach offenen Stellen
durchforsten, um herauszufinden, ob bei diesem Unternehmen eine für Sie geeignete Stelle
zu besetzen ist. Oder Sie bewerben sich initiativ, um Ihrem Glück auf die Sprünge zu helfen.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Anpassung der Bewerbung an die jeweilige Stelle und Zusammenstellen der


Unterlagen für jede Bewerbung
Wenn Sie passende Stellen gefunden haben, besteht der nächste logische Schritt darin, Ihren
Lebenslauf auf die Stelle anzupassen und ein entsprechendes Anschreiben zu verfassen. Ich
hatte Ihnen eine weitere „Best practice“ versprochen, hier ist sie: Arbeiten Sie pro Stellen-
profil mit einem Master-Anschreiben, das Sie dann je nach Stelle und Unternehmen
individuell anpassen. Auf diese Weise produzieren Sie keine Massenbewerbungen, die jeder
geübte Personaler sofort erkennt, sondern können individuell auf die Anforderungen der
Stelle und auf das Unternehmen eingehen.

Diese Mühe sollten Sie sich unbedingt machen. Sie können beim Unternehmen punkten,
wenn Sie zeigen, dass Sie sich über das Unternehmen und die Stelle genau informiert haben.
Vermeiden Sie auf alle Fälle Allgemeinplätze und Plattitüden, gerade beim Anschreiben
liegt die Würze in der Kürze. Falls Sie keine stimmige Argumentation haben, warum Sie
sich genau bei diesem Unternehmen bewerben, dann beziehen Sie sich auf die Position
und deren Inhalte als Gründe für Ihre Bewerbung. Genauer auf die inhaltliche und formale
Gestaltung eines Anschreibens einzugehen, würde den Rahmen dieses eBooks sprengen.
Ein paar Punkte würde ich Ihnen dennoch gerne mitgeben, die Ihnen einen wichtigen
Wettbewerbsvorteil verschaffen werden:

• Matching: Beziehen Sie sich inhaltlich auf die wichtigsten Kompetenzanforderungen


des Unternehmens. Ihr primäres Ziel ist es, in Ihren Unterlagen den Beweis zu
erbringen, dass Sie die Anforderungen des Unternehmens erfüllen. D. h., filtern Sie
aus Ihrem Berufsleben die Erfahrungen heraus, die zeigen, dass Sie die Anforderungen
erfüllen können und idealerweise noch mehr bieten.
• Erfolgsgeschichten: Ihr Anschreiben sollte mindestens eine, am besten zwei
Erfolgsgeschichten beinhalten. Denken Sie daran, diese mit Zahlen, Daten und
Fakten zu versehen. Diese machen Sie noch überzeugender und glaubwürdiger.
Mit Zahlen und Daten sprechen Sie die Sprache der Unternehmen: diese wollen
konkrete Ergebnisse und Resultate sehen.
• Korrektheit: Lassen Sie Ihre Unterlagen nach dem Vier-Augen-Prinzip Korrektur
lesen. Ihre Unterlagen sollten keine Rechtschreib-, Grammatik- oder Satzzeichenfehler
beinhalten. Ihre Bewerbungsunterlagen sind Ihre erste Arbeitsprobe. Diese sollte
formal einwandfrei sein!

53
KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

• Übersichtlichkeit: Achten Sie darauf, dass Sie es dem Leser leichtmachen. Er hat
im Zweifelsfall mehr als 100 Bewerbungen zu sichten. Erleichtern Sie ihm sein
Leben, indem Sie die Inhalte in Lebenslauf und Anschreiben übersichtlich gestalten.
Womit Sie Übersichtlichkeit erzeugen, ist die Schriftgröße, entsprechende Absätze
und Zwischenräume und natürlich die Länge der Dokumente und Anhänge.
Eine hervorragende Chance, schnell die wichtigsten Informationen zu liefern und
sofort die Kernkompetenzen zu zeigen, ist das Deckblatt mit einem kurzen Profil.
• Schlüsselbegriffe: Manche Unternehmen verwenden heute Programme, um
Bewerbungsunterlagen zu sichten. Diese Programme funktionieren auf der Basis
von Schlüsselbegriffen und Keywords. Es ist schwierig zu wissen, welche Keywords
verwendet werden. Markieren Sie Schlüsselbegriffe in der Stellenbeschreibung oder
notieren Sie sich Schlüsselbegriffe, die Sie auf der Webseite des Unternehmens
finden und die für den Bereich relevant sind, in dem Sie sich bewerben. Bewerben
Sie sich z. B. für eine Position in der Supply Chain, so sollten Sie Schlüsselbegriffe
aus der Supply Chain einbauen. Das hat den wichtigen Nebeneffekt, dass Sie als
Experte wahrgenommen werden.

54
KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Ähnlich wie das Ressourcen-Storyboard können oder sollten sie sich für den Inhalt Ihrer
Bewerbungsunterlagen ein Bewerbungs-Storyboard schreiben, und zwar für jedes Stellenprofil,
das Sie ausgewählt haben. Im Storyboard stellen Sie die Anforderungen des Unternehmens
Ihrem Kompetenzprofil gegenüber und ordnen jeder Ihrer Kompetenzen mindestens eine
Erfolgsgeschichte zu.

Ihr Bewerbungs-Storyboard könnte so aussehen:

MEIN Meine
STELLENPROFIL
PROFIL Erfolgsgeschichten

Fachliche Fachliche
Kompetenzen Kompetenzen

Methodische Methodische
Kompetenzen Kompetenzen

Personale Personale
Kompetenzen Kompetenzen

Soziale Soziale
Kompetenzen Kompetenzen

Dieses Storyboard pro Stellenprofil können Sie als inhaltlichen Bezugspunkt zu Rate ziehen,
falls Sie beim Überarbeiten des Lebenslaufs oder des Anschreibens hängen bleiben und nicht
mehr weiterwissen. Es ist Ihr strategischer Bezugspunkt und die Basis für die Kernbotschaften,
die Sie im Bewerbungsprozess kommunizieren, um ein klares und konsistentes Profil zeigen
zu können.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Anzahl der Bewerbungen


Mit ein wenig gesundem Menschenverstand erkennen Sie, dass es wichtig ist, viele Be-
werbungen zu verschicken. Es ist wie beim Lottospielen: Je mehr Kreuzchen Sie setzen
und Kästchen ausfüllen, desto höher ist Ihre Chance, im Lotto zu gewinnen. Bewerbung
ist nicht gleich Lottospielen, aber das Prinzip ist ähnlich. Es ist gibt auf dem Arbeitsmarkt
viele Möglichkeiten für Sie. Je mehr Möglichkeiten Sie identifizieren können und dafür
Bewerbungen verschicken, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie den Job
finden, den Sie sich in den Kopf gesetzt haben, der Ihrer Karrierestrategie entspricht und
der zu Ihnen passt. Es geht also immer auch um Fleiß und Quantität.

Gleichzeitig entspricht es auch einem Grundsatz in der Kinetik, dass je mehr Energie Sie in
ein System bringen, desto mehr wird sich das System in Bewegung setzen. Deswegen sollte
Ihnen viel daran gelegen sein, möglichst viel Energie in Ihr Bewerbungssystem zu bringen.

Setzen Sie sich auf alle Fälle ein Ziel, wie viele Bewerbungen Sie pro Woche verschicken
wollen, damit Sie ein quantitatives Ziel für Ihren Output haben und sich selbst messen
können. Wenn wir von 4 Stunden Zeitkontingent pro Woche ausgehen, sind meiner Meinung
nach mit einer effizienten, konzentrierten Arbeitsweise 3 bis 4 Bewerbungen pro Woche
ein realistisches Minimalziel.

Überlegen Sie sich hier und jetzt, wie viele Stunden Sie pro Woche in den Bewerbungsprozess
investieren können und wollen und wie viele Bewerbungen Sie pro Woche verschicken
können und wollen:

---- Stunden/ Woche --- Bewerbungen/ Woche

-----------------

Unterschrift

Ich empfehle Ihnen, einen Vertrag mit sich aufzusetzen und zu unterschreiben. Damit
nehmen Sie sich selbst in die Pflicht, und es wird Ihnen deutlich schwerer fallen, eine
Regelung zu brechen, die Sie schwarz auf weiß mit Ihrem eigenen Namen unterzeichnet
haben. Denn Sie wollen sich sicher nicht selbst betrügen oder Ihr Wort brechen.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Aufnahme und Pflege Ihres beruflichen Netzwerkes – Kontakte mit Headhuntern


Ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Umsetzung Ihrer Karrierestrategie sind Ihr Netzwerk
bzw. Ihre Kontakte. Über 50% der Stellen werden über persönliche Netzwerke vergeben.
Das ist eine gewaltige Zahl. Auch wenn ich selbst in meinem eigenen Berufsleben bei
meinen beiden Arbeitgebern über ein formales, offizielles Auswahlverfahren angestellt wurde,
sehe ich bei meinen Kunden und in meiner Selbstständigkeit, wie wichtig das Netzwerken
ist. Wenn Sie jetzt unruhig werden, weil es mit Ihrem Netzwerk nicht so gut bestellt ist,
dann ist die erste gute Nachricht: Sie können es ändern. Die zweite gute Nachricht ist:
Sie sind nicht allein. Es gibt viele Menschen wie Sie, die sich über das Netzwerken in der
Vergangenheit keine Gedanken gemacht und sich auf Ihr operatives Tagesgeschäft konzentriert
haben. Wenn Sie jetzt die Bedeutung erkannt haben, dann würde ich sagen: Beginnen
Sie gleich morgen damit, sich mit dem Thema „Netzwerken“ auseinanderzusetzen. Es
würde auch bei diesem Thema den Rahmen dieses eBooks sprengen, wenn ich das Thema
im Detail bearbeiten würde. Dennoch möchte ich Ihnen für dieses wichtige Thema einige
Punkte mitgeben:

• Machen Sie schnell einen Anfang. Sie haben – wenn Sie die Übung im vorherigen
Schritt ernst genommen haben – bereits eine aktuelle Netzwerk-Liste. Überlegen Sie
sich, wo Sie für den Ausbau Ihres Netzwerkes ansetzen wollen: Berufe, Branchen,
Regionen wären mögliche Kriterien, die Sie kombinieren können. Seien Sie proaktiv
und denken Sie sich nichts dabei, fremde Menschen anzusprechen, entweder direkt
oder über soziale oder berufliche Netzwerke.
• Netzwerken bedeutet zu „geben“. Überlegen Sie sich, was Ihr Gegenüber, mit dem
Sie in Kontakt kommen wollen, braucht und an welchen Informationen er interessiert
sein könnte. Teilen Sie Informationen wie Branchennews, Wirtschaftsnachrichten,
Studien, Artikel, Newsletter, Einladungen zu Events und Veranstaltungen, von
denen Sie denken, dass auch andere daran interessiert sein könnten. Wenn sie dies
nicht sind, werden sie es Ihnen sagen.
• Erinnern Sie sich immer an die Geburtstage. Auch wenn es eine kurze Nachricht
ist, der andere wird sich immer freuen, dass Sie an ihn gedacht haben! So rufen Sie
sich in Erinnerung und es reicht, wenn er Ihren Namen gelesen hat und wieder an
Sie denkt, wenn es eine interessante Nachricht oder Information zu verteilen gibt.

Es gibt Berater, die sich auf das Thema „Netzwerken“ spezialisiert haben. Im Zweifelsfall
holen Sie sich auch zu diesem Thema professionellen Rat und definieren einen strategischen
Schlachtplan, wie Sie möglichst schnell ein funktionierendes, für Ihre Branche und Ihr
Fachgebiet passendes Netzwerk aufbauen können.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

In Bezug auf Ihre Karrierestrategie ist es wichtig, dass Sie an den Kontakt mit Headhuntern
und Personalvermittlern denken. Headhunter spielen gerade im Executive-Bereich – also im
Top-Management – eine zentrale Rolle. Ab einem gewissen Level (Hierarchie und Gehalt)
werden Stellen kaum mehr ausgeschrieben, sondern fast ausschließlich über Headhunter
oder Netzwerke vergeben oder vermittelt. Und mit Netzwerken meine ich nicht nur die
externen, sondern auch die internen Netzwerke.

Interne Netzwerke
Sie werden in Ihrem aktuellen Unternehmen bestimmt schon wahrgenommen haben, dass
es Verbindungen zwischen Entscheidungsträgern gibt bzw. es bestimmte Personen in Ihrem
Unternehmen gibt, um die man – wie man so schön sagt – „nicht herum kommt“. Diese
internen, offiziellen oder möglicherweise inoffiziellen Entscheidungsträger zu kennen, ist
grundsätzlich von großer Bedeutung. Denn so verstehen Sie Entscheidungen besser, die im
Unternehmen getroffen werden und warum diese so und nicht anders getroffen werden.
Ich will Ihnen nicht raten, so opportunistisch zu sein, sich diese Menschen auf Biegen und
Brechen zu Freunden zu machen. Zumindest sollten Sie sich vornehmen, sie sich nicht zum
Feind zu machen. Vielleicht haben Sie auch Glück, und dieser interne Entscheidungsträger
ist Ihnen zugetan. Dann können Sie sich erst einmal zurücklehnen bzw. daran denken, wie
Sie dieses gute Verhältnis weiter pflegen können.

Wenn Sie es sich das Ziel gesteckt haben, sich innerhalb Ihres aktuellen Arbeitgebers
weiterzuentwickeln, brauchen Sie definitiv einen „Sponsor“, der Sie dabei unterstützt. Dieser
„Sponsor“ sollte jemand sein, der Türen öffnen kann, die Ihnen normalerweise verschlossen
bleiben. Ich habe es bei beiden meiner Arbeitgeber erfahren, die große amerikanische
Konzerne waren, dass mir bestimmte Türen nur geöffnet wurden, weil ich entweder auf
Direktoren- oder auf Vorstandsebene Befürworter hatte. So bekam ich die Möglichkeit,
mich in Positionen weiterzuentwickeln, die ich anvisiert und klar als Wunschposition in
Gesprächen mit Vorgesetzten kommuniziert hatte.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Scheuen Sie sich nicht davor, klar zu kommunizieren, was Sie wollen. Das gibt Ihrem
Gegenüber die Chance, ebenfalls klar zu entscheiden, ob es Ihnen das geben will, was Sie
sich wünschen, oder nicht. Diese klare Kommunikation und Entscheidung war für mich
die Grundlage für meine berufliche Weiterentwicklung. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie
klug bei Ihrer internen Weiterentwicklung vorgehen:

• Gut informiert sein: Versuchen Sie, sich immer über die wichtigsten Entwicklungen,
Projekte und Meinungen/ Positionen im eigenen Unternehmen informiert zu halten.
Sie sind Teil eines dynamischen Systems, das von heute auf morgen die Richtung
ändern kann. Es ist besser, Sie wissen vorher davon, als dass es zu spät ist und Sie
das Nachsehen haben und nichts mehr beeinflussen können!
• Möglichkeiten erkennen: Halten Sie Ihre Augen und Ohren offen und schauen
Sie genau hin, wenn Sie davon erfahren, dass eine neue Stelle geschaffen oder eine
Stelle zu besetzen ist, die in Ihre Karrierestrategie passen könnte. Die Stelle muss
kein 100%iger Treffer ins Schwarze sein, aber es gibt ab einer gewissen Ebene
nicht viele Möglichkeiten, die sich ergeben. Insofern sollten Sie nicht zu rigide an
Ihrem idealen Job festhalten, sondern jede berufliche Möglichkeit, die sich auf Ihrer
gewünschten Ebene und Bereich ergibt, genau unter die Lupe nehmen und prüfen.
• Schnell sein: Wenn sich neue berufliche Möglichkeiten am Horizont abzeichnen,
müssen Sie schnell sein. Denn im Zweifelsfall gibt es einige, wenn nicht viele
andere, die davon ebenfalls erfahren haben. Sie sollten der Erste sein, der das
Gespräch sucht, seine Kontakte befragt, um Genaueres zu erfahren und die ersten
Schritte hin zu einer Bewerbung unternimmt oder ein Gespräch initiiert, um mit
dem möglicherweise nächsten Chef zu sprechen.
• Transparent sein: Wenn sich eine neue Möglichkeit für Sie im Unternehmen
ergeben hat, dann seien Sie bitte Ihrem aktuellen Vorgesetzten gegenüber klar, was
Sie tun werden. Und das möglichst weit im Voraus, so dass er sich um eine adäquate
Alternative kümmern kann. Versuchen Sie Ihr Bestmöglichstes, um den Transfer
so reibungslos wie möglich zu gestalten. Es kann Ihnen nicht daran gelegen sein,
Chaos hinter sich zu lassen und Ihren Chef kurz vor Verlassen seiner Abteilung zu
frustrieren, zu enttäuschen oder wütend zu machen.

Es gibt innerhalb von Unternehmen nicht nur informelle, sondern auch formelle oder
offizielle Netzwerke. Erkundigen Sie sich in der Personalabteilung oder bei Ihren Kollegen.
Oft stehen die Netzwerke auch im Intranet. So gibt es interne Sportveranstaltungen, wie
z. B. Fußballturniere oder Musikbands, Frauen- oder Homosexuellennetzwerke. Auch diese
bieten gute Möglichkeiten, sich zu informieren und sich gegenseitig beim Erreichen der
beruflichen Ziele zu unterstützen.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Planen Sie in Ihrer To-Do-Liste entsprechend Zeit für das Netzwerken ein. Wieviel?
Soviel Zeit wie möglich. Integrieren Sie es in Ihren Arbeitsalltag und wenn es Ihnen hilft,
dann terminieren Sie dafür beispielsweise in Ihrem Wochenplan zwei Mal eine halbe Stunde
an zwei verschiedenen Tagen. Oder terminieren Sie Ihre Networking-Aktionen individuell
für jede Woche, wenn Sie Ihre Wochenplanung erstellen.

Besuch von Jobmessen, Karriereevents (und Netzwerkveranstaltungen)


Planen Sie entsprechend auch Zeit für die Recherche und das Besuchen von Jobmessen und
Karriereevents ein. Die Anzahl der Jobmessen wächst stetig und auch die Jobmessen selbst
werden immer größer. Machen Sie sich schnell ein Bild darüber, welche Jobmessen in Ihrer
Stadt oder in den für Sie interessanten Städten und Regionen in den nächsten Monaten
geplant sind, so dass Ihnen kein Event entgeht. Es gibt unterschiedliche Meinungen und
Erfahrungen in Bezug auf Jobmessen. Auch ich kann Ihnen kein Versprechen geben, dass
Sie Ihren nächsten Job auf einer Jobmesse finden werden. Was ich Ihnen jedoch versprechen
kann, ist, dass Sie gute Möglichkeiten finden werden, mit Unternehmensvertretern zu
sprechen und einen Kontakt aufzubauen. Das ist sicherlich eine wertvolle Perspektive für
Ihren Bewerbungsprozess!

Was Sie beim Besuch von Jobmessen beachten sollten, ist folgendes:

• Gut vorbereitet sein: Informieren Sie sich vorab auf der Webseite der Jobmesse,
welche Unternehmen sich präsentieren werden. Es gibt heute Jobmessen, die auf
bestimmte Berufsgruppen oder Branchen oder auch Altersgruppen spezialisiert
sind. Suchen Sie sich diejenigen aus, die für Ihr nächstes Karriereziel die für Sie
interessantesten Arbeitgeber beinhalten. Bevor Sie auf eine Messe gehen, sollten Sie
für sich eine Liste der Unternehmen vorbereitet haben, auf deren Stand Sie gehen
wollen – weil das Unternehmen eine oder mehrere für Sie interessante Stellen
anbietet. Bereiten Sie konkrete Fragen in Bezug auf die Stelle(n) vor, die Sie vorab
recherchiert haben. Keiner der Unternehmensvertreter wird daran interessiert sein,
nur einen netten Small Talk mit Ihnen auf dem Messestand zu führen. Diese
freuen sich auf gut informierte und vorbereitete Bewerber und das eine oder andere
interessante Fachgespräch. Nehmen Sie auf alle Fälle zwei Bewerbungsmappen auf
die Messe mit. Normalerweise will heute kein Firmenvertreter mehr „Blattwerk“
mit nach Hause nehmen. Insofern ist es schon ein großer Erfolg, wenn Sie mehrere
Visitenkarten mit nach Hause nehmen und damit konkrete Kontaktpersonen für
Ihre Bewerbungen identifiziert haben.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

• Sympathieträger aussuchen: Wenn Sie auf der Messe angekommen sind, machen
Sie erst einmal eine Runde, um sich einen guten Überblick zu verschaffen. Schauen
Sie sich die Stände der Unternehmen, mit denen Sie in Kontakt treten wollen, genau
an. Welcher Mitarbeiter, der auf dem Stand ist, ist Ihnen am sympathischsten?
Ist er gerade frei? – Dann sofort hin und ihn ansprechen. Begrüßen Sie ihn mit
einem kräftigen, geradlinigen Händedruck und stellen Sie zielorientiert Fragen.
Wenn der bevorzugte Mitarbeiter gerade beschäftigt ist, dann drehen Sie noch eine
Runde. Gehen Sie auch erst zu dem Unternehmen, das nicht ganz oben auf Ihrer
Prioritätenliste steht. Übung macht den Meister! Sie werden sehen, dass Sie sich
nach drei Gesprächen warmgelaufen haben und bereit für den „ganz großen Wurf“
bzw. den Wunscharbeitgeber sind.
• Übung macht den Meister: Eine Messe kann Ihnen den Weg zum nächsten Job
bereiten, muss es aber nicht. Sie ist auf alle Fälle eine hervorragende Möglichkeit
zu üben. Der Bewerbungsprozess dreht sich im Kern darum, dass Sie sich zeigen.
Das können Sie auf einer Messe sehr gut trainieren. Ihre Selbstpräsentation sollte
im Bewerbungsprozess sitzen. Auf der Messe können Sie üben, sich in wenigen
Sätzen vorzustellen und Ihren Mehrwert auf den Punkt zu bringen. Sie können
zudem üben, Werbung in eigener Sache zu betreiben und sehen, wie Sie ankommen
und wie Sie es schaffen, Ihren Mehrwert klar und verständlich zu kommunizieren,
so dass der andere „anbeißt“.

Der Zeitaufwand für eine Messe kann groß sein. Rechnen Sie für die Vorbereitung mehrere
Stunden ein. Sie sollten Unternehmen und konkrete Stellenanzeigen recherchieren. Dabei
vergehen die Stunden wie im Flug, wenn Sie Ihre Recherche gut machen. Sie sollten für
den Messebesuch mit Anreise – je nachdem wohin Sie fahren müssen – einen halben bis
ganzen Tag einkalkulieren. Mein gut gemeinter Rat: Fahren Sie auf eine Messe und nutzen
Sie diese als Testballon. Werten Sie danach aus:

• Wie viele konkrete Kontakte haben Sie geknüpft?


• Welche neuen Informationen haben Sie gewonnen, die Sie jetzt im Bewerbungs-
prozess weiterbringen?

3.2 TATEN STATT WORTE


Nun habe ich Sie durch die Ausführungen und Übungen (hoffentlich!) in die Lage versetzt,
zu verstehen, was Sie in der Umsetzung Ihrer Karrierestrategie zu tun haben. Jetzt ist es an
der Zeit, dass Sie meinen Worten Taten folgen lassen. Gehen Sie in die Umsetzung, legen
Sie los! Haben Sie Spaß und gehen Sie mutig in die Richtung Ihrer beruflichen Träume
und Wünsche!

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

3.3 ALLES IST MÖGLICH


Im Bewerbungsprozess ist grundsätzlich fast alles möglich. Was ich damit meine? Es gibt
Bewerber, die mit ihrer ersten Bewerbung in Schwarze treffen und erfolgreich sind. Es gibt
Bewerber, die keine einzige Bewerbung schicken müssen und in ihren Traumjob abgeworben
werden. Das ist alles möglich, aber nicht unbedingt das Maß der Dinge, an dem Sie sich
orientieren sollten. Stellen Sie sich vielmehr darauf ein, einige mehr Anläufe zu brauchen,
bis es mit dem nächsten Job klappt. Wenn Kunden zu mir kommen, weil sie mit dem
Ergebnis ihrer Bewerbungen nicht zufrieden sind, aber erst zehn Bewerbungen geschickt
haben, kann ich nur milde lächeln.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist – Stand heute – gut. Die deutsche Wirtschaft behauptet
sich sehr gut gegen viele negativen Strömungen. Doch bewegen sich auf dem Arbeitsmarkt
viele, sehr gut qualifizierte Menschen aus dem In- und – das dürfen Sie ebenfalls nicht
vergessen – aus dem Ausland. Wir sehen viele Menschen aus anderen europäischen Ländern,
die sehr gut ausgebildet sind und Berufserfahrungen mitbringen, die für Unternehmen
hierzulande wertvoll sind. D.  h., die Konkurrenz, auf die Sie auf dem Arbeitsmarkt
stoßen, ist groß und es gibt viele Menschen im arbeitsfähigen Alter, die wechselwillig sind
und wie Sie vorankommen möchten oder den nächsten Karriereschritt planen.

Somit sind zehn Bewerbungen nicht mehr als ein guter Anfang. Fünfzig Bewerbungen sind
aus der Perspektive eines Karriereberaters normal. Wenn Sie nach fünfzig Bewerbungen
noch keine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch hatten, sollten Sie zum nächsten Schritt,
der Erfolgskontrolle, übergehen und genau hinsehen, wo es in Ihrer Bewerbungsstrategie
hakt, wo Sie möglicherweise etwas nicht „richtig“ gemacht haben. An diesem Punkt kann
es durchaus auch sinnvoll sein, dass Sie sich einen professionellen Berater suchen, der Ihnen
bei dieser Erfolgskontrolle und einem Neuanfang bei den Bewerbungen hilft. Denn der
eigene Blick ist oft getrübt. Es ist schwierig, neutral in den eigenen „Topf “ zu blicken und
zu erkennen, ob man die richtigen Zutaten, das richtige Gewürz und die richtige Garzeit
gewählt hat, um ein wohlschmeckendes Gericht zu kochen.

Seien Sie also nicht frustriert, wenn Sie nach zehn Bewerbungen noch nicht zu einem
Interview eingeladen worden sind. Betrachten Sie es als Teil des Prozesses, dass Sie eine
gewisse Menge an Bewerbungen verschicken und eine gewisse „Ladung“ Energie in
das System bringen müssen, bis Sie und Ihr System in Fahrt kommen. Es ist wie bei
einem Flugzeug, das mit seinem Eigengewicht und der Ladung an Board eine gewisse
Anfahrtsgeschwindigkeit erreichen muss, um abzuheben. Dabei spielen Gegenwind und
die Beschaffenheit der Piste eine Rolle. Meiner Erfahrung nach braucht jeder Mensch eine
gewisse Zeit, das heißt, eine gewisse Anzahl an Bewerbungen, bis er im Bewerbungsprozess
„abheben“ bzw. erste Erfolge verbuchen kann.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Geben Sie sich also Zeit zu üben, betrachten Sie die ersten Bewerbungen als „Flugstunden“,
um Ihr Flugzeug besser kennenzulernen und die Piste, auf der Sie sich bewegen. Es ist Ihrem
Flug und Ihrer Flugsicherheit bestimmt zuträglich, wenn Sie sich regelmäßig das Wetter,
d. h. den Arbeitsmarkt und die wirtschaftlichen Bedingungen, im Detail betrachten. Diese
bestimmen maßgeblich den Erfolg Ihres Fluges.

Wenn Sie die Rahmenbedingungen im Blick haben, sollten Sie sich zudem auf Unvorhergesehenes
vorbereiten und akzeptieren, dass dies geschehen kann. Das sind Absagen auf Ihre Bewerbungen
oder Kehrtwendungen in Auswahlverfahren, die auf den ersten Blick schwer zu verstehen
sind. Ich höre von meinen Kunden oft, die bei bestimmten Bewerbungen felsenfest davon
überzeugt waren, dass Sie der ideale Kandidat waren und zu 100% eingeladen werden
hätten müssen. Wenn dann eine Absage kommt, die Enttäuschung ist riesengroß. Oder
ein Bewerber hatte bereits drei oder vier Interviews geführt, bis kurz vor der Ziellinie und
völlig überraschend doch eine Absage kam.

Im Bewerbungsprozess ist alles und nichts möglich. Stellen Sie sich darauf ein und akzeptieren
Sie, dass Sie auch mehrere Absagen erhalten werden. Wenn Sie nicht zu den Glücksvögeln
gehören, die gleich in der ersten Bewerbung einen Treffer landen, werden Sie Absagen
bekommen. Akzeptieren Sie diese als Teil des Prozesses, den Sie nicht ändern können, und
nehmen Sie diese nicht persönlich. Setzen Sie einen Haken unter die Bewerbung, auch
wenn Sie dachten, dass es Ihr Traumjob war. Vertrauen Sie darauf, dass ein noch besserer
Job auf Sie wartet. Versteifen Sie sich nicht auf genau die eine Stelle oder Position. Sie
können davon ausgehen, dass es weitere Stellen für Sie gibt, auf die Sie genauso gut oder
sogar noch besser passen werden!

3.4 DER „NASENFAKTOR“


Das wichtigste bei allem ist, dass Sie die Absage nicht zu persönlich nehmen. Sie sind
natürlich verantwortlich für Ihre Bewerbung und das, was Sie in Ihrem (Berufs-) Leben
gemacht haben, aber vergessen Sie bitte nicht, dass auf der anderen Seite ein Mensch oder
mehrere steht/ stehen, der/ die eine subjektive Meinung hat/ haben. In einem Assessment
Center haben die Assessoren bzw. Beobachter, also die, die die Kandidaten bewerten
müssen, einen schwierigen Job. Aus dem Assessment Center kennt man die klassischen
Bewertungsfehler, die Assessoren machen. Sympathien und Antipathien spielen eine Rolle,
die wir als Menschen nur schwer akzeptieren können. Wir nennen diesen Effekt auch
„Nasenfaktor“ und dieser hat (leider) eine gewichtige Rolle im Auswahlprozess. Wir können
ihn schwer beeinflussen, dennoch müssen wir ihn einbeziehen. Wenn Sie fair sind, dann
erkennen Sie, dass auch Sie ihm unterliegen.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Wenn Sie in einem Vorstellungsgespräch sind, werden Sie bewusst oder unbewusst die
Unternehmensvertreter ebenfalls bewerten und sympathisch oder unsympathisch finden. Wir
bewerten andere Menschen meist sehr schnell. Innerhalb weniger Sekunden sind wir zu einem
Urteil über die andere Person gekommen. Oft betrachten wir Äußeres, die Kleidung, aber
am meisten wird unser Urteil über das gesteuert, was der andere durch seine Mimik und
Gestik ausdrückt. Vielleicht erinnert Sie Ihr Gegenüber an eine Person, die Sie kennen, die
Ihnen sympathisch oder unsympathisch ist. Achten Sie einmal darauf, wenn Sie jemanden
neu kennenlernen, wie schnell Sie sich ein Bild vom anderen machen und machen Sie sich
diesen Bewertungsvorgang bewusst. Es fällt uns sehr schwer, einem Menschen, den wir neu
kennenlernen, völlig unvoreingenommen zu begegnen.

Authentisch sein
Welche Schlussfolgerung sollten Sie daraus für den Bewerbungsprozess ziehen? Akzeptieren
Sie es als gegeben, dass im Bewerbungsprozess Sympathien wie Antipathien eine
entscheidende Rolle spielen. Es geht viel um die Wirkung, die Sie auf Ihr Gegenüber
haben und darum, was dieser Ihnen zutraut. Das bedeutet, dass es Ihr Ziel sein muss, eine
bestimmte Wirkung zu erzielen und zwar die, Ihnen den Job zuzutrauen und Sie als
den richtigen, passenden Kandidaten einzuschätzen.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Eine Voraussetzung dafür, dass Sie überhaupt eine Wirkung erzielen, ist, dass Sie authentisch
auftreten. Wir besitzen alle ein Grundgespür dafür, ob jemand, dem wir begegnen, echt
ist oder eine Rolle spielt. Einige von uns vertrauen diesem Gespür mehr, andere vielleicht
weniger. Aber unser Urteil und das Vertrauen, das wir in den anderen fassen, hängt maßgeblich
davon ab, wie echt und natürlich unser Gegenüber wirkt. Authentisch zu sein ist also die
Basis dafür, dass man Ihnen im Gespräch abnimmt, was Sie über sich behaupten. Das ist –
wenn Sie in Ruhe darüber nachdenken – der springende Punkt im Bewerbungsprozess.

Lügen haben kurze Beine


Das „Authentisch-Sein“ beginnt in den Bewerbungsunterlagen, in denen es darum geht, dass
Sie Ihren Mehrwert überzeugend auf den Punkt bringen. Seien Sie auch hier ehrlich, in
dem Sie kritische Punkte in Ihrem Lebenslauf ansprechen und eine gute Begründung
für das, was Sie gemacht oder nicht gemacht haben, liefern. Ich empfehle Ihnen sehr,
diesbezüglich transparent und (relativ) offen zu sein – je nachdem, um welchen kritischen
Punkt es hier geht (Lücken im Lebenslauf, kurze Arbeitsverhältnisse, abgebrochene
Ausbildungen, Krankheiten, etc.). Gehen Sie in die Offensive mit dem direkten Ansprechen
von kritischen Punkten, die jeder einigermaßen erfahrene Personaler in Ihrem Lebenslauf
oder Arbeitszeugnissen sofort erkennen wird. Gehen Sie selbstbewusst und offen damit um,
kommt Ihr Gegenüber weniger auf die Idee, den Sachverhalt kritisch zu hinterfragen
und nachzubohren. Sie nehmen mit einer offenen, transparenten Kommunikation Ihrem
Gegenüber den Wind aus den Segeln. So würde ich Ihnen auch bei Fragen bezüglich
kritischer Punkte in Ihrem Lebenslauf – falls sie im Interview doch kommen – immer dazu
raten, diese einzugestehen und Ihrem Gegenüber nicht zu widersprechen. Es gibt in jedem
Leben – sofern Sie ein gewisses Alter haben – Dinge, von denen man sich wünscht, dass
sie gar nicht passiert oder anders gelaufen wären. Jedes Leben hat seine Krisen, und aus der
Perspektive der Entwicklungspsychologie sind gerade diese wichtig, damit wir wachsen und
reifen können. Zeigen Sie, dass Sie dies erkannt haben und reflektieren können. Zeigen Sie
mit dieser offenen Haltung, dass Sie durch diese Erfahrungen und Erlebnisse gereift und
als Persönlichkeit gewachsen sind. Personaler wollen eben genau das sehen, denn auch sie
wissen, dass es in jedem Leben Krisen und Wendepunkte gibt.

Zudem sollten Sie einen Aspekt nicht vergessen und überlegen, wie Sie Ihr neues
Arbeitsverhältnis starten wollen: in einem Gefühl des gegenseitigen Vertrauens und auf
Ihrer Seite mit der einen oder anderen Lüge, die – so funktioniert das Leben oft – doch
irgendwie herauskommt? Ich würde mich definitiv für ersteres entscheiden.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

3.5 ERFOLGSKONTROLLE
Eine Erfolgskontrolle steht an, wenn Sie nach mehreren Monaten und fünfzig Bewerbungen
noch keine Einladung zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch erhalten haben. Sie können
diese Erfolgskontrolle alleine durchführen, doch empfehle ich Ihnen, einen professionellen
Berater hinzuzuziehen. Sie sind selbst wahrscheinlich nicht objektiv und haben im Normal-
fall nicht mehr die notwendige Distanz, die Aspekte zu sehen, die Sie korrigieren sollten.

Wenn Sie einen Erfolgscheck doch alleine durchführen wollen, dann sollten wir kurz die
Kriterien bzw. Inhalte durchgehen, auf die Sie sich konzentrieren sollten.

Überlegen wir kurz gemeinsam, was wir im zweiten Schritt der Karriereplanung bearbeitet
und definiert haben: Ihre beruflichen Ziele und Ihre Karriere- und Bewerbungsstrategie für
den nächsten Entwicklungsschritt.

Um Ihre Ziele einem Erfolgscheck zu unterziehen, sollten Sie sich mit folgenden Fragen
beschäftigen:

• Sind meine beruflichen Ziele realistisch oder habe ich mir etwas vorgenommen,
was zu viel/ zu hoch/ zu ambitioniert war?
• Sind mir meine beruflichen Ziele wichtig genug? Habe ich Ihnen den richtigen
Stellenwert eingeräumt und sie entsprechend priorisiert? Oder ist die Umsetzung
im Alltag untergegangen, weil anderes wichtiger war, z.  B. die Familie, der
Sport, die Freunde?
• Habe ich genug Energie und Zeit für die Umsetzung meiner Ziele gehabt? Oder
hat es mir an Energie und Zeit gefehlt?

Haben Sie eine oder mehrere Fragen mit Ja beantwortet, wissen Sie eigentlich schon, wo
Sie ansetzen sollten:

• Ihr Ziel ist nicht realistisch: Schauen Sie sich noch einmal die Stellenprofile an, die
Sie ins Visier genommen haben. Vielleicht braucht es hier eine Korrektur, weil Sie
zu hoch gegriffen haben, und Ihre Berufserfahrung noch nicht ausreicht. Machen
Sie noch einmal einen Kompetenzcheck und eine GAP-Analyse. Hier kann Ihnen
definitiv Insiderwissen bzw. eine Karriereberatung weiterhelfen. Vielleicht gibt der
Arbeitsmarkt heute die gewünschte Stelle nicht her, d. h. Sie müssen sich etwas in
Geduld üben und abwarten, bis der Arbeitsmarkt wieder in Schwung kommt oder
flexibler in Punkto Ihres Arbeitsortes sein und Ihre Suche ausweiten.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

• Sie nehmen Ihr berufliches Ziel nicht wichtig genug: Seien Sie ehrlich mit
sich. Reflektieren Sie und ziehen Sie eine Zwischenbilanz. Wie viel Zeit haben Sie
tatsächlich in die Umsetzung Ihrer beruflichen Ziele gesteckt? Genau so viel wie Sie
sich vorgenommen haben oder weniger? Kam jede Woche doch etwas dazwischen,
der Anruf eines Freundes, der Tennis spielen gehen wollte oder die Wohnung,
die geputzt werden sollte oder die Ausstellung Ihres Bekannten, die Sie besuchen
mussten? Es gibt immer gute Gründe, warum man sich nicht an den Schreibtisch
setzen kann und die vom eigentlichen Vorhaben ablenken. Wir sind oft Meister
darin, Vermeidungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Wenn Sie sich jetzt
ertappt fühlen, dann geht es jetzt darum, dass Sie sich noch einmal neu für die
Umsetzung Ihrer Ziele entscheiden. Schließen Sie mit der Vergangenheit ab und
gehen Sie bewusster an die Sache heran. Überlegen Sie sich, welche zusätzlichen
Kontrollmechanismen Sie einsetzen können, um sich selbst und Ihr Karriereprojekt
auf Kurs zu halten. Ein Sparringspartner, dem Sie regelmäßig Bericht erstatten, was
Sie gemacht haben? Dies kann ein Freund oder Partner, aber natürlich auch ein
Karriereberater sein.
• Sie haben zu wenig Zeit und Energie: Sie erkennen, dass Sie zu wenig Zeit und
Energie in Ihr berufliches Vorhaben gesteckt haben bzw. stecken können. Überlegen
Sie sich noch einmal, was realistisch ist, wie viel Zeit Sie tatsächlich einsetzen können,
um an Ihrem Projekt zu arbeiten. In den meisten Fällen nehmen wir uns zu viel vor
und viele Vorhaben scheitern daran, dass wir uns selbst frustrieren, weil wir uns
zu viel vorgenommen haben. Wenn Sie erkennen, dass Ihre Zeitplanung stimmig
war, Sie aber die notwendige Zeit nicht haben, weil Sie sehr viel arbeiten und die
übrige Zeit für Ihre Familie und das eine oder andere Hobby benötigen, dann
sollten Sie sich überlegen, welche Aspekte Ihres beruflichen Projektes Sie an einen
Profi delegieren können. Jetzt wissen Sie ja, dass es professionelle Karriereberater
gibt, die gerne für Sie Bewerbungsunterlagen optimieren, Stellen suchen, Xing- oder
LinkedIn-Profile anlegen oder optimieren und vieles mehr, was im Bewerbungsprozess
wichtig ist.

Gehören Sie zu denjenigen, die genügend Zeit und Energie in Ihren Karriere- und Bewer-
bungsprozess investiert haben, und dennoch keinen Erfolg haben, dann sollten Sie eine
Erfolgskontrolle hinsichtlich des Inhalts Ihrer Strategien machen.

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KARRIEREPLANUNG Schritt 3 – Die Umsetzung Ihrer Bewerbungs- bzw. Karrierestrategie

Hierbei sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

• Stellenprofile: Machen Sie noch einmal einen Kompetenzcheck und eine GAP-Analyse.
Sind Ihre Kompetenzen, Ihre Berufserfahrung und Ausbildung für die angestrebten
Positionen ausreichend? Vielleicht sollten Sie doch an eine Weiterbildung denken,
um Ihr Kompetenzprofil zu stärken und besser qualifiziert für die angestrebten
Berufe zu sein. Fragen Sie sich auch, ob Sie weitere Stellenprofile in Ihren Fokus
nehmen sollten, um sich weitere Möglichkeiten zu erschließen. Seien Sie flexibel:
brainstormen Sie anhand konkreter, ausgeschriebener Jobs, was noch im Bereich
des Erreichbaren für Sie ist.
• Bewerbungskanäle: Haben Sie alle Bewerbungskanäle, die wir in Schritt 2
besprochen haben, ausgenützt? Viele Kunden scheuen sich z. B. vor dem Kontakt
bzw. der Arbeit mit Personalvermittlern. Erinnern Sie sich noch einmal daran: Ihr
Ziel sollte es sein, alle Jobmöglichkeiten zu erfassen und zu bewerben. Schließen Sie
einen Kanal aus, so nehmen Sie sich viele Jobmöglichkeiten, von denen eine sogar
Ihr Traumjob sein könnte. Stellen Sie also sicher, dass Sie alle Kanäle bearbeiten!
• Bewerbungsunterlagen: Lassen Sie Ihre Bewerbungsunterlagen von einer dritten
Person analysieren und optimieren. Es kann sein, dass Sie formale und inhaltliche
Fehler machen, die Ihnen nicht bewusst sind. Auch der Umgang mit Lücken, die
durch Krankheiten, Ausbildungsabbrüchen oder Arbeitslosigkeit entstehen, ist oft
entscheidend oder kann verantwortlich dafür sein, dass Sie aus dem Bewerbungsprozess
früh herausfallen. Ich würde deswegen nichts unversucht lassen und mir professionelle
Hilfe holen, um diese „Fehlerquelle“, falls sie besteht, korrigieren zu lassen. Dazu
gehört auch der Umgang mit Arbeitszeugnissen, aber auch die Optimierung der
Unterlagen hinsichtlich Erfolgen, um Ihren Mehrwert überzeugender darzustellen.

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KARRIEREPLANUNG Schlusswort: Fortsetzung folgt

SCHLUSSWORT:
FORTSETZUNG FOLGT
Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie Erfolg in Ihrer beruflichen Neu- und Umorientierung
haben werden. Ich kann Ihnen versichern, dass sich der Erfolg einstellen wird, wenn Sie
den genannten Prozess verfolgen. Natürlich spielt maßgeblich eine Rolle, wie Sie Ihrer
Bewerbungsstrategie inhaltlich definieren und wie Sie in der Umsetzung vorgehen. Darauf
habe ich in diesem Rahmen nur bedingt Einfluss. Kommen Sie nicht weiter in Ihrem
Prozess, nehmen Sie meinen Rat ernst: Scheuen Sie sich nicht, sich professionelle Hilfe zu
holen! Damit am Ende alles gut wird und Sie ans Ziel kommen.

In einem zweiten Teil, der ebenfalls 2016 erscheinen wird, werde ich wichtige konkrete
Karrierefragen erörtern und Fallbeispiele besprechen. Auf diese Weise möchte ich Ihnen
weitere konkrete Hilfestellung bei der Umsetzung Ihrer beruflichen Ziele geben.

Ich freue mich schon auf unser Wiedersehen!

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KARRIEREPLANUNG Bibliografie

BIBLIOGRAFIE
1. Berndt, Jon Christoph: Die stärkste Marke sind Sie selbst. Kösel-Verlag, 4.
Auflage 2012.
2. Paulus, Jochen: Was will ich werden – Ein Überblick über die wichtigsten Studien-
und Berufswahltests. Geo-Wissen Magazin, 49. Ausgabe 2012, S. 131–146.
3. Rebillot, Paul und Kay, Melissa: Die Heldenreise – Das Abenteuer der kreativen
Selbsterfahrung. Kösel-Verlag, 2000.
4. Davies, Suzy: Johari’s Window. SilverWood Books Ltd, 2014.
5. Walter Feichtner, Karrierecoach München: Ihr „idealer“ Job (Abbildung 4).

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