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Die Bremer Stadtmusikanten

Was tun, wenn man an seinem Arbeitsplatz nicht mehr gebraucht wird? Die Hauptfiguren der
„Bremer Stadtmusikanten“, Esel, Hund, Katze und Hahn sind alt, schwach und können keine
Leistung mehr bringen. Ihre Besitzer wollen die treuen Tiere deshalb „schlachten“, „totschlagen“ und
„ersäufen“. Die Tiere fliehen gemeinsam nach Bremen um dort Musikanten zu werden. Auf der Reise
dorthin entdecken sie ein Haus, das von einer Räuberbande bewohnt wird. Mit einer List verjagen
sie die Gangster und besetzen das Haus: Indem sich die Tiere aufeinander stellen, bilden sie einen
Furcht erregenden Super-Körper. Die Räuber haben Angst vor dem Zusammenhalt der Tiere und
denken, sie hätten es mit Monstern zu tun. Die Lehre lautet also: Solidarität macht stark, allein ist
man nicht klein. Die Tiere haben sich nicht mit ihrem Schicksal abgefunden. Und weil sie ihre
unterschiedlichen Fähigkeiten für das gemeinsame Wohl einsetzen, erkämpfen sich die Tier-Rentner
den Traum aller Arbeitnehmer: ein Häuschen im Grünen.

1.2 Sachanalyse
Das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ gehört zur Gattung der Volksmärchen, die dadurch
gekennzeichnet ist, dass sie auf mündliche Traditionen zurückgeht und somit die Erzählweise,
Weltsicht, Wünsche und Hoffnungen des Volkes widerspiegelt. Das Märchen ist von den
Brüdern Jakob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) verfasst worden und
erschien erstmals 1819 in der zweiten Auflage der Sammlung der „Kinder- und Hausmärchen“3.
Der Kern des Märchens ist uralt; eine der vielen Varianten spielte bereits um 91 v. Chr. in Rom.
In dem Märchen finden sich typische Themen, Motive und Strukturmerkmale, die nach Max
Lüthi (1960) für die Gattung des europäischen Volksmärchens gelten. Hierzu gehören
dieFlächenhaftigkeit,die dadurch erkennbar ist, dass die vier Tiere ohne Innen- und Gefühlsleben
dargestellt sind und derabstrakten Stil,der wenig beschreibend ist, viele wiederholende Elemente
und formelhafte Zahlen (vier Tiere) aufweist. Ein weiteres Merkmal ist dieIsolation,da alle vier
Stadtmusikanten zunächst mit ihrem Schicksal allein gelassen sind und der Zufall entscheidet,
wie es mit ihrem Leben weiter geht.Welthaltigist das Märchen, da es um ein universales Thema,
nämlich Leben und Tod, geht.4Ferner sind die typischen Merkmale, wie die Unbestimmtheit von
Zeit und Ort, denn Bremen wird von den Tierfiguren nie erreicht und das kleine, namenlose
Figurenarsenal (Esel, Hund, Katze, Hahn, Räuber) in dem ausgewählten Märchen zu beobachten.
3
Vgl. Bartoniþek, Nina:Märchenzeit. Handlungsorientiertes Arbeiten mit Märchen.Seelze-Velber: Kallmeyersche
Verlagsbuchhandlung GmbH, 2000, S.9.

4
Vgl. Bartoniþek, Nina:Märchenzeit. Handlungsorientiertes Arbeiten mit Märchen.Seelze-Velber: Kallmeyersche
Verlagsbuchhandlung GmbH, 2000 S.7-8.

Die Handlung zeichnet sich durch einen einsträngigen Aufbau und eine verständlichen Sprache
aus. Zudem wird das Märchen im Präteritum von einem auktorialen Erzähler geschildert.5Dieses
Märchen unterscheidet sich von vielen anderen, da von Anfang an Tiere, statt Menschen, als
Hauptfiguren auftreten. Diese Tiere stehen repräsentativ für die Menschen, weil sie sprechen und
organisieren können. Die dramatische Handlung beginnt, als die Tierhalter ihre Nutz- und
Haustiere töten wollen, da sie alt und schwach geworden sind. Die Situation löst beim
Leser/Hörer Unverständnis und Mitgefühl aus, da bei den meisten Menschen die Tierliebe und
nicht der Kosten-Nuten-Faktor im Vordergrund steht.

Das Verlassen des Besitzers, für das sich die Tiere selbst entscheiden, kommt einer Kündigung
gleich. Die Situation der Tiere kann, auf die heutige Zeit übertragen, symbolisch für die
Ausbeutung des Arbeitnehmers durch den Arbeitgeber stehen. Wer den harten Bedingungen und
Anforderungen nicht mehr standhalten kann, wird als nutzlos bezeichnet und aussortiert. Mit
ihrer auswegslosen Lage, kritisieren die Tiere die sozialen Missstände in der Gesellschaft. Als
mögliche Lösung des Problems wollen die kleinen Leute (Tiere) ihr Glück in der Stadt
suchen.6Die Stadt Bremen galt in der damaligen Zeit als reiche Stadt und hatte zur Zeit der Hanse
als Handelsstadt eine wichtige Bedeutung. Sie repräsentiert im Märchen das freiheitliche
städtische Leben, in der man damals große Chancen hatte Geld zu verdienen.

Ein weiteres zentrales Thema des Märchens ist das Altwerden und die Konfrontation mit dem
Sterben. Der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn sind altersschwach und haben sich in ihrem
bisherigen Leben für ihren Herrn aufgeopfert. Alt sind sie im übertragenen Sinne auch
geworden, da sie nicht entsprechend ihren Bedürfnissen leben durften und fremdbestimmt
wurden. Erst als sie ausbrechen und ein neues Lebensziel vor Augen haben, gewinnen sie ihre
Lebensenergie zurück. Der Esel wehrt sich als erster gegen sein Schicksal und entwickelt sofort
ein Konzept für seine neue Lebensphase. Auf seinem Weg trifft er nacheinander den Hund, die
Katze und den Hahn, denen er intuitiv ihr Schicksal anmerkt. Er wird zum Anführer und
Ideenträger der anderen drei Tiere. Die Entscheidung der Tiere nach Bremen zu gehen,
verdeutlicht dem Leser/Hörer, dass es hilfreich ist, eine Zielorientierung zu entwickeln, wenn
man sein Leben wirklich verändern will. Unterwegs vollzieht sich ein Wechsel der Zielrichtung.
Da die Stadt für einen Tagesmarsch zu weit weg ist, machen sie in einem Wald Rast. Das
Entdecken eines erleuchteten Hauses führt zur entscheidenden Wende auf dem Lebensweg der
Tiere. Das Überlisten der Räuber durch die Kooperation der Tiere stellt den Höhepunkt des
Märchens dar. Der Leser/Hörer versteht diese Szene als ausgleichende Gerechtigkeit, auf Grund
des harten Schicksals, das die Tiere erleiden
5
Vgl. Sahr, Michael:Zeit für Märchen: kreativer und medienorientierter Umgang mit einer epischen
Kurzform.Baltmansweiler: Schneider-Verlag Hohengehren, 2002, S.20.

6
Vgl. Fatke, Reinhard, Valtin, Renate:Es war einmal…Märchen heute. Didaktische Entwürfe und Unterrichtsbeispiele aus
den preisgekrönten Lehrereinsendungen zu dem Wettbewerb „Das lesende Klassenzimmer“.Frankfurt am Main:
Arbeitskreis Grundschule e. V., 1986, S. 42.

LERNZIELE
Die Schülerinnen und Schüler sollen:
1. die Tiere als Kreaturen in der positiven Rolle erkennen,
2. das Gute vom Bösen unterscheiden,
3. erkennen, dass am ende das Gute überwiegt und siegt,
4. lernen, dass gemeinsames Handeln stark macht,
5. erfahren, dass man in Krisensituationen nicht verzagen soll,
6. bereit sein, anderen in der Not zu helfen,
7. den Handlungsablauf in Sinnabschnitte aufteilen,
8. die Textabschnitte in der Reihenfolge einordnen,
9. inspiriert werden, die Szenen mit Bastelmaterial zu gestalten,
10. in der Rolle der Tiere das Märchen nachzuspielen,
11. die Märchenwelt von der realen Welt unterscheiden können
12. mit eigener Vorstellung und Phantasie das Märchen fortführen.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=pMDw0z4-hew#t=11s