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Den Wachstumszwang des kapitalistischen

Industriestaates
durch einen marktwirtschaftlich organisierten
Sozialstaat einhegen.

Beim geplanten „ Forum Seitenstetten VI, Geld-Macht-Ordnung“


(8. Mai 2020 9:00 - 10. Mai 2020 geht es auch um das Thema
„Grundeinkommen“. Heimo Pape wird dort seine Vorschläge dazu
vorstellen.
Da ich nicht sicher bin, ob ich aus gesundheitlichen Gründen an dem
Forum teilnehmen kann, habe ich mich bemüht, Papes Gedanken
schon jetzt kennen zu lernen. Im Standard bin ich dazu fündig
geworden.
.(https://www.derstandard.at/story/2000084073028/bedingungsloses-
grundeinkommen-soll-in-oesterreich-fahrt-aufnehmen)

Hierzu folgender Kommentar

Viele träumen den Traum von einem Grundeinkommen (GE). Und


bemühen sich, dessen vermeintlich positiven Auswirkungen auf
unseren Sozialstaat darzustellen. Zu diesen Vorstellungen möchte ich
mich hier nicht äußern. Was mir aber bei all den Vorschlägen fehlt, ist
eine schlüssige Antwort auf die Frage, wie dieses GE überhaupt
finanziert werden kann.
Dies gilt auch für den Vorschlag von Heimo Pape, vorgestellt im
Standard

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Dort heißt es u. a,:
„Zugleich strebt der Verein an, den Sozialstaat stärker über eine
Konsumsteuer zu finanzieren. "Erwerbsarbeit allein würde zur
Finanzierung des Staates nicht mehr ausreichen", sagt Pape. Auch
deshalb, weil die finanzielle Absicherung durch ein BGE dazu führen
könnte, dass Menschen weniger arbeiten. Anders als eine progressive
Einkommenssteuer, die hohe Gehälter höher belastet, würde eine
Konsumsteuer alle in gleichem Ausmaß treffen. Arme und Reiche
müssten den gleichen Steuersatz zahlen.“
Erwerbsarbeit allein würde also zur Finanzierung des Sozialstaates
nicht ausreichen. So Pape. Gemeint ist dabei das Geldeinkommen aus
der Erwerbsarbeit. Welche Einkommen aber gibt es daneben? Das
Kapitaleinkommen. Wie aber entsteht dieses? Es entsteht dadurch,
dass der Unternehmer dadurch, dass dieser sein Produktsteurer
verkauft als er für seine Herstellung ausgegeben hat. Das ist dann der
Gewinn - der Profit. Diese Mehr aber können die Lohnarbeiter nicht
zahlen. Sie verfügen in Summe nur über das Geld, das ihnen die
Unternehmer für ihre Arbeit gezahlt haben. Wer hat dann das Geld
für das Mehr - den Mehrwert?
Dieses Mehr hat niemand. Denn: Wenn aus Geld mehr Geld werden
soll, kann es diese Mehr noch gar nicht geben.
Vergessen wir vorerst einmal dieses große Fragezeichen. Und fangen
ganz vorne an, betrachten die Sache zuerst einmal rein rechnerisch:
Nehmen wir an, der Lohneinkommensbezieher bezieht 1000 € für die
Herstellung von 2 Produkten mit reinen Herstellungskosten bzw.
Preis je Stück von 500 €. Mit einer Konsumsteuer von 100% kann er
nun aber mit seinem Geldlohn von 1000 € nur 1 Stück kaufen. Davon
gehen 500 € an den Hersteller bzw. den Verkäufer des Produktes,
und 500 € über den Staat an einen GE-Bezieher. Der kann nun aber
damit nicht das zweite Produkt kaufen, da er mit seinen 500 € nicht
nur die Herstellkosten von 500 € an den Verkäufer zu zahlen hat,
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sondern auch die Konsumsteuer an den Staat von 100%, also
weiteren 500 @. Er braucht also eine zweiten, der ihm die fehlenden
500 € als GE zahlt. Dieser hat nun gleichfalls 2 Stück produziert, kann
aber wiederum nur 1 Stück kaufen. Für das zweite Stück fehlt nun
aber bereits die erste Hälfte des Einkaufpreises von 1000 €, und die
zweite Hälfte sowieso.
Ich meine, so kann das allein rechnerisch nicht funktionieren.
Daher nochmals ein Schritt zurück:
Damit ein Konsument einkaufen kann, muss er zuerst Geld haben.
Die große Masse der Erwerbsarbeit- Einkommensbezieher erhält
dieses Geld über ein Lohneinkommen, das die Unternehmen neben
den Eigenmitteln aus Krediten finanzieren. Setzen wir voraus, dass
diesen Krediten Ersparnisse anderer Menschen zu Grunde liegen,
dann kann selbst bei Auflösung aller noch vorhandene Ersparnisse
das Produktionsergebnis nur zu einem Preis verkauft werden, das der
Gesamtheit des vorhandenen Geldes entspricht. Insgesamt aber wird
die Summe alln Geldes nicht größer. Der Profit kann daher in
gesamtwirtschaftlicher Sicht nur Null sein.

Der große Irrtum aller Initiatoren eines GE findet sich dort, wo es um


die Frage geht, wo das Geld überhaupt herkommt. Es ist jedenfalls
nicht einfach da. Es fällt auch nicht (oder noch nicht) vom Himmel,
obwohl die Debatte um die Einführung eines sgn. „Helikoptergeldes“
- Geld, das ohne Verbuchung in der Zentralbankbilanz abgeworfen
wird - bereits in der EZB Eingang gefunden hat. Noch entsteht aber
Geld nur durch Verschuldung durch Vergabe von Krediten der
Geschäfts- und Notenbanken für Investitionen an die Wirtschaft, die
diese Kredite zu dem Zweck aufnimmt, um damit Wertschöpfung zu
betreiben. Wobei mit dem Begriff „Wertschöpfung“ verschleiert wird,
dass es nicht um das Schöpfen - oder besser: das Schaffen und

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Erhalten - von real nützlichen Werten geht, sondern um aus Geld
mehr Geld zu machen. (s. Wikipedia „Wertschöpfung“)
Geld gibt es also nur dort, wo es für die Wertschöpfung zur
Verfügung steht.
Über ein Grundeinkommen zu reden ist somit erst dann realistisch,
wenn Geld nicht mehr - oder nicht nur - aus Verschuldung durch
Kreditaufnahme für die Wertschöpfung entsteht, sondern als
einfaches Wertdokument, mit dem der Kauf von Gütern und
Leistungen entgolten wird. Und deshalb als Zahlungsmittel akzeptiert
wird, weil damit auch Steuern und Abgaben bezahlt werden können.
Diesbezüglich wird hier auf den nun bereits 20 Jahre alten „Taxos-
Vorschlag“ hingewiesen. (https://www.suedwind-magazin.at/vom-
steigflug-zum-gleitflug)
Es sollte klar sein, dass der Kapitalismus nicht überwunden oder
durch ein anderes System ersetzt werden kann. Der Kapitalismus hat
ja zwei Seiten, die einander bedingen. Er hat auf der einen Seite in
den Industrieländern einen noch nie dagewesenen Wohlstand
herborgebracht, der nun auch seine Kehrseite immer deutlicher zeigt:
Die Zerstörung der Natur und Umwelt durch immer weiter
voranschreitende Ausbeutung, der auch von staatlicher Seite keine
wirklich wirksame Einschränkung auferlegt wird. Der Staat - und
insbesondere der Sozialstaat hängt ja heute vom Gedeihen und
Wachsen der kapitalistischen Wirtschaft ab. Er wird vorwiegend aus
Steuern und Abgaben finanziert, die von der Wirtschaft
vorzufinanzieren sind. Und diese tut das nur dann, wenn die
Erzeugung von Produkten und Leistungen einen Gewinn, einen Profit
verspricht. Es sei nochmals auf den Begriff der „Wertschöpfung“
hingewiesen, der nichts anderes heißt, als aus Geld mehr Geld zu
machen. Wenn auch die gelehrte Volkswirtschaftslehre immer
wieder behauptet, dass unsere Wirtschaft die „Marktwirtschaft“ sei,
in der Güter gegen andere Güter in Summe mit gleichem Wert mit
Hilfe des Geldes „nur“ getauscht würden, so zeigt uns die
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Betriebswirtschaftslehre, dass unser Wirtschaft der Kapitalismus ist.
Und in diesen ist Geld eben nicht nur ein neutrales Tauschmittel,
sondern der Motor des ganzen Systems: Geld in mehr Geld
verwandeln.
Wennn wir also nicht in vorindustrielle - in karolingische, wie ein
Kommentator schreibt - Zustände zurückkehre wollen, dann können
wir den Kapitalismus nicht beseitigen. Aber wir müssen den Staat und
insbesondere unser Sozialsystem aus der Abhängigkeit vom
Kapitalismus befreien.
Im Kapitalismus steht nur ganz am Anfang und ganz am Ende der
Wertschöpfungskette der Tausch: Der Lohnarbeiter tauscht seine
Arbeitskraft von Heute gegen den Geldlohn, mit der er auf die heute
schon fertigen Konsumprodukte am Ende der Wertschöpfungskette ,
die gestern erzeugt wurden, zugreifen kann. Zwischen diesem Alpha
und Omega liegt die ganze Wertschöpfungskette, in der nicht
Gleiches gegen Gleiches getauscht wird, sondern aus Geld mehr Geld
gemacht, monetäre Wertschöpfung betrieben wird. Deshalb eilt der
Kapitalismus auch die handelnden Personen in zwei Gruppen. Die
verbrauchenden Haushalte einerseits, und zwischen diesen die
nichtverbrauchenden“ Unternehmen.

Nun könne aber die Haushalte direkt dort untereinander


zusammenwirken, wo nicht Waren in einem langen arbeitsteiligen
Warenwirtschaftsprozess erst geschaffen werden müssen, sondern
Leistungen in nahezu spontan gegenseitig getauscht werden können.
Hierzu braucht es kein Geld, das aus Verschuldung entsteht, sondern
nur eine Verrechnungseinheit ist, so wie es mit der Idee des
Helikoptergeldes angedacht ist. Dieses wird als Geschenk an alle
abgeworfen. Ebenso kann es aber auch als bedingungsloses
Grunfeinkommen verteilt werden.

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Ich halte das aber nicht für sinnvoll. Dieses Grundeinkommen setzt
gerade eine Fortführung der derzeitigen Wirtschaftspolitik insofern
voraus, als angenommen wird, dass ohne menschliches Zutun die
Wirtschaft eine immer größere Warenmenge ausstößt, die nur mehr
zu verteilten ist. Gerade aus ökologischen Gründen ist dieses
Wachstum einzuschränken bzw. zu beenden. Und damit gerät der
Sozialstaat in die finanzielle Zwickmühle. Um seine derzeitigen
Einkünfte zu sichern, ist er so wie die Wirtschaft auf ein
immerwährendes und ausreichend großes Wirtschaftswachstum
bedacht. Damit aber wird eine wirkungsvolle Klimapolitik immer
wieder untergraben.
Will der Staat eine wirkungsvolle Klimapolitik betreiben, gerät er in
die Gefahr große Teile seiner Finanzeinkünfte zu verlieren.. Zugleich
aber werden die Ansprüche an den Sozialstaat real und monetär
immer größer. Das so zur Verfügung stehende Geld sollte daher nicht
einfach bedingungslos als Grundeinkommen verschenkt werden,
sondern sollten damit soziale Dienstleistungen und auch soziale
Geldleistungen in Form von Pensionen und Arbeitslosengeld
finanziert werden. Damit werden die Unternehmen von der
Vorfinanzierung dieser Leistungen entlastet, die vorwiegend auf der
Lohnarbeit lasten und damit die große Differenz zwischen Brrutto-
Lohnkosten und Netto-Lohneinkommen begründet. Eine
Verminderung dieser Differenz würde damit dazu führen, dass der
Einsatz der menschlichen Arbeitskraft wieder interessanter würde.
Damit würde auch ein doppelter Beitrag zum Klima- und
Umweltschutz geleistet, wenn weniger weggeschmissen und mehr
repariert und Instand gehalten würde.
Es geht also darum, nicht den Kapitalismus abzuschaffen, sondern
nur den Staat - und insbesondere den Sozialstaat - aus der
kapitalistischen Abhängigkeit zu befreien. Neben den kapitalistischen
Industriestaat einen marktwirtschaftlich organisierten Sozialstaat
einzurichten.

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Es geht darum, den Wachstumszwang des kapitalistischen
Industriestaates durch einen marktwirtschaftlich organisierten
Sozialstaat einzubremsen und einzuhegen.