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Westfälische- Wilhelms- Universität und SciencesPo Lille

Erstgutachter: Prof. Dr. Bernd Schlipphak (Institut für Politikwissenschaften)


Zweitgutachter: Dr. Patrick Mardellat (SciencesPo Lille)

Transnationale MigrantInnen als ideale AkteurInnen in


der Konsolidierung der Europäischen Union
Abgabedatum: 2. Mai 2019

Calypso Citlali Hock


91 rue Philippe de Comines, F-59000 Lille
6. Semester
B.A. International and European Governance
hockcalypso@hotmail.com
Matrikelnr.: 449442
Gliederung

1. Einleitung S4
2. Stand der Literatur S7
2.1 Transnationalismus und die europäische Integration S7
2.2 Transnationalismus im Kontext des Kosmopolitismus S10
3. Theorie: Helds sieben Prinzipien über Kosmopolitismus S16
4. Forschungsdesign S18
4.1 Drei Dimensionen des individuellen Transnationalismus S18
4.2 Bildung als Voraussetzung für individuellen Transnationalismus S19
4.3 Kontraste zwischen Deutschland und Frankreich als Forschungskontexte S22
4.4 Logik der Argumentation S24
4.5 Operationalisierung S25
5. Ergebnisse der Analyse S26
5.1 Phänomenologische Analysen S26
5.1.1 Lethe S26
5.1.2 Kirke S30
5.1.3 Pontos S32
5.1.4 Medea S36
6. Auswertung der Analyse S40
6.1 Grenzen von Helds Theorie des Kosmopolitismus S40
6.2 Hindernisse bei der praktischen Vorgehensweise und der Methodik S41
7. Abschlussbetrachtung S43
8. Synthese auf Französisch S45
9. Bibliographie S68
10. Anhang S69
10.1 Fragenkataloge auf Deutsch und auf Französisch S69
10.1.1 Individueller Transnationalismus S69
10.1.2 Kosmopolitismus S70
10.2 Transkription der Interviews S75
10.2.1 Lethe S75
10.2.2 Kirke S83
10.2.3 Pontos S92
10.2.4 Medea S101

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Abstract

„ Woher kommst du?“

Das ist die Frage, die meine Motivation in Gang gesetzt hat diese Forschungsarbeit zu
realisieren. Da ich nie eine Antwort parat habe, außer eines banalen Witzes oder einer
Gegenfrage, bin ich zu dem Schluss gekommen, AutorInnen ausfindig machen zu wollen, die
sich wissenschaftlich mit diesem Dilemma auseinandersetzen, um neue Paradigmen
aufzustellen. Darunter fallen z.B. Transnationalismus, Heterarchie und die europäische
Integration. Dank dieser Arbeit, hoffe ich einen bescheidenen Beitrag zu leisten, der jene
Paradigmen unterstützt, weil sie in unserer globalisierten Welt immer präsenter werden. Die
Erkenntnis der menschlichen Interdependenzen über nationale Grenzen hinweg soll dazu
verhelfen über Vorurteile hinwegzukommen.

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1. Einleitung

Seit der Unterzeichnung des Gründungsvertrages der Europäischen Union (EU) in Maastricht
im Jahre 1992 besitzen alle Bürger der Mitgliedsstaaten der EU zusätzlich zu ihrer nationalen
Staatsbürgerschaft auch die Unionsbürgerschaft. Das ist nur ein Element unter vielen anderen,
das Vorteile für 512 Millionen Unionsbürger ermöglicht hat. Zu bemerken ist aber, dass die
meisten Elemente europäischer Integration von ökonomischer und instrumenteller Natur sind,
während die gesellschaftliche und soziale Ebene nicht genug berücksichtigt wird, sodass die,
spätestens seit der Finanzkrise von 2010 aufkommende Skepsis, gegenüber der EU aufgehoben
werden könnte (Kuhn 2015, 2/ Schneider 2011, 43f).

Nun mangelt es in der EU noch an einer europäischen Gesellschaft, die sich aber wegen der
Vielheit der europäischen Völker nicht durch ein traditionelles, nationalstaatliches Narrativ in
die Wege leiten lässt. Ulrich Beck hat dies bereits wenige Jahre nach der Entstehung der EU
festgestellt, denn er schreibt: „Die innere Homogenität ist wesentlich eine Kreation staatlicher
Kontrolle.“ (Beck 1997, 10). Er argumentiert, dass alle Arten sozialer Praktiken
nationalstaatlich genormt, sind d.h., dass der Staat als „Container“ territorialer Einheit und
sozialer Prozesse dient (Beck 1997, 10). Dieses Ordnungsschema ist in unserer globalisierten
Welt nicht immer haltbar und steht darüber hinaus der europäischen Integration auf der sozialen
Ebene im Wege. Deshalb ist Beck der Überzeugung, dass Überlegungen zu
Ordnungskategorien sich an transnationalen, sozialen Bewegungen, an Globalisierung „von
unten“ und an einem neuen Weltbürgertum orientieren sollten (Beck 1997, 11).

Andere und jüngere sozialwissenschaftliche Überlegungen wie zum Beispiel von Wolfgang
Streek, verfolgen einen gegensätzlichen Argumentationsstrang:

„I suggest that a shared Gedächtniskultur is impossible to install in a pluralist society in which all
groups can claim equal value for their particular experience and any attempt to impose an obligatory
common consciousness will be seen as authoritarian interference with personal liberty and dignity.”
(Streek 2017, 17).
Streek nimmt demnach eine gegensätzliche Stellung ein. Er betrachtet die Heterogenität der
Menschen Europas als Hindernis einer bottom-up Generierung und hält eine gemeinsame
europäische Gesellschaft für unmöglich. Das unterstreicht er indem er anmerkt, dass die
europäische, politische Klasse über "power instruments“ verfügen müsste, die den Bürgern
Europas eine europäische Gesellschaft überstülpen könnte. Das würde aber wegen der
eingesetzten Mittel einen Rückfall ins Frankreich des 19. Jahrhundert bedeuten (Streek 2017,
17).

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Um das zu vermeiden, schlägt Beck die Idee des „kosmopolitischen Europas“ vor. Zuerst muss
geklärt werden, was mit Kosmopolitismus gemeint ist, denn dieser Begriff wird in Verbindung
mit vielen Konzepten wie z.B. Universalismus, Multikulturalismus, Postnationalismus oder
auch Globalisierung verwendet (Beck 2007, 24). Er weist gleichzeitig eine uralte und eine
zukunftsweisende Bedeutung auf, denn er lässt sich bis zu den Stoikern der Antike
zurückverfolge. In Zeiten europäischer Umwälzungen taucht er u.a. mit Immanuel Kants
„Weltbürgertum“ wieder auf und wird heute z.B. von David Held als positiver Gegenbegriff
zur Ordnungsmacht des Marktes und des Nationalstaates wieder aufgegriffen (Beck 2007, 24f).
In dieser Arbeit wird Kosmopolitismus als die Wertschätzung von Differenz und
Andersartigkeit in Kombination mit neuen, demokratischen Herrschaftsformen, jenseits der
Nationalstaaten, verstanden (Vgl. Brennan 1997).

Es geht darum, die Anerkennung von Andersartigkeit mit der Idee europäischer Integration zu
verbinden (Beck 2007, 21) und zu zeigen, dass kosmopolitisches Denken auf allen Ebenen den
Rahmen dafür bieten kann. Da in dieser Arbeit versucht wird zu zeigen, dass die europäische
Integration in einer bottom-up Logik möglich ist, wird eine qualitative Analyse auf der
Mikroebene durchgeführt. Bei den Interviews wird individueller Kosmopolitismus der
Ausgangspunkt sein. Die Individuen, die im Mittelpunkt stehen werden, weisen noch weitere
Charakteristika auf: es handelt sich um transnationale MigrantInnen.

Da Migration als Prozess der dauerhaften Wohnsitzänderung so alt wie die Menschheit selbst
ist, d.h. dass die sedentäre Lebensweise und die subjektiven Zugehörigkeitserfahrungen zu
einem bestimmten geographischen und sozial-kulturellen Raum eine junge Erscheinung in der
Menschheitsgeschichte ist (Pries 2010a, 57), werden die Begriffe MigrantIn und Individuum
gleichgestellt verwendet. Der Fokus wird auf die Transnationalität gelegt, die von Pries im
weitesten Sinne als die Existenz von grenzüberschreitenden Arbeitsverhältnissen,
kommunikativen Netzwerken und sozialen Interaktionen beschrieben wird, die täglich in
unterschiedlichen sozialen Systemen praktiziert werden (Vgl. Pries 2005). Dies wird auch
durch spezifische Merkmale von transnationalen MigrantInnen untermauert, diese betreffen u.a.
den persönlichen und verwandtschaftsbedingten Hintergrund, die Lebensbedingungen in Bezug
auf den Wohnort und die Sprachgewandtheit (Kuhn 2012, 100).

Die Motivation und die daraus resultierende Relevanz für diese Arbeit rühren vom Willen her,
der wachsenden Euroskepsis Alternativen aufzuzeigen. Die immer auftauchende Frage „Woher
kommst du?“, die manchen das Gefühl des „verlorenen Einzelnen in der globalisierten
Welt“ gibt (Pries 2008, 38), wird durch diese Arbeit ihren Sinn verlieren. Wichtig ist Maus
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Feststellung, dass Kosmopolitismus und Transnationalität sich gegenseitig bedingen (Mau
2008, 2) und damit die Europäische Integration fördern könnten. Im Zentrum der europäischen
Integration auf der gesellschaftlichen Ebene, steht die Schaffung einer europäischen Identität
(Fligtsien 2010, 124). Das Hauptinteresse dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob transnationale
MigrantInnen durch ihre Erfahrungen einen wichtigen zivilgesellschaftlichen Beitrag im
Aufbau einer europäischen Identität leisten können. Deshalb wird folgender Forschungsfrage
nachgegangen:

Zu welchem Ausmaß weisen transnationale MigrantInnen kosmopolitische Einstellungen auf?

Um diese Forschungsfrage zu beantworten, werden in Deutschland und in Frankreich


qualitative Interviews durchgeführt. Diese beiden Nationalstaaten wurden ausgewählt, weil sie
sich im Kern Europas befinden und als die tragenden Pfeiler der EU wahrgenommen werden.
Trotzdem, ist die wechselseitige Beziehung zwischen diesen jeweiligen Nationalstaaten und
der EU, u.a. aus historischen und systemischen Gründen, unterschiedlich. Zum Beispiel stellt
Kuhn fest, dass das föderalistische System Deutschlands durchlässiger für die Entstehung
regionaler Identitäten ist, während im stark zentralisierten System Frankreichs, der nationale
Rahmen dominiert (Kuhn 2012, 99). Hinzu kommt, dass das öffentliche und nationalstaatlich
verfasste Schul- und Erziehungssystem die wichtigste gesellschaftliche Institution für die
Erzeugung des Wir-Gefühls ist (Pries 2008, 38) und deshalb die Identifikation mit der EU und
die daraus resultierende Integration beeinflussen kann. Da die Europäische Integration in dieser
Arbeit bottom-up untersucht wird, ist es relevant zu untersuchen, welches nationalstaatliche
System am ehesten Grenzen transzendieren kann und sich damit als fruchtbar für
Kosmopolitismus und Transnationalität erweist. Es gilt herauszufinden, ob die Erkenntnisse
über transnationale Individuen, die in dieser Arbeit zum Vorschein kommen werden, über
unterschiedliche Kontexte hinweg mehr Ähnlichkeiten oder Unterschiede aufweisen.

Vorab kann verraten werden, dass die interviewten transnationalen MigrantInnen im Ansatz
kosmopolitische Züge zeigten, die mit Helds Prinzipien zu vereinbaren sind. Im Ansatz, weil
die Menge an Interviews nicht ausreicht, um eine repräsentative Aussage zu treffen, sondern
v.a. ein Anreiz darstellt in diese Richtung weitere Forschung zu betreiben.

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2. Stand der Literatur
2.1 Transnationalismus und die europäische Integration
Bevor die relevanten Konzepte und der theoretische Rahmen ausformuliert werden können, ist
es notwendig, sich ein klares Bild über den Stand der Literatur zu verschaffen. Es gibt mehrere
Autoren, die sich mit Transnationalität im Allgemeinen auseinandergesetzt haben und auch
welche, die dieses Phänomen im europäischen Kontext erkennen und analysieren.
Einer der ersten ist Ludger Pries, der einen wichtigen Beitrag zur Transnationalismus-
Forschung geleistet hat. Er baut auf Kants „Weltbürgertum“ auf und führt ihn im
Transnationalismus fort, den er in den Kontext der Globalisierung setzt. Bei Pries stehen die
wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und politischen Beziehungen und Verflechtungen im
Mittelpunkt der Transnationalisierung der Welt (Pries 2008, 12). Er stimmt mit seinen
Ansichten z.T. mit Beck überein, weil er ebenfalls die Tage des Zeitalters der klassischen
Nationalgesellschaften als gezählt sieht (Pries 2008, 32). Das bedeutet aber nicht, dass
Nationalstaaten verschwinden werden, denn transnationale Beziehungen führen nicht zum
Verschmelzen kompletter Nationalgesellschaften. Es bedeutet nur, dass der Austausch
zwischen Akteuren und Akteursgruppen intensiver wird und sich dadurch neue transnationale
Sozialeinheiten entwickeln, die wiederum Veränderung u.a. für die alltägliche Lebenspraxis
und das Normen- und Wertesystem nach sich ziehen (Pries 2010a, 15). Pries stellt fest, dass
transnationale MigrantInnen vergleichsweise variable Identitäts- und Inkorporationsmuster
aufweisen, d.h. dass ihr Zugehörigkeitsmuster nicht eindeutig einem „Heimatland“ oder einem
„Zentrum“ zugeordnet werden (Pries 2010a, 65). Um es kurz zu fassen, Pries definiert
Transnationalismus folgendermaßen:
„Die sozial-kulturelle Identität und Selbsterfahrung ist von Mehrdeutigkeit und multiplen
Bezugsrahmen gekennzeichnet, Lebensstrategien basieren auf pluri-lokalen, mentalen Landkarten
transnationaler Räume.“ (Pries 2010a, 65).

Dieses Schema ließe sich für die Integration einer europäischen Gesellschaft anwenden, weil
transnationale MigrantInnen aufgrund ihrer Erfahrungen keine strenge Unterscheidung
zwischen Ankunfts- und Herkunftsland vornehmen, sondern ihre Zugehörigkeit beinahe
grenzenunabhängig konzipieren (Pries 2010a, 71).
Risses Erkenntnisse können an Pries‘ angeschlossen werden, weil sie ebenfalls über den
nationalen Rahmen hinaustritt und der Überzeugung ist, dass ein „sense of
community“ transnational entstehen kann, insbesondere im europäischen Kontext (Risse 2010,
5). Risse diagnostiziert auch nicht das Verschwinden der Nationalstaaten. Ihrer Ansicht nach
geschieht die Europäisierung durch die Entstehung einer grenzüberschreitenden, öffentlichen
Sphäre (Risse 2010, 108). Bei dieser europäischen öffentlichen Sphäre ist ausschlaggebend,
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dass alle Teilnehmer sich gegenseitig als legitime Teilnehmer von kommunikativen Räumen
anerkennen und nicht ausschließlich in ihrem eigenen nationalstaatlichen Rahmen denken
(Risse 2010, 121). Diese gegenseitige Anerkennung sieht Risse als Notwendigkeit für den
Aufbau einer kollektiven Identität auf europäischer Ebene an (Risse 2010, 120). Risses
Erkenntnisse laufen darauf hinaus, dass sich die transnationale, öffentliche Sphäre und das
Heranwachsen einer europäischen Identität gegenseitig bedingen (Risse 2010, 109).
Die Untersuchungen von Risse schaffen eine Überleitung zu Fligsteins Werk über die
europäische Identität. Er stellt fest, dass die Befürwortung des politischen Projekts Europas
nicht automatisch mit einer Identifizierung gegenüber der EU einhergeht (Fligstein 2010, 125).
Genau wie Beck, ist Fligstein der Annahme, dass eine europäische Zivilgesellschaft und
Solidaritätsgefühle nur bottom-up entstehen können und dafür das Bildungssystem,
Sozialisationsmöglichkeiten und politische Konflikte involviert sein müssen (Fligstein 2010,
126). Nach Fligstein sind mehrere Bausteine unabdingbar für eine kollektive Identität:
“commonly held meanings and values” und “face-to-face interaction with other members of the
group in order to come into existence and persist” (Fligstein 2010, 126). Er fügt hinzu, dass die
nationale und die europäische Identität sich ergänzen können und ineinander verwoben sein
können (Fligstein 2010, 128). Eine von Fligsteins Hypothesen lautet, dass die wirtschaftliche
Interdependenz letztendlich zu einer europäischen Identität führen wird, aus der politische
Mobilisierung nicht nur innerhalb der Mitgliedstaaten, sondern auch transnational entstehen
wird (Fligstein 2010, 135). Im Endeffekt entstünden transnationale, soziale Bewegungen, die
es dem Bürger ermöglichen würden, an der nationalen und an der föderalen Politik
teilzunehmen. Das würde letztendlich den „Brussels complex“ aufheben und der EU den Weg
zu einer föderalen Organisation ebnen (Fligstein 2010, 136).
Die jüngsten Untersuchungen über Transnationalität und der europäischen Identität wurden von
Theresa Kuhn durchgeführt. Sie beschreibt transnationale Individuen als Menschen, die
Verbindungen, Interaktionen und Mobilität grenzenüberschreitend eingehen (Kuhn 2015, 6).
Kuhn bezieht z.B. auch die individuelle Nutzung internationaler Medien in transnationale
Interaktionen mit ein (2015, 31). Danach weist sie darauf hin, dass die Verknüpfung zwischen
Transnationalismus und der europäischen Integration an vier Bedingungen geknüpft ist. Erstens
muss in Betracht gezogen werden, welche Akteure transnationale Interaktionen eingehen.
Zweitens ist wichtig zu erkennen, ob diese Interaktionen von sozialer oder von instrumenteller
Natur sind. Drittens muss beobachtet werden, ob diese Interaktionen bi-national, europäisch
oder über Europa hinaus reichen und viertens ist wichtig zu analysieren, welche Konsequenzen
transnationale Interaktionen für nicht-transnationale Individuen nach sich ziehen (2015, 8).

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Kuhn fand heraus, dass es keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen individuellem
Transnationalismus und der Befürwortung der europäischen Integration gibt, weil andere
Faktoren auch eine Rolle spielen. Ein Grund ist z.B. dass es nicht durch alle transnationalen
Interaktionen gelingt, die Unterstützung für die EU und für eine europäische Identität zu fördern.
Das Resultat transnationaler Interaktionen hängt stark von ihrem eigentlichen Ziel und Zweck
ab (2015, 40). Zudem stellt sie fest, dass die wachsende Transnationalität auch negative
Nebeneffekte mit sich bringen kann, weil nicht alle Teile der Gesellschaft in diesen Prozess
einbezogen sind (2015, 40). Wichtig ist auch Kuhns Unterscheidung zwischen sozialen und
instrumentellen Interaktionen auf der transnationalen Ebene. Die instrumentelle Dimension
beinhaltet Vorteile, die europäische Bürger aus reiner Verfügbarkeit, wie z.B. die gemeinsame
Währung, nach sich ziehen, während Kuhn erwartet, dass grenzüberschreitende, soziale
Interaktionen die europäischen Bürger zu kosmopolitischen Einstellungen leitet. Soziale
Interaktion unterliegen nicht einem Zweck, sondern passieren der Interaktion und der sozialen
Kontakte wegen und unterstützen auf diese Weise unbewusst eine kollektive europäische
Identität (2015, 55).
Die Resultate von Kuhns Analysen sind vielschichtig. Zum einen stellt sie fest, dass intensive
transnationale Interaktionen nur einen kleinen Teil der Gesellschaft betreffen (2015, 144), d.h.
dass transnational aktive Europäer „a small avant-garde of highly skilled young individuals
from predominantly rich member states“ sind. Im Umkehrschluss bedeutet es, dass die Mehrheit
der europäischen Bürger sich ausschließlich innerhalb der Grenzen des Zugehörigkeits-
Nationalstaates aufhalten (2015, 145). Des Weiteren spielt das Bildungsniveau eine wichtige
Rolle in der Entwicklung von individuellem Transnationalismus, worauf in der empirischen
Analyse der vorliegenden Arbeit besonders achtgegeben wird. Kuhn betont, dass Bürger, die in
einem wirtschaftlich starken Staat leben, eher die ökonomischen Voraussetzungen aufbringen,
um Auslandsaufenthalte zu finanzieren und daraus transnationale Interaktionen entstehen
können (2015, 145). Im Großen und Ganzen bekundet Kuhn einen starken Zusammenhang
zwischen individuellem Transnationalismus, einer positiven Einstellung der EU gegenüber und
einer europäischen Identität (2015, 144). Soziale Interaktionen haben „the power to instil a
European sense of identity” und transnationale Individuen neigen eher zu pro-europäischen
Einstellungen, weil sie auch am meisten davon profitieren und sie durch diese Interaktionen das
Konzept ihrer selbst ändern und schließlich die Barrieren zwischen verschiedenen Gruppen
abnehmen (2015, 146). Kuhn insistiert wie andere bisher aufgeführte Autoren, dass
Transnationalismus am effektivsten „bottom-up“ Auswirkungen haben kann (2015,15).

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In einem anderen relevanten Aufsatz geht Kuhn der Frage nach, ob kosmopolitisch eingestellte
Individuen ihre Ansichten auch in die Tat umsetzen und so ihre Ressourcen mit anderen
Europäern teilen (Kuhn 2018, 1760). Kuhn geht davon aus, dass das wichtigste „group
boundary“ im europäischen Kontext nach wie vor die Nation ist (2018, 1762). Sie hat also zum
einen verglichen, wie großzügig kosmopolitische Individuen sich gegenüber ihren nationalen
und europäischen Mitbürgern verhalten. Zum anderen hat sie untersucht, ob kosmopolitische
Individuen überhaupt eine Diskriminierung vornehmen oder beiden Gruppen gegenüber gleich
großzügig sind. Ihr Befund ist, dass Kosmopoliten keine Diskriminierung vornehmen, wenn es
um die Verteilung ihrer Ressourcen geht. Trotzdem, ist die Zugehörigkeit des Empfängers nicht
irrelevant, weil sie sich lokalen Empfängern gegenüber als großzügiger erweisen (2018, 1766).
Schließlich arbeitet Kuhn mehrere Kriterien heraus, die Kosmopolitismus ausmachen. Erstens
spielt die positive Einstellung gegenüber Migration eine wichtige Rolle. Zweitens ist die
Solidarität gegenüber Mitbürgern, was die Umverteilung von Ressourcen angeht,
ausschlaggebend und letztlich muss der Bildungsgrad bei der Entwicklung von
Kosmopolitismus berücksichtigt werden (2018, 1770).
Kuhns Auseinandersetzung mit Kosmopolitismus im Zusammenhang mit den anderen
Elementen dieser Arbeit und die Ergebnisse ihrer Analysen dienen somit als Überleitung zum
Stand der Literatur im Bereich Kosmopolitismus. Die Relevanz der im Folgenden
beschriebenen Erkenntnisse rührt daher, dass die Phänomene, die in dieser Arbeit untersucht
werden, aus der Perspektive des Kosmopolitismus angegangen werden.

2.2 Transnationalismus im Kontext des Kosmopolitismus


Die hauptsächliche Referenz in der modernen Forschung über Kosmopolitismus ist David Held,
weshalb wird in diesem Abschnitt besonders auf seine Erkenntnisse eingegangen wird. Diese
werden dann mit Forschungsergebnissen anderer Autoren, welche sich auch mit der EU-
Integration und Identität sowie Transnationalismus beschäftigt haben untermauert.
Helds Theorie des Kosmopolitismus hat ihren Ausgangspunkt in der Autonomie, d.h. der
Selbstbestimmtheit des Menschen, das als Herzstück des modernen, liberalen, demokratischen
Systems gilt. Das Prinzip der Autonomie ist zentral, weil dadurch die demokratische Regierung
in ihrer Macht beschränkt wird und die Bürger am demokratischen Prozess teilhaben ─ u.a.,
indem sie aus verschiedenen politischen Alternativen wählen können (Held 1995, 147ff). Held
bezieht sich in einem weiteren Schritt auf Kant als den ursprünglichen Theoretiker des
Kosmopolitismus und schließt sich der Idee eines kosmopolitischen Gesetzes an, das eine
notwendige Ergänzung zum ungeschriebenen „code of existing national and international law,

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and a means to transform the latter into a public law of humanity“ ist (Held 1995, 227). Held
beschreibt die kosmopolitische Einstellung als die gegenseitige Anerkennung und den Respekt
für die gleichwertigen und legitimen Lebenspläne oder Projekte anderer. Heutzutage ist es
wegen der globalen Interdependenzen unabdingbar, diese Einstellung nicht nur dem
unmittelbaren Nachbarort, sondern der gesamten Welt gegenüber an den Tag zu legen (Held
1995, 228).
Auf der Makroebene würde die Umsetzung der kosmopolitischen Einstellung bedeuten, dass
die Rechte und Pflichten nationaler Bürger mit dem kosmopolitischen Gesetz zusammenfließen
würden und die demokratische Bürgerschaft dadurch „a truly universal status“ einnehmen
könnte. Die Menschen würden über mehrere Bürgerschaften verfügen und könnten politische
Prozesse in ihrer unmittelbaren, aber auch regionalen und weltübergreifenden Gemeinschaft
mitbestimmen (Held 1995, 223/ Held 2000, 522). Die Souveränität würde vom
kosmopolitischen Gesetz abgleitet werden, das von einem übergreifenden Regelwerk von
Institutionen umgesetzt werden würde. Jeder Institution werden bestimmte Kompetenzen
zugeteilt, dadurch gäbe es mehrere autonome Entscheidungszentren, die u.a. Nationalstaaten,
aber auch andere Formen von Organisation sein könnten. Im Endeffekt wäre Souveränität nicht
mehr an festgelegte Grenzen und Territorien gebunden, sondern als "malleable time-space
cluster“ angesehen (Held 1995, 234/ Held 2000, 521).
McGrew definiert Kosmopolitismus mit ähnlichen Kriterien wie Held und verbindet es
zusätzlich mit Transnationalität. In seinen Augen strebt Kosmopolitismus nicht nach einer
Weltregierung, sondern nach einem globalen und unterteilten System von Autoritäten, d.h. ein
System in dem diverse, sich überlappende Machtzentren vom demokratischen Gesetz geformt
und in Zaum gehalten werden. Er beschreibt kosmopolitische Demokratie als ein „heterarchical
arrangement and not a hierarchy of political authority, from the local to the global“(McGrew
2000, 503). Dieses heterarchische System entsteht seiner Ansicht nach dadurch, dass
transnationale und territoriale Demokratie sich gegenseitig stärken und eben nicht
widersprechen. Damit schließt er sich Held an, weil er ebenfalls erkannt hat, dass
(kosmopolitische) Demokratie nicht einzig und allein durch den Zusammenhalt, den territoriale
Grenzen von Nationalstaaten bieten können, funktionieren kann. (Kosmopolitische)
Demokratie kann sich auch aus einem Netzwerk von demokratischen Assoziationen, Städten
und Nationen sowie Regionen und globalen Netzwerken zusammenstellen. Genau wie Held
stellt er auch das Prinzip der Autonomie ins Zentrum der Aktivitäten von Individuen und
Gemeinschaften, die ihren Beitrag zur Entwicklung des demokratischen, kosmopolitischen
Gesetzes u.a. bottom-up leisten (McGrew 2000, 503).

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Beide Autoren übertragen ihre Erkenntnisse auf den europäischen Kontext. Während Held eher
eine eurozentrische Perspektive annimmt, sieht McGrew Kosmopolitismus verstärkt im inter-
und transnationalen Kontext. Held siedelt die Entstehung moderner Staaten im Zentrum der
europäischen Geschichte an und schließt daraus, dass eine europäische Identität eng mit der
staatlichen Struktur Europas verbunden ist (Held 1995, 31). Er erkennt, dass die EU heutzutage
als supranational charakterisiert wird, weil „it is the only international organization by virtue of
its own right to make laws which can be imposed on member states” (Held 1995, 111). Das
bedeutet also, dass Kosmopolitismus nicht das Verschwinden der Nationalstaaten mit sich
bringt, sondern dass sie von weiteren Organisationen ergänzt werden, die nicht nur top-down
übergestülpt werden, sondern auch einen Nährboden zur Entstehung einer gemeinsamen
Identität bieten. McGrew sieht die Entstehung einer europäischen Gesellschaft etwas
nuancierter. Seiner Ansicht nach ist transnationale Demokratie, selbst innerhalb der EU, ein
Phänomen mit dem überwiegend die Elite in Kontakt tritt. Er stellt klar, dass es ohne eine
moralische Gemeinschaft hinter dem Staat auch keinen „true demos“ geben kann (McGrew
2000, 506).
McGrew flechtet Transnationalität in seine Forschung über Kosmopolitismus mit ein, aber mit
einer kritischen Note. Denn er merkt an, dass transnationale Demokratie, aus Sicht des
Realismus eine Utopie bleibt. Grund dafür ist, dass die staatliche Souveränität und die
internationale Anarchie zu große Hürden für die Entwicklung von Demokratie über Grenzen
hinweg darstellt, sodass sie von den geopolitischen Interessen der mächtigsten Akteure
instrumentalisiert wird (McGrew 2000, 507). Nichts desto trotz stellt McGrew fest, dass
Selbstbestimmung, Volkssouveränität, demokratische Legitimität und die legale Gleichstellung
von Staaten orthodoxe Prinzipien der internationalen Gesellschaft geworden sind. Um
grenzüberschreitende Konflikte zu lösen, haben Staaten jeweils ihre Macht und Autorität
kodifiziert und in diesem Prozess ein System von Regeln, Rechten und Verantwortungen
institutionalisiert. Die am weitreichendste Entwicklung dessen erkennt McGrew in der EU, die
in der Tat eine quasi-föderale Verfassung zu Tage gebracht hat. Dieser Prozess, d.h. die
Demokratisierung der internationalen Gesellschaft, scheint sich in der jüngeren Zeit als
Antwort auf die Globalisierung beschleunigt zu haben. In der Praxis bedeutet es, dass die
Aktivitäten der transnationalen Zivilgesellschaft und die sozialisierende Dynamik einer
wachsenden Gemeinschaft demokratischer Staaten an Bedeutung gewonnen haben (McGrew
2000, 509).
Norris schafft den Bogen von Kosmopolitismus zur europäischen Integration und besonders zu
einer möglichen europäischen Identität. Um den Aufbau seiner Argumentation

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nachzuvollziehen, muss das Zustandekommen von Identität dargelegt werden. Norris stellt
unmittelbar klar, dass das Konzept nationaler und kosmopolitischer Identität sehr komplex ist.
Seine Definition nationaler Identität lautet wie folgt:
„“national identity” is understood to mean the existence of communities with bonds of “blood
belonging” arising from sharing a common homeland, culture, myth and symbols, and historical
memories, economic resources, and legal political rights and duties” (Norris 2000, 289).
Er fügt hinzu, dass “Nationalismus” zivile Formen annehmen kann und schafft damit Parallelen
zu Kuhns „sozialen Interaktionen“, die in einem späteren Teil dieser Arbeit einfließen werden.
Mit zivilen Formen meint Norris, dass Menschen sich einem bestimmten Gebiet zugehörig
fühlen, basierend auf Staatsbürgerschaft und nationalstaatlichen Grenzen. Eine andere
Möglichkeit zur Schaffung nationaler Identität ist die Schaffung „ethnischer“ Gemeinschaften,
die auf Blutverwandtschaft, Religion oder Sprache beruhen. Die nationale Identität ist in der
Regel implizit und tritt nur an die Oberfläche, wenn es darum geht, sich vom „anderen“ zu
unterscheiden: "we know what we are by virtue of what we are not“ (Norris 2000, 289). In der
modernen Welt untermauert die nationale Identität den Staat und seine Institutionen und
verleiht ihm dadurch politische Autorität auf seinem Territorium. Nationalisten beschreibt
Norris also als Menschen, die sich stark mit ihrem Nationalstaat identifizieren und weder
internationalen noch multilateralen Institutionen Vertrauen schenken (Norris 2000, 289).
Im Gegensatz dazu beschreibt Norris auch die Merkmale einer kosmopolitischen Identität.
Kosmopoliten sind Menschen die sich in einen weiteren Kontext setzen und sich eher mit einem
Kontinent oder der gesamten Welt identifizieren. Als Folge haben sie ein größeres Vertrauen
in Institutionen globaler Governance. Von Kosmopoliten hat er das Bild, dass sie mühelos in
verschiedenen Ländern leben und arbeiten können, dass sie mit Auslandsreisen vertraut sind,
dass sie mehrere Sprachen fließend sprechen und, dass sie in internationale Netzwerke
eingebunden sind. Im Gegensatz zu McGrew sieht er diese Identität und diesen Lebensstil nicht
als ausschließlich der Elite zugänglich. Die Globalisierung ebnet den Weg für das Auftauchen
von Kosmopolitismus in der breiteren Mehrheit der Bevölkerung (Norris 2000, 289),
nichtdestotrotz sieht Norris ein, dass der Bildungsweg ein wichtiger Faktor in der Entstehung
einer kosmopolitischen Identität ist, d.h., dass ein höherer Bildungsgrad eher die Türen dazu
öffnet (Norris 2000, 294). Um erneut den Bogen zur EU zu schlagen, ist es wichtig
hinzuzufügen, dass die Identifikation der Öffentlichkeit mit der EU eher fluktuiert und, dass
ihre Intensität oft in Abhängigkeit von Ereignissen wie dem Vertrag von Maastricht und der
Einführung des Euros schwankt. Nach Norris ist kein Muster der stetig wachsenden
Identifikation mit der EU zu erkennen (Norris 2000, 288).

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Um Norris‘ Erkenntnisse zu bekräftigen, ist es relevant, Giddens‘ Typologie von Identität
einzufügen. Seine Definition von Identität lautet wie folgt:
„the concept of identity is used as a common denominator of patterns of life and activity, subjective
feelings and valuations of any population which possesses common experiences and one or more
shared cultural characteristics (usually customs, language or religion)” (Giddens 2000, 280)
Er fügt hinzu, dass diese Gefühle und Werte sich auf drei Komponenten beziehen. Erstens ist
ein Sinn für Kontinuität notwendig, welcher aus einer einheitlichen Bevölkerung aufgrund von
aufeinander folgenden Generationen mit geteilten Erfahrungen entsteht. Zweitens ist die
kollektive Erinnerung an bestimmte Ereignisse und Schlüsselpersonen von großer Bedeutung
für die Schaffung einer kollektiven Geschichte. Schließlich ist die Idee eines gemeinsamen
Schicksals von Bedeutung. Giddens setzt also den Akzent auf eine gemeinsame Geschichte als
identitätsstiftendes Moment. Dabei stellt er fest, dass diese Logik nur bedingt auf eine globale
oder kosmopolitische Kultur und Identität übertragen werden kann, denn : “there are no world
memories that can be used to unite humanity” (Giddens 2000, 280). Er ist also der Ansicht, dass
die Menschheit in ihrer Gesamtheit gedächtnislos ist (Giddens 2000, 280) und dass
Kosmopolitismus nicht zur Entfernung nationaler Kulturen führen wird (Giddens 2000, 285).
Ein weiterer Autor, der Transnationalität und Kosmopolitismus als sich gegenseitig bedingende
Phänomene analysiert hat, ist Steffen Mau. Seine Hypothese ist, dass transnationale
Interaktionen Europäer dazu verleiten, kosmopolitischer zu werden und sie dadurch eher die
europäische Integration befürworten würden:
„by interacting across borders, individuals are expected to become aware of international
interdependence, to approximate their behavior and beliefs and to lower intergroup boundaries”
(Mau/Mewes 2009, 8)
Er sieht Transnationalität, wie McGrew, als eine logische Konsequenz der Globalisierung. Wo
Grenzen vor kurzem noch Kommunikation unterbrochen haben, stellen sie heute kein Hindernis
mehr zur grenzüberschreitenden „interconnectedness“ dar. Genauer gesagt ist mit
Transnationalität gemeint, inwiefern Individuen in grenzüberschreitende Interaktionen und
Mobilität verwickelt sind. Mau grenzt Transnationalismus von Kosmopolitismus ab, weil er
Letzteres als eine bestimmte Weltanschauung charakterisiert. Diese Weltanschauung stattet
Menschen mit der Fähigkeit aus, zwischen verschiedenen Kulturen als Medium zu wirken, weil
sie erkannt haben, dass die „interconnectedness“ politischer Gemeinschaften und die daraus
wachsende supranationale und globale politische Verantwortung nicht mehr aufzuhalten sind
(Mau 2008, 2).
Folglich hat Mau die beiden leitenden Konzepte dieser Arbeit auf der Mikroebene angewandt,
um in Erfahrung zu bringen, ob sie sich in der Haltung und Einstellung von Individuen
widerspiegeln (Mau 2008, 2). Dabei beschreibt er Kosmopolitismus als die Neigung zu dem

14
Willen, sich mit anderen auseinanderzusetzen und bezieht sich dabei zusätzlich auf Held: „It
entails an intellectual and aesthetic openness towards divergent cultural experiences, a search
for contrasts rather than uniformity“ (Held 1996, 103 /Mau 2008, 4). Mau fügt hinzu, dass eine
kosmopolitische Haltung dazu führt, dass man andere unabhängig von ihrer Nationalität
betrachtet und lediglich aufgrund ihrer Integrität als Mensch wertschätzt. Ihre Weltanschauung
ist nicht durch nationale Entitäten strukturiert, sondern von dem Bewusstsein geprägt, dass wir
in einer Zeit wachsender ökonomischer, politischer und kultureller Interdependenzen leben, die
sie eher als Bereicherung und nicht als Bedrohung wahrnehmen (Mau 2008, 5).
Daraus resultiert, dass Kosmopoliten tendenziell Formen globaler Governance oder
supranationaler, politischer Regulierung unterstützen. Sie haben eine positive Einstellung
gegenüber der wachsenden Rolle internationaler Organisationen und ihrer Rechenschaftspflicht
im Anbetracht globaler Probleme. Hinzu kommt, dass ihr transnationaler Alltag sie stets an die
globalen Interdependenzen erinnert und sie dazu zwingt, außerhalb des nationalstaatlichen
Containers zu denken. Zusammenfassend ist Mau der Ansicht, dass Transnationalität als Nest
von Kosmopolitismus fungieren kann, aber nicht muss (Mau 2008, 5). Um das zu festigen,
bezieht er sich auf Díez-Medrano, der aufstellt, dass eine europäische Identität aus einer
kosmopolitischen Einstellung heranwachsen kann. Das bedeutet aber nicht, dass die
Verbreitung kosmopolitischer Werte mit einer verstärkten Europäisierung einhergeht (Mau
2008, 7/ Vgl. Díez Medrano und Gutiérrez 2001).Wenn Europäer miteinander interagieren,
sehen sie sich in erster Linie als Teil ihrer jeweiligen nationalen Gemeinschaft an und nicht als
„fellow europeans“ (Díez-Medrano 2008, 8).
Bisher wurden die allgemeine Relevanz dieser Arbeit, die dahinter stehende Motivation, und
die leitenden Definitionen und Konzepte durch den allgemeinen Stand der Literatur beschrieben.
Im Folgenden Abschnitt wird es um die konkrete Theorie und die verschiedenen Variablen, die
zur Ausführung der empirischen Analyse notwendig sind, gehen.

15
3. Theorie: Helds sieben Prinzipien über Kosmopolitismus
Im vorangehenden Abschnitt dieser Arbeit ist die Relevanz von David Held als zentraler Autor
über Kosmopolitismus deutlich geworden. Seine sieben Prinzipien (Held 2000, 515-520) über
Kosmopolitismus werden deshalb die leitende Referenz in der theoretischen Ausarbeitung sein
und den Leitfaden für die Aufstellung der Interviewfragen der empirischen Analyse bieten. Im
Folgenden werden diese sieben Prinzipien zusammengefasst beschrieben.
Die drei ersten Prinzipien haben einen konstituierenden Charakter, sie sind fundamentale
organisatorische Faktoren des kosmopolitischen moralen Universums (Held 2000, 520). Das
erste Prinzip „Equal worth and dignity“ legt fest, dass jeder Mensch der Welt einen
gleichwertigen moralischen Status hat, d.h. dass die Interessen aller Menschen gleich
berücksichtigt werden müssen. Allen Menschen steht ein individuelles Selbstbestimmungsrecht,
Freiheit und Gleichwertigkeit zu, unabhängig des Geburtsorts und der Art des Heranwachsens
(Held 2000, 515).
Das zweite Prinzip, „active agency“, bezeichnet die Fähigkeit des Menschen, anders zu handeln
d.h., dass sie die menschliche Gemeinschaft nicht nur hinnehmen, sondern sie aktiv mitgestalten
und dabei die Entscheidungen anderer miteinbeziehen. Menschliche Handlungen können nicht
als das simple Produkt zwanghafter Macht betrachtet werden, weil Menschen vollkommen
dazu fähig sind, "to reason self-consciously, to be self-reflective, and to be self-determining“.
Wichtig ist auch dass, „The active agency of each must recognize and coexist with the active
agency of all others” (Held 2000, 516).
Drittens spielt das Prinzip “Personal responsibility and accountability” auch eine Rolle im
kosmopolitischen Kanon. Damit ist gemeint, dass jeder Mensch eigene und unterschiedliche
Fähigkeiten und Talente entwickelt. Es bedeutet nicht nur, dass jeder die Möglichkeit haben
sollte, sich in diesen Fähigkeiten und Talenten zu spezialisieren, sondern auch, dass jeder
dadurch eine besondere Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen trägt. Grund dafür ist,
dass alle Handlungen Konsequenzen mit sich bringen und so die Selbstbestimmung anderer,
absichtlich aber auch im Konsens, einschränken können (Held 2000, 516).
Die zweite Säule der sieben Prinzipien beinhaltet Prinzip vier bis sechs. Diese Prinzipien
verleihen Legitimität und übersetzen individuelle oder privat determinierte Handlungen in den
breiteren, kollektiven Handlungsrahmen, der einem Regime unterliegt (Held 2000, 520). Im
vierten Prinzip geht es um Zustimmung, die nur eingeholt werden kann, wenn ein Engagement
ohne den Einsatz von zwanghaften Mitteln zustande kommt. Zustimmung wird nur geweckt,
wenn ein deliberativer Prozess dahinter steht, durch welchen die betroffenen Menschen ihre
„interconnections“, Interdependenzen und Unterschiede aushandeln konnten. Die Interessen

16
eines jeden Menschen müssen gleichwertig in die Mechanismen der Entscheidungsfindung
miteinbezogen werden. Das Prinzip der Zustimmung ist die Basis für eine kollektive
Vereinbarung und kollektive Governance, sodass die Entscheidungsfindung auf eine friedliche
Art und Weise ablaufen kann (Held 2000, 517).
Das fünfte Prinzip betitelt Held: „Reflexive deliberation and collective decision-making
through voting procedures” oder “Collective decisions should follow from “the will of all”.
Er präzisiert, dass Prinzip vier und fünf einer gemeinsamen Lektüre bedürfen. Prinzip fünf
besagt also, dass eine legitime öffentliche Entscheidung mehr bedarf als “the deliberation of
all”. Die vollständige Legitimation einer Entscheidung muss mit einem Wahlprozess verbunden
sein, das den Regeln der Mehrheit folgt. Der „Wille aller“ ist ein zu hoher Maßstab und könnte
zu Situationen führen, in denen eine Minderheit Lösungen für allgemeine Probleme blockieren
könnte. Held drückt diesen Zwiespalt mit dem Begriff Inklusivität aus, denn alle müssen am
Entscheidungsprozess teilnehmen können, aber nur solange das Wohl der Mehrheit gewahrt ist
(Held 2000, 517).
Beim sechsten Prinzip, „Inclusiveness and subsidiarity” geht es gleichzeitig um die
Zentralisation und um die Dezentralisation politischer Macht. Wenn Entscheidungsprozesse
dezentralisiert sind, dann vergrößert sich der Radius der teilnehmenden Personen an der
Mitgestaltung der sozialen Lebensumstände. Wenn eine Entscheidung trans-lokale, -nationale
oder -regionale Auswirkungen hat, dann ist es außerordentlich wichtig, politische Institutionen
zu schaffen, die in einem sehr weiten Rahmen arbeiten können. Die Schaffung von Governance-
Strukturen mit bestehend aus mehreren Ebenen wird unvermeidbar, um einen demokratischen
Ablauf umsetzen zu können. Held unterstreicht also, dass Entscheidungsprozesse so stark wie
möglich dezentralisiert sein müssen, sodass die Einflussmöglichkeiten der einzelnen Personen
in die Entscheidungsprozesse so weitreichend wie möglich sein können. Zentralisation sollte
nur dann in Betracht gezogen werden wenn, bei einem Entscheidungsprozess die
Hauptbetroffenen marginalisiert werden würden (Held 2000, 517).
Das siebte Prinzip „Avoidance of serious harm and the amelioration of urgent need” schafft ein
Minimum an Hierarchie, weil es um die Setzung von Prioritäten geht. Alle anderen Prinzipien
können nur eingehalten werden, wenn das Minimum an vitalen Voraussetzungen gegeben ist.
Dabei werden die fragilsten Bevölkerungsgruppen als primärer Anhaltspunkt genommen.
Prinzip sieben stellt somit das Fundament für alle anderen Prinzipien dar (Held 2000, 519).
Schließlich bezieht sich Held auf Habermas, weil er darauf hinweist, dass seine sieben
Prinzipien von der Erkenntnis ausgehen, dass Lebensformen v.a. dem Maßstab der Pluralität
folgen (Held 2000, 520 / Vgl. Habermas 1996).

17
4. Forschungsdesign
In diesem Abschnitt werden nun die Variablen und Kriterien vorgestellt, die den Rahmen für
die empirische Analyse bieten werden. Dabei wird der Bezug zu Autoren hergestellt, die in
diesem Feld bereits ähnlichen Forschungsfragen nachgegangen sind und so Anhaltspunkte für
die Zusammenstellung des Forschungsdesigns bieten. Danach werden der
Argumentationsstrang und die daraus resultierende Hypothese dargestellt. Schließlich werden
die Interviewfragen vom Theorieteil abgeleitet und im Fragenkatalog (Anhang) aufgelistet.

4.1 Drei Dimensionen des individuellen Transnationalismus


Um relevante Interviews durchführen zu können, ist es unabdingbar, Menschen zu finden die
bestimmte Kriterien erfüllen. Dafür wird u.a. Kuhns Aufsatz hinzugezogen, in dem sie
transnationale Interaktionen von Menschen untersucht, die an der deutschen und an der
französischen Grenze leben. Darin beschreibt sie drei Dimensionen, die individuellen
Transnationalismus ausmachen (Kuhn 2015, 31). Aber zuerst ist es wichtig Kuhns
Unterscheidung zwischen instrumentellen und sozialen Interaktionen einzuführen, weil es in
dieser Arbeit v.a. um Letzteres geht und weil dadurch ein Bezug zu Norris‘ Forschung, die im
Stand der Literatur vorgestellt wurde, geschaffen wird. Instrumentelle Interaktionen werden
durch die Aussicht auf materielle Bereicherung motiviert. Sie betreffen v.a. Interaktionen in der
transnationalen Wirtschaftswelt wie z.B. ausländische Direktinvestitionen oder internationalen
Handel. Soziale Interaktionen sind nicht zweckorientiert sondern werden wegen der sozialen
Interaktion selbst durchgeführt. Damit ist gemeint, dass das Schließen von Freundschaften und
das Sozialisieren im Allgemeinen keinem höheren Ziel unterliegt, sondern sich selbst genügt
(Kuhn 2015, 32).
Zurück zu den drei Dimensionen: erstens weisen transnationale Individuen bestimmte
Merkmale auf, was ihren „background“ bzw. Werdegang angeht. Sie besitzen entweder eine
doppelte Staatsbürgerschaft oder sie sind nicht im Wohnortsland geboren (Kuhn 2015, 31). In
einem anderen Aufsatz fügt Kuhn hinzu, dass zum transnationalen Hintergrund eine heterogene
Verwandtschaft gehört, d.h. dass die Eltern z.B. eine andere Staatsangehörigkeit besitzen und
eine andere Sprache sprechen, die sie ihren Kindern weitergegeben haben (Kuhn 2012, 100).
Diese Merkmale beziehen sich v.a. auf die wachsende, heterogene Gruppe (intra-europäischer)
MigrantInnen (Kuhn 2012, 101).
Zweitens können transnationale Praktiken oder Handlungen an transnationalen Individuen
beobachtet werden. Diese Praktiken zeichnen sich durch ein aktives Engagement und Kontakt
mit Menschen einer anderen nationalstaatlichen Zugehörigkeit aus, z.B. durch kurz- oder

18
langfristige Besuche im Ausland und durch internationale Interaktionen (Kuhn 2015, 31).
Weitere transnationale Aktivitäten sind das Sozialisieren mit Menschen, die einem anderen EU-
Mitgliedsstaat angehören und Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt für drei Monate oder
mehr in ein anderes Land verlagert haben (Kuhn 2012, 101).
Drittens verfügen transnationale Individuen über ein bestimmtes Humankapital, das ihnen
ermöglicht, transnationale Interaktionen durchzuführen und über nationale Grenzen hinweg
mobil zu sein. Das bedeutet, dass transnationale Individuen ihre vielfältigen Sprach- kenntnisse
und -fähigkeiten regelmäßig einsetzen, z.B. auch durch das Nutzen fremdsprachiger Medien.
Das Verhalten, das aus diesen drei Dimensionen resultiert, führt Kuhn zu der Annahme, dass
transnationale Individuen eine kognitive Offenheit für Transnationalismus, für Akteure anderer
Staatsangehörigkeiten und für transnationale Akteure und Phänomene an den Tag legen (Kuhn
2015, 31/ 2012, 101).
Diese drei Dimensionen sind nur der erste Baustein für das Forschungsdesign. Zu betonen ist,
dass individueller Transnationalismus, trotz der Erfüllung der drei Dimensionen, nicht
unbedingt gegeben ist. Kuhn merkt an, dass vier weitere Faktoren einen großen Einfluss auf die
Praktiken von potentiellen, transnationalen Individuen haben können: sozio-ökonomische
Unterschiede, das Alter, die Urbanisierung und die unmittelbare Nähe zu einer intra-
europäischen Grenze (Kuhn 2015, 83). Jedoch können nicht all diese Faktoren im Rahmen
dieser Arbeit miteinbezogen werden. Deshalb werden die folgenden Abschnitte dazu dienen,
den Aufbau des Forschungsdesigns nur mit den für den Argumentationsstrang relevanten
Faktoren zu vervollständigen.

4.2 Bildung als Voraussetzung für individuellen Transnationalismus


Ein wichtiger Indikator für individuellen Transnationalismus ist der sozio-ökonomische Status,
der aus drei Komponenten besteht: der Bildungsweg, der Beruf und das Einkommen (Kuhn
2015, 83). Da in dieser Arbeit eine qualitative Analyse durchgeführt wird und ein bestimmter
Umfang eingehalten werden muss, wird der Fokus auf dem Bildungsweg liegen. Außerdem ist
Bildung das erste Kettenglied, an das sich die anderen Komponenten anschließen. Kuhn führt
zudem drei Gründe auf, warum Bildung eine wichtige Rolle in Bezug auf individuellen
Transnationalismus spielt. Erstens, je höher der Bildungsabschluss, desto vielfältiger gestalten
sich auch individuellen Möglichkeiten, wie z.B. die Teilnahme an Bildungsprogrammen der
EU-Kommission. Zweitens resultiert aus einem hohen Bildungsabschluss ein größeres
Spektrum an Fähigkeiten und schließlich entspringen daraus mehr Ressourcen, transnational
aktiv zu werden (Kuhn 2015, 83).

19
Diejenigen, die individuellen Transnationalismus tatsächlich leben, gehören meistens der Elite
an (Kuhn 2015, 83/Vgl. Favell 2008/ Fligstein 2010) und machen nur einen sehr kleinen Teil
der Bevölkerung aus, der mit dem ansteigenden Wohlstand eines Nationalstaaten größer ist
(Kuhn 2015, 105f). Favell bezeichnet diese Individuen als „eurostars“ und gesteht ihnen ein,
dass sie einen wahrhaftigen, europäischen Lifestyle angenommen und nationale Grenzen
überwunden haben (Vgl. Favell 2008). Im Gegensatz dazu bleibt das Leben vieler anderer
Menschen von der europäischen Integration unberührt und sie handeln nur selten auf einer
transnationalen Ebene (Kuhn 2015, 82), u.a. weil grenzenüberschreitende Handlungen oft mit
dem Beruf zusammenhängen (Kuhn 2015, 84) und tendenziell „a small avant-garde of highly
skilled young individuals“ betrifft (Kuhn 2015, 145).
Kuhn schlussfolgert, dass nur eine kleine, privilegierte und wohlhabende Elite von
wohlhabenden Nationalstaaten individuellen Transnationalismus intensiv leben, während der
Rest der europäischen Bevölkerung hauptsächlich innerhalb der nationalen Grenzen denkt und
lebt (Kuhn 2015, 105). Ihre allgemeine Erkenntnis lautet, dass Transnationalismus zu einer
europhilen Einstellung führt, während lokal verwurzelte Menschen eher euroskeptisch sind. Sie
erkennt also einen Zusammenhang zwischen dem Grad an individuellem Transnationalismus
und der Identifikation mit der EU (Kuhn 2015, 144). Kuhns Forschung bietet also wichtige
Argumente für die Schlüsselrolle von Bildung (Kuhn 2014, 145), welche auch von weiteren
Autoren erkannt wird.
Fligstein trägt mit seinem Werk auch dazu bei, Bildung als wichtige Voraussetzung für die
Schaffung einer europäischen Identität zu sehen. Zuerst stellt er, ähnlich wie Kuhn, fest, dass
junge Menschen, die soziale Interaktionen auf internationaler Ebene erleben, eher dazu neigen,
ihre nationale Identität zu hinterfragen als ältere Menschen ohne akademische Ausbildung
(Fligstein 2010, 123). Genauer gesagt unterscheidet er zwischen „blue-collar
workers“ (Fligstein 2010, 123) und „white-collar-workers“ (Fligstein 2010, 126).
Er beschreibt Europäer als Menschen, die eine Vorliebe fürs Reisen, Sprachen und
Interaktionen mit Menschen anderer Gesellschaften haben. Sie machen auch einen großen Teil
der europäischen Bürger aus, die am meisten von den materiellen Vorteilen, die die EU bietet,
profitieren und üben oft Berufe aus, die mit der wirtschaftlichen Integration einhergehen, wie
z.B. Geschäftsführer, Manager, Regierungsmitglieder und Wissenschaftler also sogenannte
„white-collar-workers“ (Fligstein 2010, 126 und 178). Diese Beobachtung ist vergleichbar mit
Kuhns Unterscheidung zwischen instrumentellen und sozialen Interaktionen, die im Stand der
Literatur näher beschrieben wurde (Vgl. Kuhn 2015). Filgstein weitet seine Einteilung noch auf

20
(Erasmus-)Studierende, junge Menschen und Menschen, die langjährige Beziehungen mit
einem Bürger eines anderen EU-Mitgliedstaates eingehen, aus (Fligstein 2010, 126 und 181).
Im Gegensatz dazu sind „blue-collar-workers“ eher im Service-Sektor tätig, sie sind im
Durchschnitt älter, haben noch Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg und sind tendenziell
euroskeptisch. „Blue-collar-workers“ hegen durch ihr geringeres Einkommen und ihren
Bildungsweg ein geringeres Interesse für die kulturelle Vielfalt Europas. Fligstein ist, wie
andere hier aufgeführte Autoren, der Ansicht, dass Solidaritätsgefühle nicht top-down
durchgesetzt werden können, sondern sich bottom-up, durch Prozesse, die Bildung,
Sozialisation, politische Konflikte und soziale Interaktionen umfassen, entwickeln können
(Fligstein 2010, 127). Dabei sind Bildung, Multilingualismus und soziale Interaktionen der
einflussreichste Faktor für die Generierung einer europäischen Identität (Fligstein 2010, 166).
Fligsteins Fazit ist, dass gebildete Bürger sich toleranter gegenüber Vielfalt verhalten und ihre
Ideale, wie z.B. Demokratie und Kants aufgeklärtes Europa der wahrhaftige moralische Motor
der EU seien (Fligstein 2010, 178).
Ähnlich wie Fligstein machen Ettore Recchi, Adrian Favell und Thomas Risse auch eine
Unterscheidung zwischen “movers” und “stayers” (Risse 2010, 48/ Recchi und Favell 2009, 3).
„Movers“ identifizieren sich zu einer viel höheren Wahrscheinlichkeit mit der EU während
„stayers“ eher an ihr Heimatland gebunden sind (Risse 2010, 48). Risse beobachtet, dass die
EU für „eurostars“ besonders greifbar ist, während der Durchschnittsbürger eher von den EU-
skeptischen Darstellungen der Medien geblendet sein könnte, weil manche Sender
nationalstaatliches Versagen auf Brüssel schieben. Noch dazu gibt es keinen gemeinsamen
Roman über die europäische Geschichte, der den europäischen „sense of community“ stärken
könnte. Weitere Gegebenheiten, die Euroskepsis hervorrufen können, sind: die europäischen
Erweiterungen, die fluktuierende Grenzen verursachen, der Schengenraum, der nicht mit den
EU-Mitgliedstaaten übereinstimmt und die Tatsache, dass nicht alle Mitgliedsstaaten den Euro
eingeführt haben (Risse 2010, 56). „Movers“ werden von Recchi und Favell, durch ihre
Erfahrungen als Menschen eingestuft, die eher eine kosmopolitische Einstellung an den Tag
legen (Recchi und Favell 2009, 3).
Da Transnationalismus kein „mainstream“ Phänomen in Europa ist, sondern sehr stark von den
Möglichkeiten und Ressourcen des Einzelnen abhängt (Kuhn 2015, 79), bleibt es eher die
Ausnahme, seinen Lebensmittelpunkt in ein anderes Land zu verlagern. Daraus schließt Kuhn,
dass die EU noch weit davon entfernt ist, auf der sozialen Ebene eine integrierte Sphäre zu
bilden. Auch wenn politische und ökonomische Hindernisse nationalen Charakters weitgehend
der Vergangenheit angehören, bleiben die Grenzen der nationalen Gesellschaften der EU in den

21
individuellen Weltanschauungen bestehen (Kuhn 2015, 80). Ein weiterer Bestandteil des
Forschungsdesigns ist die Wahl des deutschen und des französischen nationalen Kontextes. Im
folgenden Abschnitt wird beleuchtet, warum diese beiden nationalstaatlichen Kontexte
ausgewählt wurden. Ein Anliegen dieser Arbeit ist es auch, einen Vergleich zwischen
Deutschland und Frankreich herzustellen, um herauszufinden, welcher Kontext am ehesten in
der Lage ist, die genannten Hindernisse auf der sozialen Ebene zu überwinden und ein
durchlässigere Gesellschaft v.a. in punkto Kosmopolitismus aufzuweisen.

4.3 Die Kontraste zwischen Deutschland und Frankreich als Kontexte

Für ein vollständiges Forschungsdesign und eine aufschlussreiche empirische Analyse ist die
Auswahl und Beschreibung des Kontextes notwendig. Um die Auswahl von Deutschland und
Frankreich zu begründen wird erneut Kuhn herangezogen, weil sie diese beiden Nationalstaaten
unter verschiedenen Aspekten im europäischen Kontext untersucht hat. Sie beschreibt drei
Gründe warum diese beiden nationalen Kontexte relevant für Analysen über Europa sind und
bringt auch einige Unterschiede ans Tageslicht, die durch ihre Kontrastierung zu neuen
Erkenntnissen führen können.
Als erstes weist Kuhn auf die unterschiedliche geographische Größe der beiden Nationalstaaten
hin, die einen Einfluss auf die jeweilige Unterscheidung in Deutschland und Frankreich
zwischen Grenzregionen und zentralen Regionen verursacht. Zweitens grenzen beide EU-
Mitgliedstaaten an eine Vielfalt von anderen Mitgliedsstaaten (Kuhn 2012, 99). Am
aussagekräftigsten ist der dritte Grund: die vertikale Strukturierung von Macht gestaltet sich in
beiden Nationalstaaten sehr unterschiedlich. Diese Kluft kann sehr große Auswirkungen auf
das Entwicklungspotential subnationaler Identitäten und die Beziehungen zwischen Zentrum
und Peripherie haben (Kuhn 2012, 99 /Vgl. Rokkan 2000). Im föderalistischen Deutschland
können sich regionale Identitäten leichter entfalten als im hochzentralisierten Frankreich, in
dem der nationale Rahmen dominiert (Kuhn 2009, 99).
Brubaker hat sich mit der Konzeption von Nation und Bürgerschaft in Deutschland und in
Frankreich auseinandergesetzt. Er hat herausgefunden, dass Frankreich eine universalistische
Konzeption vertritt, basierend auf der Idee, dass alle Mitglieder der Gesellschaft Teil des
Staates sind. Dieses Konzept fand seinen Ursprung in der französischen Revolution als
Widerspruch zum feudalen System. Der Staat hat sich zur Hauptaufgabe gemacht, die Rechte
seiner Bürger zu schützen und dabei auch die Kirche und den Staat streng voneinander getrennt
zu halten (Fligstein 2010, 133/ Vgl. Brubaker 1992). Im Gegenzug erwartet der französische
Staat, dass alle Bürger sich den “französischen“ Werten und der „französischen“ Moral
22
assimilieren. Paradoxerweise fand sich der französische Staat in der Position wieder,
Unterschiede zwischen Gruppen zu unterdrücken und sicher zu stellen, dass alle Bürger
„französisch“ sozialisiert werden. Brubaker schließt daraus, dass der moderne französische
Staat mit seinem universalistischen Anspruch keinen Platz für Multikulturalismus lässt. Im
Gegensatz dazu, hängt die deutsche Konzeption des „Volkes“ von
Verwandtschaftsbeziehungen ab. Die Entstehung des deutschen „Volkes“ führt auf den Mythos
der gemeinsamen Sprache und Vorfahren zurück. Die wichtigste Voraussetzung, um die
deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten, ist, von einem deutschen Vorfahren abzustammen
(Fligstein 2010, 134/ Vgl. Brubaker 1992).
Risse liefert ebenfalls einige Argumente, die die Wahl von Deutschland und Frankreich für die
empirische Analyse untermauern. Was Deutschland betrifft, ist es wichtig anzumerken, dass
sich das Land nach dem zweiten Weltkrieg eine neue nationale Identität aufbauen musste und
konnte (Risse 2010, 65). Dabei diente das Diktum von Thomas Mann als Orientierung: “We do
not want a German Europe, but a European Germany”. Deutschland hat sich nach dem zweiten
Weltkrieg auf den Säulen des Christentums, der Demokratie und der sozialen Marktwirtschaft
aufgebaut und damit die Schaffung einer Basis für eine kollektive europäische Identität im Sinn
gehabt. Im Mittelpunkt steht auch der föderalistische Konsens, der sich in der angestrebten
europäischen Integration wiederfindet (Risse 2010, 66).
Des Weiteren legt Risse mehrere Argumente vor, warum die europäische Identität in
Deutschland leichter Anklang findet als in Frankreich. Zum Beispiel schaffte es der ehemalige
Bundeskanzler Kohl, mit dem Argument der europäischen Integration, die öffentliche Meinung
zu kippen, als es darum ging die D-Mark aufzugeben (Risse 2010, 68). Europa in das deutsche
Narrativ einzubauen hat sich als deutlich hürdenloser herausgestellt, als die französische
Identität zu europäisieren. Frankreich beansprucht die Geburtsstätte von Menschenrechten,
Demokratie und Republikanismus für sich und hat diese Ansicht in der nationalen Identität
verankert. Republikanismus, Modernität und Säkularismus sind tief im nationalstaatlichen
Konzept verwurzelt und schaffen keine Brücke zu Europa (Risse 2010, 71).
Bereits De Gaulle machte es durch seine Idee des französischen Exzeptionalismus und
Einzigartigkeit schwierig, das französische Selbstverständnis mit Europa zu vereinbaren und
Europa in die nationale Identität zu integrieren (Risse 2010, 73). Erst als Mitterands
demokratischer Sozialismus in Frankreich scheiterte und Frankreich in eine tiefe Identitätskrise
stürzte, begann die Sozialistische Partei die gemeinsame europäische Geschichte und das
gemeinsame Kulturerbe anzuerkennen: “France is our fatherland, Europe is our future” (Risse
2010, 74). Die europäische Identität Frankreichs wurde nicht im Kontrast zur Vergangenheit

23
geschaffen, sondern als Erweiterung ebendieser (Risse 2010, 75). Während der deutsche
Föderalismus sich eher im Einklang mit dem politischen Projekt Europas befindet, ist die
französische Identität zwischen zwei konkurrierende Visionen gefangen: eine modernes Europa
nach der Devise “Republican France writ large” und einer nationalistischen Festung Europas,
die Multikulturalismus und die Globalisierung der Wirtschaft und der Kultur ablehnt (Risse
2010, 76). In diesem Abschnitt wurden einige Unterschiede zwischen Deutschland und
Frankreich offengelegt, die zu relevanten Erkenntnissen über eine mögliche kosmopolitische
Haltung transnationaler Individuen in diesen jeweiligen Kontexten betreffend einer
europäischen Identität führen können. Nun wurden alle wichtigen Bestandteile des
Forschungsdesigns umfangreich dargestellt. Danach wird die Logik des Argumentationsstrangs
ausformuliert, die die Forschungsfrage illustrieren und den Leitfaden der empirischen Analyse
liefern wird.

4.4. Logik der Argumentation


In diesem Abschnitt wird es darum gehen die Logik, der im Argumentationsstrang dieser Arbeit
nachgegangen wird, zu synthetisieren. Zur Erinnerung lautet die Forschungsfrage
folgendermaßen: Zu welchem Ausmaß weisen transnationale MigrantInnen kosmopolitische
Einstellungen auf? Daraus leitet sich folgende Hypothese und damit auch die vorläufige
Antwort ab: Transnationale MigrantInnen weisen einen hohen Grad an kosmopolitischen
Einstellungen auf.
Der Kausalmechanismus. der an der Wurzel der allgemeinen Reflexion dieser Arbeit liegt und
ihre Umsetzung dann auch in Gang gebracht hat, geht davon aus, dass individueller
Kosmopolitismus als unabhängige Variabel einen fruchtbaren Boden für die Entstehung einer
europäischen Identität als abhängige Variabel bieten kann. Mit anderen Worten wurde diese
Arbeit von der Idee angestoßen, dass transnationale Individuen/MigrantInnen über ihre
Erfahrungen zukünftig eine wichtigere Rolle in zivilgesellschaftlichen Anstrengungen zur
Formung einer europäischen Identität spielen könnten. Da dies nicht bewiesen werden kann
und nicht mit dem Rahmen dieser Arbeit zu vereinbaren ist, wurde ein Schritt zurückgegangen,
um auf der Mikroebene eine empirische Analyse durchzuführen.
Das heißt, dass transnationale Individuen/MigrantInnen nun auf ihren Grad an kosmopolitischer
Einstellung befragt werden, welcher dann ein Indiz für ihre Identifikation mit der EU und ihre
Unterstützung für dieses politische Projekt sein könnte. Der wichtigste Kontrollfaktor ist dabei
der Bildungsweg der einzelnen Personen. Damit ein Ansatz an Repräsentativität geschaffen
wird, werden transnationalen Individuen/MigrantInnen mit unterschiedlichen

24
Bildungsabschlüssen befragt. Es wird auch versucht, Menschen zu befragen, die ihr 30.
Lebensjahr nicht überschritten haben, weil die Forschungsergebnisse anderer Autoren gezeigt
haben, dass junge Menschen eher dazu tendieren die EU zu befürworten und transnationale
Interaktionen durchzuführen (Vgl. Fligstein 2010). Als weiterer Kontrollfaktor ist es notwendig,
die Hypothese in einem bestimmten Kontext zu untersuchen. Im europäischen Kontext ist es
sinnvoll, einen Vergleich aufzustellen: die Wahl ist auf Deutschland und Frankeich gefallen.
Die Gründe dafür wurden im Forschungsdesign ausgeführt.

4.5 Operationalisierung
Nachdem die Logik gezielt zusammengefasst wurde, wird die konkrete Ausführung der
empirischen Analyse dargestellt. Die allgemeine Strategie lautet folgendermaßen: es werden
insgesamt vier Personen gesucht, die die Kriterien des individuellen Transnationalismus
erfüllen. Es werden zwei Personen befragt, die einen Großteil ihrer Bildungslaufbahn in
Deutschland absolviert haben, gleiches gilt für Frankreich. Dabei wird darauf geachtet, dass pro
Kontext eine Person eine akademische Laufbahn eingeschlagen hat und die zweite eher eine
Berufsausbildung o.Ä. unternimmt oder bereits einen Beruf ausübt, der keine akademische
Bildung voraussetzt. Diese vier Personen werden denselben Fragen ausgesetzt. Während des
Interviews können auch punktuelle Fragen aufkommen. Die Antworten werden mithilfe eines
Diktiergeräts aufgenommen. Es wurde versucht die Dauer der Interviews auf 45 Minuten zu
begrenzen, wobei diese Grenze ausnahmslos überschritten wurde. Die Personen wurden durch
griechische Pseudonymen anonymisiert.
Danach werden die aufgenommenen Interviews transkribiert und die Antworten werden nach
der Methodik der phänomenologischen Analyse von Mayring ausgewertet. Der Grundgedanke
dieser Vorgehensweise ist, dass die Perspektive des einzelnen Menschen beleuchtet werden soll.
In der Phänomenologie stehen die konkreten Erscheinungen im Mittelpunkt (Mayring 2016,
107). Die konkrete Erscheinung, die herausgearbeitet werden soll, ist der Grad an
Kosmopolitismus der einzelnen transnationalen Individuen. Diese Methodik geht über die
simple Deskription hinaus, weil es ihr Ziel ist, zum tiefen Kern der Dinge vorzustoßen und ein
Phänomen in unterschiedlichen Kontexten zu analysieren und zu vergleichen (Mayring 2016,
108). Mayring fasst die zwei Grundgedanken dieser analytischen Methodik wie folgt
zusammen:
„Die Deskription der Phänomene aus der Sicht des Subjekts und seinen Intentionen ist der
Ausgangspunkt. Eine Reduktion auf ihren Wesenskern wird durch Variation der Phänomene
versucht.“ (Mayring 2016, 108)

25
Mayring empfiehlt vier Schritte, die zu einer aufschlussreichen Interpretation des Materials
führen können. Erstens muss man sich einen Eindruck über das Material in seiner Gesamtheit
verschaffen. Im zweiten Durchgang werden die wichtigen Aussagen und Bedeutungseinheiten
im Hinblick auf das Phänomen herausgearbeitet (Mayring 2016, 108). Drittens wird die
vorgenommene Sequenzierung, d.h. die Bedeutungseinheiten in Bezug auf das Phänomen
interpretiert und viertens kann der Vergleich zwischen den verschiedenen Kontexten hergestellt
werden. Daraus entstehen Verknüpfungen, die schließlich die Synthese einer generellen
Phänomeninterpretation ermöglichen (Mayring 2016, 109).

5. Ergebnisse der Analyse


5.1 Phänomenologische Analysen
Im folgenden Abschnitt werden die Interviews einzeln auf das Phänomen des Kosmopolitismus
analysiert. Im ersten Schritt werden die Interviewten vorgestellt und es wird explizit gemacht,
inwiefern sie die Kriterien eines oder einer transnationalen MigrantIn oder Individuums erfüllen.
Zuerst werden die Personen vorgestellt, die aus „deutscher Perspektive“ sprechen, danach die
Personen, die sich aus „französischer Perspektive“ äußern. Die Person mit einem akademischen
Bildungsabschluss wird als zweites aufgeführt. Danach wird jedes Interview systematisch
analysiert. Damit diese Arbeit eine gewisse Länge nicht überschreitet, werden die sieben
Prinzipien nach der von Held vorgegeben Einleitung in eins bis drei, vier bis sechs und sieben
analysiert. Eventuelle kosmopolitische Elemente, die aus den Interviews hervortreten, werden
auf eine synthetisierte Art und Weise herausgearbeitet und können dadurch etwas gezielter und
konkreter zur Kenntnis genommen werden.
5.1.1 Lethe
Lethe kommt als transnationale Migrantin/Individuum in Frage, weil sie in Brasilien geboren
ist und ihre Eltern Brasilianer sind, aber sie im Alter von acht Jahren, mit ihrer Schwester und
Mutter nach Deutschland emigriert. Sie hat innerhalb von zwei Jahren in einer „Schule für
Ausländer“ in Konstanz Deutsch gelernt und ist danach in Freiburg in das laufende 3. Schuljahr
eingestiegen. Zuhause hat sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester weiterhin Portugiesisch
gesprochen, während sie sich in der Schule und mit Freunden Deutsch angeeignet hat und somit
bilingual aufgewachsen ist:
„Auf der Schule für Ausländer, um Deutsch zu lernen, hat keinen Sinn ergeben weil, um Deutsch zu
lernen, muss man sich mit Deutschen umgeben. Es gab aber nur Türken, Spanier, Brasilianer… Meine
Schwester und ich haben mit unseren Freunden aus der Nachbarschaft Deutsch gelernt.“
Ihr Transnationalismus zeigt sich nicht nur durch die verschiedenen Lebensorte, sondern
ebenso durch die Verwandtschaft in Brasilien, sowie in Spanien. Genauer gesagt, hat Lethes

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Mutter zeitweise in Spanien gearbeitet und sie bekam dadurch spanische Pateneltern, was zu
regelmäßigen Besuchen in Spanien und dem Erlernen der Sprache geführt hat. Heute ist sie 23
Jahre alt und hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Momentan hält sie sich für ein „Work and
Travel“ in Australien auf. Dieser Aufenthalt wird länger als sechs Monate anhalten und kann
deshalb als dauerhafter Wohnort gewertet werden. In der nahen Zukunft ist noch ein langer
Aufenthalt in Neuseeland eingeplant. Demnach spricht sie regelmäßig Deutsch, Portugiesisch,
Spanisch und Englisch.
Wichtig zu beschreiben ist auch ihr Bildungsweg, der als Kontrollfaktor dient. Nachdem Lethe
die Hälfte der Grundschule in Deutschland absolviert hat, besuchte sie die Hauptschule und die
Werkrealschule. Schließlich hat sie das Fachabitur mit dem Schwerpunkt Grafikdesign gemacht
und danach eine 2-Jährige Ausbildung als technische Assistentin für Foto und Medien
abgeschlossen. Seit ihrem Abschluss hat sie verschiedene Tätigkeiten ausgeübt, die im Anhang
nachvollzogen werden können. Auf die Frage: „Zu welchem Land oder zu welcher Region
fühlst du dich am meisten zugehörig?“ hat sie geantwortet, dass sie sich in Freiburg im Breisgau
zuhause fühlt, weil sich „ihre Leute“ dort befinden. Auch wenn sie sich sehr verbunden mit
ihrer Familie in Brasilien fühlt, verbringt sie ihre meiste Zeit mit ihrer Mutter, ihrer Schwester
und ihrer Nichte in Deutschland. Dieses Zugehörigkeitsgefühl hat sie durch ihre Antwort auf
Frage Nummer 13 eingegrenzt, weil sie sich am stärksten an die Stadt Freiburg als Ort gebunden
fühlt. Was Länder und Regionen betrifft, äußert sie keine Präferenzen und beschreibt sich als
relativ offen: „Wenn es schön ist, es Strand gibt, oder in der Schweiz, sei es nur Basel, habe
ich Urlaubsgefühle, aber Zuhause ist die Stadt Freiburg.“

Nachdem ihre Transnationalität eindeutig festgestellt wurde, werden nun ihre kosmopolitischen
Züge herausgearbeitet. Im Interview mit Lethe sind Aussagen zum Vorschein getreten, die
bestätigen, dass sie die Prinzipien der ersten Säule in sich trägt. Auf die erste Frage über den
Wert des Menschen antwortete sie: „Zusammengefasst hat jeder den gleichen Wert, man muss
nur genau wissen, auf was bezogen. Aber jeder sollte gleichgestellt sein.“ Diese und andere
Aussagen zeigen, dass sie das erste Prinzip “Equal worth and dignity“ unterstützt. Das zweite
Prinzip „active agency“ befürwortete sie in dem sie der Entscheidungsfreiheit eines jeden
Individuums einen großen Platz einräumt, wenngleich ihr Beispiel mit dem Arzt zeigt, dass
jeder Mensch ihrer Ansicht nach zwar selbstbestimmt ist, aber eine Verantwortung gegenüber
seinen Mitmenschen hat und nicht vollkommen frei ist, sondern der Einfluss, den das
Individuum auf seine Umgebung haben kann und vice versa, wechselseitig ist. Drittens findet
sich in Lethe auch eine Anerkennung des dritten Prinzips “Personal responsibility and
accountability” wieder, weil sie z.B. sagt: „Ich lass mich zum Beispiel gerne von anderen
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inspirieren, wenn ich höre was der oder sie gerade macht.“ oder auch „Es gibt einen
gegenseitigen Einfluss mit der Gesellschaft.“ Desweiteren antwortet sie auf die Frage: „Denkst
du, dass jeder Mensch eine Verantwortung hat gegenüber anderen Menschen?“ folgendes:

„Ja auf jeden Fall, eine sehr große Verantwortung. Es fängt bei Rücksicht an gegenüber anderen
Menschen. Egal was du für eine Handlung machst, leiden auch deine Mitmenschen, Sei es Verkehr,
Müll, die Umwelt, sei es jemand mit Worten zu beleidigen.“
Nun wird es um die Prinzipien der zweiten Säule gehen. Im vierten Prinzip geht es
zusammengefasst darum, dass die Interessen eines jeden Menschen gleichwertig in die
Mechanismen der Entscheidungsfindung miteinbezogen werden. Die daraus resultierende
Zustimmung ist die Basis für eine kollektive Vereinbarung und kollektive Governance, sodass
die Entscheidungsfindung auf eine friedliche Art und Weise ablaufen kann. In Lethes Aussagen
können diese Werte deutlich erkannt werden, weil sie von selbst auf das Parteiensystem
gekommen ist und damit die Rolle von deliberativen Prozessen erkennt. Hinzukommt, dass sie
auf die Frage: „Also zum Beispiel sollte jeder gleich viel Redezeit haben und die gleichen
Chancen haben sich auszudrücken?“ folgendes antwortet:

„Ja genau das, egal ob man dafür oder dagegen ist, sollte man die Chance haben und man sollte sich
gegenseitig zuhören. Nur weil man viel Geld oder „connections“ hat oder so und so viel erreicht hat,
sollte man nicht mehr zu sagen haben als eine Person, die gerade gestartet hat.“
Trotzdem ist sie sich der immer wieder auftretenden Ineffizienzen dieser Prozesse bewusst:
„Aber sich auf eine Sache zu einigen, ist für die Menschen fast nicht mehr machbar sich auf
etwas zu einigen wo alle ja sagen.“ Da Held festlegt, dass Prinzip 4 und 5 einer gemeinsamen
Lektüre bedürfen, werden auch die Elemente herausgearbeitet, die als Zeichen von
„Inklusivität“ bei Lethe gedeutet werden können. Unter Inklusivität versteht Held, dass das
Wohl der Mehrheit den höchsten Stellenwert haben sollte. Lethes Aussagen über das Beispiel
mit dem Arzt, dass sie selbst formuliert hat, entsprechen diesem Gedankengang. Grund dafür
ist, dass sie die letztendliche Entscheidung für eine Mediziner-Laufbahn begrüßt, denn diese
Tätigkeit trägt ihrer Meinung nach mehr dem Wohle der Mehrheit bei:

„Menschen, die außerhalb der Situation sind, danken und sind froh darüber, dass er Arzt geworden
ist. Ich würde nicht sagen, dass er lieber Geigenspieler werden sollte. Das könnte ein Film oder ein
Bestseller sein.“
Lethe stellte sich auch als starke Befürworterin von Inklusivität heraus, weil sie folgende
Aussage trifft:
„Alle die in Deutschland leben, alle die das gleiche Recht befolgen müssen, sollten wählen dürfen auf
jeden Fall. Vielleicht Ausländer, die hier erst ein paar Jahre sind und nicht viel von der Politik
verstehen […] da weiß ich nicht. Die verstehen das meiste ja nicht, aber vielleicht würden sie mehr
verstehen, wenn sich jemand dazu äußern würde, dass es wichtig ist dass, sie wählen, dass sie ihre
Meinung sagen und die Punkte, nennen die sie belasten. Ich finde schon, jeder der im Land lebt, sollte
wählen dürfen. Egal, woher er kommt.“
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Im sechsten Prinzip geht es v.a. um Hierarchien und um die Strukturierung von
Entscheidungsprozessen, d.h. um Zentralismus und Dezentralismus. Helds kosmopolitische
Theorie schließt zentralisierte Prozesse aus. In der Auswertung des Interviews mit Lethe
konnten keine Aussagen dazu herausgearbeitet werden. Was Hierarchien betrifft, ist Lethe der
Ansicht, „Die Welt braucht Anführer und Menschen, die etwas leiten und andere, die
folgen.“ Prinzip sieben ist das einzige Prinzip, das ein Minimum an Hierarchie herstellt, weil
es ermöglichen soll, die minimalen Lebensvoraussetzungen zu definieren, um die anderen
Prinzipien zu realisieren. Dazu äußerte Lethe sich folgendermaßen: „Einen Grundkern braucht
man zum Leben. Einen Job und eine Wohnung.“ Es stellt sich jedoch als schwierig heraus, einen
kosmopolitischen Wert aus diesem Statement oder aus diesem Prinzip im Allgemeinen zu
ziehen.

Schließlich kann man sagen, dass Lethe die kosmopolitischen Prinzipien eins bis fünf in sich
trägt. Die Antworten, die Prinzip sechs und sieben zuzuordnen wären können nicht eindeutig
als kosmopolitisch identifiziert werden. Sie hat auch einige Aussagen formuliert, die einen
kosmopolitischen Charakter vorweisen und als vernunftgeleitet interpretiert werden können,
aber nicht ausschließlich dem einen oder anderen Prinzip zugeordnet werden können. Zum
Beispiel misst sie dem Selbstbestimmungsrecht eines jeden Individuums einen hohen
Stellenwert ein, weil sie u.a. sagt:

„[…]meine Meinung bleibt trotzdem, dass es eine Gestaltungssache ist, wie du dein Leben gestaltest.
Egal wo du bist. Das muss jeder selbst wissen. Du kannst in Thailand Küchenhilfe sein und dabei
Meerblick haben und glücklich sein. Du kannst gleichzeitig viel Geld haben wollen. Aber jeder will
viel. Jeder will das Paradies. Irgendwo muss man ein bisschen realistisch sein […].“
Festzuhalten ist, dass Aussagen wie z.B.:

„Ich fühle mich mehr Deutschland zugehörig. In Deutschland fühle ich mich viel wohler als in
Brasilien. Also dort fühle ich mich genauso wohl. Aber ich weiß, dass ich generell lieber in
Deutschland mein Leben führen möchte. Sei es Wohnung oder Haus oder etwas aufbauen. Ich weiß
nicht, was in den nächsten Monaten passiert. Vielleicht gefällt mir ein Ort so gut, aber so aktuell wenn
ich Pläne schmiede, rede ich immer von zurückkommen und wenn ich dieses Wort in Gedanken habe,
ist es immer Freiburg und Deutschland. Es könnte auch Basel sein, aber nur weil es in der Nähe ist
von meiner Familie und ich die Leute gern habe. […]Aber ich fühle mich auf jeden Fall auch
Brasilianern zugehörig.“
oder auch
„Es ist wichtig zu sehen, dass Menschen unterschiedliche Art und Weisen haben zu leben und die
Menschen unterschiedlich aufwachsen. Es ist wichtig zu wissen, dass es unterschiedliche Systeme gibt
und dass man auch von anderen Ländern lernen kann, wenn man denkt da funktioniert etwas besser.
Wenn dir ein System besser gefällt, dann kannst du da auch hinziehen. Deshalb denke ich, du kannst
überall auf der Welt leben.“

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den Zusammenhang zwischen individuellem Transnationalismus und der Neigung zu
kosmopolitischen Werten und damit die Hypothese dieser Arbeit im Ansatz bestätigen.

5.1.2 Kirke
Kirke studiert „International and European Governance“ und steht unmittelbar vor ihrem
Bachelor-Abschluss. Sie hat einen deutschen Vater und eine bulgarische Mutter. Sie ist in
Deutschland geboren und ist heute 20 Jahre alt. Zusätzlich zu Deutsch und Bulgarisch, hat sie
ein sehr hohes Niveau in Spanisch, Französisch und Englisch. Sie hat Grundkenntnisse in
Russisch. Sie verwendet täglich mehrere Sprachen. Sie hat in fünf Ländern gelebt: in Peru, auf
Costa Rica und auf Gran Canaria, in Deutschland und in Frankreich. Sie hat Freunde und
Verwandte in mehreren Ländern. Ab ihrem 12. Lebensjahr war sie hauptsächlich in
Deutschland und hat dort die Allgemeine Hochschulreife abgeschlossen. Der Haushalt war aber
nie auf einen Standort begrenzt, da der Vater weiterhin an wechselnden Orten gearbeitet hat.
Auf die Frage an welchem Ort sie sich am stärksten zugehörig fühlt, antwortete sie, dass sie
sich dort zuhause fühle, wo ihre Eltern sind und dass es keinen bestimmten Ort gäbe: „Wir
mussten überall ein neues Zuhause aufbauen. Deshalb sind sie mein Zuhause.“ Diese Aussage
ergänzt sie mit ihrer Antwort auf Frage 13:
„Natürlich gibt es viele Orte, zu denen ich Verbindungen habe, weil ich da meine Kindheit verbracht
habe oder weil wir Freunde und Familie dort haben, fühle ich mich zugehörig, aber ich würde nicht
sagen dass, es mein Zuhause ist.“

Durch ihren Lebensverlauf und ihre Ansichten kann man Kirke eindeutig als transnationales
Individuum einordnen. Was den Kontrollfaktor Bildung betrifft, erfüllt sie die Kategorie mit
dem höheren Bildungsabschluss. Nun wird es um ihren Grad an Kosmopolitismus gehen.
Kirke trifft folgende Aussagen, in denen man Züge von Helds erstem Prinzip erkennen kann:

„Ich finde, wir sind alle gleichwertig. Wir sind alle mit den gleichen Rechten geboren. Wir genießen
die gleichen Rechte und Freiheiten.“
und
„Seine Freiheit auszuüben ohne die Freiheit der anderen einzuschränken und ohne die Freiheit oder
die Rechte der anderen zu verletzen.“

Unterstützt wird dies auch noch, weil sie der Überzeugung ist, dass der Ort und die Art des
Heranwachsens eines Individuums einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss haben:
„Wenn du z.B. dein ganzes Leben lang in Deutschland gewohnt hast, wenn du 20 Jahre alt bist,
nimmst du Ungleichheiten anders wahr als wenn […],in einem Land gewohnt hast, das von enormen
Ungleichheiten geprägt ist. Vielleicht ist dein Bewusstsein für Ungleichheiten stärker. Aus diesen
Erfahrungen und unterschiedlichen Realitäten, mit denen du dich auseinandersetzt hast im Laufe
deines Erwachsen Werdens, die prägen wie du dein Leben führst und wie selbstbestimmt du handeln
möchtest und dein Leben gestalten möchtest. […]Du möchtest dich dafür einsetzen, dass sich das
verändert, damit mehr Menschen dieses Recht haben, sich trauen zu revoltieren und dieses Recht
erlangen. Also ich denke schon dass es einen prägt.“
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Kirke trägt auch das zweite Prinzip in sich, weil sie dem Selbstbestimmungsrecht einen hohen
Wert beimisst. Das wird z.B. in folgender Aussage deutlich:
„Das gehört zur Freiheit dazu, dass du selbst bestimmen kannst was in deinem Leben passiert, ob Du
deine Entscheidungen treffen darfst. Das ist ein Menschenrecht. Ich bin gerade am Überlegen, weil
wir nehmen das als selbstverständlich wahr, was in vielen Ländern und Gesellschaften nicht der Fall
ist. Das sollten wir valorisieren. […]“

Ihre Neigung das dritte Prinzip wert zu schätzen, kann man z.B. herauslesen, weil sie der
Ansicht ist, dass jeder Mensch einzigartige Eigenschaften besitzt:
„Ich denke, jeder Mensch hat besondere Stärken und Schwächen und wir müssen nicht in allem gut
sein. Das wird vorangetrieben von unserem Abitur-System, dass man in allem gut sein muss. Das
stimmt aber gar nicht. Es reicht wenn wir unsere Talente fördern, […].“
Kirke legt auch einen großen Wert auf Gleichberechtigung:
„Grundsätzlich, jeder Mensch ist gleichberechtigt seine Meinung zu äußern und an der Gesellschaft
teilzunehmen. Es geht nicht um das wertvolle. Es geht vielleicht um das moralisch Wertvolle, es gibt
nicht moralisch richtig oder falsch aber moralisch humanistisch.“
Die erste Säule von Helds Prinzipien ist damit abgeschlossen. Nun geht es um die gemeinsame
Analyse von Prinzip vier und fünf, d.h. in Kürze um kollektive Governance und Inklusivität,
die sich beide in Kirkes Aussagen wieder finden lassen. Zum Beispiel lassen sich folgende
Aussagen zum vierten Prinzip zuordnen:
„ […] möchte man es aktiv verändern und dann nimmt man auch aktiv teil und dann setzt man sich
auch mit Diskussionen auseinander und diskutiert über solche Dinge.“
oder auch
„Partizipatorische Mechanismen sollten mehr vorangetrieben werden und die Einbeziehung der
Gesellschaft nicht nur die politische Elite.“
In Kirkes Bewusstsein ist die Partizipation eines jeden Individuums zur Konsensfindung eine
Notwendigkeit. Sie misst den globalen Interdependenzen einen großen Wert bei und schließt
die verschiedensten wenn nicht alle Akteure mit ein, was z.B. in der folgenden Aussage deutlich
wird:
„Ein Staat kann nicht mehr nur nach seinen Interessen schauen. Es muss […]in einem Kräfte-
regulierendes System, quasi was macht der eine Staat, um den anderen nicht zu verärgern. Man muss
miteinander kooperieren und gute Wirtschaftsbeziehungen pflegen […]. Wirtschaftlich gesehen sind
wir enorm abhängig, Rohstoffe, Freihandelsabkommen. Allgemein sind wir enorm abhängig und nicht
zu vergessen ist die Umwelt: wir sind davon abhängig was jeder andere tut in seiner Umwelt. Die
Generationen nach uns spielen auch eine Rolle.“
Die Berücksichtigung, die aus ihrem Diskurs herausgelesen werden kann, führt auch dazu, dass
Kirke den Wert von inklusiven Handlungen erkennt:
„Ja es ist wichtig, dass jeder Mensch teilnimmt an der Gesellschaft und demnach auch seine Meinung
äußert gegenüber dem gesellschaftlichen Zusammenleben. Jedes Individuum sollte einbezogen werden
in die Gesellschaft und nicht marginalisiert werden. Das ist das Ziel einer Gemeinschaft und
Gesellschaft. Ein friedliches Zusammenleben, […]. Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen
zustimmen und Partizipieren an der Gesellschaft, an der Demokratie.“
Zu bemerken ist aber, dass Kirke als einzige Befragte das Konzept des „Wohles der
Mehrheit“ dekonstruiert hat und es nicht als inklusiv empfindet, weil sie auf die Frage: „Was
bedeutet „das Wohl der Mehrheit?“ folgendes antwortet:
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„Warum muss die Mehrheit über die Minderheit herrschen? Ich finde das allgemein problematisch,
dieses Herrschen der Mehrheit über die Minderheit. Das Wohl der Mehrheit impliziert quasi, dass wir
uns nur auf die Mehrheit konzentrieren […] aber die Minderheit sollte man auch respektieren und sie
hat auch Rechte und ihre eigenen Interessen und eine Idee davon was […] Wohlergehen ist. Ich finde
das Konzept allgemein nicht gleichberechtigend.“
Prinzip sechs behandelt Strukturen wie z.B. Dezentralismus. Kirkes Haltung dazu lautet
folgendermaßen:

„Jedes System hat Vor- und Nachteile aber ich bin eher für das dezentralisierte, weil ich finde dass
sich eigene Wirtschaftsräume besser entwickeln können und sich nicht alles auf einen Wirtschaftsraum
konzentriert. Sodass dann jede Region mehr profitiert von diesen unterschiedliche Wirtschaftsräumen,
die verteilt sind auf einem Territorium.“
Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Aspekten, nennt sie auch Elemente, die mehr mit dem Affekt
zu tun haben und sich ihrer Meinung nach eher innerhalb von dezentralisierten Strukturen
entwickeln und erhalten können: „Dieses dezentralisierte kann eine eigene Identität konservieren,
fördern, die Sprache und Tradition der Region finde ich wichtig.“

Kirke drückt sich eher abneigend gegenüber Hierarchie aus und drückt damit eine Nähe zu
Helds siebten Prinzip aus:

„Das bedeutet für mich eine vertikale „hmm“, es bedeutet für mich Ungleichheit. Es entstehen
gewisse Machtverhältnisse […], die sich in einer Gesellschaft breit machen, dass wir Schwächere und
Stärkere haben. Dass wir Ungleichheiten haben.“
Als minimale Lebensvoraussetzungen nennt Kirke:

„[…] gleiche Bildungschancen, dann Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, zwischen
unterschiedlichen Gemeinschaften, Nationalitäten, Populationen, etc. Freiheit, dann Solidarität,
Respekt gegenüber den anderen und sich selbst. […] Demokratie, oder noch was Besseres, wenn es
das mal gibt. Rechtssicherheit, […]. Toleranz ist auch wichtig. Einkommensverteilung sollte viel
gerechter gemacht werden. […].“
Interessant ist, dass Kirke mit einer Ausnahme keine materiellen oder physisch
Lebensnotwendigen Dinge nennt, sondern hauptsächlich Recht und Werte. Schließlich kann
man sagen, dass Kirke eher einen kosmopolitischen Diskurs von sich gibt:
„Ja also ich fühle mich als Teil der Menschheit, die diesen Planeten bewohnt. Wir teilen ein
gemeinsames Zuhause, deshalb sollten wir uns gut darum kümmern.“

5.1.3 Pontos
Pontos hat einen deutschen Vater und eine französische Mutter, die ihn zweisprachig
aufgezogen haben. Er ist im Elsass geboren und ist 19 Jahre alt. Er hat die französische und die
deutsche Staatsbürgerschaft. Letztere hat er seit der siebten Klasse. Er hat in Frankreich die
klassische „éducation nationale“ einschließlich des ersten Jahres im „collège“ absolviert und
ist ab der siebten Klasse aufs Deutsch-Französische Gymnasium gewechselt. Seit einem Jahr
lebt er auch in Freiburg im Breisgau und pendelt nicht mehr täglich zwischen Frankreich und
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Deutschland. Er hat in diesem Jahr sein „Abi-Bac“ abgeschlossen und plant eine Weltreise. Auf
Frage 12 antwortete er, dass er sich Frankreich stärker zugehörig fühlt, obwohl seine Schwester
eher Deutschland bevorzugt. Pontos führt diese Haltung auf seine Beziehung zu seinen Eltern
zurück, weil die Beziehung zu seiner Mutter tiefgründiger ist als zu seinem Vater. Auch fühlt
er sich Frankreich stärker zugehörig, weil er dort geboren ist und länger gelebt hat als in
Deutschland. Er denkt, dass die Sprache auch eine große Rolle spielt, auch wenn er Deutsch
beherrscht. Im Gymnasium hat er auch Englisch gelernt. Zu Frage 13 hat er geäußert, dass er
keine Präferenz hat d.h., dass er sich überall vorstellen könnte zu leben: „Je me sentirais partout
chez moi.“
Pontos erfüllt die Kriterien eines transnationalen Individuums über ihren Ansatz hinaus.
Trotzdem muss berücksichtigt werden, dass er gerade Abiturient ist und deshalb die Spalte des
französischen transnationalen Individuums mit einem ausbaufähigen Bildungssand füllt.
Nun zu den Prinzipien. Zu Beginn setzt sich Pontons kritisch mit dem Konzept des „Wert des
Menschen“ auseinander, weil er sagt, dass:
« On est tous différents mais d’autre part on est tous égaux et on a tous la même valeur. Déjà le terme
de valeur pour un humain, je trouve […] très négatif, péjoratif. On commence à mettre une valeur sur
quelque chose qui n’a pas de valeur. L’humain, c’est quelque chose de …, enfin, […] beau on va
dire.»
Mit anderen Worten kann er dieses Konzept nachvollziehen, aber erachtet es gleichzeitig als
problematisch. Das zweite Prinzip, „active agency“ ist bei Pontons auch wieder zu finden, aber
auch hier sieht er es etwas nuanciert:
« Chaque individu devrait pouvoir prendre les propre décisions pour soi-même […] je pense aussi
qu’on vit dans des sociétés dans lesquelles on ne peut pas décider tout pour soi-même non plus. Il y a
une prédisposition financière […] ou quelque chose qui va influencer […] la plupart des humains ou
même tous les humains devraient pouvoir décider de faire des choix pour eux-mêmes. »
Mit anderen Worten erkennt Pontos, dass das Selbstbestimmungsrecht wertvoll, aber nicht
unter allen Umständen realistisch oder realisierbar ist. „Active agency“ ist auch aus folgender
Aussage herauszuarbeiten:

« Par l’entreaide et surtout par l’aide, par exemple dans des associations […] tu mets un
« Baustein », un édifice de la société […] qui aide à se développer. […] si maintenant, je voulais
améliorer la société. […] ma copine participe au « Lesekarusell » pour les immigrés. Elle apprend
aux enfants à lire. […] Pour se développer soi-même, ça peut aider. […] Aussi en travaillant, […]
Dans nos sociétés actuelles on est obligé de travailler si on veut ramasser de l’argent pour vivre […]
La configuration de pensée ça passe surtout par l’amélioration et l’aide dans la société. »
Er sieht die Hilfe, die Individuen sich gegenseitig in einer Gesellschaft entgegenbringen können
als wertvoll und leitet daraus auch eine Verantwortung ab, welche das dritte Prinzip ansatzweise
bestätigt:

« Oui je pense qu’on a une responsabilité et qu’on doit s’y tenir. Les gens avec lesquels on habite sur
cette terre. Par exemple, si je vois quelqu’un qui frappe sa femme […], notre responsabilité est d’aller
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envers cette personne, pour calmer celle qui tape et défendre celle qui se fait taper. On a aussi la
responsabilité d’appeler la police. On a toujours une responsabilité envers les autres, tant qu’on n’est
pas seuls sur terre. S’il y a quelqu’un on a une responsabilité envers eux à travers le respect, à travers
l’entraide, […] Respecter la liberté, les droits, la vie privée et ce genre de choses. »
Damit wurden die Prinzipien der ersten Säule abgedeckt. Bei der Auswertung seiner Aussagen
bezüglich Prinzip vier wird deutlich, dass Pontos grenzüberschreitende Interdependenzen
beobachtet. Er zeigt sich betroffen im Falle einer Entscheidung die entgegen eines Konsenses
und somit kollektiver Governance ausfallen würde:

« Je pense que pour moi ça serait difficile si maintenant on disait […] soit t’as la nationalité française
ou soit t’as la nationalité allemande. C’est-à-dire ne plus avoir la double nationalité. […] Après on
reste dans l’espace Schengen, je pourrais quand même me balader entre France et Allemagne, mais
ça donnerait une certaine insécurité de passer la frontière. […] ça m’impacterait sur ma mobilité
entre les deux pays. Aussi ma mobilité de travail bien sûr. […]La langue joue un grand rôle dans le
travail. Mais la nationalité, ça m’impacterait.»
Zu bemerken ist, dass er diese Interdependenzen eher pragmatisch beurteilt und nicht aus dem
Affekt heraus argumentiert. Sie bestätigen nicht nur das vierte Prinzip, sondern auch das sechste.
In Bezug auf Inklusivität und damit auf das fünfte Prinzip äußert sich Pontos folgendermaßen:

« […] Je pense que ça serait aux deux […], à l’immigré de s’adapter, pas à 100% et de se transformer
lui-même, les cultures c’est une richesse et c’est quelque chose qu’on doit garder et ne pas perdre.
[…] Il faut un certain entendement entre les deux cultures, les deux peuples. […] c’est le respect de
l’autre. […]C’est pourquoi je trouve qu’on devrait les accepter, les aider à se développer eux-mêmes
chez nous et que nous on se transforme mais pas à 100%, qu’on change un peu et eux aussi histoire de
trouver un certain entendement entre les deux peuples. »
In Pontos Diskus ist auch eine Befürwortung des sechsten Prinzips in Bezug auf Dezentralismus
zu erkennen, denn er erstellt einen Vergleich zwischen dem deutschen und dem französischen
politischen System:

« Je pense qu’en Allemagne c’est mieux le système fédéral. C’est comme dans l’anarchisme, prendre
des décisions dans un groupe en tant que groupe. Ne pas avoir d’Etat, de supériorité qui va décider
sur ce groupe. Toutes les décisions vont être prises dans ces groupes. Je ne veux pas dire que le
système fédéral c’est à peu près la même chose, mais par exemple dans le Baden Württemberg, les
décisions sont prises par l’Etat régional et de prendre des décisions pas rapport à un plus petit
groupe, c’est plus facile d’aider, bien sûr en restant dans les lois de toute l’Allemagne. […] c’est plus
facile d’aider un plus petit groupe que toute la France. Le système fédéral est plus adapté à un
bonheur d’une certaine population, enfin à un bien être d’une certaine population. »
Seiner Ansicht nach ist eine dezentralisierte Organisation effektiver und angebrachter, als eine
zentralisierte wie sie in Frankreich anzutreffen ist.
Das siebte Prinzip umfasst Phänomene wie Pluralität, Hierarchie und die Definition minimaler
Lebensvoraussetzungen. Pontos zeigt sich Pluralität gegenüber nicht gleichgültig und scheint
die vorhandene Pluralität in seiner Umgebung wert zu schätzen:

« Après ça a peut-être avoir avec le fait qu’on habite à Fribourg où les différences sont bien
acceptées. On est plus ouverts à Fribourg qu’en France. En France ça va aussi, enfin tout évolue. […]
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En Allemagne, les différences sont plus acceptées qu’en France en parlant de style vestimentaire ou
de transformation physiques… »
Er nuanciert jedoch seine Aussage, weil er annimmt, dass die Stadt Freiburg eher offener für
Partikularitäten ist als andere Orte.
Um das siebte Prinzip zu behandeln, wurde das Interview auf Hierarchie gelenkt worüber
Pontos keine einseitige Meinung hat, weil er dieses Phänomen zwar als totalitär aber auch als
hilfreich sieht:

« C’est totalitaire mais ça aide. Par exemple dans le domaine du travail, sans hiérarchie, c’est
difficile de pouvoir avancer […] si on veut construire un bâtiment, on a besoin de quelqu’un qui prend
les décisions, celui de tout en haut, […] En dessous de ça, on a ceux qui font les plans, les « Statiker »,
[…] après il y a les sous-branches. Quand je vois la hiérarchie, je vois la pyramide. Sans la
hiérarchie dans le travail on ne pourrait pas avancer, ne pas faire tourner une boite. Mais d’un point
de vue négatif, je dirais que la hiérarchie c’est quelque chose de très… c’est prendre du pouvoir sur
des gens, alors que pour moi tous les gens sont égaux, c’est paradoxal. […] »
Da Pontos sich in einem deutsch-französischen Kontext bewegt, war er auch hier in der Lage
einen Vergleich zwischen Frankreich und Deutschland innerhalb seines Gymnasiums
aufzustellen. Seinem Empfinden nach, ist die strenge Hierarchie eher auf der französischen
Seite zu spüren als auf der deutschen:

« […] dans mon lycée, la hiérarchie est moins présente, elle se laisse moins ressentir, les profs sont
plus sympathiques envers les élèves, les profs où j’étais en France, ils sont bien plus strictes, très
français, la bonne vieille école […] j’ai l’impression qu’en Allemagne, la hiérarchie se laisse moins
ressentir alors que plus tu grandis plus tu remarques surtout que les profs, c’est une hiérarchie plus
réprimante sur le mental, sur l’humeur. […] Au DFG, j’ai été callé en Littéraire alors que je voulais
aller en Economie et Social, parce que je n’avais pas une très bonne image auprès du secrétariat […]
Et cette hiérarchie, ils vont l’utiliser par rapport à la tête ou la réputation qu’on a et juger. Ils vont
commencer à prendre des décisions très arbitraires et c’est ça ce qui me fait rebeller […] et c’est là
ou cette hiérarchie on la ressent. […]. […] En France quand on est en L on est considéré comme […],
les refoulés, tandis qu’en Allemagne, ça reste un Bac, si t’as 1,0 en L tu peux quand même faire
médecine. Je dirais qu’en Allemagne, cette humeur va moins impacter, dans ma situation bien sûr, je
n’ai pas d’autres cas pour imager cet impact. »
Was die minimalen Lebensvoraussetzungen betrifft, nennt er sowohl physisch als auch
psychisch notwendige Dinge:

« La nourriture, à boire, du sommeil. Tout ce qu’on a besoin pour faire fonctionner le corps humain.
Après c’est le strict minimum. […] C‘est un truc qui me fascine […] les moines bouddhistes […] qui
se restreignent au strict minimum, ils n’ont pas de portable, pas de PC, pas de gros moyens de
communication vers le bas, vers le « Tal » ou quoi. C’est des gens qui ont fait un choix de vie qui se
restreignent au strict minimum et au développement de la pensée et de la concentration et du mental à
travers la méditation. Et ça c’est des gens que j’admire et que je respecte. Mais […] des personnes
basiques en France ou en Allemagne, on n’est pas au strict minimum. […] Parce que l’humain a aussi
besoin d’une liberté, peut-être encadré. Ça fait aussi partie du strict minimum. Après pour vivre, il
faut se loger aussi. […]. »

35
5.1.4 Medea

Medea gilt in dieser Arbeit als die französische transnationale Migrantin mit hohem
Bildungsabschluss. Ihre Mutter ist Serbin und ihr Vater ist Franzose. Sie ist mit den Sprachen,
Französisch und Serbisch, sowie mit einer rumänischen Vernakularsprache („patois“)
aufgewachsen. Sie hat stets Privatschulen in Paris besucht und dadurch eine privilegierte
Bildung genossen v.a. in Richtung Kunst. Sie hat einen Master in „Lettres, langues et
civilisations étrangères“. Ihre universitäre Laufbahn hat es ihr ermöglicht zwei lange
Aufenthalte in Japan zu machen und einen längeren Aufenthalt in Großbritannien. Demnach
beherrscht sie auch Japanisch und Englisch. Sie spricht täglich mehrere Sprachen. Sie hat
Freunde und Verwandte in mehreren Ländern. Als berufliche Haupttätigkeit ist sie für die
interne und externe Kommunikation der japanischen Botschaft in Frankreich verantwortlich.
Auf die Frage, wo sie sich am ehesten zuhause fühlt, antwortet sie, dass sie sich sehr an Japan
gebunden fühlt, aber gleichzeitig auch an Frankreich. Trotzdem möchte sie in Zukunft in keinen
dieser beiden Länder ihren Hauptwohnsitz aufbauen. Sie fühlt sich zu den nördlicheren Ländern
Europas hingezogen wie z.B. Deutschland. Sie würde aber wegen der Natur auch gerne in
Neuseeland leben. Auf die Frage 13 antwortet sie:

« Je considère vraiment le monde entier et je pense que je peux me sentir chez moi un peu partout.
J’ai adoré vivre à Manchester et au Japon, j’ai beaucoup aimé la Corée, J’aime vachement l’Italie,
l’Ecosse et l’Irlande. Je me sens attachée à la Serbie. Il y a des paysages très variés avec des
influences austro-hongroises, les Balkans, le côté slave, l’influence de la Russie mais aussi de
l’empire ottoman. »
Nachdem Medeas individueller Transnationalismus festgestellt wurde, kann nun auf ihren Grad
an Kosmopolitismus eingegangen werden.

Erstens stuft sie den Wert des Menschen als sehr wichtig ein und bedauert seinen heutigen
Zustand: « A mes yeux, c’est une des choses les plus importantes qui existent, mais j’ai
l’impression qu’on arrive de moins en moins à privilégier les rapports humains. […]. » Sie fügt
ein Statement hinzu, dass auch anderen Prinzipien zugeordnet werden könnte, weil es u.a. das
Phänomen der Pluralität miteinbezieht: « […]. Je pense qu’on est tous égaux même si on est
tous différents. » Desweiteren hat das Recht zur Selbstbestimmung auch eine große Bedeutung
für sie : « C’est hyper important. C’est un des buts de sa propre vie. De choisir son chemin et
d’avoir le droit de choisir. A mon sens c’est hyper important. » und sie ist der Ansicht, dass
diese Selbstbestimmung auch mit dem Ort und der Art des Heranwachsens zusammenhängen:

« Quand on grandit dans des sociétés ou dans des conditions […] conservatrices et patriarcales. On
conditionne plus les filles et pas assez les garçons. Ça se répercute dans des choix de vie dans la vie
privée et professionnelle. […]. Je pense qu’on est autant conditionné par la famille que par
36
l’environnement. L’environnement ça peut être la ville ou la campagne. Par exemple des enfants qui
sont en lien avec les forêts ou les milieux assez verts, c’est des gens qui vont développer une sensibilité
pour la nature alors que des enfants qui vivent en villes […] ont une sensibilité tardive voire
inexistante. […] . »
Bei Ihrer Antwort auf die Frage, ob manche Menschen einen höheren moralischen Status haben als
andere, erkennt man Zusammenhänge zwischen dem ersten und dem siebten Prinzip, weil sie eine
Verbindung zum Phänomen der Hierarchie feststellt:

« Non je ne pense pas qu’il y ait de hiérarchie humainement parlant. Il y en a une dans la société dans
laquelle on vit mais elle n’est pas forcément légitime. Après si un personne fait de bonnes actions et
une autre fait de mauvaises actions, j’aurais tendance à lui donner plus raison d’un point de vue
simplifié quoi. »
Das Prinzip „active agency“ erkennt man in Medeas Antworten, weil sie es von ihrem
Zugehörigkeitsgefühl zu mehreren Gesellschaften ableitet. D. h. dass sie sich als Teil der
serbischen und der japanischen Gesellschaft sieht. Danach haben ihre persönlichen Erfahrungen
in Japan ihr Bewusstsein für ihre Zugehörigkeit zu Frankreich oder ihre „französische
Denkweise“ geweckt:

« J’ai le sentiment d’appartenir à la communauté serbe de par les origines de ma mère, c’est d’un
point de vue strictement familial […] Donc c’est quelque chose qui m’a marqué dans ma jeunesse et
dans on éducation, l’apprentissage d’une autre culture et des langues. […] j’appartiens aussi à une
autre communauté qui est la japonaise. Enfin je ne sais pas si j’y appartiens mais je suis sensible à
cette communauté. […] C’est totalement individuel et personnel. Avec le Japon, je me suis rendu
compte que j’appartenais quand même à la communauté française parce qu’au Japon je me suis
rendu compte á quel point j’étais parfois française dans mes réflexions ou dans mon attitude. Du coup
en dehors des nationalités et des cultures, je me sens appartenir d’un point de vue global vachement
plus je partage les valeurs hippies et un vrai intérêt pour la rencontre avec les autres et l’ouverture
d’esprit, et l’environnement. […]. »
Sie stellt daraufhin fest, dass diese Gegebenheiten in der Tat einen Einfluss auf ihre Handlungen
haben:

« […] ma double culture m’a permis d’avoir une ouverture d’esprit assez large pour vouloir vivre
dans un autre pays étranger et apprendre la langue. Le fait que ce soit aussi la Serbie qui est un pays
assez pyramidale comme le Japon me fait penser que je n’ai pas choisi le Japon pour rien non plus.
[…], c’est le côté cellulaire de la famille avec la figure paternelle, la femme au foyer et les enfants
[…] j’ai été vachement sensibilisée à la nature […] même si j’ai toujours vécu dans une grande ville
et aujourd’hui je me rends compte que ça détermine mes choix. […] »
Umgekehrt hat ihr individueller Transnationalismus auch einen Einfluss auf ihre
Entscheidungen und Handlungen in einem kosmopolitischen Sinne:

« Ce que je privilégie beaucoup c’est les échanges à travers la communication et donc ma manière la
plus primaire d’interagir avec ces communautés et d’intégrer ce que chacun pense. De l’intégrer et de
l’assimiler […] pour la Serbie c’est juste retourner là-bas et voir ma famille, parce que ce n’est pas
une communauté que je fréquente sur Paris. Pour le Japon, ce sont plutôt des choses qui me touchent
artistiquement et de l’ordre de la communication, c’est vraiment le dialogue entre les cultures ma
manière la plus aboutie […] de prendre place dans ces communautés. Et pour la France, c’est une
bonne question. Juste mes amies, les rencontres que j’ai faites et l’éducation que j’ai reçu […] au

37
lycée qui m’a vraiment ouvert les yeux sur le monde […] un prof d’art qui m’a beaucoup sensibilisé à
l’art et l’expression de soi et l’expression des autres du coup. […] »
Das dritte Prinzip lässt sich bei Medea v.a. in ihrer Haltung zum Umweltschutz spüren, den sie
darin Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen Menschen sieht:

« Déjà envers lui-même, mais lui-même c’est un peu les autres aussi. Déjà la responsabilité de ses
actes. […] On est vachement déresponsabilisés de nos actes les plus intimes et les plus simples dans
les sociétés européennes. Que ce soit consommer, […] maintenant c’est le plastique. De ce côté-là on
a clairement une responsabilité, […] je dirais qu’on est responsable de son ignorance aujourd’hui
aussi parce que l’on a les moyens de savoir. On a une responsabilité envers soi-même parce qu’on
devrait avoir un mode de vie complétement intégré pour respecter son environnement et surtout celui
des autres parce que le plastique ne finit pas en France mais il finit dans d’autres pays. […] »
In dieser letzten Aussage erkennt man den Zusammenhang zwischen dem zweiten und dem
dritten Prinzip, weil Medea ihre individuellen Handlungen auf eine globale Art und Weise
kontextuatlisiert und das auch mit der allgemeinen Verantwortung der Menschen untereinander
in Verbindung setzt. Damit ist die erste Säule von Helds Prinzipien abgedeckt.
Aus Medeas Antworten kann man auch eine Verbindung zwischen Prinzip vier und fünf
erahnen, weil man z.B. Parallelen zwischen ihrer Haltung gegenüber „Inklusivität“ und dem
„Wohl der Mehrheit“ erkennen kann. Genauer gesagt, bedeutet ersteres für sie:

« […] intégrer tout le monde. Du coup, c’est-à-dire de ne pas forcément juger sur les apparences dans
un premier temps et puis ne pas s’arrêter, ne pas avoir un jugement hâtif ou catégorique. C’est plus
une question de tolérance et d’acceptation. »
Das „Wohl der Mehrheit“ sieht sie als:

« […] harmonie globale. […] On ne juge pas parce qu’un certain est d’une certaine confession
religieuse. Une harmonie entre tous les êtres vivants. »
In beiden Aussagen steckt eine allumfassende Dimension, mit anderen Worten werden alle
Menschen miteinbezogen. Zudem engagiert sich Medea in der französischen Gesellschaft
indem sie wählen geht, damit zeigt, dass kollektive Entscheidungsprozesse wichtig für sie sind.
Auch wenn sie über das Wählen gehen hinaus sagt, dass sie sich nicht intensiv in der
Gesellschaft engagiert, spiegeln sich diese zwei Prinzipien trotzdem in ihrem beruflichen
Engagement wieder:

« Oui, je vais voter, mais je ne prends pas trop part dans des communautés à part rencontrer et
discuter avec des gens pour le moment je ne suis pas active autrement. Par exemple je n’ai pas planté
d’arbres. Dans mon travail, j’aime bien organiser pour réunir des gens. En tous cas au travail je suis
assez dynamique et volontaire pour organiser des évènements entre les communautés. J’aime
beaucoup travailler à la cohésion d’ensemble et à l’harmonie. […] »
Aus dieser Einstellung könnte man ableiten, dass Medea Wert auf Konsensfindung legt. Medea
war in der Lage Interdependenzen in der Welt zu erkennen, z.B. im künstlerischen Bereich
zwischen Frankreich und Japan:
38
« Par exemple entre la France et le Japon il y a énormément de paradoxes et d’interdépendance. Il y a
une influence artistique qui a été révélé dans pas mal de courants d’arts et puis il y a une belle
complémentarité entre ces deux pays. Et je pense qu’il y en a une entre les Pays-Bas et le Japon. C’est
peut être aussi pour ça que ça m’attire. Je trouvais qu’il y en avait pas mal entre la Suisse et le Japon
[…]. »
Zudem findet sie, dass diese Phänomene und Interdependenzen im allgemein eine Rolle in
Entscheidungsprozessen spielen sollten und befürwortet somit das sechste Prinzip:

« Par exemple le fait de voyager. Je pense que c’est super important parce que si on ne connait pas
ces choses-là, c’est difficile de prendre des décisions pour les autres. Il faut se rendre compte de sa
condition pour arriver à mieux comprendre et donc à penser d’une manière différente surtout quand
on parle de communauté. Là je parle d’un point de vue global. […] Alors, si t’es une communauté qui
est liée par des valeurs communes ou si c’est par religion ou si c’est l’histoire du village, forcément
les valeurs vont avoir tendance à être un peu similaires. Par exemple la Yougoslavie avant, c’était
plusieurs pays différents […] Il y avait une vraie cohésion et […] fraternité. Les gens s’acceptaient et
se toléraient. […] Je pense que du coup la coexistence est hyper important. »
Desweiteren bevorzugt sie eher dezentralisierte Entscheidungsprozesse vor zentralisierten, da
sie erstere als inklusiver wahrnimmt. Individuen würden sich in dezentralisierten
Entscheidungsprozessen ihrer Verantwortung gegenüber anderen und ihrer Umgebung eher
bewusst:

« Je pense que décentralisé c’est mieux parce que ça me semble plus inclusif. Comme ça tout le monde
est responsabilisé. Ça permet à tout le monde de penser ce qui serait bien autant pour les autres que
pour soi. Le fait d’impliquer les gens c’est stimulant. Ça force aussi à apprendre des autres. […] Ça
permet d’analyser plusieurs cas de figure et souvent […] ça permet de rendre les gens volontaire. J’ai
l’impression quand c’est centralisé, c’est souvent une faute de moyen alors que quand c’est
décentralisé les gens se démènent eux-mêmes pour trouver des solutions et généralement ça va plus
vite. Donc […] c’est plus efficace. […] c’est plus facile de répartir les ressources. Comme par
exemple avec du troc ou des monnaies locales. »
Medea hat eine vergleichbare Ansicht mit Helds siebtem Prinzip, das Pluralität einschließt und
Hierarchie eher als nicht konstruktiv darstellt, weil sie ersteres folgendermaßen definiert:

« C’est la richesse et l’ouverture d’esprit. C’est la tolérance, c’est l’apprentissage des autres et donc
de soi. C’est des valeurs hyper importantes notamment en termes d’éducation. »
Sie drückt sich Hierarchie gegenüber eher skeptisch aus und nennt dabei Japan als nicht zu
befolgendes Beispiel:

« Ayant connu le milieu japonais, […] je ne suis pas très convaincue. Je trouve que les rôles ne sont
pas attribués en fonction des compétences de chacun. De cela résulte parfois de la contre productivité,
des rapports néfastes entre collègues ou entre supérieurs et donc une perte de temps. D’un point de
vue japonais c’est complètement incohérent et inefficace parce qu’eux même sont intransigeants à la
hiérarchie. »
Sie fügt auch einen Vergleich zwischen Japan, Frankreich und den USA hinzu:

« Du côté français on est un peu plus regardé pour ses compétences. […] si tes idées sont bonnes tu
seras toujours pris en compte et pas rabaissé. Fin, c’est encore plus pris en compte aux Etats-Unis
j’ai l’impression. C’est plus libre en termes d’action, […] l’échec est plus accepté. En France on est
39
assez catégorique sur l’échec, c’est-à-dire que si tu brilles tu dois briller tout le temps. Alors qu’aux
Etats-Unis ce qui compte c’est d’avoir la force et l’envie d’essayer et après il y a toujours une porte
ouverte […] je n’y ai jamais vécu mais je pense que la hiérarchie est encore moins marquée aux
Etats-Unis. Après je regarde la Serbie et il y a même une hiérarchie dans le couple et là je suis
complétement contre […] dans la plupart des couples qui réduisent la femme souvent à rien de plus
que faire la cuisine et s’occuper des enfants. […] Pour finir, je citerai les inconnus qui disaient
« Aimez-vous les uns les autres bordel de merde ». »
Nachdem die Interviews einzeln durchgegangen und systematisch nach den Prinzipien
analysiert wurden, folgt eine Auswertung der gesamten Vorgehensweise, d.h. dass die Theorie,
die Methodik, die Kontrollfaktoren und die Hypothese überprüft werden.

6. Auswertungen der Analyse


6.1 Grenzen von Helds Theorie des Kosmopolitismus
Nach der praktischen Anwendung von Helds Theorie sind einige Schwachstellen aufgefallen.
Zuerst spielt die Erfahrenheit Interviews zu leiten wahrscheinlich eine Rolle bei der gesamten
Ausführung, denn es hat sich z.B. als schwierig gezeigt, Helds Prinzipien in Fragen überzuleiten,
die keine einfachen Ja/Nein-Fragen sind. Dieser Umstand hängt aber auch unmittelbar mit der
Theorie zusammen, weil seine Prinzipien einen idealistischen Kern haben und philosophisch
aufgeladen sind. Daraus resultieren einige Schwierigkeiten bei der Formulierung
selbsterklärender Fragen, d.h. welche, die für alle Interviewten, unabhängig von den
Kontrollfaktoren, auf Anhieb zugänglich sind.
Ein weiterer zu bemängelnder Punkt, ist der allumfassende Anspruch von Helds Theorie, die
zudem aus einem okzidentalen Standpunkt heraus formuliert wurde. Mit anderen Worten lässt
Helds Theorie beinahe keinen Aspekt aus, den man als Grundlage zur Konstruktion eines
„makellosen politischen Systems“ hinzuziehen würde. Diesen Knackpunkt könnte man
möglicherweise in einer weiteren Fragestellung nachgehen, weil auch wenn alle Interview-
Teilnehmer durchaus eine Nähe zu kosmopolitischen Werte ausdrücken, bedeutet es nicht, dass
sie automatisch mit Humanisten gleich zu stellen sind. Eine solche Analyse könnte in einem
ähnlichen Zusammenhang wie in dieser Arbeit interessant und relevant zu untersuchen sein.
Dieser allumfassende Charakter und die vollkommene Kohärenz von Helds Theorie, lassen sie
nach ihrer Anwendung etwas einseitig wirken, obwohl eine Vielfalt von Phänomenen und
Konzepten, wie u.a. Pluralität, Dezentralismus, Inklusivität und friedliche Konsensfindung in
ihrem Kern einbezogen sind.
In der Anwendung der Theorie hat sich das siebte Prinzip als besonders problematisch
herausgestellt, weil Held nur begrenzt eine Orientierung nennt, welche die minimalen
Lebensvoraussetzungen sind, die garantiert sein müssten, damit alle anderen Prinzipien

40
umgesetzt werden können. Als Anhaltspunkt kann beibehalten werden, dass alle Befragten eine
ähnliche Aufzählung gemacht haben. Diese Aufzählung ermöglicht jedoch nicht zwangsläufig
die Herstellung eines Bezuges zu der kosmopolitischen Einstellung der Befragten. Mit anderen
Worten ist es bei Prinzip sieben problematisch, eine Frage herzuleiten, die tatsächlich eine
Aussage über Kosmopolitismus hervorruft. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass dieses
Prinzip ausschließlich dazu dienen soll, ein Minimum an hierarchischer Orientierung
vorzugeben. Diese Argumente verleiten dazu, die Fruchtbarkeit von Helds Prinzipien etwas in
Frage zu stellen. Womöglich liegt das schlicht und ergreifend an der Kluft zwischen Theorie
und Praxis und daran, dass Fragen formulieren eine Tätigkeit ist, die Übung bedarf.
Bei der Auswertung ist auch klar geworden, dass die Prinzipien sich überschneiden. Das heißt,
dass auch wenn von jedem Prinzip einzeln Fragen abgeleitet wurden, ist es z.B. vorgekommen,
dass Aussagen die in einer Frage zu Prinzip drei formuliert wurden, auch oder eher auf Prinzip
eins einen Bezug hatten. Die klare Trennung zwischen den einzelnen Prinzipien stellt sich
dementsprechend als heikel heraus und resultiert in einem holprigen Anwendungspotential von
Helds Theorie. Als Grund dafür kann herangeführt werden, dass die Interpretation der
Prinzipien und der Interviews nach Mayrings phänomenologischer Methode ein schwammiges
Manöver ist, worauf im folgenden Abschnitt ausführlicher eingegangen wird.

6.2 Hindernisse bei der praktischen Vorgehensweise und der Methodik


Im praktischen Teil dieser Arbeit hat es sich als schwierig herausgestellt stereotypische
transnationale Individuen zu finden. Besonders in Frankreich hat es sich sowohl in den sozio-
ökonomisch besser gestellten Kreisen als auch in bescheidenen Milieus als Herausforderung
erwiesen Menschen zu finden, die bilingual aufgewachsen sind. Das könnte möglicherweise
ein Resultat u.a. des französischen nationalen Konzeptes und angestrebten Universalismus sein,
welcher im Forschungsdesign angerissen wurde, aber weiterer Forschung bedarf.
Der folgende Punkt wurde bereits aus der theoretischen Perspektive bemängelt. Trotzdem muss
hinzufügt werden, dass die Fragen so gut wie automatisch dazu verleiten, kosmopolitische
Aussagen zu treffen, sodass man das gesamte Vorgehen, die Theorie und die Fragen/Antworten
umdrehen könnte und das gegenteilige Ergebnis erreichen könnte. Keine der Aussagen könnte
kategorisch als nicht-kosmopolitisch gewertet werden, denn es besteht ein nicht zu
vernachlässigender Interpretationsrahmen. Um es etwas prägnanter zu sagen: ein Mensch, der
Menschenrechte kennt und genießt, wird sich nur sehr unwahrscheinlich gegen sie aussprechen
und somit fast zwangsläufig Helds Prinzipien befürworten oder wertschätzen. Das hängt
womöglich auch mit dem „okzidentalen Charakter“ der Theorie zusammen.

41
Es hätte zu relevanteren Ergebnissen geführt, wenn von jedem Prinzip maximal drei Fragen
abgeleitet worden wären. Auf diese Weise wäre eine gezieltere Formulierung der Fragen zu
Stande gekommen und es hätte den Befragten weniger Raum gegeben abzuschweifen. Es ist
schwierig den Interviewten/die Interviewte zum Kern der Aussage zu bringen. Allerdings darf
das Interview auch nicht darauf hinauslaufen, dass die Interviewerin es zu sehr lenkt oder
beeinflusst und damit Gefahr läuft, das Ergebnis zu verfälschen. Mit anderen Worten braucht
es Erfahrung, um zu das optimale Maß an Einschreiten in die Beantwortung der Fragen zu
finden. Auch muss die Länge des Interviews beobachtet werden, denn die Konzentration der
Befragten lässt mit der Länge des Interviews nach und wenn es sich in die Länge zieht, werden
manche Aussagen irrelevant, aber verursachen trotzdem eine Menge an Transkriptions- und
Auswertungsarbeit.
Die Beziehung zwischen dem Interviewer und dem Interviewten spielt eine große Rolle und
kann eine ausschlaggebende Auswirkung auf die Beantwortung der Fragen geben. Das rührt
daher, dass mit einem Teil der Interviewten bereits eine Bekanntschaft bestand und manche
persönliche Einstellungen bekannt waren. Als Konsequenz, kann es sein dass, um eine
Gesprächsharmonie zu bewahren, manche Antworten sehr „diplomatisch“ ausfallen. Eine
mögliche unbewusste Hierarchie die zwischen dem Interviewer und dem Interviewten
entstehen kann, z.B. aufgrund des Altersunterschieds, wirkt sich möglicherweise auch auf die
Antworten aus.
Ein Teil der Befragten ging offener mit persönlichen Erfahrungen um als andere. Diejenigen
die weniger offen persönliche Erfahrungen teilten, hielten sich in ihren Aussagen an den
allgemeinen oder den erlernten Konsens, was nicht unbedingt zu konkreten Ergebnissen führt.
Beim „erlernten Konsens“ spielt der individuelle Kontext wie z.B. die Art des Heranwachsens
aber auch eindeutig der Bildungsweg, unabhängig davon ob dieser akademisch oder eher
beruflich ist, eine große Rolle. Desweiteren hat auch die individuelle politische Färbung einen
nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf den Umgang mit den Fragen von Seiten der Befragten.
Es könnte sinnvoll sein diese politische Neigung als weiteren Kontrollfaktor zu verwenden.
Gelegentlich traten Schwierigkeiten auf die passende Terminologie in den unterschiedlichen
Sprachen zu finden. Aufgrund der Konnotationen, die manchen Wörtern oder Konzepten in den
verschiedenen Sprachen inhärent sind, aber auch aufgrund des Erfahrungsschatzes der
Befragten können dieselben Wörter eine etwas andere Bedeutung oder Verwendung finden.
Folgende Wörter sind u.a. von dieser linguistischen Problematik betroffen: „Gemeinschaft,
Gesellschaft, Communauté, Société, Comunidades“. Diese Hürde tauchte in allen Interviews
auf, entweder weil die Befragten für ein bestimmtes Konzept in einer Sprache nicht das

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passende Äquivalent in der anderen finden konnten wie z.B. in Kirkes Interview und auch weil
gemeinsame Sprachkenntnisse das Einsetzen von Spanischen Wörtern im Deutschen, und bei
Pontos von Deutschen Wörtern im Französischen erlaubten.
Schließlich erlaubt Mayrings phänomenologische Auswertungsmethodik auf der einen Seite
viel Flexibilität und Interpretationsfreiheit. Sie vereinfacht die Auswertung der Interviews, aber
ist gleichzeitig etwas ungenau und ermöglicht nicht die Erstellung eines Maßstabs, wofür die
erhobenen Daten d.h. Interviews ohnehin nicht ausgereicht hätten, sondern nur einen Ansatz
liefern, um die Plausibilität der Hypothese zu untersuchen. Um diese Plausibilität wird es
letztlich in der allgemeinen Abschlussbetrachtung gehen.

7. Abschlussbetrachtung
Zur Wiederholung lautet die Forschungsfrage folgendermaßen:

Zu welchem Ausmaß weisen transnationale MigrantInnen kosmopolitische Einstellungen auf?

Alle Interviewten zeigten eine gewisse Nähe zu Helds kosmopolitischen Prinzipien und können
somit als „Kosmopoliten“ charakterisiert werden. Die Hypothese, dass transnationale
MigrantInnen einen hohen Grad an kosmopolitischen Einstellungen aufweisen, ist demnach
plausibel. Es ist aber wichtig darauf hinzuweisen, dass dieses Ergebnis im methodischen Sinne
nicht repräsentativ ist, auch wenn eine große Mühe unternommen wurde, theoretisch relevante
Kontrollfaktoren wie den nationale Kontext und der Bildungsweg einzubeziehen. Die
Berücksichtigung weiterer Faktoren, wie z.B. die politische Einstellung, wäre für weitere
Forschung eine Überlegung wert.
Ob diese Plausibilität stärker in Deutschland als in Frankreich vorhanden ist, ist aus den
durchgeführten Interviews nicht klar festzulegen. Im Interview mit Pontos sind mehrere
Vergleiche zustande gekommen, die dazu veranlassen können eine stärkere Plausibilität in
Deutschland als in Frankreich zu erahnen. Die Tatsache, dass drei der vier Befragten klar
dezentralisierte Entscheidungsprozesse, wie sie in Deutschland und eher nicht in Frankreich
vorhanden sind, u.a. als effizienter befanden, könnte auch ein Hinweis auf diese untergeordnete
Hypothese sein. Dazu wäre ebenfalls umfassendere Forschung notwendig, die ein breiteres
Spektrum an Kontrollfaktoren einbezieht und eine sich deutlich unterscheidende
Forschungsfrage.
Um die Plausibilität der Hypothese zu unterstreichen, wäre es sinnvoll eine größere Anzahl an
Interviews durchzuführen, die Theorie feinfühliger anzuwenden und eine strengere
Kategorisierung der kosmopolitischen Einstellungen durchzuführen. Zudem könnte man auch

43
überprüfen, ob es einen Unterschied im kosmopolitischen Ausmaß zwischen transnationalen
MigrantInnen und Menschen, die nicht diese sozialen Merkmale, sondern andere haben. Das
könnte Rückschlüsse erlauben, ob diese kosmopolitische Einstellung spezifisch von
transnationalen MigrantInnen ist und ob diese Einstellungen zugänglicher für die untersuchten
Individuen sind. Desweiteren könnte es auch relevant sein, einer ähnlichen Forschungsfrage
nachzugehen mit der Anwendung einer Theorie aus dem Humanismus, weil dieses Konzept
aufgetreten ist und Verbindungen zum Kosmopolitismus bestehen.
Diese Arbeit dient, auf der Grundlage von vier Personen, als allererste Illustration zur Annahme,
dass Transnationale MigrantInnen als ideale AkteurInnen zur Konsolidierung der Europäischen
Union dienen könnten. Sicher ist, dass diese Menschen durch ihren Erfahrungsschatz in der
Zukunft eine wichtige Rolle in zivilgesellschaftlichen Anstrengungen zur Formung einer
europäischen Identität und Solidarität spielen sollten.

Wortanzahl des Fließtextes: 16 759

44
8. Synthese auf Französisch

Sommaire

1. Introduction S47
2. État de la recherche S50
2.1 Le transnationalisme et l’intégration européenne S50
2.2 Le transnationalisme dans le contexte du cosmopolitisme S52
3. Théorie: Les sept principes cosmopolites d’après Held S54
4. Méthodologie S55
4.1 Les trois dimensions du transnationalisme individuel S55
4.2 L’éducation en tant que précondition au transnationalisme individuel S56
4.3 Les contrastes entre l’Allemagne et la France S57
4.4 La logique de l’argumentation S58
4.5 L‘opérationnalisation S59
5. Résultats de l’analyse S59
5.1 Analyses phénoménologiques S59
5.1.1 Lethe S59
5.1.2 Kirke S61
5.1.3 Pontos S62
5.1.4 Medea S63
6. Évaluation de l‘analyse S65
6.1 Les limites de la théorie cosmopolite de Held S65
6.2 Les obstacles lors de la mise en œuvre et les faiblesses de la méthodologie S66
7. Conclusion S67
9. Bibliographie S68
10. Annexes S69
10.1 Liste des questions en français et en allemand S69
10.1.1 Transnationalisme individuel S69
10.1.2 Cosmopolitisme S70
10.2 Transcription des entretiens S75
10.2.1 Lethe S75
10.2.2 Kirke S83
10.2.3 Pontos S92
10.2.4 Medea S101

45
Préface

La motivation de réaliser ce mémoire de recherche a été déclenchée par la question suivante :


« D’où viens-tu ? ».

N’ayant jamais de réponse à cette question, à part une blague banale ou une autre question
obligeant l’interlocuteur ou l’interlocutrice à préciser, j’ai voulu trouver des auteur.e.s qui
cherchent à appréhender ce dilemme de manière scientifique afin de formuler de nouveaux
paradigmes. Parmi ceux proposés se trouvent le transnationalisme, la hétérarchie et
l’intégration européenne. Grâce à ce mémoire, j’espère apporter quelques éléments modestes
pour soutenir ces paradigmes parce qu’ils deviennent de plus en plus présents avec la
mondialisation et les interdépendances humaines transfrontalières.

Cette prise de conscience nous aidera à dépasser les préjugés.

46
1. Introduction

Suite à la signature du traité fondateur de l’Union européenne (UE) à Maastricht en 1992, la


citoyenneté européenne est venue s’ajouter à la citoyenneté nationale. Ce n’est qu’un seul des
nombreux éléments avantageux desquels jouissent les 512 millions de citoyens de l’Union.
Cependant, il faut remarquer la grande majorité de ces éléments qui découlent de l’intégration
européenne sont de nature économique et utilitariste. C’est-à-dire que les aspects sociaux et
sociétaux restent à développer. Une intégration plus poussée dans ces domaines serait même
nécessaire pour faire face à la montée de l’Euroscepticisme qui ne cesse de s’aggraver au plus
tard depuis la crise financière de 2010 (Kuhn 2015, 2/ Schneider 2011, 43 et suivantes).

Aujourd’hui, nous constatons que l’UE manque d’une société européenne. Par contre il s’avère
difficile de l’engendrer, notamment parce qu’il n’est pas possible d’imposer un narratif dans la
logique d’un État nation. Cela s’explique par le caractère hétérogène de l’Union européenne
qui provient de la diversité et la multitude des peuples qui la composent. Ce phénomène a d’ores
et déjà été décrit par Ulrich Beck de la manière suivante : « L’homogénéité intérieure est
principalement la création de contrôle étatique. » (Beck 1997, 10). D’après lui, tous les types
de pratiques sociales sont normés par l’Etat nation, c’est pourquoi il caractérise l’Etat de
« container » pour l’unité territoriale et de tous les processus sociaux qui s’y déroulent (Beck
1997, 10). Ce schéma n’est pas toujours applicable quand on prend en compte la mondialisation
et représente un obstacle sur le chemin de l’intégration européenne sur le plan social. Ces
arguments amènent Beck à suggérer une stratégie d’intégration différente : il propose que
l’intégration se fasse « par le bas » en s’orientant à de nouvelles catégories d’ordre transnational.
De plus, il imagine que des mouvements sociaux pourraient se créer dans l’optique de réaliser
un monde davantage cosmopolite (Beck 1997, 11).

Ulrich Beck n’est pas le seul sociologue à s’être emparé de la question. Plus récemment,
Wolfgang Streek a développé une argumentation antagoniste à celle de Beck en exprimant ceci :

„I suggest that a shared Gedächtniskultur is impossible to install in a pluralist society in which all
groups can claim equal value for their particular experience and any attempt to impose an obligatory
common consciousness will be seen as authoritarian interference with personal liberty and dignity.”
(Streek 2017, 17).
Selon lui, l’hétérogénéité des peuples européens rendrait une intégration « par le bas » tout à
fait impossible. Il ne considère pas envisageable qu’une société commune européenne puisse
émerger grâce à cette approche. Son argument principal est que l’unique moyen d’instaurer une
société européenne serait de doter la classe politique européenne de « power instruments » qui
auraient la puissance de greffer une société européenne par le haut. Par contre, il ajoute que
47
cette méthode nécessiterait l’emploi d’instruments du 19ème siècle comme la connu la France et
signifierait donc un retour en arrière indésirable (Streek 2017, 17).

L’idée avancée par Beck afin d’éviter cela, est celle d’une « Europe cosmopolite ». D’abord, il
faut expliquer les repères qui encadrent cette idée, surtout parce que le cosmopolitisme a de
nombreux liens avec d’autres concepts comme par exemple l’universalisme, le
multiculturalisme, le post-nationalisme ou encore la mondialisation (Beck 2007, 24). De plus,
le cosmopolitisme est à la fois très ancien puisqu’on le retrouve chez les stoïciens de l’Antiquité,
mais il a resurgi aux temps de grands bouleversements européens, notamment à l’époque
d’Emmanuel Kant qui a rédigé des textes sur le « Weltbürgertum ». De nos jours, la référence
principale dans le domaine du cosmopolitisme est David Held. Ce dernier a reconceptualisé le
cosmopolitisme en tant que chose positive censée servir de contrepoids à l’ordre mondial qui
obéit aux lois du marché et qui repose sur les Etats nations (Beck 2007, 24f). La définition du
cosmopolitisme qui va servir de point de départ dans ce travail de recherche est la suivante : le
cosmopolitisme signifie la valorisation de la différence et de l’altérité en combinaison avec de
nouvelles formes de gouvernance d’ordre démocratique et au-delà des Etats nations (vgl.
Brennan 1997).

Il s’agit de construire des ponts entre l’idée de l’altérité et l’intégration européenne (Beck 2007,
21) et de démontrer que la pensée cosmopolite peut servir de cadre à cela à tous les niveaux.
Plus précisément, l’objectif est d’apporter des éléments de recherche qui appuient la logique
bottom-up de l’intégration européenne. Ces éléments vont provenir d’une analyse qualitative
qui sera réalisée sur la base d’entretiens individuels. Nous allons essayer de déterminer le degré
individuel de cosmopolitisme des participants. Avant d’être cosmopolitistes, les personnes en
question présentent des caractéristiques assez particulières : il s’agit de migrant.e.s
transnationaux.

Nous allons prendre en compte que la migration est un processus constant et aussi ancien que
l’humanité elle-même. Pour autant la pratique de changer de lieu de vie est plutôt la règle et
non l’exception. De ce fait, le mode de vie sédentaire et le sentiment d’appartenance à un
endroit et un environnement socio-culturel particulier relèvent plutôt de la subjectivité de
chacun et représentent des phénomènes récents dans l’histoire de l’humanité (Pries 2010a, 57).
Ces observations nous amènent à mettre les termes « individu » et « migrant » sur un pied
d’égalité et à les employer de manière équivalente. Le focus placé sur la qualité de
transnationalité que Pries définit ainsi : l’existence de réseaux professionnels et de
communication ainsi que d’interactions sociales qui traversent les frontières et rencontrent une
48
mise en pratique dans des systèmes sociaux différents (Vgl. Pries 2005). Les caractéristiques
des migrant.e.s transnationaux, c’est-à-dire leur background personnel et familier, leurs lieux
de vie et leurs capacités linguistiques viennent souligner ces circonstances (Kuhn 2012, 100).

Ce travail est le fruit du désir d’apporter des alternatives aux eurosceptiques. La question
récurrente « D’où viens-tu ? » fait naître un sentiment de désarroi chez certains parce qu’ils ou
elles se sentent déracinés à cause de la mondialisation finira par être dépourvue de son sens
grâce à ce travail de recherche (Pries 2008, 38). Pour cela, il est important de se baser sur le
constat de Maus entre autres auteurs. Maus affirme que le cosmopolitisme et la transnationalité
vont de pairs (Mau 2008, 2) et que ce sont des phénomènes en mesure de promouvoir
l’intégration européenne. Le chercheur Fligstein ajoute qu’au cœur de la construction
européenne se trouve la genèse d’une identité européenne (Fligtsien 2010, 124). La raison d’être
primordiale de ce mémoire est d’enquêter sur les migrant.e.s transnationaux afin de savoir s’ils
sont, de par leurs expériences de vie, les personnes plus à même de faire avancer
considérablement la construction d’une société et d’une identité européenne. Cette motivation
nous amène à la problématique suivante :

À quel degré est ce que les migrant.e.s transnationaux portent des valeurs cosmopolites ?

Afin de répondre à cette question, des entretiens qualitatifs seront effectués en Allemagne et en
France. Ces deux États-nation sont retenus parce qu’ils se trouvent au centre de l’Europe et sont
fréquemment perçus comme les piliers de l’UE. Toutefois, il faut noter que les relations franco-
allemandes et leur position individuelle réciproque et vis-à-vis de l’UE est fluctuante pour des
raisons systémiques et historiques. La chercheuse Kuhn illustre cela en établissant une
comparaison entre le système fédéral allemand, qui est plus poreux quand il s’agit de permettre
le développement d’identités régionales, et le système français, celui-ci étant fortement
centralisé et protecteur d’un cadre national dominant (Kuhn 2012, 99). S’y ajoute
l’indispensable prise en compte que l’éducation publique et nationale est une des institutions
en charge de créer le sentiment de « nous », traduit de l’allemand « Wir-Gefühls » (Pries 2008,
38). Cette responsabilité est non seulement directement reliée à l’identité nationale mais aussi
à l’identification à l’UE qui pourrait aboutir à une société européenne.

Comme déjà annoncé, nous allons nous tenir à une approche bottom-up, c’est pourquoi il est
intéressant d’analyser lequel des deux États-nations en question est plus susceptible de
transcender les frontières et de se montrer comme terrain propice au développement du
transnationalisme et du cosmopolitisme. Nous allons essayer de comparer les divergences ou
les similitudes entre le contexte allemand et le contexte français.
49
D’emblée, il est possible de révéler que les migrant.e.s transnationaux ayant participés aux
entretiens revêtent effectivement des valeurs cosmopolites en accord avec les principes
théoriques de Held. Cependant, l’intensité de leur cosmopolitisme est à nuancer parce que le
nombre d’entretiens réalisés ne permet pas d’établir de généralité, c’est-à-dire que le résultat
n’est en aucun cas représentatif mais peut uniquement inciter à entamer davantage de travaux
d’enquête avec une orientation similaire.

Puisqu’il s’agit uniquement d’un résumé du mémoire original rédigé en allemand, l’état de la
recherche sera nettement moins détaillé et l’analyse empirique prendra un caractère
schématique. Cependant, la partie théorique sera maintenue dans sa profondeur puisqu’elle est
décisive. La description de l’opérationnalisation sera également synthétisée. Les résultats seront
présentés d’une manière plus brève mais pareillement intelligible. L’introduction et la
conclusion ont fait l’objet d’une traduction directe afin de conserver une harmonie globale de
ce travail.

2. État de la recherche
2.1 Le transnationalisme et l’intégration européenne
Afin de poser le cadre d’analyse et de développer celle-ci, il est nécessaire de disposer d’une
vue d’ensemble de l’état de la recherche. Plusieurs auteur.e.s se sont emparés du
transnationalisme en général et dans le contexte européen. Les plus pertinents sont les suivants :
Pries, Risse, Fligstein et Kuhn. Leurs idées vont être introduites de manière schématique.
Tout d’abord Pries a traité le concept du transnationalisme en se basant sur la philosophie
kantienne. Ensuite il a recontextualisé ce phénomène dans notre ère mondialisée, c’est-à-dire
qu’il prend des phénomènes en considération tels que les relations inextricables entre
l’économie, la politique, la culture et la sociologie (Pries 2008, 12). De plus, il fait référence à
Beck à plusieurs reprises, notamment parce qu’il considère que l’ère des États-nations touche à
sa fin (Pries 2008, 32). Cela ne signifie pas pour autant que les États nations vont disparaitre,
car le transnationalisme ne se fait pas sans la nation. Ce que Pries met en relief sont les échanges
entre une multitude d’acteurs et de groupes d’acteurs qui entrainent un changement des rapports
sociaux et des systèmes de valeurs et de normes (Pries 2010a, 15). Pries retient une
caractéristique des migrant.e.s transnationaux qui est également pertinente pour ce mémoire :
leur identité et schéma d’incorporation variables entraîne qu’ils et elles ne soient pas fixé.e.s à
un seul endroit ou centre (Pries 2010a, 65). Pries l’exprime de la façon suivante:
„Die sozial-kulturelle Identität und Selbsterfahrung ist von Mehrdeutigkeit und multiplen
Bezugsrahmen gekennzeichnet, Lebensstrategien basieren auf pluri-lokalen, mentalen Landkarten
transnationaler Räume.“ (Pries 2010a, 65).

50
A présent, nous allons nous tourner vers les recherches de Risse qui avancent également qu’un
« sense of community » peut se former au-delà des frontières nationales et que le contexte
européen s’y prêterait presque idéalement (Risse 2010, 5). Risse insiste surtout sur le fait que
l’UE nécessite une sphère publique qui transcende les frontières nationales (Risse 2010, 108).
La chercheuse ajoute qu’il est crucial que tous les citoyens européens développent une
légitimité quand il s’agit de participer à cette sphère commune (Risse 2010, 121). Elle est
convaincue que la reconnaissance réciproque qui en résultera, aboutisse à une identité
européenne (Risse 2010, 109 et 120).
Les arguments de Risse permettent de faire le lien avec les recherches du sociologue Fligstein.
Ce dernier explique que même si on approuve le projet politique « UE », cela ne va pas de pair
avec la genèse d’une identité européenne (Fligstein 2010, 125). Dans les écrits de Fligstein, on
retrouve quelques parallèles avec l’argumentation de Beck parce qu’il considère également
qu’une société civile européenne ne peut se former que « par le bas ». C’est un processus qui
doit notamment inclure le système éducatif, les conflits politiques et les chemins de
socialisation (Fligstein 2010, 126). Il ne calcule pas non plus la disparition de l’État nation mais
envisage que l’identité nationale et l’identité européenne en devenir pourraient se compléter et
tisser des liens (Fligstein 2010, 128). Il prévoit des mouvements sociaux à l’échelle européenne
et leur participation à une politique fédérale signifiera la fin du « Brussels complex » (Fligstein
2010, 136).
Pour finir, Kuhn est probablement la sociologue ayant réalisée le plus de recherche dans ce
domaine en adoptant des points de vue très variés et récents. Elle décrit les migrant.e.s
transnationaux ainsi : ce sont des êtres humains qui tissent des liens, accomplissent des
interactions et profitent de leur mobilité en dépassant leur cadre national (Kuhn 2015, 6).
Malgré cela, Kuhn n’observe pas de lien de causalité direct entre le transnationlisme individuel
et le soutien qu’il peut apporter à l’UE parce que les interactions transnationales se font à des
fins très diverses (2015, 40). De plus, ces interactions peuvent aussi engendrer des dommages
collatéraux (2015, 40).
Ensuite, il est important d’introduire une distinction établie par Kuhn entre les interactions
d’ordre social et celles d’ordre utilitariste. Les citoyens européens réalisent des interactions du
second ordre uniquement en raison de leur disponibilité. Cela comprend par exemple le fait
d’avoir une monnaie commune. De l’autre côté, les interactions qui se réalisent dans une
logique de pure socialisation ne relèvent pas de la téléologie, mais se font plus naturellement,
c’est-à-dire que la socialisation est une finalité en elle-même (2015, 55).

51
Les résultats des recherches de Kuhn s’inscrivent dans un spectre large. D’abord elle retient
que les interactions transnationales ne concernent qu’une petite partie des citoyens (2015, 144)
et donc la majorité interagit uniquement à l’intérieur de leur État nation respectif auquel ils ou
elles se sentent appartenir (2015, 145). Elle ajoute que le parcours éducatif joue également un
rôle important (2015, 145) de même pour la situation économique parce que ceux qui profitent
de la mobilité par exemple sont principalement ressortissants d’États membres riches (2015,
145). Elle déduit que les interactions sociales ont le pouvoir d’inculquer une attitude positive
envers l’UE et donc de faire naitre une identité européenne (Kuhn 2015, 144). Celle-ci pourrait
faire chuter ou diminuer les barrières entre différents groupes car le propre contexte est remis
en question (2015, 146). Comme les autres chercheurs et chercheuses, elle insiste aussi sur
l’idée que le transnationalisme s’avère plus efficace s’il surgit « par le bas » (2015,15).
Dans un autre travail de recherche, Kuhn étudie les attitudes cosmopolites en relation avec la
volonté citoyenne de redistribuer des ressources vers d’autres européens. Elle conclut que les
cosmopolites ne sont pas discriminatoires quand il s’agit de redistribuer les ressources au sein
de l’UE. Par contre, cela ne signifie pas que tous les bénéficiaires sont traités à part égale, car
elle constate une préférence pour la redistribution des ressources à l'échelle locale (Kuhn 2018,
1760 et 1766). C’est ce dernier point qui va servir de transition vers l’état de la recherche sur le
transnationalisme dans le domaine du cosmopolitisme.

2.2 Le transnationalisme dans le contexte du cosmopolitisme


Comme déjà annoncé, la référence principale dans la recherche sur le cosmopolitisme est
actuellement David Held. Nous allons nous concentrer sur ses études dans la partie théorique,
même si quelques éléments vont être décrits ici pour former une base. Les auteur.e.s suivants
sont pertinents dans cette partie: McGrew, Norris, Giddens, Mau et Diez-Medrano. Cependant,
uniquement les deux premiers seront exposés ici.
D’abord, le point de départ du cosmopolitisme selon Held est l’autonomie, c’est-à-dire
l’autodétermination de l’humain qui se trouve au cœur du système libéral, moderne et
démocratique. C'est cette autonomie qui ouvre la voie de la participation à la gouvernance aux
citoyens (Held 1995, 147ff). Il définit une loi cosmopolite en faisant référence au fondateur du
cosmopolitisme : Emmanuel Kant. Held stipule que le cosmopolitisme complète le „code of
existing national and international law, and a means to transform the latter into a public law of
humanity“(Held 1995, 227). Held prend en compte les interdépendances globales (Held 1995,
228) et envisage que le cosmopolitisme catapulte la citoyenneté démocratique vers « a truly
universal status ». Les citoyennetés multiples deviendraient possibles et permettraient aux

52
humains de participer aux processus politiques non seulement dans leur entourage direct mais
aussi au niveau régional et global (Held 1995, 223/ Held 2000, 522). La souveraineté
découlerait de la loi cosmopolite et apporterait un nouveau mécanisme de régulation qui
comprend des centres de décisions autonomes ne se limitant plus aux territoires nationaux. La
souveraineté se transformerait en « malleable time-space cluster » (Held 1995, 234/ Held 2000,
521).
McGrew a une approche similaire à celle de Held et ajoute la dimension transnationale dans ses
observations. Il repousse l’idée que le cosmopolitisme sert à établir un gouvernement mondial.
Il voit le cosmopolitisme comme un système global mais divisé en de nombreux centres de
pouvoir à tous les niveaux tenu en échec par la loi démocratique. Sa description de ce système
démocratique est la suivante : „heterarchical arrangement and not a hierarchy of political
authority, from the local to the global“(McGrew 2000, 503). Le résultat serait un système de
type hétérarchie qui repose sur un réseau d’associations, de villes, de nations et de régions.
Comme Held il place le principe de l’autonomie au centre et inscrit ses observations dans une
logique bottom-up (McGrew 2000, 503).
Held et McGrew essayent de mettre leurs constats dans le contexte européen. Held a une
approche plutôt eurocentrique, tandis que McGrew met l’accent sur le transnationalisme. C’est
à dire que Held insiste sur le caractère supranational de l’UE et explique : „it is the only
international organization by virtue of its own right to make laws which can be imposed on
member states” (Held 1995, 111). De son côté, McGrew rappelle que sans un « true demos »
l’UE est vouée à l’échec (McGrew 2000, 506). Un autre obstacle observé par McGrew est la
conjugaison difficile entre la souveraineté étatique et l’anarchie internationale qui rend la
construction d’une démocratie au-delà des frontières presque utopique (McGrew 2000, 507).
Norris présente une approche plutôt identitaire sur la question de l‘intégration européenne.
D’abord il définit l’identité nationale de la manière suivante:
„“national identity” is understood to mean the existence of communities with bonds of “blood
belonging” arising from sharing a common homeland, culture, myth and symbols, and historical
memories, economic resources, and legal political rights and duties” (Norris 2000, 289).
Ses idées peuvent être comparées au concept d’interaction de Kuhn. Norris emploi une
différenciation entre deux formes qui amènent à la création d’une identité : une forme provenant
de la société civile et une autre se basant sur l’ethnie. Sa pensée de base est la suivante: "we
know what we are by virtue of what we are not“(Norris 2000, 289). Norris reconnait que
l’identité nationale offre une légitimité importante à l’État nation (Norris 2000, 289).
En revanche, les cosmopolites s’identifient à une région plus vaste comme un continent ou
même le monde entier et évoluent dans une logique de raison, c’est-à-dire qui n’est pas limité

53
aux frontières nationales. Cela explique qu’ils et elles éprouvent une confiance plus profonde
envers des institutions de gouvernance globale. Pour revenir sur l’UE, Norris n’a pas pu
discerner de modèle qui expliquerait la fluctuation du degré d’identification avec l’UE (Norris
2000, 288).
Pour finir cette partie et réitérer les liens entre le cosmopolitisme et le transnationalisme, voici
une citation de Mau qui exprime une attitude positive quand il s’agit de l’intégration
européenne :
„by interacting across borders, individuals are expected to become aware of international
interdependence, to approximate their behavior and beliefs and to lower intergroup boundaries” (Vgl.
Mau et al. 2008)
Jusqu’ici sont exposés la pertinence de ce travail, les raisons desquelles découle la motivation
et l’état de la recherche. À présent, nous passons à la théorie qui offre le cadre pour l’analyse.

3. Théorie: Les sept principes cosmopolites d‘après Held


Puisque nous avons vu que Held est l’auteur principal dans le domaine du cosmopolitimse, sa
théorie composée de sept principes va nous offrir le cadre analytique. Cela signifie aussi que
les questions d’entretien vont en être dérivées.
Les trois premiers principes constituent la base de sa pensée (Held 2000, 520). Le premier traite
l’égalité entre tous les êtres humains: chaque individu a le droit à l’autodétermination (Held
2000, 515). Le deuxième concerne la capacité humaine à s’engager dans son environnement et
même à le transformer. C’est-à-dire que l’humain n’est pas uniquement un produit de la
collectivité de laquelle il ou elle fait partie, mais peut raisonner et agir par soi-même. Cela
implique la reconnaissance de tous les individus entre eux (Held 2000, 516).
Le troisième principe qui vient conclure le fondement part de l’idée que chaque individu a des
talents et des capacités particulières qu’il ou elle devrait être en mesure de développer. Par
contre, ce droit va de pair avec des responsabilités envers les individus avec lesquels il ou elle
coexiste (Held 2000, 516).
Les principes quatre à six servent à légitimer les actions individuelles et collectives qui
permettent le fonctionnement d’un régime (Held 2000, 520). Le quatrième principe englobe
toutes les formes de participation comme par exemple les processus de délibération qui
permettent de rattacher tous les individus dans les mécanismes de décision. Il s’agit d’arriver à
un consensus de manière paisible dans lequel les intérêts de tous les individus ont été pris en
compte, de même pour les interdépendances entre eux (Held 2000, 517).
Held précise que le quatrième et le cinquième principe nécessite une lecture conjointe. Le
cinquième stipule que les décisions collectives doivent être le résultat de la « volonté de tous »

54
et qu’elles doivent découler de la « délibération de tous ». Un processus de vote doit être mis
en place fonctionnant selon la « règle de la majorité » parce qu’autrement la minorité risquerait
de poser un véto à chaque décision ne paraissant pas convenable. Pour résumer, il s’agit
d’établir l’inclusivité en protégeant le « bien-être de la majorité » (Held 2000, 517).
Le sixième principe concerne l’organisation du pouvoir politique. Held s’exprime
complètement en faveur d’un système décentralisé parce qu’il permet de garantir la
participation d’un maximum de personnes. Quand il s’agit de contexte trans-locaux, -nationaux
et –régionaux, Held considère qu’il est d’une grande importance de créer plusieurs centres de
pouvoir à plusieurs niveaux. Ces structures de gouvernance permettraient de garantir le respect
de la démocratie. Un processus centralisé peut uniquement être envisagé si le groupe
principalement concerné par une décision se verrait marginalisé par le système décentralisé.
Held favorise clairement le système décentralisé (Held 2000, 517).
Le septième principe est le seul qui installe un minimum de hiérarchie, c’est-à-dire qu’il stipule
que tous les autres principes peuvent uniquement être mis en pratique si un minimum de
conditions de survie sont garanties. Held propose de prendre les tranches de la population les
plus fragiles comme orientation pour déterminer ce minimum (Held 2000, 519).
Pour finir, Held fait référence à Habermas pour introduire le concept de la pluralité comme
critère primordial caractérisant toutes les formes de vie (Held 2000, 520 / Vgl. Habermas 1996).

4. Méthodologie
Afin de compléter le cadre analytique, il est nécessaire de présenter les variables, les critères et
les facteurs de contrôle. D’autres auteurs vont être consultés pour fournir une analyse complète.
Cette étape va nous permettre d’établir une logique d’argumentation et d’en déduire l’hypothèse
de ce mémoire.
4.1 Les trois dimensions du transnationalisme individuel
Il est indispensable de suivre des critères précis au moment de sélectionner les personnes en
qualité de participer à l’entretien. Pour cela, les critères de Kuhn ont été pris en considération
(Kuhn 2015, 31). Premièrement, un individu transnational doit présenter un parcours de vie qui
l’amène à posséder plusieurs nationalités. De plus, la personne peut être nait dans un pays autre
que celui dans lequel elle réside. Ensuite les membres de leur famille sont dispersés dans le
monde et leurs parents parlent une autre langue que celle du lieu de résidence (Kuhn 2015, 31).
Finalement, ils ont transmis cette langue à leur enfant, ce qui fait de lui ou d’elle un individu
transnational (Kuhn 2012, 100).

55
Deuxièmement, les individus transnationaux font preuve de pratiques particulières comme par
exemple le fait d’interagir avec des individus d’une nationalité différente. Cela peut prendre la
forme de séjours courts ou longs à l’étranger (Kuhn 2015, 31).
Troisièmement, les individus possèdent un capital humain important, c’est-à-dire qu’ils ou elles
sont bilingues ou plus et que ces capacités linguistiques sont mises en pratique régulièrement,
aussi par l’utilisation de médias transnationaux. Kuhn en déduit que ces individus présentent
une ouverture cognitive ample (Kuhn 2015, 31/ 2012, 101).
Kuhn ajoute que d’autres facteurs jouent aussi un rôle dans la mise en pratique du
transnationalisme individuel: le facteur socio-économique, l’âge, l’urbanisation et la proximité
avec une frontière nationale (Kuhn 215, 83).

4.2 L’éducation en tant que précondition au transnationalisme


Le statut socio-économique résulte de trois éléments : le parcours éducatif, la profession et le
revenu (Kuhn 2015, 83). Nous allons nous focaliser sur le premier élément pour plusieurs
raisons dont la principale: le fait d’obtenir un diplôme académique offre un spectre plus large
de faire usage de ses capacités à caractère transnational (Kuhn 2015, 83).
Les auteurs ayant également travaillés sur le facteur éducation en lien avec le statut socio-
économique sont Favell et Fligstein. Ces deux derniers ainsi que Kuhn reconnaissent que les
individus étant en mesure de profiter de leur transnationalisme font majoritairement partie de
l’élite (Kuhn 2015, 83/Vgl. Favell 2008/ Fligstein 2010). Favell les nomme « eurostars » (Voir
Favell 2008). Kuhn constate qu’il existe un lien entre le transnationalisme individuel et une
attitude europhile, tandis que des personnes enracinées localement ne vont pas nécessairement
s’identifier avec l’UE (Kuhn 2015, 144).
Fligstein fait des observations similaires et établit une distinction entre « blue-collar workers »
(Fligstein 2010, 123) et « white-collar-workers » (Fligstein 2010, 126). Ces derniers étant celles
et ceux qui profitent de l’intégration grâce à leur métier et ont donc souvent un parcours éducatif
plus poussé que les « blue-collar workers » (Fligstein 2010, 126 und 178). Fligstein partage la
conviction d’une l’intégration européenne ne pouvant être réalisée uniquement « par le bas »
(Fligstein 2010, 127).
On retrouve une différentiation du même type chez les chercheurs Recchi, Favell et Risse. Ils
la font entre « movers » et « stayers » (Risse 2010, 48/ Recchi und Favell 2009, 3). Cependant,
Risse ajoute que d’autres facteurs peuvent impacter sur l’europhilie comme par exemple les
frontières fluctuantes de l’UE, l’espace Schengen qui ne correspond pas exactement au territoire
de l’UE et le fait que pas tous les États membres ont introduits l’Euro (Risse 2010, 56).

56
Vu que la disposition à s’engager de manière transnationale est réservée à une minorité, Kuhn
reconnait que l’UE a encore un long chemin à parcourir pour parvenir à l’intégration
européenne sur le plan social (Kuhn 2015, 79 et 80).
Un autre élément qui va servir à boucler le cadre analytique est le contexte national allemand
par rapport au français et vice-versa. Dans la partie suivante sera expliqué pourquoi ces deux
États membres ont été sélectionnés. Grâce à l’analyse, nous allons essayer d’établir une
comparaison entre ces deux contexte pour comprendre lequel des deux est plus à même
d’engendrer une société qui laisse transcender le cosmopolitisme.

4.3 Les contrastes entre l’Allemagne et la France


Nous allons à nouveau nous servir des recherches de Kuhn parce qu’elle explique la pertinence
d’analyser ces deux contextes lors de traiter l’intégration européenne. Les recherches de
Rokkan, Brubaker, Fligstein et Risse sont également importantes.
Kuhn établit trois raisons pour confirmer pourquoi il est intéressant d’analyser ces deux
contextes (Kuhn 2012, 99). Voici la plus importante : la structuration verticale du pouvoir que
l’on rencontre dans ces deux États membre est très différente. Ce fossé peut avoir des
répercussions importantes sur le potentiel de développement d’identités sub-nationales (Kuhn
2009, 99 /Vgl. Rokkan 2000). Pour le dire autrement, Kuhn affirme que dans le système fédéral
allemand, il est plus facile que des identités régionales voient le jour, tandis qu’elle remarque
que dans le système hautement centralisé en France, le cadre national domine (Kuhn 2009, 99).

Le chercheur Brubaker s’est consacré aux concepts nationaux et de citoyennetés françaises et


allemandes. Il reconnait que le fondement national de la France et la conception universelle de
la nation et de la citoyenneté (Fligstein 2010, 133/ Vgl. Brubaker 1992). En échange de la
citoyenneté, l’État français attend que tous les français s’assimilent aux « valeurs et à la morale
française ». Le paradoxe qui en résulte est que les différences entre les groupes sont opprimées
afin de garantir que tous les citoyens soient socialisés « à la française ». L’universalisme
français empêche donc des phénomènes comme le multiculturalisme. À l’inverse, la conception
du « Volk » allemand repose sur les liens de parentés et sur le mythe de la langue et des ancêtres
en commun. La condition primordiale pour obtenir la nationalité allemande est celle d’avoir un
ancêtre allemand (Fligstein 2010, 134/ Vgl. Brubaker 1992).
Il faut remarquer qu’à la suite de la Seconde Guerre mondiale, l’Allemagne a pu réinventer une
identité nationale sur la base du christianisme, de la démocratie et de l’économie sociale de
marché. L’identité collective européenne faisait partie de ces fondements. De plus, des traits du
système fédéral allemand sont présents dans l’intégration européenne (Risse 2010, 65 et 66). Il
57
s’est avéré nettement plus facile d’intégrer l’Europe dans le narratif allemand alors que
l’identité française se montre plus résistante à l’égard de l’encastrement de l’intégration
européenne. Les raisons avancés par Risse sont entre autre que la France se voit comme le lieu
de naissance des Droits de l’Homme, de la démocratie et du républicanisme et ne parvient donc
pas à bâtir un pont vers l’UE (Risse 2010, 71).
Risse conclut que le fédéralisme allemand s’inscrit dans la logique d‘intégration européenne
alors que l’identité française est capturée entre deux visions concurrentes : une Europe moderne
selon la devise Republican France writ large” et une forteresse européenne qui s’oppose au
multiculturalisme et la mondialisation non seulement de l’économie mais aussi de la culture
(Risse 2010, 76).
Les contrastes présentés dans cette partie éclaircissent pourquoi il est intéressant d’analyser
lequel des deux contextes autorise que le cosmopolitisme surgisse et renforce une identité
potentielle européenne. À présent, nous allons voir la logique de l’argumentation qui illustre la
problématique et propose le fil de l’analyse empirique.

4.4 La logique de l’argumentation


Pour rappel, la problématique discernée est la suivante: À quel degré est ce que les migrant.e.s
transnationaux portent des valeurs cosmopolites? De la problématique est déduite l’hypothèse
qui est simultanément la réponse provisoire: Les migrant.e.s transnationaux présentent un
degré élevé d’attitudes cosmopolitistes. Le mécanisme de causalité part de la variable
indépendante comme étant le cosmopolitisme individuel en tant que terrain propice à la genèse
d’une identité européenne en tant que variable dépendante. L’idée qui a engendré ce mémoire
repose sur les individus /migrant.e.s transnationaux jouant un rôle important dans le futur en ce
qui concerne l’engagement de la société civile dans la formation d’une identité européenne.
Comme il n’est pas réaliste de prouver cette idée, nous nous limitons à déterminer le degré de
cosmopolitisme de ces individus grâce à des entretiens et à leur analyse. Ce degré de
cosmopolitisme va fournir des indices sur leur potentiel à s’identifier avec l’UE et à soutenir ce
projet politique. Le facteur de contrôle principal est le parcours éducatif. Afin d’avoir un début
de représentativité, nous allons sélectionner des personnes qui possèdent un parcours éducatif
particulier. Ensuite, nous essaierons de limiter l’âge à 30 ans parce que les auteur.e.s exposés
ont observés que les jeunes ont davantage tendance à soutenir l’UE (Voir Fligstein 2010).
Finalement, les facteurs de contrôle contextuel choisi sont l’Allemagne et la France.

58
4.5 Opérationnalisation
Dans cette partie nous allons exposer la stratégie qui va nous permettre de mettre en œuvre la
logique de l’argumentation. Quatre personnes qui remplissent les critères d’individus
transnationaux vont être sélectionnées. La moitié aura accomplie son parcours éducatif
majoritairement en Allemagne et l’autre en France. Parmi ces deux personnes, une aura un
parcours éducatif académique tandis que l’autre aura un parcours professionnalisant ou exercera
déjà un métier à caractère manuel, technique ou artisanal. Ces quatre personnes répondront
approximativement aux mêmes questions. Des questions ponctuelles peuvent être formulées.
Un dictaphone servira à l’enregistrement et nous nous sommes orientés à une limite de 45
minutes pour chaque entretien s’avérant difficile à respecter dans la finalité. Les personnes sont
anonymes grâce à des pseudonymes grecs. Ensuite, nous avons procédés à la transcription des
entretiens. Les réponses seront analysées et valorisée grâce à la méthode phénoménologique de
Mayring. Celui-ci propose de mettre en relief la perspective de chaque participant. Il s’agit de
mettre les manifestations de phénomènes concrets en avant (Mayring 2016, 107). Dans notre
cas, il s’agit du cosmopolitisme. Il va être décrit grâce aux discours des participants. Au-delà
de la description, nous allons étudier le noyau de ce phénomène grâce au cadre analytique qui
a été expliqué dans les parties précédentes. Cela va également nous permettre d’établir des
comparaisons, notamment entre la France et l’Allemagne.

5. Résultats de l’analyse
5.1 Analyses phénoménologiques
Dans cette partie, nous allons analyser les entretiens un par un. D’abord, nous allons connaitre
les deux personnes qui incarnent la « perspective allemande », puis celles qui incarnent la
« perspective française ». La personne ayant un parcours éducatif plus poussé est présentée en
seconde position. Leurs caractéristiques qui les qualifient comme migrant.e.s transnationaux
peuvent être examinées dans l’annexe. Comme il s’agit de données factuelles et que nous
devons nous tenir à une certaine longueur, nous passons directement à l’analyse schématique
et systématique des entretiens.

5.1.1 Lethe
L’entretien avec Lethe nous a amené à la conclusion qu’elle porte des valeurs cosmopolites en
elle, même si les réponses à certaines questions concernant les principes quatre et six sont
restées légèrement superficielles. Elle est complètement convaincue du premier principe car
elle explique: « Zusammengefasst hat jeder den gleichen Wert, man muss nur genau wissen auf

59
was bezogen. Aber jeder sollte gleichgestellt sein. » Quand elle avance son exemple avec le
médecin, il devient clair qu’elle s’inscrit dans la pensée de Held. C’est à dire qu’elle accorde
une valeur importante au droit à l‘autodétermination et à la responsabilité que nous avons les
uns envers les autres, ce qui correspond au deuxième et au troisième principe de Held :

« Ja auf jeden Fall, eine sehr große Verantwortung. Es fängt bei Rücksicht an gegenüber anderen
Menschen. Egal was du für eine Handlung machst, leiden auch deine Mitmenschen, Sei es Verkehr,
Müll, die Umwelt, sei es jemand mit Worten zu beleidigen. »
En même temps elle reconnait que « le bien-être de la majorité » est tout aussi important car
elle se dit en faveur de la décision du médecin, même si au fond cette personne aurait voulu
devenir musicien.ne :

« Menschen, die außerhalb der Situation sind danken und sind froh darüber, dass er Arzt geworden
ist. Ich würde nicht sagen, dass er lieber Geigenspieler werden sollte. Das könnte ein Film oder ein
Bestseller sein. »
Cette conviction vient aussi confirmer le cinquième principe sur l’inclusivité qu’elle souligne
en s’exprimant de la manière suivante :
« Alle die in Deutschland leben, alle die das gleiche Recht befolgen müssen, sollten wählen dürfen auf
jeden Fall. […]Ich finde schon, jeder der im Land lebt, sollte wählen dürfen. Egal woher er kommt. »
Quand on analyse ses réponses qui correspondent au sixième principe sur la hiérarchie, il est
difficile d’en déduire une attitude qui reflète exactement celle de Held parce que Lethe dit
uniquement : « Die Welt braucht Anführer und Menschen die etwas leiten und andere, die
folgen. » Pour finir, ses réponses concernant le septième principe restent assez pragmatiques :
« Einen Grundkern braucht man zum Leben. Einen Job und eine Wohnung. »

Finalement, toutes les réponses de Lethe ne peuvent être valorisées comme cosmopolites
conformément aux principes établis par Held. Cependant, certaines réponses laissent
transparaitre une personne cosmopolite, même si elles sont difficilement catégorisables en
fonction des principes formulés par Held :

« […]meine Meinung bleibt trotzdem dass es eine Gestaltungssache ist, wie du dein Leben gestaltest.
Egal wo du bist. […]Du kannst in Thailand Küchenhilfe sein und dabei Meerblick haben und glücklich
sein. Du kannst gleichzeitig viel Geld haben wollen. Aber jeder will viel. Jeder will das Paradies.
[…]. »
Ou encore
„Es ist wichtig zu sehen, dass Menschen unterschiedliche Art und Weisen haben zu leben und die
Menschen unterschiedlich aufwachsen. Es ist wichtig zu wissen, dass es unterschiedliche Systeme gibt
und dass man auch von anderen Ländern lernen kann, wenn man denkt da funktioniert etwas besser.
Wenn dir ein System besser gefällt, dann kannst du da auch hinziehen. Deshalb denke ich, du kannst
überall auf der Welt leben.“

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5.1.2 Kirke
Kirke confirme les trois premiers principes de Held effectivement elle est convaincue que tous
les êtres humains ont la même valeur et que nous sommes tous nés avec les mêmes droits et
libertés : « Ich finde wir sind alle gleichwertig. Wir sind alle mit den gleichen Rechten geboren.
Wir genießen die gleichen Rechte und Freiheiten. » Ensuite, elle accorde une place importante
au droit à l’autodétermination en expliquant:
« Das gehört zur Freiheit dazu, dass du selbst bestimmen kannst was in deinem Leben passiert, ob Du
deine Entscheidungen treffen darfst. Das ist ein Menschenrecht. Ich bin gerade am Überlegen, weil
wir nehmen das als selbstverständlich wahr, was in vielen Ländern und Gesellschaften nicht der Fall
ist. Das sollten wir valorisieren. […] »
En ce qui concerne le troisième principe, elle met tous les êtres humains sur un pied d’égalité :
« Grundsätzlich, jeder Mensch ist gleichberechtigt seine Meinung zu äußern und an der Gesellschaft
teilzunehmen. Es geht nicht um das wertvolle. Es geht vielleicht um das moralisch Wertvolle, es gibt
nicht moralisch richtig oder falsch aber moralisch humanistisch. »
Les principes quatre et cinq peuvent être reconnus dans l’importance qu’elle accorde à la
participation de chacun dans les mécanismes de décision et au principe de l’inclusivité :
« Partizipatorische Mechanismen sollten mehr vorangetrieben werden und die Einbeziehung der
Gesellschaft nicht nur die politische Elite. »
Ou encore:
« Ja es ist wichtig, dass jeder Mensch teilnimmt an der Gesellschaft und demnach auch seine
Meinung äußert gegenüber dem gesellschaftlichen zusammenleben. Jedes Individuum sollte
einbezogen werden in die Gesellschaft und nicht marginalisiert werden. Das ist das Ziel einer
Gemeinschaft und Gesellschaft. Ein friedliches Zusammenleben, […]. Deshalb ist es wichtig, dass die
Menschen zustimmen und Partizipieren an der Gesellschaft, an der Demokratie. »
Ce qu’il faut remarquer dans les réponses de Kirke, c’est qu’elle remet en question le concept
du « bien-être de la majorité ». Kirke procède à déconstruire cette idée parce qu’elle trouve
problématique que la majorité domine la minorité :
« Warum muss die Mehrheit über die Minderheit herrschen? Ich finde das allgemein problematisch
dieses Herrschen der Mehrheit über die Minderheit. Das Wohl der Mehrheit impliziert quasi das wir
uns nur auf die Mehrheit konzentrieren […] aber die Minderheit sollte man auch respektieren und sie
hat auch Rechte und ihre eigenen Interessen und eine Idee davon was […] Wohlergehen ist. Ich finde
das Konzept allgemein nicht gleichberechtigend. »
Quand il s’agit du sixième principe, Kirke s’exprime en faveur d’un système décentralisé, non
seulement parce qu’il offre un environnement davantage propice au développement
économique mais aussi pour des raisons d’identité : « Dieses dezentralisierte kann eine eigene
Identität konservieren, fördern, die Sprache und Tradition der Region finde ich wichtig. »

Kirke a une attitude sceptique vis-à-vis du concept de la hiérarchie et confirme la pensée de


Held :

« Das bedeutet für mich eine vertikale „hmm“, es bedeutet für mich Ungleichheit. Es entstehen
gewisse Machtverhältnisse […], die sich in einer Gesellschaft breit machen, dass wir schwächere und
stärkere haben. Dass wir Ungleichheiten haben. »

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Finalement, Kirke est la participante qui nomme majoritairement des critères non-matérialistes
quand il s’agit de définir les conditions de survie minimales :

« […] gleiche Bildungschancen, dann Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, zwischen
unterschiedlichen Gemeinschaften, Nationalitäten, Populationen, etc. Freiheit, dann Solidarität,
Respekt gegenüber den anderen und sich selbst. […] Demokratie, oder noch was Besseres wenn es
das mal gibt. Rechtssicherheit, […]. Toleranz ist auch wichtig. Einkommensverteilung sollte viel
gerechter gemacht werden. […]. »
Pour finir l’analyse de son entretien, Kirke porte clairement des valeurs cosmopolites en elle
qu’elle souligne en concluant de la manière suivante :
« Ja also ich fühle mich als Teil der Menschheit, die diesen Planeten bewohnt. Wir teilen ein
gemeinsames Zuhause, deshalb sollten wir uns gut darum kümmern. »

5.1.3 Pontos
Pontos est le seul participant qui d’une part s’exprime en faveur du fait que tous les humains
ont la même valeur, mais en même temps, il trouve cette idée problématique et la déconstruit :
« On est tous différents mais d’autre part on est tous égaux et on a tous la même valeur. Déjà le terme
de valeur pour un humain, je trouve […] très négatif, péjoratif. On commence à mettre une valeur sur
quelque chose qui n’a pas de valeur. L’humain, c’est quelque chose de …, enfin, […] beau on va
dire.»
Nous constatons donc que la vision de Pontos est plutôt nuancée et qu’il reconnait des
paradoxes qu’il prend en compte dans la formulation de ses pensées. Il se montre aussi en faveur
du droit à l’autodétermination mais il exprime également quelques doutes :
« Chaque individu devrait pouvoir prendre les propre décisions pour soi-même […] je pense aussi
qu’on vit dans des sociétés dans lesquelles on ne peut pas décider tout pour soi-même non plus. Il y a
une prédisposition financière […] ou quelque chose qui va influencer […] la plupart des humains ou
même tous les humains devraient pouvoir décider de faire des choix pour eux-mêmes. »
Ensuite, il confirme le troisième principe en reconnaissant que chaque être humain a une
responsabilité envers les autres :

« Oui je pense qu’on a une responsabilité et qu’on doit s’y tenir. Les gens avec lesquels on habite sur
cette terre. Par exemple, si je vois quelqu’un qui frappe sa femme […], notre responsabilité est d’aller
envers cette personne, pour calmer celle qui tape et défendre celle qui se fait taper. On a aussi la
responsabilité d’appeler la police. On a toujours une responsabilité envers les autres, tant qu’on n’est
pas seuls sur terre. S’il y a quelqu’un on a une responsabilité envers eux à travers le respect, à travers
l’entraide, […] Respecter la liberté, les droits, la vie privée et ce genre de choses. »
Quand on analyse ses réponses qui correspondent au quatrième et au cinquième principe, on
constate qu’il est tout à fait conscient des interdépendances et que la gouvernance collective ne
devrait pas être négligée :

« Je pense que pour moi ça serait difficile si maintenant on disait […] soit t’as la nationalité
française ou soit t’as la nationalité allemande. C’est-à-dire ne plus avoir la double nationalité. […]
Après on reste dans l’espace Schengen, je pourrais quand même me balader entre France et
Allemagne, mais ça donnerait une certaine insécurité de passer la frontière. […] ça m’impacterait sur

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ma mobilité entre les deux pays. Aussi ma mobilité de travail bien sûr. […]La langue joue un grand
rôle dans le travail. Mais la nationalité, ça m’impacterait.»
Puis, Pontos s’exprime clairement en faveur d’un système décentralisé et établie une
comparaison entre la France et l’Allemagne :

« Je pense qu’en Allemagne c’est mieux le système fédéral. C’est comme dans l’anarchisme, prendre
des décisions dans un groupe en tant que groupe. Ne pas avoir d’Etat, de supériorité qui va décider
sur ce groupe. Toutes les décisions vont être prises dans ces groupes. Je ne veux pas dire que le
système fédéral c’est à peu près la même chose, mais par exemple dans le Baden Württemberg, les
décisions sont prises par l’Etat régional et de prendre des décisions pas rapport à un plus petit
groupe, c’est plus facile d’aider, bien sûr en restant dans les lois de toute l’Allemagne. […] c’est plus
facile d’aider un plus petit groupe que toute la France. Le système fédéral est plus adapté à un
bonheur d’une certaine population, enfin à un bien être d’une certaine population. »
En ce qui concerne la hiérarchie, Pontos s’exprime à nouveau de manière plutôt pragmatique
car il ne se dit pas tout à fait en faveur de celle-ci, mais la considère utile :

« C’est totalitaire mais ça aide. Par exemple dans le domaine du travail, sans hiérarchie, c’est
difficile de pouvoir avancer […] si on veut construire un bâtiment, on a besoin de quelqu’un qui prend
les décisions, celui de tout en haut, […] En dessous de ça, on a ceux qui font les plans, les « Statiker »,
[…] après il y a les sous-branches. Quand je vois la hiérarchie, je vois la pyramide. Sans la
hiérarchie dans le travail on ne pourrait pas avancer, ne pas faire tourner une boite. Mais d’un point
de vue négatif, je dirais que la hiérarchie c’est quelque chose de très… c’est prendre du pouvoir sur
des gens, alors que pour moi tous les gens sont égaux, c’est paradoxal. […] »
Puisque Pontons évolue dans un contexte franco-allemand de part sa famille et son parcours
éducatif, notamment au Lycée franco-allemand de Fribourg en Brisgau, au cours de l’entretien,
il a laissé entendre que les hiérarchies se ressentent de manière plus marquée dans le contexte
français et moins dans le contexte qu’il caractérise d’allemand.

Pour finir, il énumère des conditions de vie fondamentales à caractère physique et moral comme
par exemple « Tout ce qu’on a besoin pour faire fonctionner le corps humain. » Il fait référence à la
tradition bouddhiste dans laquelle les moines « se restreignent au strict minimum et au
développement de la pensée et de la concentration et du mental à travers la méditation» et ajoute
finalement : « Mais […] des personnes basiques en France ou en Allemagne, on n’est pas au strict
minimum. […] Parce que l’humain a aussi besoin d’une liberté, peut-être encadré. Ça fait aussi partie
du strict minimum. Après pour vivre, il faut se loger aussi. […]. »

5.1.4 Medea

D’abord Medea considère que la valeur humaine est très importante. L’explication qu’elle
donne peut non seulement confirmer le premier principe mais aussi celui sur la pluralité : « […].
Je pense qu’on est tous égaux même si on est tous différents. » Ensuite elle place le droit à
l’autodétermination au centre de la vie humaine : « C’est hyper important. C’est un des buts de

63
sa propre vie. De choisir son chemin et d’avoir le droit de choisir. A mon sens c’est hyper
important. »

On reconnait également le deuxième principe dans les idées de Medea parce qu’elle remarque
que le monde japonais et le contexte français l’influence dans ses actions :

« […] ma double culture m’a permis d’avoir une ouverture d’esprit assez large pour vouloir vivre
dans un autre pays étranger et apprendre la langue. Le fait que ce soit aussi la Serbie qui est un pays
assez pyramidale comme le Japon me fait penser que je n’ai pas choisi le Japon pour rien non plus.
[…], c’est le côté cellulaire de la famille avec la figure paternelle, la femme au foyer et les enfants
[…] j’ai été vachement sensibilisée à la nature […] même si j’ai toujours vécu dans une grande ville
et aujourd’hui je me rends compte que ça détermine mes choix. […] »
et vice-versa grâce à sa capacité à interagir dans différents contextes :
« Ce que je privilégie beaucoup c’est les échanges à travers la communication et donc ma manière la
plus primaire d’interagir avec ces communautés et d’intégrer ce que chacun pense. De l’intégrer et de
l’assimiler […] pour la Serbie c’est juste retourner là-bas et voir ma famille, parce que ce n’est pas
une communauté que je fréquente sur Paris. Pour le Japon, ce sont plutôt des choses qui me touchent
artistiquement et de l’ordre de la communication, c’est vraiment le dialogue entre les cultures ma
manière la plus aboutie […] de prendre place dans ces communautés. […] »
Le troisième principe est clairement représenté dans les idées de Medea:
« Déjà envers lui-même, mais lui-même c’est un peu les autres aussi. Déjà la responsabilité de ses
actes. […] On est vachement déresponsabilisés de nos actes les plus intimes et les plus simples dans
les sociétés européennes. Que ce soit consommer, […] maintenant c’est le plastique. […] je dirais
qu’on est responsable de son ignorance aujourd’hui aussi parce que l’on a les moyens de savoir.
[…] »
Medea établie un lien entre le principe quatre et cinq quand on l’interroge sur l‘inclusivité et le
« bien-être de la majorité » parce qu’elle définit ces deux choses d’une façon assez similaire:

« […] intégrer tout le monde. Du coup, c’est-à-dire de ne pas forcément juger sur les apparences dans
un premier temps et puis ne pas s’arrêter, ne pas avoir un jugement hâtif ou catégorique. C’est plus
une question de tolérance et d’acceptation. »
et
« […] harmonie globale. […] On ne juge pas parce qu’un certain est d’une certaine confession
religieuse. Une harmonie entre tous les êtres vivants. »
En ce qui concerne le sixième principe, elle est tout à fait consciente des interdépendances au-
delà du contexte européen et pense qu’elles devraient être prises en compte dans des
mécanismes de décision :

« Par exemple le fait de voyager. Je pense que c’est super important parce que si on ne connait pas
ces choses-là, c’est difficile de prendre des décisions pour les autres. Il faut se rendre compte de sa
condition pour arriver à mieux comprendre et donc à penser d’une manière différente surtout quand
on parle de communauté. Là je parle d’un point de vue global. […] Alors, si t’es une communauté qui
est liée par des valeurs communes ou si c’est par religion ou si c’est l’histoire du village, forcément
les valeurs vont avoir tendance à être un peu similaires. Par exemple la Yougoslavie avant, c’était
plusieurs pays différents […] Il y avait une vraie cohésion et […] fraternité. Les gens s’acceptaient et
se toléraient. […] Je pense que du coup la coexistence est hyper important. »
64
Ensuite, Medea s’exprime clairement en faveur d’un système décentralisé et estime que ce type
d’organisation est plus efficace pour plusieurs raisons :

« Je pense que décentralisé c’est mieux parce que ça me semble plus inclusif. Comme ça tout le
monde est responsabilisé. Ça permet à tout le monde de penser ce qui serait bien autant pour les
autres que pour soi. Le fait d’impliquer les gens c’est stimulant. Ça force aussi à apprendre des
autres. […] Ça permet d’analyser plusieurs cas de figure et souvent […] ça permet de rendre les gens
volontaire. J’ai l’impression quand c’est centralisé, c’est souvent une faute de moyen alors que quand
c’est décentralisé les gens se démènent eux-mêmes pour trouver des solutions et généralement ça va
plus vite. Donc […] c’est plus efficace. […] c’est plus facile de répartir les ressources. Comme par
exemple avec du troc ou des monnaies locales. »
Pour finir, elle a une attitude plutôt négative envers toute forme de hiérarchie et fait surtout
référence au Japon :

« Ayant connu le milieu japonais, […] je ne suis pas très convaincue. Je trouve que les rôles ne sont
pas attribués en fonction des compétences de chacun. De cela résulte parfois de la contre productivité,
des rapports néfastes entre collègues ou entre supérieurs et donc une perte de temps. D’un point de
vue japonais c’est complètement incohérent et inefficace parce qu’eux même sont intransigeants à la
hiérarchie. »
Après avoir analysé les entretiens et discerné les principes de Held de manière systématique
dans les réponses des participants, nous allons procéder à l’évaluation des résultats, c’est-à-dire
que nous allons remettre en question la théorie appliquée, la méthodologie les facteurs de
contrôle employés et l’hypothèse.

6. Évaluation de l‘analyse
6.1 Les limites de la théorie cosmopolite de Held
D’abord, réaliser des entretiens ne va pas de soi et requière de l’expérience. Il s’est avéré
difficile de formuler des questions à partir des principes qui n’amènent pas à de simples
affirmations ou négations. Cela est dû à la théorie parce que son noyau est assez idéaliste et
philosophique. De plus, il n’est pas facile de formuler des questions accessibles à tous les
participants au premier abord.
Une autre faiblesse de la théorie est son caractère universel et sa vision occidentale. Held crée
un « système politique sans faille ». Il serait pertinent d’entreprendre davantage de recherches
sur ce point car même si tous les participants se montrent cosmopolites, cela n’est pas
automatiquement une preuve d’humanisme. De plus, le caractère universel et la cohérence
parfaite de la théorie la rendent légèrement unilatérale dans son application, même si elle inclut
un large spectre de phénomènes comme la pluralité, l’inclusivité etc. Certaines de ces difficultés
résultent peut-être tout simplement de l’écart entre la théorie et la pratique.
Ensuite, il a parfois été difficile de maintenir une distinction entre les principes, certaines
réponses correspondaient à plusieurs principes. Il y a avait donc des chevauchements qui
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rendent l’application de la théorie problématique. Cela peut en partie aussi être dû à la
méthodologie phénoménologique de Mayring qui est assez souple et ne permet par conséquent
pas de réaliser un travail d’une très haute précision.

6.2 Les obstacles lors de la mise en œuvre et les faiblesses de la méthodologie


Du côté pratique, il n’a pas été évident de trouver des personnes qui s’alignent au stéréotype
transnational. Il a été particulièrement difficile de rencontrer des personnes bilingues en France
que ce soit dans des milieux socio-économiquement privilégiés ou modestes. Ce manque
découle probablement du concept national français et de son objectif universel. Il pourrait être
intéressant de poursuivre des recherches qui vont dans cette direction.
Il faut prendre en compte qu’il existe une marge d‘interprétation. Par conséquent, il n’est pas
possible de catégoriser une déclaration de strictement non-cosmopolite. Plus concrètement, une
personne qui jouit des Droits de l’Homme ne va certainement pas se prononcer à leur encontre
et va donc probablement soutenir les principes de Held.
Ensuite, il est difficile de trouver le juste milieu au moment de diriger l’entretien afin de ne pas
conduire les participants à s’exprimer d’une manière ou d’une autre. Une partie des
participant.e.s s’est exprimée plus ouvertement et l’autre s’est parfois orientée au consensus
général. Celui-ci est fortement en lien avec le contexte dans lequel la personne a evolué et aussi
avec son parcours éducatif sans qu’il y ait de différence poignante entre celles qui ont un
diplôme académique et celles qui n’en n’ont pas. Dans des recherches plus poussées, il pourrait
être pertinent d’ajouter les tendances politiques individuelles aux facteurs de contrôles.
Le fait que les entretiens aient été réalisés en deux langues et aussi l’hétérogénéité des
participant.e.s font surgir des obstacles de terminologie. C’est-à-dire que certains concepts
comme « société ou encore « communauté » n’ont pas nécessairement les mêmes connotations
et peuvent donc porter à confusion quand il s’agit de les analyser ou de les transférer d’un
contexte à un autre.
Pour finir, la méthode de Mayring est très flexible et offre beaucoup de libertés d’interprétation.
Cela simplifie l’évaluation des entretiens mais ne permet pas une précision absolue. Nous allons
conclure en revenant sur la problématique et l’hypothèse initiales.

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7. Conclusion
Tous les participants ont montré une certaine proximité avec les principes de Held, c’est
pourquoi la problématique mérite une réponse affirmative. L’hypothèse « Les migrant.e.s
transnationaux présentent un degré élevé d’attitudes cosmopolitistes. » est de ce fait plausible.
Cependant, il faut annoncer cette plausibilité avec précaution parce que ce mémoire n’est pas
représentatif, il offre uniquement des éléments de réponses en faveur de l’hypothèse. Les
entretiens n’ont pas permis d’établir une différenciation nette entre l’Allemagne et la France.
Tout de même, il semble que la plausibilité de l’hypothèse soit plus réaliste en Allemagne qu’en
France si on fait référence à quelques éléments qui sont parvenus à la surface lors de l’entretien
avec Pontos et qui peuvent être approfondis grâce à l’annexe. Un autre élément qui peut
souligner cette sous-hypothèse est que ¾ de participant.e.s se sont dit en faveur de systèmes
décentralisés.
Afin de fournir des réponses plus concrètes, il serait pertinent de mener le même type d’enquête
avec des personnes ne remplissant pas les critères transnationaux. Cela permettrait de comparer
si les valeurs cosmopolites sont exclusives ou du moins plus accessibles aux individus
transnationaux qu’aux non-transnationaux. Ensuite, il pourrait également être intéressant
d’appliquer une théorie du domaine de l’humanisme, puisque c’est manifesté lors des entretiens
et parce qu’il présente des parallèles avec le cosmopolitisme.
Finalement, ce travail est une première illustration qui peut nous amener à supposer que les
migrant.e.s transnationaux sont potentiellement les acteurs idéaux dans la consolidation de
l’Union européenne. Il est certain que le vécu de ces personnes jouera un rôle important au sein
de la société civile dans la formation d’une identité et d’une solidarité européenne à venir.

Corps du texte: 9 410 mots

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9. Bibliographie

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Lewis, 14–22. London: The British Academy, 2017.

10. Anhang
10.1 Fragenkataloge auf Deutsch und auf Französisch
10.1.1 Individueller Transnationalismus
1. Wo bist du geboren?
Quel est ton lieu de naissance ?
2. Wie alt bist du?
Quel âge as-tu?
3. Wo kommen deine Eltern her /Welche Nationalität haben sie?
D’où viennent tes parents/ de quelle nationalité sont-ils ?
4. Bist du mehrsprachig aufgewachsen? Wenn ja, welche Sprachen?
As-tu été élevé.e bilingue ou polyglotte?
5. Sprichst du noch weitere Sprachen?
Parles-tu davantage de langues?
6. Verwendest du regelmäßig die Vielfalt deiner Sprachen an?
Fais-tu régulièrement usage de la pluralité de tes langues ?
7. In welchen Ländern hast du gelebt? Wie lange?
Dans quels pays as-tu vécu ?
8. Hast du Freunde und Verwandte in anderen Ländern?
As-tu des membres de ta famille et/ou des amis dans d’autres/plusieurs pays ?
9. Wie ist dein Bildungsweg?
Peux-tu décrire ton parcours éducatif?
10. Welche Abschlüsse hast du?
Quel(s) diplômes détiens-tu?
11. Welche ist deine aktuelle Haupttätigkeit?
Quel est ton occupation principale actuellement?
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12. Zu welchem Land oder zu welcher Region fühlst du dich am meisten zugehörig?
À quel pays as-tu le sentiment d’appartenir le plus ?
13. An welche geographische Entität fühlst du dich am stärksten gebunden? Die Stadt oder
die Region in der du lebst oder ein Land insgesamt, ein Kontinent oder die Welt in ihrer
Gesamtheit?
À quelle entité géographique te sens-tu le plus attaché.e ? Est-ce la ville ou la
région dans laquelle tu vis ou plutôt un continent ou le monde entier ?

10.1.2 Kosmopolitismus

Es ist anzumerken, dass nicht alle Fragen Anwendung gefunden haben und dass nicht alle
Teilnehmer exakt dieselben Fragen gestellt bekommen haben.

Prinzip 1:

Was denkst du über den Wert des Menschen und der Menschen untereinander?

Que penses-tu de la valeur de l’humain? Que penses-tu de la valeur d’un humain par
rapport à un autre ?

Was bedeutet für dich die Freiheit der einzelnen Individuen?

Que signifie pour toi la liberté de chaque individu ?

Denkst du dass Gleichheit unter den Menschen realisierbar ist?

Penses-tu que l’égalité entre les humains est réalisable ?

Was denkst du über das Recht zu Selbstbestimmung eines jeden einzelnen Individuums?

Que penses-tu du droit à l’autodétermination de chaque individu ?

Denkst du, dass der Geburtsort und der Ort sowie die Art des Heranwachsens eines Individuums
einen Einfluss auf sein Selbstbestimmungsrecht/Selbstbestimmtheit haben?

Estimes-tu que le lieu de naissance et la façon de laquelle un individu est élevé aient
une influence sur l’autodétermination de cet individu ?

Findest du, dass man eine Unterscheidung machen kann wenn es um den Wert oder die
Wichtigkeit der Interessen einer Menschengruppe oder eines Individuums zu einer/m anderen
machen kann?

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Selon toi, peut-on établir une différence entre l’importance ou la valeur des intérêts
d’un individu ou d’un groupe de personne par rapport à ceux d’un autre ?

Findest du, dass manche Menschen einen höheren moralischen Status haben als andere?

Selon toi, est-ce-que certaines personnes ont un statut moral supérieur à d’autres
personnes ?

Prinzip 2:

Fühlst du dich als Teil einer Gemeinschaft oder Gesellschaft? Wenn ja, welche und warum?

Est-ce que tu as le sentiment d’appartenir à une collectivité ou à une société ?

Fühlst du dich mehreren Gemeinschaften oder Gesellschaft zugehörig?

As-tu le sentiment d’appartenir à plusieurs collectivités ou sociétés ?

Wie definierst du / beschreibst du die Gemeinschaft oder Gesellschaft der du dich angehörig
fühlst?

Comment décris-tu la collectivité ou la société à laquelle/ auxquelles t’appartiens ?

Hast du das Gefühl, dass die Gemeinschaft Gesellschaft die dich umgibt deine Handlungen
beeinflusst? Wenn ja, wie?

As-tu l’impression que la collectivité ou la société qui t’entoure influence tes actions ?

Was bedeutet es für dich aktiv in einer Gemeinschaft oder Gesellschaft zu handeln?

Que signifie pour toi le fait d’agir au sein d’une collectivité ou d’une société ?

Denkst du, dass deine Handlungen eine Wirkung auf die Gemeinschaft oder Gesellschaft haben,
die dich umgibt oder ist die Gemeinschaft eine feste Struktur die dich einnimmt?

As-tu l’impression que tes actions ont des répercussions bonnes ou mauvaises sur ton
entourage/ ton lieu de vie ?

Wie frei fühlst du dich innerhalb deiner Gemeinschaft oder Gesellschaft?

Te sens-tu libre au sein de ta collectivité ou société ?

Welche Bedeutung hat für dich die Koexistenz menschlicher Handlungen innerhalb einer
Gemeinschaft oder Gesellschaft?

71
Quelle est l’importance de la coexistence des actions humaines à l’intérieur d’une
collectivité ou société ?

Denkst du dass jedes Individuum in der Lage ist selbstbestimmt zu handeln und dadurch sein
Umfeld zu verändern?

Estimes-tu que chaque individu est en mesure d’agir de manière autonome et par cela
de changer/modifier son entourage ?

Wie viel Freiraum sollten Individuen sich deiner Meinung nach gegenseitig geben?

Combien d’espace d’action est-ce que les individus devraient s’accorder entre eux?

Prinzip 3:

Hat deiner Meinung nach jedes Individuum eine Verantwortung gegenüber seinen
Mitmenschen? Wo fängt sie an und wo hört sie auf?

Penses-tu que chaque individu a une responsabilité envers ses concitoyens ? Comment
décris-tu cette responsabilité?

Denkst du, dass jeder Mensch besondere Talente hat die, er/sie entwickeln können müsste?

Penses-tu que chaque individu a un ou plusieurs talents particuliers qu’il/elle devrait


être en mesure de développer ?

Wenn ja, welche Konsequenzen könnte ihre Umsetzung mit sich bringen?

Dans le cas affirmatif, quelles conséquence pourrait-ce entraîner ?

Gibt es menschliche Handlungen, die anderen bevorzugt werden können oder müssen oder sind
alle Handlungen gleichberechtigt und gleichwertig?

Y-a-t-il des actions humaines qui méritent d’être favorisées ou est-ce que toutes les
actions humaines sont égales en droit et en valeur ?

Prinzip 4 und 5:

Welche Bedeutung hat für dich die individuelle Zustimmung einer Gemeinschaft oder
Gesellschaft gegenüber?

Quelle importance est-ce que tu accordes à l’approbation de chaque individu envers sa


collectivité ou société ?

72
Was bedeutet für dich „Inklusivität“?

Que signifie « l’inclusivité » pour toi?

Was bedeutet für dich „der Wille aller“?

Que signifie pour toi „la volonté de tous » ?

Was bedeutet für dich „das Wohl der Mehrheit“?

Que signifie pour toi « le bien être de la majorité » ?

Wie viel Gewicht sollten Minderheiten in Entscheidungsprozessen gegeben werden?

Combien de poids penses-tu devrait être accordé aux minorités dans les processus de
décision ?

Beteiligst du dich an die Entscheidungsmechanismen deiner Gemeinschaft oder Gesellschaft?

Est-ce que tu t’engages dans des processus de décisions de ta collectivité ou de ta


société ?

Welche Bedeutung hat für dich die Findung eines Konsenses?

Que signifie pour toi le fait de trouver un consensus ?

Auf welche Weise findest Du, dass Konsens in einer Gemeinschaft oder Gesellschaft zustande
kommen sollte?

De quelle manière estimes-tu qu’un consensus devrait être établi dans une collectivité
ou société ?

Findest du, dass kollektive Vereinbarungen die Interessen und Ideen eines jeden Individuums
miteinbeziehen sollten?

Trouves-tu qu’un accord devrait prendre en compte les intérêts et les idées de chaque
individu ?

Welche Mechanismen findest du am geeignetsten, um zu kollektiven Entscheidungen zu


gelangen?

Quels mécanismes considères-tu plus adaptés pour arriver à une décision collective ?

Findest du es wichtig, dass Interdependenzen und Unterschiede von Individuen und von
Gemeinschaften als Ganzes berücksichtigt werden?

73
Considères-tu important de prendre en considération les différences et les
interdépendances des individus et des collectivités dans leur ensemble ?

Prinzip 6:

Kannst du in unserer heutigen Welt grenzüberschreitende Interdependenzen / Abhängigkeiten


beobachten?

Observes-tu des interdépendance/dépendances transfrontalières dans le monde


d’aujourd’hui ?

Ist es relevant für dich was in den Nachbarländern passiert?

Est-ce que ce qui se passe dans les pays voisins est pertinent pour toi?

Kannst du transnationale und transregionale Phänomene in deinem Alltag beobachten?

Peux-tu observer des phénomènes transnationaux et transrégionaux dans ta vie


quotidienne ?

Findest du dass diese Phänomene eine größere Rolle in Entscheidungsprozessen spielen


sollten? Wenn ja, wie und warum?

Ces phénomènes devraient-ils jouer un rôle plus important dans les processus de
décision ? Si oui, pourquoi et comment?

Denkst du Ereignisse in anderen Regionen dieser Welt haben Auswirkungen auf dein Leben
und das deiner Zugehörigkeitsgemeinschaft?

Penses-tu que des évènements dans d’autres régions du monde ont des répercussions
sur ta vie et la vie des membres de ta collectivité ou société ?

Findest du viele oder eher weniger Entscheidungszentren sinnvoll und effektiv?

Considères-tu qu’il est plus efficace de mettre en place un grand ou un petit nombre de
centre de décision ?

Wie stehst du dezentralisierten Entscheidungsprozessen gegenüber?

Quelle attitude as-tu envers des processus de décisions centralisés ?

Wie stehst du zentralisierten Entscheidungsprozessen gegenüber?

Quelle attitude as-tu envers des processus de décisions décentralisés ?

74
Welches Modell findest du inklusiver und warum?

Quel modèle considères-tu comme étant davantage inclusif?

Im Anbetracht dieser Interdependenzen, wie findest Du könnte man Demokratie anders


umsetzen?

Puisque tu observes des interdépendances, vois-tu d’autres manières de mettre en œuvre


la démocratie ?

Prinzip 7:

Was bedeutet „Pluralität“ für dich?

Que signifie la « pluralité » pour toi?

Was bedeutet Vielfalt in einer Gesellschaft?

Que signifie la « pluralité » dans la société ?

Was bedeutet Hierarchie für dich?

Que signifie « hiérarchie » pour toi?

Was sind minimale und vitale Lebensvoraussetzungen für Dich?

Quels sont les conditions de vie nécessaires selon toi ?

10.2 Transkriptionen der Interviews

Die Befragten wurden anonymisiert.

10.2.1 Lethe

Transnationalismus :

- in Brasilien geboren, 23 Jahre alt, beide Eltern Brasilianer, besitzt die deutsche und die
brasilianische Staatsbürgerschaft
- Hauptsächlich portugiesisch aufgewaschen, mit 8 Jahren nach Deutschland gekommen
- Deutsch innerhalb von 2 Jahren gelernt, zuhause Portugiesisch gesprochen mit Mutter
und mit der Schwester und außerhalb von Zuhause Deutsch
- Aktueller Wohnort Australien, „Work and Travel“ seit 3 Monaten voraussichtlich noch
6 Monate in Australien und danach nach Neuseeland

75
- Spricht regelmäßig deutsch, portugiesisch und englisch, hinzukommt, dass Pateneltern
aus Spanien kommen und sie in Spanien getauft wurde. Mutter hat ein paar Jahre in
Spanien gearbeitet. Regelmäßige Besuche bei den Pateneltern und Spanisch gelernt.
- Hat Freunde und Verwandte in anderen Ländern u.a. Spanien und Brasilien
- Bildungsweg: „Erst 2 Jahre in Konstanz auf eine Schule für Ausländer gewesen, um
Deutsch zu lernen, was keinen Sinn ergeben hat weil, um Deutsch zu lernen muss man
sich mit Deutschen umgeben. Es gab aber nur Türken, Spanier, Brasilianer. Meine
Schwester und ich haben mit unsren Freunden aus der Nachbarschaft Deutsch gelernt.
Bei der Hälfte der dritten Klasse bin ich in Freiburg eingestiegen. Es war schwierig,
weil die schon ein bestimmtes Niveau hatten. Aber als Kind ist es leichter das zu lernen
als Erwachsener. Dann Hauptschule, dann Werkrealschule. Fachabitur mit Schwerpunkt
Grafikdesign. 2-Jährige Ausbildung als Foto-Medien technische Assistentin.“
- Beruflich: Angefangen zu jobben in einer Textildruckerei, danach im Einzelhandel als
Verkäuferin.
- Frage 12 und 13: „Zuhause fühlen ist für mich Freiburg, da sind meine Leute. Ich liebe
meine Familie in Brasilien, aber die meisten Personen mit denen ich Zeit verbringe sind
meine Mutter, meine Schwester und meine Nichte. Der Ort an dem ich mich am meisten
gebunden fühle ist die Stadt Freiburg. Länder und Region bin ich relativ offen. Wenn
es schön ist, es Strand gibt, oder in der Schweiz sei es nur Basel habe ich Urlaubsgefühle,
aber Zuhause ist die Stadt Freiburg.“

Kosmopolitismus:

Frage (F): Was denkst du über den Wert des Menschen? Denkst du, dass manche Menschen
wertvoller sind als andere?

Antwort (A): Ich finde jeder hat seinen eigenen Wert. Auf die gesamte Menschheit bezogen,
gibt es manche die selbstloser sind als andere. Das finde ich sehr positiv aber nicht besser.
Manche sind besser vom Umgang oder von der Denkweise her, aber ich weiß nicht ob jeder
wirklich etwas dafür kann. Ich finde Vorurteile, wenn man nur nach dem was man gerade sieht
beurteilt, finde ich zu weit hergeholt. Es ist simpel zu sagen, der ist ein schlechter Mensch, weil
er den armen Kindern in Afrika nicht hilft. Man muss alles hinterfragen können.
Zusammengefasst hat jeder den gleichen Wert, man muss nur genau wissen auf was bezogen.
Aber jeder sollte gleichgestellt sein.

F: Was bedeutet für dich die Freiheit von jeder einzelnen Person?

76
A: Das ist eine gute Frage. Freiheit war mein Abschlussthema im Fachabitur. Das ist ein
komplexes Thema. Ehrlich gesagt, kann ich diese Frage nicht so frei beantworten, dadurch dass
mich heftig damit beschäftigt habe in der Fachhochschule. Es gibt verschiedene Punkte und
Ansätze. Das ist nicht in einem Satz definierbar.

F: Was bedeutet für dich, dass jedes Individuum frei sein kann und darf?

A: Zu entscheiden was er machen will.

F: Zum Beispiel?

A: Ganz grobes Beispiel, in der Familie, du wächst auf, dein Vater ist Arzt und will dass du
seine Stelle übernimmst. Also wenn ich irgendwann die Praxis übernehmen willst, musst du
Medizin studieren, obwohl du Geigenspieler werden wolltest. Dann machst du es aus Liebe zu
deinen Eltern bis zu 50 bist. Ich finde es wichtig, dass man nicht gezwungen wird und dass du
deinen Weg gehst.

F: Denkst du, dass alle Menschen gleich sind und dass Gleichheit unter den Menschen
realisierbar also machbar ist?

A: Durchaus, ja.

F: Denkst du, dass es Ausnahmen oder Hindernisse gibt?

A: Wenn man es so betont, nein. Man könnte richtig lange darüber reden, ob Gleichheit
realisierbar ist. Weil irgendwo hat jeder seine eigene Persönlichkeit und seine eigene
Denkweise. Allein siehe die Politik oder Parteien. Es gibt so viele Parteien das hier ist wichtiger,
deswegen wählt uns. Und die anderen meinen es ist viel wichtiger sich darauf zu konzentrieren,
deswegen wählt uns. Deswegen gibt es Politik. Es scheitert an der Gleichheit und an Balance
zwischen den Menschen.

F: Das Beispiel mit den Parteien, manche Politiker schlagen das vor und andere etwas anderes:
findest du dass die Meinungen der einzelnen Parteien gleich viel wert sind?

A: Es hackt sich auf etwas zu einigen. Es gibt viele Punkte wo die meisten Menschen es gleich
sehen. Aber sich auf eine Sache zu einigen ist für die Menschen fast nicht mehr machbar sich
auf etwas zu einigen wo alle ja sagen. Nur selten gab es Situationen wo sehr viele Menschen
alles stehen und liegen gelassen haben, weil sie gesehen haben es ist wichtig und sie finden
dass es sich lohnt den gleichen Weg zu gehen. Deswegen finde ich es ist durchaus machbar: es

77
gibt viele Punkte wo man gleich denkt aber sich für etwas zu entscheiden, so machen wir das,
ist fast unmöglich.

F: Also zum Beispiel sollte jeder gleich viel Redezeit haben und die gleichen Chancen haben
sich auszudrücken?

A: Ja genau das, egal ob man dafür oder dagegen ist, sollte man die Chance haben und man
sollte sich gegenseitig zuhören. Nur weil man viel Geld oder „connections“ hat oder so und so
viel erreicht hat, sollte man nicht mehr zu sagen haben als eine Person die gerade gestartet hat.

F: Findest du, dass manche Menschen einen höheren moralischen Status haben als andere zum
Beispiel?

A: Das kommt für viele Menschen so rüber dadurch dass die schon einiges erlebt oder geleistet
haben in ihren Leben, kommt es für viele andere so rüber als ob die moralisch etwas weiter
oben sind. Aber für Menschen die weniger Vorurteile haben, oder die nicht darauf achten was
du für materielle Dinge man hat, können auch wertschätzen und zuhören.

F: Fühlst du dich einer Gemeinschaft zugehörig? Vorhin hast du gesagt, dass die Stadt Freiburg
dein Zuhause ist. Gibt es eine Gemeinschaft, deine Umgebung kann verschiedene Formen
haben. Fühlst du dich einer Gemeinschaft zugehörig?

A: Was ist mit Gemeinschaft gemeint? Familie Freunde, Verein?

F: Fühlst du dich mehr Brasilien oder Deutschland zugehörig?

A: Ich fühle mich mehr Deutschland zugehörig. In Deutschland fühle ich mich viel wohler als
in Brasilien. Also dort fühle ich mich genauso wohl. Aber ich weiß, dass ich generell lieber in
Deutschland mein Leben führen möchte. Sei es Wohnung oder Haus oder etwas aufbauen. Ich
weiß nicht was in den nächsten Monaten passiert. Vielleicht gefällt mir ein Ort so gut, aber so
aktuell wenn ich Pläne schmiede rede ich immer von zurückkommen und wenn ich dieses Wort
in Gedanken habe, ist es immer Freiburg und Deutschland. Es könnte auch Basel sein aber nur
weil es in der Nähe ist von meiner Familie und ich die Leute gern habe. Ich verstehe mich auch
gut mit Brasilianern, aber momentan fühle ich mich in Deutschland am wohlsten. Aber ich fühle
mich auf jeden Fall auch Brasilianern zugehörig.

F: Wie würdest du Deutschland beschreiben?

A: Ich weiß nicht ob das zutrifft, aber ich nenne es Heimat.

F: In wie fern beeinflusst dich dann Deutschland als deine Umgebung?


78
A: Ich hatte sehr viele Leute um mich herum die vieles zu meckern hatten über Deutschland
über die Art und Weise über die Menschen: die arbeiten mehr als die leben. Das System läuft
super und es ist auch alles relativ stabil aber es hat sehr viele Nachteile weil ich habe in letzter
Zeit von mehreren Menschen gehört, dass sie gesagt haben es ist ein tolles Land, keine Frage,
aber ja wenn du woanders hingehst ist es nicht so einfach etwas aufzubauen. Man hat sehr viel
Unterstützung. Das ist das Positivste was Deutschland zu bieten hat ist die Unterstützung. Aber
es ist nicht unbedingt schön, nicht unbedingt frei und nicht relaxt. Die fragen mich warum ich
mich so wohl fühle in Deutschland. Aber ich frage mich dann wieso sind sie hier wenn sie so
viel zu meckern haben. Aber die wissen ganz genau, dass es woanders viel schwieriger ist etwas
aufzubauen. Dann wollen sie aber auch nicht aus ihrer Komfort-Zone raus. Deutschland gibt
vielen Menschen eine Art Komfort. Ich habe nicht s viele Länder auf langfristige Zeit erlebt
aber die Möglichkeit die du hast dich weiterzubilden und wie es auch anerkannt wird in anderen
Ländern, wie sehr es anerkannt wird ist einfach unglaublich. Deutschland bietet weit mehr als
bisschen Geld und Unterstützung. Dass du auf der Straße landest musst du schon sehr gute
Gründe haben und faul sein weil überall gibt es Hilfe und freiwillige und gute Menschen. Nicht
nur Deutschland sondern generell ist es eine Einstellungssache und eine Persönlichkeitssache.
Manchmal habe ich das Gefühl, die brauchen einfach nur ein bisschen Urlaub. Aber wenn ich
das so sage, du arbeitest hier 300 Tage im Jahr und bekommst 3-4 Wochen Urlaub und planst
schon 6Monate Urlaub. Da muss ich den Leuten zum Teil auch Recht geben aber das ist alles
eine Einstellungssache. Du musst wissen wie du dein Leben gestalten willst. Das kannst du in
Deutschland total machen. Klar müssen die meisten erstmal studieren und ackern, wenn du das
erstmals hast, dann musst du dich bewerben. Es ist alles ein langer Prozess aber es kommt
darauf an was du willst. Aber es ist die eigene Entscheidung, da sollte man nicht dem Land die
Schuld geben. Also in Brasilien wenn du studieren willst, von 200 Leuten die sich bewerben,
bekommen vielleicht zwei einen Platz zum Studium. Das ist Kämpfen. Da kommen nur die
Besten der Besten rein und wenn du nicht in der Kategorie bist dann schmeiß es gleich hin. So
gut ist Deutschland finde ich. So sehr fördert und bietet es einem etwas und ich finde
Deutschland ist ein tolles Land und ich arbeite genauso hart 9 oder 10 Stunden. Ich habe
genauso mein Beitrag geleistet und ich sehe was ich zurückbekomme. Wenn ich etwas
unglücklich wegen des Alltags und ich dachte ich will was anderes sehen dann kann ich mich
entscheiden zu gehen. Aber ich weiß ganz genau dass ich froh und erleichtert sein werde
zurückzukommen. Ich fühle mich dazu gehörig in Deutschland.

F: Hast du umgekehrt auch das Gefühl, dass die Gemeinschaft/Gesellschaft dich beeinflusst in
deinen Aktionen indem was du machst?
79
A: Zum Teil ja. Weil selbst die Leute die was gegen Deutschland haben obwohl sie da wohnen,
habe ich darüber nachgedacht und es stimmt schon ein stückweit aber meine Meinung bleibt
trotzdem dass es eine Gestaltungssache ist, wie du dein Leben gestaltest. Egal wo du bist. Das
muss jeder selbst wissen. Du kannst in Thailand Küchenhilfe sein und dabei Meerblick haben
und glücklich sein. Du kannst gleichzeitig viel Geld haben wollen. Aber jeder will viel. Jeder
will das Paradies. Irgendwo muss man ein bisschen realistisch sein und man kann nicht alles
auf die Schnelle und so einfach bekommen. Jeder will irgendwo das gleiche mit denselben
Zielen und Gedanken. Keiner weiß genau was es bedeutet. Keiner weiß genau was eigentlich
zählt in den Moment.

F: Denkst du dass deine Handlungen die Gemeinschaft beeinflussen können oder denkst du
dass du nicht viel Einfluss hast als Individuum Dinge zu verändern? Haben deine Handlungen
eine Wirkung auf deine Umgebung oder ist sie eine feste Struktur sodass du nicht
selbstbestimmt sein kannst?

A: Sowohl als auch. Es kommt darauf an. Ich lass mich zum Beispiel gerne von anderen
inspirieren wenn ich höre was der oder sie gerade macht. Du hörst dir die Geschichte an und
denkst cool das will ich auch machen. Das hört sich nach Spaß, Erlebnis und Freiheit an. Dann
lass ich mich schon gerne davon beeinflussen. Wenn meine Leute hören, dass ich in Australien
bin, spielen sie auch mit dem Gedanken zu reisen wenn sie zum Beispiel an dem Punkt sind wo
sie unzufrieden sind. Es gibt einen gegenseitigen Einfluss mit der Gesellschaft.

F: Denkst du, dass jedes Individuum in er Lage ist Selbstbestimmt zu handeln?

A: Ja, auf jeden Fall.

F: Denkst du, dass jeder Mensch eine Verantwortung hat gegenüber anderen Menschen?

A: Ja auf jeden Fall eine sehr große Verantwortung. Es fängt bei Rücksicht an gegenüber
anderen Menschen. Egal was du für eine Handlung machst, leiden auch deine Mitmenschen,
Sei es Verkehr, Müll, die Umwelt, sei es jemand mit Worten zu beleidigen.

F: Vorhin hast du das Beispiel mit dem Arzt gegeben. Findest du, dass die Entscheidung Arzt
zu werden gegen den eigenen Willen Konsequenzen auf andere Menschen oder auf die
Gesellschaft haben kann?

A: Negatives kann man immer irgendwo rausholen. Ich finde es positiv, weil Arzt ist ein
wichtiger Beruf. Wir würden früher sterben und es gäbe keine Forschung. Wenn der Typ Arzt
geworden ist, ist das ein Geschenk für uns alle. Aber er kann sich wünschen jemand anderes
80
hätte es an seiner Stelle gewesen. Jemand der es mit Leidenschaft macht. Da sind wir vielleicht
egoistisch. Auch wenn er darunter gelitten hat, Arzt zu werden… wenn er dann depressiv ist
und Mist macht bei einer Operation und eine Person stirbt. Schwierig.

F: Was bedeutet für dich „das Wohl der Mehrheit“?

A: Irgendwo ist er wegen seiner Eltern Arzt geworden, aber ich finde er hatte trotzdem
irgendwo die Wahl zu sagen: ich mache es nicht. Es war trotzdem eine persönliche
Entscheidung es zu werden. Menschen, die außerhalb der Situation sind danken und sind froh
darüber, dass er Arzt geworden ist. Ich würde nicht sagen, dass er lieber Geigenspieler werden
sollte. Das könnte ein Film oder ein Bestseller sein.

F: Was bedeutet für dich Inklusivität? Also, dass man Menschen einschließt?

A: Ob man Menschen dazugehören lässt, dazu fallen mir die Wahlen ein. Dass jeder Bürger
dazu aufgefordert wird, weil er das Recht hat zu wählen. Du hast das Recht dich zu entscheiden
wenn du wählen willst und wenn du Entscheidungen treffen lässt. Wer nicht wählen geht ist
selber schuld. Wenn du in einer Stadt oder in einem Land lebst finde ich wichtig.

F: Wer sollte das Recht haben zu wählen und wer nicht? Kann man Grenzen ziehen wer zum
Beispiel das Parlament in Deutschland wählen darf?

A: Alle die in Deutschland leben, alle die das gleiche Recht befolgen müssen, sollten wählen
dürfen auf jeden Fall. Vielleicht Ausländer die hier erst ein paar Jahre sind und nicht viel von
der Politik verstehen wie auch immer, da weiß ich nicht. Die verstehen das meiste ja nicht aber
vielleicht würden sie mehr verstehen wenn sich jemand dazu äußern würde, dass es wichtig ist
dass sie wählen, dass sie ihre Meinung sagen und die Punkte nennen die sie belasten. Ich finde
schon, jeder der im Land lebt, sollte wählen dürfen. Egal woher er kommt.

F: Findest du es sollte eine Unterscheidung gemacht werden auf welchem Niveau man wählt?
Zum Beispiel kann man in Freiburg, aber auch in Baden-Wartenberg und den Bundestag wählen.
Sollte jeder auf allen Ebenen wählen dürfen?

A: Da habe ich keine parate Antwort, weil ich nicht über die Nachteile und Vorteile informiert
bin.

F: Wie wichtig sollte die Meinung von Minderheiten bei Entscheidungen sein?

A: Redest du von Prozentual zahlen oder wie soll ich es angeben?

F: Keine Zahlen, sondern dein Gefühl?


81
A: Ich glaube und ich finde es wird jetzt schon dargestellt. Es wird schon angezeigt prozentual,
wie auch immer wird ja gezeigt inwiefern die Minderheit verloren hat. Es kommt darauf an auf
was bezogen. Es wird nicht unbedingt weggeschaut, hab ich das Gefühl. Ich sehe immer wieder,
dass die Minderheit trotzdem gezeigt wird auch was auch immer bezogen. Ich frage mich nur
was daraus gemacht wird. Ich frage es kommt ganz auf die Situation drauf an. Allein diese
Sache mit Trump. Es war ja echt ᾽ne super knappe Sache. Allein das ist ein wichtiger Punkt,
weil die Mehrheit hat zwar gewonnen aber es war so knapp, dass es sich nicht balanciert. D.h.
die meisten Menschen sind glücklich damit: nein stimmt doch gar nicht. Das ist so eine 50/50
Sache. Da sollte die Minderheit berücksichtigt werden. Da stimmt etwas nicht. Es kann nicht
sein, dass man so knapp zum Präsidenten wird.

F: Findest du wenn kollektive Vereinbarungen getroffen werden sollen, ob die Interessen und
die Ideen von jeder einzelnen Person mit einbezogen werden sollten?

A: Ich wünschte ja, aber es ist in meinen Augen fast nicht machbar. Man konzentriert sich auf
die Wünsche der Mehrheit, aber ich weiß nicht genau ob es machbar ist. Es wäre super aber
ja…

F: Gibt es für dich ein System indem alle berücksichtigt werden könnten?

A: Mir fällt nichts ein. Es kann sein. Ich bin gerade nicht so kreativ.

F: Hast du heutzutage den Eindruck, dass es Abhängigkeiten gibt von Menschen über Grenzen
hinaus? Findest du, dass Menschen voneinander abhängig sind und Grenzen weniger eine Rolle
spielen?

A: Ob wir zum Beispiel von Menschen abhängig sind, die außerhalb von Deutschland leben.
Auf jeden Fall. Jeder hat einen Beitrag. Allein die Essenstransporte, die die ganze Zeit
stattfinden. Jedes Land hat seinen Beitrag. Nicht immer zum Vorteil fürs Überleben. Ja generell
Essenstransporte. Jedes Land ist von jedem Land abhängig. Es ist ein Nehmen und Geben.

F: Ist es für dich wichtig was in anderen Ländern, in Nachbarländern zum Beispiel in Frankreich,
in der Schweiz oder in den Niederlanden passiert?

A: Ja klar.

F: Beobachtest du Dinge, die passieren über Grenzen hinweg also transnational? Zum Beispiel
über Deutschland hinweg nach Frankreich oder von einer Region zur anderen? Siehst du Dinge
in Deinem Alltag, die eine Abhängigkeit zwischen Deutschland und Frankreich zeigen?
Zwischen zwei Ländern im Allgemeinen?
82
A: Ja eigentlich. Moment. Lass mich ganz kurz überlegen. Ich bin mir sicher es gibt 10 tausend
Beispiele, aber mir fällt keins ein.

F: Was bedeutet für dich dass es viele verschiedene Menschen gibt?

A: Generell mag ich verschiedene Kulturen mit unterschiedlichen Geschichten. Jede einzelne
Kultur hat ihre Art und Weise. Wenn ich in einem anderen Land bin, merke ich, dass die
Einstellung anders ist. Deswegen finde ich reisen wichtig, dann kann ich andere Kulturen
kennen lernen. Indien und Afrika haben zum Beispiel ihre eigene Kultur und sind so
verschieden. Es ist wichtig zu sehen, dass Menschen unterschiedliche Art und Weisen haben
zu leben und die Menschen unterschiedlich aufwachsen. Es ist wichtig zu wissen, dass es
unterschiedliche Systeme gibt und dass man auch von anderen Ländern lernen kann, wenn man
denkt da funktioniert etwas besser. Wenn dir ein System besser gefällt, dann kannst du da auch
hinziehen. Deshalb denke ich, du kannst überall auf der Welt leben.

F: Was bedeutet für dich Hierarchie?

A: Kannst du es definieren bevor ich falsch antworte.

F: Zum Beispiel gibt es Menschen, die einen höheren Status haben als du. Ein Lehrer steht in
der Hierarchie über seinem Schüler.

A: Ich will das nicht falsch beantworten. Ich finde es gibt beide Seiten. Die Welt braucht
Anführer und Menschen die etwas leiten und andere, die folgen. Es ist genau so viel Last. Das
System muss irgendwie funktionieren. Jemand muss für das Volk Entscheidungen treffen.
Eigentlich ist die Frage ganz easy.

F: Was ist für dich das minimale zum Leben?

A: Einen Grundkern braucht man zum Leben. Ein Job und eine Wohnung.

10.2.2 Kirke

Transnationalismus :

- Geboren in Deutschland, 20 Jahre alt, Mutter Bulgarien, Vater Deutscher (besitzt beide
Staatsbürgerschaften)
- Beherrscht Deutsch, Bulgarisch, Spanisch, Englisch Französisch, und verfügt über
Russischkenntnisse, verwendet täglich mehrere Sprachen und hat in 5 Ländern gelebt
- Studiert IEG im 6. Semester und hat Freunde und Verwandte in mehreren Ländern

83
- Mit 3 Monaten nach Peru gezogen bis zum 4. Lebensjahr, danach Costa Rica, mit 8
Jahren nach Gran Canaria, mit 12 Jahren nach Deutschland, allgemeine Hochschulreife,
- Vater oft im Ausland gelebt, Haushalt nicht auf einen Standort begrenzt

Frage 12: Gibt es einen Ort, egal welcher Rahmen, an dem du dich am meisten zugehörig fühlst?

A: Ich fühle mich zuhause wo meine Eltern sind, also keine bestimmter Ort eigentlich. Dadurch
dass wir drei immer zusammen waren, waren meine Eltern immer mein Zuhause und meine
Bezugsperson. Wir mussten überall ein neues Zuhause aufbauen. Deshalb sind sie mein
Zuhause.

Frage 13: Es gibt keinen geographischen, physischen Ort an den du dich mehr gebunden fühlst?
Sei es Kontinent, Land, Ort, Stadt, Region?

A: Das ist eine andere Frage. Ich würde diesen anderen Ort nicht als Zuhause bezeichnen.
Natürlich gibt es viele Orte zu denen ich Verbindungen habe, weil ich da meine Kindheit
verbracht habe oder weil wir Freunde und Familie dort haben, fühle ich mich zugehörig, aber
ich würde nicht sagen dass es mein Zuhause ist.

Kosmopolitismus:

F: Was denkst du über den Wert des Menschen oder den Menschen untereinander?

A: Ich finde wir sind alle gleichwertig. Wir sind alle mit den gleichen Rechten geboren. Wir
genießen die gleichen Rechte und Freiheiten.

F: Was bedeutet für dich die Freiheit jedes einzelnen Individuums?

A: Seine Freiheit auszuüben ohne die Freiheit der anderen einzuschränken und ohne die Freiheit
oder die Rechte der anderen zu verletzen. Das heißt, dass man den eigenen Raum und Freiheit
des anderen respektiert und quasi nicht als ein egoistisches Individuum handelt, weil wir in
einer sozialen Gemeinschaft leben und da muss man sich auch so verhalten. Dementsprechend
können wir nicht egoistische Individuen sein und nur unsere eigenen Dinge verfolgen
unabhängig der anderen.

F: Denkst du dass diese Gleichheit unter den Menschen zum Beispiel in ihrer Freiheit und ihrem
Wert auch realisierbar ist?

A: So wie es heute ist nicht. Ich finde man sollte nicht pessimistisch denken aber man sollte
auch realistischen sein. Also unsere Gesellschaft hat sich zu einem Punkt entwickelt, dass jeder
der bessere sein will, dass alles durch Konkurrenz vorangetrieben wird, dass man herausstechen
84
muss egal durch Leistung, durch alles Mögliche, man möchte der Beste sein und das hat sich in
der Gesellschaft so breit gemacht, das sehen wir in unserem Studium oder auch unter Freunden,
dass wir sehr egoistisch sind. Das ist eine Gegenentwicklung und das führt nicht zur
Realisierung von Freiheit und Gleichheit aller Menschen untereinander. Das ist eine negative
Perspektive. Wenn man von diesem Punkt ausgeht sieht es nicht gut aus. Aber trotzdem sollte
man daran glauben und das bestmögliche umsetzen auch wenn es nicht realisierbar ist. Man
sollte versuchen das Beste daraus zu machen. Man sollte nicht aufhören sich überhaupt zu
bemühen das umzusetzen. Man muss ein Ziel verfolgen.

F: Was denkst du über das Recht zu Selbstbestimmung einer jeden einzelnen Person?

A: Was meinst du mit Selbstbestimmung genau?

F: Damit meine ich, dass du deine Entscheidungen selbst treffen kannst.

A: Das gehört zur Freiheit dazu dass du selbst bestimmen kannst was in deinem Leben passiert,
ob Du deine Entscheidungen treffen darfst. Das ist ein Menschenrecht. Ich bin gerade am
Überlegen, weil wir nehmen das als selbstverständlich wahr, was in vielen Ländern und
Gesellschaften nicht der Fall ist. Das sollten wir valorisieren. Als ich zum Beispiel habe dieses
Selbstbestimmungsrecht, dass ich was ich möchte und meine Meinung frei äußern kann.

F: Findest du dass der Geburtstort, der Ort und die Art des Heranwachsens einen Einfluss haben
auf dein Selbstbestimmungsrecht?

A: Ich glaube das Wort Selbstbestimmungsrecht kann ich nicht genau nachvollziehen? Was
genau meinst du damit? Es ist sehr breit gefächert.

F: Du kannst auch selbst 2-3 Kriterien definieren.

A: Kannst du Frage nochmal wiederholen?

F: Wiederholung. Vielleicht passt Selbstbestimmtheit besser?

A: Die Umsetzung des Selbstbestimmungsrechts spielt eine große Rolle. Es kommt darauf an
in was für einer Gesellschaft du gelebt hast und aufgewachsen bist. Dann nimmst du
Ungleichheiten anders wahr. Wenn du z.B. dein ganzes Leben lang in Deutschland gewohnt
hast, wenn du 20 Jahre alt bist nimmst du Ungleichheiten anders wahr als wenn du
beispielsweise in Lateinamerika in einem Land gewohnt hast in einem Land das von enormen
Ungleichheiten geprägt ist. Vielleicht ist dein Bewusstsein für Ungleichheiten stärker. Aus
diesen Erfahrungen und unterschiedlichen Realitäten mit denen du dich auseinandersetzt hast

85
im Laufe deines Erwachsen Werdens, die prägen wie du dein Leben führst und wie
selbstbestimmt du handeln möchtest und dein Leben gestalten möchtest. Dieser Teil der
Population hat kein Recht sein Leben zu bestimmtem wie er sie will, dann möchtest du es
anders oder besser machen. Du möchtest dich dafür einsetzen, dass sich das verändert damit
mehr Menschen dieses Recht haben, sich trauen zu revoltieren und dieses Recht erlangen. Also
ich denke schon dass es einen prägt.

F: Findest du dass die Interessen einer Menschengruppe / eines Individuums wichtiger sein
können als die einer/eines anderen?

A. Nein, finde ich nicht.

F: Findest du dass manche Menschen einen höheren moralischen Status haben als andere

A. Nein natürlich nicht.

F: Fühlst du dich als Teil einer Gesellschaft/Gemeinschaft und wenn ja, welche und warum?

A: Meinst du jetzt auf nationalem Niveau?

F: Bleibt dir überlassen.

A: Ja also ich fühle mich als Teil der Menschheit, die diesen Planeten bewohnt. Wir teilen ein
gemeinsames Zuhause, deshalb sollten wir uns gut darum kümmern. Ja ich fühle mich Teil
meiner Familie, meines Freundeskreises mit dem ich Gemeinsamkeiten teil, Momente und
Erfahrungen, Prinzipien, Weltanschauungen. Auf nationalem Niveau ist es schwer zu sagen,
ich möchte mich nicht auf eins festlegen. Muss man nicht machen finde ich.

F: Wie würdest du das Umfeld dass dich am meisten umgibt und du die ganze Zeit wahrnimmst,
wie würdest du es beschreiben?

A: Meinst du das Familienumfeld? Den nahen Kreis?

F: Es kann schon weiter sein. Wir bewegen uns ja schon zwischen verschiedenen Ländern, es
kann die Gesellschaft sein, die unterschiedlichen Kontexte in denen du dich bewegst.

A: Eigentlich weltoffen, tolerant. Aber ich spreche von meinen Freunden aber es gibt auch oft
Denken in Kategorien. Also limitiertes Denken gibt es natürlich auch oft. Ich muss überlegen.
Ungleich, ungerecht, rassistisch auch, und ja das kann es gut beschreiben.

F: In wie fern findest du dass diese verschiedenen Kontexte deine Handlungen beeinflussen?

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A: Wenn ich Rassismus, Intoleranz oder Ungleichheiten sehen, distanziere ich mich davon, im
Sinne : ich möchte nicht so handeln und möchte diesen Leuten auch zeigen, dass es falsch ist
wie sie sich verhalten und eigentlich dafür sorgen, dass die Gesellschaft sich verändert und dass
solche Menschengruppen ihr Verhalten nochmal überdenken und es beeinflusst auch mein
Handel indem ich mir oft Gedanken darüber mache, manchmal denke ich leider auch sehr viel
darüber nach wenn jemand etwas zu mir sagt, dass ich sehr viel interpretiere und es manchmal
sein kann dass ich Dinge hinein interpretieren möchte. Ich denke viel darüber nach was jemand
mit seinen Worten eigentlich sagen wollte und versuche es kritisch zu hinterfragen. Viele
Menschen wissen gar nicht was für ein hierarchisches System hinter machen Aussagen sich
verbergen und was diese Aussagen implizieren. Ich finde es wichtig dass man sich dessen
bewusst ist und dass man die Menschen darauf hinweisen sollte auch wenn es schwer ist.

F: Was bedeutet es für dich in einer Gesellschaft aktiv zu handeln?

Als ich jünger war, war das anders gewesen. Wenn man noch sehr jung ist, traut man sich noch
nicht und denkt, das war nicht so gemeint. Aber umso erwachsener man wird und umso mehr
soziales und politisches Bewusstsein man erlangt möchte man es aktiv verändern und dann
nimmt man auch aktiv teil und dann setzt man sich auch mit Diskussionen auseinander und
diskutiert über solche Dinge. Man möchte die Leute darauf hinweisen. Das Problem ist dass ich
das Gefühl habe, dass sich zu wenige Leute trauen etwas zu sagen und es dann einfach
hinnehmen und tolerieren. Ich finde es ist auch die Ausgabe von Außenstehenden und
Beobachtern etwas zu sagen auch wenn man selbst nicht betroffen ist. Das ist ein Punkt von
Solidarität, jeder hat eine Verantwortung einzugreifen und etwas zu sagen auch wenn man nicht
betroffen ist. Weil es eben auf die anderen Leute übertragen wird, zu einer anderen Generation,
es ist ein Katalysator, ein Domino-Effekt. Damit es irgendwann stoppt muss man eingreifen.

F: Denkst du dass jeder Mensch besondere Talente hat und sie entwickeln können müsste?

A: Ja, also ich denke jeder Mensch hat besondere Stärken und Schwächen und wir müssen nicht
in allem gut sein. Das wir vorangetrieben von unserem Abitur-System, dass man in allem gut
sein muss. Das stimmt aber gar nicht. Es reicht wenn wir unsere Talente fördern, wenn wir
unsere Schwerpunkte und Talente fördern. Ich finde jeder hat solche aber man hat sie noch
nicht entdeckt weil man das nicht fördert, das ist das Problem eigentlich. Ich wollte sagen,
nicht nur das Abitur-System, aber auch durch ungleiche Gesellschaft, ungleiche
Bildungschancen, es hängt ja auch viel von den Eltern ab, von den ungleichen Einkommen, von
der ganzen Gesellschaften hängt es ab ob man seine Stärken fördert oder nicht.

87
A: Gibt es Handlunge, die bevorzugt werden könnten oder findest du, dass es menschliche
Handlungen gibt, die anderen bevorzugt werden können oder findest du, dass menschliche
Handlungen gleichberechtigt oder gleichwertig sind?

A: Menschliche Handlungen sehr neutral. Ich habe ein Problem mit der Frage. Ich sage mal wie
ich das aufgreifen würde. Zunächst menschliche Handlungen. Grundsätzlich, jeder Mensch ist
gleichberechtigt seine Meinung zu äußern und an der Gesellschaft teilzunehmen. Es geht nicht
um das wertvolle. Es geht vielleicht um das moralisch Wertvolle, es gibt nicht moralisch richtig
oder falsch aber moralisch humanistisch. Ich finde dass wenn Menschen anderen Leute nicht
respektieren, dass ist es moralisch weniger wertvoll. Dann finde ich sollte, dieser Mensch auch
darauf hingewiesen werden, dass das was er tut darauf hingewiesen werden sollte, dass es nicht
moralisch wertvoll ist.

F: Welche Bedeutung hat für dich die individuelle Zustimmung einer Gemeinschaft oder
Gesellschaft gegenüber? Welche Bedeutung hat es für dich dass Individuen ihre Gesellschaft
zustimmen?

A: Ja es ist wichtig, dass jeder Mensch teilnimmt an der Gesellschaft und demnach auch seine
Meinung äußert gegenüber dem gesellschaftlichen zusammenleben. Jedes Individuum sollte
einbezogen werden in die Gesellschaft und nicht marginalisiert werden. Das ist das Ziel einer
Gemeinschaft und Gesellschaft. Ein friedliches Zusammenleben, eben zusammen. Deshalb ist
es wichtig, dass die Menschen zustimmen und Partizipieren an der Gesellschaft, an der
Demokratie.

F: Was bedeutet für dich Inklusivität?

A: Dazugehören und einbezogen werden. Teilnehmen.

F: Was bedeutet für dich „der Wille aller“?

A: Das ist quasi populistisch. Was bedeutet das für mich? Ich möchte das nicht beantworten.

F: Was bedeutet „das Wohl der Mehrheit?“

A: Warum muss die Mehrheit über die Minderheit herrschen? Ich finde das allgemein
problematisch dieses Herrschen der Mehrheit über die Minderheit. Das Wohl der Mehrheit
impliziert quasi das wir uns nur auf die Mehrheit konzentrieren und was sie will aber die
Minderheit sollte man auch respektieren und sie hat auch Rechte und ihre eigenen Interessen
und eine Idee davon was eigentlich Wohlergehen ist. Ich finde das Konzept allgemein nicht
gleichberechtigend.
88
F: Beteiligst du dich an Entscheidungsmechanismen?

A: Also zum Beispiel wählen gehen? Ja.

F: Was bedeutet für dich die Findung eines Konsenses?

A: Dass meine eine Übereinstimmung findet, ein Kompromiss macht und nicht die dominante
Meinung vertritt sondern versucht ein Kompromiss zu finden.

F: Findest du, dass ein Konsens, eine kollektive Vereinbarung die Interessen eines jeden
Individuums miteinbeziehen sollten?

A: Ja.

F: Gibt es Mechanismen, die du geeigneter findest, um zu kollektiven Entscheidungen zu


gelangen?

A: Partizipatorische Mechanismen sollten mehr vorangetrieben werden und die Einbeziehung


der Gesellschaft nicht nur die politische Elite.

F: Findest du es wichtig, dass Interdependenzen und Unterschiede von Individuen als Ganzes
berücksichtigt werden?

A: Ja. Also natürlich sollte das berücksichtig werden.

F: Kannst du in der heutigen Welt grenzüberschreitende Interdependenzen und Abhängigkeiten


beobachten?

A: Ja.

F: welche sind für dich relevant und welche fallen dir besonders auf?

A: Natürlich politische Interdependenzen. Staaten oder auch europäische Bürger. Wir haben ja
diese Staatenbündnisse oder Staatengemeinschaften, bilaterale Abkommen, Diplomatie. All das.
Ein Staat kann nicht mehr nur nach seinen Interessen schauen. Es muss ja quasi in einem Kräfte-
regulierendes System, quasi was macht der eine Staat, um den anderen nicht zu verärgern. Man
muss miteinander kooperieren und gute Wirtschaftsbeziehungen pflegen aber wenn ich mit dem
ein bilaterales Abkommen schließe oder den in die Nato einbeziehe. Wirtschaftlich gesehen
sind wir enorm abhängig, Rohstoffe, Freihandelsabkommen. Allgemein sind wir enorm
abhängig und nicht zu vergessen ist die Umwelt: wir sind davon abhängig was jeder andere tut
in seiner Umwelt. Die Generationen nach uns spielen auch eine Rolle. Wenn wir nicht
umweltbewusst handeln, beeinflusst das enorm die Entwicklungsländer weil die Industrieländer

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die Klimaziele nicht respektieren. Gerade die Industrieländer, die am meisten verantwortlich
sind bekommen am wenigsten die negativen Effekte des Klimawandels zu spüren. Die
Interdependenzen sieht man auf der ganzen Welt, auf Staatenebene und auf Individuen-ebene.

F: Welche Interdependenzen treffen dich im Alltag am häufigsten?

A: Wir studieren diesen Studiengang und sind andauernd mit den Staaten konfrontiert. Ich muss
ein bisschen Distanz gewinnen. Klima ist sehr präsent und dann vielleicht auf einer simpleren
Ebene: wir sind von den Politikern abhängig was sie entscheiden oder nicht über unsere Zukunft
und wofür man sich engagiert.

F: Welche transnationalen Phänomene sind für dich am präsentesten?

A: Du meinst jetzt auf der persönlichen Ebene Also beispielsweise mit den Klimaprotesten ist
es ja quasi mit der Greta losgegangen. Viele junge Leute sind auf die Straße gegangen. Das
zeigt, dass wir dieses Bewusstsein, auch durch Medien, wie sehr wir miteinander verbunden
sind auf der ganzen Welt. Das zeigt auch unsere Verantwortung die wir gegenüber anderen
Gesellschaften haben und es zeigt auch die Ungleichheiten zwischen den Ländern. Diese
Interdependenzen manifestieren sich jeden Tag. Wenn du zum Beispiel in den Supermarkt gehst
und etwas kaufst was in China produziert wurde. Das ist eine Form von Interdependenzen und
Transnationalismus. Es gibt viele Menschen, die jeden Tag pendeln und über die Grenzen gehen
ohne ihren Pass zu zeigen in Europa gerade. Wenn du in einem anderen Land studierst. Das
sind alles Phänomene von Transnationalismus. Oder gemischte Ehen. Kinder die in
unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Sprachen aufgewachsen sind, das sind alles
Phänomene von Transnationalismus.

F: Findest du dass diese Phänomene eine größere Rolle in Entscheidungsprozessen spielen


sollten?

A: Ja, aber ich hätte keine Idee wie man das genau umsetzen sollte. Natürlich sollte man das
europäische Parlamente stärken und Entscheidungsprozesse transparenter gestalten.

F: Wie stehst du zu zentralisierten und dezentralisierten Entscheidungsprozessen?

A: Innerhalb der Politik eines Landes. Ich habe Deutschland und die Bundesländer im Kopf
das positive und negative Aspekte hat. Wie in Frankreich haben wir den Zentralismus. Jedes
System hat Vor- und Nachteile aber ich bin eher für das dezentralisierte, weil ich finde dass
sich eigene Wirtschaftsräume besser entwickeln können und sich nicht alles auf einen

90
Wirtschaftsraum konzentriert. Sodass dann jede Region mehr profitiert von diesen
unterschiedliche Wirtschaftsräumen die verteilt sind auf einem Territorium.

F: Würden dir auch andere Dinge einfallen, die nicht auf Wirtschaft bezogen sind.

A: Politische haben wir zum Beispiel Spanien mit den unterschiedlichen „comunidades“.
Katalonien hat seine eigene Sprache und seine eigene Identität. Das ist ein problematisches
Beispiel. Dieses dezentralisierte kann eine eigene Identität konservieren, fördern, die Sprache
und Tradition der Region finde ich wichtig.

F: Was bedeutet für dich Pluralität?

A: Das bedeutet für mich viele, vielfältige diverse, unterschiedliche Meinungen, Menschen,
Sichtweisen. Ja das trifft es.

F: Was bedeutet für dich Hierarchie?

A: Das bedeutet für mich eine vertikale „hmm“, es bedeutet für mich Ungleichheit. Es entstehen
gewissen Machtverhältnisse und diese vorangetrieben werden, die sich in einer Gesellschaft
breit machen, dass wir schwächere und stärkere haben. Dass wir Ungleichheiten haben.

F: Was sind für dich die minimalen, vitalen Lebensvoraussetzungen? Zum Beispiel, um an der
Gesellschaft teilzunehmen?

A: Es ist eine sehr schwierige Frage finde ich. Grob gesagt, gleiche Bildungschancen, dann
Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, zwischen unterschiedlichen
Gemeinschaften, Nationalitäten, Populationen, etc. Freiheit, dann Solidarität, Respekt
gegenüber den anderen und sich selbst. Im Moment haben wir keine Alternative zu Demokratie,
oder noch was Besseres wenn es das mal gibt. Rechtssicherheit, dass man quasi seine eigenen
Rechte nach außen hin vertreten und verteidigen darf. Toleranz ist auch wichtig.
Einkommensverteilung sollte viel gerechter gemacht werden. Das trifft es.

Nachträglich wurde die Interviewte über die Theorie und die Hypothese der Arbeit aufgeklärt
und fügte noch folgende Aussage hinzu:

„Es ging um dieses Konzept der Bindestrich-Identität. Ich finde, dass man diese Bindestich-
Identität viel mehr in Deutschland hat als in Frankreich. In Deutschland wird man viel mehr
gezwungen, daran festzuhalten, weil man kann eben nicht sich aussuchen man würde gerne als
Individuum mal gerne dieser Gemeinschaft zugehören oder dieser anderen Gemeinschaft
zugehören. Man kann sich nicht mal das oder mal das aussuchen. Das wäre eine „und-

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Identität“ für mich. Dadurch dass man in Deutschland dauernd angesprochen wird, man passt
nicht einfach in die deutsche Gesellschaft rein. Du bist deutsch-bulgarin und nicht Deutsche
und Bulgarin Man wird in Deutschland immer mit dem Migrationshintergrund konfrontiert. In
Frankreich kann man einfach mal Französin sein und man wird nicht unbedingt auf das
Bulgarische angesprochen. Aber das hat nicht unbedingt einen guten Effekt weil man seine
andere Identität unterdrückt oder zum Vorschein bringt. Für eine Bindestrich-Identität muss
man sehr selbstbewusst sein, Eltern mit einem guten Einkommen und gute Bildung, damit man
das gut repräsentieren kann. Welches Model ist besser? Kommt das auf das Individuum an, wie
es erfasst werden möchte: in seiner Bindestrich Identität- immer beide zusammen- oder mal das
eine oder das andere. In Deutschland wird man immer auf seinen Migrationshintergrund
hingewiesen, wegen der Geschichte traut man sich in Frankreich weniger das zu machen.“

10.2.3 Pontos

Transnationalismus:

- Père allemand, mère française, né en Alsace, 19 ans, nationalité française, puis


allemande depuis la cinquième
- Vécu en France et fait l’éducation nationale classique en France : primaire et sixième
- Au Lycée Franco-allemand depuis la cinquième/ siebte Klasse
- Vit en Allemagne depuis un an, planifie séjour à l’étranger
- Vient d’obtenir son Abi-Bac au lycée franco-allemand de Fribourg-en-Brisgau
- Frage 12 : « je me sens plus appartenant, plus attaché à la France. Je sais que ma sœur
en fait préfère bien plus l’Allemagne. Peut-être que ça à avoir quelque chose avec les
parents parce que personnellement je m’entends bien mieux avec ma mère qu’avec mon
père. Avec mon père c’est plus formel, c’est plus allemand alors qu’avec ma mère c’est
plus ouvert, c’est bien plus sentimental on va dire. On parle de tout et de rien. C’est ça
que j’aime bien avec ma mère après j’aime bien quand on est à table parler de truc
choquant, ça aide à être un peu plus critique par rapport aux choses. C’est un truc que
j’aime à faire par exemple mais du coup je me sens quand même plus proche de la
France, plus appartenant à la France surtout parce que je suis né là-bas et j’ai vécu une
grande partie de ma vie là-bas. Après j’aime beaucoup l’Allemagne et je me sens aussi
allemand mais beaucoup plus français qu’allemande parce que je parle aussi bien le
français. Du coup si je dirais, si ça à avoir quelque chose avec l’appartenance, je pense
que c’est surtout du côté des parents. C’est principalement par rapport aux parents, après
les relations avec les amis, j’ai beaucoup d’amis à Fribourg, la plupart parlent plutôt
92
français qu’allemand. Mais du coup je crois tout ça a un rôle à jouer en fait, même si je
suis en Allemagne, le français a un rôle plus grand dans ma vie et du coup je crois que
c’est pour ça que je me sens plus français qu’allemand. »
- Frage 13 : « Je n’ai pas vraiment de préférence, en soi je dirais que en tant que personne
qui se sent plus français, ça ne me dérangerai pas de vivre n’importe où, enfin dans un
pays où on peut vivre convenablement. Je pense je me sentirais partout chez moi. Au
début faut s’adapter et une fois que tu t’y es habitué et tu connais les habitudes qu’on
doit avoir dans ce pays et toutes les coutumes quoi que ce soit, non tu peux te sentir chez
toi.

Kosmopolitismus:

F: Que penses-tu de la valeur humaine ?

A : Pour moi personnellement on est vraiment tous égaux. Là il n’y a pas de…, je trouve ça
grave de pouvoir penser qu’un humain ait plus de valeur qu’un autre parce qu’on est tous venus,
on n’a pas les même prédispositions, chances, les mêmes défauts, je ne sais quoi. On est tous
différents mais d’autres parts on est tous égaux et on a tous la même valeur. Déjà le terme de
valeur pour un humain, je trouve ça assez pas choquant, mais très négatif, péjoratif. On
commence à mettre une valeur sur quelque chose qui n’a pas de valeur. L’humain, c’est quelque
chose de …, enfin, on est là quoi, c’est quelque chose de beau on va dire. Après il y a la bonne
grosse connerie humaine, pour moi on est vraiment tous égaux. On a les mêmes droits, tous les
mêmes…, on n’a pas tous les mêmes chances parce que partout dans le monde il y a des
problèmes.

F : Que penses-tu du droit l’autodétermination de chaque individu ? C’est à dire que chaque
individu peut prendre ces propres décisions pour soi-même.

A : Je pense que oui. Chaque individu devrait pouvoir prendre les propre décisions pour soi-
même mais après je pense aussi qu’on vit dans des sociétés dans lesquelles on ne peut pas
décider tout pour soi-même non plus. Il y a une prédisposition financière ou immobilière ou
quelque chose qui va influencer mais après la plupart des humains ou même tous les humains
devraient pouvoir décider de faire des choix pur eux-mêmes. Après je ne sais pas dans quels
domaines, dans quel Bereich tu parles, plus global ou personnel, physique ou mental.

F : Est-ce que tu trouves qu’on peut faire différence entre les intérêts d’un groupe par rapport à
un autre.

93
A : Je vais dire que c’est très compliqué. T’aurais un exemple par hasard.

F : Ça peut être dans n’importe quel processus de décision politique par exemple entre les partis
politiques, certains prônent une décision par rapport à un d’autres qui prônent une autre décision.
Ça peut être une situation basique ou entre une minorité et une majorité par exemple. Donner
plus de considération ou plus de temps de parole.

A : Pour moi ça serait, comme dit, tout le monde est égaux. Tous les groupes sont égaux. Si on
prend l’exemple du temps de parole. Tout le monde devrait avoir le même temps de parole, tout
le monde devrait avoir la même possibilité à convaincre des personnes ou ce genre de choses
mais je ne peux pas rentrer plus dans le détail ou quoi. La question ne me parle pas trop.

F : Tu as dit que tu te sens plus attaché à la France qu’à l’Allemagne, comment est-ce que tu
décrirais la France par rapport à l’Allemagne ? Comment est-ce que tu décrirais la société
française par rapport à l’Allemagne ?

A : Par rapport au système éducatif, on a la France et l’Allemagne qui font partie du DFG
(Deutsch-Französisches Gymnasium). Après j’ai vu le système éducatif en France. Mais je
dirais en soi, en Allemagne je dirais qu’ils sont plus carrés sur les règles. J’ai un exemple par
exemple les gilets jaunes. J’imagine qu’en Allemagne, ça ne serait jamais arrivé parce que
justement ils respectent énormément les lois en Allemagne, ils sont toujours très carrés là-
dessus. Après je trouve ça super ils respectent et ils ne veulent pas faire de dépraves c’est
comme quand ils ont mis la « loi 80 » pour les voitures en campagne en France. Tu connais
minute papillon ? Il aime bien parler politique et ce genre de choses et c’est super intéressant et
en fait il a dit et ce qui m’a marqué et ce que j’ai trouvé intelligent c’est qu’il a dit, mais en fait
respectez parce que justement si vous êtes contre cet État qui veut vous tirer toute la tune avec
cette limitation de vitesse, bah justement respectez ces 80 comme ça vous ne lui donnez pas
votre argent et c’est bien plus intelligent de faire comme ça. D’un autre côté c’est respecter ce
que l’État a mis en place c’est de ne pas lui donner de l’argent. Mais après je dirais qu’en
Allemagne ils sont bien plus à cheval sur les règles, mais c’est la mentalité allemande qui est
bien plus, je ne dirais pas fermée mais très stricte, par rapport en France où on est plus laxistes
et on est très râleur. Je sais que je râle énormément. On est des éternels insatisfaits. En France
on est très râleurs. Je dirais à peu près comme ça les différences de sociétés en France et en
Allemagne de la population. J’ai généralisé après. En gros quoi. Ce que j’en pense et ce que je
vois.

94
F : Qu’est-ce que cela signifie pour toi de pouvoir être actif dans une collectivité ou dans une
société ou dans ton entourage, être actif, participer, pouvoir te développer ta personnalité ?
Qu’est-ce que ça signifie pour toi ?

A : Par les actions ou plus par la configuration de mon esprit ?

F : La configuration de l’esprit amène un peu aux actions.

A : Je pense qu’en fait que ça passe par l’aide si j’ai bien compris la question. Par l’entre aide
et surtout par l’aide, par exemple dans des associations si tu aides, tu mets un « Baustein », un
édifice de la société on va dire qui aide à se développer. Par exemple si maintenant, je voulais
améliorer la société. Par exemple ma copine participe au « Lesekarusell » pour les immigres.
Elle apprend aux enfants à lire. Je trouve ça vraiment bien, ça passe par l’aide au départ. Pour
se développer soi-même, ça peut aider. Peut-être à développer des capacités par exemple à
savoir s’entendre mieux avec les enfants et savoir mieux agir avec les enfants. Aussi en
travaillant, ce qu’on est un peu obligé de faire. Dans nos sociétés actuelles on est obligé de
travailler si on veut ramasser de l’argent pour vivre au final c’est quelque chose auquel on est
forcé. Il n’y a rien que je puisse prédéterminer, parce qu’en fait on est forcé à travailler. La
configuration de pensée ça passe surtout par l’amélioration et l’aide dans la société.

F : Puisque tu as parlé d’entraide, est ce que tu considères que chaque individu a une
responsabilité envers les gens avec lesquels il/elle coexiste ?

A : Oui je pense qu’on a une responsabilité et qu’on doit s’y tenir. Les gens avec lesquels on
habite sur cette terre. Par exemple, si je vois quelqu’un qui frappe sa femme ou quelqu’un qui
frappe quelqu’un dans la rue, notre responsabilité est d’aller envers cette personne, pour calmer
celle qui tape et défendre celle qui se fait taper. On a aussi la responsabilité d’appeler la police.
On a toujours une responsabilité envers les autres, tant qu’on n’est pas seuls sur terre. S’il y a
quelqu’un on a une responsabilité envers eux à travers le respect, à travers l’entraide, à travers
plein de choses. C’est le respect tout simplement. Respecter la liberté, les droits, la vie privée
et ce genre de choses.

F : Est-ce que tu penses que chaque individu a des talents à développer ? Pas uniquement par
soi-même mais aussi par d’autres personne. Je pense un peu au mot « fördern » en allemand
que j’ai parfois un peu de mal à traduire en français.

A : « Fördern » des talents tu veux dire. Je pense que c’est possible. Je n’ai pas d’exemples.
Personnellement, si on a quelque chose à développer que ce soit des talents ou des capacités

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corporelles ou physiques ou psychiques, je pense que c’est plus par soi-même qu’on peut y
arriver. Je pense qu’il y a plus un développement personnel à avoir à travers soi-même. D’après
moi, l’humain peut que se développer à travers soi-même. Après on peut se développer en
s’entraidant. Quand quelqu’un a un talent pour un sport en équipe, bien sûr à travers l’équipe
le joueur deviendra meilleur. Fin, il peut s’entrainer tout seul physiquement mais après pour
avoir une bonne vision de jeu, par exemple au basket, il faut une bonne vision de jeu pour savoir
quand est ce qu’il faut mettre des blocs. Toute la stratégie du jeu, il pourra que la développer et
plus rapidement à travers l’équipe. Du coup, là ça serait un domaine où je dirais il a besoin
d’autres personnes pour l’aider à développer ses capacités.

F : Comment est-ce que tu définirais le concept d’inclusivité ?

A : Il faut que tu m’explique d’abord ce que c’est.

F : C’est-à-dire quand on a une société par exemple en France et en Allemagne on est des
sociétés de migrations, dernièrement il y a beaucoup de polémique autour de ça. Comment est-
ce qu’on peut le mieux une cohésion de société. Comment est-ce qu’on peut permettre à tout le
monde de participer à la société ?

A : Comment mettre en place une cohabitation ou plusieurs cultures dans une société ?

F : Oui, d’un point de vue individuel. Comment est-ce que tu conçois le fait d’arriver dans une
autre société et comment y participes-tu ?

A : D’une façon générale. Je pense que ça serait aux deux, enfin, à l’immigré de s’adapter, pas
à 100% et de se transformer lui-même, les cultures c’est une richesse et c’est quelque chose
qu’on doit garder et ne pas perdre. Mais ce serait aussi en fait aux deux de s’adapter à soi-même
à un certain milieu. Il faut un certain entendement entre les deux cultures, les deux peuples.
Mais… excuse-moi. Comme dit par rapport à avant, c’est le respect de l’autre. Surtout parce
que beaucoup n’immigrent pas de leur propre vouloir, pas de plein grès, bien sûr il faut les
accepter même avec grand plaisir. Nous on n’a pas à se plaindre, on n’a pas du tout leurs
problèmes, nos problèmes sont petits par rapport aux leurs. C’est pourquoi que je trouve qu’on
devrait les accepter, les aider à se développer eux-mêmes chez nous et que nous on se
transforme mais pas à 100%, qu’on change un peu et eux aussi histoire de trouver un certain
entendement entre les deux peuples.

F : Est-ce que tu peux établir un peu une comparaison entre la France et l’Allemagne. Est-ce
que tu a l’impression que cette forme d’adaptation fonctionne mieux en France ou en Allemagne.

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EN tant que franco-allemand, c’est peut-être un peu compliqué, mais comment est-ce que tu as
ressenti ta phase d’adaptation ou est-ce que t’as l’impression de s’adapter quand on arrive en
Allemagne, peu importe l’origine de base ou en France.

A : Mon adaptation n’était pas vraiment possible à Fribourg, parce que je ne me baladais pas à
Fribourg. Pour moi c’était, le matin tu le lèves, tu vas à l´école, t’es à l’école, tu rentres chez
toi. Pour moi ce n’était pas vraiment quelque chose où je vais participer à la société. Pour moi
c’était juste, je venais à l’école et repartais. Mon temps d’adaptation a commencé quand je me
suis installé à Fribourg. C’est là que j’ai pu vraiment commencer à participer logiquement à la
société, à Fribourg quoi. Je suis arrivé à Fribourg mars dernier. Pas il y a un mois mais l’année
d’avant. Après en un an on a le temps de s’adapter. Je veux dire c’est que ce n’était pas un
temps d’adaptation où je me dis je connais personne, j’arrive dans un pays, dans cette ville et
je refais ma nouvelle vie. J’avais déjà tout, mes amis, l’école. Je mieux adapté plus à l’extérieur
de l’école. Maintenant si je voulais participer à un club de basket ou quoi. Après je travaille
chez CPN. C’est une boite de « Veranstaltungstechnik ». Après je ne contribue pas trop à la
société.

F : Est-ce que tu peux faire une comparaison entre la France et l’Allemagne. Quels obstacles
on peut rencontrer dans un pays et dans l’autre. Qu’est ce qui serait demandé de cette personne
en France et en Allemagne ?

A : Je pense que dans les deux pays on attendrait la même chose des deux personnes. SI la
personne allait en France, on lui demanderait un minimum d’apprendre la langue. En
Allemagne ça serait la même chose. Si elle veut pouvoir communiquer avec les habitants, il
faut apprendre la langue. Le reste je pense en soi, les problèmes sont les mêmes en France
comme en Allemagne. C’est des pays occidentaux qui ont à peu près la même vie. Tu compares
un peu une ville française et une ville allemande, c’est un peu la même chose. Si tu compares
la France et le Portugal, enfin c’est quand même assez proche encore, plutôt la France et les
Philippines. C’est des sociétés complément différentes, la manière de vivre est complètement
différente. Alors que la France et l’Allemagne se ressemblent énormément si on compare au
reste du monde. Du coup les choses demandées aux personnes qui viennent s’installer en France
ou en Allemagne seront à peu près la même chose.

F : Comment est-ce que conçois le « bien être de la majorité » ?

A : Je réfléchis. Le « bien être de la majorité ».

F : Tu peux le déconstruire par exemple si tu trouves que ça n’a pas de sens.


97
A : Bien sûr ça a un sens. Je pense que justement, mais par rapport à quoi. Je dirais en fait c’est
ce qu’on ne fait pas en France ou en Allemagne un peu plus on le fait. En soi, la majorité de la
population française est pauvre. Je dirais que le bien être de la majorité, c’est ce qu’on évite
complètement en France en essayant d’aider les pauvres en France. Ou surtout dans le monde
entier aussi. On est à 90%, 95% de toutes les richesses du monde appartiennent à 7% de la
population. Et c’est quelque chose qui n’est pas mis en place. La plupart des riches sont : ouais
bon j’ai de l’agent qu’est-ce que j’en ai à foutre du reste ? Comme Google, des boites comme
SONY qui vont aller délocaliser dans d’autres pays.

F : C’est un point de vue plutôt économique, le niveau de vie. En France on s’en sort moins
bien ?

A : C’est partout comme ça en fait. Dans tous les pays, il y a une petite minorité qui est riche
est le reste pourra vivre normalement. Et après, je n’aime pas appeler ça la « Unterschicht »,
mais il y a les gens les plus pauvres qui sont une majorité on va dire.

F : Est-ce que tu peux observer des dépendances transfrontalières, des interdépendances entre
différents pays ? Dans ta vie quotidienne, si tu regardes un peu les infos, peu importe les médias
que tu consommes.

A : Je ne sais pas quoi te dire. Le seul truc, on va dire, la France va beaucoup acheter en
Allemagne, vu que ça coute beaucoup moins cher, mais ce n’est même pas une dépendance ou
une interdépendance, c’est de la consommation. En soi tu me poses une colle. Je n’ai aucune
idée.

F : Pas grave. Je n’ai pas de stylo rouge. Est-ce que tu penses qu’un fait qui peut se produire en
France peut avoir des répercussions sur ta vie en Allemagne ou plus généralement, s’il peut y
avoir des répercussions d’un pays à un autre ? Tu peux détacher ca de toi ou donner un exemple
personnel.

A : Je pense que pour moi ça serait difficile si maintenant disait bon, soit t’as la nationalité
française ou soit t’as la nationalité allemande. C’est-à-dire ne plus avoir la double nationalité.
Ça pourrait m’impacter. Après on reste dans l’espace Schengen, je pourrais quand même me
balader entre France et Allemagne, mais ça donnerait une certaine insécurité de passer la
frontière. Je serais pas sûr vraiment, je ne sais pas comment exprimer mais ça m’impacterait
sur ma mobilité entre les deux pays. Aussi ma mobilité de travail bien sûr. Si je vais en
Allemagne en tant que français, après bien sûr je parle allemand aussi, du coup c’est plus facile.
La langue joue un grand rôle dans le travail. Mais la nationalité, ça m’impacterait.
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F : Quand tu vois deux systèmes, c’est-à-dire centralisé ou décentralisé : lequel est ce que tu
considères comme plus inclusif, par exemple ou plus ouvert, qui permet de changer plus
facilement les choses ou de mettre en place des nouvelles mesures dans peu importe quel
domaine, ça peut être économique ou éducatif.

A : Il faut que tu m’expliques ta question-là par contre.

F : C’est des termes assez politiques. En France, on a clairement un système politique centralisé,
dons la majorité des décisions se font à Paris, tandis qu’en Allemagne on a un système fédéral.
On peut dire que la majorité des décisions sont quand mêmes prises à Berlin mais il y a quand
même les différents Länders qui ont aussi leurs système. Chaque Land a ses particularités. Est-
ce qu’il y a un système qui te parle plus ?

A : Je pense qu’en Allemagne c’est mieux le système fédéral. C’est comme dans l’anarchisme,
prendre des décisions dans un groupe en tant que groupe. Ne pas avoir d’Etat, de supériorité
qui va décider sur ce groupe. Toutes les décisions vont être prises dans ces groupes. Je ne veux
pas dire que le système fédéral c’est à peu près la même chose, mais par exemple dans le Baden
Württemberg, les décisions sont prises par l’Etat régional et de prendre des décisions pas
rapport à un plus petit groupe, c’est plus facile d’aider, bien sûr en restant dans les lois de toute
l’Allemagne. Je pense que c’Est plus facile d’aider un plus petit groupe que toutes la France.
Le système fédéral est plus adapté à un bonheur d’une certaine population, enfin à un bien être
d’une certaine population.

F : Quelle idée est ce que tu as de la pluralité ? Par exemple quand tu te balades à Fribourg est-
ce que tu observes une société ou des gens très divers ?

A : Après ça a peut-être avoir avec le fait qu’on habite à Fribourg où les différences sont bien
acceptés. On est plus ouverts à Fribourg qu’en France. En France ça va aussi, enfin tout évolue.
Tout change. Tout le monde doit adapter son propre style. Chez les plus jeunes il y a toujours
une idole, une grande image où tout le monde va commencer, par exemples les vêtements,
j’adore son style et tout le monde va se rattacher à ça. En Allemagne, les différences sont plus
acceptées qu’en France en parlant de style vestimentaire ou de transformation physiques…

F : Que signifie pour toi la hiérarchie ?

A : C’est totalitaire mais ça aide. Par exemple dans le domaine du travail, sans hiérarchie, c’est
difficile de pouvoir avancer ou de pouvoir construire quelque chose. Maintenant si on veut
construire un bâtiment, on a besoin de quelqu’un qui prend les décisions, celui de tout en haut,

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qui va se connecter avec l’acheteur qui veut construire le bâtiment. En dessous de ça, on a ceux
qui font les plans, les Statiker, ceux qui vont faire en sorte que le bâtiment tienne, après il y a
les sous-branches. Quand je vois la hiérarchie, je vois la pyramide. Sans la hiérarchie dans le
travail on ne pourrait pas avancer, ne pas faire tourner une boite. Mais d’un point de vue négatif,
je dirais que la hiérarchie c’est quelque chose de très… c’est prendre du pouvoir sur des gens
alors que pour moi tous les gens sont égaux, c’est paradoxal. Dans nos sociétés la hiérarchie
elle est bien différente et bien plus soft qu’avant on va dire.

F : Comme tu es au lycée franco-allemand, est ce que tu ressens ça dans ton cadre au lycée, est
ce que tu peux faire une comparaison entre l’Allemagne et la France ?

A : je pense qu’en Allemagne, il y a une hiérarchie, je reste dans le cadre de l’école, dans mon
lycée, la hiérarchie est moins présente, elle se laisse moins ressentir, les profs sont plus
sympathiques envers les élèves, les profs où j’étais en France, ils sont bien plus strictes, très
français, la bonne vieille école et du coup peut, j’ai l’impression qu’en Allemagne, la hiérarchie
se laisse moins ressentir alors que plus tu grandis plus tu remarques surtout que les profs, c’est
une hiérarchie plus réprimante sur le mental, su l’humeur. Des fois il y a des choses qui donnent
envie de se rebeller. Il y a des profs qui notent par rapport à la tête par rapport au nom, à la tête
qu’on a. Au DFG, j’ai été callé en Littéraire alors que je voulais aller en Economie et Société,
parce que je n’avais pas une très bonne image auprès du secrétariat parce que j’ai fait beaucoup
de conneries à l’école. Et cette hiérarchie, ils vont l’utiliser par rapport à la tête ou la réputation
qu’on a et juger. Ils vont commencer à prendre des décisions très arbitraires et c’est ça ce qui
me fait rebeller on va dire et c’Est là ou cette hiérarchie on la ressent. Ça passe sur l’humeur et
ça fait l’image du petit con : J’en ai marre et tout. Ça m’a vraiment énervé parce que je voulais
aller en ES et faire une école en Economics.

F : Cet impact sur l’humeur tu l’interprètes plutôt comme quelque chose de français plutôt
qu’allemand ?

A : oui, je pense que oui. En France quand on est en L on est considéré comme les cheloux, les
refoulés, tandis qu’en Allemagne, ça reste un Bac, si t’as 1,0 en L tu peux quand même faire
médecine. Je dirais qu’en Allemagne, cette humeur va moins impacter, dans ma situation bien
sûr, je n’ai pas d’autres cas pour imager cet impact.

F : Quels sont pout toi les éléments ou les conditions que tu nommerais nécessaires, basiques
pour vivre pour un l’être humain ?

100
A : La nourriture, à boire, du sommeil. Tout ce qu’on a besoin pour faire fonctionner le corps
humain. Après c’est le strict minimum. Bien sûr on est poussés à consommer plus que ce qu’on
a besoin. C‘est un truc qui me fascine beaucoup. C’est les moines bouddhistes par exemple. On
a lu un livre en allemand avec Frau Gern. Je sais plus comment il s’appelait. C’était génial. Elle
nous a même fait un cours de yoga. Très marrant. Mais du coup c’est des personnes qui se
restreignent au strict minimum, ils n’ont pas de portable, pas de PC, pas de gros moyens de
communication vers le bas, vers le Tal ou quoi. C’est des gens qui ont fait un choix de vie qui
se restreignent au strict minimum et au développement de la pensée et de la concentration et du
mental à travers la méditation. Et ça c’est des gens que j’admire et que je respecte. Mais
maintenant des personnes basiques en France ou en Allemagne, on est pas au strict minimum.
Si on va par exemple en Chine, où ils sont très réprimandés, par exemple on leur prédétermine
un job, on n’a pas trop le droit de choisir, mais je ne veux pas dire de conneries. Parce que
l’humain a aussi besoin d’une liberté, peut-être encadré. Ça fait aussi partie du strict minimum.
Après pour vivre, il faut se loger aussi. C’est ce que l’humain a besoin pour vivre.

10.2.4 Medea

Transnationalismus :

- Père français, Mère serbe (possède les deux nationalités), grandit avec le français, le
serbe et un patois-roumain, parle japonais et anglais. Elle a vécu en France et au Japon
et en Angleterre.
- Utilise régulièrement la multitude de ses langues. Membres de sa famille et des amis
dans plusieurs pays.
- Toujours en école privée, enseignements privilégiés. Spécialisation en Lettres. Lycée
assez réputé pour sa spécialité art. Cours Préparatoires en Art pendant un an avant
d’intégrer l’université de langue, spécialisée en japonais.
- Licence lettre et civilisation étrangère, spécialité japonais. Vécu un an et demi au Japon
en échange universitaire. Master en Lettres, langues et civilisations étrangères.
- Occupation principale : chargée de communication interne et externe à l’ambassade du
Japon en France.

Frage 12: « bonne question. Je me sens très proche du Japon et en même temps de la France
mais je ne pense pas vouloir vivre dans ces pays-là. Les pays du Nord m’attirent un peu plus.
Globalement l’Europe. Je serai tenté de vivre en Nouvelle Zélande, un endroit près de la nature
ou en Allemagne, c’est bien là-bas. »

101
Frage 13 : Est-ce qu’il y une entité géographique comme une ville, une région ou est-ce que tu
considères le monde entier ? « Je considère vraiment le monde entier et pense que je peux me
sentir chez moi un peu partout. J’ai adoré vivre à Manchester et au Japon, j’ai beaucoup aimé
la Corée, J’aime vachement l’Italie, l’Ecosse et l’Irlande. Je me ses attachée à la Serbie. Il y a
des paysages très variés avec des influences austro-hongroises, les Balkans, le côté slave,
l’influence de la Russie mais aussi de l’empire ottoman. »

Kosmopolitismus :

F: Que penses-tu de la valeur de l’humain? C’est-à-dire d’un humain par rapport à un autre ?

A : A mes yeux, c’est une des choses les plus importantes qui existent, mais j’ai l’impression
qu’on arrive de moins en moins à privilégier les rapports humains. Parfois c’est décourageant
de voir qu’il y a des rapports où ces valeurs sont misent à l’écart. Notamment dans des grandes
capitales ou des phénomènes de société qui sont de type capitaliste ou des choses comme ça.

F : Est-ce que tu penses qu’un humain a plus de valeur qu’un autre ou tous ont la même valeur ?

A : Non, je pense qu’on est tous égaux même si on est tous différents.

F : Que penses-tu du droit à l’autodétermination de chaque individu ? C’est-à-dire le fait de


pouvoir et d’avoir le droit de prendre ses propres décisions pour soi-même.

A : C’est hyper important. C’est un des buts de sa propre vie. De choisir son chemin et d’avoir
le droit de choisir. A mon sens c’est hyper important.

F : Est-ce que le lieu de naissance et la façon de laquelle chaque individu a été élevé ont une
influence sur cette autodétermination ?

A : Oui, effectivement. Quand on grandit dans des sociétés ou dans des conditions un peu
conservatrices et patriarcales. On conditionne plus les filles et pas assez les garçons. Ça se
répercute dans des choix de vie dans la vie privée et professionnelle. Type : les filles ont
tendance à devenir infirmières parce qu’elles doivent êtres tournées vers le fait de prendre soin,
d’être plus tournées vers les autres. Alors que les garçons sont souvent assez libres sans avoir
de jugement derrière.

F : Est-ce que le lieu de naissance a aussi une influence là-dessus ?

A : Oui, complètement. Je pense qu’on est autant conditionné par la famille que par
l’environnement. L’environnement ça peut être la ville ou la campagne. Par exemple des
enfants qui sont en lien avec les forêts ou les milieux assez verts, c’est des gens qui vont
102
développer une sensibilité pour la nature alors que des enfants qui vivent en villes sont souvent,
pas déraciné, mais qui ont une sensibilité tardive voire inexistante. Ça peut être aussi vachement
lié au burnout actuel. Le fait d’être déraciné, de ne plus savoir ce que l’on fait dans une ville.

F : est ce que l’on peut faire une différence entre la valeur ou l’importance des intérêts d’un
individu / un groupe par rapport à ceux d’un autre ?

A : Je ne pense pas plus important. En fonction des questions, les priorités peuvent être
différentes. C’est une question de priorité qui peut amener à vouloir quelque chose plus qu’une
autre.

F : Est-ce certaines personnes ont un statut moral supérieur à une autre ?

A : Tu veux dire juste une personne physique ? Est-ce que c’est un terme juridique

F : Est-ce que les actions et les paroles d’une personne en particulier peuvent être jugés
supérieurs à ceux d’une autre ?

A : Non je ne pense pas qu’il y ait de hiérarchie humainement parlant. Il y en a une dans la
société dans laquelle on vit mais elle n’est pas forcément légitime. Après si un personne fait de
bonnes actions et une autre fait de mauvaises actions, J’aurais tendance à lui donner plus raison
d’un point de vue simplifié quoi.

F : Est-ce que tu as le sentiment d’appartenir à une société ou à une collectivité ou à plusieurs ?

A : A plusieurs clairement.

F : Dans ce cas-là, lesquelles et comment est-ce que tu les décris ?

A : J’ai le sentiment d’appartenir à la communauté serbe de par les origines de ma mère, c’est
d’un point de vue strictement familial parce que j’ai appris la langue et j’ai de la famille là-bas
et que j’y vais de temps en temps. Donc c’est quelque chose qui m’a marqué dans ma jeunesse
et dans on éducation, l’apprentissage d’une autre culture et des langues. Du coup j’appartiens
aussi à une autre communauté qui est la japonaise. Enfin je ne sais pas si j’y appartiens mais je
suis sensible à cette communauté. C’est en dehors de tout contexte familial. C’est totalement
individuel et personnel. Avec le Japon, je me suis rendu compte que j’appartenais quand même
à la communauté française parce qu’au Japon je me suis rendu compte á quel point j’étais
parfois française dans mes réflexions ou dans mon attitude. Du coup en dehors de nationalités
et des cultures, je me sens appartenir d’un point de vue global vachement plus je partage les

103
valeurs hippies et un vrai intérêt pour la rencontre avec les autres et l’ouverture d’esprit, et
l’environnement. Je ne sais pas si on peut parler de communauté.

F : Est-ce que tu as l’impression que ces communautés influencent tes actions ?

A : Entièrement.

F : Dans quel sens ?

F : Par exemple ma double culture m’a permis d’avoir une ouverture d’esprit assez large pour
vouloir vivre dans un autre pays étranger et apprendre la langue. Le fait que ce soit aussi la
Serbie qui est un pays assez pyramidale comme le Japon me fait penser que je n’ai pas choisi
le Japon pour rien non plus. Quand je dis pyramidale, c’est le côté cellulaire de la famille avec
la figure paternelle, la femme au foyer et les enfants et ce schéma un peu sacrificiel. Et du coup
de par ma mère qui a grandi vraiment dans un petit village, j’ai été vachement sensibilisée à la
nature quand j’étais petite même si j’ai toujours vécu dans une grande ville et aujourd’hui je
me rends compte que ça détermine mes choix. Je veux changer mon fonctionnement et je suis
plus sensible aux questions écologiques et je veux changer mon comportement concernant ça.

F : Est-ce que le fait d’agir dans différentes communautés signifie quoi pour toi ?

A : Ce que je privilégie beaucoup c’est les échanges à travers la communication et donc ma


manière la plus primaire d’interagir avec ces communautés et d’intégrer ce que chacun pense.
De l’intégrer et de l’assimiler et de faire la même chose si jamais ça me parle et sinon agir dans
ces communautés, pour la Serbie c’est juste retourner là-bas et voir ma famille, parce que ce
n’est pas une communauté que je fréquente sur Paris. Pour le Japon, ce sont plutôt des choses
qui me touchent artistiquement et de l’ordre de la communication, c’est vraiment le dialogue
entre les cultures ma manier la plus aboutie on va dire de prendre place dans ces communautés.
Et pour la France, c’est bonne question. Juste mes amies, les rencontres que j’ai faites et
l’éducation que j’ai reçu dont j’ai été assez contente. Surtout au lycée qui m’a vraiment ouvert
les yeux sur le monde un peu. Notamment un prof d’art qui m’a beaucoup sensibilisé à l’art et
l’expression de soi et l’expression des autres du coup. Je ne sais pas dans quel truc je peux
inscrire ca mais… hmm.

F : Est-ce que selon toi chaque individu a une responsabilité envers les individus avec lesquels
il coexiste ?

A : Oui, entièrement. Déjà envers lui-même, mais lui-même c’est un peu les autres aussi. D`jà
la responsabilité de ses actes. On est vachement dans les sociétés européennes. On est
104
vachement déresponsabilisés de nos actes les plus intimes et les plus simples dans les sociétés
européennes. Que ce soit consommer, dont on parle tout le temps maintenant c’est le plastique.
De ce côté-là on a clairement une responsabilité, mais on l’ignore alors qu’on y est confronté
en permanence. Quand on prend un gobelet en plastique, qu’est-ce que ça fait après ? Du coup
je dirais qu’on est responsable de son ignorance aujourd’hui aussi parce que l’on a les moyens
de savoir. On a une responsabilité envers soi-même parce qu’on devrait avoir un mode de vie
complétement intégré pour respecter son environnement et surtout celui des autres parce que le
plastique ne finit pas en France mais il finit dans d’autres pays. Et puis, c’est de gestes simples
qui nous déresponsabilisent mais qui peuvent parfois déresponsabiliser aussi de manière
humaine parce qu’on peut très bien passer dans la rue à côté de personnes ivres mortes et on
s’en inquiète pas. Tout le monde trouve ça de plus en plus normal. Il y a la responsabilité envers
les autres et puis celle de ne jamais être 100%, ne jamais, je pense savoir se remettre en question
est aussi un devoir qu’on a à faire chacun sur soi-même. Il y a seulement des perceptions qui
peuvent être similaires qui vont juste former une espèce de chemin pour arriver à des choses
cohérentes pour un groupe d’individus.

F : Que signifie pour toi l’inclusivé ?

A : J’imagine que tu veux dire intégrer tout le monde. Du coup, c’est-à-dire de ne pas forcément
juger sur les apparences dans un premier temps et puis ne pas s’arrêter, ne pas avoir un jugement
hâtif ou catégorique. C’est plus une question de tolérance et d’acceptation.

F : Comment est-ce que tu conçois le « bien être de la majorité » ?

A : C’est quand il y a une harmonie globale. Il n’y a pas d’autre appartenance á part celle qu’on
se doit envers soi-même. Comment dire. On ne juge pas parce qu’un certain est d’une certaine
confession religieuse. Une harmonie entre tous les êtres vivants.

F : Est-ce que tu t’engages dans des processus de décisions dans ta société ou dans ta
communauté comme par exemple aller voter ou aider à organiser les élections ou un
engagement dans une association.

A : Oui, je vais voter mais je ne prends pas trop part dans des communautés à part rencontrer
et discuter avec des gens pour e moment je ne suis pas active autrement. Par exemple je n’ai
pas planté d’arbres. Dans mon travail, j’aime bien organiser pour réunir des gens. En tous cas
au travail je sui assez dynamique et volontaire pur organiser es évènements entre les
communautés. J’aime beaucoup travailler à la cohésion d’ensemble et à l’harmonie. Et je mets

105
vraiment la communication au centre des rapports au travail et aussi dans l’amitié et dans ma
famille mais j’y arrive un peu moins.

F : Est-ce que tu trouves que toutes les idées et intérêts de tous les individus devraient être pris
en compte dans les processus de décision ?

A : Ca dépend, si c’est des lobbyistes non. Mais je pense que toute parole se vaut mais doit être
pensée dans…, si elle est imposée aux autres et elle doit être pensée pour les autres et pas pour
soi-même. A partir de ce moment-là on pourra tout prendre en question. On dit toujours que la
liberté individuelle se limite à la liberté collective. Je pense qu’on doit travailler pour dans
l’éducation mettre au centre des valeurs qui vont être assez similaires et déterminantes pour leur
vie comme la nature ou l’harmonie ou des choses comme ça. C’est peut-être un peu utopique.

F : Est-ce que tu peux constater des interdépendances dans le monde ?

Par exemple entre la rance et le Japon il y a énormément de paradoxes et d’interdépendance. Il


y a une influence artistique qui a été révélé dans pas mal de courants d’arts et puis il y a une
belle complémentarité entre ces deux pays. Et je pense qu’il y en a une entres les Pays-Bas et
le Japon. C’est peut être aussi pour ça que ça m’attire. Je trouvais qu’il y en avait pas mal entre
la Suisse et le Japon dans l’urbanisme et puis il y a beaucoup de similarité entre la Bretagne et
le Japon en termes de climat et en termes de possibilité de culture. Il y a une attraction comme
ca. On peut facilement cultiver des produits japonais, comme des algues. Il y a la mer et le côté
archipel qui se retrouve entre la Bretagne et certaines régions du Japon. DU coté familiale
cellulaire, dans certaines traditions et des rites funéraires je trouve que c’est très proche de la
Serbie. Même les samurais, c’est une conception qui a existé aussi dans les Balkans, ça s’appelle
« haiduk ». Dans certaines langues d’Amérique du Sud et des langues d’Afrique, certaines
ressemblent beaucoup au Japonais. Certains caractères cyrilliques ressemblent à des Kanjis.

F : Est-ce que les phénomènes que tu viens de décrire devraient jouer un rôle plus important
dans des processus de prise de décisions ?

A : Par exemple le fait de voyager. Je pense que c’est super important parce que si on ne connait
pas ces choses-là, c’est difficile de prendre des décisions pour les autres. Il faut se rendre compte
de sa condition pour d’arriver à mieux comprendre et donc à penser d’une manière différente
surtout quand on parle de communauté. Là je parle d’un point de vue global. On ne peut plus
revenir à l’ère, aujourd’hui on peut prendre l’avion aussi peu cher. Alors, si t’es une
communauté qui est liée par des valeurs communes ou si c’est par religion ou si c’est l’histoire
du village, forcément les valeurs vont avoir tendance à être un peu similaires. Par exemple la
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Yougoslavie avant, c’était plusieurs pays différents issus des Balkans mais il y avait beaucoup
de personnes issus de confessions religieuses différentes. Il y avait des musulmans, des juives,
des orthodoxes, des catholiques et il y avait quand même une harmonie dans ces pays de ce que
j’ai lu dans l’histoire et de ce qu’a raconté ma mère qui a vécu aux portes de la Yougoslavie et
pas de la Serbie. Il y avait une vraie cohésion et une vraie fraternité. Les gens s’acceptaient et
se toléraient. Il pouvait y avoir des conflits, mais c’était plutôt des conflits personnels. Enfin
personne ne rentrait vraiment dans l’intimité de gens qui étaient de confession différente mais
les gens avaient quand même des rapports très conviviaux. Je pense que du coup la coexiste est
hyper importante.

F : Est-ce que tu trouves que pour organiser cette coexistence il est plus approprié d’avoir des
mécanismes de décision centralisés ou décentralisés ?

A : Je pense que décentralisé c’est mieux parce que ça me semble plus inclusif. Comme ça tout
le monde est responsabilisé. Ça permet à tout le monde de penser ce qui serait bien autant pour
les autres que pour soit. Le fait d’impliquer les gens c’est stimulant. Ca force aussi à apprendre
des autres. Donc, et puis, 25 cerveaux c’est mieux que deux ou trois. Ça permet d’analyser
plusieurs cas de figure et souvent quand c’est décentralisé ça permet de rendre les gens
volontaire. J’ai l’impression quand c’est centralisé, c’est souvent une faute de moyen alors que
quand c’est décentralisé les gens se démènent eux-mêmes pour trouver des solutions et
généralement ça va plus vite. Donc de ce côté-là c’est plus efficace. Il y a un rapport moins
ancré à l’argent, c’est-à-dire qui est beaucoup moins dépendant, c’est plus facile de répartir les
ressources. Comme par exemple avec du troc ou des monnaies locales.

F : Que signifie pour toi la pluralité ?

A : La différence.

F : Qu’est-ce que tu penses de la pluralité dans une société/communauté ?

C’est la richesse et l’ouverture d’esprit. C’est la tolérance, c’est l’apprentissage des autres et
donc de soi. C’est des valeurs hyper importantes notamment en termes d’éducation.

F : Comment est-ce que tu décris la hiérarchie ?

Ayant connu le milieu japonais, je l’appréhende d’une manière assez… je ne suis pas très
convaincu. Je trouve que les rôles ne sont pas attribués en fonction des compétences de chacun.
De cela résulte parfois de la contre productivité, des rapports néfastes entre collègues ou entre
supérieurs et donc une perte de temps. D’un point de vue japonais c’est complètement
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incohérent et inefficace parce qu’eux même sont intransigeants à la hiérarchie. Du côté français
on est un peu plus regardé pour ses compétences. Pas sa capacité à briller mais, qu’importe ton
milieu, si tes idées sont bonnes tu seras toujours pris en compte et pas rabaissé. Fin, c’est encore
plus pris en compte aux Etats-Unis j’ai l’impression. C’est plus libre en termes d’action, j’ai
l’impression que l’échec est plus accepté. EN France on est assez catégorique sur l’échec, c’est-
à-dire que si tu brilles tu dois briller tout le temps. Alors qu’aux Etats-Unis ce qui compte c’est
d’avoir la force et l’envie d’essayer et après il y a toujours un porte ouverte même s’il y a un
échec. Enfin, je n’y ai jamais vécu mais je pense que la hiérarchie est encore moins marquée
aux Etats-Unis. Après je regarde la Serbie et il y a même une hiérarchie dans le couple et là je
suis complétement contre parce que je la trouve dénué de sens ou très mal interprété. Par
exemple un peu de la misogynie et du sexisme dans la plupart des couples qui réduisent la
femme souvent à rien de plus que faire la cuisine et s’occuper des enfants. De ce point de vue
là on ne privilégie pas les compétences à bon escient. Pour finir, je citerai les inconnus qui
disaient « Aimez-vous les uns les autres bordel de merde ».

Ende.

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