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Schwanensee (russisch Лебединое Озеро, Lebedinoje osero), op.

20, ist eines der


berühmtesten Ballette zur Musik Pjotr Iljitsch Tschaikowskis. Es gehört zum
Standardrepertoire klassischer Ballettkompanien. Insbesondere das Allegro Moderato aus den
Schwanentänzen des 2. Akts ist in der Choreografie von Lew Iwanow Gegenstand unzähliger
Parodien und daher als Tanz der vier kleinen Schwäne weit über das ballettinteressierte
Publikum hinaus bekannt.

Das Libretto stammt von Wladimir Petrowitsch Begitschew und, möglicherweise, Wassili
Fjodorowitsch Geltzer und entsprach ganz der Vorstellung des Komponisten Tschaikowski.
Entgegen dieser verbreiteten Annahme erklärten einige Forscher, dass auch der Choreograf
Reisinger oder Tschaikowsky oder beide dieses verfasst haben könnten. Dieses Libretto
wurde dann von Geltzer und Begitschew aufbewahrt. Inzwischen wurde das Libretto jedoch
schon häufig umgeschrieben und verändert, so dass es verschiedene Versionen mit zum Teil
sehr unterschiedlichen Enden gibt. Die Sage von der verzauberten Schwanenprinzessin, die
nur durch wahre Liebe aus dem Bann des bösen Zauberers erlöst werden kann, ist bei vielen
Völkern bekannt.

In Schwanensee lassen sich häufige Motive zahlreicher Märchen nachweisen: Insbesondere


die unglücklich verzauberte Prinzessin, die durch die Liebe eines Prinzen erlöst wird. Auch
das unglückliche Ende des ursprünglichen Librettos ist ein bekanntes Märchenmotiv des
Schwanenmädchens oder auch Schwanenjungfrau. Dieses unterscheidet sich dahingehend von
anderen Formen des Märchentypus, dass in der ursprünglichen Fassung des Librettos Odette
als gute Fee verstanden wird.[1] Sie trägt eine Krone mit magischer Schutzfunktion, die sie
von ihrem Großvater bekam. Dieser ist der Seekönig. Ihre Mutter sei ebenfalls eine gute Fee
gewesen, ihr Vater ein edler Ritter. Damit teilt Odette das Schicksal Melusines. Allerdings, so
das Libretto, habe ihr Vater ihre Mutter zerstört und eine Zauberin geheiratet. Diese
Stiefmutter plagte Odette so lange, bis sie an den See floh, der aus den Tränen ihres
Großvaters entstanden war. Dort musste sie zum Schutz Schwanengestalt annehmen, denn die
Stiefmutter verfolgt sie als Eule. Diese Eule schickt auch einen Dämon in Gestalt eines
Ritters, von Rotbart, zusammen mit dessen Tochter Odile, die Odette exakt gleicht. Am Ende
ergreift die Eule Odettes Krone und tötet damit diese. Odette und Siegfried versinken in den
Wellen des Sees.[2] Diese komplizierte Handlung, die im Libretto mittels wörtlichen Reden
vermittelt wird, wurde schließlich stark verändert. Odettes Familientragödie wurde gestrichen,
der auf der Bühne erscheinende Rotbart übernahm die Rolle von Stiefmutter und Vater. Nur
wenige Kompanien, wie das Ballett der Semperoper bedienen sich Motiven des
ursprünglichen Librettos, ohne dass freilich je wieder eine exakte Rekonstruktion versucht
wurde. Im Folgenden wird das Libretto der uns heute geläufigen Ballettfassung dargestellt.