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Schlüssel unter Fußmatte

Wann die Versicherung bei fahrlässigen


Kunden fein raus ist
Wer den Schlüssel unter der Fußmatte versteckt, darf sich über Einbrecher nicht wundern –
und dass die Versicherung nicht zahlt

Aloysius Widmann

21. Dezember 2019, 12:00

Ob gegen Feuer, gegen Ableben oder Schäden im Haushalt: Wer sich versichert, ist zwar
immer noch vielen Risiken ausgesetzt. Ein Blitz fragt nicht nach der Versicherungspolizze des
Bauern, bevor er dessen Stadel in Brand setzt, und auch der Badewanne ist der
Versicherungsstatus des Badenden egal, wenn sie überläuft. Die Versicherung sorgt aber
dafür, dass der entstandene Schaden nicht zu groß wird.
Der Schlüssel unter der Fußmatte lädt Diebe förmlich ein. Ob Versicherungsansprüche
dadurch verfallen, hängt dann davon ab, ob Einbrecher die Einladung annehmen. Foto: Getty
Images

Was jedoch, wenn der Schaden größer ausfällt, als er ohnehin schon ist? Wer versichert ist,
sollte dennoch nicht fahrlässig handeln. Es gibt Fälle, in denen Versicherungsnehmer ihre
Ansprüche verlieren. Zum Beispiel diesen: Eine Klägerin hatte ihren Porsche und ihren BMW
mit Wechselkennzeichen bei einem Versicherer angemeldet. Als sie sich 2004 von ihrem
BMW trennte, informierte sie ihren Versicherer. Dieser merkte die Stornierung des Vertrags
vor und kündigte an, die Stornierung schriftlich zu bestätigen.

Zwölf Jahre weitergezahlt

Ob das Schreiben der Versicherungsgesellschaft je die Adressatin erreicht hat, steht in den
Sternen. Tatsache ist, dass die Klägerin ganze zwölf Jahre brauchte, um zu merken, dass die
Versicherungsprämie von 50 Euro weiterhin Monat für Monat von ihrem Konto abgebucht
wurde. Es ging um mehrere Tausend Euro, die die Klägerin bis 2016 ohne Gegenleistung und
den Versicherer überwies. Sie verlangte das ganze Geld zurück, staunte aber, als der
Versicherer bloß die Prämien der letzten drei Jahre zurücküberwies. Der Fall landete vor
Gericht. Vor dem Obersten Gerichtshof (OGH) verlor die Klägerin aber: Rechtsansprüche
verjährt.

Eva Palten, die an der Universität Wien Versicherungsrecht lehrt, hält den OGH-Entscheid für
nachvollziehbar und richtig. "Verjährung schafft Rechtssicherheit durch Rechtsverlust",
schreibt sie in einem Beitrag für die Versicherungsrundschau: "Sie schützt nicht nur
Schuldner vor späten Überraschungen. Sie wirkt auch general- und spezialpräventiv, indem
sie den Gläubiger zum Tätigwerden motiviert."

Versichert zu sein heißt nicht, dass man Narrenfreiheit genießt. Auch wenn die Zahlungen
unrechtmäßig weiterhin von ihrem Konto abgebucht wurden: Es sei in der Hand der Klägerin
gewesen, den Schaden zu vermeiden, so Palten. Und auch sei es bemerkenswert, dass der
Schaden über ganze zwölf Jahre hinweg unentdeckt blieb. Fazit: Wer fahrlässig handelt, steht
am Ende womöglich mit einer Versicherung für einen BMW da, ohne einen BMW zu fahren.

Schlüssel unterm Tankdeckel

Fahrlässigkeit kann aber nicht nur zur Verjährung von Ansprüchen führen. Sie kann auch
Schäden verursachen. So macht etwa der sprichwörtliche Schlüssel unter der Fußmatte oder
unter dem Blumentopf Einbrechern das Leben besonders leicht.

Auch hierzu ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit: Ein Lkw-Fahrer hat, wie bei seinem
Unternehmen üblich, sein Gefährt auf einem Kaufhausparkplatz abgestellt. Er hat – auch das
ist bei seinen Kollegen üblich – den Schlüssel unter dem Tankdeckel deponiert. Das
erleichtert zwar die Übergabe des Lkws an den nächsten Lenker. Nur blöd, dass auch Dieben
das Handwerk deutlich einfacher gemacht wird, wenn der Schlüssel schon vor Ort ist.

So kam es auch, das Fahrzeug verschwand. Der Fuhrparkbetreiber merkte dies erst, als man
das Fahrzeug vier Tage später wieder brauchte. Die Versicherung wollte nicht für den
Schaden aufkommen, obwohl der Fuhrpark vollkaskoversichert war. Das Unternehmen klagte
und verlor vor dem OGH – allerdings mit Teilerfolg.
Schlüsselsafe als Alternative

Der OGH ortete grobe Fahrlässigkeit aufseiten des Versicherungsnehmers. Das klagende
Unternehmen hatte jahrelang geduldet, dass Mitarbeiter die Schlüssel im Lkw verstecken. Ein
Schlüsselsafe hätte nur rund 30 Euro pro Fahrzeug gekostet. Allerdings konnte dem Kläger
nicht nachgewiesen werden, dass die Fahrlässigkeit auch zum Diebstahl geführt hat. Möglich,
dass der Dieb den Schlüssel unterm Tankdeckel erst bemerkt hat, als er den entwendeten
Boliden zum ersten Mal tanken wollte.

Inzwischen sei es marktüblich, grob fahrlässig herbeigeführte Schäden vertraglich in die


Deckung einzuschließen, so Professorin Palten. Allerdings gilt meist eine Höchstgrenze, die
der Schaden nicht überschreiten darf. (luis, 21.12.2019)