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Gedanken zur actio libera in causa:

Straffreie Deliktsvorbereitung
als "Begehung der Tat" (§§ 16, 20, 34 StGB)?

ROLF DIETRICH HERZBERG

Mit seiner umfassenden Erläuterung des § 323 a StGB hat Günter


Spendet zugleich e!ne Abhandlung zur actio libera in causa vorgelegtt,
die sich über 13 Seiten erstreckt und im Rahmen eines Kommentars eine
ganz ungewöhnliche Leistung darstellt. H ettinger nennt sie in seiner
Habilitationsschrift eine "gute Dokumentation des Streitstandes" und
darüber hinaus "einen groß angelegten, zum Teil neuen Lösungsver-
such"2. Die Kennzeichnung trifft zu, doch scheint mir, als habe sich das
wissenschaftliche Gespräch des Spendelschen Lösungsversuchs und des
Neuen, das er enthält, noch nicht recht bemächtigt. Nach ihm erschienen
sind einschlägige Aufsätze sowie Kommentare und Lehrbücher in Neu-
auflagen, die ihn überhaupt nicht erwähnen oder es mit der Erwähnung
genug sein lassen3 • Sogar H ettinger gibt in seinem umfangreichen und
gründlichen Werk Spendels Lehre vergleichsweise wenig Raum und setzt
sich nicht eindringlich mit ihr auseinander, obwohl sie zu der seinen den
denkbar stärksten Gegensatz bildet. Ich will im Folgenden diesen
Gegensatz sichtbar machen, indem ich beider Standpunkte kritisch
würdige, und so einen kleinen Beitrag leisten, daß Spendels Gedanken im
Erkenntnisprozeß die ihnen gebührende Wirkung gewinnen4 •

1 Leipziger Kommentar zum StGB, 10.Aufl. 1985, §323a, Rdn.21-46 (im Folgenden
nur nach den Randnummern zitiert). .. .
2 Die „actio libera in causa": Strafbarkeit wegen Begebungstat trotz Schuldunfähig-

keit? Eine historisch-dogmatische Untersuchung, 1988. . . .


.
3
Streng, ZStW 101 (1989), 311, streift Spendels Darstellung nur 1~ ~mer Fuß~ote m.lt
einem „vgl. f emer" -Hinweis, obwohl sein eigenes „Ausdehnungsmodell _im entscheidenden
Punkt mit Spende/ übereinstimmt sich dort geradezu vorweggenommen findet. - Burkhardt,
Tatschuld und V h ld ·'.Drittes Deutsch-Polnisches Kolloquium über Strafrecht
orversc u en, m. d 1 "nh l li h d
~nd ~riminologie, 1988, S. 156, teilt zwa~ einen G~ndgedanken Spen e s i : t c u°:
nc~ti~ mit, geht aber der Stellungnahme mit der Begru~dung aus de~ Weg~, es wur~e~ „die
Prarnissen d"ieser Auffassung ... von der ganz überwiegenden Memung b · ·mcht geteiltd".
Rahm
• Eine umfassende Wiedergabe des Meinungsstandes anzus~re eo ist un eo. ie~es
4

Beitrages ru·cht smnvo


· d" F
11; was ie un dstellen des neueren Schrifttums angeht, verweise ich
auf Jakobs, AT, 2.Aufl. 1991 , S.499 f. Speziell zu Hruschkas Lehre vgl. unten, VI.

b
204 Rolf Dietrich Herzberg reie Deliktsvorbereitung als . Begeh
Stra (f un ~ dn Tat "
205
1. Spende/s Lehre im Überblick d rechtfertige keinen Ei nwand I d'
tl se lbst undes durch Montieren . . . n ic B h
einer Bomb d' ege ung der T
1. Präzisierende Bestiitigung J s"O Mor 1 b . c, ie d F . at
"' eitles ach dem Ur au scm Haus betritt f II en "e1nd ze -
An die Spitze stelle ich einen Standardfall de ß.
i-.n wen
n er n h h ·1 '
"dliche Gesc e en, we1 außer der H dl atur ich au h a e n „ 1· r
und der das Eigentümliche seiner Sicht beso~de~ auch Spende/ b . iv'• e eo b 'd b
~ es Jetzt 'd der zwischen e1 en estehende K
an un g auch .deren c
J,es un d h„ d . ausa1zusa
macht sich in einer Kneipe volltrunken, um gä gj~therklärt. Je ringt o . ~tJtlg . Tatbestan ge oren un die Tatme k rnrnenhang
Hause seine Frau mit einem Stock zu verprügeln Knz ic enthern,,..llland ~/!( objekt1.venes sich als „unzweifelhaft"' daß d1'e r mb.alke ausmachen"
. . ommt e „,t ~ ~ff! eise . . „ su Je t' ·
zur gep1anten Handl ung 1m Zustand der Schuldu f"h · s tatsächi· u i fflit ertld Straftat" mcht m der ganzen Begehu h iven Voraus-
J / • d h b
Spenue mit er ganz . A. e en das, was Hettinger fü n a igk . ich
eit, so IV'! O~~otlgetl er der Attentäter begehe ja ohne Fragngsp hase vorliegen
sw„ et1· penn Mord wenn er „vo"II'1g betrun kcn ist ode e.aucN dann einen .
die Bestrafung nach § 223 a StGB • Auch innerhalb rd~esetzwidrig ha"lt l
5 55
1eses L · t· f11JJet1detet1 Opf;r die Haustür öffnet und stirbt. Spr md arkose liegt",
Spende/ der Mehrheit insofern, als er das sog A h agers folg· vo., ~retl d dasl · h zur Aussage, daß f"ur d'1e „zeitliche B en e1hgelan gt u"ber
verwirft: Die Bestrafung bedeute "keine wirkliche" s usnda Inernodel/! fl'lol' Verg e1c dl ß bl ' . ' ege ung d T '
. b ahm , on ern d'esetl GB)" die Han ung ma ge ich sei, genaue d'1 d es at
sch em are Ausn e vom Grundsatz des zeitlichen E' k nur eine 1
§20 St d verantwortlich begangene Handlung 1·nr . e en Erfolg
Tatbegehung und Schuld"6• Halten wir zunächst die B hIn langs von (5. hen e . d. , seinem F II 1
die darin steckt: Entgegen einer im Schrifttum vordring: ~uptun~ fest, eJ'llfsac sehen und mcht 1e Rauschtat. Diese sei z a a so
~is Sichbe:au der Bombe, selbst ein Stück Tatbegehung wbar, ge.nau wie
meinung 7 sieht Spende/ eine "Begehung der Tat" schon in~ e~ Minder- u r: Jos1on h h d b.. . ' a er, w1ederu
gründe.nden Handlung„d~s Trinkens, die der Täter bis zur ;efetektb:- die ..,~p tirnrnend, ein Ge.~c e ~n, as e1 isohener Betrachtun d rn
5
ubere1n Jd nfähigen - Tater mcht zugerechnet werden kö gD em .-
chung im noch schuldfähigen Zustand durchführt. Schuld und T tbrrei- . chu u . d 1s d'1e Explosion
. nne. aß die
etzt s fü'r sich genommen, an ers a im h' .
h~ng s,?llen als.o in di~ser Phase zeitµch zusammenfallen, sollen „t~i~g:­ l htat d f" S d l ,entsmer m eme
d1eren , und d1es genugt Spende/, d1e Voraussetzung des § 20 StGB t· ]lausejung 1s
.flaJ! d
. t, begrün et ur pen e unter
kt keinen relevanten Untersch1ed •
. 9dem hier c e1'den den
h
der Täter ."bei Begehung. der Tat" einsichts- oder steuerungs un t"·haß
a 1g Gesichtspun
gewesen se1, zu vernemen. ung vor dem Versuch: Konfrontation mit einem D
Fre~ich sei das Sich~etri.n!cen - und nu:'1 fol~ eine wichtige Akzent- 2. Tatbegeh „ • ogma
v~rschiebung .und Entemseltlgung-:-- nur em Teilstück der Tatbegehung. . hi her ist das alles Bestatigung der herkömmlichen Sicht u d ·
ß1ser .. „
. e eine praz1s1eren dKl
e arsteJl ung dessen, was nach der nm · d'-
Em anderes bilde das Zuschlagen mtt dem Stock. Die indirekte Gesetze _
deren Smnssage des § 20 St GB f"ur d'1e Korunz1denz · · von Schuld mund
1
aussage, daß die Schuld "bei Begehung der Tat" vorliegen müsse s;.
ekten Au ß o· p · · B
darum im Sinne bloßer Teilabdeckung zu deuten 8• Indessen verstehe ~ic~ r b hung genügen mu . 1e omte rm egründungsgang Spendels
Tat
.
ege ß f" · A h
t die These, da es ur seme nna me emes urch die Rauschtat
· d
isc{sd ten Deliktes nach § 223 a StGB durchaus unerheblich sei, ob der
s Rdn.32. T~ en v~r der Wende zur Schuldunfähigkeit auch schon die Schwelle
6 Rdn.46. aterDeliktsversuch überschritten habe. Im Beispiel habe er es nicht;
7 Daß Bestrafungen nach a. J. i. c.-Grundsätzen auf ungeschriebenen Ausnahmeregeln
z~ Trinken stelle sich also zunächst, d. h. während es stattfinde und
zu §20 StGB beruhen (.außerordentliche Zurechnung"), lehrt vor allem Hruschka, JuS
1968, 554ff; SchwZStr. 90 (1974), 48ff; JZ 1989, 310ff; Strafrecht nach logisch-analyti-
se~ge die Realisierung der geplanten Tat noch ungewiß sei, lediglich als
scher Methode, 2. Aufl. 1988, S. 39ff, 43, 294, 327 u. öfter; übereinstimmend joerden, ~traflose Vorbereitungshandlung" dar. Diese "Ex-ante-Betrachtung"
Strukturen des strafrechtlichen Verantwortlichkeitsbegriffs, 1988, S. 35 ff; vgl. ferner Burk- :ereinbare sich aber mit einer retrospektiven Neubewertung, wenn es
hardt, wie Anm.3, S. l65ff; Haft, AT, 3.Aufl. 1987, S.129ff;Jescheck, AT, 4. Aufl. 1988, zur gewollten Mißhandlung komme. Die Herbeiführung des Defektzu-
S. 401 f; Kienapfel, AT, 1983, S.212; Kindhäuser, Gefährdung als Straftat, 1988, S. 120ff; 10
standes sei aus diesem Blickwinkel nunmehr auch "Begehung der Tat" .
Küper, Festschrih f. Leferenz, 1983, 591 f; Lenckner, in: Schönke-Schröder, StGB, 24. Aufl.
1991, §20, Rdn. 35; Neumann, Zurechnung und • Vorverschulden", 1985, 25ff, 269ff;
Otto, Jura 1986, 426ff, 431; AT, 3.Aufl. 1988, 23Jf; Stratenwerth, AT, 3.Aufl. 1981,
Rdn. 55 l; Gedächtnisschrift f. Annin Kaufmann, 1989, 485 ff, 495 ff; Wessels, AT, 21. Aufl. seiner gegebenen Formulierung unbeschränkt; nur muß man seinen Begriff . Begehung der
1991, § 10 III 4. Tat" richtig deuten.
s Rdn. 30 - Spende/ sagt hier etwas mißverständlich, die Formulierung des § 20 StGB 'Rdn.30.
könne .nur begrenzt gelten". Das kommt zumindest nahe heran an das Eingeständnis ein~r 10 Vgl. zum Ganzen Rdn. 32-34. Dieser Auffassung scheint Schmidhäuser, AT, ~tudB,
"wirklichen Ausnahme", die Spende/ in Rdn. 46 aber gerade bestreitet. M. E.•gilt" §20 m 2.Aufl. 1984, 5/76 f, nahezustehen, der aber die Frage nicht entschieden als die der

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Rolf Dietrich Herzberg
,
Straffreie D eliktsvo rbereitung als .Begehu ng der Tat"
206 207
. . h 511endel einer zweiten Koinzid
eigert s1c r ( b ." enzfo d
D amit verW . us dem Gesetzestext „ e1 Begeh r eru . 'h n nicht vereinbar, von hier aus gesehen also die Formulierung
· d e erste, a · Ung d ng it i ne ' Re1evanz erst mtt
d 1e . 1'h rer Positivierung erlangen
Jie nicht, wie i. d matischen Ursprungs ist und mit der er l'a , ~ er Ausnahme,
folgt, sonde~n re1dn honge Begründung verkoppelt wird : Die Tersten n1eist) eJJl "1J
könnte
eh bin ·nun d :r A ns1c· h t,. d a ß Spen del geg~nu„ ber be1den
·
eher bei'l"au fig un oh vor Eintritt . des D e f ek tes, a ber als T atbbegehnt Angriffen, die
i;ht ausdrückl~ch~ abe~ m der Sache ~emen . Sta~dp~nk~ in jeweils
Täter sc on h d at 'n
d
müsse er 1 was bereits der Versuc es fraglichen D ~gehun
könne nur g~ ten, . chen Begehung der Tat" und u .elikts se1g n hiedener Hmstcht fur unhaltbar erklaren, die Richt1gke1t auf seiner
kum zw1s " " nrnnt lb . . hat. Unzutreffen d ·ist, um 1m
versc · · 1 zu bl e1ben,
· Be1sp1e ·
Dieses Jun V 'rklichung des Tatbestandes" bestre· e are einerseits die
zur erw1 dl' h ·1 S ttet Sp 111 Seite e der T ·
rm k er .
sei sc h on b .
e1m T .
nn k en un d .
1m noch schuldfähi-
Ansetzen . h' als selbstverstän 1c g1 t. o nennt es R . ende/ j\nna hm •
hl es weit in hal d . oxzn , zustand wegen Versuchs (§§ 223 a, 22 StGB) strafbar geworden.
obw_o . h . d ß man in der Aussc tung er eigenen S h .unbe.
streitbar nc. t1g, Vaersuch der Tötung, der Körperverletzung c uldfähig. ~:dererseits h~t Sp~nd~l mit sein~m Begründun~~.modell k.eineswegs
· schon einen
ke1t d' herrschende Au ffassung zur vorsätzlich usw . sc hen rspielt", weil er nchug betont, die Defektherbe1fuhrung sei zunächst
ß"
mu ' .
wenn ie
11· denn die Verursachung d urch eine y 0 enb a'.1· I.. c. 11 „v~ Vorbereitung und der Versuch beginne erst, wenn der volltrunkene
haltbar sein so ' " .
egründet keine Tatsc u
h ld" 12 z .. r erenu
. war wurde Roxin d ' L " ngs. T~ter zu Hau.se auf sein: Fr~u losgeht. Es i~t in vielen Konstellationen,
handlung b . „. ·1 S ie osu auch der vorhegenden, nchug und notwendig, daß man - ex post! - ein
des Falles im Ergebnis bestaugen, we1 er' entgegen pendel, den Vers ng
. l'chen Körperverletzung schon (kurz) vor dem y 1 uch Täterverhalten schon als „Begehung der Tat" betrachtet, obwohl ihm
zur gefähf l . „ S d l „ er usc d nicht nur der Vollendungserfolg, sondern auch der Eintritt in die
ldfähigkeit beginnen sahe; aber pen e s Begrundung müß er
Schu 1 b . b " f 1 h
. en Standpunkt aus a s „un estre1t ar a sc verwerfen teAerfvorn Versuchszone erst nachgefolgt sind. Ja, diese Sicht ist oft so selbstver-
eigen . S d ld . · u de ständlich, daß w ir uns ihrer gar nicht bewußt werden und sie schlicht
anderen Seite würde Hettmger zwar pen e arm zustimmen, daß d r
praktizieren.
Ta„ter die Grenze zum Versuch erst zu Hause und kurz
· eben deshalb Je · d och Spendels Lösungvor dern
er
Zuschlagen überschreite,
fen und durch Anwendung allein des§ 323 a StGB ersetzen. De ve.nver- II. Versuchsbeginn und Rücktritt
dogmatischen Prämisse . g1'bt er den An h''angern der „Vorverlegunn ink der
1. Dogmatisch erzwungene Vorverlegung
struktion" recht, indem er aus §22 StGB „den frühesten z;gs onk-
. her Zurechnungserwagungen
strafrechtl1c ·· " entmmmt.· Die y 0 itpun h 'ft Die erste Behauptung zu beweisen scheint mir vergleichsweise leicht.
·
ergebe zwmgen , d daß · d V h b ·
eme em ersuc s egmn „ vorgelagerte s h nld't rsc Es ist offensichtlich das erwähnte Dogma, das sich hier die zu ihm
keine Schuld im Sinne der tatbestandsmäßigen, rechtswidri~e c u d passende Dogmatik erst schafft. Man will erkennen, daß das Ansetzen
schuldhaften Verwirklichung eines Straftatbestandes" sei · Daraus n uni! zum Trinken des soundsovielten Glases Bier in der Kneipe zugleich das
. „ so
folgen: .Wer m der Defektbegrundungshandlung lediglich eine y b unmittelbare Ansetzen zur Mißhandlung der zu Hause sitzenden Ehefrau
reitungshandlung sieht, der hat - gemessen an den dem StGB entn~~~~ ist, weil man meint, es so sehen zu müssen. Das Dogma „keine Tatbege-
baren Zurechnungsregeln - schon verspielt. Sein Begründungsmodell ist hung vor dem unmittelbaren Ansetzen" einmal hinweggedacht, würden
die Gründe, die angeführt werden, bestimmt niemandem genügen.
Zu entkräften ist die Begründung freilich auch ohne Widerlegung
ihrer Koinzidenzprämisse. Sie beruft sich auf das überwiegend verwen-
I:erpretati~n des B~es .Begehung der Tat" i. S. des § 20 StGB formuliert, sondern
dete Kriterium der „Entlassung aus dem eigenen Herrschaftsbereich"
;0,e;:g~~:!~ ~:~:=~:~~wert" und die .Rec~.tsgutsverletz~ng" b.etont, die schon und zieht damit eine Parallele zu anderen Fällen, wo der Täter die
stimmungmitSpende/be' R La egonnen .werden konnten. Deutlicher ist die Uberein-
beiStrtng wie Anm 3 S ~!Off ~ge, Festschrift f. Bockelmann, 1979, S. 261, und besonders Gefahrentwicklung aus der Hand gibt; etwa durch Absenden des vergif-
S
zungdes 16StGB) b;i · T b ' ~sen .Aus~ehnungsmod~ll" (in freilich falscher Ausgren- teten Likörs oder durch Losschicken des Kindes, dem eine Sachzerstö-
Versuch versclbständ' m at ege ungsbegnff ansetzt und ihn ausdrücklich gegenüber dem rung aufgetragen ist. Solcher Preisgabe von Herrschaft über das weitere
Igt.
" Von Roxin (im Anschluß N Geschehen wird nun die Selbstenthemmung gleichgesetzt. Aber diese
GA 1989, 9 (im Anscbl ß H an eumann) a~s .Tatbestandsmodell", von Hettinger,
b.zcichnei. u an ruschka) eher pejorativ als "Vorverlegungskonstruktion"
" Festschrift f. Lackner 1987 " Wie Anm. 2, S. 439. Vgl. ferner etwa Wessels, wie Anm. 7, der die herkömmliche
Puppe,JuS 1980, 347. ' • S.313. Im selben Sinne z.B. Horn, GA 1969, 293; Begründung nur dann für .tragfähig" hält, "wenn man schon das Sichversetzen in den
Defektzustand als Versuch des betr. Vorsatzdeliktes gelten ließe" .
Rolf Dietrich Herzberg Straffreie Deliktsvorbereitung als . Begehung der Tat" 209
?Q8
• 'ß h t daß auch für schuldunfähige ..,..„ uf ihr Flehen hin sinken läßt. Jakobs macht hier d' f ·1 d
1111 ac te ' V b . i ater d'
StoCka bh" . b d 1e stra t1 gen e
_nelisierung . d zwischen or ereitung und u . ' 1e 7.u „,„ kung davon a angig, o " er Grund des Rücktritts be' V 1
par.iu hlossen sin ' ßN h . . nniittelb t wlf f"h' k · b h l war". Andernfalls 1m er ust
-•tat entSC h' d n werden mu . e men wir an, in unser are"'
tnu
SJ\nsetzen u~te rsc ie e l r ·· . h
Ukommen harm ose ater sic ohne bö
eni B . „,
eispiel er Zurechnungs a ig eit. hvorR"e ka ten
.
d ;,.,ition unverantwort1ic e uc tnttsverhalten des Zurech
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e1 „ as per
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ätte der bisher vo eh dem Verlust der Schuldfähigkeit se. Absicht V.egef„. f · ·11· L · d
n keine re1w1 .ige e1stung es Täters"l4· Aber das kann mc
nungsun a-
· ht
h trunken und erstd narkennend, d'ie Eh efrau zu verprügeln b, seine 1'c.nt-
h1. men. Der psychische Defekt des Volltrunkenen ist für de R „ k ·
be 't freu ee "ß f eschl stJJJl h bl. h . f " d V . n uc tntt
hernrnungrn1 . h Begründung zu, so mu te man olgerichtig Ossen.
'fräfe die fr~ghc e b dieser Entschließung als unmittelbare sAchon den
enso uner e ic wie ur en ersuch. Eme Beurteilung die de T"
eb T 1 h . h d' , n ater
bei böser at ent astet, at m~ t 1e Kehrseite, gutes Verhalten zu
ersten c-hntt Bnac
d Ergreifen des Stocks oder das Verlassen ds K nsetien
twerten. Der schwere psychische Defekt macht nach dem G
betrach~en, z.: e.de~sVersuch und die „rechtswidrige Tat", die n:~h neipe;
;)<,
en ld f"h' " . h b . . esetz
3 allein „schu un a 1g , mc t a er zugleich unfähig zu freiwilliger Lei-
schon dies war h nwürde. Es mag also zwar richtig oder disk b§ 23 a stung, wie Jakobs ?eha~ptet.
StGBstrafbodarrnaNc. eht-mehr-Kontrollieren der mit dem Deliktuta elsein, Seine Fehlsicht ist mit _der Vorverlegungstheorie vielleicht nicht not-
N eh- er ic . d sentschl
das 0
haffenen e
G fahr über Vorbereitung un Versuch entsch .d uß
d d e1 en wendig verbunden .. Ro~:n, obwohl mit Jakobs sonst betont gleicher
gesc b d' eses Kriterium muß ann so ge eutet werden daß K'1 zu
1 Auffassung, le~~t s~e ab . Trotzdem ist unverkennbar, daß die Theorie
lassen. Ade:. und Volltrunkene mit ihrem Versuch nicht frÜher b .nder, den Fehler. beg.u.nsttgt. ~enn er hängt damit zusammen, daß Jakobs das
N0 tstan
d staterM a W. Der Verlust der Kontrolle über das k" eg1nf~en
Gewicht emseittg auf die Defektschaffung legt. Um den frühen Ver-
als an ere. .nicht . „daraus gefolgertwerden, d aß derpotentielleT"un h~e suchsbeginn zu begründen, muß er vom Noch-Schuldfähigen als dessen
Gesehehen darffürchtende Tat schuldlos begeh en wurde. .. aterd1e
alte.r ego den" Vo~.ltrunkenen abspalten. Di.eser ist „Werkzeug", jener nur
von ihm zu be „mittelbarer T~ter, dem nach allgememer Regel der Rücktritt des
Ausführenden mcht zugute kommen kann - es sei denn, er selbst, also
2. Probleme des Rücktritts der Schuldfähige, wär~ der Urheber. So entpuppt sich Jakobs Lösung
zuletzt doch noch als eme Konsequenz, nämlich als die einer Fiktion, die
a) Entsprechendes gilt für Rücktrittsfälle.
. dWill
. jemand eigenh"and.1g den Kern der Vorverlegungstheorie bildet: Bezogen auf den schuldfähi-
ein Delikt verüben und kommt es aus 1rgen emem Grunde nicht gen Versuchstäter sei der Berauschte ein „anderer" i. S. d. § 25 I 2. Alt.
Vollendung, dann darf dem Täter der Befund seiner Schuldunfähig:ur StGB. Jakobs geht darin so weit, daß er dort, wo trotz der Fiktion die
an keiner .Stelle der Gesetze.~deutung 7um Nachteil gereichen. Ang~'. mittelbare Täterschaft entfällt (z. B. beim eigenhändigen Delikt des § 316
nommen, 1mAusgangsfall erfährt der Wirt, zu welchem Zweck sein Gast StGB), „die Ermöglichung der Tat in der Zurechnungsunfähigkeit (als)
sich enthe~~ hat, und durchkre~zt dessen Vorhaben durch Drohung Teilnahme ... an eben dieser eigenen Tat" zu bestrafen fordertl6. Aber
mit der Polizei oder durch teleforusche Warnung der Frau. Die Vorver- Fiktionen muß man dem Gesetzgeber überlassen. Sie sind in der Dogma-
legungstheorie hat hier die Bestrafung nach §§ 223 a, 22 StGB zur tik nicht statthaft und führen wohl zwangsläufig zu Annahmen, die mit
Konsequenz, weil für sie der Versuch schon vorliegt und nicht etwa dem Gesetz unvereinbar sind.
strafbefreiend getilgt wird, sondern fehlschlägt oder höchstens unfrei-
willig. au~gege.ben wird. Das ist aber keine sinnvolle Konsequenz. Denn
der elßZlg~ Smn der Ad-hoc-Begründung eines im Trinken liegenden III. Koinzidenz von Tatbegehungs- und Versuchsbeginn?
~ersuchs ist, d~ Straftätern die vorgängig-gezielte Beseitigung der Was die zweite Behauptung angeht, so muß die Begründung weiter
e1~enen Schuldfähigkeit keinen Vorteil bringe. Daß sich nun unversehens ausholen. Schnell klarstellen läßt sich nur, daß Spendels prinzipielle
belffi Volltrunkenen als unfreiwilliger Rücktritt vom strafbar bleibenden Trennung zwischen dem Versuchsanfang und dem (ex post erkennbaren)
Versuch darstellt, was beim nur mäßig Enthemmten ein Aufhören im Beginn der Tatbegehung formal keine Schwierigkeiten macht. Wenn in
Vorbereitungsstadium wäre, das kann man nicht gut finden sondern nur §22 StGB das „unmittelbare Ansetzen zur Verwirklichung des Tatbe-
notgedrungen in Kauf nehmen. '
tLEine ~dere Frage ist, welchen Wert ein Rücktritt hat, den der actio- 14 Wie Anm.4, 17/68.
B. ra~Tater nach unzweifelhaft begonnenem Versuch übt; in Spendels " Wie Anm.12, S.319; AT, 1992, S. 579, Rdn.63.
16 Wie Anm.4, 17/67.
elSptel also dadurch, daß er den bereits gegen seine Frau erhobenen
Rolf Dietrich Herzberg
210
Straffreie Deliktsvorbereitung als BcP h d
• n~ ung er Tat"
r ein Mangel bei „Begehung der T " 211
. ~ 20 StGB abe 'ff at vo
tandes", 1n ' h so differente Begn e sogar eher geg rausg
s . d nn sprec en en als f" e- r!';;per sucht dieser naheliegenden Kritik ausz · h .
setzt ist, a17 • •
\Jr die /.\." h 1· h . . uwe1c en indem
Kongruenz · II ng istallerdmgs wemg gewonnen. Was d hoc hst ausfüd ßr 1c eme

d
zweite Begründung nachs h' b Ih,
d' c ie t. r Kernge
er
MitdieserFed~tste
1
hutliche Logik verbieten. Und der logischer~ 0 rtlaut d anke ist,
·h·
a m~
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as, was 1e

„Begehung der Tat" . II
sein so Ja
.-
erlaubt, kan n e .rec r definitionem . vortatbestandl'iches als e E1 nwand hließhc 1rgen wie egrenzen musse, und daß niema d d f" '
sc igneteres als den Versuc hsbegmn · vorzuweisen habe20n Da ur. etwas
daß man em pe d T d' , o Und 1· Gee · .
lautet, . ht als Begehung er at, 1e das Delikt e 1kti- „ b l h b . auf gleicher Eb · as· ist eine
sches Verh~~ten nKic„per hat das so ausgedrückt: Erst das u au.sll'lache pr ag mat1sche V er egung. Ic egegne ihr
„ H . .
·
ene mit memer
verstehen konne.
. ~u StGB „kann als vorsatz „ 1·ic he ,Begehung " nmnt
d elb are' 'fhese, der Kuper- ettmgersc.he Lehrsatz sei unpraktikabel und das
en"iS.von, 22 'b . er'fa• · daraus folgende Verbot werde m manchen Fällen gar nicht be k d
Ansetz · V h ltensbeschrei ungen wie etwa ,Beschäd' t lll) . d 'ß h . . mer t un
ah von er a , T" · tgen · tillschwe1gen m1 ac tet, we11eme Verneinung des Delikts d'
R men „ 1. h Mißhandlung, , oten emes Menschen' einer sFolge hätte, mc · ht ernst1·1ch m
. Betracht komme. , 1e es zur
Sac he•, ,korper 1c e h„ d
lle früheren Handlun~en ge oren agegen m das tatbes en
. verstand
wedrddeahn. A nrechtsneutrale Gebiet der Pla~ung und Vorbereitung''.~nds-
· S h"l H ettmger: „D'ie au „ ß
2. Überprüfung anhand§ 16 StGB
un eru
. „ ßert sich sem c u er erste A f . 1"'"'
selbenlSI inneba~andlicher Zurechenbarkeit ist (auch) bei den vorsätn l~nhgs­ Dies zu er.kennen fällt leichter, wenn wir die Problematik einmal
schwe etat es hb . W . . . z ic en
. Erf 1sdelikten der Versuc s egmn. as Jenseits dieser G nicht, wie üblich, auf das Feld der actio libera in causa beschränkt und als
reinen
. o gwar zur Verursac ung e1tragen, sc e1 et aber m ren?e·
h b · h 'd ein Spezifikum des §20 StGB sehen. In Wahrheit kann sie überall
liegt, mag z „ fu k · z angels auftreten, wo das Gesetz für ein Bestrafungshindernis, sei es im Tatbe-
Vertypung als tauglicher .Anknup li „ ·
ngspun t emes urechnungsu .
V b . ne1 s
alls die Qua tat emer , or ere1tungshandlun , 1 stand, bei der Rechtswidrigkeit oder der Schuld, auf den Zeitpunkt der
aus. Es hat allenf „ · . tl bd g und Tatbegehung abstellt. So kann erst im Verlauf des vom Täter inszenier-
il 't dieser die strafgesetzhche
tetm1 "hd
Fes egung, e eutungslos zu sein" 19
.
D1ese Argumentation leidet zunac st aran, dß'' a sie m sie 'h unschlüss· . . ten Geschehens ein rechtfertigender Notstand entstehen oder statt der
. „ l l l'k ". 1g ist. Schuldfähigkeit ebensogut die Vorstellung der Umstände schwinden, so
W ·1 der Deliktsversuch mcht uberal a s De 1 t „vertypt ist und oft selb
Cl l G b' d V b
h in das tatbestandsneutra e e 1et er or ere1tung fällt, kann d
. " St daß es sich fragt, ob der Täter, wie es§ 16 StGB fordert, „bei Begehung
noc " II d' G · h er der Tat" den Vorsatz hatte.
Versuchsbeginn nicht ge~er~ 1e renze z~1sc en „st~afgesetzlich
Stellen wir uns vor, der Psychotherapeut P schreibt im Lauf des Tages
bedeutungslosem" und delikt1schem Verhal~en ziehen. Wer emen beleidi-
eine Menge Briefe. Einer davon richtet sich an den Vater eines Kindes, für
genden Brief schreibt und abse~det oder. emeI? noc~ Abwesenden eine dessen Behandlung Pin seiner „Liquidation" durch übertreibende Anga-
Heftzwecke auf den Stuhl legt, uberschre1tet die Dehktsgrenze nicht vor
ben zum Zeitaufwand bewußt mehr fordert, als ihm zusteht. Der Brief
der Vollendung. Vorher ist sein Verhalten „nach strafgesetzlicher Festle- bleibt nun im Umschlag noch stundenlang liegen, und P, mit neuer Arbeit
gung bedeutungslos", selb.st wo man es sc~o~ als. „unmittelbares Anset- befaßt, vergißt ihn vollkommen. Am späten Nachmittag schafft er alle
zen" bewerten könnte. Kerne Strafrechtsw1dngkeu ohne Straftatbestand; Briefe zur Post, wobei er nicht im entferntesten an das unredliche
und einen solchen bildet der Versuch bei §§ 185, 223 StGB nicht. Wer Schreiben denkt. Dessen entsinnt er sich erst wieder, als er einige Tage
dennoch auch hier die Tatbegehung mit dem Versuch beginnen läßt, kann später einen Verrechnungsscheck über den geforderten Betrag erhält.
seiner Kongruenzthese jedenfalls nicht die zitierte Begründung geben. Man darf wohl davon ausgehen, daß niemand am Vorliegen eines
strafbaren Betruges zweifeln würde. Wann aber hat hier stattgefunden,
was §22 StGB als „unmittelbares Ansetzen zur Verwirklichung des
Zutreffend und ganz im selben Sinn Streng, ~tW 101 (1989), 312.
17
11
Tatbestandes" bezeichnet und was den Versuch begründet?
Der .verschuldete" rechtfertigende Notstand, 1985, S. 62.
Wie Anm.2, S.462; vgl. auch Paeffgen, ~tW 97 (1985), 516. - Unklar Baumann/
1
'
Wtber, 9.Aufl. 1985, S.363. Sie glauben, bei der a. I. i. c.•Schwierigkeiten im Versuchsbe- a) Die übliche Sicht: bewußte Überschreitung der Versuchsschwelle
reich" durch einen .weiten Tatbestandsbegriff• zu vermeiden, weil nach dem .engen" sich
.dasSicbbctrinken keineswegs als Ansetzen zur Verwirklichung einer vorsätzlichen Tötung" Nicht auszuschließen ist die Antwort, daß man den Versuch schon im
dar~lle. Dann aber sagen sie selbst apodiktisch, das Sichbetrinken sei .niemals das Schreiben des Briefes erblicken müsse, weil der Täter danach ja nichts
,unmittelbare Ansetzen' zur Verwirklichung des Tatbestandes i. S. d. § 22 StGB" · Was soll da
der•weite Tatbestandsbegriff" noch bewirken? Erfüllt ein Tun nicht die Voraussetzungen des
S22 StGB, kann es kein Versuch sein. 20 Wie Anm. 18, S. 62-{,6.
Rolf Dietrich Herzberg
,
Straffreie Deliktsvorbereitung als "Bcgehun~ der Tat"
212 213
. B rugsvorsatz tue. Wer so antwortet, bernüh .
rnehr rn.1t et onie mit dem zu halten, was üblicherweis t sich, se· 'terhin seines Betruges bewußt bleiben wird t b . .
we1 K V 1· h
. fes in den asten. ermut ic würde niema d d .
' e wa e1m Emw f d
ur es
Lösung !n. Harm B die Redeweise von der "Feuerprobe edgelehrt wt'd'c
er k . . r ßr1e d T '' b . S h 'b n ' er m Kenntn ' d
. hzieren z. .
So 1mp "
d. d
d ndere Wendungen, ie as „unmittelb rit1sch · Tatsachen e~ ater e1m c re1 en zusieht, das Urtei] fällen ts . er
.1tuauon . un die a Annahme, da ß der T"ater d'ie Schwelleare Ansetzen• en bereits jetzt em B~trugsversuch vo~. Was man aber in der Ge e' es hege
. hg ~wan als
S hrasieren, . d .. i· h zum V flose Vorbereitungshandlung emstuft, das darf
para.P k II r Kenntnis sicherer o er mog ic er Tatbesta d ersuch stra . b 'J h b d .. man nie t im nach-
in a tue e d. d .. n sve . .inein dahm eurte1 en, es a e en Tater doch sch . .
nur "b schreiten könne. Puppe sagt ies aus rucklich und b l\\r1rkli- h kt wegen V ersuch es straf bar werden lassen2s on zu 1enem Ze1t-
chun.gbu e~ hnenderweise nicht auf das Gesetz, sondern a f d~ruft sich pun . A h . . Ab d
er avon ganz
abgesehen:. Die lb nna d me emes Versuches schon durch das schre1·ben des
'k"· o·e Versuchsdogmau'k geh t d avon aus, d aß es irgu d ie „Dog.
dabei ezeic
·efes 1st se st ann,· wenn das Schwmden
.
der Dei.kt II
mau. kr'. ". he ' Situation gi'bt, d'ie sie . h al s d'ie Z"asur zwischen wa nn . . . ßrl d . 1 svorste ung
eine iusc V h . b en straf] erwartet werd en k. ann, m er Sache ..h d nicht. überzeugend ' weil es an d er
. g und strafbarem ersuc eignet, e en weil . I . oser
Vorbere1tun kl' h .. h . d d sie 1 in 'h zuspitzu~g ( unm1ttelb are Gef a r ung 1~ der Tätervorstellung) noch
'd t ob ein wir ic er tatmac uger un eshalb St f 1r
entschei e , 1· " D' ra rech I' fehlt. Fruhestens behaupten kann man sie für den Zeitpunkt d d
Täter durc~ Abse~?ung des ~rie~es die „Herrschaft" über das Tat;itt:~
r Deliktsvorsatz vor iegt . ieser „entsteht also erst . t ich
re1evante . 1 d. T h d' mit und .
Wie der Wil e ie at, so mac t erst ie Tat den w·11 II] verliert. Die ~egrundu!1g, d1~ diesem ~ominanten Kriterium gegeben
der Tat ·e betont Hettznger:. Ob' k ·
" E je buve d b'
un su jektive Ve
. 1 en"11
h ..
Dasse lb „ 'd rsuc sse wird, beruft sich zwar ihrerseits auch wieder auf das erwähnte Do
. gen sich also gegenseitig. rst ei e zusammen konsti·t . tte · · · 1 · hb
So will Roxtn m .emem ~erg e1c .aren Fall den Erpressungsversuch,
gma.
bedin hshandlung' i. S. emes . af b d " 22 u1eren d'
Str tat estan es • Auch die h ' 1e entgegen Otto26, mch.t „mit der begmnenden Kenntnisnahme durch das
VersUc . lb ste end
densart der Täter müsse, um unm1tte ar anzusetzen, „sub' k . .e Opfer", sondern "mit der Absendung des Erpresserbriefes" einsetzen
Re ' . h 1 ' "b h . "23 hl. je tlv die
Schwelle zum ,jetzt ge t es os u ersc rei:en ' sc ießt es indirekt al Jassen, weil der Vorsatz „beim Eintritt in das Versuchsstadium vorhan-
unmöglich aus, daß der Täter - nach dehktsbewußter Vorbere' s den sein muß" und der Täter den Übergang nicht etwa während des
unbewußt in den (strafbaren) Versuch hineingleitet. Und um einitlung - Mittagsschlafes vollziehen könne27• Aber wir dürfen uns auf das Herr-
. . . d L„ d . etztes
Zitat zu bnngen: Roxzn nennt je e osung „ ogmatisch unhaltbar" d. schaftskriteri~m ruhig einlassen, weil in Wahrheit, wie unser Beispiel
es möglich sein läßt, daß „der Zeitpunkt des Versuchseintritts vom r'·· ie zeigt, auch seme Verfechter gezwungen sind, sich von der Vorstellung,
· d h · h 'l d ater
unbemerkt" ?~~ibt; „ as .ge t mc t an, wei er V ersuch einen auf die bei Versuchsbeginn müsse der Täter aktuellen Vorsatz haben, zu verab-
Erfolgsherbe1fuhrung genchteten Vorsatz voraussetzt, der beim Eint · schieden. Wenn man die Dinge einmal im systematischen Zusammen-
in das Versuchsstadium vorhanden sein muß" 24 • ntt hang betrachtet und durchdenkt, ist das auch nur folgerichtig. Dann der
strafbare Versuch einer Straftat ist ein Delikt wie andere auch. Er hat
seinen eigenen Tatbestand mit einem Handlungsmerkmal, für dessen
b) Kritik Verwirklichung Sonderregeln zu kreieren Anlaß und Berechtigung feh-
len. So „tötet" in Spendels Beispiel der Täter sein Opfer in dem Augen-
Angesichts solcher Aussagen sollte man sich gegenwärtig halten, daß
blick, wo es nach Explosion der Bombe stirbt und er selbst in Narkose
sie, obwohl den Anschein gesicherter Erkenntnisse und Prämissen
liegt. Wie beim Mord die „Tötung", so bildet beim Versuch die „Anset-
erweckend, doch nichts weiter sind als fragwürdige Hypothesen.
zung" den Deliktserfolg, und wenn man im Schlaf „töten" kann, warum
Immerfort bleibt zu prüfen, ob sie nicht vielleicht doch den Gesetzessinn sollte man dann nicht auch unbewußt zum Töten „ansetzen" können?
verfehlen und dadurch die Fallösung verzeichnen. So gesehen ist die
oben formulierte Antwort auf die Frage nach dem Versuchsbeginn eine
petitio principii. Sie beugt sich einem Dogma, statt es anläßlich des Falles
anzuzweifeln und zu überwinden. Der Zweifel muß sich schon deshalb
:zs Zur Klarstellung: Es wäre dies etwas ganz anderes als Sp~ndels Wechsel ~on der ex-
einstellen, weil beim Schreiben noch unklar ist, ob der Täter sich nicht ante- zur ex-post-Bewertung. Nach Spende/ ist der Täter auch m der ex-post-Sicht gerade
noch nicht beim Sichbetrinken strafbar geworden.
26 JA 1980, 645; wie Arun.7, 1988, S.270ff. . .
21
GA 1984, 117. 21 JuS 1979, 10. Im Ansatz wie hier aber AT, wie Anm. 15, S..202? R~.n . 99: . die
21
Wie Anm. 2, S. 462. Erreichung des Versuchsstadiums" als .Erfolg" des Versuches; folgenchug ware danach,
23
Dreher/Tröndle, 45.Aufl. 1991, §20 Rdn.11 · BGHSt. 26 303. auf bewußter Erreichung nicht länger zu bestehen.
2• JuS 1979, 10. • ' •
. --~

Rolf Dieirich Herzberg Straffreie Deliktsvorbereitung als . Begehung der Tat" 215

214 fällen, geste~t sogar Hettinger seine . A händigen des Briefes, über das D elikt entscheidet. Die Situation
. rt mit sol~he~ . das Anbnngen der Bombe „di
111
Geg. b~~JTl di~:elbe wie die ein~s zum Mor~ ~ntschlossenen, der sich beim
J(onfrodn/oeu natiirhch se1··ge auch bei Distanzdeliktene AusfGh. \\'~eh des Gifttrunkes keme andere Mogl1chke1t der Tod esverursachung
e z ' • d an mo " · ·
ner Spen dl ng", un !11 Gefährlichkeit zur Bestimmung d
auf d
en M1S~efI't, als daß er selbs~ sei~em ~?fe~ de~ Trank.darreicht, o?er der bei~
28
rungshd u (unrnittelb~ren] Aber er scheint nicht zu beme ker Ver. vorsf d Pistole willens ist, e1genhand1g semen Feind zu erschießen. D abei
Aspekt e~ zurückgreifen . ssion ein Grundpfeiler seines ~ eb·~ daß l(~Ul e~ e sich wohl von selbst versteht, die Festigkeit des Tatentschlusses
suchsd~nrz beiläufigen Konzte als in der "Ausführungshandlun e. audes sp~e \~:lle. Auch wer sich bei d er Vorbereitung für ".definitiv" entschlos-
· 1ese ·n sons g s II
out bricht. Denn wonder Tat" liegen, da doch außer ihr kein ak . te keine kl„rt muß sich doch durch d en Vollzug der eingeplanten späteren
weg die Begehung b ·st? Und wenn der Versuch erst . tiv. sen ~l ~g '(Übergabe des Briefes, Anbieten des Getränks, Abgabe des
denn
ursac

. hJiches Tun g d
ege en 1 ·
G fähr ung
h · ·
beginnt dann sc emt mir zugestand
' . T b .
tn1t d
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er ~~ss~s) erst noch e~tsch:iden, daß er am Entsc~.Iuß festhältynd die T~t
~ittelbaren e di M''glichkeit einer atvor ereitung ("'Mo . as S f .. hrt. Der Täter sieht sich unter solchen V mstanden vom Ubergang m
un„„
e
der Bom e,
ll· e o
s nicht geben.so . .h
b ) d1e s1c ex P .
d T
·· h
h Bewußtsein war, zunac st zum Versu h •
.
ost als Begehung er at erweist, weil es s „ n
nt1ere
Pater
:ts ~eliktszone gleichsam noch abgeschirmt durch die Schwelle der
k~~ ftigen, deliktsbewußt-verantwortlichen Entscheidung. Man kann
d Täter o ne . c und uhl sagen, daß dies bei deliktsvorbereitenden Akten der Regelfall ist. V nd

r
währen er d ekommen ist.
dann zur Vollendung bg ·spiel liegt es nicht anders. Nach§ 16 StGB
Betrugs e1bei Begehung der T at " h a b en. Da p sich rnuß
!f
~~ihn trifft nun tatsächlic~ zu, was Küper und 7tti~ger irrtümlich für die
In unserem
.. .
. r tvorbereitung schlechthm behaupten: daß Sie in ein " unrechtsneutraJes
debiet" falle, daß sie. „als tauglicher An~üpfungspunkt eir:,es ~urech-
- den Vorsatz " .. d l .h seiner
T
der ater dd ·teren Tarumstan e a s 1 rer mog11chen Folg
un er we1 d .. 1. h e nur
Täuschung. b wußt ist kann, wer en vorsatz 1c en Betrug b · h ungsurteils" ausscheide und "strafgesetzhch bedeutungslos sei. Denn
b · Schreiben e ' h eJa t ~uch dem deliktswillig Tätigen muß das Recht einen Freiheits- und
alleun·n das Schre1.ben als die. Tatbegehung
.
anse en. Ins Versuchsstad· '
d . . 1urn
m_
·tt p erst spater „„
ei • e:" sei es rrut Absendung . f es f··Bnefes, se1 es noch
nn der Adressat den Bne emp angt oder zu le
Betätigungsspielraum gewähren. Es darf die Grenze zum Handlungsun-
recht und zur unerlaubten Risikoschaffung nicht schon für überschritten
spater, etWa we sen erklären, wenn jemand Kordel kauft, um einen anderen zu fesseln, oder
T t. dsätzliche Möglichkeit einer "straffreien Deliktsvorbereitun Papier, um darauf einen beleidigenden Brief zu schreiben. Was aber im
ie grunh gder Tat" scheint mir nach allem schwerlich bestreitbar. Deg Sinne solcher Freigabe als strafrechtlich irrelevant zu gelten hat, das darf
als Begeun · · der 1m · B. · 1den P nach §263 StGBr man auch nicht als (potentielle) "Begehung der Tat" (§§ 16, 20 StGB)
Sacenach räumt i·eder sie em, fall
h eispie
h ·h · d em Schreiben des
bestrafen und den Versuch jeden s noc ruc t mit einstufen.
Briefes beginnen lassen will. Freilich bedarf dies noch einschränkender Präzisierung. Die Sicht des
Täters entscheidet nur insoweit, wie die Begehung einer Vorsatztat in Rede
J. Differenzierung zwischen reiner Tatvorbereitung und steht. So ist das Schreiben des betrügerischen Briefes auch dann nicht (ex
potentieller Tatbegehung post) Begehung des Betruges, wenn der Täter den Brief, statt ihn, wie fest
geplant, auszusondern und selbst zu überreichen, versehentlich im Stapel
Doch drängt sich nun eine Frage auf, die ungeachtet der damit läßt und mit den anderen versendet. Und der Giftmischer hat durch diese
verbundenen Verkomplizierung beantwortet werden muß. Ist etwa jede Tätigkeit nicht etwa (im nachhinein) einen Mord begangen, wenn er zu
Deliktsvorbereitung diesseits der Versuchsschwelle im nachhinein schon seiner Überraschung das Opfer tot findet, weil es gänzlich unerwartet von
ein Stück .Begehung der Tat", oder kommt ihr diese Bewertung nur in selbst das Gift getrunken hat. Auch in der Retrospektive stellt sich uns hier
gewissen Fällen zu? Die richtige Antwort wird durch eine Abwandlung die Vorbereitung nicht als Begehung der Vorsatztat dar, weshalb man trotz
vorbereitet und erkennbar. Angenommen, P hätte den Brief mit den des deliktsgerichteten und -bewußten Handelns nicht sagen kann, der
falschen Angaben dem Vater seines Patienten, in Erwartung von Rück- Täter habe den Vorsatz bei Begehung der Tat gehabt. Im Sinne eines
f~en und um sofort zu kassieren, persönlich überreichen wollen. In Fahrlässigkeitsdelikts kann sich aber das fragliche Tun nach Eintritt des
fesem Fall hätte.P beim Schreiben vom weiteren Ablauf eine Vorstel- Erfolges selbstverständlich sehr wohl als die Tatbegehung erweisen. So,
ung, wonach er m voller Verantwortung erst in der Zukunft, nämlich wenn der Giftmischer die Selbstbedienung des Opfers zwar nicht voraus-
gesehen hat, sie aber hätte voraussehen müssen und also im Hinblick auf
" Wie Anm.2, S.420, Fn. 436. dieses Risiko sorgfaltswidrig gehandelt hat.

'
Rolf Dietrich Herzberg · Deliktsvorbereitung als "Begehung der Tat"
Seraffre1e 217

116 h d. A t es nun später tatsächlich zum unmittelbaren Anset-


• d likt ist demnac ie usgangsfra
h .. kt auf das
Vorsatz e . 1 D 1· ge so . ··b wird.
V uchsbegmn vorge agerte e iktsvo b zu tJ e 11 T„ten, a nn liegt es nahe, schon
J(ornrnd . mit dieser Destruktion der
ßesc rann· Eine dem .~rs ·1 noch nicht "Begehung der Tat" r crcj. n und ~ h Hernmungsinstanz die Begehung der Straftat, wenn-
beannvorte . ost-urte1 .. b d. D 1· , 'Ve ze 0 rthc en h b . h
. t auch im ex-p ·ß vorgestellt hat, u er ie. e iktsvolJend nn rantw . h deren Versuc , egmnen zu se en .
tung~:ter es sich als ged\erantwortlich zu ent~cheiden. Unser !\.rung ve
leich noc
h nie t . d II
rledigt sich nebenbei er vor a em von Neumann
der och bewußt un 11· h mit dem, welches im Lager der Vo lle. g 50 betra~htet ~ es lasse sich in Vorsatzfällen weder generell noch
pa„ter n . al · ha t 1c d . rverJ
s. deckt sich so in p P'fle Jakobs un Roxm verwenden D e- erhobene EinNwa~;eis führen, daß "die Herbeiführung des Defektzu-
num Uem hu dem r ' Gesagten beim · Vorsatzdelikt f"" · en n t
gungs
theorie vor a
t es nac d T.. . ur den r·
konk re der l ac r den tatbestand ma··ß·1gen E r f 0 lg" geword en sei"Jo.
d S kausa
ß d · u Begehung im ganzen em · ursac ·· hl.1ch es Verh a1tensstuc ·· k
umgekehrt f g arauf an ' wann. erd ater
komm d
G .
m Voraussieh d
. t c stan e .
TatbegehungsanH
an
dlung etwa
dem Verprugeln er attm, wissentlich . . r
"d b .. seine Natürlich m~ ~: muß nicht jedes Tun, das zur Begehung gehört,
echten an ' . hen Entschei ungen ese1t1gt. Und d"
unr . erantwort1ic . p . b d ieses umfassen,.
. · sme a er
qua non sein · Das sieht man ja schon an den unstreitigen
Fähigkeit zu v b "d tisch mit der " reisga e er Kontrolle ..b
. 0 ffen ar 1 en G h h u er condiuo b ndteilen, die zugleich den Versuch ausmachen. Zur
Beseitigen ist " d der Entlassung des esc e ens aus dem eig Begehungs " edta vollendeten Mordes durch Erschießen gehört der erste
Person. h"und h „Eintritt m . d.ie Sch u ld unf··h·
„Begehu~f ::ständlich auch dann, wenn er fehlgeht, also den Tod
.
die eigene a 1gk en.. Der kl enen
·
haf bere1c urc h . l" eine
Herrsc ts F hier der Vorverlegungst eone iegt in der Ab .' Schuß se stvcht Damit verglichen ist unter Kausalitätsaspekten das

'
hwere e T . k d
aber fo1gensc . b der Kontrolle durch rm en es entscheidend
We1- . ht verursa · . . h
d' Preisga e d d . f en nie .. der Entscheidungsinstanz durch Sichbetrmken sogar me r.
chung, ie h m Versuchsanfang un amit o t zum Delikt Wegraumen "rkt J. edenfalls daß der T äter d"ie T at m · and erer k..orper1·ich -
1 eh sc on zu . h zu
Gases au di vermeintlichen dogmatisc en Muß hat Spende! d" Denn es b ewi ' . . h 1.
klären Von esem 1. h d .. d Z ie . h Verfassung nämlich als em Enthemmter o ne verantwort i-
er . . · 1 h befreit womit zug eic er storen e wang emfäil sych isc er ' . . d A d W . "
uo Jibera- e re , 1 f d T . k t, P S lbstbestimmung und damit auch "m an erer rt un e1s~
ac - d kt innerhalb des fort au en en nn ens genau festzule- ehe ··hrt e als er sie nüchtern ausgef u""h rt h atte .. J1 . Aber o b man d as - rmt
den Wen epun wenn wir · im· Ruc ·· kbl"ick , d . h . nachd em d er Betrunkene f
gen. Dennauch .. h d. A h . aus u· _ 'als Verursachung des E rfolges d urch d as T nn · k en genugen·· 1··ß
a t,
. F
seme rau
tatsächlich verprugelt at, ie usna me emes frühen
· bl "b d h d abei,· daß der
~oxm nicht entscheidend. Teil der Tatbegehung ist das Sichberauschen
Anfangs der Tatbegehung konstatieren, ei t es oc ist
als gar
"Schwellenbeseitigung" und mc . h t, wei·1 d er T..ater nuc .. h tern d'1e Tat
T" · h .a.
it diesem Anfang noch mc t stra1 var gewor en ist. D arum bleibt
d · ·
O:ef: das in der Kneipe d~rchlaufen~ Frühstadium der !atbegehung
unterlassen hätte. .
Mit Blick auf § 16 StGB empfiehlt sich noch ~ie Anführung :.m~s
die so befremdliche Grenzziehung zwischen nur vorbereitendem und
"ten Beispiels: Das Aufstellen einer Bodenvase hmter der Kellerturm
deliktischem Trinken erspart.
Hettinger bildet den Fall, daß zwei Mordentschlossene gemeinsam auf
~:e~rwartung, daß sie beim Öffnen zu Bruch gehe, kann je nach Sicht
den Dienstschluß ihres jeweiligen Opfers warten und der eine nüchtern des Täters "reine" Vorbereitungshandlung oder aber auch sc?on pot~n­
bleibt, während der andere sich völlig betrinkt29 • Dieser Fall scheint mir tielle Begehung der Tat des §303 StGB sein. .~~hmen Wlf an,. eme
Hausfrau scheut die offene Zerstörung des haßhchen Hochzeitsge-
für meine Differenzierung anschaulich und lehrreich. Mit Recht findet es
Hettinger nicht überzeugend, daß der zweite schon während des Trin- schenks und stellt sich vor, in ein paar Minuten selbst in den Keller zu
kens nach §22 StGB strafbar werden soll. Sobald man aber mit Spende! gehen und nach der Zerstörung Entsetzen zu heucheln. Hier wäre im
die Fragen nach Begehung und Versuch der Straftat voneinander trennt, Plan der Täterin das Aufstoßen der Tür die noch bevorstehende verant-
leuchtet auch die Unterscheidung zwischen den beiden Männern ein. wortliche Entscheidung. Die Vorbereitung wäre also ke~ne poten~ielle
Der eine sieht sich selbst als Instanz einer verantwortlich-zurechenbaren Tatbegehung. Folgerichtig müßte man das Vorsatzdelikt vernemen,
Entscheidung, die ihm das Delikt noch ganz als eine Angelegenheit der wenn die Frau in der Wartezeit ihr Vorhaben vergessen und Stunden
Zu~ erscheinen läßt. Der andere weiß (wie hier unterstellt sei), daß später den Erfolg unbewußt bewirkt hätte.
erhdiese Instanz gerade abbaut und über das Festhalten und Verwirkli-
c en des Delikts ts hJ k · .
en c usses eme verantwortliche Kontrolle mehr aus-

30
Wie Anm. 7, S. 26; ähnlich Kindhiiuser, wie Anm. 7, S. 124 f.
"Wie Anrn.2, S.349f, Fn.53. " So mit Recht Roxin, wie Anm.12, S. 313; zum Problem der Kausalität vgl. ferner
Burkhardt, wie Anm. 3, S. 154f;]oerden, wie Anm. 7, S. 41f(Fn. 97); Puppe,JuS 1980, 348.
Rolf Dietrich Herzberg
Straffreie Deliktsvorbereitung als „Begehung der Tat"
218 219
. . d0 /osa in causa und der Vergleich
4. Die ac~zod mittelbaren Täterschaft Off en der Türe als vorsätzliche „Begehung der Tat", erst der versuch-
mit er
d"e Täterin das Vergessen einkalk 1. ndann der vollendeten. Dafür spri~.ht, von der Vernunft des Ergeb-
.. s wenn i . aß lb u iert d ten,
. s abgesehen, eme · ganz em · fac he Uber1egung.
· Hätte die Frau nach
A„ders Jage e, .. m sich gewisserm en se st das A.l"b· o er nisse · II d. Z ·· d h ·
I"'
ezu gep an
l t hatte, u E 1h . h d.
erschaffen. s o nt sic , iesen F II eines
i i . b . htsvollem Hmste en 1e erstorung urc einen arglosen Dritten
gerad h
Verse e
ns zu v .. 1. h ·
ei"I er sich vorzug 1c eignet zur Üb
a e
l1Vas ~e:~rken Jass~n wol!en und ~~m!t Erfolg gehabt, so wäre nicht der
bloßen chten, w . d erprüf ·ngste Zweifel an ihrer vorsatzl1chen Tatbegehung in Form der sog.
auer zu betra d danken und semer araus folgenden d. Urig
gen . Grun ge . . p II 1 . ra ik 1 ge.:Jtelbaren Täterschaft. Es gibt keinen Grund, die Tatbegehung zu
on Hemngers . h 1· h haben wir eme ara e e zur act10 liber
v '°'" sie. ht ic §20 StGB m. d en § 16 StGB verschiebt aTVor uans,en ~irneinen, ~enn sie den Part des gedankenlos den Keller Betretenden
Lösung. vuen . d o 1osa m
. causa. reffe
deren Problem sie von . hnung als FaII d er actto d nd 5
elbst übermmmt. . .
. Kennze1c . 1 V b . , se n Vermutlich würde Hettmger dieses Argument mit den Einwänden
wäre also d1e d r Frau nach gez1e ter or ereitung das V on
. wenn e .. ff d erges blehnen, die er an vielen Stellen seines Buches gegen „die Konstruktion
dolosa in actu,_ h ahnungslosem 0 nen er Tür sich üb se_n
der vorsätzlichen a. l. i. c. als eines Falles. der mittelbaren Täterschaft"
gelingt und sie;~~ingers Beweisführung hat zwar nur Fälle de er d_ie
vorgebracht hat34 • Er fordert den Nachweis, "daß der ,andere' im Sinne
Scher~en freut. efaßt aber eindeutig die Verneinung des Vorsatz~ ~~tio
der §§25ff StGB auc~ der Täter . . . sel?st sein kann", und hält diesen
iibera i!O Auge, uFmall Denn seine These "lautet allgemein: Hat de ~.'.kts
· unserem · . . h Abf 1 r iater Nachweis für unmöglich: „De lege lata ist das Gegenteil richtig"35• Das
auch in H dl gen in einer zeit11c en o ge vorgenommen . ist insofern eine berechtigte Kritik, als im Lager der Vorverlegungstheo-
mehrere han gu:urceil an die letzte, dem Erfolg nächste zu k~üsof ist
rie die Tendenz besteht, durch Fingieren eines "anderen" den nur
das Zurec
. nundie Zurechnung eben d"ieses , Er fo1ges , geh t; denn best P en,f
ähnlichen und vergleichbaren Fall zum Unterfall der mittelbaren Täter-
soweit es um en und ruc t erursac ungen . . . emgemäß · ra t
. h V h D
werden Handlung h lb a1s blo ße Kausalfaktoren ist es schaft zu machen. Zu diesem Fehler liefert aber gleichsam nur das
„ . Handlungen dann und des a genauso falsche Gege~stü~k, wer nun auch das Sachargument verwirft,
unzulass1g, dl d T.. k zu
und an frühere Han ungen es aters anzu nüpfen, we das in der "Konstruktion zum Ausdruck kommt36• Bezogen auf unser
behandeIn 1 S h ldf..h. k · nn
und weil die letzte Handl~~2g man?e s c .. u. a ig ~lt ~u dieser Zeit Beispiel will es besagen, daß es keinen Wertunterschied mache, ob die
nicht zurechenbar erscheint . Hettmger hal~ m der ~mle1tung anderen Frau einen anderen oder sich selbst als blinden Verursacher einplane,
sie seien der Versuchung erlegen, zuviel auf emmal erledigen zu und daß deshalb ihr Handeln „durch sich selbst" dem Handeln "durch
:°:nen", und ~erordnet sich selbst "die radikale Begrenzung des zu einen anderen" gleichzustellen sei, indem man ersteres§ 25 I 1. Alt. StGB
erörternden Themenbereichs" auf §20 StGB und die actio-libera-Fäl!eii. subsumiere37• Bezogen auf die klassischen actio-libera-Fälle hat Spende/,
Ich finde, die Kritik läßt sich umkehren. Die Frage, was unter "Bege- von falschen Fiktionen weit entfernt, das gleiche treffend so formuliert:
hung der Tat" verstanden werden muß, stellt sich eben nicht nur für §20 "Sofern sich der schuldhaft Trinkende als schuldunfähig Handelnder
StGB, wo der Interpret alle Argumente des Rechtsgefühls und des ,einsetzt', ist die Deliktsbegehung ... - wiewohl ein Fall der unmittelba-
Strafbedüdnisses durch den Hinweis auf § 323 a StGB zwar nicht ent- ren Täterschaft! - mit der mittelbaren vergleichbar, bei der eine andere
kräften, aber abwerten kann. Man blende diese Besonderheit aus und nicht verantwortliche Person als ,Werkzeug' benutzt wird, wie sich ja
erwäge Hettingers Lehre für§ 16 StGB und unser Beispiel! Im geplanten unmittelbare und mittelbare Tatausführung prinzipiell nicht wesentlich
Geschehensablauf ist das arglose Öffnen der Tür die letzte Handlung vor voneinander unterscheiden"38•
dem Edolg, und sie erfüllt den objektiven Tatbestand des § 303 StGB. In
seiner zusammenfassenden Begründung läßt Hettinger dies genügen für
das Verb~t, an ~ine frühere kausale Handlung anzuknüpfen. Mir leuc~­
tet das rucht em. Sachgerecht ist m. E. allein eine Beurteilung, die :i. Wie Anm. 2, vgl. S. 444 und die Verweisungen in Fn. 25.
Spende/s Sicht auf die actio dolosa in causa ausdehnt: Das Aufstellen der " Wie Anm. 2, S. 463.
Vase, obwohl zunächst straflose Vorbereitung, entpuppt sich mit dem 16
Ähnlich differenzierend Otto, Jura 1986, 428.
37 Wohlgemerkt, der ersten Alternative! Paeffgen, wie Anm.19, S.18 erfaßt zwar das

Sachargument als .Plausibilitätseinwand in der Form eines Erst-recht-Schlusses", entwer-


12 tet es aber sogleich wieder durch die Deutung, daß seine Verfechter auf die Heranziehung
Wie Anm. 2, S. 462.
u Wie Anm.2, S.35. der 2. Alt. festgelegt seien.
38
Rdn. 36.
Rolf Di(trich Herzberg Straffreie Ddiktsvorbereitung als . Begehung der Tat" 22 1


~o .
umente Hettzngers ehktsv
d .
. nbaren letzten Handlung zu suchen und sich darauf (statt auf die
Gegenarg ··ß . h" erne1n h · h t1·1ch das adäquate Vorgehen
tz al Jer d r findet mu te immer m einräu ende zurec echlechthin) zu stutzen
·· · ers1c
ist
f//erl ..trong überzeugen _e Buch Überblicke) einen Aspekt .'.11ben, daß letzte seurteilt wer d en mu ß, o b un d m · we Jchem Maß iemand
· für einen'
ern osu . .eh sein h 1 d u er h wenn b 1· h h ·
Exft /\ cor (soweit 1 . Recht entgegenge a ten, aß das Ve b sc cn hl" men Erfolg verantwort zc zu mac en ist. Hat der Schreiber eines
diesfak:bs hat _ihm mi~efektfreie Handlung keinesfalls mehr be .t des sc I ~:r genden Briefes beim Einwerfen keine Kenntnis mehr vom Inhalt
0

h':_\„..:«s auf die noch hungs- ein Unterlassungsdelikt zu Wirken


R~c l>'"~s aus dem ~egesehen weshalb der Täter für sein llla~hcn.
bd::i;t er in diesem :".'-uge_nblick d~r Entäußerun_g und_letzten Handlung
0
ll runken, dann ware die Verneinung des Delikts em Fehlurteil. Man
konne, . "cht einzu , II 1 f "" d" . .
Denn es sei „ni . Garant sein so a s ur 1eiemge eines d cnc
e e1g
:~e;lege nur, wie leicht ~eute, die andere _durch Briefe beleidigen,
I-Jarrnlosigkeit weni~er. hen oder mechanischen Werkzeugs"i9 a~ crcn ··gen oder erpressen, sich der strafrechtlichen Haftung entziehen
-~cchlichen oder udensc langsamen Vergessen hingibt, unte .J"ßndelll betru u .
könnten, wenn nettznger rec t atte.
h h.. ,
·eh also d"1e fraud emdes Zerstörungserf o1gs durch Wiederwr a t sie.
m.....
:ugleich die Ab:WenAubngendung, für die sie nach gezielter Gefahegschhaf„ IV. „ Wer trinkt, tötet noch nicht"
. eine w b" k d h "h
fen der Vase, d B drohung des 0 ie ts urc 1 ren eigenen K" -
rsc af
fun~ und

GB sach
wegen

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Ji h . ht überzeugt, steht au emem an eren Blatt E 1.
k d . .
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htlich einzustehen at. ie n ettznger ier (und in d
zweifellos.. „~ec d Fällen) um die Anwendung des § 13 StGB h en
ihn beschäf~igen enhe ich nirgends erklärt. Daß die Lösung übeeru§rn-
kolßlllen konnte,
. . s
orper

r 13
iegr
An dieser Stelle des Dialogs würde Hettinger vielleicht die Front
begradigen durch Preisgabe des Dogmas notwendiger Gleichzeitigkeit
von Tatbegehungs- und Versuchsbeginn sowie seines starren Regreßver-
botes. Um so entschiedener könnte er dann aber folgendes einwenden:
Die hier gebildeten Beispiele von actiones dolosae in causa seien irrefüh-
r
St . ihr ubsidiären Chara ter un ist somit em Zeichen d ß
allem dian „ em ~ung des Begehungsdelikts falsch war, in deren K~ a rend und unergiebig, weil sie an der Problematik forensisch-praktischer
schon e v erne . nse- Rechtsanwendung vorbeigingen. Man möge immerhin sagen, daß das
quenz die Auffanglösung liegt. Schreiben bereits Begehung der Täuschungstat sei, und ebenso, daß ein
Begehen der Zerstörung schon zu sehen sei im Aufstellen der Vase dort,
5. Anknüpfung an die maximal zurechenbare Handlung wo sie später umkippt. Denn das Schreiben schaffe ja tatsächlich bereits
Wir erkennen nach allem einen Grundsatz, der Hettingers Kernthese die verkörperte Lüge, und das Verbringen der Vase an die gefährliche
an der entseheidenden Stelle verschiebt. Es geht um die Zurechnung von Stelle sei schon direkte Einwirkung auf das Objekt, das den Schaden
menschlichem Verhalten als Straftatbegehung. Anknüpfen muß darum erleiden solle. In den Fällen der Praxis gehe es aber um noch defektfreie
das Urteil nicht an das letzte Verhaltensstück überhaupt, sondern an das Handlungen, die den jeweiligen Handlungsmerkmalen zu subsumieren
letzte maximal-zurechenbare, vorbehaltlich allerdings der Frage, ob man sinnwidrig und gewaltsam sei. "Wer trinkt, fährt noch nicht Auto; aber
dieses Tun dem Begriff „Begehung der Tat" im spezifischen Sinn des er verletzt oder tötet auch noch nicht" 41, sagt Hettinger pointiert und
jeweiligen Handlungsmerkmals subsumieren kann. schließt sich damit dem Haupteinwand an, mit dem Hruschka in seiner
Das Verfahren ist also ein Rückwärtsgehen bis zum Punkt der höch- ersten einschlägigen Veröffentlichung dem Frieden ein Ende gemacht
sten Vorwerfbarkeit innerhalb der Grenzen möglicher Subsumtion. hat: „Die bloße Tatsache, daß ein Akt eine vorsätzlich gesetzte ,Ursache'
!fettingermeint, er könne es widerlegen und als "sachfremd" entlarven, für die tatbestandsmäßige Handlung zu einem späteren Zeitpunkt dar-
indem er es offenlegt: Als „entscheidend" apostrophiert werde . die stellt, macht diesen Akt nicht seinerseits zu einer tatbestandsmäßigen
Defektbegründungshandlung aus einem Grund ... , der mit der Hand- Handlung". Man werde dafür „mindestens fordern müssen", daß der
l~~te gar nichts zu tun hat, .. . nämlich nur unter dem Aspekt, daß Akt „sich irgendwie nach außen wendet und bereits die Richtung hin auf
sie die letzte Handlung des Täters ist, an die angesichts des § 20 StGB die das anzugreifende Rechtsgut einschlägt". Jedenfalls gebe es „keinen
~~ng hinsichtlich d~r späteren. Defekttat überhaupt a~knüp_fen Grund, das Verhalten bei der Defektbegründung gerade dann als tatbe-
daran frut So hat man ~s _m der ~at immer gemacht. Aber die Knuk standsmäßige Handlung zu qualifizieren, wenn das Verhalten im
auf den Kritiker zuruck. Denn nach der höchstgrad1g- Defektzustand ... als nicht strafbar angesehen wird"42 •

„"W"it
GA Anm .4, 17161,, Fn. 118.
1989, 15.
41
42
GA 1989, 14.
JuS 1968, 556, 557.

0
Rolf Dietrich Herzberg Straffreie Deliktsvorbereitung als .Begehung der Tat"
223
222 mancher Handlungsmerkrn l
. die a. l. i. c. auch bei eigenhändigen Delikten geben ß"o
. e Deutung ae
1· ]l.estriktW "b kornmene actio-libera-D 0 g,..,., .k ~ei1 esk hrt ist es nc · hug.
· 1 Es darf sie · ht geben weil uns d1'e Gmu ·
· ruc
d' u er . . . .„at1 · e e „ hf . . ' renzen
n riff auf . ie echtigt. Zwar verliert er einiges an St ist ~.u Vill gmittelbaren Tater~c a t zeigen, wo wir die „Konstruktion" der
Dieser ~ut~nden 'feil berrna zeitlichen Zusammenfalls von rßkraft, der . "berfordern wurden.
einelll bcd sich vom D?g „ st Aber auch nachdem Spende[ d. atbege. a. J.1. c. u
1
v,renn inand Versuchsbeg1nnh ~ bleibt zu beachten, daß die D te l\lani. 2. Das Argument des Wertungswiderspruchs
s- un b ochen a ' 'd ß b . eutung d
hung . Recht zer r d "ber entsche1 en mu ' o ein delikt b es
111er irudlt gsrnerkinals .~~blick als „Begehung der Tat" zu be~ ewuß1. er
Vergleich, der hier den Kritikern einer undifferenzierten y
Vungstheorie h 'b .k b orver
_
tt~ hl~nbes 'fun irn Ru~ daß die defektfreie Handlung ehrten ist. rec . t g1 t, wir t a er auch entgegengesetzt. Er offenbart
ursac ic
uß also sag b
en konnen, . d' d .
deren Tat ist, 1e er Jeweilige D ll
sc on .
ein le.~ !'eh daß Hettmgers pauschale Hypothese, man könne im T · k
narn i ' h d . T T nn en
M~krn:Begehung der 'f~~onr diese Tat in defekter Verfassung be tstyp
1
noch keine ~ege ~ng . er ie~ei ig~n at se?en, zwar für einige Tatbe-
StuC
ussetzt.
Daß derd ate tf . H dl
h eine defek re1e an ung vorsätzlich gen
cgan stände zutrifft, .fur Bd1~ meisten f 't~f~c~ emen Wertungswiderspruch
vora dies wie . derum urc d n wenn er eutungssp1e raum hin .veru
d D . l h r- bedeutet, der seme. e. auptun~ a si mert. Denn die meisten Delikte
und „ t nur an , b .A) • • re1c e d und keineswegs allem die so~. ~emen Erfol~sdelikte sind ja in mittelbarer
acht hat, genug . Baumann/We eT „emen weiten Tatbest n
sgroß .ist. Auch wer wie aler kausaler T atb estand sb egn'ff)" ' entgehandbe. - Täterschaft begehbar'. womit .immer zugleich gesagt ist, daß die Bege-
gn'ff vertritt (wertnEe~tr and Hruschkas. Dieser würde sich da t nicht hung der Tat zum Teil ~chon m der s~huldunfähig machenden Enthem-
· · iellen inw d H dl
dem pnnz1p hal' t rpretation er an ungsmer male richt
k nn ebe
.n rnung eines ~enschen hegen kann. Dies ist ganz besonders zu betonen,
gegen . e
di Pause m e
b
h l .
dsbegriff" ent a ten ist, un
d d .
am1t gegen d
en, die weil daraus em starkes Argument folgt, dem Hruschka, Hettinger u. a.
im •weiten Tat estan essen nicht gerecht w~rden. ~ngenommen, .A führt dem ahnungslosen B
Berech~gun~ d Hand daß hier der Vergleich mit der mittelb berausche~de Mittel zu ~n. der Voraussicht, daß B in schuldunfähigem
Es li~ af ~;bar w~d und die eigenhändigen Delikte ausgr aren zustand eme sexuelle Nougung (§ 178 StGB) verüben wird. Kommt es
Täterscdh t E~gcenart besteht ja eben darin, daß ihr Handlungsmer~nztl. dazu, hat. A unstr~itig ~ie Straftat ~ls Aktivtäter begangen. Fragen wir
Denn eren i . hli h W rna nun, worm denn e1gentl1ch genau seine eigene, also die dem A zuzurech-
nicht durch die Ingangsetzung Beines kmensc rfc" leln erkzeugs, z.B.
. schuld nfähi ' 'g handelnden etrun enen, e u t werden kann nende aktive „Be?ehung" (i. S. von §25 StGB) liege, so kann die Ant-
eines u b , we1.1 wort nur lauten: m der. Em~emmu~g d~s B, die ihn zum Werkzeug des
wir ihm eine entsprechend enge Deutung ge en. Wer z.B. einem Auto-
fahrer oder einem Zeugen vor der Hauptverhandlung heimlich ein A gemacht hat. Denn die ~pate~e N1chthmderung wäre bloß ein Begehen
Psychopharmakon zuführt und dad~rch bewußt verursacht, daß ein durch Unterlassen oder mcht ~mmal das, denn vielleicht war A unfähig,
gänzlich Enthemmter de~ Ver~ehr gef~hr~et oder falsch schwört, begeht den enthemmten B noch zu hmdern. Und aus eben diesem Grund kann
für seine eigene Person rucht die Tat, die die§§ 315 c, 316 bzw. 154 StGB man der hier gegebenen Antwort auch nicht dadurch ausweichen, daß
voraussetzen. Lassen wir somit in solchen Fällen das verantwonliche man die Ausführung des B dem Aals dessen eigene Begehung zurechnet.
Verursachen von Rausch und Autofahrt oder Meineid als „Begehung der Zwar ist es richtig, daß solche Zurechnung stattfindet und das Begehen
Tat" nicht genügen, dann dürfen wir es im entsprechenden Fall einer des A noch weiterläu.ft, w~hrend B die Tat durchführt; aber das gilt
genaus~>, wenn etwa em gezielt aufgehetzter Hund Menschen anspringt
Selbstberauschung ebensowenig44. Darum überzeugt auch ein Einwand
nicht, den Lenckner geltend macht; es liefere „der Vergleich mit der und beißt. Das Werkzeugverhalten kann für den Hintermann immer nur
mittelbaren Täterschaft ... schon deshalb keine befriedigende Erklärung, als ein Teil seiner eigenen Begehung verstanden werden, weil er es oft
nach seinem Anstoß nicht mehr vermeiden kann, so daß wir also
s~hlechthin darauf angewiesen sind, die Beeinflussung des Werkzeugs in
" Wie Anm.19, S. 362. die Begehung einzubeziehen.
~ Diese Einschränkung wird vom herkömmlichen Standpunkt aus noch weithin . Mit _Blick auf ein zentrales Lehrbeispiel von Hruschka46 sei hier noch
~;:~~von der Judikatur. Auch Spende/ erwägt sie nicht, wie in Rdn. 42 seine em weiterer Fall gebildet: V bedrängt seinen 13jährigen Sohn S, für ihn

199l sio Rd ' 0 §315c ~nd §~75 StGB zeigt; vgl. auch Lackner, StGB, 19.AuO.
l02ff· Jdbs n..28 ( ahrl. a.l.1.c. bei S§315c, 316 StGB). Richtig aber Horn, GA 1969,
5.Aufl. l~~;iOeRdAnm.4, 17/67; Roxin, wie Anm.12, S. 317f; Rudolphi, in: SK-ScGB, " In: Schönke-Schröder, StGB, 23. Aufl., 1988, § 20, Rdn. 35.
,, • n.28b. 46
Wie Anm.7, 1988, S. 37ff.
Rolf Dietrich Herzberg
Straffreie Deliktsvorbereitun1• Jls B • 1 .
22-4 " • <i;e iun i; der 1 JC"
ntwenden, und baut den anfäng)' h 225
S eben zu e lk h 1 . •c en '"'
. Kaufhäusern a daß er S viel A o o zu trinken gibt· wider. paß dies unter Umständen tatsächlich anzunehrne · d f" .
111 d dadurch ab, . heißen während V ohne genaue Tr , dadur h eich mit der mittelbaren Täterschaft den Bn ist.' adur liefen der
stan S vne ge , .. B ·1 . l\.enn . c Vergl . ewe1s o er d h ·
theJlllllt, tut r die wohl unstreitige eurte1 ung teilt, daß V t?1s ~u starkes systematisches Argument. oc ein
~ause Vla~et. W\ aktiv begehe, kann aus den dargelegten h~~r die G
des D1eb~tah _ kblick d. h. nach geschehener Wegnah llindch
T'cht
at umhin, . tm Ruc und' Alko ho11S1erung.· ·
semes 1 , f"Ur V
Sohne lll.e ·• V. Zum Fahrlässigkeitsdelikt
Jll
on die• B influssung
ee . d besond ers d eut l"ich, wens a s ~ Bcgc.
n Das wir 1. Hettingers extreme Ansicht
sch " zu werte . .. b . A fb n lll.a .
bung der Tat . trunken und ware eim u ruch des S h n sich Den auffälligsten Ansatzpunkt
V hätte rn1tge sc uldun k ·· · für .Kritik bildet in Hettz'ngers Lehre
vorsteUt• . - seine Beh~uftung, es onnten rncht emmal die §§ 222, 230 StGB durch
fahig gewesen. uenz der Gleich~eurtetlu?g entsprechender Fäll schuidunfah1g machen~e ~elb~tberauschung verwirklicht werden. 1985
Die Konseq d eigener Ubeltat hegt auf der Hand. H e. der konnte Spende/ no~h ~ms~chth~h der Grundsätze zur a. 1. i. c. sagen, daß
SeJbstberausch~nlgh.unkein Fall der mittelbaren Täterschaft anz etthznger sie „für das Fahrl~ss1gke1tsdeh~t . . . allgemein anerkannt" seien, weil
. b wet ter W b une rn
lehnt sie ~ , rifflich richtig, auf d_er ertungse ene aber falsch en hier niemand „zwischen den emzelnen Stadien der Vorbereitung, des
sei. ~ ist ~~ pruch zu vermeiden, muß ..man die Enthe111 . llrn
hier einen a~sMiren soll, in den Selbstausfuhrungsfällen scho~ung
dessen, derd T .1ro··ck der Selbstbegehung betrachten, wie · dals
• -' un et s d h . in en
Versuchs un~ der Vo!lendung" unterscheide; so spiele „die zeitlich-
räurnliche D1s~anz zwischen dem fahrlässigen Sichberauschen ... und
dem späteren Uberfahren eines Passanten keine Rolle ... , sofern nur die
f
JULL~g rfäll als Teil der Begehung urc einen anderen. Das f'll genannt~ V~~bed~ngung in Vorhersehbark~it des Verkehrsunfalls gesetzt
Tatnll~e ehn sobald man, wie es Spende! mit Recht fordert ad. 1 worden ist ·. ~1ese ~on~ensfests:el~ung ist obsolet. Hettinger bezieht
rucht sc wer, h · h f .. h , 1e die Gegenpos1t10n mit semem Be1sp1el des Taxifahrers, der nach einer
auch . aufgi"bt, daß die Tatbege ung mc t ru er als der Ve rsuch
}>rimlSse Examensfeier volltrunken bei Rot nicht anhält und einen Radfahrer
i....,.;nnen könne. d · . totfährt50 • Die Begründung, weshalb der Täter nur wegen „Vollrau-
""6"-· d hwerfallen muß es an ererseits von Jenem extrem
Beson ers sc hk . E .
nkt aus den Hrusc a vertritt. r verweigert sich nich
. en sches" nach § 323 a StGB strafbar sei, bringt substantiell nichts Neues.
Gegenstandspu· hung an , die . lbare T..atersc haf t47, sondern gibt
. mitte . aucht Die „Vorhersehbarkeit" des Unfalls beim Trinken sei „nicht geeignet,
nur der An____ g1etc1:chen Lösungen eme · absurd e D eutung, um sie ad
die Handlung, die den Erfolg selbst herbeiführt, im Zurechnungsprozeß
herkOIDlllll zum bloßen Kausalfaktor zu machen "51• Wieder soll es unzulässig sein,
den
absurd führen· in semem Beispie ie, daß sc hon das s·ic hb etnnken
• . • l d" .
hinter diese letzte Handlung zurückzugehen, wobei der Autor freilich
'L-~ddzu Zugfah~ zum Ort des geplanten Diebstahls "die Erfüllung das inkonsequente Zugeständnis des „Übernahmeverschuldens" zu
Willll"''
. ktieren Tatbestandes" sei und d"ieser dann spater .. streng genom-
machen bereit oder geneigt scheint. Weil indes hier der Täter auch bei
des 0 bje V d 48 W . .
· wei"tes Mal erfüllt wer e • er nur m emer vo11stan
.. d'1gen
Übernahme der Fahraufgabe schon schuldunfähig gewesen sei, spiele
meneinz . d "
Erfüllung des Tatbestandes eme. "Begehung . er Tat -~§20 StGB) ~u diese (an sich berechtigte?) Vorverlagerung i.c. keine Rolle. Kurzum:
erblicken vermag, kann sie natürlich unter kemen Umstande? sch~n 1m Wer trinkt, fährt noch nicht Auto, aber er verletzt oder tötet auch noch
Sichbetrinken sehen. Aber so hohe Anforder:ungen stell:_n mcht einmal ~cht- und zwar weder vorsätzlich noch fahrlässig" 52 • Neu ist in diesem
die, welche einen Versuchsanfang nachweisen zu mussen glauben. Zusammenhang vielleicht die Überlegung, daß, wer die Vorhersehbar-
Selbstverständlich kann die zur Schuldunfähigkeit führende Selbstbera.u- keit im Vorfeld entscheidend sein lasse, § 20 StGB in Fällen von der Art
schung, wenn überhaupt, dann nur ein Teilstück der Tatbegehung sein. des Beispiels bedeutungslos mache 53 • Aber das sche~t mir kein A~gu­
ment zu sein. W0 man § 20 StGB für unanwendbar hält, kann man ih~
keine Bedeutung geben. Daß er vom herrschenden Standpunkt aus m
11 Wie Anm. 7, 1988, S. 42 f, Fn. 41 a. Die Begründung überzeugt nicht. D~~ Be:~:fi

bkibender .Handlungsherrschaft" liefen kein Argument gegen die mittelbare Taters . 49 Rdn.35.
oder die Pmllelisierung damit, weil die Vergleichbarkeit gerade vorausset:.t, daß de~ acc;~; so GA 1989, 7f.
libera-'i.uer als sein eigenes Werkzeug diese Herrschaft ausübt. Hruschka uberge~t en 'cht 51 GA 1989, 16.
,_ y-t.:.L · . • · d H"nden eines nt
ucn ••r.-u entscheidenden Aspekt: daß die Tatausfuhrung m en a 52 Wie Arun. 2, S.456.
5l GA 1989, 17.
wril1ltrllortlich Handelnden liegt.
•Wie Anm.7, S.•U.
Straffreie Deliktsvorbereitung als .B~gehung der Tat" 227
l{olf Dietrich Herzberg

226 h für Fahrlässigkeitsdelikte B d tation, das Verursachen der Körperverletzung könne (nach
wohl auc .. e eutun J?terpreenten Grenzen" des § 230 StGB) noch nicht im Betreten des
h
fällen se r . ht zu erklaren. „ . g
andereII he ich nie .. dung ist naturhch auch mit d „JJl'lrndai:ückes gesehen werden . Was er auch sagen würde, es geriete ihm
. braue d Begrun h . f F··11 ense)b Grun s 'h
gewinnt. ·chbkiben e . . · zugesc nitten au a e der K0 . en . ht zum Gede1 en.
Die gleil et. Sie ist ems~~g so daß die Strafbarkeitslücke ~?1 na. J1.IC f Ganze gesehen kann man feststellen, daß die konsequenten
Fehlern be;rund §323 a St Man denke sich nur, daß der A~~
tion von .Sht deutlich werde:- n weil ihm ein anderer heimlich ~ ahrer
t sie ..Au sen Strafbark e1ts
· 1uc
·· ken au fre1.ß. en un d d.1e m
. konsequenten die
Losun.~ desavouieren. Wir dürfen darum auf den Standpunkt der übcr-
sch~· lll'vollrausch nichkts.. anre 'dann für die Verursachung de r?gen Theor~nen und herrschenden Ansicht zurückkehren und darauf bauen,
- einen · er onn . s todj' ktmden hier angeführten Beispielen das fahrlässige Verhalten im Vorfeld
fürs "hrt hat. f{ettzng_ anden bestrafen. Die Verursachung durch i-
zugefüV kehrsunfalls n1edmd Tun des Dritten soll keine T odesv den ~ ;~st als „Begehung der Ta.t", als Verursachen des Todes oder der
chen er dl un as . .h . erursa J(örperverletzung aufzufassen ist.
a1trer ist schul os, S GB sein, weil Hettmger .sie weigert, auf Pflich .
Fh gi S. von §222 t. Vorfeld zurückzugreifen. Genausowenig h'lft-
c un ·.sik ungim fh lt
widrige .Ri osetz der Täter in actu zu ge a rangemessenem Handeln ]. Rückschluß vom Fahrliissigkeits- auf das Vorsatzdelikt bei der a. l. i. c.
, 323 a StGB, wen~ . ht auf Selbstberauschung beruht, sondern f

'
d dies hmcl das er zu verantworten hat. E'in ubenn .. Damit gewinnen wir aber unversehens ein Argument für die Vorsatz-
J
-_t:i.;g .
1st un ..dau
V rver a ten, f d t··h . u e- fälle, das sich bei ~pendel ~chon ausg~sprochen ~indet, aber.sonst nirgends
Ulll""'
eineJIJ anderen °. Auto im Halbschla un a rt emen Verkehrsteil-
kannt wird, weil man die systematische Verbmdung zwischen Vorsatz
ter Fahrer steuert s:il er der plöt~lich entstehenden Gefahr, die er
nehmer zu Tode, . rt ha"tte in semem herabgesetzten Zustand nich
e~d Fahrlässigkeit vernachlässigt. Spende/ dagegen stellt sie her, indem er
. geme1ste ' . hM . t die für das geringere Delikt anerkannte frühe Begehung auf das schwerere
normalerweise h' · den Blick kommt, ist nac emung vieler d.
. Was ier JJl • 'ff d' l . ie überträgt. Mit Blick auf RGSt. 22, 413 fragt er rhetorisch, „ warum das
gewachsen ist. " des Fahrlässigke1tsbegn s, 1e a s em Spezifikum
Sichbetrinken eines Kutschers ... dann keine tatbestandliche (Teil)Aus-
.Schuldkomponbente berücksichtigen sein soll. M. E. stimmt das nicht
ulde ene zu d. d F h l .. . k . . führung einer späteren Körperverletzung des Straßenarbeiters sein sollte,
aufder Sch. h b i der Entschul 1gung es a r ass1g eustäters um wenn es im Hinblick auf die Folgen nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich
~ WahrheiJ!e :;~ S~huldregeln, die auch für Vorsatztäter gelten. Hier erfolgt wäre"55• Daß dies, wie Spende/ meint, „schwerlich einzusehen" sei,
dieAnwen Ag <-L-er in actu" ein Fall des §20 StGB gegeben und
• für den utoram „ . . .h h ' ist gewiß richtig. Wenn im einen Fall das Sich betrinken bereits "Begehung"
ware. d Al 0·ve oder nach dieser Ems1c t zu andeln". Aber der fahrlässigen Körperverletzung ist, dann ist es im anderen "Begehung"
zwar
. eh · m er tema " hü h
_ Hettinger könnte den sac c o ne we11e gebote- h Z ·r l
wie au llDßler· andem sonst angezweue ·r 1ten R uc .. k gn'ff auf das zure- der vorsätzlichen, und zwar ganz unabhängig von der Frage eines nach
nen und von wem ·h ·d d h h · 1· §§ 223 a, 22 StGB strafbar machenden Versuches. Die Annahme im erst~n
chenbare Vorverhalten nicht mitvollz1e en, es sei enn urc eun 1che fall beweist, daß die Feststellung einer Körperverletzungsbegehung auf die
I orierung seiner eigenen Lehre. . .. . . .. . Bejahung eines gleichzeitigen Versuches nicht angewiesen ist. Und was
gnBefremdlich sind auch die Konsequenzen m Fällen de~ act10 11lic1ta m eine fahrlässige Begehung darstellt, muß sich durch ein dazukommendes
Wer sein Kind von einem Dobermann bedroht sieht und es zur Wissen immer in eine vorsätzliche verwandeln. So zeigt uns Spende/ an
~rettung durch Stacheldraht zwängen und erheblic~ verletz~n dieser unauffälligen Stelle seiner Kommentierung einen Gedankengang,
muß ist dazu natürlich berechtigt und als Garant sogar verpflichtet. Wie der es vielleicht schon verdient, zwingend genannt zu werden. Denn die
aber,' wenn er zuvor mit dem Kind in das streng umzäunte Grundstück anerkannte (und von Hettinger m. E. zu Unrecht bestrittene) Beurteilung
unerlaubt eingedrungen ist und dabei die deutliche Warn~ng vor Hu~­ der Fälle fahrlässiger Körperverletzung vom Typus der a.1. i. c. führt über
den leichtfertig mißachtet hat? Hettinger hat dann nur die ~ahl zwi- eine evidente Folgerung zu der Einsicht, daß die actio praecedens auch beim
schen der Konsequenzverleugnung durch Abstellen auf ein "U~er~ah­ Vorsatzdelikt schon zu dessen „Begehung" (§20 StGB) gehören kann,
meverschulden"54 und dem konsequenten Beharren auf der restnknven ohne zugleich bereits der Versuch zu sein.

des Täters ist, an die angesichts des § 34 StGB die Zurechnung hinsichtlich der späteren
" Er-"-'- ,,__. entgegen dem eigenen Postulat, von der „e1gent
"wuc: lWWt, · l'1chen • Verlet- Notstandstat anknüpfen könnte" (vgl. GA 1989, 15).
~ng zunichveicheo auf deren vorwerfbare Notwendigmachung, und zwar 55
Rdn.35.
ausewm Grund, den er selbst nicht gelten lassen will: „ Weil sie die letzte Handlung

I
Rolf Dietrich Herzberg
Straffreie Deliktsvorbereitun•• JI . II .
" s " c~d1ung dn T.n "
22'!
VJ. zur Lehre von Hruschka
J. Darstellung dieser Regel, einerlei, ob die Lösung das Etikett a . „
sich als Anwendung des § 323 a StGB ausweisesR. " . l.1. c. erhalte oder
„ kschlüssen aus dem Begehungsbegriff .
Mit sein · en Ruc „ schaft und f ür d'ie f ahr l"ass1gen
· ' W1e
Erfolg d .dteser
· f" 2. Kritische Würdigung
die rnittelbarerd1ater uß argumentiert Spende/ vor allem s ehkte an ur
we en m ' „ l' hk . . H syste ge. . . d . des Themas und die y erue
Die Problematisierung · fung der D. k .
nolßlJlen . . ht besteht Ahn ic e1t mit ruschka d ll1atisch in neuerer Zen sm memandem mehr als Hr hk
. J-1111s1c f . ah ' en se · . is ussmn
In dieser rterweise au emen n ezu entgegenges in We ennoch geht die Kritik derer, die ihm nicht folgeusc ~ zu vkerdan~en.
aber bernerke'!!~e sehr dieser Autor seine einzelnen A etzten Standg '! H' . h' n, meistens aum ub
den etwas sten en mwe1s maus, daß Hruschkas Ausnahmem . ~r
D
führt wie ntw 0 -
punkt . h. Em'sichten heraus zu geben beansprucht . rten au Art· 103 II GG unvereinbar sei59. Ich will diesen Punkt . Foldcll dm1t
ansc en D' F . ' zeigt . s · · 1 d II · d' ·
systern ul' ng des Problems. ie rage sei stets b sich in im o gen en
ganz be1se1te ~ssen un a em 1e mnere Stimmigkeit sowie die Hai b _
Forrn ieru k 1·· . . . d , „o es
d"ber rgre jfenden Gesichtspun ten zu ass1g ist, mit er An h unter
·1·igen verbreche nak me einer . keit der praktischen Resultate prüfen. t ar
u e . . ausa an die Ste11e d es Jewe1 .
. iibera 111 c b U
acuo krn l _ Handlungs- zw. nter assungsfähigk · . stituti-l ns on .
ven Mer as 'h. k kh . b d' e1t, Vor a) Problematische Lösungen in Fällen der actz'o z·11·m't a m
· causa
bewußtsein; Frei e1t von ran e1ts e mgter U f"h·1 satz;
u~ts ht der 'fat einzusehen oder nach dieser Einsicht z n h gkei1, Hruschka hat 'k gewiß recht
ß mit seiner Annahme, daß wir · d'1e actto-
·
das 'h ~recon Not i. S. des § 35 StGB - ein Surrogat zu u andeln; iibera-Dogmati zum 'f gro en Teil dem Fehlen der von 1·hm ge for derten
Frei eit v . daß d F d . . setzen•s6 Ausnahmevorsc hn „t verdanken.
• Der Drang' die „ Begehung der Tat"
D . deutet sich schon an, er ragen e es im Hinblick f . f
anuBt ter keinen Umständen für den rechten Ansatz od au §.20 i. S. d. § 20 StGB
. ruh
. einsetzen zu lassen ' würde schwinden , we nn sem·
St G für un d' B h d er Wen 1 V?rsc.hl a~ Emgang ms Gesetz fände. Aber das beweist nichts gegen die
vertretbar erachtet, ie ege ung es Vorsatzdelikt &-
stcns) im Sichbetrinken zu sehen. Den in actu schuldunfähiges T(a~ch
~chtigke1t der ~eutung des geltenden Rechts. Im Falle der Anderung
schon nach herkömmli h Mß b d . l'b en ater konnte man es sich eben erlauben, den Begehungs begriff speziell in § 20
trotzdem . Ch e~ as· ga e . er act101- 1 era-Dogmatik zu StGB en~ zu verste~_en. Für andere Bestimmungen, etwa§ 16 StGB, §25
bestrafen sei problemansc '. ·llßs7 mne emer "te e_ologischen Reduk- StGB (mitt~lbare Tat~rsch~ft), § 34 StGB (actio illicita in causa) bliebe
'on" des '20 StGB aber leg1tlID . Nur solle man sich nicht läng . man ange~1esen auf die we~te Deutung, die in manchen Fällen gar nicht
n 3 f l" d 1· " d er mu
der ,.Besch~örungs orme vond ekr '.'a~ . i. c.d un . mit der untaugli- als extensiv und problematisch empfunden, sondern unbewußt einfach
chen Hilfe einer „Vo~e~1egungs o tnn vor em Eingeständnis drük- prakti~iert wi~d (der gedan~enlo~ eingeworfene deliktische Brief) oder
ken, daß in Wahrheit eine. echte Ausnahme htf . h § 20 StGB statu·iert
.von als evident gilt: A hebt em Kmd, dem sein Ball auf ein fremdes
und praktiziert werde. Diese rec ert1ge s1c aus sachlichen und Grundstück geflogen ist, über den hohen Zaun in der Absicht den
systematischen Gründen, nämlich als Angleichung an andere Schuldre- verhaßten Bullterrier des Grundstückseigentümers im Notsta~d zu
geln. § 17 StGB und vor allem § 35 StGB ordneten ausdrücklich an erschießen; tatsächlich droht der Hund das Kind anzufallen, und A kann
daß der Mangel :in Einsicht oder Freiheit dann nicht entschuldige: es nur durch einen tödlichen Schuß retten.
wenn der Täter ihn selbst zu verantworten habe. De lege ferenda Für derartige Fälle des „in actu" rechtfertigenden Notstandes bestrei-
schlägt Hruschka vor, §323 a StGB zu streichen und dem §20 StGB tet Hruschka allerdings sogar im Ergebnis die sonst einhellige Lösun~,
einen zweiten Absatz zu geben, der der Verursachungsklausel des §35
12 StGB entspreche, aber besser sei als diese: "Der Täter wird nicht Si Diese sehr verkürzende Wiedergabe stützt sich vorrangig auf Strafrecht, wie Anm. 7,
entschuldigt, wenn er für die krankheitsbedingte Unfähigkeit, das S. 37 ff, 191 ff. Ganz ähnlich Stratenwerth, wie Anm. 7, 1989, S.495.
Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln, s9 In diesem Zusammenhang wird meistens auch die von Hruschka früher betonte
se~ verantwortlich ist. Die Strafe kann jedoch nach § 49 Abs.! Möglichkeit gewohnheitsrechtlicher Legitimierung bestritten; vgl. statt vieler Roxin, wie
Anm.12, S.309; Krause, Jura 1980, 172. Krause gibt Hruschka noch zu bedenken, sein
gemildert werden". Im Grunde richte man sich schon heute nach Ausnahmemodell .dürfte konstruktive Schwierigkeiten bereiten" und es .dürfte auf einer
zu engen Interpretation des strafrechtlichen Handlungsbegriffs beruhen" .
60 Woraus sich übrigens erklärt, warum in der oben zitierten Frage als .verbrechens-
(die"=16•. D~ Leser beachte, daß die Abwesenheit von Rechtfertigungslagen konstitutives Merkmal" nicht auch die .Rechtswidrigkeit" auftaucht, der klassischen
So gkeit) mcht als ersetzbares Merkmal genannt wird. .actio illicita in causa" also nicht gedacht ist (s.o. Anm. 56).
51
~wieder inJZ 1989, 312.

I
)lolf Dietrich Herzberg
Straffreie Deliktsvorbereitung als .Begehung der Tat" 231
~ . . höchsten Grade au fschlußreich ff
. Abweichung f ~
15
d dieser> daß ur "
1n;. eine Ausnahme von der in §. rusrhk
d " k„ 61 228 B Q h Jdet" haben kann'. und ste!lt klar, daß er dan~ für den Schaden,
u~ behaupten, . ht gemacht wer en onne , das E . Ga versc u ·m Notstand annchtet, einstehen muß. Es ist unverständlich,
wurde . reen Regel··· male Wirbeltiertötung (§ 17 TierSchG)rsch1eßen den er Hruschka diesen Teil des Gesetzes unerwähnt läßt und sogar
, rrnu11e eder s · D p no h
,o }-iundes also w S GB) strafbar sei. em rotest des Rech c als ~arum · § 228 BGB fehle eine dem § 35 I 2 StGB entsprechende
de;hzerstörung cpo~lli:ita in causa") setzt Hruschka das in de~S~efühls
betont, m
Sa d der h. L. („actio de Argument der „Sel?staufbebung d Rat auf J(J~sel. hka wird vielleicht alles zurückweisen und darauf beharren, es
un rsten Blick schl~~n Vorverlegungsdoktrm" führe in di er echts. „ ::s~icht sein, daß A rechtlich verpflichtet sei, durch Tötung des
~:dn:ng• entg~gen~ ~eb;lehre, daß sowohl das Erschießen ~i~I~ratio. kon d s Delikte zu begehen und sich strafbar zu machen. M. E. erledigt
aJjtät•, weil sie de h ei und er, für welches Leben er . h essen J!':i°/se Erwiderung durch korrektere Formulierung: A ist verpflich-
~nterlassung. Vnr~k t :erwirkliche62. Wer schärfer hinblickts1c kauch 't
encscheide, ein De . t als vordergründig und in der Prämiss: erf enn1
• A.,, mentat1on ·
aber die ,...r>u . d hier zum Gefangenen semer eigenen Fest!
· an ech
t-
:t
sic b selbstverschuldet-unausweichlich bevorstehender Deliktsvollen-
das schwerere Delikt zu vermeiden. Sollte auch das nicht überzeu-
ungso wüßte ich nur noch zu antwonen, der Fall beweise, daß eben
bar. Hruschka ~iraf fordernden Rechtsgefühl immer nur und allegung,
man könne dem ~ e Ausnahme von der jeweils strafbindernd e~falls
ä:h sein könne, wovon Hruschka meint, daß es nicht sein könne.
/assung einer . . d B . en i\ege/
JNrc,b Z" h lb begnügt er sich mit em ewe1s, daß sich h. . b) Surrogate und außerordentliche Zurechnung
Genug - e tun a . f"h k
· b' 6J Diesen Beweis zu u ren onnte natürlichier.die
Des h
ahme ver 1ete · .h d ßA · d nie Was Hruschka in die Irre führt, ist also seine Selbstbindung an das
Ausn all E . t selbstverständhc , a m er gegebenen N 1 1 A snahmemodell und sein auf die letzte Handlung fixierter Blick, der als
sehw d
erf en. s isschießen nach § 228 BGB berechtzgt, . Ja . als Got age
den Hun zu er h k . Pfli h arant d:S „Begehen" (vgl. § 34 StGB) nichts ~nderes anzuerke~nen ve~mag.
.
..-.JUchtet .
JSt un
d daß dem jetzt. auc h emed c t mehr . gegenu"ber- Wo sich die Ausnahme von der Rechtfen1gungsregelM verbietet, weil der
v.-r. d H d zu schonen. Die Rec tsor nung statu1en also · h
steht, en un fl' h d b f' h1 nie t Täter zum Handeln sogar verpflichtet ist, kann Hruschka keine akzepta-
. . der entgegengesetzte P 1c ten, son ern e 1e t nach Eint . ble Lösung mehr vorweisen. Man muß darum vermuten, daß in seiner
zwoCJDan
des Notstandes ausschlie . ßlich d'ie T" otung des H ~n des. Fre11ich
. · wirdntt
A Konzeption ein grundsätzlicher Fehler steckt, der auch noch die aus ihr
nach h.A., indem er so handelt, also d~rch Pflicht~rfüllung, strafbar hervorgehenden brauchbaren Lösungen angreifbar macht. Denn mag
(S§ll TierSchG, 303 StGB). Aber das 1~t nur schembar pa.~adox. Es Hruschka nun die Ausnahme von der strafhindernden Regel ablehnen
erklärt sich daraus, daß der ~ots~d die Begehung der Totung des oder zulassen, als das mögliche Delikt hat er immer nur ein Tun im
fremden Tieres nicht vollständ1g, rucht von Anfang an abdeckt. A kann Blick, das nach der Wenung des Gesetzes dem Täter eigentlich nicht
durch Pflichterfüllung nicht mehr die Strafbarkeit überhaupt, sondern vorgeworfen werden darf. Wer z.B. vorsätzlich fremde Scheiben zer-
nur noch die größere vermeiden. Das ist der Preis, den er für die schlägt oder trotz Fahruntüchtigkeit sein Auto führt, weil er volltrunken
vorsätzlich-unnötige Herbeiführung des Notstandes zahlen muß. Allein und gänzlich enthemmt ist, der ist, während er zuschlägt oder im Auto
dieses Vorverhalten begründet das Unrecht und rechtfertigt die Strafe. sitzt, ebenso i. S. d. § 20 StGB „unfähig, das Unrecht der Tat einzusehen
Daß man dem A sein Notstandsrecht nicht „ausnahmsweise" aberken- oder nach dieser Einsicht zu handeln", wie A beim Totschießen des
nen darf und im isolierten Akt des Erschießens keinen tauglichen Hundes i. S. d. § 34 StGB „in einer gegenwärtigen Gefahr" für das Leben
Anknüpfungspunkt für die Bestrafung finden kann, ist richtig, aber nicht des Kindes handelte und deshalb mit dem isolierten Erschießungsakt „im
entscheidend. Recht" war. Es ist also schon im Ansatz widersprüchlich und eine
. ~ ~htlichen Annahme einer actio illicita in causa entspricht Mißachtung des Gesetzeswortlautes, das Tun, welches in diesem Not-
~ilrechtlich §228 BGB. Die Vorschrift gibt das Notstandsrecht in
Jedem Fall, berücksichtigt aber in Satz 2, daß „der H andelnde die Gefahr
" Diskutabel erscheint Hruschka eine solche Ausnahme in Fällen der • Verantwort-
lichkeit des Täters für seine Notwehrlage" (S. 371 ff), dies aber nur bei Fluchtmöglichkeit,
weil sonst das Ergebnis .in sich widersinnig" wäre.•Widersinnig" fände Hruschka die
: W"ie Anm.7, 1988, S.371. Bestrafung also, wenn A den geisteskranken B auf den wehrlosen C hetzt und den B dann,
" !.., Anm. 7, 1988, s. 358, 371.
wieAnm.61.
wie beabsichtigt, in Nothilfe totschießt. Wer unbefangen urteilen kann, weil ihm kein
Lehrgebäude einzustürzen droht, wird den Widersinn wohl eher darin sehen, daß man auf
diesem Wege Menschen zu Tode bringen können soll, ohne sich strafbar zu machen.
232
Rolf Dietrich Herzberg
Straffreie D eliktsvorbereitung als „Bci;chuni: der Tai"
233
l
ungszustand stattfindet, für sich .
_J Enthernrn . h 65 H hk a1le1 „ khaltung und Gnade des Richters hoffen. Denn diese · · d
stand ouer . etracht zu z1e en . . rusc a tut es ab n als 1. zurUC . z h " . m ISt m1t er
Jiktisches ind B n zu indem er em „Surrogat" an d. er und 1 ~ n au ßero rdenthchen urec nung em Instrument in die H and g ege ben,
de "n unge • h · · 1e s aß h .
- {hindernde Rege1n ausna mswe1se außer Kraft zu setzen
,
Behelfsbegru uldfäh'gkeit setzt. Noc em zweiter Terrni . teile d t
stra d" . d h„ h .1
dd
' un em
fehlenden Schk : selbst daß die von ihm hier befürwnus ist Verr" er uch ist nur 1e eme un oc st uns1c 1ere G renze gezogen daß d
H 11sch a sag , 1· h" . M k . Ortete Z ate. Gebra . "f d fh" d d
Täter für das Emgre~ en er stra ·~ ern en Regel „verantwortlich" sein
, er
risch: r Schuld nicht „ordent ic sei. an önnte auch Urech
nung zur. S h Idfähigkeit des Vollt~nkenen, wenn d · sage11 • Kann man dies sagen, so ist es dem von Hruschka belehrte
. die c u . h . ..66 Ub d " ieser f" , er !JIU ß• · . • II I b . A usnahme zu machen von der Regel dien
f111g1ere „h. k "t verantworthc m --. er ie Strafbark . ur sei ll° hter prmz1p1e er au t, eme
„.1.uJd nfa 1g e1
JU•
. h
u r b tandserfüllung 1m Rausc entscheidet darn·
•J..: n at es . h
. en d
er recht
lt a11 ·
ne
s-
d:; zurechn~ng ve~bie_tet. Et'"'.a in ~:m _Fal!, daß„der Täter den begeh~ten
wiuuge 1· hse1"n während gesetz1IC e Grenzen kein R ein dies Partner zuna~hst richtig al~ mmderiahng emschatz~, dann aber leichtfer-
twort ic , e oll es . der vernemenden Zusicherung vertraut und sich daraufhin homo-
Veran e rn~
spielen. uß man beanstanden. Wenn der Täter durch sein..,.. . r tJ~uell betätigt. Er wäre „verantwortlich" für das Fehlen des Vorsatzes
Das m
·_1...1,•• • verursacht,
daß er spater
„ .
im schuld . unf"·h·
a 1gen Zusta1 nnke
d n nur ~:i der Tatausf~hr~ng, ~nd damit könnte der Richter die Zurechnung
fi.llfJ'""s1g „ d d f h
h fr de Sachen zerstort, ann ar er mc t nac § 303 S GB Satz.
h n Vor „ echtfertigen, die eigentlich an § 16 StGB scheitern müßte.
lic emUnd wenn wir · den Begn"ff des „ p··h u rens m § 31 6 S G bestraft
" · t r Natiirlich ~ucht_ H:u_schka die Durchbrechung gesetzlicher Regeln,
werden. aß man ihn nur durch das eigen . h"·an d"1ge Steuer t( B so eng nachdem er sie prmz1p1ell zugelassen hat, auch wieder in Grenzen zu
deuten, d h l n und · halten. Surrogat für den (fehlenden) Vorsatz sei „die obliegenheitswidrig
alb des Autos durch Verursac ung so chen Tuns) e f ..11 nicht
außerhkann die Vorfeldverantwort11c · hke1t· fur" das schuldlos r Su en kann, nicht vermiedene, aber vermeidbare Unkenntnis von Umständen, die
dan0 den Deliktstatbestand erfüllen" 67. Doch diesem Surrogat gibt Hruschka
Anwendung des §316 StGB mc · h t rech tf.ert1_gen.
· e teuer
Wer wie H n d'1e
Surrogate" zuläßt für „verbrechenskonst1tut1ve Merkmal " /usc?ka den Namen „Fahrlässigkeit", um de lege lata die „außerordentliche
Zurechnung" mit dem identifizieren zu können, was das geltende Recht
;rfüllt sind bricht gleichsam einen Bann und ist im Prinzip ·e ' . hie nicht
' zu sagen, der Veranlasser der unvorsätzliche nie nach Tatbeständen und Strafrahmen an Fahrlässigkeitshaftung hergibt.
gehindert, z.B. T t rnehr
heitsfahrt eines anderen habe das Auto zwar nicht „geführt" n brunken- Als verstehe sich das auch für ihn von selbst, soll die Beschränktheit
. daß er für das Tun d' a er daf"ur dieser Haftung, die Hruschka in der Sache falsch findet, nur de lege
lasse sich das Surrogat emsetzen,
verantwortlich sei. Der Verursacher des schlimmen Gesche~ anderen ferenda behoben werden können, nämlich durch eine allgemeine Rege-
lung analo~ § 17 (~. 2) StGB: „Solange das Gesetz nicht entsprechend
seine strafrechtliche Haftung interessiert, kann sie nicht meh e e~ den
und durch dessen Interpretation erkennen, er muß viel rham esetz geändert wird, bleibt dem Gesetzesanwender nur übrig, den mit dem
me r auf die Gesetzgebungsfehler verbundenen emotionalen Streß eben auszu-
halten"68.
Das ist zweifellos ein weiser Verzicht auf ungesetzliche Bestrafungen.
" Auch gegenüber diesem Einwand wird Hruschka wie A 7 19
seinen .Exkurs" auf S. 341 f als Replik heranziehen Über~eugen knm. • . 88, vielleicht
Doch muß sich der Leser fragen, warum man an die strafhindernde
·
llOD
nich N h d G · . ·
t. ac em esetz 1nteress1eren weder ein Simultan · „ ann seme
. •
Arg umenta- Regel der§§ 15, 16 StGB streng gebunden sein soll, wo von der des §20
~rdeotliche Zurechnung", noch die Frage, ob m~ S h l~~atspnnz1p", noch eine StGB doch angeblich „Ausnahmen" gemacht werden dürfen, und
gleichsetzen und dann z B s en darf d ll " c u mit • Vorwerfbarkeit"
'lllihrtnd des Fahrens v~~elar• Es' kem Vo ~lmnkhenedn sei sein Autofahren auch noch
warum das für den Vorsatz eintretende Surrogat die bei § 20 StGB
· • ·
die 10 §20 StGB negativ genannte Fäh . k .
ommt v1e
b
e r ara f b · d'
u an, o m 1esem Zemaum
. ~genommene kompensierende Wirkung gerade nicht haben soll (denn
mation des Ausnahmemodells" n. A zg ezten gege en waren. Auch Burkhardts Legiti- e1?'e B_estrafung, als ob de~ Täter bei Tatbegehung Vorsatz gehabt hätte,
,_a der Autor kaum auf di •wie
""" nm· 3' S· 165ff' 171 • schemt
„ nli h
· mir
· daran zu kranken,
"
wird Ja v?n Hru~chka, mdem er uns auf die Fahrlässigkeitshaftung
[lDSbes. §20 StGB) achtet s:n~o c ~n. Vorauss~tzungen der jeweiligen Schuldregeln fe~tle~, st1l~schwe1gend gesperrt). Daß der Richter, der Hruschka folgen
Begriffe des gelebnen Ges' - hs rn sog eich ausweicht auf ein Spielfeld unverbindlicher
"'Vgl . prac • will, dies mitmachen würde, obwohl es die Theorie nicht vorschreibt ist
S . auch die .Surrogationstheorie" K' dh
· 120, und Strat---L . Anm

m ausers, Gefährdung als Straftat 1989 zumindest fraglich. Er könnte unter Berufung auf die Zulässigkeit ~on
' .daß "'"""'°•
formulien, der TäterWie
(au h d · 7' 1989' der hypothetisch · die .allgemeine 'Regel"'
~~Schuld begeh~ haftar:;) w~gen eines Vor~atzdelikts, das er im Zustand
.L~ habcigcfübn hat und d b . ai: ware, wenn er diesen Zustand in vermeidbarer
""""'eise ClD . solches Delikt beg
a e1h Zllllllndest vorausseh en konnte, daß er in ihm mögl1-. " Wie Anm. 7, 1988, S. 327.
e en werde". 68
Wie Anm. 7, 1988, S. 334.

h
I
Rolf Dietrich Herzberg

Straffreie Ddiktsvorhereitung Jis 1


d ußerordentlicher Zurechnung das y · „ h·gd1ung dl'r TJr"
235
Surrogaten und': Verantwortlichkeit des Täters für se·orsatzdelik
bejahen, wbennod•er bewußter Fahrlässigkeit beruht od tnen Vorsat t <:. e. rückzuweisen, und das hat er vorwerfbar
. h . b .n Sorgfaltspfl'versaunn

f gro tr . .. 1· h
gd a.u . B . iel - sich emes ursprung zc Vorhand
er "-'en <:llJ
n der .....~n-
zU
del t es s1c um eme un ewupte h · Ab er dabe1. han-
. h ld rf ß Je tver1ctzu
- wie un e1sp . enen V tater k
fahrlässig e1tssc u e a t werden dürfte D' B - ng, d'1c nur als
ar entledigt hat. Orsat b T 1 . ie estrafung d . V
vorwerfb <:es botsirrtum egangenen at a s Vorsatzdelikt ers h . d er im er-
v~ ei~t
•1 Kritik an den gesetzlichen Vorbz1dern Hru hk
0 ~ ~
chgerecht,
sa eben ist.
wo die Konstellation
. E'm so lch er FaII ist
der sog
. schwer vorstellb 1 . hemnach
. rsatz. ic en act·10 l'b
nur dort
1 era
. ei'felhaftes Licht geraten nach allem auch d' ge g f 1 k ar, we11man es k .
In ein zw ie sich Hruschka zum V orb'l . rfolg darau an egen ann, die Vermutung e· V b aum mit
1 d ntmmt Gie g~Setzlich E · J" h
dessen Kenntms auszu osc en. Immerhin ist dies d kb M
. . mes er otes oder
Rege1ungen, d D 'k · ew1ß h en gar
im Gegensatz zum ogmat1 er, die Mach at d ie Überzeugungskraft einer geschickt begründeetn av
r. a? kann auf
Gesetzgeber• t ve b· er d . ·h · en crnemung d
. zu schaffen und Surrogate zuzu1assen. Auch s ' . r 1ndJi h Verbotes spek ul1cren, s1c eme Informationsquell d h es
Fikt10nen . . f " d' s· h Pricht · c ·· hl' h f ·· k e anac aussuchen
'ell Fall des § 35 StGB e1mges ur 1e ic t, daß das B 1111 sp , E d
Und am „ n e btatsac 1c ur orrekt halten was ..
h 1 h
an seiner Notstand s1age „selbst sch u ld" zu sein dieewußt
ZI en · dee ' man gern tate und
„ "". sein anfangs f ur ver oten ge a ten at. De lege Iata sind sol h h
Taters, .k . . d ß ' w 1de s 'ff . ll d ' c e sac angemes-
L __ c. ho"ht Dennoch wir t es unst1mm1g, a z. B der d h rstands senen D1 erenz1er~ngen a er mgs nicht zu machen. § 17 S GB .
.tmlu er · . h · Ure h - 'd · h d I'. h l " · V rf t rnmmt
PrügeJ Zu em. em Hausfoedensbruc Gezwungene wegen d ·
. h f 1eses V
sc Were sach_~1 ~~g schon U1e ;ahr a~sig_e h e ehlung von Sorgfaltspflichten zum
AnlauT, iel o ne .. nl~ehc tsDeml~k1c t und Selbsthemmungsvermögen ver-
delikte
s strafbar ist,
Jage gebracht hat. Un
auch wenn
d d-n .
er s.1c
d d
nur ahrlässig in d
~ J~man ' em von A~fang bis Ende a~ds-
r atbegehung die Unrechtsems1cht
· N
ie Otst
gefehlt hat, gleichwohl al 1 , seiner
°rsat2_
übte at a s vorsatz u: es e 1 t zu bestrafen · Genauso verungluc
die Regelung d es § ~5 II StGB. Der Täter soll wegen vorsätzlicher T
.. k t ist
· 1
. I 'db
ter bestraft wird, ~enn sem rrtum verme1 ar war (§ 17 StGB z~a-
s v orsat „ bestraft we~de-?, weil er aus Fahrlässigkeit eine Notstandslage angenor:~
nichts weiter als em Machtspruch des Gesetzgebers, der eine in), .ist men hat, die ihm nach der Wertung des Abs. 1 den Normgehorsam
unzumutbar macht.
widersprüchliche Regelung erzeugt hat. Denn der Sachgru d f " si~h
Die Kritik ist also umzukehren. Hruschkas Ausnahmemodell ist
Entschuldigung des Irrenden liegt darin, daß er sich non: . ur.die
. T un t··ur er1aubt hält. Darat1v„ nich orientier~ an Bestimmung~n, die. nicht konsistent und Fremdkörper im
gehemmt fühlen .
kann, wenn er sem
d-n di I .
d t
an an„ en System smd. Man sollte sie zu tilgen fordern und nicht zu Vorbildern
nicht das Germgste, au eser rrtum wegen .1rgendwelcher V erheben. I~ Prinzip ist die he~kö~mliche Lehre auf dem rechten Weg,
. E „ al l . h d V ersaum-
nisse vorw_erfb. ar ist. „ s w~e so. ogisc , en . orwurf auch nur auf das wenn man sie so v~rsteht, daß sie sich um systemgerechte Vorschläge zur
sorgfaltsWidrige Versaumrus zu nchten und die Strafbarkeit in den sich Deutung des Begnffes der Tatbegehung im spezifischen Sinn des jeweili-
daraus ergebenden Grenzen zu halten. gen Handlungsmerkmals bemüht. Dabei kommt dann etwa heraus, daß
Daß dies auf die Forderung hinauslaufe, die alte Vorsatztheorie bei eigenhändigen Delikten wie §§ 175, 316 StGB die Frage nach dem
positivieren oder durch Streichung des § 17 StGB wieder vertretbar :~ Alter des Strichjungen (im Hinblick auf§ 16 StGB) oder das Sichbetrin-
machen, wäre ein Mißverständnis. Vielmehr soll es dabei bleiben daß ken vor der Autofahrt (im Hinblick auf §20 StGB) noch nicht zum
der nur das Unrecht seiner Tat Verkennende i. S. d. § 16 StGB „vo;sätz- „Begehen" der jeweiligen Tat gehören, daß andrerseits A die Tat der
lich" handelt; z.B. Professor P, der nach endlich abgeschlossenem Wirbeltiertötung, ex post betrachtet, schon „begeht" (§ 34 StGB), wäh-
Habilitationsverfahren besten Gewissens den herzlichen Dank seines rend er das Kind absichtsvoll über den Zaun hebt, und daß dieses
Assistenten in Gestalt einer Kiste Wein entgegennimmt (vgl. §331 J anfängliche Begehen, weil noch außerhalb der Gefahrlage, nicht vom
StGB). Es geht nur darum, die Verbotsverkennung und den daraus Rechtfertigungsgrund gedeckt ist. Aber die zwanglose und sachgerec~te
Bestimmung des so wichtigen Anfanges der Begehung kann erst gelm-
folgenden Mangel an Selbsthemmungsfähigkeit genau wie in den Fällen
gen, wenn man Spende! darin recht gibt, daß diesem Anfange der des
des s20 StGB insoweit als schuldausschließend ZU berücksichtigen, wie Versuches nachfolgen und der Täter die Schwelle zum (strafbaren)
er die Tatbegehung betrifft, und den Vorwurf auf ein Verhalten zu Versuch auch unbewußt überschreiten kann.
beziehen, das von dem Mangel nicht betroffen ist. In unserem Beispiel
m~te demnach Strafe entfallen. Denn vor die Frage gestellt, ob er ~en VII. Schlußbetrachtung
Wem annehmen solle, aktualisierte sich für P zwar die Sorgfaltspfhc~t Mir scheint diese Erkenntnis der Durchbruch im Bemühen der Wis-
oder ;"Obliegenheit" (Hruschka), einschlägige, seine berufliche Tät!gkeit senschaft um die actio Iibera in causa zu sein. Sie befreit uns vom Zwang
regulierende Verbote in Betracht zu ziehen und den Wein erst ernmal
236 Rolf Dietrich Herzberg

einer ad-hoc-Konstruktion, nämlich der Vorverlegung d


ohne dafür die Mißachtung des Gesetzeswortlautes und e~. Versuchs
nahme der versteckten Unstimmigkeiten des Ausnahmem d e Inkauf~
1
„ . h R o e1ls
dem oder uns auf gesetzesge1ost-uns1c ere „ egeln eines f . zu for.
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wortungsd1a ogs a s ogmau~c e ~ge n ~weiter Stufe" zu ve e~ant-
a1ren V
wie Neumann 69 es tut. Das S1chbetnnken ist zwar, während rweisen,
det, obwohl schon sorgfaltswidrig und Überschreitung d es stattfin-
. h . .h b es er1aub
Risikos, noch k em Versuc , erweist s1c a er ex post als A f ten
„Begehung" der versuchten oder vollendeten „ Tat", nämlich d; ang der
der schuldunfähige Täter zur Tatbestandsverwirklichung u n~, Wenn
ansetzt" oder sie . h t; be1. d.iesem An f ang d er T atbegehun
. erre1c „ nmittelbar
Täter noch schuldfähig, was uns, erwiesen durch die unstreitig; ;ar d~r
lung anderer Fälle, zur Verneinung des § 20 StGB genügen muß eunei-
Was Spendel die entscheidende Einsicht verschafft hat, ist ein ·kl ·
. d er u··beraus schwe rf··11
Schritt, a t. E r h at s1c
· h emem
· Vorurteil emzoeiner
das beiden Parteien als Prämisse und vermeintlich sicheres Funda~en,
dient, die Zeitgleichheit von Begehungs- und Versuchsbeginn7o. H~nt
dürfte auch der Grund liegen, warum andere mit Spendels „groß ang:~
le~em, zum Teil neuen Lösu1!'gsve~such'~ nichts ~echt~s anzufangen
wissen und warum selbst Hettmger ihn mcht deutlich wiedergibt, von
einer Widerlegung gar nicht zu reden. Eigentlich müßte man alles, was
„die Dogmatik" erarbeitet hat, bei eigenen Studien dem Zweifel ausset-
zen, auch die anerkannten Prämissen, wie es uns Lichtenberg anrät mit
seinem Aphorismus, daß „die gemeinsten Meinungen und was jeder-
mann für ausgemacht hält, oft am meisten untersucht zu werden"
verdienen71 • Aber dies zu versäumen und vom scheinbar Gesicherten
auszugehen ist in der Rechtswissenschaft verbreitet und üblich. Für
Günter Spendel und seine kritische Originalität ist es dagegen kenn-
zeichnend, daß er im Feld unseres Themas den herkömmlichen Lösun-
gen, die H ettinger seinerseits kühn und eindringlich bestreitet, eine ganz
neue Begründung gibt. Zu ihrer Durchsetzung einen kleinen Beitrag ~u
leisten ist diese Studie bestimmt, die ich dem Jubilar dankbar und m
herzlicher Verbundenheit widme.

Wie_~~·.7• S. 2~9ff..
69
. . . Hervor-
70 Naturlich ist es dies rucht allem, was die Stärke der Konzept10n ausn:iacht. d ß erst
heben möchte ich ferner zweierlei: Zum einen die sehr erhellende Unterscheidung, a. ng
ex post als Tatbegehung erkennbar wird, was sich ex ante als bloße 'fatv~be;e:~del
darstellt. Zum anderen die Ausgewogenheit im Verständnis der Tatbegehung, ie ·~ t die
als einen ~om .s~~hbetrinken bis zum Erfolg verlaufenden Prozeß auffaßt; das v~:n~lung
Fehler, die bei Uberbetonung des anfänglichen Verhaltens (Jakobs) oder der E
(Hruschka, Hettinger) drohen. ah r sigkeit
71
Z.B. die Meinung, daß die Abgrenzung von Vorsatz und bewußter F ras
ein Problem des subjektiven Tatbestandes sei.