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Vakuum

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter
Vakuum (Begriffsklärung) aufgeführt.

Otto von Guericke demonstrierte 1657 die Wirkung von Vakuum mit seinen Magdeburger
Halbkugeln

Der äußere Luftdruck presst die Magdeburger Halbkugeln zusammen

Glasglocke mit Kolben-Vakuumpumpe für Schulversuche


Vakuum ist in der technischen Praxis ein Raum mit weitgehender Abwesenheit von
Materie – im Vakuum gibt es keine festen Objekte oder Flüssigkeit, extrem wenig Gas
und damit auch einen extrem niedrigen Gasdruck.

In der Physik ist das Vakuum ein theoretisches Konzept, das die (komplette)
Abwesenheit von Materie in einem Raum beschreibt.

Technisches Vakuum wurde im 20. Jahrhundert mit Einführung der Glühlampe und der
Elektronenröhre wichtig. Ein weites Feld von Vakuumtechnologien hat sich
entwickelt. Ein technisches Vakuum wird erzeugt, indem man mit einer Pumpe
(Gas-)Moleküle aus einem Behälter entfernt; der Druck darin sinkt. Gasdruck
entsteht durch Stöße zwischen den Gasmolekülen und der Behälterwand. Das Pumpen
erzeugt einen Unterdruck, also einen Druck, der geringer ist als der
Umgebungsdruck. Sinkt der Druck im Behälter unter 300 mbar und entfernt man weiter
und weiter Moleküle aus dem Raum, so erhält man Grobvakuum, Feinvakuum, Hochvakuum
und zuletzt Ultrahochvakuum. Das Herstellen eines Vakuums heißt auch evakuieren.

Inhaltsverzeichnis
1 Möglichkeit von Vakuum
2 Begriffsklärungen
3 Geschichte der Erforschung
4 Eigenschaften
4.1 Druckbereiche
4.2 Physikalische Eigenschaften
4.3 Biologische Auswirkungen
5 Erzeugung
5.1 Hochvakuum
5.2 Ultrahochvakuum
6 Anwendungen
6.1 Evakuieren als Fertigungsverfahren (DIN 8580)
6.2 Vakuum in der Verfahrenstechnik
6.3 Vakuum in der Chemie
6.4 Vakuum zur Konservierung und zum Vakuumgaren
6.5 Vakuum als Wärmeisolator
7 Vakuum des Weltraums
8 Literatur
9 Weblinks
10 Einzelnachweise
Möglichkeit von Vakuum
Im bekannten Universum gibt es kein vollständiges Vakuum, und es ist mit bekannten
technischen Mitteln auch nicht erzeugbar. Der Weltraum ist zum Beispiel mit einem
dünnen Wasserstoffgas gefüllt.

Die Frage nach der theoretische Möglichkeit eines leeren Raumes haben im Abendland
zuerst die griechischen Philosophen vor Sokrates – die Vorsokratiker – gestellt.
Ihr Ausgangspunkt war noch nicht die naturwissenschaftliche Frage nach dem leeren
Raum, sondern die allgemeinere philosophische nach dem Nichts – ob es gedacht
werden kann. Vor demselben philosophischen Hintergrund haben sich dann Empedokles
(um 433 v. Chr.) und Leukipp (um 450 bis etwa 420 v. Chr.) sowie Demokrit (um 460
bis etwa 370 v. Chr.) der Frage nach dem leeren Raum zugewandt.

Die Frage nach der Möglichkeit eines absolut leeren Raums ist bis heute in der
Physik ungelöst. Nach der Quantenfeldtheorie werden überall ständig virtuelle
Teilchen erzeugt und wieder vernichtet. Unter Vakuum wird im Allgemeinen nur die
Abwesenheit von Materie verstanden. Elektromagnetische Strahlung und andere
physikalische Felder könnten in dem betrachteten Raum vorhanden sein.

Begriffsklärungen
In der Umgangssprache wird das Wort Vakuum für einen weitgehend luftleeren Raum
genutzt. (Bei der Vakuumverpackung („Vakuumierung“) wird jedoch im Allgemeinen
nicht einmal ein Grobvakuum erreicht.) Technik und Experimentalphysik verwenden den
Ausdruck ebenfalls in diesem Sinne: Vakuum bezeichnet den Zustand eines Gases in
einem Volumen bei einem Druck, der deutlich geringer ist als der Atmosphärendruck
bei Normalbedingungen. Je nach dem herrschenden Restdruck spricht man von
Grobvakuum, Feinvakuum, Hoch- oder Ultrahochvakuum.

„Vakuum heißt der Zustand eines Gases, wenn in einem Behälter der Druck des Gases
und damit die Teilchenzahldichte niedriger ist als außerhalb oder wenn der Druck
des Gases niedriger ist als 300 mbar, d. h. kleiner als der niedrigste auf der
Erdoberfläche vorkommende Atmosphärendruck“

– DIN 28400 Teil 1 (Mai 1990): Vakuumtechnik; Benennungen und Definitionen;


Allgemeine Benennungen.
In der Quantenfeldtheorie ist das Vakuum der Zustand mit der tiefstmöglichen
Energie. Darin haben die Teilchenzahlen für alle Arten von Teilchen (Feldquanten)
den Wert null. Leitet man jedoch aus der Planckschen Strahlungsformel die
Nullpunktsenergie her, dann folgt aufgrund der Energie-Zeit-Unschärferelation, dass
im Vakuum ständig virtuelle Teilchen erzeugt und wieder vernichtet werden. Diese
werden auch Vakuumfluktuationen genannt.[1]

Anders als die Naturwissenschaften sieht die Philosophie Vakuum als grundsätzlich
vollkommen leeren Raum an.

Geschichte der Erforschung


Die Idee des Vakuums stammt wahrscheinlich von Leukipp oder seinem Schüler Demokrit
und war eine tragende Säule des Weltbildes der epikureischen Philosophie. Diese
besagt, dass die Materie aus unteilbaren kleinsten Teilchen (Plural: atomoi)
aufgebaut ist, die sich im leeren Raum, also im Vakuum, bewegen und nur infolge der
Leere des Raumes die Möglichkeit zur Bewegung und Interaktion haben. Diese Annahme
wurde von Aristoteles und seiner Akademie abgelehnt, da eine Bewegung ohne
treibendes Medium als unmöglich erschien. Man dachte sich daher den Raum zwischen
den Gestirnen von einem Äther erfüllt. Es wurde eine Abneigung der Natur gegen das
Leere postuliert. Diese Abneigung wurde später mit dem lateinischen Ausdruck horror
vacui bezeichnet. Auch die platonische Schule lehnte es ab, an das "Nicht-Seiende"
zu glauben. Im Mittelalter galt Aristoteles als Autorität. Selbst noch René
Descartes war von der Unmöglichkeit eines Vakuums überzeugt, da er aufgrund
rationalistischer Überlegungen zu der Ansicht gelangte, Raum und Materie seien
wesensmäßig gleich. Obwohl wieder von Giordano Bruno aufgegriffen und verteidigt,
konnte sich die Idee vom Vakuum erst mit den ersten Demonstrationen durchsetzen.

Das erste irdische (beziehungsweise von Menschen geschaffene) Vakuum wurde 1644 von
Evangelista Torricelli mit der Hilfe einer Quecksilbersäule in einem gebogenen
Glasrohr hergestellt. Blaise Pascal konnte kurz darauf mit seinem berühmten Versuch
vide dans le vide im November 1647 erstmals beweisen, dass ein Vakuum tatsächlich
existieren kann. Populär wurde das Vakuum durch Otto von Guericke, dem Erfinder der
Luftpumpe. Er spannte im Jahre 1657 Pferde an zwei Metallhalbkugeln (siehe
Magdeburger Halbkugeln), aus denen er vorher die Luft herausgesaugt hatte. Der
beobachtete Effekt ist allerdings keine direkte Eigenschaft des Vakuums, sondern
vielmehr durch den Druck der umgebenden Luft bedingt.

Robert Williams Wood beobachtete erstmals 1897 den Tunneleffekt im Vakuum bei der
Feldemission von Elektronen, konnte diesen Effekt allerdings noch nicht richtig
deuten.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde noch angenommen, dass sich Licht nicht im
Vakuum, sondern in einem Medium, dem sogenannten Äther, ausbreiten könne. Mit dem
Michelson-Morley-Experiment wurde vergeblich versucht, die Existenz eines solchen
Äthers nachzuweisen. Durch die allgemeine Akzeptanz der speziellen
Relativitätstheorie Einsteins von 1905 gilt das Äther-Konzept als überholt und die
Ausbreitung von Licht im Vakuum als erwiesen.

Die Streuversuche von Ernest Rutherford zeigten 1911, dass Alphastrahlung eine
Goldfolie ohne Widerstand durchqueren kann. Dies zeigte, dass die Masse von Atomen
in einem verglichen mit ihrer gesamten Ausdehnung winzigen Kern konzentriert ist.
Darauf aufbauend entwarf Niels Bohr ein Modell, nach dem die Elektronen den
Atomkern umkreisen, wie die Planeten die Sonne. Im Inneren der Atome und zwischen
ihnen schien also ein Vakuum zu herrschen. Obwohl man diese Sichtweise noch
gelegentlich in der Literatur antrifft, gilt das Innere der Atome heute als von den
Aufenthaltsbereichen der Elektronen (Atomorbitale) ausgefüllt.

Nach heutigem Verständnis ist aber wie bereits oben beschrieben auch das Vakuum
nicht leer, da selbst der quantenmechanische Grundzustand eine endliche
Energiedichte hat, die sich zum Beispiel beim Casimir-Effekt oder spontaner
Emission bemerkbar macht.

Eigenschaften
Druckbereiche
Während ein vollständig materiefreier Raum nicht herstellbar ist, können technische
Vakua in verschiedenen Qualitäten hergestellt werden. Man unterscheidet in der
Technik unterschiedliche Qualitäten des erzielten Vakuums nach der Menge der
verbleibenden Materie. Standardmäßig wird der Druck in Pascal (Pa) oder Millibar
(mbar) angegeben.

Einordnung anhand der Druckbereiche


Druckbereich Druck in hPa (mbar) Moleküle pro cm³ mittlere freie Weglänge
Normaldruck 1013,25 2,7 · 1019 68 nm
Unterdruck > 300 > 1019 < 0,1 µm
Grobvakuum 300…1 1019…1016 0,1…100 μm
Feinvakuum 1…10−3 1016…1013 0,1…100 mm
Hochvakuum (HV) 10−3…10−7 1013…109 100 mm…1 km
Ultrahochvakuum (UHV) 10−7…10−12 109…104 1…105 km
extrem hohes Vakuum (XHV) < 10−12 < 104 > 105 km
Ideales Vakuum (IV) 0 0 ∞
Veraltet wird auch noch die Bezeichnung „Höchstvakuum“ für Drücke unterhalb des
Hochvakuums verwendet.

Beim Auspumpen eines Gefäßes baut sich bis zum Feinvakuum die mechanische Belastung
durch den äußeren Luftdruck auf. Die Grenze zum Feinvakuum lässt sich mit
mechanischen Pumpen noch einfach erreichen. Im Bereich des Feinvakuums erreicht die
freie Weglänge die typischen Ausmaße von Vakuumgefäßen, sodass die viskose Strömung
über die Knudsenströmung in die molekulare Strömung übergeht. Die vorherrschende
Strömungsart hat nicht nur fundamentalen Einfluss auf die Verwendung des Vakuums,
sondern auch auf die Vakuumerzeugung und -messung selbst. Im breiten Bereich des
Hochvakuums erhöht sich die Dauer, in der jede Stelle der Oberfläche im Mittel
einmal von einem Restgasteilchen getroffen wird, von einer Stunde auf ein Jahr, für
viele Experimente ausreichend. Im Bereich des UHV beginnen die Dampfdrücke von
Konstruktionswerkstoffen zu stören, z. B. von Blei-Verunreinigungen in Aluminium.
Ein Ideales Vakuum ist technisch weder erreichbar noch messbar.

Vorkommen und Beispiele nach Vakuumqualität:

lediglich ,Unterdruck‘: Staubsauger (> 0,5 bar), Vakuumverpackung


Grobvakuum: alte Glühlampen, Dampfturbinenkondensator (≈ 0,03 bar), Ansaugtrakt
eines Ottomotors im Leerlauf (ca. 0,2…0,3 bar), (selten) Vakuumverpackung
Feinvakuum: Niederdruck-Gasentladungslampen, moderne Präzisionspendeluhren
Hochvakuum: Elektronenröhren, Teilchenbeschleuniger, Elektronenmikroskope
Ultrahochvakuum: Gravitationswellendetektor, Teilchenbeschleuniger, erdnaher
Weltraum, häufig in Anlagen der Halbleiterindustrie
extrem hohes Vakuum: Weltraum, kryogene Vakuumkammern (z. B. bei BASE[2])
Messgeräte zur Bestimmung des Gasdrucks in einem Vakuum nennt man Vakuummeter.

Physikalische Eigenschaften
Wellenwiderstand {\displaystyle Z_{0}}Z_{0} {\displaystyle \approx
376{,}73~\Omega }{\displaystyle \approx 376{,}73~\Omega }
Permittivität {\displaystyle \varepsilon _{0}}\varepsilon _{0}
{\displaystyle \approx 8{,}8542\cdot 10^{-12}~{\frac {\mathrm {As} }{\mathrm
{Vm} }}}{\displaystyle \approx 8{,}8542\cdot 10^{-12}~{\frac {\mathrm {As} }
{\mathrm {Vm} }}}
Permeabilität {\displaystyle \mu _{0}}\mu _{0} {\displaystyle \approx
1{,}2566\cdot 10^{-6}{\frac {\mathrm {N} }{\mathrm {A} ^{2}}}}{\displaystyle
\approx 1{,}2566\cdot 10^{-6}{\frac {\mathrm {N} }{\mathrm {A} ^{2}}}}
Lichtgeschwindigkeit {\displaystyle c_{0}}c_{0} {\displaystyle \approx
299~792~\mathrm {\frac {km}{s}} }{\displaystyle \approx 299~792~\mathrm {\frac {km}
{s}} }
Licht, Teilchen, elektrische, magnetische und Gravitationsfelder breiten sich im
Vakuum aus; dagegen benötigen Schallwellen ein materielles Medium und können sich
daher im idealen Vakuum nicht ausbreiten. Wärmestrahlung kann sich als
elektromagnetische Welle auch im Vakuum fortpflanzen. Dagegen führt die Absenkung
des Drucks zur Verminderung der materiegebundenen Wärmeübertragung durch Konvektion
und, sobald die mittlere freie Weglänge größer wird als der Gefäßdurchmesser, auch
der konduktiven Wärmeleitung.

Die Verringerung von Wärmeströmung durch ein Vakuum findet Anwendung zur
Wärmeisolation (Isolierkannen, Dewar-Gefäße, Vakuumdämmplatte).

Die hohe elektrische Durchschlagsfestigkeit des Hochvakuums wird bei Vakuum-


Leistungsschaltern, in Vakuumkondensatoren der Hochleistungselektronik und im
Hochspannungsteil evakuierter Röntgenröhren ausgenutzt. Bei Verringerung des Drucks
sinkt die Durchschlagsfestigkeit zunächst durch das Entstehen eines
Niederdruckplasmas erheblich ab. Erst wenn die freie Weglänge der beim Durchschlag
entstehenden Ionen größer als der Elektrodenabstand wird, steigt die
Durchschlagfestigkeit wieder steil an und wird erst dann wieder durch die
Feldemission begrenzt. Abschätzen lässt sich das mit dem Paschen-Gesetz.

Biologische Auswirkungen
Das Vakuum ist kein Lebensraum, da Lebewesen auf Materie zu ihrem Stoffwechsel
angewiesen sind. Allerdings können viele Lebewesen (Bakteriensporen, Pflanzensamen
und -sporen) einen gewissen Zeitraum im Vakuum überleben.

Für kurze Zeit können auch höhere Lebewesen wie der gesunde Mensch dem Vakuum
widerstehen, Experimente mit Vögeln wurden im Bild „Das Experiment mit dem Vogel in
der Luftpumpe“ dokumentiert. Entgegen der üblichen Annahme beginnt das Blut trotz
des Druckunterschieds nicht sofort zu sieden. Haut und Gewebe sind normalerweise in
der Lage, dem Dampfdruck der Körperflüssigkeiten bei weniger als 0,05 bar (normaler
Luftdruck ist 1 bar) zu widerstehen.[3] Unabhängig davon kann verminderter Druck
zur Dekompressionskrankheit oder Höhenkrankheit führen.

Erzeugung
Auf der Erde kann ein Vakuum erzeugt werden, indem ein abgeschlossener Hohlraum,
der Rezipient, vom darin enthaltenen Gas mittels geeigneter Vakuumpumpen befreit
wird. Das einfachste Gerät ist die Wasserstrahlpumpe; sie erzeugt ein Grobvakuum,
das dem Wasserdampfdruck bei der jeweils herrschenden Wassertemperatur entspricht
(z. B. 23 hPa (oder mbar) bei 20 °C).

Hochvakuum
Um ein Hoch- oder Ultrahochvakuum zu erzeugen, werden in der Physik und der
Oberflächenchemie üblicherweise mehrere Pumpentypen eingesetzt. Zunächst wird mit
einer oder mehreren mechanisch wirkenden Pumpen (z. B. Drehschieberpumpe,
Membranpumpe oder Scrollpumpe) ein Unterdruck („Vordruck“) im Hohlraum im Bereich
von 1 bis 100 Pa (0,01 bis 1 mbar) erzeugt. Abhängig von der Größe des Hohlraums
und der Pumpleistung der Pumpen dauert dies beispielsweise einige Minuten. Danach
wird mittels Ventilen zwischen diese Vorpumpe(n) und den Hohlraum eine
Turbomolekularpumpe (oder bei geringeren Ansprüchen die billigere
Öldiffusionspumpe) eingefügt, die in einem bis zu mehreren Stunden dauernden
Prozess ein Hochvakuum von ungefähr 10−7 mbar erzeugt. Dieser Druck lässt sich
nicht mehr durch einfaches Fortsetzen des Pumpens verringern, da an Flächen
adsorbiertes Wasser und andere Stoffe mit niedrigem Dampfdruck ständig desorbiert
werden.

Die Desorption wird beschleunigt, indem die Kammer durch direkte Heizung der
Kammerwände und indirekte thermische Erwärmung der inneren Oberflächen auf eine
Temperatur gebracht wird, die mindestens über dem Siedepunkt von Wasser, möglichst
aber deutlich höher liegt. Die eingebauten Komponenten, wie Durchführungen für
elektrische Verbindungen und Sichtfenster, müssen entsprechend temperaturbeständig
sein. Temperaturen für dieses Ausheizen liegen typischerweise zwischen 130 °C und
über 200 °C. Da Vakuumapparaturen auch bei dieser Temperatur dem außen vorhandenen
Luftsauerstoff widerstehen müssen, sind sie oft aus nichtrostendem Stahl oder Glas,
mit Dichtungen aus Aluminium oder PTFE.

Das desorbierte Wasser wird während des Ausheizens durch die Turbomolekularpumpen
größtenteils abgepumpt, ebenso wie eventuelle Kohlenwasserstoff-Kontaminationen.
Dies dauert typischerweise 24 Stunden oder länger; bei Kammern mit komplex
angeordneten inneren Oberflächen durch angebaute Apparaturen wird oft erst nach
zwei bis drei Tagen die Heizung heruntergefahren.

Ultrahochvakuum
Zum Erreichen des Ultrahochvakuums werden nichtmechanische Pumpen verwendet. Eine
Ionengetterpumpe pumpt durch Ionisation und Einfangen der Restgasmoleküle in
Titanröhrchen in einem Druckbereich von 10−10 bis 10−7 mbar. Die Pumpleistung
reicht hier nur dann aus, wenn das Ausheizen vorher den Restgasdruck genügend
vermindert hat. Eine Titansublimationspumpe arbeitet mit frisch auf eine Wand
aufsublimiertem Titan, das sich durch eine hohe chemische Reaktivität auszeichnet
und Restgasatome an sich und der (kalten) Kammerwand bindet, so dass sich der
Restgasdruck weiter vermindert. Der mit diesem oben beschriebenen Verfahren
erreichbare Restgasdruck liegt im Bereich von 10−11 mbar.

Durch Kühlfallen am unteren Teil der Kammer kann weiteres Restgas temporär gebunden
und der Kammerdruck auf ungefähr 10−12 mbar gesenkt werden. Wird die gesamte Kammer
in flüssiges Helium getaucht, so sind Drücke von unter 10−16 mbar erreichbar.

Anwendungen
Technische Vakua finden Anwendung in der Forschung, in der Elektronenmikroskopie,
bei der Erschmelzung von metallischen Werkstoffen und in der Fertigung von
Mikroelektronik. Ein Grobvakuum wird häufig verwendet, um mit Hilfe von
Sauggreifern flächige Werkstücke festzuhalten und/oder zu transportieren.

Sehr oft wird Vakuum bei der Wärmebehandlung von Metallen (Härten, Anlassen,
Nitridieren, Aufkohlen) eingesetzt, um ein Oxidieren durch Sauerstoff, der sich in
der Luft befindet, zu verhindern.

Glühlampen und somit das elektrische Licht wurden erst durch das Vakuum möglich.
Vor allem bei Edisons Glühlampe mit Kohlefaden verhinderte das Vakuum, dass der
Glühfaden verbrannte (siehe auch Kohlenfadenlampe); erst später wurden Glühlampen
mit einer Füllung aus Stickstoff oder anderem Gas, das die Verbrennung nicht
unterstützt, hergestellt.

Im Innenraum von Elektronenröhren und Bildröhren herrscht Hochvakuum, um die


Streuung der Elektronen gering zu halten. Verbleibende und später ausdiffundierende
Gasreste werden mit einem Getter gebunden. Das Hochvakuum in Elektronenröhren (auch
Bildröhren), Röntgenröhren, Magnetrons, Elektronenstrahlquellen,
Teilchenbeschleunigern, Vakuum-Fluoreszenzanzeigen u. Ä. vergrößert die freie
Weglänge der Elektronen auf ein Maß von der Größenordnung des gesamten Gefäßes, so
dass kaum Stöße mit Gasresten stattfinden, die sonst den Teilchenstrahl stören
würden.

Evakuieren als Fertigungsverfahren (DIN 8580)


Nach DIN 8580 Fertigungsverfahren – Begriffe, Einteilung gehört das Evakuieren zu
den Fertigungsverfahren, womit die Herstellung eines Vakuums in Hohlkörpern oder
Hohlräumen eines Werkstücks gemeint ist. Es kann sich dabei um ein dauerhaftes
Vakuum handeln, das zur Funktion des Werkstücks erforderlich ist, wie bei
Elektronenröhren, oder das Evakuieren ist die Voraussetzung für das Einfüllen eines
Schutzgases, wie es in der elektrischen Schalttechnik zur Funkenlöschung Verwendung
findet.[4]

Vakuum in der Verfahrenstechnik


Die Entgasung unter Vakuum gehört dagegen als ein sogenanntes Trennverfahren zum
Bereich der Verfahrenstechnik. Beim Kernschritt der Plastination, der forcierten
Imprägnierung, wird Vakuum benutzt, um Aceton oder Dichlormethan aus dem Präparat
zu extrahieren.

Die Gefriertrocknung entzieht Stoffen Wasser, indem sie tiefgefroren und einem
Vakuum ausgesetzt werden. Beim Gefriertrocknen etwa von Kaffee, Tee, Gemüse, Blut
oder auch biologischen Präparaten findet Sublimation statt, das Eis geht direkt in
die Gasphase über, es gibt hierbei keine flüssige Phase, die sieden könnte.

Der Kristallisationsprozess in der Zuckerfabrikation findet unter Vakuum statt, um


durch den niedrigeren Siedepunkt der Zuckerlösung beim Wasserentzug ein
Karamellisieren zu verhindern.

Vakuum in der Chemie


Da der Siedepunkt von Flüssigkeiten mit sinkendem Umgebungsdruck auch sinkt, kann
man hochsiedende Substanzen im Vakuum schonender bei niedrigeren Temperaturen
destillieren (Vakuumdestillation). Als grobe Regel gilt, dass bei einer Halbierung
des Druckes der Siedepunkt um etwa 10 bis 15 K sinkt.

Vakuum zur Konservierung und zum Vakuumgaren


Ein weiterer Anwendungsbereich ist die Verpackung von Lebensmitteln
(Vakuumverpackung) und anderer verderblicher Produkte unter Vakuum. Die
verderblichen Produkte werden von gasdichten Kunststoffhüllen umschlossen. Durch
die geringe verbleibende Luftsauerstoffmenge können Alterungs- und
Verwesungsvorgänge (Stoffwechsel- und Oxidationsprozesse) nur stark eingeschränkt
stattfinden, was das Produkt länger haltbar macht.

Im Haushalt können Lebensmittel in Tüten verpackt und mit Vakuumiergeräten


evakuiert werden, so dass sich die Tütenfolie an das verpackte Gut anlegt; dadurch
gelangt weniger Sauerstoff an die Lebensmittel. Zusätzlich verringert sich das
Volumen. Die verwendeten Vakuumiergeräte können jedoch nur ein Grobvakuum erzeugen.

Beim Einwecken/Einkochen werden die Lebensmittel sterilisiert und eventuell


enthaltene Gase ausgetrieben; im Einweckglas kann der verbleibende „Luftraum“
weitgehend durch Wasserdampf eingenommen werden. Durch die Dichtungsringe bleibt
ein besseres Grobvakuum über längere Zeiträume erhalten; restliche Luftanteile sind
ebenfalls sterilisiert.

Beim Vakuumgaren werden die vakuumverpackten Nahrungsmittel (Fleisch, Gemüse usw.)


entweder im Wasserbad oder in temperaturgeregeltem Dampf bei Temperaturen unter 100
°C gegart und behalten so Struktur und Aroma besser als bei den üblichen
Garverfahren. Beim Vakuumfrittieren z. B. von Kartoffelchips geht es vor allem
darum, durch die niedrigeren Temperaturen beim Frittieren die Entstehung
schädlicher Nebenprodukte der Maillard-Reaktion wie z. B. Acrylamid zu verhindern
bzw. zu reduzieren.

Vakuum als Wärmeisolator


Die geringe Wärmeübertragung im Vakuum wird bei Isolierkannen und Dewargefäßen
ausgenutzt, ebenso bei Vakuumröhrenkollektoren und selten auch bei Mehrscheiben-
Isolierglas und Vakuumdämmplatten.

Es gibt Zweischeiben-Isolierglas, bei dem zwischen den Scheiben ein Vakuum statt
eines Edelgases ist.[5] Weil sich die beiden Scheiben unter dem einseitig auf den
Scheiben lastenden Luftdruck verformen, sind unscheinbare transparente
Abstandshalter zwischen den Scheiben auf die Fläche verteilt erforderlich. Ergebnis
ist eine vergleichsweise dünne und leichte Verglasung mit sehr geringer
Wärmeleitfähigkeit.[6]

Vakuum des Weltraums


Das im Weltraum im interstellaren Raum oder im intergalaktischen Raum herrschende
Vakuum ist besser als jedes auf der Erde herstellbare Vakuum. Allerdings ist auch
der Weltraum nicht völlig leer, sondern enthält durchschnittlich ein Teilchen pro
cm³, innerhalb von Voids jedoch deutlich weniger (bis zu 1 Teilchen pro
Kubikmeter). Auch kommen dort statische elektrische und magnetische Felder,
Gravitationsfelder sowie elektromagnetische Wellen (Photonen) und Teilchenströme
(Neutrinos, kosmische Strahlung, Partikel) vor (siehe auch Plenismus).

Umgebungsparameter des erdnahen und erdfernen Weltraums[7]


Druck in mbar Teilchen pro m³ mittlere freie Weglänge in km
Interplanetarer Raum < 10−18 < 104 1011
GEO 10−17 10 5 > 1010
äußerer Van-Allen-Gürtel 10−13…10−9 109…1013 106
LEO 10−7…10−8 1015…1014 ≈ 2
Künstliche Satelliten und Raumsonden unterliegen daher besonderen Anforderungen an
die Konstruktion: Die Regelung des Wärmehaushaltes (innere Wärmequellen und
Sonneneinstrahlung) kann nur durch Wärmeleitung und -strahlung erfolgen,
Wärmeabgabe und -aufnahme müssen durch teilweise variable absorbierende bzw.
abstrahlende oder reflektierende Elemente (Jalousien, wärmeabstrahlende Kühlkörper,
Heatpipes) gewährleistet werden.

Im Sonnenschatten lassen sich aufgrund des Vakuums durch Abstrahlung auch gezielt
sehr tiefe Temperaturen erzeugen (z. B. für Infrarot- und Radiowellen-
Strahlungssensoren).
Literatur
Max Wutz, Hermann Adam, Wilhelm Walcher, Karl Jousten: Handbuch Vakuumtechnik.
Theorie und Praxis. Vieweg, 2000, ISBN 3-528-54884-3.
Wolfgang Pupp, Heinz K. Hartmann: Vakuumtechnik: Grundlagen und Anwendungen.
Fachbuchverlag Leipzig, Leipzig 1991, ISBN 3-446-15859-6.
Henning Genz: Nichts als das Nichts. Die Physik des Vakuums. WILEY-VCH, Weinheim
2004, ISBN 3-527-40319-1.
Frank Close: Das Nichts verstehen. Die Suche nach dem Vakuum und die Entwicklung
der Quantenphysik. Spektrum Akademischer Verlag, 2009, ISBN 978-3-8274-2095-4.
John D. Barrow: The Book of Nothing. Jonathan Cape, London 2000, ISBN 0-224-05962-
9.
Karin Wey, Ralph Jürgen Peters: Geschichte der Vakuumtechnik. In: Vakuum in
Forschung und Praxis, 14, Nr. 3, 2002, S. 180–183, ISSN 0947-076X
(doi:10.1002/1522-2454(200206)14:3<180::AID-VIPR180>3.0.CO;2-A).
Heinz-Dieter Bürger: Die Geschichte der Vakuumkühlung. In: Vakuum in Forschung und
Praxis. 16, Nr. 2, 2004, S. 67–70, ISSN 0947-076X (doi:10.1002/vipr.200400217).
C. Granda, R. G. Moreira, S. E. Tichy: Reduction of Acrylamide Formation in Potato
Chips by Low-temperature Vacuum Frying. In: Journal of Food Science. Band 69, Nr.
8, 2004, S. 405–411, doi:10.1111/j.1365-2621.2004.tb09903.x (pkdiet.com [PDF]).
I. J. R. Aitchison: Nothing’s plenty – The vacuum in modern quantum field theory.
In: Contemporary Physics, 50, Nr. 1, 2009, S. 261–319, ISSN 0010-7514.
Christian Reidenbach: Leere. In: Stephan Günzel (Hrsg.): Lexikon der
Raumphilosophie. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-
534-21931-5. S. 230 f.
Christian Reidenbach: Die Lücke in der Welt. Eine Ideengeschichte der Leere im
frühneuzeitlichen Frankreich (= Epistemata Philosophie. Nr. 591). Königshausen &
Neumann, Würzburg 2018, ISBN 978-3-8260-6374-9.
Weblinks
WiktionaryWiktionary: Vakuum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme,
Übersetzungen
Commons: Vakuum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Vakuum – Zitate
Wikiquote: Leere – Zitate
Deutsches Museum München – Abbildung der Magdeburger Halbkugeln von Guericke
Explosive Dekompression und ihre Effekte auf den Körper. FAQ (englisch)
Einzelnachweise
Henning Genz: Vakuum. In: spektrum.de. 1998, abgerufen am 19. Januar 2017.
The BASE antiprotons celebrate their first birthday. 21. Dezember 2016, abgerufen
am 21. Dezember 2016 (englisch).
Human Body in a Vacuum. In: Ask an Astrophysicist. NASA, 3. Juni 1997, abgerufen
am 6. Januar 2008 (englisch).
Wolfgang Beitz, Karl-Heinz Küttner: Taschenbuch für den Maschinenbau. Springer,
Berlin 2013, S. 1008.
Hersteller-Informationen. pilkington.com
Bine-Informationsdienst Energieforschung für die Praxis
Birgit Strackenbrock: Technologien für das 21. Jahrhundert. In: Brockhaus Mensch,
Natur, Technik. Leipzig 2000, ISBN 3-7653-7945-X, S. 598.
Kategorien: VakuumtechnikPhysikalisches Grundkonzept
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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Oktober 2019 um 10:05 Uhr bearbeitet.
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