Sie sind auf Seite 1von 3

Organisation und Institution im Neoinstitutionalismus Die Strukturen einer Organisation werden durch die Adoption gesellschaftlich institutionalisierter

Regeln geformt und erweitert.


Definition: Neo-Institutionalismus
In modernen Gesellschaften gibt es ausgedehntere Strukturen von institutionalisierten Regeln der
Beim Neo-Institutionalismus handelt es sich um eine Gegenbewegung zu herkömmlichen Rationalität und mehr Bereiche, die solche Richtlinien beinhalten. Demnach wird es immer schwieriger
behavioristischen Theorieansätzen und zu Ansätzen der rational-choice Theorien (rationale für Organisationen, den vielen unterschiedlichen Regelungen gerecht zu werden.
Entscheidung), die weitgehend als institutionenblind anzusehen sind.
Im Neo-Institutionalismus werden, in Abgrenzung zum herkömmlichen Institutionalismus, neben den
Beispiel: Umweltschutz und Verbraucherschutz. Früher waren Unternehmen nicht mit derartigen
formalen Institutionen auch nicht - formale betrachtet.
Gesetzen konfrontiert. Die zunehmende Ausdifferenzierung moderner Gesellschaften führt dazu, dass
immer neue Bereiche entstehen, die weitere institutionalisierte Regeln und Anforderungen mit sich
Der Begriff der Institution ist nicht eindeutig definiert.
bringen.
Allgemein wird eine Institution als ein Regelsystem verstanden, das eine bestimmte Ordnung
hervorruft, wobei soziologisch inspirierte Wissenschaftler auch kognitive Regeln des menschlichen
Handelns als Institution begreifen. Meyer und Rowan verwenden den Begriff ,,Rationalitätsmythen". Er soll ausdrücken, dass Rationalität
in verschiedenen Bereichen in verschiedenen Formen auftreten kann.
Der Neo-Institutionalismus fordert eine Erweiterung zusätzlicher Ordnungsprinzipien, die eine bessere
Abbildung der Realität gewährleisten sollen und als Kritik an den herkömmlichen Theorien zu Rationalitätsmythen bezeichnen Regeln, Rituale, die soziale Ziele bestimmen und gleichzeitig die
verstehen sind. Mittel festlegen, die zur rationalen Verfolgung dieser Ziele angemessen sind.

Warum sind Mythen wichtig? Dies ist eine Folge der Postindustriellen Gesellschaft, also der
Bürokratieansatz Max Weber Dienstleistungsgesellschaft. Berufe, die diese Mythen repräsentieren wären z.B. die Psychologen. Ein
Unternehmen möchte das beste Personal. Dies bekommt es nur durch Auswahl und Tests. Diese
Der Text von Meyer & Rowan richtet sich gegen die Bürokratiehypothese von Max Weber, der die wiederum können nur von Psychologen durchgeführt werden. Deshalb werden sie eingestellt. Es soll
Veränderungen der Herrschaftsformen von der patriarchialen über die patrimoniale zur bürokratischen also nach Aussen hin eine formale Struktur wirken. In Wahrheit aber, wird bei weitem nicht alles am
Herrschaft beschreibt, wobei er die Bürokratie als rationalste Form der legalen Herrschaft bezeichnet Personal getestet.
und analysiert hat.
Es führt also zum „Decoupling“: Entkopplung ermöglicht es der Organisation legitimierte formale
Laut Weber verwirklicht die Bürokratie das Prinzip der Rationalität, das den Erfolg der Moderne Strukturen aufrechtzuerhalten, während die tatsächlichen Aktivitäten als Reaktion auf aktuelle
ausmacht. Erfordernisse variieren.
Sie vereint Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit und erfolgt nach bestimmten gesatzten Regeln ohne
Ansehen einer Person.

Als Idealtypus der Bürokratie bezeichnet Weber die Verwaltung ⇒ Beamtentum.


Primäres Ziel des Bürokratieansatzes ist es, die Leistungsfähigkeit von Organisationen mit Hilfe von Einfluss institutioneller Umwelten auf Organisationen
Aufgabenverteilung und sachlicher Aufgabenerfüllung aufrecht zu erhalten.
Organisationen nehmen institutionalisierte Elemente ihrer Umwelten in ihre Strukturen auf.
Die Legitimation der bürokratischen (legalen) Herrschaft liegt in der rationalen Kompetenz des
Vorgesetzten und nicht in ihrer traditionalen Kompetenz. Diese Übereinstimmung mit den Erwartungen der Gesellschaft hat drei entscheidende Folgen für
Nach Weber sind alle Herrschaftsformen (traditionale, charismatische, legale), Formen legitimer Organisationen (Vgl. Meyer/Rowan 1977, S. 348ff.):
Macht.

Zwar sind Meyer & Rowan, wie bereits erwähnt, gegen Weber’ s Bürokratiehypothese, jedoch 1. Strukturelle Elemente werden übernommen, weil sie von der
verweisen sie auf seinen Legitimitätsbegriff, da ihrer Meinung nach nicht die Effizienz der Bürokratie Außenwelt legitimiert sind und weniger wegen deren Effizienz.
entscheidend ist, sondern eben die Legitimität.
Dadurch, dass Organisationen ihre Strukturen nach den Rationalitätsmythen gestalten, zeigen sie,
dass sie in sorgfältiger Weise kollektive Werte und Ziele verfolgen:
Institutionalisierte Organisationen

John W. Meyer, Brian Rowan: Institutionalized Organizations: Formal Structure as Myth Unternehmen sind beispielsweise so gut wie gezwungen dazu, Umweltschutzprogramme zu
and Ceremony. entwickeln oder Nichtraucherzonen in den Pausenhallen einzuführen, ganz gleich, ob sich diese
effizient auf das Arbeitsergebnis auswirken oder nicht. Organisationen sind weniger anfechtbar, wenn
Soziologischer Neo-Institutionalismus: Es handelt sich dabei um einen Ansatz, der sie mit institutionellen Regeln konform gehen. Tun sie dies nicht, kann das unter Umständen
insbesondere seit den 80er Jahren von einer Arbeitsgruppe um den Soziologen John W. Meyer in drastische Folgen haben: Sie werden von ihrer Außenwelt ,,illegitimiert" und das bedeutet im
Stanford entwickelt wurde und der mittlerweile auch in Deutschland auf große Resonanz gestoßen ist. schlimmsten Fall die Schließung eines Unternehmens.

Meyers und Rowans Botschaft ist: Vieles in Organisationen ist, wie es ist, nicht aus Gründen der
Effizienz, sondern weil Organisationen Legitimationsbeschaffung und -sicherung betreiben und dazu 2. Um den Wert von strukturellen Elementen zu bestimmen,
zeigen müssen, dass sie den in der Gesellschaft etablierten - institutionalisierten - Ansprüchen benutzen Organisationen externe und nicht ihre eigenen
an Solidität, Rationalität und Modernität genügen. Sie tun das durch den Einsatz sogenannter Bewertungskriterien.
institutionalisierter Techniken - des Rechnungswesens, der Wirtschaftsprüfung, der
Investitionsrechnung - und oft in zeremonieller, bloß symbolischer Art: Zertifikate, Diplome und Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass die Übernahme von modernen und angesehenen
Examensnachweise von Mitarbeitern „beweisen“ die Kompetenz, Computer demonstrieren Modernität Organisationskonzepten sogar die Kreditwürdigkeit einer Organisation verbessern kann. Solche
etc. Konzepte spiegeln die jüngsten Erkenntnisse von Experten wider und besitzen deshalb ein hohes
Prestige. Die Organisation zeigt damit, dass sie Anpassungsfähigkeit an die Erfordernisse der beispielsweise die eigenen Organisationstechnologien nicht genug ausgereift sind.
Situation besitzt und prozessorientiert ist (Vgl. Meyer/Rowan 1977, S. 351). Nachahmungsverhalten ist also praktikabel und eine kostengünstige Lösung. Trotz natürlich
intensiven Versuchen, sich von anderen Unternehmen zu unterscheiden, existieren nur eine
relativ kleine Bandbreite möglicher Variationen. Organisationen neigen also dazu, jene
3. Institutionalisierte Elemente erhöhen die Stabilität der internen Organisationen in ihrem Berufsfeld zu imitieren, die sie als legitimer oder erfolgreicher
und externen organisationalen Beziehungen. Sie puffern wahrnehmen.
mögliche Turbulenzen.
3. Normativer Isomorphismus:
Institutionalisierte Regeln gelten als sicher und gegeben. Sie reduzieren die Wahrscheinlichkeit von Dieser stellt die dritte Quelle isomorpher Veränderungen von Organisationen dar. Dabei geht es
extremen Instabilitäten hinsichtlich der als rational betrachteten organisationalen Verfahrensweisen, größtenteils um die Art der Professionalisierung, also den Bemühungen einer Berufsgruppe ihre
Tätigkeit zu definieren. Man unterscheidet zwei Aspekte von Professionalisierung, die wichtige
Techniken oder Produkte. Die Bedingungen des Marktes, die Eigenschaften von Einbringungs- und
Ausbringungsfaktoren oder die technischen Verfahrensweisen unterliegen ebenfalls der Steuerung Quellen des Isomorphismus darstellen. Auf der einen Seite die formale Bildung und Legitimation
durch Institutionen. auf kognitiver Grundlage, also die Denkfähigkeit, die beispielsweise an der Universität
bereitgestellt wird. Auf der anderen Seite berufliche Netzwerke, wie beispielsweise Berufs- und
Wirtschaftsverbände, die normative Regeln organisations- und berufsbezogenen Verhalten
Nach Auffassung der Institutionalisten hängt Erfolg und Überleben von Organisationen verbreiten.
auch von anderen Faktoren als der effizienten Steuerung der Arbeitsaktivitäten ab. Ein wichtiger Mechanismus für die Entstehung des normativen Isomorphismus ist die
Personalauswahl. Meistens erfolgt diese durch das Abwerben von Angestellten anderer
Es ist wichtig für eine Organisation, dass Vorgesetzte und Mitarbeiter vertrauensvoll Unternehmen. Dieses kann so leicht vollzogen werden, da zum Beispiel Manager von ähnlichen
zusammenarbeiten. Die Organisationsmitglieder verpflichten sich nicht nur, die Fassade der Universitäten kommen, nach den selben Kriterien ausgewählt werden, demzufolge auch ähnliche
,,rationalen Organisation" aufrechtzuerhalten, sondern auch die Dinge hinter dem Vorhang am Laufen Einstellungen besitzen und Entscheidungen in ähnlicher Weise vollziehen usw. Diese Ähnlichkeit
zu halten. ist es, die Transaktionen mit anderen Unternehmen erleichtert.
Vertrauen erfordert, dass angenommen wird, dass jeder in guter Absicht handelt. Allgemein betrachtet existieren also organisationale Felder mit vielen gut ausgebildeten
Arbeitnehmern. Um diese anzulocken ist das Renommee und die Ressourcen der Organisation ein
entschiedener Faktor.
Institutioneller Isomorphismus und kollektive Rationalität in organisationalen Feldern Hierdurch wird ein Homogenisierungsschub angestoßen, da sich die Organisationen bemühen ihrer
Belegschaft die gleichen Leistungen und Vorteile wie die der Konkurrenz bieten zu können.
Paul J. DiMaggio und Walter W. Powell
Das „stahlharte Gehäuse“ neu betrachtet: Institutioneller Isomorphismus und kollektive Rationalität in
organisationalen Feldern Prädiktoren ( Prognosen ) isomorphen Wandels

In dem hier vorliegenden Referatstext wurde untersucht, warum Organisationen eine so erstaunliche DiMaggio & Powell sagen in ihrem Text zwar, dass es empirisch schwer vorherzusehen ist, welche
Homogenität organisationaler Formen und Praktiken aufweisen. In allen Fällen ist die Entstehung organisationalen Felder hinsichtlich ihrer Entwicklung, ihrer Struktur wie auch ihres Verhaltens am
eines so genannten „organisationalen Feldes“ zu beobachten. Damit sind jene Organisationen homogensten sind. Dennoch versuchen sie anhand von Daten über die Eigenschaften der
gemeint, die gemeinsam einen abgegrenzten Bereich des institutionellen Lebens konstituieren, wie Organisationen eines bestimmten Feldes Hypothesen aufzustellen.
beispielsweise die wichtigen Zulieferfirmen, Konsumenten von Ressourcen und Produkten. Hierbei unterscheiden sie zwischen organisationsbezogenen und feldbezogenen Prädiktoren (jeweils
Die Besonderheit besteht hierbei darin, die Aufmerksamkeit nicht nur auf konkurrierende Firmen oder ein Beispiel).
Netzwerke zu lenken, sondern auf die Gesamtheit aller relevanten Akteure.
Dadurch umfasst dieses „Feld Konzept“ sowohl die Bedeutung der Verbundenheit als auch die der
strukturellen Äquivalenz (Gleichheit). Sobald sich unterschiedliche Organisationen innerhalb eines Organisationsbezogene Prädiktoren
gemeinsamen Geschäftszweiges zu einem „organisationalen Feld“ strukturiert haben, entstehen
starke Kräfte, die dazu führen, dass sich die Organisation einander angleichen. DiMaggio & Powell sagen, dass das Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit der sich Organisationen
Unternehmen haben somit um sich herum eine Umwelt geschaffen, die künftige innerhalb eines Feldes an Peer-Organisationen anpassen, variiert, da die verschiedenen
Entwicklungsmöglichkeiten einschränken. Organisationen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf Widerstand reagieren.
Neben diesem „organisationalen Feld“ lässt sich anhand des Konzeptes des Isomorphismus ein so
genannter „Homogenisierungsschub“ am besten erfassen. Isomorphie lässt sich als einen Prozess der Hypothese:
strukturellen Annäherung von Organisationen beispielsweise auf Grund von bürokratischen Zwängen „ Je größer die Abhängigkeit einer Organisation von einer anderen ist, desto stärker wird sie sich
bezeichnen. Organisationen an sich konkurrieren nicht nur um Macht und Ressourcen, sondern auch dieser Organisation in Struktur, Klima und Verhalten angleichen. “
um politische Macht und institutionelle Legitimation, um soziale wie auch ökonomische
Wettbewerbsfähigkeit. Diese Hypothese geht von der Tatsache aus, dass eine Organisation den Forderungen solcher
Man unterscheidet drei Arten von Isomorphismus, durch die es zu isomorphem Wandel von Organisationen besser widerstehen kann, von denen sie nicht abhängig ist.
Institutionen kommen kann: Nach DiMaggio & Powell hat ein Abhängigkeitsverhältnis dagegen isomorphe Veränderungen zur
1. Erzwungener Isomorphismus Folge, da Zwang zu einem Bestandteil des Austauschverhältnisses wird.
Erzwungener Isomorphismus stellt die Folge formalen wie auch informellen Drucks auf Sobald sich eine Organisation für einen bestimmten Großhändler oder Zulieferer bestimmter Teile
Organisationen dar, der aus Abhängigkeit oder aber auch aus kulturellen Erwartungshaltungen entschieden hat, entwickeln diese Firmen Fachkenntnisse bezüglich ihrer Aufgaben, aber auch
der Gesellschaft resultieren kann. Dieser Druck kann als Zwang aber auch aus Überzeugung idiosynkratisches1 Wissen über die Austauschbeziehung.
erlebt werden, sich an gemeinsame Absprachen zu halten. Beispielsweise passt sich die Industrie Die Organisation verlässt sich irgendwann auf den Großhändler oder Lieferanten und die
an neue technologische Möglichkeiten der Schadstoffkontrolle an, um vorgegebenen transaktionsspezifischen Investitionen verleihen den Lieferanten oder Großhändlern künftig
Umweltvorgaben zu entsprechen. Oder betreiben gemeinnützige Organisationen Buckführung und Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz.
beschäftigen Berater, um den Anforderungen der Steuergesetze genüge zu tun.

2. Mimetischer Isomorphismus:
Mimetischer Isomorphismus bedeutet, dass neben dem eben erwähnten Druck auch
Ungewissheit eine treibende Kraft sein kann, die Organisationen zur Nachahmung treibt, wenn 1
Strukturelles Verhaltensmerkmal, was spezifisch für eine Gruppe ist ( Idiosynkrasie)
Feldbezogene Prädiktoren

Die folgende Hypothese beschreibt - neben den anderen – die erwarteten Auswirkungen bestimmter
Charakteristika organisationaler Felder auf das Ausmaß des Isomorphismus in einem bestimmten
Feld.

Hypothese:
„ Je abhängiger ein organisationales Feld von einer einzigen (oder mehreren ähnlichen) Quellen
lebenswichtiger Ressourcen ist, desto ausgeprägter ist der zu beobachtende Isomorphismus. “

Diese Hypothese geht davon aus, dass die Zentralisierung von Ressourcen in einem Feld einerseits
homogenisierend wirkt, da alle Oganisationen einem ähnliche Druck durch die Lieferanten der
Ressourcen ausgesetzt sind. Andererseits eine solche Zentralisierung mit Unsicherheit und
Ungewissheit der Ziele einher geht, wodurch sich der Einfluss der Zulieferer erhöht.