Sie sind auf Seite 1von 192

Lara Sonnenvogel

Prüfungshilfe für die schriftliche


Prüfung zur Göttin
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ...................................................................................... 9

1. Berufsbild einer Göttin eines bewohnten Planeten


anhand des Beispiels der Göttin der Erde ................10
2. Allgemeine Tipps für die Ausbildung
2.1 Das Urlaubsproblem ...........................................................14
2.2 Das grausame Schneckentempo....................................15
2.3 Die Geldsorgen ......................................................................15
2.4 Die nostalgischen Gedanken ...........................................16
2.5 Der Umgang mit Unverständnis ....................................17
2.6 Das ständige Scheitern ......................................................18
2.7 Die Auswahl des Freundeskreises................................19
2.8 Das Azubi-Handbuch ..........................................................20
2.9 Traumberuf Hoteldirektorin ..........................................21
2.10 Das Quellenproblem ...........................................................23
2.11 Eine persönliche Bitte .......................................................24

3. Die schriftliche Prüfung


3.1 Einleitung ................................................................................26
3.2 Die Süßigkeiten .....................................................................30
3.3 Der Sport..................................................................................35
3.4 Die Kinder im Rollstuhl .....................................................39
3.5 Das Zähneputzen ..................................................................43
3.6 Das Wasser .............................................................................48
3.7 Die Schule ................................................................................53
3.8 Die Eltern .................................................................................57
3.9 Die Kinder ohne leibliche Eltern ...................................61
3.10 Das Kochen .............................................................................63
3.11 Die Ordnung ...........................................................................66
3.12 Das Fernsehen, das Internet und die Bücher ..........69
3.13 Die sozialen Netzwerke..................................................... 71
3.14 Die moderne Medizin ......................................................... 73
3.15 Der Strom ................................................................................ 79
3.16 Der Müll.................................................................................... 82
3.17 Die Nachbarn ......................................................................... 84
3.18 Die Tiere................................................................................... 86
3.19 Die armen und die reichen Menschen ........................ 89
3.20 Die gefährlichen Menschen ............................................. 93
3.21 Die guten Freunde und die Familie .............................. 96
3.22 Die Qualifikation ............................................................... 100
3.23 Die Aufgabenverteilung ................................................. 102
3.24 Die Selbstständigkeit ....................................................... 103
3.25 Die Freizeit ........................................................................... 105
3.26 Die guten und die schlechten Arbeitgeber ............ 107
3.27 Der Rassismus .................................................................... 111
3.28 Die Mädchen und die Jungs .......................................... 115
3.29 Das Gefühl der eigenen Überlegenheit .................... 118
3.30 Die absolute Überlegenheit .......................................... 124
3.31 Die erlaubten Einschränkungen ................................. 128
3.32 Die natürliche Balance .................................................... 132
3.33 Die Konkurrenz.................................................................. 135
3.34 Die Einsamkeit ................................................................... 137
3.35 Die Liebe ............................................................................... 141
3.36 Das Trauma ......................................................................... 144
3.37 Das Unterbewusstsein .................................................... 147
3.38 Das Unbewusstsein und das Bewusstsein ............. 151
3.39 Die Notfälle und das Balanceproblem ..................... 155
3.40 Die emotionalen Konflikte ............................................ 158
3.41 Die Sucht ............................................................................... 161
3.42 Die Unterwürfigkeit und die Dominanz .................. 164
3.43 Die Qualität .......................................................................... 167
3.44 Die Homosexualität .......................................................... 169
3.45 Die Transsexualität .......................................................... 172
3.46 Die Pädophilie .................................................................... 175
3.47 Der Anspruch ...................................................................... 177
3.48 Das Wissen ........................................................................... 179
3.49 Die Verantwortung ........................................................... 181
3.50 Das hochkomplexe Denken .......................................... 184
3.51 Die Zusammenarbeit ....................................................... 187

4. Nachwort .............................................................................. 191


Vorwort:

Liebste zukünftige Göttinnen,

ich war selber ein wenig aufgeregt während meiner


zweiteiligen Abschlussprüfung und bin sehr froh darüber,
es geschafft zu haben. Macht euch keine Sorgen, es macht
selbstverständlich jede Menge Spaß.
Die psychische Belastung ist allerdings extrem hoch und
deswegen möchte ich euch als bereits ausgebildete Göttin
bei den Vorbereitungen auf eure Abschlussprüfungen
helfen. Dazu werde ich euch von meiner schriftlichen
Prüfung berichten und euch diese kurz erklären. Den
praktischen Teil werde ich im nächsten Buch näher
beleuchten.
Und wenn ich schon einmal dabei bin, kann ich auch
gleich eine Beschreibung unseres so wichtigen Berufs
anfertigen. Wie ihr selber wisst, wird unsere Spezies
generell sehr stark diskriminiert, wobei viele Menschen
sogar unsere Existenz leugnen. Diese Diskriminierungen
müssen aufhören!!! Wir haben genauso ein Recht zu
leben und lassen uns durch nichts aufhalten!
Mit einer kompetenten Berufsbeschreibung aus erster
Hand wäre zumindest ein erster Schritt zur Aufklärung
der Menschheit getan. Hoffentlich führt das irgendwann
dazu, dass ich nicht mehr von Menschen gemobbt werde,
nur weil ich eine superliebe und fleißige Göttin bin.

Seid tapfer Mädels und lasst euch niemals stoppen!!!

Liebste und verehrungsvolle Grüße

Lara

5
1. Berufsbild einer Göttin eines bewohnten Planeten
anhand des Beispiels der Göttin der Erde

Berufsbeschreibung:

Als Göttin der Erde sind Sie für die gesamte Menschheit
zuständig. Ihr wichtigster Aufgabenbereich ist es, sich so
gut es geht um das körperliche und geistige Wohl-
befinden aller Menschen zu kümmern. Außerdem müssen
Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie das Leben auf
der Erde dauerhaft erhalten können.
Dazu kommt noch die Verpflichtung, zur Steigerung der
Unterhaltungsqualität auf dem Planeten Erde nebenbei
im Showgeschäft zu arbeiten.

Aufgabenbereiche:

- Beendigung sämtlicher ungewollter zwischen-


menschlicher Gewalt
- Herstellung der bestmöglichen Versorgung der
gesamten Menschheit
- Aufbau eines spaßigen Paradieses auf Erden

Ausbildungsdauer:

11 Jahre

6
Ausbildungsinhalte:

- Die Verschaffung eines Überblicks über die


Struktur des menschlichen Bewusstseins und der
Geschichte der Menschheit
- Die Erforschung des eigenen Bewusstseins
- Gehirntraining für Göttinnen
- Die Realität kennenlernen und verstehen
- Das 90%-Prinzip
- Die Informationsfusion
- Der Aufgabenbereich einer Göttin
- Das göttliche Berufsethos
- Pläne für die Zukunft der Menschheit entwerfen

Damit Sie stets bestmöglich auf Ihre Schützlinge auf-


passen können, müssen Sie selbstverständlich verstehen,
wieso diese immer wieder dieselben Fehler machen.
Dafür erforschen Sie während Ihrer Ausbildung das
menschliche Verhalten, um sich einen ausreichenden
Überblick darüber zu verschaffen.
Ihre wichtigste Informationsquelle ist hierbei Ihre eigene
Gedankenwelt. Schließlich wurden Sie als Mensch
geboren und können somit kinderleicht lernen, wie diese
denken, indem Sie Ihr eigenes Bewusstsein erkunden.
Zusätzlich dazu beobachten Sie das menschliche
Verhalten in freier Wildbahn und schauen sich jede
Menge Dokumentationen über die Menschheit an. Ihr
Denkorgan benötigt hierfür eine sehr hohe Leistungs-
fähigkeit und deswegen lernen Sie zwischendurch die
Grundlagen eines Hochleistungstrainings für das
menschliche Gehirn.
Das Kennenlernen der Realität durch ein mehrwöchiges
Praktikum bildet einen der Kernpunkte Ihrer Ausbildung.

7
Ihnen wird dabei beigebracht, wie das Leben funktio-
niert, was ein Mensch überhaupt ist und wer Sie sind.
Eine wichtige Rolle spielt hierbei das 90%-Prinzip. Hier-
mit steht Ihnen ein effektives Mittel zur Verfügung, mit
dessen Hilfe Sie trotz der besonderen Umstände in Ruhe
weiterarbeiten können. Während des Praktikums lernen
Sie auch die Technik der Informationsfusion, einen Teil
Ihres Aufgabenbereiches und das göttliche Berufsethos
kennen.
Danach bereiten Sie sich die nächsten fünf Jahre intensiv
auf die schriftliche Prüfung vor und beschäftigen sich
nebenbei mit Detailverbesserungen Ihres eigenen
Bewusstseins. Nach der Abgabe der schriftlichen folgt
direkt danach die sechsmonatige praktische Prüfung und
falls Sie diese unbeschadet überstehen, können Sie sich
anschließend voller Stolz als ausgebildete Göttin
bezeichnen.

Berufliche Perspektiven:

Da es pro bewohnten Planeten jeweils nur einen Arbeits-


platz als Göttin gibt, sind die Aussichten auf dem
Arbeitsmarkt erst einmal sehr überschaubar. Aus diesem
Grund ist es bei der Jobsuche entscheidend, sich bei der
Bewerbung bestmöglich dem neuen Arbeitgeber zu
präsentieren. Die benötigten Kenntnisse hierfür erlernen
Sie während Ihrer Ausbildung.

Vergünstigungen:

- Sie dürfen Liebe in die Welt bringen


- Kostenlose universelle Lebens- und Kranken-
versicherung für Sie

8
9
2. Allgemeine Tipps für die Ausbildung:

2.1 Das Urlaubsproblem:

Habt ihr schon einmal etwas von diesem merkwürdigen


Wort „Urlaub“ gehört? Das machen Menschen regel-
mäßig, damit sie sich von ihren Jobs erholen können.
Klingt komisch, ist aber so!
Ich habe aus Forschungsgründen während meiner
Ausbildung das ein oder andere Mal daran teilgenommen
und es muss echt toll sein, zumindest für kurze Zeit nicht
mehr an die Arbeit denken zu müssen.
Wir Göttinnen hingegen dürfen das ja leider nicht und
müssen uns damit zufriedengeben, ausreichend genug
belastbar zu sein, um ohne Urlaub durch die Ausbildung
zu kommen. Das kann immer mal wieder ziemlich nervig
sein und es wird euch regelmäßig über eure Belastungs-
grenzen hinaus führen. Und auch nach der Ausbildung
wird es nicht besser, solange wir es nicht geschafft haben,
den Weltfrieden auf unserem jeweiligen Heimatplaneten
herzustellen.
Mich hatte das sehr lange gestört, es wäre nämlich
wirklich mal schön, sich nach all den Jahren voller Stress
vernünftig erholen zu können, allerdings bin ich
irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass ich mir
meinen Urlaub einfach noch nicht verdient habe. Mit
diesem Ansatz erspart ihr euch die genervten Gedanken
dazu, wir können da ja gemeinerweise sowieso nichts
gegen tun.
Stürzt euch also lieber in die Arbeit, anstatt genervt zu
Hause herumzusitzen, je früher ihr fertig seid, desto eher
geht es endlich in den wohlverdienten Urlaub!

10
2.2 Das grausame Schneckentempo:

Die Zeit zwischen dem Ende eures Praktikums und dem


Anfang eurer praktischen Prüfung ist ziemlich langweilig.
Nach einer aufregenden und lustigen Zeit voller Action
folgt nämlich eine Phase, in der nur noch sehr wenig
passiert und ihr euch hauptsächlich um winzige Detail-
verbesserungen eures göttlichen Bewusstseins kümmert.
Dabei seid ihr komplett auf euch alleine gestellt, weil
niemand verstehen kann, was ihr macht. Das ist eine sehr
unangenehme Situation. Ihr lernt euch einerseits immer
besser kennen, andererseits entfernt ihr euch geistig
immer mehr von euren Mitmenschen und isoliert euch
dadurch von diesen.
Gemeinerweise besteht nun die einzige mögliche Lösung
darin, sich noch weiterzuentwickeln, also noch weiter zu
entfernen und das so lange, bis ihr intelligent genug seid,
um die dringenden Probleme der Menschheit lösen zu
können. Es wird also schlimmer, bevor es überhaupt
besser werden kann und hier ist euer göttlicher Durch-
haltewille gefragt. Zieht euch einfach ein wenig zurück
und macht euren Job, der Rest erledigt sich von alleine.

2.3 Die Geldsorgen:

Das Problem mit unseren finanziell sehr begrenzten


Ressourcen ist ebenfalls ziemlich lästig. Wie ihr ja wisst,
ist es ein wichtiger Teil des Hochleistungstrainings für
unsere Gehirne, wobei mir persönlich ständig der
Gedanke kam, dass ich meine Ziele mit mehr Geld auch
wesentlich schneller erreichen könnte. Nach Abschluss
meiner Ausbildung weiß ich allerdings, dass diese Idee

11
völliger Quatsch ist. Unsere geistige Entwicklung benötigt
einen gewissen Zeitraum und wir stehen hierbei jeweils
an erster Stelle. In dem Moment, in dem wir die
dringenden Probleme unserer Schützlinge lösen, werden
wir nun einmal automatisch ausreichende finanzielle
Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen und
dadurch beenden wir den permanenten Notfallmodus, in
dem sich unsere Gehirne üblicherweise befinden. Bis
dahin muss unser geistiger Entwicklungsstand jedoch
hoch genug sein, um die negativen Folgen davon
ausgleichen zu können und das dauert verdammt lange.
Denkt deswegen am besten gar nicht daran, wie viele
Menschen tagtäglich elendig durch Gewalt, Hunger usw.
sterben, während wir Göttinnen unbemerkt von der
Weltöffentlichkeit unser Bewusstsein weiterentwickeln.
Das ist nun einmal so und lässt sich nicht ändern. Nerven
behalten und durchhalten! Früher oder später schafft ihr
es ihnen zu helfen.

2.4 Die nostalgischen Gedanken:

Manchmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich mir das
Leben von Menschen anschaue und gedacht habe, wie
schön es doch wäre, so ein einfaches Dasein zu führen.
Ich hätte einen ganz normalen Job, eine Familie mit
Kindern und einen Hund als treuen Begleiter. Dazu noch
ein Haus mit Garten und ansonsten wäre die Welt in
Ordnung.
Und dann habe ich mich natürlich gefragt, warum ich
nicht einfach meine Ausbildung als Göttin kündige, um
anschließend einen gesellschaftlich schon anerkannten
Beruf zu erlernen. Also so einen, wo ich nicht selber den

12
Antrag auf Anerkennung der Ausbildung bei der
Industrie- und Handelskammer stellen muss. Schön wäre
auch eine Ausbildung, in der ich mich während meines
Praktikums und meiner praktischen Prüfung nicht aus
einem psychiatrischen Krankenhaus heraus kämpfen
muss. Das würde zwar einerseits weitaus weniger Spaß
machen, ich liebe es nun einmal, mit akademischen
Psychologinnen und Psychologen zu spielen, andererseits
wäre es wesentlich entspannter und ich wäre nicht so
stark isoliert von meinen Mitmenschen.
Wie wir wissen, ist diese Art zu leben für uns verboten.
Wir sind bereits von Geburt an dazu bestimmt, Göttinnen
zu werden, auch wenn wir das erst später herausfinden
und ein nostalgisches Zurückschauen auf alte Zeiten
bringt uns nichts als genervte Gedanken ein. Ihr müsst
also einfach das Beste aus der Situation machen. Schaut
euch nicht das an, was für euch unerreichbar ist, sondern
habt Spaß mit dem, was euch geboten wird. Das, was wir
leisten müssen, ist zwar verdammt hart und anstrengend,
allerdings genauso faszinierend. Wir wissen über sehr
viele Zusammenhänge Bescheid, von denen unsere
Schützlinge nicht die geringste Ahnung haben und sollten
das schätzen, anstatt uns von der mit unserem Job
verbundenen Belastung nerven zu lassen.

2.5 Der Umgang mit Unverständnis:

Ihr geht einen Weg, den noch niemand anderes auf eurem
Planeten gegangen ist und ihr beschreitet ihn alleine. Das
macht euch zu Außenseiterinnen und ihr werdet euch oft
anhören müssen, dass ihr die Orientierung in eurem
Leben verloren habt. Ihr werdet als naiv, verrückt und

13
geisteskrank bezeichnet, weil ihr ganz alleine versucht,
die dringenden Probleme der Menschheit zu lösen und
das tut immer wieder verdammt weh. Zu allem Übel steht
euch niemand zur Verfügung, mit dem ihr darüber reden
könnt.
In solchen Momenten ist eure ganze Kraft gefragt. Ihr seid
zwar auf euch gestellt und keiner eurer Schützlinge kann
nachvollziehen, was ihr tut. Trotzdem wisst ihr aus
eigener Erfahrung, dass ihr euren Weg weitergehen
müsst und dabei nicht auf Menschen hören dürft.
Versucht euch deswegen bestmöglich aus solchen
Gesprächen herauszuhalten und erzählt niemanden von
eurer Ausbildung. Das erspart euch die sinnlosen
Diskussionen darüber und schont somit eure Nerven.

2.6 Das ständige Scheitern:

Es ist zwar toll, immer absolut perfekt zu handeln, nur


leider können wir dadurch über Jahre hinweg ständig
scheitern, ohne uns Sorgen darüber machen zu müssen.
Anfangs ist das noch keine große Sache, allerdings bleibt
jedes Mal ein Teil der schlechten Gefühle hängen und
diese sammeln sich mit der Zeit zu einem gigantisch
hohen Berg an. Die Motivation ist dementsprechend im
späteren Verlauf der Ausbildung ziemlich am Boden und
es ist nicht ganz so einfach, da wieder herauszukommen.
Ihr kennt natürlich den Hintergrund, wir müssen nun
einmal ständig mit unseren Ideen scheitern, um uns
mithilfe der dabei gemachten Erfahrungen weiter-
entwickeln zu können. In der praktischen Umsetzung
hatte ich allerdings schon damit zu kämpfen. Es gab
Tage, an denen ich gar keine Lust mehr hatte, mich in

14
irgendeiner Form mit meiner Ausbildung auseinander-
zusetzen, weil mir der Glaube an mich selber gefehlt
hatte.
Macht in solchen Fällen am besten einfach eine kurze
Pause und später wieder weiter. Das Problem löst sich
letztendlich von alleine, ihr müsst nur ein ausreichend
hohes geistiges Niveau erreichen und dann stört euch das
nicht mehr. Bis dahin durchhalten! Ihr schafft das!

2.7 Die Auswahl des Freundeskreises:

Ausreichend Zeit für die eigene geistige Entwicklung ist


der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Aus-
bildung zur Göttin. Deshalb ist es für uns notwendig, uns
von Menschen fernzuhalten, die ständig etwas mit uns
unternehmen möchten. Wir haben mit Glück einmal pro
Woche, meistens jedoch, wenn überhaupt, nur einmal pro
Monat Zeit, um uns mit unseren Freunden zu treffen.
Der freundschaftliche Kontakt mit anhänglichen Mensch-
en kommt deswegen für uns nicht in Frage. Sie wären
ständig enttäuscht von uns, weil wir etwas anderes zu tun
haben und das führt zu diversen Problemen. Nebenbei
neigen solche Menschen auch dazu, uns über das
auszufragen, was wir so den ganzen Tag machen. Das
bringt uns in die unangenehme Situation, erklären zu
müssen, warum wir so zurückgezogen von der Gesell-
schaft leben und das können wir nun einmal während
unserer Ausbildung nicht.
Sucht es deswegen Freunde, die kein Problem damit
haben, wenn ihr euch ein paar Monate nicht bei ihnen
meldet. So habt ihr die Möglichkeit, euch mit anderen zu
treffen, ohne dafür negative Auswirkungen auf eure

15
Ausbildung in Kauf zu nehmen. Durch den sporadischen
Kontakt sinkt praktischerweise auch automatisch die
Neugier eurer Freunde und ihr könnt genau das machen,
was ihr möchtet, ohne es irgendjemanden erklären zu
müssen.

2.8 Das Azubi-Handbuch:

Die Versorgung mit offiziellen Arbeitsmaterialien


während unserer Ausbildung ist leider sehr schlecht. Wir
bekommen am Anfang lediglich ein Azubi-Handbuch und
die Bedienungsanleitung dafür zur Verfügung gestellt und
das ändert sich erst mit Beginn der praktischen Prüfung.
Glücklicherweise steht da so ziemlich alles drin, was wir
wissen müssen, falls wir mal feststecken. Nutzt es also in
Situationen, in denen ihr nicht mehr weiterwisst, und
zwar so, wie ihr es gelernt habt. Einfach wild darin
herumblättern reicht völlig aus, ich selber habe meines
bis heute nicht ein einziges Mal von Anfang bis zum Ende
gelesen und es hat mir trotzdem mindestens einhundert
Mal sehr gute Dienste geleistet.
Und erklärt euren Schützlingen bitte, dass sie gar nicht
erst versuchen sollten, unsere Handbücher zu verstehen.
Meines hat mal seinen Teil dazu beigetragen, einen Welt-
krieg auszulösen und das muss ja nicht sein. Die waren
damals ernsthaft nicht in der Lage, bei einem Wort
zwischen Einzahl und Mehrzahl zu unterscheiden und
haben sich daraufhin irgendeinen Quatsch von einer
Rasse von Übermenschen zusammengereimt. Das war
ziemlich unangenehm für sehr viele Menschen und da
sieht man, wie unglaublich gefährlich unsere Azubi-
Handbücher für unsere Schützlinge sein können.

16
Fairerweise muss ich noch erwähnen, dass die Bedien-
ungsanleitung für mein Handbuch erst 32 Jahre nach
diesem Krieg veröffentlicht wurde, die wussten also gar
nicht, wie sie das lesen sollten. Das hätte denen allerdings
sowieso nichts genutzt, weil sie zwar fleißig, aber alles
andere als superlieb waren und schließlich nur wir
superlieben und fleißigen Göttinnen die Gelegenheit
bekommen, die Weltherrschaft zu übernehmen.

2.9 Traumberuf Hoteldirektorin

Wer von uns hätte vor unserem Praktikum gedacht, dass


es so furchtbar kompliziert ist, Liebe in die Welt zu
bringen? Ich war schon ein wenig geschockt, als ich das
mit der Weltherrschaft herausgefunden hatte. Eigentlich
wollte ich ja nur helfen und anschließend in Ruhe eine
Familie gründen und dann soll ich plötzlich ganz alleine
die gesamte Macht auf der Erde übernehmen. Und zu
allem Überfluss bin ich dazu noch mit den Gesetzen der
Atomphysik verbündet, also nicht aufzuhalten.
Der Traum von einem ruhigen Leben war somit schlag-
artig Geschichte und ich malte mir schon diverse Horror-
vorstellungen von einem Dasein in der Öffentlichkeit aus.
Das ging über einen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren
und ich hatte währenddessen intensiv versucht, eine
berufliche Alternative zu meiner Ausbildung als Göttin zu
finden. Ich liebte damals mein Leben so, wie es war und
hatte kein Interesse daran, etwas zu verändern. Wie ihr
euch vorstellen könnt, scheiterten die Versuche an der
Langeweile eines normalen Jobs im Vergleich mit den
Möglichkeiten als Göttin und ich hatte mich dann damit
abgefunden, doch die Weltherrschaft zu übernehmen.

17
Die Erarbeitung eines stabilen Konzeptes zur dauerhaften
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Distanz zwischen
mir und den Menschen, die ich nicht persönlich kenne,
war dabei natürlich ein Dauerthema.
Letztendlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das
Berufsbild einer Hoteldirektorin dafür am besten
geeignet ist. So jemand kümmert sich um das
Wohlergehen der Gäste, ohne diesen dabei zu nahe zu
kommen und ihr eigenes Privatleben spielt keine Rolle
bei ihrer Arbeit. Mit diesem Ansatz könnt euren Job
erledigen, ohne eure Privatsphäre aufgeben zu müssen
und euch steht im normalen Alltag der notwendige
Abstand zu euren Schützlingen zur Verfügung.
Zusätzlich dazu könnt ihr damit den Menschen einen
Rahmen zur Verfügung stellen, an dem sie sich
orientieren können. Sie wissen ja gar nicht, was euer
Aufgabenbereich ist und könnten euch aufgrund eurer
Berufsbezeichnung leicht mit ihren jeweiligen Ideen von
Gott verwechseln. Deswegen könnten sie fälschlicher-
weise davon ausgehen, dass wir als Göttinnen persönlich
für jeden Menschen verantwortlich sind und verpflichtet
sind, uns um jeden von ihnen zu kümmern.
Wie wir ja wissen, sind wir jedoch lediglich für den Fort-
bestand der intelligenten Spezies auf unseren Planeten
zuständig und damit schon ausreichend beschäftigt.
Eine Hoteldirektorin kümmert sich nun nicht um die
privaten Probleme ihrer Gäste, sondern stellt ihnen
lediglich während ihres Aufenthaltes die bestmögliche
Unterkunft und den bestmöglichen Service zur Ver-
fügung, wobei sie selber hauptsächlich im Hintergrund
arbeitet und nur bei besonderen Anlässen öffentlich
auftritt. Hin und wieder läuft sie durch das Hotel und
unterhält sich mit den Gästen.

18
Die für unseren Job wichtigste Aufgabe ist dabei das
Verfassen der Hotelordnung. Jeder Gast soll sich
wohlfühlen und das geht nur, wenn sich alle an
gemeinsame Regeln halten. Unsere schriftliche Prüfung
dreht sich genau um dieses Thema und das schauen wir
uns gleich einmal näher an.

2.10 Das Quellenproblem:

Wir sind zwar einerseits bestens ausgebildete Psycholo-


ginnen, andererseits aber Einzelkämpferinnen und unser
Wissen stammt nicht aus wissenschaftlichen Studien,
sondern aus unserer Lebenserfahrung. Das bringt uns in
die blöde Situation, keine klassischen Quellenangaben
liefern zu können, aber das ist zum Glück kein
dauerhaftes Problem. Schließlich sind wir jeweils der
Mittelpunkt des Lebens auf unseren Heimatplaneten und
somit dreht sich die ganze Welt um uns.
Menschen denken zwar oftmals, dass es bei ihnen genau-
so ist, sie wissen jedoch nichts von dem Drehbuch des
Universums. Sie wundern sich deshalb bei Zufällen, die
ihnen passieren, wohingegen wir daran gewöhnt sind,
unser Leben als einen interaktiven Film zu sehen, bei
dem sämtliche Handlungen bereits seit dem Urknall
festgelegt sind. Das könnt ihr nutzen, indem ihr Teile
eures Lebens dokumentiert. So habt ihr die Möglichkeit,
später einmal zeigen zu können, dass die vielen
verrückten Dinge, die ihr gemacht habt, zusammen-
genommen ein Gesamtbild ergeben.
Ich selber habe in den letzten Monaten beispielsweise
versucht, mich zur Göttin zu erklären und das teilweise
auch aufgezeichnet, um es später veröffentlichen zu

19
können. Auf diese Weise könnt ihr eure eigene Legende
selber erschaffen und mit einer ausreichenden Dokumen-
tation ist das auch für andere nachvollziehbar. Was genau
passiert ist, werde ich euch in dem Buch zu der
praktischen Prüfung berichten. Nutzt auf jeden Fall die
Möglichkeiten, die euch euer Leben bietet und vergesst
auf keinen Fall jede Menge Spaß dabei zu haben!

2.11 Eine persönliche Bitte:

Als letztes habe ich noch eine persönliche Bitte an euch


lieben Kolleginnen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr
alle eure Wie-töte-ich-Gott-Rezepte aufbewahrt!!!
Sobald die Menschen hier auf der Erde aufgehört haben,
sich in Kriegen gegenseitig für mich zu töten, können sie
sich aufgrund der dadurch frei werdenden Ressourcen
endlich mal intensiver mit der Raumfahrt beschäftigen.
Im Idealfall können wir dann unsere Rezepte irgendwann
miteinander austauschen und falls wir genügend davon
zusammenbekommen, könnten wir sogar gemeinsam ein
Kochbuch herausbringen. Das wäre wirklich großartig!
Mein Rezept lautet so:

Bami Goreng

Zutaten für 4-6 Personen:

- 500 Linguine
- 2l Gemüsebrühe
- 4 Stangen Staudensellerie
- 2 Möhren
- 2 Porree-Stangen

20
- ½ Chinakohl
- 1 rote Paprikaschote
- 1 Brokkoli
- 10 Shiitake-Pilze
- 2 Knoblauchzehen
- ½ Chilischote
- 1 Stück Ingwer
- 1 EL Sambal Oelek
- 2-3 EL Sojasoße
- 1-2 EL Ketjap Manis
- Sonnenblumenöl oder Traubenkernöl
- Salz
- Zucker

Gemüse und Pilze putzen und in feine Streifen schneiden.


Den Brokkoli in kleine Röschen teilen. Ingwer, Knoblauch
und Chili sehr fein würfeln. Etwas Gemüsebrühe in ein
Kännchen geben. Die restliche Brühe erhitzen und die
Nudeln darin bissfest garen. Die Nudeln abgießen und
tropfnass in eine Schüssel geben. Pflanzenöl in einem
Wok oder in einer Pfanne mit hohem Rand erhitzen.
Zuerst die Pilze darin scharf anbraten, dann das Gemüse
hinzufügen und unter ständigem Rühren bissfest garen.
Dabei alles etwas zuckern, außerdem Chili, Ingwer und
Knoblauch und etwas Brühe hinzufügen. Zum Schluss mit
Sojasauce, Ketjap Manis, Sambal Oelek und etwas Salz
würzen. Das Gemüse am besten in kleinen Mengen
hinzufügen und immer wieder probieren, bis die
gewünschte Schärfe erreicht ist und das Gemüse ein
asiatisch pikanten Geschmack hat. Die Nudeln parallel in
etwas Pflanzenöl braten, bis sie knusprig sind. Die Nudeln
in eine Schüssel geben und mit dem Gemüse vermengen.
Sofort servieren.

21
3. Die schriftliche Prüfung

3.1 Einleitung:

Liebste Auszubildende,

die Anforderungen an eure schriftliche Prüfung sind die-


selben wie bei mir, ihr müsst das nur jeweils an euren
Heimatplaneten anpassen.
Folgendes wird von euch erwartet:

- Anfertigung eines leicht verständlichen Handbuches für


das Leben als Mensch

- Einbringung eurer psychologischen Fähigkeiten in das


Handbuch

- Größtmögliche weltweite Kompatibilität, unabhängig


von der Herkunft, Intelligenz und Situation der Menschen

- Umgehung der üblichen Auslöser für empfundene Kritik

- Weltwirtschaftliche Aspekte mit einbeziehen

- Erklärung der Herkunft von menschlichen Gefühlen und


der Umgang damit

- Kein einziges Wort darüber, dass ihr Göttinnen seid

- Maximal 30.000 Wörter

Am schwierigsten hierbei ist die begrenzte Anzahl an


Wörtern. Das ganze Thema ist doch schon ziemlich kom-
plex und würde eigentlich viel mehr Platz benötigen. Es

22
gehört jedoch zu unseren Kernkompetenzen, mit wenig
Text viel auszusagen und das wird hierbei ebenfalls
überprüft. Ich hatte am Ende etwas über eintausend
Wörter zu viel geschrieben und habe dafür Abzüge bei
der Benotung kassiert. Ist echt blöd, mir war allerdings
der Inhalt wichtiger und noch mehr kürzen konnte ich
deswegen nicht. Am Ende habe ich eine 4+ bekommen
und da ich es unglaublich nervig finde, Bücher zu
schreiben, ist das völlig in Ordnung für mich.
Bei der praktischen Prüfung konnte ich zum Glück meine
Stärken voll ausspielen und dafür habe ich eine glatte 1
bekommen.
Um eine gewisse Grundstruktur in das Handbuch zu
bringen, hatte ich mich entschieden, jeweils 5 Themen
unter 10 Oberbegriffen zusammenzufassen, was dann
natürlich 50 Themen ergeben hat.
Zur Umgehung der üblichen Auslöser für empfundene
Kritik ist es ein Kinderbuch für Erwachsene geworden,
wobei die erste Hälfte des Buches für Kinder und Jugend-
liche geeignet ist und die zweite nur für Erwachsene.
Kindern darf man hier auf der Erde nämlich Tipps geben,
viele Erwachsene hingegen fühlen sich in so einem Fall
üblicherweise kritisiert, weil sie fest davon überzeugt
sind, bereits alles zu wissen und immer alles richtig zu
machen. Ein Buch für Erwachsene hätte deswegen
unzählige Seiten an Erklärungen enthalten müssen, um
diese Kritikgefühle zu neutralisieren und dann wäre ich
niemals auch nur annähernd mit den 30.000 Wörtern
ausgekommen.
Blöderweise macht dieser Ansatz die erste Hälfte des
Buches ziemlich langweilig für Erwachsene, das ist aber
kein Problem, es ist schließlich sowieso nur ein Prüfungs-
text ohne weitere Bedeutung.

23
Ich hatte mich für die folgenden Themen entschieden:

Die Gesundheit
01. Die Süßigkeiten
02. Der Sport
03. Die Kinder im Rollstuhl
04. Das Zähneputzen
05. Das Wasser
Der Alltag
06. Die Schule
07. Die Eltern
08. Die Kinder ohne leibliche Eltern
09. Das Kochen
10. Die Ordnung
Die moderne Welt
11. Das Fernsehen, das Internet und die Bücher
12. Die sozialen Netzwerke
13. Die moderne Medizin
14. Der Strom
15. Der Müll
Die Anderen
16. Die Nachbarn
17. Die Tiere
18. Die armen und die reichen Menschen
19. Die gefährlichen Menschen
20. Die guten Freunde und die Familie
Die Arbeit
21. Die Qualifikation
22. Die Aufgabenverteilung
23. Die Selbstständigkeit
24. Die Freizeit
25. Die guten und die schlechten Arbeitgeber

24
Die Gleichberechtigung
26. Der Rassismus
27. Die Mädchen und die Jungs
28. Das Gefühl der eigenen Überlegenheit
29. Die absolute Überlegenheit
30. Die erlaubten Einschränkungen
Die Gefühle
31. Die natürliche Balance
32. Die Konkurrenz
33. Die Einsamkeit
34. Die Liebe
35. Das Trauma
Das Bewusstsein
36. Das Unterbewusstsein
37. Das Unbewusstsein und das Bewusstsein
38. Die Notfälle und das Balanceproblem
39. Die emotionalen Konflikte
40. Die Sucht
Die Sexualität
41. Die Unterwürfigkeit und die Dominanz
42. Die Qualität
43. Die Homosexualität
44. Die Transsexualität
45. Die Pädophilie
Die Intelligenz
46. Der Anspruch
47. Das Wissen
48. Die Verantwortung
49. Das hochkomplexe Denken
50. Die Zusammenarbeit

25
Wir gehen nun Thema für Thema durch, wobei ich euch
vor dem jeweiligen Text einen kurzen Überblick über den
Sinn dahinter geben werde.
Das Prinzip der mathematischen Psychologie und der
damit verbundene emotionale Code sind euch ja geläufig,
von daher brauche ich euch nicht zu erklären, dass jede
Formulierung nicht nur eine bestimmte Information
übermitteln, sondern auch eine jeweils dazu passende
Emotion auslösen soll.
Ich möchte euch sowieso nicht mit den Dingen nerven,
mit denen ihr euch tagtäglich beschäftigt, sondern euch
einfach nur einen kleinen Überblick über eine bereits
bestandene schriftliche Prüfung geben. Anhand meines
Beispiels könnt ihr euch dann selber einen für euch
passenden Text zusammenbasteln.

3.2 Die Süßigkeiten

Hauptthema:

Übergewicht, dessen negative Folgen für die Gesundheit


und Tipps zur Situationsverbesserung

Beschreibung:

Hunderte Millionen von Menschen auf der Erde sind


übergewichtig und viele von ihnen leiden unter den
daraus entstehenden gesundheitlichen Problemen. Das
ist natürlich nicht so schön für die Betroffenen und
deswegen ist es wichtig, ihnen die psychologischen
Grundlagen für ihr Übergewicht zu erklären.

26
Nebenthema:

Einführung der Grundlagen der technischen Funktions-


weise des menschlichen Bewusstseins.

Beschreibung:

Viele meiner Schützlinge glauben noch felsenfest an ihre


jeweiligen Übergangsgötter. Deswegen sind sie nicht in
der Lage, zu akzeptieren, dass die Erschaffung der Men-
schheit mehrere Milliarden Jahre gedauert hat. Als Folge
davon können sie ihr eigenes emotionales System nicht
von ihren tierischen Vorfahren herleiten und wissen
deshalb gar nicht, was genau in ihren Köpfen vorgeht.
Aufgrund der Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen
müssen wir Göttinnen solche Menschen möglichst
langsam an dieses Thema heranführen, um Gefühlsüber-
reaktionen zu vermeiden. Deswegen tritt es erst einmal
nur als Nebenthema auf.

Originaltext:

Unser menschliches Gehirn ist eine sehr alte Erfindung


der Natur. In seiner jetzigen Form entstand es bereits vor
mehreren Hunderttausend Jahren. Zu dieser Zeit gab es
keine Häuser, keine Autos und nur wenige Menschen.
Diese lebten in kleinen Gruppen, so wie viele Tierarten
das heute noch machen. Supermärkte gab es ebenfalls
nicht und darum mussten unsere Vorgänger in der Natur
nach Nahrung suchen. Dort gibt es zwar fast überall
unzählige Pflanzen, allerdings sind die meisten davon für
uns ungenießbar. Wir müssen also außerhalb der

27
Zivilisation lange Ausschau halten, bis wir etwas Essbares
gefunden haben.
Wie ihr bestimmt schon einmal gehört habt machen zu
viele Süßigkeiten nicht nur die Zähne kaputt, sondern sie
machen auch dick. Das kommt von der darin gespeicher-
ten großen Menge Energie. Diese benötigt unser Körper,
um sich zu bewegen und für alles andere, was er so tut.
Ohne sie funktioniert der menschliche Organismus nicht.
Die Überschüsse speichert er als Fett und wandelt dieses
bei Bedarf wieder in Energie um.
Deshalb können sich übergewichtige Menschen sehr viel
bewegen, ohne zwischendurch große Portionen zu ver-
speisen. Sie benötigen natürlich wie jeder von uns täglich
Vitamine, Spurenelemente und viele andere lebenswich-
tige Stoffe, jedoch können sie für einen Teil ihres Bedarfs
an Bewegungsenergie ihre körpereigenen Reserven nut-
zen.
Bei dünnen Menschen ist das anders. Sie können aus-
schließlich auf ihre Mahlzeiten als Energiequelle zugrei-
fen und brauchen dementsprechend mehr Essen als die
Übergewichtigen. Irgendwo muss die Kraft für die Aktivi-
tät ja schließlich herkommen.
Die aufwendige Suche und das damit verbundene viele
Laufen war für unsere Vorfahren die einzige Möglichkeit,
um an Lebensmittel zu gelangen. Ihr Kalorienverbrauch
war somit viel höher als heutzutage. Unser Gehirn hat
sich das damals gemerkt und daraus folgende Regel ent-
wickelt:

„Es gibt hier in der Natur nur sehr wenig Essbares und
um es zu finden, muss ich lange Strecken zurücklegen.
Dafür benötige ich ausreichend Energie für meinen Kör-
per. Süße Nahrungsmittel haben viel davon gespeichert

28
und sind deswegen sehr gut für mich. Ich sollte diese also
immer essen, wenn sie mir über den Weg laufen.“

Aus diesem Grund sind Süßigkeiten so lecker. Der gute


Geschmack sollte unsere Vorfahren darauf aufmerksam
machen, dass ihnen süße Früchte und Honig beim Über-
leben helfen.
Heutzutage muss niemand von uns lange laufen, um et-
was zu essen zu suchen. Wir haben alle einen Supermarkt
in der Nähe oder unsere Eltern haben ein Auto, mit dem
wir zum Einkaufen fahren können. Hierfür benötigt unser
Organismus nur eine kleine Menge Energie, denn wir
laufen ja nur kurze Strecken. Leider kann uns das
verwirren und wir haben dann Schwierigkeiten unseren
jeweils passenden Kalorienbedarf richtig einzuschätzen.
Aus Gewohnheit versucht unser Gehirn uns nämlich
einzureden so viel Süßes wie möglich zu essen.
Bei dem reichhaltigen Angebot an Lebensmitteln in der
heutigen Zeit kann diese Einstellung zu einem viel zu
hohen Konsum von Süßigkeiten führen. Dadurch kann
man dick oder sogar sehr dick werden und hiervon be-
kommen unter anderem unsere Knie große Probleme. Sie
müssen fast unser gesamtes Körpergewicht tragen und je
schwerer wir sind, desto härter müssen sie arbeiten. Mit
einer zu hohen Belastung kommen sie dauerhaft nicht
klar. Das ist wie bei einem Tisch, auf den man immer
mehr schwere Steine stellt. Anfangs kann er die Last noch
tragen, aber früher oder später bricht er zusammen und
geht kaputt.
Wer seine Kniegelenke durch ein zu hohes Gewicht über-
lastet bekommt zuerst Schmerzen in diesem Bereich,
welche mit der Zeit so schlimm werden können, dass man
Krücken oder einen Rollator zur Fortbewegung benötigt.

29
Beides hilft dabei den Druck auf die Knie zu reduzieren,
da man sich so zusätzlich zu den Beinen auch mit den
Armen auf dem Boden abstützen kann. Am Ende dieser
Krankheit verursacht jeder Versuch zu gehen sehr heftige
Schmerzen und man ist auf einen Rollstuhl angewiesen,
um weiterhin mobil sein zu können.
Dies ist nur eine von vielen unangenehmen Erkrankun-
gen, die stark Übergewichtige bekommen können. Sie
sind alle sehr heimtückisch, weil es viele Jahre oder sogar
mehrere Jahrzehnte dauern kann, bis man sie bemerkt.
Im schlimmsten Fall ist es dann bereits zu spät, um etwas
dagegen zu tun und man wird nie wieder vollständig
gesund. Davor könnt ihr euch schützen, indem ihr euch
die folgenden beiden Sätze merkt:

„Süßigkeiten sind zwar sehr lecker, aber zu viele davon


machen mich dick. Dadurch kann ich krank werden und
um das zu verhindern, nasche ich nur ab und zu mal
Süßigkeiten.“

Solltet ihr in der Vergangenheit viel zu viel gegessen


haben, wisst ihr ja bereits, was ihr dagegen unternehmen
könnt. Ihr müsst lediglich die in eurem Körper gespei-
cherte Energie loswerden. Mit Hilfe von ausreichender
Bewegung verbrauchen eure Muskeln das Fett und es
wird verschwinden. Dabei müsst ihr Geduld haben, denn
es kann ein paar Monate oder sogar noch länger dauern,
bis der Großteil eurer Reserven abgebaut ist. Zu streng
mit euch braucht ihr übrigens nicht zu sein. Ein paar Kilo
Übergewicht sind nicht gefährlich für die Gesundheit,
man darf es nur nicht übertreiben.
Ihr könnt euch also selber vor vielen schmerzhaften
Krankheiten schützen. Dafür müsst ihr eurem Gehirn ein

30
wenig unter die Arme greifen, damit es sich an die heuti-
ge Situation anpassen kann. Eine schlaue Alternative zu
den Süßigkeiten ist Obst. Das schmeckt meistens etwas
weniger süß, jedoch kann man davon viel essen, ohne
sich Sorgen um seine Gesundheit machen zu müssen. Es
ist sehr nahrhaft für unseren Körper und nebenbei hilft
der hohe Wassergehalt von frischen Früchten bei der
Vermeidung von Übergewicht. Wer Äpfel, Bananen oder
Melonen gegessen hat, ist wegen der vielen Flüssigkeit
darin meistens satt, bevor er überhaupt zu viele Kalorien
zu sich genommen hat. Bei Bonbons, Pralinen oder Scho-
kolade hingegen ist das Volumen sehr viel kleiner und
wir können doppelt oder dreifach so viel Energie zu uns
nehmen. Hier fehlt das kalorienlose Wasser, um unseren
Magen zu füllen. Und so müssen wir mehr essen, bis wir
aufgrund eines Sättigungsgefühls unseren Hunger
verlieren.

3.3 Der Sport

Thema:

Bewegungsmangel und dessen Folgen für die Gesundheit

Beschreibung:

Durch den hohen Grad der technischen Entwicklung und


der zunehmenden Vereinsamung der Menschen bewegen
sich heutzutage viele von ihnen zu wenig. Daraus ent-
stehen diverse, eigentlich vermeidbare Krankheiten und
als Göttinnen müssen wir uns selbstverständlich auch
darum kümmern. Krankheiten stehen schließlich einem
spaßigen Paradies auf Erden im Weg.

31
Originaltext:

„Es gibt sehr wenig zu essen in der Natur und um es zu


finden, muss ich weite Strecken laufen. Deswegen sollte
ich nicht unnötigerweise aktiv sein, damit ich keine le-
benswichtige Energie verschwende. Ich könnte sonst im
schlimmsten Fall verhungern, weil ich keine Kraft mehr
für die Nahrungssuche übrig habe.“

Diese ebenfalls alte Regel unseres Gehirns kann bei uns


eine ausgeprägte Bewegungsunlust verursachen. Aus
diesem Grund bewegen sich einige Kinder nur sehr un-
gern. Sie gehen nicht wie viele andere ihrer Altersgenos-
sen mit voller Begeisterung vor die Tür und spielen
draußen, sondern bleiben lieber zuhause und beschäfti-
gen sich irgendwie anders. Leider ist dieses Verhalten
überhaupt nicht gut für unsere Gesundheit, wobei es da
vier Regeln gibt:

1. Wer gesundheitlich voll fit ist, kann sich nicht zu sehr


verausgaben. Unser Körper sagt uns nämlich mit Hilfe
von Müdigkeit oder Muskelschmerzen rechtzeitig Be-
scheid, sobald er Ruhe braucht. Nach der Erholungsphase
sind wir fitter und stärker als vorher.

2. Wer kerngesund ist und sich eher selten bewegt bleibt


zwar von den Erschöpfungssymptomen verschont, aller-
dings ist das überhaupt nicht gut für unseren Körper.
Dieser wird so automatisch immer schwächer und anfäl-
liger für alle möglichen Erkrankungen.

3. Alle nicht vollständig gesunden Menschen müssen


unbedingt mit ihrem Arzt über ihre jeweiligen Bewe-

32
gungsmöglichkeiten sprechen. Für sie besteht die Gefahr
einer körperlichen Überlastung, welche die Symptome
der aktuell vorhandenen Krankheit stark verstärken
kann. Im schlimmsten Fall ist das lebensgefährlich. Hier-
bei können uns Ärzte mit ihrem Fachwissen helfen,
indem sie uns untersuchen und uns anschließend sagen,
was unser Körper noch leisten kann.

4. Durch die Einnahme aufputschender oder schmerzstil-


lender Medikamente und anderer Substanzen verlieren
wir die Fähigkeit unseren Erschöpfungszustand richtig
einzuschätzen. Wir können so in eine Situation kommen,
in der wir uns extrem fit und leistungsfähig fühlen,
obwohl unser Organismus dringend Erholung braucht.
Auch hier besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen
Überanstrengung und deshalb sollte man sich zurück-
halten, solange man solche Mittel zu sich nimmt.

Diese Regeln dienen zum Schutz der Gesundheit, die


Bewegungsunlust beseitigen sie nicht. Dafür ist es not-
wendig zu verstehen, warum Faulheit uns krank machen
kann und da kommt unser körpereigenes Entsorgungs-
system ins Spiel. Im Laufe der Zeit lagert sich überall in
unserem Organismus Dreck an. Diesen müssen wir un-
bedingt loswerden. Ansonsten können wir von den Ab-
fallprodukten unseres Stoffwechsels und den Giften aus
der Umwelt schlimme Krankheiten bekommen.
Glücklicherweise haben wir eine Art Müllabfuhr im Kör-
per. Diese kümmert sich darum, dass alles für uns schäd-
liche abtransportiert wird und später in der Toilette lan-
det. Um die ungesunden Stoffe entsorgen zu können,
müssen unsere Zellen diese jedoch sozusagen erst einmal
an die Straße stellen, damit die Müllmänner daran

33
kommen. Sie müssen sich also bewegen, um die Abfall-
und Giftstoffe an die richtige Stelle transportieren zu
können.
Früher war das kein Problem, weil unsere Vorfahren
sowieso ständig aktiv sein mussten. Heutzutage bekom-
men zwar faule Menschen ebenfalls genügend Nahrung,
dabei vernachlässigen sie aber dieses lebenswichtige
Entsorgungssystem. Ihre Zellen sind zu träge und schaf-
fen es nicht mehr den Müll herauszubringen.
Es kommt so mit der Zeit zu immer größer werdenden
Giftstoffansammlungen im Körper und irgendwann ist
unser Organismus dann so voll mit Abfall, dass er
bestimmte Funktionen nicht mehr ausführen kann. Als
Folge davon wird man krank bis sehr schwer krank.
Auch hier dauert es etwas länger und man muss sich
frühestens in 10, 20 oder 30 Jahren mit den daraus
entstehenden Problemen auseinandersetzen, allerdings
ist es hierbei ebenso sehr schwierig diesen Prozess
umzukehren, sobald eine bestimmte Abfallmenge im
Körper vorhanden ist. Verhindern lässt sich das mit
genügend Bewegung. Hierdurch aktiviert man seine
Zellen im gesamten Körper und nur so können diese ganz
normal funktionieren. Das ist der Hauptgrund für die
extreme Wichtigkeit von Sport und Bewegung für unsere
Gesundheit. Ohne regelmäßige Aktivität kann unsere
körpereigene Müllabfuhr nicht richtig arbeiten. Das
können wir verhindern, indem wir mit unserem Gehirn
ein ernstes Wörtchen reden:

„Liebes Gehirn, ich möchte mein ganzes Leben lang ge-


sund bleiben und dafür muss ich mich unbedingt viel
bewegen. Das ist heutzutage überhaupt kein Problem.
Wir müssen uns keine Sorgen um Energie machen,

34
schließlich haben wir mehr als genug zu essen. Stattdes-
sen sollte uns der Müll in unserem Körper beunruhigen.
Ausreichend Bewegung ist die einzige Möglichkeit diesen
loszuwerden. Wir dürfen deswegen nicht ständig bequem
zuhause herumsitzen. Deiner Meinung nach ist Faulheit
zwar gut für uns, aber diese Einstellung ist inzwischen
überholt und die Situation hat sich entscheidend
verändert. So wenig wie möglich aktiv zu sein ist nicht
gut für unsere Gesundheit, sondern sehr schlecht und es
entstehen viele schlimme Krankheiten dadurch.“

3.4 Die Kinder im Rollstuhl

Hauptthema:

Vermeidung von negativen Emotionen bei Menschen, die


im Rollstuhl sitzen

Beschreibung:

Das vorherige Thema „Der Sport“ stellt die Bewegung in


den Mittelpunkt und das könnte eventuell demotivierend
auf Rollstuhlfahrer wirken, weil ihre diesbezüglichen
Möglichkeiten eingeschränkt sind. Aus diesem Grund ist
es an dieser Stelle notwendig, ein Thema einzufügen,
welches diesem entgegenwirkt.

Nebenthema:

Möglichkeiten der Einflussnahme in demokratischen


Staaten

35
Beschreibung:

Viele Menschen verstehen gar nicht die Möglichkeiten,


die ihnen das Leben in einer Demokratie bietet und sie
verhalten sich darum sehr passiv bei ihrer Machtaus-
übung. Deshalb enthält dieses Thema ein praktisches
Beispiel, wie man gemeinsam etwas am bestehenden
System verändern kann.

Originaltext:

Einige von euch Kindern haben Probleme beim Laufen


und benötigen einen Rollstuhl zur Fortbewegung. Ihr
müsst ebenfalls Sport machen, um gesund zu bleiben, da
eure Körper sich genauso mit Hilfe von Bewegung reini-
gen müssen. Folgende Sportarten sind beispielsweise
auch für euch geeignet:

Badminton, Basketball, Bogenschießen, Hockey, Fechten,


Handbike und Kanu fahren, Leichtathletik, Rugby,
Schwimmen, Tanzen, Tennis und Tischtennis.

Wer keine Lust mehr hat immer nur im Rollstuhl zu sit-


zen, muss sich noch ein wenig gedulden. Das Militär eini-
ger Länder und verschiedene Firmen haben bereits vor
vielen Jahren eine Maschine entwickelt, mit deren
HilfeRollstuhlfahrer wieder gehen können. Sie heißt
„Exoskelett“ und kann Menschen beim Laufen unter-
stützen. Ihr könnt ja mal im Internet nachschauen, da
findet ihr mehr Informationen zu diesem Thema. Sie
befindet sich aktuell in einer fortgeschrittenen Entwick-
lungsphase und ist weit von der Massenproduktion
entfernt.

36
Das liegt einerseits an den Batterien, die man zur Strom-
versorgung braucht. Diese sind bis jetzt zu schwach, um
das Exoskelett mit ausreichend Energie für weite Stre-
cken zu versorgen und hier muss sich noch etwas tun.
Dazu ist es eine Hochleistungsmaschine, für die man sehr
teure Teile benötigt und die potenziellen Kunden haben
durch ihre körperlichen Einschränkungen oftmals
Schwierigkeiten einen ausreichend gut bezahlten Job zu
bekommen. Vielen Rollstuhlfahrern fehlt somit das Geld,
um sich so etwas leisten zu können. Das schreckt Inves-
toren davor ab in dieses Produkt zu investieren.
Glücklicherweise hat unsere Gesellschaft diese Art von
Problemen schon lange erkannt und wir haben uns
darauf geeinigt, dass die vollständig gesunden Menschen
denjenigen mit Einschränkungen finanziell unter die
Arme greifen. Realisiert wird das über die Kranken-
kassen. Da zahlt jeder unabhängig von seiner Gesundheit
einen ausschließlich vom Einkommen abhängigen
monatlichen Betrag und bekommt dafür die jeweils für
ihn passende Versorgung im Krankheitsfall. Einige stört
das zwar, weil sie theoretisch ein paar Euro im Monat an
Krankenkassenbeiträgen sparen könnten, wenn sie sich
nicht um ihre rollstuhlfahrenden Mitbürger kümmern
müssten, allerdings ändert sich deren Meinung
üblicherweise sofort, sobald sie mal selber davon
betroffen sind.

Dieses System könnt ihr nutzen, um die Entwicklung des


Exoskeletts bis hin zur Massenproduktion zu beschleu-
nigen. Die aktuelle Situation sieht so aus:

Es gibt dieses Produkt, jedoch ist es momentan sehr teu-


er. Diejenigen, die nicht bereit sind, einen kleinen Teil

37
ihres Wohlstands für die körperlich eingeschränkten
Menschen zur Verfügung zu stellen, würden sehr laut
dagegen protestieren, falls man euch allen eine so kost-
spielige Maschine gibt. Das könnte nämlich zu steigenden
Beiträgen führen.
Aus diesem Grund haben bisher nur so wenige von euch
ein Exoskelett. Die Krankenkassen haben Angst ihre
Kunden wegen den damit verbundenen hohen Kosten an
die Konkurrenz zu verlieren.
Da wir in einer Demokratie leben, könnt ihr versuchen
das zu ändern. Hierfür braucht ihr einen Stift und Papier
oder einen Computer mit Drucker, einen Briefumschlag,
eine Briefmarke und ein wenig Zeit, um einen Brief zu
schreiben. Darin erklärt ihr eurer jeweiligen Kran-
kenkasse, wie gerne ihr so ein Exoskelett hättet, wo ihr
überall hinlaufen würdet und was für weitere Vorteile ihr
darüber hinaus damit hättet. Im Idealfall bittet ihr alle
euch bekannten Rollstuhlfahrer dasselbe zu tun, bevor
ihr das losschickt, denn je mehr Briefe geschrieben
werden, desto eher wird die Öffentlichkeit darauf
aufmerksam. Ab einer gewissen Menge wird hierüber
großflächig in den Nachrichten berichtet und ihr habt
euer erstes Ziel erreicht. Der Allgemeinheit bleibt ab
diesem Moment nichts anderes übrig, als sich über dieses
Thema ausführlich zu unterhalten, wobei es da zwei
Meinungen geben wird:

1. Ein Teil der Menschen ist bereit monatlich ein paar


Euro mehr auszugeben, um euch ein großes Stück
Lebensqualität wiederzugeben.

2. Der andere Teil möchte nicht finanziell ein wenig


darunter leiden und will deshalb nicht, dass ihr zukünftig

38
mit Hilfe einer Maschine wieder laufen könnt. Ihrer
Meinung nach reicht euer Rollstuhl völlig aus, um eure
Probleme beim Gehen zu beheben.

Es hängt dann von der Hilfsbereitschaft unserer


Gesellschaft ab, ob die Finanzierung der Exoskelette
zukünftig gesichert ist oder nicht. Ihr könnt mit euren
zahlreichen Briefen eine Diskussion darüber starten und
so die Allgemeinheit zu einer Antwort ermutigen. Sollte
diese positiv sein, wäre die Finanzierung gesichert. Das
bildet die Grundlage für die Massenproduktion, weil die
potenziellen Kunden sich das Produkt nun leisten
können. Unter solchen Umständen sind Investoren gerne
bereit mit ihrem Geld Exoskelettfabriken zu bauen,
schließlich wissen sie wie zahlungskräftig Krankenkassen
sind. Für die Anzahl der Rollstuhlfahrer gibt es Statistiken
und so können sie den Bedarf relativ genau einschätzen.
Das sind optimale Bedingungen für ein Investment. Der
jeweilige Preis pro Stück wird durch die hohe
Produktionsmenge wesentlich niedriger sein als
heutzutage und wie jedes andere technische Gerät wird
das Exoskelett von Jahr zu Jahr günstiger werden.
So bekommt zwar nicht jeder von euch sofort eines, ihr
könnt jedoch diese Vision mit euren Briefen auf jeden Fall
beschleunigen.

3.5 Das Zähneputzen

Hauptthema:

Maßnahme zur Freilegung eingerosteter Flexibilität des


emotionalen Systems

39
Beschreibung:

Viele Menschen verlieren im Laufe ihres Lebens die kind-


liche Flexibilität ihres Denkens. Die Betroffenen haben
daraufhin große Schwierigkeiten, mit neuen Situationen
umzugehen und halten sich deshalb von Veränderungen
fern. Das Thema Zähneputzen ist durch die starken
Emotionen, die ein Zahnarztbesuch auslöst, sehr gut als
erste Maßnahme zur Einleitung einer Verbesserung
geeignet. Beim Lesen werden diese Gefühle wieder
wachgerüttelt und es findet dementsprechend eine starke
emotionale Reaktion statt. Hierbei kann sich das Gehirn
schon einmal mit Gefühlsveränderungen auseinander-
setzen, während die menschliche Leserin oder der
menschliche Leser gar nichts davon mitbekommen, weil
es sich dabei um unterbewusste Prozesse handelt.

Nebenthema:

Umgang mit dem Thema Schmerzen

Beschreibung:

Die Angst vor Schmerzen ist bei mir hier auf der Erde in
den wohlhabenden Ländern weit verbreitet. Das liegt an
der Möglichkeit, durch eigenes Leiden besondere Auf-
merksamkeit erzeugen zu können. Wer Schmerzen hat,
wird von seinen Mitmenschen besonders gut betreut und
liebevoll umsorgt.
Viele Kinder gewöhnen sich im Laufe ihrer Kindheit
daran und können besonders starke Formen von Angst
vor Schmerzen entwickeln. Ein klassisches Beispiel
hierfür ist die Furcht vor einem Zahnarztbesuch. Dieser

40
kann eine regelrechte Panik auslösen und das ist
natürlich blöd für die Betroffenen.
Diese kindliche Verhaltensweise zur Gewinnung von
Aufmerksamkeit würde allerdings verschwinden, wenn
allgemein bekannt wäre, dass ein Zahnarztbesuch gar
nicht so schlimm ist, wie viele Menschen sich das ein-
bilden. Dann würde niemand die Betroffenen besonders
bemitleiden („Oh du armer, du tust mir richtig leid, weil
du zum Zahnarzt musst.“), sondern sie würden sich durch
ihre kindische Angst lächerlich machen („Stell dich nicht
so an!“) und bevor das passiert, gehen sie lieber freiwillig
zum Zahnarzt.

Originaltext:

Zähneputzen zählt zu den wichtigsten Aufgaben des


Tages und das darf man auf keinen Fall vergessen. Unser
Gebiss ist empfindlich gegenüber Karies und muss aus
diesem Grund sehr gut gepflegt werden. Wenn man das
nicht macht, werden die Zähne von Tag zu Tag schwä-
cher, bis sie schmerzhafte Löcher bekommen.
Der Ursprung für diese starke Schmerzempfindlichkeit ist
eine natürliche Schutzfunktion. Mit deren Hilfe werden
beispielsweise Beschädigungen beim Kauen von Obst mit
steinharten Kernen verhindert. Dafür sind in unseren
Kauwerkzeugen viele hochempfindliche Nerven einge-
baut. Durch diese bekommt unser Gehirn blitzschnell ein
Signal und so können wir rechtzeitig reagieren, falls wir
aus Versehen auf den Obstkern beißen.
Dasselbe gilt bei zu heißem oder zu kaltem Essen. Auch
für solche Fälle benötigen wir hochsensible Nerven, um
Verbrennungen oder Erfrierungen zu verhindern. Diese
werden bei Schäden an den Zähnen ständig gereizt und

41
verursachen diesen unangenehmen, sehr heftigen
Schmerz.
Und es gibt noch ein anderes von Karies verursachtes
Problem. Wir müssen unser Essen unbedingt gut durch-
kauen, damit unser Verdauungssystem die darin gespei-
cherten Stoffe bestmöglich herausholen kann. Größere
Stücke sind wegen der geringeren Oberfläche viel
schwerer zu verdauen als ein klein gekauter Brei. Wie
genau das funktioniert lernt ihr früher oder später alle in
der Schule und deswegen spare ich mir hier weitere Er-
klärungen. Wer viele kaputte Zähne hat, macht es seinem
Körper auf jeden Fall sehr schwer die Nahrung ord-
nungsgemäß zu verarbeiten.
Vor ein paar hundert Jahren hat das den Menschen große
Schwierigkeiten bereitet. Es gab damals keine Zahnärzte
im heutigen Sinne und man musste den kaputten Zahn
herausziehen. Das half zwar gegen die Schmerzen,
allerdings konnte man nach jeder Behandlung schlechter
kauen. Heutzutage gibt es durch die moderne Medizin
glücklicherweise viel schonendere Behandlungsmetho-
den. Unsere Zahnärzte sind wie alle anderen Ärzte be-
sonders intelligente Frauen oder Männer. Sie haben in
der Schule gut aufgepasst und anschließend viele Jahre
an einer Universität studiert. Dabei haben sie sehr viel
gelernt und reichlich Erfahrung mit allen möglichen
Problemen im Mund gesammelt. Das sind richtige Profis,
die genau wissen was sie tun.
Blöderweise sind unsere Zähne, wie gesagt, hochemp-
findlich und der Termin beim Zahnarzt kann sehr weh
tun. Darum gibt es Kinder, die Angst davor haben. Das
große Problem hierbei ist, dass die Zahnschmerzen mit
der Zeit immer schlimmer werden, wenn man sie nicht

42
behandeln lässt, weil man zu ängstlich ist, um zum Zahn-
arzt zu gehen.
Die Behandlung hingegen dauert meistens nur ca. 15
Minuten. Währenddessen muss man möglicherweise
kurzzeitig leiden, danach ist jedoch wieder alles gut und
man hat überhaupt keine Schmerzen mehr. Man muss
also lediglich eine kurze Zeit durchhalten und dann sind
die Probleme verschwunden.
Um so etwas von Anfang an zu verhindern, darf man das
Zähneputzen niemals vergessen. Wie bereits erwähnt,
bleibt unser Gebiss nur gesund, indem wir es jeden Tag
ausreichend pflegen. Wer keine fiesen Löcher haben
möchte, sollte das nie vergessen.
Zusätzlich dazu spielt hier die Ernährung eine entschei-
dende Rolle. Wer ständig sehr große Mengen Süßigkeiten
isst, kann trotz einer guten Zahnpflege Karies bekommen.
Unsere Zähne vertragen Zucker nämlich nicht so gut und
gehen davon schnell kaputt. Hier ist Obst wieder eine
gute Alternative. Da ist ebenso Zucker drin, aber viel
weniger als in den süßen Sachen, die man sonst so kaufen
kann. Und in den Früchten sind noch viele Mineralstoffe
und Vitamine, welche sehr wichtig für die Versorgung der
Zähne sind.
Genauso ist es wichtig regelmäßig den Zahnarzt zur Kon-
trolle aufzusuchen. Dafür geht man da am besten alle
sechs Monate hin. Solche Termine tun normalerweise
nicht weh. Wer keine Löcher hat, muss sich da keine
Sorgen machen. Der Arzt schaut nur kurz in euren Mund
und wenn alles in Ordnung ist, schickt er euch wieder
nach Hause. Falls er ein kleines Loch in euren Zähnen
findet, kann er das schnell und einfach reparieren. Das tut
dann zwar ein bisschen weh, jedoch ist das auf jeden Fall

43
viel weniger schlimm, als erst dahinzugehen, nachdem ihr
bereits Schmerzen habt.
Nebenbei könnt ihr bei so einem Kontrolltermin auch von
ihm prüfen lassen, ob ihr beim Putzen die richtige
Technik verwendet. Diese müsst ihr kennen, damit eure
Zähne vernünftig sauber werden und euer Zahnarzt weiß
genau, wie das geht. Er wird sich anschauen, wie ihr eure
Zahnbürste benutzt und kann euch bei Bedarf wichtige
Tipps geben.
Und so könnt ihr mit seiner Hilfe und indem ihr niemals
vergesst eure Zähne regelmäßig zu putzen fiese
Zahnkrankheiten verhindern. Das ist viel schöner als
immer wieder wegen Löchern Beschwerden zu haben
und deshalb ständig zur Reparatur zum Zahnarzt laufen
zu müssen. Zähneputzen dauert ja schließlich bloß 2-3
Minuten und danach hat man immer ein frisches und
sauberes Gefühl im Mund.

3.6 Das Wasser

Hauptthema:

Gesunde Formen von Trinken

Beschreibung:

Stark erhöhter Zuckerkonsum durch Getränke ist ein weit


verbreitetes Problem hier auf meinem Heimatplaneten.
Dadurch verfetten viele Menschen und es wird massen-
weise Karies ausgelöst.

44
Nebenthema 1:

Wassermangel durch den verschwenderischen Umgang


damit

Beschreibung:

Der bisher oftmals sehr sorglose Umgang mit Wasser


kann langfristig zu einer Verknappung dieser lebens-
wichtigen Ressource führen und von daher macht es Sinn,
darauf aufmerksam zu machen.

Nebenthema 2:

Vermeidung von Giftstoffbelastungen beim Anbau von


Lebensmitteln

Beschreibung:

Durch die heutige Hochleistungslandwirtschaft gelangen


jede Menge Giftstoffe in Form von Pestiziden in die
Nahrungsmittel. Eine Umstellung auf einen biologischen
Anbau dauert allerdings sehr lange und deswegen darf
dieses Thema nur nebenbei auftauchen, um möglichst
wenig Aufmerksamkeit darauf zu ziehen. Hier steht das
Interesse der Aufrechterhaltung der Weltwirtschaft über
dem der Gesundheit der Menschen.

Originaltext:

Wasser ist lebenswichtig für uns. Ohne diese wertvolle


Flüssigkeit könnte niemand von uns Zähne putzen, wir
könnten uns nicht die Hände waschen, duschen oder

45
baden und Kartoffeln oder Reis zu kochen wäre genauso
unmöglich.
Deshalb ist es notwendig nichts zu verschwenden, auch
wenn es auf den ersten Blick sehr viel davon auf der Erde
gibt. Wir können den Großteil des Wassers nämlich nicht
für uns verwenden, weil es entweder voller Salz ist oder
Menschen da Dreck reingeschüttet haben. Um dieses
trinken zu können, muss es vorher in großen Anlagen
gereinigt werden und das kostet nicht nur viel Geld,
sondern es werden dadurch irgendwo anders auf der
Welt Flüsse und Seen schmutzig. Für die Filterung wird
viel Strom benötigt und bei der heutigen Stromerzeugung
werden Giftstoffe in die Luft gepustet. Diese kommen mit
dem Regen wieder herunter und landen im Oberflächen-
wasser.
Aus diesem Grund sollte man niemals mehr Wasser aus
dem Hahn laufen lassen, als man tatsächlich benötigt. So
wie viele Menschen aktuell mit diesem Thema umgehen,
wird es mit der Zeit immer weniger sauberes Trink-
wasser geben und leider ist es in einigen Ländern
heutzutage schon so, dass die dort lebenden Kinder und
ihre Eltern durch ihre Wasserquellen krank werden. Das
kann uns ebenfalls passieren, falls wir zukünftig nicht
besser aufpassen.
Zusätzlich dazu könnt ihr eurer Gesundheit etwas Gutes
tun, indem ihr euch an folgende Regeln haltet:

Unser Körper besteht zu einem großen Teil aus Wasser


und durch Schwitzen oder den Gang zur Toilette verliert
er ständig etwas davon. Um uns vor dem Austrocknen zu
schützen, müssen wir unseren Speicher regelmäßig
auffüllen und dafür haben wir heutzutage eine sehr große
Auswahl. Es gibt neben reinem Wasser auch Limonade,

46
Fruchtsäfte, Tee und viele andere Möglichkeiten, um den
Durst zu löschen.
Das mit großem Abstand gesündeste Getränk für unseren
Organismus ist die pure Variante. Hiervon sollte man
mindestens drei Gläser am Tag trinken, denn unsere
körpereigene Müllabfuhr braucht es für den Abtransport
der Abfallstoffe. Wasser kann nur eine begrenzte Menge
von Stoffen aufnehmen und bei Limonaden sind nun
bereits Zucker, Farbstoffe und vieles andere drin. Sie sind
somit nicht geeignet, um dem Stoffwechsel bei der
Müllentsorgung zu helfen. Wer gesund bleiben möchte,
sollte deswegen niemals ausschließlich Limonade
trinken.
Bei Frucht- und Gemüsesäften muss man vorher ganz
genau nachschauen, was für ein Saft das ist. Hier gibt es
verschiedene Varianten. Ein großer Teil des Saftes wird
nach der Ernte direkt vor Ort eingekocht, bis ein Großteil
der Flüssigkeit verschwunden ist. Man kann ihn auf diese
Weise wesentlich günstiger über große Strecken
transportieren, weil das Volumen geringer ist. Durch
Aufgießen mit Wasser wird am Ende wieder ein auf den
ersten Blick ganz normaler Saft daraus. Leider gehen bei
diesem Prozess einige Vitamine verloren und somit ist
diese Variante etwas weniger gesund als ein direkt
gepresster Saft. Dafür ist er aber preiswerter und die
heutigen Methoden zum Entziehen des Wassers sind sehr
schonend, wodurch die meisten Vitamine erhalten
bleiben. Wer es sich leisten kann, sollte trotzdem den
direkt gepressten Saft kaufen.
Dabei sind Säfte übrigens keine vollwertige Alternative
zu frischem Obst und Gemüse. Zur Herstellung wird der
Pflanzensaft herausgepresst und hierbei werden
meistens alle festen Stoffe herausgefiltert. Es fehlt also

47
ein Teil der Pflanze und eigentlich braucht unser Körper
auch diesen, um so gesund und munter wie möglich zu
bleiben. Deshalb sollte man sich eher für unverarbeitetes
Obst und Gemüse entscheiden, wenn man die Wahl hat.
Ein Glas Wasser und ein Apfel sind also viel besser für
uns als ein frisch gepresster Apfelsaft.

Tee ist ebenfalls sehr gesund. Da sind viele verschiedene


Stoffe aus der jeweiligen Pflanze drin und diese sind
oftmals hilfreich für unsere Gesundheit. Man sollte jedoch
möglichst nur biologisch angepflanzten Tee trinken. Für
die konventionell angebauten Sorten werden üblicher-
weise Chemikalien benutzt, um die Ernte vor Insekten zu
schützen. Diese werden auf die Pflanzen gesprüht. Das ist
einerseits natürlich wichtig, um die Bauern vor Ernte-
ausfällen zu schützen, andererseits können die Insekten-
gifte für uns Menschen ebenso gesundheitsschädlich sein
und wir merken das nicht einmal. Die Mengen hiervon
sind im Tee so gering, dass man das nicht heraus-
schmecken kann. Allerdings sammeln sich diese über die
Jahre im Körper an und man kann dann krank werden.
Das muss nicht so sein, kann aber passieren. Es hängt von
der Empfindlichkeit des eigenen Organismus ab. Einige
Menschen haben sehr starke Körper und denen passiert
nichts, andere sind viel sensibler und bekommen
gesundheitliche Probleme. Um sich generell davor zu
schützen, sollte man so wenige Chemikalien wie möglich
essen oder trinken. Die ökologischen Landwirte haben
ganz andere Möglichkeiten, um ihre Pflanzen ohne den
Einsatz von Gift vor Insektenbefall zu schützen. Meistens
nehmen sie einfach eine andere Art von Insekten und
diese fressen die Schädlinge auf. Dadurch enthält der Bio-
Tee keine für uns giftigen Stoffe.

48
3.7 Die Schule

Hauptthema:

Die Wichtigkeit von schulischer Bildung für das Leben als


Erwachsener

Beschreibung:

Viele Erziehungsberechtigte schaffen es heutzutage nicht,


ihrem Nachwuchs die Bedeutung der Schulzeit
beizubringen. Die betroffenen Kinder können gigantisch
große Schwierigkeiten im Erwachsenenleben bekommen
und um diese Pflichtverletzung gegenüber den jüngeren
Gästen muss ich mich als Hoteldirektorin selbst-
verständlich kümmern. Es ist schließlich ziemlich blöd
für jemanden, das ganze Leben lang arbeitslos zu sein,
nur weil die eigenen Eltern ihrem Kind nicht erklären
konnten, wie wichtig die Schule ist.

Nebenthema:

Der respektvolle Umgang miteinander

Beschreibung:

Respekt gegenüber allen Menschen bildet die Grundlage


für eine Welt, in der alles in Ordnung ist.
Viele meiner Schützlinge sind jedoch nicht in der Lage,
das zu verstehen und deswegen ist es eines der Haupt-
themen meines Handbuches. Hier wird das erstmalig
erwähnt.

49
Originaltext:

Eure Schulzeit zählt zu den wichtigsten Abschnitten in


eurer Kindheit. Ihr erhaltet in dieser Phase sehr viele für
euer Leben notwendige Informationen. Wer das nicht
ernst nimmt, verpasst Wichtiges und bekommt später im
Erwachsenenleben eventuell große Schwierigkeiten.
Das Problem hierbei kenne ich selber gut aus meiner
Kindheit. Man macht viel lieber etwas mit seinen
Freunden oder spielt mit dem Smartphone und hat wenig
Lust sich stattdessen um die Schule zu kümmern. Mit
dieser Einstellung passt man im Unterricht nicht auf und
macht, wenn überhaupt, nur sehr selten Hausaufgaben.
Diese Denkweise kann gefährlich sein. Als Kind hat man
zwar auf den ersten Blick ein schöneres Leben, da man
viel mehr spielen kann als diejenigen Klassenkameraden,
denen die Schule wichtig ist. Allerdings ist es anschlie-
ßend als Erwachsener sehr schwer einen vernünftigen
Job zu finden. Die Schulzeit ist dabei mit neun bis
dreizehn Jahren verhältnismäßig kurz. Arbeiten müsst ihr
danach ca. 40-45 Jahre lang und wer in der Schule nicht
richtig aufgepasst hat, wird für diesen langen Zeitraum
höchstwahrscheinlich keinen allzu tollen Job haben. Ihr
müsst dann hart für euer Geld arbeiten, wobei ihr nur ein
geringes Gehalt bekommen werdet. Im allerschlimmsten
Fall bleibt ihr euer ganzes Leben lang arbeitslos und
könnt euch nur das Nötigste zum Leben leisten. Euren
Urlaub müsstet ihr in dem Fall jedes Jahr zuhause
verbringen, weil euch die finanziellen Möglichkeiten
fehlen, um in ein anderes Land zu fahren oder zu fliegen.
Und eure Klamotten könnt ihr nur in Billigläden kaufen,
schließlich werdet ihr als Erwachsene zu den armen
Menschen gehören und die können sich die Produkte aus

50
den teuren Geschäften nicht leisten. Damit es nicht so
weit kommt, müsst ihr unbedingt in der Schule aufpassen
und regelmäßig eure Hausaufgaben machen. Hierbei gilt:

Je mehr ihr euch anstrengt, desto schöner wird euer


Leben im Erwachsenenalter

Somit ist es überhaupt nicht toll zu sagen, dass die Schule


doof ist und nervt. Als Kind hat man mehr als genügend
Freizeit danach und man kann während der Schulzeit in
der Pause mit seinen Freunden spielen. Sobald der Unter-
richt wieder losgeht, ist die Zeit zum Spielen vorbei und
man muss aufpassen, um etwas lernen zu können. Dabei
ist jegliche Störung des Unterrichts für die gesamte
Klasse schlecht. Diejenigen, die die Unterbrechung zu
verantworten haben, passen sowieso nicht auf und jedes
Mal verliert der Lehrer wertvolle Zeit, in der er den
Kindern etwas beibringen könnte. Störungen des Unter-
richts sind deshalb schlecht für eure berufliche Zukunft
und dürfen gar nicht vorkommen.
So etwas ist übrigens sehr respektlos gegenüber euren
Lehrern. Diese haben in ihrer Kindheit gut in der Schule
aufgepasst und anschließend viele Jahre an einer
Universität studiert, um euch Kinder unterrichten zu
können. Sie machen diesen Job, damit sie euch bei den
Vorbereitungen auf die Zeit nach der Schule helfen
können und nicht, um euch zu ärgern oder zu nerven.
Wer den Unterricht mutwillig unterbricht, macht diesen
hilfsbereiten Menschen das Leben unnötig schwer. Man
muss die Schule nicht mögen, jedoch sollte jeder darauf
achten, dass zumindest die Lehrer und die Klassen-
kameraden nicht unter dieser Einstellung leiden.

51
Genauso muss man einen Teil seiner Freizeit für die
Erledigung der Hausaufgaben verwenden. Ob man das
direkt nach der Schule oder erst abends macht, ist egal,
man muss es aber unbedingt machen. Mit deren Hilfe
könnt ihr das bereits Gelernte noch einmal wiederholen
und behaltet es auf diese Weise viel besser in eurem
Gedächtnis. Darum hat irgendwann in der Vergangenheit
ein schlauer Lehrer die Hausaufgaben erfunden. Das
Aufpassen im Unterricht und die Erledigung der Haus-
aufgaben bilden somit die Grundlage eurer Zukunft. Wer
beides ernst nimmt, hat ein schönes Leben vor sich. Alle
anderen können, wie bereits erwähnt, als Erwachsene
große Probleme bekommen.
Es ist übrigens niemals zu spät sich zu ändern. Alle
Kinder, die bisher oft den Unterricht gestört haben,
können dieses Verhalten problemlos sofort beenden. Und
sie können ebenfalls sofort anfangen regelmäßig ihre
Hausaufgaben zu machen. Das ist nicht nur gut für die
eigene Zukunft, sondern es werden sich auch die Lehrer,
die Eltern, die Omas und Opas und viele andere
Menschen darüber freuen. So hat das betroffene Kind
nämlich wieder eine sichere Zukunft vor sich. Falls man
irgendeinen Wunsch hat, wird man ihn viel eher erfüllt
bekommen. Dadurch unterstützen die Erwachsenen
schließlich ein Kind, welches sich ordnungsgemäß um
sein späteres Leben kümmert. Den Kindern, die die
Schule vernachlässigen, schenkt man hingegen besser
nichts, denn ansonsten würde man ja diese faule
Lebensweise unterstützen und das ist keine gute Idee.
Während eurer Kindheit seid ihr übrigens durch die
Erwachsenen ganz besonders geschützt. Sobald ihr etwas
falsch macht, bekommt ihr zwar Ärger, aber etwas
wirklich Schlimmes passiert euch nicht. Das ändert sich

52
schlagartig ab dem Moment eurer Volljährigkeit. Ab da
gibt es nur noch einen Menschen, der für euer Leben
verantwortlich ist und das seid ihr selber. Die anderen
Erwachsenen werden euch gegenüber dann nicht mehr
so verständnisvoll sein und erwarten von euch, dass ihr
selber wisst, was das Beste für euch ist. Ihr müsst für
euer Geld arbeiten und könnt nicht mehr, wie vorher in
der Schule, Unsinn anstellen. Wer von euch so etwas bei
der Arbeit macht, wird gekündigt und verliert seinen Job.
Nachdem man das ein paar Mal gemacht hat, ist es extrem
schwierig einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen. So
bleibt ihr gezwungenermaßen für den Rest eures Lebens
arm. Verhindern könnt ihr das nur, indem ihr die
Schulzeit ernst nehmt.

3.8 Die Eltern

Thema:

Die Einführung der Grundregel für Respekt

Beschreibung:

Menschen benötigen feste Orientierungsgrundlagen für


ihr Sozialverhalten und die Grundregel für Respekt ist
eine davon.

Originaltext:

Eure Eltern verwenden einen großen Teil ihrer Zeit, um


euch ein schönes Leben zu ermöglichen und müssen euch
noch nebenbei die Grundregeln des menschlichen

53
Miteinanders beibringen. Am wichtigsten hierbei ist der
respektvolle Umgang mit seinen Mitmenschen. Wer von
euch das nicht gelernt hat, kann im Erwachsenenalter
große Schwierigkeiten bekommen. Im schlimmsten Fall
werdet ihr für lange Zeit in einem Gefängnis eingesperrt,
weil ihr vor lauter Respektlosigkeit ein Verbrechen
begangen habt.
Um das zu verhindern, müsst die Grundregel für Respekt
kennen und die lautet folgendermaßen:

„Wer nicht nur an sich selber denkt, verdient sich damit


das Recht uneingeschränkt respektvoll behandelt zu
werden.“

Alle Menschen, die sich nicht daran halten, verlieren


dieses Recht und dürfen deshalb von uns eingeschränkt
respektvoll behandelt werden. Das betrifft beispielsweise
diejenigen, die uns um viele Gefallen bitten und generell
keine Zeit haben, wenn wir mal ihre Hilfe brauchen. Sie
denken nur an sich selber, halten sich also nicht an die
Grundregel für Respekt und dürfen deswegen von uns
ignoriert werden. Das ist die einzige Möglichkeit uns
davor zu schützen, ausgenutzt zu werden und darum ist
es auch erlaubt eine vorher vorhandene Freundschaft zu
kündigen. Ansonsten müsste man sich ja für den Rest
seines Lebens von einem anderen Menschen benutzen
lassen, ohne etwas dafür zurückzubekommen und das ist
nicht fair. Die einzige vernünftige Lösung ist es ihnen aus
dem Weg zu gehen und das ist mit einer eingeschränkt
respektvollen Behandlung gemeint. Dasselbe gilt
natürlich für alle, die andere beleidigen oder verprügeln.
Sie denken nicht an die Gefühle ihrer Mitmenschen und

54
aus diesem Grund solltet ihr ebenso einen großen Bogen
um sie machen.
Bei euren Eltern hingegen müsst ihr euch keine Sorgen
machen. Sie gehen mit euch zum Arzt, falls ihr Mal krank
seid, sie fahren für euch einkaufen, sie schenken euch
etwas zum Geburtstag, helfen euch bei unzähligen
anderen Angelegenheiten und sind freundlich zu euch.
Damit ist bewiesen, dass sie sich an die Grundregel für
Respekt halten, da sie nicht nur an sich selber, sondern
genauso an euch denken. Euch bleibt somit nichts
anderes übrig, als sie uneingeschränkt respektvoll zu
behandeln. Wer seine Eltern anschreit oder beleidigt,
verstößt dagegen und müsste theoretisch als Folge davon
sein eigenes Recht darauf verlieren. Eure Mamis und
Papis sind nun üblicherweise sehr tolerant mit euch und
verzeihen euch so ein Verhalten sehr schnell. Sobald ihr
aber erwachsen seid und euch anderen Menschen
gegenüber respektlos verhaltet, werden diese früher oder
später keine Lust mehr haben, mit euch etwas zu
unternehmen. Ihr werdet nur sehr wenige oder gar keine
Freunde haben und den Rest eures Lebens einsam sein.
Es ist ja schließlich besser solchen Menschen aus dem
Weg zu gehen.
Die extrem respektlosen Erwachsenen steckt man ins
Gefängnis. Dort werden sie je nach dem, was sie ver-
brochen haben, eine gewisse Zeit eingesperrt. Einerseits
ist das die einzige Möglichkeit die Allgemeinheit vor
ihnen zu schützen und andererseits sollen sie selber
spüren, was für Leid sie durch ihr Verhalten angerichtet
haben. Dafür nimmt man ihnen ihre Freiheit weg.
Um euch dieses Schicksal zu ersparen, müsst ihr
unbedingt lernen eure Eltern respektvoll zu behandeln.
So übt ihr dieses Verhalten und werdet es für den Rest

55
eures Lebens nicht mehr verlernen. Das hilft euch später
viele Freunde zu haben, auf die man sich verlassen kann
und nebenbei werdet ihr feststellen, welche positiven
Auswirkungen ein respektvoller Umgang miteinander
hat. Die Erwachsenen werden viel weniger mit euch
schimpfen und viel eher bereit sein euch zu helfen.
Zusätzlich dazu habt ihr die Sicherheit, dass in schlechten
Zeiten immer jemand für euch da ist, selbst wenn ihr
schon lange keine Kinder mehr seid.
Es kann dabei Momente geben, in denen ihr nicht ver-
steht, warum ihr etwas tun sollt. In solchen Situationen
hilft es einfach nachzufragen. Eventuell bekommt ihr eine
gute Antwort und versteht anschließend, weshalb das
Geforderte von euch verlangt wird. Falls nicht müsst ihr
trotzdem erst einmal das machen, was eure Eltern euch
sagen. Da sie sich an die Grundregel für Respekt halten,
müssen sie von euch uneingeschränkt respektvoll behan-
delt werden und dazu gehört es auch während der Kind-
heit auf das zu hören, was sie einem sagen. Ihr dürft das
jedoch nicht einfach so hinnehmen. Stattdessen solltet ihr
das im Hinterkopf behalten und bei Gelegenheit eure
Freunde oder Lehrer fragen, was das denn soll. Vielleicht
können sie euch beim Verständnis helfen oder sie kennen
gute Gründe, warum ihr es nicht machen müsst und ihr
könnt mit deren Hilfe eure Eltern davon überzeugen, dass
sie etwas falsch gemacht haben. Hierfür benötigt man
allerdings eine sehr gute Erklärung und man braucht
zuallererst einmal Erziehungsberechtigte, die offen für so
etwas sind. Es gibt nämlich Mamis und Papis, die sich
hinter ihrer höheren Position verstecken und diese
mögen keine Kinder, die mit ihnen etwas besprechen
möchten. Sie behaupten immer Recht zu haben und sind
niemals bereit zu erklären, warum das so ist.

56
Jeder von euch mit solchen Eltern hat leider Pech gehabt.
Ihr könnt euch nicht mit ihnen austauschen, was oftmals
zu Streit führt, aber da könnt ihr nichts gegen tun, außer
es in Zukunft besser zu machen. Dafür müsst ihr später
eurem eigenen Nachwuchs helfen eure Entscheidungen
zu verstehen, indem ihr ihre Fragen beantwortet. Das so
erlernte Verhalten geben sie automatisch an die nächste
Generation weiter und auf diese Weise werden von Jahr
zu Jahr immer mehr Kinder ihre Fragen beantwortet
bekommen.

3.9 Die Kinder ohne leibliche Eltern

Thema:

Vermeidung von negativen Emotionen bei Menschen, die


ihre leiblichen Eltern früh verloren haben

Beschreibung:

Das vorherige Thema könnte eventuell demotivierend auf


Menschen wirken, die ohne leibliche Eltern aufgewachsen
sind. Aus diesem Grund ist es an dieser Stelle notwendig,
ein Thema einzufügen, welches diesem entgegenwirkt.

Originaltext:

Viele Kinder auf der Welt haben aus ganz unter-


schiedlichen Gründen keine leiblichen Eltern mehr. Sie
haben es besonders schwer und hätten ohne Unterstüt-
zung nicht einmal ein Dach über dem Kopf. Zum Glück
sind viele Erwachsene gerne bereit ihnen zu helfen, damit

57
sie nicht auf der Straße schlafen müssen. Am besten ist es
hierbei adoptiert zu werden. Man bekommt so eine neue
Mama und einen neuen Papa und nachdem man sich an
die neue Situation gewöhnt hat, muss man sich zumindest
um seine Zukunft keine Sorgen mehr machen.
Die Adoptiveltern verdienen natürlich dieselbe Aner-
kennung, die alle fürsorglichen Eltern bekommen sollten.
Sie halten sich ja offensichtlich an die Grundregel für
Respekt, indem sie viel von ihrer eigenen Zeit und
Energie investieren, um dem Adoptivkind eine gesicherte
Existenz zu ermöglichen. Somit muss man sie
zwangsläufig uneingeschränkt respektvoll behandeln,
weil sie sich das verdient haben.
Schwieriger zu verstehen ist diese Regel für Kinder, die
im Heim leben. Einige von ihnen verursachen große
Probleme, weil sie sich nicht daran halten und bleiben
deshalb bis zur Volljährigkeit in der Einrichtung, in der
sie untergebracht sind. Viele Erwachsene haben nämlich
Angst vor Kindern, die respektlos mit anderen Menschen
umgehen. Sie möchten nicht, dass das adoptierte Kind sie
selber oder ihren eventuell schon vorhandenen eigenen
Nachwuchs anschreit oder verprügelt. Und in der Schule
verursachen respektlose Jungs und Mädchen oftmals
große Schwierigkeiten, was eine hohe Belastung für die
Adoptiveltern sein kann. Deswegen ist es für Kinder ohne
leibliche Eltern fast unmöglich adoptiert zu werden,
solange diese nicht gelernt haben auch an die Gefühle
ihrer Mitmenschen zu denken. Schließlich geht man
solchen Menschen besser aus dem Weg, um seine
Angehörigen und sich selbst zu schützen. Sobald man
dann volljährig ist, muss man zwar nicht mehr im Heim
leben, allerdings ist man dann ganz auf sich alleine
gestellt, weil man keine Familie hat.

58
Wer von euch hiervon betroffen ist, kann das mit Hilfe
seiner Betreuer ändern. Ihr müsst nur zu diesen gehen
und euch für euer Verhalten in der Vergangenheit ent-
schuldigen. Sie werden sich dann sehr freuen und euch
auf jeden Fall verzeihen. Anschließend dürft ihr sie nicht
mehr anschreien, nicht mehr schlagen und müsst darauf
hören, wenn sie euch um etwas bitten. Das kann immer
wieder mal schiefgehen, allerdings ist das ganz normal.
Es kann ein wenig dauern, bis ihr den respektvollen
Umgang gelernt habt und eure Betreuer wissen das. Ihr
müsst euch jedoch unbedingt sofort entschuldigen,
sobald ihr euch wieder beruhigt habt. Mit ein wenig
Geduld könnt ihr euch auf diese Weise langsam, aber
sicher daran gewöhnen auch an andere Menschen zu
denken und damit verdient ihr euch das Recht
uneingeschränkt respektvoll behandelt zu werden. Die
Erwachsenen werden euch nicht mehr aus dem Weg
gehen und eure Chancen eine neue Familie zu finden sind
viel höher.
Wie ihr hier sehen könnt, ist es besonders in schwierigen
Zeiten sehr wichtig sich an die Grundregel für Respekt zu
halten. Nur so bekommt man von seinen Mitmenschen
die oftmals dringend benötigte Unterstützung. Wer sich
nicht daran hält, ist auf sich alleine gestellt und macht
sich dadurch das Leben viel schwerer, als es eigentlich
sein müsste.

3.10 Das Kochen

Hauptthema:

Die Notwendigkeit, das Verhalten von Kindern durch


Regeln und Verbote einzuschränken

59
Beschreibung:

Viele Eltern möchten heutzutage, dass ihre Kinder


möglichst früh eigenständige Entscheidungen treffen und
verzichten zu diesem Zweck auf die Ausübung ihrer
elterlichen Autorität. Das kann gut gehen, allerdings kann
es genauso gut zu völlig orientierungslosen Kindern
führen und es passieren weltweit jede Menge schlimme,
aber eigentlich vermeidbare Unfälle dadurch.

Nebenthema:

Die Wichtigkeit einer gesunden Ernährung

Beschreibung:

Sehr viele Menschen ernähren sich heutzutage von


Fertignahrung und tun ihrer Gesundheit damit keinen
Gefallen. Aus diesem Grund würde es Sinn ergeben,
jedem Kind das Kochen beizubringen, um diesen die
Möglichkeit zu geben, sich gesund ernähren zu können.

Originaltext:

Frisch zubereitetes Essen ist die Basis eines langen


Lebens und deshalb sollten wir alle im Laufe unserer
Kindheit lernen zu kochen. Das ist nicht schwierig, macht
viel Spaß und nachdem man fertig ist, hat man etwas
Leckeres zu essen auf dem Tisch.
Da Kochen sehr gefährlich sein kann, muss man hierbei
ein paar Sachen beachten. Das fängt bei einem heißen
Topf an. Wer diesen mit der Hand an der falschen Stelle
berührt, verbrennt sich blitzschnell die Haut und dann

60
kann es sein, dass man umgehend ins Krankenhaus
fahren muss. Dort muss sich ein Arzt um die Verbrennung
kümmern, ansonsten könnte sich die Stelle entzünden.
Kochend heißes Wasser stellt genauso eine große Gefahr
dar und man muss unbedingt wissen, wie man damit
umgeht, um schmerzhafte Verbrühungen zu vermeiden.
So etwas tut nicht nur sehr weh, sondern es bleiben
meistens auch lebenslang unansehnliche Narben auf der
Haut zurück. Dazu kommen noch die scharfen Messer,
mit denen man sich in die Hand schneiden kann und beim
anschließenden Saubermachen kann ebenfalls etwas pas-
sieren. Wer nämlich das Spülmittel trinkt, anstatt es zum
Geschirrspülen zu benutzen, vergiftet sich. Ohne schnelle
ärztliche Hilfe wird man dann innerhalb kurzer Zeit sehr
schwer krank und um das zu verhindern, müsst ihr
wissen, dass man es niemals nicht trinken darf.
Dies alles und noch viel mehr muss euch von euren Eltern
oder Betreuern beigebracht werden, bevor ihr das erste
Mal alleine am Herd steht und das Kochen ist dabei nur
eines von vielen Beispielen. Bei vielen Aktivitäten im
Leben gibt es Risiken und wer diese nicht kennt, kann
sich schwer verletzen. Viele von euch wollen nun alles
Mögliche selber ausprobieren und sind genervt, sobald
die Erwachsenen sagen, dass man das lieber so und so
machen sollte oder euch sogar etwas verbieten. Sie
verfügen durch ihr höheres Alter über viel mehr
Lebenserfahrung als ihr und möchten diese an euch
weitergeben, um euch zu schützen. Oftmals interessiert
das die Heranwachsenden aber nicht und sie machen
einfach das, was sie selber für richtig halten.
Ein Teil der Kinder hat Glück und es passiert ihnen
dadurch nichts Schlimmes. Gleichzeitig tun sich täglich
weltweit viele von ihnen sehr weh, weil sie nicht auf das

61
gehört haben, was man ihnen gesagt hat. Es ist somit eine
Art von Glücksspiel. Wenn man das Schicksal auf seiner
Seite hat, passiert einem nichts. Falls man jedoch Pech
hat, verletzt man sich schwer. In so einem Fall muss man
möglicherweise lange Zeit ärztlich betreut werden, um
wieder gesund zu werden.
Ihr könnt euch selber aussuchen, ob ihr in Zukunft auf die
Erwachsenen hört oder nicht und als Folge davon viel-
leicht eines Tages mit schlimmen Schmerzen im Kranken-
haus aufwacht. Eure Eltern, Betreuer und Lehrer wollen
euch durch ihre Vorschriften definitiv nichts Böses antun.
Sie kennen viele Gefahren, von denen ihr noch gar keine
Ahnung habt und möchten euch mit Regeln und Verboten
nur darauf aufmerksam machen, dass bestimmte
Aktivitäten negative Auswirkungen auf euer Leben haben
können. So wollen sie euch vor schmerzhaften Verletzun-
gen schützen.

3.11 Die Ordnung

Thema:

Die Notwendigkeit, Kindern die Wichtigkeit von Ordnung


beizubringen

Beschreibung:

Die Fähigkeit, sein eigenes Leben zu organisieren und


ordentlich zu sein, muss im Laufe der Kindheit erlernt
werden und es gibt heutzutage viele Eltern, die das
vernachlässigen.

62
Solche Kinder werfen dann oftmals als Jugendliche Müll
auf die Straße, weswegen das Paradies auf Erden an
diversen Stellen sehr hässlich aussehen würde und das
gilt es unbedingt zu verhindern.

Originaltext:

Die Erwachsenen leben in einer Welt voller Ordnung und


diese ist sehr gut für uns alle. Nur so bekommen wir
regelmäßig etwas zu essen auf den Tisch und haben
genügend Strom, Wasser und alles, was man sonst noch
so zum Leben benötigt.
Falls jedoch immer mehr Menschen unordentlich werden
würden, hätten wir früher oder später alle ein großes
Problem. Die Versorgung mit dem, was wir täglich
brauchen, würde von Tag zu Tag schlechter werden und
unser Lebensstandard als Folge davon sinken. Damit das
nicht passiert, möchten die Erwachsenen euch beibringen
ein geordnetes Leben zu führen. Nur so können sie sicher
sein, dass es euch auch in Zukunft gut geht.
Das fängt beim Aufräumen eures Zimmers an. In einem
aufgeräumten Raum könnt ihr eure Sachen schnell
finden, weil ihr eine gute Übersicht über alles habt. Das
muss beispielsweise in einem Stromkraftwerk unbedingt
so sein, um bei Problemen sofort reagieren zu können.
Dort gibt es spezielle Handbücher und Werkzeuge, die
man bei Störungen so schnell wie möglich benötigt. In
einem unaufgeräumten Kraftwerk müsste man erst
einmal danach suchen. Währenddessen verliert man
wertvolle Zeit und die Stromerzeugung könnte schon
unterbrochen sein, noch bevor man das Benötigte
gefunden hat. Wir hätten dann alle erst einmal keinen
Strom mehr und vor so etwas wollen eure Eltern und

63
Betreuer euch schützen. Deshalb finden sie das Auf-
räumen eures Zimmers so furchtbar wichtig.
Es kann nämlich für viele Menschen sehr gefährlich sein,
wenn die Versorgung mit elektrischer Energie ständig
ausfällt. Ohne Strom arbeiten zum Beispiel die Maschinen
im Krankenhaus nicht mehr und das kann für schwer-
kranke Patienten lebensgefährlich sein. Sie brauchen
Geräte, die ihnen helfen lebenswichtige Körper-
funktionen aufrechtzuerhalten und würden ohne sie
innerhalb kurzer Zeit sterben. Zur Absicherung gibt es
deswegen Notstromaggregate in Krankenhäusern, diese
müssen allerdings auch von ordentlich arbeitenden
Technikern betreut werden, damit sie im Ernstfall
anspringen. Ebenso gibt es bei Stromausfällen nachts
keine Straßenbeleuchtung, wodurch es viel gefährlicher
für Fußgänger wird. Die sehen dann vor lauter
Dunkelheit fast gar nichts mehr und so können schlimme
Unfälle passieren. Das könnte in Zukunft ganz normal
sein, falls immer mehr Menschen unordentlich werden
würden und wir wären dadurch ständig in Gefahr.
Um so etwas von Anfang an zu verhindern, sollte jedes
Kind lernen ordentlich zu sein. Üben kann man das unter
anderem beim Aufräumen des eigenen Zimmers und bei
der Erledigung der Hausaufgaben. Wie genau das funk-
tioniert können eure Eltern, Betreuer und Lehrer euch
erklären. Erwachsene, die ordentlich arbeiten, verdienen
übrigens mehr Geld als ihre unordentlichen Kollegen. Bei
der Arbeit zählt immer nur die erbrachte Leistung. Wer
einen guten Überblick über das hat, was zu erledigen ist,
kann auf diese Weise in demselben Zeitraum mehr
Aufgaben bewältigen. Man erbringt so eine höhere
Arbeitsleistung und in einer guten Firma wird das auch
dementsprechend gewürdigt. Wer gelernt hat ordentlich

64
zu sein, hat also als Erwachsener größere Chancen viel
Geld zu verdienen und kann damit sein Leben nach
seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen gestalten.

3.12 Das Fernsehen, das Internet und die Bücher

Thema:

Die negativen Auswirkungen der modernen Lebensweise


auf die Intelligenz der Menschen

Beschreibung:

Durch eine aktuell sehr starke Konzentration auf Unter-


haltungsmedien sinkt das allgemeine Intelligenzniveau
der Menschheit immer weiter ab. Dies ließe sich mit
einem vernünftigen Umgang mit diesem Thema
umkehren und das muss auch sein, damit die Menschen
zukünftig über eine ausreichende Intelligenz verfügen,
um in der Lage zu sein, mit mir gemeinsam das Paradies
auf Erden aufzubauen.

Originaltext:

Das Fernsehen ist eine sehr vielseitige Erfindung und


kann uns nicht nur unterhalten, sondern uns auch sehr
vieles über die Welt beibringen. Hierbei ist es wichtig zu
wissen, dass Unterhaltungssendungen zwar hilfreich
dabei sind unserem Gehirn mal eine Pause zu
verschaffen, für dessen Weiterentwicklung sind sie
jedoch nicht geeignet. Wer ständig stundenlang
Fernsehen zur Unterhaltung schaut, fördert seine
Intelligenz also nicht.

65
Im Gegensatz dazu könnte man die Zeit nutzen, um sich
Dokumentationen oder Wissenssendungen anzuschauen.
Hierdurch wird unser Denkorgan ständig mit neuen
Informationen konfrontiert und muss diese irgendwie
einordnen. Der Effekt dabei ist ähnlich wie bei einem
Muskel, den man durch Sport trainiert. Dieser wird mit
der Zeit immer stärker und belastungsfähiger.
Dasselbe passiert mit unserem Gehirn, wenn wir eine
Sendung im Fernsehen sehen, von der wir etwas lernen
können. Es wird jedes Mal schlauer und kann zukünftig
viel einfacher mit neuem Wissen umgehen. Das wirkt sich
dann auf das gesamte Leben aus und man ist generell
besser darin, auf bisher unbekannte Informationen zu
reagieren, weil man das ja vorher trainiert hat.
Diejenigen, die das Fernsehen nur zur Unterhaltung
nutzen, können hingegen große Schwierigkeiten bekom-
men. Ihnen fehlt dieses wichtige Training und sie können
deshalb schnell überfordert sein, sobald sie etwas Neues
lernen müssen. Dadurch sind sie weniger flexibel im
Alltag und können sich an Veränderungen nicht allzu gut
anpassen.
Fangt aber deswegen nicht an, nur noch euer Denken zu
trainieren. Unser Gehirn braucht auch Ruhephasen und
dafür ist das Unterhaltungsfernsehen sehr gut geeignet.
Ihr solltet es nur nicht ständig gucken, falls euch eure
geistige Leistungsfähigkeit wichtig ist und ihr in der Lage
sein möchtet, auf die komplexe Welt von heute flexibel
reagieren zu können.
Beim Internet ist es genauso. Damit hat man die
Möglichkeit sich entweder zu unterhalten oder sich
Wissen anzueignen. Manchmal kann man beides gleich-
zeitig machen, indem man beispielsweise ein Spiel spielt,
bei dem man etwas lernen kann. Allerdings besteht beim

66
Internet ebenfalls die Gefahr, dass man es nur zur
Unterhaltung nutzt und dadurch seine geistigen
Fähigkeiten vernachlässigt.
Bücher haben diesbezüglich einen sehr großen Vorteil.
Bei ihnen kann man nichts falsch machen, denn es ist für
unsere Denkfähigkeiten egal, ob man unterhaltsame oder
wissensvermittelnde Bücher liest. Beim Lesen von
Geschichten muss das Gehirn sich nämlich selber vor-
stellen, wie die dort beschriebene Umgebung und die
erwähnten Menschen aussehen. Dieser Prozess alleine ist
schon ein sehr gutes Training für die eigene
Vorstellungskraft. Man hat somit eine völlig freie
Auswahl und kann sich nach Belieben mit den Büchern
versorgen, die einem gefallen.

3.13 Die sozialen Netzwerke

Thema:

Verdummung durch aufs Internet beschränkte zwischen-


menschliche Kommunikation

Beschreibung:

Die Möglichkeit, übers Internet Kontakt zu anderen


Menschen zu haben, führt oftmals aufgrund von
Bequemlichkeit zur Vernachlässigung von Treffen im
realen Leben. Hierdurch können sich bereits erworbene
soziale Fähigkeiten zurückentwickeln oder im schlimm-
sten Fall lernen Kinder erst gar nicht, wie man von
Angesicht zu Angesicht kommuniziert.

67
Originaltext:

Fast alle von uns haben gerne Kontakt mit anderen


Menschen und dafür sind die sozialen Netzwerke im
Internet sehr gut geeignet. Auf diesen Seiten muss man
sich erst einmal anmelden, woraufhin man ein eigenes
Profil erhält und sich anschließend mit anderen Nutzern
auf der ganzen Welt unterhalten kann. Und so kann man
dann mit seinen Freunden oder auch mit fremden
Menschen in Kontakt treten, ohne das Haus verlassen zu
müssen. Da ständiges stundenlanges Herumsitzen am
Computer überhaupt nicht gut für unseren Körper ist,
macht man das aber lieber nur, falls es draußen regnet
oder man krank im Bett liegt. Den Rest der Zeit sollte man
sich im Interesse der eigenen Gesundheit mit seinen
Freunden im realen Leben treffen. Die zur Körper-
reinigung notwendige Bewegung fehlt uns ansonsten.
Diejenigen, die sich mit ihren Freunden draußen treffen,
haben dieses Problem nicht. Sie sind körperlich aktiv,
wenn sie mit anderen Menschen Kontakt haben und
nebenbei haben sie einen weiteren großen Vorteil. Für sie
ist es völlig normal, sich von Angesicht zu Angesicht zu
unterhalten und sie haben deshalb viel Übung bei solchen
Gesprächen. Das ist wichtig fürs Leben, weil man bei
vielen Gelegenheiten wissen muss, wie man mit seinen
Mitmenschen kommuniziert.
Wer zum Beispiel einen Job sucht, muss im
Vorstellungsgespräch überzeugend wirken. Dabei spricht
man mit einem Menschen, der einem direkt gegenüber
sitzt. Allen von uns, die immer nur am Computer mit
anderen gechattet haben, fehlt eventuell die Erfahrung,
um sich in solch einer Situation gut verkaufen zu können.
So wird es schwierig einen Arbeitsplatz zu bekommen

68
und deswegen sollte man die sozialen Netzwerke niemals
als einzige Kontaktform nutzen.
Draußen vor der Tür sind die Möglichkeiten Spaß zu
haben sowieso viel größer als in den eigenen vier
Wänden. Man kann mit seinen Freunden auf den
Spielplatz, in den Wald, ins Kino und an viele andere Orte
gehen und das ist auch viel besser für unser Gehirn. Es
erlebt dadurch viele neue Eindrücke, die verarbeitet
werden müssen und das ist ein gutes Training für unsere
geistigen Fähigkeiten.

3.14 Die moderne Medizin

Hauptthema 1:

Die negativen Auswirkungen des Kapitalismus auf das


Gesundheitssystem

Beschreibung:

Aus kapitalistischer Sicht gibt es für Unternehmen, die im


medizinischen Bereich tätig sind, nichts Schlimmeres als
Patienten, die sterben und Patienten, die vollständig
gesund werden. Bei der ersten Variante kann nur noch
der Bestatter etwas verdienen und beim zweiten Fall
bekommt niemand mehr Geld.
Der ideale Patient für solche Firmen ist deshalb chronisch
krank und benötigt eine dauerhafte medizinische
Betreuung. Das wird erreicht, indem die Symptome
bekämpft werden, ohne sich mit der eigentlichen Ursache
der Krankheiten auseinanderzusetzen. Aufgrund der weit
verbreiteten Naivität vieler Menschen wissen die
wenigsten darüber Bescheid und sie vertrauen blind auf

69
ihre Ärzte. Diese Situation wird ausgenutzt und es
werden jedes Jahr im Bereich der Medizin unzählige
Milliarden auf Kosten der Gesundheit der Patienten
verdient.

Hauptthema 2:

Die negativen Auswirkungen von Bequemlichkeit auf die


Gesundheit

Beschreibung:

Die im Medizinbereich tätigen Unternehmen wären


niemals so erfolgreich, wenn nicht auch die Patienten
aktiv dabei mithelfen würden. Viele von ihnen sind
schlicht und einfach zu faul, um sich mit ihren
Krankheiten näher zu beschäftigen und greifen deswegen
lieber zu vermeintlich einfacheren Lösungen wie
beispielsweise zu Medikamenten. Hierdurch wird das
bestehende System unterstützt und am Leben gehalten.

Nebenthema:

Naiver Umgang mit Giftstoffen im Alltag

Beschreibung:

In vielen alltäglichen Produkten sind diverse Giftstoffe


enthalten, wobei die meisten Menschen sich da gar nicht
für interessieren. Sie wundern sich dann zwar später,
warum sie oder auch ihre Kinder beispielsweise an Krebs
erkranken, können allerdings den Zusammenhang damit
nicht herstellen.

70
Originaltext:

Im Vergleich zu früher ist das Niveau der Medizin heut-


zutage sehr hoch. Das liegt daran, dass viele intelligente
Frauen und Männer in diesem Bereich forschen und
ständig neue Behandlungsmethoden entwickeln. Wir
müssen uns also von Jahr zu Jahr weniger Sorgen um
Krankheiten machen.
Wer von euch Lust hat dabei mitzuhelfen, kann das gerne
später als Erwachsener tun. Dafür müsst ihr gut in der
Schule aufpassen und danach etwas in diesem Bereich
studieren. Je mehr von euch das machen, desto schneller
finden wir weitere Lösungen für schlimme Krankheiten.
Alternativ dazu könnt ihr auch nach der Schulzeit eine
Ausbildung im Gesundheitsbereich absolvieren. Wir
brauchen jederzeit viele von solchen ausgebildeten
Fachkräften, damit immer jemand den Ärzten bei der
Versorgung der Patienten helfen kann.
Generell ist es wichtig zu wissen, dass viele der heutigen
Krankheiten ganz einfach vermieden werden können,
indem man gesund lebt. Am wichtigsten sind hierbei, wie
bereits erwähnt, eine vernünftige Ernährung und aus-
reichend Bewegung. Beides zusammen bildet das Grund-
rezept gegen die meisten der sogenannten Zivilisations-
krankheiten und so kann man sich viele Arztbesuche
sparen, da diese Krankheiten gar nicht erst entstehen
können. Zusätzlich dazu sollte man sich darüber
informieren, was für Giftstoffe man täglich zu sich nimmt.
Das können Autoabgase in der Luft, Pflanzenschutzmittel
und Konservierungsstoffe in der Nahrung, chemische
Duftstoffe in Kosmetikprodukten und vieles mehr sein.
Für sich allein genommen sind diese oftmals
ungefährlich, da unser Körper die geringen Mengen ohne

71
große Schwierigkeiten wieder ausscheiden kann. Das
sieht jedoch ganz anders aus, sobald man diese alle mal
zusammenrechnet. Dann kann es schnell zu einer
Überforderung unserer körpereigenen Entgiftungs-
mechanismen kommen und wir bekommen als Folge
davon gesundheitliche Probleme.
Das Mittel der Wahl hiergegen ist Information. Mit Hilfe
des Internets kann man sich über die einzelnen Produkte
informieren und nachschauen, ob dort Stoffe drin
stecken, die giftig sind. Falls vieles, was man so im Alltag
ausgesetzt ist, gefährlich für den eigenen Organismus
sein könnte, sollte man sich nach gesunden Alternativen
umschauen. Auf die gesetzlichen Vorschriften kann man
leider nicht verlassen. Der Gesetzgeber schaut immer nur
auf die einzelnen Produkte und überprüft, ob diese für
sich alleine gefährlich sind. Das Zusammenrechnen der
Giftstoffbelastung ist deshalb etwas, was wir selber
machen müssen und im Interesse der eigenen Gesundheit
auch unbedingt tun sollten.
Die Ärzte versuchen alles in ihrer Macht Stehende zu tun,
um die hierdurch entstehenden Krankheiten ebenfalls zu
heilen, sie scheitern jedoch tagtäglich an der mangelnden
Mitarbeit ihrer Patienten. Viele Menschen sind fest davon
überzeugt, dass sie ungesund leben können und die Ärzte
die daraus entstehenden Probleme wie von Zauberhand
mit Medikamenten lösen werden.
Das ist aber eine falsche Annahme. Tabletten können
zwar beispielsweise bestimmte Infektionskrankheiten
heilen, bei den Zivilisationskrankheiten hingegen
unterdrücken sie meistens lediglich die Symptome, ohne
die Ursache zu bekämpfen. Das hilft kurzfristig, langfris-
tig wird man allerdings noch kranker.

72
Die meisten Medikamente sind nämlich eine starke
Giftstoffbelastung für unseren Körper, was man im
Beipackzettel anhand der üblicherweise langen Liste der
Nebenwirkungen sehr gut sehen kann. Leider ignorieren
viele Menschen diesen Zusammenhang, weil sie der
Wahrheit nicht ins Auge sehen möchten. Für sie ist es
extrem schlimm auf ihr gewohntes ungesundes Essen
oder auf die vielen täglichen Stunden zuhause vor dem
Fernseher zu verzichten und so leben sie weiter in der
Hoffnung auf die Zauberpille, die es ihnen ermöglicht
ungesund leben zu können und trotzdem gesund zu
bleiben.
Versucht bitte selber nicht in diese Falle zu geraten. So
eine „Zauberpille“ gibt es nicht und es wird sie auch
niemals geben. Wer sein ganzes Leben lang gesund
bleiben möchte, muss sich an bestimmte Regeln halten
und bereit sein, etwas für seine Gesundheit zu tun. Das ist
kinderleicht für jeden, der das schon als Kind gelernt hat.
Unbequem wird es erst, sobald man erwachsen ist und in
dem Alter sein Verhalten ändern möchte. In so einem Fall
haben die Erziehungsberechtigten versagt, da sie ihren
Kindern eine ungesunde Lebensweise beigebracht haben
und es wird schwer da wieder herauszukommen, weil
sich die Verhaltensmuster schon tief ins Gehirn einge-
prägt haben.
Dennoch ist es nicht unmöglich sich zu ändern, selbst
wenn es erst einmal schmerzhaft erscheint. Es ist im
Gegenteil sogar sehr einfach, denn man muss sich nur
ausführlich darüber informieren, was für Konsequenzen
das eigene Verhalten für die Gesundheit hat. Wer auf
diese Weise lernt, dass zum Beispiel ein bestimmtes
Essen sehr ungesund ist, wird es zukünftig nicht mehr so
gerne essen wie früher. Durch das Wissen über die

73
Folgen ändert sich nämlich automatisch der Geschmack
und was Mal sehr lecker war, schmeckt einem auf einmal
gar nicht mehr, da man nun weiß, was für negative
Auswirkungen es auf den eigenen Körper hat. So kann
man sich Stück für Stück einer gesunden Lebensweise
annähern, ohne unter den Veränderungen leiden zu
müssen. Das erspart uns die ein oder andere Krankheit
und die hiermit verbundenen lästigen Arztbesuche.
Ein weit verbreitetes Beispiel für das Entstehen von
Zivilisationskrankheiten sind Rückenschmerzen.
Darunter leiden aktuell viele Erwachsene und die übliche
Behandlungsmethode der Ärzte gegen diese
Beschwerden sind Schmerzmittel und Tabletten zur
Muskelentspannung. Beides hilft nur kurzfristig, indem es
die Symptome verschwinden lässt, langfristig bringt das
jedoch überhaupt nichts. Die häufigsten Ursachen für
Rückenschmerzen sind zu häufiges Liegen und Anlehnen
beim Sitzen. Indiesem Zustand werden die Muskeln im
Rücken so gut wie gar nicht gefordert und verkümmern
langsam, aber sicher. Medikamente helfen hiergegen gar
nicht, da sie nicht in der Lage sind das notwendige regel-
mäßige Training zu ersetzen. Stattdessen unterdrücken
sie nur die Schmerzen und entspannen die Muskeln auf
eine unnatürliche Weise.
Für die einzige funktionierende Behandlung müsste man
täglich ca. 15 Minuten Gymnastik machen und 30-45
Minuten spazieren gehen. Hierdurch wird die Rücken-
muskulatur ausreichend gefordert und nur so können die
Beschwerden dauerhaft verschwinden. Das wird
allerdings von vielen Menschen abgelehnt, weil sie ihre
alltägliche Routine dafür verändern müssten. Sie sehen es
nicht ein, selber etwas für ihre Heilung zu tun und
nehmen lieber weiterhin Tabletten in dem Glauben, dass

74
ihnen das helfen wird. Und so werden sie nach einigen
schmerzhaften Jahren gezwungen sein, für den Rest ihres
Lebens Medikamente zu nehmen. Der ständige Bewe-
gungsmangel führt zu einem stark erhöhten Verschleiß
der Muskeln und der Wirbelsäule und ab einem gewissen
Punkt ist es unmöglich, die Gesundheit des Rückens
wiederherzustellen. So bleibt man dann lebenslang
abhängig von Schmerzmitteln, da man permanente, nicht
wieder reparierbare Rückenschmerzen hat. Dabei wäre
es kinderleicht eine dauerhafte Lösung für die Besch-
werden zu finden, man müsste sich einfach nur bereit
erklären, seinen Tagesablauf ein klein wenig zu ändern.

3.15 Der Strom

Thema:

Beruhigung der aktuell sehr angespannten Situation


zwischen Klimaschützern und Wirtschaftsinteressen

Beschreibung:

Die Vorstellung, dass die Menschen in der Lage wären,


den Planeten Erde durch ihre Handlungen zu zerstören,
ist zwar perfekt dafür geeignet, um sich wichtig
vorzukommen, allerdings natürlich völlig unrealistisch.
Sämtliche Zerstörungen sind ja schließlich einfach nur
ein Teil des Planes des Universums und hierbei haben
Menschen sowieso nichts mitzureden.
Aus diesem Grund ist es notwendig, diesen Streit zu
beenden, damit langsam, aber sicher an der Umstellung

75
auf umweltfreundliche Stromquellen gearbeitet werden
kann.

Originaltext:

Strom ist heutzutage genauso wichtig für uns wie Wasser


und Essen. Damit kann man unglaublich viele Dinge
machen. Wer zum Beispiel Mal mit einem Zug gefahren
ist, wurde höchstwahrscheinlich mit Hilfe von elek-
trischer Energie von einer Stadt in die andere gebracht.
Fahrzeuge auf Schienen können das schon seit über
hundert Jahren und Autos ebenso lange, jedoch haben
diese leider noch ein großes Problem und das ist
dasselbe, das die Exoskelette auch haben. Die heutigen
Batterien sind ziemlich schwach und wiegen sehr viel.
Deshalb sind die Akkus der Autos und Exoskelette relativ
schnell leer und man kommt hiermit nicht weit. Sie
werden aber von Jahr zu Jahr leichter und leistungs-
fähiger und inzwischen fahren Elektroautos schon
mehrere hundert Kilometer am Stück.
Die meisten Züge hingegen sind, genau wie euer Zuhause,
mit dem Stromnetz verbunden und bekommen ihre
Energie direkt vom Kraftwerk. Dort wird meistens Kohle
oder ein anderer Brennstoff verbrannt, um dadurch
Wasser zu erhitzen, bis es kocht. Der dabei entstehende
Wasserdampf treibt eine Turbine an und diese erzeugt
den Strom. Mit dieser Technik konnte man schon früher
riesige Mengen davon erzeugen und sie hat die
Entwicklung sämtlicher Elektrogeräte überhaupt erst
möglich gemacht. Leider hat sie einen großen Nachteil.
Jedes Mal, wenn in einem klassischen Kraftwerk etwas
verbrannt wird, entsteht giftiger Rauch und dieser
verteilt sich überall in der Luft. Für unsere Lungen ist das

76
überhaupt nicht gesund und viele von uns werden davon
krank. In den letzten Jahrzehnten haben immer mehr
Menschen diesen Zusammenhang verstanden und
versucht etwas dagegen zu unternehmen. Deshalb findet
man heutzutage fast überall, wo etwas verbrannt wird,
auch einen Filter. Damit wird der Rauch zumindest
teilweise gereinigt und ist weniger giftig für uns.
Um dieses Problem langfristig zu lösen, haben schlaue
Menschen Alternativen zu der klassischen Strom-
erzeugung entwickelt. Herausgekommen sind dabei zum
Beispiel die Wind- und die Solarenergie. Hierbei muss
man nichts verbrennen, sondern es reicht völlig aus,
wenn es windig draußen ist oder die Sonne scheint.
Langfristig soll mit Hilfe solcher Technologien die Luft auf
der Erde wieder sauberer werden, denn irgendwann in
der Zukunft können wir mehr als ausreichend Strom
erzeugen, ohne etwas verbrennen zu müssen.
Wir befinden uns aktuell am Anfang der Übergangsphase
zwischen der klassischen Stromerzeugung und der
modernen. Die meiste elektrische Energie wird noch auf
die altmodische Weise produziert und somit führt mehr
Stromverbrauch automatisch zu einer schlechteren
Luftqualität. Strom zu sparen ergibt also sehr viel Sinn,
wenn man draußen vor der Tür möglichst saubere Luft
atmen möchte. Wer dabei mithelfen will, kann sich
darüber informieren, wie man zuhause Energie spart. In
ungefähr 50-100 Jahren dürft ihr dann wieder so viel
Strom verschwenden, wie ihr wollt. Dann haben wir
genügend davon, ohne für dessen Produktion unsere
Umwelt verunreinigen zu müssen.
Wir müssen übrigens noch ein großes Rätsel lösen. Seit
vielen Jahrzehnten versuchen hochintelligente Wissen-
schaftler die Sonne nachzubauen, um damit sehr viel

77
sauberen Strom zu erzeugen. Das funktioniert bis heute
nicht so, wie es soll und wer Lust hat dabei mitzuhelfen,
kann das gerne als Erwachsener tun. Vielleicht löst ja
einer von euch dieses Rätsel.

3.16 Der Müll

Thema:

Korrekter Umgang mit Abfällen

Beschreibung:

Die umweltgerechte Entsorgung und die Wiederverwer-


tung von Müll muss noch weiterentwickelt und weltweit
etabliert werden. Bei mir zu Hause funktioniert das zum
Glück schon ganz gut und daran sollten sich alle
Menschen ein Beispiel nehmen.

Originaltext:

Müll ist ebenfalls ein Problem, mit dem wir uns


beschäftigen sollten, damit unsere Umwelt zukünftig
wieder sauberer wird. Bei mir zuhause wird dieser
getrennt eingesammelt und wir haben zu diesem Zweck
viele verschiedene Mülltonnen. Ich habe vier Stück
davon. Die erste ist für den normalen Müll, die zweite für
die Essensreste, die dritte für das Papier und die vierte
für die Plastik- und Aluminiumverpackungen. Das reicht
aber noch nicht, denn bestimmte Abfallprodukte wie
beispielsweise Batterien, Elektrogeräte und Holz dürfen
in keine der vier Mülltonnen.

78
Müll wird normalerweise verbrannt oder im Boden
vergraben. Das darf man jedoch nicht mit Batterien
machen, die können nämlich sehr giftig für den Boden
und die Luft sein. Zusätzlich dazu kann man aus alten
Batterien auch wieder neue machen. Deshalb sammelt
man sie vorher und gibt sie getrennt von dem restlichen
Müll ab. Dasselbe gilt bei Elektrogeräten und Holz. Diese
Stoffe können genauso giftig für die Umwelt sein
und/oder man kann daraus etwas Neues machen. Die
Essensreste kann man ebenso verwenden und damit
beispielsweise Dünger oder Strom produzieren. Aus dem
weggeworfenen Papier wird später einmal Altpapier und
die Verpackungen werden eingeschmolzen, um neues
Verpackungsmaterial zu produzieren.
Diese Art mit Müll umzugehen nennt sich Recycling und
bildet die Grundlage für einen vernünftigen Umgang mit
unserem Abfall, bei dem die Umwelt so wenig wie mög-
lich belastet wird. Und damit können die vorhandenen
Ressourcen geschont werden, indem man verschiedene
Stoffe wiederverwertet.
Genau wie bei der modernen Stromerzeugung befinden
wir uns hierbei auch in einer Übergangsphase. Früher
einmal war es den Menschen völlig egal, was für Abfälle
sie verbrannt oder vergraben haben. Geändert hat sich
das erst, als festgestellt wurde, dass wir von bestimmtem
Müll sehr krank werden können. Um unsere Gesundheit
zu schützen, wurde alles genau untersucht, bis man
wusste, welcher Abfall für die Krankheiten verant-
wortlich ist. Daraufhin hat man die Herstellung von vielen
sehr giftigen Produkten verboten und nach besseren
Entsorgungsmöglichkeiten gesucht. Aus diesem Grund
werden heutzutage beispielsweise Farbreste nicht mehr
einfach so in die Mülltonne geworfen und man muss eine

79
Strafe bezahlen, wenn man es trotzdem tut. Diese sind
oftmals gesundheitsschädlich und wer sie loswerden
möchte, muss damit zur Mülldeponie fahren. Dort
kümmern sich Experten um die Entsorgung. Und auch die
Farbenhersteller mussten sich dazu verpflichten, neue
Rezepturen zu entwickeln, die weniger gesundheits-
gefährdend sind. Das Ziel dieser Vorschriften ist die
Verbesserung unserer Gesundheit. Wer den Müll vernün-
ftig trennt, tut sich also selber etwas Gutes.
Um die Mülltrennung und Wiederverwertung immer
weiter zu verbessern, brauchen wir allerdings schon
wieder eure Hilfe. Einige von euch müssen später als
Erwachsene die Recyclingsysteme weiterentwickeln,
damit in Zukunft weltweit alle Menschen ihren Müll
möglichst unkompliziert recyceln können. Diese Aufgabe
wird immer mehr von großen und komplexen Maschinen
übernommen und wer Lust hat, sich um diese zu
kümmern, kann als Erwachsener eine Ausbildung in
diesem Bereich machen. Mit eurer Hilfe wird unsere
Umwelt dann von Jahr zu Jahr sauberer.

3.17 Die Nachbarn

Thema:

Der respektvolle Umgang miteinander

Beschreibung:

Das ist das nächste Thema über den Sinn eines respekt-
vollen Miteinanders.

80
Originaltext:

Neben der eigenen Familie und den guten Freunden gibt


es noch die Nachbarn. Ihr kennt das Wort meistens nur in
einem sehr kleinen Rahmen. Für euch sind Nachbarn die
Leute, die neben euch wohnen oder neben euch in der
Schule sitzen und das sind nur wenige. Dazu kommen
aber noch die Nachbarstädte, Nachbarländer und auch
die Nachbarkontinente. Dort leben insgesamt viele
Milliarden Menschen und so viele Nachbarn hat jeder von
uns in Wirklichkeit. Alle von ihnen wohnen in unserer
Reichweite und können uns besuchen kommen. Die einen
brauchen dabei nur wenige Meter, um bei eurer Tür
anzukommen und die anderen müssen ein paar Stunden
mit dem Flugzeug fliegen, bis sie bei euch sind. Dabei
haben sie alle eine gemeinsame Eigenschaft:

Sie sind zwar nicht eure guten Freunde und gehören auch
nicht zu eurer Familie, können aber möglicherweise
irgendwann einmal dazugehören und bis dahin eure
normalen Freunde sein.
Das hängt natürlich davon ab, ob sie sich an die
Grundregel für Respekt halten. Allen Nachbarn, die das
nicht tun, sollte man aus dem Weg gehen. Wer sich daran
hält, wird automatisch unser Freund. Was ihr nun als
„Freunde“ kennt, ist wieder etwas ganz anderes. Das sind
die guten Freunde und die zeichnen sich dadurch aus,
dass man mit ihnen gerne etwas zusammen unternimmt.
Die normalen Freunde sind alle Menschen, die man im
Leben trifft und die sich uns gegenüber respektvoll
verhalten. Wenn man genügend Zeit hat, kann man sich
mit ihnen unterhalten, man macht aber sonst nichts mit
ihnen, so wie man das mit den guten Freunden macht.

81
Wer sich selber an die Grundregel für Respekt hält und
auch viele Nachbarn hat, die dasselbe tun, hat immer
Freunde, die man bei Problemen um Hilfe bitten kann.
Falls man mal in den Urlaub fährt, könnten diese
beispielsweise die Blumen gießen oder sich um die
Haustiere kümmern. Das funktioniert natürlich nur, wenn
man ihnen gegenüber ebenfalls hilfsbereit ist und das
macht uns allen zusammen das Leben in vielen
Situationen wesentlich leichter.
Bei den Nachbarländern ist das genauso. Es ist sehr
hilfreich, das Nachbarland um Hilfe bitten zu können,
sobald man Probleme entdeckt, die das eigene Land nicht
alleine lösen kann. Dafür muss man aber unbedingt mit
dem benachbarten Land befreundet sein, sonst hat es
nämlich keine Lust zu helfen.

3.18 Die Tiere

Thema:

Erwähnung des Zusammenhangs zwischen dem tier-


ischen und dem menschlichen Denken

Beschreibung:

Die im Thema 7 „Die Eltern“ das erste Mal erwähnte


Grundregel für Respekt ist Teil der tierischen Instinkte
der Menschen. Man findet sie deshalb bei Tieren eben-
falls und das wird hier erwähnt

82
Originaltext:

Die Tiere sind richtige Profis beim Thema Freundschaf-


ten. Sie kennen die Grundregel für Respekt ebenfalls und
halten sich sehr diszipliniert daran. Deswegen sind sie
stets freundlich, solange wir sie respektvoll behandeln
und zusätzlich dazu können viele Tierarten mit ihren
jeweiligen speziellen Fähigkeiten sehr hilfreich für uns
Menschen sein. Katzen können beispielsweise unsere
Häuser frei von Ratten und Mäusen halten. Sie lieben es
diese zu jagen und schrecken die Nager alleine schon
durch ihre Anwesenheit ab. Hunde können uns auch
helfen, indem sie unser Zuhause vor Einbrechern
beschützen, blinde Menschen unfallfrei durch den
Straßenverkehr führen, als Suchhunde mit Hilfe ihrer
Supernase bei Katastrophen verschüttete Menschen
finden und bei der Polizei werden sie eingesetzt, um
verbotene Sachen zu erschnüffeln.
Damit sie das tun, müssen wir uns beim Umgang mit
ihnen jederzeit an die Grundregel für Respekt halten.
Ansonsten lassen sie sich das nicht lange gefallen und
teilen uns das auf ihre Art mit. Wer eine Katze oder einen
Hund zuhause hat und sie oder ihn ständig ärgert, wird
irgendwann gekratzt oder gebissen. Sie wollen uns mit
diesem Verhalten deutlich machen, dass man ihnen aus
dem Weg gehen soll, weil man sich ihnen gegenüber
unhöflich benimmt und auf so etwas haben sie überhaupt
keine Lust. Die Motivation uns zu helfen verschwindet
dann logischerweise ebenso.
Bei wilden pflanzenfressenden Tieren sollte man generell
sehr aufpassen, denn sie greifen uns zwar nicht direkt an,
um uns zu fressen, können uns aber aus Verteidigungs-
gründen sehr stark verletzen.

83
Im Normalfall würden sie einfach vor uns weglaufen, das
ändert sich allerdings, sobald sie Kinder haben. Dann
machen sie sich große Sorgen um ihren Nachwuchs und
vertreiben aus einem Schutzreflex heraus jeden, der
ihnen zu nahe kommt. Deshalb sollte man bei
Spaziergängen in der Natur den dort frei lebenden Tieren
immer aus dem Weg gehen, selbst wenn es eigentlich
friedliche Pflanzenfresser sind.
Tiere haben nicht so wie wir eine Polizei und sie müssen
selber auf sich und ihre Familie aufpassen. Sie wissen
nicht, ob ihr böse oder gute Menschen seid, da sie euch
nicht persönlich kennen. Aus diesem Grund vertreiben
sie vorsichtshalber alle Menschen, die ihren Kindern zu
nahe kommen und da der Nachwuchs oftmals noch sehr
klein ist, sieht man ihn nicht immer rechtzeitig. Es kann
dann bereits zu spät sein, bevor man die Situation richtig
eingeschätzt hat und eines der Elterntiere stürmt schon
auf einem zu. Von daher ist Abstand halten hier die einzig
vernünftige Lösung.
Noch viel gefährlicher sind Raubtiere wie zum Beispiel
Tiger oder Bären. Diese sind sehr kräftig und können uns
angreifen, um uns danach zu essen. Das ist im Grunde
genommen so, wie für uns ein Würstchen oder ein Steak
zu essen und nicht böse gemeint, sie haben einfach
Hunger und ihr Körper ist es gewohnt hauptsächlich
Fleisch zu essen. Von Obst und Gemüse werden sie nicht
satt. Selbstverständlich solltet ihr von diesen Tieren
einen noch viel größeren Abstand halten.
Die Haustiere hingegen sind eigentlich immer friedlich
und verhalten sich Menschen gegenüber respektvoll und
so sie können problemlos unsere Freunde oder guten
Freunde werden.

84
3.19 Die armen und die reichen Menschen

Thema:

Der Umgang mit Wohlstand

Beschreibung:

Die meisten Menschen in den wohlhabenden Ländern


sind sich nicht darüber bewusst, dass sie eine
Verantwortung gegenüber den armen Menschen haben.
Deswegen verhungern tagtäglich sehr viele Menschen
oder sie sterben, weil ihnen der Zugang zu einer
medizinischen Versorgung fehlt.

Originaltext:

Aktuell gibt es mehr als sieben Milliarden Menschen auf


der Welt. Hiervon ist ungefähr jeder zehnte so arm, dass
er sich nicht genügend zu essen kaufen kann. Das sind
insgesamt ca. 800.000.000 Menschen. Sie sind ständig
hungrig und viele von ihnen können gar nicht erwachsen
werden, da sie schon als kleine Kinder an
Unterernährung sterben. Neben dem ständigen Hunger
haben sie oftmals auch nicht die Möglichkeit zum Arzt zu
gehen. Die Behandlung ist für ihre Verhältnisse sehr teuer
und sie können sich das nicht leisten.
Gleichzeitig gibt es sehr viele Menschen auf der Welt, die
in den reichen Ländern wohnen. Dort ist es völlig normal
mehr als ausreichend zu essen zu haben und jeder
bekommt bei gesundheitlichen Problemen die not-
wendige medizinische Betreuung.

85
Normalerweise müsste man nun davon ausgehen, dass
diejenigen, die in den wohlhabenden Ländern leben, es
nicht in Ordnung finden, wenn jeden Tag viele Kinder und
Erwachsene auf der Welt sterben müssen, nur weil sie
unterernährt sind oder nicht zum Arzt gehen können.
Und dann würden sie etwas dagegen tun, indem sie einen
Teil ihres Reichtums den Betroffenen schenken, um die
Probleme zu beheben.
Bisher ist das aber nicht so und die meisten Bewohner
der reichen Länder geben ihr Geld lieber für Luxus aus,
anstatt zu helfen. Nur ein kleiner Teil von ihnen nutzt die
Möglichkeiten, die sie haben, um Lösungen für diese
dringenden Probleme zu finden. Es gibt heutzutage viele
Hilfsorganisationen, die sich mit Fleiß und Liebe um die
Ärmsten der Armen kümmern. Diese werden zwar
bereits von hilfsbereiten Spendern unterstützt, allerdings
haben sie es bisher sehr schwer, da Helfen aktuell nicht
so im Trend ist. Sie würden gerne noch viel mehr tun,
ihnen fehlt jedoch das Geld dafür. Trotz der schwierigen
Umstände geben sie aber nicht auf und werden solange
weitermachen, bis weltweit jeder von uns täglich satt
wird und bei Bedarf zum Arzt gehen kann.
Vor solchen Menschen habe ich am meisten Respekt und
deshalb möchte ich ihnen helfen. Hierfür brauche ich
schon wieder eure Unterstützung und damit ihr das
besser versteht, erkläre ich euch erst einmal den
Unterschied zwischen der Grundversorgung und dem
Luxus:

1. Die Grundversorgung:

Die Grundversorgung ist ein Überbegriff für Alles, was ein


Mensch unbedingt zum Leben braucht. Dazu gehören ein

86
Dach über dem Kopf und Klamotten als Schutz vor
schlechtem Wetter und der Sonne, genügend zu essen,
Zugang zu sauberem Wasser und eine ärztliche
Versorgung im Krankheitsfall. Ebenso sind Schulen,
Ausbildungsplätze, Arbeitsplätze, eine Absicherung bei
Arbeitslosigkeit und eine Rente für alle, die nicht oder
nicht mehr arbeiten können, ein Teil davon. Und genauso
wichtig sind Spielsachen, diese brauchen Kinder
unbedingt, um sich gesund entwickeln zu können.
Bei uns ist das alles selbstverständlich und überhaupt
nichts Besonderes. Für die ca. 800.000.000 Menschen, die
sich das nicht leisten können, ist es ein schöner Traum,
von dem sie sehr weit entfernt sind. Sie wünschen sich
nicht wie ihr das neueste Smartphone oder einen neuen
Fernseher, sondern einfach nur einen vollen Magen,
sauberes Trinkwasser oder einen Arztbesuch und die
meisten von ihnen bekommen ihre Wünsche nicht erfüllt.

2. Der Luxus:

Sämtliches Geld, was man nicht für die Grundversorgung


ausgeben muss, kann man entweder sparen, spenden
oder für Luxus ausgeben. Kostspieliger Schmuck, teure
Klamotten, hochpreisige Elektronik und noch eine Menge
anderer Dinge zählen dazu.
Luxus ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens und
nichts Schlimmes. Wer hart arbeitet und deswegen viel
Geld bekommt, hat es sich verdient auch mal besondere
Sachen zu kaufen. Das ist die Belohnung fürs Arbeiten
und es ist ein guter Grund, sich dabei besonders
anzustrengen.

87
Den hungernden Menschen auf der Welt zu helfen ist nun
für den einzelnen nicht wirklich teuer, wenn die meisten
Bewohner der reichen Länder bereit wären zu helfen.
Um die aktuelle Situation zu ändern, brauche ich, wie
bereits erwähnt, eure Hilfe. Ihr habt die Möglichkeit ein
Vorbild für die Erwachsenen zu sein, indem ihr 1 % eures
Taschengeldes pro Monat spendet. Wer also
beispielsweise 20€ Taschengeld pro Monat bekommt,
müsste auf 20 Cent verzichten, wer 50€ bekommt,
müsste 50 Cent spenden. Ein paar von euch oder einer
eurer Lehrer müsste das alles einsammeln und nachdem
ihr euch gemeinsam eine Hilfsorganisation ausgesucht
habt, leiten die jeweiligen Verantwortlichen den
gesammelten Betrag weiter. Dieser ist so niedrig, dass ihr
davon praktisch gar nichts merkt und da das sowieso
freiwillig ist, kann jeder von euch selber entscheiden, ob
er bereit ist auf dieses Geld zu verzichten.
Das hilft schon einmal ein wenig, aber das reicht noch
lange nicht, um allen notleidenden Menschen zu helfen.
Jedoch würde so eine Aktion sehr viel Aufmerksamkeit
erregen. Das erscheint wie bei dem Exoskelett in den
Nachrichten und viele Erwachsene würden das sehen.
Anschließend werden viele von ihnen darüber
nachdenken, ob sie dasselbe wie die Kinder machen
sollen oder nicht. Im Idealfall könnt ihr auf diese Weise
sehr viele von ihnen dazu bewegen eurem Beispiel zu
folgen und es kommt jeden Monat eine große Summe für
die Bedürftigen zusammen. So könnt ihr ihnen helfen,
sich eine eigene Grundversorgung aufzubauen und
irgendwann in der Zukunft können sie selber genügend
Geld verdienen. Sie brauchen dafür aber unbedingt die
Hilfe der Menschen in den reichen Ländern und ihr
würdet ihnen nicht nur einen sehr großen Gefallen tun,

88
sondern könnt mit dieser Aktion Millionen Menschen das
Leben retten.

3.20 Die gefährlichen Menschen

Thema:

Der Umgang mit Menschen, die auf die schiefe Bahn


geraten sind.

Beschreibung:

Kriminelle, drogenabhängige und gewalttätige Menschen


können das Leben von Kindern und Jugendlichen
zerstören, indem sie einen schlechten Einfluss auf diese
haben oder ihnen direkt schaden. Deswegen ist es wichtig
zu wissen, wie man mit ihnen umgeht.

Originaltext:

Vor den gefährlichen Menschen sollte man sich so gut es


geht fernhalten, um sich selber vor Schaden zu schützen.
Viele von denen nehmen beispielsweise Drogen und
möchten euch davon überzeugen dasselbe zu tun. Das
kann anfangs ganz lustig sein, allerdings entwickelt sich
bei sehr vielen von ihnen nach kurzer Zeit eine Sucht und
sie müssen jeden Tag Rauschmittel zu sich nehmen. Diese
sind üblicherweise sehr teuer und um sich das Geld dafür
zu besorgen, werden viele von den Süchtigen kriminell.
Für die tägliche Drogenbeschaffung beklauen sie ihre
Eltern oder andere Menschen und so landen sie früher
oder später im Gefängnis.

89
Das sind aber nicht die einzigen gefährlichen Menschen,
die euch im Leben begegnen können. Da gibt es noch die
beruflichen Kriminellen. Diese sind zwar nicht alle
süchtig nach Drogen, verdienen jedoch ihr Geld ebenfalls
damit, dass sie andere beklauen, berauben oder ihnen
irgendwie anders schaden. Ihnen passiert vom Prinzip
her das Gleiche wie den Drogensüchtigen. Am Anfang
sind sie völlig begeistert und freuen sich über das viele
Geld, was sie mit den Verbrechen verdient haben. Nach
ein paar Monaten haben sie keine Lust mehr ganz normal
zu arbeiten oder weiter zur Schule zu gehen. Sie wollen
ihren Lebensunterhalt nur noch durch Kriminalität
verdienen, weil das bequemer für sie ist. Wenn sie Pech
haben, landen sie im Gefängnis und es wird danach sehr
schwierig für sie einen normalen Job zu finden. Bei einer
Bewerbung müssen sie nämlich sagen, dass sie bereits
Verbrechen begangen haben. Die meisten Chefs haben
Angst um ihr Geld und stellen so jemanden lieber nicht
ein. Sie müssen deswegen weiter kriminell bleiben und
landen eventuell wieder im Knast.
Das geht dann das ganze Leben so weiter. Wie die
Süchtigen können sie nicht mehr aufhören, nachdem sie
einmal angefangen haben.
Von diesen gefährlichen Menschen sollte man ebenso
Abstand halten, da sie oft auch andere überreden wollen
bei ihren Verbrechen mitzumachen. Dabei behaupten sie
fast immer schlauer als die Polizei zu sein und aus diesem
Grund niemals festgenommen zu werden.
Letztendlich müsst ihr natürlich selber entscheiden, wie
ihr mit diesen Themen umgeht. Ihr seid selber für euch
verantwortlich und könnt eure Zukunft so gestalten, wie
ihr es wollt. Mir sind in meinem Leben viele junge
Menschen begegnet, die sich mit Drogen, Verbrechen

90
oder Glücksspiel die eigene gesellschaftliche Existenz
zerstört haben und diese Erfahrung möchte ich an euch
weitergeben. Alle von ihnen hatten eines gemeinsam:

Sie waren sich nicht darüber bewusst, welche


langfristigen Auswirkungen auf sie zukommen. Für sie
war es anfangs ein großer Spaß und niemand hat sich
großartig etwas dabei gedacht. Kurze Zeit danach sind sie
abhängig geworden und ihr gesamtes Leben drehte sich
ausschließlich um die Befriedigung ihrer Sucht und der
damit verbundenen Beschaffungskriminalität oder sie
sind zu faul geworden, um normal arbeiten zu gehen und
wollten ihr Geld nur noch durch das Begehen von
Verbrechen „verdienen“. Wer von ihnen erwischt wurde,
hatte durch Einträge im Führungszeugnis anschließend
Schwierigkeiten einen normalen Job zu bekommen.
Zusätzlich dazu gibt es sehr gefährliche Menschen. Diese
tun anderen gerne weh. Sie finden das aus einem
bestimmten Grund ganz toll und suchen sich immer
wiederneue Opfer. Vor ihnen möchten eure Eltern euch
beschützen und deshalb warnen sie euch davor mit
Fremden mitzugehen. Es sind zwar fast alle von denen
sehr nette und liebe Menschen, ein paar davon gehören
aber zu denen, die euch Schmerzen zufügen wollen und
diese sind am Anfang auch immer freundlich. Sobald sie
mit euch alleine sind, ändert sich das jedoch schnell.
Sich gegen solche Menschen zu schützen ist sehr wichtig.
Da gibt es bestimmte Regeln, an die man sich halten muss
und man kann ebenso lernen sich im Notfall selber zu
verteidigen. Ich kenne mich da allerdings ehrlich gesagt
nicht so gut aus und darum fragt ihr am besten eure
Eltern, die können euch da sicherlich weiterhelfen.

91
Allgemein muss ich dazu noch sagen, dass alle
gefährlichen Menschen in ihrem tiefen Inneren sehr lieb
sind. Sie haben große Probleme und man sollte ihnen
helfen, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen. Diese
Aufgabe müssen aber unbedingt ältere Erwachsene
übernehmen. Nur sie haben genügend Erfahrung und
Wissen, um den Betroffenen Hilfe zur Verfügung zu
stellen, ohne sich selber in Gefahr zu bringen. Kinder und
Jugendliche hingegen denken oftmals nicht an die
späteren Konsequenzen ihres Verhaltens und lassen sich
leicht zu gefährlichen Ideen verführen. Deshalb sollte
man sich in diesem Alter unbedingt von diesen Menschen
so weit wie möglich fernhalten.

3.21 Die guten Freunde und die Familie

Hauptthema:

Der Umgang mit dem persönlichen Umfeld

Beschreibung:

Viele Menschen haben heutzutage Schwierigkeiten mit


ihren jeweiligen Familien und dem Freundeskreis.
Deswegen ist es notwendig, dieses Thema anzusprechen
und dabei ein paar Grundlagen zu erklären.

Nebenthema:

Geldsüchtige Menschen

92
Beschreibung:

Für viele Menschen ist Geld eine Droge, wobei sie alles
um sich herum vergessen, wenn es darum geht. Das führt
oftmals zu jeder Menge Probleme.

Originaltext:

Die wichtigsten Menschen und Tiere auf der Welt sind


diejenigen, die einem am nächsten stehen.
Das sind normalerweise die Eltern, die Geschwister, die
Großeltern, die Onkel und Tanten mit ihren Kindern, die
guten Freunde und unsere Haustiere. All diese gehören
zu unserer jeweiligen Familie und sie begleiten uns das
ganze Leben lang durch gute und schlechte Zeiten.
Selbstverständlich müssen sie sich alle an die Grundregel
für Respekt halten, was aber leider nicht immer der Fall
ist und so gibt es in einigen Familien oft Streit. Ein weit
verbreitetes Thema dieser Streitereien ist das Erbe. Da
kann es endlos lange Diskussionen darüber geben, wer
was bekommen soll. Es gibt nämlich Menschen, die es
nicht in Ordnung finden das Erbe gerecht auf alle zu
verteilen. Sie wollen am liebsten das ganze Geld für sich
alleine haben und kämpfen für dieses Ziel viele Jahre vor
Gericht mit ihren Geschwistern. Am Ende haben sie dann
vielleicht eine etwas höhere Summe bekommen, bis
dahin kann die Familie jedoch so sehr zerstritten sein,
dass diese auseinanderbricht und man sich zukünftig
nicht mehr sieht.
Das ist sehr schade, aber für einige Menschen ist Geld nun
einmal das Wichtigste auf der Welt. Dabei geben sie es
meistens nur für Luxus aus. In den reichen Ländern hat ja
fast jeder eine Grundversorgung und niemand müsste bei

93
einer gerechten Verteilung verhungern. Allerdings
könnte man sich so weniger teure Gegenstände kaufen
und manche finden das furchtbar. Um das zu verhindern,
streiten sie sich ohne weiter darüber nachzudenken mit
der eigenen Familie um das Erbe.
Hierbei leiden am meisten diejenigen, die damit gar
nichts zu tun haben und das sind die Kinder. Man darf
sich beispielsweise plötzlich nicht mehr mit seinen
Cousins oder Cousinen treffen, weil die eigenen Eltern
Streit mit ihren Schwestern und Brüdern haben. So
verliert man in jungen Jahren einen wichtigen Teil seiner
sozialen Kontakte und kann nichts dagegen tun. Ähnliche
Probleme kann es auch zwischen guten Freunden geben,
nachdem einer dem anderen Geld geliehen hat. Da im
privaten Bereich bei solchen Angelegenheiten selten ein
Vertrag gemacht wird, gibt es oftmals keine schriftlichen
Aufzeichnungen. Und so kann derjenige, der sich das Geld
geliehen hat, vor Gericht einfach lügen und behaupten
nichts bekommen zu haben. An solchen Betrügereien
sind schon viele enge Freundschaften zerbrochen und in
den meisten Fällen ging es den Betrügern nur darum, sich
irgendwelche Luxussachen mit dem Geld zu kaufen.
Die Sucht nach Luxus ist eine der größten Gefahren für
die eigene Familie. Diejenigen, die abhängig davon sind,
ignorieren die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. Im
Grunde genommen ist das ähnlich wie bei den
Drogensüchtigen. Sie sehen nicht die langfristigen Folgen
ihres Verhaltens, denn für sie zählt nur der kurze
Glücksmoment, in dem sie das Geld bekommen. Von
daher bleibt mir nichts anderes übrig, als euch vor ihnen
zu warnen und sie den gefährlichen Menschen
zuzuordnen.

94
Zum Glück gibt es eine einfache Möglichkeit, um sie zu
erkennen. Jeder, der euch voller Stolz zeigt, was für tolle
Sachen er sich gekauft hat, könnte eventuell dazu
gehören. Für ihn könnten Gegenstände einen höheren
Wert als andere Menschen haben. Wenn er euch
außerdem noch zeigt, dass er eine liebevolle Familie hat,
ist er nicht gefährlich. Dann wisst ihr, dass für ihn nicht
nur teure Dinge, sondern seine Mitmenschen ebenfalls
eine hohe Bedeutung haben.
Ein anderes Familienproblem ist der Umgang mit den
Omas und Opas. Viele davon sind körperlich nicht mehr
so fit und brauchen Unterstützung im Alltag. Meistens
nehmen die eigenen Kinder ihre Eltern zuhause auf und
pflegen sie dort in einer für sie gewohnten Umgebung.
Alle anderen gehen in ein Pflegeheim. Ich habe mal für
ein paar Monate in so einem Heim gearbeitet und konnte
immer wieder ältere Menschen beobachten, die sich in
ihrem neuen Zuhause nicht wohlfühlen. Sie können nicht
mehr alleine vor die Tür gehen, weil sie dafür zu schwach
sind und viele von ihnen werden nur selten von ihrer
Familie besucht. Sie fühlen sich deshalb sehr einsam.
Wenn sich das nicht ändert, werden viele von uns später
in derselben Situation sein. Noch sind wir jung und
denken nicht darüber nach, aber sobald wir älter
geworden sind und ins Pflegeheim müssen, werden wir
diejenigen sein, die vergeblich auf einen Besuch der von
uns geliebten Menschen warten. Wer von euch das später
nicht erleben möchte, muss mit gutem Beispiel
vorangehen und regelmäßig seine im Heim lebenden
Großeltern besuchen. Das wird unser zukünftiger eigener
Nachwuchs mitbekommen und höchstwahrscheinlich
dasselbe tun, sobald wir selber zu alt und schwach sind,

95
um ohne Unterstützung zu leben. So helft ihr also nicht
nur euren Omas und Opas, sondern auch euch selber.

3.22 Die Qualifikation

Thema:

Allgemeine Informationen zum Arbeitsleben

Beschreibung:

Dadurch, dass viele Eltern heutzutage nicht mehr wissen,


wie sie ihre Kinder auf das Erwachsenenleben richtig
vorbereiten, haben jede Menge junge Erwachsene wenig
bis gar keine Ahnung von der Arbeitswelt. Deswegen ist
es notwendig, ihnen zumindest einen kleinen Überblick
darüber zu geben. Dafür sind die nächsten drei Themen
in meinem Handbuch.

Originaltext:

Wer später einmal einen guten Job haben möchte,


braucht dafür entweder eine Ausbildung oder ein
Studium. Sobald man damit einmal angefangen hat,
dauert es ein paar Jahre, bis man fertig ist und es ist
wichtig das jeweils bis zum Ende zu machen.
Abgebrochene Ausbildungen sehen Arbeitgeber gar nicht
gerne. Für sie haben solche Menschen nur sehr wenig
Disziplin und eher keine Lust zum Arbeiten. So wird es
schwer einen Job oder eine neue Ausbildung zu
bekommen. Man sollte deshalb vorher genau darauf

96
achten, in welchem Bereich man sich beruflich
weiterbilden möchte, bevor man sich bewirbt.
Wer sich da nicht so sicher ist, sollte vorher in
verschiedenen Bereichen Praktika machen. Dabei kann
man für ein paar Wochen in einer Firma arbeiten, um
auszuprobieren, ob einem die Arbeit dort gefällt und das
kann man solange machen, bis man den für sich richtigen
Job gefunden hat. Dieses Ausprobieren ist für Arbeitgeber
völlig in Ordnung. Sie können sich dann sicher sein, dass
der Bewerber auch weiß, was er will. Und nebenbei
sammelt man bei den Praktika jede Menge Erfahrungen
für die Berufswelt.
Diejenigen, die ihre Ausbildung bereits abgebrochen
haben, können das ebenfalls machen. Das steigert die
Chancen enorm, wenn man sich für eine neue Ausbildung
bewerben möchte.
Beim Studieren hat man viel mehr Freiheit. Dort kann
man seine Fachrichtung zur Not wechseln, falls man mit
der ursprünglichen Wahl unzufrieden ist. Die Studienzeit
verlängert sich dadurch zwar, aber abbrechen muss man
es deswegen nicht. Ein abgebrochenes Studium kann
allerdings dieselben Folgen haben wie eine nicht zu Ende
gemachte Ausbildung und sollte immer nur das letzte
Mittel der Wahl sein.
Menschen ohne Ausbildung oder Studium haben es
generell schwer, einen gut bezahlten Job zu finden. Sie
müssen fast immer die körperlich anstrengenden
Arbeiten machen. Das ist völlig in Ordnung, solange man
selber mit der eigenen Situation zufrieden ist. Solche Jobs
können ebenso Spaß machen und man kann damit
genügend Geld zum Leben verdienen.

97
3.23 Die Aufgabenverteilung

Originaltext:

Anhand der Qualifikation werden die Aufgaben bei der


Arbeit verteilt. Diejenigen, die studiert haben, können
oftmals sehr kreativ arbeiten und neue Produkte oder
Arbeitsabläufe entwickeln. Und sie können im
wissenschaftlichen Bereich tätig sein und erforschen, wie
die Welt funktioniert. Sie werden am besten bezahlt.
Einige von ihnen arbeiten aber auch ganz normal, ohne
zu forschen oder Neues zu erfinden. Praktizierende Ärzte
zum Beispiel müssen ebenfalls studieren, um ihren Beruf
auszuüben. Da in ihren Arbeitsalltag bei Fehlentscheid-
ungen Menschen sterben können, müssen sie bestens
darüber informiert sein, was sie tun und da reicht eine
Ausbildung nicht aus. Stattdessen müssen sie mit am
längsten studieren, damit sie danach so exakt wie
möglich arbeiten können.
Genauso müssen hochrangige Manager Betriebs-
wirtschaft studieren, um später einmal einen Überblick
über ihre jeweiligen sehr komplexen Arbeitsbereiche zu
haben. Sie sind für viele Mitarbeiter zuständig und
müssen ständig darauf aufpassen, dass diese gemeinsam
einen guten Job machen.
Diejenigen, die eine Ausbildung gemacht haben,
übernehmen für gewöhnlich die komplizierten Arbeiten,
ohne dabei einen großen Einfluss auf deren Abläufe zu
haben. Metallfacharbeiter beispielsweise wissen ganz
genau, wie man Metall in alle möglichen Formen bringt,
allerdings entwickeln sie normalerweise nicht die
Maschinen, die dafür notwendig sind und sie planen ihre
Arbeit nicht selbstständig. Sie verdienen aber trotzdem

98
gutes Geld und können sich von ihrem Job ein schönes
Leben machen.
Wer nicht studiert hat und keine Ausbildung hat, muss
fast immer die schwersten Arbeiten erledigen. Solche
Menschen sind meistens Hilfskräfte und müssen
beispielsweise Regale einräumen, Sachen durch die
Gegend tragen und viele andere Jobs erledigen, für die
man zwar körperliche Kraft, jedoch kein spezielles
Wissen benötigt. Wie bereits erwähnt, kann man hiermit
ebenso voll und ganz zufrieden sein, falls einem das
gefällt. Wer von euch das später nicht machen möchte,
muss sich unbedingt mit Hilfe einer Ausbildung oder
eines Studiums für andere Berufe qualifizieren.
Eine Firma funktioniert am Ende des Tages nur, wenn
alle drei Bereiche zusammenarbeiten. Die Akademiker
benötigen die ausgebildeten Arbeiter und diese brauchen
die Hilfskräfte. Nur gemeinsam können sie ein
brauchbares Ergebnis produzieren.

3.24 Die Selbstständigkeit

Originaltext:

Eine ganz andere Möglichkeit sein Geld zu verdienen ist


die Selbstständigkeit. Dabei gründet man selber eine
Firma. Das kann sehr schwierig sein und ist mit einem
gewissen Risiko verbunden, allerdings auch die mit
Abstand interessanteste Methode, um seinen Lebens-
unterhalt zu verdienen. Man ist sein eigener Chef und
kann selber bestimmen, wie und wann man arbeitet.
Wer jedoch faul ist und zu wenig tut, verliert seine Firma
und hat am Ende einen großen Haufen Schulden.

99
Dasselbe gilt, falls man zu wenige Kunden hat. Man muss
somit ganz genau aufpassen, was man macht, wenn man
selbstständig ist und sollte immer einen Plan B haben. Es
macht also Sinn, davor eine Ausbildung oder ein Studium
zu absolvieren. Hierbei sammelt man wichtige
Erfahrungen und Wissen für die Selbstständigkeit und
man hätte bei einer Firmenpleite noch die Möglichkeit in
einem anderen Unternehmen als Angestellter in den
besser bezahlten Jobs zu arbeiten.
Bevor man eine Firma gründet, braucht man eine Idee,
mit der man Geld verdienen möchte. Es gibt zwei
verschiedene Arten davon. Bei der ersten möchte man
etwas machen, was schon andere Menschen vorher
gemacht haben. Ein Friseursalon ist ein gutes Beispiel
hierfür. Solche Unternehmen gibt es schon seit sehr
langer Zeit und es entstehen immer wieder neue Salons.
Sie arbeiten alle nach demselben Prinzip, sehen aber je
nach Besitzer anders aus und haben unterschiedliche
Preise für dieselben Dienstleistungen. Entscheidend
hierbei ist die Qualifikation der Angestellten. Je besser die
ihr Handwerk verstehen, desto mehr Geld kann man für
einen Haarschnitt verlangen.
Um das richtig einschätzen zu können, braucht man
möglichst viel Erfahrung in diesem Bereich und deshalb
muss man hier in Deutschland vorher Friseurmeister
werden. Dafür macht man eine Ausbildung und
anschließend noch eine Weiterbildung zum Meister.
Währenddessen lernt man alles, was man für den Betrieb
eines Salons wissen muss und erst danach darf man
überhaupt erst eine eigene Firma gründen.
Diese Regel gilt genauso für viele andere handwerkliche
Berufe und wer beispielsweise selbstständiger Dach-
decker oder Tischler werden möchte, muss ebenfalls

100
davor Meister werden. Durch diese Vorschrift möchte der
Staat sicherstellen, dass die Selbstständigen auch wissen,
was sie tun. Falls nämlich ein Dachdecker keine Ahnung
von seinem Handwerk hat und trotzdem ein Dach
repariert, könnte die Reparatur mangelhaft sein und das
Dach wäre nicht richtig dicht. So könnte bei Regen
Wasser ins Haus laufen und die Feuchtigkeit würde einen
großen Schaden anrichten.
Ebenso müssen Unternehmer wissen, wie man die Preise
für die angebotenen Produkte und Dienstleistungen
berechnet. Das lernt man zum Teil bei der Ausbildung
und den Rest bei der Weiterbildung zum Meister. Wer
hiervon keine Ahnung hat, rechnet eventuell falsch und
macht dadurch kein Gewinn, sondern nur Schulden.
Bei der zweiten Art der Selbstständigkeit benötigt man
eine Idee, die es bisher noch nicht gab. Man muss also
erst einmal etwas Neues erfinden. In diesem Fall braucht
man nicht unbedingt eine Ausbildung oder ein Studium.
Das hängt immer davon ab, was man wissen muss, um
seine Idee in die Tat umzusetzen und manchmal ist das so
einfach, dass man sofort damit anfangen kann. Wichtig ist
es dann nur ein Startkapital zu haben und sich zumindest
ein wenig in kaufmännischen Angelegenheiten
auszukennen. Wenn man allerdings nicht erfolgreich ist,
steht man am Ende mit leeren Händen da. Hier ist es
genauso ratsam für den Notfall einen Plan B zu haben.

3.25 Die Freizeit

Thema:

Die Wichtigkeit der Trennung zwischen dem Beruf und


der Freizeit

101
Beschreibung:

Viele Firmen nutzen die schwache Position ihrer


Angestellten aus, um diese zu einer permanenten
Erreichbarkeit auch außerhalb des Arbeitslebens zu
animieren. Darunter leidet nicht nur das Privatleben der
Betroffenen, sondern im schlimmsten Fall sogar die
Gesundheit.

Originaltext:

Die Arbeit ist zwar ein wichtiger Teil unseres Lebens,


allerdings gilt dasselbe für unsere Freizeit. Aufgrund der
Möglichkeiten der modernen Kommunikation ist es
heutzutage leider so, dass viele Unternehmen von ihren
Angestellten erwarten auch außerhalb der regulären
Arbeitszeiten erreichbar zu sein. Man muss dann seine
Emails lesen oder auf Anrufe reagieren, obwohl man sich
eigentlich gerade ausruhen soll. So kommt man niemals
richtig zur Ruhe und hat oftmals keine Zeit sich um seine
Familie zu kümmern.
Neben der hiermit verbundenen geistigen Belastung kann
unser Körper genauso darunter leiden. Jeder von uns
benötigt Ruhephasen und währenddessen darf man sich
nicht noch nebenbei mit der Arbeit beschäftigen, sonst
schafft man es nicht sich ausreichend zu erholen. In
jungen Jahren kann man diese Überlastung ganz gut
wegstecken, jedoch altert man so viel schneller und tut
seinem Geist und Körper damit nichts Gutes. Im
schlimmsten Fall stirbt man sogar wegen der dauerhaft
mangelhaften Erholung.
Deswegen sollte man sich vorher gut informieren, ob das
Unternehmen, für das man arbeiten möchte, so etwas von

102
einem verlangt. Leider tun dies fast alle, weil sie in
Konkurrenz miteinander stehen und sich durch die
permanente Erreichbarkeit ihrer Angestellten einen
Wettbewerbsvorteil erhoffen. Aber hiervon hat man
selber herzlich wenig, falls man deshalb an einem
Schlaganfall oder Herzinfarkt frühzeitig verstirbt.
Versucht also bitte in eurem eigenen Interesse
aufzupassen und entscheidet euch lieber für einen Job,
bei dem ihr tatsächlich nach dem Arbeitsstress Freizeit
habt, auch wenn ihr hierdurch weniger Geld verdient. Ihr
selbst und eure Familie brauchen diese Zeit, nur so habt
ihr die Chance ein langes und glückliches Leben zu
führen.

3.26 Die guten und die schlechten Arbeitgeber

Hauptthema:

Die Erklärung der Herkunft der Grundregel für Respekt

Beschreibung:

Durch die weit verbreitete Ablehnung der tierischen


Abstammung der Spezies Mensch müssen wir als
Göttinnen sehr sensibel mit diesem Thema umgehen.
Deswegen hatte ich die Grundregel für Respekt zwar
schon relativ früh im Handbuch erwähnt, deren Herkunft
wird allerdings erst bei diesem Thema erklärt. Auf diese
Weise können die Menschen sich schon einmal mit dieser
Regel vertraut machen, ohne von Anfang an direkt damit
konfrontiert zu werden, dass diese ein Teil ihres
tierischen Erbes ist. Das macht es leichter für sie, diese
Informationen akzeptieren zu können.

103
Nebenthema:

Das Sozialleben am Arbeitsplatz

Beschreibung:

Im Arbeitsleben wird oftmals eine Unterwürfigkeit der


niedrigeren Angestellten gegenüber ihren Vorgesetzten
erwartet und das führt zu diversen Konflikten.

Originaltext:

Man kann die guten und die schlechten Arbeitgeber


relativ einfach voneinander unterscheiden. Professionell
arbeitende Firmen achten darauf, dass die Vorgesetzten
sich nicht hinter ihren höheren Positionen verstecken.
Sobald man ein Problem entdeckt, kann man mit seinem
Chef oder Vorarbeiter reden und die helfen dann aktiv bei
der Suche nach einer Lösung.
In den schlechten Unternehmen ist das ganz anders. Dort
herrscht eine Stimmung wie in einer Diktatur und die
höher gestellten Kollegen halten sich für perfekt. Ihrer
Meinung nach machen sie keine Fehler und sie behaupten
immer Recht zu haben. Falls man in solchen Firmen mal
aus Versehen etwas falsch gemacht hat, sollte man seinen
Vorgesetzten am besten nicht Bescheid sagen. Sie machen
da meistens ein großes Drama draus und im schlimmsten
Fall wird man entlassen, obwohl man nichts wirklich
Schlimmes gemacht hat.
In solchen Unternehmen ist es sehr hart zu arbeiten.
Jeder von uns macht mal Fehler und wenn einem das
auffällt, sollte man natürlich eigentlich sofort jemanden
darüber informieren. Da man aber in einem Unter-

104
nehmen arbeitet, in dem die leitenden Angestellten blind
für so etwas sind, darf man sich menschliche Schwächen
nicht erlauben. Zusätzlich dazu wird man dort oftmals
respektlos behandelt. Der Ton ist sehr rau und man fühlt
sich eher wie ein gefühlloser Sklave, der Befehlen
gehorchen muss. Angeschrien zu werden kann da ganz
normal sein und im schlimmsten Fall wird man sogar
persönlich beleidigt.
Um solche Firmen sollte man nach Möglichkeit einen
großen Bogen machen, denn man kann diese schlechte
Behandlung nur für einen kurzen Zeitraum unbeschadet
aushalten. Langfristig kann so etwas zu einer ernsthaften
Schädigung des Gehirns führen. Das liegt an der
Grundregel für Respekt. Diese ist fest in unser Denken
integriert und diente in früheren Zeiten dazu unseren
Vorfahren ein Leben in einem Familienverband zu
ermöglichen. Für die Familie positives Verhalten wird
dabei mit guten Gefühlen belohnt. Man freut sich, dass
einem geholfen wurde und ist anschließend bereit andere
ebenfalls zu unterstützen. Genauso fühlt es sich gut an,
wenn man respektvoll behandelt wird und solche
Erlebnisse verleiten uns dazu, uns unseren Mitmenschen
gegenüber genauso zu verhalten. Egoistisches,
respektloses und somit für die Gruppe schädliches
Verhalten löst bei den Betroffenen ein Gefühl der
Vernachlässigung oder Kränkung aus. Um dieses Gefühl
so schnell wie möglich wieder loszuwerden geht man den
sich so verhaltenden Menschen am besten aus dem Weg.
Das war zu einer Zeit, als die Menschen noch keine
Waffen hatten. Unsoziales Verhalten schwächte den
gesamten Familienverband und das war für alle ein
lebensbedrohliches Problem. Eine funktionierende
Familie war damals nämlich der einzige Schutz vor

105
Raubtieren und vor Nahrungskonkurrenten. Mit Hilfe der
Grundregel für Respekt konnten unsere Vorfahren
damals schon beurteilen, ob das jeweilige Sozialverhalten
der Gruppenmitglieder gut oder schlecht für alle war. Zur
Not konnte man so die für die Gruppe schädlichen
Menschen aussortieren. Das hört sich hart an, war aber
früher unbedingt notwendig, um überleben zu können.
Dieses Beurteilungssystem hat sich bis heute erhalten. In
den schlechten Firmen bekommt man deshalb ständig ein
schlechtes Gefühl. Unser Gehirn ist der Meinung, dass das
Verhalten der Vorgesetzten negativ für die gesamte
Gruppe ist und möchte solche Störenfriede am liebsten
loswerden. Damit hat es auch völlig Recht, nur leider
sehen viele Menschen das nicht so. Für sie ist die
Grundregel für Respekt alleine schon durch die
Bezahlung erfüllt. Schließlich kann man sich mit seinem
Gehalt bei anderen Firmen Hilfe in Form von Produkten
und Dienstleistungen kaufen. Jedoch möchte unser
Gehirn trotzdem von Natur aus so schnell wie möglich
weg von den Menschen, die uns schlecht behandeln. Bei
der Arbeit ist so etwas normalerweise sehr schwierig.
Man hat einen Arbeitsvertrag und der gilt üblicherweise,
bis man in Rente geht. Im schlimmsten Fall muss man
also 40 Jahre oder länger in so einer Firma bleiben und
sich für diesen sehr langen Zeitraum respektlos
behandeln lassen. Bei allen, die sich keinen neuen Job in
einem vernünftigen Unternehmen suchen, wird das
Gehirn sehr oft mit negativen Gefühlen belastet und das
kann früher oder später zu ernsthaften Problemen
führen. Glücksgefühle haben unseren Vorfahren damals
angezeigt, dass sie für ihr Überleben alles richtig gemacht
haben. Wer sich ständig schlecht fühlte, hat
dementsprechend viele Fehler gemacht, was bei einem

106
Leben in der Natur schnell zum Tod geführt hat. Das
Gehirn ist deswegen nicht auf solche Situationen
eingestellt und im schlimmsten Fall bekommen wir nach
einer gewissen Zeit eine Depression. Diese äußert sich
durch eine permanent negative Lebenseinstellung und
wird von einer Verkümmerung des Glückshormon-
systems verursacht. Wir haben dann einfach zu viele
emotional negative Erfahrungen gemacht und dabei zu
wenige Glücksmomente gehabt. Hierdurch verliert unser
Gehirn die Fähigkeit sich glücklich zu fühlen und es geht
uns dauerhaft schlecht.
Das ist wie bei einem Muskel, den man sehr lange nicht
mehr bewegt hat. Dieser verkümmert Stück für Stück
immer mehr, bis man ihn gar nicht mehr belasten kann.
Um ihn dann wieder benutzen zu können, muss man ihn
langsam, aber sicher wieder trainieren, wobei er anfangs
nur einen kleinen Teil seiner vollen Kraft zur Verfügung
hat. Das Glückshormonsystem kann man genauso wieder
regenerieren, indem man die Ursachen für die schlechten
Gefühle abstellt und sich zukünftig nur noch mit
respektvollen Menschen trifft.
Um solche Probleme von Anfang an zu verhindern, sollte
man nicht bei den schlechten Arbeitgebern beschäftigt
sein. Da hilft dann wieder ein Praktikum. Dabei kann man
sich anschauen, ob die Firma Wert darauf legt, dass alle
Angestellten sich vollständig an die Grundregel für
Respekt halten.

3.27 Der Rassismus

Thema:

Fremdenfeindliche Ideen

107
Beschreibung:

Bei mir hier auf der Erde gibt es Menschen mit


unterschiedlichen körperlichen Merkmalen. Dabei fühlen
sich beispielsweise viele von denjenigen, deren Vorfahren
aus Mittel- und Westeuropa stammen, allen anderen
überlegen.
Offiziell wird zwar im Normalfall behauptet, dass das
nicht mehr so wäre, am Verhalten vieler dieser Menschen
kann man diese Aussage jedoch problemlos widerlegen.
Dieser Rassismus führt zu jeder Menge Streit und das
muss ja nicht sein.

Originaltext:

Fremdenfeindliche Ideen gibt es weltweit in unzähligen


Varianten. Danach haben bestimmte Menschen weniger
oder sogar gar keine Rechte, nur weil sie oder ihre
Vorfahren aus einer bestimmten Region in der Welt
kommen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der frühere
Umgang der hellhäutigen Europäer mit den
dunkelhäutigen Afrikanern. Verglichen mit den anderen
Kontinenten zu dieser Zeit waren die Europäer von ihrer
technischen Entwicklung her sehr viel weiter. Sie hielten
sich deshalb für etwas Besonderes innerhalb der
Menschheit und versuchten das mit der Rassentheorie zu
begründen. Laut dieser ist das Gehirn eines Afrikaners
weniger leistungsfähig als das eines Europäers. Die
Ursache hierfür soll ein biologischer Unterschied sein.
Wir haben uns angeblich genetisch getrennt voneinander
entwickelt und dadurch soll ein genereller
Intelligenzunterschied entstanden sein, wobei folgende
Regel gelten soll:

108
„Ein Afrikaner kann niemals so intelligent wie ein
Europäer sein.“

Darauf basierend fühlten sich die europäischen


Menschen intellektuell so weit überlegen, dass sie die
Afrikaner fälschlicherweise ins Tierreich eingeordnet
haben. Und so wurden Millionen Menschen
jahrhundertelang wie Tiere behandelt und skrupellos
ausgebeutet. Die Öffentlichkeit in der europäisch
geprägten Welt sah das jedoch nicht als Problem, sondern
betrachtete diese Ausbeutung als ihr natürliches Recht.
Inzwischen gibt es mehr als genügend Gegenbeispiele.
Viele Menschen mit dunkler Hautfarbe haben etwas
geistig sehr Anspruchsvolles gemacht. Dabei waren und
sind auch immer wieder klüger als ihre Konkurrenten mit
heller Haut. Die absolute Überlegenheit der Intelligenz
der Europäer gibt es also bewiesenermaßen nicht.
Stattdessen ist die Bildung die Grundlage für einen hoch
entwickelten Verstand. Je gebildeter ein Mensch ist, desto
intelligenter ist er. Die Hautfarbe und die Herkunft
spielen hierbei überhaupt keine Rolle.
Leider war die bereits widerlegte Theorie der
Rassentrennung früher sehr fest in dem Denken der
Menschen verankert und man findet sie deswegen
heutzutage immer noch. Das hängt hauptsächlich mit der
damit verbundenen Steigerung des Selbstbewusstseins
und dem sozialen Kontakt zusammen. Rassistisch
denkende Menschen fühlen sich durch ihre eingebildete
Überlegenheit mächtig und so können sie ihr ansonsten
eher schwaches Selbstwertgefühl steigern. Zusätzlich
dazu lernt man in einer rassistischen Gruppierung

109
Gleichgesinnte kennen. Wer es schwer hat Freunde zu
finden, kann dieses Problem dort unkompliziert lösen.
Dabei bekommt man allerdings auch einen neuen Job und
dieser verursacht eine Menge Schwierigkeiten. Als
Rassist hat man die Aufgabe seine eigene „überlegene“
Rasse zu beschützen und dafür muss man alle Fremden
entweder verprügeln, vertreiben oder töten. Das verstößt
natürlich gegen die heutigen Gesetze und so landen alle,
die dabei mitmachen im Gefängnis. Die neuen Freunde
muss man also teuer bezahlen, indem man zwangsläufig
kriminell werden muss. Eine normale gesellschaftliche
Existenz ist unter solchen Umständen nicht mehr
möglich.
Dazu kommt das problematische Leben als Minderheit.
Die meisten Menschen gehen zwar unabhängig von ihrer
Herkunft respektvoll miteinander um, das gilt jedoch
nicht für ihre fremdenfeindlichen Mitbürger. Diese werde
als gefährliche Kriminelle betrachtet, um die man einen
weiten Bogen machen sollte. Man isoliert sich also von
der Gesellschaft mit allen daraus entstehenden
Konsequenzen. Und man darf in den meisten Fällen auch
nicht mehr aus seiner Rassistengruppe aussteigen. Die
vorherigen Freunde betrachten einen dann als Verräter
und schlagen so jemanden entweder brutal zusammen
oder töten ihn.
Abgesehen davon liegen die langfristigen Erfolgschancen
bei ziemlich genau 0 Prozent. Die veraltete Rassentheorie
ist schon größtenteils aus den Köpfen der Menschen
verschwunden und wurde durch die allgemeinen
Menschenrechte abgelöst. Danach hat jeder von uns
dieselben Rechte und niemand darf aufgrund seiner
Herkunft diskriminiert werden. Diese Entwicklung
kommt fast allen Menschen entgegen. Ihnen ist ein

110
friedliches und sicheres Leben viel lieber als ständige
Gewalt. Weltweit gesehen sind sie in der Mehrzahl und
das verhindert ein Wiederaufleben des Rassismus auf
staatlicher Ebene. Selbst, wenn ein Land durch Wahlen
oder durch einen Putsch wieder eine Rassentrennung
einführen sollte, wäre das kein langfristiger Erfolg. Die
Weltgemeinschaft würde das nicht akzeptieren und die
Wirtschaftsbeziehung mit dem betroffenen Land stark
einschränken oder sogar komplett einstellen. Das würde
zum Verlust vieler Arbeitsplätze führen und spätestens
ab dem Moment hätten die fremdenfeindlichen Politiker
die Mehrheit nicht mehr auf ihrer Seite.
Es macht somit überhaupt keinen Sinn ein Rassist zu
werden. Man kann niemals sein Ziel erreichen, isoliert
sich von der Mehrheit der Gesellschaft und landet mit
einer hohen Wahrscheinlichkeit irgendwann für viele
Jahre im Gefängnis.

3.28 Die Mädchen und die Jungs

Thema:

Die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern

Beschreibung:

Zur Steigerung des eigenen Selbstwertgefühls nutzen


viele Männer die im Vergleich mit ihnen körperlich
schwache Position der Frauen aus. Sie unterdrücken und
misshandeln Frauen, damit sie sich selber wichtig
vorkommen können und da müssen wir als Göttinnen
selbstverständlich auch etwas gegen tun.

111
Originaltext:

Vor nicht allzu langer Zeit sind Männer davon


ausgegangen, dass Frauen von ihren geistigen
Fähigkeiten her nur in der Lage sind, sich um den
Haushalt und um die Kinder zu kümmern. Eine Frau, die
beispielsweise eine Maschine repariert, konnten sie sich
nicht vorstellen und deshalb beanspruchten sie alle
geistig anspruchsvollen Berufe für sich selber. Mit dieser
Situation waren viele Frauen irgendwann nicht mehr
einverstanden und sie haben sich dagegen gewehrt.
Anfangs war das noch sehr schwierig, aber mit der Zeit
wurden es immer mehr. Dabei haben viele von ihnen
geistige Höchstleistungen vollbracht und so konnten die
Männer ihre Idee der Überlegenheit der männlichen
Intelligenz nicht mehr aufrechterhalten. Die Gesetze
wurden dementsprechend angepasst und heutzutage
sind beide Geschlechter gleichgestellt.
Davor gab es Gesetze, die den Frauen verboten ein
komplett eigenständiges Leben zu führen. Angeblich
waren sie nicht schlau genug dafür und konnten wichtige
Entscheidungen nicht alleine treffen. Deswegen sollte
immer ein Mann auf eine Frau aufpassen, damit diese
keine Dummheiten macht und sich dadurch ihr Leben
ruiniert. Solche Gesetze gibt es in einigen Ländern
heutzutage immer noch. Dort sollen Frauen generell nicht
intelligent genug sein, um ein selbstständiges Leben
führen zu können. Aus diesem Grund haben die
Ehefrauen, Mütter, Großmütter und Töchter der Männer
viel weniger Rechte als sie selber. Der Trend geht jedoch
in die richtige Richtung und die Rechte der Frauen
werden weltweit immer mehr den der Männer angepasst.

112
Diese Art der ungerechten Behandlung ist allerdings nur
das kleinere Problem. Erschreckend viele Männer leiten
sich aus dem angeblichen Intelligenzunterschied das
Recht her, Frauen Gewalt anzutun und das ist weitaus
schlimmer, als nicht alleine vor die Tür gehen zu dürfen.
Sie schlagen und missbrauchen ihre Ehefrauen, Töchter
und andere Frauen. Dabei stehen sie in ihrer
Weltvorstellung im Mittelpunkt und erwarten ein
unterwürfiges Verhalten von allen Angehörigen des
weiblichen Geschlechts. Sie betrachten es also nicht als
Problem eine Frau zu schlagen, sondern sie haben ihrer
Meinung nach das Recht dazu.
Meistens haben solche Männer eine ähnliche
Grundproblematik wie diejenigen, die sich den
Rassistengruppen anschließen. Sie sind eher schwach
und im Alltag wenig durchsetzungsfähig. Daraus entsteht
eine Lücke in ihrem Selbstbewusstsein und diese
versuchen sie zu füllen, indem sie einer schwächeren
Person gegenüber ihre Stärke demonstrieren. Durch das
Unterdrücken und Schlagen einer Frau bekommen sie das
Gefühl ein mächtiger Mann zu sein. In früheren Zeiten
war diese Methode der Selbstwertsteigerung überall auf
der Welt sehr weit verbreitet. Viele Männer nutzen sie
um sich stark und mächtig zu fühlen. Inzwischen hat sich
die Situation in vielen Ländern glücklicherweise
verbessert und solch ein Verhalten wird von der
Gesellschaft nicht mehr akzeptiert. Trotzdem finden auch
dort immer noch täglich viele gewalttätige Angriffe auf
Frauen statt.
Nun wäre es sehr schön, wenn endlich mal alle Männer
verstehen würden, dass Frauen denselben Respekt wie
alle anderen Menschen verdienen. Der entscheidende
Faktor hierfür ist die Bildung. Ab einem gewissen

113
Bildungsgrad verstehen Männer, dass Frauen genauso
intelligent sein können, wie sie selber. Dadurch wird
ihnen die Grundlage für ihre eingebildete Überlegenheit
entzogen und sie können Gewalt gegenüber Frauen nicht
mehr damit rechtfertigen. Solange, bis sich der
Bildungsstandard weltweit daran angepasst hat, haben
Frauen es generell schwerer als ihre männlichen
Mitbürger. Viele von ihnen müssen nahezu täglich mit
Vorurteilen über ihre Intelligenz kämpfen und oftmals
bekommen sie gar nicht die Chance sich zu beweisen.
Diese Umstände schränken ihr Leben sehr stark ein und
durch die ständige Gewalt leiden viele von ihnen noch
viel mehr.

3.29 Das Gefühl der eigenen Überlegenheit

Thema:

Die beiden für Über- und Unterlegenheit zuständigen


instinktiven Sozialgefühle

Beschreibung:

Das für das menschliche Sozialverhalten zuständige


emotionale System besteht insgesamt aus drei Gefühlen
und hier werden diejenigen vorgestellt, die für die Über-
und Unterlegenheit zuständig sind.

Originaltext:

Die gefühlstechnische Grundlage für die Unterdrückung


anderer Menschen ist das Gefühl der eigenen Überlegen-

114
heit. Unser Gehirn belohnt uns mit positiven Emotionen
in Situationen, in denen wir eine Möglichkeit finden
anderen überlegen zu sein. Aus diesem Grund lästern
einige von uns gerne über ihre Mitmenschen. Sie mögen
die dabei ausgeschütteten Glückshormone und können
sogar richtig süchtig danach werden.
Der ursprüngliche Zweck dieser Gefühle war die
Erschaffung einer Alphamenschposition. Dieser war der
Anführer der Gruppe und kontrollierte in bestimmten
Situationen deren Verhalten. Das kennen wir heute noch
und wir finden es beispielsweise in Diktaturen und
Monarchien. Dort bestimmt ein Mensch über das gesamte
Volk und trifft für sie die wichtigen Entscheidungen.
Diese Art der Führung war früher absolut notwendig, um
das Überleben der gesamten Gruppe sicherzustellen.
Denn bei einem Raubtierangriff musste so schnell wie
möglich entschieden werden, ob man flieht oder zur
Verteidigung angreift. Eine demokratische Abstimmung,
wie wir sie heute in vielen Ländern kennen, wäre damals
ziemlich sinnlos gewesen. Sie hätte unnötige Zeit gekostet
und bis dahin hätte sich das Raubtier schon den einen
oder anderen Menschen geschnappt und getötet. Nur mit
Hilfe eines diktatorischen Systems konnte innerhalb von
Sekunden vom Alphamenschen eine Entscheidung
getroffen werden, an die sich dann die gesamte Gruppe
gehalten hat. So konnten sie überhaupt erst
gemeinschaftlich agieren.
Genauso ist es bei der Suche nach Nahrung oder Wasser.
Falls es hier mehrere Auswahlmöglichkeiten gab, musste
einer entscheiden und alle anderen mussten
einverstanden sein. Ansonsten hätten sich unsere
Vorfahren in verschiedene Richtungen begeben und ihre

115
Gruppen hätten sich aufgelöst. Das diktatorische
Entscheidungssystem verhinderte diese Spaltungen.
Das große Problem hierbei ist der daraus entstehende
Konflikt mit der Grundregel für Respekt. Diese besagt ja,
dass man die Bedürfnisse anderer Menschen
respektieren soll, damit es allen möglichst gut geht, um so
die gesamte Gruppe zu stärken. Der Alphamensch durfte
sich jedoch in bestimmten Situationen nicht daran halten,
da er das Recht auf wichtige Entscheidungen für sich
alleine beanspruchen musste. Nach der Grundregel für
Respekt hätte das eigentlich sehr negative Auswirkungen
auf den Anführer. Alle anderen würden ihn als respektlos
empfinden und ihm aus dem Weg gehen. Schließlich
entscheidet er über ihre Köpfe hinweg und ignoriert ihre
Meinung.
Es wäre also unmöglich eine Gruppe zu führen ohne die
entsprechende Gegenkraft. Hier kommt das Gefühl der
eigenen Überlegenheit ins Spiel. Wir fühlen uns ja auch
gut, wenn wir besser als andere Menschen sind und nicht
nur bei einem respektvollen Umgang.
Damit die Unterlegenen dieses Verhalten akzeptieren,
gibt es zusätzlich dazu noch das Gefühl der eigenen
Unterlegenheit. Dieses vermittelt uns ein positives Gefühl
von Sicherheit, sobald wir dominiert werden. Es gibt ja
jemanden, der die wichtigen Entscheidungen trifft, so
können wir als Gruppe zusammenarbeiten und sind so
gut wie möglich vor Bedrohungen geschützt. Diese
beiden Gefühle haben sich bis heute erhalten und
bestimmen in Verbindung mit der Grundregel für
Respekt über unser Sozialverhalten. Alle Menschen
verhalten sich zwar auf ihre Art unterschiedlich, man
kann sie aber nach diesen drei Gefühlen in drei
Kategorien einteilen:

116
1. Anhänger des Gefühls der eigenen Überlegenheit:

Diese Menschen sind ihren Mitmenschen am liebsten


überlegen und streben danach in solche Positionen zu
kommen. Oftmals ist ihnen dabei die Grundregel für
Respekt nicht so wichtig, denn sie steht ihnen bei ihrer
Vorliebe im Weg.

2. Anhänger des Gefühls der eigenen Unterlegenheit:

Solche Menschen halten sich gerne in Gruppen auf, weil


sie das in solchen Momenten empfundene Gefühl der
Sicherheit mögen. Dafür sind viele von ihnen bereit sich
den jeweiligen Anführern der Gruppe zu unterwerfen
und sie lassen sich von einzelnen Menschen ebenso
dominieren. Für sie ist es nicht immer wichtig, dass man
sie respektvoll behandelt. Die gefühlte Sicherheit steht an
erster Stelle.

3. Anhänger der Grundregel für Respekt:


Diese Menschen sind im Normalfall sehr selbstbewusst
und sie fühlen sich auch alleine stark genug. Sie brauchen
niemanden, der ihnen das Gefühl von Sicherheit gibt,
indem er ihre Entscheidungsfreiheit einschränkt und sie
selber sehen keinen Sinn darin, andere Menschen zu
dominieren. Sie streben nach dem Glücksgefühl, welches
sie durch ein respektvolles Sozialverhalten bekommen.

Qualitativ am hochwertigsten ist meiner Erfahrung nach


das Leben der Anhänger der Grundregel für Respekt. Sie
können sich voll und ganz auf andere Menschen einlassen
und müssen keinen Wert auf Über- oder Unterlegenheit

117
legen. Auf diese Weise schließen sie schnell neue
Freundschaften und kennen meistens viele Leute, die
gerne bereit sind, ihnen bei Problemen zu helfen.
Die Anhänger des Gefühls der eigenen Überlegenheit
haben in diesem Punkt große Schwierigkeiten. Das
Sozialverhalten ihrer Mitmenschen hängt bei ihnen von
ihrer Situation ab. Solange sie sich in einer überlegenen
Stellung befinden, ist alles in Ordnung. Viele Menschen
akzeptieren das respektlose Verhalten dann noch, aber
sobald sie ihre höhere Position verlieren, sieht das ganz
anders aus. Die gefühlstechnische Berechtigung zum
Ignorieren der Grundregel für Respekt verschwindet
plötzlich und die Unterlegenen betrachten den vorher
mal Überlegenen aus einer ganz anderen Perspektive. Der
Vorteil der gefühlten Sicherheit ist für sie nicht mehr
vorhanden und es erscheint deshalb sinnlos, sich von
dem früher einmal überlegenen Menschen weiterhin
respektlos behandeln zu lassen. In dem Moment tritt die
Grundregel für Respekt wieder in Kraft und man geht
ihnen lieber aus dem Weg. Man verliert somit nicht nur
seine höhere Stellung, sondern auch viele Menschen, mit
denen man zuvor Kontakt hatte.
Deswegen verfügen die Anhänger des Gefühls der
eigenen Überlegenheit über eine sehr schlechte
Absicherung in schwierigen Zeiten. Sie sind von ihrem
persönlichen Glück abhängig und falls dieses sie einmal
verlassen sollte, sieht es schlecht für sie aus. Ihnen
werden nur wenige Freunde oder niemand helfen, um
wieder auf die Beine zu kommen.
Den Anhängern des Gefühls der eigenen Unterlegenheit
geht es meistens noch viel schlechter. Sie sind von ihrem
Anführer abhängig und dessen Willkür ausgeliefert. Ihre
persönlichen Bedürfnisse stehen dabei im Hintergrund.

118
Bei Sekten kann man das gut beobachten. Der
Sektenführer verfügt laut eigener Aussage über ein ganz
spezielles Wissen, mit dem man ein Leben in
Glückseligkeit führen kann. Für den Zugang dazu stellt er
jedoch Bedingungen. Oftmals müssen die Mitglieder ihre
gesamten Ersparnisse an die Sekte abgeben und im
schlimmsten Fall sollen sie sogar ihr eigenes Haus
verkaufen. Sie verlieren also sämtliche materielle
Sicherheit, die sie sich in ihrem Leben erarbeitet haben
und normalerweise sollte sie das ja eher abschrecken. Da
sie aber von dem Sektenführer ein starkes
Sicherheitsgefühl bekommen, tut es das nicht.
Stattdessen sind sie bereit auf ihr Geld zu verzichten,
allerdings nur solange bis sie den Schwindel bemerken.
Sollte herauskommen, dass der Sektenführer nichts
wirklich Besonderes über das Leben weiß, verschwindet
die mit seiner Überlegenheit verbundene gefühlte
Sicherheit und er wird von seinen Anhängern zum Teufel
gejagt.
Man kann hier gut erkennen, wie stark die drei Gefühle
unser Leben beeinflussen können. Als Untergebener ist
man den willkürlichen Entscheidungen des Anführers
ausgesetzt und befindet sich somit in einer sehr
unsicheren Position. Das durch die dominantere Person
ausgelöste Sicherheitsgefühl ist jedoch stark genug, um
für sich alleine schon als erstrebenswert zu gelten.
Darüber hinaus an die Konsequenzen seines Verhaltens
zu denken scheint nicht mehr notwendig, schließlich fühlt
man sich bereits sicher. Genauso fühlt man sich als
Überlegener in seiner höheren Position sehr gut. Man
kommt dann nicht auf die Idee, dass sich die Situation
irgendwann negativ verändern kann. Deshalb versteht
man nicht, warum man respektvoll sein sollte, um sich für

119
schlechte Zeiten abzusichern. Hierfür müsste man sein
geliebtes Überlegenheitsgefühl einschränken und das
macht auf den ersten Blick keinen Sinn.
Zu welcher Kategorie man gehört hängt von den
jeweiligen persönlichen Erfahrungen ab. Der
entscheidende Faktor hier ist die Liebe. Wer in seinem
Leben viel davon bekommen hat, lernt dadurch, wie
schön ein liebevoller Umgang mit seinen Mitmenschen
ist. Allen Menschen, denen diese Erfahrung fehlt, ist die
extrem hohe Qualität dieses Gefühls nicht bewusst. Sie
sind in einer Welt voller Konkurrenz aufgewachsen und
für sie ist die höchste emotionale Qualität entweder das
Gefühl der eigenen Überlegenheit oder das der
Unterlegenheit.

3.30 Die absolute Überlegenheit

Thema:

Die Auslöser für Kritikblindheit und ein möglicher


Lösungsvorschlag

Beschreibung:

Blindheit für Kritik ist eines der Kernprobleme der


Menschheit. Dabei kann man dieses Phänomen kinder-
leicht mithilfe des instinktiven Gefühlssystems erklären.
Dazu enthält der Text ein darauf basierenden Lösungs-
vorschlag zur Verbesserung der derzeitigen Situation.

120
Originaltext:

Das größte Hindernis bei der Gleichberechtigung ist die


weit verbreitete Blindheit für Kritik. Diese kommt bei
allen Menschen vor, ist aber je nach Lebenseinstellung
schwächer oder stärker ausgeprägt. Das hängt davon ab,
wie gravierend sich Kritik auf das eigene soziale Umfeld
auswirkt.
Den Anhängern der Grundregel für Respekt macht es
deshalb wenig aus, wenn man sie auf ihre eigenen Fehler
aufmerksam macht. Ihre zwischenmenschlichen Kontakte
basieren schließlich nicht darauf, ob sie besser oder
schlechter als andere Menschen sind.
Bei den Anhängern des Gefühls der eigenen
Überlegenheit sieht das ganz anders aus. Sie beziehen
den größten Teil ihrer Attraktivität aus ihrer höheren
Position wobei folgende Regel gilt:

„Je überlegener jemand ist, desto attraktiver ist er.“

Die daraus resultierende größtmögliche Attraktivität ist


die „absolute Überlegenheit“. Bei diesem Phänomen
bildet unser Gehirn sich ein, jederzeit allen anderen
Menschen überlegen zu sein.
Auf der Gefühlsebene funktioniert das sehr gut. Man
findet sich so nicht nur selber sehr attraktiv, sondern es
wirkt aufgrund des dadurch ausgestrahlten
Sicherheitsgefühls auch auf andere Menschen anziehend.
Das Gehirn ist hierbei sehr genügsam. Es reicht völlig aus,
sich einzubilden, besser als andere Menschen zu sein, um
die damit verbundene starke Anziehungskraft zu
erhalten. Das ist also ein von der Realität abgekoppelter,
ausschließlich im Verstand stattfindender Prozess.

121
Dessen größter Feind ist nun die Kritik. Sie macht darauf
aufmerksam, dass es überraschenderweise doch andere
Menschen gibt, die etwas besser können oder wissen.
Hierdurch wäre die Vorstellung von einer absoluten
Überlegenheit widerlegt. Die eigene Attraktivität würde
ihre Grundlage verlieren und in sich zusammenstürzen.
Ohne eine vernünftige Alternative wäre man dann als
Anhänger des Überlegenheitsgefühls emotional nicht
mehr attraktiv. Darunter würde das eigene Sozialleben
massiv leiden und um das zu verhindern, schützt das
Gehirn die Betroffenen, indem es Kritik prinzipiell
ablehnt.
Diese Schutzfunktion wirkt wie eine starke Bremse auf
den Prozess der praktischen Umsetzung der allgemeinen
Menschenrechte. Die Idee der Gleichberechtigung ist
relativ neu und muss sich gegen die alten
gesellschaftlichen Ideale Stück für Stück durchsetzen.
Diejenigen, die noch nach den alten Regeln leben,
schützen sich oftmals durch Anwendung von Gewalt vor
Kritikern. Ihre eigene Attraktivität steht immerhin auf
dem Spiel und diese wird mit allen zur Verfügung
stehenden Mitteln verteidigt. Eine sehr einfache
Möglichkeit dieses Phänomen positiv zu nutzen ist die
Trennung der jüngeren Geschichte der Menschheit in
zwei Teile:

1. Die zivilisierte Menschheit


2. Die entwickelte Menschheit

Der Unterschied dieser beiden Zeitalter besteht in dem


Umgang mit unserem natürlichen Gefühlssystem.
In der zivilisierten Zeit bestimmten die Gefühle
hauptsächlich über das Denken und Handeln. Die Ursache

122
dafür war die fehlende Erklärung der Herkunft und
Funktion von Emotionen. Aufgrund dieser Wissenslücke
konnte das Gefühl der eigenen Überlegenheit
fälschlicherweise eine eingebildete absolute
Überlegenheit verursachen und diese zu einer Blindheit
gegenüber Kritik.
Im entwickelten Zeitalter hingegen ist die Menschheit mit
Hilfe ihres inzwischen sehr reichhaltigen Wissens in der
Lage das Zusammenspiel ihrer Gefühle zu verstehen und
richtig zu deuten. Die Menschen richten ihre Augen auf
die Realität, wobei es bei einer Weltbevölkerung von über
sieben Milliarden Erdenbürgern selbstverständlich ist,
dass keiner von uns allen anderen absolut überlegen ist.
Die absolute Überlegenheit wird als Denkfehler des
Gehirns betrachtet und verliert ihre Attraktivität. Diese
wird durch den nun vorhandenen Intelligenzunterschied
zwischen der zivilisierten und entwickelten Zeit ersetzt.
Man ist zukünftig attraktiv, wenn man intelligent genug
ist das Zusammenspiel der eigenen Emotionen zu
verstehen.
Diese Trennung zwingt sämtliche Anhänger des Gefühls
der eigenen Überlegenheit zu einem Umdenken. Die
Abwehr von Kritik mittels Gewalt würde sie als
zivilisierte, also weniger entwickelte Menschen
auszeichnen und ihr natürliches Streben nach
Überlegenheit führt bei diesen dann automatisch zu einer
Verhaltensänderung, um der unangenehmen, nun
unterlegenen Position zu entkommen. Der Erfolg hängt
hierbei von der allgemeinen Verbreitung und Akzeptanz
dieser Unterteilung ab. Sollte mehr als die Hälfte der
Menschheit damit leben können, müssten sich die
anderen zwangsläufig früher oder später der Mehrheit
anpassen.

123
3.31 Die erlaubten Einschränkungen

Thema:

Die Notwendigkeit der Einschränkung der Gleichberech-


tigung in bestimmten Lebenssituationen.

Beschreibung:

Bestimmte Personengruppen können bei der Wahl ihrer


Entscheidungen große Schwierigkeiten haben und
deshalb muss bei ihnen eventuell die Entscheidungs-
freiheit eingeschränkt werden.

Originaltext:

Die Gleichberechtigung darf unter bestimmten


Umständen eingeschränkt werden. Das betrifft Menschen
mit einer sehr niedrigen Intelligenz oder bestimmten
Krankheiten, Kinder und Kriminelle. Dabei geht es
entweder darum, jemanden vor sich selber zu beschützen
oder um Verbrechen zu verhindern.
Die Menschen mit einem sehr niedrigen Denkvermögen
können auch als Erwachsene ausschließlich auf
kurzfristigen Erfolg ausgelegte Entscheidungen treffen. In
der komplexen Welt von heute muss man allerdings
langfristig planen können, um über eine gesicherte
Existenz zu verfügen und dafür brauchen sie jemanden,
der das für sie macht. Dasselbe gilt für Menschen, die an
Krankheiten wie beispielsweise Demenz leiden. Sie sind
genauso auf eine Betreuung angewiesen, da sie selber
keinen vollständigen Überblick über ihr Leben haben.

124
Bei Kindern ist es im Prinzip ähnlich. Diese müssen erst
einmal das Sprechen lernen, um ihre Entscheidungen
überhaupt mitteilen zu können und bis zu einem
gewissen Erziehungsstand denken sie nur an die
kurzfristigen Glücksmomente. Geistig vollkommen
gesunde Kinder haben jedoch die Möglichkeit das auf
Langfristigkeit ausgelegte Denken Stück für Stück zu
erlernen. Während dieser Lernphase wird das Recht auf
eigene Entscheidungen sinnvollerweise eingeschränkt. So
sollen sie davor geschützt werden, sich ihr Leben durch
irgendwelche verrückten Ideen zu ruinieren.
Diese Einschränkungen sind nur dazu da, um den
jeweiligen Menschen zu helfen sich in unserer
Gesellschaft zurechtzufinden. Die auf das
Erwachsenenalter vorbereitende Erziehung und die
lebenslange Betreuung sind deshalb erlaubt, obwohl man
den Betroffenen einen Teil ihrer Entscheidungsfreiheit
wegnimmt. Es ist einfach notwendig, damit jeder von
ihnen nach seinen Fähigkeiten ein dauerhaft sicheres
Leben hat.
Selbstverständlich müssen die Verantwortlichen ihre
Handlungen mit Bedacht wählen und sich am besten
jedes Mal mit jemandem absprechen. Eigene
Fehlentscheidungen würden sich schließlich auf das
Leben eines anderen Menschen auswirken und hierbei ist
es wichtig, sich so gut wie möglich zu informieren, bevor
man handelt.
Kriminelle sind ebenfalls nicht in der Lage langfristig
sinnvolle Entscheidungen zu treffen und richten ihre
Augen auf den schnellen Erfolg. Da sie aber mit ihren
Verbrechen anderen Menschen schaden, muss es eine
Möglichkeit geben die Allgemeinheit vor ihnen zu

125
schützen. Aus dieser Notwendigkeit heraus entsteht das
Recht
zur Einschränkung ihrer Freiheit. Im Gefängnis sind sie
einsperrt und somit getrennt von den gesetzestreuen
Bürgern. Gleichzeitig sollen sie ein Gefühl für die
Auswirkungen ihrer kriminellen Taten bekommen. Ihre
Opfer leiden oftmals sehr stark unter den erlittenen
Verbrechen, wohingegen es für die Täter meistens nur
Vorteile gibt. Sie haben entweder etwas gestohlen oder
ihr Gefühl der eigenen Überlegenheit stark befriedigt und
sind nicht von den für andere daraus entstandenen
negativen Auswirkungen betroffen. Solche positiv
empfundene Erfahrungen machen es für sie unmöglich,
jemals zu verstehen, dass ihre Handlungen für ihre Opfer
sehr schlimm sind. Freiheitsstrafen sollen darum eine
praktische Erfahrung für die Kriminellen sein. Die
negativen Folgen ihres Verhaltens sollen ihnen bewusst
werden, indem man sie einsperrt.
Leider sorgt das bei vielen Gefängnisinsassen sehr
beliebte Gefühl der eigenen Überlegenheit für Probleme
bei der Resozialisierung. Fast alle sind nämlich Anhänger
dieses Gefühls und definieren ihre Attraktivität darüber.
Wer sich dort an die Grundregel für Respekt hält, gilt als
schwach und steht ganz unten in der Hierarchie. Unter
solchen Umständen ist es schwierig sein eigenes
Verhalten zu kritisieren und den zweiten Sinn hinter
seiner Strafe zu verstehen. Man hat so auch gar nicht die
Möglichkeit die praktische Umsetzung der Grundregel für
Respekt zu üben. Das kann dann zu einem dauerhaften
Leben als Gesetzesbrecher führen und man landet immer
wieder im Gefängnis.
Der beste Ansatz, um diesen Teufelskreis gar nicht erst
entstehen zu lassen, ist die Erziehung. Diese steht in

126
einem ständigen Konkurrenzkampf mit den gefährlichen
Menschen. Da deren auf kurzfristige Entscheidungen
ausgelegte Lebensweise der Denkweise der Kinder
entspricht, sind sie sehr attraktiv für den Nachwuchs. Bei
ihnen gibt es angeblich Belohnungen, ohne viel dafür
arbeiten zu müssen und das hört sich auf den ersten Blick
wesentlich attraktiver an als das, was einem die Eltern
oder Lehrer versuchen beizubringen.
Wer in diese Falle tappt, kommt da nur sehr schwer
wieder heraus und das ist eine der Entscheidungen, die
eure Eltern für euch treffen dürfen. Sie wollen euch
schützen, indem sie euch den Umgang mit den
gefährlichen Menschen verbieten. So möchten sie euch
helfen euer Recht auf eigenständige Entscheidungen ein
Leben lang zu behalten. Gegen eure
Erziehungsberechtigten könnt ihr euch zwar eventuell
noch durchsetzen, aber gegen die Polizei und den Staat
habt ihr als Erwachsene keine Chance mehr. Der vorher
rücksichtsvolle Umgang eurer Eltern bei
Regelverletzungen verschwindet und wird durch die
gnadenlose Verfolgung der Rechtsorgane ersetzt. Ihr
werdet definitiv bestraft, sobald ihr Verbrechen begeht
und niemand hat mehr Verständnis für euch.

Abgesehen von den erwähnten Personengruppen gibt es


keine weiteren Einschränkungen der Gleichberechtigung.
Jeder Erwachsene, der das langfristige Denken erlernt hat
und mit seinem Verhalten niemanden schadet, kann
komplett eigenständig entscheiden, was er machen
möchte und was nicht. Später bei der Arbeit müsst ihr
euch zwar an die Vorgaben eurer Vorgesetzten halten, da
ihr jedoch die Möglichkeit haben werdet, euren Job
jederzeit zu kündigen, könnt ihr selber entscheiden, ob

127
ihr das Geforderte machen möchtet oder nicht.
Arbeitsanweisungen zu bekommen ist also keine
Einschränkung eurer Entscheidungsfreiheit.

3.32 Die natürliche Balance

Thema:

Das für das Sozialverhalten zuständige emotionale


System der Menschen vor und nach der Entstehung der
Menschheit

Beschreibung:

Auf der Erde gibt es diverse Geschichten über die


Entstehung der Situation, in der sich die Menschheit im
Vergleich mit der Tierwelt befindet. In meinem Kultur-
kreis wird beispielsweise davon ausgegangen, dass Adam
und Eva einen Apfel von einem Baum gegessen haben,
obwohl sie das gar nicht durften. Solche Geschichten
basieren alle auf dem Verlust der Balance des für das
Sozialverhalten verantwortlichen emotionalen Systems
der Menschen und dieses wird hier erklärt.

Originaltext:

Die Trennung unserer Emotionen in positiv und negativ


basiert auf einer für das Leben in der Natur vorhandenen
Bedienungsanleitung. Tiere haben dasselbe System und
auch bei ihnen bestimmt das Zusammenspiel der
angenehmen und unangenehmen Empfindungen über ihr
Verhalten.

128
Auf der einfachsten Ebene wird so beispielsweise die
Reaktion auf die Umgebungstemperatur vorgegeben, um
dem jeweiligen Lebewesen zu ermöglichen, sich in seiner
Umwelt zu orientieren. Ohne eine solche Vorgabe
bräuchte jedes Tier ein Grundwissen über Physik, um die
negativen Auswirkungen von zu starker Hitze oder
extremer Kälte auf den eigenen Körper zu verstehen.
Andernfalls würde es früher oder später durch
Überhitzung oder Erfrierung sterben.
Die Lösung der Natur hierfür ist die bereits erwähnte
natürliche Bedienungsanleitung. In ihr ist ein für die
jeweilige Spezies passendes Temperaturbeurteilungs-
system eingebaut und dieses ist schon bei der Geburt
vorhanden. Die für den Organismus lebensfeindlichen
Temperaturen lösen negative Gefühle aus und
veranlassen das Lebewesen zu einer entsprechenden
Reaktion. Es wird entweder Schutz vor Kälte suchen oder
zu heiße Stellen meiden.
Dabei findet man bei uns Menschen auf der höheren
Ebene solche Gefühle wie das der eigenen Über- und
Unterlegenheit und die Grundregel für Respekt. Sie sind
die Antwort auf weitaus komplexere Probleme,
funktionieren jedoch immer noch nach demselben
Prinzip wie das Temperaturempfinden. Die jeweils
ausgelösten positiven und negativen Emotionen sind
optimal an das natürliche Leben der Menschen angepasst
und mit dessen Hilfe konnten sie sich so verhalten, dass
sie auch ohne die heutige menschliche Bildung die
größtmöglichen Überlebenschancen hatten.
Dieses System war die Verhaltensgrundlage unserer
Vorfahren und hat sich bis heute erhalten. Mit dem
Fortschreiten der geistigen Entwicklung der Menschheit
änderten sich die Lebensumstände und die natürliche

129
Balance unserer drei Sozialgefühle konnte nicht mehr
aufrechterhalten werden. Der vorher lebenswichtige
Schutz vor Raubtieren konnte nun mit Waffen
sichergestellt werden. Man war somit nicht mehr
zwangsläufig auf jedes einzelne Gruppenmitglied
angewiesen. Hierdurch verlor die Grundregel für Respekt
einen Teil ihrer Bedeutung und dieser Verlust
ermöglichte dem Überlegenheitsgefühl eine stärkere
Auslebung. Es war dann zum Beispiel möglich, einen
anderen Menschen zu ermorden, ohne seine eigene
Sicherheit zu riskieren und durch das Gefühl der eigenen
Überlegenheit kann sich so etwas sehr positiv anfühlen.
Anfangs war das kein großes Problem, da die Gruppen
noch sehr klein waren, als sie aber größer wurden,
konnte sich dieses Gefühl immer stärker ausleben.
Heutzutage kann man das bei Serienmördern gut
beobachten. Diese sind süchtig nach dem Überlegenheits-
gefühl, welches sie im Moment des Tötens bekommen
und hören erst wieder auf, nachdem sie festgenommen
werden.
Diese Veränderung der Lebensumstände in Verbindung
mit dem fest integrierten emotionalen System bilden bis
heute die Grundlage für unser Sozialverhalten. Es gibt
eine starke Auslebung des Gefühls der eigenen
Überlegenheit mit den daraus entstehenden negativen
Folgen für die jeweils Unterlegenen und gleichzeitig den
zwar vorhandenen, aber bisher noch nicht
durchgesetzten Wunsch eines harmonischen
Zusammenlebens nach der Grundregel für Respekt.
Der Schlüssel zur Wiederherstellung der natürlichen
Harmonie des menschlichen Miteinanders ist das Wissen
über die Existenz und Funktion dieser drei Gefühle.
Damit hat man eine feste Orientierungsmöglichkeit

130
anhand des Grundaufbaus der eigenen Emotionen und
kann sein eigenes Verhalten danach ausrichten.
Das erste Ziel ist das Auflösen der eingebildeten
absoluten Überlegenheit. Diese ist zweifellos bei sehr
vielen Menschen vorhanden, allerdings hat bis zum
heutigen Tage noch niemand bewiesen, dass er
tatsächlich allen anderen überlegen ist und somit gehört
diese extrem positive Vorstellung von sich selber in das
Reich der Fantasie. Mit ihr würde die Blindheit für Kritik
verschwinden und der Weg wäre frei für eine Welt, in der
die Menschen ihr Wissen unbehindert miteinander
austauschen können. Man könnte also andere bei
Problemen um Hilfe bitten, ohne einen Verlust der
eigenen Attraktivität zu riskieren und niemand müsste
mehr seine Unwissenheit durch die Anwendung von
Gewalt schützen. Das hätte sehr positive Auswirkungen
auf uns alle.

3.33 Die Konkurrenz

Thema:

Die Auslebung der Gefühle der eigenen Über- und


Unterlegenheit

Beschreibung:

Das emotionale System der Menschen benötigt eine


ausreichende Befriedigung und deswegen muss es auch
zukünftig Wettbewerbsmöglichkeiten für die Menschen
geben.

131
Originaltext:

Der zweite Schritt ist die Schaffung einer dauerhaften


Möglichkeit zur Befriedigung der Gefühle der eigenen
Über- und Unterlegenheit.
Dabei ist der Kapitalismus sehr nützlich. Bei diesem
Wirtschaftssystem entscheidet die Überlegenheit über
die Konkurrenz über den Erfolg. Mit Hilfe einer
ausreichenden Berücksichtigung der Grundregel für
Respekt könnte man den jeweiligen Verlierern eine
ausreichende Grundversorgung zur Verfügung stellen.
Der bisherige nackte Kampf ums Überleben, der
beispielsweise zu den aktuell ca. 800.000.000
hungernden Menschen geführt hat, würde sich so in
einen sportlichen Wettbewerb verwandeln, bei dem sich
die Gewinner als Belohnung Luxus kaufen können. Auf
diese Weise lässt sich das Überlegenheitsgefühl
befriedigen, ohne dafür am bestehenden System etwas
ändern zu müssen.
In einer guten Firma profitiert da nicht nur der Chef von,
denn dort bekommen die Angestellten ebenfalls etwas ab,
wenn das Unternehmen besser als die Konkurrenz
arbeitet. Zusätzlich dazu ist Sport eine gute Gelegenheit,
um sich besser als andere Menschen zu fühlen. Man
gewinnt bei Wettbewerben zwar nicht jedes Mal, aber
trotzdem hat jeder währenddessen seine persönlichen
Erfolgserlebnisse und bei Teamsportarten kann man
diese auch gemeinsam mit anderen erleben. Alleine zu
trainieren ist übrigens genauso gut geeignet. Da man mit
der Zeit immer leistungsfähiger wird, ist man seinem
eigenen vorherigen ich überlegen.
Und zu guter Letzt ist das Lernen ebenso eine gute
Methode. Je mehr man weiß, desto intelligenter wird man

132
und das reicht schon aus, um das Gefühl der eigenen
Überlegenheit zu befriedigen. Schließlich versteht man
dann mehr von der Welt als vorher und eventuell sogar
mehr als andere.
Für das Gefühl der eigenen Unterlegenheit gibt es eine
ganz einfache Auslebungsmethode und die nennt sich die
Idee der fachspezifischen Überlegenheit. Hierfür muss
man einfach nur verstehen, dass jeder von uns in
bestimmten Fachbereichen besser als andere Menschen
ist. Ein Arzt kann zum Beispiel Patienten heilen, aber das
Haus, in dem sich seine Praxis befindet, konnte er nicht
planen und bauen. Dafür hätte er Architekt werden
müssen und nebenbei müsste er noch das Bauhandwerk
beherrschen. Sein Wissen beschränkt sich also auf seinen
Fachbereich, um dieses jedoch überhaupt erst anwenden
zu können, benötigt er viele Menschen, die für andere
Berufe qualifiziert sind. Er ist somit nicht allwissend,
sondern abhängig von anderen, die ihm in bestimmten
Bereichen überlegen sind. Das trifft auf uns alle zu und
sobald wir uns darüber bewusst sind brauchen wir keine
weitere Auslebung des Unterlegenheitsgefühls.
Schließlich sind wir im Alltag ständig anderen Menschen
unterlegen, da wir keine Ahnung von deren
Fachbereichen haben.

3.34 Die Einsamkeit

Thema:

Die Vereinsamung vieler meiner Schützlinge

133
Beschreibung:

Mein geliebtes Masturbationszeitalter hat seit dem Ende


des Kalten Krieges hier auf der Erde jede Menge Schaden
beim menschlichen Miteinander angerichtet. Das ist zwar
einerseits supertoll, weil ich dadurch die notwendige
Ruhe für meine Ausbildung hatte, andererseits leiden
viele meiner Schützlinge nun an Vereinsamung und das
ist bestimmt nicht schön. Deswegen muss ich hier eben-
falls korrigierend eingreifen, die wissen ja selber nicht,
wie sie das lösen können.

Originaltext:

Das von uns als negativ empfundene Gefühl der


Einsamkeit diente früher zur Sicherstellung der
Einhaltung des Aufenthalts in einer Gruppe. Wer damals
alleine durch die Natur lief, war den vielfältigen Gefahren
dort schutzlos ausgeliefert und somit akut
lebensgefährdet. Passend hierzu fühlt sich alleine sein so
ziemlich genauso an. Man fühlt sich schwach und die
Bewältigung der Schwierigkeiten des eigenen Lebens
scheint sehr schwer bis unmöglich zu sein.
Der extreme Gegensatz dazu sind die Situationen, in
denen man einen für sich selber als positiv empfundenen
Kontakt mit anderen Menschen hat. Währenddessen fühlt
man sich viel stärker und hat wesentlich mehr Mut sich
um seine eigenen Probleme zu kümmern. Wer ein
stabiles soziales Umfeld hat, kann sich übrigens auch
allein stark fühlen, weil er weiß, dass er im Notfall auf die
Hilfe seiner Familie zugreifen kann.
In den wohlhabenden Ländern hat dieses Gefühl
allerdings inzwischen einen Teil seiner Bedeutung

134
verloren. Man kann dort nämlich ganz alleine leben, wenn
man genügend finanzielle Mittel dafür zur Verfügung hat.
Freunde oder eine Familie braucht man also nicht
unbedingt, denn fast alle seine Bedürfnisse kann man sich
mit Geld kaufen.
Einige Anhänger des Gefühls der eigenen Überlegenheit
sind dabei in der Lage das Einsamkeitsgefühl zu
ignorieren. Sie sind fest davon überzeugt der tollste
Mensch der Welt zu sein und niemand anderen zu
brauchen. Der Erfolg hängt hierbei von der Blindheit für
Kritik ab. Wer völlig immun gegen Selbstzweifel ist, wird
sich solange nicht einsam fühlen, bis er seinen Reichtum
verliert und deswegen auf Hilfe angewiesen ist oder bis
er stirbt. Bereits leichte Selbstkritik hingegen führt bei
solchen Menschen zu einem starken Gefühl der
Einsamkeit und sie müssen sich in irgendeiner Form
damit auseinandersetzen. Ihnen wird dann bewusst, dass
Geld nicht alles ist und sie nicht genügend Liebe in ihrem
Leben bekommen. Oftmals wissen sie jedoch nicht, wie
sie sich verhalten sollen, um ihre Situation zu verbessern.

In einer auf Überlegenheit basierenden Gesellschaft


treten zudem große Schwierigkeiten bei dem Versuch der
Auslebung eines liebevollen Miteinanders auf. Für die
Mehrheit der Menschen dort ist es üblich ihre
Attraktivität auf die eingebildete absolute Überlegenheit
aufzubauen und sie akzeptieren wegen der
Kritikblindheit keine anderen Modelle. Die Anhänger der
Grundregel für Respekt halten sie für schwach, da diese ja
keine überlegen wirkende Ausstrahlung besitzen und
deshalb ist deren Lebensweise für sie nicht attraktiv.
Wer zukünftig gerne freundlicher zu seinen Mitmenschen
sein möchte, hat also es sehr schwer. In dem Moment, in

135
dem er anfängt die Überlegenheitsidee aufzugeben und
beginnt nett zu anderen zu sein, verliert er seine vorher
vorhandene Anziehungskraft. Er befindet sich nun auf
einmal ganz unten in der Hierarchie der auf
Überlegenheit basierenden Gesellschaft.
Mir ist das selber passiert und es war erschreckend
festzustellen, wie herabwürdigend ich von den
Anhängern der eigenen Überlegenheit behandelt wurde,
nur weil ich mich entschieden hatte meine Intelligenz
nicht mehr dafür zu benutzen, um mich auf Kosten
anderer zu bereichern. Ich musste ständig aufpassen
nicht ausgenutzt zu werden, nur weil meine freundliche
Art von vielen Menschen als Schwäche aufgefasst wurde.
Unter diesen Umständen kann es natürlich niemanden
empfehlen es mir gleichzutun.
Ohne eine Veränderung der Rahmenbedingungen ist es
somit unmöglich unser Gefühlssystem zufriedenzustellen.
Die durch die Grundregel für Respekt ausgelösten
Emotionen müssen genauso befriedigt werden können
wie die der eigenen Über- und Unterlegenheit um die
Balance herzustellen und das lässt sich unter den
heutigen Umständen nicht realisieren.
Es ist allerdings ganz einfach das zu ändern. Ihr müsstet
nur bitte noch einmal das Thema Nr.18 „Die armen und
die reichen Menschen“ lesen und möglichst viele von
euch sollten bei der Spendenaktion mitmachen. Falls
genügend von euch daran teilnehmen, wärt ihr die
Mehrheit, die durch ihr Verhalten über die Einstellung
der Menschheit entscheidet. Für euch wäre dabei die
Grundregel für Respekt offensichtlich sehr wichtig und
ihr steigert mit dieser Maßnahme deren Attraktivität
sehr, während ihr gleichzeitig die des Überlegenheits-
gefühls senken würdet. Ihr helft ja schließlich den

136
Bedürftigen, anstatt deren Not zu ignorieren, weil ihr
euch für etwas Besseres haltet. Alle nur an sich selber
denkenden Menschen würden auf diese Weise einen
bedeutenden Teil ihrer Attraktivität verlieren und
müssten sich euch anschließen, um zukünftig nicht ganz
unten in der gesellschaftlichen Hierarchie zu stehen.

3.35 Die Liebe

Thema:

Lieb und nett zueinander sein

Beschreibung:

Ich bin zwar ein großer Fan des mir von der Menschheit
angebotenen Service, allerdings habe ich inzwischen
mehr als ausreichend Dokumentationen über Kriege und
Gewalt im Allgemeinen geschaut und deswegen könnten
meine Schützlinge so langsam, aber sicher mal damit
aufhören, gewalttätig zueinander zu sein. Mir reicht das
bisher zur Verfügung gestellte Material zur Erschaffung
des Paradieses auf Erden völlig aus.
Dafür müssen sie natürlich verstehen, dass alle lieb und
nett zueinander sein müssen, anders geht das nun einmal
nicht.

Originaltext:

Falls möglichst viele von euch bei der Spendenaktion und


der Trennung der jüngeren Geschichte der Menschheit
mitmachen, werden sämtliche Anhänger des Gefühls der
eigenen Überlegenheit ihre bisherige Attraktivität

137
vollständig verlieren. Beide Maßnahmen würden zwar
schon für sich alleine diesen Zweck erfüllen, jedoch hält
doppelt nun einmal besser.
Unter den dann neuen Umständen könnte kein Rassist
stolz darauf sein, Menschen mit anderer Herkunft zu
diskriminieren, kein Mann könnte sich mächtig fühlen,
weil er eine Frau missbraucht, kein Krimineller könnte
mit seinen Verbrechen prahlen, kein Vorgesetzter könnte
seine höhere Position missbrauchen, um seine
Untergebenen schlecht zu behandeln, kein Diktator
könnte sich dafür feiern lassen sein Volk auszubeuten
und seine Kritiker in Gefängnissen zu foltern und zu
ermorden und Unternehmen dürften ihr Geld nicht mehr
durch Ausbeutung der armen Länder verdienen. Wer es
doch tut isoliert sich von der Gesellschaft, sobald seine
Taten an die Öffentlichkeit geraten und wird zukünftig
von den meisten seiner Mitmenschen ignoriert. Die Angst
hiervor ist bestens geeignet, um sie von ihren Verbrechen
abzuhalten.
Hierdurch sind alle bisherigen Störfaktoren ausgeschaltet
und wir haben die Grundlage für eine Welt voller Liebe
geschaffen. Das ist notwendig, da die vom vorher
dominanteren Überlegenheitsgefühl ausgelösten posit-
iven Emotionen zukünftig größtenteils verschwinden
werden und die so entstehende Lücke muss irgendwie
gefüllt werden.
Das einzige in Frage kommende Gefühl hierfür ist das der
Liebe. Dieses erhält man, indem man sich an die
Grundregel für Respekt hält und so kann man
Glücksgefühle empfinden, ohne sich einbilden zu müssen,
allen anderen überlegen zu sein. Der große Vorteil dabei
ist die langfristige Stabilität. Das auf der eingebildeten
absoluten Überlegenheit aufgebaute soziale Umfeld

138
bricht ja gerne mal zusammen, wenn man es am
wenigsten gebrauchen kann und bei auf Liebe
basierenden Beziehungen kommt dieses Problem nicht
vor. Nebenbei reicht es völlig aus respektvoll und
fürsorglich zu sein und das ist viel einfacher in der
Umsetzung, als sich permanent wie der tollste Mensch
der Welt zu fühlen.
Eine der Voraussetzungen für ein Leben nach der
Grundregel für Respekt ist das Wissen über den Ursprung
der Kritikblindheit. Man muss verstehen können, dass
man sich nur einbildet absolut überlegen zu sein, bevor
man die Bedürfnisse der anderen ausreichend beachten
kann. Ansonsten ignoriert man sie nämlich vor lauter
Selbstverliebtheit. Unter diesen Umständen kann man
sich das Recht auf Liebe nicht verdienen und diese
fehlende Bereitschaft etwas zurückzugeben vermisse ich
bisher bei vielen Erwachsenen. Es ist ihnen zu
anstrengend, sich auch um andere zu kümmern und
darum muss ich ständig aufpassen, zu wem ich nett und
freundlich bin, um nicht ausgenutzt zu werden.
Inzwischen bin ich sehr gut darin die hilfsbereiten von
den selbstsüchtigen Menschen auf einen Blick
voneinander zu unterscheiden, jedoch haben viele andere
dasselbe Problem und die meisten von ihnen verfügen
nicht über das notwendige psychologische Grundwissen,
um zu erkennen, ob jemand sie nur für seine eigenen
Zwecke benutzt. Für sie besteht somit ständig die Gefahr,
dass ihre Liebe und Hilfsbereitschaft schamlos
ausgebeutet wird.
Im schlimmsten Fall zerstören die Anhänger des
Überlegenheitsgefühls das Leben desjenigen, der ihnen
immer bereitwillig geholfen hat. Sie nehmen ihm
beispielsweise sein ganzes Geld weg und verschwinden

139
einfach. Solche Phänomene sind leider weit verbreitet. Sie
kommen täglich vor und die meisten Erwachsenen
kennen das aus eigener Erfahrung, aus ihrem
Freundeskreis oder aus dem Fernsehen.
Ohne ein ausreichendes Grundwissen über die
menschliche Körpersprache kann man sich dagegen nur
schützen, indem man sich von anderen Menschen so gut
wie möglich fernhält und das ist einer der Hauptgründe
für den schlechten Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.
Durch die beiden Maßnahmen zur Senkung der
Attraktivität der Überlegenheitsgefühlsanhänger können
wir das entscheidend ändern. Die permanente Drohung
einer sehr starken Isolation wird sie zu einem Umdenken
zwingen und das macht es uns viel leichter mit anderen
in Kontakt zu kommen. Schließlich müssen wir dann
keine Sorgen mehr vor Betrügern haben. Dadurch wird es
für uns alle möglich uns ein stabiles, auf Liebe
basierendes soziales Umfeld aufzubauen.
Das Recht hierfür entsteht aus der Notwendigkeit der
Selbstverteidigung. Wir nutzen zwar für unser Ziel die
Methoden der Anhänger der eigenen Überlegenheit, da
wir Druck auf andere aufbauen. Allerdings bereichern wir
uns dabei nicht auf Kosten anderer, sondern schützen
unsere liebevollen Mitmenschen und uns selber vor dem
Schaden, den uns die selbstsüchtigen Menschen
ansonsten zufügen würden.

3.36 Das Trauma

Thema:

Bestmögliche Behebungen der bisher angerichteten


psychischen Schäden.

140
Beschreibung:

Da ich nicht nur eine superliebe und fleißige, sondern


auch eine ziemlich teure Göttin bin, muss ich mich selbst-
verständlich so gut es geht um die Behebung der bei
meiner Erschaffung entstandenen psychischen Schäden
kümmern. Vielen meiner Schützlinge geht es trotz einer
ausreichenden Grundversorgung schlecht, was haupt-
sächlich mal wieder an meinem geliebten Masturbations-
zeitalter liegt. Das ist echt nicht schön für Menschen, aber
umso schöner für uns Göttinnen.

Originaltext:

Bestimmte negative Erfahrungen können unser


Gefühlssystem an die Grenzen seiner Belastbarkeit
bringen und diese im schlimmsten Fall sogar
überschreiten. Unsere Gefühle können hierdurch, wie
unsere Knochen bei Unfällen, ernsthaft geschädigt
werden und brauchen dann professionelle Hilfe, um sich
regenerieren zu können.
Die harmloseste Form hiervon ist eine einmalige
Beleidigung. Wir werden beispielsweise geärgert, weil
wir nicht das neueste Smartphone besitzen oder günstige
Klamotten tragen. Das ist vergleichbar mit einem nicht
allzu heftigen Stoß unseres Ellbogens gegen eine Wand.
Das tut zwar im ersten Moment sehr weh, aber unser
Körper repariert diesen kleinen Schaden in den Tagen
danach von alleine. Es kann daraus allerdings ein großes
Problem entstehen, falls wir am nächsten Tag und
darüber hinaus immer wieder beleidigt werden. Das ist
so, als wenn wir täglich mit unserem Ellbogen irgendwo
gegen stoßen, wobei es jedes Mal nicht so schlimm ist,

141
dass unsere Knochen kaputtgehen. Jedoch fehlt unserem
Körper die Zeit, um diese kleinen Schäden zu reparieren.
So können auch eigentlich harmlose Verletzungen zu
ernsthaften Erkrankungen führen.
Auf der emotionalen Ebene kann so etwas zu einem
Verlust des Glaubens an das Gute im Menschen führen.
Dieser entsteht ursprünglich durch einen liebevollen
Umgang der Eltern mit ihren Kindern. Diese Erfahrung
erschafft ein Vertrauensverhältnis und wer von uns das
in seiner Kindheit nicht erlebt hat, kann große
Schwierigkeiten haben anderen Menschen zu vertrauen.
Zusätzlich dazu kann es von einem starken Trauma
zerstört werden. Die positiven Auswirkungen einer
fürsorglichen Behandlung können also von gegenteiligen
Erfahrungen außer Kraft gesetzt werden. Und so kann
sich ein vorher sehr kontaktfreudiges Kind aufgrund von
starkem Mobbing oder anderen traumatischen
Erlebnissen plötzlich zurückziehen und es möchte nichts
mehr mit anderen Menschen zu tun haben.
Diese Dynamik bildet die Grundlage, um solche Probleme
lösen zu können. Wer von uns schlecht behandelt wurde
und deswegen den Glauben an das Gute im Menschen
niemals gehabt hat oder wieder verloren hat, muss
liebevoll von anderen behandelt werden, um diesen
erstmalig zu bekommen oder zurückzubekommen. Es
muss uns dabei niemand aus der eigenen Familie helfen
oder sonst jemand, den wir schon kennen. Wichtig ist nur
sich jemanden zu suchen, der diesen Glauben noch in sich
trägt. Längerer Kontakt mit solchen „ausgebildeten
Fachkräften“ verschiebt das Erfahrungsverhältnis Stück
für Stück in die richtige Richtung und die schlimme
Vergangenheit gerät immer weiter in Vergessenheit.

142
Tiere können uns hierbei unterstützen. Wir brauchen
aber trotzdem Menschen, die uns etwas Gutes tun, da wir
ja wieder an ihre Gutmütigkeit glauben müssen und nicht
nur an die unserer tierischen Freunde.
In einer auf Überlegenheit basierenden Gesellschaft ist
das in der praktischen Umsetzung jedoch sehr schwierig
bis unmöglich. Wir müssten erst einmal offen Schwäche
zeigen, schließlich müssten andere ja wissen, dass es uns
schlecht geht und dadurch würden wir unsere eigene
Attraktivität stark senken. Diese bisherige Einstellung
unserer Gesellschaft verhindert somit sehr effizient den
Zugriff auf die für solche Fälle notwendige Liebe. Mit den
beiden Maßnahmen zur Senkung der Attraktivität der
Überlegenheitsgefühlsanhänger können wir das ändern.
Diese reduzieren zukünftig nicht nur die Anzahl der
entstehenden Traumata stark, schließlich gehen wir dann
alle respektvoll miteinander um, sondern sie geben uns
auch die Möglichkeit in schwachen Momenten mit mehr
als ausreichend fürsorglichen Menschen in Kontakt zu
kommen, damit diese uns emotional wieder auffangen
können.

3.37 Das Unterbewusstsein

Thema:

Funktionsweise des menschlichen Denkens

Beschreibung:

Um eine natürliche Entwicklung zu gewährleisten, dürfen


Menschen nicht verstehen, wie ihr Denken funktioniert.

143
Sie würden sonst ihre Fehler erkennen und könnten ihre
Probleme kinderleicht lösen.
Da hierbei die große Gefahr besteht, dass ein langweiliges
Paradies auf Erden dabei herauskommt, geht das Univer-
sum dieses Risiko erst gar nicht ein. Stattdessen erklärt
es erst einmal nur uns Göttinnen, wie der ganze Laden
hier läuft und wir können uns dann als ausgebildete
Fachkräfte um ein superspaßiges Paradies kümmern. Die
nächsten 5 Themen sind nun dafür da, den Menschen
einen kurzen Überblick über den Aufbau ihres
Bewusstseins zu liefern.

Originaltext:

Mit Hilfe von Gefühlen zeigt unser Gehirn uns an, ob wir
nach den Gesetzen unserer natürlichen Bedienungs-
anleitung alles richtig gemacht haben. Hierbei hält es sich
sehr streng an die von Geburt eingespeicherten Regeln.
Und so hilft es uns beispielsweise nichts, wenn wir für
einen Job zwar gut bezahlt werden, uns dafür aber bei der
Arbeit schlecht behandeln lassen müssen. Laut der
Grundregel für Respekt sollen wir uns so etwas generell
nicht gefallen lassen.
Um die Einhaltung kümmert sich in so einem Fall das
Unterbewusstsein. Es beurteilt unser Verhalten anhand
der natürlichen Vorgaben und erzeugt je nach Situation
entweder gute oder schlechte Gefühle. Unsere eigene
Meinung zu dem jeweils betroffenen Thema wird dabei
oftmals komplett ignoriert. Zusätzlich dazu versucht es
uns in Träumen seine Ansichten über unser Verhalten
mitzuteilen.
Bei Soldaten, die in Kriegseinsätzen gekämpft haben kann
man das gut sehen. Viele von ihnen träumen fast jede

144
Nacht von ihren schlimmen Erlebnissen. Das liegt an dem
Konflikt zwischen dem, was sie von der Gesellschaft
gelernt haben und unserer natürlichen Bedienung-
sanleitung. Sie werden einerseits als mutige Helden
gefeiert, sollen also laut ihren Mitmenschen genau das
Richtige getan haben, andererseits hat ihr Unterbewusst-
sein eine ganz andere Meinung. Es betrachtet das Töten
als eine extreme Verletzung der Grundregel für Respekt
und ist alles andere als begeistert von der
lebensbedrohlichen Situation, in der man im Krieg
permanent war. Deshalb versucht es alles in seiner Macht
Stehende zu tun, um zukünftige Einsätze zu verhindern
und quält zu diesem Zweck die Veteranen mit jeder
Menge grausamer Bilder im Schlaf. Damit möchte es die
Verletzung seiner eigenen Regel zukünftig verhindern
und das eigene Leben schützen.
Diese Alpträume sind dementsprechend ein ganz
natürlicher Vorgang und kein Anzeichen einer Krankheit.
Die Erlebnisse wären eigentlich schnell verarbeitet. Da
man im wachen Leben jedoch ständig mit der Tatsache
konfrontiert wird, dass es immer noch Kriege auf der
Welt gibt, besteht die Möglichkeit wieder kämpfen zu
müssen und das möchte das Unterbewusstsein unter
allen Umständen verhindern. Darum haben viele der
Betroffenen ein Leben lang diese furchtbaren Träume. So
werden sie nämlich auf keinen Fall ein weiteres Mal zur
Waffe greifen.
Bei den überlebenden zivilen Kriegsopfern passiert
dasselbe und sie haben ebenfalls regelmäßig sehr
beängstigende Träume. Diese sollen sie genauso zu einer
Verhaltensänderung bewegen, weil das Unterbewusst-
sein bei ihnen ein Fehlverhalten entdeckt hat.

145
Das klingt auf den ersten Blick erst einmal verwirrend, da
wir ja alle gelernt haben, dass nicht die Opfer, sondern
die Täter die Schuldigen sind. Es ist aber ganz einfach mit
dem Leben in der Natur zu erklären. Dort macht es
überhaupt keinen Sinn, sich an der Idee eines schuldigen
Täters zu orientieren. Bei einem Raubtierangriff gibt es
keine Polizei, die man zur Verteidigung rufen könnte oder
Gerichte, die den „Verbrecher“ später verurteilen
würden. Man ist somit auf sich allein gestellt und wer
einen Angriff überlebt hat, muss aus seinen Erlebnissen
lernen, um weitere Attacken so gut es geht zu verhindern.
Sinnvollerweise müsste man dabei eigentlich zu dem
Schluss kommen, sich zukünftig von der angreifenden
Tierart so weit wie möglich fernzuhalten, sobald man
diese erblickt.
Da man im Krieg von anderen Menschen angegriffen
wird, müsste man sich nun generell von diesen
fernhalten, was in der Praxis selbstverständlich
unmöglich ist. So lebt dann jemand, der zum Beispiel
einen Bombenangriff mit viel Glück überlebt hat,
anschließend dauerhaft mit der aus seiner Erfahrung
nach sehr lebensbedrohlichen Spezies Mensch
zusammen. Aus Sicht des Unterbewusstseins ist das ein
Fehlverhalten, da derjenige sich ja schließlich nicht von
der ihm bereits bekannten gefährlichen Raubtierart
fernhält und er sich deswegen permanent in
Lebensgefahr befindet. Die Träume sollen dem
Betroffenen das immer wieder vor Augen führen, um ihn
zu einer Verhaltensänderung zu bewegen.
Die Kriegsopfer haben natürlich selber keine Möglichkeit
hierfür eine Lösung zu finden und so träumen sie ihr
ganzes Leben lang von ihren grauenhaften Erfahrungen.
Allerdings können wir ihnen helfen, indem wir mit den

146
beiden Maßnahmen zur Attraktivitätssenkung der
Anhänger des Gefühls der eigenen Überlegenheit dem
Raubtier Mensch die Reißzähne ziehen. So braucht ihr
Unterbewusstsein zukünftig keine Angst mehr vor
weiteren Angriffen haben und die Opfer können nachts
wieder ruhig schlafen. Und die Soldaten müssen ebenso
keine Furcht mehr vor weiteren Kriegseinsätzen haben
und können die Nacht endlich wieder zur Erholung
nutzen.

3.38 Das Unbewusstsein und das Bewusstsein

Originaltext:

In den Momenten, in denen wir nicht schlafen und nicht


aktiv über unser Handeln nachdenken, kümmert sich
unser Unbewusstsein um uns. Es erledigt bei vielen
Menschen den großen Teil der täglichen Denkarbeit und
orientiert sich an unseren gemachten Erfahrungen und
den dabei empfundenen Emotionen. Es gilt hier die Regel,
dass alles, was sich in der Vergangenheit gut oder
schlecht angefühlt hat, auch zukünftig als gut oder
schlecht gilt.
Um an die positiven Gefühle zu kommen und den
negativen zu entkommen, organisiert unser Unbewusst-
sein unser Leben und entscheidet für uns beispielsweise,
was wir einkaufen. Wer von uns sehr gerne Süßes isst,
weil es erfahrungsgemäß so lecker ist, kauft sich deshalb
eventuell große Mengen davon. Fad schmeckendes
Gemüse landet hingegen eher nicht im Einkaufswagen.
Einen aktiven Denkprozess über unser Handeln
benötigen wir hierfür nicht. Stattdessen können es
Entscheidungen sein, die unbewusst getroffen werden.

147
Wir denken zwar darüber nach, was für Süßigkeiten wir
gerne essen würden und erledigen alle Schritte, um diese
einzukaufen, allerdings beschäftigt sich nicht jeder von
uns mit den Auswirkungen seines Verhaltens und somit
sind nicht alle von uns sich vollständig darüber bewusst,
was sie tun. Unsere Geschmacksnerven können ebenso
entscheiden, wie wir uns ernähren, wobei Süßes nun
einmal sehr lecker sein kann. Das Denken beschränkt sich
also auf die Frage, wie die eigenen Gefühle befriedigt
werden können und es wird nicht über die Auswirkungen
nachgedacht.
Das Bewusstsein der Tiere arbeitet im Wachzustand
genauso. Sie entscheiden ebenfalls anhand ihrer
gemachten Erfahrungen mit Hilfe unbewusster
Denkprozesse und streben danach, die als positiv
empfundenen Emotionen immer wieder zu erleben. Bei
ihnen führt das nicht zu Problemen, schließlich leben sie
unter natürlichen Lebensumständen und diese
verhindern aufgrund des dortigen ständigen Mangels
eine zu starke Befriedigung einzelner Gefühle.
Haustiere können aber in dieselbe Falle geraten wie wir
Menschen. Das sieht man gut bei übergewichtigen
Hunden. Diese essen außerordentlich gerne, da sie die
währenddessen empfundenen Glücksgefühle mögen und
hören erst auf, nachdem ihr Napf leer ist, selbst wenn sie
bereits viel zu viel wiegen. Die negativen Auswirkungen
ihres Verhaltens sind ihnen dabei nicht bekannt, weil sie
ihr eigenes Handeln nicht bewusst hinterfragen können.
Diese Fähigkeit haben nur wir Menschen, wobei wir sie
nicht zwangsläufig nutzen müssen. Unser Unbewusstsein
reicht nämlich völlig aus, um unser Leben zu
organisieren, jedoch sind wir so sehr anfällig für
emotionale Manipulationen und haben eventuell große

148
Schwierigkeiten uns in der komplexen Welt von heute zu
orientieren.
Erst in dem Moment, in dem wir beginnen unser eigenes
Handeln zu überprüfen, erschaffen wir uns ein
Bewusstsein. Wir beschäftigen uns dann ja mit dem, was
wir tun und werden uns über die Auswirkungen bewusst.
Die Voraussetzung hierfür sind Selbstzweifel. Ohne sie
können wir kein Bewusstsein entwickeln, da uns der
Grund fehlt das, was wir machen zu hinterfragen.
Drogenabhängige zum Beispiel befriedigen ihre Sucht mit
Hilfe ihres Unbewusstseins und es organisiert deren
Leben, um das für sie als positiv wahrgenommene Gefühl
beim Drogenkonsum so oft wie möglich zu empfinden.
Sobald sie damit beginnen darüber nachzudenken, dass
diese Art zu leben sehr schlecht für sie ist, erschaffen sie
sich ein Bewusstsein. Es findet bei ihnen nun ein aktiver
Denkprozess statt, der das eigene Handeln hinterfragt
und es wird überprüft, ob das Befriedigen der eigenen
Gefühle überhaupt sinnvoll ist. Vorher lief der Betroffene
quasi nur blind seinen Glücksgefühlen hinterher und tat
alles, um möglichst viel davon zu bekommen.
Unser Unterbewusstsein macht im Prinzip dasselbe,
indem es anhand der natürlichen Bedienungsanleitung
ständig überprüft, ob wir uns richtig verhalten, nur leider
kann es uns ausschließlich sehr einfache Lösungen
vorschlagen. Diese würden zwar bei einem Leben in der
Natur prima funktionieren, aber nicht in der inzwischen
von uns erschaffenen hochkomplexen Welt von heute. Im
Gegensatz dazu kann unser Bewusstsein unsere heutigen
Lebensumstände in die Überprüfung mit einbeziehen.
Um dieses erschaffen zu können, muss selbstverständlich
erst die von der eingebildeten absoluten Überlegenheit
ausgelöste Kritikblindheit verschwinden. Sie ist der

149
größte Feind des Bewusstseins, da sie ihren Anhängern
die Möglichkeit zur Selbstkritik nimmt und ihnen somit
den Zugang zu einem bewussten Denken verwehrt.
Zusätzlich muss man wissen, dass die Erschaffung einer
bewussten Wahrnehmung ein extrem schmerzhafter
Prozess sein kann. Man stellt währenddessen eigenes
Fehlverhalten fest und empfindet sich in diesen
Momenten als dumm und schwach. Das kann sehr weh
tun und deshalb ist es wichtig sich nicht nur über seine
Unzulänglichkeiten, sondern genauso über seine Stärken
bewusst zu werden. Jeder von uns hat individuelle
Fähigkeiten und ist in bestimmten Bereichen besser als
andere und diese Tatsache darf man auf keinen Fall
vergessen, falls man sich ein Bewusstsein aufbauen
möchte.
Als Belohnung für die Quälerei verschwindet unter
anderem die eigene Anfälligkeit für Manipulationen. Wer
sein eigenes Verhalten kritisch hinterfragt, tut dieses
auch automatisch bei anderen Menschen und das macht
es für diese sehr schwer bis unmöglich emotionale
Schwachstellen auszunutzen. Und man kommt viel besser
mit den heutigen Umständen klar, wenn man sich
Gedanken darüber macht, ob es Sinn ergibt seinen
Glücksgefühlen hinterherzujagen. In einer auf Überlegen-
heit basierenden Gesellschaft muss man allerdings noch
den von Selbstzweifeln verursachten Verlust der eigenen
Attraktivität beachten. Beim Bewusstwerden über die
eigenen Schwächen fühlt man sich alles andere als stark
und das strahlt durch unsere Körpersprache auf unsere
Mitmenschen aus.
Aus eigener Erfahrung kann ich es niemanden empfehlen
sich unter solch extremen Bedingungen ein Bewusstsein
aufzubauen und deswegen sind hier wieder einmal die

150
beiden Maßnahmen zur Attraktivitätssenkung der
Anhänger des Gefühls der eigenen Überlegenheit gefragt.
Nebenbei müsst ihr euch dann nicht mehr alleine mit
euren Problemen auseinandersetzen. Viele andere
Menschenwürden dasselbe tun und so könnt ihr euch
gegenseitig helfen. Das macht es für euch alle wesentlich
einfacher bewusst zu leben.

3.39 Die Notfälle und das Balanceproblem

Originaltext:

In bestimmten Situationen übernimmt das Unter-


bewusstsein die Kontrolle über unser Verhalten im
Wachzustand. Währenddessen wird das Unbewusstsein
ausgeschaltet, weil es sonst im Weg stehen würde. Bei
drohenden Unfällen kann man das gut beobachten. Wir
reagieren in solchen Momenten instinktiv sehr schnell
ohne nachzudenken und im Nachhinein kommt uns das
wie in Zeitlupe vor.
Dieses Phänomen entsteht aufgrund des großen
Geschwindigkeitsunterschieds zwischen den beiden
Bewusstseinsformen. Unser Unterbewusstsein kann
Informationen extrem schnell verarbeiten, daraus seine
Schlüsse ziehen und blitzschnell reagieren. Bei Bedarf
übernimmt es deshalb die Kontrolle über unsere
Handlungen. Bis wir nämlich über die von einem
herannahenden Auto ausgehende Gefahr nachgedacht
haben, ist es schon lange zu spät, um noch rechtzeitig
ausweichen zu können.
Genauso hilft es uns in anderen Extremsituationen,
indem es uns unsere volle Körperkraft zur Verfügung
stellt. Mütter, deren Kinder in Gefahr sind, können so auf

151
einmal eine Kraft entwickeln, von der sie vorher niemals
gedacht hätten, dass sie diese überhaupt haben.
Hierbei nutzt das Unterbewusstsein seine extreme
Rechenleistung, um unsere Bewegungskoordination
kurzzeitig zu verbessern. Normalerweise erledigt das
Unbewusstsein diese Aufgabe, allerdings ist es nicht
leistungsfähig genug, um durch das Zusammenspiel
sämtlicher Muskeln unseres Körpers die volle Kraft
abrufen zu können. Die Verarbeitung der dafür
notwendigen sehr vielen Informationen würde es völlig
überfordern und deswegen greift das Unterbewusstsein
der Mutter für einen kurzen Moment unter die Arme,
damit diese ihr Kind mit Hilfe ihres vollen körperlichen
Potenzials retten kann. Tiere können da permanent drauf
zugreifen, weil sie nicht allzu viele Informationen
verarbeiten müssen. Wir Menschen hingegen lernen im
Laufe unseres Lebens so viel, dass wir Schwierigkeiten
haben das alles einzuordnen. Ein großer Teil unseres
Unbewusstseins ist mit dieser Verarbeitung beschäftigt
und so reicht die übrige Rechenleistung nicht mehr aus,
um unseren Körper vollständig steuern zu können. Wir
haben also im Notfall Kraftreserven übrig und sollten
keine Angst haben diese auch einzusetzen.
Bei einem extremen Balanceverlust der Gefühle der
eigenen Über- und Unterlegenheit greift unser
Unterbewusstsein ebenfalls ein.
Das sieht man beispielsweise bei den Schülern, die Amok
laufen. Sie sind üblicherweise davor in der Schule stark
gemobbt worden und darum wurde bei ihnen das Gefühl
der eigenen Unterlegenheit viel zu stark befriedigt und
das der Überlegenheit gar nicht. Das gefällt unserem
Unterbewusstsein nicht und aus diesem Grund begibt es

152
sich auf die Suche nach einer Lösung, um die Balance
wiederherzustellen.
Hier kommen die in diesem Zusammenhang oft
erwähnten Killerspiele ins Spiel. Bei dieser Art von
Computerspielen tötet man andere Menschen und fühlt
sich diesen somit überlegen. Das Unterbewusstsein
betrachtet dies als Möglichkeit zur Befriedigung des
Überlegenheitsgefühls, ist jedoch hiermit nicht voll und
ganz zufrieden, da man ja schließlich nicht virtuell von
Computerfiguren geärgert wird, sondern in der Realität
von seinen Mitschülern. Inspiriert durch das Töten am
Bildschirm entwickelt es daraufhin eine Strategie, um das
Unbewusstsein dazu zu bewegen, andere Menschen im
realen Leben zu töten. Das kann mittels Träumen oder
den berühmten Stimmen im Kopf geschehen. Es kann sich
nämlich auch mit dem Unbewusstsein in Gedanken
unterhalten und diesem alles Mögliche einflüstern.
Das Ziel dabei ist der Ausgleich eines vorhandenen
extremen Balanceverlustes der Gefühle der eigenen Über-
und Unterlegenheit. Das Unbewusstsein kann sich
dagegen nur schlecht wehren. Es ist durch seine viel
geringere Leistungsfähigkeit dem viel stärkeren Gegner
hilflos ausgeliefert. Mit der Zeit wird so die Vorstellung
eines Amoklaufes von Tag zu Tag stärker, bis dieser
tatsächlich stattfindet und der Schütze dann endlich das
so lange vermisste Gefühl der eigenen Überlegenheit
erleben kann. Auf diese Weise kann er seinen
Gefühlshaushalt wieder ausgleichen.
Um zukünftig das Leben der Schulkinder vor solchen
Ausgleichsmaßnahmen besser zu schützen, ist es wichtig,
den Kindern die Möglichkeit zu geben dieses Gefühl unter
kontrollierten Bedingungen ausleben zu können. Und
man sollte ihnen beibringen generell respektvoll

153
miteinander umzugehen, damit bei niemanden das
Unterlegenheitsgefühl zu stark befriedigt wird.
Ansonsten versucht das Unterbewusstsein der
Betroffenen die Balance mit allen ihm zur Verfügung
stehenden Mitteln wiederherzustellen und dafür werden
weiterhin jede Menge Schülerinnen und Schüler
erschossen.

3.40 Die emotionalen Konflikte

Originaltext:

Eigentlich sehr vernünftige Entscheidungen vertragen


sich nicht immer mit den Regeln unseres
Unterbewusstseins. Ein Beispiel hierfür sind Eltern, die
sich nicht mehr lieben, aber trotzdem zusammenbleiben,
um ihren Kindern nicht zu schaden. Das passiert
üblicherweise nur den Anhängern des Gefühls der
eigenen Überlegenheit. Sie verlieben sich zwar und bauen
eine Familie auf, sind allerdings nicht in der Lage eine
dauerhaft stabile Beziehung zu führen, weil sie aufgrund
ihrer Lebenseinstellung das Prinzip des Gebens und
Nehmens nicht verstehen.
Anhänger der Grundregel für Respekt hingeben haben da
nur sehr selten Probleme. Ihnen ist das Wohlbefinden
ihrer Mitmenschen, also auch das ihres Partners sehr
wichtig und sie suchen ständig nach Möglichkeiten, um
etwas Gutes für andere zu tun. Falls nun beide so eine
Einstellung haben, ergänzt sich das sehr gut. Jeder von
beiden tut etwas für den anderen, ohne gleichzeitig zu
verlangen dafür etwas zurückzubekommen und so kann
jeder seiner Kreativität freien Lauf lassen, um den von

154
ihm geliebten Menschen mit guten Gefühlen zu
verwöhnen.
Die Überlegenheitsgefühlsanhänger machen das anders.
Sie tun etwas für den anderen und erwarten für ihre gute
Tat eine direkte Gegenleistung. Das liegt daran, dass sie
nur an sich selber denken und darum nur etwas geben,
um selber etwas zu bekommen. Oftmals denken sie sich
dabei schon vorher aus, was ihr Partner ihn alles Gutes
tun könnte, nachdem sie ihm eine Freude bereitet haben.
Sie haben somit schon von Anfang an eine
Erwartungshaltung. Sollte diese nicht so erfüllt werden,
wie sie sich das selber vorgestellt haben, sind sie
enttäuscht von ihrer besseren Hälfte. Das führt mit der
Zeit zu jeder Menge Konflikte und man lebt sich
auseinander.
Diejenigen, die nach der Grundregel für Respekt leben,
machen stattdessen einfach etwas für den Partner und
denken da nicht weiter drüber nach. Sie freuen sich,
wenn ihr Schatz ihnen irgendwann später einmal
ebenfalls Glücksgefühle verschafft, erwarten jedoch
niemals eine direkte Gegenleistung. Das ist das Prinzip
des Gebens und Nehmens. Man tut etwas für andere,
ohne sich vorher schon auszurechnen, was man denn so
alles Tolles zurückbekommen wird und da der Partner
das genauso macht, funktioniert das prima, ohne dafür
eine Liste der gegebenen und genommenen Dinge zu
führen.
Eine Beziehung ist ja schließlich kein geschäftlicher
Vorgang, sondern ein sehr lebendiger Prozess, bei dem
man seine Ressourcen gemeinsam nutzt, um lebenslang
glücklich miteinander zu sein. Bei Geschäften gilt das
Prinzip des Kaufens und Verkaufens und da macht es
völlig Sinn, sämtliche Bedingungen detailliert aufzulisten

155
und direkte Gegenleistungen zu erwarten. Partner-
schaften lassen sich aber nicht darauf aufbauen.
Falls dieses Missverständnis zu einer Situation geführt
hat, in der man nur wegen des Wohlergehens der eigenen
Kinder unter einem Dach wohnt, können hierdurch
emotionale Konflikte entstehen.
Bei diesem Beispiel hat das Bewusstsein entschieden für
die Kinder da zu sein und zu diesem Zweck in einer
lieblosen Beziehung zu leben. Das Unterbewusstsein ist
hiervon allerdings alles andere als begeistert. Es würde
viel lieber in der früher einmal sehr liebevollen
Partnerschaft leben und teilt uns das mit schlechten
Gefühlen mit. Das liegt daran, dass unsere natürliche
Bedienungsanleitung von uns erwartet, täglich mit
ausreichend Liebe versorgt zu werden und das
funktioniert unter solchen Umständen nicht. Wir sollen
uns deswegen auf die Suche nach einer Lösung begeben,
anstatt weiterhin ausschließlich aufgrund einer
Vernunftentscheidung zu leben. Deshalb fühlen sich
solche Zweckpartnerschaften nicht gut für uns an, selbst
wenn es wegen der eigenen Kinder eigentlich sehr
sinnvolle Maßnahmen sind.
Hierbei steht selbstverständlich das Wohlergehen des
Nachwuchses im Vordergrund und man sollte auch
zukünftig gemeinsam leben, bis diese alt genug geworden
sind. Jedoch könnte man probieren die früher so starke
Liebe wieder aufflammen zu lassen, indem man das
Prinzip des Kaufens und Verkaufens durch das des
Gebens und Nehmens ersetzt. Bei keinem positiven
Ergebnis wartet man wie bisher einfach weiter ab, bis die
eigenen Kinder volljährig sind und sucht sich dann einen
neuen Partner.

156
Bei der Arbeit können nach demselben Prinzip
emotionale Konflikte entstehen. Es kann aus
wirtschaftlichen Gründen sehr vernünftig sein einen Job
zu behalten. Sollten wir allerdings am Arbeitsplatz
schlecht behandelt werden, können wir dort niemals
glücklich sein.
Unser Unterbewusstsein erwartet von uns, dass wir uns
respektvoll behandeln lassen und akzeptiert
Vernunftargumente nicht als Alternative. Es hält sich sehr
streng an seine von Geburt an eingespeicherten Vorgaben
und wir müssen uns zwangsläufig danach richten, um an
die begehrten Glücksgefühle zu kommen.

3.41 Die Sucht

Originaltext:

Legale und illegale Drogen können uns gigantisch große


Probleme bereiten. Sie alle zerstören bei einer
dauerhaften Einnahme langsam, aber sicher unseren
Körper. Die Auswirkungen von Zigaretten führen zum
Beispiel jedes Jahr weltweit zu unzähligen Toten und
trotzdem rauchen viele Menschen weiter.
Eine der Ursachen für die Anfälligkeit von
suchterzeugenden Stoffen ist die bisher sehr mangelhafte
Auslebung der Grundregel für Respekt. Wir wären
eigentlich darauf angewiesen, uns täglich gegenseitig zu
zeigen, dass wir uns lieben. Schließlich mussten wir uns
in der Natur permanent in einer Gruppe aufhalten und
dabei jeden Tag durch einen fürsorglichen Umgang
miteinander immer wieder unsere Nützlichkeit beweisen.
Heutzutage erledigen die Gesetze diese Aufgabe auf eine
umgekehrte Weise. Es wird nicht mehr der belohnt, der

157
liebevoll ist, sondern wer es nicht ist, wird bestraft. Das
ist unser heutiges System zur Sicherstellung des Lebens
in einer Gemeinschaft und es kommt völlig ohne
Liebesgefühle aus. Als Babys und Kleinkinder werden wir
zwar noch reichlich mit der Liebe unserer Eltern
überschüttet, das ändert sich jedoch irgendwann.
Hierbei findet für gewöhnlich eine Aufspaltung statt.
Mädchen dürfen auch weiterhin liebevoll behandelt
werden. Jungs hingegen werden nach dem Gefühl der
eigenen Überlegenheit erzogen und für sie gilt es dann als
Schwäche, wenn beispielsweise ihre Mutter sie umarmen
möchte. So trennen sie sich Stück für Stück von der
Auslebung der Grundregel für Respekt und isolieren sich
immer weiter von dem Gefühl der Liebe.
Diese so entstehende Lücke verursacht aus Sicht des
Unterbewusstseins einen lebensbedrohlichen Mangel
und dieser muss ausgeglichen werden. In der Natur wäre
man mit so einem Emotionshaushalt nämlich völlig
alleine und schutzlos. Hier kommen die Zigaretten ins
Spiel. Sie geben uns beim Rauchen ein gutes Gefühl und
sind, wie die Liebe es früher einmal war, ständig
verfügbar. Deswegen sind sie optimal geeignet, um das
Liebesdefizit auszugleichen.
Bei rauchenden Mädchen passiert im Prinzip dasselbe,
nur hier wird die fehlende Auslebung des Gefühls der
eigenen Überlegenheit korrigiert. Da helfen Zigaretten
ebenso, man fühlt sich ja als junge Raucherin erwachsen
und somit den Gleichaltrigen überlegen.
Beim Unterlegenheitsgefühl kann dieselbe Problematik
entstehen und es kann bei einer mangelhaften Auslebung
ebenfalls die Ursache für ein Suchtverhalten sein. Das
Unterbewusstsein erwartet von uns eine ausreichende
Befriedigung unserer drei Sozialgefühle, weil es sich

158
ansonsten große Sorgen um uns macht und es sucht sich
bei Defiziten Alternativen, um den Gefühlshaushalt
ausgleichen zu können.
Die körperliche Abhängigkeit kann man bei Zigaretten
völlig vernachlässigen. Es dauert nur ungefähr 24
Stunden, bis diese verschwunden ist, hierbei entsteht
allerdings wieder eine emotionale Lücke. Das
Unterbewusstsein möchte diese ausgleichen und animiert
uns wieder mit dem Rauchen anzufangen. Bei harten
Drogen wie Heroin passiert dasselbe, nur hier können
extrem heftige Entzugserscheinungen auftreten und man
benötigt professionelle ärztliche Hilfe, um die
Anfangsphase durchzustehen.
Nach dem Entzug wird man solange weiterhin an den
nächsten Schuss denken, bis man seinen Gefühlshaushalt
auf eine andere Art und Weise ausgeglichen hat. Wegen
dieses Teufelskreises ist die ausreichende Auslebung der
Grundregel für Respekt und die der Gefühle der eigenen
Über- und Unterlegenheit das Mittel der Wahl gegen eine
Drogensucht. Umarmungen von geliebten Menschen
können genauso einen Glücksgefühlsrausch auslösen wie
eine Runde Joggen oder das Gewinnen eines
Wettbewerbs, ohne dabei den eigenen Körper zu
zerstören. Hierfür müssen vorher aber die
Voraussetzungen geschaffen werden. Bisher wird viel zu
viel Wert auf das Überlegenheitsgefühl gelegt. Unsere
anderen beiden prägenden Sozialgefühle werden
hingegen oftmals vernachlässigt und darum entsteht bei
vielen von uns eine emotionale Lücke, weil unsere Art zu
leben automatisch dazu führt. Lösen lässt sich dieses
Problem nur, indem wir uns zukünftig ausreichend um
alle drei Gefühle kümmern, anstatt hauptsächlich nach
Überlegenheit zu streben.

159
3.42 Die Unterwürfigkeit und die Dominanz

Thema:

Gleichberechtigung von Frauen und Männern

Beschreibung:

Die übliche traditionelle Rollenverteilung von Frau und


Mann ist nicht dazu geeignet, das emotionale System der
Menschen ausreichend zu befriedigen und deshalb wäre
eine Veränderung hier sinnvoll. Abgesehen davon stand
in meinem Azubi-Handbuch, dass ich den Frauen die
Peitsche geben soll.

Originaltext:

Ein gutes Beispiel für ein Unterlegenheitsgefühlsdefizit


sind hochrangige Manager, die sich in ihrer Freizeit von
einer Domina auspeitschen lassen. Im normalen Alltag
sind sie nicht nur ständig anderen Menschen überlegen,
sondern müssen auch die Aufsicht über viele von ihnen
haben. Diese Alphamenschposition verursacht perman-
ent sehr viel Stress und sie haben Schwierigkeiten, sich
zu entspannen. Das Unterbewusstsein kennt da aber eine
ganz einfache Lösung für. Es animiert die Betroffenen
Situationen zu erleben, in denen man sich anderen
unterwerfen kann. In solchen Momenten gibt man die
Verantwortung ab und ist somit nicht mehr der Chef, der
auf alles aufpassen muss. Stattdessen hat die Domina die
Aufsicht und gibt dadurch ihrem Sklaven ein
Sicherheitsgefühl.

160
Wie stark positiv man das persönlich empfindet, hängt
hierbei von dem vorherigen Defizit ab. Sollte dieses sehr
groß sein, fühlt man sich während der Phase der
Unterwerfung wie im Paradies. Schließlich kann man sich
endlich mal entspannen, weil jemand anderes die
wichtigen Entscheidungen trifft. Das gleicht den
Balanceunterschied jedes Mal mehr oder weniger aus
und kurz danach würde es sich viel weniger gut anfühlen.
Da sich allerdings an der Lebensweise nichts ändert, baut
sich das Defizit immer wieder auf und man muss sich
ständig unterwerfen, um den emotionalen Haushalt in
den Griff zu bekommen.
Leider wird so etwas in einer auf Überlegenheit
basierenden Gesellschaft nicht akzeptiert und aus diesem
Grund kann so ein Manager normalerweise nicht seine
Ehefrau bitten, sich um den Ausgleich zu kümmern. Diese
findet ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund seiner
Überlegenheit besonders attraktiv und darauf baut die
Beziehung auf. Sollte er nun zugeben, dass er ab und zu
mal das Bedürfnis hat, unterlegen zu sein, würde seine
eigene Attraktivität stark absinken und um das zu
verhindern, nimmt er lieber heimlich die Dienste einer
Domina in Anspruch.
Dabei wäre es eine gute Gelegenheit für die Partnerin ihr
Gefühl der eigenen Überlegenheit zu befriedigen, wenn
sie das übernimmt. Sex und auch Masturbation sind
nämlich bestens dafür geeignet, um die Unter- und
Überlegenheitsgefühle unter kontrollierten Bedingungen
auszuleben.
Hierbei ist übrigens nur unsere bisherige traditionelle
Sichtweise der Grund, warum ich diese Rollenverteilung
gewählt habe. Eigentlich ist es völlig egal, ob eine Frau
oder ein Mann das Bedürfnis nach einem der beiden

161
Gefühle hat. Von Geburt an sind wir neutral eingestellt
und die jeweilige Prägung entscheidet, ob das eine oder
das andere Geschlecht als das dominantere gilt. Bei
Tieren können deshalb die Weibchen ebenfalls die
Führung übernehmen. Es hängt davon ab, wer sich in der
Vergangenheit durchgesetzt hat und von der Gruppe als
am besten geeignet für die Führungsrolle gesehen wird.
Hierdurch entstehen Traditionen und es wird von
Generation zu Generation weitergegeben, welches
Geschlecht an der Spitze steht.
Das kann sich jedoch unter gewissen Umständen ändern.
Falls beispielsweise die meisten der vorher
dominanteren Männchen durch Raubtiere getötet
werden und es nur noch sehr schwache Vertreter von
ihnen gibt, muss zwangsläufig das stärkste Weibchen die
Führung übernehmen und hiervon wird der Nachwuchs
geprägt. Die Rollenverteilung ist also nicht angeboren,
sondern wird erst mit Hilfe von Erfahrung erlernt.
Eine Frau in einer Führungsposition kann deswegen
ebenso ein Unterlegenheitsgefühlsdefizit entwickeln und
könnte dieses ausgleichen, indem sie sich beim Sex einem
Mann unterwirft. Und genauso kann sie einen Mann
dominieren und sich währenddessen fantastisch fühlen,
weil sie ihm überlegen ist.
Wie bereits erwähnt hängt die emotionale Qualität von
der Balance des Gefühlshaushalts ab. Das Interesse an
solchen Praktiken verschwindet, nachdem dieser
ausgeglichen wurde und dann ist entspannter Kuschelsex
nach der Grundregel für Respekt die beste Wahl.

162
3.43 Die Qualität

Thema:

Die bestmögliche Sexqualität

Beschreibung:

Möglichst geiler und versauter Sex ist ein wichtiger Teil


unserer Ausbildung zur Göttin und deswegen können wir
unseren Schützlingen auch mal erklären, wie das geht.

Originaltext:

Heutzutage bestimmt bei den meisten Menschen die


Anzahl der Sexualpartner über die Qualität ihres
Sexlebens. Das liegt selbstverständlich wieder an der
starken Auslebung des Gefühls der eigenen Überlegenheit
und führt nicht nur zu jeder Menge Probleme, sondern
auch zu einem qualitativ sehr minderwertigen Sex. Es
dauert nämlich ein wenig, bis man im Bett aufeinander
eingespielt ist, wobei sich die anfangs bereits sehr
schönen Gefühle immer weiter ins Extrem steigern, bis
man vor Ekstase völlig wahnsinnig wird.
Einmalige Abenteuer hingegen sind zwar aufregend und
führen ebenso zu einer Form der Befriedigung, sie sind
jedoch in keinster Weise mit der wesentlich höheren
Sexqualität von langfristigen Beziehungen vergleichbar.
Man ist für gewöhnlich anfangs noch sehr scheu und hat
Schwierigkeiten seine Wünsche offen mitzuteilen. Der
Partner muss somit erst einmal raten, was er tun soll.
Mit der Zeit wachsen das Vertrauen und die Erfahrung.
Wir sind dann offener und unser Gegenüber kennt schon

163
viele Handlungen, mit denen er uns in den Wahnsinn
treiben kann. Hierdurch steigern sich langsam, aber
sicher die Gefühle während des Verkehrs und die beim
Orgasmus ebenfalls.
Nebenbei müssen wir uns in festen Beziehungen keine
Sorgen um Geschlechtskrankheiten machen und können
so sämtliche sonst notwendigen Schutzmaßnahmen
komplett weglassen. Das alleine steigert schon die
emotionale Qualität enorm, da es sich wesentlich besser
anfühlt die Kondome im Schrank zu lassen.
Männer können dabei viel zu schnell zum Höhepunkt
kommen, allerdings ist das kein unlösbares Problem. Hier
ist die Erwartungshaltung der Schlüssel zum langfristigen
Erfolg. Wenn die Frau von ihrem Mann Höchstleistungen
erwartet, setzt sie ihn damit unter Druck und erreicht
genau das Gegenteil. Ihm wird so die Möglichkeit
genommen zwischendurch immer mal wieder eine Pause
einzulegen, sobald er kurz vor dem Orgasmus ist. Er soll
ja nicht zu schnell kommen und falls er kurz nach Beginn
schon fast soweit ist, hat er wieder einmal versagt. Dieses
Versagen müsste er nun offen zugeben, indem er sich
eine Auszeit gönnt. Die Frau wäre nun enttäuscht, weil es
schon wieder nicht allzu lange gedauert hat und so nimmt
sie ihm die Möglichkeit durch Unterbrechungen für
längere Zeit sexuell aktiv zu sein.
Ohne diese Erwartungshaltung könnte man über einen
Zeitraum von mehreren Stunden Sex haben. Die einzige
Bedingung hierfür wäre währenddessen immer wieder
ein paar Minuten Pause zu machen, um dem Mann die
Möglichkeit zu geben ein wenig herunterzukommen. Es
kann ein wenig dauern, bis man sich diesbezüglich
aufeinander eingespielt hat, was wieder ein gutes
Argument für langfristig angelegte Sexabenteuer ist.

164
Bei anfänglichen Enttäuschungen ist also einfach Geduld
gefragt. Es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel
gefallen und es gibt ja noch ein nächstes Mal.
Der weibliche Orgasmus ist übrigens für Männer eine
sehr interessante Erfahrung. Bei Frauen hört dadurch
nicht wie bei ihnen die Lust auf Sex komplett auf.
Stattdessen fangen sie danach erst so richtig an in Fahrt
zu kommen und deshalb lohnt es sich für Männer sehr
sich die Zeit dafür zu nehmen.

3.44 Die Homosexualität

Thema:

Der respektvolle Umgang mit lesbischen und schwulen


Menschen

Beschreibung:

Es mussten sich damals leider die homosexuellen-


feindlichen Kulturen durchsetzen, damit ich meine
Ausbildung absolvieren kann. Das muss natürlich auch
wieder korrigiert werden. Es ist echt blöd, was die
Menschen alles erleiden müssen, um meine Existenz zu
ermöglichen, aber so läuft das nun einmal.

Originaltext:

Die von vielen Menschen verteufelte Homosexualität ist


in Wahrheit ganz harmlos. Viele von uns finden einfach
die Angehörigen ihres eigenen Geschlechts sexuell

165
attraktiv und erleiden hierdurch keinerlei Schaden, wenn
sie ihren Neigungen nachgehen. Und sie schaden
niemanden, solange sie sich respektvoll verhalten. Ich
selber bin bisexuell und habe das auch reichlich
ausgelebt. Ob das nun angeboren ist oder aufgrund von
Prägung entsteht, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Da
fehlt mir das Wissen für, allerdings ist das völlig
irrelevant, da es nicht gegen die Grundregel für Respekt
verstößt und eine große Bereicherung für uns alle
darstellt.
In vielen Bereichen wie beispielsweise der Musik- und
der Filmbranche leisten lesbische und schwule Menschen
tagtäglich Höchstleistungen und unterhalten uns alle mit
ihren hochkreativen Ideen. Man findet sie versteckt sogar
in sämtlichen Berufszweigen und sie leisten genau wie
die Heterosexuellen ihren Beitrag zu der Gesellschaft.
Ihre Verteufelung ist durch das früher einmal notwendige
Bevölkerungswachstum entstanden. Damals waren
Kriege alltäglich und man brauchte so viele Soldaten wie
möglich, um sich gegen seine Feinde wehren zu können.
Homosexualität war deswegen lebensbedrohlich und
wurde verboten. Heutzutage hat diese Begründung ihre
Bedeutung völlig verloren. Erst einmal können wir
demnächst sowieso aufhören Kriege zu führen, wie das
geht, solltet ihr inzwischen wissen.
Dann ist die Weltbevölkerung innerhalb der letzten 70
Jahre von ca. 2.5 Milliarden im Jahr 1950 auf heute über 7
Milliarden angewachsen. Es gibt somit mehr als genügend
von uns auf der Welt und niemand muss sich Sorgen
machen, dass wir aussterben werden, weil wir
Homosexuelle respektvoll behandeln und ihnen die
Möglichkeit geben ihre Sexualität auszuleben.

166
Zusätzlich dazu sind Menschen, die das wegen
Unnatürlichkeit ablehnen, in ihrem Denken extrem
inkonsequent. Es ist nämlich ebenso unnatürlich
Klamotten zu tragen und in Häusern zu wohnen. Das
macht kein Tier in der Natur und so jemand müsste
bitteschön auch konsequent sein und viele andere
menschliche Verhaltensweisen genauso abzulehnen. Er
müsste sich also nackt ausziehen und in der Natur leben,
damit er bloß nicht mit Unnatürlichkeit konfrontiert
wird, die mag er ja laut eigener Aussage nicht.
Leider entsteht ein gigantisch großes Problem durch die
Ablehnung von Schwulen und Lesben. Jeder von uns
könnte solche Neigung entwickeln und deshalb können es
die eigenen Kinder ebenfalls. Diese liebt man
normalerweise von ganzem Herzen und man möchte
alles tun, um ihnen ein möglichst schönes Leben zu
ermöglichen. In einigen Gesellschaften ist es jedoch
üblich Homosexuelle brutal hinzurichten und das steht
sogar in den Gesetzen so. Wer nun einen geliebten Sohn
oder eine hochgeschätzte Tochter hat und feststellt, dass
er schwul oder sie lesbisch ist, müsste das bei den
Behörden melden und somit sein eigenes Kind töten
lassen, weil die Gesellschaft das so von einem verlangt.
Ich persönlich würde so etwas nicht tun, da meine eigene
Familie vor sämtlichen Bedrohungen geschützt werden
muss und dazu gehört es niemanden davon umbringen zu
lassen. Stattdessen würde ich alle töten, die versuchen
mein Kind wegen seiner Sexualität hinzurichten. Ich hätte
gar keine andere Möglichkeit anders zu reagieren, da ich
es ja schützen muss. Wie ihr das machen möchtet, könnt
ihr selbstverständlich selbst entscheiden. Mit einem
toleranten Umgang mit diesem Thema werdet ihr
jedenfalls niemals in so eine Situation kommen.

167
3.45 Die Transsexualität

Thema:

Gefühlstechnische Grundlagen der Transsexualität

Beschreibung:

Viele transsexuelle Menschen sind sehr glücklich und


brauchen gar keine Hilfe, allerdings haben genauso viele
von ihnen große Probleme mit ihrer Identität und von
daher hielt ich es für sinnvoll, mal die Grundlagen zu
erklären. So wirklich zufrieden bin ich mit diesem Text
allerdings nicht.

Originaltext:

Das Bedürfnis das Geschlecht zu wechseln entsteht


aufgrund der Auswirkungen der traditionellen
Geschlechtertrennung. Wie bereits erwähnt, sind wir von
Geburt an neutral eingestellt und lernen erst im Laufe
unseres Lebens, wie man sich jeweils als Junge oder
Mädchen verhalten soll. Dabei werden die Jungs
aufgefordert, sich gegenseitig immer wieder zu beweisen,
wer der Tollste von ihnen ist und die Mädchen sollen lieb
und nett sein und sich von den Männern beschützen
lassen, da diese ja körperlich stärker sind. Beides führt
jeweils zu einer mangelhaften Befriedigung unserer
Sozialgefühle. Wer permanent seine Überlegenheit
demonstrieren muss, fühlt sich gestresst und entwickelt
das Bedürfnis nach dem Gefühl der eigenen Unter-
legenheit, um sich entspannen zu können. Gleichzeitig
erhält er zu wenig Liebe, da ein liebevoller Umgang dem

168
Konkurrenzkampf im Weg steht. Hierdurch entsteht das
Bedürfnis nach Schutz durch Unterwerfung und einem
fürsorglichen Miteinander. Mädchen, die hingegen das
beides bereits haben, fehlt die Möglichkeit das Gefühl der
eigenen Überlegenheit auszuleben.
Transsexualität ist nun eine Lösung dafür. Man tauscht
einfach die Rollen, um an die jeweils vorher fehlenden
Emotionen zu kommen. Männer, die zu Frauen werden,
fühlen sich unterlegen und erhoffen sich, dass sie wie die
Frauen von anderen Männern beschützt werden.
Zusätzlich dazu dürfen sie so endlich auch liebevoll zu
ihren Mitmenschen sein, da niemand mehr von ihnen
eine ständige Demonstration ihrer Überlegenheit
erwartet. Frauen, die ihr Geschlecht wechseln, können
auf diese Weise ihr Überlegenheitsgefühl ausleben und
dürfen sich als Männer stark und mächtig fühlen.
Die Sexualität spielt übrigens dabei gar keine Rolle. Es
gibt Frauen, die zu Männern geworden sind und von
Männern sexuell angezogen werden und welche, die
Frauen anziehend finden. Bei als Mann geborenen
Transsexuellen ist es genauso und hier kommen ebenso
beide Varianten vor.
Das Bedürfnis nach dem Wechsel des Geschlechts ist
deshalb unabhängig von der sexuellen Neigung und
basiert nur auf einer vorher stattgefundenen
mangelhaften Befriedigung der Grundregel für Respekt
oder des Über- oder Unterlegenheitsgefühls. Das
Unterbewusstsein sucht dann Möglichkeiten für den
Ausgleich und da es mitbekommt, wie das jeweils andere
Geschlecht behandelt wird, liegt die Lösung auf der Hand.
Es entwickelt daraufhin eine Strategie und versucht das
Unbewusstsein davon zu überzeugen, dass man im
falschen Körper geboren wurde. Hierbei wirkt es sehr

169
glaubhaft, da es sich völlig natürlich anfühlt, sobald man
die Rollen tauscht. Die dahinter steckenden Gefühle
haben ja schließlich einen natürlichen Ursprung und so
erklärt sich die Überzeugungskraft des
Unterbewusstseins.
Somit ist Transsexualität eine natürliche Reaktion
unseres Gehirns auf unsere unnatürlichen
Lebensbedingungen. Unsere Gesellschaft schafft es nicht,
allen Männern ein ausreichendes Sicherheitsgefühl zu
geben und vielen Frauen fehlt die Möglichkeit das Gefühl
der eigenen Überlegenheit befriedigen zu können. Die
Aufhebung der traditionellen Geschlechtertrennung wäre
darum in der Lage, zukünftige Generationen davor zu
bewahren, ein Bedürfnis danach zu entwickeln. Dafür
müssten Mädchen und Jungs in der Lage sein ihre drei
Sozialgefühle ausleben zu können. Unter solchen
Umständen gibt es für das Unterbewusstsein keinen
Grund das Geschlecht zu wechseln.
Von diesem Zustand sind wir aktuell aber noch weit
entfernt. Bisher wird allgemein viel zu wenig auf die
Bedürfnisse unseres emotionalen Systems geachtet.
Deswegen muss sich das Unterbewusstsein irgendwie
selber helfen und das tut es oftmals mit ungewöhnlichen
Mitteln. Wer das nicht versteht, ist dessen
Lösungsvorschlägen hilflos ausgeliefert und akzeptiert
diese eventuell als eine natürliche Eingebung, ohne sie zu
hinterfragen. Das eigentliche Fehlverhalten wird also
nicht näher untersucht. Stattdessen wird darauf vertraut,
dass unsere Instinkte schon wissen, was sie tun und man
orientiert sie an ihnen.
Das ist jedoch eine völlig falsche Einschätzung. Unser
Unterbewusstsein arbeitet nach hoffnungslos veralteten
Regeln und ist deshalb gar nicht in der Lage, mit den

170
stark veränderten heutigen Lebensumständen zurecht-
zukommen. Aus diesem Grund sollte man seinen
Gefühlen gegenüber generell sehr skeptisch sein. Wer das
Bedürfnis nach dem Wechsel des eigenen Geschlechts
hat, sollte sich dementsprechend nicht blind danach
richten, sondern die Ursache der Entstehung dieser Idee
näher untersuchen. Die erste Frage dabei sollte die nach
der sein. Um das zu erreichen, sollte man nett und
freundlich zu anderen Menschen sein können, Schwächen
zugeben können und Gelegenheiten finden, bei den man
anderen überlegen ist. Das alles muss gesellschaftlich
vollständig akzeptiert sein, damit man es regelmäßig
ausleben kann und erst nachdem man sich darum
gekümmert hat, kann man beurteilen, ob man wirklich
transsexuell ist. Davor kann man es gar nicht wissen, weil
man sehr wichtige emotionale Bedürfnisse vernachlässigt
hat und die Transsexualität auch nur eine von vielen
Möglichkeiten sein kann, mit denen das
Unterbewusstsein versucht unsere Sozialgefühle
ausreichend zu befriedigen.

3.46 Die Pädophilie

Thema:

Der sexuelle Missbrauch von Kindern

Beschreibung:

Das Problem mit der Pädophilie wird durch das Internet


und die allgemeine Respektlosigkeit immer schlimmer
und deswegen macht es Sinn, den emotionalen Hinter-
grund kurz zu erklären.

171
Originaltext:

Bei Menschen mit einer pädophilen Neigung passiert im


Prinzip dasselbe wie bei dem Manager, der sich
auspeitschen lässt, diesmal aber in einer umgekehrten
Variante. Sie haben im normalen Alltag große
Schwierigkeiten ihr Überlegenheitsgefühl zu befriedigen,
weil sie sich in schwachen Positionen befinden. Das
sexuelle Interesse an Kindern entsteht dann durch die
Notwendigkeit des Ausgleichs des emotionalen
Haushalts.
Eigentlich haben Jungs und Mädchen gar keine besondere
sexuelle Ausstrahlung, da ihre Geschlechtsorgane noch
nicht voll entwickelt sind. Diese entsteht erst in dem
Moment, in dem das Unterbewusstsein nach
Möglichkeiten zur Befriedigung des Gefühls der eigenen
Überlegenheit sucht. Oftmals hört man hierbei, dass die
Täter selber in ihrer Kindheit missbraucht wurden. In
dem Fall kennt das Unterbewusstsein bereits eine
Lösung, da es während der Vergewaltigung
mitbekommen hat, wie überlegen sich der Pädophile
dabei gefühlt hat.
Es kann allerdings ebenso völlig ausreichen in den
Nachrichten etwas darüber zu hören. Wenn man dort so
einen Satz wie „Das Opfer hat sehr gelitten.“ hört und das
Unterbewusstsein sich gerade mit der Frage beschäftigt,
wie man seine Überlegenheit ausleben kann, könnte es
das als mögliche Lösung betrachten. Es ist nicht blöd und
kann daraus ableiten, wie überlegen sich der Täter
währenddessen gefühlt haben muss. Anschließend wird
eine Strategie entwickelt und hieraus entsteht überhaupt
erst die sexuelle Attraktivität von Kindern. Sie sind völlig
schutzlos, also extrem unterlegen und deshalb leider nun

172
einmal sehr gut dafür geeignet, um das Gefühl der
eigenen Überlegenheit zu befriedigen. Diese Neigungen
werden meistens erst einmal gedanklich ausgelebt, bis
das nicht mehr reicht und das Internet zur Hilfe
genommen wird. Sollte das auch nicht mehr ausreichen,
findet eine Umsetzung in der Realität statt.

Die treibende Kraft ist immer das Unterbewusstsein und


wie bei einer Drogensucht wird das Bedürfnis nach dem
sexuellen Missbrauch von Kindern erst verschwinden,
nachdem der Gefühlshaushalt durch andere Maßnahmen
ausgeglichen wurde. Sobald es soweit ist, wird der vorher
Pädophile Erwachsene sexuell anziehend finden, bis
dahin werden jedoch weiterhin Kinder für ihn das erste
Mittel der Wahl sein.
Aus diesem Grund müssen wir uns dieser Problematik
stellen und Lösungen finden, damit niemand von uns
mehr das Bedürfnis hat seinen emotionalen Haushalt
durch extreme Maßnahmen auszugleichen. Ein
respektvoller Umgang miteinander und die Möglichkeit
der kontrollierten Auslebung des Überlegenheitsgefühls
können hier wahre Wunder bewirken.

3.47 Der Anspruch

Thema:

Allgemeine Attraktivitätsvorstellungen

Beschreibung:

Aktuell spielt die Intelligenz eine sehr untergeordnete


Rolle beim Bewerten der Attraktivität von Menschen.

173
Dadurch sinkt das Intelligenzniveau langsam, aber sicher
immer weiter ab und da muss man etwas gegen tun.

Originaltext:

Der jeweilige Anspruch einer Gesellschaft bestimmt


maßgeblich über die Richtung, in die ihre Mitglieder sich
entwickeln. Wer ihn erfüllt, wird gesellschaftlich
akzeptiert und genießt ein viel höheres Ansehen als
diejenigen, die das nicht schaffen.
Heutzutage ist in vielen Kulturen das äußere
Erscheinungsbild das Maß aller Dinge. Wer sehr gut
aussieht, gilt als extrem attraktiv. Reichtum kann dabei
ein eher als negativ betrachtetes Äußeres ausgleichen, da
die damit kaufbaren Sachen schon für sich alleine als
anziehend gelten können. Hierbei spielt bei diesem
Anspruch die Intelligenz nur eine sehr untergeordnete
Rolle. Schlaue Vertreter unserer Spezies werden
deswegen an den Rand der Gesellschaft gedrängt und
gelten als weitaus weniger attraktiv als ein unkluger
hübscher Mensch.
Normalerweise sollte man davon ausgehen, dass wir uns
in diesem Punkt anders verhalten. Es erinnert mich
persönlich viel zu sehr an Tiere, wenn ausschließlich das
Aussehen über den gesellschaftlichen Stand entscheidet.
Bei vielen Vogelarten entscheidet zum Beispiel die
Schönheit darüber, ob sich die Männchen mit den
Weibchen paaren dürfen. Sie können zwar auch sehr
intelligent sein, aber sie unterscheiden sich deshalb nicht,
so wie wir Menschen, vom gesamten Rest der Tierwelt.
Inzwischen ist die Menschheit von ihrer Entwicklung her
weit genug und sollte die Sinnlosigkeit dahinter
erkennen.

174
Leider ist das bisher nicht so und es hat sich in den
letzten Jahrzehnten ein wahrer Perfektionswahn in Bezug
auf den Körper entwickelt. Die mit Abstand höchste
gesellschaftliche Attraktivität genießen Menschen im
Alter von 18-25 Jahren. Viele von denjenigen, die bereits
älter sind, versuchen mit aller Gewalt die biologische Uhr
zurückzudrehen, um wieder wie früher auszusehen. Und
es werden selbst kleinste körperliche Makel operativ
verbessert mit dem Ziel einen „perfekten“ Körper zu
haben. Intelligenz hingegen wird oftmals ignoriert und
nicht als erstrebenswert betrachtet. Würde man
stattdessen diese in den Mittelpunkt stellen, würde jeder
von uns mit dem Älterwerden automatisch attraktiver
werden, weil wir mehr Erfahrungen und Wissen
sammeln, je älter wir werden.
Hier wäre eine Veränderung des Anspruches sinnvoll, um
den ganzen Stress zu vermeiden, der durch das
Hinterherjagen nach den unrealistischen Zielen der
ewigen Jugend und des „makellosen“ Körpers entsteht.

3.48 Das Wissen

Thema:

Die eigene Fehlbarkeit

Beschreibung:

Kein Mensch und auch keine Göttin wissen oder können


alles, wir haben jeweils nur unsere jeweiligen Fach-
bereiche, in denen wir besser als andere sind und das
wissen viele Menschen ebenfalls nicht.

175
Originaltext:

Sich einzubilden alles zu wissen ist eine durch die


eingebildete absolute Überlegenheit ausgelöste
Fantasievorstellung. Hierdurch wird die Aufnahme von
neuen Informationen nahezu unmöglich gemacht. So wird
die Intelligenz auf ein sehr niedriges Niveau reduziert.
Im Gegensatz dazu steht die Vorstellung des begrenzten
Wissens. Der bekannte Spruch „Ich weiß, dass ich nichts
weiß.“ bedeutet ganz einfach, dass man intelligent genug
ist, um zu verstehen, dass man nur einer von sehr vielen
Menschen ist und sich das eigene Wissen auf die
persönlichen Erfahrungen beschränkt. Andere Menschen
haben andere Erlebnisse gehabt und kennen sich
deswegen in bestimmten Bereichen viel besser aus. Um
das beurteilen zu können, muss man sich miteinander
austauschen, anstatt sich einzubilden, bereits alles zu
wissen. Erst dann kommt heraus, ob man selber besser
informiert ist oder nicht.
Zusätzlich dazu haben wir jeweils andere geistige
Stärken. Meine eigene Intelligenz beschränkt sich
beispielsweise auf das emotional logische Denken und ich
habe große Schwierigkeiten beim räumlichen Denken. Ich
kenne mich deshalb zwar beim menschlichen
Gefühlssystem sehr gut aus, wäre allerdings niemals in
der Lage ein Gebäude zu planen. Mir fehlt ganz einfach
das hierfür notwendige räumliche Vorstellungsvermögen.
Glücklicherweise gibt es Architekten, die hervorragend
räumlich denken können. Diese Menschen sind mir in
diesem Punkt geistig bei weitem überlegen und ich bin
froh, dass es sie gibt, weil ich ansonsten irgendwo
draußen leben und schlafen müsste.

176
Das Offenbaren solcher Schwächen und das Verständnis
des begrenzten Wissens sind die Grundlagen des
geistigen Austausches zwischen uns. Keiner von uns kann
alles und keiner von uns weiß alles. Wir sind aber in der
Lage, gemeinsam Lösungen für die schwierigsten
Probleme zu finden, wenn wir uns bereit erklären, uns
auf neue Informationen einzulassen und unsere
Schwächen zuzugeben.

3.49 Die Verantwortung

Thema:

Die Verpflichtungen von Eltern gegenüber ihren Kindern

Beschreibung:

Viele Eltern machen sich ihr Leben aus Bequemlichkeit


leicht und darunter können Kinder sehr leiden. Deshalb
ist es notwendig, das zu erwähnen.

Originaltext:

Ein möglicher Grund zur Förderung einer hoch


entwickelten zwischenmenschlichen Kommunikation ist
die Verantwortung gegenüber den Kindern.
Diese wird oftmals ignoriert und ein gutes Beispiel
hierfür sind die vielen stark übergewichtigen Menschen
in den reichen Ländern. In der Öffentlichkeit werden
üblicherweise die Gene dafür verantwortlich gemacht
und diese Erklärung wird von vielen Betroffenen gerne
angenommen. Die Schuld bekommt dann einfach die
Natur mit ihrem genetischen Bauplan und somit ist man

177
auf keinen Fall selber verantwortlich. Diese Ablenkungs-
strategie hilft aber nicht bei der Lösung des Problems. Die
Hauptursache für Übergewicht ist nämlich zu
kalorienreiche Ernährung und in diesem Zusammenhang
macht es Sinn, sich auch mal näher mit der Erziehung zu
beschäftigen. Hierbei wird man feststellen, dass Kinder
ihr Essverhalten größtenteils von ihren Eltern lernen.
Einige haben Glück und es wird ihnen beigebracht, sich
ausgewogenen zu ernähren. Andere jedoch haben Pech
und sie nehmen schon als Kleinkinder täglich viel zu viele
Kalorien zu sich, weil die Mama und der Papa das ebenso
machen. Wenn sie später nicht die Kurve kriegen, werden
sie ihr Leben lang mit den daraus entstehenden
gesundheitlichen Folgen zu kämpfen haben.
Das möchten viele Eltern allerdings nicht hören. Sie
betrachten solche Aussagen als eine Kritik ihres
Verhaltens und wehren diese so gut es geht ab. Ihre
Verantwortung für den Nachwuchs ignorieren sie dabei
und deshalb gibt es aktuell weltweit so viele stark
fettleibige junge Menschen.
Die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Attraktivität
der Erwachsenen wird hierbei über das gesundheitliche
Wohlergehen der Kinder gestellt. Niemand soll sagen
können, dass die Eltern etwas falsch gemacht haben,
damit diese ihre eingebildete absolute Überlegenheit
behalten können. Man sieht hier die Machtverhältnisse
und den daraus entstehenden Missbrauch. Die Erwachsen
benutzen ihre höhere Position, um ihre eigene
Gefühlswelt zu schützen und sind bereit zu diesem Zweck
die Gesundheit ihrer Kinder zu gefährden.
Diese Verantwortungslosigkeit ist leider weit verbreitet
und wir finden sie beispielsweise genauso bei vielen
hyperaktiven Kindern. Ihren Eltern fehlt das Wissen, um

178
ihnen zu erklären, wie sie ihre tierischen Instinkte
kontrollieren können. Sie können deswegen sehr
aggressiv und unruhig sein, da sie nicht gelernt haben mit
ihrem Gefühlssystem umzugehen.
Diese Behauptung ist aber wieder eine starke Kritik und
wird nicht gerne gehört. Eltern gehen viel lieber davon
aus, dass sie instinktiv wissen, wie man ein Kind erzieht
und darum immer alles richtig machen. Mit so einer
Einstellung ist die Idee von bestimmten Krankheiten als
Ursache für das hyperaktive Verhalten sehr attraktiv und
wird gerne angenommen. Das schließt jede Möglichkeit
des Versagens bei der Erziehung aus und man muss sich
keine Sorgen um seine gesellschaftliche Attraktivität
machen.
Die Leidtragenden sind wieder einmal die Kinder. Anstatt
zu lernen, wie man seine Gefühle beherrscht, bekommen
sie chemisch hergestellte Medikamente, um sie ruhig zu
halten. Die Nebenwirkungen, von denen der kindliche
Organismus betroffen ist, werden dabei einfach ignoriert.
Die eigentliche Krankheit ist jedoch nicht die
Hyperaktivität der Kinder, sondern die Kritikblindheit
der Eltern. Es gibt mit Sicherheit weltweit unzählige
Menschen, die wissen, was man in so einem Fall tun
könnte, ohne auf Tabletten zugreifen zu müssen. Dagegen
spricht allerdings das Zugeben von Unwissenheit. Das ist
für viele Eltern nicht akzeptabel, weil es sie emotional
negativ belasten würden. Aus diesem Grund gefährden
sie lieber die Gesundheit ihrer Kinder durch die
Nebenwirkungen der Medikamente, anstatt sich von
anderen Erziehungsberechtigten beraten zu lassen.
Aus solchen Vernachlässigungen entsteht die Notwen-
digkeit zur Förderung der zwischenmenschlichen
Kommunikation.

179
Wer seine Kinder liebt und das Beste für sie möchte,
muss anerkennen, dass es nicht unfehlbar ist, falls er es
nicht schon vorher wusste. Anschließend muss er sich
mit anderen Menschen über den Umgang mit dem
Nachwuchs austauschen und gemeinsam mit ihnen
Lösungsvorschläge entwickeln. Der so stark erhöhte
Informationsaustausch steigt die Qualität der
Erziehungsmaßnahmen enorm und das gibt den
nachfolgenden Generationen die bestmöglichen
Zukunftschancen. Hierbei sollte das geistige und
körperliche Wohlergehen der Kinder im Vordergrund
stehen und nicht wie bisher die Gefühlswelt der
Erwachsenen.
Mit Hilfe dieses Beispiels können wichtige Erfahrung für
offene Diskussionen gesammelt werden und diese kann
man später auf alle möglichen Themen übertragen. Im
Idealfall führt das dazu, dass es zukünftig in sämtlichen
Lebensbereichen völlig normal sein wird, sich frei
miteinander auszutauschen. Hierdurch würde sich die
Intelligenz der daran Teilnehmenden automatisch stark
vergrößern, da sie dann auch auf das Wissen und die
Erfahrung ihrer Mitmenschen zugreifen können.

3.50 Das hochkomplexe Denken

Thema:

Die Leistungsfähigkeit des menschlichen Gehirns

180
Beschreibung:

Das ist ein Text über meine Erfahrungen mit dem Gehirn-
training für Göttinnen und eventuelle Möglichkeiten, das
auf Menschen zu übertragen.

Originaltext:

Die Fähigkeit hochkomplexe Gedankengänge zu haben


steht bisher nur wenigen Menschen zur Verfügung. Diese
werden als besonders intelligent bezeichnet, wobei
meistens ein angeborener genetischer Unterschied als
Ursache genannt wird.
Meine persönliche Erfahrung bringt mich jedoch zu dem
Schluss, dass das viel zu einfach gedacht ist. Es werden
dabei die zahlreichen Fehler bei der Intelligenzförderung
der Kinder vergessen. Diese können eine sehr negative
Auswirkung auf die geistige Entwicklung haben und
deshalb muss man erst einmal Lösungen dafür finden, um
überhaupt erst beurteilen zu können, ob es tatsächlich so
starke genetisch bedingte Intelligenzunterschiede gibt.
Die schwerwiegendsten Probleme verursachen die
Erwachsenen, die sich hinter ihrer höheren Position
verstecken und diejenigen, die aufgrund ihrer Erziehung
das Nachfragen verlernt haben. Für sie sind solche
Antworten wie „Das geht dich nichts an!“ oder „Das ist
halt so.“ typisch.
Die wissensdurstigen Kinder können durch solche
Menschen sehr stark ausgebremst werden. Sie sind
darauf angewiesen jede Menge Fragen stellen zu können,
um das hochkomplexe Denken zu erlernen. Am
wichtigsten hierbei sind längere Gespräche über ein
Thema mit möglichst vielen Folgefragen. Solche

181
Diskussionen bilden die Grundlage für den Umgang mit
langen und schwierigen Gedankengängen. Ein Kind lernt
währenddessen viele Informationen in einem
Zusammenhang zu betrachten und kann diese Fähigkeit
mit der Zeit immer weiter ausbauen.
Dafür sind die Themen, für die sich die Kinder von selber
interessieren, am besten geeignet. Wenn sie
beispielsweise Dinosaurier aktuell ganz toll finden,
könnte man sich mit ihnen darüber ausführlich
unterhalten und zusätzlich dazu gemeinsam mit ihnen
nach weiteren Informationen suchen.
Falls das kindliche Gehirn stattdessen ständig damit
konfrontiert wird, dass Fragen nicht erwünscht oder nur
unzureichend beantwortet werden, kann es dadurch in
seiner Entwicklung stark eingeschränkt werden. Im
schlimmsten Fall verlernen die Kinder das Nachfragen,
weil es von den Erwachsenen unterdrückt wurde. Dieses
erlernte Verhalten kann bereits in jungen Jahren zu
einem drastischen Absinken der Intelligenz führen. Ein
sich für Dinosaurier interessierendes Kind bekommt
dann als Reaktion auf sein Interesse Antworten wie „Stör
mich nicht, ich bin beschäftigt!“ oder „Ja, ich fand
Dinosaurier früher auch ganz toll, jetzt geh aber bitte mal
spielen, ich habe keine Zeit.“ und anschließend gilt das
Thema für die Eltern als beendet.
Unter solchen Umständen fehlt das notwendige Training
für das hochkomplexe Denken und es kann sich somit gar
nicht erst entwickeln. Manche Kinder schaffen es zwar
auch alleine, sich darum zu kümmern, das hängt
allerdings von den verfügbaren Informationsquellen ab.
Sie brauchen einen ausreichenden Zugriff auf Wissen in
Form von Büchern oder dem Internet, um selbstständig

182
ihr Denken zu trainieren. Ohne diese Möglichkeiten sieht
es jedoch schlecht für ihre Intelligenz aus.
Diese Faktoren muss man mit einbeziehen, um beurteilen
zu können, ob unsere Gene wirklich so einen großen
Einfluss auf unsere Denkfähigkeiten haben. Deswegen
müsste zuallererst jedes Kind auf der Welt in den Genuss
einer intelligenzfördernden Erziehung kommen, bevor
man diesbezüglich überhaupt eine Aussage treffen kann.
Wer von euch Lust hat das hochkomplexe Denken zu
trainieren, kann dieses Buch zur Hilfe nehmen. Es ist
leicht zu lesen und enthält eine große Menge
zusammenhängendes Wissen. Ein gut trainiertes Gehirn
sollte in der Lage sein mindestens das halbe oder sogar
das ganze Buch an einem Stück zu lesen. Alle, die das
nicht schaffen, können es üben, indem sie es immer
wieder versuchen. Der Inhalt ist dabei nicht das
Entscheidende, wichtig ist nur die geistige
Herausforderung, die ein längeres Lesen dieses Buches
mit sich bringt. Unser Gehirn muss währenddessen in
kurzer Zeit sehr viele miteinander verbundene
Informationen aufnehmen und kann sich auf diese Weise
langsam, aber sicher daran gewöhnen mit immer mehr
davon in einem Gedankengang zurechtzukommen. So
könnt ihr bei Bedarf eure Denkfähigkeiten trainieren und
eure dann höhere geistige Leistungsfähigkeit für die
Bewältigung eurer alltäglichen Probleme nutzen.

3.51 Die Zusammenarbeit

Thema:

Anbieten einer Zusammenarbeit

183
Beschreibung:

Ob wir Göttinnen oder die Menschen das wollen, ist völlig


egal, wir müssen nun einmal zusammenarbeiten und da
wir in dem Handbuch nicht erwähnen dürfen, wer wir
eigentlich sind, habe ich mein diesbezügliches Angebot
hier auf den psychologischen Bereich beschränkt.

Originaltext:

Die höchstmögliche Form der menschlichen Intelligenz


kann nur entstehen, wenn sich mehrere von uns mit
einem Thema beschäftigen und ihre jeweiligen
Erfahrungen mit einbringen können. Der währenddessen
stattfindende Wissensaustausch hilft bei der Suche nach
der bestmöglichen Lösung.
Sich alleine mit einer Sache auseinanderzusetzen ist
dagegen oftmals nicht allzu erfolgreich. Man übersieht so
leicht seine eigenen Fehler und erhält deswegen am Ende
nicht immer ein vernünftiges Ergebnis. Leider arbeiten
die meisten Menschen nach der zweiten Methode und
schränken somit ihre Möglichkeiten stark ein. Aus diesem
Grund ist das intellektuelle Niveau der Menschheit
aktuell wesentlich niedriger, als es eigentlich sein könnte.
Unserem Gehirn ist es dabei völlig egal, was wir im Laufe
unseres Lebens lernen. Es kann mit einer
Vernachlässigung umgehen, indem es die nicht genutzten
Denkfähigkeiten abbaut und es kann sich genauso durch
eine Förderung langsam, aber sicher weiterentwickeln.
Dieser Mechanismus wird jedoch bis zum heutigen Tage
viel zu wenig beachtet. Es wird nämlich allgemein davon
ausgegangen, dass beispielsweise die schlechte
Lernfähigkeit vieler Erwachsener eine körperliche

184
Ursache hat. Unser Gehirn soll angeblich ab einem
gewissen Alter immer kleiner werden und da können wir
nichts gegen tun. Diese Ansicht halte ich für falsch.
Stattdessen sind meiner Meinung nach Bedienungsfehler
die Ursache für die Abnahme unserer geistigen
Leistungsfähigkeit und aus diesen entsteht das
Phänomen des schrumpfenden Gehirns im Erwachsenen-
alter.
Mit einer ausreichenden Intelligenzförderung könnte
man dem vorbeugen, um die Flexibilität des kindlichen
Geistes ein Leben lang zu bewahren. Wir müssten zu
diesem Zweck die natürliche Struktur unseres Denkens
weiter erforschen und dafür müssten Experten aus den
jeweiligen Bereichen zusammenarbeiten, um das
bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Meine in diesem Buch
dargestellten Überlegungen reichen dazu bei weitem
nicht aus. Sie basieren ausschließlich auf meinen eigenen
Erfahrungen und Ansichten. Dementsprechend werden
sie mit Sicherheit an diversen Stellen Fehler aufweisen.
Deshalb sollen sie lediglich als Beispiel dienen, um
deutlich zu machen, wie ich mir das vorstelle.
Letztendlich müssten sich genügend Menschen an dieser
Erforschung beteiligen, damit wir es schaffen eine
gemeinsame Orientierungsgrundlage für uns alle zu
finden. Das Ziel dabei ist die Beherrschung unserer
Instinkte mit Hilfe eines fundierten Wissens über deren
Funktionsweise und die optimale Förderung der
Intelligenz der Kinder. Die so gewonnen Erkenntnisse
müssten anschließend jedem von uns zur Verfügung
gestellt werden. Dadurch könnte zukünftig jeder Mensch
das volle Potenzial seines Geistes nutzen und es müsste
sich niemand mehr schlimmer als ein Tier verhalten, nur
weil er seine Gefühlswelt nicht versteht.

185
Wer von euch Lust hat dabei mitzuhelfen, kann dieses
Buch gerne anderen empfehlen. Ich würde mich auch
gerne weiterhin mit diesem Thema beschäftigen,
allerdings komme ich alleine nicht mehr weiter und
brauche deswegen unbedingt Unterstützung. Falls sich
genügend Exemplare verkaufen, werde ich mal versuchen
die Besten der Besten in jedem psychologischen
Fachbereich an einem Ort zu versammeln, um gemeinsam
mit ihnen eine genaue Erklärung der Arbeitsweise
unseres Gehirns zu erarbeiten. Ich persönlich bin der
Meinung, dass wir alle davon sehr profitieren würden,
entscheidend ist jetzt, ob ihr das genauso seht.

186
4. Nachwort

Im Großen und Ganzen bin ich damit zufrieden, das


Handbuch ist halt nur ziemlich langweilig geworden.
Glücklicherweise ist es ja lediglich ein Prüfungstext und
er hat völlig ausgereicht, um meine Ausbildung erfolg-
reich zu beenden.
An vielen Stellen musste ich improvisieren und da weiß
bis heute ich gar nicht, ob das alles so überhaupt Sinn
ergibt. Es ist halt echt schwierig, das alles alleine zu
machen. Ich hatte nicht einmal jemanden, der das gelesen
hat, bevor ich es abgegeben habe. Von daher habe ich
einfach mal mein Bestes gegeben und mich dadurch
gequält. Nun habe ich ehrlich gesagt keine große Lust
mehr, mich damit zu beschäftigen. Ihr habt jetzt einen
Überblick über eine mögliche Lösung für eure schriftliche
Prüfung bekommen und das reicht dann auch.
Ich wünsche euch starke Nerven für solche langweiligen
Pflichtarbeiten und freue mich schon, irgendwann mal
eure Eröffnungsshows für euer jeweiliges Paradies zu
sehen. Meine ist schon größtenteils durchgeplant und
supertoll geworden. Ich bin schon sehr gespannt, was
meine Schützlinge darüber denken. Leider muss ich jetzt
erst einmal eine zweijährige Ausbildung zur Personal-
dienstleistungskauffrau absolvieren, bevor ich das
umsetzen kann. Ich verstehe zwar nicht, warum ich jetzt
noch eine zusätzliche Berufsausbildung brauche, aber das
Universum weiß ja nun einmal, was es tut. Und als
Hoteldirektorin des Planeten Erde kann es ja nicht
schaden, eine in der Bundesrepublik Deutschland
anerkannte Berufsausbildung im Personalwesen zu
absolvieren.

187
Das ist jedoch ziemlich blöd für meine Schützlinge. Viele
von ihnen müssen nun doch noch weiterhin leiden, nur
weil das Universum an einem Qualifizierungsfetischismus
leidet und ich ihnen deswegen frühestens in zwei Jahren
helfen kann. Aktuell ist die Menschheit in einem nicht
allzu guten Zustand mit der Tendenz zur Verschlech-
terung, die Menschen bräuchten also eigentlich dringend
meine Hilfe. Für mich besteht der Vorteil darin, nach
Abschluss dieser Ausbildung zumindest ein Zeugnis
vorweisen zu können. Mein eigentlicher Arbeitgeber, das
Universum, stellt so etwas ja nicht aus.
Immerhin habe ich es geschafft den Passierschein A38 zu
ergattern. Der könnte in Verbindung mit dem Quellcode
der Geschichte des Lebens auf der Erde ganz nützlich
sein.
Aber das ist noch alles Zukunftsmusik. Die nächsten zwei
Jahre werden wieder quälend langweilig sein und das ist
echt nicht nett vom Universum. Man macht und tut, nur
damit man dann noch eine Ausbildung absolvieren muss.
Ich werde, wie immer, das Beste daraus machen und
nebenbei eine neue Hotelordnung entwerfen. Das macht
zwar wenig Sinn, weil ich diese später sowieso noch
gemeinsam mit den Gästen überarbeiten muss, allerdings
kann ich damit zumindest ein wenig Zeit überbrücken.
Ansonsten kann ich noch das Buch über meine praktische
Prüfung schreiben und meine Bewerbung als Göttin vor-
bereiten. Es wird also wirklich nicht spannend in
nächster Zeit, wobei die notwendige Motivation für mich
von der Eröffnungsshow für das Paradies auf Erden
kommt. Ich möchte diese unbedingt auf die Bühne
bringen und dafür lohnt es sich, die Ausbildung zu
machen.

188
Hoffentlich habt ihr es zumindest ein wenig leichter. Ich
bin zwar einerseits restlos begeistert von meinem Job, es
macht wirklich Spaß, eine Göttin zu sein, andererseits
sind die Menschen auf der Erde gar nicht darauf
vorbereitet, dass sie demnächst im Paradies leben sollen.
Das macht es mir sehr schwer, ihnen das zu erklären und
verhindert bisher die Zusammenarbeit mit ihnen. Sie
arbeiten zwar alle für mich, genauso wie ich für sie alle
arbeite, das versteht allerdings bisher niemand außer mir
und deshalb komme nur ich in den Genuss des
intergalaktisch geilen Service, den das Universum uns
bietet.
Da hilft mir hoffentlich die Zusatzausbildung weiter. Falls
nicht finde ich irgendwo anders eine Lösung. Aufgeben
darf ich ja sowieso nicht, die Menschen müssen nun
einmal ihr wohlverdientes Paradies auf Erden
bekommen, und zwar unabhängig davon, ob sie das
wollen oder nicht. Dafür haben sie sich ja schließlich die
ganze Zeit den Arsch für aufgerissen und es wäre nicht
fair von mir, ihnen das wegen nervigen, aber irgendwann
lösbaren Schwierigkeiten vorzuenthalten.
Ich freue mich auf jeden Fall, in Zukunft mal mit meinen
Arbeitskolleginnen zu sprechen, wobei das natürlich
noch solange dauern wird, dass ich erst einmal die Un-
sterblichkeit erfinden müsste, um das überhaupt erleben
zu können. Das würde sich alleine schon aufgrund der
tollen Fotos für unser gemeinsames Kochbuch lohnen.
Meine Lieblingsfarbe ist Lila und sobald ich das nötige
Geld zur Verfügung habe, werde ich mir eine farblich
passende Küche fürs Fotoshooting kaufen und schon
einmal ein wenig experimentieren, um am Ende das
optimale Ergebnis zu erzielen.

189
Die nächste Zeit werde ich mich weiterhin alleine mit
meinen Schützlingen herumärgern. Ich hoffe, dass die
Ausbildung zur Personaldienstleistungskauffrau mir
wirklich dabei hilft, denen die Sache mit dem Paradies auf
Erden erklären zu können. Wenn nicht, muss ich wohl
doch direkt ins Showgeschäft einsteigen und die Bühnen
dieser Welt erobern, sobald ich mit der Ausbildung fertig
bin.
So oder so, es wird schon alles gut!

Liebste Grüße

Lara

190
191
192