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Computer im Kindergarten: "Muss das sein?

"

von Bernd Neumeister

Nicht nur in vielen Familien gehört der Computer zum Alltag.


Auch im Kindergarten ist der Computer zumindest Arbeitsgerät
für die ErzieherInnen. Aber wie ist es, wenn er auch für die
Kinder zugänglich ist und aktiv in der Arbeit mit Kindern
eingesetzt wird? Über Vor- und Nachteile berichtet Bernd
Neumeister.

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Viele Eltern stehen einer Nutzung des Computers im Kindergarten


skeptisch bis ablehnend gegenüber. Wie auch beim Fernsehen
fürchten sie, dass Kinder nur davor "geparkt" werden, und halten
weder Fernsehen noch Computerspielen für eine sinnvolle
Beschäftigung. Viele Eltern fürchten zudem, dass ihr Kind vor
dem Computer vereinzelt und den Kontakt mit seiner Umwelt
verliert. Sie halten es für wichtiger, den Kindern Spaß am Lernen,
an Spiel und Bewegung zusammen mit anderen Kindern zu
vermitteln, wofür der Computer untauglich ist. Dagegen steht
allerdings die Meinung von Eltern und auch Experten, die sich
einen möglichst frühen Umgang mit dem Computer wünschen,
am besten bereits im Kindergarten.

Nicht der Computer an sich ist das Problem

Die unterschiedlichen Positionen zu diesem Thema lassen bei


vielen Eltern die Frage aufkommen: "Ist der Kindergarten wirklich
der richtige Ort für das Erlernen des Umgangs mit dem
Computer?" Richtig ist, dass der Computer heute überall
eingesetzt und genutzt wird. Diese Tendenz wird sich auch gewiss
nicht mehr umkehren, im Gegenteil. Der Computer wird in den
meisten privaten Haushalten als Informations- und
Kommunikationsmedium genutzt, und im Arbeitsleben
funktioniert nichts mehr ohne ihn.
Ist das aber nun Grund genug, um für eine "Computerisierung
der Kindergärten" zu plädieren? Für viele Eltern ist das eine
Horrorvorstellung, da sie ihre Kinder allein und isoliert vor der
Kiste im Kindergarten verkümmern sehen. Vielleicht ist es aber
an der Zeit, dass wir jenseits solcher Ängste fragen, wie ein
sinnvoller Umgang mit dem Computer aussehen kann. Denn es
ist doch nicht so sehr unsere Angst vor dem Computer und der
Technik an sich, sondern eher die Angst davor, welche Inhalte
unseren Kindern damit vermittelt werden.
An einem Beispiel aus der Geschichte lässt sich zeigen, dass neue
Medien den Menschen immer schon Angst gemacht haben: So
fürchteten Bürger im 18. Jahrhundert das Medium "Buch", das
schädlich sei, nicht (nur) weil das Falsche, sondern einfach weil
zu viel gelesen werde. Heute ärgern wir uns darüber, dass unsere
Kinder nicht genug lesen. So ändern sich die Zeiten...

Wichtig ist, wie die Kinder an den Computer geführt


werden

Angesichts der Tatsache, dass Kinder vor neuen Techniken meist


keine Angst haben und Computer in den eigenen vier Wänden
und anderswo in der Erwachsenenwelt vorhanden sind, wird nun
auch für Eltern und ErzieherInnen die Frage wichtig, wie Kinder
an den Computer herangeführt werden können und was man
gemeinsam am und mit dem Computer tun kann. Vielleicht
sollten wir uns bewusst machen, dass doch letztendlich die
Inhalte entscheidend sind, die über den Computer und auch über
andere Medien vermittelt werden, und nicht so sehr die Technik
selbst.
Faszinierend am Computer ist die Möglichkeit, mit ihm
Informationen und Inhalte auf verschiedene Weise zu vermitteln,
darzustellen und "begreifbar" zu machen (Multimedialität). Es
spricht viele Kinder besonders an, wenn in
Computerlernprogrammen für verschiedene Altersstufen Text,
Bild, Ton oder sogar Film kombiniert werden, um Inhalte zu
vermitteln. Gerade die bildliche Darstellung erleichtert Kindern
das Verständnis.
Ein weiterer Vorteil für das Lernen ist das interaktive Moment,
das der Computer und die Lernprogramme bieten. Ihr Kind kann
mit der Maus oder Tastatur in das Geschehen eingreifen und
bestimmt so im Rahmen des Programms aktiv mit, wann und ob
es was lernen will. Es kann so seine eigene Geschwindigkeit
festlegen, was natürlich bei Radio oder Fernsehen nicht möglich
war. Gute Lern- und Spielprogramme ermöglichen dem Kind, sein
individuelles Lern- und Erfahrungstempo selbst zu bestimmen.
Allerdings ersetzen gute Lern- und Spielsoftware nicht alles
andere: Der Computer darf immer nur eine Spielmöglichkeit unter
vielen sein. Erfahrungen im Spiel mit anderen Kindern kann ein
Computer nicht ersetzen. Wichtig ist es außerdem, dass Ihr Kind
beim Herumtollen, Spielen und beim Sport ausgiebig Bewegung
bekommt. Eine halbe Stunde vor dem Bildschirm ist für
Vierjährige vollkommen ausreichend. Grundsätzlich müssen die
ErzieherInnen die Kinder bei ihren Erfahrungen mit dem
Computer begleiten. Bei der Auswahl der Software muss darauf
geachtet werden, welcher Spiel- oder Lernerfolg durch das Spiel
erreicht werden soll und wie die Fantasie und das Interesse des
Kindes angeregt werden.
Letztlich gilt also, was so oft im Leben gilt: auf gute Qualität
achten und Maß halten, dann überwiegen Nutzen und Genuss das
Risiko.
KINDER UND COMPUTER

Umgang mit dem PC im Kindergartenalter


Ab welchem Alter kann ein Kind mit dem Computer umgehen? Raubt ein
Coputer möglicherweise alle Kreativität? Oder ist ein spielerischer Umgang
mit den Neuen Medien schon im Kindergartenalter ein Muss, wenn aus den
Kleinen mal etwas werden soll? Dies Fragen und noch mehr beantwortet
unser Artikel.
WEITERLEITENDRUCKEN

Vor einem großen, grauen Computer sitzt ein fünfjähriges Kind und schießt am Bildschirm
Flugzeuge ab. Seine Augen, die hinter dicken Brillengläsern stecken, sind starr auf das
Spiel gerichtet. Es ist blass, weil es seit Tagen nicht draußen gespielt hat.
Kinder und Computer - dabei haben manche Eltern so ein Horrorszenario vor Augen. Sie
haben Angst, dass ihr Kind keine Freundschaften mehr pflegt und den Bezug zur Realität
verliert. Sie fürchten, dass es keinen Spaß mehr an Spiel, Bewegung und Sport hat.

Und auch die Experten streiten: Ab


welchem Alter kann ein Kind mit dem Computer umgehen? Sollte man den Kleinen nicht
ihre Kindheit lassen, bevor sie die schwierige Welt der "künstlichen Intelligenz" betreten, in
der ihnen möglicherweise alle Kreativität genommen wird? Oder ist ein spielerischer
Umgang mit den Neuen Medien schon im Kindergartenalter ein Muss, wenn aus den
Kleinen mal etwas werden soll?

Fest steht jedoch: Der Computer ist heute zum Alltagsmedium geworden. Und er wird in
den nächsten Jahrzehnten eine noch größere Rolle in unseren Leben spielen. Für Kinder ist
er eines von vielen Freizeitmedien, die im Haushalt zur Verfügung stehen. Er ist ihnen nicht
weniger vertraut als der Fernseher oder das Radio. Kinder haben keine Angst vor Technik .
Die Sorge vieler Eltern, dass ihr Kind - ist es einmal mit der Technologie in Berührung
gekommen - süchtig wird, ist unbegründet. Untersuchungen haben gezeigt, dass kleine
Computer-Freaks keineswegs sozial verkümmern. Die meisten haben viele Freunde,
treiben aktiv Sport und zeichnen sich durch einen großen Wissensdurst auch in der "realen
Welt" aus. Wichtig ist aber, das Kind zu einem verantwortungs- und sinnvollen
Mediengebrauch zu erziehen.

Warum Computer Spaß machen


Entscheidend ist, wie Sie Ihr Kind an den Computer heranführen und was Sie gemeinsam
am Computer tun. Es kommt auf die Inhalte an - ganz gleich über welches Medium sie
transportiert werden. Kinder-Software und ab einem gewissen Alter auch das Internet
können Kindern tolle Möglichkeiten zum Lernen und Spielen geben.
Die Multimedialität - also die Möglichkeit, Informationen auf verschiedene Weise dazustellen
- spricht Kinder an. Mal sind es Standbilder, mal kleine Filmchen, dazu kommen
Schriftzüge, gesprochene Texte, Geräusche oder Töne. Es fällt leichter, komplizierte
Sachverhalte zu verstehen, wenn sie bildlich dargestellt werden. Ein weiterer Vorteil:
Kinder-Software bietet Interaktivität. Das Kind kann bestimmen, wann es was lernen will. So
kann es selbstbestimmt und frei entscheiden.
Und es kann seine eigene Geschwindigkeit festlegen. Die klassischen Medien Radio und
Fernsehen spulen ihre Programme einfach ab. Sie stellen sich nicht auf das Tempo des
Kindes ein. Nicht selten führt die Masse an Reizen zu Konzentrationsstörungen und Unruhe
bei Kindern, die sich studenlang von der Glotze berieseln lassen. Gute Kinderspiel- und
Lernsoftware arbeitet ohne Zeitdruck. Das Kind kann zwischen drinn träumen und mit
seinen Computerhelden auf Abenteuerreisen gehen.

Computer schaffen Selbstvertrauen


Computer schimpfen nicht und niemand schaut einen an, wenn man etwas falsch macht.
Man kann solange probieren, bis man es geschafft hat. Der Kinder- und
Familienpsychologe Wolfgang Bergmann hat festgestellt, dass gerade Kinder mit
Aufmerksamkeits- und Lernschwächen beim Spielen am Computer aufblühen.
"Lernbehinderte Kinder brauchen weder Mitgefühl noch Schonung, denn das bestärkt die
Kinder in ihrem Gefühl des Anders-Seins und schwächt ihren Glauben in
ihre Leistungsfähigkeit . In der Cyberwelt mit ihren eigenen Gesetzen traut sich auch ein
lernbehindertes Kind das Lesen und Schreiben zu." Auch bei der Arbeit mit hyperaktiven
Kindern hilft der Computer: "Hyperaktive Kinder disziplinieren sich beim Spiel am Computer
auf eine Art, wie sie es sonst niemals tun." Computer schaffen Selbstvertrauen und machen
Kinder schlau - Eltern müssen die Computer nur richtig füttern.

Ab wann darf mein Kind an den Computer?


In den Vereinigten Staaten gibt es Software für Babys ab sechs Monaten. Sie sollen
dadurch lernen Farben, Formen oder Körperteile zu erkennen. Doch wie auch Fernsehen
ist reines Zuschauen am Monitor für Kinder in diesem jungen Alter nicht mit einem
Lernerfolg verbunden. Kleinkinder erforschen ihre Welt durch Tasten und Greifen besser als
über einen bunt flimmernden Bildschirm.
Mit zwei, drei Jahren entwickeln Kinder, deren Eltern zu Hause am Computer sitzen, oft
Interesse für den grauen Kasten. Auf Ihrem Schoß kann das Kind jetzt schon mal die Maus
in die Hand nehmen. Es gibt auch Software für Kinder ab 2 Jahren. Dort werden
Geschichten erzählt, die die Merkfähigkeit und die Konzentration fördern sollen. Gleichzeitig
lernt das Kind motorische Geschicklichkeit im Umgang mit der Maus. Ob Sie Ihr Kind schon
an den Bildschirm lassen, hängt davon ab, ob es große Neugier zeigt. Interessiert es sich
für den Computer, spricht nichts dagegen, den Nachwuchs mal an die Tastatur zu lassen.
Grundsätzlich gilt: Sprechen Sie danach mit dem Kind über das, was es auf dem Bildschirm
erlebt hat. So stellen Sie die Verbindung zur Realität wieder her. Erlebt das Kind
beispielsweise im Computerspiel Abenteuer auf einem Bauernhof, dann besuchen Sie doch
auch mal einen echten Bauernhof - und zeigen dem Kind, wie die Tiere in Natura aussehen.
Der Computer darf auch immer nur eine Spielmöglichkeit unter vielen sein. Erfahrungen im
Spiel mit anderen Kindern kann ein Computer nicht ersetzen. Und wichtig ist natürlich, dass
Ihr Kind ausgiebige Bewegung beim Herumtollen, Spielen und beim Sport bekommt. Eine
halbe Stunde vor dem Monitor ist am Anfang auch genug.
Für Vor- und Grundschulkinder gibt es eine Menge gute Software. Das Kind wiederholt
spielerisch, was es im Unterricht schon gelernt hat. Bei guten Spielen merkt es nicht mal,
dass es lernt. Denn die bunte Computerwelt hat nichts gemein mit verstaubten Tafeln, dem
Geruch von Kreide und dem gehobenen Zeigefinger.

Was ist gute Kinder-Software?


Viele Eltern wünschen sich ein Patentrezept: Wieviel Zeit darf mein Kind in welchem Alter
vor dem Computer verbringen? Doch solche Formeln gibt es nicht, aber es gibt einige
Regeln und Tipps für den Umgang mit dem Computer:

 Interessieren Sie sich dafür, was Ihr Kind spielt. Nutzen Sie den Computer nicht um Ihr
Kind für ein paar Stunden "ruhig zu stellen". Begleiten Sie es bei seinen Erfahrungen
mit dem Medium.
 Suchen Sie gemeinsam Software aus. Achten Sie bei der Wahl darauf, welcher Spiel-
oder Lernerfolg durch das Spiel erreicht werden soll.
 Schauen Sie sich an, wie das Kind motiviert wird. Beim Lernen in der Schule gibt es
nur ein Richtig oder Falsch. Löst aber ein Kind eine Aufgabe am Computer, öffnet sich
oft eine neue Welt und das Kind macht sich auf, sie zu entdecken. Das spornt an.
 Fragen Sie sich auch, wie der Stoff aufbereitet wird: Gibt es beim Spiel eine
Rahmenhandlung, bei der die Phantasie des Kindes aktiviert wird oder wird das Kind
lediglich von einem langweiligen "Mathetrainer" begrüßt?
 Achten Sie darauf, dass das Spiel nicht auf Zeit geht. Kinder brauchen ihr eigenes
Tempo beim Lösen der Aufgaben.
 Schauen Sie sich an, was das Kind während des Spieles frei wählen kann. Computer
vermitteln Kindern das Gefühl, ernst genommen zu werden, wenn sie selbst aktiv
entscheiden können, was sie spielen.

Kinder lieben Computerspiele, weil dort alles möglich ist. Sie haben das Geschehen in der
Hand. Sie können die Buchstaben zum Tanzen bringen oder als Superhelden durch die
Lüfte fliegen. Und bei guten Spielen lernen sie dabei auch noch was - ohne es überhaupt zu
merken.

Darf mein Kind auch ins Internet?


Viele Eltern denken beim Stichwort Internet an Sex, Gewalt und schreckliche Dinge, die im
World Wide Web auf die Kleinen warten können. Doch auch hier gilt: Der richtige Umgang
mit dem Medium ist wichtig. Wenn das Kind interessante, kindgerechte Inhalte kennt, findet
es wahrscheinlich "Erwachsenen-Inhalte" gar nicht so spannend. Immer mehr Firmen
bieten Kinder-Filter an. Das ist eine Software, die Sie auf Ihrem Browser installieren, die
dann Sites in denen bestimmte Wörter vorkommen nicht anzeigt. Diese Wörter sind
entweder schon vorher nach verschiedenen Schemen einprogrammiert oder können von
Ihnen eingegeben werden. Doch leider sind diese Programme nicht so gut und sicher. Zum
einen filtern Sie, wenn Sie beispielsweise "Sex" eingeben, nicht nur "gefährliche" Inhalte
heraus, sondern auch Aufklärungsseiten oder Informationen über AIDS. Zudem sind die
Kids meist ziemlich fix darin, das Filter-Programm zu umgehen. Und alles was verboten ist,
reizt um so mehr. Besser ist es, wenn Sie mit dem Kind zusammen das Netz erkunden.

Gute Kindersites im Internet:


Kinder-Suchmaschine: Blinde Kuh
www.blinde-kuh.de
Die Blinde Kuh ist die älteste und beste deutschsprachige Kindersuchmaschine im Netz.
Kinder können ihre Suchbegriffe eingeben und bekommen dann geeignete, ausgewählte
Seiten angezeigt. Auch zum stöbern ist die Seite super. Hier gibt zu allen erdenklichen
Themen Infos. Von A wie Ägypter bis Z wie Zoo. Auch toll: Der Suchmaschinenkurs.
Kindgerecht erklärt, wie man im Internet einen Fisch finden kann, obwohl es da gar kein
Wasser gibt.

Kindernetz
www.kindernetz.de
Die Kinderseite des Südwestrundfunks. Nett gemacht, mit einem Kinderhaus, in dem die
Kleinen ganz einfach ihre eigene Homepage gestalten können und jeder Menge Spielen. In
der Bibliothek wird kindgerecht erklärt wie das Internet funktioniert.

Kindersache
www.kindersache.de
Kinderseite des deutschen Kinderhilfswerks mit lustigen Spielen und Infos über alles was
Kinder interessiert.

Hier kommt die Maus


http://www.wdrmaus.de/
Die Seite von der Maus. Die Sachgeschichten lassen sich hier fast alle nachlesen. Bei den
Lachgeschichten können Kinder mitsingen, Geschichten angucken, Postkarten schreiben
und Spiele spielen. Liebevoll gemacht und auch was für ganz kleine Kinder.

Was ist Was?


www.wasistwas.de
Die Internetseite der bekannten Sachbuchreihe - hier gibt es für kleine Surfer viel
zuentdecken .
Gefahren im Netz
www.blinde-kuh.de/fbitips.html
Lesen Sie hier, was zu beachten ist, damit Ihr Kind sicher surft.

Literatur zum Thema


Computer machen Kinder schlau
von Wolfgang Bergmann
Was Kinder beim Computerspielen sehen und fühlen, denken und lernen.

Der Internet-Guide für Eltern und Kids


von Sabine Hamann
Gemeinsam surfen und den Cyberspace erforschen.

Der Kinder-Software-Ratgeber
Großer Lern-Software-Ratgeber
von Thomas Freibel
Die Software-Fiebel für Eltern. Thomas Feibel stellt die 300 neuesten Software-Angebote
für Kids vor.
Gibts auch im Internet: www.feibel.de

Computer-Ratgeber für Eltern und Kids.


von Jörg Schieb
Altersgerechte Hard- und Software im Härtetest.

Lernsoftware
www.lernsoftware.de
Hier können Sie sich informieren , was gute Kinder-Software ist.
PRO UND CONTRA
Computer im Kindergarten: "Wir müssen draußen bleiben?"
Interview mit Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer und Prof. Dr. Stefan Aufenanger im Themendienst 1 zur didacta
2009
12.01.2009 -
Es ist eine geteilte Welt: morgens der Kindergarten mit Spielzeug und Bewegungsspielen, nachmittags die
Medienwelt mit Fernseher, Computer und Konsole. Wäre aber gerade der Kindergarten nicht der geeignete
Ort, um diese beiden Welten zusammenzuführen? Oder sollten Kindergärten computerfreie Zonen bleiben?
Das wollte die Redaktion vom Ulmer Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer und vom Mainzer
Medienpädagogen Prof. Dr. Stefan Aufenanger wissen.

Kindergarten: Lieber malen und basteln als am Computer spielen?


Zu Hause ist für die meisten Kindergartenkinder die Welt auch eine Medienwelt – mit Fernseher, Computer und
Konsole. Wie kann der Kindergarten darauf reagieren?

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer - Bild: privat


Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer:Fernseher, Computer und Konsole gehören nicht in den Kindergarten. Genauso wenig
gehören sie ins Kinderzimmer. Wenn man sie dort findet, ist das schon schlimm genug. Der Kindergarten sollte
überhaupt nicht darauf reagieren, sondern den Kindern aufzeigen, dass es Alternativen zur virtuellen Realität gibt,
nämlich die reale Realität. Die kann man anfassen, riechen und schmecken, die ist widerständig und räumlich
dreidimensional. Sie ist im Grunde genommen viel interessanter als der schwache Abklatsch, den Bildschirme und
Lautsprecher liefern können. Dies sollen Kinder im Kindergarten erfahren und sie sollten es eigentlich auch zu Hause
erfahren.

Prof. Dr. Stefan Aufenanger - Bild: privat


Prof. Dr. Stefan Aufenanger: Wenn der Kindergarten einen situationsorientierten Ansatz vertritt, der auf die
Lebenswelt der Kinder Bezug nimmt, dann sollte auch dort die Medienthematik aufgegriffen werden. Dies kann so
aussehen, dass Kinder mit Medien gestalten – z. B. mit einer Digitalkamera Fotos machen und diese am Computer
bearbeiten –, oder dass sie zum kompetenten Umgang mit Medien, insbesondere dem Computer, pädagogisch
angeleitet werden.
Macht der frühe und angeleitete Umgang mit den Neuen Medien – etwa in Kindergarten und Grundschule – die
Kinder kompetenter und kritischer im Umgang mit Medien oder schadet diese frühe Mediennutzung?
Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer: Es gibt keine einzige Studie, die belegt, dass Kinder, die früh Medien konsumieren
hierdurch kompetenter werden. Das Gegenteil ist der Fall: Sie werden gleichsam "angefixt", wie dies bei frühem
Drogenkonsum auch der Fall ist und dadurch umso empfänglicher für spätere Sucht. Die beste Medienkompetenz
hat derjenige, der in Kindergarten, Grundschule und vielleicht sogar auch in der Sekundarstufe 1 die Medien
überhaupt nicht nutzt, sondern vielmehr eine solide Grundbildung erhält: ein oder zwei Instrumente spielt, sich
körperlich fit hält, z. B. im Sportverein und soziale Kontakte hat. Bildschirmmedien, dies ist nachgewiesen, stören
diese gesunde Entwicklung von Kindern. Sie machen dick, dumm und gewalttätig (hierzu gibt es jeweils Studien, die
man nicht sinnvoll anzweifeln kann). Wer anderes behauptet, der hat die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir zur
Mediennutzung durch Kinder haben, nicht zur Kenntnis genommen.
Prof. Dr. Stefan Aufenanger: Internationale Studien zeigen, dass der frühe Umgang mit dem Computer im
Kindergarten keinen negativen Effekte zeigt, man sollte sich aber auch nicht zu viel davon versprechen, d. h., dass
die Lerneffekte auch nicht besonders groß sind.
Wie können Erwachsene – Erzieherinnen und Eltern – die Mediennutzung der Kinder im Vorschulalter begleiten oder
steuern?
Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer: Erwachsene sollen die Mediennutzung im Kindergarten nicht begleiten. Sie sollen
dafür sorgen, dass keine Medien genutzt werden! Noch einmal: Das Gerede von sinnvoller Begleitung und
Kompetenzentwicklung etc. entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Demgegenüber wissen wir, dass gerade
der frühzeitige Medienkonsum zu Aufmerksamkeitsstörungen und Sprachentwicklungsstörungen sowie
Intelligenzminderung und vermehrter Aggressivität beiträgt. Diese Daten sind gesichert. Die Erwachsenen können
ihren eigenen Medienkonsum deutlich einschränken, um damit nicht dem Kind als Vorbild zu dienen. Das ist der
größte Beitrag, den sie leisten können.
Prof. Dr. Stefan Aufenanger: Zwei Dinge erscheinen mir bei der Mediennutzung von jungen Kindern wichtig: dem
Medienkonsum Grenzen setzen, also festlegen, wie lange ferngesehen oder am Computer gespielt werden darf, und
Unterstützung bei der Mediennutzung durch Erwachsene, also dabei sein, jedenfalls anfangs, und die Kinder nicht
vollkommen alleine lassen. So haben Eltern auch die Möglichkeit, Gespräche über Medien zu führen und sie lernen
das kennen, was die Kinder an und in den Medien lieben.
Neue Medien in Schulen sind inzwischen in allen vergleichbaren Industrieländern die Norm, auch wenn sie
unterschiedlich intensiv genutzt werden. Wie lange können Kindergärten überhaupt noch computerfreie Zonen
bleiben?
Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer: Keine einzige Studie hat bislang belegt, dass durch die Mediennutzung in den
Schulen Bildungsprozesse insgesamt gebessert werden. Wir haben jedoch eine Reihe von Studien, die zeigen, dass,
wenn beispielsweise ein Zwölfjähriger zusätzlich einen Computer hat, seine Leistungen in der Schule abnehmen. Ihre
Frage setzt voraus, dass es eine unaufhaltsame Tatsache sei, dass die Medien einen breiten Lebensraum selbst der
kleinsten Kinder einnehmen. Dieser Propaganda sollten wir uns mutig und beherzt entgegenstellen, denn es geht
hier um unsere Kinder, deren Gehirne durch die Medien nicht zugemüllt werden dürfen. Genau dies geschieht derzeit
jedoch flächendeckend. Das Beste, was Erwachsene im Hinblick auf den Medienkonsum von Kindern tun können, ist,
die Dosis soweit wie möglich zu reduzieren. Alles andere ist dummes Gerede!
Prof. Dr. Stefan Aufenanger: Viele Kindergärten haben inzwischen Computer angeschafft und integrieren sie auch
in ihre pädagogische Arbeit. Ich sehe es nicht als zwingend an, dass Kindergärten mit Computern ausgestattet
werden. Dies sollte vom Engagement der Erzieherinnen und ihren pädagogischen Konzepten abhängig sein.