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Allgemeine Einführung in die Stille Meditation

von Kaiki. Quelle: http://www.kaiki.de

Vorwort beitet unser Gehirn parallel dazu. Wir


sind selten in der Lage, lediglich eine
Die gängigste Definition des Wortes einzige Tätigkeit solitär zu bewältigen.
Meditation lautet "intensives Nachden- Ständig verrichten wir mehrere Dinge
ken". Mit dieser Erklärung jedoch wird gleichzeitig, selbst bei banalsten Tätig-
lediglich eine einzige Form der Medita- keiten.
tion beschrieben: Die Vielfalt, welche
die Meditation annehmen kann und die Die Grundidee, die hinter der Meditation
Hilfsmittel, die verwendet werden kön- steht, ist nun die, dass man den ständi-
nen, sind damit eigentlich nicht einmal gen Strom an Gedanken und Verarbei-
ansatzweise beschrieben. Entspre- tungszyklen ausklingen und dafür ab-
chende Versuche werden nicht unter- solute Ruhe einkehren lässt. Meditation
nommen und doch ist es die gängigste lässt die Aktivität schwinden
Definition, die immer wieder herange-
zogen wird, wenn die Frage auftaucht: Verjüngung durch Meditation
"Was ist Meditation?" Ich habe vor kur-
zem eine Erklärung gelesen, die zu die- und sorgt dafür, dass wir ruhiger wer-
sem Thema gut gefallen hat: "Meditati- den und uns fokussieren. Im Wesentli-
on bedeutet: sich selbst zu besuchen." chen wird das Bewusstsein durch Me-
ditation "verjüngt", es erhält durch die
Meditation eine Erholungsphase. Wir
Was ist Stille Meditation? werden dadurch nicht nur leistungsfähi-
ger, sondern auch belastbarer und aus-
Um diese Kernfrage und um eine kurze geglichener.
Beschreibung von Techniken und
Hilfsmitteln dreht sich dieser Text.
Der Beginn
Warum meditieren Menschen?
Meditation ist eine Technik, die sich
Im Allgemeinen werden wir den ge- durch die Ausübung verbessern lässt.
samten Alltag mit sensorischen Reizen Man beginnt mit der Konzentration auf
bombardiert: Geräusche, Gefühle, An- eine spezielle Sache, den Atem zum
blicke und viele weitere Wahrnehmun- Beispiel, einer Blume, einem Wort
gen dieser Art. Unser Verstand steht (möglicherweise einem Mantra). Über
ständig „unter Strom“. Durch unser die Zeit hinweg vermindert sich die An-
zahl der auftretenden Gedanken. Wich-
Pausenloses Nachdenken überlastet tig ist nur, dass man sich bewusst wird,
wann man einem anderen Gedanken
Gehirn laufen pausenlos Gedanken - nachhängt und diesen loslässt, in dem
wir lösen ein Problem nach dem ande- man sich eine "Markierung" einfallen
ren und beschäftigen uns mit irgend- lässt. Stellen Sie fest, dass Sie sich in
welchen Aufgaben. Im Gespräch, selbst Gedanken befinden, so markieren Sie
wenn wir jemandem nur zuhören, ar- diesen Punkt zum Beispiel mit dem
Wort "Gedanken" und konzentrieren aktuellen Status vergleicht. Eventuell ist
sich dann wieder auf die eigentliche es auch hilfreich, sich mit jemandem,
Sache. Mit der Zeit werden die Unter- der sich damit schon länger auseinan-
brechungen immer geringer werden dersetzt, auszutauschen. Im Laufe der
und Sie werden in der Lage sein, über Zeit wird man sich selbst bewusster,
immer länger werdende Abschnitte was in einem ist - und wie man ist. Es
Aufmerksamkeit und Konzentration zu treten Erinnerungen auf, die man schon
erhalten. Der größte Fehler bei dieser lange vergessen glaubte. Manche Tat-
Technik wäre, sich über die eigene sachen werden klarer, die man vorher
Unkonzentriertheit zu ärgern! Niemals schlicht übersah und oft auch nicht se-
setze man sich Zwängen in der Medita- hen wollte. Unabhängig von der Erfah-
tion aus! Es ist einfach so - wertfrei rung sollte der Meditierende diese Din-
sollte man feststellen, dass man sich ge nicht unbeachtet lassen, sondern ih-
wieder fokussieren möchte und damit nen die Aufmerksamkeit schenken, die
ist es auch in Ordnung. Selbst die Er- sie brauchen, um gelöst oder bearbeitet
wartung zu hegen, dass "es diesmal zu werden.
klappt" ist ein Zwang, welcher die ge-
samten Bemühungen zunichte machen Ruhe, Frieden des Verstandes, Geis-
kann. tesklarheit und andere Dinge, die man
innerhalb der Meditation als gewünscht
erachtet, müssen nicht zwangsweise
Wie geht es weiter? eintreten. Das Nichtauftreten ist also
kein Indiz dafür, dass man etwas falsch
Sobald man in der Lage ist, die Kon- macht. Es ist vollkommen normal, dass
zentration auf eine Sache über einen man immer wieder ab
längeren Zeitraum oder sogar über die
gesamte Meditation hinweg zu halten, Erzwingen Sie nichts
beobachte man nur noch: Sich selbst,
seinen Atem oder die Geschehnisse schweift und Störungen folgt. Dies liegt
und Bilder hinter den Augenlidern. Kein nicht etwa daran, dass man sich nicht
Gedanke „rauscht“ hindurch: Absolute genügend konzentrieren kann, sondern
Ruhe. ist vielmehr dadurch begründet, dass
noch nicht genügend Praxis vorhanden
Die Erfahrungen während der Meditati- ist. Bei manchem Menschen dauert es
on sind von Mensch zu Mensch ver- einfach etwas länger, bis er etwas ge-
schieden und natürlich auch von der lernt hat. Sie sollten sich nicht entmuti-
Technik abhängig. Verwendet man eine gen lassen und mit Zwang und Druck
Klangmeditation auf ein Mantra oder die arbeiten, denn das ist absolut kontra-
Konzentration auf ein religiöses Bildnis produktiv und bringt Sie keinesfalls
oder eine Kerze, so werden die Erfah- schneller an das gewünschte Ziel – e-
rungen mit dem Inhalt der Meditation her erreichen Sie dadurch das Gegen-
korrespondieren. Abhängig von der teil, eine Verzögerung. Was jedoch auf
Person sind sie auch sehr verschieden jeden Fall gemacht werden soll, ist re-
interpretierbar. Empfehlenswert ist ein gelmäßig zu meditieren. Möglichst täg-
Tagebuch, in welchem die Erfahrungen lich und für wenigstens 20 Minuten. Be-
aufgeschrieben werden und diese nach ginnen Sie mit fünf Minuten in den
einiger Zeit mit dem ersten vier Wochen und steigern Sie
sich monatlich um jeweils fünf Minuten,
Verschiedene Techniken für jeden bis Sie nach einem Vierteljahr die 20
Minuten erreicht haben. Keine erzwun-
gene Meditation bringt soviel, wie das fangs beschrieben, gehört das "intensi-
"vorzeitige" Abbrechen und Steigern. ve Nachdenken" hierzu. Wobei nicht
das Fließenlassen der Gedanken ge-
meint ist, sondern das Beschäftigen mit
Die Techniken einem bestimmten Gedanken, Ge-
genstand oder einem Umstand. Dies
Es gibt verschiedene Methoden zu me- kann zum Beispiel das Betrachten einer
ditieren. Man kann mit Geräuschkulisse Kerzenflamme oder eines religiösen
(Musik, Mantren) meditieren oder sich Bildnisses sein.
auch im stillen Raum sich selbst hinge- Als weitere Form gibt es das Beobach-
ben. Es funktioniert im Liegen wie auch ten, ohne Gedanken daran zu hegen.
im Sitzen, mit überkreuzten Beinen o- Seinen eigenen Atem zu beobachten;
der ohne. Suchen Sie sich eine Position wie sich die Luft in die Lungen füllt und
aus, die ihnen zusagt. Das Liegen hat wieder nach außen strömt. Sobald Sie
bei vielen zur Folge, dass sie einschla- sich mit einem Gedanken beschäftigen
fen, deshalb könnte eine andere Positi- und diesen auch bemerken, so sollten
on besser sein. Sitzen mit überkreuzten Sie diesen loslassen und wieder zum
Beinen (Schneidersitz, Lotussitz) kann Beobachten übergehen.
unangenehm und schmerzhaft werden, Dies lässt sich sowohl mit als auch oh-
da die Muskeln sich verspannen kön- ne Geräuschuntermalung praktizieren.
nen oder Probleme bei der Durchblu- Benutzt wird häufig ruhige nicht-vokale
tung auftreten. Von einem Hocker kann Musik, die dem Charakter der Meditati-
man herunterkippen. Es gibt viele Hal- on entspricht. Das bedeutet, dass reli-
tungen, die Sie ausprobieren können giöse Meditationen von Musik begleitet
und sollten, um Ihr eigenes Ideal zu fin- werden kann, die aus dem Umfeld der
den. Ein Test der jeweiligen Liege- oder Religion stammt. Indische Musik etwa
Sitzposition verhilft relativ passt zu einer Meditation, die in hindu-
istischem Kontext praktiziert wird.
Körperliche Reaktionen beachten
Das ständige Rezitieren eines Mantras
schnell zur bevorzugten Haltung. Ich (im Geiste oder auch laut ausgespro-
selbst bevorzuge eine Ecke meiner chen) wird ebenfalls als Meditation ver-
Wohnzimmercouch. Sie hat eine Run- wendet. Hinlänglich bekannt ist das
dung, in die ich mich sehr angenehm Chanten, das in indischen Religionen
hineinlehnen kann und mit überkreuz- oft verwendet wird. Hierbei erscheint es
ten Beinen darin sitzen. oft eher störend, Hintergrundmusik
wahrnehmen zu müssen.
Es ist wichtig, dass die Wirbelsäule ge-
rade gehalten werden kann! Gelegentlich verwendet der Meditieren-
de ergänzend oder als Meditationsge-
Achtung: Treten in der Meditation ir- genstand verschiedene Mudras (japa-
gendwelche körperliche Erscheinungen nisch Kuji-In, vergleiche Literatur von
auf (Wärmegefühl, Brennen und ähnli- Steven K. Hayes), die energetisch zu
che Dinge), so sollten Sie sich unver- einem bestimmten Ergebnis führen
züglich an jemanden wenden, der Ihnen sollen.
weiterhelfen kann oder sich damit aus-
kennt. Unterschiede zu anderen Techniken

Es gibt verschiedene Formen (Techni- Was ist nun aber der Unterschied der
ken) der Meditation. Wie bereits an- Meditation zu Entspannung, Denken,
Konzentration oder Selbst-Hypnose?
an religiöse oder mystische Ziele ge-
Entspannung ist eine allgemeine Ne- knüpft.
benerscheinung der Meditation. Ent-
spannung selbst kann viele Formen an- Ähnlich verhält es sich mit der Selbst-
nehmen: Nimmt man ein heißes Bad o- Hypnose. Diese setzt wie auch Medita-
der lümmelt irgendwo rum, ohne sich tion zu Beginn die Konzentration ein. In
anzustrengen, dann kann man das als der Hypnose versucht man jedoch
Entspannung bezeichnen. Der Gedan- nicht, ein Bewusstsein des Hier und
kenprozess ist jedoch dem gleichzuset- Jetzt beizubehalten oder gar des Pro-
zen, was man als ständige unkontrol- zesses bewusst zu bleiben. Stattdessen
lierte Aktivität bezeichnen kann. Kon- tritt im Wesentlichen eine halbbewußte
zentriertes Arbeiten in entspannter kör- Trance ein.
perlicher Haltung kommt der Meditation
schon sehr nahe, ist jedoch durch den
Fluss der Gedanken beim Lösen von Die richtige Methode zu meditieren
Problemen auszuklammern.
Es gibt keine "richtige" Meditations-
Gedanken verbrauchen im allgemeinen technik für Jedermann. Einige Techni-
Energie bei ihrer Bildung. Konstante ken sind bei einigen Menschen geeig-
Gedankenaktivität, unter anderem neter, andere wiederum idealer für an-
auch, wenn ihnen keine besondere Be- dere. Sie haben keine andere Wahl, als
achtung geschenkt wird (etwa bei Zug- durch Ausprobieren herauszufinden,
fahrten über größere was Sie für sich selbst als das Ideale
empfinden.
Regelmäßiges Ausüben ist wichtig
Dabei gibt es allerdings einige grundle-
Strecken hinweg, wenn man aus dem gende Dinge, die allgemein für die Me-
Fenster schauend die vorbeiziehende ditation zutreffen:
Landschaft beobachtet), kann den
Verstand ermüden. Die Meditation ver- Meditieren Sie täglich. Setzen Sie nicht
sucht diese grobe Struktur der Gedan- tages- oder gar wochenweise damit
kenaktivität zu überschreiten. Durch re- aus. Belügen Sie sich selbst nicht mit
gelmäßige Praxis werden Sie sich be- entschuldigen wie „zuviel Arbeit“ oder
wusst werden, dass Sie unabhängig „keine Zeit“. Setzen Sie die Meditation
von Gedanken existieren. Descartes an die höchste Priorität!
war seiner Aussage nach „Ich denke, Meditieren Sie stets vor, niemals nach
folglich bin ich!“ offensichtlich kein re- einer Mahlzeit. Vermeiden Sie berau-
gelmäßig meditierender Mensch. schende Genussmittel.
Wählen Sie einen absolut ungestörten
Meditation fängt mit Konzentration an, Platz zur Meditation aus. Schalten Sie
aber nach einer Anfangsperiode der den Anrufbeantworter ein und die Tür-
Konzentration, die man oft benötigt, um klingel aus. Lassen Sie sich nicht durch
nicht ständig abzuschweifen, nehmen Ihre Haustiere irritieren.
die Gedankenaktivitäten ab und das Halten Sie die Wirbelsäule gerade.
Bewusstsein beginnt damit, sich spon-
tan zu fokussieren. Ab diesem Punkt Die beste Tageszeit zur Meditation ist
kann der Meditierende nicht mehr damit der Morgen, bevor das Tageswerk be-
fortfahren die Konzentration einzuset- gonnen wird. Im Normalfall ist man
zen - es sei denn er verfolgt einen ganz ausgeruht und schläft nicht so schnell
bestimmten Zweck. Zumeist ist dieses wieder ein. Der Geist befindet sich noch
in einer gewissen Ruhe und ist nicht
rastlos gehetzt vom Alltag. Das ist je- dien, die das belegen. In der Regel
doch individuell bedingt. Es gibt Men- kann einem der eigene Hausarzt wei-
schen, die können einfach nicht am terhelfen, es sei denn er/sie hat etwas
Morgen meditieren, da sie länger gegen Meditation.
schlafen wollen. Es gibt verschiedene
Gründe, die für eine Meditation an ei- Treten Hitzegefühle, Geräusche in den
nem anderen Zeitpunkt des Tages Ohren oder wellenartige Gefühle auf, so
sprechen. Auch hier gilt, dass das jeder sollte man jemanden konsultieren, der
einzelne für sich selbst feststellen soll- bereits über ausreichende Praxis ver-
te. Probieren Sie es aus, bis Sie fügt. Bei Schmerzen sollte die Körper-
auch hier Ihr persönliches Ideal gefun- haltung eventuell nachkorrigiert werden.
den haben. Insbesondere dann, wenn die Beine
einschlafen sollten.
Eine weitere Frage ist die Meditations-
haltung. Hier möchte ich insbesondere Ihnen als Meditierenden werden oft
die Haltung der Augenlider ansprechen: verschiedene Dinge auffallen, die Ihnen
Sie können sowohl mit geöffneten als bisher verschlossen waren. Hier gilt zu
auch mit geschlossenen Augen meditie- beachten, dass gerade in der Meditati-
ren. Natürlich sind die Augen on der Geist nicht durch die Flut der
Informationen und Eindrücke,
Rastlosigkeit beseitigen
Meditation ist nicht harmlos
geöffnet, wenn man etwas durchge-
hend während der Meditation betrach- die auf einen einstürzen, abgelenkt wird
ten möchte. Oft ist jedoch bereits das und deshalb die Aufmerksamkeit darauf
Vorhandensein einer Fliege im Raum gelenkt und so manches registriert wird,
störend, wenn das Insekt vorbeifliegen was Ihnen normalerweise nie aufgefal-
sollte oder wenn sich etwas im Augen- len wäre.
winkel bewegt. Man registriert diese
Dinge zwar nicht zwingend, doch leider Um sicher zu gehen, dass nichts schief
genügt für viele Anfänger in der Medita- läuft, holen Sie sich am Besten weitere
tion der kleinste Umstand, um eine Stö- Informationen zu diesem Thema ein.
rung und nicht selten eine Unterbre- Sehr viele Menschen glauben, sich mit
chung zu forcieren. Auch hier gilt wie- dem Thema Meditation sehr gut auszu-
der wie bereits mehrfach angespro- kennen. Ich vertrete die Ansicht, dass
chen: Jeder sollte seiner persönlichen man gerade bei einem vermeintlich
Disposition angepasst vorgehen. einfachen Thema einen Kundigen um
Rat und erste Anleitung ersuchen sollte.
Zum Abschluss dieser Einführung in die Gerade weil die Meditation als "harm-
Meditation möchte ich von Effekten be- los" und mit niedriger Tragweite einge-
richten, die zwar nicht zwangsweise schätzt wird, machen viele den Fehler
eintreten müssen, jedoch relativ häufige hier nicht die nötige Sorgfalt walten zu
Begleiterscheinungen der Meditation lassen. Und das gerade bei etwas, das
sind: einem Menschen das gesamte Leben
verändern kann!
Die häufigsten Effekte sind Blutdruck-
senkung, geringere Pulsrate, niedrigere Kaiki - Oktober 2000
Stoffwechselaktivität und auch Verän-
derungen in der Blutzusammensetzung.
Es gibt verschiedene medizinische Stu-