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Materie (Physik)

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Dieser Artikel behandelt die Materie in den Naturwissenschaften. Für andere
Bedeutungen siehe Materie und Materie (Philosophie).
Materie (von lateinisch materia, Stoff) ist in den Naturwissenschaften eine
Sammelbezeichnung für alles, woraus physikalische Körper aufgebaut sein können,
also chemische Stoffe bzw. Materialien, sowie deren Bausteine. Die Beschreibung der
Zusammensetzung, Struktur und Dynamik von Materie in ihren verschiedenen Formen ist
eine zentrale Zielsetzung der Physik.

In der klassischen Physik stehen der Materie die Begriffe Vakuum und Kraftfeld
gegenüber. Hierbei haben Vakuum und Kraftfeld keine Masse, sondern beschreiben
einen Zustand des leeren Raums. Unter Materie hingegen versteht man in der
klassischen Physik alles, was Raum einnimmt und eine Masse besitzt.

In der modernen Physik wurde der Materiebegriff insbesondere durch die


Relativitätstheorie und die Quantenphysik mehrfach erweitert und ist heute in
seiner Abgrenzung gegenüber den Begriffen Vakuum und Feld nicht mehr einheitlich
festgelegt. In den Lehrbüchern der Physik wird er überwiegend ohne eine genauere
Definition einfach vorausgesetzt.

In seiner engsten Bedeutung umfasst der Materiebegriff heute alle Elementarteilchen


mit Spin {\displaystyle {\tfrac {1}{2}}}\tfrac12, also Quarks und Leptonen, sowie
alle daraus aufgebauten Objekte wie Atome, Moleküle, feste, flüssige und gasförmige
Materie usw. bis hin zu Sternen und Galaxien.

Inhaltsverzeichnis
1 Die Entwicklung des physikalischen Materiebegriffs
1.1 Herausbildung
1.2 Klassischer und alltäglicher Materiebegriff
1.3 Grenzen des klassischen Materiebegriffs
1.4 Die Frage der Einheitlichkeit der Materie
2 Makroskopische Materie
3 Weitere Bezeichnungen für Formen der Materie
4 Vorkommen
5 Entstehung von Materie
6 Literatur
7 Weblinks
8 Einzelnachweise
Die Entwicklung des physikalischen Materiebegriffs
Herausbildung
Ein konkreter physikalischer Begriff der Materie festigte sich innerhalb des
äußerst vielschichtigen philosophischen Begriffs von Materie, als gegen 1600 die
experimentellen Naturwissenschaften entstanden.[1][2] In seiner allgemeinsten,
ontologischen Bedeutung bezeichnete der philosophische Begriff als Materie alles,
was im weitesten Sinn geformt werden kann und im Extremfall überhaupt erst einer
Formung bedarf, damit etwas Bestimmtes, das wir erkennen können, entstehen kann. In
der engeren Bedeutung bezeichnete er die stoffliche Materie, aus der die Körper
bestehen. Auf diese Materie konzentrierte sich die mit Galilei beginnende
Entwicklung der Physik. Zu den primären Eigenschaften der stofflichen Materie, also
den allgemeinsten Eigenschaften der materiellen Körper, wurden Ausdehnung,
Teilbarkeit, Fähigkeit zur Ruhe oder Bewegung und Widerstand gegenüber Bewegung
gezählt. Für die Gesamtmenge der Materie wurde auch bereits ein Erhaltungssatz
angenommen, was unter anderem die Frage aufwarf, wodurch die Menge zu bestimmen
sei. Das Gewicht eines Körpers schied als Maß für die in ihm enthaltene
Materiemenge zunächst aus, denn nach der zu Galileis Zeiten noch stark von
Aristoteles beeinflussten Lehre galt Schwere gar nicht als Eigenschaft aller
materiellen Körper.

Johannes Kepler näherte sich dem gesuchten Maß über die Trägheit der Körper
gegenüber Bewegungen, während René Descartes die rein geometrische Eigenschaft der
Raumerfüllung für das eigentliche Maß hielt. Isaac Newton war Atomist und sah
folglich materielle Körper zusammengesetzt aus unteilbaren Teilchen sowie
dazwischen liegendem leerem Raum. Die Menge der Teilchen ("quantitas materiae")
bestimmte er mathematisch durch das Produkt aus Volumen und Dichte des Körpers,
wobei die Dichte offensichtlich als Teilchenmenge pro Volumeneinheit verstanden
wurde.[3] In seiner Mechanik gab er der Materiemenge unter dem Namen „Körper“ oder
„Masse“ eine zentrale Rolle: die Masse eines materiellen Objekts zieht sowohl seine
Trägheit als auch sein Gewicht nach sich. Erst hierdurch wurde aus der Masse bzw.
der Menge an Materie eine naturwissenschaftlich definierte Größe. Für die Erklärung
der mechanischen Vorgänge auf der Erde wie auch der Bewegungen der Himmelskörper
hatte die so begründete Newtonsche Mechanik einen überragenden Erfolg, der auch
wesentlich zur Ausbreitung des naturwissenschaftlichen Weltbilds beigetragen hat.

Im Einklang mit dem alltäglichen Umgang mit materiellen Körpern, und mit den
Möglichkeiten damaliger Experimentierkunst, hielt man deren Masse und Raumbedarf
für weitgehend unveränderlich, jedenfalls im Hinblick auf mechanische Vorgänge mit
einem gegebenen Stück fester Materie. Erst als von Robert Boyle, Edme Mariotte,
Blaise Pascal und anderen entdeckt wurde, dass auch Luft wohlbestimmte mechanische
Eigenschaften hat, darunter sogar auch Gewicht, wurden die Gase zu physikalischen
Körpern, die allerdings im Unterschied zu festen und flüssigen Körpern nicht mehr
das Kriterium eines bestimmten Raumbedarfs erfüllten, da sie bestrebt sind, jeden
zur Verfügung gestellten Raum einzunehmen.

Damit rückten im 17. Jahrhundert auch „chemische“ Vorgänge wie Verdampfen,


Kondensieren und Sublimieren in den Bereich der Physik. Boyle konnte diese
Umwandlungen mit der Annahme einer atomistischen Struktur der Materie (nach Pierre
Gassendi, Lukrez, Demokrit) in dem noch heute gültigen Bild als rein mechanische
Vorgänge deuten:[4] Atome, die wieder wie feste Körper als undurchdringlich
angenommen wurden, können sich verschieden anordnen und haben in Gasen einen großen
Abstand voneinander. Boyle bereitete auch die Begriffe des chemischen Elements und
des Moleküls und damit die Überwindung der Alchemie vor. Er vermutete, dass jeder
homogene Stoff aus kleinen gleichen Teilchen – nach heutiger Bezeichnung eben den
Molekülen –, bestünde, und dass die Moleküle ihrerseits aus Atomen aufgebaut seien.
Dabei seien die Moleküle verschiedener Stoffe verschieden, die Anordnung der Atome
in den Molekülen aber je nach Stoff genau festgelegt. Dann würden wenige
verschiedene Arten von Atomen ausreichen, die große Vielfalt verschiedener Stoffe
zu erklären, nämlich durch die Vielfalt der möglichen Kombinationen und räumlichen
Anordnungen der Atome in den Molekülen. Nachdem gegen Ende des 18. Jahrhunderts
Antoine de Lavoisier die Erhaltung der Masse bei chemischen Stoffumwandlungen – vor
allem auch bei Reaktionen mit Entstehung oder Verbrauch von Gasen – nachgewiesen
hatte, machte John Dalton ab 1803 die Annahme unveränderlicher und unvergänglicher
Atome endgültig zur Grundlage einer neuen Chemie. Diese konnte mit
außerordentlichem Erfolg die Vielzahl der Stoffe und ihr Verhalten detailliert
erklären und daher im Laufe des 19. Jahrhunderts die Alchemie aus der Wissenschaft
verdrängen.

Klassischer und alltäglicher Materiebegriff


Der Begriff der Materie in der klassischen Physik stimmt weitgehend mit dem
umgangssprachlichen Sinn von 'Materie' oder 'materiell' überein, sofern damit der
Unterschied von körperlichen und nicht-körperlichen Dingen benannt werden soll. Ein
Stück Materie hat dabei zwei allgemeine und grundlegende Eigenschaften: In jedem
Moment besitzt es eine bestimmte Masse und eine bestimmte Form, mit der es ein
gewisses Volumen ausfüllt. Um Materiemengen anzugeben, werden die Größen Masse
(umgangssprachlich meist ausgedrückt als „Gewicht“) und Volumen verwendet.
Materie bildet damit in der klassischen Physik den Gegensatz zum leeren Raum oder
absoluten Vakuum und zu den eventuell darin existierenden masselosen Kraftfeldern.
Zur näheren Charakterisierung makroskopischer Materie gibt es zahlreiche spezielle
physikalische und chemische Parameter und Materialeigenschaften. Solche Materie
kann unseren Sinnen als vollkommen homogenes Kontinuum erscheinen, und sie wird in
Teilen der Physik auch heute so behandelt. Dennoch ist Materie stets aus diskreten
Materieteilchen aufgebaut, die die mikroskopische Struktur der Materie bilden. Für
eine direkte Wahrnehmung mit unseren Sinnen oder auch mit dem Lichtmikroskop sind
diese Teilchen um viele Größenordnungen zu klein und blieben daher auch lange
hypothetisch. Die Angabe der Teilchenzahl ist die genaueste Möglichkeit, eine Menge
an Materie zu bestimmen. Bei makroskopischer Menge wählt man hierzu eine eigens
definierte physikalische Größe, die Stoffmenge. Die Angabe der Teilchenzahl muss
stets mit der Information verbunden sein, um welche Art (oder Arten) von Teilchen
es sich handelt.

In der klassischen Physik und Chemie sind die Teilchen, aus denen die Materie
aufgebaut ist, die Atome oder die aus bestimmten Atomarten in festgelegter Weise
zusammengesetzten Moleküle. Dabei wurden die Atome als unteilbare Körperchen von
bestimmter Masse und bestimmtem Volumen angenommen. Sie sollten – im Einklang mit
der damals in allen chemischen und physikalischen Umwandlungen beobachteten
Erhaltung der Masse – auch absolut stabil sein und insbesondere weder erzeugt noch
vernichtet werden können. Zusammen mit dem naturwissenschaftlichen Nachweis, dass
es die Atome wirklich gibt, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts allerdings auch
entdeckt, dass diese Annahmen über ihre Beschaffenheit nicht ganz zutreffen.

Grenzen des klassischen Materiebegriffs


In der modernen Physik wurden auch die Atome als zusammengesetzte physikalische
Systeme erkannt. Sie sind aus noch kleineren Materieteilchen aufgebaut, den
Elektronen (die zu den oben erwähnten Leptonen gehören) und Quarks. Diese haben
zwar Masse, aber kein nachweisbares Eigenvolumen. Neben diesen Bausteinen der Atome
gibt es zahlreiche weitere Arten Elementarteilchen, teils mit, teils ohne eigene
Masse. Ausnahmslos alle Elementarteilchen können unter bestimmten Bedingungen
erzeugt und vernichtet werden, und das gilt dementsprechend auch für die Atome.
Damit zeigen die Bausteine, aus denen die Materie aufgebaut ist, selbst nicht alle
grundlegenden Eigenschaften, die in der klassischen Physik mit Materie verbunden
waren.

Des Weiteren hat sich in der modernen Physik auch der Gegensatz zwischen
massebehafteter Materie und masselosem Feld aufgelöst, und zwar von beiden Seiten
her: Zum einen folgt aus der Äquivalenz von Masse und Energie, dass diese Felder,
wenn sie in einem Objekt eingeschlossen sind, einen Beitrag zur Masse des Objekts
liefern. Zum anderen ist in der Quantenfeldtheorie jedes Elementarteilchen nichts
anderes als eine im Vakuum existierende diskrete Anregung eines bestimmten Feldes.

Daher gibt es bei manchen quantenphysikalischen Objekten unterschiedliche Ansichten


darüber, ob sie zur Materie gezählt werden sollen oder nicht. Definiert man die
Grenze z. B. durch das Kriterium einer nichtverschwindenden Masse, dann zählen auch
Teilchen wie die W- und Z-Bosonen zur Materie. Sie nehmen aber keinen bestimmten
Raum ein und stehen auch deutlich im Widerspruch zu der Vorstellung, dass Materie
etwas Dauerhaftes sei. Im Zusammenhang mit der schwachen Wechselwirkung werden
diese Teilchen nämlich als deren Austauschteilchen angesehen, die also durch ihre
fortwährende virtuelle Erzeugung und Vernichtung in beliebiger Zahl diese
Wechselwirkung überhaupt zustande kommen lassen. Nimmt man andererseits gerade die
Stabilität der Materie zum Ausgangspunkt, so wählt man die zur Materie zu zählenden
Teilchenarten danach aus, dass für die Teilchenzahl ein Erhaltungssatz gilt. Dann
können nur Quarks und Leptonen als die elementaren Materieteilchen gelten, wie ihre
Antiteilchen auch, aber beides auch nur in dem Rahmen, dass ihre gegenseitige
Vernichtung oder paarweise Erzeugung unbeachtet bleibt. Überdies hätte dann bei
allen Körpern, die im Alltag und umgangssprachlich zur Materie gezählt werden, der
Großteil ihrer Masse nichts mit Materie zu tun. Denn über 99 % der Masse dieser
materiellen Körper wird von Protonen und Neutronen beigesteuert, die ihrerseits
ihre Masse nicht durch Massen der darin enthaltenen Quarks erhalten, sondern zu
fast 99 % erst durch die Bindungsenergie zwischen den Quarks, die von den
masselosen Austauschteilchen der starken Wechselwirkung, den Gluonen, verursacht
wird.

Die Frage der Einheitlichkeit der Materie


Die Vorstellung eines Urstoffs, wie sie aus den Texten der Vorsokratiker
herausgelesen worden war, wurde unter dem Eindruck des christlichen
Schöpfungsglaubens dahingehend weiterentwickelt, dass diesem Urstoff eine
einheitliche Substanz entsprechen sollte.[5] Umstritten blieb im Mittelalter aber
die Frage, ob auch die Himmelskörper aus derselben Art Substanz bestehen wie die
irdischen Körper.[6] Diese Frage wurde erst ab 1860 mit Hilfe der Spektralanalyse
gelöst, mit der die in einem selbstleuchtenden Körper enthaltenen chemischen
Elemente identifiziert werden können. Es zeigte sich – nach Klärung mancher
Zweifelsfälle wie z. B. beim Helium –, dass die Elemente, aus denen die Sonne und
die anderen Sterne bestehen, alle auch auf der Erde vorkommen.

Die Frage nach einer einheitlichen Ursubstanz aller Materie wurde dadurch aber kaum
berührt, denn es gehörte seit Dalton zu den Fundamenten der Chemie, dass sich die
Elemente nicht ineinander umwandeln ließen und ihre Atome nicht aus kleineren
Bausteinen bestünden. Zu jener Zeit waren bereits etwa 30 chemische Elemente
bekannt und es wurden ständig weitere entdeckt. Es wurde als ein Mangel der Theorie
empfunden, dass man eine solch große Anzahl verschiedener Grundtypen von Materie
annehmen sollte. Deshalb unternahm schon 1815 William Prout den ersten Versuch der
Vereinheitlichung. Er deutete Daltons Ergebnisse für die Verhältnisse der
Atommassen so, dass alle Atome aus Wasserstoffatomen zusammengesetzt seien und man
in Wasserstoff folglich den gesuchten Urstoff gefunden habe. Aufgrund dieser
Vermutung wurde für Jahrzehnte versucht, die relativen Atommassen der Elemente im
Sinne ganzzahliger Verhältnisse zum Wasserstoff zu interpretieren, obwohl die
genauer werdenden Messungen dem immer deutlicher widersprachen. Ein Jahrhundert
nach Prout zeigten Entdeckungen von Frederick Soddy und Joseph John Thomson, dass
die Elemente nicht notwendig aus einer einzigen Atomsorte, sondern aus
verschiedenen Isotopen bestehen, und dass die Atommassen der einzelnen Isotope
tatsächlich (nahezu) ganzzahlige Vielfache der Wasserstoffmasse sind. Nachdem
Ernest Rutherford um 1920 entdeckte, dass größere Atomkerne die Kerne des
Wasserstoffatoms als Bausteine enthalten, galt für die nächsten 10 Jahre als
erwiesen, dass alle Materie aus nur zwei Bausteinen aufgebaut ist, den Protonen
(Wasserstoffkernen) und Elektronen. (Die ebenfalls benötigten Neutronen wurden als
Proton-Elektron-Paare in besonders enger Bindung aufgefasst.)

Dann machte Paul Dirac im Jahr 1930 auch den letzten Schritt. Er bemerkte, dass es
im Rahmen seiner Theorie zu Teilchen wie den Elektronen auch Antiteilchen geben
müsste, und schlug vor, das Proton als Antiteilchen des Elektrons aufzufassen.[7]
Damit sei das alte Ziel, ein einheitliches Konzept der Materie zu finden, erreicht.
Dies Bild hielt jedoch weder der theoretischen Ausarbeitung noch den neueren
experimentellen Befunden stand. Zum einen hätten sich Proton und Elektron – also z.
B. ein ganzes Wasserstoffatom – in kürzester Zeit miteinander zerstrahlen müssen,
im eklatanten Gegensatz zur Stabilität der Materie. Zum anderen wurden zahlreiche
weitere Teilchenarten entdeckt, die auch als Materieteilchen fungieren könnten,
wenn sie nicht so kurzlebig wären, dass sie in der normalen Materie praktisch nicht
vorkommen. Alle diese Teilchenarten, deren Anzahl schon auf mehrere Hundert anstieg
und die leicht ironisch als Teilchenzoo bezeichnet wurden, wurden ab etwa 1970 im
Standardmodell in ein Schema gebracht, in dem nach heutiger Kenntnis alle
Eigenschaften der Materie – sowohl ihr Aufbau als auch alle ablaufenden
physikalischen Prozesse – gedeutet werden können (allerdings mit Ausnahme der
Gravitation). Demnach besteht die Materie, soweit man im ursprünglichen Sinn damit
den Stoff aller mit den Sinnen fühlbaren Körper meint, aus drei Arten Teilchen:
Elektron, up-Quark, down-Quark. Zusammen mit den übrigen Leptonen und Quarks des
Standardmodells, die im engeren Sinn wegen Spin {\displaystyle {\tfrac {1}
{2}}}\tfrac12 auch als „Materieteilchen“ bezeichnet werden, sind es (inklusive der
Antiteilchen) aber schon 48 Arten. Wenn man schließlich die „Kraftteilchen“ für das
Zustandekommen aller Arten von Prozessen hinzu zählt sowie das Higgs-Boson für das
Zustandekommen der Teilchenmassen, sind es 61.[8]

Die Suche nach einer einheitlichen Grundsubstanz wird aktuell fortgesetzt. Ansätze
liefern hierbei die String-Theorie oder auch Modelle, denen zufolge die
Elementarteilchen aus tatsächlich fundamentalen Teilchen, den „Präonen“, aufgebaut
seien. Diese Ansätze sind aber noch nicht experimentell überprüfbar und daher
vollkommen hypothetisch.

Makroskopische Materie
Eine „Sorte“ von Materie, die durch ihre Zusammensetzung und ihre Eigenschaften
charakterisiert ist, wird Stoff genannt. Chemische Elemente bestehen nur aus Atomen
gleicher Ordnungszahl. Das sind Atome, deren Kerne dieselbe Zahl von Protonen
enthalten. Chemische Verbindungen enthalten Atome verschiedener Elemente, die sich
in bestimmten Zahlenverhältnissen zusammenschließen, sei es als jeweils einheitlich
aufgebaute Moleküle oder als regelmäßig strukturierte Kristalle. Die Eigenschaften
einer Verbindung sind völlig verschieden von den Eigenschaften der Elemente, aus
denen sie aufgebaut ist. So sind beispielsweise das chemische Element Sauerstoff
ein farbloses Gas und Silicium ein Halbmetall, während die Verbindung aus beiden,
SiO2 ein transparentes, kristallines Mineral ist, nämlich Quarz. Stoffe, die nur
aus einem Element oder einer Verbindung bestehen, heißen Reinstoffe. Besteht ein
Stoff aus mehreren Elementen bzw. Verbindungen, so handelt es sich um ein
Stoffgemisch. Hierbei werden homogene Stoffgemische (z. B. Lösungen) und heterogene
Stoffgemische (z. B. Emulsionen, Dispersionen oder Aerosole) unterschieden. So ist
beispielsweise Granit ein Konglomerat – also ein heterogenes Gemisch – der
Reinstoffe Quarz, Glimmer und Feldspat.

Die makroskopischen Eigenschaften eines Stoffes werden durch zahlreiche spezielle


Materialeigenschaften beschrieben, z. B. Dichte, Elastizität, Farbe,
Bruchfestigkeit, Wärmeleitfähigkeit, magnetische Eigenschaften, elektrische
Leitfähigkeit und viele andere. Diese Werte hängen auch von Parametern wie
Temperatur, Druck etc. ab. Es handelt sich dabei durchweg um intensive Größen, also
um Eigenschaften, die nicht von der Größe des betrachteten Systems abhängen.

Ein zusammenhängendes Gebilde von Materie wird als Körper bezeichnet. Neben den
eben genannten intensiven Stoffeigenschaften der Materialien, aus denen er besteht,
wird sein Verhalten auch maßgeblich von extensiven Größen, beispielsweise seiner
Masse, räumlichen Ausdehnung oder äußeren Form bestimmt.

Materie, die als Reinstoff in makroskopischer Menge vorliegt, hat einen der drei
Aggregatzustände fest, flüssig und gasförmig, oder ist ein Plasma, d. h. ein
Gemisch aus ionisierten Atomen und freien Elektronen. Feste und flüssige Stoffe
werden zusammenfassend als kondensierte Materie bezeichnet. Kondensierte Materie
ist im Unterschied zu den Gasen nur sehr wenig kompressibel. Flüssigkeiten und Gase
heißen zusammenfassend Fluide. Fluide haben im Unterschied zur festen Materie keine
dauerhafte räumliche Gestalt, sondern passen sich z. B. den Behälterwänden an.

Im Teilchenmodell hat die Verschiedenheit der Aggregatzustände eine einfache


Erklärung. Man braucht dazu lediglich verschiedene Arten der räumlichen Anordnung
und Bindung zwischen den Teilchen zu betrachten: Im Gas fliegen die Moleküle (bei
Edelgasen: die Atome) einzeln und ungeordnet umher. Die anziehenden oder
abstoßenden Kräfte zwischen ihnen spielen nur bei ihren zufälligen Zusammenstößen
eine Rolle und sind sonst aufgrund des durchschnittlich großen Abstandes der
Teilchen schwach und weitgehend vernachlässigbar. Ein Gas wird zu einem Plasma,
wenn die kinetische Energie der Teilchen so weit erhöht wird, dass in ihren
Zusammenstößen einzelne Elektronen abgerissen werden. Im Festkörper hingegen haben
die Atome oder Moleküle sehr viel geringere Energie, liegen viel näher beieinander
und halten eine weitgehend feste Anordnung ein. Die Abstände zu ihren nächsten
Nachbarn sind durch das Kräftegleichgewicht einer starken Anziehung und Abstoßung
bestimmt und können durch äußeren Druck oder Zug nur noch wenig verändert werden.
In einer Flüssigkeit befinden sich die Teilchen bei ähnlichen Abständen wie im
Festkörper, weshalb auch die Flüssigkeit nur wenig kompressibel ist. Die Teilchen
haben aber eine größere kinetische Energie, im Durchschnitt zwar nicht genug, um
einzeln davon zu fliegen und ein Gas zu bilden, jedoch genug um leicht zu einem
anderen benachbarten Teilchen zu wechseln. Deshalb besitzt die Flüssigkeitsmenge
als ganze keine feste Form.

Weitere Bezeichnungen für Formen der Materie


Zwischen makroskopischer und mikroskopischer Materie ist in den letzten Jahrzehnten
der Forschungsbereich der Cluster und Nanoteilchen entstanden, die als
mesoskopische Materie bezeichnet werden. Es sind Materiekörner, die aus bis zu
einigen zehntausend Atomen oder Molekülen bestehen und daher schon mit den für die
makroskopischen Körper typischen Begriffen beschrieben werden. Sie sind weniger als
etwa 100 nm groß und bleiben daher einzeln für das Auge unsichtbar. Sowohl einzeln
als auch in größeren Mengen zeigen diese Teilchen allein aufgrund ihrer geringen
Ausdehnung teilweise ein ganz anderes Verhalten als derselbe Stoff in homogener
makroskopischer Menge.

In der Kernphysik und der Elementarteilchenphysik unterscheidet man Materie anhand


der vorkommenden Teilchenarten, z. B. Kernmaterie, Seltsame Materie, Quark-Gluon-
Plasma, Antimaterie. Antimaterie ist eine Form der Materie, die aus den
Antiteilchen derjenigen Elementarteilchen aufgebaut ist, die die „normale“ Materie
bilden. Nach den Gesetzen der Elementarteilchenphysik zeigen Antimaterie und
normale Materie jeweils exakt das gleiche Verhalten. Allerdings vernichten sie sich
gegenseitig, sobald sie zusammentreffen, wobei Vernichtungsstrahlung entsteht.

In der Astronomie und Kosmologie wird die dunkle Materie betrachtet. Die dunkle
Materie ist durch ihre Gravitationswirkung belegt, bisher aber bei allen anderen
Versuchen der Beobachtung unsichtbar geblieben. Außer ihrer Masse ist über ihre
Natur nichts näheres bekannt. Zur Unterscheidung von der dunklen Materie wird die
„normale“ Materie zusammenfassend als baryonische Materie bezeichnet.

Teilchenstrahlung besteht aus schnell bewegten Materieteilchen. Diese Form der


Materie gehört zu keinem bestimmten Aggregatzustand und befindet sich weit
außerhalb des thermischen Gleichgewichts. Teilchenstrahlung kann elektrisch geladen
(z. B. Kathodenstrahlung, Ionenstrahlung, Alphastrahlung, Betastrahlung) oder
elektrisch neutral sein (z. B. Neutronenstrahlung, Molekülstrahlung).

Unter Bedingungen, die weit vom Alltäglichen entfernt sind, kann Materie sich so
ungewohnt verhalten, dass sie eine eigene Bezeichnung erhält. Als warme dichte
Materie wird ein Zustand makroskopischer Materie bezeichnet, der ebenso sehr einem
extrem verdichteten Plasma wie einem extrem heißen Festkörper entspricht. Von
entarteter Materie spricht man, wenn spezielle quantenmechanische Effekte die
Eigenschaften einer Materiemenge stark vom „normalen“ Verhalten gemäß der
klassischen Physik abweichen lassen. Beispiele findet man bei sehr tiefer
Temperatur im Bose-Einstein-Kondensat und in der Suprafluidität, bei normalen
Bedingungen auch im Fermi-Gas der metallischen Leitungselektronen.

Vorkommen

Sterne und die Milchstraße am Nachthimmel. Im Universum gibt es etwa 1022 bis 1023
Sterne.
Die Gesamtmasse der baryonischen Materie im beobachtbaren Universum, die sich in
einem kugelförmigen Volumen mit einem Radius von ca. 46 Milliarden Lichtjahren
verteilt, wird auf 1.5·1053 kg geschätzt (inklusive dunkler Materie wären es
ziemlich genau 1054 kg).[9]

Gemäß dem Lambda-CDM-Modell, dem aktuellen Standardmodell der Kosmologie, liegen


etwa 17 %[10] der gesamten Masse in Form von baryonischer Materie vor, also
Materie, bei der Protonen und Neutronen den größten Teil der Masse ausmachen.

Ein Teil der baryonischen Materie befindet sich in den insgesamt zirka 1022 bis
1023 Sternen, die in Form von Galaxien, Galaxienhaufen und Superhaufen die Struktur
des Kosmos bilden. Ein kleiner Teil der Materie befindet sich nach dem
Gravitationskollaps des vorher existierenden Sterns in einem der zahlreichen
schwarzen Löcher und macht sich nur noch durch Gravitation bemerkbar.

Den restlichen Teil der baryonischen Materie bezeichnet man als Interstellare
Materie oder als Intergalaktische Materie, je nachdem, ob sie sich innerhalb einer
Galaxie oder zwischen den Galaxien befindet. Es handelt sich um Gas, Staub und
größere Klumpen, wie z. B. Planeten. Das Gas, zum größten Teil Wasserstoff, liegt
atomar oder ionisiert vor.

Den Großteil der Masse des Universums stellt mit 83 % die nicht-baryonische Dunkle
Materie, die nicht leuchtet und bisher nur aus ihren Gravitationseffekten
erschlossen wird. Ihre großräumige Verteilung scheint demnach stark der Verteilung
der leuchtenden Materie zu ähneln. Das wird nach dem kosmologischen Standardmodell
so verstanden, dass sich zuerst die Dunkle Materie ansammeln konnte und Halos
bildete, in deren Gravitationsfeld sich dann die baryonische Materie konzentrierte
und Sterne bilden konnte. Über die Natur der Dunklen Materie gibt es bisher keine
gesicherten Erkenntnisse. In den hierzu vorgeschlagenen Deutungen spielen unter
anderem die noch spekulativen Supersymmetrischen Partner der bekannten Teilchen
eine Rolle.

Entstehung von Materie


→ Hauptartikel: Urknall, Primordiale Nukleosynthese und Nukleosynthese
Den Urknall stellt man sich im kosmologischen Standardmodell als den heißen,
energiereichen Beginn der Raumzeit vor und durch den Energieinhalt auch als den
Beginn der Materie. Da die bisherigen physikalischen Theorien von der Existenz der
Raumzeit abhängen, lässt sich der Zustand des Universums erst ab Ende der Planck-
Ära nach dem Urknall beschreiben. Die Temperatur wird auf ca. 1030 K geschätzt und
das Universum dehnt sich seither aus und kühlt sich ab. Schrittweise frieren in
aufeinanderfolgenden Symmetriebrechungen die Elementarteilchen aus, reagieren und
rekombinieren, bis nach der Baryogenese und der weitgehenden gegenseitigen
Vernichtung von Teilchen mit Antiteilchen das heutige Übergewicht von Materie über
Antimaterie herrscht. Im Anschluss entstehen die Kerne der schweren
Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium sowie der Isotope des Heliums und
Lithiums. Nach weiterer Abkühlung können sich die so entstandenen Kerne mit
Elektronen zu neutralen Atomen verbinden. Die Materie liegt dann in Gas- bzw.
Staubform vor, bis sich durch ihre Gravitation die ersten Sterne bilden. Bei
genügenden Werten von Druck und Dichte in ihrem Inneren zündet die Kernfusion und
führt zur Bildung der Elemente bis etwa zum Eisen. Schwerere Elemente werden durch
Neutroneneinfänge und anschließende Betazerfälle erzeugt, teils in AGB-Sternen,
teils in Supernovae.

Literatur
Stephen G. Brush: Statistical Physics and the Atomic Theory of Matter: From Boyle
and Newton to Landau and Onsager. Princeton University Press, Princeton, N.J.,
1983.
Max Jammer: Der Begriff der Masse in der Physik. 3. Aufl., Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, Darmstadt 1981, ISBN 3-534-01501-0.
Erwin Schrödinger: What is matter? In: Scientific American. 189, 1953, S. 52–57
(PDF).
Klaus Stierstadt: Physik der Materie. VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim 1989.
(online)
Hermann Weyl: Was ist Materie? – zwei Aufsätze zur Naturphilosophie. Springer,
Berlin 1924
Hermann Weyl: Raum, Zeit, Materie – Vorlesungen über Allgemeine
Relativitätstheorie. 8. Auflage, Springer 1993 (zuerst 1918, 5. Auflage 1922)
Online
Roberto Toretti: The Philosophy of Physics, insb. Kap. 1.3 Modern Matter, Cambridge
University Press 1999
Weblinks
Wikiquote: Materie – Zitate
WiktionaryWiktionary: Materie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme,
Übersetzungen
Wie ist Materie entstanden? Film des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zur
Entstehung der Materie
Einzelnachweise
P. Hucklenbroich: Der physikalische Begriff der Materie. In: Artikel 'Materie' in
Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 5, 1980, S. 922.
Max Jammer Der Begriff der Masse in der Physik Wissenschaftliche Buchgesellschaft,
Darmstadt 1964 (Concepts of Mass in Classical and Modern Physics, Harvard 1961).
Isaac Newton: Philosophiae Naturalis Principia Mathematica, Vorrede zur 3.
Auflage, Erklärungen. Deutsche Übersetzung
Marie Boas Hall: Robert Boyle and Seventeenth-Century Chemistry, Cambridge
University Press, 1958.
Roberto Toretti: The Philosophy of Physics. Cambridge University Press, Cambridge
1999, ISBN 0-521-56259-7, S. 13 ff.
Silvia Donati: Ägidius von Roms Kritik an Thomas von Aquins Lehre der hylemorphen
Zusammensetzung der Himmelskörper. In: Albert Zimmermann (Hrsg.): Thomas Von Aquin
– Werk und Wirkung im Licht neuerer Forschungen. Walter de Gruyter, Berlin 1988, S.
377.
P.A.M. Dirac: The Proton. In: Nature. Band 126, 1930, S. 605,
doi:10.1038/126605a0.
Zur Diskussion über die Zählweise s. Jörn Bleck-Neuhaus: Elementare Teilchen. Von
den Atomen über das Standard-Modell bis zum Higgs-Boson (Kap. 15.12). 2. Auflage.
Springer, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-32578-6, doi:10.1007/978-3-642-32579-3.
Planck Mission 2013
Weinberg nennt in Cosmology 16,828 % aus Messungen der Anisotropie der
Hintergrundstrahlung Steven Weinberg: Cosmology. Oxford University Press, Oxford
2008, ISBN 978-0-19-852682-7, S. 356.
Kategorien: Physikalisches GrundkonzeptOntologie
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Diese Seite wurde zuletzt am 13. August 2019 um 16:16 Uhr bearbeitet.
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