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Universitatea din Bucureşti

Facultatea de Limbi şi Literaturi Străine


Departamentul de Limbi şi Literaturi Germanice

LUCRARE DE LICENŢĂ

Zur Übersetzung der Rechtstexte mit Schwerpunkt auf


der Urteils- und Bescheidsprache: Gerichts- und
Behördensentscheidungen über Einzelfälle
Verwaltungsstrafverfahren

Problematica traducerii textelor juridice cu accent pe


limbajul utilizat în sentințe și decizii în cursul
judecății: Decizii judiciare și deciziile autorităților în
cazuri individuale
Proceduri sancționale administrative

Candidat:
Vasile N. Irina-Gabriela

Îndrumător ştiinţific:
Lect. Univ. Dr. Evemarie Draganovici

2016
1
INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG ...................................................................................................................... 4

2. FACHTEXTE UND FACHÜBERSETZUNGEN .............................................................. 7

2.1. Fachsprache und Gemeinsprache ..................................................................................... 7

2.2. Allgemeine Merkmale der Fachsprache ........................................................................... 9

2.3. Übersetzung der Fachtexte ............................................................................................. 14

3. ÜBERSETZUNG DER JURISTISCHEN FACHTEXTE .............................................. 19

3.1. Recht und Rechtssprache ............................................................................................... 20

3.2. Anforderungen der Rechtssprache ................................................................................. 22

3.3. Rechtstexte – allgemeine Merkmale .............................................................................. 25

3.4. Juristische Terminologie ................................................................................................ 28

3.5. Äquivalenz juristischer Begriffe .................................................................................... 29

3.6. Juristische Wörterbücher ................................................................................................ 32

4. RELEVANTE THEORETISCHE ANSÄTZE FÜR DIE ÜBERSETZUNG ............ 35

4.1. Skopostheorie..................................................................................................40
4.2. Übersetzungsverfahren und Übersetzungsmethoden......................................43
5. EINFÜHRUNG IN DAS ALLGEMEINE ÖSTERREICHISCHE
VERWALTUNGSVERFAHRENGESETZ ........................................................................ 46

5.1.Verwaltungsstrafverfahren in Österreich ........................................................................ 46

5.2.Gerichtsurteile. Zur Problematik der Übersetzung von Gerichtsurteilen ....................... 50

6. PRAKTISCHER TEIL – ÜBERSETZUNGSRELEVANTE TEXTANALYSE .......... 56

7. SCHLUSSFOLGERUNG .................................................................................................. 68

8. LITERATURVERZEICHNIS ........................................................................................... 72

9. ANHANG - ÜBERSETZUNG ........................................................................................... 75

2
3
1.Einleitung
Im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit wird das Thema der Übersetzung von
Rechtstexten untersucht, im Folgenden auch juristische Texte genannt. Der Fokus liegt
insbesondere auf der Urteils- und Bescheidsprache im österreichischen Raum und in
diesem Sinne werden authentische Gerichts- und Behördenentscheidungen analysiert. Das
Ziel der Arbeit ist die Schwierigkeiten und Besonderheiten des Fachübersetzens in diesem
Gebiet zu untersuchen und anhand der Übersetzungsanalyse eine theoretische Grundlage
für eine zukünftige Arbeit als Übersetzer im Bereich des Rechtswesens zu schaffen.

Es ist äußerst wichtig Fachtexte und vor allem Rechtstexte so genau und zutreffend wie
möglich zu übersetzen, denn sogar die kleinsten Fehler können zu gravierenden Fehlern
führen. Außerdem überlappen sich das österreichische- und das rumänische Recht nur
teilweise und die einzelnen Begriffe oder Ausdrücke sind manchmal irreführend. Aus
diesen Gründen setzt sich die vorliegende Lizenziatarbeit mit den Besonderheiten und
Merkmalen der Urteils- und Bescheidsprache auseinander und nimmt sich vor am Ende
eine Basis zu schaffen, die man in seiner Arbeit bei einem Gerichtshof in österreichischen
Raum gut gebrauchen kann.

Die Arbeit besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Das erste Kapitel
bietet eine Einführung in das Thema der Fachsprachen, da Fachübersetzungen Gegenstand
der Arbeit eines Translators sind. Zuerst werden die Unterschiede zwischen Fachsprache
und Gemeinsprache aufgezählt, danach wird auf die Eigenschaften, Besonderheiten und
Gliederung der Fachsprache eingegangen, mit Rücksicht auf die theoretischen Ansätze der
Fachtexte. Am Ende des Kapitels wird auch die Wichtigkeit der Fachübersetzungen als
kommunikatives Instrument hervorgehoben.

Das zweite Kapitel ist ausschließlich den juristischen Fachtexten und deren allgemeinen
Merkmale gewidmet. Es wird vor allem auf die Eigenartigkeit der Rechtsprache
eingegangen, die zur selben Zeit zu der Verständnis- und Übersetzungsschwierigkeit
juristischer Texte beiträgt. Dabei werden die Charakteristika der Rechtsprache erörtert. In
dieser Hinsicht werden die Rechtsterminologie und die Problematik der relevanten
Äquivalenz juristischer Termini behandelt. Außerdem wird ein anderer wichtiger Aspekt

4
der translatorischen Arbeit untersucht, nämlich die Benutzung sowohl mehrsprachiger- als
auch Fachwörterbücher als Hilfe für die Rechtsübersetzung und die Probleme, die man
berücksichtigen muss, um sich der Nachschlagwerke bestens zu bedienen. Des Weiteren
werden für die juristischen Übersetzungen notwendige Theorien auf der sprach- und
übersetzungswissenschaftlichen Ebene aufgelistet. Besonders viel Wert wird in diesem
Sinne auf die Skopostheorie und auf ihrer Relevanz für die Translationen im Bereich gelegt
und letztendlich kommen auch relevante Übersetzungsmethoden und
Übersetzungsverfahren in die Diskussion.

Das letzte Kapitel ist als eine Einführung in das allgemeine österreichische
Verwaltungsverfahrengesetz zu betrachten. Im Laufe dieses Kapitel werden wichtige
Begriffe und Definitionen erläutert und damit eine allgemeine Rechtsgrundlage in diesem
Unterbereich geschafft. Anschließend werden die österreichischen Verwaltungsverfahren in
angesprochen und ferner erläutert.

In dem praktischen Teil werden die theoretischen Kenntnisse in einer praktischen


Übersetzung anhand verschiedener Beispiele von Verwaltungsverfahren umgesetzt, indem
die juristische Merkmale durch praktischen Beispiele aus allen Texte veranschaulicht
werden. Darüber hinaus wird die Analyse zeigen, wie die Übersetzungsverfahren sich als
Hilfe zur Erleichterung des Verständnisses und des Übersetzungsprozesses ergeben.

Das ausgesuchte Thema ist vor allem für rumänische Staatsbürger von großem Interesse,
die in Österreich wohnhaft sind und sich mit den Gerichtsverfahren vertraut machen
müssen. Zur selben Zeit ist das Thema von großem Interesse, weil es sich um das Recht der
Republik Österreich handelt. Man kann behaupten, dass Verwaltung eng mit anderen
Teilsystemen der Gesellschaft verbunden ist und dass sie Informationen empfängt. Seitens
der Politik empfängt sie etwa Gesetze, Regierungsprogramme, parlamentarische
Entschließungen. Was Medien betrifft empfängt sie etwa Hinweise auf Missstände, denen
die Verwaltung abhelfen soll. Seitens der Verbände empfängt die Verwaltung wiederum
etwa Interventionen, Wünsche, Beschwerden oder Anzeigen. Es ist ebenso erwähnenswert,
dass sie seitens der Bürger auch Anträge, Beschwerden und sonstige Mitteilungen,
empfangen kann. In diesem Zusammenhang muss beachtet werden, dass die Verwaltung

5
ein Teilsystem der Gesellschaft ist und aus diesem Grund ist sie von äußerster Bedeutung,
wenn man die gesellschaftlichen Teilsysteme verstehen will. Nicht nur für österreichische
Staatsbürger ist es sinnvoll,sich mit der Verwaltung zu beschäftigen, sondern auch für
Bürger anderer Länder, die in Österreich wohnhaft sind, damit sie sich damit vertraut
machen, in welcher Art und Weise und nach welchen Vorgaben und Richtlinien des
Staates und in Folge dessen sie handeln müssen.

Die Analyse berücksichtigt die Verständnis- und Übersetzungsschwierigkeiten, mit denen


in der Arbeit gerechnet wird. Es werden verschiedene Merkmale der Rechtsprache, sowie
der Nominalstil, die Abstraktion und die Standardformel anhand des gewählten Textes
untersucht. Darüber hinaus wird die Anwendung verschiedener Übersetzungsmethoden und
Übersetzungsverfahren hinsichtlich der zutreffenden Übersetzungsschwierigkeiten
erläutert.

Die Absicht vorliegender Lizenziatarbeit liegt darin, auf die problematischen Aspekte für
den Übersetzer einzugehen, die für die Ausbildung als Fachübersetzer für juristische Texte
sowie als Gerichtsdolmetscher von großer Bedeutung sind.

6
2. Fachtexte und Fachübersetzungen
Heutzutage sind Fachsprachen ein wichtiger Bestandteil sowohl der sich ständig
entwickelnden Gesellschaft als auch des Arbeitsmarkts, wo sie immer mehr gefordert
werden. Die schnell zunehmende Bedeutung von Fachsprachen lässt sich durch mehrere
Entwicklungen erklären, die sehr eng mit der Globalisierung verbunden sind. Die Gründe
für die Wichtigkeit von Fachsprachen liegen darin dass, der weltweite Handel zunehmende
Vereinheitlichung von Problem-Lösungen verlangt. Außerdem arbeiten unterschiedlichste
Fachgebiete immer enger zusammen und allgemein die Beschleunigung der Entwicklung
weltweit und auf allen Ebenen führt dazu, dass Fachsprachen und somit Fachübersetzungen
zu einem nötigen Instrument geworden sind. Mit der Internationalisierung der
Wissenschaften und Märkte entsteht auch ein erheblicher Bedarf an Fachübersetzungen.
Die Übersetzer, die in diesem Bereich arbeiten, werden Fachübersetzer genannt, weil sie in
der Regel für ein Fach spezialisiert sind. Übersetzer werden als Fachleute für die
Kommunikation zwischen Angehörigen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen
betrachtet. Als Fachleute tragen die Übersetzer die Verantwortung für die von ihnen
erbrachte Leistung. Es ist erwünscht, dass der Fachübersetzer nicht nur mit der spezifischen
Terminologie vertraut ist, sondern auch auf dem neuesten Stand ist, bezüglich der
Entwicklungen und Fortschritte in seinem Bereich, damit die Fachübersetzung sowohl aus
linguistischer als auch aus fachlicher Hinsicht stimmen soll. Hierbei wird der Begriff
„Sachwissen“ eingeführt; Als Voraussetzung des Übersetzens gilt das sachliche
Verständnis „des als Informationsgrundlage dienenden Ausgangstext (AT)“1. Wenn man
die Vielzahl der Fachgebiete, in denen Übersetzungen oder Dolmetschleistungen gefordert
werden können, in Betracht nimmt, kommt man zu der Schlussfolgerung, dass Ausbildung
in allen Disziplinen und Bereichen nicht möglich ist. Daher ist es sehr wichtig, dass ein
Übersetzer sich in neue Gebiete selbst einarbeitet und dadurch Sachwissen erwirbt. Ein
guter Übersetzer schafft zwei bis drei Seiten pro Stunden. In vielen Fällen muss sich der
Übersetzer auch allgemeine Fachlexika oder firmenbezogene Terminologielisten
beschaffen. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die Europäische Kommission

1
Hornby, Hönig, Kußmaul, Schmitt, 2015, S.4.
7
zahllose Dokumente zwischen neun und mehr Sprachen hin und her übersetzt. Sie betreibt
tausende von Übersetzern, betreibt aber auch ein System zur maschinellen Übersetzung.
Juristische Texte gehören zu dem gröβeren Bereich der Fachtexte. Daher sollte man sich
mit der Fachsprache und die Übersetzung von Fachtexte im Allgemeinen befassen, bevor
man in die Behandlung der juristischen Sprache und der Problematik der Übersetzungen
eingeht. Im Folgenden wird das Augenmerk auf einigen Schwerpunkte der Fachsprachen
und ihre Relevanz für die Übersetzungsarbeit gerichtet.

2.1.Fachsprache und Gemeinsprache


Gemeinsprache wird definiert als "im ganzen Sprachgebiet gültig, allen
Angehörigen der Sprachgemeinschaft verständlich, zum allgemeinen -- nicht
fachgebundenen -- Gedankenaustausch"2. Fachsprache wird definiert als "sachgebundene
Kommunikation unter Fachleuten."3 Fachsprache und Gemeinsprache, auch
Gesamtsprache genannt4, sind nicht völlig voneinander getrennt sondern überlappen sich.
Fachsprache unterscheidet sich von der Gemeinsprache dadurch, dass die Gemeinsprache
von allen Sprechern des bestimmten Sprachsystems benutzt wird. Im Unterschied dazu
wird die Fachsprache innerhalb eines Fachgebietes benutzt, ihre Begriffe sind eindeutig
bezeichnet und sie verwendet charakteristische Sprachmittel.

Wörterbuchdefinitionen des Terminus „Fachsprache” berufen sich auf die Gemeinsprache,


indem sie die Fachsprache davon abgrenzen:

„Sprache, die sich vor allem durch Fachausdrücke von der Gemeinsprache unterscheidet”.5

„alle Fachausdrücke und spezifischen Formulierungen, die in einem bestimmten Fach


verwendet werden und für Laien meist nur schwer od. gar nicht zu verstehen sind”6

Die Definitionen beziehen sich nicht nur auf die Gemeinsprache, sondern auch auf den
Begriff „Fach”. Tatsächlich konnte man die Fachsprache bis jetzt nicht einheitlich

2
Arntz, Picht, 1991, S 16.
3
ebd.
4
Arntz, Picht, 1991, S 17.
5
http://www.duden.de/rechtschreibung/Fachsprache` [ Zugriff am 12.03.2016]
6
http://de.thefreedictionary.com/Fachsprache [Zugriff am 12.03.2016]
8
definieren, obwohl für manche der Terminus einfach scheint. So wie Hans-Rüdiger Fluck7
die Problematik darstellt, liegt die Schwierigkeit darin, dass die beiden Begriffe, auf denen
sich die Definitionen beziehen, auch nicht klar definiert sind. Die Gemein- und
Fachsprache sind nicht klar voneinander abgetrennt. Es treten Überdeckungen zwischen
ihnen auf, denn, zum Beispiel, besteht ein Fachtext nicht nur aus Fachsprache und die
Gemeinsprache übernimmt Wörter, Wendungen und sprachliche Strukturen aus den
Fachsprachen.

In ihrem Lexikon der Sprachwissenschaft liefert Bußmann folgende Definition:


„Sprachliche Varietät mit der Funktion einer präzisen, effektiven Kommunikation über
meist berufsspezifische Sachbereiche und Tätigkeitsfelder.“8 Lothar Hoffman gibt eine
noch genauere Definition von Fachsprachen: „Fachsprache – das ist die Gesamtheit aller
Sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren Kommunikationsbereich
verwendet werden, um die Verständigung zwischen den in diesem Bereich tätigen
Menschen(und die Popularisierung der fachlichen Inhalte sowie den Kontakt zu
bestimmten Nicht-Fachleuten) zu gewährleisten.“9

So wie Hans-Rüdiger Fluck es darstellt, kann man die Fachsprache nicht als eine
selbständige Erscheinungsform der Sprache, sondern man muss sie immer im Rahmen der
Fachtexte analysieren, die nicht nur fachliche Elemente enthalten, sondern auch
gemeinsprachliche Elemente10. An dieser Stelle wird ein weiterer Terminus eingeleitet: der
Fachtext, eine Aktualisierung der Fachsprache. Man kann also nicht von der Fachsprache
sprechen, ohne Fachtexte in Bezug zu nehmen.

7
Fluck, 1996, S. 11.
8
Busmann, 2002, S. 211.
9
Hoffmann, 1984, S. 53.
10
Fluck, 1996, S. 14.
9
2.2.Allgemeine Merkmale der Fachsprache

Um die allgemeinen Merkmale der Fachsprache ableiten zu können sollte man an aller
ersten Stelle die fünf prinzipiellen Möglichkeiten einer Definition von Fachsprachen
aufzählen. Fachsprache selbst kann von fünf verschiedenen Gesichtspunkten abgegrenzt
werden11:

 1.Durch sprachliche Abgrenzung


„Fachsprache ist eine Variante, die durch alternative Ausdrucksweisen neben der
Gemeinsprache steht”
 2.Durch Auswahl bestimmter Oberflächenformen
„Fachsprache ist eine Subsprache, d.h. eine spezifische Auswahl der sprachlichen
Ausdrucksmöglichkeiten, die man durch Aufzählung der Regeln oder des lexikalischen
Inventars abgrenzen kann”
 3.Durch inhaltliche Festlegung
„Fachsprache ist die Sprache zum Ausdruck bestimmter Fachinhalte“
 4.Durch spezifische Eigenschaften ihrer Sprecher
„Fachsprache ist die Sprache von Berufstätigen“
 5.Durch eine bestimmte Kommunikationsfunktion
„Neben der poetischen oder der sozialen hat die Sprache auch die fachliche
Kommunikationsfunktion, für die sie besondere Mittel bereitstellt“12

Nach sprachsystematischen Abgrenzung wird die Fachsprache als eine besondere Variante
einer natürlichen Sprache betrachtet und die Abgrenzungsmittel sind in diesem Fall
exklusive sprachliche Mittel. Aus der Perspektive der lexikalisch-(syntaktischen)
Abgrenzung wird die Fachsprache als eine spezielle Auswahl der sprachlichen Mittel bei
der Benutzung einer Sprache definiert. Aus der inhaltlichen Abgrenzung resultiert, dass
Fachsprache das zur Bezeichnung von Sachverhalten eines Fachs optimal angepasste
sprachliche Ausdruckmittel ist. Aus der Sprecher/Hörer Perspektive lässt sich sagen, dass
Fachsprache die individuelle Auswahl der sprachlichen Mittel durch Sprecher, deren

11
https://nats-www.informatik.uni-
hamburg.de/~vhahn/German/Fachsprache/vHahn/Methoden/Texte/Definition.html [Zugriff am 12.03.2016]
12
https://nats-www.informatik.uni-
hamburg.de/~vhahn/German/Fachsprache/vHahn/Methoden/Texte/Definition.html [Zugriff am 15.03.2016]
10
Interesse die fachliche Kommunikation ist. Und aus der Perspektive der funktionalen
Abgrenzung wird die Fachsprache als eine der Funktionen der Sprache in der natürlichen
Kommunikation gesehen.
Es bieten sich mehrere Gliederungsmodelle der Fachsprache an, je nach verschiedenen
Kriterien, allerdings wird der Schwerpunkt auf der Gliederung der Fachsprache nach
Ischreyt (1995) gelegt, die nachher ausführlich erläutert wird. Anhand der folgenden
Beispiele wird die Variation zur Strukturierung des sprachlichen Phänomens Fachsprache
veranschaulicht:

 Havráneks Gliederung der Fachsprachen13

 Fachlexikon - Modell von Baldinger (1952)14

13
https://nats-www.informatik.uni-
hamburg.de/~vhahn/German/Fachsprache/vHahn/Gliederung/Texte/Gliederungen.html [Zugriff am
16.05.2016]
14
https://nats-www.informatik.uni-
hamburg.de/~vhahn/German/Fachsprache/vHahn/Gliederung/Texte/Gliederungen.html [Zugriff am
16.03.2016]
11
Die Gliederung der Fachsprachen nach Heinz Ischreyt (1965) ist zweifach und man
unterscheidet zwei Gliederungsarten:die horizontale und die vertikale Gliederung. Zur
Strukturierung des Phänomens Fachsprache bietet sich zunächst eine horizontale
Aufteilung in Fachgebiete an. Die horizontale Gliederung beruht auf dem Sachverhalt, dass
es ebenso viele Fachsprachen wie Fachbereiche gibt. Es gibt beispielsweise Fachsprache
der Medizin, Fachsprache der Wirtschaft, Fachsprache der Physik, Fachsprache der
Technik und so weiter.
Da auch viele neue Wissenschaftsgebiete entstehen und andere veralten und verschwinden,
ist es auch nicht möglich eine genaue Zahl der Fachsprachen anzugeben. Man kann sagen,
dass die Zahl der Fachsprachen ständig in Bewegung ist und aus der horizontalen
Gliederung kann man nicht ableiten, wie viele Fachsprachen es gibt, obwohl Hans Rüdiger
Fluck ungefähr 300 Fachsprachen angibt15. Die horizontale Gliederung gruppiert die
Fachsprachen nach den existierenden Fachbereichen. Sie unterscheidet drei Gruppen16:

1. Wissenschaftssprache oder Theoriesprache

 Sprache der wissenschaftlichen Fachbereiche und Bildung von Theorien.


2. Sprache der Technik

 Technik = Schaffung der Werkzeuge oder Geräte


 Techniksprache = Kommunikation über diese Geräte und ihre Benutzung

3. Institutionensprache

15
Fluck, 1996, S.16
16
http://is.muni.cz/th/177770/ff_m/?lang=en;id=102702 [Zugriff am 16.03.2014]
12
 Kommunikation innerhalb Organisationen mit festgelegter Struktur und einem
bestimmten Zweck
Weitere Gliederungen innerhalb der horizontalen Gliederung sind:

 Natur- und Geisteswissenschaften und ihre Sprachen


 Fachsprachen des Produktions-, des Fertigungs- und des Dienstleistungssektors
 (das gleiche wie Technik- und Institutionensprache)
 Wissenschafts-, Technik-, Institutionen-, Wirtschaft- und Konsumtionsprache
Sprache des Handwerks und der Wissenschaft
 Theoriesprache und Praxissprache

Die vertikale Gliederung betrifft nicht die soziale Schichtung der Sprecher, sondern die
Abstraktionsebenen innerhalb eines einzelnen Faches. Heinz Ischreyt17 gibt drei fachliche
und sprachliche Abstraktionsebenen an:

1. Wissenschaftssprache (Theoriesprache)

 Sprache der Spezialisten und Forscher, meistens in Schriftform


 hoher Abstraktionsgrad
2. Fachliche Umgangssprache

 mündliche Kommunikation der Spezialisten


 der mittlere Abstraktionsgrad
3. Werkstattsprache (Verteilersprache)

 schriftliche und mündliche Kommunikation in der Produktion,


4. Verwaltung und Verkauf

 niedriger Abstraktionsgrad
Von der Theorie von Heinz Ischreyt geht auch Walter von Hahn aus und ergänzt sie mit
eigenen Merkmalen:

1. Wissenschaftssprache
 Die strengste Form der Fachsprache

17
http://is.muni.cz/th/177770/ff_m/?lang=en;id=102702 [Zugriff am 16.03.2016]
13
 Wissenschaft, Forschung, Fachbücher, akademische Vorträge, Anleitungen,
Berichte, Gesetze, Anordnungen
 Meistens schriftliche Form, gesprochen werden eher gelesene Texte

2. fachliche Umgangssprache
 direkte Kommunikation der Spezialisten unter aktuellen Bedingungen
 Fachjargon, der interne Bericht, Anweisung
 Persönlicher Kontakt wichtig

3. Verteilersprache
 Auch populär-wissenschaftliche Texte

Die allgemeine Funktion der Fachsprachen ist, die Kommunikation der Fachleute über
fachliche Sachbereiche zu ermöglichen. Jedoch wenden sich Fachsprachen nicht
ausschließlich an den Fachleuten, sondern auch an den Nichtfachleuten (zum Beispiel, man
verwendet in einer Packungsbeilage bei Fertigarzneimitteln oder in den Gesetzen der
Verfassung eine Fachsprache).

„Die Fachsprache verwendet gehäuft Elemente, die in der Allgemeinsprache wesentlich


seltener vorkommen.”18 Dieter Mitterhuber zählt die gehäufte Verwendung von
Fachbegriffen mit definierter Bedeutung (Urteil, Strafe), die gehäufte Verwendung von
Komposita (Finanzstrafverfahren, Freiheitsstrafe) und die Verwendung besonderer
grammatikalischen Strukturen zu den morphologischen und syntaktischen Besonderheiten
der Fachsprache. Die besonderen grammatikalischen Strukturen werden von Mitterhuber in
folgender Tabelle zusammengefasst:

Grammatikalische Struktur Zweck


Passiv Die Unabhängigkeit des Dargestellten von
 unpersönlicher Stil Personen zum Ausdruck bringen
 „man” als Passiversatz
Komplexe Satzgefüge Inhalte knapp und möglichst präzise

18
http://epub.sub.uni-hamburg.de/epub/volltexte/2009/2374/pdf/08_09_05_Lesekompetenz3.pdf [Zugriff am
06.03.2016].
14
viele Nebensätze, zum Beispiel darstellen
 Konditionalsätze Redundanzen vermeiden
 Relativsätze Informationen komprimieren
Zusammenhänge verdeutlichen
weitere Merkmale Naturphänomene, Naturgesetze,
 häufiger Genitiv Gegenstände, Kräfte und deren
 viele Abkürzungen wie ON, AS, Zusammenwirken präzise benennen und
JE... möglichst ökonomisch beschreiben, hoher
 Formelsprache wie mathe., phys., Abstraktion und Verdichtungsgrad
chem.

Man bemerkt somit, dass die Genauigkeit des Ausdrucks, die Komprimierung der Sprache
und die Objektivität wichtige Zwecke der Fachsprache sind. Diese Besonderheiten sind
aber diejenigen, die das Verständnis der Fachsprachen erschweren. K. Kohn19 befasst sich
mit dem Verständnis eines Übersetzers von Fachtexten. Er nennt zwei Sorten von Wissen,
die dafür notwendig sind, nämlich das Grammatik- und das Weltwissen, meint aber, dass
das Fachsprachliche beim Verstehensvorgang nicht im Vordergrund stehe. „Das heiβt, ein
Rezipient/Übersetzer kann durchaus in der Lage sein, einen Fachtext zu verstehen, ohne
dass er sich der Fachsprachlichkeit des Textes bewusst sein oder gar die Fähigkeit haben
muss, den Text hinsichtlich seiner Fachsprachlichkeit beurteilen zu können.”

2.3.Übersetzung der Fachtexte

Angesichts der fortschreitenden Globalisierung steigt der Bedarf an sprach- und


kulturübergreifender Fachkommunikation stetig an. Auf dem Übersetzungsmarkt werden
Fachtextübersetzungen immer mehr verlangt und die Nachfrage nach der Übersetzung von
Fachtexten aller Art erweist eine steigende Tendenz. Aufgrund der Globalisierung von
verschiedenen Bereichen wie Technik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, ist die
Beschäftigung mit Fachsprachen und Fachübersetzungen inzwischen zum Dauerthema
geworden, das auf keiner Konferenz zur Theorie und Praxis fehlt.

19
Kohn, 1986, S.9.
15
Die Ausbildung im Bereich des Fachübersetzens setzt sich als Ziel die Kompetenz zur
inhaltlich und fachsprachlich korrekten Wiedergabe von Sachverhalten in einer anderen
Sprache und in einem anderen Raum. Die Kompetenz, Fachtexte übersetzen zu können,
hängt mit der Übersetzungswissenschaft zusammen. In den letzten beiden Jahrzehnten hat
sich die Übersetzungswissenschaft stark verändert. „Translation wird als Kulturtransfer
aufgefaßt, wobei auch Erkenntnisse der Kulturforschung miteinbezogen werden, so daß
sich die Übersetzungswissenschaft im anglo-amerikanischen Raum teilweise nicht mehr als
angewandte Sprachwissenschaft sieht, sondern als Teil der sogenannten cultural studies“20.

„Ausgehend von einer handlungsorientierten Auffassung von Translation steht der


Übersetzungsauftrag bzw. der Skopos an erster Stelle: Wir sprechen von einer
skoposabhängigen Handlung, die jede translatorische Aktivität auf ein von verschiedenen,
vorgegebenen Parametern beherrschtes Ziel ausrichtet[...]. Die Ausrichtung auf einen
Zieltextrezipienten, der aus einem unterschiedlichen Sprach- und/oder Kulturkreis stammt,
ergänzt schließlich unsere Merkmalsammlung um das Charakteristikum jeder Übersetzung.
Der Zieltext erfüllt seine Funktion in einem anderen Sprach- und Kulturraum.”21

Für den Translator gilt es, die Merkmale und Charakteristika der beteiligten
Nationalkulturen bezogen auf die Fachkultur zu beherrschen und im Translationsprozess in
Abhängigkeit vom Translationsskopos angemessen zu berücksichtigen. Auf dieser
Grundlage wird Fachübersetzen folgendermaßen definiert:

(1) skoposabhängige

(2) Exteriorisierung von

(3) fachspezifischen Kenntnissystemen und kognitiven Prozessen,

(4) die aus einem Informationsangebot selektiert und gewichtet wurden (Interiorisierung),

(5) mit dem Ziel, diese in einem anderen Sprach- (interlingual) und

(6) Kulturraum (transkulturell)

20
Sandrini, 1999, S.19.
21
Sandrini, 1999, S.41-42.
16
(7) vor dem Hintergrund des globalen Rahmens (Interkultur) zu verbreiten.22

John D. Graham23 äuβert sich zur Fachtextübersetzung und zu ihrer Problematik. Graham
meint, ein groβes Problem bei der Übersetzung sei, dass man sehr schwer Informationen zu
einem spezifischen Fachbereich findet und dass es fast nie ein aktualisiertes zweisprachiges
Wörterbuch gibt, der sich genau auf dem vorliegender Sachgegenstand bezieht. Es wird
gesagt, die Übersetzungskunst beginne, wenn die Wörterbücher enden.

John Graham schlägt folgende Strategien vor, die ein Übersetzer anwenden kann:

1) Beratung bei einem Spezialist

2) Literatursuche, usw.

3) Wörterbuchsuche

4) „Logik”

5) „inspirierte Vermutungen”

Er äußert sich zur Rolle der Wörterbücher und sagt, dass Übersetzer im Allgemeinen sich
für eine Übersetzung nicht ganz der Wörterbücher bedienen. Eher verbringen Übersetzer
etwa eine Hälfte ihrer Zeit, indem sie Informationen suchen. Für ihn sind Wörterbücher ein
zweischneidiges Schwert: sie können entweder Informationsminen sein, oder, in den
Händen der Unbedachtsamen, Minenfelder.

Daraus folgt, dass der Übersetzer über eine Reihe von Kompetenzen verfügen muss. Die
fremdsprachliche, sowie muttersprachliche, kulturelle und interkulturelle Kompetenz spielt
eine wichtige Rolle und ist als Teil der translatorischen Gesamtkompetenz aufzufassen. Die
Übersetzungskompetenz wird als die zur Übersetzung notwendigen Fähigkeiten,
Fertigkeiten und Wissen. Die fremdsprachliche Kompetenz ist zwar eine unverzichtbare
Kompetenz Voraussetzung für das Übersetzung, aber keinesfalls die einzige. Jede
Kompetenz bildet eine vielseitige und komplexe Kombination aus Fähigkeiten und
Fertigkeiten.

Diese Kompetenzen werden von Sandrini ferner beschrieben:

22
Sandrini, 1999, S.42.
23
Graham 1986, S. 108.
17
1) Skoposabhängigkeit bedeutet das Erkennen des pragmatischen Kontextes, in dem der
Translationsauftrag erfolgt: Abschätzen der beteiligten Kommunikationspartner
(Ausgangstextproduzent, Auftraggeber, Zieltextadressat). Sprach- und
Translationswissenschaft.

2) Exteriorisierung: Textproduktionskompetenz, Artikulierungsfähigkeiten.

Muttersprachliche und fremdsprachliche Fachsprachenkompetenz im Allgemeinen, im


Besonderen auf das Fach abgestimmte Kompetenz in den Bereichen Textsorten und
Terminologie. Sprachausbildung, Fachsprachen, Terminologie.

3) Fachkompetenz: Faktenwissen, Erkennen systematischer Zusammenhänge, Erkennen


von Fachbegriffen. Facheinführung bzw. Sachfachausbilung.

4) Interiorisierung: Textverständnis, Fachsprachenkompetenz, Fachkompetenz,


translatorische Kompetenz. Kombination von Sprachausbildung, Fachsprachen,
Terminologie, Sachfachausbildung und Translationswissenschaft.

5) Sprachkompetenz. Sprach- und Fachsprachenausbildung

6) Kulturkompetenz im traditionellen Sinn auf eine Nationalkultur bezogen sowohl für die
Kultur des Ausgangstextes aus auch für die Kultur des Zieltextes

7) Fachlich-kulturelle Kompetenz: Charakteristika des Fachdenkens, spezifische


Konventionen und globale Kooperationsstruktur des Fachbereiches24.

24
Sandrini, 1999, S.43-44.
18
3.Übersetzung der juristischen Fachtexte

Auf dem Arbeitsmarkt werden Übersetzer seltner beauftragt, sich mit allgemein-
sprachlichen Texten auseinanderzusetzen. In der Regel sind juristische, medizinische und
wirtschaftliche Fachtexte am meisten gefordert. Auch ist die Nachfrage nach juristischen
Übersetzungen als Folge der EU-Erweiterung und wachsenden Globalisierung der
Wirtschafts- und Handelsbeziehungen angestiegen. Mit anderen Worten, eine Folge der
zunehmenden globalisierten Strukturen ist auch der weltweite Anstieg des
Übersetzungsvolumes juristischer Texte. Diese Art von Übersetzungen gehört zu den
komplexesten Übersetzungsdienstleistungen, die bei fehlerhaften Wiedergaben eines Textes
rechtliche Konsequenzen haben könnten. Abhängig davon, wo die Übersetzungen
eingesetzt werden, können Übersetzungsfehler ernsthafte Folgen nach sich ziehen, denn
juristische Übersetzungen werden zum Beispiel vor Gericht verwendet oder können den
Gegenstand eines bedeutenden Rechtsgeschäfts bilden.

Fachübersetzungen von Rechtstexten gehören in professionelle Hände. Das Übersetzen von


Rechtstexten stellt besondere Anforderungen an den Translator: Es gilt, nicht nur die
spezifische Charakteristik der Rechtssprache zu berücksichtigen, sondern vor allem auch
diese vor dem Hintergrund ihrer fachlichen Inhalte und deren nationaler Bezogenheit
kontrastiv zu beherrschen und anzuwenden. Die Übersetzung juristischer Texte erfordert
neben höchster Sprachkompetenz auch das entsprechende Fachwissen und äußerste
Genauigkeit. Die Besonderheiten der juristischen Sprache, die Notwendigkeit der
Kenntnisse hinsichtlich der Rechtsordnungen, die bei der Übersetzung von Rechtstexten
involviert sind, die Kenntnisse bezüglich der Richtlinien, die eine eventuelle Beglaubigung
der Übersetzung mit sich bringt, stellen den Übersetzer vor zusätzliche Herausforderungen.
Aufgrund der Interdisziplinarität der Rechtstexte werden dem Übersetzer auch Kenntnisse
aus anderen Fachbereichen abverlangt. Dementsprechend werden in diesem Kapitel die
Besonderheiten der Rechtssprache und Rechtstexte behandelt, in Hinsicht auf die
Übersetzungsprobleme, die sie darstellen können.

19
3.1.Recht und Rechtsprache

Das Übersetzen von Rechtstexten stellt besondere Anforderungen an den Translator: Es


gilt, nicht nur die spezifische Charakteristik der Rechtssprache zu berücksichtigen, sondern
vor allem auch diese vor dem Hintergrund ihrer fachlichen Inhalte und deren nationaler
Bezogenheit kontrastiv zu beherrschen und anzuwenden.

Um in die Problematik der Rechtssprache einzugehen, wird zuerst festgelegt, was das
Recht ist. Obwohl es ein allgemein bekannter Begriff ist, erweist sich eine genaue
Bestimmung gar nicht leicht, denn es handelt sich um einen Bereich mit einer
jahrtausendelangen Entwicklung und einer enger Verbindung mit Kultur. Sandrini definiert
den Begriff „Recht“ als die Rechtsordnung bzw. die Gesamtheit aller Rechtsvorschriften. In
seinem „Rechtswörterbuch“ definiert Creifelds das Recht als “die Rechtsordnung, d. h. die
Gesamtheit der Rechtsvorschriften, durch die das Verhältnis einer Gruppe von Menschen
zueinander oder zu den übergeordneten Hoheitsträgern oder zwischen diesen geregelt ist.”25

Sandrini erweitert die Definition, indem er Recht als Kultur definiert, da sowohl die Kultur
als auch das Recht durch eine Gruppe von Menschen und die ihnen gemeinsamen
Merkmale bestimmt werden. „Bestehen keine Zweifel daran, daß Recht ein wesentliches
Element von Kultur darstellt, so sind dennoch einige Besonderheiten zu beachten. Kultur
wird meist durch eine gemeinsame Sprache gekennzeichnet“. „Recht versteht sich als
integrativer Bestandteil von Kultur, nicht allein durch deduktive Überlegungen, sondern
gleichermaßen durch eine jahrtausende Kultur- und Rechtsgeschichte, in der die enge
Verquickung von Rechtsentwicklung und geistesgeschichtlichen Einflüssen, mehr als
deutlich wird“26. Somit hat das Recht als kulturelle Einheit eine “eigene Tradition der
sprachlichen Exteriorisierung dieser (eigenständigen rechtlichen) Inhalte sowie der
Kommunikation über diese Rechtsinhalte im Allgemeinen”, eine Tradition die sich in der
Schriftlichkeit, Form der schriftlichen Fixierung, Art der entstandenen Texte und
Differenziertheit der verwendeten Terminologie äuβert.27

Das Recht bedient sich also einer spezifischen Kommunikation; jede Rechtsordnung bildet
durch ihre spezifischen Inhalte und Normen einen Kommunikationsbereich. Zu den

25
Creifelds, 1992, S. 924.
26
Sandrini, 1992, S.10.
27
Sandrini 1999, S.10.
20
Merkmalen von Rechtssprache zählt vor allem ihr präskriptiver Charakter, durch den sie in
Normen, Gesetzen und Vorschriften die Bürger in ihrem Verhalten zu steuern versucht.
Regeln müssen mitgeteilt werden, damit sie von den Bürgern wahrgenommen und befolgt
werden können. Auf der anderen Seite müssen die Bürger und ihre politischen Vertreter
sich äußern, damit ihre Willen, Anliegen und Zwecke neue Regeln bestimmen und
beeinflussen können. Hoffman definiert die Fachkommunikation als „die von außen oder
von innen motivierte bzw. stimulierte, auf fachliche Ereignisse oder Ereignisabfolgen
gerichtete Exteriorisierung und Interiorisierung von Kenntnissystemen und kognitiven
Prozessen, die zur Veränderung der Kenntnissysteme beim einzelnen Fachmann und in
ganzen Gemeinschaften von Fachleute führen“28.

Eine einheitliche Fachsprache des Rechts gibt es nicht. Man kann allerdings in Form einer
Translation, also einer Fachtranslation von einem Rechtstext davon reden. Die
Rechtsordnung stellt den obersten Kommunikationsrahmen und beeinflusst nicht nur die
rechtlichen Inhalte, sondern auch die Sprache und die Sprachkonventionen. Transnationale
interlinguale Kommunikation im Recht inkludiert als weiter Sammelbegriff jede
Kommunikation, die zwischen unterschiedlichen Rechtsordnungen und unterschiedlichen
Sprachen abläuft. Im Wesentlichen wird sie durch das professionelle Übersetzen
gekennzeichnet, das sich einerseits von der reinen Sprachbeherrschung durch Fachleute
andererseits auch von der Auslandsrechtskunde abgrenzt. Jede Art von
Fachkommunikation steht in einem pragmatischen Zusammenhang, sie ist eine
zweckgerichtete Tätigkeit, die im Wesentlichen die Übertragung und Vermittlung von
Fachinformation dient. Pluralität von unabhängigen Kommunikationszusammenhängen,
präskriptiver Charakter, Adressantenpluralität und Transdisziplinarität heben die
Rechtsprache unter den Fachsprachen hervor und rechtfertigen eine vertiefte
translationswissenschaftliche Auseinandersetzung.

Der Unterschied von juristischer Texten und Fachtexten anderer Sparten besteht darin, dass
juristische Texte Rechtswirkungen herbeiführen können. Die Übersetzung von
Rechtstexten stellt auch eine Sonderform kulturellen Transfers dar, insofern als in den
meisten Fällen durch die Übertragung von juristischen Inhalten von einer in die andere
Sprache nicht nur der allgemeine Kulturtransfer stattfindet, sondern auch die Übertragung

28
Hoffman, 1993, S.614.
21
von Konzepten einer Rechtsordnung in die andere. Die juristische Fachsprache
unterscheidet sich von anderen Fachsprachen dadurch, dass sie Ausdrücke enthält, die der
Form nach mit denen der Gemeinsprache übereinstimmen, auf der Inhaltsebene aber von
der semantischen Struktur der Gemeinsprache abweichen können.

Im nächsten Kapitel werden die Anforderungen der Rechtssprache untersucht und ferner
erläutert, denn schließlich manifestiert sich das Recht in einzelnen nationalen
Rechtsordnungen, die unabhängig voneinander zu rechtlichen Lösungen für bestimmte
Sachverhalte gelangen.

3.2.Anforderungen der Rechtssprache

Das Recht bzw. die Rechtsnormen werden ausschließlich durch Sprache zum Ausdruck
gebracht. Der Rechtsverkehr basiert darauf, dass sprachlich fixierte Rechtsbestimmungen
wiederum mittels der Sprache in konkreten Situationen umgesetzt werden. Die Sprache ist
das einzige Arbeitsinstrument der Juristen.

Die Rechtssprache kennzeichnet sich durch viele formelhafte Wendungen und komplizierte
Konstruktionen und Fachtermini, die aber die Verständlichkeit der Texte erschweren. Zur
Notwendigkeit einer präzisen, verständlichen und effizienten Rechtssprache äuβert sich
Otto indem er drei Gebote formuliert:

„Die Rechtsstaatlichkeit verlangt ein objektiv-rational arbeitendes, wissenschaftlich


fundiertes Justiz- und Verwaltungssystem. (...) Diesen Anforderungen wird nur eine
hochentwickelte Fachsprache gerecht, die alle notwendigen Inhalte klar, eindeutig und
vollständig wiedergeben kann. Das ist das Gebot der Präzision.

(...) Die Rechtsstaatlichkeit soll die Transparenz staatlichen Handelns gewährleisten.


Außerdem verlangt das Prinzip der sozialen Gleichheit „eine bürgernahe Sprache, die auch
den Nichtfachmann über alle ihn betreffenden (...) Angelegenheiten in einfachen,
geläufigen und eingängigen Texten unterrichtet. Das ist das Gebot der Verständlichkeit.

(...) Der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verpflichtet alle Staatsorgane
[zur] (...) Sprachökonomie. Das ist das Gebot der Effizienz“.29

Diese Hauptanforderungen an die Rechtssprache sind bei der hohen Komplexität der
juristischen Materie oft miteinander unvereinbar. So bemerkt Otto: „Eine präzise
Fachsprache wird nicht die Verständlichkeit der Gemeinsprache haben. Und, von der

29
Otto, 1981, S.49
22
Effizienz her betrachtet, kann die Präzision leicht als Weitschweifigkeit, kann bürgernahes
Erläutern von Fachausdrücken rasch als teurer Luxus erscheinen.“30

Diese Gebote bleiben aber ein Idealfall für die Rechtssprache, denn der Versuch, der
Rechtssprache Präzision, Verständlichkeit und Effizienz zu verleihen, kann schnell zu
Widersprüche führen, die sich besonders auf der Ebene der juristischen Wortschatz
bemerkbar machen. Verständnisschwierigkeiten insbesondere für den Laien entstehen
beispielsweise, wenn gemeinsprachliche Wörter wie „Mensch“, „Verwandtschaft“,
„Sache“ usw. Durch den juristischen Gebrauch auf einige spezifische Verwendungsweisen
festgelegt werden. Nach dem Grad der Präzision, Verständlichkeit und Effizienz versucht
Otto, die Sprache in Sprachschichten nach Funktionen und beteiligte Personengruppen zu
verteilen. Dementsprechend ergeben sich fünf Abstufungen:

1. Die Gesetzessprache: generell-abstrakte Rechtsnormen, die vom Gesetzgeber sowohl für


Fachleute als auch für Laien verkündet werden;

2. die Urteils- und Bescheidsprache: Gerichts- und Behördenentscheidungen über


Einzelfälle;

3. die Wissenschafts- und Gutachtensprache: Erörterung fachlicher Fragen von Fachleuten


für Fachleute;

4. die Sprache des behördlichen Schriftverkehrs: Antragsvordrucke, Merkblätter,


Ladungen, Rückfragen u.s.w.;

5. der Verwaltungsjargon: Formlose Erörterung fachlicher und halbfachlicher Fragen von


Fachleuten.

In der Terminologieforschung der 90er Jahre sind mehrere Versuche unternommen worden,
die Rechtssprache nach verschiedenen Kriterien zu strukturieren. So unterscheidet Sandrini
in seiner Arbeit „Translation zwischen Kultur und Kommunikation: der Sonderfall Recht“
drei Typen von Rechtstexten: Rechtssetzung (Verträge, Satzungen), Rechtswesen (Urteile,
Aussagen, Gutachten, Klageschriften usw.) und Verwaltung (Behördensprache und
institutioneller Schriftverkehr).

30
Otto, ebd.
23
Rechtliche Inhalte gehen auf souveräne Entscheidungen des demokratisch legitimierten
Gesetzgebers zurück und sind deshalb primär objektiv von Sprache zu sehen. Daraus ergibt
sich ein wesentliches Charakteristikum der Rechtsprachen: es gibt eine Pluralität von
unabhängigen Kommunikationszusammenhängen, das heißt, jede Rechtsordnung bildet
durch ihre spezifischen Inhalte und Normen einen Kommunikationsbereich. Daneben zählt
zu den Spezifika von Rechtsprache vor allem ihr präskriptiver Charakter, die
Adressantenpluralität und Transdisziplinarität; all diese Charakteristika heben die
Rechtssprache unter den Fachsprachen hervor und rechtfertigen eine vertiefte
translationswissenschaftliche Auseinandersetzung.

Eine konkrete Anwendung der Merkmale und Rahmenbedingungen von Kommunikation


im Recht ist die Übersetzung von Rechtstexten. Translation im Bereich Recht bedeutet „die
Übertragung und Vermittlung von Rechtsvorschriften bzw. Rechtsinhalten und im
weitesten Sinn von rechtlicher Information“.31 Translation von Recht stellt damit im
eigentlichen Sinn eine „Sondersorte kulturellen Transfers“32 dar, insofern als rechtliche
Inhalte einer Rechtsordnung und damit einer Kulturgemeinschaft zur Verwendung in einer
anderen Rechtsordnung übertragen werden. Wird die juristische Übersetzung in diesem
Sinne als kultureller Transfer von rechtlichen Inhalten aus einer in die andere
Rechtsordnung betrachtet, wird deutlich, dass dies überaus hohe Anforderungen an die
Wissensvoraussetzungen des Übersetzers stellt. Unbestritten ist die Bedeutung der
Rechtsordnung sowohl für die korrekte Interpretation eines Rechtstextes als Ausgangstext
einer translatorischen Handlung als auch für die Produktion eines Zieltextes. Dass bei der
Übersetzung nicht immer notwendigerweise zwischen zwei Rechtsordnungen eine
Sprachvermittlung abläuft, erklärt sich durch das Vorhandensein einiger mehrsprachiger
Rechtsordnungen. Das bedeutete beispielsweise für eine Übersetzung innerhalb der
verschiedenen Sprachgruppen der Schweiz, dass kein Rechtsordnungswechsel zu beachten
wäre. Aus diesen Gründen sind für die Übersetzung rechtlicher Texte Informationen über
den Ausgangstextadressaten und somit dessen Rechtssystem sowie über Zieltextempfänger
und dessen Rechtsordnung in besonderem Maße wichtig. Das Deutsche soll hier als
zweites Beispiel dienen: Deutsch ist Rechtsprache in Deutschland, Österreich, Italien,

31
De Groot, 1991, S.279.
32
Reis, Vermeer, 1984, S.13.
24
Belgien und Luxemburg und hat in jeder Rechtsordnung eine ganz spezifische
Rechtssprache ausgebildet mit eigener Technologie und eigenen Textsorten.

Gehören die Rechtsordnungen dem gleichen Rechtskreis an, wie es z.B. bei Spanien und
Frankreich oder Deutschland und Österreich der Fall ist, so sind sich die juristischen
Inhalte derselben näher, wohingegen bei unterschiedlichen Rechtskreisen auch andere
Rechtsauffassungen und Rechtslösungen den jeweiligen Rechtssystemen zugrunde liegen.
Aber auch bei unterschiedlichen Rechtsordnungen ein und derselben Rechtskreises wird
sich bei der Übersetzung bestimmter Terminologie ein Äquivalenzproblem ergeben.

3.3.Rechtstexte - allgemeine Merkmale


Die Rechtssprache materialisiert sich in den sogenannten Rechtstexten. Sie entstehen auf
der Grundlage festgesetzter formaler Regeln und haben eine funktionsbedingte und auf
Tradition beruhende Struktur, die im rechtlichen Bereich eine besondere Rolle spielt.33 Die
Rechtssprache richtet sich anders als etwa die Fachsprache der Chemie an jedermann,
indem sie von allen Bürgern ein Tun, Dulden oder Unterlassen fordert oder Rechte
gestaltet. Wer die Rechtsnormen nicht beachtet, muss Sanktionen oder Nachteile fürchten.
Versteht der Bürger die Justiz- und Verwaltungssprache nicht, so kann er Normen nicht
befolgen, was oft direkt zu juristischen oder ökonomischen Nachteilen führt. Deswegen
sind Rechtstexte zwingend fachexterne Texte, also anders als fachinterne Texte solche, die
sich nicht nur an Fachkreise, sondern auch an die Allgemeinheit richten. Im Widerspruch
zu dieser Adressierung fehlen aber oft Informationen, die dem Bürger erst das Verständnis
ermöglichen, vor allem zu Funktion und Zweck von Regelungen und Maßnahmen.34
Aufgrund des engen Zusammenhangs der Rechtstexte mit der Rechtssprache erfolgt ihre
Klassifikation nach denselben Kriterien der Rechtssprache, die den Texten auch ihre
Merkmale verleiht.
Diese Merkmale wurden von Anne Lise Stolze in dem Schreiben „Übersetzen von
Rechtstexten. Fachkommunikation im Spannungsfeld zwischen Rechtsordnung und
Sprache“ auf vier Hauptbesonderheiten der Rechtssprache gruppiert, die hier auch
aufgezählt werden:

1.Abstraktion

33
Mushchinina, 2009, S. 55.
34
Lasser, 2000, S.43-44.
25
Rechtsvorschriften sind abstrakt, da sie auf alle Rechtssubjekte Anwendung finden und sich
nicht einem einzigen Individuum wenden. Die abstrakte Ausdrucksweise und der
unpersönliche Stil dienen dazu, die Handlung zu betonen und die Funktion handelnder
Personen hervorzuheben. Anweisungen im Infinitiv sind eher allgemein gültig.
a) unpersönlicher Stil durch Funktionsbetonung
b) Passiv zur Konzentration auf die Handlung, nicht die handelnde Person
c) Anweisungen im Infinitiv für Allgemeingültigkeit
d) nur 3. Person oder wir-Stil zur Anonymisierung des Urhebers

2.Nominalstil
Charakteristisch für den Nominalstil sind Funktionsverbgefüge, in denen das Substantiv
der bedeutungstragende Teil ist. Seine Funktion ist, die Sachlichkeit zu betonen. Aus dieser
Hinsicht ist es empfehlenswert, die Wortbildungsmöglichkeit des Deutschen mit
zusammengesetzten Hauptwörtern, vor allem beim Übersetzen aus romanischen Sprachen
zu beachten.
a) Gebrauch der Substantive zur Betonung der Sachlichkeit
b) fachsprachliche Wortbildungsprodukte
c) Handlungskennzeichnung durch Verbalsubstantive, meist ung-Substantive
d) Gefüge aus Verbalsubstantiv und bedeutungsarmem Funktionsverb

3.Umständlichkeit
Wie schon bereits erwähnt, ist die Präzision eine Anforderung der Rechtssprache. Sie wird
durch die umständliche Ausdrucksweise mit Häufung von Adjektivattributen erreicht. Das
Ziel ist, möglichst wenig Interpretationsspielraum zu erlauben und alle Eventualitäten
auszuleuchten.
a) Vervielfachung der Verneinung zur Absicherung
b) viele Attribute für höchste Genauigkeit
c) Reihung von Nebensätzen zur inhaltlichen Präzision

4.Standardformeln

26
Ein spezielles Problem bei juristischen Übersetzungen sind die standardisierten Formeln.
Sie dienen zur Vereinfachung interner Information, weil sie durch den Rückgriff auf bereits
vorliegende Formulierungen und Präjiduzien auf Gleichbleibendes hinweisen.
a) feststehende Formulierungen zur Wiedererkennung von Gleichbleibendem
b) Formularformen
Juristische Formeln unterstützen das Wiedererkennen bestimmter gerichtlicher
Verfahrensaspekte. Es gibt hier also keine Formulierungsfreiheit für den Übersetzer. Wenn
zielsprachlich vergleichbare Verfahrensschritte vorliegen, dann sollen die entsprechenden
Formulierungen verwendet werden, auch wenn diese grammatisch oft völlig anders
aufgebaut sind. Fachsprachliche Forschungsergebnisse, wie z. B. ein systematischer
Parallelvergleich von Standardformeln in einzelnen Sprachen und kontrastive
Formelsammlungen, wären hier hilfreich. Der Übersetzer verwendet die zielsprachlich
üblichen Formen, unabhängig von der Syntax in der Textvorlage, um die Verständlichkeit
der Übersetzung zu erhöhen.
Weitere Merkmale der Rechtstexte die Verwendung von performativen Verben als
Sprechaktindikatoren und der geschlechtsneutrale Ausdruck. In juristischen Texten sind
Sprechakte sehr häufig, denn es werden mit solchen schriftlichen Formulierungen die
rechtlich relevante Akte hervorgehoben. Der hohe Abstraktionsgrad juristischer Begriff
zählt auch zu den Charakteristika der Rechtssprache. Wegen der strengen Definitionen gibt
es in der Rechtssprache keine Synonyme, was ein allgemeines Merkmal von Fachsprachen
ist. Werden also juristische Fachbegriffen in moderne, allgemeinsprachliche Begriffe
übersetzt, so geht Bedeutung verloren.
Die Erscheinungsform juristischer Texte ist vielfältig. Sogar Texte der gleichen Textsorte
weisen große Unterschiede auf, was auf juristische Gründe zurückgeführt werden kann, wie
folgende Beispiele zeigen. Bei rechtlichen Normen können je nach Stufe der
Normenhierarchie, welcher die Norm angehört, große sprachliche Unterschiede festgestellt
werden. Bei Gerichtsurteilen stellt man fest, dass Urteile letzter Instanzen anders formuliert
werden als erstinstanzliche Urteile, weil sie sich mit den Ausführungen und der
Entscheidung der Vorinstanz auseinandersetzen müssen.

27
3.4.Juristische Terminologie

Rechtsordnung, Rechtsleben und Rechtswissenschaft beruhen ganz wesentlich auf dem


Medium: die Sprache. Die zwingende Verknüpftheit des Rechts mit der Sprachform sowie
seine für jedermann verbindliche Wirkung erfordern eine einheitlich verwendete juristische
Terminologie. Allein unter den Gesichtspunkten der Rechtssicherheit und der Rationalität
des Rechtsverkehrs versteht es sich, dass wenigstens im Prinzip allgemeine Übereinstim-
mung darüber herrschen muss, was im juristischen Sinn gemeint ist, wenn dieser Begriff
oder jene Wendung verwendet wird. Die lexikalische Konzeption der Fachsprache stellt die
Lexik als wichtigster Träger der Fachinformation in den Vordergrund.
Bemerkenswert ist, dass die Rechtssprache mehrere gemeinsprachliche Elemente als andere
Fachsprachen beinhaltet. Stolze erklärt diese Eigenartigkeit dadurch, dass die
Rechtssprache zwei unterschiedliche Adressaten hat: Juristen und Rechtsbefolger. „Die
juristische Fachsprache unterscheidet sich daher von mancher anderen Fachsprache vor
allem dadurch, daß sie Ausdrücke enthält, die der Form nach mit denen der Gemeinsprache
übereinstimmen, auf der Inhaltsebene aber von deren semantischen Struktur abweichen
können.”35

Obwohl eine gewisse Nähe zwischen der Rechtssprache und Gemeinsprache besteht,
bedeutet das nicht, dass die juristische Fachsprache für einen Laien leichter verständlich ist.
Im Gegenteil, kann diese Nähe zu Verständlichkeitsschwierigkeiten führen, da
gemeinsprachliche Begriffe mit einer anderen Bedeutung gebraucht werden, als der Laie
gewöhnt ist. In Anbetracht dessen erklärt Busse, dass die Rechtssprache „nicht nur als eine
Fachsprache im engeren Sinne angesehen werden kann, die von der Gemeinsprache
terminologisch deutlich getrennt ist, etwa in dem Grad, wie es möglicherweise für die
normierte Fachsprache des Metallhandwerks u.a. technischer Zweige gilt; vielmehr ist die
Rechtssprache in einem größeren Teil ihres Wortschatzes zugleich fachsprachlich bis hin
zur terminologischen Festlegung und daneben Bestandteil der Gemeinsprache (und damit
wohl semantisch weniger festgelegt).”36

35
Stolze, 1999, S. 44.
36
Busse, 1998, S.2.
28
Termini, die eine gleiche Form sowohl in der Gemeinsprache als auch in der Rechtssprache
haben, können sich also von Bedeutung her unterscheiden. Sie können folgendermaβen
differenziert werden.

1. Termini, die in der Gemein- und Rechtssprache eine ähnliche Bedeutung haben oder sich
nur in Nuance voneinander unterscheiden. Der Laie kann die Begriffe verstehen, ohne dass
er Kenntnis von dem juristischen Hintergrund eines bestimmten Ausdrucks hat. Als
Beispiel wird der Begriff “Rechtsverletzung” angegeben, wobei der Laie verstehen kann,
dass es sich um eine verbotene Handlung, durch die die Rechte eines Anderen verletzt
werden handelt, ohne die genaue juristische Definition zu kennen.

2. Termini, die beim Gebrauch im juristischen Kontext, im Unterschied zum


gemeinsprachlichen Kontext, spezifische juristische Merkmale aufweisen. Als Beispiel
gelten die Begriffe „Einwilligung” und „Genehmigung”, die gemeinsprachlich als
Zustimmung verstehen werden. In der Fachsprache wird aber die “Einwilligung” als
“vorherige Zustimmung” und die “Genehmigung” als “nachträgliche Zustimmung”
definiert.

3. Termini, die der Form nach der gemeinsprachlichen Gebrauch ähneln, aber keine
Entsprechung in der Gemeinsprache haben. Hier wird “Folgerecht” als Beispiel angeboten,
indem beide Bestandteile des Kompositums bekannt sind, aber die Bedeutung trotzdem
nicht klar ist.

So wie Rainer Arntz auch behauptet, gibt es eine Reihe Gründe dafür, dass Terminologen,
Übersetzer und Sprachwissenschaftler sich zunehmend mit praktischen und theoretischen
Fragen des Rechts und der Rechtssprache beschäftigen. Vor allem dass, diese Arbeit den
rechtsvergleichend tätigen Juristen unmittelbar zugutekommt.

3.5.Äquivalenz juristischer Begriffe

Bislang wurde die Wichtigkeit hervorgehoben, sich mit der juristischen Sprache sowie mit
ihrer Merkmale gut auszukennen. Es ist aber trotzdem äußerst wichtig zu erwähnen, dass
juristische Übersetzungen nicht von einer Rechtssprache abhängen, sondern von einer
Rechtsordnung. Man spricht nicht von einer rumänischen oder deutschen Rechtssprache,
29
sondern von einer Sprache der rumänischen, deutschen Rechtsordnung. Deutsch wird
beispielsweise in mehreren Staaten gesprochen, Staaten die auch eine unterschiedliche
Rechtsordnung aufweisen. Der erste Fall bezieht sich auf Übersetzungen im Rahmen
mehrsprachigen Rechtsordnungen (wie zum Beispiel in Kanada, Belgien, Schweiz) oder im
internationalen Rechtsrahmen (Europarecht, Völkerrecht). Im diesem Fall steht “der
Zieltext gleichwertig neben dem Ausgangstext” und fungiert “als vollwertiger Rechtstext in
der bzw. den anderen Rechtssprachen”.37 Der meist angetroffene Fall der Übersetzung ist
zwischen zwei Rechtsordnungen, da sich die Rechtsnormen verschiedener Staaten
voneinander unterscheiden. In diesem Fall definiert Sandrini die Übersetzung von
Rechtstexten als ein “Informationsangebot in einer Zielrechtssprache und einer
Zielrechtsordnung über ein Informationsangebot aus einer Ausgangsrechtssprache und
einer Ausgangsrechtsordnung.”38

Festzuhalten ist, dass rechtsprachliche Begriffe von einer Rechtsordnung gebunden sind,
und daher von einer extremen Systemgebundenheit gekennzeichnet. Da Rechtsysteme vom
Land zu Land unterschiedlich sind, stellt sich die Frage einer Äquivalenz der Begriffe. Aus
diesem Grund ist eine absolute Äquivalenz nur möglich, wenn Ausgangssprache und
Zielsprache sich auf dieselbe Rechtsordnung beziehen. Wenn das aber nicht der Fall ist,
kann von einer absoluten Äquivalenz nicht die Rede sein. Darüber hinaus stellt sich die
Fragen, wann eigentlich davon ausgegangen werden kann, dass ein Begriff aus einer
Ausgangsrechtsordnung mit einem Begriff einer Zielrechtsordnung äquivalent ist. Wird die
unterschiedliche Einbettung eines Begriffs in einer Rechtsordnung außer Betracht gelassen,
kann halbwegs von Äquivalenz gesprochen werden, wenn in dem für die Übersetzung
relevanten Rechtsgebiet der Ausgangs- und Zielrechtsordnung eine teilweise
Vereinheitlichung vorhanden ist.

Von essentieller Bedeutung sind Kontext, Ziel der Übersetzung und Charakter des
Dokuments, das übersetzt werden soll. So kann es möglich sein, dass bestimmnte Begriffe
in einem bestimmten Kontext akzeptable Äquivalente sind, in einem anderen Kontext
jedoch nicht. Bei dem Versuch terminologische Äquivalenz zu finden, wird der Übersetzer
oft mit den so genannten Teiläquivalenzen konfrontiert. Manchmal kann es vorkommen,
dass ein funktionelles Äquivalent gefunden werden muss. Ein Begriff aus der
37
Sandrini, 1999, S.15.
38
Sandrini 1999, S. 15.
30
Ausgangssprache muss mit einem Wort übersetzt werden, das in der Zielsprache eine
ähnliche Funktion hat als der zu übersetzende Begriff in seinem eigenen Rechtssystem.
Diese Methode kann aber auch sehr irreführend, denn es kommt regelmäßig vor, dass
juristische Probleme in verschiedenen Rechtssystemen auf sehr unterschiedliche Art und
Weise und durch sehr unterschiedliche juristische Institutionen gelöst werden.

Eine nächste wichtige Frage ist, wie man handeln muss, falls kein akzeptables funktionelles
systemtechnisches Äquivalent gefunden werden kann. Bei unterschiedlicher Rechtsordnung
in Ausgangs- und Zieltext wird oftmals versucht zur Erreichung derselben Verständlichkeit
bei Ausgangs- und Zielrezipient vorgeschlagen, eine Terminologie zu verwenden, die
mittels Assoziationen bestimmte Vorstellungsgehalte des Empfängers herbeiführt, die ihn
an die Termini und Institutionen seiner eigenen Rechtsordnung erinnern. Die Anwendung
semantischer Äquivalente verlangt besondere Vorsicht, deckt sich bei den Lexemen doch
lediglich die denotative Bedeutung, jedoch nicht die entsprechende konnotative
Komponente mit dem ausgangssprachlichen Begriffs. Die Grundvoraussetzungen einer
Auslegung des semantischen Äquivalents sind Transparenz und aufschlussreicher Kontext.
Wenn die Verwendung von funktionalen und semantischen Äquivalenten zu einem
unbefriedigenden Ergebnis führt, kann der Übersetzer auch auf Neologismen
zurückgreifen.

In „Recht, Rechtsprache und Rechtssystem-Betrachtungen über die Problematik der


Übersetzung“ stellt De Groot drei Surrogatlösungen vor, mit der Bemerkung, dass es sich
nur um relative Äquivalente und Surrogatlösungen handelt:

1. Man übersetzt nicht und benutzt in der Zielsprache den ursprünglichen Begriff aus der
Ausgangssprache. Möglicherweise erläutert man diesen in Klammern durch eine
Buchstäbliche Übersetzung oder durch eine Anmerkung wie „einigermaβen vergleichbar
mit...” oder durch eine Erläuterung in einer Fuβnote;

2. man umschreibt den Begriff aus der Ausgangssprache in der Zielsprache;

3. man entwickelt einen Neologismus, d.h. man führt in der Fremdsprache ein neues Wort
ein, eventuell wieder in Kombination mit einer Erläuterung in einer Fuβnote.

31
Das Erhalten des ursprünglichen Begriffs stellt allerdings eine unbefriedigende Lösung dar,
da dabei das Hauptziel der Übersetzung vernachlässigt wird, nämlich den Ausgangstext
zugänglich zu machen für Personen, die die Ausgangssprache nicht beherrschen. Wenn
man in der Zielsprache viele unübersetzte Begriffe aus der Ausgangssprache benutzt, droht
weiter die Gefahr, dass die Übersetzung zu einer Sammlung fremdsprachiger Wörter wird.
Die zweite Surrogatlösung stellt die Umschreibung des ausgangssprachlichen Terminus in
der Zielsprache dar, mit der ein Versuch zur Definition der ausgangssprachlichen
Benennung in der Zielsprache gegeben werden soll. Ist die Definition präzise und kommt
sie dem Ausgangssprachenbegriff sehr nahe, so kann sie als ein aus mehreren Worten
bestehendes Äquivalent bezeichnet bzw. von einem deskriptiven Äquivalent oder einer
Paraphrase gesprochen werden. Die dritte Surrogatlösung ist die Verwendung von
Neologismen. Man benutzt ein Wort in der Zielsprache, das nicht in dem mit der
Zielsprache verbundenen Rechtssystem benutzt wird. Die Forderung, bei Anwendung des
Neologismus zusätzlich immer den ausgangssprachlichen Terminus anzugeben, scheint
insofern problematisch, als in juristischen Texten oft eine Häufung von
rechtskulturspezifischen Termini (z.B. bei der Bezeichnung von landesspezifischen
Institutionen usw.) zu beobachten ist.

Zuletzt wird von de Groot in seiner Arbeit „Recht, Rechtsprache und Rechtssystem-
Betrachtungen über die Problematik der Übersetzung“ geschlussfolgert:

- auβer wenn Ausgangssprache und Zielsprache sich auf dasselbe Rechtssystem beziehen,
ist eine völlige Äquivalenz logisch undenkbar.

- eine Äquivalenz gilt jeweils zwischen zwei Rechtssystemen und nicht zwischen zwei
Sprachen.

- im Falle einer Änderung des Ausgangsrechtssystems oder des Zielrechtssystems müssen


Übersetzungsvorschläge angepasst werden.

- ein Begriff der Ausgangssprache kann je nach Kontext mehrere unterschiedliche


Äquivalente im Zielrechtssystem haben.

- Es ist nicht immer notwendig das approximative Äquivalent oder ein Surrogat als Lösung
zu benutzen; abhängig vom Kontext und Ziel der Übersetzung kann auch eine etwas

32
pauschalere Übersetzung noch zulässig sein. In der Praxis ist es aber häufig nicht leicht
diese Zulässigkeit zu beurteilen.

3.6. Juristische Wörterbücher

Bei der Translation bedienen sich Übersetzer oft eines oder mehreren juristischen
Wörterbücher. Sie erklären juristische Begriffe oder übersetzen sie von einer Sprache in
eine andere. Übersetzer gebrauchen sowohl einsprachige, zweisprachige als auch
mehrsprachige Wörterbücher, die auch online vorliegen können. Bekannte deutsche
einsprachige Wörterbücher sind das Creifelds Rechtswörterbuch und Gerhard Köblers
Juristisches Wörterbuch. Zweisprachige Wörterbücher können ein wichtiges Hilfsmittel
sein, aber zur selben Zeit können sie auch zu einer falschen Auslegung des Textes führen.
Das Problem vieler zweisprachiger juristischer Wörterbücher besteh darin, einem Eintrag
einfach ein Wort bzw. ein wahlweise auch mehrere Wörter in der Zielsprache quasi als
Äquivalent-Termini gegenübergestellt werden, ohne Bezugnahme auf den Kontext oder die
Einbindung in die jeweilige Rechtsordnung (zum Beispiel wird für das Element
„Schiedshof nur „curte de arbitraj“ als Äquivalent in der rumänischen Sprache angegeben
ohne weitere Erläuterung hinsichtlich des Kontextes:curte care emite decizii în cazul
procedurilor de arbitraj, Curtea Permanentă de Arbitraj de la Haga pentru 82 de state
membre). Angesichts der relativen Äquivalenz juristischer Begriffe und der Tatsache, dass
die Terminologie von einer Rechtsordnung und nicht von einer Rechtssprache abhängt, ist
es schwierig für einen Übersetzer, nur anhand einer Wortliste eine Entscheidung zur
Wortwahl zu treffen. Die meisten Wörterbücher geben für einen zu übersetzenden Begriff
einige Übersetzungsvorschläge, von denen, abhängig vom Kontext, nur einer richtig ist.
Der Übersetzer muss sich dann selbst noch mit den verschiedenen Kontexten
auseinandersetzen.

In diesem Sinne beschreibt de Groot39, welche Kriterien juristische Wörterbücher erfüllen


müssen, um als optimale Hilfsmittel bei dem juristischen Übersetzungsprozess zu dienen.

a)In einer Einführung muss davor gewarnt werden, dass die Übersetuzungsvorschläge nicht
immer Äquivalente der Begriffe des Ausgangsrechtssystems sind. Die Benutzer eines
39
Groot, 1991 , S.307.
33
zweisprachigen juristischen Wörterbuches müssen in der Einführung in die Problematik der
Übersetzung juristischer Terminologie eingeweiht werden.

b)Mehrsprachige juristische Wörterbücher müssen sich auf Übersetzungsvorschläge


zwischen zwei Rechtssystemen beschränken, da das Übersetzen juristischer Texte ein
rechtsvergleichendes Übersetzen von Rechtssystem zu Rechtssystem ist.
Übersetzungsvorschläge gelten deshalb immer nur im Verhältnis zu einem Rechtssystem
und nicht auch für Rechtssysteme, bei denen die gleiche Sprache als Rechtssprache benutzt
wird.

c)Das Wörterbuch muss erwähnen, ob der Ausgangsbegriff und der Übersetzungsvorschlag


annähernd äquivalent sind oder lediglich partiell äquivalent.

d)Wenn im Zielrechtssystem ein Äquivalent fehlt, muss dies ausdrücklich erwähnt werden.
Das Wörterbuch muss dann in der Terminologie des Zielrechtssystems eine Umschreibung
geben oder einen Neologismus vorschlagen.

e)Wörterbücher müssen Neologismen als solche kennzeichnen und die Wahl des
Neologismus ausdrücklich begründen.

f)Ein zweisprachiges juristisches Wörterbuch darf sich nicht darauf beschränken, lediglich
Übersetzungsvorschläge ohne weitere Erläuterungen oder andere Hinweise zu geben.
Solche „Wörterlisten“ sind ausschließlich als Gedächtnisstützen noch einigermaßen
brauchbar. Es ist notwendig, im Wörterbuch ausdrücklich auch auf die Kontexte der zu
übersetzenden Begriffe und die Kontexte der Übersetzungsvorschläge hinzuweisen. Auf
diese Weise können die Benutzer solcher Wörterbücher relativ schnell die Stellung eines
Begriffes im Rechtssystem einschätzen und rechtsvergleichend entscheiden, ob ein
bestimmter Übersetzungsvorschlag tatsächlich als Übersetzung benutzt wird.

g)Übersetzungsvorschläge müssen im Falle von größeren Änderungen des


Ausgangsrechtssystem oder des Zielrechtssystem überprüft werden. Ein zweisprachiges
juristisches Wörterbuch muss jedenfalls nach einer (Neu-)Kodifikation eines wichtigen
Rechtsgebiets (wie Strafrecht, Verwaltungsrecht oder Zivilrecht) überarbeitet werden.

h)Ausgangsbegriffe und Übersetzungsvorschläge dürfen nie ohne weiteres „umgekehrt“


werden. Durch „Umkehrung“ der Ausgangsbegriffe und partielle Äquivalente,
34
Umschreibungen oder Neologismen andererseits können nutzlose oder –noch schlimmer-
völlig falsche Übersetzungsvorschläge entstehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Wortwahl im Zieltext nach der
Zieltextfunktion richtet. In dieser Hinsicht sollen Termini im Wörterbücher nicht
automatisch übernehmen werden, sondern ferner recherchiert und sie im Kontext einer
Rechtsordnung, Übersetzungsauftrag und Übersetzungssituation betrachten, obwohl das zu
einem zeitaufwändigerem Verfahren führen würde.

35
4. Relevante Übersetzungstheorien

Dieser Teil der Arbeit konzentriert auf die Methoden und Theorien, die von Übersetzern bei
der Translation von Rechtstexten eingesetzt werden und die bei der Übersetzung von
Rechtstexten von großer Bedeutung sind.

Das Übersetzen ist unter verschiedenen Aspekten theoretisiert worden; dabei hat sich im
Verlaufe der Entwicklung unterschiedlichster Übersetzungstheorien eine präzise
Vorstellung von den Faktoren herausgebildet, die beim Übersetzen eine Rolle spielen.

40

Nach Eva Wiesmann41 besteht das methodische Wissen eines Rechtsübersetzers aus
expliziten Vorgaben, tradierte Vorstellungen, Erfahrungen und Intuition. Während sich die
Intuition auf „einem allgemeinem Wissen über das Recht und seine Funktionsweise, die
Bedeutung von Rechtstexte und die Anforderungen an Übersetzungen basiert und meist da
eingreift, wo fremde Vorgaben und eigene Erfahrung fehlen”, handelt es sich bei den ersten
drei genannten Aspekte “teils um allgemeine Richtlinien, teils um Anweisungen zur
Behandlung spezieller Übersetzungsprobleme […], wie sie aus der Übersetzerausbildung
und von den Arbeitsplätzen bekannt sind”.

40
http://www.uebersetzungswissenschaft.de/theorie-einfachmodell.htm [Zugriff am 27.04.2016]
41
Wiesmann, 2004, S.69.
36
In der Übersetzungswissenschaft haben sich während der Zeit viele Lehrmeinungen
entwickelt, die teilweise unvereinbare Theorien darstellen. Trotzdem haben alle
Denkrichtungen das gemeinsame Ziel, den übersetzerischen Vorgang zu beschreiben. Man
kann drei Grundrichtungen des Theoretisierens über das Übersetzen unterscheiden, die sich
an den zentralen Fokus der Übersetzungstheorien richten. So gibt es die linguistische
Übersetzungstheorie, mit dem Blick auf den Text, die psycholinguistische, kognitive
Übersetzungstheorien, mit dem Fokus auf den Übersetzer und die Handlungstheorien des
Übersetzens, die die Übersetzungsleistung im Vordergrund nehmen.

FOKUS THEORIEN GRUNDIDEEN


Blick auf den Text linguistische Übersetzungstheorie Äquivalenz, Invarianz
Text – Textsorte – Texttyp
Sprechakt
Blick auf den Übersetzer psycholinguistische, kognitive Lautes Denken,
Übersetzungstheorien translatorische Strategien
Intuition, Kognition
Kreativität
Blick auf die Handlungstheorien des interkulturelle Kommunik.
Übersetzungsleistung Übersetzens Expertenhandeln
Handlungsfaktoren

Tab.: Drei Grundrichtungen des Theoretisierens über das Übersetzen42

Bei den linguistischen Übersetzungstheorien ist die Äquivalenz der oberste Primat. Damit
wurde angenommen, zwischen den einzelnen Sprachen gebe eine Art Symmetrie, aufgrund
welcher ihre Elemente einander zuzuordnen seien. Die Äquivalenz beschreibt die
Beziehung zwischen dem Ausgangs- und dem Zieltext, die in der jeweiligen Kultur die
gleiche kommunikative Funktion erfüllen. Es gibt aber keine generelle Beschreibung der
Äquivalenz, sondern man spricht von Äquivalenz im Bezug auf konkrete Texte. Im Fall der
Rechtstexte handelt es sich nicht von einer absoluten Äquivalenz, sondern von einer
relativen Entsprechung der Begriffe der Ausgangssprache mit der Zielsprache.

42
http://egitim.erciyes.edu.tr/~arak/5.AlmancaAlanDocNotWEB2014/VI.Ubersetzung/1.Uebersetzungstheorie
n.pdf
37
Die kognitivistische und psycholinguistische Ansätze zum Übersetzen versuchen vor allem
zu klären, wie der Übersetzer das Übersetzen mental bewältigt, welche geistige
Operationen er ausführt und über welche Strategien er von dem Ausgangstext zum Zieltext
kommt. Dazu wird die Methode der sogenannten Protokolle des Lauten Denkens (LD-
Protokolle) verwendet, wobei sich die Übersetzer zu ihren Gedanken im Zusammenhang
mit einer Übersetzung. Ein Beispiel der Anwendung von LD-Protokollen ist die kontrastive
Analyse der Vorgehensweise eines Lerners mit der eines professionellen Übersetzers43:

LERNER/ÜBERSETZERSTUDENTEN PROFESSIONELLE ÜBERSETZER


lineare Übersetzungsweise: Wort-für-Wort konzentrische Übersetzungsweise:
Übersetzung holistischer Blick
auf den Gesamttext – häufige Rückkehr an
frühere Stellen
Ungleichgewicht von bottom-up und top- Gleichgewicht von bottom-up und top-
down down Prozessen:
Prozessen: entweder die Lerner gehen Harmonisierung von wortgetreuer
vorwiegend von der sprachlichen Struktur im Übersetzung (nah an der sprachl. Struktur)
AT aus oder aber sie finden voreilig zu und ganzheitlicher Visualisierung der
Modellen des Textinhalts ohne den genauen Textwelt, häufige Paraphrasierungen
Wortlaut des Textes zu beachten, Paraphrase
nicht als Überssetzungstechnik akzeptiert
Fortschreiten über kurze Fortschreiten über größere
Übersetzungseinheiten: Übersetzungseinheiten:
Fokus auf Wörter im Satz Fokus auf Textstruktur/Textwelt
formorientiertes Übersetzen ohne sinnorientiertes Übersetzen mit Rückgriff
ausreichenden auf
Rückgriff auf Weltwissen Weltwissen
relativ unsystematisches Übersetzen ohne Ökonomisierung des
nenenswerten Rückgriff auf Übersetzungsprozesses
Methoden/Strategien durch Rückgriff auf relativ explizite

43
ebd.
38
Methoden
und Strategien
Spektrum möglicher Übersetzungsvarianten Spektrum möglicher
größer, Übersetzungsvarianten klein,
z.T. gegensätzliche Übersetzungsvarianten keine gegensätzlichen Alternativen
Hilfsmittel beschränkt auf zweisprachige WB Hilfmittel umfaßt breites Spektrum:
einsprachige
WB, speziellere WB (Synonyme, Thesauri
etc.), Datenbanken, Enzyklopädien etc.

In den Handlungstheorien des Übersetzens liegt der Schwerpunkt auf den sozialen
Handlungen des Translators, die er ausführen muss, um von einer Ausgangssprache zu
einer Zielsprache zu kommen. Bei den Handlungstheorien des Übersetzens rücken die
Handlungen in den Mittelpunkt der Untersuchung, die der Übersetzer als Mittler
interkultureller Kommunikation ausführen muss. Diese Theorien beziehen sich vor allem
auf professionelle Übersetzer. Handlungskomponenten im Laufe der Erstellung des
Zieltextes sollten eine gründliche Ausgangstextanalyse sowie Auftragsanalyse sein. Weiter
sollte der Übersetzer Recherche in Bezug auf die Zielkultur und den Text betreiben und vor
der Erstellung des Zieltextes das Translat gründlich kritisieren und Überarbeiten. „Folglich
muß die Übersetzerin in der Lage sein, mit Welten, Handlungen, Sachverhalten und
Strategien professionell umzugehen, wobei erst die Welten aufzubauen sind und die Worte
dann folgen. Daher ist translatorisches Handeln ein mentaler Transfer der TRL (des
Translators – H.S.) in den Welten von AT und ZT, wodurch der AT seine Autonomie
verliert, während der ZT den Sinn hat, Sachverhalte in Denkräumen-in-Situationen zu
enkulturieren. (Horn-Helf 1999: 89 über Holz-Mänttäri 1988)“44 . Diese Theorie bezeichnet
das Übersetzen als ein translatorisches Handel, das aus einem komplexen Gefüge von
Handlungen zur professionellen Herstellung von Texten über kulturelle Barrieren hinweg
besteht. Translatorisches Handeln ist determiniert von den Aufgabenstellungen der
Auftraggeber, und die Handlungen des Übersetzers werden an ihrer Funktion gemessen.

44
ebd.
39
Das Übersetzen von Rechtstexten ist in letzter Konsequenz keine juristische Fragestellung,
sondern ein sprachliches Handeln im Dienste der Verständigung. Ziel ist die präzise,
objektive, vollständige und meist funktionskonstante Wiedergabe der Ausgangstexte. Der
Translator hat die Aufgabe, mit seinen sprachlichen Formulierungen eine Verständnishilfe
zu bieten und die Verstehensbarriere der unterschiedlichen Rechtsgrundlagen und Kulturen
zu überbrücken. Gefordert ist daher eine übergreifende Perspektive, aus der es möglich ist,
sich auf fortgesetzt neue Zusammenhänge einzustellen. Das Expertenwissen drückt sich in
der Verknüpfung von Fachwissen und Sprachwissen aus.

Bei der Übersetzung von Gerichtsurteilen bildet den übersetzungstheoretischen


Ausgangspunkt die funktionale Übersetzungstheorie, wie sie bei Christiane Nord zum
Ausdruck kommt. Dieser Ansatz geht davon aus, dass Übersetzungen eine von zwei
Funktionsrelationen zum Ausgangstext haben können, nämlich eine dokumentierende oder
eine instrumentelle Funktion.

4.1. Skopostheorie

Diese Translationstheorie wurde in die Handlungstheorie integriert. Texte werden zu einem


bestimmten Zweck und für einen bestimmten Rezipienten produziert, daher können sie als
„Handlungen“ bezeichnet werden. Die Handlungstheorie bringt die Idee des Zwecks im
Vordergrund. Bei einem juristischen Übersetzungsprozess kann man nicht einfach den
Ausgangstext in einem Zieltext sprachlich transcodieren. Der Zweck des Zieltextes und die
Kriterien für die Auswahl der Termini müssen also nicht auβer Acht gelassen werden, sonst
besteht die Gefahr, den übersetzerischen Auftrag nicht zu erfüllen und die beabsichtigten
kommunikativen und rechtlichen Wirkungen nicht zu erzielen.

Da die kommunikativen Absichten für juristische Texte als ein zentraler Punkt des
Übersetzungsprozesses gelten, ist die Skopostheorie als funktionelle Übersetzungstheorie
von groβer Wichtigkeit.

Die von Hans Vermeer und Katharina Reiß entwickelte Skopostheorie ist eine allgemeine
Theorie der Translation, die durch einen funktionsorientierten Ansatz die Grundlage für ein
neues Paradigma in die Translationswissenschaft bildet. Von einem handlungstheoretischen
Rahmen ausgehend, legt sie den Schwerpunkt auf das Ziel des translatorischen Handelns

40
und auf den Translator als Experten, der für ein optimales Erreichen dieses Ziels
verantwortlich ist.

„Eine Handlung bezweckt die Erreichung eines Zieles und damit die Änderung eines
bestehenden Zustandes. [...] Eine Translationstheorie als spezielle Handlungstheorie geht von einer
Situation aus, in der bereits immer schon ein Ausgangstext als Primärhandlung vorhanden ist; die
Frage ist also nicht: ob und wir gehandelt, sondern ob, was und wie weitergehandelt werden soll.
Unter diesem Gesichtspunkt ist eine Translationstheorie also eine komplexe Handlungstheorie.
Translationsentscheidungen hängen also von einer dominierenden Grundregel ab; ob und was
transferiert wird, entscheidet sich an ihr ebenso wie das Wie, die Translationsstrategie.“45

Dadurch wird das folgendes Postulat bestätigt: das Ziel ist das oberste Primat einer
Translation. Wie jedes Handeln folgt auch die Translationswissenschaft einem Ziel. Diese
Zielgerichtetheit kommt im Begriff des „Skopos“ als dem obersten Primat der Translation
zum Ausdruck. Somit steht nicht der Ausgangstext als solcher, sondern der Zieltext am
Beginn des Translationsprozesses. Die Gestaltung des Translationsvorgangs durch den
Translator und die Form des Translats werden demnach vom Skopos der Translation
bestimmt.

Die Faktoren zu erkennen, die in der Zielkultur zu einem optimalen Funktionieren des
Zieltextes beitragen, d.h. Intention und Funktion näher bringen, ist Voraussetzung für eine
professionelle Tätigkeit als Übersetzer. Das Funktionieren des Zieltextes innerhalb der
Zielkultur sollte hier auch unter dem Aspekt des jeweiligen Skopos der Translation
verstanden werden. Wichtig ist, dass sich die Überlegungen zur Übereinstimmung von
Intention und Funktion stets prospektiv auf die Zielkultur und den Skopos beziehen.

Die Skopostheorie stellt keine Forderung nach Funktionskostantz. Darüber hinaus


vermeidet sie die Verabsolutierung eines bestimmten Translationsmodus durch ein
Festlegen der Translationsstrategie. Die Entscheidung für eine bestimmte
Translationsstrategie ist vom Translationsskopos abhängig. Sowohl das Aufrechterhalten
von Funktionskonstanz als auch das Verfolgen einer bestimmten Translationsstrategie kann
durchaus Skopos einer Translation sein.

Da die Skopostheorie bezüglich verschiedener Translationsstrategien eine


verabsolutierende Haltung vermeidet, ermöglicht sie einerseits die Erklärung der Vielfalt
von Translationsphänomenen. Andererseits ist sie als praxisorientierter Ansatz zu

45
Reiss/Vermeer, 1984, S.95.
41
verstehen, der Aussagen für eine möglichst optimale skoposadäquate Bewältigung des
Translationsprozesses enthält.

Vorrassetzungen für eine Translation ist in der Regel der Bedarf an interkultureller
Kommunikation, mit dem sich ein Auftraggeber an einen Translator wendet. Aufgabe des
Translators ist es, die gewünschte Kommunikation zu ermöglichen; als Handelnder muss er
auf jeder Ebene des Prozesses Entscheidungen treffen. Aufgrund seiner Kompetenzen und
auch seiner individuellen Einstellung ist es ihm überlassen, wie er sich fallspezifisch
entscheidet. Seine Entscheidung muss er sich selbst als Experte gegenüber verantworten
können. Das professionelle Umgehen mit der Entscheidungsfreiheit setzt
Entscheidungskompetenzen voraus. Die Skopostheorie fordert die Erweiterung dieser
Kompetenzen durch Bewusstmachung des komplexen Handlungsrahmen, in dem er sich
bewegt: der Übersetzer soll anhand eines Ausgangstextes mit anderen sprachlichen Mitteln
einen neuen Text verfassen, der für andere Rezipienten bestimmt ist und unter anderen
kulturellen Gegebenheiten funktionieren soll als der Ausgangstext. Auf der Grundlage
dieser Kompetenz trägt der Translator die Verantwortung für ein skoposadäquates Handeln.
Er ist in der Lage, auf Kultur-, Adressanten- und Situationsspezifik einzugehen, sich den
Erwartungen der Zielkultur gemäß zu verhalten oder auch gegen sie zu verstoßen. Die
Freiheit des Translators beruht nicht auf einer willkürlichen, sondern durch den Skopos
begründbaren bewussten Entscheidung.

In Anwendung auf juristische Übersetzungen bezieht sich die Theorie auf die spezifische
rechtliche Auswirkung des Textes.

„Im Recht geht es neben einer allgemeinen übersetzungsorientierten Ausgangstextanalyse


vor allem auch darum, die spezifisch rechtliche Wirkung des Ausgangstextes zu eruieren
und in den kommunikativen Kontext der Translationshandlung zu stellen. Dabei nimmt die
Kenntnis der juristischen Auslegungsmethoden für den Übersetzer eine zentrale Position
ein: Er muss wissen, wie der Text von den Fachleuten aufgefaßt bzw. vom Zielpublikum
gelesen und verstanden wird”, so Sandrini.46

Wiesmann erläutert die Verwendung der Skopostheorie auf Rechtstexte: „Soll


beispielsweise ein Rechtstext (zum Beispiel ein italienischer Scheidungsurteil) für einen
Empfänger aus einer anderen Rechtsordnung (z.B. Deutschland) zu dem Zweck übersetzt
werden, einer ausländischen Behörde (z.B. einer deutschen Landesjustizverwaltung) eine

46
Sandrini, 1999, S.26.
42
beglaubigte Übersetzung der behördlichen Urkunde des Inlands (Italien) vorzulegen, die
mangels entsprechender Sprachkenntnisse der ausländischen Behörde Grundlage für andere
behördliche Rechtshandlung (der Anerkennung der Ehescheidung) ist, dann scheint heute
ein gewisser Grundkonsens darüber zu bestehen, dass:

 die Übersetzung den Inhalt des Ausgangstextes so übergeben soll, dass die
Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Rechtsordnungen ersichtlich
sind;
 die Textstruktur am Ausgangstext auszurichten ist und
 der Stil, soweit möglich, den Erwartungen des zielkulturellen Empfängers angepasst
werden soll.“47

4.2. Übersetzungsmethoden und Übersetzungsverfahren

In Hinsicht auf die translatorischen Theorien ist es notwendig, die Übersetzungsmethoden


von den Übersetzungsverfahren zu unterscheiden.

Die Übersetzungsmethoden beziehen sich auf den gesamten Text und werden als eine
Strategie der Übersetzung verstanden. Diese Strategien hängen vom Texttyp sowie vom
Zweck/Typ der Übersetzung ab – es kann also von einer freien oder wörtlichen,
verfremdenden oder einbürgernden Übersetzung die Rede sein.

Die Übersetzungsverfahren beziehen sich auf kleinere Textabschnitte, hängen von der
Übersetzungsmethode ab, sind Techniken der Übersetzung, die jeweils für ein bestimmtes
Sprachenpaar konkretisiert und gewichtet werden müssen. Übersetzungsverfahren
resultieren größtenteils aus Erkenntnissen der kontrastiven Linguistik, sie sind also
Aussagen über die Unterschiede in den Systemen zweier Sprachen. Übersetzungsverfahren
sind Richtlinien beim Übersetzen: sie bilden bei einem guten Übersetzer die sprachlichen
Reflexe, ersetzen jedoch weder bewusste Reflexion noch Intuition und Kreativität

Zu den traditionellen Übersetzungsverfahren gehören48:

47
Wiesmann, 2004, S.70.
48
http://egitim.erciyes.edu.tr/~arak/5.AlmancaAlanDocNotWEB2014/VI.Ubersetzung/1.Uebersetzungstheorie
n.pdf [Zugriff am 30.04.2016]
43
Die Dichotomie „verfremdende vs. einbürgernde Übersetzung“ berücksichtigt die
Erwartungen der Empfänger einer Übersetzung und stellt daher die Frage, ob sich der
Zieltext wie eine Übersetzung lesen soll oder wie ein Original.

„Es gibt zwei Übersetzungsmaximen: die eine verlangt, daß der Autor einer fremden Nation
zu uns herüber gebracht werde, dergestalt, daß wir ihn als den unsrigen ansehen können; die
andere hingegen macht an uns die Forderung, daß wir uns zu dem Fremden hinüber
begeben und uns in seine Zustände, seine Sprachweise, seine Eigenheiten finden sollen“
(J.W. von Goethe)49

49

http://paris.daad.net/cms/upload_user_files/file/Telechargements/Powerpoint%20DHI%20Paris%20Novembe
r%202011.pdf [Zugriff am 30.04.2016]
44
Anders gesagt, die verfremdende Übersetzung ist auf die Ausgangskultur ausgerichtet,
indem sie dem Original treu bleibt und einen fremden Eindruck bei dem Empfänger erzielt.
Bei der einbürgenden Übersetzung dagegen richtet sich der Zieltext auf der Zielkultur, so
dass der Ausgangstext an der Zielkultur und Empfänger angepasst wird und als ein Original
gelten könnte.

Die Autorin Wiesmann50 untersucht die Terminologie der italienischen und deutschen
Rechtsordnungen und führt ein Beispiel für die verfremdende Übersetzung an: „die
Übersetzung des Terminus atto di citazione mit Klage- und Ladeschrift und des Terminus
Klageschrift mit atto introduttivo della causa bzw. del giudizio, wobei Klage- und
Ladeschrift in der deutschen Rechtssprache angesichts der Trennung von Klageschrift und
Ladung zwangsläufig überhaupt nicht belegt ist, atto introduttivo della causa bzw. del
giudizio hingegen in der italienischen Rechtssprache zwar vorkommen kann, aber nicht als
Überschrift für die Texte der betreffenden Textsorte verwendet wird.“

Für die einbürgernde Übersetzung vermerkt sie die folgende Translation für die
phraseologische Wendungen „Con vittoria di spese bzw. di spese e onorari bzw. di diritti e
onorari di causa bzw. di spese, diritti e onorari bzw. Con il favore delle spese e degli
onorari di giudizio mit Der bzw. Die Beklagte trägt die Kosten des Rechtsstreits bzw.
Verfahrens und umgekehrt vor, da zu den Kosten des Rechtsstreits die Gerichtskosten
(Gerichtsgebühren und weitere Gerichtskosten wie Kosten von Sachverständigengutachten,
usw.) und die außergerichtlichen Kosten (Anwaltsgebühren, usw.) gehören.

Ein Gegenbeispiel für die Wahl einer einbürgender Übersetzung wird von Georgiana-
Simona Marin51 in dem Artikel „Institutionsbezeichnungen als Übersetzungsproblem“
geliefert: das erstinstanzliche Gericht in Rumänien „Tribunal de Primă Instanţă“ stimmt
nicht völlig mit dem deutschen Amtsgericht oder mit dem österreichischen und
schweizerischen Bezirksgericht überein, so dass absolute Äquivalenz zwischen den Termini
besteht. Aus dem Wunsch, dem Empfänger einen familiären Begriff anzubieten, könnte er
die Bedeutung oder ein Teil der Bedeutung des Terminus versäumen und den Empfänger in
die Irre führen. Aus diesem Grund schlägt die Autorin vor, dass der Übersetzer bei der
Übersetzung von Rechtstexten darauf verzichtet, Institutionsnamen der

50
Wiesmann, 1999, S.155.
51
http://reviste.ulbsibiu.ro/gb/GB31/Marin.pdf [Zugriff am 30.04.2016]
45
ausgangssprachlichen Rechtsordnung in ähnlich lautende zielprachliche Bezeichnungen zu
übersetzen, ohne vorher die Zuständigkeiten der betreffenden Institutionen zu überprüfen

46
5.Einführung in das allgemeine österreichische
Verwaltungsverfahrengesetz

5.1.Verwaltungsstrafverfahren in Österreich

Im Rahmen dieses Kapitels wird die Problematik der verschiedenen


Verwaltungsstrafverfahren bzw. der Gerichtsurteilen behandelt, dessen Grundlagen zum
besseren Verständnis des Themas dienen sollen. Das Kapitel wendet sich zunächst den
grundlegenden Begriffen, um in das österreichische Rechtssystem tiefer eintauchen zu
können. In diesem Sinne werden zuerst manche Hauptbegriffe erläutert, so dass man sich
mit dem Thema vertraut macht. Darüber hinaus wird der Schwerpunkt dieser Arbeit darauf
gelegt, dass man die Urteils- sowie die Bescheidssprache in ihren Erscheinungsformen
untersucht. Dazu gehören die verschiedenen Formen der Verwaltungsstrafverfahren.

Eine Verwaltungsstrafe ist eine Strafe im rechtstechnischen Sinne, die nicht von einem
Gericht, sondern von einer Behörde bei Übertretung einer Verwaltungsvorschrift verhängt
wird. Zur Verhängung von Verwaltungsstrafen waren früher in der Bundesrepublik
Deutschland Polizei- und Finanzbehörden ermächtigt. Diese Ermächtigung besteht heute
aufgrund von Art. 92 des Grundgesetzes (GG) nicht mehr. Im Gegensatz zu einem
Strafgericht kann eine Verwaltungsbehörde keine Freiheitsstrafe verhängen.

In der Republik Österreich hingegen können Verwaltungsstrafbehörden weiterhin


Verwaltungsstrafen gemäß Verwaltungsstrafgesetz 1991 verhängen. Verwaltungsstrafen
gelten nicht als Kriminalstrafen und haben nicht deren Rechtswirkungen. Das
österreichische Verwaltungsstrafrecht entspricht demzufolge in seiner praktischen
Bedeutung und Stellung im Wesentlichen dem Ordnungswidrigkeitenrecht in Deutschland.

Im Sinne der österreichischen Verwaltungsstrafe gibt es drei mögliche Strafen:


die Geldstrafe als häufigste Form, unter bestimmten Voraussetzungen die Freiheitsstrafe
und den Verfall. Bei geringfügigen Übertretungen kommt es in der Regel zu abgekürzten
Verwaltungsstrafverfahren, die mit einer Anonymverfügung, einer Strafverfügung oder
einer Organstrafverfügung enden. Das ordentliche Verwaltungsstrafverfahren endet mit
Bescheid (Straferkenntnis oder Einstellung). Gegen ein Straferkenntnis ist die Beschwerde
an das zuständige Verwaltungsgericht zulässig.

47
Des Weiteren werden machen von den oben genannten Begriffen ferner erläutert:

Die Geldstrafe ist in Österreich eine Sanktion, die entweder durch ein Strafgericht wegen
einer Straftat oder durch eine Verwaltungsbehörde wegen einer Verwaltungsübertretung
verhängt werden kann. Es ist erwähnenswert, dass die Geldstrafe das gebräuchlichste
Strafmittel ist. Das Verwaltungsstrafgesetz sieht bei Geldstrafen zwar keine Obergrenze
vor, dafür aber eine Untergrenze. Denn eine Geldstrafe muss nämlich mindestens Euro 7,-
betragen. Der Strafsatz ist grundsätzlich den einzelnen Verwaltungsvorschriften zu
entnehmen. Es muss beachtet werden, dass Geldstrafen nur insoweit zwangsweise
eingebracht werden dürfen, als dadurch weder der notwendige Unterhalt der bestraften
Person und der Person gefährdet wird, zu deren Unterhalt sie nach dem Gesetz verpflichtet
ist. Außerdem ist zugleich mit der Geldstrafe für den Fall ihrer Uneinbringlichkeit eine
Ersatzfreiheitsstrafe festzusetzen.

Die Freiheitsstrafe ist eine staatliche Sanktion, um auf eine strafbare Handlung oder
Unterlassung (Delikt) zu reagieren. Sie wird vom Gericht durch ein Urteil ausgesprochen.
Freiheitsstrafen werden auf Lebensdauer oder auf bestimmte Zeit (mindestens einen Tag
und höchstens 20 Jahre) verhängt. Sie können bedingt oder unbedingt ausgesprochen
werden. Bei der bedingten Freiheitsstrafe wird die Strafe nicht vollstreckt, sondern
eine Probezeit bestimmt. Eine unbedingte Freiheitsstrafe muss sofort verbüßt werden. Es ist
ebenso erwähnenswert, dass Freiheitsstrafen als primäre Strafe oder als Ersatzstrafe
verhängt werden können. Das heißt, dass Freiheitsstrafen als Ersatz für eine
uneinbringliche Geldstrafe verhängt werden können. Außerdem darf eine Freiheitsstrafe
nur dann verhängt werden, wenn dies notwendig ist, um den Täter von weiteren
Verwaltungsübertretungen gleicher Art abzuhalten.

Der Verfall bezeichnet die behördliche Abnahme von Gegenständen (z.B. Waffen, Geld,
Datenträger), wenn diese im Zusammenhang mit einer Verwaltungsübertretung oder einer
nach dem Strafgesetzbuch strafbaren Handlung stehen. Es muss beachtet werden, dass
Sachen nur dann für verfallen erklärt werden dürfen, wenn eine Verwaltungsvorschrift die
Strafe des Verfalls vorsieht. Es ist ebenso erwähnenswert, dass der Verfall eine
entschädigungslose Enteignung ist. Für eine Verfallserklärung müssen jedoch gewisse
Voraussetzungen eingehalten werden.

48
Die Anonymverfügung ist in Österreich eine Sanktionsmöglichkeit
bei Verwaltungsübertretungen gemäß § 49a Verwaltungsstrafgesetz 1991. Sie gehört,
neben der Organstrafverfügung und der Strafverfügung, zu den abgekürzten Verfahren im
österreichischen Verwaltungsstrafrecht. Das Hauptanwendungsgebiet der
Anonymverfügung sind Verletzungen der österreichischen Straßenverkehrsordnung.

Die Organstrafverfügung ist eine in Österreich mittels spezieller Formulare


erstellte Verfügung. Die Verwaltungsstrafbehörde (das ist in der Regel die
Bezirksverwaltungsbehörde oder die Landespolizeidirektion) kann besonders geschulte
Organe der öffentlichen Aufsicht (z.B. Organe der Polizei oder Straßenaufsichtsorgane)
ermächtigen, wegen bestimmter, von ihnen dienstlich wahrgenommener oder vor ihnen
eingestandener Verwaltungsübertretungen mittels Organstrafverfügung Geldstrafen bis zu
einer Höhe von (in der Regel) 90 Euro einzuheben.

Die Strafverfügung ist in Österreich eine Sanktionsmöglichkeit bei


Verwaltungübertretungen gemäß §§ 47 bis 49 Verwaltungsstrafgesetz 1991. Wie auch die
Anonymverfügung und die Organstrafverfügung gehört die Strafverfügung zum
abgekürzten Verfahren im österreichischen Verwaltungsstrafrecht.

Diese drei Verfügungsformen sollen die Behörde entlasten und es ihr unter gewissen
Voraussetzungen ermöglichen, Verwaltungsstrafen verhängen zu können, ohne vorher ein
Ermittlungsverfahren (ordentliches Verwaltungsstrafverfahren) führen zu müssen.

Die Strafmessung muss auch berücksichtig werden. Wie bereits erwähnt, werden
Strafmittel und Strafsatz in der Regel durch die jeweiligen Verwaltungsvorschriften
bestimmt. Unter Strafbemessung bzw. Strafzumessung ist die Festsetzung der Höhe der
Strafe zu verstehen. Außerdem ist die Strafbemessung zu begründen. Das bedeutet, dass die
Behörde in der Begründung des Straferkenntnisses darlegen muss, warum sie gerade dieses
Strafausmaß verhängt hat. Bei der Bemessung der Geldstrafe sind ebenso die
Einkommensverhältnisse sowie Vermögensverhältnisse und Familienverhältnisse des
Täters zu berücksichtigen. Sollte sich der Beschuldigte weigern, seine
Einkommensverhältnisse und Vermögensverhältnisse darzulegen, hat eine Einschätzung zu
erfolgen.

49
Auch das Zusammentreffen von strafbaren Handlungen muss berücksichtigt werden. Wenn
mehrere strafbare Handlungen zusammentreffen, gilt das Kumulationsprinzip. Das
bedeutet, dass für jede Verwaltungsübertretung eine eigene Strafe zu verhängen ist.

Anders als bei Organstrafverfügungen, Anonymverfügungen und Strafverfügungen wird im


ordentlichen Verwaltungsstrafverfahren ein Ermittlungsverfahren durchgeführt und der
Beschuldigten/dem Beschuldigten Gelegenheit gegeben, sich zu rechtfertigen.
Die Verwaltungsstrafbehörde (das ist in der Regel die Bezirksverwaltungsbehörde oder die
Landespolizeidirektion) kann die Beschuldigte/den Beschuldigten zu diesem Zweck
zur Vernehmung laden oder auffordern, nach ihrer/seiner Wahl entweder zu einem
bestimmten Zeitpunkt zur Vernehmung zu erscheinen oder sich bis zu diesem Zeitpunkt
schriftlich zu rechtfertigen. Die Beschuldigte/der Beschuldigte hat die Möglichkeit, die zur
Verteidigung dienlichen Beweismittel vorzulegen (z.B. Zeuginnen/Zeugen zu benennen).
Wird die Beschuldigte/der Beschuldigte zur Vernehmung vor die Verwaltungsstrafbehörde
geladen oder vorgeführt, ist das Strafverfahren in mündlicher Verhandlung durchzuführen.
Nach der Aufnahme der erforderlichen Beweise wird womöglich sogleich der Bescheid
verkündet.
Beendet wird das ordentliche Strafverfahren durch Erlassung eines Strafbescheides
(Straferkenntnis), eines Bescheides, mit dem eine Ermahnung ausgesprochen wird, oder mit
der Einstellung des Verfahrens.
Im Unterschied zum gerichtlichen Strafrecht hat man im Falle einer Strafverfügung oder
eines Straferkenntnisses keine Eintragung in seinem Strafregisterauszug. Jedoch muss man
meistens eine Geldstrafe zahlen und man wird auch in dem Verwaltungsstrafregister
eingetragen. Die Eintragung in dem Verwaltungsverfahrenregister dient dazu, bei
zukünftigen Verwaltungsstrafen die Höhe der Strafen festzusetzen. Nach Ablauf von fünf
Jahren ab Fällung des Straferkenntnisses gilt diese jedoch als getilgt und ist auch nicht
mehr im Verwaltungsstrafregister zu sehen.

Zusätzliche Kosten fallen unter Umständen dennoch in Form von Verfahrenskosten an,
nämlich 10% der verhängten Geldstrafe für den Einspruch und 20% für die Beschwerde,
also maximal 30% gemäß §64 VStG (Verwaltungsstrafgesetz). Wird dem Einspruch oder
der Beschwerde stattgegeben, muss weder die Geldstrafe noch Verfahrenskosten bezahlt
werden.

50
Im Verwaltungsstrafverfahren besteht erst im Verfahren vor dem Landesverwaltungsgericht
die Möglichkeit, einen Verteidiger zu beantragen, falls man sich selbst keinen leisten kann.
Wenn man ablehnt, die in der Strafverfügung genannte Geldstrafe zu bezahlen, besteht die
Möglichkeit, dass man Einspruch erhebt und somit die Strafe bekämpft. Der Einspruch ist
nur gegen Strafverfügungen zulässig. Ein Einspruch setzt die angefochtene Strafverfügung
von selbst außer Kraft, woraufhin die Behörde dann ein ordentliches Verfahren einleitet,
wo man sich auch rechtfertigen kann. Eine weitere Möglichkeit ist, nur die Höhe der
verhängten Strafe anzufechten oder einen Antraf auf Strafmilderung (§ 20 VStG) oder
Strafnachsicht (§ 21 VStG) zu stellen. In diesem Fall bleibt die Strafverfügung selbst in
Kraft und wird nach Ablauf der Einspruchsfrist rechtskräftig. Man hat die Möglichkeit,
Einspruch zu erheben binnen zwei Wochen nach Zustellung der Strafverfügung bei der
Behörde, welche die Strafverfügung erlassen hat. Dem Beschuldigten steht es auch offen
den Einspruch zu begründen und Beweismittel vorzubringen.

Das Straferkenntnis ist der Bescheid am Ende eines ordentlichen Verfahrens. Ein
Straferkenntnis wird daher erlassen, wenn die Voraussetzungen für eine Strafverfügung
(und damit für ein abgekürztes Verwaltungsstrafverfahren) nicht vorlagen oder wenn
Einspruch gegen eine Strafverfügung erhoben wurde, und dieser dann abgelehnt worden ist.
In der Regel wird es schriftlich mittels Rsa-Brief zugestellt, kann jedoch auch mündlich
verkündet werden. Bei mündlicher Verkündigung ist eine schriftliche Ausfertigung nur auf
Verlangen der Partei zuzustellen.

5.2.Gerichtsurteile. Zur Problematik der Übersetzung von


Gerichtsurteilen

Wie anfangs bereits erwähnt befasst sich diese Arbeit mit der juristischen Sprache mit
Schwerpunkt auf der Gerichts- und Bescheidssprache. Diese besondere Sprache ist auch in
Gerichtsurteile anzutreffen. In diesem Unterkapitel wird es näher auf die Problematik der
Gerichtsurteile und deren Übersetzung eingegangen, so dass man am Ende eine mögliche
Übersetzungsstrategie für diese Textsorte entwerfen kann.

51
Die Gerichtsurteile, so wie der Name stets andeutet, unterscheiden sich von den
Verwaltungsstrafverfahren dadurch, dass sie von einem Gericht verhängt werden. Im
gerichtlichen Verfahren ist ein Urteil eine gerichtliche Entscheidung, für die das
Prozessrecht ausdrücklich eine Entscheidung unter dieser Bezeichnung vorsieht. Im
Gegensatz zu dem richterlichen Beschluss ergeht ein Urteil in der Regel aufgrund einer
mündlichen Verhandlung. Urteile sind mit Berufung und Revision, Beschlüsse hingegen
mit der Beschwerde anfechtbar. Verfügungen dagegen haben keine instanzbeendende
Wirkung, sondern sind Instrumente der internen Verfahrensleitung. Anders als Urteile,
können Beschlüsse auch von einem Einzelrichter ohne Beteiligung seiner Kollegen
ergehen. Urteile, Beschlüsse und Verfügungen haben jedoch gemeinsam, dass sie einseitig
durch das Gericht verkündet werden.

In Österreich wir eine Sachenentscheidung in Zivilprozesse und Strafprozessen in der


Regel durch ein Urteil getroffen. Urteile werden „Im Namen der Republik“ verkündet und
ausgefertigt. In Zivilverfahren kann ein Urteil entweder direkt nach Schluss der
Verhandlung mündlich oder durch den Richter als Vorbehalt einer schriftlichen
Ausfertigung gefällt werden, wenn das Urteil nicht sofort mündlich ausgesprochen werden
kann. Erscheint eine der Parteien nicht zur ersten mündlichen Verhandlung oder versäumt
die Frist zur Klagebeantwortung im Gerichtshofverfahren, so kann auf Antrag der
erschienenen Partei ein echtes Versäumungsurteil gefällt werden. In Strafverfahren gibt es
in Österreich drei Möglichkeiten für den Urteilsausspruch: freisprechendes Urteil,
schuldsprechendes Urteil und Unzuständigkeitsurteil. Das österreichische Strafverfahren
hat einen zweigliedrigen Instanzenzug. Gegen Urteil des Bezirksgerichts und des
Landesgerichts als Einzelrichter ist die Berufung zulässig. Hier können nicht nur
ausgesprochene Strafhöhe und die Feststellung des Sachverhalts und der Schuld des
Angeklagten bekämpft werden, sondern auch gesetzlich bestimmte Nichtigkeitsgründe
geltend gemacht werden. Über die volle Berufung im bezirksgerichtlichen Verfahren
entscheidet ein aus drei Richtern der bestehenden Senat am Landesgericht.

Des Weiteren wendet sich die vorliegende Arbeit der Problematik der Übersetzung von
Gerichtsurteilen. Der Übersetzer von Gerichtsurteilen befindet sich wegen der gesetzlichen
Regeln, die seine zu übersetzende Arbeit, bestimmen ständig in einem Dilemma,
insbesondere wenn seine Übersetzung in einem Gerichtsprozess angewendet wird und

52
folglich „richtig“ sein muss. Der vorliegende Beitrag soll dazu beitragen, die Probleme, die
während des Übersetzens vorkommen, hervorzuheben und eine allgemeine
Übersetzungsstrategie für Gerichtsurteile finden zu können.

Es muss schon anfangs erwähnt werden, dass die Übersetzungsperspektive eine wichtige
Rolle auf die konkrete Übersetzung hat. Dies wird anhand eines Beispiels ferner
geschildert. In der ersten Situation, die hier als Rahmen für die Übersetzungsaufgabe
gesetzt wird, wendet sich ein Unternehmen mit einem Urteil an einen Übersetzer mit der
Bitte, dieses zu übersetzen. Das Unternehmen möchte herausfinden, welche Konsequenzen
das Urteil für die künftige Zusammenarbeit mit seinen Geschäftspartner haben könnte. Ziel
ist eine korrekte Übersetzung, die vorwiegend den Inhalt des Ausgangstextes für einen
Nicht-Juristen wiedergibt. Die zweite Situation besteht darin, dass ein Rechtsanwalt sich an
einen Übersetzer wendet, da er die Übersetzung eines Gerichtsurteils zur Vorlage in einem
Prozess benötigt. Es muss folglich dem Gericht möglich sein, die juristische
Argumentation, die Grundlage der Entscheidung und die eigentliche Entscheidung genau
zu verstehen, damit es die Vereinbarkeit des Urteils mit dem jeweiligen Rechtssystem
feststellen kann. Bei so einem Auftrag wird es eine „offizielle“ Übersetzung gefordert, die
in möglichst hohem Maß dem Ausgangstext in formaler Hinsicht entsprechen muss.
Diesem Beispiel kann man entnehmen, dass die Übersetzungsperspektive sowie die
Zielgruppe eine entscheidende Rolle in dem Übersetzungsprozess spielt.

Nach Stolze (1992) gibt es die folgenden drei Hauptschwierigkeiten beim Übersetzen
juristischer Texte: die Auslegung des individuellen Sinns des Ausgangstextes, den Umgang
mit Standardformeln und die Übersetzung von rechtsförmigen Begriffswörter.52 Wegen der
Problematik der Kulturgebundenheit juristischer Begriffswörter stellen sie eine zentrale
Schwierigkeit bei der Übersetzung dar.

Der übersetzungstheoretische Ausgangspunkt bei der Übersetzung juristischer Texte ist die
funktionale Übersetzungstheorie, so wie sie bei Nord zu finden ist. Dieser Ansatz geht
davon aus, dass Übersetzungen eine von zwei Funktionsrelationen zum Ausgangstext
haben können, nämlich eine dokumentierende oder eine instrumentelle Funktion.

„Die dokumentarische Übersetzung hat die Funktion, eine Kommunikationshandlung, die


in der Kultur A unter bestimmten situationellen Bedingungen stattgefunden hat, zu

52
Stolze, 1992, S.177.
53
dokumentieren und dem Zielempfänger bestimmte Aspekte dieser vergangenen
Kommunikationshandlung nahezubringen.“53

„Bei der instrumentellen Übersetzung dient das Translat in einer neuen, zielkulturellen
Kommunikationshandlung als „Instrument“ zur Erreichung eines kommunikativen Ziels,
ohne dass der Zielempfänger sich dessen bewusst sein muss, dass er gewissermassen nicht
einen „brandneuen“ Text vor sich hat.“54

Bei der instrumentellen Übersetzung liegt damit der Hauptfokus auf der Ziel-, bei der
dokumentarischen dagegen auf der Ausgangskultur. Ein Vergleich eines übersetzten Textes
mit seiner Vorlage zeigt, ob vorwiegend dokumentarische oder instrumentelle Relationen
vorhanden sind. Nicht das Endprodukt sondern der Auftrag per se (Auftraggeber) ist das
leitende Element. Dies bedeutet, dass die Zusammensetzung der Personengruppe, die an
der Übersetzung interessiert ist, beeinflusst auf welcher Weise man übersetzt. Nord
empfehlt auch in ihrem Schreiben, dass der Übersetzer den Auftraggeber darüber zu
informieren hat, wenn von seinen Erwartungen abgewichen wird.

In der Diskussion über mögliche Herangehensweisen an die juristische Übersetzung


herrscht gewöhnlich Einigkeit darüber, dass eine Ausgangstextorientierung bei der
Übersetzung notwendig ist. Bei der Übersetzung von Rechtstexten werden zwei
unterschiedliche Rechts- und damit auch Denksysteme miteinander konfrontiert und die
Übersetzung muss sich unbedingt als Ziel setzen, dem zielsprachlichen Empfänger Einblick
in das ausgangssprachliche System zu schaffen. „Eine Übersetzung von Rechtstexten soll
das Hindurchblicken auf die außersprachliche Welt ermöglichen“.55 Dies bedeute, dass die
Strategie des dokumentarischen Übersetzens bei juristischen Texten dominieren sollte.
Beim Übersetzen eines Urteils handelt es sich nicht darum, einen Text zu schaffen, sondern
einen zielsprachlichen Text zu formulieren, der es dem zielsprachigen Empfänger
ermöglicht, den für ihn unlesbaren ausgangssprachlichen Text zu verstehen. Bei den
meisten Verwendungen von übersetzten Rechtstexten aus nationalen Rechtsordnungen
handelt es sich um die Dokumentation des ursprünglichen Textes in der Zielsprache, nicht
um eine Übertragung der Funktion in den zielsprachlichen Kontext.

Das Ziel eines Gerichtsurteils wurde von Engberg wie folgt definiert: „Hauptziel des
Zivilprozesses ist es, eine rechtliche Streitfrage von Bürgern innerhalb der geltenden

53
Nord, 1989, S.102.
54
Nord, 1989, S.103.
55
Stolze, 1992, S.181.
54
Rechtsordnung öffentlich in einer autoritativen, kontrollierbaren und außerdem gegen den
Willen der unterliegenden Partei durchsetzbaren Weise zu entscheiden“.56 Hauptziel ist
damit die Entscheidung eines Streites, und um dieses Ziel zu realisieren, setzt der
Textsender eine Reihe von Teiltexten ein, die sich in ihren Funktionen und situationellen
Bedingungen unterscheiden:

 Rubrum (Einleitung)-schafft den Rahmen für die autoritative und durchsetzbare


Problemlösung;
 Tenor-Angabe des Ergebnisses der Prüfung durch das Gericht;
 Tatbestand-Darstellung des sachlichen Hintergrundes und der Streitfragen des
Prozesses (Sachverhalt, Argumente der Parteien, Prozessgeschichte);
 Entscheidungsgründe-Darlegung der Argumente, auf die sich das Gericht beim
Urteilsfindungsprozess gestützt hat.

Die Funktion des Tenors besteht darin, die vollstreckbare Entscheidung zu äußern und sie
damit öffentlich und durchsetzbar zu machen. Daher sind die hier verwendeten
Sprachhandlungstypen grundsätzlich performativer Art. Dagegen handelt es sich bei
Teiltext Entscheidungsgründe um einen Text, der die Argumentation des Gerichtes
dokumentiert, die es seiner Entscheidung zugrunde lag. Es handelt sich damit und einen
Teiltext, der eher von konstativen Sprachhandlungstypen dominiert wird, denn es wirt
referiert, wie die Sache für das Gericht aussieht.

Die möglichen Zieltextsituationen wurden bereits oben beschrieben. Es kann sich entweder
darum handeln, dass die Übersetzung des Gerichtsurteils einem Unternehmer zur
Information über Handlungsmöglichkeiten für sein Unternehmen dienen soll, ohne dass die
Übersetzung in einem Gerichtsverfahren vorzulegen ist, oder einem Richter in einem
Gerichtsverfahren. In beiden Fällen soll das Translat eine informative Funktion erfüllen.
Aber die jeweiligen Zielgruppen sind unterschiedlich, vor allem in ihrem kognitiven
Voraussetzungen (Wissensstand, Ausbildung). In beiden Fällen muss sehr präzise übersetzt
werden, denn die Übersetzung soll als Grundlage für rechtlich wesentliche Entscheidungen
in der Zielkultur dienen. Wegen ihrer unterschiedlichen fachlichen Voraussetzungen auf
dem Gebiet des Rechts stellen die Empfänger unterschiedliche Anforderungen an die

56
Engberg, 1997, S.93.
55
Wiedergabe einzelner Aspekte des Textes. Während der Unternehmen an eine Wiedergabe
des rechtlichen Zusammenhangs, des Kerninhalts des Textes interessiert ist, will der
Richter ebenfalls eine Wiedergabe des rechtlichen Zusammenhangs, denn er hat zu
entscheiden, ob die fremde Entscheidung vor einem zielkulturellen Gericht ähnlich
ausgefallen wäre und ob sie folglich in der Zielkultur anerkannt und wenn nötig
zwangsvollstreckt werden kann.

Im Falle des Unternehmens sollte man nur von der wörtlichen Übersetzung des
Ausgangstextes abweichen, wenn dadurch ein zusätzlicher Informationswert für den
Empfänger geschaffen wird. Ist dies nicht der Fall, sollte eher alltags sprachlich denn
fachsprachlich formuliert werden. Hinsichtlich des Gerichtes dagegen sollte nur dann von
der Wiedergabe konventionalisierter Ausdrücke aus der Ausgangssprache abgewichen
werden, wenn durch die Wiedergabe mit konventionalisierten zielsprachlichen Mitteln der
falsche Eindruck geweckt wird. Diese Übersetzungsstrategien, die anhand des Beispiels in
Abhängigkeit der Übersetzungsperspektive gezeigt wurden, könnten Anlass zur
Formulierung einer generellen Übersetzungsstrategie von Gerichtsurteilen sein.

56
6. Praktischer Teil- Übersetungsrelevante Textanalsyse

Nachfolgend liegt der Schwerpunkt auf die Übersetzung der ausgewählten Texte und auf
die Probleme, die sich aus der Übersetzung ergeben haben. Dafür wird eine
Übersetzungsanalyse angefertigt, wobei die theoretischen Ansätze ihre praktische
Anwendung finden.

Die Übersetzungsarbeit hat sich als eine Herausforderung erwiesen, zum einen wegen der
Komplexität der Rechtssprache im Ausgangstext und zum anderen wegen der
Übertragungsprobleme in die Zielsprache. Eingedenk dessen konzentriert sich die Analyse
auf die zwei hauptsächliche Schwierigkeiten, die in der Arbeit empfunden wurden,
nämlich: Verständnisschwierigkeiten und Übersetzungsschwierigkeiten, in Hinsicht auf die
spezifischen Merkmale der juristischen Sprache, nach der Vorstellung Stolzes. Diese
Merkmale wurden auf vier Hauptbesonderheiten der Rechtssprache gruppiert, die im
Folgenden auch kurz aufgezählt werden. Die in der Arbeit hervorgehobenen Merkmale und
Besonderheiten der juristischen Sprache werden anhand von Beispielen aus allen Texte
veranschaulicht.

Es wurde eine Reihe von Texten mit rechtlichem Inhalt ausgewählt, denn die vorliegende
Arbeit konzentriert sich auf die Urteils- und Bescheidsprache und diese sind insbesondere
in juristischen Texten anzutreffen. Ein weiterer Bestandteil dieser Arbeit ist das
Verwaltungsstrafgesetz und ihre Rechtskräftigkeit in Österreich. Folglich wurden mehrere
verschiedene Texte übersetzt, die jeweils als Beispiele der Verwaltungsstrafverfahren
gelten. Die übersetzten Texte stellen verschiedene Arten von Verwaltungsstrafverfahren
dar, präsentieren die allgemeinen Regelungen des Verwaltungsstrafgesetzes und schaffen
somit ein allgemeines Bild vom Gesetz. Darüber hinaus werden Verwaltungsstrafverfahren
am häufigsten übertreten und daher kann es von großem Interesse sein, dass man sicht mit
ihren Eigenschaften vertraut macht. Ein weiterer Grund, der für die Wahl von Texten mit
rechtlichem Inhalt spricht, ist, dass sie in der Fachsprache verfasst sind. Heutzutage sind
Fachübersetzungen vor allem eine Verständnishilfe und daher am häufigsten gefragt auf
dem Übersetzungsmarkt.

57
Die Schlussfolgerungen und das Fazit werden in dem abschließenden Kapitel
zusammengefasst und vorgestellt. Alle Originaltexte befinden sich zur Einsicht im Anhang
dieser Diplomarbeit.

Zuerst werden die Texte angesichts der juristischen Merkmale von Anne Lise Stolze
untersucht. Diese Merkmale wurden auf vier Hauptbesonderheiten der Rechtssprache
gruppiert, die hier auch kurz aufgezählt werden:

1.Abstraktion:

e) unpersönlicher Stil durch Funktionsbetonung


f) Passiv zur Konzentration auf die Handlung, nicht die handelnde Person
g) Anweisungen im Infinitiv für Allgemeingültigkeit
h) nur 3. Person oder wir-Stil zur Anonymisierung des Urhebers

2.Umständlichkeit:
i) Vervielfachung der Verneinung zur Absicherung
j) viele Attribute für höchste Genauigkeit
k) Reihung von Nebensätzen zur inhaltlichen Präzision

3.Nominalstil:
l) Gebrauch der Substantive zur Betonung der Sachlichkeit
m) fachsprachliche Wortbildungsprodukte
n) Handlungskennzeichnung durch Verbalsubstantive, meist ung-Substantive
o) Gefüge aus Verbalsubstantiv und bedeutungsarmem Funktionsverb
p) Vermeidung von Fremdwörtern

4.Standardformeln:
q) feststehende Formulierungen zur Wiedererkennung von Gleichbleibendem
r) Formularformen.
Die Tendenz zum unpersönlichen Stil ist ersichtlich insbesondere bei der Verwendung von
Passiv; somit liegt der Schwerpunkt auf der Handlung und nicht auf der handelnden Person.
In dieser Hinsicht wurden keine Probleme bei der Übertragung ins Rumänische
angetroffen, denn Passiv ist auch in der rumänische Sprache zum Ausdruck des
58
unpersönlichen Stils verwendet („wurde er von dem Filialleiterstellvertreter [...]
aufgehalten“= „a fost reținut de către directorul adjunct al filialei“; „wurde
aufgefordert“=“a fost somat“; „wurde ein [...]Verkehrsdelikt begangen“=“a fost comisă
o încălcare a regulilor de circulație“).

Der unpersönliche Stil ist auch an Begriffen wie „Beschuldigte“, „Angeklagte“,


„auskunftspflichtige Person“, da das Verwaltungsstrafgesetz im Allgemeinen spricht und
sich nicht einem einzigen Beschuldigten wendet. Der verschiedene Satzbau der
rumänischen Sprachehat einige Probleme bei der Übertragung aus dem Deutschen gestellt:
Infinitivkonstruktion wie „Die Geldstrafe ist innerhalb von 4 Wochen ab Abfertigung
dieses Schreibens einzuzahlen“ wurden durch Modalverben ins Rumänische übersetzt
„Sancțiunea pecuniară trebuie achitată în patru săptămâni de la emiterea acestui
aviz“.

Die Umständlichkeit des Textes hingegen setzte linguistische Kompetenz der Verständnis
und Übersetzung komplizierter Satzstrukturen, zahlreicher Arten von Attributen oder
Anordnungen von längeren Nebensätzen voraus. Deswegen wird dieser Teil ausführlicher
behandelt.
Zunächst kann die umständliche Ausdrucksweise mit Häufung von Attributen am
folgenden Beispiel erläutert werden: „Herr George ZAHARIA, geboren am XXXXXXX in
Medgidia (RO), dzt. unsteten Aufenthaltes, Beruf/Beschäftigung: Arbeiter
(Botendienstfahrer), Staatsangehörigkeit: Italien, ist schuldig, dass er als verantwortlicher
Mitarbeiter der Firma Rain Transport GmbH GmbH mit Sitz in 4050 Traun, Wiener
Bundesstraße 151, den am 08.04.2013 bei der Abgangsstelle Linz Wels (AT) mit
Stellungsfrist 15.04.2013 zur Bestimmungsstelle Hamburg-Waltershof (DE) ausgestellten
Versandschein T1-MRN 13AT520000TVGZMJQ8.” Im Vergleich zu anderen Sätzen aus
dem Text „Strafverfügung“ hat dieser Satz eine überfordernde Länge, die zahlreiche
Probleme bei der Übersetzung stellt. Zum einen war es sehr schwer zu verstehen, was mit
dem Satz gemeint ist. So, zum Beispiel, war eines der Probleme, dass der Satz ein
erweitertes Attribut enthält: Wessen Stellungsfrist? – Des Versandscheins
(Genitivattribut) oder zur Bestimmungsstelle (Präpositionalattribut) ? Um dieses
Problem zu lösen, sollten zuerst die Attribute bestimmt werden, durch Klammern
abgegrenzt und der Satz umformuliert: „[...] mit Stellungsfrist, der sich auf die

59
Bestimmungsstelle Hamburg-Waltershof bezieht, und der zu dem ausgestellten
Versandschein gehört.“ Die Endvariante der Übersetzung dieses komplexen Satzes ins
Rumänische lautet: „Domnul George ZAHARIA, născut la XXXXXXX în Medgidia
(RO), actual fără domiciliu stabil, ocupație: lucrător (Conducător auto/curier),
cetățenie: italiană, se face vinovat de faptul că, în calitate de angajat respunzător al
firmei Rain Transport GmbH cu sediul social în 4050 Traun, Wiener Bundesstraße
151, a preluat în mod demonstrabil, la data de 08.04.2013 și data de 24.04.2013, în
localitatea Ort im Innkreis documentul de tranzit/borderoul de expediție
T1-MRN 13AT520000TVGZMJQ8 întocmit la 08.04.2013, la punctul de expediere
Linz Wels (AT) având termen de predare la 15.04.2013, la punctul de primire
Hamburg-Waltershof (DE)“.

Längere Sätze sind schwer verständlich und daher auch schwer übersetzbar. Das ist der Fall
bei dem vorliegendem Satz, der mehr als 25 Wörter beinhaltet, wobei das durchschnittliche
Kurzzeitgedächtnis nicht in der Lage ist, Sätze mit mehr als sieben Objekten oder 22
Wörtern zu erfassen57. Besonders schwierig wird ein Satz, wenn sich viele Wörter zwischen
zusammengehörigen Satzgliedern befinden, was im folgenden Beispiel ersichtlich ist:

„Herr George ZAHARIA, geboren am XXXXXXX in Medgidia (RO), dzt. unsteten Aufenthaltes,
Beruf/Beschäftigung: Arbeiter (Botendienstfahrer), Staatsangehörigkeit: Italien, ist schuldig, dass
er als verantwortlicher Mitarbeiter der Firma Rain Transport GmbH GmbH mit Sitz in 4050 Traun,
Wiener Bundesstraße 151, den am 08.04.2013 bei der Abgangsstelle Linz Wels (AT) mit
Stellungsfrist 15.04.2013 zur Bestimmungsstelle Hamburg-Waltershof (DE) ausgestellten
Versandschein T1 MRN 13AT520000TVGZMJQ8 sowie das darin angeführte Versandgut, nämlich
1 Packstück Flugzeugteile mit einer Rohmasse von 14 kg im Gesamtwert von USD 11.250,07,
darauf entfallende Eingangsabgaben in der Höhe von € 2.031,27, davon Zoll = € 235,11 und
Einfuhrumsatzsteuer = € 1.796,16, und den am 24.04.2013 bei der Abgangsstelle Linz Wels (AT)
mit Stellungsfrist 01.05.2013 zur Bestimmungsstelle Hamburg-Waltershof (DE) ausgestellten
Versandschein T1 MRN 13AT520000TVH4INV6 sowie das darin angeführte Versandgut, nämlich 1
Packstück Flugzeugteile mit einer Rohmasse von 75 kg im Gesamtwert von USD 31.278,05, darauf
entfallende Eingangsabgaben in der Höhe von € 5.506,24, davon Zoll = € 597,93 und
Einfuhrumsatzsteuer = € 4.908,31, am 08.04.2013 und am 24.04.2013 in Ort im Innkreis
nachweislich übernommen hat und der sich daraus ergebenden Pflicht, nämlich die Versandscheine
und das zugehörige Versandgut fristgerecht, unverändert und unter Einhaltung der Vorschriften
über das gemeinschaftliche Versandverfahren der Bestimmungsstelle zu gestellen, fahrlässig nicht
nachgekommen ist, sodass gegenständliche Versandscheine und zugehörige Versandgüter am
16.04.2013 und am 02.05.2013 der im Artikel 96 Zollkodex (ZK) i.V.m. Art. 361 Zollkodex-
Durchführungsverordnung (ZK DVO) normierten zollamtlichen Überwachung entzogen worden
sind.“

57
http://hdr.bmj.de/page_b.1.html [letzter Zugriff am 26.05.2016]
60
Dies ist kein Einzelfall, denn die ganze Strafverfügung ist mithilfe solches komplizierten
Satzbaus aufgebaut. Zur Erleichterung des Verständnisses, könnte man versuchen, die
Funktion der Satzglieder zu bestimmen und die Formulierungen, die zwischen den
zusammengehörigen Satzgliedern stehen, zu entfernen. Erst nachdem das
Verständnisproblem gelöst wird, kann man mit der Übersetzung anfangen.

Nun wird der dritte Aspekt der Rechtstexten behandelt, der Nominalstil. Man bezieht sich
hier auf den Gebrauch der Substantive zur Betonung der Sachlichkeit,
Handlungskennzeichnung durch Verbalsubstantive, Dominanz der Fachlexik (Fachtermini,
Komposita).

Alle Texte treffen die Merkmale des Nominalstils und dieser Aspekt hat kaum Probleme
beim Verständnis oder bei der Übersetzung gestellt. Die einzelnen Nomen, die vor allem in
den Strafanträge vorhanden sind, wurden mittels eines lexikalischen Übersetzungsverfahren
-lexikalische Ersetzung- ohne bedeutende Probleme übersetzt (Durchführung der
Hauptverhandlung=efectuarea ședinței principale de judecată; Ladung von
Verteidigern=Citarea avocatului apărării; Vernehmung des Zeugen=audierea martorilor).

Bei der Übersetzung deutscher Komposita ins Rumänische findet ein lexikalischer
Strukturwechsel statt, indem man meist die in das untere Schema dargestellten
Möglichkeiten hat:

Nomen + Adjektiv

Nomen (das Kompositum) Nomen + Präposition + Nomen

Nomen + Nomen im Genitiv

 Strafsache (N) = cauză penală (N+ A)

 Einzelrichter (N) = judecător unic (N+A)

 Geldstrafe (N) = sancțiune pecuniară (N+A)

 Polizeibericht (N) = raport de poliție (N+Prp+N)

 Verkehrsdelikt (N) = normele circulației (N+N im Genitiv)

61
Bei komplexeren Komposita, gebildet aus mehr als zwei Wörtern, ist auch das Schema
komplexer:

 Gerichtsverfassungsgesetz (N) = Legea privind organizarea judiciară (N + Prp. + N


+ A)

 Verwaltungsstrafgesetz (N) = Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală


(N+A+Prp+N+Prp+N+A)

 Strafprozessordnung (N) = Cod de procedură penală (N+Prp+N+A)

Bevor die angewandten Übersetzungsverfahren in die Diskussion kommen, wird das vierte
Hauptmerkmal juristischer Texte angesprochen: die Standardformeln. Laut Stolze58,
bestehen die standardisierten Formeln ein spezielles Problem bei juristischen
Übersetzungen:

“Sie dienen zur Vereinfachung interner Information, weil sie durch den Rückgriff auf bereits
vorliegende Formulierungen und Präjudizien Gleichbleibendes indizieren. Anwälte haben über
Generationen hinweg bestimmte Aspekte mit immer wieder gleichen, bewährten Formeln
dargestellt. Deswegen hat der Übersetzer hier keine Formulierungsfreiheit.”

Der Übersetzer muss also die zielsprachlich üblichen Formen finden und sie unabhängig
von der Syntax in der Textvorlage einsetzen:

 Die Frist beginnt mit = Termenul începe să curgă;

 Die Staatsanwaltschaft XXXXX legt zur Last = Procuratura XXXXX înaintează


următoarele acuzații;

 Sämtliche derzeit in Untersuchungshaft = Aflați la momentul de față în stare de


arest preventiv;

 Es haben gewerbsmäßig Nachgenannten fremde bewegliche Sachen mit dem


Vorsatz weggenommen, sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu
bereichern = Au sustras persoanelor numite mai jos bunuri mobile străine cu
intenția de a se îmbogăți ilegal prin însușirea acestora;

58
Stolze 1999, S.52.
62
 Sie haben hierdurch das Verbrechen des gewerbsmäßigen Diebstahl nach
§§127, 130 erster Fall StGB begangen = Se fac vinovați de infracțiunea de furt
calificat în baza art. 127 și art. 130 cazul întâi din Codul Penal [austriac].

Es ist noch erwähnenswert, dass in solchen Texten viele Benennungen von Institutionen,
Gesetze oder Verträge auftauchen. Wenn es sich um Gesetze und Institutionen in
Verbindung mit dem internationalen Recht oder der Europäschen Union handelt, soll man
nicht eine eigene Entsprechung finden, sondern die offizielle Übersetzung suchen. Dies ist
in folgenden Beispielen ersichtlich:

Gemäß EU-Richtlinie 2011/82/EU Conform Directivei UE 2011/82/UE

LANDESPOLIZEIDIREKTION WIEN DIRECȚIA DE POLIȚIE VIENA

Im Sinne des E-GovG, BGBl I. Nr. 10/2014 În sensul legii E-Government (E-GovG,
Monitorul Oficial Federal. I. Nr. 10/200)

gemäß § 143 des Finanzstrafgesetzes În baza art 143 din Legea austriacă privind
(FinStrG) infracțiunile în materie fiscal [în germană
FinStrG]

Die Komplexität der Rechtssprache gehört zu ihren Charakteristika. Zu der Schwierigkeit


der Übersetzung haben auch die fachspezifischen Wörter und Wendungen beigetragen, die
in dem allgemeinem Sprachgebrauch entweder nicht verwendet werden oder einen andere
Sinn haben.

„Die juristische Fachsprache unterscheidet daher von mancher anderen Fachsprache vor
allem dadurch, daß sie Ausdrücke enthält, die der Form nach mit denen der Gemeinsprache
übereinstimmen, auf der Inhaltsebene aber von deren semantischen Struktur abweichen
können”, so der Autor Radegundis Stolze59.

Im folgenden Satz sind mehrere Fachbegriffe anzutreffen, die sich als eine Herausforderung
bei der Übersetzung erwiesen haben; dies lässt sich dadurch erklären, dass der Übersetzer
sich zuerst mit dem juristischen Bereich vertraut machen muss, damit er eine entsprechende
und richtige Entsprechung in der Zielsprache finden kann. Die Übersetzung solcher

59
Stolze, 1999, S.51.
63
6.) gemäß § 252 Absatz 2 StPO: Verlesung des Polizeiberichtes, der Polizeierhebungen
sowie der Strafregisterauskünfte.
Fachtermini hat Probleme gestellt, eine gründliche Recherche vorausgesetzt und eine
Vergleich der verschiedenen Suchergebnisse vor dem Treffen der Entscheidung.

Obwohl der Satzbau keine Schwierigkeiten stellt, tauchen auf lexikalischer Ebene einige
Probleme auf: zum einen Teil aufgrund der Abkürzungen: StPO steht für
Strafprozessordung, was mit Cod de Procedură Penală ins Rumänische übersetzt wird.
Dazu sollte man den vollständigen Begriff in Klammern schreiben, denn es handelt sich
von zwei verschiedenen Rechtsordnungen und das Zielpublikum ist nicht an deutschen
Abkürzungen gewöhnt. Zum anderen Teil stellen die Nomen Polizeibericht,
Polizeierhebung, Strafregisterauskünfte ein weiteres Übersetzungsproblem dar, weil es
Fachtermini sind, die nicht in einem gewöhnlichen Wörterbuch zu finden sind. Dafür sind
spezielle juritische Wörterbücher nötig, die eine richtige und kontextpassende
Entsprechung liefern können. Darüber hinaus sollte man zuerst sich über den Ablauf eines
Strafantrages informieren und erst dann das Lexem in Fachwörterbuch nachschlagen, bevor
man überhaupt eine passende Übersetzungsvariante wählt. Besondere Schwierigkeiten
wurden bei der Übertragung des Lexems „Verfügungsberechtigt“ ins Rumänische. In dem
Wörterbuch gab es keinen Eintrag für dieses Lexem. Die Bedeutung des Adjektivs
„verfügungsberechtigt“ (=dazu berechtigt, etwas zu verfügen) führt dazu, dass man den
Begriff als eine Art Inhaber übertragen sollte. Dies ist aber problematische angesichts der
Komplexität der juristischen Sprache und der Standardformeln, die immer vorhanden sein
müssen. Das heißt, dass man bei der Formulierung in der rumänischen Sprache immer die
Komplexität der Rechtssprache im Sinn behalten sollte.

In dem folgenden Auszug begegnet man zwei Begriffen, die mit einer anderen Bedeutung
benutzt werden, als die in der alltäglichen Sprache, nämlich die Substantive „fremde
bewegliche Sachen“:
Es haben Nachgenannten fremde bewegliche Sachen mit dem Vorsatz
weggenommen, sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern.

64
Fremd:60

1.nicht dem eigenen Land oder Volk angehörend; eine andere Herkunft aufweisend

2.einem anderen gehörend; einen anderen, nicht die eigene Person, den eigenen Besitz
betreffend

3.unbekannt; nicht vertraut; ungewohnt; nicht zu der Vorstellung, die jemand von
jemandem, etwas hat, passend; anders geartet

Beweglich:61

1.sich bewegen lassend

2.wendig, schnell reagierend

3.(veraltend) bewegend, rührend, ergreifend

Sache:62

1.Ding, Gegenstand, Etwas

2.a.Angelegenheit, Vorgang, Vorfall, Umstand.

3.Gegenstand, um den es geht; Gegenstand der Diskussion; eigentliches Thema

4.etwas, wofür sich jemand einsetzt; Ziel; Anliegen.

Der komplizierte Satzbau und die Komplexität der Rechtssprache, die in der Verwendung
bestimmter Fachtermini zu erkennen ist stellen die größte Herausforderung bei der
Übersetzung dar. Texte mit rechtlichem Inhalt sind schwer übersetzbar vor allem, weil man
die originäre normative Funktion auch in der Zielsprache zu übertragen. Die juristischen

60
http://www.duden.de/rechtschreibung/fremd [Zugriff am 30.05.2016].
61
http://www.duden.de/rechtschreibung/beweglich [Zugriff am 30.05.2016].
62
http://www.duden.de/rechtschreibung/Sache [Zugriff am 30. 05. 2016].
65
Merkmale von Anne Lise Stolze sind in jedem Text vorhanden und tragen auch zu dem
Schwierigkeitsgrad der Übersetzbarkeit bei.

Im letzteren Teil der Analyse wird auf die verschiedenen Übersetzungsverfahren


eingangen, die angewendet wurden und die Übersetzung erleichtert haben. Der
unterschiedliche Satzbau der Ausgangs- bzw. Zielsprache führte zur Verwendung
unterschiedlicher Übersetzungsverfahren. Diese wurden auf vier Ebenen eingeteilt (Lexik,
Grammatik, Semantik und Hilfsverfahren) und sind in folgenden Beispielen ersichtlich.
Somit konnte die Komplexität der Rechtssprache entschlüsselt werden und einen
zielsprachlichen Text formuliert werden. Auf lexikalischer Ebene sind zwei
Übersetzungsverfahren anzutreffen; Die lexikalische Ersetzung wird insbesondere im Falle
der vielen Nomen verwendet, denn das Nominalstill als ein von den vier Merkmale der
Rechtssprache gilt (Durchführung = efectuarea; Ladung = citarea; Beiziehung = numirea;
Vernehmung =audierea; Zeugen = martori; das Verbrechen = infracțiunea). Die
lexikalische Entlehnung ist auch als der „Trivialfall“ bekannt und daher in allen übersetzten
Texten identifizierbar. Die Wortbildungsprodukte, die Komposita, gehören ebenso zum
Nominalstill und sind ein wichtiger Bestandteil der Rechtstexte. Bei der Übersetzung
deutscher Komposita ins Rumänische findet ein lexikalischer Strukturwechsel statt,
indem man meist die in das untere Schema dargestellten Möglichkeiten hat:

Nomen + Adjektiv

Nomen (das Kompositum) Nomen + Präposition + Nomen

Nomen + Nomen im Genitiv

 Strafsache (N) = cauză penală (N+ A)

 Einzelrichter (N) = judecător unic (N+A)

 Geldstrafe (N) = sancțiune pecuniară (N+A)

 Polizeibericht (N) = raport de poliție (N+Prp+N)

 Verkehrsdelikt (N) = normele circulației (N+N im Genitiv)

66
Bei komplexeren Komposita, gebildet aus mehr als zwei Wörter, ist auch das Schema
komplexer:

 Gerichtsverfassungsgesetz (N) = Legea privind organizarea judiciară (N + Prp. +


N + A)

 Verwaltungsstrafgesetz (N) = Legea austriacă privind infracțiunile în materie


fiscală (N+A+Prp+N+Prp+N+A)

 Strafprozessordnung (N) = Cod de procedură penală (N+Prp+N+A)

Auf grammatikalischer Ebene sind weitere Übersetzungsverfahren ausgeübt. Das


grammatikalische Übersetzungsverfahren der Permutation wurde mehrmals am Text
angewendet, so zum Beispiel auch im Falle der nächsten Sätze:

 Permutation: Umstellung von Konstituenten

„Es haben gewerbsmäßig Nachgenannten fremde bewegliche Sachen mit dem Vorsatz
weggenommen, sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern.”

„au sustras persoanelor numite mai jos bunuri mobile străine cu intenția de a se îmbogăți
ilegal prin însușirea acestora.“

„Sie haben hierduch das Verbrechen des gewerbsmäßigen Diebstahls nach §§127, 130
erster Fall StGB begangen und werden hierfür unter Anwendung des § 36 StGB nach dem
ersten Strafansatz des § 130 zu bestrafen sein.“

„Au săvârșit infracțiunea de furt calificat în baza art 127 și art 130 cazul întâi din Codul
Penal [austriac] și vor fi pedepsiți pentru aceasta prin aplicarea conform art 36 din Codul
Penal [austriac] a art. 130 conform propoziției întâi.“

 Expansion: Erhöhung der Wortzahl

gemäß § 143 des Finanzstrafgesetzes (FinStrG) = conform art 143 din Legea austriacă
privind infracțiunile în materie fiscală

 Reduktion: Verringerung der Wortzahl

67
darauf entfallende Eingangsabgaben in der Höhe von € 5.506,24 = taxele de import
aferente în valoare de 5,506, 24€

Der intrakategorialer Wechsel ist auf unterschiedlichen Substanzen beiden Sprachen


zurückzuführen. Die deutsche Sprache verlangt bis auf bestimmte Fälle einen Artikel,
während die rumänische Sprache man in manchen Fällen auf bestimmten Artikel verzichten
kann. Das ist anhand der folgenden Substantive ersichtliche: Ladung = citarea;
Vernehmung = audierea. Obwohl die Ausgangssprache in diesem Fall keinen bestimmten
Artikel verlangt, ist die Übersetzung mit bestimmtem Artikel ins Rumänische erforderlich.

 Transformation: Änderung der syntaktischen Konstruktion

der sich daraus ergebenden Pflicht = datoria de a prezenta documentele de tranzit

Hier wird das Partizip Präsens „ergebend“ mit einem Infinitiv ins Rumänische übersetzt.
Gleichzeitig ist an dieser Stelle ein anderes Übersetzungsverfahren erkennbar, nämlich die
Explikation „de a prezenta documentele de tranzit“.

das darin angeführte Versandgut = bunul de expediat ce este menționat în el – das


Partizip Perfekt Passiv wurde durch einen Relativsatz in die Zielsprache übertragen.

 Transposition: Änderung der Wortart

Das Kompositum „Verkehrsdelikt”, ein Delikt mit dem Verkehr gebunden, gebildet aus
dem Substantiv „Delikt” und ferner bestimmt durch das Substantiv „Verkehr”, wurde ins
Rumänische durch eine Konstruktion, die aus mehreren Substantiven und einer Präposition
besteht, übertragen, nämlich „încălcare a normelor de circulație”. Auβerdem wurde hier
ein Verfahren auf semantischer Ebene ausgeübt, die Explikation, also die Erhöhung des
Explikationsgrades des deutschen Ausdrucks.

 Modulation: Änderung der Perspektive durch Verbalisierung anderer


Inhaltsmerkmale

Im Falle einer fristgerechten Bezahlung der Geldstrafe = În cazul neplății la timp a


sancțiunii pecuniare

68
Die Hilfsverfahren, die ebenso zu den Übersetzungsverfahren gehören, sind auch in den
übersetzten Texten vorhanden. Hier handelt es sich vor allem um Abkürzungen und
Anmerkungen. Die Rechtstexte erweisen eine Häufung von Abkürzungen, beispielweise
BGbl- Bundesgesetzblatt; i.V.m. – in Verbindung mit; StPO- Strafprozessordnung;
FinStrG- Finanzstrafgesetz. Während des Übersetzungsprozesses wurde festegestellt, dass
Anmerkungen in der Zielsprache das Verständnis erleichtern, vor allem wenn es um
Abkürzungen aus einer anderen Rechtsordnung geht; damit wird gemeint, dass eine
Abkürzung in der Zielsprache mit einer passenden Entsprechung übersetzt wurde und das
vollständige Wort in Klammern geschrieben wurde.

Im letzteren Teil der praktischen Textanalyse wendet man sich einem anderen Aspekt der
Übersetzungshilfe, nämlich der Übersetzungsmethode. Die Übersetzungen der
ausgesuchten Rechtstexte sind eher einbürgernd, weil sich die Sprachweise dem
rumänischen Rechtsystem begibt. Eine solche Übersetzung hat ein bestimmtes Ziel
nämlich, die österreichische Rechtsordnung an der rumänischen Zielkultur und
Zielrechtsordnung näher zu bringen. Da eine einbürgernde Übersetzung bevorzugt wurde,
war es angemessen, keine unübersetzte Begriffe in den Zieltexten zu behalten, da der Text
die Wirkung einer unvollendeten Arbeit gehabt hätte. Angesichts dessen, wurden die
problematischen Begriffe mithilfe verschiedener Mittel übersetzt: juristische
Fachwörterbücher, online Übersetzungsplatformen, Paralell- und Hintergrundtexte, sodass
letztendlich keine unübersetzte Begriffe in dem Endprodukt bleiben.

7.Schlussfolgerung

Den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit stellte die Auseinandersetzung mit dem Thema
juristische Übersetzungen anhand verschiedener Beispiele des Verwaltungsstrafgesetzes in
der Republik Österreich dar. Die Arbeit hat sich insbesondere auf die Urteils- und
Bescheidsprache konzentriert, welche in den ausgewählten Texten identifizierbar ist.

Die Gliederung erfolgte in einem theoretischen und einem analytischen Teil. Da die
juristische Übersetzungen zu dem gröβeren Bereich der Fachübersetzungen gehören, wurde
im ersten Teil die Fachübersetzung behandelt, mit Hinsicht auf die Fachsprache, ihre

69
Gliederung und spezifische Merkmale und den Unterschied zwischen Fach- und
Gemeinsprache. Des Weiteren wurden Rechtsprache und Rechtsübersetzungen in Betracht
genommen und fernen beschrieben, wobei die vier wichtige Merkmale der Rechtssprache
präsentiert und beschrieben wurden.

Daraufhin wurde die Problematik der Rechtsübersetzungen in Betracht genommen, indem


man die relative Äquivalenz der Rechtstermini, die extreme Systemgebundenheit der
Rechtsterminologie und die Rolle der zweisprachigen Wörterbücher. Dabei wurde das
Wichtigste festgestellt, nämlich dass die Übersetzungen von Rechtstexten nicht von einer
Zielsprache, sondern von einer Zielrechtsordnung abhängen.

Im viertel Kapitel wurden die verschiedenen Übersetzungsmethoden und


Übersetzungsverfahren nach Schreiber dargestellt. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde
der Skopostheorie geschenkt, denn der oberste Primat einer Übersetzung von einem
Rechtstext ist ihr Zweck. Rechtstexte können in der Kategorie der Gebrauchstextsorten
eingebettet werden und diese Textsorte kennzeichnet sich durch ihren Zweck und ihre
Anwendung. Es wurden also die theoretischen Grundlagen für den praktischen Teil
zusammengetragen, nämlich die Übersetzung verschiedener Texte der
Verwaltungsstrafverfahren und ihre Analyse.

Die Analyse konzentrierte sich auf die Probleme, die bei der Übersetzung verschiedener
Texte, die als Beispiele der Verwaltungsstrafverfahren in der Republik Österreich gelten,
aufgetaucht sind und versuchte sie, anhand der theoretischen Ansätze die vorher präsentiert
wurden, zu lösen. Zur selben Zeit wird versucht, die Schwierigkeiten zum Verständnis des
juristischen Textes zu identifizieren, um sie in der Zukunft möglicherweise
entgegenzukommen. Während der Analyse wurde festgestellt, dass die ausgewählten Texte
alle vier Merkmale der juristischen Texte erfüllen, nämlich Abstraktion, Umständlichkeit,
Nominalstil und Standardformeln. Obwohl die Komplexität und der Schwierigkeitsgrad der
Rechtssprache auf einem ersten Blick überwinden werden kann, konnten die Übersetzungs-
und Verständnisprobleme mithilfe der unterschiedlicher Übersetzungsverfahren gelöst
werden. Somit ist kein Begriff unübersetzt geblieben und es wurde bewiesen, dass das
Übersetzungsprozess mittels dieser Verfahren erleichtern werden kann.

70
Zusammenfassend lässt sich behaupten, dass es bei dem Vorgehen mit Rechtstexten sowohl
um Verständnis- als auch um Übersetzungsschwierigkeiten handelt. Diese können
überwinden werden, indem man sich die notwendigen Kenntnisse über die Spezifik der
Rechtstexte eineignet, sich mit den Rechtsordnungen der Ausgangs- und Zielsprache
auskennt und die Arbeit in ihrer Übersetzungssituation, mit ihrer bestimmten
Übersetzungsziel, betrachtet.

71
8.Literaturverzeichnis

1. Arntz, Reiner; Picht, Heribert (1991): „Einführung in die Terminologiearbeit“.


Heldesheim, Zürich, New York: Georg Olms Verlag.
2. Bußman, Hadumond (1995): „Lexikon der Sprachwissenschaft“. Tübingen:
Niemeyer.
3. Creifelds, Carl; Kauffmann, Hans [Hrsg.] (1992): „Rechtswörterbuch“. München:
Beck.
4. de Groot, Gerard- René (1991): „Recht, Rechtssprache und Rechtssystem-
Betrachtungen über die Problematik der Übersetzung juristischer Texte“, in:
„Terminologie et Traduction“. Brux./ Luxembourg: Commission des Comm.
Europ., 279-316.
5. Dietrich, Busse: „Rechtssprache als Problem der Bedeutungsbeschreibung“, in:
„Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht“ 29, Heft 81/1998, S. 24-47.
6. Engberg, Jan (1997): „Konventionen von Fachtextsorten. Kontrastive Analysen zu
deutschen und dänischen Gerichtsurteilen“; Forum für Fachsprachen-Forschung 36,
Tübingen: Narr Verlag.
7. Fluck, Hans-Rüdiger (1996): „Fachsprachen“. Basel: Francke.
8. Hoffmann, Lothar (1998): „Vom Fachwort zum Fachtext“. Tübingen: Narr Verlag.
9. Kohn, Kurt (1987): „Fachsprache, Fachtext und Fachwissen“. Neuchatel: Bulletin
CILLA.
10. Lasser, Ingeborg: „Verständliche Gesetze- Eine Utopie?“ , in: „Zeitschrift für
Literaturwissenschaft und Linguistik“, Heft 18 (6/2010) „Sprache des Rechts“,
S.34.
11. Muschchinina, Maria (2009): „Rechtsterminologie- ein Beschreibungsmodell. Das
russische Recht des geistigen Eigentums“, Berlin: Frank&Timme Verlag für
wissenschaftliche Literatur.
12. Nord, Christiane (1989): „Loyalität statt Treue. Vorschläge zu einer funktionalen
Übersetzungstypologie“, in: „Lebende Sprachen“, 3, S.100-105.
13. Otto, Walter (1981): „Die Paradoxie einer Fremdsprache“, in: „Der öffentliche
Sprachgebrauch“. Band II, Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.
14. Radegundis, Stolze (1992): „Fachübersetzen- ein Lehrbuch für Theorie und Praxis“,
Berlin: Frank&Timme Verlag für wissenschaftliche Literatur.
15. Reiss, Katharina; Vermeer, Hans (1984): „Grundlegung einer allgemeinen
Translationstheorie“, Tübingen: Niemeyer.
16. Sandrini, Peter [Hrsg.] (1999): „Übersetzungen von Rechtstexten.
Fachkommunikation im Spannungsfeld zwischen Rechtsordnung und Sprache“.
Tübingen: Narr Verlag.
17. Snell-Hornby, Mary; Hönig, Hans; Kußmaul, Paul; Schmitdt, Peter [Hrsg.] (2015):
„Handbuch Translation. Zweite verbesserte Auflage“. Tübingen: Stauffenburg
Verlag.
72
18. Stolze, Anne Lise (1999) in „Übersetzungen von Rechtstexten. Fachkommunikation
im Spannungsfeld zwischen Rechtsordnung und Sprache“. Tübingen: Narr Verlag.
19. Stolze, Radegundis (1992): „Hermeneutisches Übersetzen. Linguistische Kategorien
des Verstehens und Formulierens beim Übersetzen“, Tübingen: Narr Verlag.

Hilfsmittel:

 Dicţionar German – Român (2010) Ediţia a III-a, revizuită şi îmbogăţită, Academia


română Institutul de Lingvistică „Iorgu Iordan şi Al. Rosetti“, univers enciclopedic
gold.
 Dicționar German-Român –limbaj juridic și polițienesc- (2015), Jidovu, Iuliana,
editura C.H. Beck, București.
 Dicționar Juridic Român-German /German-Român (2015), Prof. Gerhard Köbler în
colaborare cu Irina Sapira (Zaharescu), editura C. H. Beck, București.

Internetquellen:

 http://www.minilex.at/a/bedeutung-der-verwaltung-f%C3%BCr-die-gesellschaft
[Zugriff am 13.13.2016]
 http://www.fask.uni-mainz.de/user/feuerstein/rp/rp-2.1-2.html [Zugriff am
15.03.2016]
 http://www.duden.de/rechtschreibung/Fachsprache` [ Zugriff am 12.03.2016]
 http://de.thefreedictionary.com/Fachsprache [Zugriff am 12.03.2016]
 https://nats-www.informatik.uni-
hamburg.de/~vhahn/German/Fachsprache/vHahn/Methoden/Texte/Definition.html
[Zugriff am 15.03.2016]
 https://nats-www.informatik.uni-
hamburg.de/~vhahn/German/Fachsprache/vHahn/Gliederung/Texte/Gliederungen.ht
ml [Zugriff am 16.05.2016]
 https://nats-www.informatik.uni-
hamburg.de/~vhahn/German/Fachsprache/vHahn/Gliederung/Texte/Gliederungen.ht
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 http://is.muni.cz/th/177770/ff_m/?lang=en;id=102702 [Zugriff am 16.03.2014]
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 http://ri.jura.uni-sb.de/portal/diplomarbeiten/mouchtchinina/RS-als-FS.pdf [Zugriff
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mahlmann/einfuehrungrw/grundbegriffe/de/html/index.html
 [Zugriff am 10.04.2016]

73
 http://www.uebersetzungswissenschaft.de/theorie-skopos.htm [Zugriff am
27.04.2016]
 http://www.e-
ope.ee/_download/euni_repository/file/535/KirjalikuTA.zip/Kap4_LinguistischeAn
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 [Zugriff am 27.04.2016]
 https://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltungsstrafe#cite_note-help.gv.at-1 [Zugriff am
03.05.2016]
 https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/99/Seite.991109.html
[Zugriff am 03.05.2016]
 http://www.minilex.at/a/strafen-und-strafbemessung-des-verwaltungsstrafrechts
[Zugriff am 03.05.2016]
 https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/102/Seite.1020110.html
[Zugriff am 03.05.2016]
 https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/102/Seite.1020120.html
[Zugriff am 03.05.2016]
 http://at.rechtsinfokollektiv.org/rechtsinfo/demo-teilnahme/nach-der-demo-demo-
teilnahme/verwaltungsstrafverfahren/ [Zugriff am 03.05.2016]
 http://www.jurawelt.com/gerichtsurteile [Zugriff am 04.05.2016]
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 http://hdr.bmj.de/page_b.1.html [letzter Zugriff am 26.05.2016]
 http://www.duden.de/ [letzter Zugriff am 30.05.2016]

74
9.Anhang-Übersetzung

REPUBLIK ÖSTERREICH 401 St


263/15p
318 HR 238/15g
STAATSANWALTSCHAFT WIEN (Bitte in Eingaben anführen)

Landesgerichtsstraße 11
1082 Wien

Tel.: 01/40127-1372
Fax: 01/402 7911

Sachbearbeiter/in:
Staatsanwältin Mag. Tamara
RANZDORF

HAFT
STRAFANTRAG

DIE STAATSANWALTSCHAFT WIEN LEGT


Aurelian-Sergiu,
geboren am 9.5.1995 in Rumänien, rumänischer Staatsangehöriger, ohne
Beschäftigung, in Österreich ohne Unterstand,
derzeit in hg. Untersuchungshaft,
ZUR LAST:
Aurelian-Sergiu hat in Wien gewerbsmäßig nachstehenden Personen nachgenannte
fremde bewegliche Sachen mit dem Vorsatz, sich oder einen Dritten durch deren
Zueignung unrechtsmäßig zu bereichern,
A./ weggenommen, und zwar am 13.7.2015 Verfügungsberechtigten der Firma H & M
eine Sonnenbrille im Wert von 6,99 EUR sowie Herrenschuhe in noch
festzustellendem Wert, indem er die genannten Gegenstände an sich nahm;
B./ wegzunehmen versucht, indem er die Gegenstände an sich nahm und ohne
Bezahlung der Waren die Kassa passierte, wobei er jedoch vom Ladendetektiv
beobachtet und angehalten wurde, und zwar
I./ am 13.7.2015 Verfügungsberechtigten der Firma H & M ein Paar Schuhe,
eine Hose und ein Paar Socken im Gesamtwert von 29,97 EUR;
II./ am 14.7.2015 Verfügungsberechtigten der Firma H & M ein Hemd, eine
Weste und eine Hose im Gesamtwert von 49, -- EUR.

Aurelian-Sergiu hat hierdurch


zu A./ und B./:
das Verbrechen des teilweise vollendeten, teilweise versuchten gewerbsmäßigen Diebstahls
nach § 127, 130, erster Fall, 15 StGB
begangen und wird hiefür unter Anwendung des § 36 StGB nach dem ersten Strafsatz des §
130 StGB zu bestrafen sein.

75
Gemäß § 53 Abs 1 StGB iVm § 494a Abs 1 Z 4 StPO wird der Widerruf der
bedingten Strafnachsicht zum Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien vom
17.6.2015 zu AZ 143 Hv 34/15s beantragt.

DIE STAATSANWALTSCHAFT WIEN BEANTRAGT:


1./ Durchführung der Hauptverhandlung vor dem Einzelrichter des Landesgerichtes für
Strafsachen Wien in Jugendstrafsachen;
2./ Vorführung des aus den bisherigen Haftgründen in Untersuchungshaft zu
belassenden Angeklagten Aurelian-Sergiu zur Hauptverhandlung;
3./ Vernehmung der Zeugen:
Mashal TORABI (AS 3 in ON 2),
Alexander BUCHNER;
4./ Ladung eines Dolmetschers für die rumänische Sprache zur Hauptverhandlung;
5./ gemäß § 252 Abs 2 StPO: Verlesung der Anzeige, der sicherheitsbehördlichen
Erhebungen, der Strafregisterauskunft, der Jugenderhebungen sowie Vorname der
entsprechenden Feststellungen aus dem noch beizuschaffenden Vorstrafakt.

Staatsanwaltschaft Wien
Wien, am 23.7.2015
Mag. Tamara RANZDORF, Staatsanwältin
Elektronische Ausfertigung
gemäß § 79 GOG

76
Republica Austria 401 St 263/15p
318 HR 238/15g
PROCURATURA DIN VIENA (a se menționa pe toate paginile)

Landesgerichtsstraße 11
1082 Wien

Tel.: 01/40127-1372
Fax: 01/402 7911

Referent-/ă:
Mag. Tamara
RANZDORF

AREST
RECHIZITORIU

PROCURATURA DIN VIENA ÎNAINTEAZĂ URMĂTOARELE ACUZAȚII


Aurelian-Sergiu,
născut la 9.5.1995 în România, cetățean român, fără ocupație, neavând
domiciliu stabil în Austria,
aflat în momentul de față în stare de arest preventiv,
URMĂTOARELE:
Aurelian-Sergiu a sustras respectiv a încercat să sustragă în mod calificat, în Viena,
următoarelor persoane bunurile străine mobile numite mai jos cu intenția de a se îmbogăți
fraudulos pe sine sau pe un terț prin însușirea lor,
A./ la data de 13.7.2015 a sustras persoanelor care dețin dreptul de proprietate asupra
firmei H&M o pereche de ochelari de soare în valoare de 6,99 EUR precum și
pantofi bărbătești, a căror valoare nu a fost încă stabilită, luând bunurile numite
asupra sa;
B./ a încercat să sustragă, luând bunurile asupra sa și vrând să treacă de casă fără a le
plăti, fiind însă prins și reținut de supraveghetorul magazinului următoarele:
I./ la 13.7.2015 persoanelor care exploatează firma H&M o pereche de pantofi,
pantaloni și o pereche de pantofi în valoare totală de 29,97 EUR;
II./ la 14.7.2015 persoanelor care exploatează firma H&M, un blazer? și
pantaloni în valoare totală de 49, -- EUR.

Aurelian-Sergiu a săvârșit
La punctual A și B:
Infracțiunea executată parțial de furt calificat în baza art 127, 130, cazul întâi, 15 Cod Penal
[austriac] și va fi pedepsit pentru aceasta prin aplicarea art 36 Cod Penal [austriac] conform
propoziției întâi și prin aplicarea art 130.
Conform art 53 alin 1 Cod Penal [austriac] coroborat cu art 494a alin 1 Z 4 Cod de
Proceduri Penale [austriac] se va cere revocarea condiționată a dispensei de sentința emisă
de tribunalul de primă instanță pentru cauze penale din Viena la data de 17.6.2015, cu
nr.AZ 143 Hv 34/15s.

PROCURATURA DIN VIENA SOLICITĂ:

77
1./ Efectuarea ședinței principale de judecată înaintea judecătorului unic al tribunalului
de primă instanță pentru cauze penale în care sunt implicați minori din Viena;
2./ Aducerea lui Aurelian Sergiu XXXXX aflat în arest preventiv din motivele înaintate
până acum la ședința principală de judecată;
3./ Audierea martorilor:
Mashal TORABI (setul de dosare 3),
Alexander BUCHNER;
4./ Chemarea la ședința principală de judecată a unui interpret pe limba română;
5./ Conform art 252 alin 2 Cod de Proceduri Penale austriac: citirea denunțului, a
anchetelor efectuate de autoritățile responsabile pentru siguranță, extrasului de cazier
juridic, ancheta cu privire la delicvența juvenilă, citirea constatărilor privind antecedentele
penale anterioare.

PROCURATURA DIN VIENA


Viena, 23.7.2015
Mag. Tamara RANZDORF, Procuror
Exemplar electronic
Conform art 79 Legea privind organizarea judiciară (Gerichtsorganisationsgesetz)

78
STAATSANWALTSCHAFT KORNEUBURG 8 St 139-14z
Bitte in allen Eingaben
anführen

Landesgerichtsplatz 1
2100 Korneuburg
Tel: +43 (0)2262 799-0
Fax: +43 (0)2262 799-970

Personenbezogene Ausdrücke in
diesem
Schreiben umfassen Frauen und
Männer
Gleichermaßen.

HAFT

JE

Strafantrag

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg legt

1. Aurelian-Sergiu XXXXX,

geboren am 9.1.1994 in Brasov, rumänischer Staatsangehöriger, ledig, ohne


Beschäftigung;
2. Stefan Alexandru XXXXX,

geboren am 1.8.1995 in Tirgu Jiu, rumänischer Staatsangehöriger, ledig,


ohne Beschäftigung;
3. Victor-Ionut XXXXX,

geboren am 15.4.1989 in Tirgu Jiu, rumänischer Staatsangehöriger, ledig,


ohne Beschäftigung;
sämtliche derzeit in Untersuchungshaft in der
Justizanstalt Korneuburg in dieser Strafsache.

Zur Last:

Es habe gewerbsmäßig Nachgennanten fremde bewegliche Sachen mit dem Vorsatz weggnommen,
sich durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern;

79
I)Tiberiu Sebastian XXXXX, Stefan Alexandru XXXXX und Victor-Ionut XXXXX im bewussten
und gewollten Zusammenwirken als Mittäter (§ 12 StGB) am 30.8.2014 in Klosterneuburg
Alexander Plust einen Rucksack, zwei Mobiltelefone und einen Schlüssel;

II)Tiberiu Sebastian XXXXX im August 2014 in Wien einem noch auszuforschenden


Verfügungsberechtigten einen Tretroller.

Sie haben hierdurch das Verbrechen des gewerbsmäßigen Diebstahl nach §§ 127, 130, erster Fall
StGB begangen und werden hierfür unter Anwendung des § 36 StGB nach dem ersten Strafansatz
des § 130 StGB zu bestrafen sein.

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg beantragt:

1.)Durchführung der Hauptverhandlung vor dem Einzelrichter des Landesgerichtes


Korneuburg in Jugendstrafsachen;
2.)Vorführung der in Untersuchungshaft zu belassenden Beschuldigten zur
Hauptverhandlung;
3.)Ladung von Verteidigern;
4.)Beziehung eines Dometsch;
5.)Vernehmung des Zeugen: XXXXX XXXXX
6.)gemäß § 252 Absatz 2 StPO: Verlesung des Polizeiberichtes, der Polizeierhebungen
sowie der Strafregisterauskünfte.

Staatsanwaltschaft Korneuburg
Korneuburg, 02.September 2014
Mag. Christian PAWLE, Staatsanwalt
Elektronische Ausfertigung
gemäß § 79 GOG

80
PROCURATURĂ KORNEUBURG [8 St 139/14z]
[Staatsanwaltschaft Korneuburg] A se menționa pe toate paginile

Landesgerichtsplatz nr. 1
2100 Korneuburg

Tel.: +43 (0)2262 799-0


Fax.: +43 (0)2262 799-970

Expresiile din acest înscris


referitoare la persoane se referă la
femei și bărbați în aceeași măsură.

AREST
Rechizitoriu Înregistristrare
a sentinței
Procuratura Korneuburg pune în sarcina lui:

1.) Tiberiu Sebastian XXXXX


născut la 9.1.1994 în Brașov, cetăţean român,
necăsătorit, fără ocupație;
2.) Stefan Alexandru XXXXX
născut la 1.8.1995 în Târgu Jiu, cetăţean
român, necăsătorit, fără ocupație;

3.) Victor-Ionut XXXXX


născut la 15.4.1989 în Târgu Jiu, cetăţean
român, necăsătorit, fără ocupație;

aflați în momentul de față în stare de arest


preventiv la Penitenciarul Korneuburg în
această cauză penală

Următoarele acuzații:

au sustras persoanelor numite mai jos bunuri mobile străine cu intenția de a se îmbogăți
ilegal prin însușirea acestora

I) Tiberiu Sebastian XXXXX, Stefan Alexandru XXXXX și Victor-Ionut XXXXX în


colaborare conștientă și voită (conform art. 12 Cod penal austriac [în limba germană: StGB-
Strafgesetzbuch]) în 30.8.2014 în Klosterneuburg, lui Alexander Plust un rucsac, două
telefoane mobile și o cheie;

II) Tiberiu Sebastian XXXXX în august 2014 în Viena, proprietarului de drept, încă
neidentificat, o trotinetă.

81
Au săvârşit infracţiunea de furt calificat în baza art.127 și art. 130 cazul întâi Cod penal
[austriac] și vor fi pedepsiți pentru aceasta prin aplicarea conform art. 36 Cod penal
[austriac] a art. 130 Cod penal [austriac] conform propoziției întâi.

Procuratura Korneuburg solicită:


1.) Efectuarea ședinței principale de judecată înaintea judecătorului unic a
Tribunalului Korneuburg în cazuri penale pentru tineret;
2.) Aducerea înculpaților la ședința principală de judecată;
3.) Citarea avocatului apărării;
4.) Numirea unui interpret;
5.) Audierea martorilor: XXXXX;
6.) conform art. 252 alineat (2) Cod de procedură penală [în limba germană:
Strafprozessordnung]): citirea raportului și a anchetei de poliție și extrasului de
cazier judiciar.

Procuratura Korneuburg
Korneuburg, 2 septembrie 2014
Mag. Christian Pawle, Procuror

Exemplar electronic
conform art. 79 Legea privind organizarea judiciară [în limba germană Gerichtsorganisationsgesetz])

82
REPUBLIK ÖSTERREICH

Geschäftszahl: Wien, am 12.12.2013

Mustermann
DE Sachbearbeiter: Max

Polizeikommissariat Josefstadt
01 Fuhrmannsgasse 5, 1080 WIEN

Tel: 01/31310/22160
Fax: 01/31310/22109
E-Mail: *PK W 08 Kanzlei
LPD-W-PK8-
Kanzlei@polizei.gv.at
DVR: 0003506

Herr/Frau
Mayer Johanna Geburtsdatum: 12.1.1960
Leipzigerstraße 100
D-10000 Berlin

BEGEHUNG EINES VERKEHRSDELIKTES IN ÖSTERREICH


Begehung eines Verkehrsdeliktes in Österreich:
Zahlungsaufforderung; Informationsschreiben gemäß EU-Richtlinie 2011/82/EU

Die Originalausfertigung in deutscher Sprache liegt diesem Schreiben bei.

Am [11.1.2013] wurde in Österreich durch den Lenker des Fahrzeuges mit dem Kennzeichen [B 123XY] ein
die Straßenverkehrssicherheit gefährdendes Verkehrsdelikt im Sinne des Artikel 2 der EU-Richtlinie
2011/82/EU (Bezeichnung des Verkehrsdelikts gemäß Artikel 2 RL 2011/82/EU) begangen.
Sie sind als Fahrzeughalter des genannten Fahrzeugs zum Zeitpunkt der Begehung des Verkehrsdelikts
registriert.
Die Geldstrafe für dieses Verkehrsdelikt beträgt € 500.- und ist innerhalb von 4 Wochen ab Ausfertigung
dieses Schreibens einzuzahlen.
Hinweis: Im Falle einer fristgerechten Bezahlung der Geldstrafe wird weder gegen Sie noch gegen den
tatsächlichen Fahrzeuglenker ein Strafverfahren eingeleitet. Das Verkehrsdelikt wird nicht weiterverfolgt, es
erfolgt auch keine Verständigung anderer Behörden. Solange der Lenker unbekannt ist, können zum
gegenständlichen Verkehrsdelikt nur die im Abschnitt B angeführten Informationen erteilt werden.
A. Zahlungshinweise / Bekanntgabe des Fahrzeuglenkers:

1. Strafbetrag: € 500.-
2. IBAN: 111111
3. BIC: AT12121
4. Identifikationsnummer: 111111
5. Zahlungsfrist: innerhalb von 4 Wochen ab Ausfertigung dieses Schreibens

Um von der Einleitung eines Verwaltungsstrafverfahrens absehen zu können, ist bei der Bezahlung der
Geldstrafe unbedingt die Identifikationsnummer anzuführen.
83
Bei Nichtbezahlung der Geldstrafe sind Sie als Fahrzeughalter verpflichtet, der angeführten Behörde
schriftlich innerhalb von 2 Wochen ab Zustellung dieses Schreibens den Fahrzeuglenker mit dem
beiliegenden Antwortformular (Abschnitt C) bekanntzugeben (Bekanntgabe des Fahrzeuglenkers).
Können Sie den Fahrzeuglenker nicht bekannt geben, so sind Sie verpflichtet, die Person zu benennen, die
den Fahrzeuglenker bekannt geben kann (Bekanntgabe der auskunftspflichtigen Person).
Es wird darauf hingewiesen, dass das Nichterteilen sowie das Erteilen einer unrichtigen oder unvollständigen
Auskunft als Verwaltungsübertretung gemäß § 103 Abs 2 i.V.m. § 134 Abs 1 des österreichischen
Kraftfahrgesetzes (KFG) mit bis zu € 5.000,- bestraft wird.
Gegen die Zahlungsaufforderung bzw. gegen die Aufforderung zur Bekanntgabe des Fahrzeuglenkers (bzw.
der auskunftspflichtigen Person) ist kein Rechtsmittel zulässig.

B. Detailangaben zum Verkehrsdelikt:

a) Angaben zum Delikt:


- Ort: 1010 Wien, Kärntner Ring 12
- Datum, Uhrzeit: 11.1.2013; 10:45 Uhr
- Art und rechtliche Einstufung des Verkehrsdeliktes: [Bezeichnung gem Artikel 2 RL
2011/82/EU; Amtsblatt der EU 288/12 vom 5.11.2011]
- Österreichische Rechtsvorschriften: [österr. Straßenverkehrsordnung § 52….]
- Beschreibung des Verkehrsdeliktes: [Geschwindigkeitsübertretung AV Text]
- Zulässige Geschwindigkeit: 100 km/h
- Gemessene Geschwindigkeitsüberschreitung (nach Abzug der Messtoleranz): << 8 km/h >>
- Beweismittel: Anzeige der Polizei

b) Angaben zum Fahrzeug:


- Kennzeichen: [B 123XY]
- Land der Zulassung/Internationales Unterscheidungskennzeichen: D
- Marke/Modell des Fahrzeuges: Opel Manta
- Fahrzeugklasse: M1

Hinweise:
 Bei Nichtbezahlung der Geldstrafe senden Sie bitte das beiliegende Formular richtig, vollständig und
leserlich ausgefüllt innerhalb von 2 Wochen an die angeführte Behörde.
 Bitte beachten Sie, dass im Verkehr mit österreichischen Behörden die deutsche Sprache zu
verwenden ist.
 Dieses Dokument wurde im Sinne des österreichischen E-Government-Gesetzes (E-GovG, BGBl I. Nr.
10/2004) elektronisch gefertigt. Die elektronische Signatur befindet sich am Ende der beiliegenden
deutschsprachigen Originalausfertigung.

elektronisch gefertigt:

für den Dienststellenleiter:


[Name des Sachbearbeiters]

– Seitenwechsel (d.h. auf neuer Seite beginnend) –

C. Antwortformular (falls die Geldstrafe nicht bezahlt wird)

Absender:

84
Mayer Johanna Geburtsdatum: 12.1.1960
Leipzigerstraße 100
D-10000 Berlin

An:
Landespolizeidirektion Wien
Schottenring 7 bis 9
A-1010 Wien

Begehung eines Verkehrsdeliktes in Österreich:


Begehung eines Verkehrsdeliktes in Österreich
Bekanntgabe des Fahrzeuglenkers oder der auskunftspflichtigen Person
Geschäftszahl: 12121212

Als Halter des Kraftfahrzeuges Opel Manta, (Kennzeichen: B 312 XY) gebe ich bekannt, dass:

folgende Person das Fahrzeug gelenkt hat (Bekanntgabe des Fahrzeuglenkers):


Herr Frau:
Familienname: Becker
Vorname: Franz
geboren am: 11.11.1960
wohnhaft in (genaue Anschrift):
Postleitzahl: 12000
Ort: Berlin
Straße: Rebenweg
Hausnummer: 12
Türnummer: 13

Hinweis: Sollte Ihnen die Person, die das Fahrzeug gelenkt oder verwendet hat, nicht
bekannt sein, so füllen Sie bitte den nachstehenden Punkt aus.

folgende Person den Fahrzeuglenker benennen kann (Bekanntgabe der auskunftspflichtigen Person):
Herr Frau:
Familienname: Becker
Vorname: Franz
geboren am: 11.11.1960
wohnhaft in (genaue Anschrift):
Postleitzahl: 12000
Ort: Berlin
Straße: Rebenweg
Hausnummer: 12

Berlin, am 31.12.2013
85
………………………………………………………………………………………………………
Ort, Datum, Unterschrift des Fahrzeughalters

Hinweise:
1. Bitte senden Sie das richtig, vollständig und leserlich ausgefüllte und unterfertigte
Antwortformular innerhalb von 2 Wochen an die angeführte Behörde.
2. Es wird darauf hingewiesen, dass das Nichterteilen sowie das Erteilen einer unrichtigen oder
unvollständigen Auskunft gemäß § 103 Abs 2 i.V.m. § 134 Abs 1 KFG (österreichisches
Kraftfahrgesetz) mit bis zu € 5.000,- bestraft wird.

86
REPUBLICA AUSTRIA
DIRECȚIA DE POLIȚIE VIENA
Număr de referință:
Viena, 12.12.2013

RO Responsabil de caz: Max Mustermann


Comisariatul de politie Josefstadt
Fuhrmannsgasse 5, 1080 WIEN
01 Tel: 01/31310/22160
Fax: 01/31310/22109
E-Mail: *PK W 08 Kanzlei
LPD-W-PK8-
Kanzlei@polizei.gv.at
DVR: 0003506
Domnul/Doamna
Mayer Johanna Data nașterii: 12.1.1960
Leipzigerstraße 100
D-10000 Berlin

COMITEREA UNEI ÎNCÃLCÃRI A NORMELOR DE CIRCULAȚIE ÎN AUSTRIA


Comiterea unei încãlcãri a normelor de circulație în Austria
Aviz de platã; Scrisoare de informare în conformitate cu Directiva UE 2011/82/UE
Exemplarul în orginal în limba germana este atașat acestei scrisori

La data de [11.1.2013] ,în Austria, a fost comisã o încãlcare a regulilor de circulație care afecteazã siguranța
rutierã de catre conducãtorul autovehiculului cu numãrul de înmatriculare [B 123XY] ,în sensul articolului 2
din Directiva UE 2011/82/EU (Descrierea încãlcãrii regulilor de circulație potrivit articolului 2 RL
2011/82/EU.).
La momentul încãlcãrii normei de circulație ați fost înregistrat ca deținãtor al autovehiculului menționat.
Contravaloarea amenzii aplicate acestei încãlcãri a normelor de circulație este în valoare de 500,- EURO și
trebuie achitatã în cel târziu patru sãptãmâni de la emiterea acestui aviz.
Notã: În cazul plãții la timp a sancțiunii nu se va porni o acțiune penalã împotriva dumneavoastrã sau
împotriva conducãtorului propriu-zis al autovehiculului. Actul de încãlcare a regulilor de circulație nu va fi
urmãrit (penal) și nu vor fi implicate alte autoritãți. Atât timp cât conducãtorul autovehiculului rãmâne
necunoscut ,actului de încãlcare a regulilor de circulație în traficul rutier îi pot fi atribuite doar informațiile
prevãzute în secțiunea B.
D. Indicații de platã /Comunicarea identitãții conducãtorului autovehicului:

6. Cuantumul sancțiunii: € 500.-


7. IBAN: 111111
8. BIC: AT12121
9. Numãrul de identificare: 111111
10. Termen de platã: în decurs de 4 sãptãmâni de la primirea acestei scrisori

Pentru a evita inițierea unei proceduri penale administrative, se va prezenta numãrul de identificare la plata
amenzii.
În cazul neplãții amenzii,în calitate de deținãtor al autovehiculului,sunteti obligat sã declarați în scris
identitatea conducãtorului vehiculului autoritãților menționate mai sus în decurs de douã sãptãmâni de la
remiterea acestui înscris.

87
În cazul în care nu puteți face cunoscutã identitatea conducatorului autovehiculului ,sunteți obligat sã numiți
persoana care sã poatã acorda informatiile necesare. (Desemnarea unei persone obligate sa furnizeze
informatii).
Se aduce la cunoștiințã faptul cã neacordarea precum și acordarea de informații false sau incomplete va fi
pedepsitã ca infracțiune administrativã și amendatã cu pânã la 5000,- EURO conform articolului 103 alin 2
coroborat cu articolul 134 alin 1 din Codul Rutier [austriac].
Nu este permis niciun mijloc legal împotriva solicitãrii de platã ,respectiv împotriva cererii declarãrii
identitãții conducãtorului autovehiculului (sau a unei persoane care sã furnizeze informații).

E. Informații detaliate referitoare la comiterea încãlcãrii regulilor de circulație:

c) Informatii referitoare la infractiune:


- Loc: 1010 Wien, Kärntner Ring 12
- Data,ora: 11.1.2013; 10:45 Uhr
- Calificarea legalã și încadrarea juridicã a încãlcãrii regulilor de circulație: [Descriere conform
articolului 2 din Directiva 2011/82/EU; Jurnal Oficial al Uniunii Europene 288/12 din data de
5.11.2011]
- Dispozițiile legale austriece: [Regulamentul de circulație rutierã austriac articolul 52….]
- Descrierea încãlcãrii regulilor de circulație: [Depãșirea vitezei maxime legale AV Text]
- Viteza maximã permisã: 100 km/h
- Mãsurarea depãșirii vitezei maxime legale (în urma deducerii toleranței de mãsurare): << 8 km/h
>>
Dovada: Reclamația la poliție

d) Informații referitoare la autovehicul:


- Numãr de înmatriculare: [B 123XY]
- Țara de inmatriculare/Caracteristici distinctive internaționale: D
- Marca/Modelul autovehiculului: Opel Manta
- Clasa autovehicului: M1

Note:
 În cazul imposibilitãții plãții amenzii ,vã rugãm sã trimiteți formularul atașat completat corect,în
întregime si lizibil în decurs de douã sãptãmâni autoritãților menționate anterior.
 Vã rugãm sã aveți în vedere cã este folositã limba germanã ca limbã de circulație în raport cu
autoritãțile austriece.
 Acest document a fost semnat electronic în conformitate cu legea E-Government (E-GovG, Monitorul
Oficial Federal. I. Nr. 10/2004) [în germană BGBI I Nr. 10/2014] .Semnătura electronică se află la
sfârșitul actului oficial în limba germană atașat.

Semnat electronic:
Pentru șeful de serviciu:
[Numele referuntului]

F. Formular de rãspuns (în cazul în care amenda nu va fi plãtitã)

Expeditor:
Mayer Johanna Data nașterii: 12.1.1960
Leipzigerstraße 100
D-10000 Berlin

88
Cãtre:
Direcția poliției naționale Viena
Schottenring 7 bis 9
A-1010 Wien

Comiterea unei încălcări a regulilor de circulație în Austria:


Încălcarea regulilor de circulație în Austria
Declararea conducătorului autovehiculului sau a persoanei care să furnizeze informații
Numãr de referințã: 12121212

În calitate de deținãtor al autovehiculului Opel Manta, (Numãr de înmatriculare: B 312 XY) declar cã:

urmãtoarea persoanã a condus autovehiculul (Declararea identitãții conducãtorului autovehiculului):


Domnul: Doamna:
Nume: Becker
Prenume: Franz
Născut la: 11.11.1960
Domiciliat în(adresa exactă):
Cod poștal: 12000
Localitate: Berlin
Strada: Rebenweg
Număr: 12
Apartament: 13

Notã: În cazul în care identitatea conducãtorului autovehiculului nu vã este cunoscutã completați


punctul care urmeazã.

persoana urmãtoare poate furniza informații (Desemnarea unei persoane care poate furniza
informații):
Domnul Doamna:
Nume: Becker
Prenume: Franz
Născut la: 11.11.1960
Domiciliat în (adresa exactă):
Cod poștal: 12000
Localitate: Berlin
Strada: Rebenweg
Număr: 12

Berlin, 31.12.2013
………………………………………………………………………………………………………
Locul,data,semnãtura deținãtorului autovehicului

89
Note:
3. Vã rugãm sã trimiteți formularul completat corect ,complet și lizibil în decurs de douã
sãptãmâni autoritãților menționate anterior.
4. Se aduce la cunoștiințã faptul cã neacordarea precum și acordarea de informații false sau
incomplete va fi pedepsitã ca infracțiune administrativã și amendatã cu pânã la 5000,- EURO în
conformitate cu articolul 103 alin 2 coroborat cu articolul 134 alin 1 din Codul Rutier austriac.

Herrn 08. November 2013


George ZAHARIA Zahl: 520000/90293/06/2013
dzt. unsteten Aufenthaltes Zollamt Linz Wels
per Zustellungsbevollmächtigten als Finanzstrafbehörde erster Instanz
Bahnhofplatz 7
Herrn A-4020 Linz
YYYYYYYY XXXXXXX Sachbearbeiter: Peter Würzl
Parkstraße 1 Telefon: +43 (0)732/6998/565544
4020 Linz Fax: +43 (0)732/6998/5965021
DVR: 0010383
Bankverbindung des Zollamtes Linz Wels:
Bank: BAWAG P.S.K.
Bankleitzahl: 60000
Kontonummer: 5.524.567
BIC: OPSKATWW
IBAN: AT93 6000 0000 0552 4567

StrafNr.: 500/2013/00283-001
Strafkonto-Nr.: 072-2170

Strafverfügung
gemäß § 143 des Finanzstrafgesetzes (FinStrG)

1. Herr George ZAHARIA, geboren am XXXXXXX in Medgidia (RO), dzt. unsteten


Aufenthaltes, Beruf/Beschäftigung: Arbeiter (Botendienstfahrer), Staatsangehörigkeit:
Italien, ist schuldig, dass er als verantwortlicher Mitarbeiter der Firma Rain Transport
GmbH GmbH mit Sitz in 4050 Traun, Wiener Bundesstraße 151, den am 08.04.2013
bei der Abgangsstelle Linz Wels (AT) mit Stellungsfrist 15.04.2013 zur
Bestimmungsstelle Hamburg-Waltershof (DE) ausgestellten Versandschein
T1-MRN 13AT520000TVGZMJQ8 sowie das darin angeführte Versandgut, nämlich
90
1 Packstück Flugzeugteile mit einer Rohmasse von 14 kg im Gesamtwert von
USD 11.250,07, darauf entfallende Eingangsabgaben in der Höhe von € 2.031,27,
davon Zoll = € 235,11 und Einfuhrumsatzsteuer = € 1.796,16, und den am 24.04.2013
bei der Abgangsstelle Linz Wels (AT) mit Stellungsfrist 01.05.2013 zur
Bestimmungsstelle Hamburg-Waltershof (DE) ausgestellten Versandschein
T1-MRN 13AT520000TVH4INV6 sowie das darin angeführte Versandgut, nämlich
1 Packstück Flugzeugteile mit einer Rohmasse von 75 kg im Gesamtwert von
USD 31.278,05, darauf entfallende Eingangsabgaben in der Höhe von € 5.506,24,
davon Zoll = € 597,93 und Einfuhrumsatzsteuer = € 4.908,31, am 08.04.2013 und am
24.04.2013 in Ort im Innkreis nachweislich übernommen hat und der sich daraus
ergebenden Pflicht, nämlich die Versandscheine und das zugehörige Versandgut
fristgerecht, unverändert und unter Einhaltung der Vorschriften über das
gemeinschaftliche Versandverfahren der Bestimmungsstelle zu gestellen, fahrlässig
nicht nachgekommen ist, sodass gegenständliche Versandscheine und zugehörige
Versandgüter am 16.04.2013 und am 02.05.2013 der im Artikel 96 Zollkodex (ZK)
i.V.m. Art. 361 Zollkodex-Durchführungsverordnung (ZK-DVO) normierten
zollamtlichen Überwachung entzogen worden sind.

Er hat dadurch das Finanzvergehen der Verzollungsumgehung gemäß §§ 36 Abs. 1


i.V.m. 35 Abs. 1 lit. a) dritter Fall FinStrG begangen.

2. Gemäß § 36 Abs. 3 FinStrG wird über ihn eine Geldstrafe in der Höhe von € 800,00
(in Worten: achthundert Euro) verhängt; gemäß § 20 FinStrG wird die für den Fall
der Uneinbringlichkeit der Geldstrafe an deren Stelle tretende Ersatzfreiheitsstrafe mit
4 (vier) Tagen festgesetzt.

3. Gemäß § 185 FinStrG sind die Kosten des Strafverfahrens in der Höhe von € 80,00 (in
Worten: achtzig Euro) und die Kosten des Strafvollzuges zu ersetzen. Die Höhe der
Kosten des Strafvollzuges wird durch gesonderten Bescheid festgesetzt werden.

Begründung

Das im Spruch genannte Finanzvergehen ist auf Grund der Feststellungen des Zollamtes
Linz Wels als Abgabenbehörde erster Instanz sowie des vom Zollamt Linz Wels als
Finanzstrafbehörde erster Instanz durchgeführten Ermittlungsverfahrens objektiv
erwiesen.Das Zollamt Linz Wels als Finanzstrafbehörde erster Instanz führt dazu aus, dass
wohl unbestritten ist, dass der Beschuldigte sowohl am 08.04.2013 als auch am 24.04.2013
die gegenständlichen Versandscheine T1-MRN 13AT520000TVGZMJQ8, ausgestellt am
08.04.2013, und T1-MRN 13AT520000TVH4INV6, ausgestellt am 24.04.2013, sowie die
zugehörigen Waren, nämlich 1 Paket Flugzeugteile mit einer Rohmasse von 14 kg und
1 Paket Flugzeugteile mit einer Rohmasse von 75 kg, bei der Fa. FACC in Ort im Innkreis
übernommen hat. Dies geht sowohl aus den vom Beschuldigten eigenhändig unterschrieben
Verpflichtungserklärungen, aus der eindeutig die Zollguteigenschaften der Waren und auch
die Daten der Versandscheine hervorgehen, als auch aus der am 11. September 2013
gegenüber Organen des Zollamtes Linz Wels getätigten Aussage des Beschuldigten hervor.
Weiters gab der Beschuldigte in seiner Einvernahme an, dass er die Pakete und die mit dem
Zoll zusammenhängenden Papiere bei der Firma DHL Express (Austria) GmbH im Lager

91
4030 Linz, Franzosenhausweg 45, bei einer Dame sowie sämtliche (andere) Papiere bei
einer anderen Stelle abgegeben habe.
Aufgrund der Angaben des Beschuldigten wurde die Firma DHL Express (Austria) GmbH,
Linz, aufgefordert, zur Sache Stellung zu nehmen und die Firma DHL Express (Austria)
GmbH, Linz, gab an, dass gegenständliche Versandscheine nie beim zuständigen
Mitarbeiter, der für die Bearbeitung verantwortlich zeichnet, eingegangen seien. Es wurde
in weiterer Folge der verantwortliche Mitarbeiter der Firma DHL Express (Austria) GmbH,
Linz, zur Sache befragt und dieser gab an, nachdem er den Ablauf der Anlieferung von
Waren detailliert erklärt hatte, dass die Versandscheine nicht abgegeben worden seien.
Das Zollamt Linz Wels als Finanzstrafbehörde erster Instanz geht im Rahmen der ihm
gemäß § 98 FinStrG zustehenden freien Beweiswürdigung davon aus, dass die
gegenständlichen Versandscheine offensichtlich nicht bei der DHL Express (Austria)
GmbH, Linz, abgegeben wurden und die Firma DHL Express (Austria) GmbH, Linz, daher
auch nicht erkennen konnte, dass es sich bei den Waren um Zollgut gehandelt hat. Es ist für
die Finanzstrafbehörde durchaus denkbar, dass bei einer Anlieferung ein Fehler beim Lager
DHL, Linz, passieren kann, jedoch scheint es für die Finanzstrafbehörde ausgeschlossen,
dass derselbe Fehler innerhalb kurzer Zeit ein zweites Mal passiert. Vielmehr ist die
Finanzstrafbehörde der Überzeugung, dass dem Beschuldigten, der bei der ersten
Anlieferung erst seit ca. 1 ½ Monaten bei der Fa. Rain Transport GmbH tätig war, bei den
Anlieferungen am 08.04.2013 und am 24.04.2013 dahingehend Fehler unterlaufen sind,
dass er die Zollpapiere bei der Fa. FACC zwar nachweislich übernommen, jedoch bei der
Fa. DHL, Linz, nicht abgegeben hat.
Aus den dargestellten Gründen erscheinen für die entscheidende Finanzstrafbehörde
sowohl die Tat objektiv als auch das fahrlässige Verhalten des Beschuldigten genügend
festgestellt, weshalb das Finanzstrafverfahren im vereinfachten Verfahren gemäß § 143
FinStrG mit Strafverfügung abgeschlossen werden konnte.
Nach § 8 Abs. 2 FinStrG handelt fahrlässig, wer die Sorgfalt außer Acht lässt, zu der er
nach den Umständen verpflichtet und nach seinen geistigen und körperlichen Verhältnissen
befähigt ist und die ihm zuzumuten ist, und deshalb nicht erkennt, dass er einen Sachverhalt
verwirklicht, der einem gesetzlichen Tatbild entspricht. Fahrlässig handelt auch, wer es für
möglich hält, dass er einen solchen Sachverhalt verwirkliche, ihn aber nicht herbeiführen
will.
Nach § 35 Abs. 1 lit. a) dritter Fall FinStrG macht sich des Schmuggels schuldig, wer
eingangsabgabepflichtige Waren vorsätzlich der zollamtlichen Überwachung entzieht.
Nach § 36 Abs. 1 FinStrG macht sich der Verzollungsumgehung schuldig, wer die im § 35
Abs. 1 bezeichnete Tat fahrlässig begeht.
Zur verhängten Geldstrafe wird bemerkt, dass nach der Strafbestimmung des § 36 Abs. 3
FinStrG die Verzollungsumgehung mit einer Geldstrafe bis zum Einfachen des auf die
Ware entfallenden Abgabenbetrages - konkret € 7.537,51 - geahndet werden kann. Unter
Bedachtnahme darauf sowie auf die tieferstehenden Strafzumessungsgründe wird jedoch
mit der ausgesprochenen, als ausreichend tat- und schuldangemessen erachteten Geldstrafe
das Auslangen gefunden.

Folgende persönliche und wirtschaftliche Verhältnisse des Beschuldigten wurden bei der
Entscheidung berücksichtigt:

92
das monatliche Nettoeinkommen in der Höhe von € 1.300,00 sowie die Sorgepflichten für
1 Tochter (12 Jahre).
Bei der Strafbemessung wurden berücksichtigt:
als mildernd: die bisherige finanzstrafrechtliche Unbescholtenheit;
als erschwerend: kein Umstand.
Außerdem wurde auf die persönlichen Verhältnisse und auf die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit des Beschuldigten Bedacht genommen (§ 23 Abs. 3 FinStrG).
Die gemäß § 185 FinStrG festgesetzten Kosten betreffen: Pauschalkostenbeitrag (10 v.H.
der verhängten Geldstrafe, höchstens € 500,00).

Belehrung über das Einspruchsrecht

Gegen die Strafverfügung kann binnen einem Monat nach der Zustellung bei der
Finanzstrafbehörde erster Instanz, die die Strafverfügung erlassen hat, durch den
Beschuldigten oder durch seinen schriftlich bevollmächtigten Verteidiger gemäß § 48
Abs. 1 Z. 4 der Strafprozessordnung oder durch seinen schriftlich bevollmächtigten
österreichischen Wirtschaftstreuhänder (§ 77 Abs. 1 FinStrG) Einspruch erhoben werden.
Als Vertreter sind auch Rechtsanwälte und Wirtschaftstreuhänder aus dem Europäischen
Wirtschaftsraum zugelassen, Wirtschaftstreuhänder jedoch nur nach Maßgabe der
einschlägigen berufsrechtlichen Vorschriften.
Die Einspruchsfrist beginnt mit der Zustellung dieser Strafverfügung und endet mit dem
Ablauf desjenigen Tages des nächsten Monats, der durch seine Zahl dem Zustellungstag
entspricht. Fehlt dieser Tag in dem betreffenden Monat, so endet die Frist mit dem Ablauf
des letzten Tages dieses Monats. Durch die rechtzeitige Einbringung des Einspruchs tritt
die Strafverfügung außer Kraft; das Verfahren ist nach den Bestimmungen der §§ 115
bis 142 FinStrG fortzusetzen. Für dieses Verfahren kann der Beschuldigte gemäß § 58
Abs. 2 lit. b FinStrG die Durchführung der mündlichen Verhandlung und die Fällung des
Erkenntnisses durch einen unabhängigen Spruchsenat beantragen; ein solcher Antrag ist im
Einspruch zu stellen. Unterbleibt ein solcher Antrag, obliegt die Durchführung der
mündlichen Verhandlung und die Fällung des Erkenntnisses einem Einzelbeamten. Auf die
Durchführung der mündlichen Verhandlung kann gemäß § 125 Abs. 3 FinStrG verzichtet
werden.
Im fortgesetzten Verfahren hat die Finanzstrafbehörde erster Instanz auf den Inhalt der
außer Kraft getretenen Strafverfügung keine Rücksicht zu nehmen und kann auch eine
andere Strafe aussprechen.
Wird auf Erhebung eines Einspruches schriftlich oder zu Protokoll verzichtet oder ein
Einspruch nicht rechtzeitig erhoben, so hat die Strafverfügung die Wirkung eines
rechtskräftigen Erkenntnisses. Ein Einspruchsverzicht, der nicht von einem berufsmäßigen
Parteienvertreter oder im Beisein eines solchen abgegeben wurde, kann jedoch binnen drei
Tagen schriftlich oder zur Niederschrift widerrufen werden.

Zahlungsaufforderung

Die Geldstrafe sowie die ziffernmäßig festgesetzten Verfahrenskosten werden gemäß


§§ 171 Abs. 1 und 185 Abs. 4 FinStrG mit Ablauf eines Monats nach Rechtskraft der
Strafverfügung fällig und vollstreckbar. Sie sind mittels des mit der Lastschriftanzeige
93
(dem Tagesauszug) gesondert zugesendeten Erlagscheines einzuzahlen, widrigenfalls die
Zwangsvollstreckung durchgeführt und bei Uneinbringlichkeit der Geldstrafe die
Ersatzfreiheitsstrafe vollzogen werden müsste.
Bei elektronischer Überweisung des Geldbetrages wird ersucht, im Feld
„Verwendungszweck“ die Strafkontonummer anzuführen. Die Daten für die
Bankverbindung sind auf Blatt 1 dieses Bescheides angeführt.

Für den Vorstand:

i.V. Dr. Koplinger, Hofrat

94
Domnului 8 noiembrie 2013
George ZAHARIA
actual fără domiciliu stabil Număr: 520000/90293/06/2013

Biroul vamal Linz Wels


prin mandatar ad-litem
În calitate de autoritate fiscală de primă
Domnului instanță

YYYYYYYY XXXXXXX Bahnhofplatz 7

A-4020 Linz
Parkstraße 1

4020 Linz
Responsabil de caz: Peter Würzl

Telefon: +43 (0)732/6998/565544

Fax: +43 (0)732/6998/5965021

Operator DP (date personale?): 0010383

Coordonate bancare ale biroului vamal


Linz Wels:

Bancă: BAWAG P.S.K.

Număr de identificare al băncii: 60000

Număr de cont bancar: 5.524.567

BIC: OPSKATWW

IBAN: AT93 6000 0000 0552 4567

Număr decizie de sancționare.: 500/2013/00283-001


Numărul contului pentru plata amenzilor.: 072-2170

Dispoziție de sancționare
Conform art 143 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală

1. Domnul George ZAHARIA, născut la XXXXXXX în Medgidia (RO), actual fără


domiciliu stabil, ocupație: muncitor (Conducător auto/curier), cetățenie: italiană, se
face vinovat de faptul că, în calitate de angajat răspunzător al firmei Rain Transport
GmbH cu sediul social în 4050 Traun, Wiener Bundesstraße 151, a preluat în mod
demonstrabil, la data de 08.04.2013 și data de 24.04.2013, în localitatea Ort im
Innkreis borderoul de vămuire în vederea transportului
T1-MRN 13AT520000TVGZMJQ8 întocmit la 08.04.2013, la punctul de expediere
95
Linz Wels (AT) având termen de predare la 15.04.2013, la punctul de primire
Hamburg-Waltershof (DE), precum și bunul de expediat menționat în el, anume
1 pachet conținând piese de avion cu greutatea brută de 14 kg în valoare totală
de 11.250,07 USD, și taxele de import aferente în valoare de 2.031,27€, dintre care
taxă vamală = € 235,11€ și TVA la import = € 1.796,16, și borderoul de vămuire în
vederea transportuluiT1-MRN 13AT520000TVH4INV6 întocmit la 24.04.2013, la
punctul de expediere Linz Wels (AT) având termen de predare la 01.05.2013, la
punctul de primire Hamburg-Waltershof (DE) precum și bunul de expediat
menționat în el, anume 1 pachet conținând piese de avion cu greutatea brută de
75 kg, în valoare totală de 31.278,05 USD, și taxele de impozit aferente în valoare
de 5.506,24€, dintre care taxa vamală = € 597,93 și TVA la import =4.908,31€ și
de abaterea neglijentă de la datoria de a prezenta documentele de tranzit și bunurile
de expediat menționate în ele la termen, fără modificări și respectând normele
privind Procedura Tranzitului Comun a punctului dedestinație, astfel încât
documentele de tranzit și bunurile expediate aferente au fost retrase la data de
16.04.2013 și la 02.05.2013 conform art 96 din Codul Vamal austriac coroborat cu
art 361 din Regulamentul de punere în aplicare a Codului Vamal cu privire la
regulile supravegherii vamale stabilite

Astfel numitul se face face responsabiil de săvârșirea delictului fiscal de gradul III,
de sustragere (a mărfurilor) de la vămuire conform art 36 alin 1 coroborat cu art 35
alin 1 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală.

2. Împotriva persoanei sus-numite se stabilește o amendă de în valoare de 800,00€


(opt sute de euro); în cazul neplății amenzii/ în caz de nerecuperare a sumei
amenzii se stabilește pedeapsa privativă de libertate pe o perioadă de 4 (patru) zile.

3. Costurile aferente procedurilor penale în valoare de 80,00€ (optzeci de euro) și


costurile legate de executarea pedepsei trebuie acoperite conform art 185 din Legea
austriacă privind infracțiunile în materie financiară. Valoarea costurilor legate de
executarea pedepsei va fi stabilită/stipulată în urma unei sentințe separate.

Motivare

Delictul fiscal menționat în hotărârea judecătorească/sentință a fost dovedit în mod obiectiv


în urma constatărilor biroului vamal Linz Wels în calitate de autoritate fiscală de primă
instanță precum și în urma anchetei desfășurate de biroul vamal Linz Wels. Biroul vamal
Linz Wels în calitate de autoritate fiscală susține că este de necontestat faptul că persoana
acuzată a preluat la data de 08.04.2013, respectiv 24.04.2013, la sediul Fa. FACC63, în
localitatea Ort im Innkreis documentul de tranzit T1-MRN 13AT520000TVGZMJQ8
întocmit la 08.04.2013 și documentul de tranzit T1-MRN 13AT520000TVH4INV6

63
Fa. FACC-Fischer Advanced Composite Components-Producător austriac de piese de avion
96
întocmit la 24.04.2013, precum și bunurile de expediat menționat în documentele de tranzit,
anume 1 pachet conținând piese de avion cu greutatea brută de 14kg și 1 pachet conținând
piese de avion cu greutatea brută de 75kg. Acest lucru rezultă din declarația de angajament,
care poartă semnătura de mână originală a persoanei acuzate, din caracterul indubitabil de
bun supus vămuire, din datele documentelor de tranzit, precum și din declarația înaintată la
data de 11.09.2013 de persoana acuzată împotriva organelor biroului vamal Linz Wels. În
plus, persoana acuzată a adăugat în cadrul procedurii interogatoriu că a predat pachetele și
documentele vamale unei doamne de la firma DHL Express (Austria) GmbH, la depozitul
4030 din Linz, Franzosenhausweg 45, precum și alte documente predate la altă unitate.
În urma declarațiilor persoanei acuzate, firma DHL Express (Austria) GmbH,Linz, a fost
somată să ia atitudine cu privire la această chestiune, iar firma DHL Express (Austria)
GmbH, Linz, a declarat că borderourile de vămuire în vederea transportuluinu ar fi intrat
niciodată în posesia angajatului responsabil, care este răspunzător de procesare. Mai
departe, angajatul răspunzător al firmei DHL Express (Austria) GmbH, Linz, a fost
chestionat în legătură cu acest lucru, acesta declarând, după ce a expus în detaliu procedura
de desfășurare a livrărilor, că documentele de tranzit nu au fost predate.
Biroul Vamal Linz Wels în calitate de autoritate fiscală de primă instanță și în baza
dreptului, care îi revine conform art 98 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie
fiscală, de evaluare liberă a probelor, pornește de la premisa că documentele de tranzit nu
au fost în mod evident predate la firma DHL Express (Austria) GmbH, Linz, și de aceea
firma s-a aflat în imposibilitatea faptului de a recunoaște dacă s-au numărat bunuri supuse
vămuirii printre mărfuri. Autoritățile fiscale consideră că este foarte probabil să fie vorba de
o greșeală la livrare la depozitul DHL, Linz, însă ele exclud posibilitatea ca aceeași greșeală
să se repete într-un interval scurt de timp. În plus, autoritatea fiscală este convinsă că
persoana acuzată, care, la momentul primei livrări, activa de o lună și jumătate în cadrul
firmei Rain Transport GmbH, a comis o greșeală în cazul livrărilor de la data de 08.04.2013
și 24.04.2013, în sensul că a intrat în mod demonstrabil în posesia documentelor vamale la
firma FACC, insă nu le-a predat la firma DHL, Linz.
În baza motivelor expuse s-a constat atât faptul ca fiind obiectiv, cât și conduita neglijentă a
persoanei acuzate, motiv pentru care acțiunea penală de infracțiune fiscală aplicată sub
forma unei proceduri simplificate a fost încheiată și soluționată cu ordin de pedepsire
conform art 143 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală.
Conform art 8 alin 2 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală dă dovadă
de neglijență orice persoană, care nu ține seama de diligența cerută de executarea
obligațiilor date de circumstanțe și care poate fi pretinsă de la o o persoană, și care nu
recunoaște faptul că a săvârșit un fapt care poate fi încadrat ca fapt juridic. Dă dovadă de
neglijență și orice persoană, care crede că este posibilă săvârșirea un asemenea fapt, dar pe
care nu vrea să îl săvârşească.
Conform art 35 alin 1 lit a cazul al III-lea din Legea austriacă privind infracțiunile în
materie fiscală se face vinovată de contrabandă orice persoană, care eludează în mod
deliberat de la supravegherea vamală bunuri supuse la plata impozitelor aplicabile la
intrarea în țară.

Conform art 36 alin 1 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală se face
vinovată de acțiunea de sustragere de la vămuire orice persoană care, din neglijență,
încalcă dispozițiile prevăzute în art 35 alin 1.
97
Cu privire la amenda aplicată, se face observația că actul va fi pedepsit cu o sancțiune
pecuniară având valoarea cotei impozitelor aferente bunurilor, adică 7,535, 51€, conform
dispozițiilor prevăzute în art 36 alin 3. Ținând cont de acest aspect precum și de motivele
de fixare a pedepsei expuse înainte, acțiunea se soluționează cu sancțiunea pecuniară
pronunțată, considerată a fi suficientă pentru fapta comisă și vina acuzatului.

La luare hotărârii s-a ținut cont de următoarele circumstanțe personale și mijloace


materiale:
Venitul net lunar în valoare de 1,300,00€ precum și obligațiile de întreținere a fiicei (12
ani).

La fixarea pedepsei s-a ținut cont de:


Circumstanțele atenuate: lipsa până în momentul de față a antecedentelor penale în materie
fiscală;
Circumstanțele agravante: Nu există astfel de circumstanțe.

În plus, s-a ținut cont de circumstanțele personale și de randamentul economic al persoanei


acuzate (art 23 alin 3 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală).

Conform art 185 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală costurile
stabilite se referă la: contribuția la costurile standard (10% din sancțiunea pecuniară
aplicată, cel mult 500,00€.

Informații privind dreptul la apel

Ordinul de pedeapsă poate fi atacat/contestat în decurs de o lună de la predarea (în sensul


de remitere) către autoritatea fiscală de primă instanță, care a emis ordinul de pedeapsă, de
către persoana acuzată sau avocatul apărării autorizat prin scris conform art 48 alin 1 rândul
4 din Codul de Procedură Penală sau de către un administrator fiduciar autorizat prin scris
conform art 77 alin 1 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie fiscală. În calitate
de reprezentați sunt admiși de asemenea avocați și administrator fiduciar din Spațiul
Economic European, administratorul fiducir este permis doar dacă se găsește în
conformitate cu normele deontolodice corespunzătoare.

Termenul de apel va începe să curgă de la data remiterii ordinului de pedeapsă și expiră în


ziua lunii următoare, care corespunde dății zilei la care s-a făcut emiterea. În cazul în care
luna respectivă nu conține acea zi, termenul de apel se termină/expiră în ultima zii a lunii.
Prin înaintarea la timp a cererii de apel, ordinul de pedeapsă iese din vigoare; Procedura va
fi continuată în conformitate cu normele cuprinse începând cu art 115 până la art 142 din
Legea austriacă privind infracțiunile în materie penală. În vederea acestei proceduri,
persoana acuzată poate solicita desfășurarea/susținerea orală a ședinței de judecată și
rostirea sentinței conform art 58 alin 2 lit b din Legea austriacă privind infracțiunile în
materie fiscală; înaintarea unei astfel de cereri este îndreptățită. În cazul în care nu este
înaintată o astfel de cerere, desfășurarea ședinței de judecată și rostirea sentinței revin în
datoria unui singur funcționar. Persoana acuzată se poate desista de la desfășurarea orală a
ședinței de judecată și de la rostirea sentinței conform art 125 alin 3 din Legea austriacă
privind infracțiunile în materie fiscală.
98
În cazul în care se urmează această procedură, autoritatea fiscală de primă instanță nu are
obligația de a ține seama de conținutul ordinului de pedeapsă ieșit din vigoare și este
îndreptățită să aplice o altă sancțiune.

În cazul în care se renunță la înaintarea cererii de apel prin mențiune în scris sau într-un
proces verbal sau dacă apelul nu este inițiat la timp, ordinul de pedeapsă are valoare de
sentință executorie. Desistarea de la dreptul de apel, care nu a fost înaintat de către
reprezentatul calificat al unei părți sau înaintat în prezența unuia, poate fi revocat în scris
sau într-un proces verbal în decurs de trei zile.

Somație de plată

Conform art 171 alin 1 si art 185 alin 4 din Legea austriacă privind infracțiunile în materie
fiscală sancțiunea pecuniară precum și costurile procedurale stabilite în cifre devin scadente
și executorii la o lună după intrarea în vigoare a ordinului de pedeapsă. Plata acestor
costuri se va face prin intermediul foii de vârsământ trimisă separat odată cu avizul de debit
(și extrasul din contul de zi); în caz contrar se va aplica cererea de executare silită, iar în
cazul neplății sancțiunii pecuniare se va aplica pedeapsa privativă de libertate.

În cazul transferului electronic de bani este necesară mențiunea numărului contului pentru
plata amenzilor în câmpul Detalii plată. Datele referitoare la coordonatele bancare se
găsesc pe prima pagină a acestui aviz/a hotărârii administrative.

Consiliuliu de conducere,
pro Dr. Koplinger, Hofrat

Freiheitsstrafe von 4 (vier) Wochen


Sowie gemäß § Abs 1 stop zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt.

Gemäß § 43 Abs 1 StGB wird der Vollzug der verhängten Freiheitsstrafe für die
Dauer einer Probezeit von 3 Jahren bedingt nachgesehen.

ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE
Aufgrund des durchgeführten Beweisverfahrens, nämlich der gemäß § 252 Abs 2
StPO durchgeführten Verlesung der Strafanzeige der Bundespolizeidirektion St Pölten (ON
2) und der Strafregisterauskunft (AS 9) sowie der Einvernahme des Zeugen Franz
Großsteiner,
steht folgender Sachverhalt fest:
99
Der zu Tatzeit 30-jährige Beschuldigte Mihai Ardelean ist verheiratet und ist für ein
Knd sorgepflichtig: Maler; ein Bezug eines monatlichen Einkommens ist nicht bekannt. Ob
sonstiges Vermögen vorhanden ist, ist nicht bekannt. Im Strafregister der Republik
Österreich scheinen keine Verurteilungen auf. Zur Tatzeit war der Beschuldigte als
Asylbewerber in Österreich aufhältig.
Der Beschuldigte Mihai Ardelean ging am 22.12.1995 um ca. 14:45 Uhr in das
Geschäft der Fa MAGNET-Markt am Neugebäudeplatz Nr. 2-4 in St. Pölten. Er betrachtete
mit Ionel Ginel DAVID Waren in der Kosmetikabteilung. Der Beschuldigte versteckte
sodann zwei Nassrasierer der Marke Protector, drei Packungen Rasierklingen der Marke
Protector, drei Nagellacke und einen Lippenstift im Gesamtwert von € 47,91 in seiner
Jacke. Bei der Kassa bezahlte Ionel Dinal DAVID lediglich zwei andere Artikel, die sich
im Einkaufswagen befanden. Der Beschuldigte passierte hingegen den Kassenbereich, ohne
die verborgenen Waren zu bezahlen. Nach Passieren der Kassazone wurde er von dem
Filialleiterstellvertreter Franz Großsteiner, dem das Verhalten des Beschuldigten verdächtig
vorkam, aufgehalten. Der Beschuldigte wurde aufgefordet, die eventuell eingesteckten
Sachen herauszugeben. Dieser gab die Waren schließlich heraus.
Der Beschuldigte hielt es ernstlich für möglich und fand sich damit ab, dass er
Verfügungsberechtigten der Fa Magnet-Markt fremde bewegliche Sachen wegnimmt,
wobei er wusste und wollte, dass er sich durch deren Zueignung unrechtmäßig bereichert.

Zu diesen Feststellungen gelangte das Gericht aufgrund der eingangs gennanten


Beweismittel und nachfolgender Beweiswürdigung:

Der Beschuldigte blieb trotz ausgewiesener Ladung der Hauptverhandlung fern,


weshalb § 459 StPO in seiner Abwesenheit verhandelt und entschieden wurde. Aufgrund
der Erhebungen der BPD St. Pölten und den Wahrnehmungen des Filialleiterstellvertreters
Großsteiner, erachtete des Gericht eine weitere Vermehmung des Beschuldigten, der nach
Rumänien zurückgekehrt ist, im Rahmen der Hauptverhandlung für nicht mehr nötig.

Das Gericht folgte bei seinen Feststellungen der Aussage des Zeugen Franz
Großsteiner. Dieser konnte sich zwar an das bereits länger zurückliegende Geschehen nicht
mehr konkret erinnern, es ist jedoch aufgrund des bei Gericht hinterlassenen Eindruck des
Zeugen zweifellos davon auszugehen, dass seine Angaben in der Anzeige vom 22.12.1995
der Wahrheit entsprechen.
Die Festellungen zur subjektiven Tatseite waren aus dem äußeren Geschehen
abzuleiten, insbesondere auch aus seiner Handlungsweise, nämlich das Verbergen der Ware
in der Jacke.

Rechtlich folg daraus:


Nach §§ 15, 27 StGB macht sich strafbar, wer versucht, eine fremde bewegliche Sachen
wegzunehmen, um sich selbst durch deren Zueignung unrechtmäßig zu bereichern.

100
Pedeapsă privativă de libertate pe 4 (patru) ani

De asemnea condamnat la despăgubirea costurilor legate de acțiunea penală conform art


389 alin 1 din Codul de Procedură Penală [CPP].
Conform art 43 alin 1 din Codul Penal executarea pedepsei privative de libertate aplicată
este urmărită/cercetată condiționat pe durata unei perioade de probă de 3 ani.
Motive pentru care a fost luată decizia
În baza administrației probatoriului executate, și anume citirea reclamației Direcției de
Poliție Federală din St Pölten (Nr.de ordine:2) și a cazierului judiciar (Setul de dosare:9)
precum și audierii martorului Franz Großsteiner, conform art 252 alin 2 din Codul de
Procedură Penală,
s-a stabilit următoarea situație reală:
Mihai Ardelean, în vârstă de 30 de ani la data săvârșirii faptei, este căsătorit și are obligații
de întreținere a unui copil: Zugrav; nu există referințe legate de venitul lunar. Nu se
cunoaște nici dacă dispune de altă avere. În cazierul judiciar al Republicii Austria nu
figurează alte condamnări. La data săvârșirii faptei acuzatul își avea reședința în Austria în
calitate de solicitand de azil.
La data de 22.12.1995, în jurul orei 14:45, acuzatul Mihai Ardelean a pătruns în incinta
magazinului firmei MAGNET-Markt, situat în Neugebäudeplatz, nr.2-4, St Pölten. Acesta
se uita cu atenție la marfa existentă în departamentul pentru cosmetică împreună cu Ionel
Ginel DAVID/XXXXX. După aceea acuzatul a ascuns în geacă două aparate de ras marca
Protector, trei pachete cu lame de ras marca Proctor, trei oje și un ruj în valoare totală de
47,91€. La casă, Ion Dinal David/XXXXX a plătit doar alte două articole care se aflau în
coșul de cumpărături. Acuzatul a trecut însă pe la casa de marcat fără să plătească bunurile
ținute ascunse. După ce a trecut de casa de marcat acuzatul a fost oprit de directorul
adjunct de filială Franz Großsteiner, căruia i s-a părut suspect comportamentul acuzatului.
Acuzatul a fost somat să arate eventualele bunuri ascunse în geacă.
Acuzatul a considerat acest lucru într-adevăr posibil și a acceptat faptul că a sustras
proprietarilor firmei MAGNET-Markt bunuri străine mobile în acțiunea conștientă și voită
de a se îmbogăți fraudulos prin însușirea lor.
Acestea sunt concluziile la care a ajuns instanța în baza probelor numite la început și a
evaluării probelor imediat următoare:
Acuzatul nu s-a prezentat în ciuda citației la ședința principală de judecată, motiv pentru
care a fost judecat și condamnat în absență conform art 459 din Codul de Procedură Penală
[CPP]. În baza anchetei desfășurate de Direcția de Poliție Federală din St Pölten și a
sesizărilor făcute de directorul adjunct de filială Franz Großsteiner, instanța nu a considerat
necesară o altă audiere a acuzatului în cadrul unei ședințe principală de judecată, care s-a
întors în România.
În constatările sale instanța a urmărit declarația martorului Franz Großsteiner. Numitul nu
și-a mai adus aminte în mod concret de fapta care a avut loc cu mai mult timp în urmă, însă
în urma impresiei lăsate instanței de către martor, se poate pleca fără nicio îndoială de la
premisa că declarațiile sale din reclamația de la data de 22.12.1995 corespund adevărului.
Constatările cu privire la latura subiectivă a faptei au putut fi deduse din latura obiectivă,
mai ales din conduita lui, și anume ascunderea bunurilor în geacă.

101
Din asta rezultă în bază legală:

Conform art 15 și 27 din Codul Penal este pasibilă de pedeapsă orice persoană care
încearcă să sustragă bunuri străine mobile cu intenția de a se îmbogăți fraudulos pe sine
prin însușirea lor.

102