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Ritalin

Kurzinfo
Das indirekt wirkende Sympathomimetikum Methylphenidat führt durch eine
erhöhte Freisetzung von Noradrenalin aus den synaptischen Vesikeln zu einer
erhöhten Aktivität des Sympathikus. Die Substanz besitzt zentral
stimulierende Effekte, die sich unter anderem in der Steigerung von
Konzentrationsfähigkeit, Leistungs- und Entscheidungsbereitschaft,
psychophysischer Aktivität sowie in Unterdrückung von Müdigkeit und
körperlicher Abgeschlagenheit äußern.

Indikation:

1. Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS):
Methylphenidathydrochlorid ist im Rahmen einer therapeutischen
Gesamtstrategie zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-
Störungen (ADHS) bei Kindern ab einem Alter von 6 Jahren indiziert, wenn
sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen
haben. Die Behandlung muss unter Aufsicht eines Spezialisten für
Verhaltensstörungen bei Kindern durchgeführt werden. Die Diagnose sollte
anhand der DSM-IV-Kriterien oder der Richtlinien in ICD-10 gestellt werden
und auf einer vollständigen Anamnese und Untersuchung des Patienten
basieren. Die Diagnose darf sich nicht allein auf das Vorhandensein eines
oder mehrerer Symptome stützen.
Die spezifische Ätiologie dieses Syndroms ist unbekannt. Ein spezifischer
diagnostischer Test existiert nicht. Eine adäquate Diagnose erfordert die
Berücksichtigung medizinischer und spezieller psychologischer und
pädagogischer Quellen sowie des sozialen Umfeldes.
Eine therapeutische Gesamtstrategie umfasst in der Regel sowohl
psychologische, pädagogische, soziale als auch pharmakotherapeutische
Maßnahmen und zielt auf eine Stabilisierung von Kindern mit einem
Verhaltenssyndrom ab, das durch folgende Symptome charakterisiert sein
kann: chronische kurze Aufmerksamkeitsspanne in der Anamnese,
Ablenkbarkeit, emotionale Labilität, Impulsivität, mäßige bis starke
Hyperaktivität, geringfügige neurologische Anzeichen und anormales EEG. Die
Lernfähigkeit kann unter Umständen beeinträchtigt sein.
Eine Behandlung mit Methylphenidathydrochlorid ist nicht bei allen Kindern
mit ADHS indiziert, und der Entscheidung zur Anwendung dieses Arzneimittels
muss eine sehr sorgfältige Einschätzung der Schwere und Dauer der Symptome
des Kindes in Bezug auf sein Alter vorausgehen.
Eine entsprechende pädagogische Betreuung und psychosoziale Maßnahmen sind
im Allgemeinen notwendig. Wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein
als unzureichend erwiesen haben, muss die Entscheidung, ein Stimulanz zu
verordnen, auf Basis einer strengen Einschätzung der Schwere der Symptome
des Kindes beruhen. Die Anwendung von Methylphenidathydrochlorid sollte
immer in Übereinstimmung mit der zugelassenen Indikation und den
Verschreibungs-/Diagnose-Leitlinien erfolgen.

2. Narkolepsie:
Zwanghafte Schlafanfälle während des Tages (Narkolepsie) im Rahmen einer
therapeutischen Gesamtstrategie.
Die Symptome der Narkolepsie umfassen Tagesmüdigkeit, nicht angebrachte
Schlafepisoden und plötzlichen Verlust des Muskeltonus.

Hinweise:
Methylphenidathydrochlorid sollte nicht für die Prophylaxe oder Behandlung
von gewöhnlichen Ermüdungszuständen angewendet werden.

Absolute Kontraindikationen:
Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden:
- bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Methylphenidat oder einen der
sonstigen Bestandteile
- bei Glaukom
- bei Phäochromozytom
- während der Behandlung mit Monoaminoxidasehemmern (MAO-Hemmern) oder
innerhalb von mindestens 14 Tagen nach Absetzen solcher Substanzen, da dann
das Risiko einer hypertensiven Krise besteht
- bei Hyperthyreose oder Thyreotoxikose
- bei Diagnose oder Anamnese von schwerer Depression, Anorexia
nervosa/anorektischen Störungen, Suizidneigung, psychotischen Symptomen,
schweren affektiven Störungen, Manie, Schizophrenie,
psychopathischen/Borderline-Persönlichkeitsstörungen
- bei Diagnose oder Anamnese von schweren und episodischen (Typ I)
bipolaren affektiven Störungen (die nicht gut kontrolliert sind)
- bei vorbestehenden Herz-Kreislauferkrankungen (falls nicht der Rat eines
Kinderkardiologen eingeholt wurde), einschließlich schwerer Hypertonie,
Herzinsuffizienz, arterieller Verschlusskrankheit, Angina pectoris,
hämodynamisch signifikanter, angeborener Herzfehler, Kardiomyopathien,
Myokardinfarkt, potenziell lebensbedrohender Arrhythmien und Kanalopathien
(Erkrankungen, die aufgrund von Dysfunktionen der Ionenkanäle verursacht
wurden)
- bei vorbestehenden zerebrovaskulären Erkrankungen, wie zum Beispiel
zerebrale Aneurysmen, Gefäßabnormalitäten einschließlich Vaskulitis oder
Schlaganfall.

Warnhinweise/Vorsichtsmaßnahmen
Methylphenidathydrochlorid sollte nicht bei älteren Patienten angewendet
werden. Sicherheit und Wirksamkeit von Methylphenidathydrochlorid in dieser
Altersgruppe wurden nicht nachgewiesen.

Methylphenidathydrochlorid sollte nicht bei Kindern unter 6 Jahren


angewendet werden. Die Sicherheit und Wirksamkeit von
Methylphenidathydrochlorid wurde in dieser Altersgruppe nicht nachgewiesen.

Bei Kindern, einige mit strukturellen Herzanomalien oder anderen


schwerwiegenden Herzproblemen, wurde im Zusammenhang mit der Anwendung von
Stimulanzien des Zentralnervensystems in normalen Dosierungen über
plötzliche Todesfälle berichtet. Obwohl einige schwerwiegende Herzprobleme
alleine schon ein erhöhtes Risiko für plötzlichen Tod bedeuten können,
werden Stimulanzien nicht empfohlen bei Kindern oder Jugendlichen mit
bekannten strukturellen Herzanomalien, Kardiomyopathien, schwerwiegenden
Herzrhythmusstörungen oder anderen schwerwiegenden Herzproblemen, die sie
einer erhöhten Gefährdung für die sympathomimetischen Wirkungen eines
stimulierenden Arzneimittels aussetzen könnten.

Methylphenidathydrochlorid darf nur mit Vorsicht bei Patienten mit


Epilepsie angewendet werden. Methylphenidathydrochlorid kann die
Krampfschwelle senken, sowohl bei Patienten mit Krampfanfällen in der
Anamnese als auch bei Patienten mit EEG-Auffälligkeiten ohne Krampfanfälle
in der Anamnese und in seltenen Fällen auch bei Patienten, die weder
Krampfanfälle noch EEG-Auffälligkeiten in der Anamnese haben. Wenn die
Anfallshäufigkeit zunimmt oder neue Anfälle auftreten, sollte
Methylphenidathydrochlorid abgesetzt werden.

Wegen des Potenzials von Fehlgebrauch, Missbrauch und Zweckentfremdung


sollte Methylphenidathydrochlorid bei Patienten mit bekannter Drogen- oder
Alkoholabhängigkeit mit Vorsicht angewendet werden.

Bei der Entscheidung über eine ADHS-Behandlung sind das Patientenalter, das
Bestehen von Risikofaktoren für Suchtstörungen (wie z.B. gleichzeitige
oppositionelle oder Verhaltens- und bipolare Störungen), früherer oder
bestehender Missbrauch zu berücksichtigen. Vorsicht ist geboten bei
emotional instabilen Patienten, wie z.B. früheren Drogen- oder
Alkoholabhängigen, da diese Patienten die Dosis eigenständig erhöhen
könnten.
Bei einigen Patienten mit einem hohen Missbrauchsrisiko sind möglicherweise
Methylphenidathydrochlorid oder andere Stimulanzien nicht geeignet, und
eine Therapie ohne Stimulanzien sollte erwogen werden.

Es liegen keine Erfahrungen zur Anwendung von Methylphenidathydrochlorid


bei Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz vor.

Schwangerschaft
Methylphenidathydrochlorid wird nicht zur Anwendung während der
Schwangerschaft empfohlen, es sei denn, es ist klinisch entschieden, dass
eine Verschiebung der Behandlung ein größeres Risiko für die
Schwangerschaft bedeutet.

- Es liegt eine begrenzte Anzahl von Daten für die Verwendung von
Methylphenidat bei Schwangeren vor.
- Es liegen Spontanberichte von kardiorespiratorischer Toxizität bei
Neugeborenen vor, insbesondere wurde von fetaler Tachykardie und Atemnot
berichtet.
- Tierexperimentelle Studien haben nur bei mütterlicherseits toxischen
Dosen eine Reproduktionstoxizität gezeigt.

Stillzeit
Aus Sicherheitsgründen muss eine Entscheidung getroffen werden, ob
abgestillt oder die Methylphenidathydrochlorid-Behandlung unterbrochen oder
abgesetzt werden soll, wobei der Nutzen des Stillens für das Kind und der
Nutzen der Therapie für die stillende Mutter gegeneinander abgewogen werden
müssen.

- Methylphenidat wurde in der Muttermilch von Frauen nachgewiesen, die mit


Methylphenidat behandelt wurden.
- Es ist ein Fall eines Säuglings bekannt, der eine unspezifische
Gewichtsabnahme während des Anwendungszeitraums entwickelte, sich nach
Absetzen der Methylphenidat-Behandlung durch die Mutter aber erholte und
wieder zunahm. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen
werden.

Fertilität
Es sind keine humanen Daten zur Auswirkung von Methylphenidat auf die
Fertilität verfügbar. In Tierstudien konnten keine klinisch relevanten
Auswirkungen auf die Fertilität beobachtet werden.

Allgemeine Hinweise zur Dosierung


- Untersuchungen vor Behandlungsbeginn:
Vor einer Verschreibung ist es notwendig, den Patienten hinsichtlich seines
kardiovaskulären Status einschließlich Blutdruck und Herzfrequenz zu
beurteilen. Eine umfassende Anamnese sollte Begleitmedikationen, frühere
und aktuelle medizinische und psychiatrische Begleiterkrankungen oder
Symptome und Familienanamnese von plötzlichen Herzerkrankungen/unerwartetem
Tod und eine exakte Erfassung von Körpergröße und -gewicht vor der
Behandlung in einem Wachstumsdiagramm umfassen.

- Laufende Überwachung:
Das Wachstum, der psychische und der kardiovaskuläre Status sollten
kontinuierlich überwacht werden.
Der Blutdruck und der Puls soll bei jeder Dosisanpassung und dann
mindestens alle 6 Monate in einer grafischen Darstellung dokumentiert
werden.
Körpergröße, Gewicht und Appetit sollten mindestens alle 6 Monate anhand
eines Wachstumsdiagramms festgehalten werden.
Die Entwicklung neuer oder die Verschlechterung bereits bestehender
psychiatrischer Störungen sind bei jeder Dosisanpassung und dann mindestens
alle 6 Monate und bei jedem Besuch zu erfassen.
Die Patienten sollten hinsichtlich des Risikos von Zweckentfremdung,
Fehlgebrauch und Missbrauch von Methylphenidathydrochlorid überwacht
werden.

- Dosistitration:
Zu Beginn der Behandlung mit Methylphenidathydrochlorid ist eine
sorgfältige Dosistitration erforderlich. Die Dosistitration sollte mit der
niedrigst möglichen Dosis beginnen. Die Wirkung tritt bei ausreichend hoher
Dosis innerhalb einer Stunde nach der Einnahme ein.
- Bei der Behandlung von Hyperkinetischen Störungen/ADHS sollte der
Zeitpunkt der Einnahme von Methylphenidathydrochlorid so gewählt werden,
dass die Wirkung mit den Zeiten der größten schulischen und sozialen
Schwierigkeiten sowie Verhaltensauffälligkeiten des Patienten
zusammenfällt.

Dosierung
1. Erwachsene:
Behandlung der Narkolepsie:
Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 20-30 mg. Die Tagesdosis sollte
auf 2-3 Einzelgaben aufgeteilt werden. Manche Patienten benötigen
Tagesdosen von 40-60 mg, während andere schon auf Dosen von 10-15 mg pro
Tag ansprechen. Dosen bis 80 mg pro Tag können notwendig werden. Bei nicht
ausreichender Wirksamkeit ist der Wechsel auf ein anderes Medikament zu
erwägen.

2. Kinder und Jugendliche:


Behandlung der Hyperkinetischen Störung/ADHS bzw. der Narkolepsie:
Die Behandlung sollte mit 5 mg ein- bis zweimal pro Tag (z.B. morgens und
mittags) begonnen werden. Anschließend kann die Tagesdosis in wöchentlichen
Abständen um 5-10 mg gesteigert werden. Eine maximale Tagesdosis von 60 mg
sollte nicht überschritten werden. Die Gesamttagesdosis sollte auf mehrere
Einzelgaben (üblicherweise 2-3) verteilt werden.

Methylphenidathydrochlorid sollte nicht bei Kindern unter 6 Jahren


angewendet werden. Sicherheit und Wirksamkeit von
Methylphenidathydrochlorid in dieser Altersgruppe wurden nicht
nachgewiesen.

3. Ältere Patienten:
Methylphenidathydrochlorid sollte nicht bei älteren Patienten angewendet
werden. Sicherheit und Wirksamkeit von Methylphenidathydrochlorid wurden
nicht bei ADHS-Patienten untersucht, die älter als 60 Jahre alt sind.

4. Besondere Patientengruppen:
4.1. Patienten mit Niereninsuffizienz:
Methylphenidat wurde nicht bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen
untersucht. Vorsicht ist bei diesen Patienten geboten.

4.2. Patienten mit Leberinsuffizienz:


Methylphenidat wurde nicht bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen
untersucht. Vorsicht ist bei diesen Patienten geboten.

Art und Dauer der Anwendung


- Die Tabletten sollten mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden.
- Die Einnahme sollte zu oder nach den Mahlzeiten erfolgen. Es gibt
Hinweise dafür, dass die Einnahme zu den Mahlzeiten mit verstärkten
anorektischen Effekten einhergehen kann. Falls starke anorektische Effekte
auftreten, wird die Gabe eine Stunde nach den Mahlzeiten empfohlen.
- Generell sollte die letzte Dosis nicht später als 4 Stunden vor dem
Zubettgehen eingenommen werden, um Einschlafstörungen zu vermeiden. Wenn
die Wirkung von Ritalin abends zu früh nachlässt, können
Verhaltensstörungen wieder auftreten. Eine kleine zusätzliche Dosis am
Abend (5 mg) kann dann helfen, dieses Problem zu beseitigen. Der Vorteil
einer kleinen Dosis am Abend sollte gegenüber Einschlafstörungen abgewogen
werden.

- Die Sicherheit und Wirksamkeit der Langzeitanwendung von


Methylphenidathydrochlorid wurde nicht systematisch in kontrollierten
Studien untersucht. Die Behandlung mit Methylphenidathydrochlorid sollte
und muss nicht unbegrenzt erfolgen. Sie wird in der Regel während oder nach
der Pubertät abgesetzt. Der Arzt, der Methylphenidathydrochlorid über
längere Zeit (über mehr als 12 Monate) bei Kindern und Heranwachsenden mit
ADHS anwendet, muss regelmäßig den langfristigen Nutzen des Arzneimittels
für den einzelnen Patienten neu bewerten, indem er behandlungsfreie
Zeitabschnitte einlegt, um das Verhalten des Patienten ohne medikamentöse
Behandlung zu beurteilen. Es wird empfohlen, Methylphenidathydrochlorid
mindestens einmal im Jahr abzusetzen, um das Befinden des Kindes zu
beurteilen (vorzugsweise während der Schulferien). Eine Besserung kann
möglicherweise aufrechterhalten bleiben, wenn das Arzneimittel
vorübergehend oder vollständig abgesetzt wurde.
- Die Behandlung muss beendet werden, wenn die Symptome nach einer
geeigneten Dosisanpassung über einen Zeitraum von einem Monat nicht besser
werden. Bei Auftreten einer paradoxen Verschlimmerung der Symptome oder
anderer schwerwiegender Nebenwirkungen muss die Dosis reduziert oder das
Präparat abgesetzt werden.

Allgemeine Hinweise zur Anwendung


- Eine sorgfältige Überwachung ist beim Absetzen des Arzneimittels
erforderlich, da es dabei zur Demaskierung sowohl von Depressionen als auch
von chronischer Überaktivität kommen kann. Einige Patienten benötigen
möglicherweise Nachuntersuchungen über einen längeren Zeitraum.
- Während des Absetzens nach missbräuchlicher Anwendung ist eine
sorgfältige Überwachung notwendig, da es zu schweren Depressionen kommen
kann.
- Bei der Behandlung der Narkolepsie ist es wichtig, einen gleichen Tag-
Nacht-Rhythmus mit festen Zeiten einzuhalten. Die Medikation sollte diesem
Rhythmus angepasst werden.

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/10)


- Schalflosigkeit, Nervosität
- Kopfschmerzen

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 1/100)


- Nasopharyngitis
- Anorexie, verminderter Appetit, mäßig verringerteGewichts- und
Größenzunahme bei längerer Anwendung bei Kindern
- Anorexie, Affektlabilität, Aggression, Unruhe, Angst, Depression,
Reizbarkeit, anormales Verhalten
- Schwindel, Dyskinesie, psychomotorische Hyperaktivität, Somnolenz
- Arrhythmie, Tachykardie, Palpitationen
- Hypertonie
- Husten, Rachen- und Kehlkopfschmerzen
- Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Magenbeschwerden und Erbrechen
(diese treten üblicherweise zu Beginn der Behandlung auf und können durch
Einnahme mit einer Mahlzeit gelindert werden), Mundtrockenheit
- Alopezie, Pruritus, Hautausschlag, Urtikaria
- Arthralgie
- Pyrexie,Wachstumsverzögerung unter längerer Anwendung bei Kindern
- Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz (meist eine Erhöhung),
Gewichtsabnahme

Gelegentliche unerwünschte Wirkungen (> 1/1000)


- Überempfindlichkeitsreaktionen wie z. B. angioneurotisches Ödem,
anaphylaktische Reaktionen, Ohrschwellung, bullöse (mit Blasenbildung
einhergehende) Hauterkrankungen, exfoliative (schuppende) Hauterkrankungen,
Urtikaria (Nesselausschlag), Juckreiz, Hautausschläge und Eruptionen
- psychotische Störungen, akustische, optische und taktile Halluzinationen,
Wut, Selbstmordgedanken, stimmungsänderungen, Stimmungsschwankungen,
Rastlosigkeit, Weinerlichkeit, Tics, Verschlimmerung von vorbestehenden
Tics oder Tourette-Syndrom, Hypervigilanz, Schlafstörung
- Sedierung, Tremor
- Diplopie, verschwommenes Sehen
- Brustschmerzen
- Dyspnoe
- Verstopfung
- Anstieg von Leberenzymen
- angioneurotisches Ödem, bullöse Hauterkrankungen, exfoliative
Hauterkrankungen
- Myalgie, Muskelzucken
- Hämaturie
- Brustschmerzen, Müdigkeit
- Herzgeräusch, erhöhte Leberenzyme

Seltene unerwünschte Wirkungen (> 1/10000)


- Manie, Desorientiertheit, Libidostörung
- Probleme mit der Augenakkommodation, Mydriasis, Sehstörungen
- Angina pectoris
- Hyperhidrosis, makulärer Hautausschlag, Erythem
- Gynäkomastie

Sehr seltene unerwünschte Wirkungen (< 1/10000)


- Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, thrombozytopenische Purpura
- Selbstmordversuch (einschließlich vollendeter Selbstmord), vorübergehende
depressive Verstimmung, anormales Denken, Apathie, stereotype (krankhaft
häufig wiederholte) Verhaltensweisen, übermäßiges Fokussieren
- Krampfanfälle, choreo-athetoide Bewegungen, reversibles ischämisches
neurologisches Defizit, neuroleptisches malignes Syndrom (NMS; die
Meldungen waren schlecht dokumentiert, und in den meisten Fällen erhielten
die Patienten auch andere Wirkstoffe, weshalb die Rolle von Methylphenidat
unklar ist)
- Herzstillstand, Myokardinfarkt
- zerebrale Arteriitis und/oder Hirngefäßverschluss, periphere Kälte,
Raynaud-Phänomen
- gestörte Leberfunktion, einschließlich hepatisches Koma
- Erythema multiforme, exfoliative Dermatitis, fixes Arzneimittelexanthem
- Muskelkrämpfe
- plötzlicher Herztod
- erhöhte alkalische Phosphatase im Blut, erhöhtes Bilirubin im Blut,
reduzierte Thrombozytenzahl, anormale Zahl der weißen Blutkörperchen
- Priapismus

Unerwünschte Wirkungen,ohne Angabe der Häufigkeit


- Panzytopenie
- Wahnvorstellungen, Denkstörungen, Verwirrtheitszustand
- Es wurden Fälle von Abhängigkeit und Missbrauch beschrieben, häufiger mit
schnell freisetzenden Formulierungen.
- zerebrovaskuläre Erkrankungen (einschließlich Vaskulitis, Hirnblutungen,
Schlaganfälle, zerebrale Arteriitis, Hirngefäßverschluss), Grand-Mal-
Anfälle, Migräne
- supraventrikuläre Tachykardie, Bradykardie, ventrikuläre Extrasystolen,
Extrasystolen
- Menstruationsstörungen
- Thoraxbeschwerden, Hyperpyrexie

Hinweise an den Patienten:


- Alkohol kann die ZNS-Nebenwirkungen von psychoaktiven Arzneimitteln
einschließlich Methylphenidathydrochlorid verstärken. Daher ist es während
des Behandlungszeitraums für die Patienten angebracht, keinen Alkohol zu
sich zu nehmen.
- Methylphenidathydrochlorid verbessert die Aufmerksamkeit. Dennoch kann
Methylphenidathydrochlorid Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen
einschließlich Akkommodationsschwierigkeiten, Diplopie und verschwommenes
Sehen, Halluzinationen und andere ZNS-Nebenwirkungen verursachen. Es kann
einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum
Bedienen von Maschinen haben. Patienten sollten vor diesen möglichen
Effekten gewarnt werden und beim Auftreten dieser Effekte potenziell
gefährliche Aktivitäten wie das Führen von Fahrzeugen oder das Bedienen von
Maschinen vermeiden.
- Narkolepsie-Patienten sind unbehandelt unfähig zum Führen von
Kraftfahrzeugen und Bedienen von Maschinen. Unter der Behandlung mit
Methylphenidathydrochlorid kann das Führen von Kraftfahrzeugen unter
Umständen bedingt möglich sein, wenn bei auftretender Müdigkeit eine
sofortige Unterbrechung der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr gesichert
ist und Verkehrssituationen mit hohen Aufmerksamkeitsanforderungen gemieden
werden können.

Therapieüberwachung/Kontrollmaßnahmen:
- Die Sicherheit und Wirksamkeit der Langzeitanwendung von
Methylphenidathydrochlorid wurde nicht systematisch in kontrollierten
Studien untersucht. Die Behandlung mit Methylphenidathydrochlorid sollte
und muss nicht unbegrenzt erfolgen. Sie wird in der Regel während oder nach
der Pubertät abgesetzt. Patienten unter Langzeitbehandlung (d.h. über mehr
als 12 Monate) müssen laufend entsprechend den Richtlinien sorgfältig
überwacht werden hinsichtlich Herz-Kreislaufstatus, Wachstum, Appetit,
Entwicklung von neuen oder Verschlechterung von bestehenden psychiatrischen
Erkrankungen. Psychiatrische Erkrankungen, die überwacht werden sollten,
werden unten beschrieben und beinhalten (sind aber nicht begrenzt auf):
motorische oder vokale Tics, aggressives oder feindseliges Verhalten,
Depression, Agitiertheit, Angst, Psychose, Manie, Wahnvorstellungen,
Reizbarkeit, mangelnde Spontaneität, Rückzug und übermäßige Perseveration.
- Der Arzt, der Methylphenidathydrochlorid über längere Zeit (über mehr als
12 Monate) bei Kindern und Heranwachsenden mit ADHS anwendet, muss
regelmäßig den langfristigen Nutzen des Arzneimittels für den einzelnen
Patienten neu bewerten, indem er behandlungsfreie Zeitabschnitte einlegt,
um das Verhalten des Patienten ohne medikamentöse Behandlung zu beurteilen.
Es wird empfohlen, Methylphenidathydrochlorid mindestens einmal im Jahr
abzusetzen, um das Befinden des Kindes zu beurteilen (vorzugsweise während
der Schulferien). Eine Besserung kann möglicherweise aufrechterhalten
bleiben, wenn das Arzneimittel vorübergehend oder vollständig abgesetzt
wurde.
- Bei Patienten, für die eine Behandlung mit Stimulanzien in Betracht
kommt, sollte eine sorgfältige Anamnese erhoben werden (einschließlich
Beurteilung der Familienanamnese auf plötzlichen Herz- oder unerwarteten
Tod oder maligne Arrhythmien) und eine körperliche Untersuchung auf
bestehende Herzerkrankungen durchgeführt werden. Wenn initiale Befunde auf
eine solche Historie oder Erkrankung hinweisen, müssen diese Patienten
weitergehende Herzuntersuchungen durch einen Spezialisten erhalten.
Patienten, bei denen unter der Therapie mit Methylphenidathydrochlorid
Symptome wie Palpitationen, Thoraxschmerzen bei Belastung, unklare Synkope,
Dyspnoe oder andere Symptome, die auf eine Herzerkrankung schließen lassen,
auftreten, sollten umgehend eine kardiale Untersuchung durch einen
Spezialisten erhalten.
- Die Auswertung von Daten aus klinischen Studien mit Methylphenidat bei
Kindern und Jugendlichen mit ADHS hat gezeigt, dass Patienten unter
Methylphenidat-Behandlung häufig eine Änderung des diastolischen und
systolischen Blutdrucks um über 10 mmHg gegenüber dem Ausgangswert im
Vergleich zu den Kontrollen entwickeln. Die kurz- und langfristigen
klinischen Auswirkungen dieser kardiovaskulären Effekte bei Kindern und
Jugendlichen sind nicht bekannt. Mögliche klinische Komplikationen können
als Ergebnis der in den klinischen Studiendaten beobachteten Wirkungen
nicht ausgeschlossen werden. Vorsicht ist geboten bei der Behandlung von
Patienten, deren Gesundheitszustand durch Erhöhung des Blutdrucks oder der
Herzfrequenz beeinträchtigt werden könnte. Der Herz-Kreislaufstatus sollte
sorgfältig überwacht werden. Bei jeder Dosisanpassung und bei klinischem
Bedarf und dann mindestens alle 6 Monate muss der Blutdruck und die
Herzfrequenz in grafischer Darstellung dokumentiert werden.
- Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren (wie kardiovaskuläre
Erkrankungen in der Vorgeschichte, Begleitmedikation, die den Blutdruck
erhöht) sollten bei jedem Termin auf neurologische Anzeichen und Symptome
nach Behandlungsbeginn mit Methylphenidathydrochlorid untersucht werden.
- Zerebrale Vaskulitis scheint eine sehr seltene idiosynkratische Reaktion
auf eine Methylphenidat-Einnahme zu sein. Es gibt einige Hinweise, dass
Patienten mit höherem Risiko identifiziert werden können. Das initiale
Auftreten von Symptomen kann der erste Hinweis auf eine zugrunde liegende
klinische Erkrankung sein. Eine frühe Diagnose aufgrund starker Hinweise
kann das umgehende Absetzen von Methylphenidathydrochlorid und eine
frühzeitige Behandlung ermöglichen. Die Diagnose sollte daher bei jedem
Patienten in Betracht gezogen werden, der unter einer
Methylphenidathydrochlorid-Behandlung neue neurologische Symptome
entwickelt, die einer zerebralen Ischämie entsprechen. Zu diesen Symptomen
können schwere Kopfschmerzen, Taubheitsgefühl, Schwäche, Lähmungen und
Beeinträchtigungen von Koordination, Sehen, Sprechen, Sprache oder
Gedächtnis zählen.
- Das Auftreten oder die Verschlimmerung von aggressivem Verhalten oder
Feindseligkeit kann durch die Behandlung mit Stimulanzien hervorgerufen
werden. Patienten unter der Behandlung mit Methylphenidathydrochlorid,
sollten auf das Auftreten oder die Verschlimmerung von aggressivem
Verhalten überwacht werden, und zwar bei Behandlungsbeginn, bei jeder
Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate und bei jeder
Untersuchung. Bei Patienten, die diese Verhaltensänderungen zeigen, sollte
der Arzt die Notwendigkeit einer Anpassung der Behandlung abklären. Dabei
sollte bedacht werden, dass eine Dosiserhöhung oder -erniedrigung angezeigt
sein kann. Eine Behandlungsunterbrechung kann erwogen werden.
- Patienten, bei denen während der ADHS-Behandlung Suizidgedanken oder
suizidales Verhalten auftreten, sollten sofort von ihrem Arzt beurteilt
werden. Es sollte eine Verschlimmerung der zugrunde liegenden
psychiatrischen Erkrankung und ein möglicher kausaler Zusammenhang mit der
Methylphenidathydrochlorid-Behandlung in Erwägung gezogen werden. Eine
entsprechende Behandlung der zu Grunde liegenden psychiatrischen Erkrankung
kann notwendig sein und eine Beendigung der Methylphenidathydrochlorid-
Behandlung sollte in Erwägung gezogen werden.
- Methylphenidathydrochlorid wird mit der Verschlimmerung bestehender
Angst- oder Spannungszustände oder Agitiertheit in Verbindung gebracht. Die
klinische Bewertung von Angst- und Spannungszuständen oder Agitiertheit
sollte der Anwendung von Methylphenidathydrochlorid vorausgehen und die
Patienten sollten regelmäßig während der Behandlung, bei jeder
Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate oder bei jeder
Untersuchung auf das Auftreten oder die Verschlimmerung dieser Symptome hin
untersucht werden.
- Besondere Vorsicht ist bei der Anwendung von Methylphenidathydrochlorid
zur Behandlung von ADHS bei Patienten mit bipolaren Begleiterkrankungen
geboten (einschließlich unbehandelter Bipolar-I-Störung oder anderer Formen
der bipolaren Störung), da bei solchen Patienten Bedenken wegen einer
möglichen Auslösung eines gemischten/manischen Schubs bestehen. Vor
Behandlungsbeginn mit Methylphenidathydrochlorid sollten Patienten mit
depressiven Begleitsymptomen ausreichend untersucht werden, um
festzustellen, ob bei ihnen ein Risiko für bipolare Störungen besteht.
Solche Untersuchungen sollten eine detaillierte psychiatrische Anamnese,
einschließlich der Familienanamnese hinsichtlich Suizidalität, bipolarer
Störungen und Depressionen, umfassen. Die gründliche laufende Überwachung
ist unabdingbar für diese Patienten. Die Patienten sollten bei jeder
Dosisanpassung, mindestens alle 6 Monate und bei jeder Untersuchung auf
Symptome hin überwacht werden.
- Bei Langzeitanwendung von Methylphenidathydrochlorid bei Kindern wurde
über mäßig verringerte Gewichtszunahme und Wachstumsverzögerung berichtet.
Die Wirkungen von Methylphenidathydrochlorid auf die endgültige Größe und
das endgültige Gewicht sind zur Zeit unbekannt und werden untersucht. Das
Wachstum sollte während einer Methylphenidathydrochlorid-Therapie überwacht
werden. Körpergröße, Gewicht und Appetit sollten entsprechend dem Alter des
Kindes überwacht und mindestens alle 6 Monate in einem Wachstumsdiagramm
erfasst werden. Patienten, die nicht wie erwartet wachsen oder deren
Körpergröße bzw. Körpergewicht nicht erwartungsgemäß zunimmt, müssen
möglicherweise ihre Behandlung unterbrechen.
- Methylphenidathydrochlorid wurde mit der Entstehung oder der
Verschlimmerung von motorischen und verbalen Tics in Verbindung gebracht.
Die Verschlimmerung eines Tourette-Syndroms wurde ebenfalls beobachtet. Die
Familienanamnese ist zu überprüfen und Kinder sollten vor der Anwendung von
Methylphenidathydrochlorid klinisch auf Tics oder Tourette-Syndrom
untersucht werden. Auch während der Behandlung mit
Methylphenidathydrochlorid sind die Patienten regelmäßig auf die Entstehung
oder die Verschlimmerung von Tics zu überwachen. Die Überwachung sollte bei
jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate oder bei jeder
Untersuchung erfolgen.
- Patienten sollten sorgfältig hinsichtlich Zweckentfremdung, Missbrauch
und Fehlgebrauch von Methylphenidathydrochlorid überwacht werden.

Therapieabbruch:
- Psychiatrische Komorbiditäten bei ADHS sind häufig und sollten bei der
Verschreibung von Stimulanzien berücksichtigt werden. Vor Beginn der
Behandlung mit Methylphenidat sollte der Patient auf bestehende
psychiatrische Erkrankungen untersucht werden, und eine Familienanamnese
hinsichtlich psychiatrischer Erkrankungen sollte erhoben werden. Im Falle
des Auftretens psychiatrischer Symptome oder der Verschlimmerung einer
bestehenden psychiatrischen Erkrankung sollte die Therapie mit
Methylphenidathydrochlorid nicht fortgesetzt werden, wenn nicht der Nutzen
der Behandlung das potenzielle Risiko für den Patienten überwiegt. Bei
jeder Dosisanpassung und dann mindestens alle 6 Monate und bei jedem Besuch
ist zu kontrollieren, ob sich psychiatrische Störungen entwickelt oder
verschlechtert haben; eine Unterbrechung der Behandlung könnte angebracht
sein.
- Behandlungsbedingte psychotische Symptome (visuelle/taktile/auditive
Halluzinationen und Wahnvorstellungen) oder Manie bei Kindern und
Jugendlichen ohne bekannte psychotische Erkrankung oder Manie können durch
normale Dosierungen von Methylphenidathydrochlorid hervorgerufen werden.
Wenn manische oder psychotische Symptome auftreten, sollte an einen
möglichen kausalen Zusammenhang mit Methylphenidathydrochlorid gedacht und
ein Abbruch der Therapie in Erwägung gezogen werden.
- Die Sicherheit der Langzeitbehandlung mit Methylphenidathydrochlorid ist
nicht vollständig bekannt. Bei Vorliegen einer Leukopenie,
Thrombozytopenie, Anämie oder anderen Veränderungen einschließlich der
Hinweise auf Nieren- oder Lebererkrankungen ist an einen Abbruch der
Behandlung zu denken.

Kombinationen mit anderen Arzneimitteln:


- Während einer Operation (Anwendung halogenierter Narkotika) besteht das
Risiko einer plötzlichen Erhöhung des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Wenn
eine Operation geplant ist, sollte Methylphenidathydrochlorid nicht am Tag
der Operation angewendet werden.
- Bei gleichzeitiger Gabe von Antazida ist wahrscheinlich mit einer
erheblich verschlechterten Resorption von Methylphenidat zu rechnen.

Sonstige Hinweise:
- Der Missbrauch von Stimulanzien des zentralen Nervensystems kann mit
plötzlichem Tod und anderen schwerwiegenden kardiovaskulären unerwünschten
Ereignissen assoziiert sein.
- Die Behandlung mit Methylphenidathydrochlorid ist nicht kontraindiziert
bei Patienten mit hemiplegischer Zerebralparese.
- Bei psychotischen Patienten kann die Verabreichung von
Methylphenidathydrochlorid die Symptome von Verhaltens- und Denkstörungen
verschlimmern.
- Chronischer Missbrauch von Methylphenidathydrochlorid kann zu
ausgeprägter Toleranz und psychischer Abhängigkeit mit anormalem Verhalten
in unterschiedlicher Ausprägung führen. Insbesondere bei parenteralem
Abusus kann es zu akuten psychotischen Episoden kommen.
- Das methylphenidathaltige Arzneimittel kann zu einem falsch positiven
Laborwert für Amphetamine führen, insbesondere bei Verwendung von
Immunoassay-Methoden.

Substanzspezifische Informationen:

Indirekt wirkende Sympathomimetika führen durch eine erhöhte Freisetzung


von Noradrenalin aus den synaptischen Vesikeln zu einer erhöhten Aktivität
des Sympathikus. In der Peripherie kommt es durch den erhöhten
Sympathikotonus und in Abhängigkeit vom physiologischen Verteilungsmuster
der Alpha- und ß-Rezeptoren zu Steigerungen von Herzfrequenz,
Kontraktionskraft und Blutdruck, reduzierter Haut- und Schleimhaut- sowie
erhöhter Muskel-Durchblutung, Reduktion des Tonus der Bronchialmuskulatur
und Steigerung des Metabolismus.
Die zentral stimulierende Wirkung äußert sich unter anderem in der
Steigerung von Konzentrationsfähigkeit, Leistungs- und
Entscheidungsbereitschaft, psychophysischer Aktivität sowie in
Unterdrückung von Müdigkeit und körperlicher Abgeschlagenheit. Insbesondere
bei missbräuchlicher Anwendung kann dies zu einer Verkennung der Grenzen
des Leistungsvermögens bis hin zum Zusammenbruch physiologischer
Funktionssysteme, bei Überdosierung zum Tode führen.

Tierversuche:

Die wiederholte orale Gabe von Methylphenidat in einer Dosis von 50


mg/kg/Tag (29fach höher als die maximal beim Menschen empfohlene Dosis) bei
jungen Ratten bewirkte eine Erniedrigung der spontanen Bewegungsaktivität
auf Grund einer gesteigerten pharmakologischen Aktivität von
Methylphenidat. Die Exposition (AUC) bei dieser Dosis war 15,1fach höher
als die extrapolierte maximale humantherapeutische Exposition bei der
höchsten empfohlenen Dosis von 60 mg. Nur bei weiblichen Ratten und in der
höchsten Dosis von 100 mg/kg/Tag (58fach höher als die maximal beim
Menschen empfohlene Dosis) wurde ein Defizit der Lernfähigkeit bei
bestimmten Aufgaben beobachtet. Bei dieser Dosis betrug die systemische
Exposition das 40,1fache der extrapolierten maximalen Exposition beim
Menschen. Die klinische Relevanz dieser Befunde ist nicht bekannt.
Im Gegensatz zu diesen präklinischen Befunden wird Methylphenidat von
Kindern mit ADHS bei Langzeitgabe gut vertragen und die Schulleistung wird
verbessert. Die klinische Erfahrung deutet daher nicht darauf hin, dass die
Ergebnisse in Bezug auf die Lernfähigkeit und das Verhalten von Ratten
klinisch relevant sind.
- Aus den Studien zur Genotoxizität lässt sich kein besonderes Risiko für
den Menschen ableiten.
- In einem in vitro-Test (CHO-Zellen) wurde ein erhöhter Austausch von
Schwesterchromatiden und Chromosomaberrationen festgestellt. In zwei
weiteren in vitro-Untersuchungen (AMES und Maus-Lymphom-Mutationstest)
konnten keine mutagenen Effekte gezeigt werden.
- In einer in vivo-Studie (Mikronukleus-Test, gleiche Mäuse-Rasse wie bei
der Untersuchung zur Karzinogenität) mit Gaben von bis zu 250 mg/kg, wurden
keine klastrogenen oder aneugenen Effekte beobachtet.

- In einer Untersuchung zur Kanzerogenität an Mäusen (B6 C3 F1) wurde bei


einer Tagesdosis von ca. 60 mg/kg KG das Auftreten von hepatozellulären
Adenomen (benigner Tumor) beobachtet. Ausschließlich bei männlichen Tieren
sind Hepatoblastome (seltener maligner Tumor) aufgetreten. Die verwendete
Dosierung war ca. 30 bzw. 2,5mal höher (Dosis mg/kg bzw. mg/qm) als die
empfohlene Maximaldosis für die Anwendung beim Menschen. Der untersuchte
Mäusestamm ist für die Entwicklung von Lebertumoren besonders anfällig. Die
Bedeutung dieser Befunde für den Menschen ist nicht bekannt.
- Die Untersuchungen an Ratten (F 344) erbrachten keinen Hinweis auf
Kanzerogenität. Die höchste Dosierung in dieser Studie betrug ca. 45 mg/kg
KG täglich.
- Schwesterchromatid-Austausch und Chromosomenaberrationen waren in einem
in vitro-Test an kultivierten Ovarzellen des chinesischen Hamsters erhöht.
In zwei weiteren in vitro-Tests (Ames-Umkehr-Mutationstest, Maus-
Lymphomzell-Vorwärtsmutationstest) zeigten sich keine mutagenen Effekte -
in vivo-Untersuchungen liegen nicht vor.
- Ein in vivo-Mikrokerntest an Mäusen ergab für Dosierungen bis zu 250
mg/kg KG keine Hinweise auf klastogene oder aneugene Effekte an
Knochenmarkzellen.
- Von klinischer Seite gibt es bislang keine Hinweise für kanzerogene
Effekte.
- Von klinischer Seite gibt es bislang keine Hinweise für eine teratogene
Wirkung.
- Methylphenidat wird als möglicherweise teratogen beim Kaninchen
angesehen. Spina bifida mit Fehlstellungen der hinteren Gliedmaßen wurden
in zwei verschiedenen Würfen bei einer Dosis von 200 mg/kg/Tag beobachtet.
Diese Dosis war auf mg/kg-Basis etwa 116fach höher als die maximal beim
Menschen empfohlene Dosis von 60 mg. Die systemische Exposition (AUC) von
DL-Methylphenidat beim Kaninchen betrug bei 200 mg/kg/Tag das 5,1fache der
extrapolierten maximalen humantherapeutischen Exposition nach Gabe von 60
mg. Die Exposition bei der nächst niedrigeren Dosis, bei der keine Spina
bifida beobachtet wurde, betrug das 0,72fache der extrapolierten maximalen
Exposition beim Menschen. In einer zweiten Studie, die mit der hohen, als
maternaltoxisch beurteilten Dosis von 300 mg/kg durchgeführt wurde, wurden
bei 12 Würfen mit 92 lebenden Feten keine Spina bifida beobachtet. Hier war
die systemische Exposition (AUC) bei 300 mg/kg 7,5fach höher als die
extrapolierte maximale humantherapeutische Exposition.
- Methylphenidat ist nicht teratogen in Ratten. Bei einer hohen Dosis von
75 mg/kg (44fach höher als die maximal beim Menschen empfohlene Dosis)
entwickelte sich eine fetale Toxizität. Die Exposition (AUC) bei Ratten
nach der Gabe von 75 mg/kg betrug das 20,9fache der extrapolierten
maximalen Exposition beim Menschen. Die Toxizität bestand in einer erhöhten
Rate von Feten mit verzögerter Ossifikation der Schädelknochen und des
Zungenbeins sowie von Feten mit überzähligen kurzen Rippen.

Bei einer Dosierung, die um einen Faktor von 1-5 über der therapeutischen
Dosierung für Menschen lag, hatte Methylphenidat keine negativen
Auswirkungen auf die Reproduktionsleistung und die Fruchtbarkeit.

- Jugendliche Verhaltensentwicklung:
In tierexperimentellen Untersuchungen an jungen Ratten führte die
wiederholte orale Gabe von Methylphenidat zu reduzierter Bewegungsaktivität
bei 50 mg/kg/d (29 mal höher als MRHD), zurückzuführen auf überhöhte
pharmakokinetische Aktivität von Methylphenidat. In den weiblichen Ratten
wurde darüber hinaus bei der höchsten Dosis von 100 mg/kg/d (58 mal höher
als MRHD) ein Defizit im Aneignen spezifischer Lernfähigkeiten
festgestellt. Die klinische Relevanz dieser Ergebnisse ist unbekannt.

Sonstige pharmakokinetische Angaben:


- Methylphenidat wird nicht in einem klinisch relevanten Umfang durch
Cytochrom P450 metabolisiert. Umgekehrt hemmen die D- und L-Stereoisomere
des Methylphenidats nicht in einem relevanten Umfang CYP1A2, CYP2C8,
CYP2C9, CYP2C19, CYP2D6, CYP2E1 oder CYP3A.
- Es bestehen beträchtliche inter- und intraindividuelle Variationen der
Plasmakonzentration, die jedoch ohne prädiktiven Aussagewert für die
therapeutische Wirksamkeit sind.
- Die Gabe der verzögert freisetzenden Formulierung beim Frühstück anstelle
von zwei Tabletten der sofort freisetzenden Formulierung (zum Frühstück und
Mittag) kann den Tiefpunkt vor dem Mittag und den Peak nach dem Mittag von
Methylphenidat reduzieren, und die Plasmaspiegel am Ende des Schultags
können niedriger sein. Die Daten aus den klinischen Studien legen nahe,
dass im Vergleich zu der konventionellen Therapie mit einer sofort
freisetzenden Methylphenidat-Formulierung die unterschiedlichen
pharmakokinetischen Profile bei einigen Patienten zu einem
unterschiedlichen Verhaltensmuster und unterschiedlicher Symptomkontrolle
während des Tages führen können. Insbesondere könnte eine teilweise
Verringerung der Symptomkontrolle am späten Nachmittag und am frühen Abend
auftreten. Diese Unterschiede sollten bei der Beurteilung der individuellen
Bedürfnisse der Patienten berücksichtigt werden.
- Die absolute Bioverfügbarkeit ist niedrig. Sie beträgt zwischen 10 und
50% bei Kindern.
Daher ergeben sich beträchtliche inter- und intraindividuelle Variationen
der Plasmakonzentration, die jedoch ohne prädiktiven Aussagewert für die
therapeutische Wirksamkeit sind. Die Spitzen-Plasmakonzentrationen weisen
eine beträchtliche intersubjektive Variabilität auf. Der Bereich unter der
Plasmakonzentrations-Kurve (AUC) sowie die Spitzen-Plasmakonzentrationen
sind proportional zur Dosis.

Wirkungsdauer:
Die relativ kurze Halbwertszeit korreliert gut mit der Wirkdauer von 1 bis
4 Stunden.

Resorption:
- Methylphenidat wird rasch und fast vollständig resorbiert.
- Nach oraler Gabe von Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung an
Kinder mit AD/HS und Erwachsene wird Methylphenidat schnell resorbiert und
führt zu einem bimodalen Konzentrations-Zeit-Profil im Plasma (d. h. zwei
ausgeprägte Spitzen mit etwa vier Stunden Abstand).

Plasmaproteinbindung:
- Im Blut verteilen sich Methylphenidat und seine Metaboliten auf Plasma
(57 %) und Erythrozyten (43 %).
- Die Bindung von Methylphenidat und seinen Metaboliten an Plasmaproteine
ist mit 10-33 % gering.

Liquorgöängigkeit:
Methylphenidat überwindet die Blut-Hirn-Schranke leicht und reichert sich
rasch im Gehirn an. Bereits nach 1-5 min nach einer i.v. Injektion beträgt
die Konzentration im Gehirn das 7-8fache der Serumkonzentration. 4-10 min
nach i.v. Injektion von 11C-Methylphenidat werden im Gehirn
Konzentrationsspitzen von 7,5 +/- 1,5 % der Dosis gemessen. 11C-
Methylphenidat reichert sich besonders im Striatum an und wird relativ
langsam wieder aus dem Gehirn ausgeschleust. Erst nach 90 min werden
halbmaximale Konzentrationen im Striatum erreicht.
Metabolismus:
Methylphenidat wird schnell und nahezu vollständig durch die
Carboxylesterase CE-S1A1 metabolisiert. Es wird vornehmlich zu Ritalinsäure
abgebaut. Maximale Plasmaspiegel der Ritalinsäure werden ca. 2 h nach der
Einnahme erreicht und sind 30-50-mal höher als die von Methylphenidat.
Die Halbwertszeit von Ritalinsäure ist ca. zweimal so lang wie die von
Methylphenidat und die systemische Clearance beträgt 0,17 l/h/kg. Dadurch
ist eine Akkumulation bei Patienten mit Niereninsuffizienz möglich. Da
Ritalinsäure geringe oder gar keine pharmakodynamische Aktivität besitzt,
spielt dies therapeutisch eine untergeordnete Rolle.
Nur geringe Mengen von hydroxylierten Metaboliten (z. B. Hydroxy-
Methylphenidat und Hydroxy-Ritalinsäure) sind nachweisbar. Die
therapeutische Aktivität scheint hauptsächlich auf Methylphenidat
beschränkt zu sein.

- Nach der oralen Gabe werden innerhalb von 48-96 Stunden 78-97 % der Dosis
im Urin in Form von Metaboliten ausgeschieden. Nur kleine Mengen (< 1 %)
von unverändertem Methylphenidat erscheinen im Urin. Der Großteil der Dosis
wird in den Urin vermutlich pH-unabhängig als Ritalinsäure (60-86 %)
ausgeschieden.
- Die renale Ausscheidung von Ritalinsäure erfolgt langsam, so dass eine
Akkumulation bei Patienten mit Niereninsuffizienz möglich ist. Da
Ritalinsäure geringe oder gar keine pharmakodynamische Aktivität besitzt,
spielt dies therapeutisch eine untergeordnete Rolle.

Nach der oralen Gabe werden innerhalb von 48-96 Stunden 1-3 % in den Fäzes
in Form von Metaboliten ausgeschieden.

Die Eliminierungsdaten von Patienten mit einer normalen Nierenfunktion


lassen vermuten, dass die renale Eliminierung von nicht verstoffwechseltem
Methylphenidat durch eine gestörte Nierenfunktion kaum beeinflusst wird.
Die renale Ausscheidung des Hauptmetaboliten Ritalinsäure kann
möglicherweise beeinflusst werden.
Die renale Ausscheidung von Ritalinsäure erfolgt langsam, so dass eine
Akkumulation bei Patienten mit Niereninsuffizienz möglich ist. Da
Ritalinsäure geringe oder gar keine pharmakodynamische Aktivität besitzt,
spielt dies therapeutisch eine untergeordnete Rolle.

Es gibt anscheinend keine Unterschiede in der Pharmakokinetik von


Methylphenidat zwischen Kindern mit Hyperkinetischen Störungen/AD/HS und
gesunden erwachsenen Probanden.

Abhängigkeitsrisiko:
Ja

Nebenwirkungen

- Panzytopenie
- Wahnvorstellungen, Denkstörungen, Verwirrtheitszustand
- Es wurden Fälle von Abhängigkeit und Missbrauch beschrieben, häufiger mit
schnell freisetzenden Formulierungen.
- zerebrovaskuläre Erkrankungen (einschließlich Vaskulitis, Hirnblutungen,
Schlaganfälle, zerebrale Arteriitis, Hirngefäßverschluss), Grand-Mal-
Anfälle, Migräne
- supraventrikuläre Tachykardie, Bradykardie, ventrikuläre Extrasystolen,
Extrasystolen
- Menstruationsstörungen
- Thoraxbeschwerden, Hyperpyrexie

- Schalflosigkeit, Nervosität
- Kopfschmerzen
- Nasopharyngitis
- Anorexie, verminderter Appetit, mäßig verringerteGewichts- und
Größenzunahme bei längerer Anwendung bei Kindern
- Anorexie, Affektlabilität, Aggression, Unruhe, Angst, Depression,
Reizbarkeit, anormales Verhalten
- Schwindel, Dyskinesie, psychomotorische Hyperaktivität, Somnolenz
- Arrhythmie, Tachykardie, Palpitationen
- Hypertonie
- Husten, Rachen- und Kehlkopfschmerzen
- Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Magenbeschwerden und Erbrechen
(diese treten üblicherweise zu Beginn der Behandlung auf und können durch
Einnahme mit einer Mahlzeit gelindert werden), Mundtrockenheit
- Alopezie, Pruritus, Hautausschlag, Urtikaria
- Arthralgie
- Pyrexie,Wachstumsverzögerung unter längerer Anwendung bei Kindern
- Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz (meist eine Erhöhung),
Gewichtsabnahme

- Überempfindlichkeitsreaktionen wie z. B. angioneurotisches Ödem,


anaphylaktische Reaktionen, Ohrschwellung, bullöse (mit Blasenbildung
einhergehende) Hauterkrankungen, exfoliative (schuppende) Hauterkrankungen,
Urtikaria (Nesselausschlag), Juckreiz, Hautausschläge und Eruptionen
- psychotische Störungen, akustische, optische und taktile Halluzinationen,
Wut, Selbstmordgedanken, stimmungsänderungen, Stimmungsschwankungen,
Rastlosigkeit, Weinerlichkeit, Tics, Verschlimmerung von vorbestehenden
Tics oder Tourette-Syndrom, Hypervigilanz, Schlafstörung
- Sedierung, Tremor
- Diplopie, verschwommenes Sehen
- Brustschmerzen
- Dyspnoe
- Verstopfung
- Anstieg von Leberenzymen
- angioneurotisches Ödem, bullöse Hauterkrankungen, exfoliative
Hauterkrankungen
- Myalgie, Muskelzucken
- Hämaturie
- Brustschmerzen, Müdigkeit
- Herzgeräusch, erhöhte Leberenzyme

- Manie, Desorientiertheit, Libidostörung


- Probleme mit der Augenakkommodation, Mydriasis, Sehstörungen
- Angina pectoris
- Hyperhidrosis, makulärer Hautausschlag, Erythem
- Gynäkomastie

- Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie, thrombozytopenische Purpura


- Selbstmordversuch (einschließlich vollendeter Selbstmord), vorübergehende
depressive Verstimmung, anormales Denken, Apathie, stereotype (krankhaft
häufig wiederholte) Verhaltensweisen, übermäßiges Fokussieren
- Krampfanfälle, choreo-athetoide Bewegungen, reversibles ischämisches
neurologisches Defizit, neuroleptisches malignes Syndrom (NMS; die
Meldungen waren schlecht dokumentiert, und in den meisten Fällen erhielten
die Patienten auch andere Wirkstoffe, weshalb die Rolle von Methylphenidat
unklar ist)
- Herzstillstand, Myokardinfarkt
- zerebrale Arteriitis und/oder Hirngefäßverschluss, periphere Kälte,
Raynaud-Phänomen
- gestörte Leberfunktion, einschließlich hepatisches Koma
- Erythema multiforme, exfoliative Dermatitis, fixes Arzneimittelexanthem
- Muskelkrämpfe
- plötzlicher Herztod
- erhöhte alkalische Phosphatase im Blut, erhöhtes Bilirubin im Blut,
reduzierte Thrombozytenzahl, anormale Zahl der weißen Blutkörperchen
- Priapismus

Beeinflussung des Reaktionsvermögens:


Ja

- Methylphenidat verbessert die Aufmerksamkeit. Dennoch kann Methylphenidat


Schwindel, Schläfrigkeit und Sehstörungen einschließlich
Akkommodationsschwierigkeiten, Diplopie und verschwommenes Sehen
verursachen. Es kann einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und
die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen haben. Patienten sollten vor
diesen möglichen Effekten gewarnt werden und beim Auftreten dieser Effekte
potenziell gefährliche Aktivitäten wie das Führen von Fahrzeugen oder das
Bedienen von Maschinen vermeiden.
- Narkolepsie-Patienten sind unbehandelt unfähig zum Führen von
Kraftfahrzeugen und Bedienen von Maschinen. Unter der Behandlung mit
Methylphenidat kann das Führen von Kraftfahrzeugen unter Umständen bedingt
möglich sein, wenn bei auftretender Müdigkeit eine sofortige Unterbrechung
der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr gesichert ist und
Verkehrssituationen mit hohen Aufmerksamkeitsanforderungen gemieden werden
können.

Ergänzungen zur Abhängigkeit:


- Klinische Daten zeigen, dass Patienten, die als Kinder Methylphenidat zur
Therapie hyperkinetischer Verhaltensstörungen erhalten haben, als
Jugendliche oder Erwachsene kein erhöhtes Missbrauchsrisiko aufweisen. Auch
bei Erwachsenen mit Narkolepsie spielt das Abhängigkeitsrisiko praktisch
keine Rolle.
- Chronischer Missbrauch von Methylphenidat kann zu ausgeprägter Toleranz
und psychischer Abhängigkeit mit abnormalem Verhalten in unterschiedlicher
Ausprägung führen. Insbesondere bei parenteralem Abusus kann es zu offenen
psychotischen Episoden kommen. Bei der Entscheidung über eine medikamentöse
ADHS-Behandlung ist das Bestehen von Risikofaktoren für Suchtstörungen (wie
z. B. gleichzeitige oppositionelle oder Verhaltens- und bipolare
Störungen), früherer oder bestehender Missbrauch zu berücksichtigen. Bei
einigen Patientenmit einem hohen Missbrauchsrisiko sind möglicherweise
Methylphenidat oder andere Stimulanzien nicht geeignet, und eine Therapie
ohne Stimulanzien sollte erwogen werden.
- Während des Absetzens nach missbräuchlicher Anwendung ist eine
sorgfältige Überwachung notwendig, da es zu schweren Depressionen kommen
kann.

Sonstige Hinweise:
- Methylphenidat kann in sehr seltenen Fällen zu lang andauernden und
manchmal schmerzhaften Erektionen (Priapismus) führen. Erektionen, die
länger als vier Stunden anhalten, bedürfen einer sofortigen ärztlichen
Behandlung, um bleibende Schäden wie erektile Dysfunktion zu verhindern.
- Methylphendiat ist den verbotenen Substanzklassen der Doping-Liste
zugeordnet und ist im Wettkampf verboten.

Gegenmaßnahmen bei Überdosierung:


Ein spezifisches Antidot existiert nicht. Die Behandlung besteht aus
geeigneten unterstützenden Maßnahmen und der symptomatischen Behandlung
lebensbedrohlicher Zustände wie z. B. hypertensiven Krisen,
Herzrhythmusstörungen, zerebrale Krampfanfälle. Der Patient muss davor
geschützt werden, sich selbst zu verletzen, und gegen äußere Reize
abgeschirmt werden, die die bereits vorhandene Übererregung verstärken
könnten.
Die Art der therapeutischen Maßnahmen richtet sich nach dem Schweregrad der
Intoxikation. Dabei ist zu beachten, dass es deutliche individuelle
Unterschiede in der Empfindlichkeit zwischen den Patienten gibt, die auf
Methylphenidat eingestellt sind, und anderen Personen ohne entsprechende
Vormedikation.
Folgende therapeutische Maßnahmen sind angezeigt:
- Bei leichter Überdosierung sollte Methylphenidat abgesetzt und eine
symptomatische Therapie mit Kreislaufüberwachung durchgeführt werden.
- Bei Verdacht auf mittlere bis schwere Intoxikation kann in der Frühphase
(innerhalb von 60 Minuten) der Magen durch Magenspülung entleert werden.
Anschließend sollte Aktivkohle gegeben werden. Bei hyperaktiven oder
bewusstlosen Patienten oder Patienten mit Atemdepression ist der Schutz der
Atemwege erforderlich.
- Bei schweren Erregungszuständen oder Krämpfen sollte eine sorgfältig
titrierte Dosis eines Benzodiazepins, z. B. Diazepam i.v. oder rektal bzw.
Lorazepam oral, verabreicht werden.
- Atmung und Kreislauf müssen gegebenenfalls mit intensiv-medizinischen
Maßnahmen unterstützt werden. Zur Reduzierung der Hyperpyrexie können
externe Kühlmaßnahmen notwendig sein.
Wegen der kurzen Halbwertszeit ist eine forcierte Entfernung von
Methylphenidat aus dem Organismus nicht erforderlich. Die Wirksamkeit einer
Peritonealdialyse oder einer extrakorporalen Hämodialyse bei
Überdosierungen ist nicht belegt.

Symptome einer Überdosierung:


Die Symptome einer akuten Überdosierung sind hauptsächlich auf die
Übererregung des Zentralnervensystems und auf übermäßig starke
sympathomimetische Effekte zurückzuführen.
Folgende Symptome können auftreten:
Übelkeit und Erbrechen, Agitiertheit, Tremor, Hyperreflexie,
Muskelzuckungen, Schweißausbrüche und Hitzewallungen, Hyperpyrexie,
Euphorie, Konfusion, Halluzinationen, Delirium, Tachykardie, Palpitationen,
Herzrhythmusstörungen, Hypertonie, Mydriasis und trockene Schleimhäute,
Kopfschmerz, zerebrale Krampfanfälle (möglicherweise mit anschließendem
Koma).

Abusus während der Schwangerschaft kann zu einem Entzugssyndrom beim


Neugeborenen führen.

Schwangerschaft:

Es liegt eine begrenzte Anzahl von Daten für die Verwendung von
Methylphenidat bei Schwangeren vor. Es liegen Spontanberichte von
kardiorespiratorischer Toxizität bei Neugeborenen vor, insbesondere wurde
von fetaler Tachykardie und Atemnot berichtet. Tierexperimentelle Studien
haben nur bei mütterlicherseits toxischen Dosen eine Reproduktionstoxizität
gezeigt. Ritalin wird nicht zur Anwendung während der Schwangerschaft
empfohlen, es sei denn, es ist klinisch entschieden, dass eine Verschiebung
der Behandlung ein größeres Risiko für die Schwangerschaft bedeutet.
Methylphenidat hat bei etwa 50 Schwangerschaften, davon über ein Dutzend im
1. Trimenon exponiert, keine eindeutigen Hinweise auf Teratogenität
ergeben. Allerdings reichen die beiden publizierten Fallserien aufgrund
ihres geringen Umfangs und z. T. erheblicher zusätzlicher Risikofaktoren
bei den ausgewerteten Schwangerschaften für eine differenzierte Bewertung
nicht aus. Beim Menschen wurde über Frühgeburtlichkeit, intrauterine
Wachstumsretardierung und Entzugssymptome berichtet. Einerseits wird
Missbrauch mit dem Medikament betrieben, zum anderen wird es in jüngerer
Vergangenheit zunehmend bis ins Erwachsenenalter wegen
Aufmerksamkeitsdefizit und bei hyperkinetischem Verhalten gegeben und führt
dann zufällig zu einer Exposition während der Schwangerschaft.

Methylphenidat wurde in der Muttermilch von Frauen nachgewiesen, die mit


Methylphenidat behandelt wurden. Es ist ein Fall eines Säuglings bekannt,
der eine unspezifische Gewichtsabnahme während des Anwendungszeitraums
entwickelte, sich nach Absetzen der Methylphenidat-Behandlung durch die
Mutter aber erholte und wieder zunahm. Ein Risiko für das gestillte Kind
kann nicht ausgeschlossen werden. Aus Sicherheitsgründen muss eine
Entscheidung getroffen werden, ob abgestillt oder die Methylphenidat-
Behandlung unterbrochen oder abgesetzt werden soll, wobei der Nutzen des
Stillens für das Kind und der Nutzen der Therapie für die stillende Mutter
gegeneinander abgewogen werden müssen.

Methylphenidat ist ein Psychostimulans mit ausgeprägteren Effekten auf


zentrale als auf motorische Aktivitäten und ein indirekt wirkendes
Sympathomimetikum. Tierexperimentell wirkt Methylphenidat indirekt
sympathomimetisch durch Freisetzung von Noradrenalin aus intraneuronalen
Speichern adrenerger Neurone und Hemmung der Wiederaufnahme. Dosisabhängig,
d. h. mit steigender Konzentration im Zentralnervensystem, setzt
Methylphenidat auch Dopamin frei und hemmt dessen Wiederaufnahme. Anders
als bei Amphetamin werden bei Tieren, die mit Reserpin vorbehandelt wurden,
keine Katecholamine durch Methylphenidat freigesetzt. Dies bedeutet, dass
durch Methylphenidat induzierte Stereotypien mit Reserpin unterbunden
werden können.
Methylphenidat kann, wahrscheinlich durch erhöhte Noradrenalin-Freisetzung
im lateralen Hypothalamus, den Appetit vermindern und bei hoher Dosierung
zu Körpertemperaturanstieg führen. Die zentralen Wirkungen sind vor allem
ein reduziertes Schlafbedürfnis, Unruhe, Erregungszustände und Euphorie.
Abhängig von Dosis und psychischer Ausgangslage kann es über Verkennungen
der Realität zu Halluzinationen bis hin zu psychotischen Reaktionen kommen.
Ebenfalls bei hoher Dosierung bzw. nach längerem Gebrauch können
Verhaltensstereotypien ausgelöst werden. Das physiologische Schlafmuster
wird verändert. Es treten vermehrt REM-Phasen auf.
Der Wirkmechanismus beim Menschen ist nicht vollständig geklärt; es wird
jedoch vermutet, dass der Effekt auf einer Inhibierung der Dopamin-
Wiederaufnahme im Striatum zurückzuführen ist, ohne dass eine Freisetzung
von Dopamin ausgelöst wird. Der Mechanismus, durch welchen Methylphenidat
seine mentalen und verhaltensrelevanten Wirkungen bei Kindern ausübt, ist
weder genau ergründet noch liegen schlüssige Beweise vor, welche aufzeigen,
wie diese Effekte mit dem Zustand des ZNS zusammenhängen.
Auf Grund des Wirkmechanismus kommt es zur Entwicklung einer Tachyphylaxie:
die Wirkung indirekter Sympathomimetika nimmt mit länger andauernder
Anwendung ab, da die Menge an freizusetzendem Transmitter in den
betroffenen Neuronen ebenfalls rasch abnimmt. Daher muss bei plötzlichem
Absetzen der Medikation nach längerer Einnahme mit einer Unterfunktion der
betroffenen Neuronen und einer daraus resultierenden Entzugssymptomatik
gerechnet werden.

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