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Ohrgeräusche: Tinnitus richtig behandeln


Es rauscht, pfeift, zischt oder rattert im Ohr und im Kopf. Die Töne haben keine äußere Schallquelle
und setzen sich hartnäckig fest. Mehr zu Entstehungstheorien, Ursachen und Therapien bei Tinnitus

aktualisiert am 19.03.2018

Tinnitus in Kürze
Was ist Tinnitus? Patienten mit Tinnitus hören ein Geräusch – etwa ein Summen, Pfeifen, Rauschen
– , das in den allermeisten Fällen keine lokalisierbare Quelle hat, also objektiv nicht existiert. Es kann
immer oder zeitweise da sein, auf einem oder beiden Ohren. Viele kommen leidlich oder gut damit
zurecht, manche leiden jedoch sehr darunter.
Entstehung von Tinnitus: Zu den wichtigsten körperlichen Erkankungen, die mit Tinnitus
einhergehen, gehören Ohrerkrankungen. Häufig ist jedoch kein eindeutiger Auslöser feststellbar
(idiopathischer Tinnitus). Aber auch im Falle von Lärmschäden zum Beispiel ist nicht klar, warum es
bei der Minderzahl der Betroffenen zu Tinnitus kommt. Letztlich sind für die Entstehung von
Tinnitus offenbar komplexe Vernetzungen zwischen Gehör und Gehirn ausschlaggebend.
Diagnose: Bei einem akuten Ohrgeräusch ist der Hals-Nasen-Ohrenarzt in der Regel erster
Ansprechpartner. Bei Bedarf werden die Ohren, das Gehör und weitere Organe genauer untersucht.
Ärzte unterscheiden zwischen akutem und chronischem Tinnitus. Dauert er länger als einige Monate,
wird er als chronisch bezeichnet. Das heißt aber nicht, dass er nicht auch noch nach Jahren
verschwinden kann. Diese Einteilung besagt nichts nur wenig über die Schwere oder Prognose.
Abzugrenzen sind noch der nicht pulsierende, gleichförmige Tinnitus und die deutlich seltener
vorkommenden pulssynchronen Ohrgeräusche.
Therapie: Die mit dem Tinnitus einhergehenden Störungen lassen sich meist gezielt behandeln.
Komplizierter ist es beim idiopathischen chronischen Tinnitus, bei dem keine Erkrankung vorliegt:
Um langfristig weniger empfindlich darauf zu reagieren oder sich gar an die Ohrgeräusche zu
gewöhnen, können bestimmte erlernbare Verhaltenstechniken helfen. Grundlage ist immer die auf
die korrekte Diagnostik gestützte Aufklärung und Beratung, das Tinnitus-Counseling mit
Hörtherapie.
Das Erklärvideo gibt Ihnen einen ersten Einblick, worum es bei Tinnitus geht:

Info:

In weiteren Kapiteln dieses Beitrags erfahren Sie noch mehr dazu, wie Ohrgeräusche entstehen, wie
sie sich äußern, welche Ursachen mit verantwortlich sein können und welche Rolle die Psyche spielt.

Sie erhalten einen Überblick, welche Therapien – abhängig von der Dauer der Ohrgeräusche –
sinnvoll sind und was Sie selbst tun können, um den Tinnitus besser in den Griff zu kriegen.

Wenn das Hören eigene Wege geht


Um sich als nicht Betroffener zu informieren, wie Tinnitus klingen kann, hat man Betroffene gebeten,
mit einem Synthesizer ihre akustischen Empfindungen nachzubilden. Kein anderer außer dem

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Betroffenen selbst kann nämlich die Ohrgeräusche hören.

Häufig sind es hohe Pfeif- und Piepstöne, die entweder ständig im Ohr klingen oder in bestimmten
Abständen immer wieder auftreten. Manche Patienten plagt ein Rattern, Zischen, Rauschen, Sausen
oder tiefes Brummen. Andere Tinnitusvarianten gleichen einem vorbeifahrenden Zug oder einer
Bohrmaschine.

Ohrgeräusche kennt fast jeder. Die Erscheinungsformen sind vielfältig. Die Ohrgeräusche können
ein- oder beidseitig auftreten, nur vorübergehend bestehen oder chronisch werden, mit
unterschiedlichen Krankheitsfaktoren in Zusammenhang stehen oder mit verschiedenen Graden der
psychischen Tinnitusbelastung verbunden sein.

Tinnitus: Unterschiedliche Störungen, Symptome, Formen


Tinnitus ist zunächst keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom für unterschiedliche
Störungen. Am Anfang stehen häufig Schäden und Erkrankungen im Ohr selbst, etwa durch
Entzündungen oder starke Lärmeinwirkung. Bei jedem hundertsten Betroffenen ist der Leidensdruck
so hoch, dass sich der Tinnitus zu einer Krankheit mit teilweise tiefgehenden Leiden entwickeln kann.

Hinzu kommen dann meist noch weitere Begleiterscheinungen wie Geräuschüberempfindlichkeit


(Hyperakusis), Konzentrationsstörungen und Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen.

Entsprechend unterscheiden die Mediziner zwei Hauptformen, nämlich den akuten und den
chronischen Tinnitus.

Akuter Tinnitus: Der Krankheitsbeginn liegt weniger als etwa drei Monate zurück. Häufig tritt der
Tinnitus im Zusammenhang mit einer Ohrerkrankung auf. Er kann jedoch in einen länger
andauernden Tinnitus übergehen.
Chronischer Tinnitus: Die Ohrgeräusche bestehen seit mehr als drei Monaten und können, oft trotz
Behandlung, viele Jahre anhalten. Manche Betroffene kommen mit den andauernden oder
wechselnden Begleittönen im Alltag zurecht, sie kompensieren sie.

Für andere ist die Belastung jedoch so stark, dass sie nicht nur die Ohrgeräusche als besonders
störend empfinden, sondern auch überempfindlich gegenüber Geräuschen werden. In der Folge
können sich seelische Probleme einstellen.
Unterschiedliche Tinnitusbelastung
Je nach Belastungsgrad wird der Tinnitus wiederum in vier Grade eingeteilt. Die Grade 1 und 2
betreffen den kompensierten Tinnitus, der gar nicht (Grad 1) oder nur gelegentlich stört (Grad 2).

Die Grade 3 und 4 beziehen sich auf einen dekompensierten Tinnitus, also einen Tinnitus, der mit
einem erheblichen (Grad 3) oder einem sehr schwergradigen Leidensdruck mit einer psychischen
Erkrankung (Grad 4) einhergeht (siehe auch Kapitel "Wie Tinnitus entsteht").

Entsprechend dem Schweregrad ergeben sich unterschiedliche therapeutische Gesichtspunkte.


Rund 1,5 Millionen Bundesbürger haben einen chronischen Tinnitus, etwa acht bis 13 Prozent der
Betroffenen leiden erheblich darunter.

Erfreulich andererseits: Selbst nach vielen Jahren mit hartnäckigem Tinnitus klingen bei bis zu
einem Drittel der Betroffenen die Ohrgeräusche wieder ab.
Was Ohrgeräusche beeinflussen kann

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Negativ wirken Dauerstress und psychische Belastungen, wenn es darum geht, wie laut ein
Betroffener die Ohrgeräusche wahrnimmt.

Auch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen an der Halswirbelsäule und Störungen der Kiefer-


Kaumuskulatur können über bestimmte Nervenverbindungen dazu beitragen, dass ein Tinnitus in
seiner Lautheit variieren kann (sogenannter somatosensorischer Tinnitus).

Tinnitus: Wann zum Arzt?


Nehmen Sie erstmals auftretende Ohrgeräusche ernst. Manchmal hilft es, sich möglichst bald aus
dem aktuellen Geschehen, zum Beispiel eine zu laute Umgebung, zurückzunehmen und sich zu
entspannen.

Wenn das ständige Pfeifen, Rauschen oder Summen nach ein bis zwei Tagen nicht verschwunden ist,
sollten Sie einen Hals-Nasen-Ohren-(HNO-)Arzt aufsuchen, um gegebenenfalls eine geeignete
Therapie einzuleiten.

Die wichtigsten Krankheiten bei akutem und chronischem Tinnitus


Info:

Die nachfolgende Liste ist nur als Überblick gedacht. Wichtig: Selten nur steckt hinter einem Tinnitus
eine ernste Erkrankung. Meist lässt sich eben kein expliziter Auslöser finden, es liegt ein
idiopathischer Tinnitus vor (siehe auch weiter oben).

Selbst bei einem Tinnitus, der etwa im Zusammenhang mit einem Hörsturz aufgetreten ist, weiß man
nicht, was den Ohrgeräuschen wirklich zugrunde liegt. Daher vermeiden Experten es lieber, bei
Tinnitus von "Ursachen" zu sprechen.

Zur Therapie bei Tinnitus gibt es ebenfalls noch viel Forschungsbedarf. Trotzdem können
Therapeuten helfen. Mehr dazu im Kapitel "Tinnitus: Welche Therapien helfen" in diesem Beitrag.

Überblick: Mögliche Erkrankungen, bei denen Tinnitus häufig vorkommt

Tinnitus bei Ohrenerkrankungen und -schädigungen

Verstopfter Gehörgang: Ohrschmalzpfropf, Fremdkörper im Ohr (Tinnitus üblicherweise nur auf der
betroffenen Seite)
Gehörgangsentzündung (Tinnitus üblicherweise nur auf der betroffenen Seite)
Mittelohrentzündung (Tinnitus üblicherweise nur auf der betroffenen Seite)
Otosklerose (Knochenerkrankung an Mittel- und Innenohr)
Erkältung, Nasennebenhöhlenentzündung
Lärmeinwirkung, überlaute Musik, Knall- und Explosionstrauma
Lärmschwerhörigkeit
Altersschwerhörigkeit
Hörsturz (Tinnitus üblicherweise nur auf der betroffenen Seite)
Menière-Krankheit (Tinnitus üblicherweise nur auf der betroffenen Seite)
Akustikusneurinom (gutartiger Tumor am Hörnerv; Tinnitus üblicherweise nur auf der betroffenen
Seite)
Kopfverletzungen, die Mittel- und Innenohr betreffen, Trommelfellverletzungen (Tinnitus

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üblicherweise nur auf der betroffenen Seite)


Taucherkrankheit, Caisson-Krankheit (Druckluftkrankheit)
(siehe Kapitel "Ohrgeräusche (Tinnitus) – Auslöser: Ohrerkrankungen, Gehörschäden")

Nicht pulsierender Tinnitus

Bluthochdruck (als Auslöser selten)


Sehr niedriger Blutdruck, auch mit Schwindel, Ohnmachtsanfällen
Blutarmut, auch mit Schwindel und Ohnmachtsanfällen
Diabetes (als Auslöser selten)
Halswirbelsäulenprobleme (Schleudertrauma, Muskelverspannungen): Können die
Tinnituslautstärke beeinflussen (häufig einseitiger Tinnitus)
Fehlbelastung der Kiefer-Kaumuskulatur wie Kieferfehlstellungen und nächtliches Zähneknirschen
(Bruxismus): Können die Tinnituslautstärke beeinflussen
Hirntumoren (als Auslöser selten)
Medikamente (bestimmte Schmerz- und Rheumamedikamente, Malariamittel, Diuretika,
Chemotherapeutika, sodann bestimmte, heute eher selten verschriebene Antibiotika)

Pulssynchroner Tinnitus (insgesamt eher selten)

Gefäßfehlbildungen oder -verengungen (zum Beispiel bei Arteriosklerose),


Gefäßreiche gutartige Geschwülste (zum Beispiel sogenannte Glomus-Tympanicum-Tumoren, kurz:
Glomustumoren) am Hals, an der Schädelbasis oder am Trommelfell
Gefäßgeräusche durch ungewöhnliche Gefäßverläufe
Druckerhöhung im Gehirn aus unbekannter Ursache

Wechselnder (intermittierender) Tinnitus

Andere neurologische Störungen mit spontanen Verkrampfungen (Spasmen) von Muskeln im


Mittelohr oder Gaumen (wechselndes "Klicken"; eher selten)

(siehe jeweils Kapitel: "Ohrgeräusche (Tinnitus) – Auslöser: Innere Krankheiten, Medikamente &
Co.")

Tinnitus & Psyche: Mögliche Verstärker von Tinnituslautheit und Tinnitusbelastung

Dauer-Stress
Belastende Lebensereignisse
Depressionen
Angststörungen
Fehlschlagende Krankheitsbewältigung

(siehe Kapitel "Tinnitus: Welchen Einfluss die Psyche hat")


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung
verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen
durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

Hören und Tinnitus: Ein komplexer Vorgang


Wie können Ohrgeräusche entstehen? Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungsmodelle. Um

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Höreindrücke zu verarbeiten, wirken Ohr und Gehirn auf komplizierte Weise zusammen. Die von
außen kommenden Schallwellen gelangen über den Gehörgang, das Trommelfell und das Mittelohr
zum Innenohr.

Dort, im eigentlichen Hörorgan, wandeln die Hörsinneszellen diese physikalischen Reize so um, dass
der Hörnerv sie in Form elektrischer Signale aufnehmen und zum Hörzentrum im Gehirn
weiterleiten kann. Das Hörorgan (Schnecke, Fachbegriff: Cochlea) ist quasi mit einem Mikrophon zu
vergleichen, das Schallwellen in Strom umwandelt.

Im Zusammenspiel mit anderen Hirnbereichen verarbeiten die zuständigen Nervennetzwerke die


Höreindrücke, entschlüsseln sie und ordnen sie ein, so dass sie schließlich "verstanden" werden. Das
Gehirn steuert nicht nur die vielfältigen ankommenden Informationen, sondern ist auch in der Lage,
überflüssige, störende Reize quasi herauszufiltern.

Schon kleinste Störungen im Hörsystem, zum Beispiel an den Hörsinneszellen, können die
vielschichtige Hörverarbeitung durcheinander bringen. Dann werden Höreindrücke mitunter
fehlerhaft weitergegeben, verselbstständigen sich und setzen sich unabhängig von äußeren Reizen im
Gehirn fest.

An der Hörverarbeitung beteiligte Nervenzellen reagieren in bestimmten Gehirnbereichen überaktiv,


um quasi die durch eine Schädigung entstandene Hörminderung auszugleichen. Die Überaktivität
bleibt bei manchen Menschen bestehen, auch wenn ein möglicher Hörschaden behoben ist.

Sinnes- und Nervenzellen können jedoch auch spontan aktiv werden und fehlerhafte
Geräuschinformationen weitergeben, obwohl wir keinen Schaden am Hörorgan erkennen. Hier
kommen andere Einflüsse zum Tragen.

Die Psyche wirkt ebenfalls beim Hören und Verstehen mit. Denn alles, was wir hören, wird im
"Gefühlszentrum" verarbeitet und gibt den Höreindrücken sein Gepräge. Umgekehrt beeinflusst
unsere jeweilige Stimmung, in welcher Weise wir Töne und Geräusche wahrnehmen und welche
Aufmerksamkeit wir ihnen schenken.

Meist liegt dem Tinnitus eine Störung im Ohr und/oder im weiteren Hörsystem zugrunde. Im
chronischen Stadium und bei ganz seltenen Erkrankungen des Gehirns liegt die Quelle der
Phantomgeräusche nicht im Innenohr, sondern im zentralen Hörsystem selbst.

Nach den immer noch unbekannten Ursachen forschen Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen,
etwa HNO-Ärzte, Neurologen, Psychosomatiker.

Ohrgeräusche zeigen sich unterschiedlich


Der Begriff Tinnitus leitet sich vom lateinischen Wort tinnire (= klingeln, klimpern, schellen) ab.
Damit bezeichnet man aber nicht nur Geräusche mit hohen Frequenzen wie Pfeifen, Zischen, Zirpen.
Vier von zehn Betroffenen hören ein Pfeifen, jeder vierte ein Rauschen und jeder zehnte ein Summen.
Seltener sind Zirpen und Klingeln oder Geräusche wie Sausen, Brummen, Zischen, Pulsieren und
Hämmern – dabei können die Töne in einem oder in beiden Ohren zu hören sein. Beim pulsierenden
Geräuschcharakter kann die Geräuschquelle zum Beispiel auf ein Blutgefäß in Ohrnähe zurückgeführt

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werden.

In der akuten Phase, also in den ersten drei Monaten, treten die Ohrgeräusche mitunter zu den
unterschiedlichsten Tageszeiten auf und verschwinden danach wieder. Vor allem zu Beginn
beobachten sich viele Betroffene sehr aufmerksam und reagieren manchmal besonders sensibel auf
ihre Umwelt: Einige empfinden Stille als unangenehm, weil sie dann ihren Tinnitus stärker
wahrnehmen. Das erschwert zudem oft das Einschlafen. Aber auch Töne, die den eigenen
Ohrgeräuschen sehr ähnlich sind, können störend wirken.

Lautstärke: Manchmal ist der Tinnitus kaum hörbar. Er kann aber bei Stress, körperlicher
Anstrengung oder nach Alkoholgenuss anschwellen, bei einigen Menschen wird er vor allem nachts
laut. Ein Teil der Betroffenen erlebt Dauergeräusche.

Empfindlich gegenüber Geräuschen: Viele Tinnitus-Betroffene berichten, dass sie im Verlauf der
Anfangsmonate oder noch vor Beginn des Tinnitus besonders empfindlich auf Außengeräusche
reagieren. Diese sogenannte Hyperakusis kommt bei bis zu 50 Prozent der Tinnitusbetroffenen vor.
Sie zucken zusammen, wenn es irgendwo plötzlich quietscht oder scheppert, klingelt oder brummt,
und halten sich zum Beispiel bei Beifall spontan die Ohren zu.

So verführerisch äußere Stille aber auch sein mag: Die eigenen Ohrgeräusche hören sich dann nach
einiger Zeit meist noch lauter an. Dagegen können leise Umgebungsgeräusche wie Musik, Gemurmel
oder vorbei fließender Autoverkehr die inneren Töne zurückdrängen, "maskieren".

Tinnitus ist subjektiv


In der Regel nimmt nur der Tinnitus-Betroffene selbst die Geräusche wahr. Daher ist es oft schwierig,
die lästigen Töne anderen Menschen gegenüber zu beschreiben. Hilfreich können Vergleiche sein:
"Das hört sich an wie die Betriebsgeräusche eines Computers, dessen Lautsprecher auf leise gestellt
ist" oder "Es sirrt im Ohr wie eine lästige Mücke" oder "Es quietscht wie die Bremsen eines
einfahrenden Zuges" oder "Bei mir rauscht es im Kopf, wie wenn die Waschmaschine ständig laufen
würde".

Damit der HNO-Arzt die Frequenz und die Intensität Ihrer inneren Geräusche besser verstehen kann,
spielt Ihnen eine Arzthelferin Testtöne und -geräusche mit verschiedenen Frequenzen, also
unterschiedlicher Höhe, Tiefe und Intensität, zum Vergleich vor. Dies wird als Tinnitusanalyse
bezeichnet.

Der objektive Tinnitus ist selten (pulsierender Tinnitus)


Im Gegensatz zum in der Regel gleichförmigen, nicht pulsierenden Tinnitus kommt die objektive,
korrekter: objektivierbare Form nur in einem von hundert Fällen vor. Ausgangspunkt ist eine
körpereigene ohrnahe Schallquelle, die vom Hörorgan gehört wird. Die Geräusche können zum
Beispiel in einem Blutgefäß entstehen oder wenn sich kleine Muskeln im Ohrbereich
zusammenziehen.

Eventuell kann der Untersucher die Geräusche auch von außen hören, wenn beispielsweise das Blut
durch verengte Blutgefäße, die in der Nähe des Ohrs liegen, strömen muss. Die dabei entstehenden
pulssynchronen Geräusche hören sich wie ein pulsierendes Zischen oder Rauschen an. Der so

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wahrgenommene Tinnitus entspricht gewissermaßen dem sich ins Ohr fortsetzenden Herzschlag.
Veränderungen an Venen führen eher zu einem pulssynchronen, an- und abschwellenden Rauschen.

Schweregrade des Tinnitus


Wie sehr sich jemand von den Ohrgeräuschen gestört fühlt, hängt zwar auch, aber nicht nur von der
Art und Lautstärke des Geräusches ab. So berichten viele Betroffene, dass hohe Frequenzen
unangenehmer sind als tiefe. Aber auch wer ein ständiges Pfeifen oder Klingeln hört, muss sich nicht
unbedingt im Alltag beeinträchtigt fühlen. Denn wichtiger noch ist sozusagen die persönliche
Tagesform und die eigene Einstellung. Außerdem spielen mögliche Folgesymptome auf der
körperlichen und seelischen Ebene eine wichtige Rolle, etwa Schlafstörungen und eine starke innere
Fixierung auf den Tinnitus.

Experten teilen insofern den Leidensdruck in vier Schweregrade ein:

Grad 1: Viele Erwachsene mit Tinnitus fühlen sich durch diesen nicht beeinträchtigt.
Grad 2: Die Ohrgeräusche wirken störend – vor allem in stressigen Situationen und bei zusätzlichen
psychischen Belastungen.
Grad 3: Der Tinnitus wird als so störend empfunden, dass er den privaten und beruflichen Alltag
dauerhaft beeinträchtigt. Die Betroffenen machen sich ständig Sorgen über ihre Ohrgeräusche und
berichten über weitere Probleme, die ihrer Meinung nach durch die lästigen Töne entstanden sind.
Grad 4: Es gibt Menschen, die unter dem Tinnitus so stark leiden, dass es durch die Dauerbelastung
zu nachhaltigen psychischen und körperlichen Beschwerden kommt. Kopfschmerzen,
Konzentrationsstörungen, Schlafprobleme, verminderte Leistungsfähigkeit, Angst und Schmerzen
können die Folge sein. Bei vielen dieser Betroffenen findet man Depressionen oder Angststörungen
bis hin zu Suizidgedanken.
Tinnitus in Zahlen: Wie viele Menschen sind wie betroffen?
Unterschiedlichen internationalen Erhebungen zufolge haben zwischen etwa vier bis 20 Prozent der
Erwachsenen einen chronischen Tinnitus. Die Zahlen schwanken erheblich, je nach Tinnitusform
sowie Alter und Geschlecht der Befragten. Ältere Menschen zum Beispiel berichten häufiger über
Tinnitus.

Nach der repräsentativen Bevölkerungsbefragung der Deutschen Tinnitus-Liga 1999 kommt es


jährlich bei etwa zehn Millionen Deutschen zu einem Tinnitus unterschiedlicher Dauer, der bei etwa
240.000 Betroffenen in einen chronischen Tinnitus übergeht (jährliche Neuerkrankung mit
chronischem Tinnitus). Von ihnen werden etwa 30.000 im ersten Jahr geheilt.

Etwa 35 bis 40 Prozent der Erwachsenen erleiden zu irgendeinem Zeitpunkt einen Tinnitus von
beliebiger Dauer. Etwa 15 Prozent der Erwachsenen kennen einen spontanen, das heißt nicht durch
Lärmbelastung verursachten Tinnitus, der länger als fünf Minuten anhält. Im Verlauf von fünf bis
zehn Jahren kommt der Tinnitus bei etwas mehr als einem Viertel zum Stillstand. Etwa acht Prozent
leiden unter einem Tinnitus, der zu Schlafstörungen oder zu mittel- bis schwergradiger seelischer
Beeinträchtigung führt.

Wenn das ständige Pfeifen, Rauschen oder Summen länger als ein, zwei Tage anhält, sollten Sie einen
Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) aufsuchen.

Häufige Untersuchungen bei Ohrgeräuschen


Zunächst stellt der Arzt seinem Patienten eine Reihe von gezielten Fragen, um sich einen ersten

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Überblick über Art und Intensität des Tinnitus, das Hörvermögen und Gleichgewicht des Betroffenen
zu verschaffen.

Unter anderem schildern Sie dann, in welcher Situation die Ohrgeräusche erstmals auftraten und wie
sich die Töne anhören. Die weitere Krankengeschichte – wichtige Punkte hier: frühere oder aktuelle
Erkrankungen und Eingriffe sowie Medikamentenbehandlungen – und das Gespräch liefern dem
Arzt oft schon Hinweise, in welche Richtung er weiter suchen oder behandeln könnte.

Der HNO-Arzt untersucht Gehörgang und Trommelfell mit dem Ohrmikroskop, um eventuell
bestehende sichtbare Veränderungen erkennen zu können. Auch Nasen- und Rachenraum betrachtet
er eingehend. Klagt der Patient über ein pulsierendes Ohrgeräusch, hört der Arzt das Ohr und die
Halsschlagader auf der entsprechenden Seite ab, außerdem auf der Gegenseite.

Häufig überprüfen Mitarbeiter des HNO-Arztes anschließend das Hörvermögen des Tinnitus-
Patienten. Für das sogenannte Audiogramm setzt sich der Betroffene in einem abgeschirmten Raum
Kopfhörer auf und hört sich nacheinander verschiedene Töne an, die erst für das eine, dann für das
andere Ohr eingespielt werden. Mit einem Knopfdruck signalisiert er, wann er den Ton gehört hat.
Die Lautstärke wird meist in 5-Dezibel-Schritten so lange erhöht, bis sich die Hörschwelle festlegen
lässt. Diese zeigt an, bei welcher Tonhöhe (Frequenz in Hertz = Hz) und bei welcher Lautstärke
(Schalldruckpegel in Dezibel = dB) der Patient ein akustisches Signal gerade noch hört.

Psychische Belastungen bei Tinnitus ernst nehmen


Wenn Sie einen chronischen Tinnitus haben, kann es sinnvoll sein, nach einer HNO-Untersuchung
auch mit einem psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten (Facharzt für Psychosomatische
Medizin) über Ihre Tinnitus-Problematik zu sprechen – vor allem, wenn Sie die Ohrgeräusche als
besonders störend oder gar quälend empfinden.

Das Gespräch dreht sich dann darum, wie belastend die anhaltenden Töne sind, ob
Konzentrationsstörungen oder Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen vorliegen, inwieweit Sie
sich entspannen können, ob Sie sich wegen der Ohrgeräusche um Ihre Gesundheit sorgen oder
oftmals niedergeschlagen sind.

Hilfreich dafür ist der standardisierte Tinnitus-Fragebogen von Professor Gerhard Goebel und
Professor Wolfgang Hiller, der in einer Kurzform als "Tinnitus-Test" auf der Homepage der
Deutschen Tinnitus-Liga Auskunft über Ihren Leidensdruck gibt (siehe Link im Eingangskapitel:
"Tinnitus richtig behandeln: Übersicht – Hintergrund, Auslöser").

Den Ohrgeräuschen auf der Spur: Spezielle HNO-Untersuchungen


Mit speziellen und sehr komplizierten Messverfahren lässt sich bei Bedarf die Hörschwelle darüber
hinaus objektiv – also auch ohne Mitarbeit des Patienten – messen. Dazu gehört etwa die Messung
otoakustischer Emissionen, die Aufschluss über die Innenohrfunktion (Gehörorgan) geben kann.
Spezielle Mikrofone fangen hier die Töne auf, die die Hörzellen vom Innenohr wieder in den
Gehörgang zurücksenden, wenn Schall auf sie trifft.

Einen weiteren möglichen Untersuchungsschritt stellt die Tinnitusanalyse dar. Damit der Arzt
Frequenz und Intensität des Tinnitus bestimmen kann, vergleicht der Tinnitus-Betroffene

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verschiedene eingespielte Töne mit seinem eigenen Ohrgeräusch. Ein anderer Test zeigt, ob sich die
Töne im Ohr durch andere Geräusche oder Töne verdecken beziehungsweise "maskieren" lassen.
Dabei stellt der Untersucher Intensität und Frequenz der überdeckenden akustischen Phänomene
fest.

Lesen Sie mehr zu Hörprüfungen und Untersuchungen im Ratgeber "Schwerhörigkeit".

Um bei entsprechendem Verdacht einen am Gehörnerv auftretenden, seltenen Tumor (in der Regel
gutartig) oder eine entzündliche Erkrankung des Hörnervs ausschließen zu können, misst der HNO-
Arzt zudem die Aktivitäten der am Hörvorgang beteiligten Nerven. Das geschieht mit der
Hirnstammaudiometrie (BERA = brainstem evoked response audiometry = Messung der
Hörnervenleitgeschwindigkeit). Bei einem krankhaften Befund wird sich eine
Magnetresonanztomografie anschließen, um das Gewebe genauer abzubilden und eine Diagnose zu
stellen.

Eine Computertomografie kann zum Beispiel einen möglichen Krankheitsprozess im Bereich der den
Mittel- und Innenohrraum umgebenden Schädelknochen (Schläfen- und Felsenbein) aufspüren.

Andere weiterführende Untersuchungen zur Abklärung von Tinnitus


Für einige wenige Tinnitus-Betroffene kann der Arzt eventuell noch weitere Diagnoseschritte als
sinnvoll erachten. Das hängt jedoch ganz davon ab, was die ersten grundlegenden Untersuchungen
und Tests ergeben haben.

Möglicherweise zieht der HNO-Arzt noch andere Spezialisten hinzu wie einen manualtherapeutisch
ausgebildeten Arzt, der die Halswirbelsäule überprüft, oder einen Neurologen, der Gehirn und
Nervenfunktionen, unter anderem das Gleichgewicht, näher untersucht.

Blutanalysen, Herz-und-Kreislauf-Tests oder Ultraschallaufnahmen (Dopplersonografie) der Ohr und


Gehirn versorgenden Arterien können mitunter für die Eingrenzung eines pulsierenden Tinnitus
(Fachbegriff: pulsatiler oder pulssynchroner Tinnitus, synchron mit dem Pulsschlag) aufschlussreich
sein.

Dabei erhobene Befunde können bei dringendem Krankheitsverdacht durch eine Angiografie, eine
Angio-Computertomografie (Angio-CT) oder eine Angio-Magnetresonanztomografie (Angio-MRT)
präzisiert werden. Die Abkürzung "Angio-" verweist auf die Blutgefäße.

Manchmal sind ergänzende zahnärztliche und kieferorthopädische Untersuchungen empfehlenswert.

Es gibt vielfältige Tinnitusauslöser im Ohr


Tritt ein Tinnitus akut auf, sind die Auslöser zuerst direkt im Ohr zu suchen. Hier beeinträchtigen
harmlose oder ernsthafte Störungen die Schallweiterleitung unmittelbar. Schädigungen des
Innenohrs gehen mit einer Schallempfindungsstörung einher. In beiden Fällen kann es zu krankhaft
übersteigerter Aktivität im Hörsystem und damit zu Tinnitus kommen.

Ohrschmalzpfopf, Schnupfen, Entzündungen, Verletzungen


Ohrschmalzpfropf: Ein einfacher Ohrschmalzpfropf (Cerumen) ist häufig der Grund, wenn Sie
vorübergehend schlechter hören (Schallleitungsschwerhörigkeit) und Ohrgeräusche bekommen.

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Manche Menschen neigen verstärkt dazu. Aber auch wenn Sie Ihre Ohren gerne mit Wattestäbchen
säubern, schieben Sie oft das Ohrschmalz nur noch fester zusammen, was zu einer Verschlimmerung
der Gehörgangsverstopfung führt. Den Stöpsel im Ohr löst fachgerecht der HNO-Arzt. Dann legen
sich auch die Beschwerden, der Tinnitus wird wieder unhörbar.

Wer andererseits mit dem Wattestäbchen zu viel von dem wichtigen, schützenden Ohrschmalz
entfernt, erleichtert es Keimen vorzudringen und verletzt eventuell die empfindliche Haut. Mögliche
Folgen: Entzündungen im Gehörgang mit Hörproblemen und Ohrgeräuschen. Also: Wattestäbchen
haben im Gehörgang nichts zu suchen.
Schnupfen, Entzündungen des Mittelohrs: Ein gewöhnlicher Schnupfen mit dick verstopfter Nase
kann schon Ohrgeräusche auslösen, vor allem wenn auch die Ohrtrompete oder Tube, der
Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Nasenrachenraum, "dicht" ist. Wird die Nase durch
Nasentropfen oder andere abschwellende Maßnahmen wieder frei, geht meist mit der besseren
Belüftung auch die Hörbehinderung und damit der Tinnitus zurück.

Insbesondere eine Nasennebenhöhlenentzündung kann auf das Mittel- und Innenohr übergreifen.
Eine akute Mittelohrentzündung ist mit starken Ohrenschmerzen und oft mit Tinnitus infolge von
Flüssigkeit im Mittelohr verbunden. Versteifte Gehörknöchelchen im Mittelohr (Otosklerose) können
neben Ohrgeräuschen auch eine Mittelohrschwerhörigkeit (Schallleitungsschwerhörigkeit) nach sich
ziehen. Das gilt ebenso für eine chronische Mittelohrentzündung.
Das Innenohr entzündet sich manchmal infolge einer Mittelohrentzündung. Aber auch über
Verletzungen oder Tumore dringen, wenngleich seltener, bisweilen Krankheitserreger in den
geschützten Innenohrraum vor. Ohrenschmerzen, akuter Tinnitus, Schwerhörigkeit,
Schwindelgefühle sowie ein starkes Krankheitsgefühl mit Fieber und Übelkeit sind häufige
kennzeichnende Symptome einer Innenohrentzündung (Labyrinthitis). Es handelt sich dabei
tatsächlich um eine sehr ernste Erkrankung, die unverzüglich behandelt werden muss.

Auch Verletzungen des Trommelfells gehen häufig mit Ohrgeräuschen einher. Kopfverletzungen, die
das Mittel- und Innenohr mit erfassen, können ebenfalls Tinnitus hervorrufen.
Tinnitus und Schwerhörigkeit: Eine leidige Kombination
Eine Altersschwerhörigkeit, eine Lärmschwerhörigkeit, ein Hörsturz oder die Menière-Krankheit sind
sehr häufig mit Tinnitus verbunden.

Lärmschäden: Häufige Tinnitusursache bei jungen Menschen: Schwerhörigkeit und Tinnitus


entwickeln sich gerade auch bei jungen Leuten oft durch übermäßige und/oder dauerhafte
Lärmeinwirkung, etwa durch sehr laute Musik. Extreme Lautstärken rufen meist akute, zunächst
noch vorübergehende Ohrgeräusche hervor.
Mit der Zeit kann der Lärm aber Hörorgan und Hörsinneszellen dauerhaft schädigen. Studien zufolge
ist in Europa etwa jeder vierte Jugendliche von einer Hörminderung betroffen.

Zu bleibenden Hörstörungen führen nicht selten auch Knall- und Explosionstraumata. Sie müssen
rasch behandelt werden.
Hörsturz: Akute Schwerhörigkeit, Druck im Ohr, Tinnitus: Eine heftig erlebte, plötzliche
Hörminderung meist auf einem Ohr, ein Druckgefühl im Ohr, dazu oft Töne in Ohr und Kopf,
vermehrte Geräuschempfindlichkeit und auch Schwindel sind kennzeichnend für einen Hörsturz. Bei
diesen Anzeichen ist es ratsam, einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufzusuchen, um das Krankheitsbild
mittels Hörtest einzugrenzen.

Die Ursachen der akuten Innenohrstörung sind vielfältig und noch nicht genau geklärt. Stress wird
häufig eine Mitbeteiligung zugeschrieben. Bei von Anfang an nur leichtem Hörverlust oder bei
Schwerhörigkeit im Tiefton- oder mittleren Frequenzbereich ist die Prognose hier aber meist recht
günstig.

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Häufig heilen Hörstürze von selbst wieder aus. Dauerhafte Schäden im Ohr können aber auch dazu
führen, dass der Tinnitus fortbesteht.

Wiederholte Beschwerden, die einem Hörsturz vergleichbar sind, können sich zudem bei chronischen
Erkrankungen wie der Menière-Krankheit (siehe nachfolgend) einstellen.

Außerdem sind solche Hörsturzsymptome im Rahmen genetisch bedingter Innenohrerkrankungen


möglich, bei denen sich die Hörschwelle in Schüben fortschreitend verschlechtert.
Akustikusneurinom – in einem Prozent der Fälle Ursache für Tinnitus: Ein gutartiger Tumor am
Hörnerv (Akustikusneurinom) führt am betroffenen Ohr häufig zu Symptomen wie Tinnitus und
wiederholter Hörverlust (Hörsturz). Die Geschwulst entsteht am Gleichgewichtsnerv, der im inneren
Gehörkanal parallel zum Hörnerv verläuft und durch Druck die genannten Symptome auslösen kann.
Weitere Tinnitusauslöser im Ohrbereich: Veränderte Druckverhältnisse im Ohr, zum Beispiel beim
Fliegen oder Tauchen, bewirken ganz selten auch Tinnitus, entweder durch Unterdruck im Mittelohr
oder Überdruck im Innenohr (Druckluftkrankheit oder Caisson-Krankheit).
Menière-Krankheit: Schwindelattacken, Ohrgeräusche, Hörprobleme: Ohrgeräusche gehören zu den
Leitsymptomen der Menière-Krankheit, einer relativ seltenen Innenohrerkrankung. Aus unklaren
Gründen kommt es zu Ansammlungen der normalerweise gleichmäßig zirkulierenden
Innenohrflüssigkeit (sogenannter Hydrops).

Symptome: Die Krankheit ist gekennzeichnet durch schubweise auftretende Anfälle von heftigem
Drehschwindel, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen, Hörminderung und Tinnitus. Betroffen
sind meist jüngere Menschen.

Die Ärzte behandeln zunächst akute Phasen mit Medikamenten, unter anderem gegen Schwindel und
Erbrechen. Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche können aber chronisch bestehen bleiben. Die weitere
Therapie richtet sich nach dem individuellen Krankheitsverlauf. Lesen Sie mehr dazu im Ratgeber
"Morbus Menière (Menière-Krankheit)".
Besonderheit: Krankhafte Veränderungen am Verbindungsgang zwischen Rachen und Mittelohr
Mitunter weitet sich die Öffnung der Ohrtrompete im Rachen zu stark ("Tubenfunktionsstörung").
Dann hört man seinen Atem und seine Stimme unangenehm laut (Autophonie), was aber keinen
Tinnitus bedeutet. Zu den möglichen Ursachen gehören ausgeprägter Gewichtsverlust oder ohrnahe
Bestrahlungen des Kopfes.

Erkrankungen innerer Organe als Tinnitusauslöser?


Nicht immer geht ein Tinnitus von Schäden unmittelbar im Ohrbereich aus. Um gut funktionieren zu
können, müssen Hörorgan und Nervenbahnen im Gehirn über die Gefäße ausreichend durchblutet
und so mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Auch ein ausgeglichener Stoffwechsel ist
wichtig.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden als Tinnitusverursacher häufig genannt, spielen aber im


Vergleich zu den anderen Auslösern wie Lärm eine untergeordnete Rolle.

Bei einem Blutdruckabfall im Stehen (orthostatische Hypotonie) kommen zum Ohrensausen häufig
Schwindel, gegebenenfalls ein beschleunigter Pulsschlag dazu. Bei einem starken Blutdruckabfall
können Betroffene sogar ohnmächtig werden.

Blutarmut (Anämie) kann zu globalem Sauerstoffmangel im Gehirn führen, der neben Schwindel
mitunter auch Ohrgeräusche auslöst.

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Stoffwechselstörungen wie Diabetes oder Fettstoffwechselprobleme wirken sich ebenfalls auf die
Gefäße und Durchblutung aus. Dennoch gibt es wenig Bezug zwischen Diabetes und
Tinnitushäufigkeit.

Tinnitus bei Problemen an der Halswirbelsäule und im Kopf (somatosensorischer Tinnitus)


Verändern sich die Ohrgeräusche bei Hals- und Kopfbewegungen, ist auch an Störungen im Bereich
der Halswirbelsäulenmuskulatur zu denken. Dieser sogenannte somatosensorische Tinnitus entsteht
über Nervenverbindungen zwischen einzelnen Halswirbelsäulenabschnitten und dem Hörsystem und
kommt bei 20 bis 40% der Fälle mit chronischen Ohrgeräuschen oft zusätzlich vor.

Über die gleichen Mechanismen können Überlastungen der Kiefer-Kaumuskulatur den Tinnitus in
seiner Intensität beeinflussen. Nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) etwa als Ausdruck erhöhter
seelischer Belastungen verstärkt mitunter den nächtlichen Tinnitus und die Betroffenen wachen mit
einem lauten Tinnitus auf, der aber bei Entspannung rasch wieder zurückgeht.

Medikamente, die Ohrgeräusche auslösen können


Eine Reihe von Medikamenten haben Nebenwirkungen, die sich auf das Hörsystem auswirken und
manchmal Tinnitus hervorrufen. Hier seien nur einige Beispiele genannt:

Bestimmte Schmerz- und Rheumamedikamente führen in seltenen Fällen zu vorübergehenden


Ohrgeräuschen. Das ist auch bei Acetylsalicylsäure möglich, allerdings nur in sehr hohen
Dosierungen ab 2000 Milligramm. Sprechen sie darüber immer mit Ihrem Arzt.
Mittel gegen Malaria (zum Beispiel Chloroquin) kommen ebenfalls als Auslöser infrage.
Tinnitus ist möglich bei Medikamenten zur Behandlung von Depressionen, insbesondere bei
trizyklischen Antidepressiva, wobei hier oft unklar bleibt, ob nicht die bestehende seelische
Erkrankung der eigentliche Tinnitusauslöser ist.
Eine seltene Nebenwirkung bestimmter wassertreibender Mittel (Diuretika) sind meist wieder
heilbare Hörstörungen und Ohrgeräusche. Auch einige Bluthochdruckmedikamente, darunter ACE-
Hemmer oder Betablocker, bewirken mitunter Ohrgeräusche.
Medikamente zur Chemotherapie sowie inzwischen seltener eingesetzte Antibiotika
(Aminoglykoside) können unter Umständen das Innenohr angreifen und bleibende Beschwerden
verursachen. Hier wird der Arzt jedoch in der Regel engmaschige Kontrollen durchführen.
Wenn Sie die Vermutung haben, Ihre Ohrgeräusche könnten mit einem Medikament
zusammenhängen, das Sie einnehmen, fragen Sie Ihren Arzt um Rat. Setzen Sie kein Mittel, das er
Ihnen verschrieben hat, ohne Rücksprache einfach ab.

Ursachen für einen objektivierbaren Tinnitus


Nur in wenigen Fällen beruht ein Tinnitus auf einer im Körper objektivierbaren Schallquelle (siehe
auch Kapitel "Tinnitus: Diagnose"). So können zum Beispiel Gefäßfehlbildungen wie
Kurzschlussverbindungen zwischen Arterien und Venen im Ohrbereich pochende Geräusche
(pulsierender oder pulsatiler Tinnitus) erzeugen.

Auch Verengungen der Gefäße in der Nähe des Mittel- oder Innenohrs infolge einer Arteriosklerose
führen manchmal zu hörbaren Turbulenzen im Strömungsbereich.

Ein gutartiger Tumor am Mittelohr (Glomustumor) löst ebenfalls ein im Rhythmus des Herzschlags
pulsierendes Rauschen im Ohr, dazu zunehmende Schwerhörigkeit aus.

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Die Diagnostik und Therapie solcher Veränderungen wird der Arzt nach genauer Abklärung der
individuell vorliegenden Tinnitusform gestalten. Da dies teilweise invasive neuro- und
gefäßradiologische Verfahren notwendig macht, ist vorher eine sorgfältige und gut abgestimmte
Nutzen- und Risikoabwägung durch die verantwortlichen Ärzte geboten.

Stress und Tinnitus


Stress, körperlicher oder seelischer, löst zwar unmittelbar keinen Tinnitus im Gehirn aus. 26 Prozent
der Menschen mit chronischem Tinnitus berichten jedoch, dass sie viel Stress hatten oder haben. Die
Ohrgeräusche sind demnach ein "innerer Seismograph" der aktuellen Befindlichkeit. Dennoch wird
die Festlegung auf eine Pauschalhypothese wie Stress der Differenziertheit des Tinnitus nicht gerecht.

Offenbar begünstigen unter anderem psychische Faktoren häufig die Entwicklung eines Tinnitus. Sie
haben aber vor allem einen wichtigen Einfluss darauf, wie jemand die Dauertöne erlebt und wie er
mit ihnen umgehen kann. Schon im Akutstadium spielt die seelische Verfassung eine Rolle.

Liegt zu diesem Zeitpunkt eine seelische Belastung wie Depression, Angst, ein einschneidendes
Lebensereignis oder eine schwere Schlafstörung vor, läuft der Betroffene Gefahr, dass sein Tinnitus
im Verlauf der nächsten Monate dekompensiert. In solchen Fällen ist neben der medizinischen
Behandlung eine psychotherapeutische Beratung schon im Anfangsstadium hilfreich.

Chronischer Tinnitus: Oft leidet die Seele


Ein besonderes Gewicht erhält die Verflechtung zwischen Psyche und Hören beim chronischen
Tinnitus. Wer darunter leidet, kann Gefühle gleichsam hören: Chronisch Betroffene nehmen
emotionale Eindrücke auch mit Gehirnarealen wahr, die mit der Hörbahn vernetzt sind. Das ergaben
Studien des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Das Gehirn ist bei bleibenden Ohrgeräuschen dauerhaft sensibilisiert. Auf den amerikanischen
Forscher Pawel Jastreboff geht ein neurophysiologisches Modell zurück, das zeigt, welche Rolle
Wahrnehmung und Bewertung bei der Entstehung eines chronischen Tinnitus spielen: Zuerst sind
die Geräusche mit gewissen Assoziationen wie Angst, Kontrollverlust und Hilflosigkeit zeitlich eng
verknüpft. Später verstärken die Assoziationen selbst den Tinnitus, ähnlich wie bei einem
konditionierten Reflex.

Dauerhafte Ohrgeräusche betreffen den gesamten Menschen. Manche Betroffene können die
störenden Töne dennoch gut in ihr Leben integrieren und nehmen sie häufig kaum mehr wahr
(kompensierter Tinnitus).

Andere erkranken umfassend daran (dekompensierter Tinnitus, siehe Kapitel "Tinnitus: Übersicht –
Hintergrund, Auslöser") und Kapitel "Ohrgeräusche: Wie Tinnitus entsteht und wie er sich äußert").
Die Geräusche werden für sie unerträglich und beeinträchtigen den Alltag. Dabei spielt es keine Rolle,
wie laut der Tinnitus erlebt wird. Die Betroffenen leiden unter Muskelverspannungen,
Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen. Manche entwickeln ernste seelische Erkrankungen wie
Depressionen und Angststörungen. Die Hälfte der Menschen mit Depressionen oder
Angsterkrankungen berichten über einen Tinnitus.

Es kommt ebenso vor, dass Menschen, die mit starken Ohrgeräuschen zu tun haben, schon vorher

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eine Depression oder Angsterkrankung hatten. Das seelische und das körperliche Leiden verstärken
sich dann oft gegenseitig.

Wenn neu aufgetretene Ohrgeräusche länger als ein, zwei Tage anhalten, sollte der oder die
Betroffene zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen. Dieser wird die Ohren eingehend untersuchen,
das Hörvermögen überprüfen und im Gespräch die Krankengeschichte und möglichen
Entstehungsbedingungen des Ohrgeräusches nachzeichnen.

Nur bei Bedarf werden sich weitere apparative Untersuchungen (siehe Kapitel "Ohrgeräusche
(Tinnitus): Diagnose") anschließen, um die Diagnose zu sichern und eine entsprechende Therapie
einzuleiten.

Akuter Tinnitus: Die Behandlung richtet sich nach der möglichen Grunderkrankung
Ein akuter Tinnitus zum Beispiel, der im Zusammenhang mit einer Ohrerkrankung aufgetreten ist,
legt sich meistens mit der Behandlung derselben, wie zum Beispiel bei einer Mittelohrentzündung
mit Antibiotika.

Bei einem Hörsturz gilt es, zugrunde liegende Störungen aufzudecken, etwa eine Menière-Krankheit.
Je nachdem leitet der Arzt auch hier eine Therapie ein, die sich möglichst gezielt auf die
Begleiterkrankung bezieht. Über die Therapie der Menière-Erkrankung informiert der Ratgeber
"Menière-Krankheit".

Ein Knall- oder Explosionstrauma und eine akute Lärmschädigung gelten als Eilfall, die zeitnah
behandelt werden müssen, um Schäden am Trommelfell und im Innenohr zu beheben. Häufig
werden Infusionen mit Kortison gegeben. Manchmal ist ein Eingriff notwendig.

Seit Jahren wird erprobt, ob das Einbringen des Kortison mittels einer Spritze durchs Trommelfell
ins Mittelohr wirksamer ist als die innerliche Gabe (Infusion, Tabletten). Häufig vergehen Tinnitus
und Schwerhörigkeit aber auch von alleine oder mit der Therapie wieder. Bleiben die
Beeinträchtigungen bestehen, bieten sich die Versorgung mit einem Hörgerät und ergänzende
Therapieschritte an (siehe weiter unten).

Tinnitus-Counseling: Aufklärung und Hörberatung


Wenn die Ohrgeräusche den Betroffenen schon im akuten Stadium sehr stark beeinträchtigen, etwa
weil er sich gerade in einer schwierigen Lebenssituation befindet, ist es sinnvoll, sich umfassend über
die Bedeutung des Tinnitus aufklären zu lassen.

Der Arzt – meist ein HNO-Arzt oder ein Arzt für psychosomatische Medizin oder Psychotherapie –
bespricht dabei mit seinem Patienten frühzeitig Möglichkeiten, wie dieser am besten mit den
Ohrgeräuschen im Alltag umgeht und was ihn ablenken kann. Es geht insbesondere darum, ihm die
Angst vor dem Tinnitus zu nehmen und belastende Situationen besser zu bewältigen, damit sich die
störenden Töne nicht in den Vordergrund drängen und eventuell dauerhaft festsetzen.

Wer unter chronischen Ohrgeräuschen leidet, profitiert zunächst davon, wenn er mehr über sein
Leiden weiß. Es ist hilfreich, wenn sein Arzt ihn eingehend darüber aufklärt, wie Tinnitus entstehen
und welche Bedeutung er für Körper und Seele einnehmen kann und wo man seriöse

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Informationsquellen finden kann. Dabei ist es wichtig, dass der Betroffene über seinen Leidensdruck
offen spricht und sich ernst genommen fühlt.

In der Hörberatung werden Erkenntnisse über die persönlichen Hörgewohnheiten der


Tinnitusbetroffenen vermittelt und ihr Umgang mit Musik und Lärm erfragt. Diese Form der
Beratung, die auch den Psychotherapeuten aktiv einbezieht, heißt Tinnitus-Counseling. Es stellt einen
wesentlichen Schritt dar, um den Tinnitus individuell zu bewältigen und geeignete Maßnahmen dafür
zu finden.

Kognitive Verhaltenstherapie: Wieder aktiv trotz Tinnitus


Wenn der Leidensdruck durch die ständigen Ohrgeräusche groß ist, erweist sich sehr häufig eine
kognitive Verhaltenstherapie (VT) mit fünf bis 15 Sitzungen als sinnvoll. Sie findet als Einzel- oder
Gruppentherapie, oft auch mit einem validiertem Therapiemanual, statt (sogenannte manualisiert-
strukturierte kognitive VT; ein Manual ist ein Handbuch).

In den Einzel- oder Gruppengesprächen lernen die Betroffenen, wie sie mit dem Tinnitus so
umgehen, dass er den Alltag nicht mehr dauerhaft beeinträchtigt. Sie erfahren zum Beispiel, dass sie
das Rauschen, Pfeifen oder Summen mit angenehmer Musik oder Hörbüchern in den Hintergrund
drängen können.

Auch unterschiedliche Phantasiereisen eignen sich dazu, die Dauergeräusche mit angenehmen
Empfindungen zu verknüpfen.

Die Wirksamkeit der kognitiven VT ist unter anderem laut einer strengen Untersuchung des
Deutschen Cochrane-Zentrums an der Uniklinik Freiburg belegt. Viele interdisziplinäre
Behandlungszentren beziehen verhaltenstherapeutische Programme von Anfang an in die Therapie
mit ein.

Was ist Tinnitus-Retraining-Therapie?


Es ist höchst hilfreich, verhaltenstherapeutische Maßnahmen und Entspannungstechniken mit einem
"Tinnitusgerät" (Tinnitus-Masker oder Tinnitus-Noiser) zu einem umfassenden Bewältigungstraining
zu kombinieren. Bei einer solchen "Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT, von engl. retrain =
zurücktrainieren) lernen Tinnitus-Geplagte schrittweise, die Ohrgeräusche nicht mehr als störend
wahrzunehmen. Ziel ist es, dass die inneren Töne keine belastende Rolle mehr spielen oder ganz aus
dem Bewusstsein weichen.

Psychotherapie bei ausgeprägtem Tinnitus und psychischer Erkrankung


Bei sehr hoher Tinnitusbelastung ist eine Psychotherapie zur Bewältigung einer zugleich bestehenden
Angststörung oder Depression sinnvoll, gegebenenfalls auch mit medikamentöser Unterstützung.

Hörgeräte: Hilfreich bei Tinnitus mit Schwerhörigkeit


Wenn sich ein Hörverlust und damit verbundene Ohrgeräusche mit oben genannten Methoden nicht
erfolgreich behandeln lassen und die Schwerhörigkeit ein bestimmtes Ausmaß überschritten hat,
sollten sich die Betroffenen frühzeitig ein Hörgerät anpassen lassen.

Mit einem sorgfältig ausgewählten Gerät hören und verstehen sie besser, und bestimmte
Ohrgeräusche stehen dann auch nicht mehr so stark im Vordergrund. Anders gesagt: Durch die nun

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wieder viel besser wahrgenommene Umwelt tritt der Tinnitus als eigenes Geräusch in den
Hintergrund.

Viele Betroffene, die zunächst die psychologische Barriere "Hörgerät – bloß nicht"! überwinden
mussten, waren hinterher zufrieden.
Hörimplantate im Innenohr (Cochlea-Implantate CI) helfen bei einseitiger Ertaubung oder
ausgeprägter Schwerhörigkeit, den Tinnitus weitgehend zu maskieren.

Es gibt psychosomatische Tinnitus-Kliniken


Viele HNO-Ärzte und Kliniken bieten Tinnitus-Sprechstunden an. Menschen, die ständige und vor
allem besonders laute Ohrgeräusche haben, fühlen sich allerdings zeitweilig so stark psychisch und
körperlich belastet, dass ambulante Maßnahmen nicht ausreichen.

In Deutschland gibt es eine Reihe von stationären Einrichtungen mit Behandlungsschwerpunkt


Tinnitusbewältigung. Dies sind in der Regel Psychosomatische Kliniken mit besonders dafür
trainiertem Personal.

Häufig angewandte, vielfach auch hilfreiche Methoden ohne gesicherte Wirkungsnachweise (keine
Kostenübernahme durch die Krankenkassen)
Entspannungsmethoden: Viele Menschen mit Ohrgeräuschen berichten, dass der Tinnitus lauter und
störender wird, wenn sie unter Stress stehen. Um etwas souveräner mit unterschiedlichen
Belastungen umgehen zu können, hilft es, Entspannungsmethoden wie autogenes Training,
progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga, Qigong oder Tai Chi zu lernen (siehe auch
Kapitel "Tinnitus: Was Sie selbst tun können").
Biofeedback: Einige von Tinnitus Betroffene neigen zu Fehlhaltungen oder spannen in stressigen
Situationen die Schulter-, Stirn- und Kiefermuskulatur übermäßig an. Mit Hilfe eines Biofeedback-
Geräts lassen sich diese Muskelanspannungen auf einem Bildschirm sichtbar und hörbar machen.
Der Betroffene erfährt so in mehreren Sitzungen, wie der eigene Körper auf psychische
Überforderungen reagiert, und er trainiert, sich gezielt wieder zu entspannen.
Aktive Musiktherapie – Musizieren mit den Dauertönen: Verschiedene Forschungszentren in
Deutschland haben Modelle entwickelt, die unter der Leitung von ausgebildeten Musiktherapeuten
Musik als Mittel einsetzen, um quälenden Ohrgeräuschen aktiv auf der Ebene des Hörens zu
begegnen. Tinnitus-Counseling, verhaltenstherapeutische Programme und Entspannungsübungen
(siehe jeweils weiter oben) gehören oft zu einer solchen Musiktherapie dazu.
Keine ausreichend sichere Belege liegen für folgende Verfahren vor: Hypnose, hyperbare
Sauerstofftherapie, elektromagnetische Stimulation, passive Musikanwendung oder spezielle Apps
mit frequenzgefilterter Musik liegen
Medikamente: Gegen idiopathischen Tinnitus als solchen nicht verfügbar
Da Tinnitus das Symptom unterschiedlichster Erkrankungen ist beziehungsweise in vielen Fällen
keine Erklärung für den Tinnitus gefunden wird (idiopathischer Tinnitus), gibt es auch nicht die
"Tinnituspille". Begleiterkrankungen wie Depression oder Angststörungen werden individuell
behandelt.

Gelegentliche Ohrgeräusche, akuter Tinnitus: Was tun?


Wenn Sie manchmal Ohrgeräusche haben, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden, sollten Sie nach
einer HNO-Untersuchung einschließlich Hörtest das Symptom als Warnsignal Ihres Körpers und
Ihrer Seele ernst nehmen.

Fragen Sie sich, was Ihnen das Pfeifen, Rauschen oder Summen sagen will, und überlegen Sie, wie Sie

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mit Stress und Überforderungen besser umgehen könnten. Gönnen Sie sich zwischendurch immer
wieder mal eine kurze Pause und meiden Sie die Stille, aber auch übermäßigen Lärm und allzu laute
Musik.

Setzt der Tinnitus sich fest, zeigt er sich in immer kürzeren Abständen oder tritt er plötzlich heftig
auf, sollten Sie sich spätestens dann innerhalb von ein, zwei Tagen bei einem Facharzt für Hals-
Nasen-Ohren-Krankheiten eingehender untersuchen lassen.

Wenn die Ohrgeräusche chronisch geworden sind


Wenn die ungebetenen Dauertöne sich dauerhaft einnisten, lassen Sie sich nicht entmutigen.
Versuchen Sie zuerst, sie anzunehmen und mehr über sie zu erfahren. Lassen Sie sich eingehend von
Ärzten und Psychotherapeuten, die auf Tinnitus spezialisiert sind, beraten.

In einem weiteren Schritt gilt es, wenn nötig mit fachlicher Unterstützung, die ständigen inneren
Geräusche in Ihr Alltagsleben mit einzubinden. Denn je mehr Aufmerksamkeit Sie dem Tinnitus
schenken, desto mehr kann er Sie plagen.

Familienmitglieder, Arbeitskollegen und Bekannte fühlen sich durch häufige Berichte über Ihre
gesundheitlichen Sorgen oftmals überfordert. Sprechen Sie deshalb hauptsächlich mit ausgewählten
Vertrauten, mit Fachleuten und mit anderen Betroffenen darüber, was Sie in Bezug auf den Tinnitus
bedrückt.

Was im Umgang mit Tinnitus helfen kann


Unterbrechen Sie Ihren Tagesablauf mit angenehmen Aktivitäten und versuchen Sie, auch
unangenehme Dinge gelassen zu nehmen.
In Selbsthilfegruppen können sich die Teilnehmer gegenseitig unterstützen. Die Deutsche Tinnitus-
Liga in Wuppertal bietet zusammen mit ihren knapp 100 über ganz Deutschland verteilten Gruppen
umfangreiche Informationen und persönliche Beratungen an (siehe Kapitel "Ohrgeräusche
(Tinnitus): Übersicht").
Eine gesunde Lebensweise trägt dazu bei, besser mit bestehenden Ohrgeräuschen umzugehen
beziehungsweise ihnen vorzubeugen. Dazu gehört, sich viel körperlich zu bewegen und sich
ausgewogen zu ernähren.
Stärken Sie Ihre Psyche und Ihr inneres Gleichgewicht. Das gelingt oft mit Entspannungsmethoden
und Stressmanagement, zum Beispiel unter Anleitung in speziellen Kursen.
Verhaltenstherapeutische Programme bieten bei subjektiv weniger stark belastenden chronischen
Ohrgeräuschen, aber auch schon in der Anfangsphase eines Tinnitus wertvolle Unterstützung. Einige
Forschungsinstitute haben computergestützte Selbsthilfeverfahren auf Grundlage strukturierter
kognitiver Verhaltenstherapien entwickelt, die jedoch noch keinen Einzug in die Therapieangebote
genommen haben.
Eine psychotherapeutische Beratung kann zudem helfen, den inneren Knoten und tiefergehende
Probleme zu lösen.
Nehmen Sie bestehende gesundheitliche Störungen, die auch Ihre Hörempfindungen beeinflussen,
ernst.
Halten Sie aber vor allem Faktoren, die das Gehör zusätzlich belasten oder nachhaltig schädigen
können, in einem gesunden Rahmen.
Lärmschutz ist für bestimmte Berufsgruppen unerlässlich. Zunehmend leiden auch junge Menschen
unter bleibender Schwerhörigkeit, oft verbunden mit Ohrgeräuschen. Der Grund ist überlaute Musik,
sei es über Kopfhörer oder in der Diskothek. Der beste Schutz für ihr Gehör heißt deshalb: Runter mit
der Lautstärke.

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Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Gerhard Armin Goebel behandelt Patienten mit Tinnitus und
Hyperakusis am interdisziplinären Neurozentrum-Prien am Chiemsee für ambulante Untersuchung
und Therapie. Mit Eröffnung der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Roseneck 1985 ist er einer
der führenden Mitarbeiter dieser Klinik. Zunächst als Oberarzt, seit 1999 als Chefarzt hat er
maßgeblich die kognitive Verhaltenstherapie (VK) für den Schwerpunkt stationäre Tinnitus- und
Hyperakusis-Behandlung entwickelt, worüber er publiziert und 1999 in der Hals-Nasen-Ohrenklinik
der Technischen Universität (TU) München habilitiert. Er ist mit Wolfgang Hiller (Universität Mainz)
Herausgeber des "Tinnitus-Fragebogen TF " (1994, 1998), "Tinnitus-Interview STI" (2001) sowie des
"Mini-Hyperakusis-Fragebogen (Mini-HQ9" 2014). Professor Goebel ist Mitglied verschiedener
medizinischer Fachgesellschaften im Spannungsfeld zwischen Hals-Nasen-Ohrenheilkunde,
Audiologie und Psychologie und seit 2002 Vizepräsident der Deutschen Tinnitus-Liga e.V.,
Wuppertal (DTL).

Fachliteratur für diesen Ratgeber:

S3-Leitlinie: Chronischer (idiopathischer) Tinnitus, Stand: 2/2015, gültig bis 02/2020. AWMF
Register Nr. 017/064; online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien
/017-064l_S3_Chronischer_Tinnitus_2015-02.pdf (Abgerufen am 19.03.2018)

Tunkel DE, Bauer CA, Sun GH et al. for the American Academy of Otolaryngology – Head and Neck
Surgery Foundation: Clinical Practice Guideline: Tinnitus Executive Summary, Otolaryngology –
Head and Neck Surgery 2014, Vol. 151(4)533-541, DOI: 10.1177/0194599814547475 (Abgerufen am
12.02.2018)

Kranz, D: Hypnotherapie bei Tinnitus. Ein Praxisleitfaden. Unter Mitarb. von Faller S, Schaaf H,
Göttingen, Hogrefe 2017

Jäger B, Goebel GA: Krankheitsbewältigung bei Tinnitus. PSYCH up2date 2017; 11(6): 509-525;
Thieme Verlag KG; DOI: 10.1055/s-0043-106978 (Abgerufen am 12.02.2018)

Goebel G, Hesse G, Mazurek B: Die neue S3-Leitlinie, Teil 1: Tinnitustherapie: Viele Optionen, wenig
Evidenz. HNO-Nachrichten 2016; 46(6): 02-05 (plus Quellenangaben)

Wanke I, Forsting M, Rüfenacht D: Pulssynchroner Tinnitus – radiologische Diagnostik und


Therapie. Neuroradiologie Scan 2, 2014; Thieme.de; DOI: 10.1055/s-0033-1359182 (Abgerufen am
12.02.2018)

Conrad I, Kleinstaeuber M, Jasper K, Hiller W, Andersson G, Weise C (2015): The role of


dysfunctional cognitions in patients with chronic tinnitus. Ear Hearing 36:e279–e289; online:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25906171?dopt=Abstract (Abgerufen am 23.1.2018)

Weise C, Kleinstäuber M, Kaldo V, Andersson G: Mit Tinnitus leben lernen. Ein Manual für
Therapeuten und Betroffene. Berlin Heidelberg Springer-Verlag 2016, eBook Packages Medicine, DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-642-54763-8, Print ISBN 978-3-642-54762-1

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Gürkov R: Basics Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, München Urban & Fischer 2016


Kreuzer PM, Vielsmeier V, Langguth B: Chronischer Tinnitus – eine interdisziplinäre
Herausforderung. In: Dtsch Ärztebl, Int 2013; 110 (16): 278-84.

Goebel G: Psychische Komorbidität bei Tinnitus. In: Psychiatr. Psychother. Up2date 2010; 4(6):
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/s-0030-1248615 (Abgerufen am 23.01.2018)

Goebel G, Floetzinger U: Pilot study to evaluate psychiatric co-morbidity in tinnitus patients with and
without hyperacusis. In: Audiological Medicine 2008, Vol 6 (1): 78- 84. Online:
http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/16513860801959100 (Abgerufen am 23.01.2018)

Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Hörsturz (Akuter


idiopathischer sensorineuraler Hörverlust). Leitlinie 01/2014, awmf-Register-Nr. 017/010. Online:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/017-010.html (Abgerufen am 23.01.2018: in
Überarbeitung)

Kröner-Herwig B, Jäger B, Goebel G: Tinnitus. Kognitiv-verhaltenstherapeutisches


Behandlungsmanual. 1. Auflage, Weinheim Beltz-Verlag 2010

Fachredaktion: Dr. med. Claudia Osthoff

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