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HIMMELFAHRT

VON TORSTEN SCHWANKE

ERSTER GESANG

Und die Engel nahmen mich, versetzten


Mich an einen Ort, wo sind die Dinge
Wie ein Feuer ähnlich einem Flusse,

Und wenn es die hohen Engel wollen,


Dann erscheinen sie wie Menschenkinder,
Jungfraun, starke Männer oder Knaben.

Und sie führten mich zum Ort des Sturmes


Und auf einen Gipfel, dessen Spitze
Durch die Wolken reicht bis an den Himmel.

Und ich sah den Ort der hellen Lichter,


Sah der Blitze Scheunen und des Donners,
In der Tiefe einen Feuer-Bogen,

Dessen Pfeile, die aus Feuer waren,


Dessen Köcher, wie geformt aus Silber,
Feuer-Schwerte sah ich, weiße Blitze.

Sie versetzten mich ans Lebenswasser,


Sie versetzten mich zur Glut des Westens
Und zum Purpur-Untergang der Sonne.

Und ich kam zu einem Feuerstrome,


Dessen Feuer floss wie Lebenswasser,
Das ergoss sich in das Meer im Westen.

Und ich sah die Ströme und gelangte


Dorthin, wohin wandern alle Körper,
Sah die Berge schwarzer Winterwolken,

Sah den Ort, wohin der Tiefe Wasser


Sich ergießen, sah der Ströme Mündung,
Erden-Ströme und der Tiefe Mündung.

Und ich sah die Scheune aller Winde,


Sah, wie sie die ganze Schöpfung schmücken,
Sah das feste Fundament der Erde.

Und ich sah der Mutter Erde Eckstein,


Sah vier Winde, die die Erde tragen,
Sah vier Winde, die den Himmel tragen,
Sah die Winde, Himmel auszuspannen,
Ihre Stellung zwischen Welt und Himmel,
Und ich sah des Himmels steile Säulen.

Und ich sah die Winde aller Himmel,


Die die Sonnenscheibe still bewegen
Und die Sterne an dem Firmamente,

Und ich sah die Winde auf der Erde,


Wolken an der Himmelswölbung tragend,
Sah die Wege aller schönen Engel,

Und ich sah am Ende dieser Erden


Einer Kuppel gleich die Himmelswölbung,
Sah den Himmel heiter, manchmal dunkel.

Weiter ging ich, kam zu einem Orte,


Brennend er in Tagen und in Nächten,
Sieben Berge dort aus Edelsteinen,

Drei der Berge strecken sich gen Osten,


Drei der Berge strecken sich gen Süden.
Die im Osten sind von bunten Steinen,

Einer eine Perle, einer Topas,


Der im Süden ist aus rotem Nephrit.
Und der mittlere reicht in den Himmel,

Da der Thron des Herrn ist von Rubinen


Und des Thrones Spitze von Saphiren.
Und ich sah ein heißes Feuer lodern.

Hinter diesen Bergen eine Ortschaft,


Jenseits liegt sie von dem großen Lande.
Dort vollendet sind die Himmelreiche.

Und ich schaute einen tiefen Abgrund,


Säulen dort, die sind aus Himmelsfeuer,
Stürzen sah ich diese Feuersäulen.

Tiefe sind und Höhe nicht zu messen.


Hinter diesem Abgrund eine Ortschaft
Sah ich, drüber keine Himmelskuppel,

Drunter keine fest gefügte Erde,


Drunter war kein Fluss, kein Meer des Lebens,
In den Lüften sangen keine Vögel.

Dieses war ein Ort, der öd und grausig.


Und ich sah dort sieben Sterne strahlen,
Die wie große Berge waren brennend.
Als ich danach fragte, sprach der Engel:
Dies der Ort, wo Himmel sind und Erde
Angekommen an ihr eignes Ende,

Ein Gefängnis für die Himmelssterne


Und ein Kerker für die Himmelsheere.
Diese Sterne, überm Feuer rollend,

Sinds, die an dem Anfang ihres Aufgangs


Die Befehle Gottes übertreten,
Kommen nicht hervor zu ihrer Stunde.

Gott ward zornig über sie und band sie


Tausendmal zehntausend Sternenjahre,
Bis zur Zeit, da ihr Schuld vollendet.

Da sprach Uriel zu mir, der Engel:


An dem Orte werden Engel stehen,
Die mit Menschentöchtern sich vereinigt,

Die befleckten ihre reinen Geister,


Mancherlei Gestalt annehmend, täuschend,
Und die Menschenkinder sie verführten,

Dass die Menschen opfern den Dämonen,


Bösen Geistern, Göttinnen und Göttern,
Toten Götzen, die die Heiden ehren.

Diese Engel stehen hier am Orte


Bis zum Jüngsten Tag des Weltgerichtes,
Werden dann gerichtet und vernichtet.

Doch die Weiber und die Menschentöchter,


Die mit Gottessöhnen sich vereinigt,
Werden zu betörenden Sirenen.

Ich, der Seher, schaute diese Dinge,


Ich allein, kein andrer hats gesehen,
Mir gegeben waren die Visionen.

Ich ging ringsumher und kam zur Ortschaft,


Da kein Ding war, waren keine Dinge.
Und da sah ich einen großen Horror,

Und ich schaute keinen Himmel oben,


Und ich schaute keine Länder unten,
Sondern eine öde grause Ortschaft.

Und dort sah ich sieben Himmelssterne


Angekettet dort mit Eisenketten
Und gestoßen in den tiefen Abgrund,
Großen Bergen gleich, im Feuer brennend.
Darauf sagte ich: Für welche Sünde
Sind sie hier gebunden und verstoßen?

Da sprach Uriel zu mir, der Engel,


Einer von den wundervollen Engeln,
Welcher bei mir war, der Engel Führer:

Seher! Warum fragst du und bekümmerst


Dich so sehr, die Wahrheit zu erfahren?
Dieses sind die Himmelssterne, welche

Die Befehle Gottes übertreten,


Und sie sind gebunden hier im Abgrund
Tausendmal zehntausend Sternenjahre,

Bis die Zeit der Sünde ist vollendet. -


Und ich ging von jenem Orte weiter,
Kam zu einer Stääte größern Horrors.

An der Stätte war ein großes Feuer,


Welches loderte und züngelnd flammte.
Und an jener Stätte war ein Einschnitt,

Und der Einschnitt reichte bis zum Abgrund,


Und der Abgrund war voll Feuersäulen,
Die hinab gefahren in die Tiefe.

Seine Länge, seine Breite konnte


Ich nicht messen, noch war ich imstande,
Höhe oder Tiefe zu ermitteln.

Und da sagte ich: Wie voller Horror


Ist der Ort, wie hässlich anzuschauen!
Und da gab mir Uriel die Antwort:

Warum fürchtest du dich und erschrickst so?


Ich gab Antwort: Wegen dieses Horrors,
Weil der Horror hässlich anzuschauen!

Da sprach Uriel zu mir die Worte:


Dies ist das Gefängnis für die Engel,
Wo sie alle Ewigkeit verbleiben.

Weiter ging ich, kam zu einem Orte,


Und der Engel zeigte mir im Westen
Ein Gebirge voller starrer Felsen.

Im Gebirge waren vier Gebiete,


Sich erstreckend in die Breite, Tiefe,
Drei von ihnen waren glatt und dunkel,
Ein Gebiet war hell, und eine Quelle
Dort befand sich auf des Platzes Mitte.
Und ich sprach: Wie glatt ist dieser Hohlraum,

Und wie tief und dunkel für den Anblick!


Und da sagte Raphael, der Engel:
Diese hohlen Räume sind berufen,

Dass sich hier die Totenseelen sammeln.


Dafür ist der hohle Raum geschaffen,
Dass sich alle Seelen hier versammeln.

Dieser Raum zum Aufenthalt bestimmt ist


Für die Toten bis zum Jüngsten Tage,
Bis zur sichern Frist des Weltgerichtes.

Und ich hörte einen Toten klagen,


Ohne Stimme klang herab die Klage.
Und ich sprach zu Raphael, dem Engel:

Wem gehört die Klagende, die Seele,


Wessen Stimme dringt zum Himmel klagend?
Antwort gab mir Raphael, der Engel:

Dieser Geist ists, der von Abel ausging,


Der erschlagen ward von seinem Bruder,
Abels Geist klagt über seinen Bruder,

Bis die Kinder seines Bruders alle


Sind hinweg getilgt von unsrer Erde,
Seines Bruders Kinder, Kindeskinder,

Sind verschwunden von der Mutter Erde.


Und ich fragte Raphael, den Engel,
In betreff der hohlen Räume, sprechend:

Warum ist hier einer von dem andern


Abgetrennt durch eine strenge Grenze?
Raphael, der Engel, gab mir Antwort:

Diese Räume sind gemacht, die Toten


Von einander abzutrennen. Teile
Sind gemacht den Geistern der Gerechten,

Da befindet sich die klarste Quelle.


Und ein andrer Raum ist für die Sünder,
Wenn sie sterben und begraben werden,

Ein Gericht ist dann schon eingetroffen.


Ihre Geister werden abgesondert
Für die Pein, bis zu dem Jüngsten Tage,
Tag der Strafen, der Verdammten Qualen,
Gott dort bindet sie für Ewigkeiten.
Ewig währt die Strafe der Verdammnis.

Hier sind auch für Klagende die Räume,


Welche ihren Untergang bekunden,
Die gemordet wurden von den Sündern.

Manche Räume sind so recht geschaffen


Für die Seelen, weder gut noch böse,
Weder ganz gerecht noch völlig sündig,

Ihre Seelen an dem Jüngsten Tage


Werden nicht erstehen zu dem Leben,
Doch auch nicht verdammt im Weltgerichte.

Als ich diese Engelsworte hörte,


Pries den Herrn der Herrlichkeit ich singend,
Sang der Herrlichkeit des großen Gottes.

Weiter ging ich, kam zum andern Orte


In der Richtung bis zum fernen Westen,
Bis zum Ende unsrer Mutter Erde.

Und ich sah ein helles Feuer lodern,


Rastlos lief es hin und her, im Laufe
Weder Tage noch auch Nächte ruhend.

Und da fragte ich, indem ich sagte:


Was ist dies, das keine Ruhe findret?
Da sprach Raguel, der schöne Engel:

Dieses ist das Öl des Feuers, kreisend,


Das du sahest in des Westens Richtung,
Das bewegt des Himmels Lichter alle.

Weiter ging ich zu dem andern Orte


Dieser Erde, und mir wies der Engel
Ein Gebirge ganz aus Feuerflammen,

In den Tagen und den Nächten brennend.


Ich ging jenseits dieses Feuerberges,
Und ich schaute sieben schöne Berge,

Jeder von den Bergen war verschieden,


Ferner wunderschöne Edelsteine,
Jeder herrlich und von schönem Aussehn,

Drei der Berge lagen gegen Osten,


Einer überm anderen befestigt,
Drei der Berge lagen gegen Süden,
Einer überm anderen befestigt,
Und dazwischen waren tiefe Schluchten,
Die sich wanden nieder wie Spiralen,

Keine aber grenzte an die andre.


Und der siebte Berg war zwischen diesen
Und war einem hohen Thronstuhl ähnlich,

Überragend alle andern Berge,


Ihn bedeckten düftereiche Bäume.
Unter ihnen sich befand ein Baumstamm,

Wie ich niemals einen Duft gerochen.


Keine andren Bäume waren gleich ihm.
Er verbreitet Duft und Wohlgerüche,

Seine Blätter, Blüten, Stamm und Äste


Welken niemals, aber seine Früchte
Sind wie süße Trauben einer Palme.

Und ich sprach: Wie schön ist dieser Baumstamm!


Und wie lieblich duftend seine Blüten!
Und wie schön die Früchte anzuschauen!

Da sprach Michael, der Engel Führer:


Was denn fragst du mich und was erstaunst du
Über diesen Baum und suchst die Wahrheit?

Da gab Antwort ich, indem ich sagte:


Über diesen will ich etwas wissen,
Ganz besonders über seine Trauben.

Michael gab Antwort mir und sagte:


Dieser hohe Berg, den du gesehen,
Dessen Gipfel gleicht dem Throne Gottes,
Ist der Thron, wo sitzt der Herr der Heere,

Wenn er kommen wird, um heimzusuchen


Mutter Erde und die guten Seelen.
Diesen düftereichen Baum mit Trauben

Wagt kein Menschenwesen anzurühren,


Bis zum Jüngsten Tage des Gerichtes,
Wenn er wird an allen Rache nehmen,

Die Vollendung kommt, dann wird der Baumstamm


Den gerechten Menschen übergeben,
Die sich immer übten in der Demut.

Seine Frucht wird dann den Auserwählten


Dienen als die süße Lebensspeise,
Speise in dem Hause ihres Gottes,
Dann erfreuen sich die Auserwählten,
Fröhlich gehn sie in den Tempel Gottes,
Und ihr Duft erfüllt dann ihre Glieder.

Und sie leben länger auf der Erde,


Als die Väter lebten auf der Erde,
Und sie werden keine Trübsal leiden,

Weder Traurigkeit, noch Schmerz und Sorgen. -


Und da pries ich hoch den Herrn der Heere,
Dass er das bereitet den Gerechten.

Und von hier ging ich zur Erden-Mitte,


Schaute eine benedeite Ortschaft,
Bäume waren dort mit langen Zweigen,

Die aus abgehaunem Baume trieben.


Und ich schaute einen Berg und unten
An dem Fuße dieses Berges Wasser,

Welches östlich floss und floss gen Süden.


Gegen Osten sah ich einen Berg auch,
Höher als den ersten Berg, und zwischen

Beiden eine tiefe Schlucht, die schmal war


Durch sie strömte unterhalb des Berges
Auch ein Wasser. Westlich war von diesem

Noch ein Berg, der niedriger als jener,


Zwischen ihnen eine Schlucht war trocken,
Eine trockne Schlucht war an dem Ende

Dreier Berge. Alle Schluchten in der Tiefe


Sind gebaut aus starren Felsgesteinen,
Doch kein Baum gepflanzt ist in den Schluchten.

Und ich wunderte mich über diese


Felsen, staunte über diese Schluchten
Und verwunderte mich sehr und staunte.

Wozu ist die benedeite Landschaft,


Die ganz voll von Bäumen ist, wozu sind
Diese tiefen Schluchten auch dazwischen?

Da sprach Uriel, der fromme Engel:


Die verfluchte Schlucht ist den Verfluchten
Vorbestimmt für alle Ewigkeiten,

Hier versammelt werden alle jene,


Die mit ihrem Mund gelästert haben,
Gegen Gott geführt die Lästerreden,
Die die Herrlichkeit verspottet haben.
Hier dann werden sie gesammelt, hier ist
Dann ihr Ort der Aufenthalts im Jenseits.

In den letzten Zeiten werden dann sie


Schauspiel eines heiligen Gerichtes,
Werden den Gerechten ewig dienen.

Und hier werden jene, die gefunden


Die Barmherzigkeit des Herrn der Heere,
Ihren schönen König ewig preisen.

In den Tagen des Gerichtes über


All die Sünder, werden die Gerechten
Preisen Gott den Herrn für sein Erbarmen,

Das er ihnen gnädig hat erwiesen. -


Und ich pries die Herrlichkeit des Gottes
Und vermehrte seinen Ruhm mit Lobpreis.

Und von hier ging ich in Richtung Osten,


Mitten ins Gebirge in der Wüste,
Schaute einer Steppe öde Gegend,

Die vereinsamt war und voll von Bäumen.


Aus den Samen in den Früchten tropfte
Wasser. Es erschien ein Fluss, der strömte

So nach Norden wie nach Westen, welcher


Trug von allen Seiten Tau und Wasser
In die Einsamkeit herbei der Steppe.

Und von dort ging ich zur nächsten Ortschaft


In der Wüste, pilgerte in Richtung
Osten, östlich von dem Felsgebirge.

Und ich schaute Bäume voll von Düften,


Duftend sie von Weihrauch und von Myrrhe,
Und die Bäume glichen Mandelbäumen.

Ich ging weiter Richtung Osten, schaute


Einen Platz und eine Schlucht voll Wasser,
Auf dem breiten Platz befand ein Baum sich,

Der war ähnlich einem Mastix-Würzbaum.


An den Seiten jener Täler sah ich
Einen Zimtbaum voll von Wohlgerüchen.

Und ich schaute Berge, oben Haine,


Bäume auch, von denen Nektar strömte,
Balsam und Galbanum strömten duftend.
Hinter jenen Bergen sah ich einen
Andern Berg am Ende dieser Erde
In dem fernen Osten und da standen

Aloegewächse, alle Bäume


Waren voll Galbanum, ähnlich Mandeln.
Diese Frucht, gerieben, duftet herrlich.

Und nach diesen Wohlgerüchen sah ich,


Als ich übern Berg nach Norden blickte,
Sieben Berge voll von Narde, Mastix,

Zimt und Pfeffer. Über jene Gipfel


Ging ich in der Erde fernen Osten,
Weiter übers Meer von Erythräa,

Kam nach Zotiel und in den Garten


Der Gerechtigkeit und schaute ferne
Jene großen Bäume, die dort wuchsen,

Voller Düfte, groß und schön und herrlich,


Und ich sah den grünen Baum der Weisheit,
Dessen Frucht die Heiligen gegessen,

Dass sie großer Weisheit kundig wurden.


Jener Baum glich in dem Wuchs der Fichte
Und sein Laub gleich dem Johannes-Brotbaum,

Seine Früchte wie des Weines Trauben,


Wahrlich sehr gut. Und der Duft des Baumes
Strömte weithin und erfüllte alles.

Und da sprach ich: Wie ist dieser Baum schön,


Wie ergötzt mich dieses Baumes Anblick! -
Und da sagte Raphael, der Engel:

Dieses ist der grüne Baum der Weisheit,


Von dem Baume aßen deine Eltern,
Deine greise Mutter und dein Vater,

Da erkannten sie die nackten Weisheit,


Taten ihre Augen auf der Wahrheit,
Sie erkannten, dass sie nackend waren,

Wurden aus dem Garten fort getrieben,


Und ein Cherub steht mit goldnem Schwerte
Vorm verschlossnen Tor zum Garten Eden. -

Und ich ging zum Ende dieser Erde,


Schaute große Tiere, sehr verschieden.
Vögel sah ich von verschiedner Schönheit
Und verschiedner Stimme, sehr verschieden.
Östlich von den Tieren aber sah ich
Dieser Erde Ende, drauf den Himmel,

Und des Himmels Tore waren offen.


Und ich sah die Sterne an dem Himmel,
Zählte alle Tore dort der Sterne,

Schrieb die Sterne auf nach Zahl und Namen,


Stellungen und Monaten und Zeiten
Und Verbindungen mit andern Sternen,

Wie mir Uriel es wies, der Engel.


Und der Engel zeigte da mir alles
Und er schrieb es auf für mich, die Namen

Aller Sterne und die Sterngesetze,


Die Verrichtungen der Sternengeister,
Jener intellektuellen Wesen.

Weiter ging ich in des Nordens Richtung


An den Enden dieser Erde, schaute
Große Wunder an der Erde Enden.

Drei der offnen Himmelstore sah ich


An dem Himmel, daraus kommt der Nordwind,
Weht der Nordwind, gibt es Schnee und Hagel,

Reif und Frost und Tau und kalten Regen.


Aus dem einen Himmelstore wehen

Sie zum Guten der Gerechten, aber


Kommen sie aus jenen andern Toren,
Dann aus Zorn, den Sündern zum Verderben.

Weiter ging ich in des Westens Richtung


An der Erde Enden, und ich schaute
Drei der offnen Tore wie im Osten.

Weiter ging ich in des Südens Richtung


An der Erde Enden, und ich schaute
Drei der offnen Himmelstore, daraus

Kommt der Südwind, Tau und Wind und Regen.


Weiter ging ich in des Ostens Richtung
An der Erde Enden, und ich schaute

Drei der Himmelstore offen stehen,


Über ihnen waren kleine Türen.
Durch die Türen gehen Himmelssterne,
Wandeln gegen Westen auf dem Wege,
Welcher ihnen wird gezeigt vom Engel
Und den Himmelsgeistern auf den Sternen.

Als ich dieses sah, da pries ich singend


Gott, den Herrn der Herrlichkeit, der Wunder
Schafft, um seiner Werke Macht zu zeigen

Himmlischen und Menschen dieser Erde,


Dass sie seine schöne Schöpfung preisen,
Dass sie sehn die Werke seiner Allmacht

Und das große Werk der Hände Gottes


Preisen laut in allen Ewigkeiten
Mit Gesang zur Freude ihres Schöpfers!

Schließlich ward mein Name aus dem Leben


Von der schwarzen Erde weggenommen
Und ich kam zum Menschensohn und Herren

Aller Geister. Auf des Geistes Wagen


Wurde ich erhoben, und mein Name
Ward vergessen bei den Menschenkindern.

Und von jenem Tag an ward ich nicht mehr


Zu der Welt gezählt und ihren Menschen,
Und ich kam in Gegenden des Himmels,

Zwischen Nord und West und wo die Engel


Ihre Schnüre nehmen zum Gebete,
Und sie maßen mich für jene Ortschaft

Der Gerechten und der Auserwählten.


Und ich sah die lieben Patriarchen
Und der Patriarchen hohe Frauen

Und die Heiligen und die Gerechten,


Die schon lange leben dort im Himmel,
Weil sie Gott dem Herrn gedient auf Erden.

Danach war mein Geist geheim verborgen


Und ich fuhr gen Himmel auf und schaute
Engelssöhne dort auf Feuerflammen,

Ihre Kleider waren weiß wie Seide


Und wie Schnee des Winters war ihr Antlitz.
Und ich sah zwei Feuerströme, leuchtend

War wie Hyazinth das Licht des Feuers,


Und da fiel ich auf mein Antlitz nieder
Vor dem Herrn der Geister. Und der Engel
Michael, der Fürst der Heeresscharen,
Nahm mich bei der rechten Hand, erhob mich,
Führte zum Geheimnis des Erbarmens,

Der Gerechtigkeit Geheimnis, zeigte


Die Mysterien des Himmels alle,
Die Gefäße aller Sternenlichter.

Da entrückte mich der Geist gen Himmel,


In den Himmel über allen Himmeln,
Ich sah in der Mitte jenes Lichtes

Einen Bau, errichtet aus Kristallen,


Zwischen den Kristallen Feuerzungen.
Und es sah mein Geist ein Feuer laufen

Um das Haus und an des Hauses Seiten


Feuerströme, glühende Seraphen,
Glühende Cheruben vor dem Hause,

Diese nimmer Schlafenden des Himmels,


Für das Haus der Herrlichkeit die Wächter.
Und ich schaute ungezählte Engel,

Tausende, Zehntausende von Engeln,


Gabriel und Raphael und Pnuel,
Und die Engelsheiligen des Himmels

Gehen aus und ein in jenem Hause


Dort der Herrlichkeit des Herrn der Heere.
Aus dem Hause Michael, der Engel,

Gabriel und Raphael und Pnuel


Sind gekommen, zahlenlose Engel.
Und mit ihnen kam der Hochbetagte

Und sein Haupt war weiß und rein wie Wolle


Und sein Kleid war unbeschreiblich herrlich.
Und da fiel ich nieder auf mein Antlitz,

Und mein ganzer Körper schmolz zusammen


Und verwandelt wurden Geist und Seele
Und ich schrie mit einer lauten Stimme

Mit dem Geist der Kraft und sprach den Segen,


Benedeite Gott den Allerhöchsten,
Sang ihm geistlich Oden, Hymnen, Psalmen.

Dieses Lobpreislied aus meinem Munde


Fand des Allerhöchsten Wohlgefallen.
Und das Haupt des Hochbetagten kam mit
Gabriel und Raphael und Pnuel
Und mit Michael, dem Engelsfürsten,
Und mit tausend mal zehntausend Engeln.

Und er kam zu mir und grüßte also:


Du, Geliebter, bist der Sohn des Menschen,
Der geboren ist zum Allerbarmen,

Die Barmherzigkeit wird auf dir ruhen,


Nicht verlässt dich je der Hochbetagte.
Gott ruft Frieden in dein Herz im Namen

Kommender Geschlechter und der Zukunft


Und des neuen Himmels auf der neuen
Erde, denn von dir geht aus der Friede

In die Schöpfung dieses Universums,


Also ists Äone um Äone.
Ewig leben wird der Sohn des Menschen,

Die Gerechten werden Frieden haben


Und auf einem graden Wege wandeln
In dem Namen ihres Herrn der Geister,

Alle Ewigkeiten. Ja und Amen.

ZWEITER GESANG

Er nun nahm mich mit und bracht mich dahin,


Wo befestigt ist der erste Himmel,
Wo ein Strom war, nicht zu überschreiten,

Auch nicht von dem allerfernsten Windhauch,


Keiner von den gottgeschaffnen Winden.
Und er nahm mich mit zum ersten Himmel,

Zeigte die gewaltig große Pforte.


Und er sprach zu mir: Lass uns durchs Tor gehn! -
Wie auf Flügeln sind wir eingetreten,

Dreißig Tagereisen weit die Strecke.


Und er zeigte innen mir im Himmel
Eine Ebene, da wohnten Menschen,

Deren Angesichter wie der Lämmer.


Und ich fragte also meinen Engel:
Künde mir, wie dick ist dieser Himmel,

Welchen wir durchwandern, und wie groß ist


Diese Ebene, damit ich drunten
Es dem Menschenvolk verkünden möge. -

Und der Engel sprach zu mir mit Namen


Penuel: Dies Tor, vor dem wir stehen,
Ist das Himmelstor, so weit vom Himmel

Bis zur schwarzen Erde ist sein Abstand,


Also dick ist auch der erste Himmel,
Wie vom Nord zum Süden ist der Abstand,

Ist die Größe dieser großen Ebne. -


Weiter sprach zu mir der starke Engel:
Größere Geheimnisse erfährst du. -

Und ich sagte: Zeige mir die Menschen. -


Und er sprach: Das sind die Turmerbauer
Babels, und der Herr hat sie vertrieben. -

Und der Engel nahm mich mit und brachte


In den zweiten Himmel mich und zeigte
Auch ein Tor mir dort, das wie das erste,

Und er sagte: Lass uns durch das Tor gehn! -


Wie auf Flügeln wir emporgehoben
Gingen sechzig Tagereisen Weges.

Da war eine Ebene voll Menschen,


Deren Aussehn aber glich den Hunden,
Und sie hatten Füße eines Hirsches.

Und da fragte ich den guten Engel:


Sag mir, was sind diese denn für Leute? -
Und er sprach: Ratgeber sinds des Turmbaus,

Diese trieben Männer an und Weiber,


Dass sie Ziegel streichen. Unter ihnen
War ein Weib, die musste Ziegel streichen,

Aber in der Stunde des Gebärens


Ward ihr nicht gestattet, weg zu gehen,
Ziegel streichend musste sie gebären,

Und sie trug ihr Kind in einem Leintuch,


Weiter Ziegel streichend. Da erschienen
Ist der Herr, verwirrte ihre Sprachen,

Als sie fast den Turm schon ganz errichtet


Hatten, dreimal hundert Ellen Höhe,
Und sie nahmen einen Bohrer, mühten

Sich, den ersten Himmel anzubohren,


Sprachen: Lasst uns sehen, ob der Himmel
Ist aus Ton, aus Kupfer oder Eisen.

Als dies Gott gesehen da erlaubte


Er es ihnen länger nicht, verwirrte
Ihre Sprachen, ihre Schuld bestrafend. -

Und ich sagte: Siehe, Herr, wie Großes


Und wie Wunderbares du mir zeigtest,
Zeige mir jetzt alles in den Himmeln. -

Und der Engel sprach: Lass uns durchs Tor gehn! -


Hundertneunzig Tagereisen weiter
Ging ich mit dem Engel in den Himmel.

Da war eine Ebne, eine Schlange,


Die von tauend Kilometer Länge,
Und der Engel zeigte mir den Hades,

Der war wirklich finster und abscheulich.


Und ich sprach: Was ist das eine Sprache
Und was ist das für ein Ungeheuer? -

Und der Engel sprach: Das ist der Drache,


Der die Leiber frisst der schlechten Menschen,
Und er nährt sich von dem Fleisch des Menschen.

Und das ist der Hades, der ihm gleich ist,


Der trinkt auch vom Meere eine Elle,
Ohne dass der Meeresspiegel abnimmt.

Denn dreihundert Ströme schuf der Schöpfer


Und noch sechzig, und es sind die ersten:
Alphias und Abyros und Grikos. -

(Fragment)