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D E Z E M B E R 2019 • JÄN N E R 2020

EUR 6

A XIS -TES

9
PR T

Freeride-Ski
für
Allrounder

Die Schönheit der Natur entdecken

HREN
SKIFA
ERN
WAND N
N GL AUFE
LA

Rodeln & Winterwandern, Freeriden & gutes Essen

Abseits der Pisten


FOTOS: XXXXXXX

Weiße Riesen Steirischer Winter Weit langlaufen


Einsame Spuren Mit Schneeschuhen Loipenwandern
im Tiroler Zillertal am Zirbitzkogel im Hochpustertal
SALEWA.COM
DRY BACK
E N G I N E E R E D
I N T H E D O L O M I T E S

R A N D O N N É E

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Gipfelbuch
WEIHNACHTEN IN DEN BERGEN

Den Jungen bei der Arbeit zuzusehen kann wirklich te mit Michael Holzer den Kletterrouten von Wiens be-
großen Spaß machen. Robert Maruna zum Beispiel, rühmtem Psychiater Viktor Frankl. „Berg und Sinn“
wenn er seine Schwünge in den Salzburger Tiefschnee aus dem Bergwelten-Verlag ist das perfekte Weihnachts-
setzt (Seite 86). Maruna ist 32, am liebsten draußen, geschenk (idealerweise mit einem Bergwelten-Abo,
und wenn er drinnen ist, ist er Online-Redakteur bei ­siehe bergwelten.com/abo). Einen ersten Einblick gibt
Bergwelten, der gerne auch einen Fuß in der Magazin- „Der kletternde Psychiater“, ab Seite 148.
Redaktion hat. Weihnachten ist, wenn sich David Pfeifer hinsetzt,
Oder Katharina Lehner: Die 31-Jährige ließ sich um Längeres als seine Kolumne zu schreiben (die da-
­weder von den Strapazen tagelangen Langlaufens (Sei- her ausnahmsweise entfällt). „Erste Abfahrt“ ist eine
te 104) noch von den Dornen in den entlegenen Berg- schöne Vorbereitung aufs große Fest: „Auch dafür ist
gebieten Marokkos (Seite 136) abhalten, ihre Geschich- Skifahren eine feine Sache. Weil man es mit Freun-
ten abseits der üblichen Routen zu suchen. den und der Familie teilen kann und weil es an den
Das Großartige an diesen jungen Leuten ist aber, Rändern Raum für Glück lässt.“ Ab Seite 62.
dass sie nicht nur steil und abenteuerlich können, son- In diesem Sinne wünschen wir frohe und glück­
dern auch richtig gut schreiben. liche Weihnachten und eine angenehme Lektüre mit
Die nicht mehr ganz Jungen verfassen Bücher: Klaus der 28. Ausgabe von Bergwelten.
Haselböck aus der Chefredaktion dieses Magazins folg- Die Redaktion

WER UNS DURCH DIESE AUSGABE BEGLEITET

FOTOS: DORIS VOITL, RBMH/ ELISABETH PRATTES, ANDREAS LATTNER, LISA EDI
STEFAN VOITL MARA SIMPERLER ANDREAS LATTNER KATRIN RATH
ist gebürtiger Nieder- ist wieder da. Sie war in ist kaum eine Perspektive ist im World Wide Web
österreicher, zog aber Karenz, hat einen Buben fremd: steile Wände, die Stimme von Berg­
der Liebe zu den Bergen zur Welt gebracht, der es ­schmale Grate, Täler vom welten. Als Social-Media-
wegen nach Innsbruck. nun auch mal ohne Mutter Gleitschirm aus. Nur an Verantwortliche beant­
Mittlerweile macht er so­ aushält, weil der Vater gut zwei Bretter hat sich der wortet sie unter anderem
gar seine Bergführeraus­ für ihn sorgt. Die Mutter Snow­boarder erst kürzlich Fragen der Community
bildung und hat deshalb kümmert sich derweil als gewöhnt. Damit geht (und auf Facebook und kura­
wieder mit dem Skifahren Chefin vom Dienst um fotografiert) es sich leich­ tiert, was auf unserem
begonnen. Wer wäre also die Gestaltung und Aus­ ter. Etwa wenn er bei einer ­Instagram-Stream zu
besser geeignet, um das stattung dieses Magazins dreitägigen Überquerung ­sehen ist. Für das Magazin
große Bergporträt im und verfasste auch die Weite seiner Heimat­ wählt sie ab dieser Aus­
Zillertal bildlich festzu­ die Titelgeschichte: berge im Toten Gebirge gabe das schönste User­
halten? Bei den weißen Wenn Skifahren nicht einfängt. Gemeinsam bild aus, das wir Ihnen
Riesen, ab S. 46. genug ist, ab S. 70. ­einsam, ab S. 116. im Einstieg (S. 16) zeigen.

4 BERGWELTEN
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DEZEMBER 2019 • JÄNNER 2020

Inhalt Regionen, Menschen, Leben & Sport

46 86

38
24 Schneeschuhtour 80 3 Tage im Luxusort 104 Weitlanglaufen 126 Mode
Außer Atem: unterwegs am Der Glitz von St. Moritz: Lange Tage, dünne Bretter: Auf in die Halle:
steirischen Zirbitzkogel Ski- statt Schaulaufen von Ost- nach Südtirol Stylisches fürs Bouldern

34 Bergproviant 86 Freeriden 114 Gepäckkontrolle 136 Reise


Gutes verdichten: Ein Zirkus auf zwei Gipfeln: Gespür für Schnee: Über das Meer und die Berge:
ein Lob auf das Kletzenbrot in Saalbach-Hinterglemm der Lawinenprognostiker Trekking in Marokko

38 Hüttenporträt 96 Auf dem Prüfstand 116 Auf Tourenskiern 148 History


Bergstation: Zwei Welten, ein Ski: Gemeinsam einsam: in drei Der kletternde Psychiater:
die Maseben in Südtirol Freetouring-Modelle im Test Tagen über das Tote Gebirge Bergpionier Viktor Frankl

46 Bergporträt
Bei den weißen Riesen: KOLUMNEN
im Tiroler Zillertal 14 Ankes Online/Offline
152 Messners Philosophikum
160 Abwärts mit Nachförg
60 Schneespiele
Ein Snowpark am Haushang:
Freestylen mit Kindern STANDARDS
4 Editorial

FOTOS INHALT: STEFAN VOITL, RUDI WYHLIDAL, SAM STRAUSS (2)


62 Weihnachts-Essay 8 Panorama

COVERFOTO: SCHLADMING-DACHSTEIN/ MATHÄUS GARTNER


14 Einstieg & Aufstieg
Erste Abfahrt: David Pfeifer
154 Après-Berg
über Momente des Glücks 156 Bergwelten bei ServusTV
158 Bergwelten Online
68 Valentins Favoriten 162 Vorschau, Impressum
Gesucht: otter Zweier
zum Rodeln

70 Wintersport
Wenn Skifahren nicht genug
ist: Skigebiete mit dem Extra

78 Sicherheit
104
Cover: Schneeschuhwandern
Auf großem Fuß: Verhalten vor der Neustadtalm
bei Schneeschuhtouren in Ramsau am Dachstein

6 BERGWELTEN
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Panorama
Steile Wände, luftige Abenteuer und staubende Abfahrten:
Was mutige Menschen im Winter in den Bergen treiben.

8 BERGWELTEN
Über den Gipfeln
Zwei Jahre Planung waren
nötig, bis die Vision dreier
österreichischer Freerider
Realität wurde: Sie seilten
sich aus einem Zeppelin ab,
um im Vorarlberger Rätikon
neue Abfahrten zu entdecken,
wie hier am Kleinen Valkastiel
(2.233 m). Der Film zum
Abenteuer „Zeppelin-Skiing“
läuft am 16. Dezember
auf ServusTV.
FOTO: SERVUS TV/ MIRJA GEH

BERGWELTEN 9
Steil nach unten
Manchmal entscheidet der
Zufall über ein Bild. Fotograf
Oskar Enander und Johan
FOTO: OSKAR ENANDER

Jonsson waren gemeinsam


in Engelberg in der Schweiz
unterwegs. „Eigentlich wollten
wir woanders abfahren“,
erzählt Oskar Enander. Doch
die zweite Wahl wurde zum
perfekten Spot für den Sprung
von Johan Jonsson.

10 BERGWELTEN
Steil nach oben
Charly Fritzer und Matthias
Wurzer arbeiten sich eine
Wand im Cairngorms-
Nationalpark in Schottland
nach oben. Die Besonderheit
hier ist, dass man beim Mixed-
Klettern an einer Mischung
aus Schnee, Eis und Fels nach
oben muss. Diese „Rime“
genannte Mischung entsteht,
wenn feuchte Luft vom Atlantik
durch den starken Wind an
die Wand gepresst wird.
FOTO: MICHAEL MEISL

BERGWELTEN 11
12 BERGWELTEN
FOTO: ANTON BREY
Den Grat entlang
Die Skitour über die Ostflanke
auf die 2.628 Meter hohe
Alpspitze in Bayern ist ein
Klassiker. Fotograf Anton Brey
stieg an diesem Tag bis zur
Ostschulter hoch und hielt
diesen einsamen Skitouren-
geher fest, der gerade
den Ostgrat entlangging.

BERGWELTEN 13
Einstieg  & Aufstieg Wissenswertes für die nächste Bergtour

Bergtipp
ZACKIG IM EIS
Steigeisen ist nicht gleich Steigeisen – im
Winter entscheidet man je nach Vorhaben,
welches Modell an den Schuh kommt.

WINTERWANDERN
Im leichten Gelände gehören
Grödel oder Schuhspikes zur
Grundausstattung. Wird es
stellenweise eisig, legt man sie
an. Die Mini-Steigeisen passen
zu jeder Sohle und bieten
mit ihren Zacken und Ketten
– meist in der Sohlenmitte –
schnell besseren Halt.

GLETSCHERTREKKING
Für leichte Hochtouren oder
Gletscherquerungen tun es
Leichtsteigeisen. Sie haben
möglichst wenige Features,
Ankes Online/Offline-Kolumne um Gewicht zu sparen, da
man sie nur sporadisch aus
WINTERSONNENGRUSS dem Rucksack holt. Oft sind sie
aus leichtem Alu gefertigt und
Auf Social Media berühmt zu werden ist schwerer, als ich nutzen sich somit schneller ab.
dachte. Da nicht davon auszugehen ist, dass ich bald mit Ger-
linde Kaltenbrunner im Huckepack Achttausender besteige ANSPRUCHSVOLLE
(#sensation!) oder eine Dreiecksaffäre mit den Huberbuam HOCHTOUREN

FOTOS: JULIAN ROHN, BLACK DIAMOND (3), PETZL; ILLUSTRATION: ROLAND VORLAUFER
ans Licht kommt (#skandal!), muss ich mir etwas anderes für Wenn man auf wechselndem
die sozialmediale Aufmerksamkeit einfallen lassen. Nach dem Untergrund – also Eis und Fels
Erfolg meiner Kreation „Solo-Synchronschwimmen“ habe ich – unterwegs ist, sollten die
beschlossen, auch eine Wintersportart zu erfinden. Steigeisen etwas aushalten.
Man greift zu Universalsteig­
Da im Moment ja alle so besessen vom Bergerauflaufen
eisen aus Stahl. Die horizontalen
sind, dass nicht mal der kleinste Schlitten­hügel vor Touren- Zacken sorgen für Halt, die
gehern sicher sein kann, und die Shanti-Shanti-Community Stollenplatten dafür, dass
jeden noch so schiefen herabschauenden Hund mit Likes sich keine Schneeklumpen
überschüttet, präsentiere ich stolz: Splitboard-Yoga! auf der Unterseite bilden.
Mit der Kombination von zwei Trends müssen doch auch
doppelt so viele neue Follower drin sein. Und wenn ich mir STEILES EIS
am Gipfel beim Sonnengruß ganz entspannt die Skispitze Je steiler es wird – etwa beim
in die Wade ramme und den Atem beim dazugehörigen Ge- Wasserfallklettern –, desto
brüll ießen lasse, wissen selbst die Menschen ohne Internet­ wichtiger sind die Frontalzacken,
die bei vielen Modellen fürs
empfang, dass ich endgültig auf den Hund gekommen bin.
Eisklettern längenverstellbar
Auf den heraufschauenden, in diesem Fall.
sind. Wie Pickel schlägt man sie
ins Eis. Die extremsten Modelle
Autorin Anke Eberhardt sucht Follower! haben 14 Zacken und eine Mono­
Folgen Sie ihr, auf Instagram unter spitze, mit der präzisere Be­
@anke_is_awesome wegungen möglich sind.

14 BERGWELTEN
GROSSE FREUDE
So viel Neuschnee, dass man
von Dächern springen kann
– dafür müssen einige
Bedingungen stimmen.

FRISCHER SCHNEE
Was es braucht, damit Flocken fallen

1. Kalte Wolken: Der Prozess Schnee ist aber Wasserdampf. 4. Bewegung: Wirbeln meh­ 6. Kälte in allen Schichten:
beginnt, wenn in einer Wolke Wenn dieser stark abkühlt, rere solcher Eisplättchen in Die Schneeflocke kommt je­
eisige Temperaturen herr­ nennt man das nicht frieren, einer Wolke umher, stoßen doch nur dort an, wenn es
schen. Die Luft am Boden sondern resublimieren. sie aneinander und verbinden in allen Luftschichten kalt ist.
darf jedoch nicht zu kalt sein, sich. Die sechseckige Form Taut sie unterwegs, regnet
sonst kann sie keinen Wasser­ 3. Staub: Wasserpartikel in bleibt. es. Taut die Flocke und friert
dampf aufnehmen und nach der Wolke kühlen ab und wieder ein, gibt es Hagel.
FOTO: STEFAN VOITL

oben transportieren. gefrieren an winzigen Staub­ 5. Gewicht: Je mehr Plättchen Am wahrscheinlichsten


körnern zu Eis. Sechs Was­ sich verbinden, desto schwe­ wird Schneefall bei etwa
2. Wasserdampf: Kühlt Was­ serteilchen und ein Staubkorn rer wird das Gebilde und fällt null Grad Celsius – die dicks­
ser stark ab, entsteht Eis – ergeben jeweils ein sechs­ irgendwann als ­Flocke Rich­ ten Flocken gibt es bei hoher
es friert. Die Grundlage für eckiges Eisplättchen. tung Boden. Luftfeuchtigkeit.

BERGWELTEN 15
TIPPS

Einfache Touren
DAS ERSTE MAL AUF
SCHNEESCHUHEN
Salzburg
Am Fuße des Hochkönigs
Bestens beschildert und in einer der
schönsten Regionen Salzburgs gelegen,
führt der Salewa-Schneeschuhweg vom
Arthurhaus oberhalb von Mühlbach zum
Troiboden am Fuße des majestätischen
Hochkönigmassivs. Sonnenausgesetzt-
heit und ein Bergpanorama, das seines-
gleichen sucht, gepaart mit der gleich-
förmigen Bewegung auf Schneeschuhen
machen diese leichte Rundtour zum
­absoluten Naturerlebnis. # bergpic
Start: Arthurhaus, Mühlbach am
Hochkönig Dauer: 1 h Strecke: 2,2 km NACHTS AM GLETSCHER
Höhendifferenz: 112 m
Schnell mal rauf auf den Berg, das Zelt aufschlagen und den Auslöser ein
Vorarlberg
paarmal drücken? Nicht mit Nicolas Kramer – und nicht für dieses Foto. Der
Biosphärenpark von oben
Schweizer hat 18 Monate geplant und gewartet, bis der Chüebodengletscher
Schon die Fahrt mit der Gondelbahn
von Sonntag-Stein ist ein Erlebnis für am Gerenpass so perfekt vor der Linse seiner Kamera lag. Die Zutaten für
sich und bietet einen Blick über den ge- diesen – alles andere als zufälligen – Shot auf über 2.500 Metern: ein freies
samten Biosphärenpark und das Berg- Wochenende, ein großer Schuss Ausdauer und Trittsicherheit für den
steigerdorf Großes Walsertal. Von der 3½-stündigen Zustieg, eine sternenklare Neumondnacht und eine Prise Eis
Bergstation wandert man über Vorder­ im Gletschersee. All das ist glücklicherweise eingetreten – hätte er ein paar
steinbild zum Rossbödele, wo der mar- Wochen gewartet, wäre der See schon komplett zugefroren gewesen und hät-
kierte Winterwanderweg weiter zur Alpe
te das Spiegelbild der Milchstraße erst Monate später wieder freigegeben.
Unterpartnom führt. Das Partnomhüsli
lädt zur Einkehr ein, bevor man sich auf
den Rückweg macht.
Nicolas Kramer, 21, heißt auf Instagram @nicolasperspective
Start: Bergstation Gondelbahn Sonntag-
Hier zeigen wir die schönsten Bergfotos unserer Community.
Stein Dauer: 1,5 h Strecke: 3,9 km
Sie wollen auch mitmachen? Posten Sie mit Hashtag #bergpic.
Höhendifferenz: 310 m

Steiermark
Auf der Planai
Mit der Gipfelbahn Hochwurzen geht Fragen & Antworten
es hinauf auf die Planai. Von der Berg­
sta­tion folgt man zunächst dem Rodel- WAS BRINGEN
weg, lässt das Skigebiet hinter sich KOMPRESSIONSSTRÜMPFE?
FOTOS: NICOLAS KRAMER, LORE MOSIMANN

und taucht in die winterliche Ruhe des


Waldes ein. Bald schlängelt sich der Weg
leicht aufwärts zum Rossfeld, von wo
Wissenschaftlich bewiesen ist: Technische Socken
aus man immer wieder Blicke ins Tal und helfen, Verletzungen an den Füßen vorzubeugen.
auf die Schladminger Tauern genießt.
Start: Hochwurzen Bergstation Planai
Der Grund: Kompressionsstrümpfe liegen sehr
Dauer: 1,5 h Strecke: 3,5 km eng an, deshalb entstehen keine Falten, die leicht
Höhendifferenz: 274 m
­Blasen verursachen können. Besser Ski fahren
wird man damit zwar nicht, sich besser fühlen
bergwelten.com/einfachetouren: Details zu
den ­Touren mit 3D-Karten und Wetterprognose ­unter Umständen schon.

16 BERGWELTEN
PAT R O L E 1 2 2 L
SCOTT
PAT R O L E 1
AVA L A N C H E
B AC K PAC K
E L E C T R I C AVA L A N C H E S Y S T E M

U LT R A L E I C H T ES 1 2 8 0 G SYS T E M
KEINE REISEEINSCHRÄNKUNG
WIEDERAUFLADBAR MIT USB
O D E R A A B AT T E R I E
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FA S S U N G S V E R M Ö G E N

SCOTT-SPORTS.COM
© SCOTT SPORTS SA 2019.20 | Photo: Grant Gunderson | Athlete: Sam Cohen
Bergmoment
–12 GRAD
Der Mann, der hier unerschrocken durch die eisigen Stromschnellen der
­Saalach bei Lofer in Salzburg pügt, ist Robert Machacek. Der 33-Jährige
verbringt jede freie Minute in den Flüssen rund um seinen Heimatort
­Mattsee und lässt sich auch im Winter nicht davon abhalten. Bei zwei Grad
kaltem Wasser und minus zwölf Grad Außentemperatur meistert er hier
KLIRRENDE das Ende der sogenannten „3er-Kombi“ in der Teufelsschlucht der Saalach.
FOTO: CLAUDIA ZIEGLER

KÄLTE Die klirrende Kälte hat Fotogran Claudia Ziegler bei diesem Shooting auch
am eigenen Leib erfahren: Der Schneeblock, von dem aus sie foto­graerte,
brach ein, und sie landete samt Kamera im Wasser. „Die Kamera hat es über-
lebt“, erzählt Claudia Ziegler, „aber meine Zehen haben Wochen gebraucht,
um wieder Gespür zu bekommen.“

18 BERGWELTEN
TIPPS
Berg-Knigge
WIE FÄHRT MAN RICHTIG LIFT?
Liftwart Mario Lechner aus Zürs am Arlberg über Stau in der Zufahrt

Mal ehrlich, niemand steht gerne an. Wir Liftwarte folgen deshalb dem gol-
denen Grundsatz: Jede Staubildung ist auf jeden Fall zu vermeiden. Und
da kommen die Gäste ins Spiel – hier meine goldenen Liftfahrertipps:
1. Schlepplift-Anfängern fehlt es noch an Erfahrung und Können. Wir
Liftler schauen deshalb darauf, dass Skilehrer oder gute Skifahrerinnen ge-
meinsam mit Anfängern ein Bügel-Paar bilden. Wenn man also gefragt wird:
Bitte mitmachen. Und bei Notabschaltungen gilt: Bitte Nachsicht statt
Entschädigungsklagen (hat es alles schon gegeben).
2. Mit Freunden Lift fahren ist schön. Wir bemühen uns aus diesem
Kinder & Familie
Grund, dass Paare zusammen befördert werden können. Das geht aber leider
ANZIEH-HILFE nicht immer. Wenn viel los ist, sollte man vor allem bei Sesselliften und
Wie kleinen Kindern warm bleibt ­Gondeln nicht zusammen warten und alles aufhalten. Oben trifft man sich
ja wieder. Macht man das in der Nebensaison, werden einem entspannte
Liftler – wie ich – da aber nicht blöd kommen.
IM WAGEN
Eine einfache Grundregel ist: Babys und
3. Was sonst als höflich gilt, gilt auch beim Lift: Bitte nicht drängeln.
Kleinkinder sollten stets eine Schicht
mehr anhaben als Erwachsene. Besonders
wenn sie im Kinderwagen sitzen und sich
nicht bewegen. Wenn man es zu gut
meint, wird Babys aber auch schnell zu
heiß. Wer sich nicht sicher ist, prüft die
Temperatur im Nacken. Er sollte warm
und trocken sein, nicht schwitzig.

AM KÖRPER
Werden Babys bei Winterspaziergängen
unter der Jacke getragen, entsteht durch
den engen Körperkontakt zusätzliche
Wärme. Beim Zwiebelprinzip bedenken:
Die Erwachsenenjacke gilt auch für das
Baby als zusätzliche Schicht.

WARME HÄNDE
FOTO: PLAINPICTURE/ RUNAR LIND; ILLUSTRATION: LEANDRO ALZATE

Kinder sind neugierig, wollen Schnee­


männer bauen und im Schnee wühlen.
Gute Handschuhe, die die Hände lange
warm halten und nicht schnell durch­
nässen, sind Pflicht.

DICKE MÜTZE
Statt Haube und Schal empfehlen sich
Schlupfmützen. So gibt es weniger zum
Anziehen und weniger, das verloren­
gehen kann. Und: Diese Hauben können
nicht über die Ohren hochrutschen.

DÜNNE HAUT
Die Haut ist bei Kindern dünner als bei
Erwachsenen. Eine fettreiche Wind-und-
Wetter-Creme schützt bei starken Minus­
graden Wangen, Nase und Kinn.

BERGWELTEN 19
Umweltbewusst am Berg

Respekt auf Tour


Wintertouren im Einklang mit der Natur

Pflanzen im Winterschlaf
Unter der schützenden Schnee-
decke warten zarte Pflänzchen
auf den Frühling. Die scharfen
Skikanten aber sind eine Gefahr
für junge Bäumchen. Deshalb
sollte man Wiederaufforstungs-
flächen und Jungwälder meiden.
Gibt es Forststraßen, ist es
­besser, diese zu nutzen, als quer
durch den Wald zu stapfen.
Schmilzt der Schnee, sollte man
die frisch ausgeaperten Gras­
flächen umfahren.
Hier lebt ein Tier Gute Nacht
Im Gelände bewegt man sich im Beginnt die Dämmerung, ist es
Wohnzimmer der Tierwelt – als für Wildtiere Zeit, Futter zu
guter Gast sollte man sich rück- ­suchen. Frühmorgens, abends
sichtsvoll verhalten. Schon in der und nachts sollte man daher den
Tourenplanung kann man auf Wald meiden, um sie nicht zu
Schutz- und Ruhezonen achten. stören. Im Hochwinter gilt das
Am Berg gilt: sich von Wildtieren vor 10 Uhr und nach 16 Uhr auch
fernhalten, Hunde an die Leine auf Gipfeln, Graten und Rücken.
nehmen, Futterstellen umgehen. Und zu jeder Tageszeit gilt: Bitte
Um das Revier der Tiere nicht Lärm vermeiden. Auch wenn
un­nötig oft zu kreuzen, soll man ­einem bei mancher Abfahrt ein
sich an bestehende Aufstiegs- Freudenjuchzer auskommt, sollte
und Abfahrtsrouten halten. man sich eher ruhig verhalten.

Bergwelten Winter-Special 

ILLUSTRATIONEN: DOROTHEA SPIRO; COVER: BERGWELTEN


ABENTEUER AUF ZWEI BRETTERN
IAL
WINTER-SPEC

Beim Freeriden und Tourengehen macht man


einen Zeitsprung zurück zur ursprünglichen
Qualität des Skifahrens. Ebendieser Magie,
die auf zwei Brettern abseits der Piste möglich
ist, widmet sich das aktuelle Bergwelten-
Special: von empfehlenswerten Gebieten in
den Alpen über Freeride-Abenteuer im Norden
Kanadas bis hin zu Ausrüstungsempfehlungen
für einen perfekten Tourenwinter.

20 BERGWELTEN
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Praktisches und Schönes fürs Langlaufen (ab Seite 104)
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Bindung sowohl für maximale von Salomon, ¤ 449,99. Konstruktion fehlerver­­


3 FLEXIBEL Kraftübertragung als auch zeihende Abstöße und
Langlaufhose mit hoher für maximales Schneegefühl: 8 GRIFFIG lauf­ruhiges Gleiten er­
Bewegungsfreiheit: Pants „Prolink Race Classic“ Handschuh „Elena“ von möglicht: „Apollo EF IFP“
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22 BERGWELTEN
BASECAMP

DEIN EINSTEIGERKURS.
VERGNÜGT
Elisabeth (links), eine
der Gründerinnen des
Schneeschuhfestivals,
hüpft mit ihren
Be­gleiterinnen Anna
und Verena fröhlich
bergab – in Richtung
Winterleitenhütte.

24 BERGWELTEN
STEIRISCHE WINTERTOUREN

Außer Atem
Beim Aufstieg auf den Zirbitzkogel, den höchsten Gipfel der
Seetaler Alpen, wird einem gut warm. Wer dennoch kalte
Füße bekommt, ist möglicherweise in einem Bach gelandet.
Text: Wolfgang Wieser  Fotos: Philipp Horak
Foto: Xxxxxx

BERGWELTEN 25
TIPPS
P
Plötzlich versinke ich bis zur Hüfte im
Schnee. Noch bevor ich wieder festen
­Boden unter meinen Füßen habe, weiß
ich, was jetzt gleich passieren wird. Die
Jetzt sitze ich auf der Terrasse der Win­
terleitenhütte (1.782 m), die Hose bis zu
den Oberschenkeln hochgekrempelt, und
lasse meine Füße in der Sonne trocknen.
SCHNEESCHUHWANDERN
Von der Sabathy-
zur Waldheimhütte
Von der Sabathyhütte (1.620 m)
geht es auf einem leicht an­
steigenden Forstweg bis zur
­Linderhütte (1.733 m). Am besten
orientiert man sich an der stark
frequentierten Skitourenspur auf
den Zirbitzkogel (2396 m), auf
den man von der Linderhütte aus
nächsten Augenblicke erlebe ich wie in In der linken Hand halte ich einen Zirben­ einen wundervollen Blick hat.
Zeitlupe. Meine Vorahnung erfüllt sich. trieb. „Er hat immer fünf Nadeln. Jede ist Unmittelbar nach der Hütte ver­
Erst dringt es in meinen rechten Schuh, im Querschnitt betrachtet dreieckig“, sagt lässt man die Hauptroute und
dann füllt es den linken, schwappt über Elisabeth. Hier im Herzen des steirischen geht leicht links, der Markierung
47 folgend, in einen Zirben-Lär­
meine Knöchel und steigt rasend schnell Zirbenlandes, rund 25 Kilometer südwest­ chen-Wald. Dann gilt es, einen
hoch bis zu den Waden: Wasser, eiskaltes lich von Spielberg, nahe der Grenze zu Bach zu überqueren. Ein kurzes
Wasser. Mir verschlägt es den Atem. Kärnten, ist dies Basiswissen. Stück geht es steil bergauf, dann
Ich bin eingebrochen. Ich stehe in ei­ Doch wer glaubt, dass der Name des erreicht man eine Forststraße.
Wenig später genießt man den
nem Bächlein, das vom Kleinen Winter­ Berges etwas mit den an seinen Flanken Blick auf das Judenburger Be­
leitensee talwärts gluckst. reichlich vorhandenen Zirben zu tun ha­ cken, die Obdacher Passland­
Natürlich bin ich selbst schuld. Bin ben könnte, irrt. Der Name dürfte auf schaft und die Stubalpe. Mit Blick
wohl ein bisschen zu beschwingt die ver­ das slowenische „Zirbiza“ zurückzuführen auf die Rothaidenhütte quert
man auf den Zirbitzkogel. Da­
schneiten Hänge runtergehüpft. sein, was sich mit „Rote Alm“ übersetzen nach beginnt der Abstieg: Man
Die Sonne strahlte mit mir um die lässt und ein Hinweis auf das üppige Alm­ geht den Rücken bis zum Wan­
Wette. Der Himmel leuchtete blau. Und rausch-Vorkommen am Zirbitzkogel ist. derweg 320 entlang; dieser führt
mein erster Schneeschuhausug rund um Elisabeth Zienitzer kennt sich in der über eine Forststraße Richtung
Waldheimhütte. Von dort geht
den gefrorenen Großen Winterleitensee Gegend aus. Gemeinsam mit Silvia Sarc­ es über die Rothaidenhütte zu­
(1.843 m) war so gelungen, dass ich eine letti hat sie Österreichs größtes Schnee­ rück zum Alpengasthof Sabathy.
glückliche Leichtigkeit verspürte. schuhfestival erfunden. An insgesamt
Was mich allerdings nicht leicht genug zehn Tagen im Jänner erfahren die Teil­
für die schmale Schneebrücke machte, nehmer alles übers Schneeschuhwandern: Ausgangspunkt: Parkplatz
Sabathyhütte, 8742 Obdach
über die Elisabeth, Silvia, Anna und Ve­ „Es begeistert viele – einfach, weil die Strecke: 13,7 km Dauer: 5 h
rena vor mir spaziert waren. Menschen sich gerne bewegen.“ Höhendifferenz: 650 m
Ich stemme mich in die Höh’, jemand Stimmt. Und es macht Spaß, selbst
reicht mir einen Stock – geschafft! Schneeschuh-Novizen wie mir. Das Prin­

26 BERGWELTEN
ENTSPANNT
Auf Schneeschuhen
Richtung Zirbitzkogel,
die frische Luft färbt
Verenas Wangen
(unten rechts) rosig.

BESCHLEUNIGT
Wer will, borgt
sich einen Schlitten
und zischt damit
von der Winterleiten­
hütte talwärts.

BERGWELTEN 27
AUSGESETZT
Am Beginn des
Aufstiegs auf den
Zirbitzkogel ist es noch
ganz still (oben).
Über der Baumgrenze
hingegen pfeift ein
kräftiger eisiger Wind.

28 BERGWELTEN
TIPPS

Früher hat man sich beim Kirchgang getroffen,


heute trifft man sich am Berg.

Auf der Winterleitenhütte


(oben) werden deftig-kräftige
Kasnocken serviert.
zip ist einfach. Die Schuhe werden mit nie eine Skitour gegangen. Das erzähle ich
einer Ratsche xiert, ein Stock links, ein aber erst, als wir schon unterwegs sind.
Stock rechts – die Griffe beinahe in Brust­ Langsam steigen wir eine breite Wiese
höhe – und schon spaziere ich schleifen­ hin­auf. Die Sonne scheint, es ist warm.
den Schrittes über das glitzernde Weiß. „Der Zirbitz ist unser Hausberg“, sagt
SCHNEESCHUHWANDERN
Der richtige Rhythmus ist schnell Peter. „Früher hat man sich beim Kirchen­
Winterleiten-Route gefunden. Die Hänge des Zirbitzkogels gehen getroffen, heute trifft man sich am
Im Sommer ein Traum, im Winter erscheinen mir mit jedem Schritt freund­ Berg.“ Wann die Kinder das erst Mal rauf­
ein Vergnügen auf Schneeschu- licher, und schlussendlich springe ich mit gehen? „Mit einem halben Jahr“, lacht der
hen: die Winterleiten-Runde Jauchzen durch den aufstiebenden Schnee Peter, „in der Kraxn hinten am Buckel.“
mit Zwischenstopp auf dem Zir-
bitzkogel. Gestartet wird am
– bis ich im eiskalten Bächlein lande. Irgendwann versiegen die Gespräche.
Parkplatz der Winterleitenhütte. Von der Winterleitenhütte führt einer Der Tour fehlt denitiv die Leichtigkeit
Gleich zu Beginn passiert man der drei klassischen Wege auf den Zirbitz, der gestrigen Schneeschuhwanderung.
den Kleinen Winterleitensee, wie die Einheimischen ihren Berg, den Gerade haben wir die letzten Bäume hin­
­wenig später dann den Großen
2.396 Meter hohen Zirbitzkogel, nennen. ter uns gelassen. Der Wind pfeift. Ich
Winterleitensee. Danach heißt es
links abbiegen, um übers Scharfe Ich halte ihn für harmlos. Ein Irrtum. Das ziehe mir die Kapuze über den Kopf und
Eck den Gipfel zu erklimmen. werde ich tags darauf erfahren. schreite schweigend voran.
Beim Rückweg den Pfad über Noch lache ich. Freue mich auf den Astrid, Hans und Peter scheint das
den Schloßerkogel (2.189 m) neh-
men, bevor man zum Speikkogel
Gipfelsieg. Jetzt nehme ich die Rodel. Ab­ nichts auszumachen. Sie plaudern munter
abbiegt, um wieder zur Winter- wärts natürlich. weiter. Erzählen bar jeder Atemlosigkeit
leitenhütte zu gelangen. von einem kranken Freund, den sie ein­
Von klein an hinauf mal im Jahr im Schlitten auf den Gipfel
Am nächsten Morgen treffe ich Astrid, ziehen. Meine Achtung wächst.
Ausgangspunkt: Parkplatz
Winterleitenhütte, Ossach 45, Hans und Peter bei der Waldheimhütte Vor mir liegt das letzte Stück des
8750 Judenburg, (1.614 m). Wir wollen mit Tourenski zum ­Weges. Das Schutzhaus knapp unterhalb
Strecke: 10,6 km Dauer: 4,5 h Zirbitzkogel-Schutzhaus, das nur 20 Meter des Gipfels kann ich bereits sehen. Es
Höhendifferenz: 800 m
unterhalb des Gipfels liegt. wurde am 9. Oktober 1870 nach nur vier
Was sie nicht wissen: Ich bin nicht nur Monaten Bauzeit eröffnet und ist die äl­
Schneeschuh-Novize, sondern auch noch teste Schutzhütte der Steiermark. Doch

BERGWELTEN 29
GESTÄRKT
Der Zirbitz-Werni
serviert Astrid, Peter
und Hans in der Stube
der Schutzhütte ein
Schnapserl. Im Hinter­
grund wandert
der Zirbengeist.

30 BERGWELTEN
BERGWELTEN 31
TIPPS
Langsam steige ich bergan. Schritt für Schritt.
Mein Atem pufft Wölkchen in die kalte Luft.

Blick vom Gipfel auf das


Schutzhaus – und umgekehrt.

zuvor stehen noch rund 170 Höhenme- bleiben sie immer und ewig aus Stein!“
ter an, die es in Serpentinen zu überwin- Vorsichtshalber schweige ich, löfe meine
den gilt. Astrid, Hans und Peter habe ich heiße Suppe und lasse den Werner Gril-
hinter mir gelassen, obwohl – oder eher litsch, genannt Zirbitz-Werni, reden, der
weil – sie mir konditionell überlegen sind: hier seit 40 Jahren das Kommando führt. SKITOUR

Franz, der das Schutzhaus am Zirbitzko- Er wirft einen Blick durchs Fenster, Von der Waldheim-
gel mit allem im Winter Notwendigen zeigt auf einen schmalen, kaum erkenn­ hütte auf den Gipfel
beliefert, hat mich ein Stück des Weges baren Weg und sagt: „Der ist nur im Som-
auf seinem Ski-Doo mitgenommen. Das mer begehbar. Wenn du abrutscht, bist du Von der Waldheimhütte (1.614 m)
war zwar weniger anstrengend, aber nicht unten.“ Was er damit meint, glaube ich geht es direkt über eine Wiese
minder abenteuerlich. Auf den eisigen in seinem Blick lesen zu können. Astrid, bergauf. Danach gelangt man
auf einen Fahrweg, den man
Rinnen drohte der Motorschlitten zu kip- Hans und Peter treffen ein. Ob der Berg raufsteigt, bis man eine See­höhe
pen und mein junges Tourengeher-Dasein wirklich gefährlich ist, frage ich, noch be- von ca. 2.020 m erreicht. Jetzt
abrupt zu beenden. vor sie aus ihren Jacken geschlüpft sind. gibt es zwei Möglichkeiten: nach
Jetzt beiße ich in einen Müsliriegel, „Es gibt keinen harmlosen Berg“, sagt Pe- links abbiegen, um den ­Gipfel
über etwas steileres Gelände zu
hoffe, dass mir der klebrige Zucker Kraft ter, „aber am Zirbitz muss man es schon erreichen, oder den Weg
für die letzten Meter gibt. Langsam steige herausfordern.“ ­weitergehen und die letzten ZUSATZFOTO: ZIRBENLAND.AT/ WOLFGANG SPEKNER
ich bergan. Schritt für Schritt. Mein Atem Bevor die Sonne verschwindet, schenkt 170 Höhenmeter über Serpenti-
pufft stoßweise Wölkchen in die kalte der Werni ein Schnapserl ein. Was wir da nen bewältigen. Wie immer man
sich auch entscheidet, beides hat
Luft. Ich bin schweißgebadet. getrunken haben, habe ich vergessen. Ich seinen besonderen Reiz. Runter
Schließlich erreiche ich die Hütte. An weiß nur noch, dass es intensiv und erdig geht’s mit Skiern natürlich außer-
der Wand hängt ein altes „Zirbengeist“- und nicht unbedingt nach Wiederholung ordentlich flott.
Plakat. Es zeigt einen weißhaarigen Wan- geschmeckt hat.
derer mit knorrigem Stab, der Richtung Draußen schnallen wir die Ski an. Der Ausgangspunkt: Parkplatz
Gipfel eilt. Ich lese einen gerahmten Wind bläst eisig. Die Böen haben den Waldheimhütte, 8742 St. Anna
Strecke: 10,7 km Dauer: 2,5 h
Sinnspruch: „Große stille Lehrmeister Schnee brettlhart gepresst. Wir fahren los. Höhendifferenz: 780 m
sind die Berge: Wer sie verstehen lernt, Ich hole noch einmal tief Luft. Ich weiß,
erfährt dort oben nie gekannte Erfüllung, der Zirbitz wird mich atemlos machen.
wer ihre Sprache nicht spricht, für den Gleich jetzt.

32 BERGWELTEN
Im Zirbenland
Tipps und Adressen rund um den Zirbitzkogel

D
LAN
T SCH
DEU ÖSTERREICH

Weißkirchen

N
NIE
WE
ITALIEN SLO

ANKOMMEN

Das Zirbenland liegt im Murtal, rund eine


Autostunde von Graz entfernt, es ist über
die West- und Südautobahn bzw. S6
schnell und gut erreichbar. Im Zirbenland
befinden sich die Gemeinden Judenburg,
Obdach und Weißkirchen. Der Zirbitz­
kogel, mit 2.396 m die höchste Erhebung Das Schutzhaus am Zirbitzkogel bei herrlichem Sonnenschein.
der Seetaler Alpen, ist ihr Hausberg. Eine Holzskulptur begrüßt alle, die es heraufgeschafft haben.

ESSEN UND SCHLAFEN

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BERGWELTEN 33
P A U L S B E R G P R O V I A N T 

Gutes verdichten
Es ist das Superfood des Mittelalters, versüßt die weihnachtliche Kaffeetafel –
und schlägt als Skiproviant jeden Fruchtriegel. Ein Loblied auf das Kletzenbrot.
Text: Stevan Paul Foodstyling: Bernadette Wörndl Foto: Gunda Dittrich

Im Spätsommer, wenn die Apfel- und Birnbäume un- spätestens aber am Thomastag, dem 21. Dezember. Das
ter schwerer Last knarren, die Zwetschken blaue Früchte ist bis heute zu empfehlen, will man zur Weihnachtszeit
tragen und die Quitten zu duften beginnen, ist Ernte- gebuttertes Kletzenbrot genießen – das Brot braucht
zeit. Alles ist im Überuss vorhanden und will für den Ruhe und muss reifen, es wird dabei immer besser!
Winter eingemacht und gedörrt werden. Das hat auch Dazu lagert man das komplett ausgekühlte Brot, locker
im Alpenraum Tradition. Getrocknete Früchte brachten in Frischhaltefolie geschlagen, kühl und dunkel für
Süße in den harten Winter und lieferten in den dunk- mindestens zwei Tage. Nach zwei Wochen hat es sein
len Monaten Vitamine. Der Wintervorrat wurde im ­geschmackliches Ideal erreicht und hält dann noch ein
Herbst in Scheiben geschnitten und auf Kordeln ge- bis zwei Monate lang. Allerdings ist es schnell auch auf-
spannt oder in der Nachhitze des Küchenofens getrock- gegessen, man wird süchtig danach!
net. Größere Höfe betrieben eigene Dörrhütten, dort Das rustikale, fruchtig-süße Brot ist unempndlich,
dörrten die Früchte auf Matten aus geochtenen Ruten es lässt sich gut im Rucksack in die Berge und auf die
über einem Backofen in der Mitte des Raumes. Piste mitnehmen. Am besten die Scheiben schon vor-
Insbesondere in Österreich hat auch das Backen mit schneiden und in einem Beutel oder einer Brotdose mit­
Trockenobst eine lange Tradition, aus der Steiermark nehmen. Der Mix aus Dörrobst, Nüssen und etwas Brot-
stammt ursprünglich das Kletzenbrot aus getrockneten teig ist ein großartiger Energielieferant, gut auch ­gegen
ILLUSTRATION STEVAN PAUL: ROLAND VORLAUFER
Birnen. Früchtebrote gibt es etwa auch in Kärnten und den kleinen Hunger, wenn man noch Lust auf eine
Vorarlberg, in Tirol, Bayern und Baden-Württemberg. Extra­abfahrt hat oder sich der Aufstieg zur Hütte zieht.
Allen Rezepten ist gemein, dass stets der Fruchtanteil Und noch ein Tipp für den Kaminabend zu ­Hause:
überwiegt, dieser mit nur wenig Teig gebunden und das ­Versuchen Sie Kletzenbrot einmal mit Blauschimmel­
Brot zusätzlich dünn in eine äußere Teigschicht eingewi- käse und einem Glas Portwein. Spätestens dann wer-
ckelt wird, die das saftige Innere beim Backen schützt. den Sie sich ärgern, dass Sie nicht gleich zwei Laibe ge-
Die Menge an verwendeten Trockenfrüchten war einst backen haben.
Zeichen für die Vermögenslage des Hofes. Das wertvolle
Brot war auch eine beliebte Weihnachtsgabe an Mägde Der Hamburger Stevan Paul hat beim deutschen Sterne­
und Knechte. koch Albert Bouley gelernt. Heute verfasst er Kochbücher
wie das Outdoor-Kochbuch „Open Air“ (mit Daniela
Traditionell beginnt man mit dem Backen des nahr- Haug) oder sein jüngstes Werk „kochen“, beide sind
haften Brotes am Andreastag, dem 30. November, aller- im Brandstätter Verlag erschienen.

34 BERGWELTEN
K letzenbrot
Zubereitungszeit: 2 h (plus Ruhezeit)

ZUTATEN
300 g Kletzen (getrocknete Birnen)
300 g gemischtes Dörrobst
100 g Rosinen
50 ml Rum 80 %
100 ml Apfelsaft
100 g Honig
250 ml Milch
250 g Dinkelmehl Type D700
200 g Weizenmehl Type W480
je 1 Messerspitze Nelke, Zimt, Ingwer,
Muskatnuss und Piment (alles gemahlen)
½ Würfel frische Germ
50 g brauner Zucker
50 g weiche Butter
1 Ei (M)
150 g Haselnusskerne
100 g geschälte Mandeln
Salz

ZUBEREITUNG
Dörrobst in Stücke schneiden und mit Ro-
sinen, Rum, Apfelsaft und Honig mischen.
Zugedeckt mindestens 6 Stunden ziehen
lassen, dabei hin und wieder umrühren.
Für den Teig die Milch leicht erwärmen.
Mehl mit Gewürzen mischen, mittig eine
Mulde formen. Germ hineinbröseln und
mit 3 EL Milch, 10 g braunem Zucker und
Mehl vom Rand verrühren. Den Vorteig
mit einem Küchentuch bedeckt an einem
warmen Ort 20 Minuten gehen lassen.
Übrige Milch und Zucker, weiche Butter,
das Ei und eine Prise Salz zugeben. Mit den
Knethaken des Mixers zu einem glatten Teig
verarbeiten und dann auf einer bemehlten
Fläche mit den Händen 2 Minuten kräftig
kneten. Den Teig in 1/3 und 2/3 aufteilen
und in 2 Schüsseln bedeckt an einem war-
men Ort 45 Minuten gehen lassen.
Die größere Menge Teig mit der einge-
weichten Dörrobst-Masse und den Nüssen
verkneten. Die Menge der Einlage ist größer
als die Menge des Teiges.
Die kleinere Teigmenge auf einer bemehl-
ten Arbeitsäche zu einem Rechteck von
30 × 45 cm ausrollen. Die Backobst-Teig-
Mischung zu einem Laib formen. Diesen in
den Teig einschlagen, Enden zudrücken und
umschlagen. Das Brot mit der Naht nach
unten auf ein Blech mit Backpapier setzen.
Die Oberäche des Brots mit einer Gabel
mehrfach einstechen. Nochmals 20 Minuten
mit Küchentuch bedeckt ruhen lassen.
Das Brot bei 180 °C eine Stunde backen.
Droht es zu dunkel zu werden, decken Sie
es in den ­letzten 10 bis 15 Minuten mit
Alufolie ab. Aus dem Ofen nehmen und auf
einem Gitter auskühlen lassen.

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Bergen zum Nachkochen

BERGWELTEN 35
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• HÜ

ÄT

Bergstation
Im Südtiroler Vinschgau, nahe am Reschenpass, versteckt sich
in einem Seitental eine der außergewöhnlichsten Berghütten
der Alpen. Die Maseben bietet Kulisse und Genüsse,
einen privaten Skilift und sehr viel Einsamkeit.
Text: Sissi Pärsch  Fotos: Rudi Wyhlidal

38 BERGWELTEN
UNTER UNS
Die Berghütte Maseben
im Langtauferer Tal ist
selten überlaufen. Den
holzbeheizten Badezuber
vor der Hütte hat man
abends dann für sich.

BERGWELTEN 39
Ob Freund oder Feind, Albert überredete Secci,
aus dieser schlafenden Perle etwas zu machen.

A
Alessandro Secci dachte, er höre nicht
mehr so richtig, als er im Sommer 2015
die Entscheidung traf, ein Skigebiet zu
kaufen, um es nal stillzulegen. Fast einen
von Altgraun ist auch im Winter ein Must-
stop-Spot. Nur wenige hundert Meter wei-
ter geht es links ab in das Langtauferer Tal
– und damit ab in die Einsamkeit. Das Tal
„Wie bei allen kleinen Skigebieten muss-
te irgendwann die Gemeinde einsprin-
gen. Und dann ist es selbst ihr mit den
Schulden zu viel geworden“, erklärt Secci
ganzen Tag war er allein auf einer Bank vor ist eine Sackgasse mit ein paar Weilern das Schicksal des Miniatur-Skigebiets. Es
der leerstehenden Maseben-Hütte auf und Gehöften. wurde an einen Hotelier aus Gröden ver-
2.267 Metern gesessen. „Und plötzlich In nur wenigen Sekunden ist der kauft, doch ab 2013 standen die Lifte still
dachte ich: O Gott, du hörst nichts mehr, ­Reschen-Rummel auch wieder vergessen. und die Hütte leer.
du musst zum Arzt.“ Aber es war kein Ge- Die Szenerie ist wuchtig und heimelig zu- „Ich habe einen Freund, Albert“, er-
hörverlust. Es war die Stille des Langtaufe- gleich. Die Weißseespitze mit ihren 3.532 zählt Alessandro und wirft augenzwin-
rer Tals, ­diesem unbekannten Seitenarm, Metern steht zur Linken, die 3.738 Meter kernd hinterher: „Vielleicht ist er auch
der im oberen Vinschgau in die Welt der hohe Weißkugel zur Rechten. Ganz hin- mein Feind.“ Ob Freund oder Feind, Al-
österreichisch-italienischen Grenzberge ab- ten, weit oben, liegt das Gletschereis und bert überredete Secci, aus dieser schlafen-
zweigt. Der 48-Jährige, den sie hier alle Sec- das Kaunertaler Skigebiet. Unten am En- den Perle etwas zu machen. Und so kam
ci nennen, hört sehr gut. Und er hört sehr de des Tals liegt Kappl: eine Kirche, eine es zu diesem Tag im Sommer 2015, an
gern auf sein Herz. „Auch wenn ich mit Langlaufloipe, einige Skitourenspuren, dem es um Secci offenbar so ruhig war,
meiner Frau noch viel abgewogen habe, ist die unter anderem Richtung Maseben-­ dass er sein Herz gut hören konnte.
die Entscheidung doch genau zu diesem Hütte führen. Er richtete die Hütte her, baute eine
Zeitpunkt gefallen.“ Man sagt nichts, nickt große Sonnenterrasse, legte den Sessellift
nur und blickt mit Secci in die Berge. Die Ruhe, um aufs Herz zu hören endgültig still und sich stattdessen eine
Einige Stunden zuvor ging es am 1976 taten sich fünf, sechs Einheimische schwedische Militärpistenraupe zu, „eine
­wenige Kilometer entfernten Reschenpass zusammen, um das vergessene Seitental Hägglunds BV206 mit 136 PS und zahlrei-
noch ganz anders zu: parkplatzsuchende durch ein Skigebiet zu beleben und er- chen Macken“. Die 400 Höhenmeter zur
Autofahrer in Kolonnen, die Schritt­ richteten einen Sessellift, einen Schlep- Maseben steigt man im Winter entspannt
tempo fahren, die Augen nicht auf die per und eine Hütte. Schon bald stellte mit Schneeschuhen oder mit den Touren-
Straße, sondern auf den Stausee gerichtet. sich ­heraus: Der größte Erfolg sollte die skiern auf. Schweres Gepäck, ältere oder
Der berühmte, halbversunkene Kirchturm Abwendung eines Konkurses bleiben. ganz kleine Gäste nimmt Secci mit der

40 BERGWELTEN
2

HÜTTENLEBEN, HOCHPROZENTIG
Eine Berghütte, auf der keine Musik aus den
Boxen schallt, aber das Schnapswagerl klin-
gelt (1). Alessandro Secci (5) hängt seinen Hut
zwar an den Nagel (3), ist aber ein Umtriebi-
ger: 2015 hat er die Maseben samt kleinem
Schlepplift (4) zu neuem Leben erweckt.
Schneeschuhwanderer und Tourengeher dan-
ken es ihm (2). Deren Sinne belebt er wieder-
um mit prämiertem Selbstgebrannten.

4 5

BERGWELTEN 41
1

RIFUGIO DEL GUSTO


Zur Maseben-Hütte (1) steigen auch Ein­
heimische gerne auf wie Anna und Carina
aus Schlanders (2 & 5), die Sonne und
­Aussicht genießen. Letzteres bleibt einem
auch von innen nicht verborgen (4). Zudem
hat sich herumgesprochen, dass Wirt Secci
gerne gut auftischt: Mitterloch-Burger mit
Vinschger Paarlbrot, Rindfleisch aus Mals,
Almkäse vom Nachbarn und eingebranntem
Maseben-Logo (3).
2

3 5

42 BERGWELTEN
Auf welchem der Gipfel Toni Steiner gerade
noch gestanden ist, möchte er nicht sagen.
Man ahnt, dass es wohl mehrere waren.

Raupe mit – und auch den einen oder an­ nicht sagen. Er druckst ein wenig herum. nach Meran versetzt.“ Es waren die Jahre
deren (meist jungen) Skifahrer. Vor der Man ahnt, dass es wohl mehrere waren. der terroristischen Unruhen in Südtirol.
Hütte läuft der ein Kilometer lange Ohne auch nur eine Schweißperle auf der Seinem Vater erzählte man, er würde an
Schlepp­lift wieder – der womöglich ein­ Stirn zu haben, sitzt der fanatische Skitou­ einem Kriegsschauplatz landen. In voller
samste Lift der Alpen und der womöglich rengeher beim späten Frühstück inmitten Kampfmontur kam er nach Südtirol „und
billigste: Zehn Euro kostet das Tagesticket. einer Gruppe ebenso fanatischer Skitou­ hatte es dann mit zwei betrunkenen Bau­
Anstehen muss man hier nicht. Eine rengeher. Allesamt einheimisch, allesamt ern zu tun, anstatt mit politischen Aktivis­
Handvoll Kinder powern sich in Endlos­ durchtrainiert, allesamt Feinschmecker. ten, die einen Anschlag planen“.
schleife aus, ein paar Skitourengeher las­ „Ich will nicht nur den Berg genießen, Secci verbrachte die Hälfte seiner
sen sich das Stückerl nach oben ziehen, sondern auch das Leben“, sagt der aus Kindheit und Jugend auf Sardinien beim
um dann die hinteren Gipfel in Angriff zu dem Vinschgauer Marmordorf Laas stam­ Großvater, von dem er unter anderem das
nehmen: links die 3.199 Meter hohe Falba­ mende Toni und beginnt, kulinarische Schnapsbrennen erlernte. Der Vater Cara­
nairspitze, geradeaus die nur etwas niedri­ Empfehlungen auszusprechen. biniere, der Sohn „Schwarzbrennmeis­
gere Mitterlochspitze, rechts die steilere, an­ ter“. Aber Secci legalisierte 2010 sein
spruchsvollere Tiergartenspitze. Von dort Italiens beste Marille hochprozentiges Geschäft und sammelt
oben reicht der Blick zurück über das Lang­ Seccis Küche hat einen mediterranen Ein­ inzwischen Goldmedaillen mit den Destil­
tauferer Tal auf das blaue Eis von Gepatsch­ schlag. Es gibt viel Pasta, der Parmesan laten. Sein Marillenbrand wurde zu Itali­
ferner und Bärenbartferner im Nord­osten, kommt in Spänen und das Rindeisch ens bestem gekürt. Seit kurzem produziert
in der westlichen Gegenrichtung auf den von Freund (oder Feind) Albert aus dem er auch Gin. „Du brauchst gute Produk­
Reschensee und die Ortlergruppe im Sü­ Tal. Seccis Vater stammt aus Sardinien, te“, sagt der Hüttenwirt, „Zeit und guten
den. Aber auch 1.000 Meter weiter unten, seine Mutter ursprünglich aus Padua. Geschmack.“ Den habe ja heute nicht
mit dem Rücken an die warme Hütten­ „Mein Großvater mütterlicherseits war mehr jeder, meint er.
holzwand gelehnt, möchte man sich nicht Schlosser und wurde nach dem Zweiten Secci hat in seinem Leben einige Ha­
über die schneeweißen und himmelblau­ Weltkrieg von der Firma eingestellt, die ken geschlagen. Mit 13 Jahren ist er von
en Aussichten beschweren. den Stausee baute.“ Und auch seinen Va­ der Schule abgegangen, um zu arbeiten.
Auf welchem der Gipfel Toni Steiner ter brachte die Politik nach Oberitalien: Er war Handlanger und Kellner, Getränke­
gerade noch gestanden ist, möchte er „Er war Carabiniere und wurde 1965 lieferant, Senner und Schwimmbad­

BERGWELTEN 43
Berghütte Maseben

AND
SCHL
DEUT

H
RREIC
ÖSTE
Maseben

EN
ITALI

2.267 m
Vinschgau, Südtirol

Hüttenwirt: Alessandro Secci


Ausstattung: 56 Plätze, aufgeteilt in
Doppel- und Mehrbettzimmer sowie
Lager für bis zu 8 Personen.
Alle Zimmer mit Dusche und WC;
warme Dusche kostenpflichtig.
SCHNURSTRACKS HINAUF Geöffnet: Mitte Dezember bis
Immer geradeaus geht es von der Hütte in das weitläufige Anfang April
Skitourengelände um das Mitterloch. Preise: ¤ 65 mit Halbpension,
¤ 55 im Lager mit Halbpension.
Tel.: +39/0473/63 31 06,
Mobil: +39/347/223 70 90,
maseben.it

Z U STI EG
monteur. Er ist auf Strommasten geklet- Mas­eben zum zweiten Mal ihr Stamm-Ski-
tert und schließlich zur Maseben-Hütte touren-Wochenende. Zufällig waren sie Von der ehemaligen Talstation
aufgestiegen und hat dort „den Ort ge­ im letzten Jahr hier gelandet und von den in Kappl steigt man gemütlich auf.
Die Strecke ist teilweise eine Loipe
funden, wo ich mich richtig wohlfühle“. Tourenmöglichkeiten und dem Hütten- und somit gut präpariert; auch mit
Vor allem, ergänzt er, „weil es hier keinen komfort begeistert. Die kleinen Zimmer festem Schuhwerk machbar.
Durchgangsverkehr gibt“. Die Leute kom- sind alle mit Dusche und WC ausgestattet. Strecke: 4 km Dauer: 1,5 h
Höhendifferenz: 400 m
men gezielt zu ihm. „Und von dem Essen“, betont einer noch.
So wie auch Anna und Carina aus Das könnte der Nachbartisch wohl be-
Schlanders. Als Kinder waren sie ab und stätigen. Dort sitzt ein Dreikäsehoch vor TO U R E N
zu im Langtauferer Tal. „Seit Secci das seinem kindskopfgroßen Mitterloch-Bur- Mitterlochspitze (3.176 m)
hier aufgebaut hat, kommen wir immer ger und weiß nicht, wo er anfangen soll. Immer geradeaus ab der Maseben:
öfter“, sagt Carina. Fünf Jahre hat sie in Sein großer Bruder stibitzt derweil un­ über Mulden von links nach rechts
in den steileren Hang und über den
Wien gelebt und sich dann über Inns- bemerkt die Kartoffel-Wedges. Die Fami- Westgrat (abschnallen) zum Gipfel.
bruck wieder ihrer Heimat angenähert. lie ist zu Fuß hinaufgestapft, leiht sich von Strecke: 5 km (Aufstieg) Dauer: 3 h
„Je älter man wird, desto mehr sucht man ­Secci einen Schlitten und wird, mit Stirn- Höhendifferenz: 900 m
das Abgelegene“, meint sie. Für Toni ist es lampe ausgerüstet, wieder hinunterrodeln. Falbenairspitze (3.199 m)
nicht nur die Abwesenheit von Menschen- Auch Seccis Frau ist heraufgekommen. Anspruchsvolle Tour in das südöstlich
scharen, die er an der Maseben-­Hütte so Normalerweise arbeitet sie zuhause im Tal liegende Rotebental. Über steiles
Gelände zum Skidepot am Bergsattel
sehr schätzt, sondern die Ruhe schlecht- in Mals. „Einer von uns muss ja auch
und zu Fuß auf den Gipfel. Abfahrt
hin. „Hört hin“, fordert er und reckt den Geld verdienen“, stellt Secci fest. „Aber entlang der Aufstiegsroute.
Zeigenger nach oben: „Keine Musik.“ ich warte, bis das Eisen unglaublich teuer Strecke: 4,5 km (Aufstieg) Dauer: 3,5 h
Tatsächlich, die Boxen sind stumm. Secci wird und dann verkaufe ich den Sessel- Höhendifferenz: 950 m

weigert sich, sie anzuschließen. lift.“ Das kann noch eine Weile dauern.
Auch abends nden sich überschau­ Und das ist auch gut so. Denn bis bergwelten.com/maseben
alle Infos zu Touren und Hütte
bare Grüppchen ein. Drei Freunde aus ­dahin betreibt er eine der außergewöhn-
dem bayerischen Allgäu verbringen auf der lichsten Berghütten der Alpen.

44 BERGWELTEN
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Tuxer Hauptkamm mit seinen
mächtigen Dreitausendern.

46 BERGWELTEN
Bei den
weißen Riesen
Unterwegs im Tiroler Zillertal: ein paar der über 500 Pistenkilometer
hinunterwedeln oder eine einsame Spur in den Hang setzen.
Ein Rundgang zu den schönsten Gipfeln, vom Penken
bis zum Olperer – mit Rodel, Powderlatten und Paragleiter.
Text: Simon Schöpf  Fotos: Stefan Voitl

BERGWELTEN 47
1.
SKITOUR MIT HERZ
Markus Kröll und sein Herrgott
Wenn man mit Markus Kröll eine Ski­
tour vereinbaren will, kann schon einmal
Schnee heute allemal. „Boah, so an Winter
weiß i scho lang nimma!“ Gute drei Meter
liegen allein schon unten im Tal. Auf den
Dächern von Markus’ Heimat­dorf Ginz­
re Ziele – siebenmal hat er beim Extrem-
Teambewerb Red Bull Dolomitenmann
gewonnen, 32-mal wurde er schon Tiroler
Meister. Den Berliner Höhenweg lief er in
eine außergewöhnliche Antwort aus dem ling türmt sich der Schnee aber dermaßen gut zwanzig Stunden – Normalsterb­liche
Telefon­hörer kommen: „Ja, gern, aber hoch, dass man Angst hat, die Häuser wür­ nehmen sich für den Weitwanderweg
vorher muss i no schnell an Herrgott ab­ den jeden Moment unter der Last zusam­ ­sieben Tage Zeit. „Das war schon hart am
holen.“ Nicht dass man jetzt unbedingt menbrechen. Anschlag“, meint Markus, „aber bei sol­
einen Schutzengel bräuchte, wenn man Seine Kindheit verbrachte Markus chen Zielen bekommst einen Tunnelblick
mit Markus ins Gelände startet – aller­ Kröll am Gasthof Breitlahner, vom Dorf – es gibt nur Training, Training, Training,
höchstens göttlichen Beistand, wenn man ein paar kurvige Kilometer taleinwärts sonst nix. Aber die Zeiten sind vorbei, jetzt
dabei versucht, mit ihm Schritt zu halten, Richtung Schlegeisstausee – nach wie vor tua i genießen.“
denn er gehört zur Weltelite der Berg­ wird das Haus von seinem Onkel bewirt­ Seine neugewonnene Euphorie lässt er
läufer. Nein, Markus ist vom Brotberuf schaftet. Aber heute kommen wir dort mit auch gern alle spüren: „Na, is des nit ge­
Restaurator, der letzte im Zillertal. Ob alte dem Auto gar nicht erst hin – ein großer waltig!“, „A so a schians Tagl!“, „Wia des
Fresken in einer Mayrhofner Kapelle oder Lawinen­kegel versperrt die Zufahrt –, mit schian is!“ Im Fünfminutentakt sprudelt
die Lüftl­male­rei an einer Zillertaler Ski­ den Tourenskiern allerdings sehr wohl. die Bergbegeisterung über seine gelieb­
hütte für die Olympischen Winterspiele Und wenn man die Landschaft um den te Zillertaler Winterlandschaft aus dem
2022 in Chinas Hauptstadt Peking – Mar­ Gasthof Breitlahner betrachtet, wird Blondschopf, stets verbunden mit einem
kus malt. Und die holzgeschnitzte Jesus­ schnell klar, warum sich Markus zu einem breiten Grinsen. „Mei Frau versteht des
statue, die er jetzt wieder auf Hochglanz der­art tten Trailrunner entwickelt hat. oft nit, warum mi des so g’freit. Aber
bringen soll, hat eben auch schon ein paar „Flach is da heroben halt nit viel“, schau di amal um, wie schian’s da is.“
hundert Jahre auf dem ­Buckel. schmunzelt er. „Für zehn Schilling haben ­Ungebremste Freude trotz stolzer 150 Ski­
„Aber wenn der Pulver einmal gut ist, wir den deutschen Touristen in der größ­ touren pro Saison – oder, anders ausge­
dann pfeif i aufn Herrgott“, versichert ten Mittagshitze die Rucksäcke auf die drückt, an so ziemlich jedem Wintertag.
Markus. Es gibt ja schließlich Wichtigeres, Berliner Hütte getragen – a gutes Taschen­ Markus’ Begeisterung ist gleicherma­
nämlich das Hier und Jetzt. Und gut ist der geld.“ Und eine gute Grundlage für späte­ ßen echt wie ansteckend – immer kleiner

48 BERGWELTEN
PULVER
OHNE ENDE
Unverspurter Schnee
liegt in Richtung
Schlegeisstausee.
Entsprechend hoch ist
der Aufstiegsaufwand.

MÄNNER IM SCHNEE
In diesem Bild das
Zillertaler Urgestein
Markus Kröll. Rechts
der Bergführer
Bernhard Neumann.

BERGWELTEN 49
DIE ANDERE
­TALSEITE
Der Winterwanderweg
nahe der Bergstation
Penkenbahn bietet ein
prachtvolles Panorama,
etwa auf die markante
Grinbergspitze
(2.867 m).

50 BERGWELTEN
FOTOS: XXXXXXX

BERGWELTEN 51
AUF DEM
EISENWEG
Der neue Winter­
klettersteig im
Skigebiet Hoch-
zillertal führt Nadia
Kloet über einen
Grat auf den
Wimbach­kopf und
bis zur Wedelhütte.

52 BERGWELTEN
Allesamt ruhende Giganten, um die 3.500 Meter hoch,
und wir in der Mitte, ganz klein.

wird der Schlegeisstausee im Talschluss der Langkofel aus der Ferne zu. Und plötz- Die Konkurrenz um die First Line schläft
unter uns, bald schaut er aus wie ein lich bricht bei Markus wieder die einpro- eben nicht länger. „Der große Geheim-
tief verschneiter norwegischer Fjord. Wir grammierte Rennroutine durch – die Felle tipp von früher is es halt nimma. Aber ’s
ziehen unsere einsamen Spuren vorbei sind schneller von den Skiern gezogen, als Geni­ale da heroben is der Talkessel“, er-
an der prächtig gelegenen Olpererhüt- Lucky Luke seinen Schatten durchlöchert. klärt uns unser junger Guide Andi Lind-
te, die im Winter im Dornröschenschlaf Und dann, beim ersten Eintauchen in ein ner, während wir uns nach einem zweiten
liegt. Dennoch: Ein Schluck Tee auf ihrer Meer aus unverspurtem, ufgem Weiß, ­Espresso sehnen. „Wir haben hier Hän-
Sonnen­terrasse muss natürlich sein. hört man Markus’ Jauchzer langsam leiser ge in allen Expositionen. Guten Schnee
Rings um uns türmen sich die ganz werden. Ein beherztes „Juppaduuuu!“ in ndet man so gut wie immer.“
großen Zillertaler Gipfel zu einer imposan- jeder langgezogenen Kurve, und man weiß, Zusammen mit Andi bucht man die
ten Arena auf: der Hochfeiler mit seiner da ist einer in seinem Element. Der Herr- Garantie auf Powder. In Fügen geboren
mächtigen Nordwand, der vergletscherte gott wird’s ihm später danken. und in Hochfügen aufgewachsen, kennt
Große Möseler am Zillertaler Haupt- Andi jeden Hang und jede Variante. Heu-
kamm, der formschöne Olperer. Und da- te machen wir „an kloan Spaziergang“
neben gleich der Schrammacher, den man 2. FREERIDEN WIE DIE PROS auf den Metzen, wie er es nennt. In den
von dieser Seite glatt mit dem Matterhorn Auf Abwegen in Hochfügen letzten Jahren fanden auf der Direttissi-
verwechseln könnte, Hörnli­grat inklusi- Am nächsten Morgen bedanken sich die ma vom Gipfel die Qualikationen für
ve. Allesamt ruhende Giganten, um die Oberschenkel gründlich für die Idee, auf die prestige­trächtige Freeride World Tour
3.500 Meter hoch, und wir in der Mitte, Skitour zu gehen mit einem, der jedes statt. Die satten Cliffdrops lassen wir ge-
ganz klein. Das Faszinierendste an dieser Jahr 700.000 Höhenmeter „nur so zum trost aus, wir setzen unsere Turns statt-
Landschaft ist aber die unglaubliche Wei- Spaß“ abspult. Da kommt die 8er-Jet- dessen lieber in die wunderbar breiten
te, in der man sich bewegt – und wenn man Gondelbahn in Hochfügen genau richtig. Rinnen. Aber um dort hinzukommen,
meint, es könne nicht noch schöner wer- Wir stolpern noch etwas schlaftrunken in heißt es erst einmal Ski auf den Rücken
den (Markus: „Aiiiii, brutal, so schian!“), die erste Kabine. Früh aufstehen gehört und den Grat entlangstapfen. Der Pulver-
dann wachsen nach ein paar Höhenme- hier zum erwarteten Spirit – das Skigebiet schnee will verdient sein.
tern mehr die Südtiroler Dolomiten über Hochfügen am Anfang des Tals hat sich „Koa Angst – am Gipfel gibt’s dann an
den Horizont. Beim Abfellen schaut uns als Free­ride-Mekka des Zillertals etabliert. Selberbrenntn“, verspricht uns Andi. >

BERGWELTEN 53
Als Hans anfing zu unterrichten, gab’s noch keinen
einzigen Lift im Tal. Anzahl der Pistenkilometer: null.

Sogar der Williamsbrand kommt heute


­ und im Zemmgrund gesammelt wurde und blau bis schwarz, 180 hochmoderne Lift­
direkt aus Fügen. Nach einem vorsichtigen noch heute häug als traditioneller Trach­ anlagen durchziehen das Tal. Die Liftanla­
Schluck aus dem Flachmann und einer tenschmuck im Zillertal getragen wird. gen sind mittlerweile so miteinander ver­
Verschnaufpause ziehen wir dann wie ver­ Unsere erleuchtende Begegnung sol­ schmolzen, dass man oft gar nicht mehr
sprochen die ersten Spuren in den Hang, len wir schon vor dem Kapellenbesuch weiß, in welchem der vier großen Skige­
das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. bekommen, nämlich beim Queren der biete man eigentlich gerade seine Kurven
Skipiste gleich neben dem Kinderlift. zieht. Aber auch sicherheitstechnisch hat
Dort steht einer, braungebrannt wie Mike sich in den letzten fünfzig Jahren so eini­
3. PISTEN UND LEGENDEN Krüger und mit den Augenbrauen eines ges getan. „Früher war ’s Skifahren no viel
Der Meister des Parallelschwungs Grizzlybärs: der Hafner Hans, mit 77 Jah­ g’fährlicher, die Anfängerlatten waren ja
Stärkung danach? Verdient! In der Granat­ ren der älteste Skilehrer im Zillertal und 2,05 Meter lang! Mein Rekord waren fünf
alm am Penkenjoch hoch über Finken­ der Einzige weit und breit, der die grelle Verletzte in einer Woche.“
berg steht dafür genau das Richtige auf Bergsonne ohne Sonnenbrille ertragen Auch den wohl berühmtesten Sohn des
der Speisekarte, nämlich die traditionel­ kann. „I han nia oane g’habt, meine Augen Zillertals kennt Hans bestens: Mit Extrem­
len Zillertaler Krapfen, wenig zimperlich, werden alleweil nur besser!“ bergsteiger Peter Habeler ist er gemeinsam
was die Graukas-Fülle betrifft. Weil man Seit 56 Jahren unterrichtet er den Paral­ zur Schule gegangen, und auch in dersel­
davon leider immer ein paar Stück zu viel lel­schwung. „Im Frühling weart aber dech­ ben Fußballmannschaft, beim SVG Mayr­
verschlingt, bleiben unsere Bretter erst tasch amal a nuichs Knia fällig“, meint er hofen, haben sie als Jugendliche gekickt.
einmal im Skiständer, und wir peilen ei­ gelassen. Hans ist einer der wenigen Akti­ „Der Peter war Stürmer, i Verteidiger.
nen regenerativen Verdauungsspaziergang ven, die sich noch lebhaft an die Ursprün­ Er war eigentlich in allem spitze, was er
hinüber zur Granatkapelle an. ge des Skifahrens im Zillertal erinnern. ang’fasst hat: Fußball, Tennis, Bergstei­
Der 2016 vom Schweizer Stararchitek­ Als er anng zu unterrichten, da gab’s gen. Irgendwann hat er sich dann ganz für
ten Mario Botta entworfene Bau hat die noch keinen einzigen Lift im Tal, Anzahl den Alpinismus entschieden.“
Form eines Rhombendodekaeders, oder: der Pistenkilometer: null. „Mia ham uns Gott sei Dank, denn mit der Erst­
Er versucht sich als überdimensionaler halt immer an kloanen Hang angstapft – besteigung des Mount Everest gemeinsam
Granat zu tarnen, ein tiefroter Halbedel­ des war dann unsere Piste fürn Tag.“ Heu­ mit Reinhold Messner und ohne künstli­
stein, der früher im hinteren Stilluptal te kaum mehr vorstellbar – 535 Kilometer chen Sauerstoff brachte Peter Habeler ein

54 BERGWELTEN
SPÜRNASE
Freeride-Guide Andi
Lindner kennt jeden
Hang in Hochfügen.
Unverspurtes Gelände
findet man mit ihm
also immer.

GEHOBENER
GENUSS
Auf der Sonnenterrasse
des Albergo genießt
man Weitblick und
Schlutzkrapfen (rechts).

BERGWELTEN 55
IM ZILLERTAL
Gipfel, Hütten, Touren: wo man aufsteigt,
wo man einkehrt, wo man nicht vorbeigehen darf.

GIPFEL TOUREN / WEGE EINKEHR / R AST BESONDERHEITEN

A. Olperer (3.476 m) 1. Skitour Rastkogel 1. Granatalm 1. Granatkapelle


 B. Hochfeiler (3.510  m) 2. Rodelbahn Gerlosstein 2. Albergo 2. CAT-Skiing Hochfügen
 C. Grinbergspitzen (2.867  m) 3. Freeride-Abfahrt Metzen 3. Wedelhütte 3. Startplatz Kristallhütte
D. Penkenjoch (2.095  m) Hochfügen 4. Hotel Englhof
E.  Rastkogel (2.761  m) 4. Skitour Riepengrat
5. Winterklettersteig
KARTE: ALBERT EXERGIAN

In dieser Karte sind nur einige der 180 Liftanlagen eingezeichnet, die das Zillertal mit den umliegenden Bergen verbinden.

56 BERGWELTEN
GUTER LUFTSTAND
Beim Paragleit-Start von der Kristallhütte ist der Ausblick
über das Zillertal sagenhaft. Die Ski bleiben gleich angeschnallt.

kleines Stück Mayrhofen auf den höchs- treffen ihn zusammen mit seiner ebenso Und erst einmal abgehoben, sagt Barbara
ten Punkt der Erde und Alpingeschichte weitgereisten Frau Barbara Weitzenböck den schönen Satz: „Die Luft is scho a sehr
zurück ins Zillertal. vor der Kristallhütte, die mit basslastigen g’schmeidiges Element.“
House-Beats ein wenig Ibiza-Feeling auf Sie weiß, wovon sie redet. Barbara ist
4. GESCHMEIDIG FLIEGEN 2.147 Metern versprüht. diplomierte Kunst­pädagogin, immer auf
Die ruhige Seite des Zillertals Gekommen sind wir aber nicht wegen der Suche nach neuen Perspektiven – und
Wenn es um dünne Luft und Zähigkeit am der Schirmbar, sondern wegen eines Schir- als Frau im Flugsport eine Ausnahme­
Berg geht, kann neben dem Markus Kröll mes aus buntem Nylon. Zum Abschluss erscheinung. „Es gibt nur rund fünf Pro-
auch ein anderer im Tal gut mit­reden: Kna- wollen wir uns das Zillertal von noch wei- zent Frauen unter den Tandem­ piloten.
ckige 13-mal schaffte Günter Burgsteiner ter oben anschauen – Günter und Barbara Viele trauen sich die mentalen und kör-
die 1.300 Höhenmeter von Mayrhofen haben die exklusive Lizenz für den höchs- perlichen Anforderungen nicht zu. Flie-
hin­auf zur Ahornbahn-Bergstation – in- ten Paragleit-­Startplatz im Tal. gen kann auch Knochenarbeit sein.“
nerhalb von 24 Stunden. Insgesamt ergibt Und der ist genau da, wo das Tal ei- Trotz ihrer großen Leidenschaft gibt’s
das einen Weltrekord im Skibergsteigen, nen leichten Knick nach Westen macht, da aber noch einen Traum: einmal in ei-
der seit nunmehr fünfzehn Jahren hält. bei Zell am Ziller. Von ihrem Garten se- nem Leicht­ug­zeug die ganze Welt umrun-
Auch sonst ist Günter gern kreativ bei hen sie jeden Tag hier herauf. „Also ha- den. Das fehlt den beiden Globe­trottern
seinen Ausdauerprojekten: Einmal radelt ben wir einfach unseren Hausberg zum noch im Abenteuer-Portfolio. Wahrschein-
er vom Zillertal mit dem Fahrrad bis nach Flugberg gemacht. Von Strass bis Tux lich könnten sie morgen früh einfach so
Chamonix, um im Anschluss den Mont – aus der Luft siehst du von da heroben abheben und würden es schaffen.
Blanc zu besteigen, das nächste Mal geht’s das komplette Zillertal in seiner ganzen Erst wenn man lautlos hoch über
per Rad gleich bis nach Teheran und zu Pracht“, schwärmt Günter. Oft gibt’s hier dem Zillertal schwebt, überblickt man
Fuß weiter auf den Dama­wand, den höchs- schon ab Mitte Februar gute Thermik um das gesamte Terrain, das wir in den letzten
ten Berg des Iran. Nur zwei Unter­kapitel die Mittagszeit, die wir natürlich verpasst Tagen erkundet haben: das endlose Ski­
im Leben eines Welten­ bummlers par haben, weil wir zu lange auf den Skiern tourengelände im Olpererkar, die genia­
excellence, der schon in Alaska Heliski- unterwegs waren. Aber 1.650 Höhen­ len Freeride-Spots in Hochfügen, die Ski­
Guide war und mit dem Stand-up-Paddle meter bis hinunter nach Zell sind auch schule vom Hafner Hans am Penken. Scho
die nnische Seenplatte durchquerte. Wir im Gleitug eine stattliche Erfahrung. a g’schmeidiges Platzerl, das Zillertal. >

BERGWELTEN 57
Ein Winter im Zillertal
D ie b e ste n Adre sse n un d A k tivitäte n

D
LAN
TS CH
DEU
ÖSTERREICH

Zillertal

ITALIEN

AN KOM M E N

Von München über den Achenpass, von


Wien über Kufstein bei Wiesing ins Zillertal.
Achtung: Wenn möglich in der Hochsaison
den Samstag als An- bzw. Abreisetag ver-
meiden – oft staut es sich durchs ganze
Tal. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
vom Zielbahnhof Jenbach mit der tra­di­ Der Winterwanderweg „Zeitreise“ bei der Bergstation Penkenbahn
tions­reichen Zillertalbahn bzw. den Linien­ bietet Einblicke in die Geschichte des Tals – und Panorama sowieso.
bussen taleinwärts.

ESSEN UND SCHLAFEN


al Ragù und die Cozze e Vongole sorgen
Familientradition für medi­terranes Flair auf 2.400 Metern.
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Juniorchefin Lisa Held führt fort, was die Albergo Zillertal
Großeltern schon 1972 begonnen haben: Bergstation Wimbachexpress Alpine Mixology
die Kombination aus Sportlerbewusstsein Tel.: +43/676/88 63 25 88
und Wellnessgenuss. Die Küche verarbeitet albergo.at
heimische Produkte auf hohem Niveau.
Sport- und Wellnesshotel Held Die Alm wie ein Stein
Kleinbodener Straße 6, 6263 Fügen Seit 1977 wird hier aufgekocht, 2016 wurde
Tel.: +43/5288/623 86, held.at die Granatalm am Penkenjoch neu gebaut.
Das Team um den Wirt Georg Kröll ver-
Haute Cuisine am Berg wöhnt mit bodenständigen Zillertaler
Auf der Sonnenterrasse des Albergo reiht ­Spezialitäten, die architektonisch reiz­
sich von der Ahornspitze über den Großen volle Granatkapelle ist mit einem kurzen
Löffler bis zum Olperer alles auf, was Rang Spazier­gang zu erreichen.
und Namen hat. Und auf der Speisekarte Granatalm
geht es nicht weniger ex­quisit zu: Die Spa- Penken 422, 6290 Schwendau
ghetti Albergo mit Hummer werden im gro- Tel.: +43/5285/630 33 Österreichs beste Bar, aus­gezeich­
ßen Parmesanlaib serviert, die Pappardelle granatalm.at net mit dem begehrten M ­ ixology
Bar Award, steht im Ziller­tal.
„Des isch mei Reich!“, b­ egrüßt
Steinbutt mit Aussicht ­Andreas Hotter in seiner Cocktail-
im Restaurant Albergo bar im Hotel Englhof in Zell am
Ziller. Über 2.000 verschiedene
Spirituosen türmen sich hinter ihm
auf, der Karte entnimmt man Ku-
rio­sitäten wie „Brennnessel Gimlet“
oder „Wilderdbeer R ­ amos“.
„Wir haben eine eigene Landwirt-
schaft und versuchen, möglichst
viele Kräuter selbst anzubauen“,
erklärt er seinen Traum, irgendwann
Die Granatkapelle bei allen Zutaten autark zu sein.
am Penkenjoch

58 BERGWELTEN
Wimbach­express über den Grat bis zur
Wedelhütte. Der Eisenweg ist stellenweise
spektakulär ausgesetzt und füllt so einen
halben Skitag abenteuerlich aus.
Dauer: 1,5 h Strecke: 1,3 km
Höhendifferenz: 420 m
Volles Programm im Zillertal für kleine und große Kinder:
Rodeln am Hainzenberg, Schneeschuhwandern in frischem Pulver (rechts). KONDITION
ANSPRUCH
ERLEBNIS

Kurvenspaß am Hainzenberg
S K I FA H R E N Sonniger Ausflug Im Skigebiet Gerlosstein startet die mit
Der höchste Gipfel der östlichen Tuxer sieben Kilometern längste Rodelbahn
First Line garantiert ­Alpen, der Rastkogel (2.762 m), bietet im Zillertal. Dank ­Beleuchtung rodelt man
Beim CAT-Skiing bringt einen die um­ eine Vielzahl schöner Tourenmöglichkei- hier auch nach Sonnenuntergang.
gebaute Pistenraupe bequem nach oben, ten – zum Beispiel die benachbarte Halsl- zillertal.at/rodeln
­bevor der Liftbetrieb startet, und man spitze. Wegen der ­sonnigen Exposition
kann sich seine First Line aus­suchen. eignen sich diese Touren vor allem nach Wie die Adler
hochfuegenski.com Neuschnee oder bei Firnverhältnissen. Ein Winter-Tandemflug mit den Lokal­mata­
Dauer: 3 h Länge: 10 km doren Günter Burgsteiner und Bar­bara
Powder Power Höhendifferenz: 1.150 m Weitzenböck bietet unvergessliche Aus­
Tolle Freeride-Lines vom Metzen (2.355 m) blicke über das verschneite Zillertal.
KONDITION
starten nach der Bergstation der 6er-­ Tel.: +43/664/271 85 58
ANSPRUCH
Sesselbahn Waldoffen. Von hier über raw-abenteuer.reisen
ERLEBNIS
den Gratverlauf in östlicher Richtung zum
­Gipfel. Eine den Verhältnissen angepasste
­Abfahrt Richtung Skigebiet aussuchen. GEHEN, KLETTERN, RODELN I N FO R M I E R E N

Den Grat entlang Leicht bergauf Lokale Expertise


Start der Skitour auf den Riepengrat ist Der nur leicht ansteigende Winterwander- Bergführer Bernhard Neumann ist der
in Ginzling, anschließend vom Schlegeis- weg führt vom Gasthof Oberwirt in Gerlos ­richtige Mann für Skitouren und Freeriden.
stausee Richtung Olpererhütte aufsteigen. durch das Schönachtal zur Stinkmoosalm, Alpinschule Mountain Sports
Von dort auf den Olperer zusteuern, die von wo aus man einen schönen Blick auf Hollenzen 75, 6290 Mayrhofen
Verlängerung von dessen Südgrat ist der den Talschluss hat. Weiter zur Lackenalm Tel.: +43/664/312 02 66
Riepengrat. Von hier kann man ins Ski­ und zurück auf gleichem Weg. mountain-sports-zillertal.com
gebiet Hintertuxer Gletscher aufsteigen. Dauer: 2 h Strecke: 3 km
Alternativ mit dem Schlepplift O
­ lperer 2 Höhendifferenz: 140 m Infopoint
aufwärts und in das Olpererkar einfahren, Die Zillertal Tourismus GmbH hilft mit Infor-
KONDITION
um zum Riepengrat zu gelangen. mationen zu Unterkünften und Aktivitäten.
ANSPRUCH
Dauer: 5,5 h Länge: 11 km Zillertal Tourismus GmbH
ERLEBNIS
Höhendifferenz: 1.500 m Bundesstraße 27d, 6262 Schlitters
Tel.: +43/5288/871 87, zillertal.at
KONDITION Am Eisenweg
ANSPRUCH Der neue Winterklettersteig (C/D) im Hoch- bergwelten.com/zillertal
ERLEBNIS zillertal führt von der Bergstation des Infos zu ausgewählten Touren und Hütten

BERGWELTEN 59
Ein Snowpark

60 BERGWELTEN
am Haushang
Für erste Freestyle-Versuche auf dem Board oder auf den Skiern
brauchen wir kein großes Skigebiet. Uns reicht ein kleiner Wiesenhang
hinter der Haustür, ein paar Schaufeln und ein wenig Fantasie.
Text: Robert Maruna  Foto: Andreas Jakwerth  Illustration: Martin Udovičić

DIE WELLENBAHN
Eine Wellenbahn ist schnell
errichtet und bietet unglaub­
lich viel Spaß, egal ob per Ski,
Snowboard oder Schlitten.
Alles, was Sie hier­für be­
DIE STEILKURVE nötigen, ist etwas Schaufel­
Steilkurven sind eine kraft und einen sanft ge­
grandiose Möglichkeit, um ein neigten Hang. Im Abstand
Gefühl für das Fahrverhalten von 5 bis 7 Metern bilden Sie
und die richtige Kurvenlage einfach ein paar Schneehügel.
zu schulen. In der Errichtung Achten Sie auf einen hindernis­
um eine Spur aufwendiger als freien Auslauf – viel mehr ist
die Wellenbahn, doch werden es nicht. Einfach anschnallen,
Ihnen die Kinder für jeden antauchen und abheben!
Schaufelhub dankbar sein.
Achten Sie beim Bau auf einen
adäquaten Kurvenradius:
Es soll ausreichend Ge­
schwindig­keit gewonnen,
aber trotzdem die Kontrolle
nicht verloren werden.
Für das Befahren gilt:
In der Kurve sind wir immer
klein wie ein Zwerg, zwischen
den Kurven machen wir
uns groß wie ein Riese –
so bereiten Steilkurven
im Nu große Freude.
FOTO:

KICKER
Der Kicker (die Schanze)
ist wohl das simpelste und
zugleich aufregendste Element
Ihres Snowparks. Je nach
Können variiert man die Höhe
und den Absprungradius (also
die Steilheit) der Schanze.
Wählen Sie im Zweifelsfall
einen flacheren Ab­sprung­
radius als einen zu steilen. Die
Landung sollte nicht zu flach
und frei von Hindernissen sein.

HOLZRAIL
Schnell wird aus einer alten
Holzbank die erste Rail
für sichere Versuche im
Sliden. Die Holzbank wird
auf ebener Fläche bis zur
Sitzfläche eingeschaufelt und
festgeklopft (gießen Sie ein
wenig Wasser über die Bank,
und begünstigen Sie so die
Gleitfähigkeit). In An- und
CORNER JUMP
Ausfahrt errichten Sie einen
kleinen Absprung sowie Die fortgeschrittene Variante
eine flache Landung – und des Kickers. Denn hier kann
im Handumdrehen können man nicht nur geradeaus
Sie die Kids bei ihren ersten abspringen, sondern auch
Boardslides bestaunen. nach rechts oder links hüpfen
und in den angeschrägten
Seiten des Kickers landen.
Folglich sollten die Lande-
flanken etwas steiler präpariert
sein als der Absprung. Und
falls die ersten Versuche mit
Stürzen enden, nicht ärgern –
nach ein paar Sprüngen haben
die Kinder meist den Dreh raus
und werden nach gekonnter
Landung von einem Ohr
zum anderen grinsen.

BERGWELTEN 61
E S S AY

Erste Abfahrt
Wie man Ski fahren lernt und sich die Berge erarbeitet:
über die seltenen Momente, in denen alles gut ist
und man auch begreift, dass man gerade Glück hat.
Text: David Pfeifer  Illustrationen: Sylvia Wolf

Was schenkt man einem Kind, haben, lag es für mich nahe, zumal die El- wird. Man weiß, wie der Atem sich ver-
das alles hat? Das in Mitteleuropa Anfang tern wenig Interesse an der Tätigkeit zeig- kürzt, wenn man auf 1.800 Höhenmetern
der 2000er-Jahre geboren wurde, von liebe­ ten, wie überhaupt an den Bergen. zehn Minuten an einer Skischuhschnalle
vollen Eltern in die Welt gesetzt, vollver- Die Berge – das versteht man kaum, herumdoktert. Man weiß, dass es nichts
sorgt, krankenversichert, zweisprachig er- wenn man sie liebt – können Menschen Köstlicheres gibt als leicht verkochte Spa-
zogen und das an Geburtstagen kaum ­erstaunlich unheimlich sein. Und da die ghetti mit Bolognese-Sauce und Parmesan
noch schnaufen kann unter einem Berg ­Eltern meines Patensohnes aus Hamburg aus der Tüte, wenn sie denn in einer Hüt-
von Geschenken? Was wird dem Kind stammen, wo die höchsten Erhebungen te am frühen Nachmittag eingenommen
­später einmal davon bleiben? Wenn man aus Fahrbahnschwellen in Tempo-30-Zo- werden. Man weiß also, wozu man sich
bilanziert, in der Mitte oder auch am Ende nen bestehen, hatte ich die leise Sorge, es die Quälerei antut, das Ski-Ausleihen, das
des Lebens, dann erinnert man sich ja könnte bei ihnen genauso sein. ­Skipass-Kaufen, das Skibus-Fahren, das
nicht an die PlayStation oder an die Ritter­ So ließ es sich auch an. Denn es verging Herumdoktern an der Skischuhschnalle,
burg von Playmobil. Es sind die Momente, sehr viel Zeit, bis sie dem Buben ermög- wenn man es als Kind gelernt hat. Wenn
die man gemeinsam erlebt hat, das Aben- lichten, sein Skifahr-Geschenk anzuneh- man es jedoch erst mit fünfzehn lernen
teuer, die Freundschaft, das Glück. So weit men. So viel Zeit, dass er in der Zwischen- soll, ist es wie mit fünfzehn getauft zu wer-
habe ich allerdings nicht gedacht, als ich zeit schon eine neunjährige Schwester hat- den, wo man schon mitbekommen hat,
Patenonkel eines dreijährigen Berliner Bu- te, seine Eltern getrennt waren – und kein dass der Nikolo aussieht wie Opa mit wei-
ben wurde. Ich dachte nur, der bekommt Kind, sondern ein pubertierender Teen- ßem Bart und dass das mit dem Heiligen
sowieso zu viel geschenkt. ager in die Berge kam. Geist und Maria auch eine irgendwie selt-
Das war Ende des Jahrzehnts, und ne- same Geschichte ist.
ben ein paar anderen Unternehmungen, Skifahren ist aber wie Religion: Mein Patensohn kam also mit fünfzehn
die ich dem Kind über die Jahre noch Wenn man als Kind herangeführt wird, zum ersten Mal in ein Skigebiet, genauer
schenken sollte, machte ich das Angebot, erscheint es einem später vertraut, man genommen nach Sexten in Südtirol, wo
dass ich ihm das Skifahren näherbringen kann es dann halt, also kann man es ma- meine Frau herstammt und wo ich mich
könnte. Da ich, wie es sich für einen Öster- chen oder eben auch lassen. Aber man mittlerweile auch irgendwie beheimatet
reicher gehört, so früh Ski fahren gelernt kennt sich aus, mit der Liturgie und der fühle, auch wenn ich dort gehänselt werde,
habe, dass ich mich kaum noch daran er­ ­Litanei, man weiß, wie sich Schnee an- weil ich keinen Dialekt spreche. Berliner,
innern kann, es einmal nicht gekonnt zu fühlt, der nicht gleich zu grauem Matsch das habe ich nicht nur bei dieser Gelegen-

62 BERGWELTEN
heit festgestellt, reagieren auf atemberau- mit­erleben. Sogar meine Frau, die in der wurde mit meinem Hochdeutsch gehän-
bende Natur etwa so wie Menschen aus Gegend aufgewachsen ist und rodeln selt, als spräche ich die exotischste Mund-
der Provinz auf Großstadt-Architektur: konnte, bevor sie laufen lernte, jauchzte art von allen. Ich hatte die Ruhe, um mit-
mit einer Mischung aus Erstaunen und vor Vergnügen durch die Nacht. zubekommen, wie mein Patensohn sich so
zwanghafter Runterrederei („Hab ich mir Es war ein erstes Abenteuer, und das entwickelt. Und sogar für ein zusammen-
irgendwie spektakulärer vorgestellt“) – ver- war ja am wichtigsten gewesen an dem Ge- hängendes Gespräch mit dem Vater, den
mutlich auch, um sich selbst nicht kleiner ich auch nicht mehr häug sehe, seitdem
zu fühlen, als man sich fühlen mag. In ich in München lebe, blieb noch Zeit.
Sexten ist man ja so richtig in den Bergen, Und plötzlich
sogar in den Dolomiten, also in einem dehnt sich die Zeit, Man hat mit 15 keinen Begriff
­besonders spektakulären Teil der Alpen. davon, wie sehr sich das Leben verzweigen
Es gehört schon Großzügigkeit dazu, die weil drumherum kann. Man plaudert mit den Freunden per
eigene Egalheit angesichts dieser Schöp- nichts mehr WhatsApp, erzählt dem aus Berlin nach
fungsleistung anzuerkennen. München umgesiedelten Patenonkel un­
wichtig ist.
bekümmert, warum Berlin cool und Mün-
Die Berliner kamen in Sexten nach chen uncool ist, und hat ganz generell
Einbruch der Dunkelheit an, Berge sahen schenk. Wir übernachteten bei meinen noch so viel vor sich, dass man kaum ahnt,
sie also vorerst einmal keine. Wir schaff- Schwiegereltern; die drei Berliner hatten dass man bald an Begrenzungen stoßen
ten es am ersten Abend immerhin noch per Airbnb eine Unterkunft ganz in der wird. Dass man sich nicht mehr so häug
zum Nachtrodeln nach Innichen. Das war Nähe gemietet. Meine Schwägerin hatte treffen kann, wie man möchte, weil Kinder
schon ein erstes Abenteuer, mit Schlitten Skikurse herausgesucht, wir gingen mit da sind oder die eigenen Eltern so betreu-
und Stirnlampen einen Lift zu besteigen ihr, ihren Kindern und den Eltern Pizza ungsintensiv werden wie Kinder oder bei-
und im Finstern dem eigenen Lichtkegel essen, es wurde eine große familiäre Grup- des. Weil immer noch Rechnungen zu be-
nachzufahren, während man sich durch pe. Auch ein Geschenk, wenn alle sich zahlen sind, der Keller ausgemistet werden
den dunklen Wald Kommandos zuruft. ­mögen und jeder nett zum anderen ist. muss, man den Job wechselt oder eine Ehe
Das Beste an Erlebnissen ist ja, dass Man muss es nur als solches erkennen. gegen die Wand fährt, sich mit der neuen
nur einer sie zum ersten Mal erleben muss, Die gleichaltrigen Kinder wiesen sich Liebe viel mehr Mühe macht und über all
und schon können alle sie noch einmal gegenseitig in ihre Dialekte ein, nur ich das irgendwann sogar vergisst, ab und zu

BERGWELTEN 63
einmal eine Mail zu schreiben oder meinet- cke, es fehlt ein Handschuh, meistens Er wirkte dabei nicht bockig oder an­
wegen nur eine WhatsApp-Nachricht. sucht man noch nach einer Skibrille („Die geberisch. Während sein Vater und ich am
Und dann sitzt man zusammen in einer hängt da hinten an deinem Helm!“). Der Fuß des Übungshangs die Skier zusam-
Pizzeria in den Bergen, mittendrin in einer Bub fragte mich, wieso man sich das über- menklackten, sagte mein alter Freund zu
Freundes- und Großfamilie, und plötzlich haupt antue, ob es am Strand nicht viel mir: „Das ist so seine Art zurzeit, er hört
dehnt sich die Zeit aus, weil drumherum einfacher sei, nur mit Badehose und Hand- zu, ohne hinzuhören.“ Es lag also nicht an
nichts mehr wichtig ist. Weil alle da sind mir, er wollte nicht hören, sondern schnell
und der Moment sich gut anfühlt. Auch fahren. Und das erinnerte mich an mich,
dafür ist Skifahren eine feine Sache. Weil als ich noch nichts konnte, aber alles woll-
man es mit Freunden und der Familie tei- Das erinnerte mich te. Also fuhren wir hinauf, ganz hinauf,
len kann und weil es an den Rändern an mich, als ich um die erste richtige Abfahrt zu machen.
Raum für Glück lässt, auch das el mir noch nichts konnte, Ein letztes Abenteuer für diesen Ur-
erst in diesem Winter auf. laub.
Vor der großen Abfahrt machten wir
Im Skikurs machten sich die zwölf Jah- aber alles wollte. noch Mittagspause an der Signaue-Stati-
re Zeitverzug dann leider in der Form be- on, wo ein Cousin meiner Frau arbeitet.
merkbar, dass der Teenager in einen An- Dann ging es mit der Gondel hinauf, zur
fängerkurs mit Fünfjährigen gesteckt wur- tuch, woraufhin ich fragte, was er im Win- einzigen blauen Abfahrt, die ich auf dem
de. Dennoch fuhr er tapfer immer wieder ter am Strand wolle. Plan nden konnte, von der ich aber, oben
den Kinderhang, in der Pizzaschnitten-­ Ab Donnerstag versuchten wir die an­gekommen, feststellen musste, dass es
Technik, wie man den Schneepug heut- Nachteile des Kinderkurses durch einen sie nicht gab. Rot war das Leichteste, was
zutage nennt. Und seine Schwester lernte privaten Skilehrer auszugleichen. Der Bub ich bieten konnte.
es gleich mit. schoss rasch im Pizzaschnitten-Stil den
Übungshang hinunter. Als ich ihn dort Ich bin kein Pädagoge, ich habe so-
Die Tage flogen vorbei, wie Tage ­besuchte und fragte, ob er das, was er da wieso wenig Erfahrung mit Kindern, also
beim Skifahren ja immer iegen und tat, noch kontrollieren könne, antwortete überlegte ich kurz: Fahren wir mit der Gon-
gleichzeitig lang sind. Immer wieder ein­ er fröhlich: „Hat mein Skilehrer auch ge- del wieder runter? Zu frustrierend. ­Sage ich
packen, auspacken, die Menschen in die sagt, dass ich den Bogen nicht ordentlich den Kindern, dass die Piste in Wahrheit
Autos und aus den Autos, Ski, Stiefel, Stö- mache und zu schnell bin.“ schwierig ist? Zu furchterregend. >

64 BERGWELTEN
DIESEN WINTER
SCHNEIT ES
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Stattdessen sagte ich: „Jetzt Pizzaschnit­ Furcht vor einem Sturz ablenkte. Und es denen alles gut ist und man es auch be­
te bis ins Tal, und wer Angst hat, darf direkt gelang. Er fuhr ins Tal, nur noch ein Mal greift, dass man gerade Glück hat. Und
hinter mir in Raupentechnik abfahren.“ stürzte er in den Schnee, fast in Zeitlupe, diesen Moment hatten wir auf eine Woche
Der Bursch entdeckte seinen Ehrgeiz, und kam schnell wieder hoch, obwohl ausgedehnt.
zog den Ski immer wieder parallel, wenn er ­seine Kraft längst verbraucht war. Erst un­
eine Kurve gemeistert hatte, und das ging ten, als wir alle zusammenstanden, beich­ „Du hast den Kindern die Berge
auch eine Weile ganz gut, weil es am An­ geschenkt“, sagte der Vater zum Abschluss.
fang nicht sehr steil war, an dem Anfang Tatsächlich haben sie sich die Berge er­
also, an dem ich noch gedacht hatte: „Das Sie haben Ski fahren arbeitet. Sie haben Ski fahren gelernt, Hüt­
schaffen sie schon.“ Aber es wurde steiler. tennudeln gegessen, einen neuen D ­ ialekt
Bedeutend steiler. Seine kleine Schwester
gelernt,  Hütten­nudeln geübt, eine andere Zeitrechnung kennen­
schob sich im Stemmbogen die Piste run­ gegessen, einen gelernt, sogar ihre Smartphones vergessen,
ter, unbeeindruckt und stoisch. Er wollte neuen Dialekt geübt. wenn auch nur kurz. Sie haben Kaiser­
beeindrucken, wie Jungs halt so sind, schmarrn gekostet und Abenteuer über­
­z wischen 15 und 95. Er stemmte sich um standen, sie haben sich sogar geduldig an­
die Kurven, stellte parallel, lag im Schnee, tete ich den Kindern, dass sie eine rote gehört, was ich ihnen über die Berge und ILLUSTRATION DAVID PFEIFER: ROLAND VORLAUFER

stand wieder auf. Nach dem dritten oder ­Piste gefahren waren. Und sie waren zu die alten Kriegslinien erzählte, die man
vierten Sturz stellte er fest, dass es besser Recht sehr stolz auf sich. dort oben nden kann. Sie kennen nun
geht, wenn ich auf ihn einrede, also laber­ „Noch einmal?“, fragte der Bursch, sei­ die Liturgie und die Litanei des Skifahrens.
te ich immer weiter: „Eher vorderlastig statt ne Oberschenkel zitterten. „Besser wird es Sie können es in Zukunft machen oder las­
hinterlastig fahren, auf den Talski wech­ heute nicht mehr“, sagte ich. „Erinnert euch sen. Aber sie können es.
seln, ganz drehen. Fahr ein Stückchen an diese Abfahrt und kommt bald wieder.
bergauf, wenn du gedreht hast, bloß nicht Ihr habt ja jetzt quasi Familie hier.“
David Pfeifer
aus Panik schnell werden.“ Die Kinder warteten in der Hütte bei
Der Österreicher ist leiten-
Ob ich ihm gute Anweisungen gab? einer heißen Schokolade, während ihr der Redakteur der „Süd-
Keine Ahnung. Der Bursch hörte ohne­ ­Vater und ich noch einmal rauffuhren, deutschen Zeitung“ und
Autor mehrerer Romane,
hin eher zu, ohne zuzuhören, er brauchte um eine letzte Abfahrt zu machen, nur wir zuletzt erschien „Die Rote
nur etwas, was ihn von der unmittelbaren zwei. Es gibt diese seltenen Momente, in Wand“ im Heyne Verlag.

66 BERGWELTEN
DER NEUE ŠKODA
SUPERB SCOUT

Was wirklich zählt – Perfektion im Detail.


Der neue ŠKODA SUPERB SCOUT erweitert die ŠKODA Familie und tritt erstmals auch im markanten Offroad-Look
auf. Mit seiner ausdrucksstarken Designsprache zeigt er reichlich Selbstbewusstsein. Das Interieur vereint Qualität
und Funktionalität. Ein weiteres herausragendes technisches Merkmal sind die innovativen LED-Matrix-Scheinwerfer.
Diese sorgen für noch mehr Sicherheit und Komfort. Lassen Sie sich bei einer Probefahrt von den sensationellen
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VALENTINS FAVORITEN

Gesucht: flotter Zweier


LESERFRAGE MEINE EMPFEHLUNG
Renate Gruber: „Im letzten Winter habe ich meine „Dann ist eine Rodel die richtige Wahl.
Liebe zum Schlittenfahren entdeckt. Jetzt bin ich Die lenkt man über Gewichtsverlagerung und
auf der Suche nach einem sportlichen Modell, Schenkeldruck. Zu meinen Favoriten zählt die
das man auch zu zweit fahren kann.“ Klassische Gallzeiner Rodel Doppel.“ € 255.

SITZBANK
Mit einer Tourenrodel ist RAHMEN
man sitzend, nicht liegend Das Modell wird in Tirol
KUFEN unterwegs. Ein rutschfestes aus robustem Buchenholz
Die Kufen sind an den Enden Segeltuch sorgt für guten in Handarbeit gefertigt.
leicht nach oben gebogen Halt, der Schaumstoff Die elastische Lagerung
und haben eine ähnliche ­darunter erhöht bei wilden erlaubt ein spielerisches
­Wirkung wie ein „Rocker“ Ritten den Komfort. Kurvenfahren, wie man es
bei Skiern: Sie machen den vom Carving kennt.
Gallzeiner ungleich wendiger
als klassische Schlitten.

SCHIENEN
Stählerne Laufflächen,

ILLUSTRATION: ROLAND VORLAUFER; FOTO: HERSTELLER


die mit 22 Grad aufgekantet
sind, ermöglichen, die Rodel
präzise in der Spur zu halten.
Die schmale Auflage am
RIEMEN Schnee minimiert die Rei-
Zum Steuern unentbehrlich bung und erhöht das Tempo.
ist ein griffiger Riemen. Beim
Gallzeiner ist dieser kurz und
aus Leder gefertigt. Zum
Hochziehen kann man ein
längeres Band befestigen.

Gerald Valentin ist Bergführer und Geologe


sowie Sachverständiger für alpine Sicherheit.
Haben Sie Fragen zur Ausrüstung? bergwelten.com/produkte
Schreiben Sie uns! redaktion@bergwelten.com Ausrüstungstipps auf einen Blick

68 BERGWELTEN
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Starke Entschlossenheit, Können und Mut,


neue Wege zu gehen – das sind die
Frauen, die Werte der K2 Women’s Alliance. Eine
Institution, die mit ihrem Engagement
inspirieren Berge versetzt.

A nna, Vreni und Birgit sind Teil der K2 Women’s


Alliance – einer Institution in der Welt von K2.
Was sie so besonders macht, ist, dass sie den Zweck
verfolgt, Produkte zu entwickeln, die von Frauen
für Frauen konzipiert und produziert werden. Ski-
fahrerinnen und Snowboarderinnen aus der ganzen
Welt haben sich dazu verpflichtet, Equipment zu
entwickeln, das Frauen bestmöglich unterstützt,
um ihnen noch mehr Spaß beim Wintersport zu
verschaffen. Ob während der Produkttests auf den
Bergen oder im K2 Entwicklungszentrum, die K2-
Ladys geben alles, um die ideale Ausrüstung für
jede Frau zu entwickeln.

K2 Women’s Alliance steht


für Zusammengehörigkeit.
Zu jeder Zeit. In jeder
­Lebenssituation.

Gemeinsam stark
Auf allen Damenprodukten von K2 befindet sich
eine rosa Schleife, die für den Kampf gegen Brust-
krebs steht. Seit 2002 unterstützt K2 jedes Jahr
die Breast Cancer Research Foundation in den
Die rosa Schleife ist USA sowie den Verein Brustkrebs in Deutschland.
FOTOS: K2 SPORTS EUROPE GMBH

ein internationales Über eine Million US-Dollar sind seit Beginn der
Symbol, welches Partnerschaft bereits an Forschungseinrichtungen
die Solidarität mit und betroffene Familien gespendet worden. Ziel ist
von Brustkrebs es, brustkrebserkrankte Frauen in ihrem Kampf
betroffenen Frauen zu begleiten und sie zu unterstützen. Gemeinsam
widerspiegeln soll. können wir ihnen den Mut geben, ihre sportlichen
Träume zu verfolgen. Gemeinsam sind wir stark.
k2snow.com
Wenn Skifahren
nicht genug ist
Sechs ausgewählte Skigebiete mit dem gewissen Extra:
wo man nicht nur Pistenkilometer sammeln,
sondern auch besonders gut rodeln und langlaufen,
winterwandern, freestylen und essen kann.
Text: Mara Simperler

Schneeschuhlaufen Essen Winterwandern

Freestyle Langlaufen Rodeln

MEHR SKIFAHREN
Infos für mehr als 500
Gebiete auf bergwelten.
com/skigebiete

70 BERGWELTEN
RUTSCHPARTIE
Flott bergab geht’s
auf der 14 Kilometer
langen Rodelbahn
von der Bergstation
der Smaragdbahn
nach Bramberg.

Auf der Piste ­ öhenmeter. Je nachdem,


H
RODEL N
Mit 35 Kilometern an blauen wie mutig – also wie schnell
Wildkogel, Salzburg Pisten und fast ebenso vie- – man ist, braucht man für
Sitzflitzer len roten Pistenkilo­metern
ist die Wildkogel-Arena
die Abfahrt 30–50 Minuten.
Es gibt noch drei weitere
ein klassisches Familien­ Rodelbahnen: in Pisten­
Am Wildkogel kann skigebiet. Bei den ersten nähe die Naturrodelbahnen
man auf der längsten Schwüngen helfen fünf Ski- ­Stockenbaum (5 km) und
beleuchteten Rodel- schulen, und auch abseits ­Neuhaushof (3 km). Und für
bahn der Welt seinen der Pisten gibt es Kinder- ­kleinere Kinder eignet sich
Ruhig hingegen ist es in den
Mut beweisen. Oder programm vom Winterritt am besten die Kühnreit­ Sulzbachtälern, wo man
man hilft dem Nach- bis zum Filznachmittag. rodelbahn im Ortszentrum Rotwild beobachten kann.
wuchs bei den ersten von Neukirchen (ca. 1,5 km).
Schwüngen. Auf zwei Kufen
Rodeln wird am Wildkogel Auf den Spuren der Tiere Weiter rodeln
ernst genommen: Hier gibt Der Talort Neukirchen liegt Im Tiroler Stubaital gibt es
es eine eigene Rodelhotline, an der Grenze zum National­ nicht nur zwei lange Rodel-
FOTOS: OSTTIROL JOURNAL, WILDLIFE

die über den aktuellen park Hohe Tauern. Unter bahnen zu je 8 Kilometer,
­Zustand der Bahnen infor- der kundigen Führung eines sondern im Jänner auch ein
miert. Kein Wunder, findet National­park-Rangers kann Rodelfestival.
man im Skigebiet doch die man auf Schneeschuhen die Mit 120 km/h bergab flitzt
längste beleuchtete Rodel­ Sulzbachtäler mit ihren be- man nahe dem Skigebiet
bahn der Welt. Auf 14 Kilo­ eindruckenden gefrorenen Jenner in Bayern: In der
metern führt sie von der Wasserfällen erkunden oder ­Eis­arena Königssee kann
Bergstation der Smaragd- bei der Wildtierfütterung man den Eiskanal aus dem
bahn nach Bramberg und im Rohrbachtal Hirschen Rennbob erleben, während
überwindet dabei 1.300 und Rehen nahekommen. ein Profi am Steuer sitzt. >

BERGWELTEN 71
WEITE SCHWÜNGE
Der Arlberg ist bekannt
als Freeride-Mekka.
In unberührtem Schnee
kann man die ersten
Spuren ziehen – wie hier
von der Bergstation des
Sonnen-Jets in Warth.

Sehr sportlich mal ge­sehen haben sollte.


E SSE N Das Skigebiet am Arlberg Wenn es auch ein paar
Lech, Vorarlberg ist groß. Sehr groß. Mehr ­we­niger Gänge sein kön­
als 300 Pistenkilometer nen: Dorli Muhr, Winzerin
Hauben machen es zum größten in Niederösterreich, Chefin
im Schnee zusammenhängenden
­Skigebiet Österreichs.
einer PR-Agentur in Wien
und Lech-Liebhaberin seit
­Berühmt ist der Arlberg Jahren, empfiehlt „eines der
Mehr Hauben pro außerdem für seinen weltbesten Wiener Schnit­
Dorfbewohner als feinen Pulver – für Free­ zel in der Post“ (2 Hauben),
in Lech gibt es wohl rider und Freeskier gibt es das Murmeli in Oberlech „Chef’s Table“-Küchenchef

FOTOS: LECH ZÜRS TOURISMUS/ SEPP MALLAUN, DIE WEST


nirgendwo. Winter- Max Natmessnig beim
200 Kilometer unberührte (2 Hauben) „mit strenger
Anrichten der Speisen.
wanderer finden Tiefschnee­-Abfahrten. Chefin und einer Küche zum
­abseits der Pisten Niederknien“; Muhrs Tochter
zauberhafte Wege. Ganz genüsslich liebt die „Buchteln in der
Lech am Arlberg ist wahr­ Rudalp“ (1 Haube), und die Noch mehr Genuss
scheinlich der Ort mit der Leberkässemmeln in der Vom Salzburger Ski­gebiet
höchsten Dichte an Hauben­ Fleischhauerei Hagen „sind Werfenweng ist es nicht
restaurants, 17 sind es ins­ auch ein Gedicht“. weit ins benachbarte
gesamt. Zu den besten ge­ ­Werfen zum Obauer, wo
hört der „Chef’s T­ able“ des Gut zum Gehen die Brüder Rudi und Karl
Hotels Rote Wand (3 Hau­ Nach dem Essen sollst du Obauer seit Jahrzehnten
ben) im benachbarten Zug. gehen – und auch dafür gibt auf höchstem und mit
Max Natmessnig serviert es in Lech und Umgebung 4 ­Hauben ausgezeichne­
hier für maximal 16 Gäste bis mit rund 40 Kilometern tem Niveau kochen:
zu 19 Gänge – großes kuli­ Winterwanderwegen aus­ Besser schmecken die
narisches Kino, das man ein­ reichend Gelegenheit. ­Berge nur selten.

72 BERGWELTEN
WEISSE WEGE
Winterwandern bei
Berchtesgaden –
im Hintergrund die
markanten Zacken
des Watzmann.
FOTOS: BERCHTESGADENERLAND TOURISMUS GMBH/ TOM LAMM/ IKARUS.CC, BERCHTESGADENERLAND TOURISMUS GMBH

Am Pistenhang aber ohne nennenswerte


W I N T ERWA N DER N Hier fährt Ski, wer es gern Steigung geht es vom Gast­
Berchtesgaden, Bayern beschaulich mag: Rund hof Zipfhäusl zum Sölden­
um Berchtesgaden gibt es köpfl. Auf dem Weg liegen
Stillen sechs kleine Skigebiete, die mehrere Einkehrmöglich­
Schrittes auf insgesamt 60 Kilo­meter
Pisten kommen. Im größten
keiten. Wer es lieber ruhiger
mag, dem empfiehlt der
der Skigebiete, dem am Ramsauer Berg-Experte
Kleine Skigebiete, Jenner, kann man immer­ Sepp Wurm die Variante
ein großes Winter­ hin eine 8 Kilometer lange Richtung Westen, die zum
wanderwegenetz und ­Abfahrt hinunter­brettern. Taubensee führt. Traumhafte Lage: Blick vom
Deutsch­lands einzigen Soleleitungsweg auf die
Das kleinste Skigebiet,
­Stiftskirche Berchtesgaden.
alpinen Nationalpark Obersalzberg, hat insge­ Auf der Rodelbahn
findet man im Süden samt nur 2 Kilometer Pisten. Eine Wanderung mit flot­
von Bayern. tem Finale führt zur Rodel­
Im Wegenetz bahn am Obersalzberg. Kinder ihre ersten Schwün­
Dafür gibt es ein umso Für die 3,4 Kilo­meter lange ge. Aber auch zu Fuß kann
­größeres Netz an Winter­ Abfahrt­muss man 1,5 Stun­ man die östlichen Ausläufer
wanderwegen: 200 Kilo­ den aufsteigen – oder man der Alpen entdecken.
meter geräumte Wege nimmt ganz gemütlich die Die sanften Nockberge
ziehen sich durch die bay­ Obersalzbergbahn, um die im Norden des Skigebiets
erische Berglandschaft. 500 Höhenmeter zum Aus­ Bad Kleinkirchheim in Kärn­
Eine bekannte wie beliebte gangspunkt zu überwinden. ten eignen sich perfekt
Tour ist die aussichts­reiche zum Winterwandern. Hier
Wanderung entlang der Weiter wandern findet man etwa 80 Kilome­
Ramsauer Soleleitung. Rund Am Semmering machen ter an geräumten Winter­
400 Meter über dem Tal, viele niederösterreichische wanderwegen. >

BERGWELTEN 73
74 BERGWELTEN
schen Loipen und 70 Kilo­
L A NGL AU F E N meter an Skatingloipen in
Ramsau, Steiermark verschiedenen Schwierig-

In der Spur keitsgraden. Für den Hunger


zwischendurch muss man
keine Jause mitnehmen:
59  Einkehrmöglich­keiten
Carven und ­schwingen und Hütten im Ski­gebiet
oder lieber abstoßen schaffen Abhilfe.
und gleiten? In Ram-
sau am Dachstein Konzentriert bleiben
wird für alle gesorgt – Für wen Langlaufen allein
egal wie schmal der keine Herausforderung
Ski ist. mehr ist, kann ein Auge zu-
drücken – und abdrücken:
In Ramsau gibt es mehrere
Möglichkeiten, sich einmal
im Biathlon auszuprobieren.
In Schnupperkursen lernt
man, nach den an­strengen­
den Laufeinheiten den opti-
Hoch Ski fahren malen Puls und Rhythmus
Langweilig wird einem zum Schießen zu ­finden.
hier nicht: Durch den
Zusammen­schluss zur Noch mehr Spuren
Ski­region Schladming-­ Oberstdorf im Allgäu zählt
Dachstein kommt man auf zu den traditionsreichsten
230  Kilo­meter ­präparierte Langlaufdestinationen in
Pisten. Das nächst- (und Deutschland: 75 Kilometer
höchst-)gelegene Skigebiet klassisch und 55 Kilometer
ist der Dachsteingletscher. für Skating gespurte Loipen
kommen zu 130 Pisten­
Weit langlaufen kilometern für Skifahrer.
Auch Langläuferinnen müs- In Seefeld in Tirol fanden
sen nicht im Tal bleiben. schon dreimal die Olympia-
Die Dachstein-Panorama- Bewerbe der nordischen
loipen schlängeln sich auf Disziplinen statt, außerdem
2.700 Meter Höhe bis zu ist Seefeld jedes Jahr Welt-
18 Kilo­meter lang über den cup-Austragungsort. Auf
Gletscher. Wer hier seine dem 245 Kilo­meter langen
Runden ziehen will, sollte Loipennetz kann man auch
FOTOS: SCHLADMING-DACHSTEIN/ PETER BURGSTALLER, PHILIPP SCHÖNAUER

gut akklimatisiert sein. Ins- den Profis beim Training


gesamt gibt es im Skigebiet zusehen. Das schönste Ski-
150 Kilo­meter an klassi- gebiet hier: Rosshütte. >

Die Halseralm
lädt zu einer
­kurzen Pause ein.

LOSLAUFEN
Den Dachstein im
Rücken, Planai und
Hochwurzen im Blick:
Langlaufen auf der
Vorberg-Loipe.

BERGWELTEN 75
STILLE
Weitab vom Trubel
des Skigebiets:
Schneeschuh­
wandern unter dem
Peitlerkofel.

Pistengaudi gebung aufbrechen. Beson­


SCHNEE SCHU H­ Im Skigebiet Kronplatz ist ders ruhig ist es im Natur­
WA NDERN gut aufgehoben, wer den park Fanes-Sennes-Prags.
Kronplatz, Südtirol Rummel mag – und die Eine schöne Route führt
­Piste. Praktisch der gesam­ zur Faneshütte. Will man
Große Tritte te Berg kann auf 119 Pisten­ noch tiefer in den Naturpark
kilometern befahren wer­ wandern, empfiehlt sich,
den. Mitten im Skigebiet dort die Nacht zu verbrin­
Eine Region mit zwei
– ja, eigentlich im Berg – gen. Wer die Stille gern in
Gesichtern: auf der
steht das Messner Mountain Begleitung erlebt, kann sich
einen Seite ein Berg, Die Faneshütte im Naturpark
Museum, für dessen Besuch einer der täglichen geführ­ Fanes-Sennes-Prags ist
der ganz Piste ist; auf
man nicht einmal die Ski­ ten Schneeschuh­touren von

FOTOS: IDM SÜDTIROL/ ANDREAS MIERSWA, TV ST. VIGIL


der anderen ­ruhige Ausgangspunkt vieler Touren.
schuhe ausziehen muss. ­Pederü aus anschließen.
Schneeschuh­gebiete
Eine Kombination, die ge­
im Naturpark Fanes-
fällt: Der Kronplatz wurde Schmale Latten Salzburg. Von hier aus gibt
Sennes-Prags.
2018 in einer großen Um­ Von breiten Tretern auf es zahlreiche Möglichkeiten
frage zum beliebtesten Ski­ schmale Latten: Langlaufen für Schneeschuhtouren. Ein
gebiet der Alpen gewählt. kann man auch am Kron­ paar starten direkt im nahe
platz – auf einem Loipen­ gelegenen Skigebiet Groß­
Stille Natur netz, das 300 Kilometer arltal.
Das Kontrastprogramm umspannt, vom Tal bis auf Wer zum Skifahren
zur Pistengaudi findet man 2.000 Meter Seehöhe. nach Hinterstoder in Ober­
in den Tälern und auf den österreich fährt, sollte für
­Bergen rund um Bruneck. Mehr Schneeschuhwandern eine winterliche Tour im
Zu mehr als 50 Schnee­ Unberührte Natur findet National­park Kalkalpen
schuhwanderungen kann man rund um das Berg­ unbedingt auch die Schnee­
man in der näheren Um­ steigerdorf Hüttschlag in schuhe einpacken.

76 BERGWELTEN
ÜBERFLIEGER
Schanzensprünge
im Funpark von
Serfaus-Fiss-Ladis.
FOTOS: SERFAUS-FISS-LADIS MARKETING GMBH/ CHRISTIAN WALDEGGER, TVB TIROLER OBERLAND-KAUNERTAL/ MARTIN LUGGER

Skifahren Schwingen
F REE ST Y L E In Serfaus-Fiss-Ladis gibt Wer seinen Schnee lieber
Serfaus-Fiss-Ladis, Tirol es so viele schwarze Pis- locker mag als zu Schanzen
ten, dass es anderswo ein gepresst, kann sich auf einer
... und Action! eigenes Skigebiet wäre – der zehn ausgewiesenen
nämlich 28 Kilometer. Der Freeride-Routen durch den
Geschwind gewinnt – Großteil der Pisten ist aber Pulver wühlen. Die Schleif-
nicht immer, aber im mittelschwer. plattenroute bei der Oberen
Funpark doch meis- Scheidabfahrt ist für Exper-
tens. Empfehlungen Springen ten ein Traum: Die anfängli-
für Sprungfans und Der Adrenalinspiegel steigt che Neigung von 78 Prozent
Tiefschneetaucher. bei manch einem Skifahrer klingt auf der Nordseite in
wohl schon beim bloßen hügeligem Gelände aus. Mächtige Eiswasserfälle
Anblick der Freestyle- im Kaunertal.
Areas in Serfaus-Fiss-Ladis. Klettern
Mit ausreichend Mut und Ums Eck vom Skigebiet Noch mehr Action
Können stehen einem biegt man ins Kaunertal, Der Absolut-Park im Ski­
acht „Fun Areas“ mit über wo man bei den richtigen gebiet Shuttleberg Flachau­
100 Obstacles zur Ver­ Bedingungen 20 gefrorene winkl-Kleinarl in Salzburg
fügung. Wer gern einmal Wasserfälle ab Schwierig- ist mit 1,5 Kilometer Länge
mit den Skiern fliegen will, keit WI 3 zum Eisklettern und 100 Obstacles einer
sich aber vor einer harten findet. Der bekannteste der größten Snowparks der
Landung fürchtet, lässt sich und beliebteste Spot in der Alpen.
an drei im Skigebiet ver­ Gegend sind die Renkfälle Im Montafon in Vorarl-
teilten Stationen nach einem westlich des Kaunertals, berg kann man sich auf
Sprung über die Schanze die man über St. Christina Österreichs erster Freeride-
in einen Airbag plumpsen. und Gfrans erreicht. Cross-Strecke messen.

BERGWELTEN 77
SICHER IN DEN BERGEN

Auf großem Fuß


Mit Schneeschuhen kann man entspannt den Winter erleben.
Vier Aspekte, die es trotzdem zu beachten gilt.
Illustrationen: Michael Paukner

THOMAS WANNER
Der Berg- und Skiführer
ist Ausbildner beim Alpen­
verein und in der Bundes-
sportakademie. Im Winter
liebt es der Tiroler, seine
­Linien durch möglichst
­frischen Powder zu ziehen.

2. TOURENWAHL Mit Schneeschuhen ist flaches Gelände


ohne steile Stellen ideal. Dort ist auch die Lawinengefahr
gering. Touren im Wald- und Waldgrenzbereich, idealer­
weise in der Nähe von Hütten, sind deshalb am beliebtesten.
Lange Abwärtsstrecken können sehr anstrengend sein und
sollten möglichst vermieden werden.

10m

PORTRÄT THOMAS WANNER: SASHA BUNCH

1. AUSRÜSTUNG Winterfeste Bergschuhe und Gamaschen 3. LAWINEN Auch beim Schneeschuhwandern muss auf
sind ein Muss beim Schneeschuhwandern. Die Schneeschu- die Lawinengefahr geachtet werden. Der Check des Lawi-
he sollten mit einer gut bedienbaren Bindung, Steigzacken nenverschüttetensuchgeräts (LVS) vor der Tour ist daher
und mit einer Steighilfe ausgestattet sein. Wichtig sind Pflicht, und im steilen Gelände sollten Entlastungsabstände
auch stabile, verstellbare Wanderstöcke mit großen Tellern von 10 Metern eingehalten werden. Durch die hohe Eindring-
und ein Rucksack mit ausreichend Proviant und Kleidung tiefe der Schneeschuhe können Schwachschichten in der
zum Wechseln. Achtung: Notfallausrüstung – LVS, Schaufel Schneedecke leichter gestört werden als mit den Skiern.
und Sonde – muss immer dabei sein. Gefährliche Hänge werden großräumig umgangen.

78 BERGWELTEN
EXPERTENTIPPS
VOM
ALPENVEREIN

GET CLOSER
to freedom.

Photo © Torsten Wenzler

GUIDE EXTREME V
Packmaß: 42 cm
Gewicht: 257 g
Länge: 115 - 135 cm

4. GEHTECHNIK Moderne Schneeschuhe ermöglichen


ein ganz normales Gehen. Nur die Schrittbreite wählt man
etwas weiter. Querungen sind manchmal schwierig, vor
­allem wenn die Schneeoberfläche hart ist. Die Steighilfe
wird in steilem Gelände frühzeitig eingesetzt, um Kraft
zu sparen. Bei unangenehmen Bergab-Passagen kann es
­sinnvoll sein, die Schneeschuhe kurzfristig auszuziehen
und am Rucksack zu befestigen.

www.leki.com
Der Glitz
von St. Moritz
Alle denken nur an Luxus, Glamour und Jetset-Flair.
Doch der Nobelort im Engadin kann noch mehr:
Ski- statt Schaulaufen zwischen den Dreitausendern.
Text: Sissi Pärsch  Fotos: Filip Zuan

GROSSE LAGE
St. Moritz thront mit
seinen Grandhotels
über dem See. Alles
überragen jedoch die
Engadiner Alpen mit
Piz Muragl (links) und
Piz Languard (Mitte).

80 BERGWELTEN
1.
TAG
St. Moritz lerndste Star nur eine kleine
Nebenrolle spielen kann. Um
Piz Rosatsch (3.123 m) im
Süden und Piz Nair (3.056 m)
15 Uhr: im Norden breitet sich eine
Show & Stille sensationelle Bergszenerie aus.
Einmal im Leben sollte man Im Tal der St. Moritzersee,
das schon gesehen haben. ­einer von vieren der Engadiner
Kein Schnee glitzert so ein­ Seenplatte, der im Winter
dringlich wie der von St. Mo­ unter dickem Eis und Weiß
ritz. Hier ist der Glamour zu verschwindet.
Hause und die Noblesse. Hier Für die einen ist die Eis­
spielt man Polo und trägt Pelz. äche Laufsteg, für uns Auf­
Hier wurde der Wintertouris­ takt zur Wanderung zum
mus geboren, wurden Ge­ kleinen Stazersee, dem Lej
schichten geschrieben – um da Staz, im Wald oberhalb des
Lebemann Gunter Sachs und Westufers. Um die VIP-Zelte
seinen berüchtigten Dracula auf dem St. Moritzersee ver­
Club, um Brigitte Bardot und steckt sich noch der Nobelgast
POLO AUF DEM EIS
Charlie Chaplin und all die hinter großen Sonnenbrillen Seit 1985 wird auf dem St. Moritzersee
anderen Schönen und Rei­ – perfekt frisiert, die Füße der Snow-Polo-Weltcup ausgetragen.
chen. So hoch die Preise sein in Fell-Boots, den Hund an
mögen – die Anziehungskraft der Leine. Ein Stück weiter
ist höher. Was ist dran an dem wird es schnell gewohnter: wir ein in den idyllischen
Skiort, der das Schaulaufen Menschen langlaufen, schie­ Stazerwald, der sich für den
wie kein anderer versteht? ben Kinderwagen und ziehen kleinen See lichtet. Die Lang­
Wer im Oberengadin, auf Schlitten. Die gigantischen laufloipe führt hier direkt
1.856 Metern, ankommt, dem Grand Hotels verschwinden ­vorbei, das Ufer-Restaurant
wird zunächst bewusst, dass in langsam aus dem Augenwin­ hat Liegestühle aufgestellt,
dieser Kulisse selbst der schil­ kel, und schließlich tauchen und der Steg wirkt wie aus
einer Instagram-Story.

19 Uhr: WILD IM TAL


Rustikal & raffiniert In Silvaplana im Tal
Abends kehren wir in Surlej serviert das familien­
geführte Restaurant
ein, das zwischen Champfèrer- Bellavista traditionelle,
FOTOS: HUBER IMAGES, GETTY IMAGES/ISTOCK

und Silvanersee am Fuße der aber gehobene Küche


mit Wild aus eigener
Corvatsch-Bahnen liegt. Das
Jagd (Bild).
Restaurant Bellavista ist ent­ Bellavista
spannt und elegant, die Kü­ Silvaplana-Surlej
Tel.: +41/81/838 60 50
che rustikal und rafniert zu­
bellavista.ch
gleich. Der Wirt serviert Wild
aus der eigenen Jagd und zeigt
uns, wo das Bündner­eisch
getrocknet wird. Der Abend
IDYLLE IM SCHNEE
Rund um den zugefrorenen Stazersee streckt sich, die Bäuche wöl­
zeigt sich der Winter wie aus dem Bilderbuch. ben sich. >

BERGWELTEN 81
WEITE SCHWÜNGE
Weltklasse sind die Pisten
von St. Moritz. 280 Kilo­
meter ziehen sich über
die beiden Dreitausender-
Hausberge Corviglia und
Corvatsch. Da die High
Society das Schaulaufen
dem Skilaufen vorzieht,
bietet sich viel Platz
für weite Schwünge.

82 BERGWELTEN
2.
TAG
St. Moritz meter in sechs Sekunden. Wir
lassen uns etwas mehr Zeit.

12 Uhr:
Einkehr & Legenden
7.45 Uhr: Einkehrschwung in der
Ski statt Chichi Alpina-­Hütte: Das Herz der
Der Tag beginnt sehr früh Hütte, das kleine steinerne
und mit der Erkenntnis, Stübli, ist noch ein Relikt aus
dass St. Moritz mehr Ski als der Ursprungszeit, berühmter
Chichi ist. Die erste Bahn, ist aber die Sonnenterrasse.
die um 7.45 Uhr auf die Eine prägende Figur der
schon komplett von der Son- St. Moritzer Skisportszene
ne eingenommene Corviglia- ndet sich auch ein. Martin
Seite führt, ist voll. Oben Berthod, 65, Ex-Skirennläufer
angekommen, verstreuen wir und Vater der Ex-Skirenn-
uns schnell auf den sensatio- läufer Pascal und Marc Bert-
nell breiten Pisten. Von der hod. Er war 38 Jahre lang in
Gipfelstation des Piz Nair St. Moritz zuständig für die
mit der berühmten Steinbock­ Sport- und Kulturveranstal-
statue ziehen wir hinüber tungen sowie Rennleiter von
nach Paradiso. Der Start der 54 Weltcup-Rennen – und
Weltcup-Abfahrtsstrecke ist natürlich der Weltmeister-
im Fels auszumachen. Zwei- schaften. Die hat er nach
SPITZENSPORTLER
hundert Höhenmeter mehr St. Moritz gebracht wie viele Martin Berthod hat St. Moritz über knapp
oder weniger senkrechter Fall, andere Events – unter ande- vier Jahrzehnte als Weltmeisterort geformt.
von null auf 140 Stundenkilo- rem Cricket on Ice. „Im ersten

Jahr hatten wir schon 200 den Vortritt, bevor wir die
Millionen Fernsehzuschauer Lobby des 1896 eröffneten
weltweit.“ In St. Moritz denkt ­Fünf-­Sterne-Palasts betreten.
man weit über die Alpen hin­ Die Terrasse bietet einen
aus. Er persönlich, sagt der fantasti­schen Blick auf den
frisch Pensionierte, schätze See, ­gegenüber strahlen Piz
vor allem die Vielfalt. „Bei Rosatsch und Piz Surlej.
uns kann man alles machen Wir bestellen einen Apéro.
– außer Tiefseetauchen.“
19 Uhr:
15 Uhr: Arabisch beim Italiener
Palast mit Piz-Blick Zum Abendessen sind wir
Von den Skischuhen befreit, im Laudinella, in sechs Res-
ist es Zeit, die Grandeur des taurants gibt es hier alles von
Ortes zu besichtigen. Einer Raclette bis Sushi. Wir bestel-
der besten Plätze dafür ist len in der Pizzeria Caruso bei
DREH- UND TREFFPUNKT wohl das Badrutt’s Palace Chef Mohamed eine arabi-
Der legendäre Einkehrschwung auf 2.550 Metern ­Hotel. Wir schlendern an sche Spezialität, die nicht auf
an der Corviglia-Piste: Die Alpina-Hütte ist Cartier und Valentino vorbei,­ der Karte steht: ägyptisches
seit 105 Jahren Treffpunkt des Skiclubs Alpina.
Hier wurde auch Willy Bogners „Fire & Ice“ gedreht. umrunden einen Rolls-Royce Moussaka – üppig und fein
Alpina-Hütte, Tel.: +41/81/833 40 80, alpinahuette.ch und lassen Jimmy Choo gewürzt.  >

BERGWELTEN 83
3.
TAG
St. Moritz
schen bei einfachen, feinen
Speisen über Bob-Rekorde
und Nudelteige. In dem
10 Uhr: ­Laden gibt es auch Produkte
Die Umrundung von lokalen Manufakturen
Ewig langlaufen kann man – gute Mitbringsel ebenso
rund um St. Moritz – und wie die Schoggi und die Nuss­
manch einer tut das auch. torte, die wir im Anschluss in
Eigentlich recht viele: Der der nahen Conserie Hauser
Engadiner Skimarathon ist ­besorgen.
die zweitgrößte Laufveranstal-
tung der Welt. 14.200 Starter 15 Uhr:
ab­solvieren die 42 Kilometer New York & St. Moritz
von Maloja über St. Moritz Gemälde kaufen werden wir
nach S-chanf. Unsere Schleife wohl kaum, ansehen dürfen
über Silser-, Silvaplaner- und wir sie in der Galerie von Vito
Champfèrersee fällt mit ihren Schnabel dennoch in aller
12 Kilometern etwas beschei- Ruhe. Der junge Kurator und
VERSTECKTER GENUSS
dener aus – aber nicht minder Star der New Yorker Kunst- In einer Seitengasse findet man das Restaurant
schön. szene hat 2015 in St. Moritz mit erfrischender Küche und kleinem Shop
seine erste und einzige Galerie La Scarpetta, Via Veglia 11, St. Moritz, Tel.: +41/79/565 78 86
13 Uhr: weltweit eröffnet. Hier präsen-
Schlemmen & shoppen tiert der US-Amerikaner in
Zurück in St. Moritz-Dorf wechselnden Ausstellungen die klaren Räume im Ober- berühmten Jetset-Hochburg.
­entdecken wir in einer Seiten- Künstler seines Landes. Die geschoß, weiter in ein kleines Hier nahm einst der Winter­
gasse das La Scarpetta. Hier Leiterin der Galerie, Sara Stübli und schließlich in das tourismus seinen Anfang.
diskutieren die Einheimi- Forsythe, führt stolz durch stimmungsvolle Keller­gewölbe Hotelier Johannes Badrutt
und gibt geduldig Auskunft zu versprach im Jahr 1864 seinen
Künstlern, Atelier „und allem englischen Gästen, dass sie
– außer Vitos Privatleben“. auch aus dem Winterurlaub
(Infos: vitoschnabel.com) braungebrannt heimkehren
würden. Falls nicht, so seine
17 Uhr: Wette, würde er ihnen die
Wo alles begann Reisekosten erstatten. Sie
Schräg gegenüber liegt der kamen zu Weihnachten und
Kulm Country Club, ein blieben bis Ostern. Der Rest
denkmalgeschütztes Tradi­ ist Geschichte. Wir greifen
tionshaus, das Star-Architekt zur Sonnencreme auf der
und Wahl-St.-Moritzer Lord Terrasse des Clubs, trinken
Norman Foster renoviert und eine Schoggi und schauen
erweitert hat. Er hat regel- den Schlittschuh­läufern auf
recht ein Museum geschaffen: der Eisäche zu, wie sie ihre
antike Bobs baumeln von den Runden drehen. Es gibt wohl
Decken, Holzski ruhen in kaum einen passenderen Ort,
HISTORISCHES EIS
den Ecken, und die Schwarz- ein Wochenende in St. Moritz
Der Kulm-Eispavillon aus dem Jahr 1905 wurde
von Star-Architekt Norman Foster restauriert. Weiß-Bilder erzählen vom ausklingen zu lassen als hier,
Kulm Country Club, Tel.: +41/81/836 82 60, kulm.com Aufstieg des Ortes zur welt- wo alles begann.

84 BERGWELTEN
We focus
on 50 years
Zanier.
#mymountainpassion

Ein halbes Jahrhundert: So lange brennt die Familie Zanier schon für den besten Griff, die bequemste
Passform und die höchste Funktionalität bei ihren Handschuhen. Mit Fokus auf Nachhaltigkeit, dem
Einsatz innovativer Technologien und spannenden Partnern startet der Handschuhexperte ZANIER
in eine neue Ära. Was im Jahr 1969 als Projekt des Ehepaars Werner und Gabi Zanier begann, ist
heute ein Weltunternehmen. Die Liebe zum Bergsport und der Anspruch an qualitativ hochwertige
Ausrüstung waren die Basis für die Entstehung der Handschuhproduktion. Seit dem Start vor 50 Jah-
ren entwickelt ZANIER erfolgreich Modelle für jeden Einsatzzweck, jeden Anspruch und jedes Alter.

We focus We focus We focus


on the next 50 years. on sustainability. on our Heat Technology.

Ein neues Erscheinungsbild gehört zur Neuaus- Nachhaltigkeit ist uns eine Herzensangelegen- Ob für den aktiven Wintersport oder in luftiger
richtung dazu, ein Logo, das die Werte und die heit. Durch die Zusammenarbeit mit CLIMATE Höhe – die Modelle der aktuellen HEAT-Kol-
Herkunft widerspiegelt und durch sein Design PARTNER ist ZANIER der erste Handschuhher- lektion von ZANIER geben kalten Händen und
überzeugt. Der Berg als zentrales und allumfas- steller, der klimaneutrale Modelle anbietet. Kli- schmerzenden Fingern keine Chance. Die Heiz-
sendes Element für ZANIER – in den Bergen ge- maneutral bedeutet, dass die C02 Emissionen technologie in den Handschuhen basiert auf
boren, in den Bergen beheimatet, von den Ber- des Unternehmens berechnet & durch zertifizierte hochentwickelten, textilen Heizelementen sowie
gen inspiriert. Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. einer einzigartigen Steuerungselektronik.

zanier.com
FREERIDEN IN SALZBURG

Ein Zirkus
auf zwei Gipfeln
Schnee, guter Schnee kann glücklich machen, dieser frische,
trockene Pulver, in den man eintaucht bis zu den Ohren.
Wir haben ihn rund um Saalbach-Hinterglemm gesucht und gefunden.
Text: Robert Maruna  Fotos: Sam Strauss

86 BERGWELTEN
MORGENSPORT
Wovon Freerider
träumen: Luca, Clem
und der Autor ziehen
erste Schwünge über
die kupierten Osthänge
am Rabenköpfl.
Foto: Xxxxxx

BERGWELTEN 87
S
„Solche Affen“, sagt Luca und schüttelt
den Kopf. Gemeint sind zwei Snow­
boarder. Geradewegs sind sie an ihm vor­
beigeschossen und haben die noch un­
verspurte Waldschneise vor ihm zerpügt
hinterlassen. Jetzt heißt es ein neues Foto­
motiv suchen. „Easy, Luca, queren wir rü­
ber, da ist noch alles unverspurt!“, ruft der
Fotograf hinauf. Luca nickt, öffnet die
Schnallen der Skischuhe und wartet. Von
VORBEREITUNG
der Kälte einmal abgesehen wartet es sich Clem Bergmann, Luca Tribondeau und der Autor (von links
hier ganz gut. Die Winterlandschaft Saal­ nach rechts) beratschlagen sich über die richtige Route.
bach-Hinterglemms präsentiert sich von
ihrer besten Seite: glitzernd weiße Gipfel­
anken und eingeschneite Baumwipfel,
so weit das Auge reicht. Bis zur Hüfte
steht Luca im trockenen Pulverschnee, Wettkampfszene zurückgezogen. Der Liebe Können und Wissen vertraut, weil man
sein Atem bildet kleine Dampfwölkchen – zum Skifahren wegen, zum Freeriden, zum genug Erfahrung hat, ein Gefühl fürs
ideale Bedingungen zum Freeriden. Befahren richtiger Berge. Im Grunde ist Gelände und ein Verständnis für Unvor­
Luca Tribondeau, 23-jähriger Free­skier Freeriden ja nichts anderes als Skifahren hersehbares. Das gehört beim Freeriden
aus Kärnten, wird vielen Wintersportlern wie früher, ohne Piste, ohne Raupe und nämlich dazu: dass man nicht immer ge­
ein Begriff sein. Olympia-Teilnehmer im ohne Markierung, irgendwo am Berg, wo nau sagen kann, was passieren wird. Luca
Slopestyle, ein vierter Platz bei den legen­ halt der beste Schnee liegt. taucht aus der weißen Wolke wieder auf,
dären X Games in Übersee und der erste Luca schließt seine Skischuhe. Der bleibt stehen und lacht: „So guter Schnee,
Österreicher (und der vierte Mensch welt­ Foto­graf hat das Zeichen gegeben. Jetzt so fein zu fahren!“ Schnee, guter Schnee
weit!), der einen Triple Cork 1440 landen geht es los, gleich wird er im „Whiteroom“ kann richtig glücklich machen. Sagten wir
konnte. Einen Triple Cork? Stellen Sie sich abtauchen. Freerider lieben Anglizismen das schon?
vor, Sie brettern mit knapp 90 Sachen auf zu jeder passenden und weniger passen­ „Wieso eigentlich ‚Skicircus‘?“, will
eine fünf Meter hohe Schanze zu, iegen den Gelegenheit, in diesem Fall könnte Lu­ca am Weg zurück zur Gondel wissen.
30 Meter weit durch die Luft und machen aber tatsächlich kaum ein anderes Wort Gute Frage. Der Skicircus Saalbach-Hinter­
einen dreifachen Rückwärtssalto mit vier­ diesen ganz spezielle Zustand besser be­ glemm-­Leogang-Fieberbrunn, wie die voll­
facher Schraube. Das ist ein Triple Cork schreiben: wenn einem der Schnee links ständige, wenn auch nicht ganz ge­schmei­
1440. So was macht Luca – oder besser: und rechts um die Ohren iegt, die Sicht dige Bezeichnung der Region lautet,  be­
hat er gemacht. Denn allen Höhenügen im Schneestaub verschwindet und man steht aus zwei Manegen: einer südlich und
zum Trotz hat er sich vor­zeitig aus der trotz allem weiterfährt, weil man auf sein einer nördlich des Glemmtals. Erstere

88 BERGWELTEN
AUFSTIEG
Von der Bergstation
Reckmoos Süd in Fieber­
brunn sind es bloß ein
paar Schritte zum Gipfel
des Rabenköpfl.

BERGWELTEN 89
90 BERGWELTEN
ABFAHRT
Zwischen Hohem Mahd­
stein und Hochhörndler­
Foto: Xxxxxx

spitze setzt unser Autor


in einer der zahlreichen
Flanken steile Schwünge
in den frischen Schnee.

BERGWELTEN 91
GUT EINGEPACKT
Schnee macht glücklich.
Der Beweis: wenn man
von der Haube bis zur
Brust eingestaubt ist
und sich darüber auch
noch freut.

92 BERGWELTEN
MÄCHTIGER AUSBLICK
Vom Schattberg aus sieht man den Gebirgsstock der Leoganger
Steinberge mit dem markanten Birnhorn (2.634 m, rechts).

haben wir am Vormittag bereits erkundet schroffen Umgebung hochalpine Gefühle tet sich eine weitläuge „Bowl“ aus, ein
– das Familienskigebiet Saalbach-Hinter­ auf. Kessel, der alles hat, wovon Freerider nur
glemm. Dort nden die kleinen Vorstel- Clem Bergmann wartet an der Tal- träumen können.
lungen statt, denn westlich des Schattbergs station auf uns. Clem ist Fieberbrunner, Clem und Luca spielen die nächsten
und rund um den Zwölferkogel gleicht das Snowboarder der ersten Stunde und Stunden Kreiselbetrieb: Sie fahren einzeln
Terrain einem riesigen Spielplatz – wie kennt den Skicircus zwischen Saalbach ab, treffen einander am Talboden, steigen
gemacht für Backcountry-Freestyler. Über- und Fieberbrunn wie kaum ein anderer. in den Lift und wiederholen das Ganze.
all nden sich kleine und größere Felsen, Zweimal hintereinander hat er den Ein- Stundenlang, bis kein frischer Schnee
Wind­lippen und Geländekuppen, damit zug in die Freeride World Tour nur ganz mehr übrig ist. Das kann beim Free­riden
man zwischen den Schwüngen ausreichend knapp verpasst. Heute spielt er für Luca schnell passieren: dass man Hunger, Durst
Zeit in der Luft verbringen kann. Wer aber Zirkusdirektor und führt durch die Vor- und Kälte vergisst. Pause gibt’s keine, da-
lieber am Boden bleibt, taucht in die lich- stellung in Fieberbrunn. für Powder im Übermaß.
ten Wälder östlich des Schattbergs ein, in Clem und Luca gehen es gemütlich an, Irgendwann lässt die Kraft dann doch
eine der unzähligen Waldschneisen. ziehen erste Spuren auf den Südost­hängen nach, die Müdigkeit kriecht einem in die
In der zweiten Manege – im Tiroler des Rabenköp. Weites und offenes Ge- Beine. Die Gesichtsfarbe wechselt auf
Free­ride-Eldorado Fieberbrunn-Leogang – lände, mittlere Steilheit, perfekt zum Knallrot, sobald man eine warme Hütte
wird hingegen groß aufgespielt: Da gibt es Warmwerden. Dann geht’s hinauf zum betritt. Das macht aber gar nichts aus, weil
steile Flanken, felsige Rinnen und zackige Gipfelsattel auf der Henne, dort eröffnet guter Schnee so glücklich machen kann
Gipfel. Und auch wenn die höchste Er- sich ein kleines Amphitheater inmitten – falls wir das noch nicht gesagt haben.
hebung nur knapp über der 2.000-Meter-­ des Skicircus: Zwischen der Hochhörnd- Egal ob man Skifahrer, Snowboarder oder
Grenze liegt, kommen angesichts der lerspitze und dem Hohen Mahdstein brei- doch Freerider ist.  >

BERGWELTEN 93
Salzburger Freiheit
Adressen und Abfahrten im Skigebiet Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn

D
LAN
T SCH
DEU
ÖSTERREICH

Saalbach-
Hinterglemm

ITALIEN

A N KO M M E N

Mit der Bahn erreicht man die Station


­Maishofen-Saalbach über Salzburg und
Schwarzach-St. Veit. Ins Skigebiet gelangt
man von hier aus mit dem Postbus.
Mit dem Auto ist Saalbach-Hinterglemm
von Salzburg aus in rund 2 Stunden via A10
und B311 über Maishofen und die Glemm­
taler Landesstraße zu erreichen. Alternativ
führt die B21 durch Deutschland und über Nach dem Tag im Schnee genießen Luca (links) und der Autor
Lofer ans Ziel. ein Bier mit Ausblick in der Westgipfelhütte.

ESSEN UND SCHLAFEN


Wohlfühlen unter drei Sternen Gelände an der Westseite erkundet und
Tradition, modern interpretiert Vom Hotel Barbarahof blickt man schon im Sonnenuntergang die letzten Schwünge
Seit über 100 Jahren bewirtschaftet Familie
beim morgendlichen Kaffee auf den Gipfel hinab ins Tal nach Hinterglemm zieht.
Eder das Traditionshotel im Dorfzentrum
des Schattbergs und kann direkt danach
Fieberbrunn. Die Zimmer sind gemütlich,
mit Skischuhen losstapfen oder gemütlich Fieberbrunn
die Tiroler Küche gut und deftig, und der
per Bus zum Lift gelangen. Familie Steger Zwischen der Hochhörndlerspitze (1.981 m)
800 Quadratmeter große Spabereich
und ihr Team kombinieren im Drei-Sterne- und dem Hohen Mahdstein (2.063 m) liegt
macht müde Skisportler wieder munter.
Superior-Hotel österreichische Gastfreund- ein südöstlich orientierter Kessel, dessen
Hotel Alte Post
schaft mit exklusivem Ambiente. kupiertes Gelände unzählige Lines von
Dorfstraße 21, 6391 Fieberbrunn
Hotel Barbarahof sanft bis steil beherbergt. Alle Abfahrten
Tel.: +43/5354/62 57
Glemmtaler Landesstraße 451 führen in den Reckwandgraben. Von hier
5753 Saalbach zurück zur Gondelstation Reckmoos Süd.
Tel.: +43/6541/77 00, barbarahof.at
Erste Freeride-Schwünge
Panoramablick Wer sich noch nicht allein traut, kann mit
Auf 2.096 Meter Seehöhe kann man in der den Guides der Freeride Skischool in den
Westgipfelhütte wunderbar die Mittags­ Powder abtauchen. Vom Techniktraining
sonne auf der Dachterrasse genießen oder über Lawinenworkshops bis zu individuel-
vor der letzten Abfahrt noch schnell einen len Freeride Camps wird alles geboten.
Espresso schlürfen und sich mit haus­ Freeride Skischool
gemachtem Apfelstrudel stärken. Skiliftstraße 315, 5753 Saalbach
Westgipfelhütte Tel.: +43/660/845 58 44
5753 Saalbach freeride-skischool.at
Tel.: +43/6541/76 79, westgipfelhuette.com

I N FO R M I E R E N
FREERIDEN
Hilfe vor Ort
Schattberg Bei der Planung und Umsetzung von
Der Schattberg besteht eigentlich aus zwei ­Freeride-Trips in der Region hilft der
Gipfeln: So kann man frühmorgens die Tourismusverband Saalbach Hinterglemm
­Pillow-Lines und lichten Waldschneisen Glemmtaler Landesstraße 550
Kleine Stärkung für hungrige Freerider: rund um die östliche Gondelbahn befahren, 5753 Saalbach Hinterglemm
Mini-Veggieburger im Hotel Barbarahof. bevor man am Nachmittag das verspielte Tel.: +43/6541/680 01 17

94 BERGWELTEN
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Auf dem Innsbruck Trek kann man


die majestätische Tiroler Bergwelt
gleich mehrere Tage lang genießen.

In 7 Tagen rund INFORMATIONEN

um Innsbruck
Nähere Auskünfte, Termine und
Buchungsmöglichkeiten unter
innsbruck-trek.com

Rund um die „Hauptstadt der Alpen“ verläuft der Innsbruck Trek,


ein Weitwanderweg entlang der schönsten Wanderwege
durch die unvergleichliche Tiroler Bergwelt und mit allem Komfort.
FOTOS: INNSBRUCK TOURISMUS/HELGA ANDREATTA

D  er Startpunkt der einwöchigen Tour


ist das Wahrzeichen Innsbrucks,
das berühmte Goldene Dachl mitten in
schweren oder über einen anspruchs­
volleren Pfad erreichbar – eine Wahl,
die man an jedem einzelnen Tag der
die Weitwanderer ganz auf das Natur­
erlebnis einlassen können: Für den
Transport des schweren Gepäcks und
der Altstadt. Doch schon bald liegt diese Weitwanderung treffen kann. Übernach­ die Organisation der Hotels wird gesorgt.
hinter dem Weitwanderer: Der Weg führt tet wird dann in einem gemütlichen Hotel Die Wanderer selbst brauchen nur noch
ihn durch den Naturpark Karwendel, wo der Drei- oder Vier-Sterne-Kategorie. einen Tagesrucksack und etwas Proviant
unterhalb der Nordkette der erste Ab­ für unterwegs. Die Tour kann man in Be­
schnitt des Innsbruck Treks verläuft. Das Alles bestens organisiert gleitung eines erfahrenen Bergführers
Etappen­ziel des ersten Wandertages, das Die Organisatoren des Innsbruck Treks oder ausgestattet mit einer detaillierten
Mieminger Plateau, ist über einen mittel­ überlassen nichts dem Zufall, damit sich Routenbeschreibung unternehmen.
PRAXISTEST FREETOURING-SKI

Zwei Welten,
ein Ski
Breiter als ein Tourenski, leichter als ein Freerider:
die aktuelle Generation an Freetouring-Skiern. Wie gut sind sie im Tiefschnee,
wie gut auf der Piste? Wie leicht drehen sie, wie spurtreu sind sie?
Das Bergwelten-Team hat neun Modelle drei Tage lang ausführlich getestet.
Text: Gerald Valentin  Fotos: Elias Holzknecht

Martina Gabi Gerald Anna-Larissa Nicole Martin


Probst Holaus Valentin Redinger Hodel Vogt
Studentin und Gesundheits­ Ausrüstungs­ Marketing­ Ski-, Telemark-, Skilehrer und
Zumba-Trainerin trainerin aus experte aus managerin aus Yogalehrerin Bergführer
aus Bad Tölz, Kitzbühel, Salzburg, dem Innviertel, aus Luzern, aus Ischgl,
21 Jahre 28 Jahre 55 Jahre 26 Jahre 38 Jahre 40 Jahre

96 BERGWELTEN
1
Der Beste
K2, WAYBACK 106
Der Testsieger steht für
­ausgezeichnete Performance
bei allen Schneebedingun­
gen. Er lässt sich präzise

3
steuern, schwimmt im Pow­
der gut auf und hält auch bei
höherem Tempo die Spur.
Längen: 172 cm,
179 cm, 186 cm
Taillierung: 136–106–124 mm
Gewicht: 1.580 g (186 cm)
Preis: ¤ 650 Der Allrounder
ATOMIC,
Testergebnis: 1,5 BACKLAND 107
Tiefschnee:
harter Schnee: Als ausgewogener All­roun­
Drehverhalten: der überzeugt der Back­
Spurtreue: land 107 Einsteiger wie Fort­
Unser Gesamturteil: geschrittene. Er funktioniert
sehr gut in hartem wie in weichem
Schnee, bei weiten Turns
und auch beim Wedeln.

2
Längen: 175 cm, 182 cm,
189 cm
Taillierung: 137–107–124 mm
(182 cm)
Gewicht: 1.550 g (182 cm)
Preis: ¤ 700
Testergebnis: 1,8
Der Schnelle Tiefschnee:

1 2 3 BLIZZARD,
ZERO G 105
harter Schnee:
Drehverhalten:
Spurtreue:
Der Zero G 105 liebt lange Unser Gesamturteil:
Turns und verträgt Speed. sehr gut
Überzeugend ist der Grip
auf harter Piste, und er be­
eindruckt auch mit seiner
Wendigkeit bei kurzen
Schwüngen.
Längen: 164 cm, 172 cm,
180 cm, 188 cm
Taillierung: 134–105–120 mm „Yes, he can!
(188 cm)
Gewicht: 1.530 g (180 cm)
Der Atomic
Preis: ¤ 800 Backland ist
FREISTELLERFOTOS SKI: HERSTELLER

Testergebnis: 1,7 ein Ski für jede


Tiefschnee:
harter Schnee: Gelegenheit.“
Drehverhalten:
Gabi Holaus
Spurtreue:
Unser Gesamturteil:
sehr gut

BERGWELTEN 97
4
Der Zuverlässige
VÖLKL, VTA 98
Der VTA 98 meistert als
­zuverlässiger Begleiter die
vielfältigen Herausforderun­
gen einer Abfahrt: Er ist fast

6
spie­lerisch zu fahren, taucht
im Powder nicht ab und
punktet mit hoher Laufruhe.
Längen: 156 cm, 163 cm,
170 cm, 177 cm, 184 cm
Taillierung: 133–98–116 mm
Gewicht: 1.440 g (184 cm)
Preis: ¤ 650
Der Spielerische
Testergebnis: 2,1 DPS, WAILER 99
Tiefschnee: TOUR1
harter Schnee:
Drehverhalten: Dieser Ski ist im weichen
Spurtreue: Schnee zu Hause und ver­
mittelt im Tiefschnee ein
Unser Gesamturteil:
spielerisches Fahrgefühl.
gut
Auf hartem Grund wirkt
er etwas unausgewogen,
Tempo ist nicht seine Sache.

5
Längen: 168 cm, 176 cm,
184 cm
Taillierung: 126–99–112 mm
(184 cm)
Gewicht: 1.400 g (184 cm)
Preis: ¤ 1.000

Testergebnis: 2,5
Der Weiche Tiefschnee:
HAGAN, BOOST 99 harter Schnee:
Drehverhalten:
Mit dem Boost 99 macht Spurtreue:
das Surfen durch den Pow­
Unser Gesamturteil:
der richtig Spaß, und auch
gut
auf weicher Piste lässt sich
der Ski gut schwingen. Im
schweren Schnee erfordert
das Steuern aber deutlich
mehr Kraft.
Längen: 168 cm, 178 cm,
188 cm
Taillierung: 131–99–116 mm
Gewicht: 1.420 g (178 cm) „Im tiefen Pulver
Preis: ¤ 640
ist der breite und
Testergebnis: 2,2
Tiefschnee:
weiche Hagan
meine erste
FREISTELLERFOTOS SKI: HERSTELLER

harter Schnee:
Drehverhalten:
Spurtreue: Wahl.“
Unser Gesamturteil:
gut
Martina Probst
4 5 6

98 BERGWELTEN
POWDERN
IN ISCHGL
Gabi Holaus
prüft abseits der
Paznauner Pisten,
was in dem Modell
von Blizzard steckt.

„Die aktuellen Modelle beweisen,


dass geringes Gewicht und ausgezeichnetes
Fahrverhalten keinen Widerspruch darstellen.“
Gerald Valentin

BERGWELTEN 99
7
Der Wendige
HEAD, KORE 99
Der wendige Kore 99 ist
erfrischend einfach zu fahren
und spielt im weichen
Schnee seine Stärken aus.

9
Auf der Piste verliert er an
Laufruhe, auch etwas mehr
Kantengriff würde ihm
guttun.
Längen: 162 cm, 171 cm,
180 cm, 189 cm
Taillierung: 134–99–120 mm
(180 cm)
Gewicht: 1.800 g (180 cm)
Der Drehfreudige
Preis: ¤ 750 BLACK DIAMOND,
HELIO RECON 105
Testergebnis: 2,6 Der Helio Recon 105
Tiefschnee: schwimmt im Pulver gut auf
harter Schnee: und lässt sich dann leicht
Drehverhalten: drehen. Wenn es hart wird,
Spurtreue: wirkt der Ski etwas schwam-
Unser Gesamturteil: mig, bei höherer Geschwin-
gut digkeit verliert er an
Stabilität.
Längen: 165 cm, 175 cm,

8
185 cm
Taillierung: 134–105–119 mm
(185 cm)
Gewicht: 1.800 g (185 cm)
Preis: ¤ 600

Testergebnis: 3,3
Tiefschnee:
harter Schnee:
Der Großzügige Drehverhalten:
SCOTT, SCRAPPER 105 Spurtreue:
Der Scrapper 105 steht sich Unser Gesamturteil:
auf weite Turns, am liebsten befriedigend
mit Speed im unverspurten
Weiß. Bei langsamem Tem-
po reagiert er etwas stör-
risch, kurze Schwünge sind
nicht seine Sache.
Längen: 167 cm, 175 cm,
„Der Scott ist ein
183 cm, 187 cm bockiger Geselle,
Taillierung: 138–103–126 mm
(183 cm) der im Powder
Gewicht: 1.700 g (183 cm)
zur Form findet.“
FREISTELLERFOTOS SKI: HERSTELLER

Preis: ¤ 600
Martin Vogt
Testergebnis: 3,2
Tiefschnee:

7 8 9 harter Schnee:
Drehverhalten:
Spurtreue:
Unser Gesamturteil:
befriedigend

100 BERGWELTEN BERGWELTEN 100


ALL
TAG
AUS. Foto: Alpenverein/Freudenthaler

Stirnlampe an.

alpenverein.at
KAUFBERATUNG

Welcher Ski ist meiner?


Ob Piste oder freies Gelände, Aufsteigen oder Abfahren: ein Wegweiser
durch die Modell-Vielfalt anhand der vier wichtigsten Parameter.

TAILLIERUNG
Ist der Ski in der Mitte schmäler
als vorn und hinten, wird
das Kurvenfahren leichter.

ROCKER
Die Aufbiegung des Skis
vorderer Rocker vor der Schaufel und am Ende Endrocker
erhöht die Drehfreudigkeit.

1. Die Breite 2. Die Form 3. Gewicht 4. Skilänge


85 Zentimeter Mittenbreite Die Taillierung gibt den Bis zu 1,5 Kilogramm bringt Eine größere Skilänge för­
Ski für die Piste, 95 Zenti­ Radius des Schwunges vor. ein moderner Tourenski auf dert den Auftrieb, es ist je­
meter für die Tour oder lie­ Dank der ausgeprägten die Waage. Leichte Ski ma­ doch mühsamer, mit langen
ILLUSTRATION: RBMH/ ESTHER STRAGANZ

ber 120 Millimeter Powder- Verjüngung in der Mitte des chen im Aufstieg mehr Freu­ Latten um die Kurven zu
Latten: Schmale Modelle Skis carvt man auf hartem de, bei der Abfahrt kann es fahren. Fortgeschrittene
sind leicht und halten auf Schnee leichter um die ihnen aber an Auftrieb und wählen bei Touren eine
hartem Unter­grund generell Kurve. Im Powder ist der Stabilität fehlen. Reine Free­ ­Länge, die der Körpergröße
besser, während breite Ski „Rocker“ hingegen wich­ ride-Bretter sind deshalb entspricht, zum Freeriden
durch die größere Auflage tiger als eine Taillierung: deutlich schwerer und auch können es auch 10 Zenti­
mehr Auftrieb bieten. Wenn Dabei handelt es sich um wegen ihrer Breite nur be­ meter mehr sein. Anfängern
der Ski an der Oberfläche eine starke Aufbiegung bei dingt zum Gehen geeignet. reichen die Tourenski un­
bleibt, hilft das im Powder der Schaufel sowie am Ende Mit maximal 110 Millimeter gefähr bis zur Nase, werden
und man fährt im Bruch­ des Skis. Dadurch lässt sich Mittenbreite und knapp die Ski vor allem im Off-­
harsch und Nassschnee der Ski leichter drehen und 2 Kilogramm Gewicht stel­ Pisten-Bereich verwendet,
leichter; breitere Ski sind man surft auf der Schnee­­ len Freetouring-Ski ein funk­ ist der Einsteiger mit Ski in
aber auch schwerer. oberfläche. tionelles Bindeglied dar. Körpergröße gut beraten.

102 BERGWELTEN
ANZEIGE

Dass der Skitourensport


heute ein Vergnügen ist, ist
Fritz Barthel zu verdanken.

Freiheit auf zwei Brettln


Die besten Ideen beruhen manchmal auf Bequemlichkeit. Denn warum muss das,
was man in der Freizeit gerne macht, so anstrengend sein? Der Tiroler Ingenieur
Fritz Barthel hat mit dieser Einstellung den Skitourensport revolutioniert.

D er Skisport begann eigentlich als


Skitourengehen, denn bevor es ein
Netz an Liften und präparierten Pisten
denken, wie man den Aufstieg erleich-
tern könnte. Vor allem die Tatsache, dass
man mit der Rahmenbindung bei jedem
gab, stand vor dem Vergnügen einer Ab- Schritt den gesamten Ski anheben muss-
fahrt erst einmal der mühsame Aufstieg. te, betrachtete er als Kraftverschwen-
Hier gab es nur zwei Alternativen: die dung. Seine revolutionäre, bis dahin
Ski auf den Rucksack oder mittels klassi- undenkbare Idee: Er befestigte die Spitze
scher Rahmenbindung an die Skischuhe des Skischuhs mittels zweier Metall­
zu schnallen. zapfen direkt am Vorderbacken des Skis.
Das sparte Gewicht ein und machte das
Eine undenkbare Idee Gehen bergauf deutlich effizienter.
Der Tiroler Ingenieur Fritz Barthel liebt
den Skisport, aber „aus Faulheit“, wie er Weltmarktführer für Pin-Bindungen
selbst sagt, begann er darüber nachzu- DYNAFIT produziert das System der
Pin-Bindung als erster Hersteller und ist
damit Weltmarktführer, Fritz Barthel ist
bis heute im Unternehmen tätig. Seine LEBENSLANGE GARANTIE
Idee wird laufend weiterentwickelt, mitt- Einfach die Seriennummer
lerweile umfasst das Produktportfolio der DYNAFIT Pin-Bindung auf
12 Modelle für verschiedene Spielarten dynafit.com registrieren. Dadurch
des Tourengehens. Für alle neuen Model- verlängert sich die Garantie von zwei
le ab der Wintersaison 2019/20 gilt eine
FOTOS: DYNAFIT

auf zehn Jahre, was der Lebensdauer


lebenslange Garantie (s. Kasten re.), was einer Skitourenbindung entspricht.
Das DYNAFIT Entwicklungsteam den Qualitätsanspruch von DYNAFIT in
revolutionierte den Skitourensport.
das eigene Produkt noch unterstreicht.
WEITLANGLAUFEN

Lange Tage,
dünne Bretter
Zwei Tage im Skatingschritt von Ost- nach Südtirol:
Langlaufen kann doch anstrengender sein, als man ahnt.
Text: Katharina Lehner  Fotos: Sam Strauss

104 BERGWELTEN
VERSCHNEITER SEE
Am Anfang des Südtiroler
Höhlensteintals liegt der
Toblacher See. Die Loipe
führt direkt daran vorbei.
Dahinter erheben sich
die Gipfel des Naturparks
Fanes-Sennes-Prags.

BERGWELTEN 105
W
Wenn die Knopperin ins Auto steigt, weiß
man im Örtchen Strassen, dann dauert es,
bis man sie wieder zu Gesicht bekommt.
Knopper, das ist der Name, unter dem
Irmgard Huber in der Gegend bekannt
ist. Die 45-Jährige ist nicht nur inmitten
der Osttiroler Berge zu Hause, sondern
auch auf ihnen. Und so kommt es, dass sie DIE ROUTE
ausrückt und erst Stunden später wieder Vom Osttiroler Strassen über Südtirol und durch das Höhlensteintal
bis nach Cortina d’Ampezzo in Venezien – diese Strecke schafft man
daheim auf ihrem Bauernhof ist. in zwei Tagen. Man kann sich aber auch länger dafür Zeit nehmen.
Von den Bergen erzählt sie wie von
guten Bekannten, empehlt aufregende
Aufstiege und Plätze zum Sitzen und Inne-
halten. Tatsächlich scheint sie auf jedem sich entdeckt. Die Regionen brauchen da- sche Grenze bis nach Cortina d’Ampezzo.
Gipfel gestanden, jede Tour im Umkreis für ein zusammenhängendes Loipennetz Um ehrlich zu sein: Die Schneegötter
schon mindestens einmal gemacht zu ha- und eine Organisation über Orts- und müssen es schon sehr gut meinen, damit
ben: „Manche denken, da muss man ein mitunter auch Landesgrenzen hinaus – die Strecke ab L ­ ienz gewalzt und gespurt
bisschen verrückt sein, aber ich bin ganz und die Sportlerinnen und Sportler eine werden kann. Wir starten in Strassen.
normal“, beteuert sie. gute Kondition. Wer denkt: „So ein biss- Gerade hat sich der über Nacht tief
Was aber selbst Irmgard Huber, Berg- chen Langlaufen, wie anstrengend kann im Tal hängende Nebel verzogen, und die
wanderführerin und Siegerin diverser das schon sein?“, der irrt gewaltig. Schneedecke glitzert im frühen Sonnen-
Bergläufe, nicht ganz normal ndet, ist schein. Es ist reichlich kalt an diesem Mor-
unser Vorhaben: ein mehrtägiger Langlauf Doppelstock, rechts, links gen. Vielleicht auch deshalb, weil man
ILLUSTRATION: DOROTHEA SPIRO

durchs Hochpustertal. Tatsächlich war es Das Hochpustertal, das sich westwärts von nicht allzu viel anhat; beim Langlaufen
gar nicht so einfach, eine Begleitung für Osttirol nach Südtirol zieht, ist eines der wird einem sehr schnell sehr warm. Wer
diese Tour zu nden. Da „nicht ganz nor- wenigen Gebiete in den Alpen, in denen zur Sicherheit die Skihose anlegt, wird das
mal“ aus dem Mund der Knopperin aber sich entlang der Loipen Ort um Ort auf- bald bereuen.
ohnehin ein Kompliment zu sein scheint, fädelt und eine mehrtägige Tour möglich Zweiundzwanzig Kilometer liegen zwi-
ist sie dann schnell überzeugt. ist. Ofziell beginnt die „Trans Dolomiti“- schen unserem Startpunkt und dem ers-
Weitwandern, im Winter, auf Langlauf- Strecke in Lienz, verläuft Richtung Westen ten Etappenziel, dem Südtiroler Toblach.
skiern, das haben bisher noch wenige für nach Sillian und dann über die italieni- Das sollte doch entspannt machbar sein.>

106 BERGWELTEN
NEBEN DER SPUR
Als Skaterin bewegt man
sich auf dem gewalzten
Bereich der Loipe. Die
beiden parallelen Spuren
sind klassischen Lang­
läufern vorbehalten – geht
es so wie hier bergauf,
weichen aber auch sie aus.

BERGWELTEN 107
IM BLICK
Kurz vor dem Dürrensee
öffnet sich der Blick
auf die Drei Zinnen.
Unten links: Irmgard
­Huber zeigt der Autorin
den Streckenverlauf.

AUS DER ZEIT


Das alte Grand Hotel
in Toblach, in dem
auch das Naturparkhaus
Drei Zinnen untergebracht
ist, sollte man sich von
­außen und innen ansehen.

108 BERGWELTEN
Kurz vor der italienischen Grenze geht
So entwickelte sich
die Skating-Technik einem der Knopf auf, und man flitzt dahin.
Die Geschichte des Lang­
laufens reicht weit zurück.
Schon bei den alten Griechen,
Römern und Chinesen finden
sich Hinweise auf die Fort­
bewegung per Ski. Eine olym­
pische Dis­ziplin ist der Sport
schon seit den ersten Winter­
spielen 1924 in Chamonix; Doppelter Stockeinsatz bei jedem zwei- „2:1 symmetrisch“ heißt die Technik,
lange jedoch nur in der klassi­
ten Beinabstoß. Rechts gleiten, links glei- die Skating-Langläufer über lange, ache
schen Technik mit paralleler
Skiführung. ten, rechts und links. Ziel beim Skating Strecken bringt: Doppelstock-Einsatz und
Die Skating-Technik nahm ist, möglichst lange auf einem Bein zu rechtes Bein, links gleiten; Doppelstock
ihre Anfänge im mittelalter­ bleiben. So riskiert man zwar Stürze – aber und gleiten. Kilometer um Kilometer. Ir-
lichen Skandinavien, als man
wer hier auf Nummer sicher gehen will, gendwann vor der italienischen Grenze
sich mit einem kurzen fell­
bezogenen Abstoßski und verbraucht viel mehr Kraft und Energie. geht einem der Knopf auf, und man itzt
­einem längeren glatten Gleit­ Beobachtet man die Menschen auf der nur so dahin. Geht doch. Wir sind die
ski fortbewegte. Loipe, sieht das oft sehr mühelos aus, auch Meisterinnen des Langlaufs, Bezwingerin-
Doch so richtig populär
bei den Kindern. Warum man sich dabei nen der Tagesstrecke!
wurde das Skaten erst Ende
der 1970er-Jahre – dank selbst so plagen muss, beginnt man sich Bis der Wald kommt und damit der
­einem gewissen Pauli Siitonen. irgendwann zu fragen – und warum es ei- Schatten. Der Schnee ist kälter, das Wachs
Der finnische Langläufer war gentlich ständig bergauf geht. auf den Brettln nicht optimal auf diesen
einer der Ersten, die im Wett­
Irmgard zieht ohne erkennbare An- Temperaturwechsel abgestimmt – schon
kampf gezielt einen Ski aus der
Spur nahmen, sich mit seiner strengung davon: „Ungeübte laufen meist pickt man am Boden. Oder ist man nur
Kante abstießen und damit viel zwanzig Minuten, dann sind sie fertig.“ müde und hat die Technik letztlich doch
schneller unterwegs waren als Ihr Rat: Bevor man sich mehrere Tage auf nicht drauf?
ihre Konkurrenten. Es kam,
den Weg macht, sollten zwei Winter auf Hände, Arme, Schultern, Rücken und
was kommen musste: Regeln
wurden heftig diskutiert, und Langlaufskiern in den Beinen stecken. Je Bauch, Gesäß und Beine – jeder Muskel
im Wettkampf wie im Freizeit­ nach Etappe kann man mehrere Stunden muss mithelfen. Der Hirnmuskel verwal-
sport wurde ein Verbot der bis den ganzen Tag unterwegs sein. tet die hochtourige Anstrengung, und so
Technik gefordert, vor allem
Die schlechte Nachricht: Unsere Beine entgeht einem fast, wie idyllisch es hier
weil die neuen Freizeit-Lang­
ILLUSTRATION: DOROTHEA SPIRO

laufrebellen mit ihren Kanten haben in diesem Winter noch sehr wenig ist. Die letzten Tage hat es geschneit, eine
sämtliche Spuren zerschnitten. Übung. dicke weiße Decke überzieht die Land-
Doch Regeln wurden um­ Die beruhigende: Wer es nicht mehr schaft, darauf haben sich ligrane Eis-
geschrieben, die Loipen neben
packt, steigt in den Bus. Man kommt im- kristalle gebildet. Schwarze Baumstämme,
der Spurung bald auch ge­
walzt, und aus dem Siitonen- mer wieder an Haltestellen vorbei. grüne Nadeln. Links und rechts ragen die
Schritt entwickelte sich die Die gute: Das Mehrtagesgepäck muss Berge in die Höhe.
moderne Skating-Technik. nicht mitgeschleppt werden – es wartet Ein Stückchen noch durch diesen Mär-
schon in der nächsten Unterkunft. chenwald und dann zurück in die Sonne:

BERGWELTEN 109
Hat nicht jemand gesagt, dass das alles
ganz easy wird? War man das selbst?

Schon fällt das Gleiten wieder leichter. Vom Hotel Rosengarten aus, wohlver­ sicher schon einmal luxuriöser, das Zen­
Bis ein Anstieg kommt. Wie war das noch dientes Nachtlager, sieht man schon den trum samt Ausstellung jedoch ist jeden­
einmal? Diagonaltechnik? Jeder Stock ein­ Eingang des Höhlensteintals, wo der mor­ falls einen Besuch wert.
zeln und gleichzeitig mit dem gegenüber­ gige Tag beginnen wird. Ein langes, enges Und da sind noch die alten Eisenbahn­
liegenden Ski? Die Herzfrequenz steigt, und im Winter teilweise sehr schattiges tunnel und -brücken auf dem letzten Stück
der Atem wird laut. Wirklich egal, wie das Tal, das Ruhe und Aufregung gleichzeitig des Weges hinunter nach Cortina. Und
jetzt aussieht – Hauptsache, man kommt verspricht. Steile Wände, wenig Infra­ wo früher der Zug unterwegs war, braucht
oben an. struktur, der verschneite Toblacher See, es jetzt deutlich mehr Muskelkraft, um
Hat nicht jemand im Vorfeld dieses und irgendwann: der Blick auf die ikoni­ voran­zukommen. Vor allem weil hier nach
Unternehmens gesagt, dass das alles ganz schen Drei Zinnen. dem letzten starken Schneefall noch nicht
easy wird? War man das etwa selbst? gespurt wurde. „Manchmal hört die Loipe
Auf den Hochpustertaler Loipen sind Loipe statt Gleisen einfach an der Grenze zwischen Südtirol
viele Langläufer unterwegs – Anfänger Die Sonne scheint zwar nicht anders am und Venezien auf“, erzählt Irmgard. „Für
und richtige Könner, in klassischer Tech­ nächsten Morgen, aber man merkt: Mitt­ die Südtiroler ist der Wintersport ein wich­
nik und beim Skating. Doch das Angebot lerweile ist man in Italien angekommen. tiger Tourismusfaktor – in Venezien fehlt
mit dem Mehrtageslanglauf werde – trotz Manches wirkt wie aus der Zeit gefallen – oft das Geld.“ Auch das ist Italien.
Gepäcktransport von Ort zu Ort – noch und dieser Glanz vergangener Tage stimmt Da die Tunnel natürlich ein Highlight
immer nicht so recht genutzt, erzählt der einen selbst bei größter Anstrengung ganz der Tour sind, kämpfen wir uns durch den
Toblacher Hotelwirt Alexander Strobl am romantisch. Da sind die pompejanischrot Tiefschnee. Die dazupassende Technik
Abend an der Bar. „Einer pro Woche getünchten Häuschen am Wegesrand mit steht nicht im Lehrbuch und geht folgen­
schaut vorbei und übernachtet bei mir. der verblassten „A. N. A. S.“-Aufschrift; dermaßen: Ski parallel zueinander und
Im Sommer ist hier viel mehr los, wenn diese case cantoniere, Straßenwärterhäuser, mit den Armen anschieben. In die Hocke
die Biker die gleiche Strecke fahren und stehen meist leer, seit die Provinzen die und wieder anschieben, mit voller Kraft.
das Tal bevölkern.“ Zuständigkeit für die Straßenverwaltung „Wem ist das eingefallen, Weitlanglau­
Liegt es vielleicht daran, dass alle außer vom Staat übernommen haben. Da ist fen – und jetzt auch noch ohne Loipe?“,
uns wissen, wie anstrengend das ist? Die auch das alte Grand Hotel Toblach, das fragt die Knopperin und lacht. Gute Frage.
Frage kann der Hotelwirt nicht beantwor­ heute als Veranstaltungszentrum und Ju­ Den Winter jedenfalls, der den Beinen
ten. Aber den Mehrtageslanglauf ndet gendherberge genutzt wird und in dem gefehlt hat, den haben sie die beiden Tage
er eine tolle Sache, selbst wenn die Ein­ das Naturparkhaus Drei Zinnen unter­ aufgeholt. Auch wenn wir uns das anfangs
tagesgäste nicht das große Geld bringen. gebracht ist. Übernachtet hat man hier weniger anstrengend vorgestelllt haben. >

110 BERGWELTEN
IM HÖHLENSTEINTAL
Stärkung im Schnee:
Irmgards selbst gemachte
Polsterzipfel, Kaffee, Brot
und Naschereien.
Unten: Durch aufgelassene
Eisenbahntunnel geht
es bis nach Cortina.
Pausieren fürs Posieren:
links die Autorin,
rechts die Knopperin,
hinten der Monte Piana.

BERGWELTEN 111
Loipenwandern im Hochpustertal
G re nzg a n g: wo m a n la n glä uf t , schläf t un d ein ke h r t

D
LAN
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DEU

ÖSTERREICH

Strassen
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NIE
WE
ITALIEN SLO

AN KOM M E N

Von Osten kommend nach Spittal an der


Drau und auf der B 100 über Lienz nach
Strassen. Von Westen kommend über den
Brennerpass nach Südtirol. Anschließend
über Sterzing, Bruneck und Innichen bis
nach Strassen.
Spaziergang durch die Fußgängerzone von Innichen: Pittoreske Häuser,
Schaufenster, nette Cafés – dahinter erhebt sich die Haunoldgruppe.
ESSEN UND SCHLAFEN

Historische Mauern
Für alle, die Gemütlichkeit und gute Küche
schätzen: Das Hotel Strasserwirt, dessen Holzbadewanne, Sauna oder Heimkino. An der Schweizer Grenze
Grundmauern aus dem 6. Jahrhundert Hotel Rosengarten Eine weitere Möglichkeit zum Loipen­
stammen, bietet Zimmer mit sehr viel Holz Pustertaler Straße 15, 39034 Toblach wandern in den Alpen findet man entlang
und kuscheligen Naturbetten aus Schaf­ Tel.: +39/0474/97 24 58, rosengarten.it der Grande Traversée du Jura. Auf franzö­
wolle. Highlight: In den Junior-Suiten steht sischer Seite gibt’s 180 Kilometer durch­
die Badewanne im Wohnbereich. Aus dem Holzofen gängige Langlaufstrecke von Morteau
Hotel Strasserwirt Wem, kaum in Italien angekommen, der Sinn bis nach Giron. Weitere Infos: gtj.asso.fr
Dorfstraße 28, 9918 Strassen nach Pizza steht, der sollte in der Pizzeria Strecke: 180 km Tagesetappen: 6
Tel.: +43/4846/63 54, strasserwirt.com Hans im Toblacher Dorfzentrum vorbei­
schauen. Dort kommen tradi­tionelle wie Im Schwarzwald
Familiäre Atmosphäre ausgefallene Kreationen aus dem Holzofen. Der Fernskiwanderweg im Südschwarz­
Spätestens wenn einem Hotelchef Alex­ Pizzeria Hans wald zwischen Schonach und Multen
ander Strobl ein Willkommensgetränk an­ Pustertaler Straße 9, 39034 Toblach am Belchen bietet 100 Kilometer auf
bietet, fühlt man sich hier zuhause. Auch Tel.: +39/0474/97 21 87, pizzeria-hans.com 13 Etappen, von denen sich einige auch
manche Zimmer bieten ihre Besonder­ gut zusammenlegen lassen. Infos unter:
heiten: etwa Infrarotkabine, Whirlpool, Jausenstationen fernskiwanderweg.de
Die Einkehrmöglichkeiten im Höhlensteintal Strecke: 100 km Tagesetappen: 13
sind überschaubar – von Nord nach Süd:
Von Vierschach Seeschupfe am Toblacher See, Café-Bar
ist es nicht mehr Drei-Zinnen-Blick, Restaurant Dürrensee I N FO R M I E R E N
weit bis Italien.
und Chalet Passo Cimabanche, eine kleine
Hütte mit offenem Grill im Freien. Tourismusbüro
Infos zum aktuellen ­Zustand der Loipen
und Hilfe bei der Suche nach Unterkünften:
L A N G E L A N G L AU F E N Tourismusinformation Sillian-Hochpustertal
Tel.: +43/50/21 23 00
Auf der Trans Dolomiti
Die offizielle Strecke führt von Lienz bis Ausstellung im Grand Hotel
nach Cortina d’Ampezzo. Man kann aber Im Naturparkhaus Drei Zinnen gibt es
auch im etwas südlicher gelegenen Maria ­Wissenswertes über die Schutzgebiete
Luggau starten und über Obertilliach nach Drei Zinnen und Fanes-Sennes-Prags,
Sillian laufen. Bei der Planung unbedingt ­untergebracht im alten Grand Hotel.
Schneelage und Loipenzustand im Blick Naturparkhaus Drei Zinnen
­behalten. Infos unter: dolomitinordicski.com Dolomitenstraße 37, 39034 Toblach
Strecke: ca. 100 km Tagesetappen: 3–4 Tel.: +39/0474/97 30 17

112 BERGWELTEN
Haltungsübung Nr. 20

Neugierig
bleiben.
Eine leichte, beinahe kinderleichte Haltungsübung ist gleichzeitig eine
der wichtigsten: neugierig bleiben. Wenn Sie das jeden Tag üben, machen
Sie es irgendwann automatisch. Wir sprechen da aus Erfahrung.
derStandard.at

Der Haltung gewidmet.


GEPÄCKKONTROLLE

Gespür für Schnee


Benjamin Zweifel beurteilt die Risiken von Lawinenabgängen. 01. Wasserwertsonde (SLF)
02. Waage zur Sonde (Pesola)
Das hat er bei seinen Erkundungen im Gelände dabei.
03. Lawinen-Airbag (ABS)
Redaktion: Klaus Haselböck  Foto: Pascale Weber  Styling: Jennifer Tschugmell
04. Handschuhe (Hestra)
05. Schneesäge (SLF)
06. Schaufel (Mammut)
07. Rammbär (SLF)
08. Rammsonde (SLF)
Ich stamme aus Schlatt bei Winterthur im 21. Jahrhundert die gemeinsame Erfah­ 09. Schneeraster mit Lupe
und bin schon als Kind oft mit meinen Eltern rung mit dem Schnee der wichtigste Aspekt 10. Kompass (Recta)
in die Berge gegangen. Das Klettern in Nord­ bei der Lawinenbeurteilung. Auch wir als 11. Helm (Sweet Protection)
wänden und Skitouren wurden bald meine ­Pros sehen nur eine große weiße Fläche und 12. Feldstecher (Zeiss)
liebsten Steckenpferde. Da ich mich bei mei­ versuchen zu verstehen, wie stabil diese ist. 13. Schnur für Rutschblock
nem Studium der Erdwissenschaften an der In den 12 Stunden, die ein Arbeitstag für 14. Feldbuch für Schneeprofil
Technischen Hochschule in Zürich auf Glet­ mich als Prognostiker dauert, schreibe ich 15. Sonnenbrille (Bollé)
scher spezialisiert habe, konnte ich meine Lei­ zwei Lageberichte. Manchmal ist es nötig, ins 16. Skibrille (Arnette)
denschaft zum Beruf machen: Seit 19 Jahren Gelände zu gehen, um die Gesamtsituation 17. Schneethermometer
arbeite ich nunmehr beim SLF, dem Institut besser zu verstehen – denn ein Hang, der an 18. Taschenmesser (Victorinox)

für Schnee- und Lawinenforschung in Davos. ­einem Punkt völlig harmlos ist, kann zehn 19. Bleistift

Das SLF ist einzigartig im Alpenraum: An Meter weiter höchst gefährlich sein. 20. Kamera (Olympus)
21. Snowcard
diesem Standort ießen die Ergebnisse von Zusätzlich zur Tourenausrüstung (06, 32,
22. Erste-Hilfe-Paket
200 Beobachtern, 150 automatischen Statio­ 34, 35, 36, 37, 38) habe ich das Schneeprol­
23. Thermoskanne
nen und die Rückmeldungen all der Frei­ set dabei: Mit Schneeraster und Lupe (09) be­
24. Mütze (Chillouts)
willigen, die unsere Arbeit landesweit unter­ urteile ich Form und Struktur der Schneekör­
25. Landkarte Scalettapass
stützen, zusammen. Gemeinsam mit sieben ner. Dadurch weiß ich, wie gut sie zusammen­
26. Landkarte Davos
weiteren Mitarbeitern sammle ich Messwerte halten. Für einen Rutschblocktest, der mir
27. Mobiltelefon (Apple)
wie Neuschneehöhe, Windgeschwindigkeit Auskunft über die Stabilität der Schneedecke 28. Energieriegel
und Temperatur, außerdem schaue ich mir gibt, nehme ich eine Säge (05) und eine 29. Skiwachs (Toko)
den Aufbau der Schneedecke an. Daraus lei­ Schnur (13) mit. Mit der drei Kilogramm 30. Schnupftabak
ten wir die Einschätzung für die regionalen schweren Rammsonde (08) messe ich die Här­ 31. SLF-Jacke (Arc’teryx)
Gefahrenstufen der Schweiz ab. te der Schneeschichten, mit der Wasserwert­ 32. Sonde (Black Diamond)
sonde die Schneedichte. Wenn die Einschät­ 33. Bergbahn-Saisonkarte
Eine große weiße Fläche zung trotz aller harten Fakten komplex bleibt, 34. Tourenschuhe (Dynafit)
Zu Dienstbeginn, um 6 Uhr morgens, geht es hilft manchmal eine Prise Schnupftabak (30). 35. LVS-Gerät (Mammut)
um die Frage, was an der aktuellen Situation Für die kommende Saison wünsche ich 36. Steigfelle (Black Diamond)
speziell ist. Und wir diskutieren intensiv die mir viel Schnee zum Winterstart. Daraus 37. Stöcke (Scott)
Veränderungen zur Prognose vom Vortag. ­ergibt sich in der Regel eine stabile Schnee­ 38. Tourenski (Stöckli)
Denn trotz aller technischen Entwicklung ist decke, und der Spaß im Pulver ist garantiert.

114 BERGWELTEN
03.

01. 04. 35.

36.
02.

05.

06.

37.

08.

38.

07.

11.
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31.

09. 10.

16.

14. 25.

32.

13. 15.
24.
27. 33.

19.

20.
28.
17.
23.
25. 26. 34.
18. 29.

21.
22.

30.

BERGWELTEN 115
MEHRTAGES-SKITOUR

Gemeinsam
einsam
Wer über das Tote Gebirge schreitet, entdeckt einen der stillsten
Winkel der Alpen – und ein Stück weit auch sich selbst.
Text: Marlies Czerny  Fotos: Andreas Lattner

116 BERGWELTEN
KEIN LIFT IRGENDWO
Vorn die Autorin, dahinter
die Touren-Freunde Evelyn
und Michael. Im Aufstieg
zum Hochkogel, der sich
im steirischen Teil des Toten
Gebirges versteckt, gibt
der Salzofen Rückendeckung.
Foto: Xxxxxx

BERGWELTEN 117
A
Acht der zehn Eier haben überlebt, im­
merhin. Die Idee, den müden Körper vor
der tief verschneiten Wildenseealmhütte
erst einmal auf den Rucksack fallen zu
Zweigelt aus bunten Bechern, der Jetboil
wird morgens zum Espressokocher um­
funktioniert, und dazu ein Germstriezel
mit Mamas Marillenmarmelade. Bevor
aus. Die Alpenvereinshütte haben wir
schnell gefunden: Der Eingang ist bereits
freigeschaufelt und der Kachelofen ein­
geheizt. Wer wird denn schon hier sein?
lassen, war nicht das Gelbe vom Ei. Die der Genuss leidet, sollen es lieber unsere Der Feierabend darf aber erst mit Kaffee
darin verstaute Daunenjacke ist es jetzt Hüften und Schultern tun. und Wafferln in der Nachmittagssonne
umso mehr: dottergelb. Zum Glück blei­ Es ist gewissermaßen auch eine men­ vor der Hütte beginnen.
ben im Karton genau so viele Eier heil, tale Strategie, wenn der Rucksack von Tag Als die Sonne verschwindet, huschen
wie wir für den Kaiserschmarrn und vier zu Tag leichter wird, während die Beine wir in den warmen Winterraum. Die
hungrige Skitourengeher brauchen. immer schwerer werden. Am Fuße des Wand hinter dem Kachelofen schmückt
In diesen drei Tagen wird’s uns näm­ Losers gleiten wir noch leichtfüßig über eine gusseiserne Pfanne. Damit gelingt uns
lich an allem fehlen, was die mancher­ den Altausseer See, allerdings auf dün­ Haubenköchen tatsächlich so etwas wie
orts überzivilisierte Bergwelt ausmacht: nem Eis. „Krächzt du so, Michi?“ – Nein, ein Kaiserschmarrn. Das junge Pärchen
an Schlepp­liften, schmackhaften Hütten­ es ist der Untergrund, der uns vor einem aus Oberösterreich, das hier Vorarbeit
menüs und scharenweise Tourengehern. Einbruch warnt. Also schnell wieder ans geleistet hat, ist einen Tag vor uns in Bad
An einem aber sollte uns besser nicht man­ sichere Ufer. Ischl gestartet. Lena und Jonas werden die
geln: an Energie und Treibstoff. Immer­ Unter den mächtigen Wänden der Einzigen bleiben, denen wir in den nächs­
hin wollen wir die größte Karsthochäche Trisselwand steigen wir immer höher bis ten Tagen begegnen – von einem Jäger in
Europas überschreiten, das Tote Gebirge zur Wildenseealm. Sie schlummert tief der Nachbarshütte, zwei Gämsen und drei
– und da müssen wir uns selbst versorgen. im Winterschlaf, zugedeckt mit einer drei Schneehühnern abgesehen.
Die Haute Cuisine auf unserer Haute Meter dicken Schneedecke. Die Kulisse Nach dem letzten Bissen breiten wir
Route von der Steiermark nach Oberöster­ für ein Märchen könnte nicht hübscher die Landkarte über dem gesamten Holz­
reich sieht so aus: Als Vorspeise gibt’s ein sein – nur die Hüttendächer schauen tisch aus. Das Tote Gebirge braucht
Bauernbrot mit Verhackertem, dazu einen schüchtern aus den weißen Flocken her­ Platz, viel Platz. Es kommt fast auf die

118 BERGWELTEN
EINSAMKEIT
ÜBERALL
Auf dem Hoch­
plateau des Toten
Gebirges zieht man
einsame Spuren
über sanfte Hügel.

BERGWELTEN 119
WINTERSONNE,
HÜTTENLEBEN
Evelyn genießt die
Wintersonne (oben).
Nach einem Tag auf
Tourenskiern schmeckt
der selbst gemachte
Kaiserschmarrn im
Winterraum der
Wildenseehütte.

MORGENLICHT
Mit den ersten
Sonnenstrahlen macht
sich auch Michael
wieder auf den Weg.

120 BERGWELTEN
„Du tauchst ein in diese Stille
und Einsamkeit und lässt vor allem
eines hinter dir: den Alltag.“

doppelte ­Fläche des Mont-Blanc-Massivs, Almwirtschaft hier oben, und da waren Oberäche lauern Schächte und Doli-
1.130 Quadratkilometer ist es groß. Es im Winter auch noch mehr Leute auf der nen. Bei guter Schneelage stellen sie kei-
streift zwei Bundesländer, drei Bezirke, Überschreitung unterwegs“, erzählt Hel- ne Gefahr dar, bei dünner Decke werden
17 Gemeinden und ragt am Großen Priel mut „Heli“ Steinmassl, der quasi an einer sie tückisch wie Gletscherspalten. Das ist
über 2.500 Meter zum Himmel. Unsere Zehenspitze des Toten Gebirges in Spital aber nicht der Grund, weshalb das Tote
Köpfe rauchen, wo genau am Hochplateau am Pyhrn zu Hause ist. „90 Prozent aller Ge­birge seinen pathetischen Namen trägt.
wir unsere weitere Spur ziehen wollen. Tourengeher gehen aber ohnehin lieber Im Karst inmitten der Hochgebirgsäche
Evelyn Steiner hat von dieser Über- dort, wo andere Leute unterwegs sind.“ ist nur wenig Leben möglich. Es ießt
schreitung schon länger geträumt. Die Der Berg- und Skiführer gehört zu den kein Wasser, es wachsen kaum Panzen.
begeisterte Tourengeherin blickt sowohl restlichen 10 Prozent und zieht am liebs- „Und mehr als die Hälfte des Jahres ist
von ihrem Zuhause als auch von ihrem ten einsame Spuren. „Im Toten Gebirge dort oben Winter.“
Arbeitsplatz aus direkt aufs Tote Gebirge gibt’s noch die unberührtesten Flecken Die dichten Latschen sind völlig unter
– und schon der erste Abend hier oben im Alpenraum zu nden“, sagt Heli – und dem Schnee begraben. Ein paar Lärchen
bringt sie weit weg von ihren To-do-Listen. kann an dieser Stelle stundenlang weiter- und Fichten halten noch Wache um die
„Du tauchst sofort ein in diese Stille und erzählen: von griesgrämigen Jägern bis hin Wildenseehütte im westlichen, steirischen
Einsamkeit und lässt vor allem eines hin- zu extrem steilen Abfahrten. Gebirgsteil. Der Nachthimmel ist kaum
ter dir: den Alltag.“ Es fühlt sich für die von Licht verschmutzt und lässt Sterne
33-Jährige befreiend an, nur das dabeizu- Endloser Winter und Mond heller leuchten, als man es da-
haben, was sie selbst in ihrem Rucksack Helmut Steinmassl kennt aber auch heim je sehen könnte.
tragen mag, „und so viel ist das gar nicht“. die inneren Werte des Toten Gebirges Früh am Morgen färbt sich der Hori-
Das Skitourengehen wird zwar von sehr gut – er hat sie als Höhlenforscher zont am nahen Dachstein hellblau und
immer mehr Menschen entdeckt, im To- entdeckt. Unter der tief verschneiten zartrosa wie ein Babyzimmer. Evelyns Au-
ten Gebirge aber ndet man noch Ein- Karsthochäche benden sich hunderte gen leuchten: „Normal bist du so früh ja
samkeit. „Vor vierzig Jahren gab es mehr Kilo­­meter lange Höhlensysteme. An der noch nicht so hoch oben am Berg.“ >

BERGWELTEN 121
Die vielen Buckel und Mulden wirken
wie sanfte Wellen. Vereinzelt werfen Felsinseln
den Schatten einer Haifischflosse.

Keine zwei Stunden später stehen wir machen und Schneeschmelzen. Die Hütte die dottergelbe Jacke, Felle auf die Ski –
auf dem Gipfel des Redenden Steins und ist im Winter nur mit einem Schlüssel zu­ die um­liegenden Gipfel lassen wir links
haben uns recht wenig zu sagen. Sprach­ gänglich, den man sich beim Alpenverein und rechts liegen.
los drehen wir uns einmal um die eigene ausleihen kann. Einsame und eindrucksvolle Kilometer
Achse – und da ist weit und breit nichts Wir bringen Wärme in die kalte Stube später wartet unsere längste und rassigste
anderes mehr zu sehen als winterliches und mit Nudeln, Zwiebeln und Speck Abfahrt ans andere Ende des Toten Ge­
Weiß. Man kann nur erahnen, dass hinter auch in unseren Magen. „Man muss ein birges: durch die Dietlhölle hinab nach
den Höhepunkten des Plateaus wie dem bisschen etwas auf sich nehmen, um so Hinterstoder. Die Oberschenkel brennen
Zwölferkogel, dem Schermberg und dem etwas zu erleben“, sagt Michael Steiner, wie Feuer – und wir nden das höllisch
Großen Priel steile Wände bis zu 1.400 nachdem er die letzten Holzscheite klein gut. So bleiben wir zwangsläug öfters
Meter tief in die Täler fallen. gehackt und die Axt beiseitegelegt hat. stehen und staunen über die steilen Ab­
Wir sind auf einer Insel der Seligen „Dafür bekommt man ein traumhaftes
­ brüche entlang der Abfahrt. Dass sich der
gestrandet. Die vielen Buckel und Mul­ ­Erlebnis, an das man sich bis ans Lebens­ Skibus beim Dietlgut nur Minuten nach
den am Plateau wirken wie sanfte Wellen. ende erinnern wird.“ uns einbremst, passt perfekt ins Après-Ski-
Vereinzelt werfen Felsinseln den Schatten Programm. So sind wir schneller in der
einer Haischosse, und wie eine stei­ Schneller als die Schneewolken „Fleischerei“, die nichts mit toten Tieren
le Brandung stellt sich der Salzofen da­ Der Himmel ist am nächsten Morgen zu tun hat, sondern unser Lieblingscafé
zwischen. Hinter uns und vor uns: eine nicht mehr so ungetrübt wie unsere Stim­ ist. Die obligatorische Nachbesprechung
endlose Winterlandschaft. mung. Eine Front schiebt sich früher als reicht von „Wundersche, aber zach“ über
Nach fünf Stunden Spurarbeit und erwartet über das Tote Gebirge. Wir wol­ „Wer hat gestern g’schnarcht?“ bis zu „Wie
zwei kurzen Abfahrten – eine im Pulver, len schneller sein als die Schneewolken. oft geht ma scho mit Ski über an See“.
eine im Firn – erreichen wir die Pühringer­ Wird man von ihnen eingehüllt, ist man Nur der Vorschlag „Gemma morgen
hütte hoch über dem Grundlsee. Heute am Plateau trotz einiger Markierungs­ wieder z’rück zum Auto?“ geht zwischen
sind wir dran mit Aufsperren, Feuer­ stangen schnell verloren. Also hinein in dem Anprosten irgendwie unter. >

122 BERGWELTEN
SPURWAHL
Die Abfahrten
am Hochplateau
dauern nicht lange,
die Geh­etappen
sind dafür umso
ausgedehnter.

BERGWELTEN 123
In drei Tagen übers Tote Gebirge
Alle Etappen und was man wissen und mitnehmen sollte.

VO R B E R E ITE N

Diese Überschreitung beginnt gewisser­


maßen schon im Wohnzimmer, denn bei
unsicherer Großwetterlage erübrigt sich
die Tour. Wer aber auf stabiles Wetter
­vertrauen kann – wie auch auf seinen
Orientierungs­sinn, auf Lawinenkenntnisse
und eine ent­sprechende Kondition in den
Beinen für mehrere Tage Skitourengehen –,
der kann diese großartige Tour freudig in
Angriff nehmen. Aber: Auch der Ober­
körper will auf das Mehrgewicht am Rücken
vor­bereitet sein – und der Kopf auf den
Verzicht von Komfort. Denn in den Hütten
ist man Selbstversorger – auch das ist in
der Vorbereitung mitzuberücksichtigen.
Und da geht’s im wahrsten Wortsinn um
essenzielle Fragen wie: Welchen Proviant
und wie viel Gas braucht man mit?

D I E TO U R
Selten schön: In Altaussee geht es nicht am Ufer entlang,
Tag 1 sondern direkt über das Eis des zugefrorenen Sees.
Von Altaussee zur Wildenseehütte
Vom steirischen Altaussee geht’s am
nördlichen Ufer des Altausseer Sees Etappenziele. Weiter in den Abblasbühel kelbrennendlange Abfahrt bevor: An die
­entlang oder direkt über den See, wenn und auf dem Weg zur Pühringerhütte 1.500 Höhen­meter geht’s durch die Dietl­
dieser zu­gefroren ist. Über die Seewiese kann der Hochkogel auf 2.091 Metern hölle bis zum Dietlgut nach Hinterstoder.
­hinauf zum Hochklapfsattel und über ­mitgenommen werden. Über Firnhänge Von dort mit dem Tälerbus und dem Zug
den Almboden der Augstwiesen weiter abfahren. Für den Winterraum der Pührin­ zurück zum Ausgangspunkt.
bis zur Wildensee­hütte, die auf 1.525 gerhütte, die im Kessel auf 1.637 Metern Strecke: 15,1 km Höhendifferenz: 870 m
Höhen­metern liegt. Für diese Selbst­ schlummert, ist ebenso ein AV-Schlüssel
versorgerhütte des Alpenvereins ist zuvor nötig. Bewirtschaftet ist sie meist erst Varianten
ein Schlüssel bei einer A
­ V-Sektion abzu­ ab Juni. Von Bad Ischl nach Spital am Pyhrn
holen. Alternativ kann diese Etappe auch Strecke: 12,5 km Höhendifferenz: 850 m Der Kreativität sind bei der Überschrei­
vom Skigebiet L ­ oser gestartet ­werden. tung des Toten Gebirges wenig Grenzen
Strecke: 11,5 km Höhendifferenz: 990 m Tag 3 gesetzt. Klassische Varianten führen vom
Nach Hinterstoder (Dietlgut) Loser oder der Tauplitz bis zur Wurzeralm
Tag 2 Es geht weiter über das Hochplateau und oder nach Hinterstoder. Dutzende Gipfel
Zur Pühringerhütte wird hochalpiner. Über den Hetzkogelsat­ kann man links und rechts liegen lassen –
Nach dem Frühstück geht’s über kupiertes tel ins Ofenloch queren und abrutschen. oder sie mit einpacken in den Rucksack
Gelände vorbei am Albert-Appelt-Haus Wer beim Bösenbühelsattel auf 2.100 Hö­ an Höhenmetern, die sich auf mehr oder
und auf einen Abstecher zum Redenden henmetern noch genügend Kraft in den weniger 3.000 summieren. Der längste
Stein als erstem Höhepunkt auf 1.900 Me­ Beinen hat, sollte (nur bei sicheren Ver­ Weg führt von Bad Ischl nach Spital am
tern. Kurz abfahren und am Hochplateau hältnissen) einen wunderbaren Abstecher Pyhrn und kommt auf 75 Kilometer, ohne
in Richtung Osten halten – hier sind das auf den Feuer­talberg machen. Jetzt steht auch nur ein einziges Mal in Talnähe zu
Wildgößl und/oder der Salzofen lohnende endlich eine höllisch gute und oberschen­ gelangen. ILLUSTRATION: RBMH/ ESTHER STRAGANZ

Etappe 1 Etappe 2 Feuertalberg Etappe 3


2.374 m
Wildenseehütte Pühringerhütte
2.000 m

1.500 m

1.000 m

0 km 5 km 10 km 15 km 20 km 25 km 30 km 35 km

124 BERGWELTEN
TIPPS
Offizieller Partner des Verbandes der
Österreichischen Berg- und Skiführer

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Die vollständige Ausrüstung reicht von


­Skiern über Felle, Harscheisen bis hin zur
Lawinenausrüstung (Schaufel, Sonde, LVS-
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Gerät). Es gibt nur wenige Abfahrten; mit

LIGHTNESS
einem leichten Ski ist man im Vorteil. Auf
den Hütten ist man Selbstversorger. Provi-
ant muss selbst getragen werden (in einem

AND
Rucksack mit mindestens 30 Liter Volu-

GHTNESS
men). Man kann in den Winterräumen ein-
heizen, solange Holz da ist, sollte aber ei-
nen Gaskocher (inklusive Kartusche und

SAFETY
Feuerzeug) mithaben. Decken sind vorhan-
den, ein Schlafsack ist für Kälteempfindli-
che angenehm. Biwaksack und Erste-Hilfe-
Paket sind ebenso Standard. Das Handy ist

ND LIGHTNESS
oft ohne Empfang. Karte und Kompass,
GPS-Track (offline gespeichert) und einen
zweiten Akkupack nicht vergessen! Ebenso
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die Abfahrt, Wachs für die Felle.
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nenexperte aus Spital am Pyhrn war auf
Expeditionen am K2 und in Südamerika –
inzwischen ist er aber am liebsten vor
seiner Haustüre auf einsamen Touren im
Toten Gebirge unterwegs.
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Rastplatz Pühringerhütte

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126 BERGWELTEN
2

Auf in
die Halle
Auspowern nach der Arbeit, die Klettertechnik verfeinern,
die Muskeln aufbauen: Egal, weshalb es Sie diesen Winter
in die Boulderhalle zieht – wir zeigen Outts,
in denen man immer eine gute Figur macht.
Redaktion & Styling: Karin Boba  Fotos: Lisa Edi

BERGWELTEN 127
3

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Hoody“ von Black Traa, ¤ 199, Pullover
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Schuhe „Trail Invader ¤ 29, Boulderbürste Skinfit, ¤ 54, Leggings
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128 BERGWELTEN
5

BERGWELTEN 129
9

10

11

130 BERGWELTEN
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von Mammut, ¤ 29. Legging“ von O’Neill,
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Tall“, ¤ 25, Schlauchschal
„Burton Nackenwärmer“,
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Street Elite Sling“ von
Columbia, ¤ 79,99.

12

Die Fotos entstanden


in der Blockfabrik in Wien.
Wir bedanken uns
für die Gastfreundschaft.

BERGWELTEN 131
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sorgen für die nötige Torsionssteifig­
keit. Der perfekt abgestimmte Flex
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Gelände zu 100 % auf die Kanten
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tiertes Tourengehen zwischen Piste Powder-Fans aber nicht auf Komfort und Bewegungsfrei­
und Gelände schätzen. heit beim Aufstieg verzichten. Auch Allrounder kommen
voll auf ihre Kosten, denn der Schuh ist mit alpinen
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eindringen und bleibt dennoch atmungsaktiv, sodass
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BERGWELTEN AUF REISEN

Über das Meer


und die Berge
Die Reise im Segelboot mit Hansjörg, die holprigen Fahrten mit Najib,
die Tage im Gebirge mit Mohammed und die üchtigen Gespräche
bei Minztee am Weg: eine Abenteuerreise ins marokkanische Rifgebirge.
Text: Katharina Lehner  Fotos: Ramona Waldner

QUER DURCH
DEN PARK
Von West nach Ost:
Über die Höhen
und durch die Täler
des Talassemtane-
Nationalparks geht es
immer Richtung Meer.

136 BERGWELTEN
ZU WASSER
Ablegen in Marbella:
Die Reise über
das Mittelmeer, von
Spanien nach Marokko,
wird per Segelboot
zurückgelegt.

ZU LAND
Rucksäcke gut
fest­binden: Über
die hol­prigen Pisten
hinein ins Rifgebirge
geht es nur mit
dem Land Rover.

BERGWELTEN 137
S P A N I E N
Spanien Marbella

Marokko

A
12 Stunden

M I T T E L M E E R

Marina Smir

Tétouan

2 Stunden
Auf dem Feuer steht ein gusseiserner ruß-
schwarzer Kochtopf, bis über den Rand 2 Stunden

gefüllt. Den Boden bedeckt eine Schicht


Zwiebeln, darauf Kartoffeln und Gemüse, Chefchaouen
4 Tage
dann Fleisch, darüber Kräuter und Gewür-
ze. Nachdem alles mit Wasser übergossen M A R O K K O
worden ist, hat man den Deckel über ein
Gewinde samt Mutter daraufgepresst. Der
DIE ROUTE
Inhalt blubbert, das Feuer knackt, und Segeln von Spanien nach Marokko und per Auto in den Talassemtane-
manchmal zischt es, weil doch ein biss- Nationalpark im Rifgebirge. Dessen Durchquerung dauert vier Tage
chen Flüssigkeit in die Glut überkocht. und führt durch meist wegloses Gelände auf bis zu 2.159 Meter Höhe.
Tajine kochen heißt warten.
Diese aufgeschichteten, vor sich hin
brodelnden Zutaten, die in den nächsten dich im Wasser am Leben, halte du es letzter westlicher Rif-Ausläufer. Die alten
eineinhalb Stunden zu einem der typischs- an Land am Leben“, sagt Hansjörg. Der Griechen glaubten, dass Herakles hier einst
ten Gerichte Marokkos gegart sein werden Skipper und Segelreise-Unternehmer aus das Ende der Welt markierte und eine In-
– sie könnten ein Sinnbild für diese Reise Österreich mit Wohnsitz auf Mallorca schrift anbrachte, deren lateinische Ent-
sein. Denn Schicht für Schicht lag auch reist mehrmals im Jahr nach Marokko. Er sprechung jeder kennt: „Non plus ultra“,
dieses noch unbekannte Land vor uns, als liebt dieses Land, bis in die frühen Mor- „nicht mehr weiter“. Von dieser Geschich-
wir vor vier Tagen mit einem Segelboot genstunden hat er an Deck davon erzählt: te haben die Berge ihren zusätzlichen Na-
in der Marina Smir im Norden Marokkos vom König, der seit zwanzig Jahren an der men: Säulen des Herakles.
eingelaufen sind. Vor uns: Wanderungen Macht ist und das Land seitdem westlicher Heute kommt man gar nicht mehr auf
im wilden Rifgebirge, dunkle Nächte, nur ausrichtet, von der Entwicklung des Tou- die Idee, dass die Welt hier zu Ende sein
erleuchtet vom Sternenhimmel, und Ge- rismus im Norden, über die Geschichte soll. Die Meerenge gehört zu den meist­
spräche mit Menschen, die uns ein tiefe- der Stadt Chefchaouen, in der unsere befahrenen Wasserstraßen der Welt.
res Verständnis für die Region und ihre Wanderung bald starten wird, und von Natürlich genauso Teil einer Reise von
Bewohnerinnen und Bewohner schenken den Bergen des Rifgebirges. ­Europa nach Afrika: Grenzen und Gebiets­
KARTE: ALESSIA CELENTANO

werden. Auf halber Strecke haben wir die Meer- ansprüche. Die Stadt Ceuta auf dem afrika-
enge von Gibraltar passiert, jenes Gebiet, nischen Kontinent liegt ein paar Kilometer
Wasser an dem sich Europa und Afrika am nächs- westlich des Jbel Musa und wird von Spa-
Zwölf Stunden hat die Überfahrt vom ten sind. Zwei Erhebungen markieren die- nien regiert. Hohe Zäune umgeben die
spanischen Marbella über das Mittelmeer se beiden Landpunkte: auf europäischer Stadt. Denn trotz der Schönheit dieser
gedauert, dann vertäuen wir das Boot am Seite der Felsen von Gibraltar, auf afrika­ Überfahrt – ruhiges Meer, Wind im Ge-
marokkanischen Festland. „Das Boot hält nischer der Jbel Musa, der Mosesberg, sicht, Delne im Sonnenuntergang, die

138 BERGWELTEN
BLAUE STADT
Ausblick von der
Kasbah, der Festung,
auf die blauen Fassaden
von Chefchaouen.

GRÜNE SCHLUCHT
Gemeinsam mit
Mohammed geht es
Richtung Brücke Gottes:
Die Akchour-Schlucht
(rechts) bietet sich als
Tagestour an und ist gut
von Chefchaouen
erreichbar.

BERGWELTEN 139
SCHLAFPLATZ
Minztee trinken und
den Sonnenuntergang
schauen – mehr braucht
es nicht, um sich auf
die erste Nacht im
Freien einzustimmen.

SPEIS UND TRANK


Kurz vor dem Kochen:
die aufgeschichteten
Zutaten einer Tajine.
Rechts: Zum Wandern
in der Kannar-Schlucht
muss man nicht extra
Wasser mitnehmen.

140 BERGWELTEN
Mit dem Blick auf Sternschnuppen
von der Größe abstürzender Planeten
schläft man irgendwann ein.

Vorfreude auf ein Abenteuer – darf man blau. Damals hieß er noch Roland; nach reits touristisch erschlossen und werden
nicht vergessen, dass diese Grenze, dieser seinem Übertritt zum Islam hat er sich den von erholungssuchenden Stadtmenschen
Übergang, nur in eine Richtung durch­ Namen Najib ausgesucht. „Man sagt, es be­ besucht, andere sind gänzlich unberührt
lässig ist. deutet ‚der, den wir mögen‘“, erzählt er. – wie der Großteil des 600 Quadratkilo­
Sein Haus, in dem er mit seiner Frau meter großen Parks. Markierte Wege gibt
Staub und drei Kindern lebt – die anderen drei es nur wenige, eher Trampelpfade, die
Ein paar Städte Marokkos tragen eine Far­ sind schon ausgeogen –, ist am nächsten von den heimischen Bauern mit ihren
be als Erkennungsmerkmal – Marrakesch Tag Treffpunkt für unseren Aufbruch in Maultieren genutzt werden. Es schadet je­
grün, Tétouan weiß, Chefchaouen im Rif­ den Talassemtane-Nationalpark. Wir la­ denfalls nicht, hier mit einem Bergführer
gebirge ist die blaue Stadt. „Je nachdem, den die Rucksäcke auf das Dach seines unterwegs zu sein.
wen man fragt: Die blaue Farbe vertreibt Land Rovers, er lässt Musik mit langen
Fliegen, vertreibt böse Geister oder zieht E-Gitarren-Solos durch die Boxen blasen Stacheln
Touristen an“, schildert Najib, unser Land- und bringt uns mit Ruhe, aber unzimper­ Gerade noch hat die Gruppe, die sich
Rover-Fahrer für die nächsten Tage. Wäh­ licher Geschwindigkeit über die Holper­ kaum kennt, auf den bunten Plastikstroh­
rend wir gemeinsam Minztee trinken – auf pisten. Feiner Staub liegt auf den Stra­ matten Tajine gegessen und Tee getrun­
dem Hauptplatz, wo Hippies aus aller Welt ßen, liegt auf den Blättern der Bäume am ken: Hannes und Gabi, ein sportliches
Schmuck verkaufen und einheimische Wegesrand, bald auch auf Hosen, Haut Paar aus Kärnten, Skipper Hansjörg, Fah­
Männer langsam in die Lokale strömen, und Haaren der Fahrzeuginsassen. rer Najib, Bergführer Mohammed und wir,
um Backgammon zu spielen –, werden Doch der Nationalpark bietet mehr Fotogran und Schreiberin. Nun liegen wir
eißig Instagram-Inhalte produziert: Sel­ als die karge, schroffe Landschaft in den nebeneinander in unseren Schlafsäcken
es von Europäerinnen vor blauen Fassa­ Höhen, die ab und zu 2.000 Meter über­ unter dem Sternenhimmel. Es ist dunkel,
den und bunten Blumentöpfen hier, ein ragen und von denen aus man gelegent­ der Mond nur eine schmale Sichel. Mit
Gruppenfoto von weiß gekleideten Touris­ lich das Meer sehen kann. Er ist einer der dem Blick auf Sternschnuppen von der
tinnen mit blauen Schals und Chinaagge letzten Orte, an denen die Marokkanische Größe abstürzender Planeten und auf die
auf den Treppen der Moschee dort. Tanne wächst, ein Baum mit eng gedräng­ Milchstraße schläft man irgendwann ein.
Najib gefällt der Trend nicht. Als er vor ten, stumpfen Nadeln. Aber auch ­Eichen Der Morgen beginnt mit Minztee, den
dreißig Jahren aus Deutschland in diese und Atlaszedern säumen Hänge und Tä­ Mohammed gerade frisch aufgekocht
Stadt gekommen ist, waren die wenigen ler. Flüsse haben tiefe Schluchten in das hat. Der Bergführer und Dorfsprecher ei­
Gäste Eskapisten auf der Suche nach dem Bergland gegraben. Manche von ihnen, nes 500-Seelen-Ortes ist erst vor kurzem
freien Leben und noch nicht alle Fassaden wie etwa die Akchour-Schlucht, sind be­ nach Chefchaouen gezogen, um seinen

BERGWELTEN 141
142 BERGWELTEN
BIS ZUM BAUCH
Bei einigen Passagen
in der Kannar-Schlucht
hilft es nichts: Rucksack
in den Nacken und durchs
hüfthohe Wasser waten.

­ eiden Kindern eine bessere Ausbildung


b
zu ermöglichen. Richtig wohl fühlt er sich
allerdings im Bergland, das nur schwach
besiedelt ist – hier kennt er jeden Stein.
Es ist unwegsames Gelände, durch das
er uns nach dem Frühstück auf den Jbel
Lakraa führt. Rund 700 Höhenmeter sind
zu überwinden, bis man die Kammhöhe
erreicht und sich der Wald lichtet. Nun
wird der Jbel Musa sichtbar, das Mittel-
meer und das spanische Festland in der
Ferne. Über einen breiten Grat aus Geröll
und Felsbrocken sucht man sich den Weg
zum höchsten Punkt, auf dem ein Turm
steht. Im Sommer wird von hier Ausschau
nach Waldbränden gehalten. Ein paar
Sprossen hinauf, dann sind wir wirklich
ganz oben, auf 2.055 plus vier Meter. Von
hier aus geht es nur noch bergab – drei
Tage immer Richtung Meer.
Das bedeutet auch marschieren durch
Gestrüpp, für das der Name Dickicht er-
funden worden zu sein scheint. Wirklich
alles hier hat Dornen oder sticht und
kratzt auf eine andere Art und Weise.
Abends am Feuer betrachtet man seine
aufgeschürften Hautstellen wie Medaillen,­
die man dafür erhalten hat, dass man den
Panzenfängen entkommen ist. Danach
legt man sich in sein Bett unter Sternen
und friert auf 1.400 Meter Höhe in sei-
nem Schlafsack trotz Nähe zum brennen-
den Feuer. Aber das Unbequeme ist be-
kanntlich die Zutat jedes Abenteuers. >

BERGWELTEN 143
An ein paar Passagen mahnt Mohammed
zur Eile und versucht mit seinen Rufen,
die Berberaffen zu vertreiben.

Trotzdem: Am nächsten Tag hat es Gut, denn ab sofort führt die Tour dern, nach Europa, das so verheißungsvoll
30 Grad, und wir freuen uns darauf, durchs kühle Wasser. Erst hüpft man von klingt und doch wenige Chancen bietet,
den Oued – also das Wadi Tijida – zu er­ Stein zu Stein, dann watet man im Fluss; ir­ selbst wenn man es mit Visum, Pass und
reichen, in dem wir baden und uns den gendwann steht man bis zur Brust im Nass, Geld oder illegal über die Grenze schafft.
Staub aus den Haaren waschen. den Rucksack am Nacken balancierend, In den engen Gassen der Altstadt von
Am Ufer entlang führt Mohammed denkt: „Was für ein aufregender Tag!“ Und Tétouan, dem letzten Ziel unserer Reise,
durch das Unterholz – immer Richtung gleichzeitig: „Nur nicht hinfallen!“ In ei­ kommt man schnell ins Gespräch mit den
Oued al Kannar, zum Anfang der gleich­ nem feuchten Schlafsack liegt es sich nicht Verkäufern in den Geschäften oder den
namigen Schlucht, deren Durchquerung wirklich angenehm – selbst wenn man die Männern in Teehäusern, die sich mit dem
für den nächsten Tag geplant ist – die an­ Nacht in einer Hütte verbringt. Brettspiel Parchís die Zeit vertreiben. Über­
strengendste Etappe der Tour. Gut, dass raschend oft trifft man auf jemanden, der
diese Nacht auf 400 Metern wärmer ist Stein Deutsch spricht und von seiner Zeit in Eu­
und wir gut erholt aufwachen. Nach drei Nächten im Freien wirkt die ropa erzählt. „Es ist gut dort, aber hier in
Mohammed und Najib waren es, die in Gîte d’Étape Oued Kannar wie ein luxu­ Marokko ist es trotz allem besser für mich,
jungen Jahren gemeinsam in einem eintä­ riöses Hotel – sie bietet warme Duschen, das Leben läuft langsamer“, erzählt ein
gigen Gewaltmarsch die Tour erkundet ha­ für jeden ein Bett und einen Tisch, an Verkäufer an einem Stand mit Waren, die
ben, die uns vier Tage beschäftige­n wird. den man sich setzen und essen kann. Eine sich gut als Mitbringsel machen.
Der Bergführer kennt daher die Schlucht, Handvoll solcher Gîtes, also Herbergen, Er hat recht. Vieles hier bewegt sich
ihre Highlights und ihre Schlüsselstellen gibt es in der Region. Es sind einfache, gemächlich. Das gibt einem die Zeit,
– und auch ihre Gefahren. An ein paar von Einheimischen betriebene Hütten, das Land Schicht für Schicht kennenzu­
Passagen mahnt Mohammed zur Eile und die auf Wanderer ausgelegt sind. lernen. Und ähnlich langsam wie die Zu­
versucht mit seinen Rufen, Berberaffen In den Bergen leben nur wenige Men­ taten in der Tajine garen, um ihren vollen
zu vertreiben, die beim letzten Mal Steine schen vom Tourismus – viele Familien Geschmack zu entfalten, mischen sich Er­
vom Schluchtrand geworfen haben. „Klei­ aber vom illegalen Cannabis-Anbau. lebnisse und Begegnungen zu einem gro­
ne Biester!“, schimpft Hansjörg. Diesmal Während unserer Tour sind wir an Hän­ ßen Ganzen: die Reise über das Meer
betrachten sie uns aber nur aus der Ferne. gen voller Hanf vorbeigekommen. Und mit Hansjörg, die holprigen Fahrten mit
Die Kannar-Schlucht ist so tief, dass auch im nahegelegenen Dorf wird gerade Najib, die Tage im Gebirge mit Moham­
uns an diesem Tag kein Sonnenstrahl geerntet. Die Arbeit ist schwer und wenig med und die üchtigen Gespräche bei
berührt – warmer Wind vom Meer sorgt lukrativ für die Bauern. Reich werden an­ Minztee mit den Menschen am Weg. Der
aber für angenehme Temperaturen. dere. Viele junge Männer wollen auswan­ Hunger ist gestillt – der Appetit bleibt. >

144 BERGWELTEN
GROSSE VIELFALT
Staubige Hänge mit
schmalen Pfaden links und
gleich gegenüber schroffe,
dicht bewachsene Felsen –
das Rifgebirge wartet mit
vielfältiger Vegetation auf.
Unten: Najib vor der Hütte,
in der gleich Hühnchen-
Tajine serviert wird (rechts).

BERGWELTEN 145
Unterwegs im Rifgebirge
Wie m a n hin ko m mt , wo m a n wa n d e r t un d wa s m a n e sse n sollte

AN KOM M E N

Wenn man nicht mit dem Segelboot an-


reist, bietet sich ein Flug nach Tanger an.
Nach Chefchaouen kommt man entweder
mit dem Bus oder einem Grand Taxi, das
zwischen Städten verkehrt und in das maxi-
mal sechs Personen passen. Innerhalb der
Städte nutzt man die Petits Taxis, in denen
nur drei Passagiere Platz finden. Für beide
Taxiarten gilt: vorher Preis verhandeln.

ESSEN UND SCHLAFEN

Stadthotels
Sogenannte Riads, wie sich nur Hotels in
den Altstädten nennen dürfen, findet man
in Chefchaouen und Tétouan zuhauf. Sie
bewegen sich in allen Preisklassen. Wirklich
schön ist etwa das Hotel El Reducto in
Tétouan, auf dessen Dachterrasse man der
Sonne beim Untergehen zusehen kann. Routenbesprechung an Deck: Während der Überfahrt von Marbella
Hotel El Reducto nach Marokko passiert man die Meerenge von Gibraltar.
elreducto.com
Tel.: +212/539/96 81 20

Berghütten Marokko auf dem Teller


Die einfachen Unterkünfte für Wanderer Was man unbedingt probieren sollte: Tajine Der besondere Tipp:
im Rifgebirge werden Gîtes, übersetzt Her- in allen möglichen Varianten, Marokkani- Sailorama
bergen, genannt. Die Gîte d’Étape Oued schen Salat, Bissara (eine dickflüssige
Kannar blickt direkt auf den Ausgang der ­Bohnensuppe) und Mahalabia (einen Milch-
gleich­namigen Schlucht. pudding mit Orangenblütenwasser und
Gîte d’Étape Oued Kannar ­gehackten Nüssen).
Tel.: +212/660/97 05 65

WA N D E R N

Zur Brücke Gottes


Vorbei an bunten Stühlen und Tischen, an
die Minztee serviert wird, geht es immer
weiter in die Akchour-Schlucht hinein bis
zur „Brücke Gottes“, einer natürlichen Fels-
brücke über die Schlucht.
Dauer: 2 h Länge: 4 km (hin und retour)
Höhendifferenz: 240 m Hansjörg Winkler organisiert
ganz unterschiedliche Segelreisen,
Nationalpark-Trekking etwa von Spanien nach Marokko.
Möchte man den Talassemtane-National- Dort angekommen vertraut er auf
park in einer mehrtägigen Trekking-Tour die Expertise von Einheimischen,
durchqueren, sollte man sich jedenfalls mit denen er Wandertouren plant
­einen Guide nehmen (am besten lässt man und umsetzt. So kann man einem
sich in der Unterkunft einen Tipp dies­ fremden Land schon ziemlich
bezüglich geben). Die Tour von West nach nahekommen. Wer möchte, kann
Ost verläuft durch unwegsames Terrain, das Gesamtpaket entweder mit
meist ohne Pfade und teilweise direkt im anspruchsvoller Tour (wie in
Wasser. Ausrüstung zum Übernachten und unserer Geschichte) oder in einer
Ver­pflegung müssen getragen werden. einfacheren Variante buchen.
Die Brücke Gottes am Ende sailorama-segelreisen.at
der Akchour-Schlucht. bergwelten.com/marokko:
weitere Infos und Touren

146 BERGWELTEN
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Der kletternde Psychiater
Mit der Logotherapie hat Viktor Frankl der Welt eine Gebrauchsanweisung
für die Suche nach Sinn und Glück hinterlassen.
Beides hat der berühmte Wiener Seelenarzt in den Bergen gefunden.
Text: Klaus Haselböck

Drei Dinge haben Viktor Frankl weitem nicht das trendige Image von heu­ start. Beim Abseilen an der Mizzi-­Langer-
besonders fasziniert: „Das Spannendste“, te. Es galt als verwegene, ja gefährliche Wand, einem Steinbruch im Süden Wiens,
schrieb der 1905 geborene Arzt, Therapeut Tätig­keit. Die Ausrüstung war – verglichen spürte er starke Beklemmung: Er hatte Hö­
und Wissenschaftler von Weltruf, „sind mit gegenwärtigen Standards – nur sehr henangst. Statt aber enttäuscht in die Stu­
für mich das Roulettespiel, eine Hirn­ ­rudimentär, die Absicherung in Form von dierstube zurückzukehren und sich ganz
operation und eine Erstbegehung.“ Den seiner zukünftigen Ausbildung als Medi­
Casinobesuch wird er in den 92 Jahren ziner zu widmen, suchte und fand er beim
seines Lebens wohl geschafft haben, und Klettern die Antwort auf die Nestroy’sche
in den Wirren des Zweiten Weltkriegs wag­ Frankls Einstieg Frage: „Jetzt bin ich wirklich neugierig, wer
te sich der Wiener als Autodidakt sogar an stärker ist: ich oder ich?“
am Fels war ein
Hirnoperationen heran. Die Suche nach „Trotzmacht des Geistes“ nannte der
Neuland, im Geiste und beim Klettern, be­ klassischer Fehlstart: Wiener Arzt später diese Freiheit, unsere
gleitete Frankl hingegen permanent. Er hatte Höhenangst. innere Einstellung zu äußeren Bedingun­
Vor allem über den Fels bekam er zeit­ gen jederzeit bewusst wählen zu können.
lose Impulse, was Sinn und Glück für den Bei Touren an der Mizzi-Langer-Wand oder
eigenen Weg bedeuten können. Und gros­ in den nahen Bergen ermächtigte er sich,
se Themen seines Lebens und Werks sind geschlagenen Haken mehr als bescheiden über seine Barrieren hinauszuwachsen. Da­
verblüffend eng mit Wänden, Graten und und eine Rettungskette bei Unfällen prak­ rauf fußt die Maxime der von ihm begrün­
Gipfeln in den Alpen verbunden. tisch nicht vorhanden. Genauso wie Ver­ deten Logotherapie: Der Sinn im Leben ist
„Dem Klettern ab dem Jahr 1924 ver­ kehrsmittel: Um zum Peilstein zu gelangen, zwar nicht immer auf Anhieb sichtbar, aber
fallen“, hielt Frankl in seinen Memoiren nahmen die Wiener Kletterer mehrstündi­ doch in jeder Situation verborgen. Ist er
fest. Damals stand der 19-Jährige erstmals ge Nachtmärsche auf sich. einmal gefunden, stellt sich das Glück als
am Fuß des Peilsteins, der mit seinen wei­ Der Geistesmensch Frankl hatte eine erwünschte Nebenwirkung ein.
ßen Kalkspitzen wie ein Felsgebiss aus den schwache Physis. Für ihn war es die Kon­ „Ich bin mir dessen bewusst, dass ich als
Wäldern im Südwesten Wiens ragt. frontation mit seinen eigenen Grenzen, die junger Mensch in den Reifejahren sehr mit
Geklettert wurde im Wiener Raum ihn bereits in jungen Jahren am Klettern dem Gefühl zu ringen hatte, dass letzten
schon in den 1870er- und 1880er-Jahren, faszinieren sollte. Dabei war seine Initia­ Endes doch vielleicht alles gänzlich sinn­
aber Bergsteigen an sich hatte damals bei tion am Fels eigentlich ein klassischer Fehl­ los sei“, so Frankl. „Und dieses Ringen hat

148 BERGWELTEN
FOTO: VIKTOR FRANKL ARCHIV/ IMAGNO/ PICTUREDESK.COM

FRANKLS LEBENSBERG
Unter all den Routen, die
Viktor Frankl geklettert war,
hatte er zur Preinerwand an
der Rax und hier vor allem
zum Drei-Enzian-Steig ein
ganz besonderes Verhältnis.
Das Bild zeigt ihn im Jahr 1955
am Fels seines Lebensbergs.

BERGWELTEN 149
SEILSCHAFT
Rudolf Reif (links), eine Wiener Kletterkoryphäe, vermittelte Viktor Frankl
die Grundlagen des Bergsteigens. Mit ihm unternahm er vor allem
in den Wiener Hausbergen – wie hier 1950 auf der Rax – viele Touren.

dann schließlich zu einem Sich-Durchrin- ein anderer Mensch. Dort war er glück- im Rahmen seiner Bergführer-Ausbildung

FOTOS: VIKTOR FRANKL ARCHIV/ IMAGNO/ PICTUREDESK.COM (2); BUCHCOVER: BERGWELTEN VERLAG
gen geführt. Und ich habe gegen den eige- lich“, erzählt seine Witwe Elly Frankl. mit seinem alpinen Mentor, der Kletter-
nen Nihilismus ein Gegengift entwickelt.“ Von all den Routen der Rax hatte es Koryphäe Rudolf Reif, die Südwand durch­
Vor allem die Rax, die ab den späten ihm der „Drei-Enzian-Steig“ besonders an- stieg. Waren sie doch just auf der Route
1920er-Jahren von Wien aus per Eisen- getan. Fast schon als Ritual durchstieg von Eduard Pichl unterwegs, der zuvor
bahn, Postbus und Gondel ganz bequem Frankl die unscheinbare, 150 Meter lange ­jüdische Mitglieder wie Frankl und Reif
zu erreichen war, wurde sein Lebensberg. Linie in der vorderen Preinerwand; genau aus dem Alpenverein gedrängt hatte.
Wenn er dort kletterte, bescherte ihm das wie Zen-Mönche, die im Klosteralltag ein- Dafür durfte er mit seinem besten
Momente, in denen er ganz er selbst sein fache Aufgaben mit einem klaren Be- Freund, dem Wiener Hubert Gsur, er­
konnte, weit weg von allen Pichten, und wusstsein und hoher Achtsamkeit wieder- leben, was die Verbundenheit einer Seil-
völlig im Tun – im nächsten Griff, im holen und sich so Impulse für ein tieferes schaft gerade in schweren Zeiten bedeutet:
nächsten Tritt der Wand – aufging. Dieser Verständnis unserer Existenz holen. Gsur riskierte sein Leben, als er 1941, also
Zustand des Flows, den er „Selbsttranszen- Viktor Frankl: „In den Bergen bekom- während des Krieges, Frankl in Wehr-
denz“ nannte, nährte seine Seele, ließ ihn men die Gedanken ihren freien Lauf, und machtsuniform zu einer Tour auf den
den Grundton seiner Existenz nden und es gibt eigentlich keine größere, wesent­ Kanzelgrat der Hohen Wand mitnahm.
stärkte ihn als Psychiater und Neurologe in liche Entscheidung in meinem Leben, be- Und trotz all der persönlichen Schick-
seinem liebevollen Dienst am Menschen. ruflicher und privater Natur, die ich nicht salsschläge setzte Viktor Frankl in den Jah-
Durch das Wissen um einen Sinn, den dort oben getroffen hätte.“ ren nach der NS-Zeit stets auf Versöhnung.
das Leben unter allen Umständen behält, Als Therapeut und Humanist war es ihm
konnte Viktor Frankl den Holocaust in Panorama des Menschseins ein Bedürfnis, auf die Potenziale und nicht
vier Konzentrationslagern überstehen und Das Klettern gab dem Wiener Arzt nicht auf die Dezite von Menschen zu schauen.
mannigfaltiges Leid ertragen, verlor er nur Halt, es zeigte ihm das ganze Panorama Er stellte sich gegen pauschale Verurteilun-
dort doch fast seine ganze Familie. des Menschseins: Am Dachstein muss er gen, konnte und wollte nicht hassen.
„Ohne das Klettern wäre Viktor nicht im Jahr 1937 aber mit sehr ambivalenten Klettern sollte Frankl, bis er 80 Jahre
am Leben geblieben. In den Bergen war er Gefühlen konfrontiert gewesen sein, als er war. Er stand am Totenkirchl im Wilden

150 BERGWELTEN
Wenn du dir deine
Pause verdient hast.
Werde
Tyroler!

FAMILIENMENSCH
Viktor Frankl gemeinsam mit seiner Tochter
Gabriele (links) und seiner Frau Elly um 1960
bei einem Kletterausflug in den Dolomiten.

Kaiser und auf der Großen Zinne in den


Dolomiten. Internationale Vorträge hielt
der unermüdliche Forscher der mensch­
lichen Seele am liebsten dort, wo reizvolle
Tourenziele nahe waren – in den USA
das Yosemite Valley oder der Tafelberg in
Südafrika. Im hohen Alter machte er noch
den Flugschein; auch, um sich einmal
ischer
mehr den eigenen Ängsten zu stellen. Mit prakt
fe!
Der große Österreicher, der 1997 starb, Aufreißhil
bekam als Wissenschaftler weltweite An­
erkennung durch 29 Ehrendoktorate. Min­
destens ebenso viel hat ihm bedeutet, dass
es am Peilstein eine „Prof.-Viktor-Frankl-
Kante“ gibt und zwei Touren auf der Rax
nach ihm benannt sind. Also genau dort,
wo er beim Klettern den Sinn fand.

Ob als Snack zur verdienten Pause bei einer Skitour,


Buchtipp:
als Jause im Büro oder einfach so: Die Tyrolini sind
Eine Spurensuche zur
Biografie, den Routen die ideale Stärkung für den kleinen Hunger zwischen­
und den Gedanken des durch – zum Teilen oder auch ganz für dich allein.
berühmten Seelenarztes.
Michael Holzer und Klaus Ihre HANDL TYROL Speckmeister
Haselböck: „Berg und Sinn“,
Bergwelten Verlag, ¤ 20

Offizieller Partner des Alpenvereins


zur Erhaltung der Wege und Hütten
MESSNERS PHILOSOPHIKUM

Nach Norden
Umberto Cagni gelang im Jahr 1900 mit seinen Männern der damals
weiteste Vorstoß in die Arktis. Ihr wichtigster Begleiter: der Nansen-Schlitten.

Die Expedition des Herzogs der Abruzzen verwendete


schmale, aus Holz gebaute Schlitten von Fridtjof Nansen.
Einer davon steht heute im MMM Ortles in Sulden am Ortler.

1899 reist mit der „Stella Polare“ Schon nach zwei Tagen ist Cagni zu- sind schmal, aus Holz gebaut, alle Teile
eine italienische Expedition nach Franz- rück: Die arktische Nacht, die polare Kälte werden mit Lederriemen festgezurrt.
Josef-Land in der Arktis. Das Unterneh- und der Wind auf dem Packeis sind mör- Am 23. März fahren drei Männer zu-
men – von Fridtjof Nansen beraten, mus- derisch. Am 11. März beginnt Cagni dann rück. Auf der Rudolf-­ Insel kommen sie

FOTO: ELIAS HOLZKNECHT; ILLUSTRATION: ROLAND VORLAUFER


terhaft ausgerüstet und vom ehemaligen seinen zweiten Vorstoß in Richtung Nord- aber nicht an. Am 31. März beginnt die
Robbenfänger „Jason“ begleitet – wird von Hilfsabteilung der Expedition mit dem
Luigi Amedeo von Savoyen, Herzog der Rückmarsch. Als sie die Teplitz-Bucht er-
Abruzzen, angeführt. Werden die kreati- Die Italiener legen reichen, bringen sie die Botschaft mit, dass
ven Südländer genug Potenzial zum Über- in 104 Tagen fast die ­erste Mannschaft umgekommen sei.
leben im Norden haben? Ob Cagni auf seinem Weg zum Nord-
Das Schiff ankert in der Teplitz-Bucht,
1.400 Kilometer pol noch lebt? Cagni geht weiter, gerade-
es leidet unter Eispressungen – der Polar- im Packeis zurück. aus nach Norden, mit sechs Schlitten und
winter ist hart. Am 21. Februar 1900 49 Hunden. Er kommt weiter als je ein an-
bricht die Hundeschlitten-Expedition mit derer Mensch vor ihm. Bei 86 Grad, 35
Nansen-Schlitten und befehligt von Um- pol, gemeinsam mit neun Mann und Minuten nördlicher Breite ist es zu viel.
berto Cagni von der Rudolf-Insel in Rich- 104 Hunden. Der Pol, nichts als der Pol Man beschließt die Umkehr. Man muss ja
tung Nordpol auf. Der Herzog selbst, dem ist das Ziel der Expedition des Herzogs die ganze Strecke zurück.
die Spitzen zweier erfrorener Finger am- der Abruzzen. Die Gespanne sind unter- Beim Rückmarsch treibt die Drift die
putiert worden sind, muss zurückbleiben. wegs, alle 13 Schlitten funktionieren. Sie Expedition nach Westen ab – kein Land

152 BERGWELTEN
zu sehen, nur blauer Dunst. Mit äußerster Der bergerfahrene Herzog der Abruz-
Mühe können die Italiener zuerst die zen war zwar nicht zufrieden mit dem
Harley-­Insel erreichen. Mit nur noch zwei Marsch nach Norden, aber geheilt vom
Schlitten und sechs Hunden schleppen sie Kurs in Richtung Tod. Nun wandte er
sich zuletzt in einem großen Umweg zum sich einem anderen Pol zu: den höchsten
Ausgangspunkt zurück, wo sie als Helden Bergen der Welt. Seine Leute, zum Teil
empfangen werden. ausgezeichnete Bergführer, kamen mit
Die neuen Helden des Nordens sind dem Rucksack weiter als mit Schlitten.
Italiener: In 104 Tagen haben Cagni, sei- Warum sollten sie auf dem Festland, wo
ne Männer und Hunde fast 1.400 Kilo­ diese Bergmenschen zu Hause waren,
meter im arktischen Packeis zurückgelegt. nicht bis zum Gipfel kommen? REINHOLD MESSNER,
Trotzdem – sie waren am Ende vom Pol Einer der Schlitten der Cagni-Mann- geb. 1944 in Brixen, stand
als erster Mensch auf allen
noch eine Ewigkeit entfernt. schaft ist bis heute einsatzfähig geblieben.
14 Achttausendern der
Umsonst, alles umsonst also? Nein, Weder die Hunde noch das Packeis, noch Erde. Er ist erfolgreicher
das Abenteuer bleibt; denn die Schlitten die Zeit haben ihn aufgerieben – er steht Buchautor und baute das
Messner Mountain Museum
haben sich bewährt, und andere sollten im MMM Ortles in Sulden am Ortler, wo an mittlerweile sechs
davon protieren. ich über das Eis erzähle. Standorten in Südtirol auf.

BACKLAND
BOOT BACKLAND CARBON
Après-Berg Zum Runterkommen: Gipfelgefühle für daheim

ZUTATEN
750 g Rindfleisch, in Stücke
geschnitten
4 große Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
250 g Tomatensauce
3 Karotten
2 EL Tomatenmark
2 EL Senf
0,5 l Bier
3 EL Paprikapulver
Chilipulver
Salz, Pfeffer

ZUBEREITUNG
1. Die Zwiebeln grob
würfeln und mit dem
zerdrückten Knoblauch
deftig anbraten.

2. Anschließend die Rind­


fleischstücke dazugeben
und ebenfalls deftig
anbraten.

Für die besondere


Wärme des Alm­
gulaschs sorgt
eine Prise Chili.

Rezept: Tutzinger Hütte, Bayern


PIKANTES ALMGULASCH
Die Tutzinger Hütte in den Bayerischen Vor­ Tutzinger Hütte kehrt erst um Mitternacht
alpen hat sich der Regionalität verschrieben: ­Ruhe ein. „Die Regelung stammt noch vom
3. Die Karotten in grobe
Wo möglich, stammen alle verwendeten Pro­ Vorpächter“, erklärt Sabine Jauernig. Im Win­
Stücke schneiden und
dukte aus einem Umkreis von 50 Kilometern. ter hat die Hütte übrigens nur über die Weih­ ­dazugeben. Anschließend
Das Fleisch für das Almgulasch beziehen die nachtsfeiertage geöffnet. Zu Silvester gibt es mit Bier und der Tomaten­
sauce aufgießen und 1 bis
FOTOS: GUNDA DITTRICH

Hüttenwirte Thomas und Sabine Jauernig etwa ein mehrgängiges Menü, und die Hüttenruhe
1,5 Stunden köcheln lassen.
von der Metzgerei Reßl in Benediktbeuern. wird dann noch ein wenig großzügiger inter­
Für eine Almhütte sehr ungewöhnlich: Auf der pretiert als sonst. 4. Zum anschließenden
Würzen das Tomatenmark,
Paprikapulver, Chili, Senf,
Salz und Pfeffer hinzu­
bergwelten.com/rezepte: Hüttenrezepte zum Nachkochen geben und abschmecken.

154 BERGWELTEN
ehr
Noch mipps:
rt
Büche / om
elten .c
bergw echer
bu

Bücher zum Verschenken


LISTEN ÜBER LISTEN
Kurz vor Weihnachten schon einmal „Geschenke
für …“ ins Suchfeld getippt? Das Ergebnis sind Listen
mit Empfehlungen für Eltern, Dreijährige, die beste
Freundin usw. Wir ergänzen um „berg­begeisterte Ein Streifzug durch Natur und Sprache“ (Duden).
Bücherliebhaber“. Ist die zu beschenkende Person Die kurzen Texte zu Wörtern wie Flanieren, Rast
ein visueller Mensch, wird ihr „Alpen. Die Kunst und Wanderlust eignen sich auch gut zum Vor­
der Panoramakarte“ (Prestel Verlag) Freude lesen. Träumer begeistern sich sicher für „Alles
bereiten. 90 gemalte Ansichten von Berg­massiven ist möglich. Lauf auf den Everest“ (Bergwelten
liefern Stoff für stundenlanges Schmökern. Wird ­Verlag), in dem Bergläufer Kilian Jornet vom Leben
jemand beschenkt, der gerne kocht? Da legen wir im Zeichen des Leistungssports erzählt. „Das große
„kochen.“ (Brandstätter Verlag) unseres Kolum­ Buch vom Wandern“ (Braumüller Verlag) von
FOTO: RBMH

nisten Stevan Paul ans Herz. Sprachenthusiasten Christian Hlade ist ein gutes Geschenk für alle,
bekommen Florian Werners „Auf Wanderschaft. die Tipps für ihre nächsten Touren suchen.

BERGWELTEN 155
Bewegte Bilder
Einschalten, staunen, Atem anhalten: das TV-Programm
von „Bergwelten“ im Dezember und Jänner.

Matthias Haunholder
(links) und Matthias
Mayr auf „Expedition
Nord“.

Montag, 2. Dezember Montag, 16. Dezember Montag, 30. Dezember Montag, 27. Jänner


20.15 Uhr 20.15 Uhr 20.15 Uhr 20.15 Uhr
EISIGES LABYRINTH ZEPPELIN-SKIING 1978 AM EVEREST EXPEDITION NORD

Klettern in den größten Mit dem Luftschiff in die 3. Mai 1978: ein historischer Matthias „Hauni“ Haun-
Eishöhlen der Welt: Rudi Berge: Drei Freerider wol- Tag für den österreichi- holder und Matthias Mayr
Hauser und Georg Santer len sich über unzugäng­ schen Alpinismus. Der erste wollen in den nördlichsten
unterstützen den Höhlen- lichen, noch nie befahrenen Österreicher steht auf dem Berghängen des Planeten
FOTO: JOHANNES AITZETMÜLLER

verwalter Alois Rettenba- Steilwänden absetzen Gipfel des Mount Everest. Ski fahren. Allein dorthin zu
cher bei einem Forschungs- lassen. Nach zwei Jahren Es ist Robert Schauer – gelangen ist ein Abenteuer:
einsatz mit ihrem Können Vorbereitung öffnen sie gemeinsam mit ihm zwei Der Norden von Ellesmere
als Kletterer. Das weckt im Vorarlberger Brandner- Landsleute, Expeditions- Island ist nicht nur einer der
eine Leidenschaft: Sie stei- tal die Luken und werfen leiter Wolfgang Nairz und abgelegensten Orte der
gen in weitere Höhlen und das 50 Meter lange Seil in Horst Bergmann. Nach Erde, sondern auch einer
versuchen, die schwierigste die Tiefe. Wird ihr luftiges ­Jahren der Vorbereitung der unwirtlichsten. Zudem
Kletter-Mixed-Line unter Abenteuer mit einer fantas- haben sie es geschafft. Wir ist die Insel Heimat von Eis-
Tage erstzubegehen. tischen Abfahrt belohnt? erzählen ihre Geschichte. bären und Polarwölfen.

156 BERGWELTEN
TREKKING-STOCK
STATT
SELFIE-STICK.

BLEIBT ECHT.
Bergwelten Online
Wo geht es weiter, wenn Sie auf den letzten Seiten angekommen sind? Auf bergwelten.com –
dort gibt es täglich neue Geschichten, Touren und Tipps. Die Empfehlungen aus der Online-Redaktion.

Winterzelten unter
Polarlichtern Fotogalerie
im schwedischen
Naturreservat VORFREUDE
Sjaunja. AUF SCHNEE
Mancherorts ist bereits
der erste Schnee ge­fallen
– die Skisaison steht vor
der Tür. Wer sich die
Warte­zeit versüßen las­
sen möchte, klickt sich
durch unsere Fotogalerie:
die schönsten Winter­
fotos aus den Alpen.
bergwelten.com/
winterfotos

Essen & Trinken


GEWÜRZE,
DIE WÄRMEN
Nicht an allen Winter­
tagen glitzert der Schnee
in der Sonne, manche
sind kalt, nass und un­
bequem. Genau für solche
Zeiten empfehlen wir fünf
Kräuter und Gewürze, die
uns einheizen: von Ingwer
über Kurkuma bis Zimt.
bergwelten.com/
wintergewuerze

Winterhütten
EINFACH
Outdoor-Tipps
ERREICHBAR
ZELTEN TROTZ KÄLTE Stundenlang durch Tief­
„Die Heringe schnee stapfen? Nein,
Wer sagt eigentlich, dass die Zeltsaison nach dem müssen eine einige Winterhütten sind
Sommer vorbei ist? Für alle Campingbegeisterten
gibt der schwedische Outdoor-Experte Johan Skull- Viertelstunde viel einfacher zu erreichen
und geben Anlass zu
man neun Tipps, wie man auch im Winter eine lang festfrieren, einem Spaziergang auf
­sichere Nacht im Freien erleben kann: angefangen bevor man die schönen Wegen oder zu
einer Rodelpartie. Sieben
bei der Wahl des richtigen Zelts über das Aussuchen
Zeltleinen solcher Hütten in Öster­
FOTO: ACTION PRESS

der Stelle und die stabile Verankerung bis hin zur


Isomatte. Außerdem beleuchtet er Themen, an die abspannt.“ reich, Deutschland, der
Schweiz und Südtirol
man nicht sofort denkt – zum Beispiel, wie man Outdoor-Experte stellen wir online vor.
­einen Windschutz aus Schnee baut. Johan Skullman
bergwelten.com/
bergwelten.com/zelten-im-winter winterhuetten

158 BERGWELTEN
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ABWÄRTS MIT NACHFÖRG

Den Blick stets zum Gipfel gerichtet,


stolpert unser Autor oft schon auf dem Weg dorthin. Diesmal …

… fährt man mit ihm Schlitten

Die Rodel ist das gefährlichste Sport­ dafür aber sehr lässig mit breakdance­ Wiesenende im Auslauf wartend, empfahl
gerät, das es gibt. Wer sagt das? Ich! artigen Moves den Hang hinunter. ich eine Kurve, um die Geschwindigkeit
Stimmt ja auch: Schlüpfst du in Schlitt­ Es war nicht das letzte Mal, dass ich zu drosseln, was sich lauthals gebrüllt in et­
schuhe, bist du bereits am Weg zum Eis mir beim Rodeln blaue Flecken holte. Ja, wa so anhörte: „LENK! – LEEENKEEEN!
extrem vorsichtig. Schnallst du dir Lang­ ich musste nicht einmal selbst rodeln, um – LEEEEENK JEEEETZT ENDLICH!“
laufski an, passt du auf wie ein Haftel­ mir kräftige Blessuren einzuhandeln. Es Und dann warf ich mich auch schon vor
macher, dass es dich nicht schon im Ste­ reichte, mit meinem Sohn unterwegs zu die pfeilgerade auf einen Baum zuiegende
hen mörderisch zerlegt. Aber mit einer sein. Vier Jahre war er alt, als das Christ­ Rakete. Mit dumpfem Wubb und unter be­
Rodel wo runter­rutschen? Da gibt’s null kind einen Bob mit Lenkrad brachte, den geistertem Kinderlachen blieb sie in mir
Bedenken. Schließlich sitzt man ja, kann es natürlich sofort auszuprobieren galt. stecken. Mutti zog mit der Rodel dann Va­
ergo nicht tief fallen. Und überhaupt: Was ti nach Hause, der schlaff wie ein gebrauch­
kann schon passieren? ter Airbag über dem Lenkrad hing.
Viel! Mutti zog mit Die härteste Schlittenfahrt hat aber
Ich erinnere mich zum Beispiel an einen der Rodel dann Vati vermutlich der alte Edi, unser Tankwart
sehr fröhlichen Silvesterabend auf einer im Dorf, hinter sich. Der ist nämlich in
Hütte, der im wörtlichen Sinn mit einem nach Hause, seiner Jugend von einer Skisprungschanze
guten Rutsch ausklingen sollte. Vier junge der schlaff wie gerodelt. Kein Witz. Gut, es war nicht die
Männer stellten daher frühmorgens einen ein gebrauchter Berg­iselschanze, sondern „nur“ die Holz­
Schlitten in Fahrtrichtung Tal auf, und konstruktion, die damals von den örtli­

ILLUSTRATION: ROLAND VORLAUFER; BUCHCOVER: SERVUS VERLAG


als sie es endlich geschafft hatten, Platz zu
Airbag über chen Sportskanonen zum Üben genutzt
nehmen, und einander fest umklammer­ dem Lenkrad hing. wurde. Den Edi hat das Abenteuer trotz­
ten, da … steckten sie fest. Hoher Schnee dem ein paar Zähne gekostet, und die
zementierte die Rodel ein, selbst hart­ Rodel hat er auch verheizen können. So­
näckiges Geruckel half nicht, den Karren Die Wiese war abschüssig, aber nicht viel ich weiß, ist er später boxen gegangen.
ottzukriegen. Also wurde er auf das Pla­ sonderlich lang; verblüffend, wie zügig da Rodeln war ihm zu gefährlich, wie ich
teau einer steil abfallenden Piste übersie­ so ein Plastikschlitten Fahrt aufnehmen ja eingangs schon erwähnte.
delt und promäßig in Schwung gebracht. kann. In der Mitte der Böschung schätzte
Als ginge es darum, die Viererbob-WM ich die Geschwindigkeit auf 80 km/h, „Kannst dich noch er­
zu gewinnen, schoben wir, zwei links, zwei höchste Zeit also, panisch zu werden. Im innern?“, fragt HARALD
NACHFÖRG und nimmt
rechts laufend, den Schlitten in Richtung Gegensatz zur Mutter, die dem Junior uns in seinem Buch mit
Kante, von wo das Ding auch ziemlich be­ schon sehr bald hysterisch „BREMSEN! auf eine vergnügliche Zeit­
eindruckend in den Himmel schoss. Aller­ BREMSEN!“ hinterherrief, versuchte ich reise in die 1960er-, 1970er-
und 1980er-Jahre. Um
dings ohne uns. Wir hatten es leider nicht erst einmal, durch fahrtechnische Maß­ 16 Euro im Buchhandel und
geschafft, rechtzeitig aufzusitzen, kugelten nahmen die Situation zu entschärfen. Am auf ­servusmarktplatz.com

160 BERGWELTEN
Nicht leiwand.

Objektiv, unterhaltsam, praktisch.


Mehr leiwanden Boulevard gibt’s
auch als App und auf heute.at
bringt’s leiwand auf den
IMPRESSUM

Ausblick
Chefredakteur Markus Honsig
Chefredaktion Klaus Haselböck (Bergwelten
Specials), Mesi Tötschinger (Digital Brand Manager
bergwelten.com)
Art Direction Esther Straganz
Head of Photo Isabella Russ
Chefin vom Dienst Mara Simperler
Das nächste Bergwelten-Magazin erscheint am 30. Jänner 2020. Redaktion Katharina Lehner
Redaktionsmanagement Martina Bozecsky
Erhältlich im Zeitschriftenhandel und auf bergwelten.com/abo Autoren und Kolumnisten Anke Eberhardt,
Reinhold Messner, Harald Nachförg, Stevan Paul,
David Pfeifer
Freie Mitarbeiter dieser Ausgabe
Karin Boba, Marlies Czerny, Sissi Pärsch, Simon
Schöpf, Christina Schwann, Gerald Valentin, Thomas
Wanner, Wolfgang Wieser
Beirat Robert Renzler (ÖAV), Hans-Peter Stauber
Grafik Alessia Celentano, Tino Liebmann
Fotoredaktion Elisabeth Prattes (Ltg.), Matti Wulfes
bergwelten.com Marco Bogner, Martin Foszczynski,
Robert Maruna, Max Moser (Portalmanagement),
Katrin Rath
Herstellung Veronika Felder
Produktion Martin Brandhofer, Markus Neubauer,
Lena Uhlmann
Lektorat Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert,
Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-Walek,
Belinda Mautner, Klaus Peham, Vera Pink
Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis,
Nenad Isailovic, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher
Executive Creative Director Markus Kietreiber
Head of Digital TV & Publishing Christof Hinterplattner

Head of Commercial & Publishing Management


Stefan Ebner
Publishing Management Michael Linauer (Ltg.),
Corina Belohaubek, Simon Weichselbaumer
Sales Operations & Development Stefanie Boruta
(Ltg.), Anna Schönauer
Sales Management Bergwelten Franz Fellner,
Britta Pucher
Anzeigenverkauf Österreich Thomas Hutterer,
Stefanie Krallinger, Christopher Miesbauer, Alfred
Minassian, Nicole Okasek-Lang, Jennifer Sabejew,
Johannes Wahrmann-Schär; Kristina Krizmanic (Team
Assistant); Manuela Brandstätter, Monika Spitaler
(Anzeigen-Service)
Co-Publishing Susanne Degn-Pfleger (Ltg.), Elisabeth
Staber (Ltg.), Mathias Blaha, Vanessa Elwitschger,
Raffael Fritz, Marlene Hinterleitner, Valentina Pierer,
Mariella Reithoffer, Verena Schörkhuber, Sara Wonka,
Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart
B2B-Marketing & Kommunikation Katrin Sigl (Ltg.),
Agnes Hager, Teresa Kronreif
Commercial Design Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch,
Simone Fischer, Martina Maier, Florian Solly
Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus Pleninger,
Nicole Glaser (Vertrieb), Victoria Schwärzler,
Yoldas Yarar (Abo)
Finanzen Siegmar Hofstetter, Simone Kratochwill
REISE-SPECIAL Eine bildgewaltige Tour in das Operations Michael Thaler, Christoph Kocsisek
(MIT); Alexander Peham, Yvonne Tremmel (Office
Ruwenzori-Gebirge in Uganda. Außerdem nehmen wir Sie Management)
in der nächsten Ausgabe mit auf eine Familienreise nach Nepal, Assistant to General Management Patricia Höreth

wandern hoch hinaus in Peru und ganz entspannt auf Ibiza. Herausgeber und Geschäftsführer
Andreas Kornhofer
Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz:
Informationen zum Medieninhaber sind ständig und
unmittelbar unter folgender Webadresse auffindbar:
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FOTOS: JULIUS HIRTZBERGER, RAMONA WALDNER, PHILIPP HORAK


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Österreich und des Alpenvereins Südtirol ¤ 30
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Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz,
Gerrit Meier, Dietmar Otti, Christopher Reindl
HÜTTE Am Eisenstein in BERGPORTRÄT Wir erleben Ein Produkt aus dem
Niederösterreich führt Thomas den Winter in Alta Badia auf
Krösbacher eine Hütte wie früher: Skirouten, Freeride-Fahrten und
die Julius-Seitner-Hütte. Wanderungen um heilige Berge.

162 BERGWELTEN
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