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Die Spur der Quader

Werner Zurfluh

Bedeutung der verwendeten Abkürzungen

BK Bewußtseinskontinuität
NDE near-death-experience (mit BK)
ND normal dream (ohne BK)
AKE außerkörperliche Erfahrung (= OOBE)
PD prelucid dream (beinahe BK)
KA-BK Körperablösung bei BK (= OOBE)
LD lucid dream (Klartraum - mit BK)
SA Struktur A (= Alltag)
OOBE out-of-body-experience (mit BK)
SB, SC ... Struktur B, C ... (Ebenen der Anderwelt)

Zur Einführung

Manches ist bei mir immer wieder in den nächtlichen Erfahrungen in Erscheinung
getreten. Und oft hat es Jahre und Jahrzehnte gedauert, bis es mir möglich
wurde, gewisse Dinge auch nur einigermaßen zu verstehen und gefühlsmäßig
wenigstens an einem Zipfel ihres Seins zu 'packen'. Eines dieser Traumbilder ist
der Steinquader. Er wird jenen, die den Film '2001 Space Odyssee' gesehen haben,
bereits einmal als Faszinosum begegnet sein - wie etwa Stonhenge oder Carnac und
- ein bißchen profaner und historisch nicht korrekt (was den Zeitpunkt der
Herstellung betrifft) - ein von Obelix geschleuderter Menhir bzw. Hinkelstein.

Irgendwie haben diese geheimnisvollen Dinge - wie es sich im folgenden zeigen


wird - mit der 'Anderwelt', der 'Autre Monde', zu tun, d.h. mit jener
Wirklichkeit, die das Alltägliche transzendiert - und seit Jahrtausenden mittels
der Träume, Visionen und ekstatischen Erlebnisse auf die Menschen einwirkt und
sie maßgebend beeinflußt. Durch das von der Psychologie vielleicht etwas
irreführend als 'das Unbewußte' bezeichnete 'Bewußtseinsferne der Anderwelt'
werden bei einer Begegnung einzelnen Menschen oder sogar ganzen Gruppen neue
Impulse vermittelt. Das Stagnierende bricht auf und längst Totgeglaubtes wird zu
neuem Leben erweckt. Die Grenzen des bislang Bekannten erweisen sich beim zutage
treten des Ganz-Anderen als brüchig und werden beim Ansturm des Fremdartigen
gesprengt. Manchmal wird eine Überschreitung der gewohnten Strukturen durch die
Numinosität der Erfahrung sogar erzwungen.

Das alles kann natürlich auch relativ harmlos und sanft geschehen - und dann
trotzdem letzten Endes dazu beitragen, daß das Bekannte in seiner beharrenden
Starrheit aufweicht und möglicherweise seine Begrenzung mit der Zeit sogar total
verliert.

Der Kopf

Es war ein sehr eindrückliches und eigenartiges Geschehen am 14. April 1969. Es
hat mich lange beschäftigt, ohne daß es mir möglich wurde, einen Zusammenhang
mit der Quaderproblematik zu erkennen.

... Ich trete zu einer Säule, eine Art Quader, in der ein absolut leb- und
farbloser Kopf in einer schwarzen Flüssigkeit schwimmt.

Ich weiß, daß man auf eine bestimmte Stelle des Steines drücken muß, damit der
Kopf sich erwärmt und lebendig wird, doch ich kann es nicht glauben. Dennoch
drücke ich, um es wenigstens versucht zu haben. Und es geschieht etwas!

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Erstaunt schaue ich den Veränderungen zu. Der Kopf, den man vorhin von der Seite
sah, dreht sich langsam gegen mich. Gleichzeitig bekommt er Farbe und scheint
sich von innen heraus zu erwärmen. In dem Moment, als das Gesicht gegen mich
schaut, ist der Kopf ganz lebendig geworden. Ein hübsches Mädchengesicht lächelt
mir so geheimnisvoll zu, daß ich erschrecke, denn ich habe noch nie solch ein
merkwürdiges und allwissendes Lächeln gesehen.

Plötzlich platzt die Frontscheibe, und ich werde von oben bis unten mit einer
klebrigen, total schwarzen Flüssigkeit bespritzt. Fluchtartig renne ich davon,
auf die andere Straßenseite. Dort treffe ich eine Frau, die ein weißes Kleid
trägt. Verängstigt frage ich sie, was ich bloß tun solle. Sie lacht laut und
sagt:
"Mach Dir keine Sorgen, das gehört dazu!"
Oder sagte sie, ich würde jetzt auch dazugehören?

Eine erste Spur

Der immer wieder in Erscheinung tretende Quader hinterließ seine Spur bemerkbar
ein erstes Mal am 23. Mai 1969. Kaum hatte ich nämlich - wieder einmal - die
'Lustigkeit des luziden Seins im Traumzustand' bis zur 'bitteren Neige'
ausgekostet, wurde er deutlich sichtbar 'herangekarrt' - und es wurde mir auch
zugemutet, daß ich die schwere Last forttrage.

... Ich wedle voller Freude auf großen Skischuhen und mit zwei als Stöcke
benutzten Tannenstämmchen eine schneebedeckte Straße in einer unbebauten Gegend
hinunter und nutzte die immer schneller werdende Fahrt bewußt zu einem
Gewaltssprung über den Straßenrand hinaus - und genieße dann vollumfänglich das
wunderbar-herrliche Gefühl des Durch-die-Luft-Fliegens!

Doch bereits nach gut 20 Metern kommt es dieses Mal - völlig unerwartet und ohne
ersichtlichen Grund - zu einem abrupten Absacken. Mit einem lauten Platsch
plumpse ich mitten hinein ins Sumpfgras, das den Aufprall immerhin etwas zu
dämpfen vermag. Doch zu meinem großen Entsetzen sinke ich sogleich in matschigen
Untergrund ein - tiefer und tiefer! Panik kommt auf! Schon stecke ich bis zur
Brust in der dickflüssigen, schlammigen Brühe, da stoßen meine Füße zu meiner
großen Erleichterung auf festen Grund.

Hierzu ist bloß anzumerken, daß meine keineswegs ins Schema der
tiefenpsychologischen Anschauungen passenden Versuche, die Luzidität in einem
luziden Traum (LD) oder einer außerkörperlichen Erfahrung (OOBE) direkt oder
indirekt auszunutzen, um sexuelle und andere Freuden auszukosten, hier wirklich
abrupt und brutal beendet worden sind.

Damals konnte ich den Zusammenhang zwischen meiner - von den Analytikern zwar
korrekt als infantil bezeichnendeten - Leichtfertigkeit und dem Absturz und der
Tiefe des Einsinkens in den Sumpf nicht abschätzen. Auch die ernsthafte und
intensive Auseinandersetzung mit der Jungschen Tiefenpsychologie außerhalb der
Analysestunden half bei diesem Problem wenig bis gar nichts. Auch wenn in der
Analyse Infantilismen und Schattenaspekten zur Sprache kamen, wurde dennoch nie
klar gesehen, daß sich diese in LDs und OOBEs aufgrund der Kontinuität des
Bewußtseins (BK) ganz massiv und irgendwie anders als in normalen Träumen ohne
BK auswirken.

Der Grund für die fehlende Einsicht seitens der geschulten Psychotherapeuten war
der, daß diese nicht akzeptieren konnten, daß es durchaus möglich war, mit
vollumfänglich erhalten gebliebenem Bewußtsein zu träumen. Die BK im Traum paßte
nicht ins theoretische Konzept und wurde deswegen auch nicht hinterfragt. Dabei
würde gerade die BK aufzeigen, daß es auch im Traumzustand um wesentlich mehr
geht als 'bloß' um einen schulkonformen Individuationsprozeß, bei dem das

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Individuum aufgrund der in einer Analyse erworbenen Kenntnisse und Einsichten
zur Vollständigkeit heranwächst und sich dabei gleichzeitig in das kollektive
Umfeld modifizierend integriert.

Selbstverständlich ging und geht es auch in meinem Fall um eine moderate


Einpassung und um Ganzwerdung - allerdings unter Einschluß der BK. Der Einbezug
der BK macht es schwierig, eine 'psychoide' Anderwelt als wirkliche Welt zu
finden, weil es zum Scheitern der Anpassung an die seitens der Tiefenpsychologie
und der Gesellschaft vertretenen Normen kommen muß. Aber das ist wieder eine
andere Geschichte.

Oben auf der Straße fahren etliche Lastwagen. Ich rufe den Fahrern zu, sie
sollten mir doch bitte heraushelfen, realisiere aber schnell, daß die schweren
Brummis auf der Straße nicht anhalten dürfen, weil dort der Untergrund auch
sumpfig ist. Einer der Fahrer ist mein Großvater mütterlicherseits, und sein
Laster ist mit einem quaderförmigen Klotz aus einem butterähnlichen Material
beladen.

Damals war ich total naiv und beschämend unwissend, denn ich ahnte nicht einmal
am Rande, daß ich gerade durch den Einsatz der BK im Traumzustand aus dem
Gängigen und somit den befahr- und begehbaren Wegen und Straßen hinausfliegen
mußte. Und dann erhoffte ich mir erst noch Hilfe und Rettung durch gewichtige
offizielle Gruppierungen - eben z.B. der Psychotherapie. Aber die FahrerInnen
durften ja nicht einmal am Rande daran denken, in derart gefährlichem Gelände zu
stoppen bzw. an dieser Stelle die 'Welt anzuhalten'.

Wenigstens erkenne ich, daß der formbare Quader auf dem der Laster meines
Großvaters zu meinem persönlichen Erbe gehört. Dessen Verformbarkeit ist - wie
andere, weiter unten angesprochene Themen (Bekleidung, Dreck, Werkzeug,
Verwundung, Konfession, Reinigung) übrigens eine Sache, die durchaus in
separaten Kapiteln behandelt werden könnte. Das soll hier allerdings nicht
geschehen.

Nach bangen Minuten und manchem vergeblichem Zuruf komme ich irgendwie zu einem
Beil und einem Pickel. Vielleicht deswegen, weil sich die 'Stöcke' umgewandelt
haben. Aber sogar mit deren Hilfe ist es außerordentlich mühsam und anstrengend,
dem Sumpf zu entkommen und bis zur Straße hochzustapfen bzw. mich das steile
Bord hochzuziehen. Das dauert eine ganze Weile, wobei alle Kleidungsstücken bis
auf die Unterhosen verlorengehen. Bei diesem Unterfangen verdrecke ich mich
zudem vom Scheitel bis zur Sohle mit schwarzem Schlamm.

Endlich ist es möglich zu den unten auf trockenem Boden stehenden Fahrzeugen zu
laufen. Unterwegs bemerke ich, daß sich auf der Innenseite des linken
Oberschenkels ein großer gelber Fleck ähnlich einem vereiterten Stück Haut
gebildet hat. Der Bereich ist am Rande von einem schmalen, blauroten Feld
umgeben.

Bei den wartenden Fahrzeugen angekommen, wird mir von den Leuten zu meiner
größten Verblüffung aufgetragen, den Quader und somit die gesamte Butterladung
aufzunehmen und wegzutragen. Ich nehme die schwere Last ohne zu murren auf und
gehe weg. Unterwegs zum nahegelegenen Ort begegnen mir mehrere Lastwagen und ein
Kuhgespann. Von den Leuten, die aus den Fenstern gucken, lädt mich leider
niemand dazu ein, die Ladung abzulegen und in einem der Häuser ein warmes Bad
nehmen.

... Mit der Zeit wird es mir zu bunt, denn die Last drückt ungemein schwer - und
zudem ist mein Körper völlig mit Schmutz bedeckt. Schließlich setze ich die
bereits ziemlich weich gewordene Ladung einfach ab und renne eine steile Treppe
hoch. Dabei gelingt es ganz so nebenbei auch noch, irgendwelchen Klerikalen zu
entwischen. ...

Später bei der Reinigung verwandelt sich das bildhafte Geschehen in Buchstaben.
Gleichzeitig erwache ich sukzessive und beginne, den durch die Buchstaben

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gebildeten Text von einem Blatt abzulesen. Ich hatte das Papier neben das Bett
gelegt, um eventuelle Träume kurz notieren zu können. Zu meinem Erstaunen liegen
nun rund um das Blatt herum einige elfenartig aussehende junge Burschen und
Mädchen - auf dem Bauch, den Kopf in die Hände der abgewinkelten und mit den
Ellbogen auf dem Boden abgestützten Arme gebettet. Sie lesen, was auf dem Papier
geschrieben steht. Ja, sie diskutieren sogar miteinander über das
Traumgeschehen. Aber dann verschwinden sie plötzlich. Dabei sagen sie:
"Der Traum ist recht kompliziert und für uns zu schwierig."

Dann lese ich den Text durch - und bin eigentlich ziemlich enttäuscht und
verwirrt, weil dies alles kein Traum gewesen sein kann, sondern nur das bildhaft
Erlebte einer Geschichte, die ich abends zuvor aufgeschrieben hatte.

Plötzlich wird das A4-Blatt weiß, denn die Schrift verblaßt! - Erst jetzt merke
ich, daß ich nicht richtig wach gewesen bin, sondern eigentlich erst jetzt wach
werde.

Damals, d.h. 1969, waren mir Dinge wie LDs, OOBEs, BK und falsches Erwachen
völlig unbekannt. Erst Jahre später wurde mir beim neuerlichen Lesen des
Traumgeschehens vom 23. Mai klar, daß ich längst schon wach gewesen war. Hier
handelte es sich also eindeutig um das 'falsche Erwachen', bei dem
'tückischwerweise' die BK und damit der 'außerkörperliche Zustand'
vollumfänglich erhalten bleibt. Und dabei kommt es mit Leichtigkeit zu einem
'Merging', d.h. zu einer Ebenenvermischung - ähnlich einer Überblendungsequenz
in einem Film. Und worauf der Quader hindeutete, war mir so oder so
unbegreiflich, auch wenn mir z.B. Ausdrücke wie 'das Selbst' oder 'lapis
philosophorum' dazu eingefallen waren.

Die furchterregende Spur

Die nächste Spur ist auf entsetzlichste Weise am 26. Mai 1969 als 'Die Invasion
der Quader' sichtbar geworden. Diese Erfahrung ist in den wesentlichsten Teilen
im Buch 'Quellen der Nacht' S. 226-228 beschrieben, weshalb hier nur das ergänzt
werden soll, was dort weggelassen worden ist:

... Ich beschließe zu fliehen und mich als ein Spion im Dienste der Invasoren
auszugeben, der in den Teil der Gebiete zu gehen hat, der noch von Menschen
beherrscht wird, um dort die Lage auszukundschaften. Um diese Rolle glaubhaft
vertreten zu können, ziehe ich ein für die Invasoren typisches Kleidungsstück an
- ein grünes Leibchen mit weißem Saum - und gehe anschließend eine Straße
Richtung Stadtrand hinauf.

In der Mitte der Steigung treffe ich auf ein paar Schulkameraden, die sich
ebenfalls verkleidet haben, um als Freunde der Invasoren zu gelten, und spreche
sie in unserer Sprache an. Bald beginnen sie, ziemlich laut zu reden, worauf ich
sie eindringlichst ermahne, wenigstens etwas leiser zu sprechen. Sie können oder
wollen nämlich nicht die Sprache der Invasoren anwenden, aber sie wollen auch
nicht auf meinen Rat hören und plappern noch lauter als zuvor.

Deshalb gehe ich schnell weiter, zumal das laute Schwatzen eine Patrouille der
Invasoren dazu bringen könnte, die Gruppe genauer anzusehen. Tatsächlich - kaum
sind ein paar Meter zurückgelegt - macht die immer noch laut redende Gruppe auf
sich aufmerksam. Die Invasoren nehmen die Kollegen unverzüglich fest.

Beim Gedanken an die Qualen, die sie jetzt höchstwahrscheinlich erleiden müssen,
wenn die Quaderwesen mit dem Studium der menschlichen Nervenversorgung beginnen,
schaudert es mich zutiefst - und für einen Moment keimt in mir sogar die
Befürchtung auf, meine Tarnung könnte auffliegen. Aber das ist glücklicherweise
nicht der Fall. Ich nehme mir auf der Stelle fest vor, bei allem, was kommen
mag, nur noch in der fremden Sprache zu sprechen.

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Bald sind die letzten Häuser der Stadt erreicht. Am Rande der Stadt steht ein
Invasorenposten, der das Land vor der Stadt kontrolliert und nach Menschen
Ausschau hält, die eventuell einen Gegenangriff versuchen.

Der Kommandant spricht mich an und stellt etliche Fragen in seiner Sprache. Ich
muß notgedrungenermaßen Rede und Antwort stehen und wundere mich sehr, die
Fragen - ohne das Geringste zu begreifen - korrekt beantworten zu können.
(Offensichtlich handelt es sich hier um Xenoglossie (= Anm.1 in: "Die wilde
Jagd").)

Endlich scheint der Wächter zufrieden. Da das Haus auf der anderen Straßenseite
sehr gut eingesehen werden kann und das letzte Hindernis darstellt, kann ich nun
- ohne Verdacht zu erregen - die Fassadenkletterei beginnen, um in das noch
nicht in der Gewalt der Invasoren befindliche Land zu gelangen. Das Hochklettern
an der Mauer ist mühsam. Wie ich bei einem Fenster im ersten Stock vorbeikomme,
sehe ich im kleinen Zimmer einen Schneider, der an seiner Nähmaschine sitzt. Ein
Sprung durchs Fenster bringt mich schnell in die Gegenwart des eher
kleingewachsenen Mannes.

Bald einmal wird klar, daß er ein Freund ist, und ich mich gefahrlos als
Flüchtling zu erkennen geben kann. Der Schneider verspricht mir zu helfen. Als
ich ihn um einige Waffen bitte, gibt er mir eine Pistole mit höchst merkwürdigem
Lademechanismus, der darin besteht, daß am hinteren Ende ein flach gepreßter
Stab in den Lauf gesteckt werden muß.

Nachdem ich dies getan habe, wird die Waffe ausprobiert. Nur zwei Schüsse lassen
sich 'abfeuern' und statt Kugeln kommen nur überdimensional große und sehr
langsam fliegende Dinger aus dem Lauf. Diese klatschen dumpf an die Wand und
hinterlassen auf der Tapete einen großen (wahrscheinlich roten) Fleck.

Die Waffe überzeugt nicht, weshalb ich noch ein Gewehr verlange. Obwohl der
Schneider viele Gewehre an der Wand hängen hat, ist keines verfügbar, denn alle
sind funktionsuntüchtig. Schließlich verzichte ich auch auf die Pistole, weil
das Nachladen viel zu umständlich ist und zu viel Zeit beansprucht.

Schließlich öffnet der Mann die Tür eines großen Schrankes und weist mir den
Weg. Ich steige hinein und komme auf der anderen Seite sogleich wieder heraus.
Vor mir erstreckt sich ein weites Land bis zum Horizont. Der Schrank bildet
somit einen direkten Durchgang auf die andere Seite. In diesem Fall bedeutet
dies, daß der Schrank einen Durchgang zu jenem Weltbereich eröffnet, der von der
Invasion nicht besetzt wurde.

Auf einer staubigen Landstraße wandere ich bis zu einem Gehöft. Unter den hier
lebenden Menschen sind einige, die mir von früher her bekannt sind. Sie erklären
mir ihr Vorhaben, einen Gegenangriff durchzuführen. Die jungen Frauen äußern
sich sogar recht optimistisch, was die Erfolgschancen angeht. Ich dämpfe jedoch
ihre Erwartungshaltung und sage, daß Vorsicht eher angebracht wäre - besonders
angesichts der Tatsache, daß die Invasoren doch schon bis hierher vorgedrungen
sein könnten.

Das Waffenarsenal des Schneiders, der an der Grenze zwischen besetztem und
unbesetztem Land arbeitet, scheint nichts bzw. nur wenig zur Lösung der
Quaderproblematik beitragen zu können. Schneider und Waffen sind jedoch
eventuell ein Hinweis auf die Tiefenpsychologie und deren Rüstzeug, das
allerdings zur Klärung dieser heiklen Situation kaum was beizutragen vermag.
Allerdings darf der Schneider als Person auch nicht unterschätzt werden, denn er
lebt nicht nur seit langem in dieser Gefahrenzone, sondern er kennt auch den
Durchschlupf hinüber zur Menschenwelt und damit zu einem Bereich, der von den
'Außerirdischen' nicht besetzt worden ist.

Vielleicht hat dieser 'Seelendoktor' in Gestalt eines Schneiders, der


zerschlissene Kleider (z.B. Neurosen) zu flicken weiß, sogar den Schrank selbst

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gebaut. Und der Schrank ist bei genauerem Hinsehen letzten Endes ja auch
quaderförmig. Mir waren damals diese möglichen Verbindungen nicht klar, weshalb
ich z.B. auch nicht erkennen konnte, daß der Schrank einen Hinweis auf die
Funktion der Quader gab und daß die quaderförmige Gestalt der Invasoren
möglicherweise auf das 'Andere', nämlich die 'Anderwelt' hinwies.

Ich überlege mir, daß es gut wäre, mit dieser Quaderfrau Kinder zu zeugen,
weshalb ich mich mit ihr in einem mystischen Akt vereine. - Die Kinder werden
Mischlinge und der Krieg zu Ende sein!

Heute würde dies wohl als 'Hybrids with aliens' bezeichnet!

Das Grab

Dann kam der Quader am 29. Juni 1969 auf eine andere Weise - wieder ziemlich
drastisch - zum Ausdruck.

... Bei einer Schießerei werde ich von vier Kugeln getroffen. Der starke
Aufprall der Geschosse schleudert mich zu Boden und bringt den Körper nach dem
Zusammensacken sogar zum Überrollen. Ich sterbe!

Nach einer langen Zeit der totalen Bewußtlosigkeit in absoluter Schwärze erwache
ich wieder. Dies geschieht ganz sachte. Über meinem Kopf ist eine kleine
rechteckige Öffnung zu sehen, durch die ein paar Sonnenstrahlen einfallen.
Gleichzeitig wird mir meine momentane Situation bewußt. Ich bin in einem
quaderförmigen Sarg, der aus einem weidenartigen Geflecht besteht. Da der
Korbsarg nur kurz ist, hocke ich mit angezogenen Beinen in Kauerstellung auf dem
mit Erde bedeckten Korbboden und kann mich überhaupt nicht bewegen.

Plötzlich ist draußen ein Geräusch zu hören. Ein Mädchengesicht mit kurzen
Haaren erscheint vor dem Loch. Sie hebt ganz vorsichtig den Sargdeckel hoch,
worauf ich aus dem Korb klettern kann. Doch kaum bin ich draußen, da will sie
selber in den Sarg einsteigen. Sie sagt, daß ich während der Zeit, in der sie im
Sarg sei, auf der Erde herumgehen könne. Und in der Nacht, wenn sie draußen ist,
müsse ich wieder in den Sarg steigen.

Doch dieses Arrangement paßt mir nicht, weshalb ich der jungen Frau den Einstieg
verwehre. Ich habe beschlossen, mit ihr zusammen diesen fatalen Kreislauf zu
beenden, bei dem sie tagsüber und ich in der Nacht im Sarg bleiben müssen. Um
eine Rückkehr in diesen Sarg zu verhindern, 'schneide' ich mit dem Zeigefinger
der rechten Hand ein Gottesauge in den aus grauem Lehm bestehenden Deckel des
Korbsarges.

Dann gehen wir weg und bleiben unsichtbar miteinander verbunden. ...

Es ist offensichtlich ein Quader, der zwischen den Welten von Tag und Nacht
vermittelt. Dieser kann sogar einen 'ewigen Kreislauf' erzwingen. Allerdings ist
auch ein solcher in dem Moment beendet, wenn das 'Gottesauge' in den Deckel
eingezeichnet wird. Dieses Auge ist ziemlich sicher ein Zeichen für die BK - und
damit auch für die Bewußtwerdung.

Der Sakralbau

Sakralbauten und insbesondere Altäre können aus quaderförmigen Teilen bestehen.


Ein Hinweis auf diese wichtige Funktion von Quadern gab das Geschehen vom 15.
August 1970.

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... Bei einem Sakralbau, der sich von kirchlichen Bauwerken stark unterscheidet
- und zwar aufgrund der Bauweise, bei der Betonelemente und Holzteile zu einer
harmonischen Einheit verbunden sind - wurden quaderartige Bauelemente elegant
ineinander verschachtelt. Auf diese Weise ergibt sich ein wohlgelungener, der
heutigen Zeit wunderbar angemessener Bau von erhabener Schönheit. Die großen
Quader führen zudem zu einer Auflockerung des mächtigen Gebäudes, einer modernen
Kathedrale, die sogar die alten an Schönheit um einiges übertrifft.

Ich gehe hinein und geradewegs zur hölzernen Altargruppe, wo eine Begegnung mit
(jenseitigen) Gestalten der christlichen Tradition stattfindet. ...

Die Funktion der Quader an dieser Stelle besteht in einer möglichen


Transzendierung der profanen Ebene. Es kann zu einem Kontakt mit Wesen kommen,
die nicht von dieser Welt sind.

Das verbindende Element

Das Geschehen vom 28. März 1971 zeigt den Quader als verbindendes Glied zu einer
uralten Kultur, das riesige Zeiträume überbrücken hilft.

Ich stoße auf eine Höhle, die bereits von irgendwelchen Wissenschaftlern
untersucht worden ist. Die Forschungsresultate sind aber sehr unvollständig
geblieben. Man weiß nämlich nur, daß die Höhle Teil eines ungeheuer verzweigten
Systems war, das einer sehr hoch entwickelte Kultur zugeschrieben werden muß.

Mit bloßen Händen schiebe ich nun diverse Gesteinsbrocken aus dem vordersten
Höhlengang. Draußen trenne ich die Bestandteile, was problemlos geht. Da sind
Versteinerungen und sogar Schriftrollen darunter. Doch trotz aller Bemühungen
ergeben sich für mich keine neuen Anhaltspunkte .

Der größte Teil des Gesteins besteht aus einem gelbroten - beinahe ockerfarbenen
- Sandstein, der aus einzelnen Schichten von etwa 2 bis 4 cm Dicke besteht, die
übereinander liegen und sich ohne weiteres gegeneinander verschieben lassen.
Auch gibt es Steine von der Größe einer Faust bis zur Größe eines Fußballs aus
einem sehr harten und total schwarzen Material. Darin sind silberfarbene, das
Licht reflektierende Körner eingeschlossen. Einige dieser schwarzen Steine sind
zu bestimmten Formen zugehauen - einer z.B. ist ein Quader, an welchem ein Ring
von etwa 40 cm Durchmesser hängt. Die beide Stücke sind aus einem einzigen Stein
gefertigt.

Erst nach einiger Zeit merke ich, daß in diesem Teil der Höhle ein kompliziertes
Gangsystem seinen Ausgang nimmt. Ich steige hinunter und treffe nach kurzer Zeit
eine ältere Frau, die paradoxerweise sehr jung aussieht. Sie muß eine aus jenem
uralten Geschlecht sein, das früher hier gelebt hat. Ich komme mit ihr ins
Gespräch und merke bald, daß sie sehr einsam ist und von den zuvor hier
forschenden Wissenschaftlern überhaupt nicht verstanden wurde. Ich überlege, wie
es am besten anzustellen wäre, mit ihr zusammenzukommen. Und da sich das
Gespräch sehr harmonisch entwickelt, vereinigen wir uns fast automatisch auch
körperlich.

Später kommen Leute, die irgend etwas mit Handel zu tun haben und nun die alten
Höhlen kommerziell auswerten wollen. Der alten Frau und ihrer Tochter gelingt es
leider nicht, den Herren etwas entgegenzuhalten, was sie von ihrem Vorhaben
hätte abbringen können. Auch ich muß ohnmächtig zusehen, wie sie skrupellos mit
der Schändung und Ausbeutung beginnen.

Doch gänzlich unerwartet kommen aus den unergründlichen Tiefen der Höhlen zwei
Männer - ein älterer und ein jüngerer (der Sohn des Alten). Die beiden sind wie
die Frau und ihre Tochter Ureinwohner und haben durch all die Zeiträume bis
heute überlebt. Die Wirtschaftsleute versuchen sogleich, die beiden unschädlich

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zu machen. Aber noch so viele Tricks können die Alteingesessenen nicht
unterzukriegen, weil diese eine ungeheuer große und umfassende Weisheit
besitzen, die sich durch nichts erschüttern oder gar übertölpeln läßt.

Zuletzt verlangen die wütend gewordenen Geschäftsleute, daß die beiden Männer in
einen Raum gehen, der mit so etwas wie Duschen ausgestattet ist. In der alten
Hochkultur wurden hier Personen, die von einem Arztbesuch kamen, für eine Weile
einer Art von Quarantäne unterzogen. Und als die Leute dann wieder herauskamen,
waren sie vollständig geheilt. Nun gehen die Geschäftsleute mit den beiden
Männern in den Raum. Vermutlich wollen sie an diesem Ort die beiden
'Widerspenstigen' unschädlich machen.

Nach einiger Zeit kommen alle wieder heraus. Der ältere der beiden
'Urkulturmänner' zeigt mir einen Vertrag, der im kleinen Raum abgeschlossen
wurde. Ich bin sehr erstaunt, daß dieser einen Kompromiß beinhaltet, weil ich
weiß, daß es den beiden Männern möglich gewesen wäre, die Vertreter der
Geschäftswelt vollständig außer Gefecht zu setzen.

Ein anderes Erbe

Der Fund vom 24. Oktober 1971 zeigt, daß es bei den Quadern um etwas anderes als
um das griechisch-römische Erbe geht, nämlich - wie ich erst heute weiß - um das
germanisch-keltische.

Bin in Griechenland und mache Ausgrabungen. Dabei finde ich eine Säule (eine Art
Quader) und einige Köpfe aus Marmor. Die Fundstücke sind völlig anders als die
bis zum heutigen Tage gefundenen. Sie weisen ein für das Griechische ganz
ungewöhnlichen Stil auf! Die Köpfe sind nicht vollständig rund, sondern am
Hinterkopf etwas abgeflacht. Auch die Nase ist nicht 'griechisch' bzw. gerade.

Die Verengung

Am 6. Juni 1973 wird nicht nur der Zusammenhang Quader-Säule, sondern auch der
des Quaders und des Klappfelsens (das Symplegadenmotiv) angedeutet.

... Endlich ist der lange, immer enger werdende Säulengang zu Ende. An ein
Weiterkommen ist jedoch nicht zu denken, denn die Verengung ist derart, daß es
keinen Durchschlupf zwischen der Wand aus quaderförmigen Steinen und den Säulen
gibt. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich jedoch eine Geheimtür. Intuitiv mache
ich die für die Öffnung notwendigen Bewegungen. Schliesslich schwingt die Tür
auf! ...

Alte Gemäuer

Die Quader vom 19. Februar 1976 weisen auf alte Zeiten und zudem auf die
Möglichkeit einer neuen Art des Sehens hin.

Ich erlebe eine ganze Tagesreise plus die darauffolgende Nacht und den nächste
Morgen in chronologisch korrekter Reihenfolge und mit einem diesem Zeitabschnitt
entsprechenden Zeitempfinden!

Mit einem Freund radle ich auf dem Fahrrad einen Paß hinauf, was extrem
anstrengend ist. Doch werden wir für unsere Mühe mehr als nur entschädigt, denn
wir können die Sicht während Stunden ganz bewußt genießen. Die Landschaft ist in

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ihrer Schönheit einfach überwältigend. Auch die Farbnuancierung ist schlicht
phantastisch - keinerlei Dunst, völlig klare Luft und schärfste Konturen. Am
Horizont geht schließlich eine pastellfarbene Sonne langsam unter. Mit den
letzten Strahlen werden die Berge in ein Flammenmeer von transzendenter Pracht
getaucht. Wir 'klettern' weiter bis zur Paßhöhe hinauf, kommen zur Grenze und
übernachten in einem Hospiz. ...

Am nächsten Morgen muß die weitere Reiseroute festgelegt werden. Auf einer Karte
ist zu sehen, daß wir dank Fahrrad einen sehr unüblichen Weg werden nehmen
können. Ein Weg, der es uns erlauben wird, ganz von der verkehrsreichen
Hauptstraße fernzubleiben. Unterwegs werden wir sogar eine Burgruine aus dem 12.
oder 13. Jh. besichtigen und erforschen können. Und weil diese ganz in der Nähe
des Zollhauses bzw. des Hospizes liegt, sind die quaderförmigen Mauern schon vom
Fenster aus zu sehen. Durch die nähere Besichtigung werden bestimmt mehr und
genauere Informationen über das Gemäuer zu bekommen sein. Ich weiß nämlich, daß
diese Anlage von meinen Ururahnen als Schutz- und Trutzanlage gegen
diktatorische Herrscher errichtet wurde.

Auch der weitere Weg ist auf der Karte zu sehen. Er führt zu einem kleinen
Bergsee unterhalb eines großen Gletschers. Ich freue mich schon auf die
landschaftliche Schönheit dieses Gebietes und denke, daß wir je nach Länge der
Besichtigung der Gemäuer und der Quader dort oben vielleicht im Zelt nächtigen
könnten - inmitten eines gewaltigen Naturpanoramas.

Die Fähre

Die Quader vom 25. Juli 1976 sind ein Hinweis auf etwas Unbekanntes,
wahrscheinlich eine Stadt. Erst später einmal werde ich sie besuchen können,
denn woanders ist noch etwas Wichtiges zu erledigen, das mich persönlich
betrifft.

... Bei der Meerenge von Gibraltar stehe ich auf der nordafrikanischen Seite auf
marokkanischem Gebiet und schaue auf das Mittelmeer hinaus. Nahe der Küste
dümpelt zu meinem Erstaunen ein sehr merkwürdiges Gebilde von roter Farbe. Es
sieht aus wie ein großes UFO. In der Mitte ragt eine halbkugelförmige Kuppel
auf, während der flache Rand mit grasbewachsener Erde und einem lockeren Bestand
von Büschen und Bäumen bedeckt ist. Dazwischen weiden etwa 100 Schafe.

Mit der Zeit wird mir die Funktion dieses sonderbaren Dinges klar. Es ist eine
in der Größe variierende 'Fähre' für Schafe. Sie verbindet zweimal pro Jahr
Spanien mit Nordafrika. Im Herbst werden die Tiere in die wärmeren Zonen
gebracht, im Frühjahr wieder zurück nach Spanien zu den Sommerweideplätzen.

Die Fähre hat keinerlei Antrieb, denn die Meeresströmung trägt sie automatisch
von Küste zu Küste. Erstaunlicherweise machen die Schafe von sich aus diesen
Zyklus mit. Jetzt weiden sie auf der Rasenfläche der Fähre. Ab und zu überspült
eine mächtige Woge einen Teil des Randes, so daß die Tiere manchmal bis zum
Halse im Wasser stehen. Daß sie dabei nicht in Panik geraten und weggeschwemmt
werden, scheint mir darin begründet, daß die Schafe es seit langem gewohnt sind,
auf diesem Ding zu sein.

Eine der 'Fähren' landet gerade in meiner Nähe, weshalb ich mich dazu
entschließe, sie zu besteigen und mitzufahren. Kaum habe ich sie betreten, trägt
die Strömung sie wieder fort aufs offene Meer hinaus. Auf dieser Fähre hat es
relativ wenig Schafe - bloß etwa ein Dutzend.

Ich gehe zur Mitte der 'Insel', wo am Rande der Halbkugel ein etwa 40 Jahre
alter Mann steht, dessen Arbeitskleidung dunkle Ölflecken zieren. Wir kommen
gleich ins Gespräch, in dessen Verlauf klar wird, daß der Mann hier der
'Supervisor' ist. Er ist verantwortlich für die Behebung von Störungen, für die

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Pflege der kranken Schafe und die Rettung verängstigter Tiere vor dem Abgleiten
ins Meer. Also ein zweifacher Hirte. Einerseits überwacht er die technischen
Anlagen, andererseits sorgt er für das Wohl der Schafe und der Pflanzen der
Randzone.

Doch meistens sitzt er in einer der Öffnungen der Halbkugel. Diese kann so
gedreht werden, daß vier Öffnungen als Einsitz zur Verfügung stehen. Ich bin dem
Manne ein willkommener Gast. Es ist mir erlaubt, neben ihm in einer der
Kuppelöffnungen zu sitzen und hinauszublicken auf den Randbewuchs, die weidenden
Schafe und das offene Meer.

Der Rand der Fähre taucht manchmal recht tief ins Wasser und verursacht mächtige
Wellen.
"Werden Sie in Ihrem 'Ausguck' nicht ziemlich naß?"
"Selbstverständlich - und bei stürmischer See sogar total durchnäßt!"

Ich muß den Mann bewundern, denn ich dachte, er würde bei schlimmem Wetter in
der Halbkugel im Trockenen sitzen. Aber offensichtlich ist es im Gegenteil so,
daß er gerade dann im Ausguck zu sitzen hat, wenn es stürmt, was bei den starken
Herbst- und Frühjahrsstürmen kaum angenehm sein dürfte.

Aber die Überfahrt verläuft ruhig - es herrscht schönstes Wetter. ... Wir legen
an, und in Muse betrachte ich den menschenleeren spanischen Küstenstreifen.
Auffällig sind die vielen weißen Quader, die über den steilen Hang unter einem
dichten Wald verstreut herumliegen. Dahinter liegt vermutlich auf einer Terrasse
eine kleine Stadt. Die Steine könnten von dorther stammen, vielleicht von alten
Bauwerken - oder sie wurden aus einem Steinbruch hierher gebracht. ...

Wenn die strahlend weißen Quader tatsächlich etwas mit der Stadt zu tun haben,
dann muß diese ein wahres Bijou, eine Kostbarkeit, sein. Gerne hätte ich sie
besucht, aber schon legt die Fähre wieder ab - und ich muß mitfahren. Kurze Zeit
später gelangen wir zu einer kleinen Hafenstadt. ...

Das Gespräch mit der Anima

Das Problem des Subjekt- und Objektanteiles von Traumgestalten war und ist für
mich stets eine Herausforderung. Das Entweder-Oder von ‚rein subjektiv' oder
‚rein objektiv' ist mir aber zu einseitig. Ersteres führt zu einer total
selbstbezogenen Position, die sich mit Leichtigkeit inflatorisch auswirkt und
die Eigendarstellung ad absurdum führt. Letzteres erzeugt Leichtgläubigkeit und
Kritiklosigkeit - und letzten Endes Verantwortungslosigkeit. Es ist allerdings
extrem schwierig, ein "Tertium datur" in Form des Sowohl-Als-Auch und der Co-
Kreation als eine bessere Lösung vorzuschlagen und zu akzeptieren, denn beweisen
läßt sich nicht, daß Traumgestalten ein eigenes Bewußtsein haben. Nun gut, den
"Objektivisten" gelingt es auch nicht, den Beweis anzutreten, daß Geistwesen
völlig losgelöst von einem Ich existieren. Und ebensowenig können die
"Subjektivisten" schlüssig den Beweis antreten, daß die Traumwelt ausschließlich
eine Ich-Welt ist. Dank der BK ist es jedoch jederzeit möglich - zumindest in
einem LD und einer OOBE - eine "Als-ob" Einstellung zu leben, bei der davon
ausgegangen wird, daß Traumfiguren sowohl selbständig wie auch subjektabhängig
sind - und sich dementsprechend zurückhaltend zu verhalten und die Traumfiguren
als PartnerInnen anzusehen, mit denen eine Wechselwirkung stattfindet. Dies
geschieht am 19. Oktober 1976 bei einem Gespräch mit der Anima ganz in der Nähe
eines Ortes, an dem früher einmal ein quaderförmiger Sarg eine wichtige Rolle
spielte.

... Ich verlasse ein Riegelhaus, weil ich einsehen muß, daß in dieser Struktur
nur Dinge von stark ideoplastischer Ausprägung existieren, mit denen eine
Kommunikation im Sinne eines Gedankenaustausches unmöglich ist. Die Wesen in
diesem Bereich 'leben' einfach so vor sich hin. Das heißt nicht, daß sie bloß

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vegetieren. Aber da sie nicht die geringsten geistigen Bedürfnisse haben, kann
ich mit ihnen etwa so viel anfangen wie mit weißen Mäusen.

Ein wenig ernüchtert gehe ich ... und komme in eine Gegend, die mir von einem
früheren Traum her bekannt ist und große Ähnlichkeiten mit Arosa hat. Dort lag
nämlich beim Obersee ein Sarg, aus dem laut und deutlich zu vernehmen war: "Es
gibt mehr Dinge, als man meint" Das geschah 1968 (am 3. April), und die Leute
wurden damals sehr unruhig, während ich mich zufrieden, friedlich und ruhig
fühlte, denn ein geheimes Band schien mich mit dem Verstorbenen zu verbinden.

An diese Ereignisse erinnere ich mich während des laufenden Traumgeschehens.


Überhaupt ist es so, daß es bei vorhandener BK durchaus möglich ist, sich an
frühere Träume zu erinnern. Manchmal geschieht es auch, daß Träume erinnert
werden, die in SA nie aufgeschrieben worden sind!

Jetzt kommt es jedoch zu einer räumlichen Überblendung, und der relativ kleine
Obersee wird durch einen riesiger See ersetzt, der sich bis zum Horizont in
einem weiten Rechtsbogen erstreckt.

In Gedanken versunken gehe ich dem Seeufer entlang zu einem Steg und denke über
das Geschehen im Riegelhaus und die Erfahrung vom April 1968 nach und merke dann
plötzlich, daß ich mich in einem Traum befinde! Langsam lasse ich dieses
Bewußtsein in mir sich ausbreiten und vermeide jede heftige Bewegung und jedes
ruckartige Aufschauen oder schnelle Herumblicken - und zwar aus der Erfahrung
heraus, daß die BK bzw. die Luzidität dann kaum beibehalten werden könnte.

Langsam und bedächtig gehe ich also weiter bis auf den Steg hinaus und kann
hierbei das Bewußtsein, im Traumzustand zu sein, immer mehr verfestigen. Dann -
beinahe schon am Ende des Steges angelangt - ist die BK 'konstant' bzw. stabil,
so daß ich sicher sein kann, sie nicht so rasch zu verlieren.

Hierbei habe ich natürlich auch die sexuelle Wunschkomponente nochmals


durchzuchecken, wobei mir die Erfahrung von vorher im Riegelhaus sehr hilft, so
daß auch hier kein "Rückfall" bzw. ein BK-Verlust wegen sexuell gefärbter
Ablenkungen und ausschweifender Fantasien mehr zu erwarten ist. Der Verzicht auf
Sex ist somit geglückt!

Nun stehe ich am Ende des Steges und schaue mit voll intakter BK in die
Traumlandschaft hinaus. Sie besitzt eine imposante Größe. Die bis zum Horizont
sich ausdehnende Wasserfläche, die hohen Berge, welche die Seeflanken säumen,
die Hügel, links ein paar Häuschen am sumpfigen Uferrand auf den moorigen
Wiesen, das gelbe Schilf und natürlich der hölzerne Steg

Die Farbe des Himmel erinnert an Jugendstilbilder wie etwa die eines William
Turner, denn sie ist mit starken Pastellfarben durchsetzt. Eine genauere
Auseinandersetzung mit der Landschaft ist mir jedoch nicht möglich, denn eine
Bewegung im Wasser zieht meine Aufmerksamkeit auf sich!

Zu meiner größten Überraschung entsteigt der Tiefe des Sees eine junge hübsche
Frau. Sie fasziniert mich vom ersten Moment an, und ich erkenne sie sofort als
"meine Anima" - meine!
"Die Anima ist wieder zurückgekommen - zu mir zurück."
Ich jauchze innerlich und empfinde eine tiefe Freude, denn nun ist endlich der
Moment der direkten Konfrontation bei BK mit der Anima gekommen. Die Frau
besitzt übrigens keine - auch nicht die im entferntesten an jemanden erinnernden
- SA-Merkmale und ist - auch dies erstaunt mich - völlig nackt und am ganzen
Körper bronzebraun - ausnahmslos. Ihr Haar ist dunkelblond, relativ kurz und
fällt bis zur Hälfte des Halses.

Die aus dem Wasser aufgetauchte Anima schreitet über die Wasseroberfläche zum
Steg. Ich umarme sie, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt und als
wäre sie niemals weggewesen. Sie schmiegt sich an mich, ohne sich anzuschmiegen,
lehnt den Kopf an meine Brust, ohne sich anzulehnen. Trotz der immensen Liebe,

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die auch sie erfüllt, ist sie ein völlig autonomes, selbständiges Wesen, das
ohne weiteres auch ohne mich leben könnte. Es ist einzig die gegenseitige
Zuneigung und Liebe, die Grund dafür war, daß sie mich aufgesucht hat.

Sanft streichle ich sie und berühre ihre prallen, relativ spitz zulaufenden
Brüste. Ihre Haut ist satt und straff, sie scheint kein Gramm Fett an sich zu
haben. Ihr Körper zeigt aber auch keine Muskelkonturen. Auch das wieder eine
sonderbares Paradox. Eine ziemlich lange Zeit schweigen wir und halten uns
einfach in den Armen. Sie ist hier!

Doch dann erhole ich mich von der tief empfundenen Freude und Glückseligkeit und
beginne nachzudenken, ohne dabei das allumfassende Gefühlsmoment zu verlieren.
Sie ist nämlich die Person, die ich endlich einmal fragen könnte, ob sie wisse,
daß sie selber träume. Auch könnte ich sie fragen, ob sie sich außerdem darüber
im klaren sei, daß ich dank der BK selber um die Tatsache weiß, in einem
Traumgeschehen zu sein. Schließlich ist sie am engsten und innigsten - trotz
ihrer Unabhängigkeit und Selbständigkeit - mit mir verbunden. Eine derart
persönliche Beziehung zu einem Wesen in einem meiner Träume gab es bisher wohl
noch nie.

Mit weiblichen Wesen hatte ich zwar schon oft diese innige Verbundenheit, aber
diese kam dann immer in einer geschlechtlichen Vereinigung oder z.B. einer
Durchdringung der Körper zum Ausdruck und somit eher gefühlsbetont und
empfindungsmässig (taktil). Doch jetzt ist es mir gelungen, meine Anima ohne den
entferntesten Hauch eines Sexualwunsches in den Armen zu halten, und trotz
intensivster Liebe mein volles Bewußtsein beizubehalten - und mit der BK neben
der Gefühlsfunktion und der Empfindung auch das Denken und die Intuition. Dies
ist ein Ereignis, das bislang noch nie vorgekommen ist. Also muß ich die
Gelegenheit ergreifen und sie fragen.

Ich stelle nach einer mir angemessen scheinenden Wartefrist die Frage äußerst
behutsam und vorsichtig, wie nebensächlich. ohne meine innere Spannung in die
Worte einfließen zu lassen und ohne den geringsten Anflug von Ungeduld.

Die Anima, die sich in der Zwischenzeit hingelegt hat, reagiert überhaupt nicht!
Es ist, als hätte sie nichts gehört. Doch allein schon dieses Nicht-Reagieren
empfinde ich als Erfolg, denn sie ist nicht erschrocken oder irgendwie
gefühlsmässig verletzt. Sie rührt sich nicht und macht keine Bewegung.

Meiner Meinung nach möchte sie passiv bleiben und abwarten. Deshalb stelle ich
die Frage nochmals. Daraufhin zeigt sie eine kaum erkennbare Reaktion und gibt
ohne Worte deutlich zu verstehen, daß sie die Frage verstanden hat aber nicht
beantworten will. Sie runzelt nämlich die Stirn, zieht die Augenbrauen hoch und
macht gleichzeitig ein Gesicht, als wäre sie total überrascht darüber, daß ihr
jemand eine solche Frage stellt. Offensichtlich hat sie alles andere erwartet.
Dann glättet sich ihr Gesicht wieder, drückt jedoch immer noch Erstaunen und
Unglauben aus.

Die Anima nimmt nun eine abwartende Haltung ein. Auch ich warte einige Zeit und
beobachte sie genau - in der Hoffnung auf weitere Reaktionen. Weil dies nicht
der Fall ist, frage ich ein drittes Mal! Ich bin mir jetzt ziemlich sicher, daß
sie die Frage ertragen kann und keine Gefahr besteht, daß die Erfahrung
'aufplatzt', abrupt beendet wird oder die Anima gezwungen wird, zu verschwinden.
"Weißt Du denn, daß ich träume, daß Du also ein Traumwesen für mich bist?"
Und nun - ich bin vor Freude fast aus dem Häuschen - reagiert sie. Sie schaut
mich an und sagt:
"Ja, ich weiß es!"

Nun bin ich derjenige, der total überrumpelt ist - aus lauter Freude -, denn mit
dieser Antwort ist für mich ein jahrelanges Arbeits- und Forschungsprojekt in
ein völlig neues Stadium getreten. Endlich ist es gelungen, einen direkten
Kontakt bei intakter BK mit einem SB-Wesen aufzunehmen. Und dies bei vollem
Bewußtsein der Tatsache, in einem SB-Bereich zu sein. Und im Wissen darum, daß

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ich - von mir aus gesehen - der Träumer bin, und mein Gegenüber - wiederum von
mir aus gesehen - das Geträumte. Ich verliere allein beim Gedanken an die
erkenntnistheoretischen Konsequenzen dieses direkten Kontaktes etwas von meinem
Bewußtseinsniveau.

Deswegen kann ich mich kaum an das erinnern, was die Anima sonst noch sagte. Sie
wies mich jedenfalls auf die Konsequenzen dieser Begegnung hin und auf die
Möglichkeiten einer Kommunikation unter solchen Voraussetzungen.

Dann geht "meine Anima" zu einem Tisch am linken Seeufer und setzt sich hin. Sie
ist nun bekleidet. Ich kann leider nicht mit ihr gehen, denn die Lage wird sehr
kritisch. Es scheint, als wären Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt worden, um
mich mittels militärischer Mittel zu vernichten. Der Grund dafür ist der
"Durchbruch", der dank meiner Fragen an die Anima möglich wurde. Dieser soll
offenbar mit allen Mitteln wieder rückgängig gemacht werden, denn er scheint
überhaupt nicht in das Konzept des Militärs zu passen. Sogleich steige ich im
seichten Uferbereich ins Wasser.

Als erstes "donnern" schwere Jagdmaschinen heran, die mich eventuell im See mit
dem Radar ausgemacht haben. Vielleicht kann man mich vom Cockpit aus im flachen
Wasser stehen sehen. Drei Flugzeuge drehen ab und fliegen lautlos heran - exakt
auf mich zu. Ich halte ihnen meine offenen Handflächen entgegen, von welchen
sofort eine Art Strahl ausgeht, der sich fächerartig verbreitert. Alle drei
Maschinen werden von den Strahlenbündeln erfaßt, gehen blitzartig in Flammen auf
und stürzen ab.

Auf der Uferstraße rollt kettenrasselnd eine Panzerkolonne heran. Auch auf diese
richte ich die Strahlen und - von den Strahlen erfaßt - beginnen die Panzer zu
brennen.

Am Ufer hat mittlerweile eine Kompanie Soldaten Stellung bezogen. Jetzt rücken
sie vor , die Gewehre im Anschlag. Ich 'überstreiche' sie mit dem
Strahlenbündel, worauf die Waffen entflammen und schmelzen. Die Soldaten müssen
die Gewehre fallen lassen, ihnen selber geschieht nichts.

Während des Kampfgeschehens muß ich mehrmals meine Hände anschauen, was auch
bestens dafür geeignet ist, die BK zu stabilisieren!

Doch die Armeeführung irgendwo im Hintergrund will nicht aufgeben. Ihr Ziel ist
es, mich unter allen Umständen unschädlich zu machen. Die Waffe, die im
folgenden eingesetzt wird, läßt sich nicht mehr mit den Strahlen der beiden
Handflächen über der Wasseroberfläche unschädlich zu machen. Verzweifelt beginne
ich deshalb zu experimentieren und komme schließlich durch eine geschickte
Kombination, d.h. durch Eintauchen der einen Hand in den See, zum Erfolg. ... In
der Folge ziehen die Kampftruppen ab. Der See liegt wieder ruhig da wie zuvor.

Langsam gehe ich zurück ans Ufer und dann zum Tisch , an dem die Anima sitzt.
Lange Zeit fällt kein Wort. Ich fasse mich wieder, gewinne die BK vollumfänglich
zurück, überlege mir die Zusammenhänge und komme zum Schluß, daß die
militärischen Angriffe - zumindest teilweise - etwas mit der Schattenseite der
Anima zu tun haben könnten.

Ich wende mich an die Anima und sage: "Ich glaube, Du hast etwas mit dieser
Destruktivität zu tun!"
Beinahe erbost streitet die Anima die Vermutung ab und weist sie weit von sich.
Sie wirkt aber nicht so 'unschuldig', um den Verdacht, für die Angriffe
mitverantwortlich zu sein, vollständig ausräumen zu können.

So lasse ich denn vorerst nicht locker und sage: "Das alles kann aber doch etwas
mit Deiner Schattenseite zu tun haben!"
Auf die 'Ablenkungsmanöver' meiner Anima gehe ich gar nicht erst ein. Mein
Beharren auf diesem Fragenkomplex hat doch zur Folge, daß die Anima mir die
Zusage gibt, darüber später einmal zu diskutieren:

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"Ich will mir die Sache überlegen!"
"Gut", sage ich und füge bei: "Es könnte sich ja um einen Dir nicht bewußten
Destruktionsaspekt handeln, etwa die 'verschlingende Mutter'."
Und damit ist der Ansatz zu einer weiteren Diskussion, zu einem weiteren
Gespräch gegeben, und ich kehre zurück in den im Bett liegenden physischen
Körper.

Die Mobilisierung kollektiver Abwehrmechanismen geschah nicht bloß aufgrund


meiner BK und der erkenntniskritischen Fragen, sondern merkwürdigerweise erst in
Folge der Antwort der Anima. Das "Ja, ich weiß es!" sprengt die üblichen Normen
maßgeblich, denn damit wird gesagt, daß sich eine "Traumgestalt" eines
bestimmten Sachverhaltes bewußt ist. Dieser Satz ist verdammt nahe dem "Cogito,
ergo sum!" und stellt so ziemlich alles auf den Kopf. Die philosophischen
Implikationen sind unabsehbar.

Von den kollektiv geltenden Bewußtseinsstrukturen her gesehen muß der anstößige
Satz zuerst einmal aus meinem Gedächtnis gelöscht werden. Das ist nur möglich,
wenn es derjenigen Person, die sich daran erinnern könnte, verunmöglicht wird,
sich zu erinnern. Wie das geschieht, ist eine Frage der Zeit und der
machtausübenden Kräfte.

Es sind jedoch immer die herrschenden Mächte, die alles daran setzen, das zu
vernichten, was ihren Anspruch auf Macht, ihr Weltbild und ihr Paradigma in
Frage stellen könnte. In vorliegenden Fall wird der Meinung widersprochen,
Bewußtheit sei auf die Alltagsebene beschränkt und einzig dem Ich zuzuschreiben.

Es darf angenommen werden, daß es sich bei der den Tiefen des Seegrundes
entsteigenden Anima um eine durch gewisse Vorstellungen des 'kollektiven
Bewußtseins' "verwunschene Weiblichkeit" handelt. Das Wiedererscheinen der
Erniedrigten und Verstoßenen provoziert natürlich sofort die herrschenden
männlichen Bewußtseinsstrukturen, deren Schutztruppe das Militär ist. Denn die
unterdrückten weiblichen Denkstrukturen und die verdrängten magischen Kräfte der
Frau, die wieder zum Vorschein kommen, sind für ein moralisierendes Patriarchat
allemal höchst gefährlich. Diese möglichen Zusammenhänge wurden damals nicht
erkannt, weshalb ich zu sehr auf den vermeintlichen Schattenaspekten der Anima
beharrte.

Die Katze und der Quader

Am 1. Januar 1977 wird gezeigt, daß es bei den nächtlichen Erfahrungen um mehr
geht als bloß um das Katzenartige:

... In einer Schachtel bringe ich unsere tote Katze in ein Krematorium. Als ich
den Deckel aufklappe, ist keine Asche zu sehen. Statt dessen ein fluktuierender,
gallertartiger, gelb-roter und kristallklarer Quader! Diese Transformation ist
mir völlig unerklärlich. ...

Eine tote Katze kann im Normalfall eigentlich nur zu Asche werden. Daß sich die
Asche zu einem Quader umwandelt, weist darauf hin, daß es bei dem mit der Katze
verbundenen Sachverhalt um mehr geht als um das Sehvermögen in der Dunkelheit
und all die anderen Katzeninstinkte. Was durch den Quader durchschimmert, ist
die 'Anderwelt'. Denn die Farben sind von einer Leuchtkraft und Tiefe, die der
Alltag nicht kennt. Das konnte ich damals nicht verstehen.

Der Felsendom

Am 2. Januar 1977 beginnt die Dämmerung der Erinnerung aus den Tiefen der
Vergessens.

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... Auf einer größeren Insel stehe ich auf einer Meeresklippe. Ich möchte
Gorillas fangen, die zum Rande einer Schlucht gelaufen sind und dort an Lianen
hinunterklettern. Ich schleiche mich heran, kappe die Lianen und bringe so die
Tiere zum Absturz - ein ziemlich brutales Vorgehen! Die Affen prallen mehrere
Male an die grauen, glatten Felsen und plumpsen dann in eine schmale Wasserrinne
in der Tiefe der Schlucht.

"Alle werden jetzt tot sein!"


Das ist aber nicht der Fall, denn die meisten Gorillas regen sich wieder. Sie
versuchen sich über Wasser zu halten. Etwas reumütig werfe ich ihnen eine lange
Liane hinunter, an welcher sie sich festklammern können. Dann klettere ich
selber hinab und helfe den vier oder fünf Tieren aus dem Wasser. Außer einem -
dem Albino - sind alle schwarz.

Der Absturz der Tiere in die Schlucht hat mich doch mehr erschüttert, als ich
wahrhaben wollte, denn die Schlucht ist wesentlich tiefer als angenommen, und
die Tiere hätten alle tot sein können! Ich bin zutiefst erleichtert, daß die
Sache derart glimpflich abgelaufen ist.

... Es gelingt mir, ein gestrandetes Schiff wieder seetauglich zu machen und mit
den gefangenen Gorillas die Insel zu verlassen, wobei ich nahe der Küste bleibe.

Erst nach einer Weile merke ich, daß ein blinder Passagier an Bord ist. Bei
genauerem Hinsehen entpuppt sich dieser als Schildkrötenmensch. Das
Schildkrötenartige ist wesentlich stärker ausgeprägt als das Menschliche. Das
Wesen ist von einer merkwürdig grün-gelben Farbe, kann sprechen und sagt, er und
seine Kumpane hätten die Absicht, mich in eine Grotte zu bringen.

Das geschieht denn auch, und das Schiff fährt in eine gut 20 Meter breite und
mindestens ebenso hohe Grotte ein, die sich nach hinten zu einem gewaltigen
Felsendom erweitert. Die Wände 'leuchten' in den fremdartigsten Farben - vor
allem rote und blaue.

"Am hinteren Ende der Grotte leben die URWESEN", sagt der Schildkrötenmann.
Ich stelle mir vor, es handle sich um gewaltige dinosaurierähnliche Lebewesen
und habe ein bißchen ein schales Gefühl. Eigentlich bin ich froh, in Begleitung
der schildkrötenartigen Wesen zu sein, denn diese scheinen genau zu wissen,
worauf sie sich einlassen. Außerdem kennen sie offensichtlich die Urwesen schon,
weshalb vermutet werden darf, daß sie auch mit ihnen zu kommunizieren wissen.

Die Gorillas sind übrigens zu einer Art Schiffsmannschaft geworden, zu Matrosen


also, die eine ausgezeichnete Mannschaft abgeben.

Hier kommt zwar kein Quader vor, aber das Geschehen verdeutlicht, daß es letzten
Endes 1977 darum ging, 'in den Stein' - hier in eine Grotte - einzufahren, um
den 'Urwesen' begegnen zu können. Im Fels eröffnet sich eine andere Welt, deren
urtümliche Leuchtkraft das 'Märchenland' und damit die 'Anderwelt' anzeigt. In
diesem Reich ist Führung unbedingt notwendig. Für mich hieß es, an der Schwelle
zum Neuen das total Fremdartige zu akzeptieren. Denn die Wandlungsfähigkeit der
gorillahaften und schildkrötenartigen Komponenten war wesentlich größer, als ich
jemals angenommen hatte. Nie hätte ich z.B. gedacht, daß es Schildkröten gibt,
die auf zwei Beinen stehen und sprechen können wie Menschen. Welch uralte
Wissensstrukturen tauchen hier aus den Tiefen der Vergessenheit auf?

Der schwarze Quader am Strand

Am 29. April 1977 wird ein sehr seltsames Geheimnis der Quaders gelüftet:

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... Mit mehreren Leuten bin ich an einem Meeresstrand. Wir entdecken einen
quaderförmigen Würfel von 5 Metern Höhe, Breite und Tiefe, der uns sehr, sehr
geheimnisvoll erscheint. Wir wollen ihn untersuchen und herausfinden, was sich
in seinem Inneren befindet. Aber wie sollen wir ins Innere gelangen? Trotz
intensivster Suche ist weder ein Ausgang noch ein Eingang finden. Es gibt auch
keine Geheimtüren oder sonst irgend etwas - wie etwa eine Druckplatte oder ein
eingesenkter Hebel.

Nur die zum Meer angrenzende Seite könnte eventuell weggeklappt oder sogar
weggezerrt werden, denn sie scheint etwas aufgerauht zu sein. Ich klettere mit
ein paar Kollegen auf den Würfel, und bringe ein paar Seile an den Kanten an.
Andere sind mit einem Boot und den daran angeknoteten Seilen aufs Meer
hinausgerudert. Jetzt warten sie auf das Zeichen.

Kaum haben sie auf unsere Aufforderung hin begonnen, die Seile anzuspannen, jagt
mir der Gedanke durch den Kopf, daß wir da oben allesamt in den Würfel
hineinfallen könnten. Und in diesem könnte eine siedend heiße Flüssigkeit sein,
in der wir unweigerlich zu Tode kommen müßten.

Also steige ich so schnell wie möglich vom Würfel, eile ans Ufer und rufe den
Bootsinsassen zu, sie sollten beim Ziehen äußerst vorsichtig sein, damit wir
sehen könnten, was im Würfel drin ist - und notfalls auch runterspringen
könnten. Die Leute im Boot wollen - da sie mich gehört haben - mit dem Ziehen
innehalten. Doch in diesem Moment kommt ein starker Sturm auf, der das Boot in
die dunkle, aufgewühlte See treibt. Dadurch werden die Seile derart angespannt,
daß mit einem Male die Würfelwand nachgibt. Erst kippt sie langsam - aber dann
stürzt sie immer schneller werdend ins Meer. Und aus dem Würfel quillt eine
beinahe schwarze, teerige Flüssigkeit, die einen leichten Stich ins Dunkelblaue
hat.

Dann werden in der Flüssigkeit Hunderte von ziegelsteingroßen, völlig schwarzen


Steinen sichtbar, deren Kompaktheit an Marmor erinnert. Die Steine türmen sich
beim Herausfallen zu Mauern auf. Diese werden aber von den nachkommenden Quadern
gleich wieder zu Fall gebracht und versinken in den Fluten des Meeres.
Unwiederbringlich? Immerhin, es könnte ja sein, daß dieser Küstenbereich flach
ist, so daß es möglich wäre, die Steine zu Untersuchungszwecken wieder
heraufzuholen.

Oh je, hätten wir uns nur nicht derart beeilt! Und wenn der Sturm nicht gewesen
wäre, hätten wir vorsichtiger vorgehen können. Die Steine wären zu retten
gewesen! Ich ärgere mich!

Das Schauspiel ist sehr 'unheimlich'. Die tosenden Winde, der dunkle,
wolkenüberzogene Himmel, das Krachen der herunterfallenden Steine.
"Es brauset und siedet und zischt."
Es ist beinahe wie bei einem Neubeginn der Welt, die sich aus einem tobenden
Chaos gebiert.

Doch dann ist der Würfel leergelaufen, und wir können problemlos in ihn
hineingehen. Auf der zum Meer gelegenen Seite in der rechten Ecke finde ich
einen ganzen Stapel Schildkröten. Dies ist wiederum sehr unheimlich, denn diese
Tiere müssen seit unvorstellbaren Zeiten hier gelegen haben. Und jetzt - da
Steine und Flüssigkeit weg sind - werden sie wieder lebendig. Dem Aussehen der
Panzerung nach könnten es griechische Landschildkröten sein. Etwa drei Dutzend
beginnen bereits ihre Beine auszustrecken und vom Stapel zu kriechen.

Es sind Wesen aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt, die sofort absolute
Macht über uns und auch mich selber zu haben scheinen. Dann verwandeln sich die
Schildkröten in harpyenartige Wesen. Die Beine werden zu rosafarbenen
flügelartigen Gebilden und der Körper nimmt menschliche und gleichzeitig
dämonische Züge an. Mich packt das schiere Entsetzen - wenigstens für den ersten
Moment. Trotzdem behalte ich die BK und lasse die Wesen erst einmal an mich
herankommen. Ich kann ja nicht wissen, ob sie 'böse' Absichten haben und frage

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mich, wie ich selber in einer ähnlichen Situation reagieren würde. Plötzlich
unsanft aus einem 'ewigen' Schlaf geweckt zu werden, muß extrem unangenehm sein!
Würde ich in einer solchen Situation nicht meinen, mir wolle jemand 'an den
Kragen'? Würde ich den Eindringling nicht zuallererst einmal als Feind
betrachten?

Eventuell haben diese Wesen auch ganz andere Verhaltensweisen und Vorstellungen.
Also könnte ich nichts Falscheres tun, als mich zu wehren. Eines ist von allem
Anfang an klar: Diese Wesen haben die Macht, uns in diesen Würfel einzusperren -
auf alle Ewigkeit. Aber was soll's? Ob ich nun hier 'gefangen' gehalten werde
oder sonstwo - ich könnte mich damit abfinden, bzw. habe mich bereits damit
abgefunden. Ich kann ja nicht wissen, was diese Lage bringen wird. Statt zu
hadern oder gierig nach Freiheit zu lechzen, bleibe ich lieber ruhig und warte
ab.

Tatsächlich erweist sich der Angriff nur als Scheinangriff und als erste - wenn
auch ungewöhnliche - Annäherung. Die Harpyen verwandeln sich zu menschlichen
Wesen hermaphroditischer Natur, die mit uns 'schlafen' wollen, denn damit werden
sie erst in ihrem Geschlecht definiert. Das geschieht dann auch, allerdings mit
äußerster Zurückhaltung und 'Diskretion'. Mit der Zeit werden die Wesen dann
mehr männlich oder mehr weiblich und scheinen sich dank unserer allgemein
freundlichen Einstellung doch sehr wohl zu fühlen. Sie haben - was sehr wichtig
ist - Vertrauen gefaßt.

Dann verwandeln sich die Harpyen wieder zu Schildkröten, und wir Menschen essen
etwas. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir schon im Würfel sind. Eines Tages
werde ich von einer der Schildkröten unmißverständlich dazu aufgefordert, ihr zu
folgen. Ich nehme sie auf und gehe.

Das Schildkrötenwesen führt mich zuerst aus dem Würfel heraus. Allem Anschein
nach ist also das scheinbar ewig währende Verbleiben im Quader zu Ende! Nachdem
ich herausgekommen bin, erkenne ich den Ort kaum wieder. Er sieht jetzt sehr
düster aus. Es ist eine Stadt ohne Bewohner, denn diese haben sie schon seit
langem verlassen.

Dem Verhalten der Schildkröte nach zu urteilen, muß diese Stadt von ihrer Rasse
vor der Verwandlung bewohnt gewesen sein. Eine mir nicht bekannte Katastrophe
hat dann die meisten Einwohner getötet und die Überlebenden in Schildkröten
verwandelt.

Die Schildkröte auf meinen Armen macht einen sehr traurigen Eindruck, so als
würde ihr Schicksal sie sehr belasten. Andererseits aber auch so, als erhoffte
sie von mir eine Art Erlösung. Ich frage mich bloß, ob sie nicht zuviel von mir
erwartet.

Nach kurzer Zeit gibt sie mir das Zeichen, vor einem Haus stehen zu bleiben. Sie
selber scheint sich vergewissern zu wollen, ob es das von ihr gesuchte Gebäude
ist. Als müßte sie sich erst vergewissern, einen Gegenstand wiederzuerkennen,
den sie seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen hat.

Dann läßt sie mich in den ziemlich dunklen Gang hineingehen. Ich suche nach dem
Lichtschalter und will ihn drücken. Doch die Schildkröte scheint nicht zu
wollen, daß Licht gemacht wird.

Auf der Treppe liegt derart viel Dreck und Gerümpel, daß nicht daran gedacht
werden kann, einfach so hinaufzusteigen. Doch das Ziel der Schildkröte ist
offensichtlich der erste Dreckhaufen. Ich setze sie also ab, worauf sie am und
unter dem Haufen 'herumschnüffelt', so als suchte eine Katze nach einer Maus.
Und Mäuse könnte es hier haben, denn da liegen sehr viele Körner mit rundlichem
Aussehen, die an Hirse erinnern. Aber auch sehr viele schwarze hat es neben den
goldgelben. Wo mögen die bloß alle herkommen?

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Nach dem Herumschnüffeln beginnt sich die Schildkröte langsam in eine Eidechse
zu verwandeln, was ich erst nach einiger Zeit merke, als die Verwandlung bereits
einen gewissen Grad erreicht hat. Doch dann beobachte ich fasziniert, wie die
Verwandlung weitergeht, wobei sich das 'Tier' den räumlichen Gegebenheiten
zunehmend anpaßt. Es wird schlanker und schmaler und zwar in dem Masse, wie die
Höhe des zur Verfügung stehenden Raumes geringer wird. Dann will es unter einem
Türspalt hindurch in eine Wohnung hinein und verwandelt sich deswegen in eine
kleine Schlange.

Kaum ist sie in der Wohnung verschwunden, beginnt ein Brausen - und Tausende von
Körner goldgelber und schwarzer Farbe 'spritzen' unter dem Türspalt hervor. Das
geht eine ganze Weile so, und ich vermute, daß die 'Schlange' in ihrer
ehemaligen Wohnung 'sauber' macht. Als keine Körner mehr aus der Wohnung
geflogen kommen, trete ich einige Schritte die Treppe hinunter und versuche
durch den Spalt etwas vom Inneren der Wohnung einzusehen.

Und siehe da, die Schlange hat sich in eine junge Frau verwandelt, die eifrigst
daran ist, die Wohnung zu lüften und zu säubern. Sie scheint mich in Kürze
einlassen zu wollen, um mir ihre wiederhergestellte Wohnung zu zeigen. Nun weiß
ich definitiv, daß die Schildkröten 'verwunschene' Urbewohner dieser Stadt sind,
die uns (und damit auch mich) irgendwie zu einem Erlösungswerk benötigen. - Eine
lohnende Aufgabe!

Der Tote im Sarg

Auch der Sarg vom 14. April 1978 ist quaderförmig und damit ein Abbild jener
Grenzsituation, die es erlaubt, die Ebenen zu wechseln oder für eine gewisse
Zeit in einem Grenzbereich zu verbleiben.

... Beim Fliegen kommt es zu einer stetigen und kaum erkennbaren Verschiebung
des Raum-Zeit-Gefüges. Und zu guter Letzt finde ich mich als "pater familias"
inmitten einer Großfamilie in einem fernen Land und in einer anderen Zeit
wieder.

Meine Frau und ich haben zehn Kinder - und die älteren haben bereits schon
eigene. Der Familienzusammenhalt ist sehr stark. Es dauert eine Weile, doch dann
wird mir die Tatsache, in einer 'Parallelexistenz' zu sein, definitiv klar.
Meine 'Rolle' hier ist die eines Familienoberhauptes einer Teilfamilie innerhalb
eines großen Clans, der mindestens 100 Familien umfaßt. Bemerkenswert ist ferner
die Tatsache, daß ich das Bewußtsein der Alltags-Existenz nicht eingebüßt habe,
sondern die Abweichungen zum Jetztzustand feststellen kann und sie mit
steigendem Erstaunen wahrnehme.

Ich realisiere deutlich, gleichzeitig in einer anderen Ebene bzw. an einem


zweiten Schauplatz zu sein. Daß dies nur in einem "Traum"-Zustand bzw. einer
OOBE gelebt und erlebt werden kann, ist mir natürlich klar.
"Wie viele Schauplätze der 'Bewährung' und der Auseinandersetzung sind es denn
eigentlich, die parallel in Erscheinung treten können?"
Aber in erster Linie bin ich glücklich darüber, diese zweite Existenz ganz
bewußt erleben zu dürfen, und denke:
"Das ist ein Geschenk, aber auch ein Hinweis darauf, daß sich meine
Verantwortung nicht nur auf den Alltagsbereich bezieht!"

Da ich bewußtseinskontinuierlich bin und aufgrund der mit der BK verbundenen


Erinnerungsfähigkeit um SA, d.h. den Alltag, weiß, gibt es z.T. Schwierigkeiten
mit der Erfassung der Situation auf DIESER Ebene. Es dauert recht lange, bis ich
mich zurechtfinde und adäquat reagiere - ohne daß allerdings meine Umgebung von
meinen Schwierigkeiten etwas bemerkt. Zudem habe ich wahrscheinlich gerade wegen
der BK einige Gedächtnisinhalte, die DIESE Ebene betreffen, 'verloren'. Doch mit
der Zeit finde ich mich ganz gut zurecht.

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Es sei betont, daß zwischen mir und meiner Frau eine tiefe Liebe waltet. Unsere
Beziehung ist von Frieden erfüllt, und wir beide sind glücklich, daß unsere zehn
Kinder nun bald alle so weit sein werden, daß sie außer Haus gehen und
selbständig leben können. Das wird es uns erlauben, uns wieder vermehrt um uns
selber zu kümmern.

In der Familie kommt Hektik auf, was allerdings nichts mit mir zu tun hat. Der
allgemeine Trubel erlaubt es mir, mich unbemerkt in einem Nebenzimmer zu
'verkrümeln' und für eine Weile allein zu bleiben und nachzudenken.
"Was ist das Geheimnis meiner Herkunft und meiner Doppelexistenz?"
Dann sage ich mir:
"Nein, dieses Problem läßt sich bestimmt nicht mit den Kindern bereden - und
wohl nur beschränkt mit meiner Frau. Sie kann ja nicht wissen, wie die Antworten
auf diese Probleme aussehen."

Aus der allgemeinen Aufregung in der Wohnstube - in welcher alle unsere Kinder
samt ihren Frauen und ihren eigenen Kindern versammelt sind - ist herauszuhören,
daß der Clanälteste gestorben ist. Für uns bedeutet das natürlich, daß wir zur
Beerdigung gehen. Der ganze Clan wird sich beim Familiensitz treffen, um dem
Toten die letzte Ehre zu erweisen. ...

Im riesigen Garten der imposanten Villa sind alle Clanmitglieder versammelt.


Erst in diesem Augenblick stelle ich mit Erstaunen fest, daß 'unser' Clan
immense Besitztümer sein eigen nennt. Unter den Familienmitgliedern sind auch
sehr erfolgreiche Geschäftsleute. Erfreut nehme ich zur Kenntnis, daß nur
verantwortungsbewußte Menschen zu unserem Clan gehören. Wir sind also KEIN
'Mafiaverein'!

Ich merke aber auch, daß meine Person innerhalb dieser intakten Struktur als
Randerscheinung bzw. als Kuriosität betrachtet wird. Zwar werde ich als Nicht-
Geschäftsmann von den anderen akzeptiert, aber ich kann mich nicht gerade dessen
rühmen, daß sie mit mir zusammentreffen wollen. Auch ist die Zurückhaltung
gepaart mit einer gewisse Scheu. Es könnte sogar sein, daß ein paar meiner
Verwandten so etwas wie Angst vor mir haben, denn ich bin ihnen unheimlich.

Einige scheinen meine besondere Bewußtseinsstruktur zu erahnen, auch wenn sie


sich überhaupt keine Vorstellungen davon machen können. In mir verkörpert sich
offenbar eine etwas absonderliche Familientradition, über die mir einzig und
allein der Verstorbene hätte Aufschluß geben können. Er war der einzige Wissende
in dieser Beziehung. Und ich selber bin der einzige der Familie, der um die BK
weiß.

... Der Tote liegt in einem offenen, etwas hochgestellten Sarg. Er sieht
tatsächlich wie eine Leiche aus. Kein Zweifel, er IST tot. Ich trete wie die
anderen näher zum Sarg. Plötzlich öffnet der vermeintlich Verstorbene seine
Augen. Er blickt mich an und schaut sich um. Dann richtet er sich auf und
beginnt zu sprechen.

Um mich herum kreischen die Frauen, und die Männer weichen entsetzt zurück. Ich
bin der einzige, der die 'Nerven' behält, weil mich das Ereignis nicht
sonderlich aufwühlt. Die anderen registrieren das aus den Augenwinkeln.

Der Alte spricht, hat aber Probleme mit der Orientierung. Es ist für ihn enorm
schwierig, sich in einer Welt zurechtzufinden, die er soeben verlassen hat. Bald
spüre ich deutlich, daß ich selber einer der Hauptgründe bin, weswegen der Alte
für eine gewisse Zeit von den Toten zurückgekehrt ist. Ich reagiere sofort -
beinahe schon 'skrupellos' - und ergreife die Gelegenheit, den Alten um das
Geheimnis meiner Existenz in - mindestens - zwei Welten zu fragen. Und ich
versuche, Aufschluß über die BK zu erhalten.

Der Alte reagiert sofort, kann aber meine pointiert gestellten Fragen nicht
befriedigend beantworten. Der Grund ist der, daß er um diese Dinge niemals

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direkt gewußt hat. Er hat auch die BK nicht selber erfahren, sondern sich in den
Familienchroniken, zu denen er als einziger des Clans Zugang hatte, informiert.
Es ist ihm also nicht möglich, meine Fragen aus eigener Erfahrung zu
beantworten. Immerhin ist er aufgrund seiner Studien zur Überzeugung gekommen,
daß die von mir erlebten Dinge möglich sind. Er sagt aber auch, daß er meine
Herkunft und mein diesbezügliches Wissen nicht erklären könne.

Ich bin traurig und enttäuscht, daß meine Hoffnungen auf Aufklärung - wieder
einmal, und leider auch auf dieser Ebene - enttäuscht wurden. Aber ich bin
andererseits auch erleichtert darüber, durch die Worte des Alten eine gewisse
Bestätigung erfahren zu haben. Immerhin weiß ich jetzt, daß meine Erlebnisse
nicht 'irreal' sind und eingehender untersucht werden dürfen und müssen. Der
Alte ließ daran keinen Zweifel!

Der von den Toten Zurückgekehrte erlaubt es mir audrücklich, auf diesem Gebiet
weiter zu forschen und zu fragen. Und diese Erlaubnis gibt er mir in Anwesenheit
aller Familienmitgliedern. Das ist sehr wichtig, damit es keine persönliche
Feindschaft gibt. Gerade um dies zu verhindern, nutzte der Clanälteste dieses
Treffen!

Und er scheint noch mehr sagen zu wollen - vielleicht hätte er genauere Hinweise
gegeben - doch seine Kraft nimmt rasend schnell ab. Sein Körper welkt dahin und
sinkt schließlich als kraftlose Leiche in die Kissen des Sarges. Das Gesicht
erschlafft und zerfällt. Es ist, als hätte die Rückkehr den Zerfallsprozeß
wesentlich beschleunigt.

Fast schon grausig sieht er nun aus - der Mund klafft weit offen, der Körper
wirkt verdreht und verkrampft - bestimmt wegen der immensen Anstrengung von
vorhin. Ich schaue den Alten genau an und lasse meine Augen einige Zeit auf ihm
ruhen - obwohl es ein grauenhafter Anblick ist. Dies bin ich ihm schuldig.
Außerdem muß ich lernen, die Tatsachen zu akzeptieren.

Das Geschehen hat mich von den anderen abgesondert - mehr noch als zuvor. Von
jetzt an wird niemand mehr an mich herantreten mit der Frage, weswegen ich die
Familientradition nicht aufnehmen will und Geschäftsmann werde. Nun gut, ich
habe einen Weg zu gehen, der mich von der Familie entfernt. Dabei geht es nicht
darum, mit ihr zu brechen, bloß darum, eine ganz andere Richtung einzuschlagen.

Beim Hinausgehen aus dem Park des alten Familiensitzes überlege ich mir, daß mir
ein Teil des Erbes des alten Mannes zufallen wird. Dieser Teil könnte mich von
allen finanziellen Sorgen befreien. Dennoch will ich mich nicht darauf
verlassen, sondern weiterhin als Lehrer mein Geld verdienen.

Ich beschließe, die Gelegenheit zu nutzen und noch etwas mehr von dieser Welt
kennenzulernen, denn ich erfreue mich einer 'blendenden Luzidität' und habe mich
in die 'Doppelrolle' bestens eingelebt. Also gehe ich unbeschwert auf einer
Landstraße in das mir fremde Land hinaus.

Bald einmal begegnet mir ein Mann von etwa 25 Jahren. Ich bin gezwungen, mit ihm
zu sprechen, denn mein Bewußtseinszustand verwirrt ihn derart, daß seine
'Schwingungen' ('Vibrations') mich in den im Bett liegenden physischen Körper
zurückzukatapultieren drohen. Das ist sofort zu spüren. Ich versuche ihn zu
beruhigen - und zu ermahnen, nicht in eine derart große Angst hineinzugeraten,
sondern sich zusammenzunehmen und die Tatsache meiner BK einfach als gegeben
hinzunehmen - und zu akzeptieren, daß es Dinge gibt, die nicht in das gewohnte
Weltbild passen. Er solle doch - ich appelliere an seinen Mut und seinen Stolz -
sozusagen als erster Mensch dieser Welt die Sache einfach 'sein lassen',
weitergehen und auch mich meines Weges gehen lassen.

Leider gelingt ihm dies nicht. Er wird verwirrter, zerfahrener und nervöser. Als
nächstes droht er verrückt zu werden und bewegt sich schon bald einmal wie ein
Wahnsinniger. Jetzt werde ich schnellstens zurückkehren müssen, denn einerseits
verdrängt mich dieser 'Anfall von Wahnsinn' aus dieser Wirklichkeitsebene und

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andererseits muß ich dies aus Verantwortung diesem Menschen gegenüber tun. Er
könnte nämlich endgültig wahnsinnig werden, wenn ich darauf bestünde, 'hier' zu
bleiben. Verärgert gebe ich nach. Immerhin war es möglich, die Rückkehr sehr
lange hinauszuzögern. Das ist eine Leistung, mit der ich mich eigentlich -
zusammen mit den anderen Erfahrungen - zufrieden geben kann.

Ich stoße einen etwas krächzenden Ton aus. Und dieser Ton wirft mich aus dieser
Welt hinaus und bringt mich zurück in den Alltag. Während des Erwachens des
schlafenden Körpers höre ich noch, wie ich diesen Laut hervorbringe. Dieser Ton
erinnert mich blitzartig an jenen Ton in der Erfahrung vom 12. April 1971, die
sehr beeindruckend gewesen ist, obwohl der Ton damals ein anderer war. Egal, es
ist mir nun intuitiv klar, daß jener Ton eng mit der Fähigkeit des
Ebenenwechsels gekoppelt ist.

Während des vorherigen Geschehens in der anderen Seinsebene mußte ich übrigens
auch einmal weinen. Ich habe mich dann gefragt, ob mein physischer Körper in SA
auch weint, und meine Frau deswegen aufgeweckt wird. Die Überprüfung ergab
jedoch, daß dem nicht so war. Für einen Moment empfand ich gleichzeitig auch den
physischen Körper!

Bemerkungen vom 14.4.78: Dieses Geschehen überrascht mich, denn ich hätte nie
vermutet, daß solche Erfahrungen überhaupt möglich sind. Die BK ist wieder
einmal von zentraler Bedeutung, ohne sie gibt es keine Verbindung der Ebenen und
kein situationsadäquates Verhalten in eigener Verantwortung. Die Reaktionen der
'Bewohner' der verschiedenen Ebenen dürfen nicht unterschätzt werden, denn
manche sind unfähig, eine Multidimensionalität der Wirklichkeit zu akzeptieren
und zu verkraften, da ihnen der dazu notwendige erkenntniskritische Standpunkt
fehlt.

Die Hypothese, daß wir in verschiedenen Welten gleichzeitig leben und tätig sein
können, ist gewöhnungsbedürftig. Daß es außerdem möglich ist, die verschiedenen
Existenzen durch die BK miteinander erinnernd zu verbinden, ist verblüffend. Die
Konsequenzen sind unabsehbar, weshalb leicht einsehbar ist, daß eine
Psychologisierung die Angelegenheit zu schubladisieren vermag und scheinbar
vereinfacht.

Für mich ist wichtig, daß es mir möglich ist, das BK-Problem auf verschiedenen
Ebenen anzugehen und zu erforschen, wobei raum-zeitliche Verschiebungen und
Überlappungen dank BK kaum mehr störend ins Gewicht fallen. Allerdings wird die
ganze Sache enorm komplex. Doch vielleicht wird es mir eines Tages möglich sein,
die Erfahrungen von völlig unterschiedlichen Ansätzen her zu einem Ganzen zu
vereinen. Dazu braucht es die BK, denn ohne Erinnerung an Erfahrungen in
anderweltlichen Bereichen gibt es keinerlei Hinweise auf Forschungsprogramme -
sei es nun in SA oder auf irgend einer der SB-Ebenen. Bis jetzt hat es sich
jedenfalls gezeigt, daß gewisse ethische Normen - wie z.B. das Nicht-Töten - auf
allen Ebenen gelten und gelebt werden müssen - auch wenn es nur die
Körperlichkeit betrifft! Und zudem wurde erkennbar, daß die Versuche
erkenntnistheoretischer Erhellung auf allen Ebenen auf größte Schwierigkeiten
stoßen.

Das UFO und der Quader

Am 8. September 1980 kommen zwei große Unbekannte ins Spiel, die irgendwie
einander zugeordnet sind: UFO-Wesen und Quader:

... Es gibt eine ziemlich langandauernde und heftige Auseinandersetzung mit


Außerirdischen. ... Erst nach vielen Bemühungen bei einer beinahe aussichtsloser
Lage gelingt es, die angreifenden Fremden zu stoppen, zurückzudrängen und in die
Flucht zu schlagen. Dafür braucht es viele Tricks! ... Nachdem endlich - zur
allgemeinen Freude - definitiv feststeht, daß der Gegner abgezogen ist, gehen

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wir ihm nach, um zu sehen, wohin er flieht. Wir trauen nämlich der Sache nicht,
und es wäre durchaus möglich, daß ein weiterer Angriff stattfindet. Deshalb
laufen wir hurtig zum steil abfallenden, lichten Waldstück hinunter - etwas
oberhalb des Landeplatzes des UFOs. Und tatsächlich, wir sehen die fliehenden
Aliens. Aber diese haben keinerlei Eile wegzukommen. Sie ziehen sich vielmehr
zurück wie jemand, der im Moment einer lästigen Plage nicht mehr Herr werden
kann, aber ganz genau weiß, daß er die leidige Angelegenheit später mal so ganz
nebenbei wird erledigen können.

Wir lassen ein paar Steine den Hang hinabkollern. Einige der etwa dreißig
Außerirdischen werden getroffen. Immerhin sputet sich der Rest nun etwas mehr
und steigt endlich in das Raumschiff. Ich bin in Sorge, denn ein Entkommen auch
nur eines einzigen dieser feindlichen Wesen könnte katastrophale Folgen haben.
Die UFO-Crew ist bestimmt nur eine Vorhut!

Etwas weiter unten steht ein etwa sechs Meter hoher und gut zwei Meter dicker
Felsbrocken, ein gewaltiger Quader ohne Kanten und Ecken, den die Kollegen
leider nicht zu kippen vermögen. "Vielleicht schieben sie nicht an der richtigen
Stelle", denke ich und steige zum Gesteinsblock hinunter, um es selbst zu
versuchen.

Mittlerweile sind die Aliens in das UFO eingestiegen. Das Raumschiff steht
zwischen einer Felsgruppe und ist deswegen kaum sichtbar. Nun gilt es schnell zu
handeln! Ich versuche den Quader, der eine überaus ungewöhnliche
Oberflächenstruktur aufweist und überhaupt nicht zum Gestein dieser Gegend paßt,
möglichst weit oben zu drücken. Und - zu meinem Erstaunen - gerät er sofort in
Schräglage, kippt und rutscht den Hang hinunter - geradewegs auf das startende
UFO zu.

Ich bezweifle, daß der Brocken das Raumschiff noch vor dem Abheben treffen wird.
Unaufhaltsam und mit gewaltiger Wucht poltert der Quader auf die Felsgruppe zu.
Das UFO dröhnt immer lauter, je mehr Schub die Triebwerke geben. Aber
seltsamerweise hebt es nicht ab. Der Fels ist nur noch wenige Meter vom
Startplatz entfernt. Dann gibt es einen Ruck in die Felsgruppe und gleich darauf
eine gewaltige Detonation. Ein heller Blitz blendet für einen Augenblick, und
eine Feuersäule, gemischt mit schwerstem Qualm und Rauch, steigt gegen den
blauen Himmel und dehnt sich dabei träge wallend aus. Der Quader hat das UFO
getroffen und zerstört!

Der Eichenklotz

Am 1. Mai 1982 kommt es zu einer denkwürdigen Begegnung mit fliegenden


Eichenquadern:

... Ein Geschehen in einem großen Haus geht in eine Phase über, in der ich bis
an die Grenze der totalen Luzidität gelange. Es gibt nämlich irgendein Problem,
zu dessen Behebung die hier feiernde Hochzeitsgesellschaft mich um Hilfe bittet.

Um in diesem spezifischen Fall helfen zu können, muß ich erst 'Höhe' gewinnen.
Also hüpfe ich zunächst - mehr zum Spaß - etwas hoch. Dabei konzentriere ich
mich aber derart auf das Springen, daß mir schnell einmal klar wird, im
Traumzustand zu sein.

"Egal", denke ich, "es ist augenblicklich unwichtig, dieses Wissen genauer zu
bestimmen oder sogar erkenntniskritisch zu hinterfragen, denn man hat mich ja um
Hilfe gebeten."
Also hüpfe ich - ohne 'anzuhalten' bzw. die Luzidität für meine eigenen Zwecke
zu nutzen - zur nächsten Treppenstufe. Anschließend überspringe ich deren drei
oder vier und dann, höher und höher hüpfend, sogar zwölf Stufen. Schließlich
habe ich mich wieder ganz an die mit der Luzidität verbundenen Möglichkeiten des

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Hüpfens und Fliegens gewöhnt und mich an die mit der BK gegebene Situation
angepaßt. Sogleich gehe ich aus dem Gebäude, weil im Freien draußen wesentlich
höher gesprungen werden kann.

Eine junge Frau kommt aus dem Haus gerannt und hält mich am Arm fest.
"Nein, du darfst mich nicht berühren oder festhalten! Sonst verliere ich die
Flugfähigkeit!" rufe ich ihr zu.
Aber sie will mich nicht loslassen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als sie
abzuschütteln. Das tue ich denn auch mit Bestimmtheit, aber keineswegs
böswillig.

Dann geht es erst richtig los. 4, 10, 20 Meter - und der nächste Sprung ist noch
höher! Ein herrliches Gefühl! Doch jetzt drängt sich das Problem, zu dessen
Lösung ich beitragen soll, immer mehr in den Vordergrund. Es hat die Form eines
Kampfhelikopters angenommen, der sich drohend den Gebäuden nähert, in denen die
Hochzeitsgesellschaft feiert.

Ich weiß intuitiv, daß dieser Flugkörper den Wunsch eines Tyrannen verkörpert,
die totale Macht an sich zu reissen und seinen Willen allen anderen aufzwingen.
Aber genau dies muß verhindert werden - so lautet wenigstens der
unausgesprochene Auftrag. Um dies tun zu können, muß ich unbedingt wesentlich
höher steigen. Der Kampfhelikopter, von dem Bösartigkeit und Unheil ausstrahlt,
soll auf diese Weise von seinem Vorhaben abgelenkt und ganz auf mich aufmerksam
gemacht werden.

Ich springe hoch und steige senkrecht auf. Es funktioniert wesentlich besser als
andere Male. Ich erinnere mich, daß gerade das Aufsteigen mir schon oft größte
Mühe bereitet hat. Bislang ging es kaum jemals mit dieser Leichtigkeit.
"Könnte dies mit der Tatsache zusammenhängen, daß ich einen Auftrag habe?" frage
ich mich.
Überraschenderweise geht es noch weiter in die Höhe - 100, 200, 300 Meter und
mehr. Die junge Frau ist bald nicht mehr zu sehen. Sie blickt mir - wie die
anderen der Hochzeitsgesellschaft - verblüfft nach.

Bald ist eine Höhe von etwa 1500 Metern erreicht - aber der Aufstieg ist nicht
zu Ende -, und der Helikopter verfolgt mich! Aus dieser Höhe sind keine
einzelnen Häuser mehr voneinander zu unterscheiden. Die vorherige Umgebung, in
der ich war, wird zu einer wunderbar weiten Landschaft. Gleichzeitig wird mein
Geist freier und bewußter, der Blick wird weiter und umfassender. Die Grenzen
des psychischen und physischen Umfeldes der Hochzeit, das mich 'besetzt' und
absorbiert hatte, sind nun aufgelöst.

Es kann 'gesehen' und erkannt werden, daß etwas im Tun ist, das in Richtung
Wiederherstellung des Faschismus geht. Dies scheint mir eine verteufelt dumme
Sache. Wie soll ich nun meinem Auftrag gerecht werden? Keine Ahnung!

Vorerst steige ich nur weiter auf - bis auf eine Höhe von gut 2500 oder
schließlich sogar 4000 Metern. Unten - bis weit in die Ferne - breitet sich eine
wunderbar hügelige Landschaft in der Art des Schwarzwaldes aus - vorwiegend grün
und bewaldet, mit vielen Wiesen und Feldern. Aus dieser Höhe sind Bauernhöfe,
Dörfer und Städtchen nur Farbtupfer in einem Meer von Grün. Nun schwebe ich an
Ort und stehe regelrecht mit meinem Zweitkörper in der Luft. Dieser Tatsache bin
ich mir ganz deutlich bewußt. Ich weiß, daß dies mit dem physischen Körper im
Alltag unmöglich wäre. Aber sogar im "Traumzustand" ist es eine außergewöhnliche
Sache. Ich bleibe in der Luft 'stehen' und schaue senkrecht hinunter.

In der Nähe schwebt ein Eichenholzquader von etwa 150 mal 80 mal 50 Zentimetern.
Er ist somit etwas kleiner als mein Zweitkörper, der - mal angenommen, er hat
die gleiche Größe wie der physische Leib - 186 Zentimeter lang sein müßte. Das
Erscheinen des Hartholzes ist ungemein verblüffend und beunruhigend. Ein
kompakter Klotz steht da regungslos und irgendwie bedrohlich in der Luft. Wenn
der auf mich fällt, was dann? Ich werde das Gefühl nicht los, daß der Quader mit
dem Tyrannenproblem zu tun hat.

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Was mag das Holz, das still etwa 20 Meter von mir entfernt 'steht', von mir
wollen? Ich komme mir vor wie die Raumfahrer in Kubricks 2001. Allein im 'All'
draußen und in Gefahr.

Plötzlich beginnt der feste Klotz zu torkeln. Dann fällt er senkrecht hinunter -
und zwar so, als hätte er plötzlich seinen Halt verloren. Ich selbst bleibe an
Ort und schaue dem Quader nach, wie er lautlos entschwindet. Bei Fallen schwankt
er leicht hin und her, was einen grauenhaften Eindruck macht. Mich erinnert dies
ganz entfernt an TV-Bilder von Fallschirmspringern. Und dennoch ist das, was
hier geschieht, völlig anders.

"Welche Gesetze mögen den plötzlichen Fall des Eichenstücks bewirkt haben? Was,
wenn auch mir 'der Boden unter den Füßen weggezogen' wird? Ich würde
hinunterfallen wie ein Springer ohne Schirm! Es müßte genau gleich aussehen wie
beim Klotz. Und der Aufprall wäre schlimm."

Aber ich ängstige mich nur kurz, weil ich mir vorstelle, dies alles würde
tatsächlich geschehen. Nun gut, wenn dem so wäre, könnte ich doch nichts anderes
tun, als mich der Sache zu überlassen. Und bei diesem Gedanken schwindet die
Angst sofort. Mir ist's egal, auf diese Art in einem luziden Traum bzw. einer
außerkörperlichen Erfahrung sterben zu müssen. Wie stark der physische Körper
davon betroffen sein wird, weiß ich nicht. Egal, was geschehen mag, ich würde
den Absturz bei voll intaktem Bewußtsein erleben.

"Ob eine Lebensrückschau stattfinden wird, wie sie von vielen erzählt wird, die
abgestürzt sind und überlebt haben? Egal, die Erfahrung wäre gut! Ich würde sie
nutzen, um mir einen Überblick über mein Leben zu verschaffen. Doch es steht mir
nicht zu, willkürlich einen Absturz einzuleiten und das weitere Geschehen nach
eigenem Gutdünken zu beeinflussen."
So warte ich ab und schwebe weiter in der Luft.

Der Kampfhelikopter ist in etwa bis auf meine Höhe aufgestiegen, aber trotzdem
noch weit entfernt. Doch plötzlich tauchen weitere Eichenquader in der Nähe auf.
Sie fliegen auf mich zu, gewinnen dabei zusehends an Höhe und könnten dann sogar
auf mich herabfallen. Diese Befürchtung zwingt mich zu einen Wechsel des
Standorts. Diese Veränderung der momentanen Position ist aber schwieriger als
das Hochfliegen zuvor.

Doch die Quader 'tun' mir nichts. Sie bedrohen mich nur irgendwie. Wozu?
Weshalb? Was sind sie? Ich weiß es nicht - und ich kann dieser Frage auch nicht
nachgehen, weil der Helikopter nahe herangekommen ist. Es könnte zum Luftkampf
kommen.

In diesem Moment wird der Schauplatz abrupt verändert, und der Helikopter ist zu
einem protzigen schwarzen Wagen geworden. Die Insassen sind nun zu sehen. Einer
von ihnen ist eine weiße Todesgestalt, ein wiedererstandener Zombie und ein
Irrwitz der Geschichte. Er steigt aus und kommt auf mich zu, weil er sich von
meiner Anwesenheit gestört fühlt. Aber ich bin nun einfach mal da - und allein
schon meine Anwesenheit scheint seinem Vorhaben einen gehörigen Strich durch die
Rechnung zu machen. Er und seine Getreuen habe durch mich einen nicht mehr
aufzuholenden Rückschlag erlitten. Mich wundert das alles sehr - ich kann es
nicht verstehen und mir keinen Reim darauf machen. Also wechsle ich automatisch
ins Bett hinüber und erwache im physischen Körper.

Lebendig gewordene Steine

Die Begegnung von 30. Juli 1984 macht weitere Zusammenhänge sichtbar:

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Im wahrsten Sinne des Wortes gehe ich in eine Stadt hinein und gelange in die
Nähe eines aus rotem Sandstein erbauten Münsters. Bereits während des
Hineingehens in die Traumszene bin ich mir der Situation voll bewußt.
"Echt erfreulich, daß dies möglich ist!"
Ich beschließe, die BK zu nutzen, besonders aufmerksam zu bleiben, sehr genau
hinzusehen und unvoreingenommen das Geschehen zu beobachten.

Von links kommt eine weibliche Gestalt gelaufen, die sehr merkwürdig aussieht.
Sie ist eine lebendig gewordene Statue aus Sandstein. Unwillkürlich muß ich an
die 'Quader' von damals denken (vgl. "Die Invasion der Quader" vom 26. Mai
1969). Außerdem wundere ich mich über diese ziemlich surreal anmutende
Situation, denn schließlich befinde ich mich ja in einem Traum und nicht in
einem Bild von Magritte.

Das weibliche Wesen läuft langsam und bedächtigen Schrittes in einem Abstand von
etwa zehn Metern an mir vorbei. Sie schaut enorm fremdartig aus und scheint von
unermeßlich tiefer Stille und großer Schwere zu sein. Ihr Aussehen ist beinahe
schon beängstigend, und ihre Art wäre widernatürlich zu nennen, würde sie nicht
zu einer alltagsfernen Welt gehören.

Dann tauchen noch andere Wesen mit denselben Charakteristika auf - unter ihnen
ist ein Zwerg, ein Tier und der Ritter Georg. Ich komme aus dem Staunen nicht
mehr heraus.
"Wie", so frage ich mich, "mag dies alles mit der Problematik der zerfallenden
Kirchen bzw. den Trümmern und ungebrauchten Sakralbauten zusammenhängen, die in
den Träumen der letzten paar Tage aufgetaucht sind?"

Auf der anderen Straßenseite ist wenig später eine Bewegung an der
Sandsteinmauer zu erkennen. Ich gehe hinüber, um die Sache genauer anzusehen und
bemerke unterwegs, daß alle gemeißelten Figuren - die Regenspeier,
Kapitellfiguren und Simsverzierungen - lebendig geworden sind. Erstaunlich und
beunruhigend! Der Stein lebt und bewegt sich!

Etwa in Kopfhöhe ragt ein steinerner Pferdekopf aus der Mauer, mit dem ich mich
ganz speziell beschäftige, denn ich fühle mich zu diesem Tier hingezogen. Und es
scheint auch zu erwarten, daß ich vorbeikomme, denn es bläht erregt die Nüstern
und schnaubt - sofern man das von einer Steinfigur überhaupt sagen kann. Bei der
Berührung des Kopfes ist die rauhe, verwitterte Oberfläche des roten Sandsteines
gut zu spüren. Der Schädel ist steinern, gleichzeitig aber auch weich und warm.
Verblüffend sind zudem die Bewegungen der Muskeln. Sie wirken steif und dennoch
werden durch sie die Konturen sichtbar verändert. Auch wenn die Veränderungen
etwas 'flach' zum Ausdruck kommen und eine nur oberflächliche und rauh
zugehauene Formgebung erlauben, kann die Geringfügigkeit des Wechselspiels nicht
darüber hinwegtäuschen, daß das Ding in der Mauer lebendig ist.

Das Pferd zeigt deutlich, daß es mich mag. Ich selbst fühle mich dem Tier tief
verbunden. Zwischen uns besteht eine Zuneigung, die nicht zu erklären ist und
deren Hintergründe nicht zu erfassen sind. Außerdem ist es äußerst seltsam, daß
das Pferd mich kennt! Woher? Seit wann? Schließlich stehen diese Gemäuer bereits
seit Jahrhunderten an dieser Stelle. Und wie konnten sich die Statuen überhaupt
selbständig machen und ihren angestammten Ort verlassen? Und warum wurden sie
lebendig? Wie konnte das geschehen? Fragen über Fragen, Rätsel über Rätsel!

Vor lauter Fragen achte ich immer weniger auf die BK und deren Überprüfung bzw.
Kontrolle. Nachdem ich den Kopf gestreichelt und mich vom Pferd verabschiedet
habe, erleide ich ein Abaissement. Das Geschehen wird traumartig, nebulös und
unfaßbar ...

Der Pferdekopf erinnert an die Kabbala als ein 'Vehikel' für die geistige
Erkenntnis. Das Pferd ist Träger des Ichs - wie später der quaderförmige
"Reitstein" - und hilft, andere Welten zu erkennen.

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Das 'Sowohl-Als auch'

Es wäre möglich, bei den Mauern vom 30. September 1984 von einer Traum-
Offenbarung zu sprechen - und dann darüber zu diskutieren, ob das im Traum
Gesehene und Gehörte bloß als subjektiv aufgefaßt werden muß oder auch noch
einen Objektanteil beinhaltet. Eine zumindest als teilweise objektiv aufgefaßte
Traumwirklichkeit wird spätestens bei intakter BK zum einem Thema
erkenntnistheoretischer Natur.

... Eine schmale Gasse führt zu einer Burgmauer. Dort geht der Weg rechts an
einem Gemäuer vorbei, das aus großen Quadersteinen besteht. Wie ich zur Biegung
komme, halte ich inne und merke, daß ich mich im Traumzustand befinde.

Luzid geworden wird es mir jetzt problemlos möglich sein, die ideoplastische
Ausgestaltung dieses Traumszenariums nachzuprüfen. Wenn also das Gemäuer bloß
subjektiv ist, werde ich es mit einem bloßen Faustschlag durchschlagen können.
Dieser Gedanke wird sogleich in die Tat umgesetzt, und mit einem Oi-Tsuki
schlage ich auf den Stein - allerdings nur schwach, um einer eventuellen
Verletzung vorzubeugen. Es könnte ja sein, daß diese Mauern ebenso stabil sind
wie Mauern auf der Alltagsebene.

Tatsächlich, die Faust prallt auf einen Stein, der sich überhaupt nicht von
meinem Schlag und meinen Gedanken 'beeindrucken' läßt. Wo also bleibt die
Ideoplastie und deren Auflösung durch entsprechende Überlegungen und Einsichten?
Diese Mauern SIND Mauern und lassen sich durch einen Faustschlag nicht
beeinflussen. Vielleicht muß ich bloß mit wesentlich MEHR Überzeugung
zuschlagen!

Also nochmals - dieses Mal kräftiger, allerdings doch nicht mit aller Kraft,
weil ich befürchte, daß - falls der Stein eben ein Stein ist - die Folgen des
Faustschlages schwerwiegend sein könnten.

Auch der zweite Versuch hat weder auf die Mauer noch auf die Hypothese der
Ideoplastie (Gedankenbildekraft) irgendwelche Auswirkungen. Außerdem habe ich
einfach den Mut nicht, mit vollem Risiko zuzuhauen. Was mir jetzt noch besonders
auffällt, das sind die intensiven Farben und die klaren Linien der Dinge, die
hier zu sehen sind. Die Schärfe und Klarheit dessen, was sich auf dieser
Erfahrungsebene befindet, deutet meines Erachtens doch eher auf einen realen
Charakter dieser Wirklichkeit hin.

"Welche Möglichkeiten könnte es geben, den Subjektanteil dieser Dinge


'herauszufiltern'?"
Ich finde keine Antwort und habe zudem auch keine Lust, die Angelegenheit weiter
zu hinterfragen. Es fehlt die Motivation, der Sache hier und jetzt auf den Grund
zu gehen. Später einmal - da gibt es keinen Zweifel - wird die in Frage stehende
Sache genau überprüft werden müssen, um ein Verfahren ausfindig zu machen sein,
das es erlaubt, die Ideoplastie-Hypothese zu falsifizieren. Vielleicht werde ich
irgendwann einmal mit vollem Risiko an die Sache herangehen können und auch zu
einem befriedigenden Resultat kommen. Heute bin ich zu wenig dafür gerüstet und
vorbereitet.

Ich gehe weiter ...

Auf einem fremden Planeten

Es ist bei mir oft so, daß ich mich übergangslos in einer mir total fremden
Umgebung "wiederfinde", ohne jene Ablösungsphase zu erleben, die für eine
"klassische" OOBE typisch ist. Es ist dann wie beim Erwachen am Morgen. Man
sagt: "Soeben bin ich erwacht!" und meint damit, daß der physischen Körper und

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das bewußte Ich deckungsgleich geworden sind. Dies wird normalerweise nicht
hinterfragt, sondern als selbstverständlich hingenommen.

Bei mir sind aufgrund der vielen OOBEs und vor allem der Tatsache, daß ich die
BK in den Mittelpunkt all meiner Bemühungen und Betrachtungen stelle, die
Übergangsphasen als solche ziemlich unwichtig geworden. Das Erwachen in einem
Zweitkörper entspricht somit dem "Erwachen im Bett". Die BK ist gekoppelt mit
dem Erwachen und nicht mit der Körperlichkeit. Im Idealfall ist es sogar so, daß
die BK nicht einmal mehr vom Körperzustand abhängt, sondern einfach ist - auch
wenn sie mit einem anderen körperlichen Identitätsgefühl verbunden sein kann. Es
ist mir durchaus bewußt, daß diese Auffassung den gewohnten Vorstellungen total
zuwiderläuft und des langen und breiten diskutiert werden könnte.

Weil es jedoch vor allem die Erfahrungen sind, die mich diese Dinge gelehrt
haben, erzähle ich nun das Geschehen vom 8. November 1987, bei dem die Quader
nur ganz kurz und unauffällig in Erscheinung treten - und zwar in einer
Funktion, die darauf hinweist, daß Erinnerungen miteinander verbunden werden:

Es wird nach dem Erwachen auf einem fremden Planeten bald einmal klar, daß
gewaltige Naturkatastrophen dessen Kolonialisierung verhindern. Ich gehöre als
Erdling zu den Kolonisatoren, die einem irdischen Befehlshaber unterstellt sind.
Dieser ordnet an, daß beim Rückzug möglichst viele einheimische Lebewesen
getötet werden. Hierfür sind etwa ein Meter lange, dünne Drahtseile zu benutzen.

Um dem Befehl nachzukommen, verschaffe ich mir eine derartige Waffe durch das
Zerlegen einer Art Käseharfe, die nicht mehr gebraucht wird. Aber es ist mir
instinktiv zuwider, Eingeborene umzubringen, weshalb ich ihnen - wo auch immer -
aus dem Weg gehe. Und an den Orten, wo in den riesigen Gebäudehallen direkte
Begegnungen unvermeidbar sind, laufe ich einfach an ihnen vorbei.

Andere Kolonisatoren sind eifrigst daran, den apathisch wirkenden fremden Wesen
Drahtschlingen um den Rumpf oder den Hals zu legen und diese zuzuziehen. Wegen
der gallertartigen Beschaffenheit der Körper der Planetenbewohner, die mich
entfernt an ältere Menschen erinnern, können die Leiber mit Leichtigkeit total
durchschnürt und die Köpfe problemlos abgetrennt werden. Es ist ein grausiges,
menschenunwürdiges und bestialisches Schauspiel.

Irgendwie gelingt es mir auf die Straße zu kommen. Noch hat niemand bemerkt, daß
ich mich durch Nichtstun dem Befehl widersetze. Aber das ist nur eine Frage der
Zeit. Da sich die Erdlinge immer weiter zum Startplatz der Raumschiffe
zurückziehen, laufe ich möglichst weit in die entgegengesetzte Richtung. Das
Durcheinander beim Starten trägt dazu bei, daß ich vergessen werde! Die eigenen
Leute geben mich auf und lassen mich auf diesem Planeten zurück. Mir ist das
egal, denn ich schäme mich für meine Artgenossen.

Die Einheimischen, an denen ich vorbeigehe, blicken mich traurig an. Ich
versuche so zurückzublicken, daß meine Absicht, ihnen nichts tun zu wollen,
verstanden wird. Kaum habe ich mich etwa 200 Meter vom Startplatz und von den
Orten des Abschlachtens entfernt, scheint meine Abwesenheit und vor allem mein
Nichtstun doch noch bemerkt worden zu sein. Das kann jetzt für mich sehr
unangenehm werden, denn die werden mich gleich suchen, aufgreifen und später
wegen Befehlsverweigerung aburteilen wollen. Wohin soll ich also gehen?

Ich kenne mich hier nicht aus und weiß auch nichts über diesen Planeten und
seine Bewohner.
"Lieber gehe ich verloren und vergessen, als solche Taten zu begehen", denke ich
und laufe schnellen Schrittes weiter. Weil mich zwei Einheimische so schnell
dahergehen sehen, rennen sie eiligst davon. Sie sind bestimmt davon überzeugt,
daß ein fieser Erdling sie einfangen und töten will. Um zu zeigen, daß dem nicht
so ist, werfe ich schnell die Schlinge weg, eile ihnen aber nach - in der
Hoffnung, sie würden ein Versteck aufsuchen - , denn "meine Leute" sind mir auf
den Fersen.

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Die Gallertwesen verschwinden in einem Loch und erscheinen nicht mehr wieder.
Auch andere steigen an derselben Stelle in die Erde hinab und sind nicht mehr zu
sehen.
"Ist das ein unterirdisches Versteck? Wenn dem so wäre, sollte es auch mir
gelingen, den Häschern zu entkommen!"
Gedacht, getan - ich renne zum unauffälligen und sehr schmalen Einstieg. Er
sieht völlig unscheinbar aus, wie ein zufällig entstandener Einbruch über einem
Kellergewölbe eines seit langer Zeit abgerissenen Hauses. Wenn die
Planetenbewohner nicht gerade vorher durch dieses Loch geschlüpft wären, hätte
ich es nicht bemerkt.

Es geht steil hinab durch einen dunklen Gang. Aus den Wänden ragen brüchige
Quader, der Boden ist uneben. Wegen des Helligkeitsunterschiedes ist nichts zu
erkennen. Nur noch tastend komme ich voran. Jetzt werden die Einheimischen mich
leicht töten können - wenn sie wollen. Aber eben - lieber selbst getötet werden,
als gezwungen zu sein, andere umzubringen.

Unsicher taste ich mich voran. Plötzlich spüre ich, wie kleine, tapsige Finger
mich berühren und sanft in die richtige Richtung schubsen. Auf diese Weise
lenken sie mich durch das unbekannte Gebiet, und ich gelange durch einen mehr
oder weniger ebenen Höhlenkorridor unvermittelt in einen anderen Gang, der
offensichtlich zu einem ganzen Komplex von Gängen gehört. Der systematische
Aufbau des Systems ist verblüffend. Da wurde von den Planetenbewohnern unter der
Oberfläche eine eigene Welt geschaffen, eine Welt, von der die Eindringlinge
nichts geahnt haben! Erst mit der Zeit merke ich, daß es sich hier um ein
gigantisches System und um eine eigene Welt innerhalb eines ausgehöhlten
Planeten handelt.

Die nächsten Gänge sind lichtdurchflutet. Woher die Helligkeit kommt, ist nicht
erkennbar. Viele Einheimische mit freundlichen Gesichtern laufen hin und her.
Mein vorheriges Verhalten scheint bereits allen bekannt zu sein, denn überall
begegnen mir Gestalten, die mir wohlgesonnen zulächeln. In einem größeren Gang
stehen etwas größere Wesen, die den Eindruck machen, als würden sie mich
erwarten. Sie sind von weit höherem Rang als jene, denen ich bis zu diesem
Zeitpunkt hier unten und auf der Oberfläche begegnet bin.

Eines dieser Wesen richtet eine Art Maschinengewehr auf mich!


"Nun werde ich also trotz allem umgebracht", denke ich, "aber das ist ja das
gute Recht der Eingeborenen, denn sie wurden lange Zeit von meinen Artgenossen
brutal ausgebeutet und schließlich grundlos getötet."
Angesichts meines nahe bevorstehenden Todes bekomme ich weiche Knie, sinke zu
Boden und bedecke die Augen mit den Händen, um nicht hinzusehen zu müssen. Dann
kippe ich zur Seite und erwarte die tödliche Salve mit angezogenen Beinen.
"Gewissermaßen in der Stellung eines Foetus im Mutterleib", blitzt es durch
meinen Kopf.

Aber es ist kein Aufprall von Kugeln oder ein sengender Laserstrahl zu spüren!
Statt dessen werde ich gepackt, kurz aufgehoben und wieder hingelegt. Ich öffne
die Augen und sehe, daß die Fremden mich in einen Kinderwagen gelegt haben und
den Gang hinunterschieben! Eine automatische Tür schwingt auf.

Und in diesem Moment werden die tatsächlichen Ausmasse dieses unterirdischen


Systems erkennbar - es ist unfaßbar riesig! Hinter der Tür befindet sich eine
der großen und alle Dimensionen sprengenden Kommandozentralen dieser U-Welt, in
der die wahrhaftigen Herrscher dieses Planeten residieren. Ihnen soll ich nun
vorgeführt werden. Andererseits soll ich sie jetzt zu Gesicht bekommen. Aber für
diese Begegnung mußten die Eingeborenen mich in einen Kinderwagen legen, denn
für die Gestalten an diesem Ort bin ich bloß ein Kleinkind - trotz meiner Größe
von über 1.80 Meter!

Als nach wenigen Augenblicken sich ein paar dieser Wesen über den Wagen beugen,
wird mir blitzartig der Grund für die Vorsorge der Eingeborenen klar. Die Wesen
hier sind mindesten 10 Meter groß. Es sind Riesen!

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Nachdem ich mich ein wenig von der ersten Überraschung erholt habe, wird mir
erklärt, daß die Riesen ebenfalls Einheimische wären - und 150 Milliarden Jahre
alt werden! 150 Milliarden! Ich kann es nicht glauben! Es ist ein Schock für
mich! Dieses Alter! Dann sind ja die Lebewesen, die ich auf der
Planetenoberfläche oder in den Gängen gesehen habe, bloß Kleinkinder! Nicht
einmal Jugendliche, sondern einzig und allein lauffähige 'Buschis'!

Und meine Artgenossen glaubten, über diese Wesen erhaben zu sein!? - Es ist ein
Wahnwitz! - Ich bin total erschüttert. Wie die wahren Herrscher dieses Planeten
und vielleicht auch anderer Welten meine erbärmliche Hilflosigkeit sehen,
lächeln sie mir milde zu. Dann werde ich wieder hinausgeschoben. Zum Glück, denn
ich wäre gehunfähig gewesen. Jetzt weiß ich, um welche Dimensionen es hier geht,
bin wie betäubt und komme auf mir nicht mehr erinnerbaren Wegen wieder auf die
Oberfläche zurück.

In der Zwischenzeit haben meine Artgenossen offensichtlich die Suche nach mir
abgebrochen und diesen Planeten verlassen. Am Rande eines aufgegebenen
Lagerplatzes steht ein zurückgelassenes Auto. Ich gehe hin und öffne die
Wagentür. Auf den Sitzen liegen ein paar meiner Utensilien, die ich wieder an
mich nehme. Als ein Mensch aus einem nahegelegenen Haus gelaufen kommt,
erschrecke ich zutiefst und frage mich:.
"Sind sie etwa immer noch nicht weg?"
Ich verhalte mich unauffälig und zurückhaltend, merke aber bald, daß ich nicht
der einzige bin, der zurückgeblieben ist. Es gibt noch andere, die sich beim
Morden zurückgehalten haben und sich versteckt hielten.

Dann kommt von der Seite des Lagerplatzes ein Einheimischer gelaufen. Er besitzt
einen irgendwie flachen Körper - als wäre er unter eine Walze geraten - und
einen ziemlich dreieckigen Kopf, ist von dunkel- oder weinroter Farbe und
scheint unbekleidet. Dennoch wirkt er nicht nackt. Dieses Wesen wird als 'Nummer
Sieben' bezeichnet, ist eine Art Befehlshaber und gilt als äußerst rabiat. Ich
fürchte mich vor ihm. Deshalb sorge ich dafür, daß ich zu keinem Zeitpunkt in
sein Blickfeld gerate. Zu diesem Zweck drücke ich mich notfalls an einen Pfahl
und verschiebe mich dauernd so, daß zwischen ihm und mir der Pfosten steht.

Man macht mich später darauf aufmerksam, daß ich der 'Nummer Sieben' gegenüber
unbedingt zeigen müsse, daß gemeinsame Interessen bestehen. Ich finde heraus,
daß Tauchen eines der Interessengebiete der 'Nummer Sieben' ist. Und da beim
Auto Hefte über das Tauchen liegen, hebe ich eines auf und blättere auffällig
darin herum, als sich die 'Nummer Sieben' wieder einmal nähert. Ich spreche laut
über die Schönheiten der Unterwasserwelt und die Faszination des Tauchens. Das
wirkt, denn das einheimische Wesen 'taut' auf und macht von diesem Augenblick an
ein freundliches Gesicht. Das Eis scheint gebrochen!

Mit der Zeit wird klar, daß etwa ein gutes Dutzend meiner Artgenossen auf diesem
Planeten zurückgeblieben sind. Wir treffen uns auf einer Grasfläche in der Nähe
eines Hauses. Ich versuche den Anwesenden klar zu machen, was die eigentliche
Natur der Einheimischen dieses Planeten ist, sage aber nichts über das
tatsächliche Alter von 150 Milliarden Jahren, denn ich bin mir nicht sicher, ob
ich das sagen darf.
"Sicher ist es besser, wenn ich jemanden frage", sage ich mir und laufe zu einer
der roten Gestalten in der Nähe. Ich spreche das Wesen an und bitte darum, daß
es nachfragen soll, wieviel ich sagen darf.

Nun zeigt es sich, daß die Einheimischen über eine Art telepathische
Kommunikation verfügen. Das weibliche Wesen sagt, es würden bald 10 Tonnen Salz
herangeschafft, mäht die für die Lagerung notwendige Grasfläche und erklärt, daß
mit dem Salzberg plastisch gezeigt werden soll, wie die Verhältnisse zwischen
den Bewohnern dieses Planeten und den Menschen aussehen. Ich frage mich, ob bloß
ein einziges Salzkorn aus dem Berg von 10 Tonnen das Alter des Menschen im
Vergleich zum Alter dieser Wesen ausdrücken wird!? Ein schwindelerregender
Gedanke! - Selbst bei einer Handvoll Salz wäre die Angelegenheit noch irrwitzig.

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Später laufen wir wegen einer aufziehenden Naturkatastrophe alle zum Strand am
Rande des Städtchens. Vor uns liegt das weite Meer - und hinter uns rollen
bereits meterhohe Flutwelle über die Insel hinweg. Die Welle wird alles
vernichten - aber natürlich nicht die unterirdischen Anlagen.
"Aber wie überstehen die Eingeborenen, die sich auf der Oberfläche tummeln, die
Katastrophe?" frage ich mich.
Und schon sehe ich es: Sie strahlen eine Art unerschütterliche Gelassenheit aus,
welche die Flutwelle dazu bringt, sich zu teilen und um die Wesen
herumzufließen. Auch wir Menschen werden miteinbezogen!

Das Wasser schwemmt uns nicht davon, die Springflut überrollt uns nicht! Statt
dessen 'umfließt' uns die riesige Woge, was zu wunderbaren Bildern führt. In den
'Wasserröhren' um uns herum leuchten sämtliche Farben des Regenbogens in allen
Pastelltönen. Außerdem ist es völlig still. Ein wundersames Schauspiel! Damit
wird auch klar, daß meine Artgenossen gezwungen waren, diesen Planeten zu
verlassen. Wegen ihres Anspruches auf Beherrschung, Ausbeutung und Macht und
wegen ihrer Machermentatlität hätte es ihnen niemals gelingen können, auf diese
oder eine ähnliche Weise mit dieser und mit anderen Katastrophen umzugehen!

Die Geheimgesellschaft

Gemäß der Erfahrung vom 20. Februar 1992 ist der Quader als Transportmittel
durchaus mit dem Hexenbesen oder sonst irgendeinem Flugmittel im Zusammenhang
mit LDs und OOBEs zu vergleichen.

... Es wurde mir erlaubt, einen geheimen, unzugänglichen Arbeitsraum zu


besichtigen. Ich schaue mich ein bißchen um. Der Weg hinaus führt durch einen
eher dunklen Gang, der den Anschein erweckt, Teil eines Hinterhofgartens zu
sein.

Am Rande eines flachen Teiches im Garten liegt ein ovales Gebilde (1.5 m mal 1
m), dessen Konsistenz massig, teigig und nicht allzu hart ist. Es ist ein
umgekippter Kegelstumpf, der unübersehbar und wie vergessen über den Rand des
Teiches hängt.
"Was mag seine Funktion sein? Vielleicht ist sie zu erkennen, wenn ich das Ding
umdrehe!"
Gedacht, getan. - Und tatsächlich, auf der Fläche sind zwei Mulden. Das erinnert
mich doch sehr an den 'Reitstein' vom Dezember 1989.
"Könnte durchaus sein, daß dieses Gebilde eine ähnliche Funktion hat. Wird also
eine Reise wie damals stattfinden?"
Ich sitze auf - nichts geschieht. Das entfernt an einen Quader erinnernde
Gebilde bleibt am Boden. Ich schaue nach hinten und sehe, daß eine dicke
Zündschnur heraushängt.
"Könnte vielleicht ... !"
Aber ich habe nur noch ein Streichholz in der Schachtel - und die Masse liegt
nach dem Umdrehen zu einem großen Teil im Wasser!

Da kommt einer der Zimmerleute aus der Werkstatt. Er sieht mich und zeigt
Interesse an meinem Vorhaben. Also bitte ich ihn, hinten aufzusitzen und die
Lunte in Brand zu setzen. Das ist jetzt eher möglich, weil der 'Stein' durch
mein Gewicht etwas vornüber kippt. Langsam frißt sich die Flamme durch die
Zündschnur und schließlich in die Masse hinein. Der Pyramidenstumpf wird
entzündet und wirkt wie ein Raketentriebwerk.

Die Masse steigt auf, und wir werden in die Höhe getragen. Bereits nach wenigen
Metern sind wir auf der Höhe des oberen Stockwerkes angelangt. Wenigstens
scheint dem so, aber diese paar Meter sind gleichbedeutend mit einem Wechsel der
Raum-Zeit-Dimension und wir erreichen eine andere Ebene!

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Die Menschen hier empfangen uns sehr freundlich und laden uns ein, die
Werkstätten zu besichtigen. - Im ersten Raum ist die Schriftenleitung
untergebracht. Von hier aus wird auch die Vorratshaltung von Dinkel und Weizen
kontrolliert. Diese Getreide dienen - so wird mir erklärt - zur Herstellung von
Reitsteinen bzw. Treibstoffmassen. Und eines dieser Gebilde hatten wir soeben
benutzt.

Der Mann, der alles zeigt, betont, daß die Verwendung derartiger Massen viele
Himmelsphänomene erklärt, die in den letzten Jahrhunderten aufgetreten sind.
Insbesondere Hexen und Magier hätten nämlich diese Masse als Treibmittel zum
Fliegen benutzt. Seinen Worten ist auch zu entnehmen, daß er sich durchaus des
Monopols der hier arbeitenden Geheimgesellschaft bewußt ist. Er und seine
Mitarbeiter sind offensichtlich nicht nur Hüter und Verwalter eines geheimen
Wissens. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, die Mittel jenen bereitzustellen, die
geeignet scheinen, Astralreisen zu unternehmen.

Mit Entsetzen stelle ich fest, daß die Leute hier Krämerseelen sind, denn sie
horten eifersüchtig althergebrachtes Wissen und verteilen es nach eigenem
Gutdünken - mit Zins und Zinseszins! Und von mir wird erwartet, daß ich mich
besonders geehrt fühle, weil mir alles gezeigt wird. Meine innere Unruhe beginnt
langsam konkretere Formen anzunehmen!

Aber erst in der eigentlichen Steuerzentrale, einem mit Holz getäferten und
traditionsreichen Computerraum, läßt sich mein Unbehagen in Worte fassen. - In
diesem Raum stehen natürlich keine Computer, wie ich sie vom Alltag her kenne,
z.B. aus Computerzeitschriften. Hinten im Raum stehen links und rechts an den
Wänden energieumflutete und vibrierende 'Zentraleinheiten', die unfaßbar sowohl
in Zeit und Raum als auch in Licht und Farbe fluktuieren. Und offensichtlich
sind in diesem Raum die wichtigsten Leute der Geheimgesellschaft versammelt. Die
Bezeichnung für diese 'Computerzentrale' ist 'PMM'.

Ich müßte angesichts der Geballtheit an Wissen und Macht eigentlich vor
Ehrfurcht erstarren. - Und zunächst wage ich es auch nicht, meinem Unbehagen und
meiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen. Aber schließlich stelle ich die
ungebührlichen Fragen doch:
"Wird dies alles erkenntniskritsch überhaupt hinterfragt? Gibt es hier jemanden,
der Erkenntnistheorie betreibt und gewillt ist, seine Vorstellungen und sein Tun
in Frage zu stellen? Jemanden, der willens ist, die hier gelebten Traditionen
nicht mehr als selbstverständlich hinzunehmen? Jemanden, der bereit ist, auf
seine Privilegien zu verzichten?"
Einige blicken mich mit einem Ausdruck von ungläubigem Erstaunen an. Ihre Mimik
drückt deutlich aus, was sie von meinen Fragen halten: Gar nichts! Derartige
Fragen sind an diesem Ort nicht nur ungewohnt, sie sind auch überflüssig und
dumm.
"Aber sie werden doch wissen, was Erkenntnistheorie ist", rufe ich den Leuten
zu, die sich wieder ihrer Arbeit zuwenden.
'"Nein, für uns ist das ein Fremdwort. Mit Erkenntnistheorie können wir nichts
anfangen. Ein kritisches Bedenken unseres Tuns ist völlig unnötig!"

Der Mann, der dies sagt, äußert sich so, als wäre diese 'Enthaltsamkeit' in
Sachen Erkenntniskritik wirklich das Selbstverständlichste. Etwas, das bislang
niemand angezweifelt hat und das unter keinen Umständen angezweifelt werden kann
und darf.
"Aber dann haben Leute wie ich selber ja nicht die geringste Chance", sage ich
laut und denke dabei an meine Jugend.
"Schließlich erlebte ich die Ausserkörperlichkeit bei kontinuierlichem Ich-
Bewußtsein schon in meiner Jugendzeit! Aber da war niemand, der mir zur Seite
gestanden hat. Ich wurde allein gelassen!"
Beim Gedanken daran beginne ich vor lauter Zorn, Wut und Trauer zu weinen. Die
hier wissen genau, worum es geht, aber sie weigern sich, zu helfen. Und diese
Verweigerung der Hilfeleistung und der Vermittlung von Wissen betrifft ja nicht
nur mich, sondern Tausende und Abertausende von Menschen. Sie alle werden mit
ihren Erfahrungen allein gelassen und wissen nicht, was sie mit ihnen anfangen

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sollen. Denn niemand sagt ihnen etwas von Außerkörperlichkeit und Ich-
Bewußtseins-Kontinuität. Und so stirbt denn für die meisten dieser
Erfahrungsbereich wieder.
"Das ist ein 'Holocaust', was die Erfahrungsmöglichkeiten betrifft", werfe ich
den Verwaltern des Geheimwissens vor. Aber keiner zeigt Einsicht. Vielmehr
beharren sie nun ausdrücklich auf ihren Privilegien und damit der totalen
Verschlüsselung des Wissens. Hier habe ich nicht die geringste Chance mit meinem
Anliegen!

Also gehe ich - zutiefst traurig und ungemein zornig. Mein Zorn ist allerdings
so gewaltig, daß sich die Duftzusammensetzung dieser Ebene verändert. Es
entsteht regelrecht ein Bruch, der durch meine Bewußtheit erzeugt wird. Denn ich
weiß nach wie vor um meinen Zustand. Und dieses 'Bewußtsein der Vertikale'
bringt eine andere Komponente in diesen bisher durch das Vergessen vom Alltag
her abgeschotteten Bereich. Als hätte ich den Duft des Wissens um die
Alltagsebene mit hinübergebracht. Die Veränderung des Duftes ist nicht mehr
rückgängig zu machen. Und sie wird die Leute hier daran erinnern, daß ein Rebell
sie besucht und ihnen Fragen gestellt hat.

Vorerst genügt mir das nicht, denn Trauer und Wut sind zu groß. So beginne ich,
Scheiben mit bloßen Fäusten einzuschlagen, Glastüren aus den Angeln zu heben und
am Boden zerschellen zu lassen.

Aus eigenem Willen verlasse ich diese Ebene. Aber unterwegs zertrümmere ich
alles, was sich zertrümmern läßt. Bei der Durchquerung der sogenannten
Frauenabteilung gehen ebenfalls Scheiben zu Brüche. Die Frauen selbst bekümmern
mich nicht, obwohl sie ungemein schön und offensichtlich dazu da sind, die
Bewußtheit mit ihren weiblichen Reizen abzufangen und zum Erlöschen zu bringen.
- Ich gehe unbeirrbar zu Fuß weiter und suche meine Weg hinaus aus diesem
Labyrinth der Anderwelt. Dabei nährt der Zorn die Flamme der Kontinuität des
Ich-Bewußtseins und läßt das Wissen um meinen Zustand nicht ersterben. - Das
erhoffen sich ja die Herrscher dieser Welt: Daß die Bewußtheit, die BK,
verlorengeht.

'Unten' im Parterre ist eine Art Schule für Kinder. Wegen des Lärms sind die
Schüler herausgekommen. Die Lehrerinnen schauen verdutzt zu mir, die Kinder
blicken mich verwundert und etwas eingeschüchtert an. Sie alle wirken ungemein
angepaßt und erzogen. Aber da ist ein Knabe von etwa 11 Jahren, der sich schon
etwas anders bewegt als seine Altersgenossen. Zudem blickt er forsch und
neugierig zu mir.

"Nein, dieser Knabe gehört nicht zu jenen, die bloß lernen, in vorgegebenen
Bahnen zu denken!"
Und WIE der Junge mich anschaut. Er ist hellwach und ahnt, woher ich komme und
wohin ich gehe. Er 'weiß', daß er einen Menschen von der 'anderen Seite' gesehen
hat - und er wird diesen Anblick niemals vergessen. Er wird sich daran erinnern,
daß es möglich ist, bewußt die Ebenen zu durchschreiten. Und eines Tages, in ein
paar Jahren, wird er mir von seiner Seite aus behilflich sein. Ein
Hoffnungsschimmer!
Vor lauter Freude hebe ich den blonden Knaben mit seiner besonders ausgefallenen
Haartracht hoch und küsse den rebellischen Jungen auf die Stirn. Dann setze ich
ihn wieder ab und gehe geradewegs auf die Tür zu, welche mich zurück ins Bett
und damit in den Alltag bringen wird.

Doch auf der anderen Seite ist noch nicht mein schlafender physischer Körper.
Also setze ich mich hin und beginne mit dem Niederschreiben dessen, was ich eben
erlebt habe. Die sollen nicht meinen, ich würde mich durch ein falsches Erwachen
zum Vergessen verleiten lassen. Oder in einen Traum verfallen, aus dem die
Erinnerung an das bisher Geschehene schwindet. Deswegen schreibe ich alles in
Stichworten auf. Und zwar so lange, bis ich genau spüre, wie ich in meinen im
Bett liegenden Körper hinübergleite. Dort angelangt, drehe ich mich -
deckungsgleich mit dem physischen Körper geworden - zum Bettrand, knipse das

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Licht an und beginne - immer noch mit einem gewissen Zorn und mit Trauer, aber
auch - wegen des Knaben - mit Freude im Herzen - zu schreiben.

Dolmen und Quader

Dies ist ein weiterer Beleg für die Funktion der Quader als einer
Durchgangspforte Er wurde am 11. August 1992 sichtbar.

... In einem hohen Turm, dessen Bauweise sehr beeindruckend ist, steige ich
langsam und bewußt Stufe um Stufe hoch. Weit, weit oben wird im alten Gemäuer
eine kleine Pforte sichtbar. Beim Näherkommen öffnet sie sich ganz von alleine.
Ich durchschreite sie und gelange unerwartet in eine wundersame Welt voller
Klarheit und Schönheit. Der Himmel erstrahlt in tiefstem Blau, die Wolken in
intensivstem Weiß. Hellste Grautönen lassen die aus dem sattgrünen Gras
aufragenden Felsen extrem deutlich konturiert erscheinen. Bei diesem herrlichen
Anblick durchflutet mich sofort ein orgiastisches Gefühl der Seligkeit und
Beglückung, das mich sozusagen von den Füßen reißt und schweben läßt.

Auf diese Weise gelange ich bald einmal zu einer mitten in einer weiten Ebene
aufragenden Felspforte. Sie ist nicht sonderlich groß und öffnet sich sachte,
wie ich mich ihr fliegend nähere.

Auf der anderen Seite des Durchganges tut sich wieder eine andere Welt auf. Sie
hat zwar große Ähnlichkeit mit der eben gesehenen, doch gibt es in dieser
ungeheuer weiten und leicht hügeligen Ebene einige Felsquader und Monolithe,
deren Aussehen tief beeindruckend ist.

Und in dieser Welt ist das Gefühl der Seligkeit und inneren Fülle sogar noch
einmal - und unglaublicherweise - ganz wesentlich gesteigert - und vor allem
beseelt von einem allumfassenden Frieden. Ich hätte mir niemals vorstellen
können, daß es das gibt und daß so etwas überhaupt möglich ist.

Langsam schwebe ich über die Weiten dieser Welt und erblicke mal diesen und mal
jenen Quader. Die Oberflächen der Steine scheinen glatt wie polierter Marmor zu
sein. Und sie sind von harmonisch sich umschlingenden, grauen Mustern überzogen.

Die nuancenreiche Skala der Grautöne geht von beinahe Weiß bis Sattgrau, das
aber niemals dunkel ist. Die weißen Mäander und fließenden Wellen wirken wie
Quarzbänder. Die Quader als solche könnten durchaus Kristalle sein, Kristalle,
die über Jahrmillionen und möglicherweise sogar Jahrmilliarden gewachsen sind.

Die Felspforte erinnert mich 'in ihrem Wesen' an jene Felspforten, welche die
Kelten bzw. unbekannte Völker vor ihnen und - falls ich mich nicht täusche - die
Mayas erbaut haben: Zwei gewaltige aufragende Pfeiler, die von einem einzigen
Stein überdeckt werden. Triumphbögen erscheinen im Vergleich zu diesen 'Dolmen'
künstlich und kraftlos.

Das Erklingen der Quader

Wenn das Ich beginnt, auf die Quader aufmerksam zu werden und sich - wie am 18.
Februar 1993 - mit ihnen auseinanderzusetzen, werden sie zum Erklingen gebracht
und beginnen von sich aus, sich bemerkbar zu machen und die vollen Stunden
anzugeben.

... Bin in einem neuerstellten, großzügig angelegten Gebäude, das sehr viel Raum
bietet und von Licht durchflutet ist. Hier sehe ich mich um und entdecke
'klingende Steine', weil ich mit einem Stab sanft mal auf diese, mal auf jene

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Gruppierung schlage. Beim Gespräch mit dem Architekten äußert sich dieser sehr
erfreut darüber, daß ich auf die Steine aufmerksam geworden bin, denn er selber
hatte sie nicht bemerkt und möchte sie nun sehen. Also gehen wir zu den
verschiedenen Steingruppen.

Die erste Gruppe ist unten im Parterre links vom Eingang. Es sind etwa ein
halbes Dutzend nebeneinander stehende, gut 5-6 Meter hohe blau-graue Quader von
30 Zentimeter Breite und Tiefe. Beim Anschlagen erklingen allen in derselben
Tonlage - der Klang ist sehr eigen.

Eine zweite Gruppe wird von jenen Geländersteinen gebildet, die den
'Treppenabschluß' bilden. Auch diese braun-grauen Steine haben eine ganz
eigentümliche Klangfarbe.

Die dritte Gruppe von grün-grauer Farbe liegt horizontal auf einer Galerie. Es
sind 3 oder 4 Blöcke, die etwa 4 Meter lang und 60 Zentimeter breit und tief
sind. Auch sie haben ihren eigenen Ton.

Alle diese Steine schlage ich an - und lausche ergriffen den ihnen innewohnenden
Klängen. Auch der Architekt ist begeistert! Und dann wird auch eine volle Stunde
angeschlagen, denn immer zur vollen Stunde erklingen die Quader von sich aus und
erzeugen zusammen eine harmonisch klingende Klangfülle . Mir scheinen diese
Gebilde wunderbar und sehr eindrücklich.

In der heutigen Gesellschaft entspricht der Stellenwert der Quader - sofern


diese überhaupt in Erscheinung treten - entweder einem achtlos liegengelassenen
Gesteinsbrocken, einem dekorativen Gestaltungselement in einem Vorgarten oder in
einem Studio - dann allerdings aus Styropor - oder einem nützlichen Bauelement.
Von der Numinosität eines Quaders, wie er den Betrachtern beispielsweise in
Stonehenge entgegenweht, ist kaum mehr etwas zu spüren. Entfernte Anklänge des
Erahnens eines das Alltägliche transzendierenden Bereiches und Überganges
entsteigen vielleicht noch in der Nähe eines Taufsteines, eines Altars und
angesichts von Grabsteinen. Doch oft sind auch diese "modernen" Menhire nur noch
bloße Kunst- und Kultgegenstände, ästhetisch verbrämt und verkannt in ihrer
Bedeutung. Aber auch diese Quader können wieder erklingen, wenn jemand
aufmerksam hinsieht und willens ist, ihren Sinn und ihre Bedeutung zu erkennen.

Der Schatz im Sarg

Mir geht es seit vielen Jahren nicht mehr darum, die BK zur Erfüllung
irgendwelcher Wünsche zu nutzen. Vielmehr wird es mir dank der BK möglich,
genauer hinzusehen und zu beobachten, zu kombinieren und möglichst optimal auf
die Situation zu reagieren (situationsadäquates Handeln) - und zwar unter
Einbezug der eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen.

Allerdings ließe sich die BK - wie manche der erzählten Beispiele zeigen -
bestimmt noch besser einsetzen, wenn es nur gelänge, sie 'schwebender' zu halten
und bei Bedarf jederzeit etwas mehr in den Vordergrund zu stellen. Im Geschehen
vom 18. September 1993 wäre ihr Einsatz z.B. vor allem gegen Ende angebracht
gewesen. Wenigstens führte sie hier zu einem unterbruchslosen Übergang in den
schlafenden Körper.

Die "Gefahr" bei einem vordergründigen Einsatz der BK besteht darin, daß die SA-
Vorstellungen die SB-Welt zu stark dominieren. Die ideoplastischen Wirkkräfte
haben dann einen zu großen Einfluß, womit die Bilder definitiv ins Traumartige
abgleiten. Es scheint mir aber sehr schwierig, die BK nur schwebend zum Einsatz
kommen zu lassen. Dieser Versuch entspricht dem, was als "das Gehen auf des
Messers Schneide" bezeichnet wird!

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... Wir beobachten eine Frau, die heimlich in einem Feld etwas vergräbt, und
gehen - kurz nachdem die Frau den Ort verlassen hat - zum Versteck, wo wir
sofort mit den Ausgrabungen beginnen. Nach kurzer Zeit stoßen wir auf eine Truhe
und finden in ihr außer einem Hinweis auf ein weiteres Versteck auch einen
Stapel grüner A4-Blätter, die handschriftlich mit Text und einer Unmenge
chemischer Zeichen vollgeschrieben sind.

Aufgrund des Planes finden wir den Weg zu einer Geheimwohnung. Und in dieser
entdeckt einer aus unserer Gruppe einen weiteren Geheimraum. Bei der
Untersuchung einer weiß gestrichenen Backsteinmauer in diesem Raum entdeckt er
einen verborgenen Öffnungsmechanismus. Es gelingt ihm sogar, diesen zu
betätigen, worauf ein ganzes Mauerstück nach unten klappt. Dahinter wird der
Zugang zu einem weiteren Raum sichtbar. Ich trete in diesen Kellerraum ein, der
erstaunlicherweise völlig leer ist. Die Backsteinmauern rundum sind weiß! Weil
die links in den Raum vorstehende Mauer kaum von den anderen Wänden zu
unterscheiden ist, gehe ich hinüber.

Nach wenigen Schritten stellt es sich tatsächlich heraus, daß die Mauer nicht
nur die Sicht versperrt hat, sondern auch für die Sinnestäuschung der Leere
dieses Raumes verantwortlich ist. Dahinter stehen nämlich zwölf bis fünfzehn
silberfarbene Särge, von denen die vorderen vier oder fünf kleiner sind.

Das ist schon sehr erstaunlich! Ich trete zum vordersten Sarg und klappe den
Deckel hoch. Der erste Anblick ist grauenerregend, denn da liegt eine halb
verweste Leiche. Am Kopfende ist ein Namensschildchen angebracht. - Doch nur für
einen Moment ist der Leichnam zu sehen, denn plötzlich ist der Sarg voller
Goldmünzen! Dieses Geschehen kommt für mich völlig unerwartet. Sofort kombiniere
ich: Auch mit den anderen Särgen wird dieselbe Transformation geschehen, wenn
deren Inhalt mit Luft in Berührung kommt. Diese Einsicht bedeutet aber nicht,
daß ich einen weiteren Sarg öffne, denn das vorhandene Gold genügt vollauf.

Irgendwie schleppe ich den etwa 1.2 m langen und sehr schweren Sarg in den
anderen Raum, in dem die Gruppe von etwa sechs Leuten auf mich wartet. Sie alle
können von den Münzen so viele nehmen, wie sie wollen. Ich selber bediene mich
als letzter und klaube etliche goldene Münzen aus dem Sarg, bis ich schließlich
meine Taschen voll habe und der Meinung bin, damit ließe es sich für eine Weile
leben. Mit diesem Gedanken 'erwache ich im Bett'.

Der Sarg als Quader erweist sich hier als eine wahre Schatztruhe, deren Inhalt
in den Alltag mithinüber gerettet werden kann. Es ist natürlich klar, daß es
sich dabei nicht um "harte" Wertgegenstände handelt, die 'ebeneninvariant' von
der SB- auf die SA-Seite transferiert werden können. Aber es sind massive, alles
andere denn alltägliche Erfahrungswerte, von denen auch in jenen Märchen erzählt
wird, die von einem 'jenseitigen' Gold berichten, das im Diesseits, der SA-Welt,
zu Mist wird. Die Wertmaßstäbe sind hüben und drüben nicht dieselben! Pures Gold
hat im SA-Bereich keine wachtumsfördernde Wirkung! Doch sind die Schätze der SB-
Welt (hier: das Gold im Sarg) für das spirituelle Wachstum des Menschen absolut
notwendig.

Ohne SB-Gold gibt es keinen inneren Wertzuwachs, einen Zuwachs, der das
Menschsein enorm bereichern kann und zudem Dimensionen der Sinngebung
erschließt, die weit jenseits aller SA-Tresore und SA-Geldbeutel liegen! Es ist
das fatalste Mißverständnis unserer auf das Materielle ausgerichteten Epoche,
Geld und Gold als ebeneninvariant zu betrachten!

Der Quader als Transportkiste

Obwohl das Geschehen vom 22. Oktober 1993 eher traumartig scheint, lohnt ein
genaueres Hinsehen, denn es wird ein weiterer Hinweis zur Funktion der
Holzquader gegeben. Holz gilt bei den Chinesen als das 5. Element und ist als

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Baumaterial und als Energielieferant geeignet. Die Form eines Sarges, Kiste oder
Truhe macht Holz zu einem Behälter, d.h. einer Art von Retorte, in der
wesentliche Transformationsprozesse in einem von der Außenwelt abgeschlossenen
Raum in einem "Reich dazwischen" stattfinden können. Und weil der Quader auch
als "Durchgangspforte zum anderweltlichen Bereich" dient, eignet er sich auch -
wie das Beispiel zeigt - für den Transport von Bildern, die nicht von dieser
Welt sind.

... Ich entdecke in einem offenen Kellerraum in einem Abbruchhaus zwei Dutzend
Holzquader. Die Quader sind etwa 1.5 m lang, gute 60 cm hoch und sicher 50 cm
breit und bestehen aus zwei Holzarten, die abwechslungsweise in Lagen von 2 cm
Dicke übereinandergeschichtet sind.
"Es wäre schade, die Quader als Bauschschutt verkommen zu lassen, denn als
Brennholz sind sie immer noch gut zu gebrauchen!"
Also trage ich die Quader nach Hause und staple sie unter dem Dach eines offenen
Schuppens im Garten - eine schweißtreibende Arbeit.

.. Es vergehen ein paar Wochen oder Monate, und es wird Zeit, die Quader zu
zersägen. Wie ich einen der Klötze vom Stapel herunternehme, läßt sich zu meiner
Überraschung der obere Teil wie ein Deckel abheben.
"Könnte es sein, daß der Quader dem Wetter ausgesetzt war und sich die Schichten
teilweise voneinander abgelöst haben?"
Das Innere des truhenähnlichen Gebildes ist unterteilt - und in den Fächern
stecken gerahmte und in Tücher eingewickelte Bilder. Zwei oder drei dieser
Bilder ziehe ich hoch und klappe die Tücher zurück. Es sind Ölgemälde - und zwar
solche, die ich noch nie gesehen habe und deren Stil mir unbekannt ist. Die
Farben sind satt und intensiv.

... Ich erwache im Bett, stehe auf, gehe auf die Toilette und notiere das
Geschehen. Dann schlummere ich wieder ein und setze das Traumgeschehen exakt an
der Stelle fort, wo es zuvor endete. Ich möchte nämlich unbedingt die Bilder
genauer ansehen. Der Übergang gelingt, und ich schaue mir ein halbes Dutzend der
Gemälde aus den Quaderkisten an. Auf ihnen sind feen- und elfenartigen Wesen
dargestellt, was mich ganz entfernt an Arthur Rackhams Märchenbilder erinnert.
Aber die Farbgebung ist eine total andere! Vorherrschend sind weiße, gelbe und
hellblaue Abstufungen, wodurch die Gestalten verblüffend transparent erscheinen.
Sehr beeindruckend!

Das Versinken des Quaders

Der Traum vom 11. Dezember 1993 widerspiegelt nicht nur die Situation von
damals, sondern er weist auch auf zukünftige Möglichkeiten hin.

Es hat eine große Überschwemmung gegeben! Vor dem Haus steht das Wasser sehr
hoch. Das Tal ist überflutet. Ich muß schwimmen, um auf die anderen Seite zu
kommen. Aber hier ist das Ufer zu steil, um hochklettern zu können. Und der
große, quaderförmige Stein, den ich hoffte als Zwischenstufe benutzen zu können,
rutscht ab in die Tiefe! Auch entgleitet mir der Plastiksack, den ich bei mir
habe. Er kippt und der gesamte Inhalt versinkt im Wasser. Es sind ein paar
Karteikarten, ein Pullover und das Buch 'Abenteuer und Fahrten der Seele' von
Heinrich Zimmer. ... Später spreche ich mit einem jungen Mann über Mythologie.

Bemerkungen vom 11.12.1993: Einiges sinkt mit dem Quader in die Tiefe (ins
"Unbewußte"). Es muß also irgendwie eine Umwandlung geschehen. Nur weiß ich
natürlich nicht, wann dies geschehen wird und was daraus entsteht. Der Pullover
ist ein Teil von mir (ein "pars pro toto"), denn einen solchen trage ich
meistens, wenn ich Texte schreibe. Die Karteikarten helfen bei der Erfassung von
Zusammenhängen und dem Auffinden von Parallelen. Das Buch deutet
unmißverständlich auf das, was mir wirklich am Herzen liegt. Der Quader als
Stein ist ein "lapis" und damit eine Art "Selbst", also eine das Ich

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transzendierende Integrationsstufe. Es wäre gut, wenn ich durch die
Schreibarbeit, durch das 'mythologein' (das Erzählen) einen Beitrag zur
Mythologie und vor allem zur Mythenbildung leisten könnte.

Die Verankerung

In der Zeit zwischen 1993 und 1998 ist der Quader nicht mehr in Erscheinung
getreten. Erst am 18. März 1998 wurde er wieder sichtbar.

... komme zu einer Parkanlage in einer Stadt (prob. Basel/Mustermesse -


Rosentalanlage). Am Parkrand steht mitten in einer sattgrünen Rasenfläche ein
gut 40 cm dicker Stein von etwa 2 Metern Kantenlänge. Die viereckige Steinplatte
- ein Konglomerat aus Tausenden von blaßroten und weißlich-hellgelben Kügelchen
unterschiedlicher Größe - ist leicht nach rechts geneigt und mit einem Eck nur
wenig in die Erde versenkt. Die Rundungen der Teile ergeben eine scheinbar rauhe
Oberfläche, welche sich allerdings bei der Berührung als glatt erweist. Die
Platte scheint wie eine Pflanze mit der Erde verbunden - als wäre sie aus ihr
gewachsen.

... Als ich später wieder einmal durch den Park schlendere, ist der Stein nicht
mehr an seinem Ort. Es macht sogar den Eindruck, als wäre er "weggegangen".
Tatsächlich findet auf dem Parkgelände eine Ausstellung von Oldsmobilen statt.
Dies könnte der Grund sein!

... Weit entfernt vom Park finde ich eines Tages zufälligerweise die Steinplatte
wieder und spüre, daß ich aufsitzen soll. Kaum oben, bewegt sich der Stein in
Richtung Parkanlage. Weil dabei eine gut 30 cm tiefe Furche entsteht, lenke ich
die tonnenschwere Platte an den Blumenbeeten vorbei, damit die Pflanzen keinen
Schaden nehmen. Kaum ist der Stein am alten Ort angelangt, senkt er sich etwas
in den Boden ein und verwandelt sich dabei in einen Granitanker von hellgrauer
Farbe. Der oberen Teil "wurzelt" nun in der Erde, das untere, spitzhackenartig
gebogene Ende ragt himmelwärts.

Ich muß gestehen, daß ich diesen luziden Traum erst jetzt, nach dem Schreiben
des Textes "Die Spur der Quader" verstehe. Er ist in drei Teile gegliedert - und
diese Teile beschreiben auch die Entstehung des "Quadertextes"!

Zur Entstehung des Textes "Die Spur der Quader"

Der Kunstmaler Klaus-Heinrich Schader, der sich seit über 20 Jahren mit dem
Thema 'Klarträume' beschäftigt und sie künstlerisch zu gestalten versucht (vgl.
Schader) sandte mir am 8.März 1998 eine Mail, in der er von einem seiner LDs
erzählte. Dann schrieb er noch: "Es wäre mir eine Freude, auch von Dir hin und
wieder einen Traum per Email zugeschickt zu bekommen." Erst der LD vom 18. März
1998 schien geeignet, also berichtete ich ihm davon. Und in derselben Woche
raffte ich mich endlich dazu auf, die in den letzten sechs Jahren eingescannten
Protokolle aus den verschiedenen Hypercard-Stacks zu exportieren und gesamthaft
in einer einzigen Hypercard-Datenbank zusammenzufassen. Etwa in dieser Zeit
begann ich auch mit der Lektüre des Buches "Die Druiden" von Jean Markale.
Anfangs April 1998 stieß ich auf S. 225-226 auf eine Stelle, die mich tief
beeindruckte:

"Man muß sich in den Besitz des Schlangeneies (das heißt der Schätze der Autre
Monde) bringen und fliehen. Die Wesen der Autre Monde, die Schlangen, stürzen
hinter dem Tollkühnen her, und dieser kann sich nur durch die schnelle Flucht
zum anderen Ufer des Flusses retten. Seine Verfolger aber können ihre eigene
Welt nicht verlassen. Das Ei, das heißt ein bestimmtes geheimes Wissen, kann

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jedoch geraubt werden. Auch noch ein anderer Vergleich bietet sich hier an,
nämlich der Vergleich mit den verschiedenen Sagen und Legenden um Schlangen bzw.
Schlangenfrauen, die Quellen und Brunnen aufsuchen, um daraus zu trinken.
Zweifellos haben der Karfunkel oder ähnliche Edelsteine die gleiche Funktion wie
das Schlangenei. ...

Das Kosmische Ei, das Weltei oder der Stein der Weisen steht in engem
Zusammenhang mit der Schlange, die ebenso das Symbol der Erkenntnis wie der
grenzenlosen Mobilität des Geistes ist. Die Schlange ist das stets
umherschweifende Wesen, das selbst in die kleinsten Schlitze und Risse der Erde
einzudringen vermag. Die Schlange, die sich in den Schwanz beißt, der Uroboros,
ist außerdem der vollkommene Kreis, das Bild der Totalität in ihrer
ursprünglichen Einheit. Ferner ist das Schlangenknäuel, der Knoten, auch der
Punkt, in dem alle Energien zusammenlaufen. Und genau aus dieser Bündelung
entsteht das Ei - oder der Stein der Weisen. Aus diesem Ei ist alles einmal
hervorgegangen, da es bereits alles Künftige in sich birgt."

Nach dem Lesen dieser Passage kopierte ich den Abschnitt in den Karteistack SCH
unter "Schlange - Schlangenei". Solches geschieht beinahe immer mit Textstellen,
die mir wichtig scheinen. Nun las ich an oberster Stelle des bereits vorhandenen
Textfeldes zum Thema "Schlange" zu meiner größten Verblüffung:

Schlange 76-01-17
Schlangen entstehen aus Schwimmwesten - ein ganzes Knäuel. Eine ist besonders
giftig. Ich werfe sie weg. Nach dem Erwachen im Bett ist ein sehr merkwürdiges
Gefühl im physischen Körper zu verspüren.

Das Wort "Knäuel" elektrisierte mich. Ich beschloß, der Sache sofort nachzugehen
und las zuerst einmal in der "Traum-Datenbank" das Geschehen vom 17. Januar 1976
(wird im Kapitel "Das Schlangenknäuel" erzählt). Dann suchte ich nach dem Wort
"Knäuel". Und es wurde etwas gefunden! Das war eine Überraschung! Im dritten der
vier protokollierten LDs vom 15. Januar 1991 ging es um einen "Wollknäuel", im
letzten um einen "Drahtknäuel" (vgl. das Kapitel "Das Schlangenknäuel"). Ich las
den Text und stieß im zweiten LD auf den - Quader. In diesem Moment wurde mir
klar, daß dem Quader im Zusammenhang mit dem "Knäuel" eine zentrale Bedeutung
zukommt, denn es geht - so das Geschehen vom 15. Januar 1991 (06:00) -

... darum, Pflanzen in einen unterirdischen Raum zu bringen, damit abgestorbene


ersetzt und neue Bepflanzungen erstellt werden können. Dies ist jedoch wegen der
Größe der Pflanzen ziemlich problematisch. Um einen Transport überhaupt möglich
zu machen, wurde eine Art Lift gebaut. Dieser ist etwa 2 m hoch, 3.5 m tief und
0.5 m breit - und er sieht aus wie ein Quader.

Mit dem Lesen dieses Textes wurden für mich schlagartig diverse Zusammenhänge
erkennbar. Es zeigten sich Verbindungen, die seit 1969 immer wieder angesprochen
worden sind, von mir aber nicht verstanden werden konnten. Damals schrieb ich zu
den vier Ereignissen jener Nacht lapidar: "Habe wieder echt das Gefühl, es
würden Themen angesprochen, die ungewöhnlich bzw. für mich ungewohnt sind." Aber
nun erkannte ich, daß das "missing link" zum "Knäuel" der Quader sein mußte !

Also schrieb ich in das Suchfeld der Datenbank "Quader", drückte die Returntaste
und wartete. Resultat: 44 Datensätze. Wow! In den 33 Jahren zwischen 1965 und
1998 ist der "Quader" an 44 Tagen, d.h. in 44 Nächten aufgetaucht! Das hatte ich
nicht erwartet. Plötzlich wurden Dutzende von nächtlichen Erfahrungen
miteinander verbunden, und der Quader vom 18. März 1998 war "nur" der
Schlußpunkt einer langen Reihe.

Ich begann die alten Protokolle zu lesen und merkte bald, daß der Quader
tatsächlich als Schaltstelle zwischen den Welten dient und zudem ein Anker ist,
der "Erde" und "Himmel" miteinander verbindet. "Die Spur der Quader" wurde
sichtbar! Sogar die Matratze als jener "Stein", auf dem der Mensch die Nacht
verbringt, reiht sich nun lückenlos in eine Steinreihe ein, die durch Menhire,
Dolmen und jene Felsen gebildet wird, die in Carnac oder Stonehenge bestaunt

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werden können. Und daß dann im SF "Die Kolonie der Kobolde" von Clifford D.
Simak aus dem Quader ein Drache entsteht, paßt ebenso zum Funktionskomplex
"Quader", "Knäuel" und "Schlangenei" wie etwa der Quarzkristall, den die
Schamanen benutzen, um die BK bei einem Ebenenwechsel beizubehalten.

Der Quader mußte offenbar am 11.12.1993 in der Tiefe versinken, um am 18.3.1998


wieder gefunden und an seinen angestammten Platz zurückgebracht werden zu
können.

Schlangenknäuel - Schlangenei

Nachdem aufgrund der erzählten Erfahrungen die Funktion der Quader sichtbar
geworden sein dürfte, geht es nun darum, von jenen Kostbarkeiten zu erzählen,
die auf der anderen Seite - der Anderwelt - zu finden sind. Die in den Tiefen
des "Unbewußten" verborgenen Schätze werden oft von Drachen und anderen
Ungeheuern bewacht und sind schwer zu erringen. Außerdem ist es nicht einfach,
sie in die Alltagsrealität hinüberzubringen, denn die Schwierigkeit liegt vor
allem darin, daß sie nicht ebeneninvariant sind. Praktisch bedeutet dies, daß
sie sich beim Übergang umwandeln, aber trotz aller Transformation in ihrem
Wesenskern weiterhin erkannt werden müssen. Gerade hierfür ist die BK notwendig.

Im walisischen Peredur heißt es z.B., der Schwanz eines riesigen Lindwurms in


einer Höhle berge einen Stein. Und dieser Stein habe "die besondere Tugend, daß
derjenige, der ihn in einer Hand hält, in die andere Hand soviel Gold bekommen
kann, wie er sich nur wünscht." (Jean Markale "Die Druiden" München: Goldmann
Nr. 11474, 1989:226) - Das ist durchaus der Fall, aber es wäre ein fatales
Mißverständnis, zu meinen, der Fund dieses Schlangeneies, welches das "Kosmische
Ei" - der "Stein der Weisen" (lapis philosophorum) - ist, würde alles zu
materiellem Gold verwandeln und einem soviel Reichtum an materiellen Gütern
bringen, wie man oder frau sich das nur wünschen mag.

Zuwachs an Materiellem z.B. in Form von Gold kann durchaus ein Nebeneffekt der
gefundenen Kostbarkeit sein, denn in ihr ist das Wissen wie in einer Sonne
gebündelt und konzentriert. Aber Wissen transzendiert die materielle Ebene bei
weitem - und es ist auch das einzige, was bei einem Ebenenwechsel
mithinübergenommen werden kann - wenn BK vorhanden ist! Denn ohne BK geht alles
verloren. Daß mit der BK auch der Tod seinen Stachel verliert, ist übrigens ein
nicht zu unterschätzender Faktor!

Selbstverständlich braucht es Wissen, um zu Geld bzw. zu Gold zu kommen, doch


Wissen ist vor allem für die Sinnfindung notwendig - und für die BK. Wer z.B.
nicht weiß, daß es möglich ist, bewußt einzuschlafen (und zu sterben),
verschläft im wahrsten Sinne des Wortes die Nacht (und den Tod) - und verpaßt
sowohl den LD wie die OOBE (und die Auferstehung).

Die Große Kostbarkeit des Wissens ist das universale Arkanum der Schöpfung, die
Einheit in ihrer Vielheit, die Kristallisation aller scheinbaren Widersprüche
der Welt. Das Schlangenei verkörpert diesen Sachverhalt äußerst zutreffend: "Die
Symbolik des Eies gibt keine Rätsel auf. Es ist die Einheit in konzentrierter
Form. Dabei ist es aber nicht der Ursprung selbst, weil es den absoluten
Ursprung nicht gibt. Das Ei wird von Schlangen gelegt, und diese Schlangen
symbolisieren die in einer früheren Phase frei schwebenden Energien, die zu
einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte des Universums ihre weitere
Evolution beenden und eine Involution oder Konzentration beginnen. Das so
entstehende Ei wird später neue Energien festsetzen, die sich ihrerseits zuerst
ausbreiten, um sich dann wieder auf dem Wege einer Involution zusammenzuziehen
und ein weiteres zu produzieren und so fort." (Jean Markale "Die Druiden"
München: Goldmann Nr. 11474, 1989:226-227) Damit ist auch das Wesen der BK
trefflich charakterisiert.

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Das Schlangenknäuel

Das Schlangenei bringt die druidische Vision der Einheit der Gegensätze und der
Relativität aller Dinge faszinierend und prägnant zum Ausdruck. (Vgl. Jean
Markale "Die Druiden" München: Goldmann Nr. 11474, 1989:230-231) Wäre mir das
damals, am 17. Januar 1976 bekannt gewesen, hätte ich die im folgenden
aufgezeigten Zusammenhänge wohl eher "gepackt".

... bin in einem riesigen, teilweise unterirdischen Silo, dessen Wände aus
dickstem Beton bestehen. Soeben wird eine Rakete gestartet. Die Sache geht
schief, denn nur die zweite Stufe zündet und knallt in die Betondecke, wo sie
stecken bleibt. Ich empfehle, diesen Raum zu verlassen, denn es ist zu
befürchten, daß ein Raketenteil explodieren wird.

Alle nehmen eine Schwimmweste mit. Gleichzeitig ist ein Musikstück zu hören, das
mit Schreien und Rufen von Ertrinkenden beginnt. Es ist nämlich so, daß auf der
SA-Ebene der Radio läuft. Ich vermute, daß es sich bei den Schwimmwesten um eine
bildhafte Umsetzung des vom Alltag her zu hörenden Geschreis handelt, lasse mich
deswegen aber nicht dazu verleiten, in den im Bett liegenden Körper
hinüberzuwechseln, sondern verbleibe im SB-Geschehen.

Ich nehme mehr als nur eine Schwimmweste mit. Es könnte ja Leute geben, die
vergessen haben, eine mitzunehmen. Vielleicht sind manche auch ganz einfach
nicht mehr dazu gekommen, eine aufzugreifen.

Unter freiem Himmel draußen vor dem Raketensilo streckt mir jemand ein ganzes
Knäuel lebender Schlangen entgegen, das sich irgendwie aus den Schwimmwesten
gebildet hat. Ich begreife den Zusammenhang nicht.

Auch ein anderer Mann hat nun einen Knäuel von Schlangen in seinen Händen. Der
Durchmesser auch dieses Knäuels ist gut ein Meter! Aus dem "Schlangengebinde"
windet sich ein besonders giftiges Tier heraus. Ich packe die Schlange und werfe
sie auf das andere Knäuel, das ich kurz zuvor auf den Boden gelegt hatte.

Dann habe ich jedoch plötzlich selber wieder ein Knäuel von Giftschlangen in der
rechten Hand - und erwache im Bett. Die SA-Ebene überblendet langsam die SB-
Ebene, wobei das Gefühl in der rechten Hand und im unteren Teil des rechten
Unterarmes, dort wo die Schlangen aufliegen und sich kringeln, enorm merkwürdig
ist. Nur langsam verschwindet es.

Je mehr die akustische Wahrnehmung des SA-Bereiches schwindet, desto stärker


kann das Bild des SB-Ebene in seiner Eigenart als Schlangenknäuel zum Ausdruck
kommen. Hier ist also ein seltsames Ineinandergreifen der Ebenen - eine
Überlappung sogar - zu beobachten. Zuerst beeinflußt das Akustische das Optische
und dann das Optische das taktile Empfinden. Daß Schwimmwesten und
Schlangenknäuel irgendwie zusammenhängen, könnte damit zu tun haben, daß beide
dafür geeignet sind, Menschen in Not zu retten und über Wasser zu halten. Diese
Errettung hat mit Wissen zu tun, sei es nun in Form von Luft (Logos) in den
Schwimmwesten oder in Form des hochenergetischen Knäuels der Schlangen.

UFO-Begegnung

Am 30. Oktober 1978 kam es zu einer Begegnung mit UFOs, bei der meine Gestalt
die Form eines Energiefeldes hatte (vgl. 29. Oktober 1978 - URL absolut: UFO-
Begegnung). Es scheint allgemein so zu sein, daß der "Körper" im OOBE-Zustand
manchmal eine kugel- oder eiförmige Gestalt annimmt - und dann wie ein
Energieknäuel, ein Energieball oder ein unsichtbares Energiefeld aussieht (vgl.
auch Sexualmagie und Dimensionswechsel 4 (URL absolut: S. und D. 4). Manchmal
ist die Körperlichkeit sogar total reduziert bis auf einen dimensionslosen

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Lichtpunkt bzw. eine Scintilla. Auch hierbei bleibt die BK erhalten. Der
Zusammenhang mit dem Knäuel besteht darin, daß sowohl Knäuel wie auch Lichtpunkt
"in nuce" Formen sind.

Die Alphütte und der Magier

Das seltsame, überlappende Ineinandergreifen der Ebenen ist ein Ereignis der
Verschiebung des Raumes. Daneben gibt es aber auch Absonderlichkeiten des
zeitlichen Ablaufes, die dem gewohnten Zeitempfinden der Alltagsebene total
zuwiderlaufen und in ihrer Verknäuelung eher verwirrend sind. Doch diese
Knäuelbildung gehört ebenso zum Schlangenei wie etwa die chamäleonartige
Verwandlungsfähigkeit des Magischen innerhalb des nächtlichen
Erfahrungsbereiches. Es scheint bei diesen in ihrer Vielfältigkeit beinahe schon
makaber wirkenden Transformationsprozessen sinnvoll, alle Ereignisse zur Sprache
zu bringen, die am 15. Januar 1991 geschehen sind.

Es begann mit folgendem LD, der eine Art Darstellung der Ausgangssituation gibt.
Mir ist auch hier klar, daß ich mich auf der Traumebene befinde, aber es scheint
mir unwichtig, den Zustand als solchen zu hinterfragen und die BK dann dazu zu
benutzen, dem Geschehen eine Wende zu geben, die meinen momentanen Vorstellungen
entspricht. Ich habe es mir nämlich zur Gewohnheit gemacht, die BK "schwebend"
einzusetzen. Das hat sozusagen "historische" Gründe, denn meine Forschungen
innerhalb des nächtlichen Bereiches haben mich doch ziemlich isoliert - und sie
interessier(t)en auch niemanden. Zumindest dachte ich das damals, und es macht
heute noch den Eindruck, als müßte ich meinen Weg alleine gehen. Seit etwa 1960
wandere ich abseits begangener Wege durch die Nacht und muß nun aufpassen, den
Kontakt mit der "Welt" nicht zu verlieren. Das ist natürlich ein persönliches
Problem und eine Frage der Zeit und des gesellschaftlichen Umfeldes.

Ich wuchs nicht in einer schamanistischen, sondern in einer materialistischen


Tradition auf. Es gab keine von einem mystischem Empfinden durchdrungene
Gemeinschaft, sondern nur eine von konfessioneller "Religiosität" geprägte. Den
nächtlichen Ereignissen gegenüber herrschte totales Desinteresse. Im günstigsten
Fall gab es eine psychologisierende Verständnisbereitschaft, eine esoterische
Schwummrigkeit oder eine "drogengetränkte" Kritiklosigkeit. Zum Glück haben sich
die Zeiten etwas geändert und die Voraussetzungen für die Erschließung
"alternativer Seinsweisen" sind nun günstiger. Für mich spielt das allerdings
keine Rolle mehr, weshalb ich mich auf das Erzählen beschränke, mich aus
theoretischen Disputen raushalte und keine Vermarktung des "Wissens" anstrebe.

... Meine Frau und ich laufen während längerer Zeit auf schmalen Bergpfaden in
einer herrlichen Gebirgslandschaft und erreichen gegen Abend eine Alphütte. Ich
steige durch einen unscheinbaren Seiteneingang und betrete einen Raum, der
irgendwie leer wirkt. Er wird nur selten betreten, weil er vom Hauptraum aus nur
sehr schwer zugänglich ist. Gerade dieser Raum scheint mir zum Übernachten
geeignet, denn wir können uns hier gemütlich für die Nacht einrichten. Es behagt
mir, daß kaum jemand diesen Raum zu kennen scheint.

Später muß ich aus irgendeinem Grunde doch noch in den Hauptraum. Auf dem Boden
liegen etwa ein halbes Dutzend Leute in ihren Schlafsäcken und schlafen. Kaum
habe ich jedoch den Raum betreten, erwachen sie. Es sind Wilde Weiber im Alter
von 30-40 Jahren! Solche habe ich hier nun wirklich nicht erwartet. Die Frauen
stürzen sich sofort alle miteinander auf mich und wollen mich offensichtlich
vergewaltigen. Es kommt aber zu keinen eigentlichen sexuellen Intimitäten,
sondern bloß zu einem engen Aneinanderschmiegen und zu einem Betasten und
Streicheln von Armen, Rumpf und Beinen, was nicht unbedingt unangenehm ist.

Die Frau, die mich im Arm hält, ist schmutzverkrustet, speckig und schweißig.
Dies empfinde ich nicht als abstoßend, aber doch als absonderlich. Nein, unwohl
fühle ich mich bei der ganzen Sache effektiv nicht, aber sie kommt mir doch

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etwas befremdlich und unverständlich vor. Schließlich beschließen die Damen, die
Sauna bzw. die Dusche aufzusuchen und sich zu waschen. Außerdem wollen sie
Kleidung anlegen und nicht mehr nackt herumzulaufen. ...

Am nächsten Morgen laufe ich hinunter ins Tal und betrete eine alte Gaststube.
An den Tischen sitzen ein paar Leute. Was es für welche sind, ist unwichtig, es
sind einfach Menschen. Da mich plötzlich und unerwartet jemand rufen läßt,
verlasse ich den rauchgeschwängerten Raum und gehe in den doch ziemlich dunklen
Gang hinaus, der zum Ausgang führt. Beim Hinausgehen kommt es zu einer
Zeitverschiebung. Das, was jetzt geschieht, findet vor dem soeben Erlebten
statt. Gleichzeitig wird das Geschehene in die Zukunft verlagert. Es kommt somit
zu einer Art von Zeitumkehr, bei der das bereits Vergangene zur Zukunft wird,
während die Gegenwart sich vor die Vergangenheit schiebt.

Im Gang draußen erwartet mich ein gar sonderbarer Mann, der einen schwarzen
Umhang und einen schwarzen Zylinder trägt. Er hat mich rufen lassen. Es macht
den Eindruck, als sei er ein Zauberer, ein Magier und Trickster, vielleicht
sogar ein Clown, denn andauernd verändern sich die Farben in seinem Gesicht, sei
es nun beim Sprechen oder bei irgendwelchen Handlungen. Eigentlich müßte ich
mich vor dieser dunklen Gestalt ängstigen, aber es sind gerade die
Farbänderungen, die das verhindern. Die schnelle, chamäleonartige Umwandlung
drückt eine tricksterhafte Komponente im Charakter des ansonsten durchaus
ernsthaft zu nehmenden Magiers aus. Was sich dabei aber vor allem auflöst, ist
der Hauch des Bösen, des Bösartigen und Arglistigen, also von alle dem, was mich
echt hätte beunruhigen, ängstigen und abstoßen können. Statt dessen entsteht bei
mir eine Art Faszination und Verwunderung gegenüber dieser finsteren Figur.

Der Mann ist etwa ein Kopf kleiner. Er nimmt seine Kopfbedeckung ab, setzt mir
den Zylinder auf und sagt: "Hiermit übertrage ich dir eine spezielle Aufgabe!"
Dann - ich meine schon, ich müßte den Zylinder aufbehalten - nimmt er ihn wieder
und drückt ihn gegen mein Herz, wo er ihn für kurze Zeit beläßt, ohne ein Wort
zu sagen. Mir scheint, damit solle etwas bekräftigt werden, und ich weiß, daß
das zuvor Erlebte, das jetzt in der Zukunft liegt, diese Aufgabe sein wird.
Der Magier murmelt dann leise: "Deine Aufgabe ist es, eine Gruppe
zusammenzustellen."
Dann setzt er seinen Zylinder wieder auf und verläßt das Haus. Beim Hinausgehen
verändert der Hut seine Form und wird zu einer Art von Kappe. Gleichzeitig
wandelt sich der Gesichtsausdruck des Magiers, wird heller, verschmitzter und
erscheint jugendlicher.

Ich folge der entschwebenden Gestalt auf die Straße hinaus und laufe ihr ein
paar Schritte nach, denn ich möchte wissen, wohin der Mann geht. Es ist gut zu
erkennen, daß sich sein Gesicht noch stärker zum Clownesken hin verändert und
immer heller von innen heraus leuchtet. Schließlich dreht sich der Zauberer um
seine eigene Achse und wird unsichtbar.
"Er hat die Dimension gewechselt", denke ich und kehre, vom Hauch des
Geheimnisvollen erfaßt, ins Restaurant zurück. Von all den Menschen auf dem
Gehsteig, die in der nächtlichen Straße unter den vielen Lichtreklamen ihren
Vergnügungen nachgehen, scheint ihn niemand gesehen zu haben. ...

Dann laufen wir zur Alphütte, wo die Begegnung mit den Wilden Weibern
stattfindet. Die Zeitschlaufe endet mit dem Hinüberwechseln in den im Bett
liegenden Körper. Es ist 23:40 Uhr (also noch der 14.1.1991).

Die schmutzigen Wilden Weiber und der schwarz gekleidete Magier hängen mit der
Welt der "schwarzen Sonne" zusammen, jener Welt also, in der das Schlangenei zu
finden ist. (Es muß eine Verbindung zwischen Knäuel und Magier geben, denn am 3.
Januar 1970 wand sich aus einem Papierknäuel ein Mann heraus, der einen grau-
schwarzen Spitzbart hatte und etwa 50 Jahre alt war.) Aber jene Welt ist eine
"Anderwelt" und wurde zusammen mit der Frau in die okkulte Finsternis tiefster
Abgründe verbannt. Dafür verantwortlich ist vor allem das offizielle
Christentum, dem es so ziemlich gelungen ist, die heidnischen Mythen beinahe
total auszurotten, alles Weibliche mehr oder weniger eng in Verbindung mit dem

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"Schmutzigen", dem "Erzfeind" und dem "Bösen" zu bringen und das Schwarze
generell als suspekt - weil unkontrollierbar - erscheinen zu lassen. Das Land
der schwarze Sonne wurde mit der Christianisierung zur verbotenen Zone erklärt
und ist seit langer Zeit nur noch jenen zugänglich, die eine Initiation erlebt
und gelernt haben, im Dunkel zu sehen. Deswegen ist es nicht weiter erstaunlich,
daß der schwarze Magier mir selber als finstere, beängstigende, clowneske und
ambivalente Figur erscheint, während andere ihn nicht einmal zu sehen vermögen.
Übrigens dürfte die Tabuisierung der LDs und OOBEs - und damit der BK - in der
Tatsache begründet sein, daß das "Reich der dunklen Sonne" verteufelt worden
ist.

Jene, die erstmals den außerkörperlichen Zustand erleben, wissen das aus eigener
Erfahrung. Sie berichten von großen Ängsten - denn das Unbekannte erzeugt
zumindest Unruhe -, von Orientierungslosigkeit - denn die Erfahrung kann in kein
bekanntes Schema eingeordnet werden -, von Unsicherheit, denn es stellt sich die
Frage nach Illusion, Halluzination und sogar Wahnsinn - und von einer totalen
Verwirrung der Wahrnehmungen - denn es treten akustische und taktile Störungen
auf, das Sehvermögen kann eingeschränkt oder sogar total erloschen sein und die
Geschmacks- und Geruchsempfindungen sind stark verändert. Und wenn erst einmal
die ersten Hürden der totalen Verunsicherung genommen sind, kommt es zu
Begegnungen mit dem "Absonderlichen" und zwar nicht nur mit dem Verdrängten
persönlicher Art, sondern auch mit den Familienneurosen und dem von der
kollektiven Weltanschauung Abgeschobenen.

Der Lift

Mit der ersten Erfahrung vom 15. Januar 1991 (23:40) wurde die komplexe
Ausgangssituation bzw. das Umfeld des "Knäuels" verdeutlicht. In der zweiten von
02:55 wird ein Hinweis auf das vegetative Wachstum und den Quader als
Verbindungselement gegeben.

... Ich muß Pflanzen in einen unterirdischen Raum bringen, damit abgestorbene
ersetzt und neue Bepflanzungen erstellt werden können. Dies ist jedoch wegen der
Größe der Pflanzen ziemlich problematisch. Um einen Transport überhaupt möglich
zu machen, wurde eine Art Lift gebaut. Dieser ist etwa 2 m hoch, 3.5 m tief und
0.5 m breit - und er sieht aus wie ein Quader.

Pflanzen sind wie Mythen. Sie wurzeln unten in der Tiefe und entfalten sich nach
oben. Den "mythischen Pflanzen" gegenüber muß der Mensch allerdings besondere
Sorge tragen, denn ohne sie würde er nicht existieren. Wichtig ist der Quader,
denn er stellt das Verbindungsglied zwischen Oberfläche und Unterwelt dar und
ermöglicht es den Pflanzen/Mythen, zu neuem Leben zu erwachsen.

Das Wollknäuel

Um 06:00 am 15. Januar 1991 wird schließlich die Art und Weise dargestellt, wie
ich zum Knäuel komme und daß es von mir verinnerlicht werden mußte.

... in einem der oberen Stockwerke eines Hauses in einer Stadt lebt ein ältere
Frau, die sich als eine bösartige Hexe entpuppt, die mich und andere angreifen
und vernichten will. Es gelingt mir jedoch, mittels Magie den Angriff zu
stoppen, indem ich meine Arme ausstrecke und mit den Fingern direkt auf sie
zeige. Aus den Fingern strömen Energiestrahlen, welche die Frau insofern
vernichten, als daß sie dadurch in ein Wollknäuel verwandelt wird. Ich nehme das
Knäuel auf und versuche, es auf die Straße hinunterzuwerfen, weil ich denke, das
Böse ließe sich damit neutralisieren.

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Doch nur ein Teil des Knäuels fällt hinunter - und bleibt zufälligerweise am
Hinterkopf eines Mannes hängen, der auf der Brücke eines vorbeifahrenden
Transporters steht. Ich befürchte, daß die Sache mit der Hexe nun doch nicht zum
Abschluß gekommen ist und irgendwie vom Fremdarbeiter - wenn auch ungewollt -
weitergetragen wird.

Oben bei mir bleibt nur der runde Kern des Knäuels. Aber gerade das behagt mir
überhaupt nicht, denn die Anwesenheit des Knäuels zwingt mich regelrecht dazu,
mir der Tatsache bewußt zu werden, daß die zerstörerische Macht der Hexe nur
dann vernichtet werden kann, wenn ich den Knäuelkern SELBER esse. Nur durch die
Einverleibung wird klar, daß ich gewillt bin, die volle Verantwortung für den
Knäuel zu übernehmen. Es dauert allerdings einen Moment, bis ich mich endlich
dazu überwinden kann, das gräßliche Ding in den Mund zu nehmen und
hineinzubeißen.

Gleichzeitig kommt es zum Erwachen des physischen Körpers. Das äußerst


unangenehme Gefühl im Mund verebbt nur sehr langsam.

Die Aussage läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Daß ein Teil des
Knäuels auf dem Hinterkopf eines Fremdarbeiters landet, ist höchst brisant, denn
damit wird gezeigt, daß der Misoneismus, die Angst vor dem Fremden, nicht
unbegründet ist. Das Übel wurzelt jedoch keineswegs im Fremden als solchem,
sondern wurde schlicht und einfach auf diesen projiziert. Seinen Ursprung hat
das "Böse" im "eigenen Haus". Dieses Haus ist allerdings nicht dasjenige, in dem
ich damals in der betreffenden Stadt gelebt habe. Also handelt es sich hier
nicht um ein rein persönliches Problem. Dieses Haus ist ein Abbild der
psychischen Struktur des Kollektivs, in das sich etwas "Böses" eingenistet hat!

Das Pilzfadengeflecht

Das letzte Geschehen in der Nacht vom 14. auf den 15. Januar 1991 weist auf die
"Flucht" mit dem Knäuel aus der Anderwelt hin:

... spaziere mit ein paar Bekannten in der Nähe der Grenze durch eine wilde und
relativ karg bewachsene Gegend. Wir begegnen einer alten Frau, die Pilze
sammelt. Das schient mir eine gute Idee, weshalb auch wir wenig später beginnen,
nach den weißlichen, gut handtellergroßen Pilzen zu suchen. Bald finden wir
welche, z.T. auch sehr merkwürdig gewachsene. Einer sieht aus wie ein
Baumstrunk, ist ca. 60 cm groß und besitzt einem Durchmesser von etwa 20 cm. Das
Ding ist erst als Pilz zu erkennen, als ich genauer hinblicke und einzelne Pilze
sehe, die seitlich aus dem Stamm herauswachsen.

Ich lasse dieses eindrückliche Gebilde jedoch stehen, denn einerseits ist es
wirklich ein außerordentliches Exemplar und andererseits steht der Pilz in einem
Areal, das aussieht wie ein Garten. Ich muß nämlich der Tatsache Rechnung
tragen, daß in diesem Land jenseits der Grenze sowohl die Häuser wie die Gärten
ein anderes Aussehen haben als in der Schweiz.

Ein paar Pilze sammeln wir dann doch - und zwar auf dem freiem Feld zwischen den
vereinzelt stehenden kleinen Tannen und Büschen. Schließlich kommen wir in die
Nähe eines großen Gartenhauses. Ein solches Haus kann nur hier an einem Ort
stehen, wo keine Baubestimmungen gelten oder Baugesetze nicht streng sind.

Auf dem Balkon steht eine Frau, die mir zuwinkt und mich freundlich begrüßt.
Nach ein paar belanglosen Worten komme ich auf das Pferd zu sprechen, das in der
Nähe des Hauses grast. Es ist ein Rappe von edlem Geblüt.
"Darf ich das Pferd reiten?" frage ich.
Die Frau erlaubt es, warnt mich jedoch und sagt: "Das Tier ist äußerst wild und
wirft jeden Reiter ab! Es ist nicht einmal sicher, daß es jemanden aufsitzen
läßt! "

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Ein Mann - wahrscheinlich der Stallknecht - bringt das Pferd von der Weide. Auch
er ist skeptisch, überläßt mir jedoch den nunmehr gesattelten und gezäumten
Rappen. Ich halte das Tier am Kopf, streichle es sanft und rede ihm beruhigend
zu. Und irgendwie komme ich mit dem Pferd sehr gut zurecht. Es vertraut mir und
läßt sich schließlich sogar besteigen. Das ist allerdings enorm mühsam, denn die
Beine wollen wegen der MS nicht mehr so recht, geben einfach nach und sacken
zusammen. Nur mit Hilfe der Kraft der Arme gelingt der Schwung über den
Pferderücken. Der Rappe hält still und macht weder einen Schritt vor noch einen
zurück.

Als nächstes habe ich Schwierigkeiten mit den Steigbügeln. Rechts geht es noch
einigermaßen - wenn auch nur nach etlichen Anläufen. Dabei muß ich aufpassen,
das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Doch links ist der Steigbügel ganz
speziell geformt. Er besteht aus einem verschlungenen und mehrfach gewickelten
Draht, aus einem ganzen Drahtknäuel und nicht aus einem breiten Riemen. Das Bein
zittert stark, bis endlich mein Fuß in der Schlaufe ist. Total erschöpft und
doch zufrieden erwache ich im Bett.

Die oberirdisch sichtbaren Fruchtkörper der Pilze entstehen aus einem


knäuelförmigen Fadengeflecht, dem Mycel. Dieses in der Erde bzw. unter der
Oberfläche wuchernde Geflecht könnte durchaus mit den von mir in den letzten
drei Jahrzehnten protokollierten und archivierten Erfahrungen zu tun haben. Aber
erst seit April 1998 sind die Texte in einer einzigen Hypercard-Datenbank
vereinigt (es fehlen bloß noch etwa zwei Jahre). Und seither "ploppen" die
Erfahrungen beinahe ganz von alleine ans Tageslicht. Ich brauche bloß einen
Suchbegriff wie z.B. "Quader " oder "Knäuel" einzugeben - und schon werden die
gefundenen Daten aufgelistet.

Wahrscheinlich widerspiegelt die große Anstrengung beim Besteigen des Pferdes am


15. Januar 1991 nicht nur die Beschwerlichkeiten der MS, sondern auch die mit
dem Einscannen der Träume (NDs, LDs, OOBEs) und dem Programmieren verbundenen
Mühen. Der Arbeitsaufwand ist nämlich nicht unbeträchtlich und die Verwicklungen
sind weitreichend.

Die Bronzewölfin und das Schlangenknäuel

"Letztendlich ist das Wirkliche, die Realität, nur die Illusion einer Barriere,
die der Mensch aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit in seiner Einbildung vor
sich sieht. Es gibt aber keine Barriere. Der Horizont existiert nicht." (Jean
Markale "Die Druiden" München: Goldmann Nr. 11474, 1989:239) Am 1. Juli 1992 gab
es eine Gelegenheit, dies zu erkennen:

... bin in einem mittelalterlichen Gebäude, das als Museum dient, und blicke aus
einem kleinen Fenster in einen grasbewachsenen Hof hinunter, in dem ein tiefes
Loch gegraben wurde. Soeben wird ein zweirädriger Schubkarren hereingestoßen,
auf dem ein quaderförmiges Paket liegt - neben einer Wölfin aus Bronze. Die
Figur interessiert mich, also gehe ich hinunter, um sie mir genauer anzusehen.

Im Paket sind die Marmorplatten des Sockels - teilweise mit Reliefs versehen.
Die Funde stammen aus frührömischer Zeit und sollen in der Grube versenkt
werden. Das ist mir unbegreiflich. "Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die
Wölfin zu bekommen!"

Beim genaueren Betrachten der Bronze erkenne ich, daß es keineswegs Romulus und
Remus sind, die an den Zitzen saugen. Statt dessen windet sich ein Knäuel von
Nattern an der Seite der Wölfin. Und unter ihr schlängeln sich nochmals ein paar
Schlangen. ...

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Das Bild war beeindruckend, aber erst heute ist es möglich, die Protokolle den
"Grüften des Musealen" zu entreißen. Es ist leider schon so, daß selbst die
eindrücklichsten Erfahrungen mit der Zeit in der tiefen Grube des Vergessens
verschwinden. Das Aufschreiben kann zwar wie ein Gießen in Bronze sein. Aber
selbst Bronzen drohen zu vergammeln, egal wie sehr sie mit mythischen
Vorstellungen befrachtet sein mögen. Die innere und die äußere Welt lebt von und
durch Mythen - aber gerade dies erfordert ein genaues Hinsehen und Hinhören,
denn auch Mythen (Religionen und Wissenschaft) wandeln sich im Laufe der Zeiten.

Quader und Energieknäuel

Am 8. Mai 1998 wurden Quader und Knäuel verbunden.

... in einer fremden Welt auf einem anderen Planeten. Die Landschaft ist leicht
hügelig und locker von Bäumen und Sträuchern durchsetzt. Als es zu dämmern
beginnt, werden alle Menschen, die ich in der Nähe sehe, etwa 1-2 Meter vom
Boden abgehoben. Dann schweben sie langsam zu einem See hinunter und werden von
einer unsichtbaren Kraft zu einem steilen Felsufer auf der anderen Seite des
Sees hingezogen. Niemand sträubt sich dagegen, denn dieses Ereignis ist hier
offensichtlich nichts Außergewöhnliches.

Eine merkwürdiges Bild: Da schweben etwa 50 Personen, in einem Abstand von


jeweils 20 bis 50 Metern leise durch den von der Wasseroberfläche aufsteigenden
Nebel. Alles ist von einem grau-violetten, sanften Licht durchtränkt.
Selbstverständlich sträube ich mich auch nicht dagegen, sondern beobachte
aufmerksam das seltsame Geschehen.

Es dauert eine Weile, bis die steile Klippe erreicht ist. Der unsichtbare
Traktorstrahl zieht alle durch eine Öffnung in der Felswand. Dann werden wir auf
dem Höhlenboden abgesetzt. Die Leute laufen durch verschiedene Gänge aus dem
kleinen Felsendom heraus. Sie scheinen ganz genau zu wissen, was nun zu tun ist.

Ich bleibe alleine zurück, schaue mich um und gehe dann zu einer absonderlich
flimmernden Felsnische. Schon nach wenigen Schritten erblicke ich einen Quader,
den ein waberndes Energiefeld von blau-weißer Farbe umgibt.

"Ein Quader! Faszinierend!" - Mir ist dabei nicht nur die Situation, in einem LD
zu sein, völlig klar, sondern ich weiß auch, daß ich in den letzten paar Wochen
den Text "Die Spur der Quader" geschrieben habe und jetzt gerade das Kapitel
"Das Schlangenknäuel" bearbeite.

Das, was hier zu sehen ist, bringt irgendwie Quader und Knäuel zusammen, denn im
10 cm tiefen blauen Energiefeld, das den unbehauenen grünen Stein (ca. 150 * 40
* 40 cm) umgibt, leuchten andauernd weiße Energiestränge auf. Diese bewegen sich
zuckend wie Blitze rasend schnell und gleichzeitig geschmeidig gleitend wie
dünne, lange Schlangen um den leicht ovalen Fels herum.

"Es wäre verlockend, das Geheimnis dieses Quaders genauer zu ergründen", denke
ich und trete näher heran. Dabei wird aufgrund der wenigen in der Nähe
vorbeigehenden menschlichen Wesen erkennbar, daß dem Quader ein göttlicher
Status zugebilligt wird. Er scheint in ihren Augen ein Numinosum zu sein, dem
sie nicht unbedingt nahekommen möchten. Aber es bekümmert sie auch nicht, daß
ein Fremder sich der heiligen Stätte nähert. Es liegt in meiner eigenen
Verantwortung, mich auf eine Begegnung einzulassen, die riskant sein könnte. Mir
soll's recht sein, denn ich habe nichts zu verlieren.

Es gibt keinerlei Schwierigkeiten bei der Annäherung. Schließlich stehe ich vor
dem auf einem meterhohen grau-schwarzen Sockel stehenden Quader. Mit einem etwas
mulmigen Gefühl lege ich meine Hände an den Stein und damit in das Energiefeld
hinein! Dem Stein scheint das egal zu sein, er stößt mich nicht zurück. Beim

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Durchdringen des Energiefeldes entsteht ein extrem merkwürdiges Gefühl in den
Händen und dem vorderen Teil der Unterarme. Ein hochfrequentes Schwingen und
Summen gleitet während des Eindringens wie ein Scheibe durch die Gewebe
hindurch. Diejenigen Teile, die in der Energiezone verbleiben, empfinde ich wie
ein hochgerastertes dreidimensionales Feld aus Millionen von einzelnen und
dennoch zusammengehörigen Punkten. Ein derartige Empfinden ist mir völlig neu
und eigentlich mit nichts Bekanntem zu vergleichen.

Für eine Weile lasse ich die Hände auf der Oberfläche des Quaders ruhen. Es
geschieht weiter nichts Absonderliches oder gar Sensationelles, was mir doch Mut
macht, einen weiteren Schritt zu wagen - und den Kopf in das Energiefeld
hineinzubringen. Also beuge ich mich so weit vor, bis meine Stirn den Stein
berührt. Dabei kommt es zu denselben Empfindungen wie zuvor mit den Händen. Um
den gesamten Kopfbereich mitsamt dem Gehirn einmal im Bereich des Feldes gehabt
zu haben, drehe ich mich um und berühre den Quader auch mit dem Hinterkopf.

Auch in dieser Position bleibe ich für eine Weile stehen - etwa 30 Sekunden.
Zunächst scheint nichts zu geschehen, und schon denke ich: "Ok, das war's! Zeit
für die Rückkehr!"

Aber in dem Moment, als ich mich wieder umdrehe, steht kein energieumfluteter
Quader mehr auf dem Sockel, sondern ein höchst seltsames Ding. Es besteht aus
einem sichelförmig gebogenen Teil von etwa 1.2 Metern Länge und einer halb so
langen geraden Komponente. Die beiden Teile sind durch zwei ca. 40 Zentimeter
langen Stücke miteinander verbunden, die 40 Zentimeter auseinander stehen.

Eine telepathisch zu hörende Stimme sagt, daß ich den verwandelten Quader
mitzunehmen habe. Also hebe ich das Ding auf. Es ist sehr schwer und macht auf
mich den Eindruck, als wäre es eine Waffe, mit der hochenergetische
Energiebündel ausgesendet werden können, wenn sie mit ausgestrecktem Arm gegen
ein Ziel gerichtet wird. Ich frage mich nur ... - und erwache bei dem Gedanken
an die Zusammenhänge im Bett.

Nach dem Wechsel hinüber in den physischen Körper versuche ich, den
Erinnerungsspuren nachzugehen. Der gebogene vordere Teil und das gerade hintere
Stück bilden zusammen beinahe das Bild eines Ankers - aber nur beinahe. Beim
gedanklichen Nachzeichnen des Dinges und der Tatsache, daß es eine Waffe sein
könnte, erinnere ich mich an ein Kampfszenen in der Star-Trek-Serie, bei der
Waffen zum Einsatz kamen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem umgewandelten
Quader haben. Ein möglicher Zusammenhang mit der Waffe der - wie hießen sie
schon wieder? Trekkies werden es genau wissen! - Klingonen (?), würde das
komplexe Problem des Bösen im weitesten Sinne des Wortes in Erscheinung treten
lassen. Darunter fielen Verhaltensweisen wie z.B. Zorn, Wut, Aggression,
Aufbegehren, Forschheit, Durchsetzungsvermögen, Unvorsichtigkeit,
Risikobereitschaft, Uneinsichtigkeit, Ungeduld, Zügellosigkeit und sogar
Dummheit und Unwissenheit. Sogar meine Handlungsweise angesichts des
energieumfluteten Quaders kann als "böse" bezeichnet werden, denn ich mißachtete
die in jener Welt herrschenden Gebräuche und übertrat die geltenden Gesetze,
ohne die Konsequenzen zu bedenken, die mein Tun haben könnte. Es stellt sich
somit die Frage: "Was ist das Böse?"

Eine scharfe Trennung zwischen Gut und Böse gibt es spätestens dann nicht mehr,
wenn der Mensch sich auf LDs und OOBEs einläßt. Es ist wie "in der Tradition des
druidischen Denkens", in der "die Idee der Sünde unbekannt" ist. Von einem
Vergehen wird bei den Druiden nur dann gesprochen, wenn sich der einzelne als
unfähig erweist, das zu leisten, was ihm aufgegeben ist, wenn er unfähig ist,
sein eigenes Ego zu überwinden. (Vgl. Jean Markale "Die Druiden" München:
Goldmann Nr. 11474, 1989:229)

"Aber diese Idee des Vergehens hat eher mit einem Eingeständnis der Schwäche zu
tun, als mit der Übertretung einer im voraus aufgestellten und klassifizierten
Norm. In der Moralauffassung der Druiden ist eine Auflistung von schweren und
leichten Sünden, die mit dem Tod oder geringeren Strafen zu ahnden sind,

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undenkbar. Es gibt lediglich die Unterscheidung zwischen dem Verhalten, das die
Erfüllung des eigenen Schicksals oder desjenigen der Gemeinschaft fördert, und
dem entgegengesetzten Verhalten, das dem Erreichen dieses Ziels hinderlich ist.
Die Hinderungsgründe liegen außerhalb der Macht des Individuums. Entweder ist
das Individuum sich der Schwierigkeit seines Unternehmen nicht ausreichend
bewußt, nicht genügend darauf vorbereitet oder unzureichend informiert. Außerdem
kann der einzelne einen falschen Weg einschlagen, was aber nicht unbedingt auf
einen Mangel an Weitsicht zurückzuführen ist. Jedes Individuum, das dieser
Bezeichnung würdig ist, muß selbst ein wahrer Druide werden, also ein 'Sehender'
und 'Wissender'. Das ist nichts Abschreckendes, geschweige denn Negatives,
sondern im Gegenteil die ständige Aufforderung zu aktivem Handeln und stetiger
Vervollkommnung. Im Grunde ist das die eigentliche Definition von Moral, auch
wenn sie durch die Einwirkung verschiedener Religionen, vor allem des
Christentums, zu einem Repertoire dessen geworden ist, was man nicht tun darf,
also zu einer Negation des Handelns durch passives Akzeptieren des Gesetzes."
(Ibid. S. 229-230)

Es ist daran zu denken, daß Nichthandeln ein durchaus aktives Handeln ist. Bei
den Chinesen gibt es den Ausdruck "handelndes Nichthandeln" (Wu-wei), der dies
treffend umschreibt. Die Relativität einer jeglichen Handlung kommt auch durch
das Berücksichtigen der Situationsadäquatheit einer Handlung zum Ausdruck.

Verbote sollten sich deshalb lediglich darauf beschränken, die Grenzen zu


benennen, jenseits derer sich ein Individuum verirren könnte. Aber jedem
Individuum sind wiederum andere Grenzen gesetzt. Eine abstrakte und fest
definierte Norm kann es deshalb nie geben. Das Böse ist ebenso wie das Gute
relativ!

Dies kommt spätestens dann zum Ausdruck, wenn versucht wird, die in der
Anderwelt gefundenen Kostbarkeiten in den Alltag hinüber zu retten. In der
Tiefenpsychologie müßte jetzt von einer sozialen Relevanz der bei der Arbeit mit
den Träumen gewonnenen Erkenntnisse gesprochen werden. Aber mit der praktischen
Umsetzung tut sie sich oft sehr schwer, denn die Konsequenzen, die sich aus der
Traumarbeit ergeben, können schwerwiegend sein - auch für das theoretische
Verständnis. (Darüber wurde bereits in meinem Buch "Quellen der Nacht" einiges
gesagt.)

Das "Fehlen einer Grenze zwischen Gut und Böse bringt die Relativität aller
Dinge zum Ausdruck. Eine Handlung kann gut oder schlecht sein, je nachdem, wie
und wozu man sie ausführt, sie kann aber nicht nach bestimmten objektiven und
absoluten Wertmaßstäben beurteilt werden. Auch auf der Ebene der Metaphysik gibt
es das absolute Gute oder Böse nicht. ... Die Idee des Bösen ohne die Idee des
Guten (kann) nicht existieren ... und umgekehrt. Entsprechend ist auch das Leben
nicht ohne den Tod möglich, den Tag gibt es nicht ohne die Nacht, die Nacht
nicht ohne den Tag. Und Gott, der große Gott ohne Namen, kann ohne seine inneren
Widersprüche, insbesondere ohne seine Schöpfung, nicht existieren. Diese
druidische Vision der Totalität kommt im Bild des Schlangeneies faszinierend und
prägnant zum Ausdruck." (Ibid. S. 230-231)

"Wenn alle Menschen in der Lage wären, bis zur letzten Konsequenz von ihrem
Denken und Wissen Gebrauch zu machen, dann wäre das Gleichgewicht des Universums
nie in Gefahr." (Ibid. S. 239)

Doch dazu müßten die im Kopf schlummernden Fähigkeiten eingesetzt werden. Das
Ich müßte erwachen und die großen Kostbarkeiten erkennen, aufheben und
weitertragen, die überall zu finden sind.

Kostbarkeiten

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Der Becher im Kohl

Eine der ersten Kostbarkeiten war am 7. Februar 1970 in einer anderen Welt im
Dreck zu finden. Auch in diesem "Traum" war ich luzid - und wohl deshalb erst
dazu fähig, genau hinzusehen und mit einer gewissen - beinahe blöden - Sturheit
zu handeln. Weil jedoch niemand - zumindest damals - von anderweltlichen Dingen
zu erzählen wußte, tschalpte das luzide Ich schon etwas bedeppert und belämmert
in den nächtlichen Gefilden rum. Daß es dann schwer an dem Gefundenen zu tragen
hatte, ist nicht weiter verwunderlich.

... Eine grasbewachsene, relativ flache 'Ebene', die sich bis zum Horizont
ausweitet. Die Gegend ist von kleinen und kleinsten Hügeln überzogen, wodurch
der Eindruck von einer leicht sich kräuselnden Wasseroberfläche von grüner Farbe
entsteht. Zwischen den Grashalmen recken sich vereinzelt und beinahe schüchtern
die Blüten kleiner Gebirgspflanzen. Auf der linken Seite ist ein etwa zehn Meter
hoher Hügel. Rechts sind - so scheint es wenigstens - die Häuser einer Stadt zu
sehen.

Damit kommt ein Geschehen zum Abschluß, das sehr lange gedauert hat, an das ich
mich jedoch nicht mehr erinnern kann.

Nun schaue ich über die gewellte grüne Ebene bis zum Horizont und entdecke beim
absichtslosen Umherblicken etwas rechts von mir - 50 Meter weiter vorne - einen
riesigen Kohl von gut zwei Metern Durchmesser. Neugierig gehe ich zu der Pflanze
hin. Sie scheint eine Mischung von Zier- und Weißkohl zu sein, denn einerseits
ist der Kopf so satt wie ein Weißkohl, andererseits sind die Ränder der Blätter
so fein gekräuselt wie die eines Zierkohls.

Vor dem gewaltig großen Planzengebilde ist ein kreisrundes Loch, dessen
Durchmesser etwa ein Meter beträgt. Es ist mit schmutzig-brauner Erde angefüllt
- mit einem 'Dreck', der fortwährend aus der Pflanze heraus- und in das Loch
hineinfließt. Bei genauerem Hinsehen ist gut zu erkennen, daß auch das Innere
des Kohlkopfes angefüllt ist mit Erde von derselben Farbe.

Ich könnte mich geradewegs in den einen oder anderen Dreckhaufen hineinstürzen,
zögere aber für einen Moment, weil ich mich an etwas erinnere: "Die Alchimisten
sagen doch, zuunterst im tiefsten Dreck seien Goldklümpchen zu finden!"
Also scharre ich mit bloßen Händen den Dreck aus dem Kohlkopf - in der Hoffnung,
ein paar der kostbaren Goldstücke freizulegen. Ich kippe sogar den Kohlkopf
leicht nach vorne, so daß der Dreck direkt in das Loch hineinfällt. Zu meinem
Erstaunen tropft die Erde nicht vertikal zu Boden, sondern - im Widerspruch zu
den Gesetzen der Schwerkraft - schräg nach unten.

Es dauert eine Weile, bis der größte Teil des Drecks herausgebuddelt und in das
Loch hineingefallen ist. Schon bin ich enttäuscht darüber, nicht das kleinste
Goldkrümel gefunden zu haben - grabe aber dennoch weiter. Plötzlich stoße ich
auf etwas Hartes. Es scheint Metall zu sein. Schnell schiebe ich die dem Gebilde
anliegenden Kohlblätter beiseite und hebe das Metallstück vorsichtig heraus. Es
ist ein kleiner Becher.
"Bloß ein metallenes Gefäß!", denke ich und bin frustriert.
"Nun gut, 'wenigstens' dieses - ich muß mich wohl damit abfinden. - Shit!"

Desillusioniert halte ich den fußlosen Becher in meinen Händen. Dabei fallen
zufälligerweise ein paar Sonnenstrahlen auf ihn - und sofort beginnt die
schwarz-graue Oberfläche zu verdunsten. Wie ich das sehe, setze ich das Gefäß
bewußt der Sonnenstrahlung aus. Sogleich oxidiert bzw. verdunstet die gesamte
Oberfläche und zurück bleibt ein hell glänzendes - goldenes - Gefäß!

Später wandelt sich das Gefäß zu einem großen Malteserkreuz von blau bis
hellblauer Farbe. Dieses Kreuz ist nun auf meinen Rücken gebunden. Ich trage die
schwere Last einen Hügel hinauf. Von oben kommt mir eine gut 50 Jahre alte Frau
entgegen.

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Damals war ich kaum 25 Jahre alt - und wußte nur sehr wenig über den Gral oder
den Kessel, den 'cauldron'. Beide haben z.B. mit Heilung und Wiederauferstehung
zu tun. Auch das vas hermeticum und der Schädel sind Gefäße des Lebens, die
wundersam zu leuchten vermögen (Aura, Halo). Die bläuliche Farbe des
Malteserkreuzes weist tatsächlich auf die aurartigen Erscheinungen hin, welche
die sichtbare Welt mit der unsichtbaren verbindet (Astralkörper). Es handelt
sich also um etwas unendlich Kostbares, aber das war mir 1970 überhaupt nicht
klar.

Wollte ich heute über diese Dinge schreiben, würde ein einziges Buch nicht
genügen. Nur so viel: Die große Kostbarkeit wurde - mehr oder weniger per Zufall
- in einem luziden (!) Traum gefunden - und zwar in einem Kohlkopf (sic!). Ich
mußte aber keineswegs mit dem Gefundenen fliehen, denn niemand wollte es mir
abjagen. Es wurde mir vielmehr zu einer verdammt schweren Last, um die mich kaum
jemand beneiden wird. Erst heute - mit bald 53 Jahren - erahne ich, daß der
Becher u.a. mit dem keltischen Ritual der 'Abgeschlagenen Köpfe' zu tun hat. Der
Kopf wird - nicht nur bei den Kelten - als 'heiliger Schatz' angesehen, mit dem
die Verbindung der Welten erst möglich wird, weshalb ihm eine außerordentliche
Bedeutung zukommt. (Vgl. z.B. Jean Markale "Die Druiden" München: Goldmann Nr.
11474, 1989:164)

Die Diamanten im Mist

Es hat Jahre gedauert, bis der tatsächliche Stellenwert gewisser Kostbarkeiten


von mir erkannt werden konnte. Ich mußte auch lernen, den Fundort genauer zu
lokalisieren und mit Bekanntem zu verbinden. Da es schwierig war, mit den Funden
einigermaßen korrekt umzugehen, seien im folgenden ein paar weitere Erfahrungen
erzählt. Am 5. März 1970 verschaffte ich mir unbefugterweise zusammen mit meinem
Schattenbruder Zutritt zum Besitztum eines reichen Mannes, der wie ein alter
König in einem schloßähnlichen Anwesen residierte.

... in einem Lande fern vom Alltag mache ich mit zwei Kameraden einen Einbruch.
Der eine von uns schließt die schwere Tür des Vorgartens auf und der andere
schlüpft schnell hinein, worauf die Tür hinter ihm sofort wieder geschlossen
wird. Aufgrund der trotz aller Vorsicht entstandenen Geräusche äugt der reiche
Bewohner des Hauses mißtrauisch aus einem der Fenster des oberen Stockwerkes.

Da wir draußen auf der Straße stehen und nicht unbedingt leise miteinander
schwatzen, meint der Alte, wir beide hätten den Lärm verursacht - mitten in der
Nacht. Er zieht sich verärgert wieder zurück, ohne Verdacht zu schöpfen.

Wir warten bis zur Morgendämmerung und gehen dann in den Garten. Hinter dem
Herrschaftshaus steht eine große Scheune. Sie wurde von meinem Schattenbruder
beinahe total ausgeräumt. Er steht mit einer Mistgabel auf einem Misthaufen, der
jetzt nur noch das hintere Viertel der Scheune einnimmt.

Ich gehe zu ihm und sehe, daß er es tatsächlich geschafft hat, während der Nacht
die Scheune zu drei Vierteln leerzufegen. Gerümpel und Mist wurden durch das
hintere Scheunentor - wie die Spuren zeigen - auf einem Lastwagen
abtransportiert.

Auf die Tenne liegt ein recht merkwürdiges Instrument von etwa acht Metern
Länge. An einer festen Schnur sind alle 10 Zentimeter an einer kleineren Schnur
Kügelchen befestigt, welche alle genau gleich schwingen müssen, wenn die Uhr -
denn dieses Ding stellt eine Uhr dar - richtig laufen soll. Erst nach längerem
Hin und Her gelingt es mir, alle Kügelchen gleich schwingen zu lassen, doch dann
läuft die Uhr ausgezeichnet.

Ich setze mich nach getaner Arbeit auf das den Boden bedeckende sägemehlähnliche
Zeugs und wühle mit beiden Händen in der Masse herum. Plötzlich stoße ich auf

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etwas Festes, umschließe es mit den Händen, ziehe es heraus und betrachte es -
es sind Diamanten! Die Steine sind beeindruckend schön, mit einem Hauch von
grüner, roter, gelber oder blauer Farbe und augenförmig bzw. tropfenförmig
geschliffen - etwa 4-6 cm lang und 1-2 cm breit. Ich erzähle meinen Kollegen von
meinem Fund, worauf auch diese im Mist unten zu graben beginnen. Bald entdeckt
unser Boß einen eigroßen weiß-blauen Diamanten.

Obwohl Tausende von Edelsteinen im Mist stecken, untersagt uns der Chef, welche
mitzunehmen. Doch heimlich stecke ich eine Handvoll in den Hosensack.

Wie wir über eine lange Treppe hinabsteigen müssen, um aus dem Gelände
herauszukommen, fallen die Steinchen zu Boden und hüpfen - beim Aufschlagen
wunderschöne Töne erzeugend - die Stufen hinunter. Vielleicht gelingt es mir,
wieder ein paar aufzuheben, aber man wird - wahrscheinlich wegen der
verräterischen Klänge - auf uns aufmerksam.

Die Verfolgung beginnt sogleich! Ich muß fliehen und werde bis ans Ufer eines
breiten Flusses gehetzt. Ein Entkommen scheint unmöglich! In meiner Not stürze
ich mich ins Wasser. Da es immer noch ziemlich dunkel ist, sehen mich die
Verfolger nicht. Um jedes verräterische Plätschern zu vermeiden, mache ich
keinerlei Schwimmbewegungen mehr und lasse mich absinken, bis nur noch der Mund
aus dem Wasser schaut. Langsam treibt mich die ruhige Strömung den Fluß hinab.

Erst nach längerer Zeit spült mich das Wasser ans Ufer, gerade in der Gegend
eines großen Gartens. Ich krieche sofort in das buschige Ufergehölz und meine
schon, entkommen zu sein. Doch oben steht ein Auto, in dem eine vornehme ältere
Dame sitzt und auf mich wartet. Obwohl ich genau weiß, daß sie mich bereits
bemerkt haben muß, verstecke ich mich hinter den Baumstämmen und laufe davon,
als ihre Leute herankommen. Doch alles nützt nichts, man fängt mich ein - nicht,
um mich einzusperren oder gar zu töten, denn die Dame will das nicht. Ich weiß
nicht, was sie eigentlich von mir will. Es macht den Anschein, als müßte ich
irgendwie mitarbeiten.

Bei solchen NDs bzw. LDs wäre es wichtig, den Schwerpunkt nicht auf dem allzu
Oberflächlichen zu belassen. Das geschieht leider in einer analytischen
Situation allzu oft, weshalb sich die beteiligten Personen in den Kontexten und
in den Amplifikationen sozusagen verlieren, wodurch das (scheinbar) Märchenhafte
sich im Gestrüpp tiefenpsychologischer Anschauungen verfängt und im
Theoretischen erstickt.

Würde das Ich im anderweltlichen Bereich der "Seele" nicht gewisse Verbote - wie
z.B. das Verbot, in einem Traum bewußt zu sein - mißachten, käme es nie an die
vom Establishment (dem kollektiven Bewußtsein) "hinter dem Haus" verborgenen
Schätze heran, die zwar im Müll der letzten Jahrhunderte stecken und völlig
abgewertet wurden, aber trotzdem eifersüchtig gehütet und vom Ich hermetisch
abgeschottet werden.

Bislang hat der Schattenbruder in der Dunkelheit der Nacht gearbeitet. Das Ich
kommt erst in dem Moment dazu, als der Morgen und damit die BK dämmert. Daß die
klingende Uhr auf der Tenne einem Quader ähnlich sieht und erst dann wieder
funktioniert, wenn die Dinge geordnet und auf die Reihe gebracht werden, weist
auf einen Sachverhalt hin, der vor allem die Jahre zwischen 1970 und 1980
betrifft. In diesen Jahren lernte ich nämlich, daß die BK mit dem Diamantkörper
(Astralleib) zusammenhängt, was später in einem besonderen Kapitel besprochen
werden soll.

Die geheimnisvolle Frau ist wohl die wahre Herrscherin über die unermeßlichen
Reichtümer, die in der Scheune hinter dem "Schloß" in einem verbotenen und
unzugänglichen Bereich verborgen sind. Diese Reichtümer haben mit dem von der
Gesellschaft - zumindest 1970 - total tabuisierten und verstoßenen Bereich der
Außerkörperlichkeit zu tun, denn dieser ist wesentlich mit dem Wissen der Frau
verbunden. Die Entstehung des Diamantkörpers ist nämlich ein Prozeß vergleichbar
der Embryonalentwicklung (vgl. das Kapitel "Der Diamantkörper")

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Um dieses Wissen zu erlangen, muß nun der Eindringling - in diesem Fall das Ich
als männliches Wesen - im Zauberreich der Frau festgehalten werden, denn das,
was normalerweise am hellen Tag geschehen könnte - nämlich die
Embryonalentwicklung des Diamantkörpers unter Zuhilfenahme bestimmter
Meditationstechniken -, spielt sich ohne BK nur noch im (un)heimlichen Dunkel
der Nacht (des "Unbewußten") ab. Die Entwicklung des Astralleibes, des 'corpus
incorruptibilis', ist ein Wissen, das z.B. aus den Sprechzimmern der
Tiefenpsychologen und Psychotherapeuten verbannt worden ist. Nun harrt es in
einer Welt jenseits des Alltäglichen darauf, wieder neu entdeckt zu werden.

Die Früchte der Nacht

Am 9. August 1971 wird darauf hingewiesen, daß bestimmte Kostbarkeiten überall


zu finden sind.

... Ich stelle zwei Tragetaschen mit Proviant am Rande eines steilen Flußufers
ab und raste, denn die Wanderung war ziemlich anstrengend. Während eines kurzes
Nickerchens reißen Diebe die Papiersäcke seitlich auf und leeren sie beinahe
vollständig. ... Als ich die fast leeren Säcke wieder abstelle, rutschen sie auf
dem lockeren Boden der steilen Uferböschung ab, und es kommen in der Erde -
gekochte - Kartoffeln zum Vorschein!

Beim Scharren mit bloßen Händen finde ich noch weitere Kartoffeln. Sie könnten
ohne weiteres gegessen werden. Es sind so viele, daß meine Ernährung
sichergestellt ist - vor allem deswegen, weil solche Kartoffeln überall (!!!)
gefunden werden können. - ich brauche nur ein wenig zu graben. Kartoffeln wurden
nämlich achtlos von den Leuten weggeworfen, denn sie leben im Überfluß und
bedürfen solch gewöhnlicher Nahrungsmittel nicht. Außerdem gibt es derart viele
Kartoffeln, daß die kostbaren Früchte der Erde kaum beachtet oder einfach
liegengelassen werden.

Es scheint zwar etwas unappetitlich und eintönig, von diesen vorgekochten


Erdäpfeln leben zu müssen, aber ich kann den leichten Ekel überwinden und mich
dazu entschließen, diese Nahrung zu akzeptieren. ...

Kartoffeln sind wie gewöhnliche Träume (NDs). Die Menschen müßten sich bloß ein
wenig bücken und etwas graben, um an sie heranzukommen. Ihr Hunger z.B. nach dem
Sinn des Lebens könnte zu einem großen Teil mit den Gewächsen der Nacht gestillt
werden - Kartoffeln sind Nachtschattengewächse. Beim Kontakt mit der "prima
materia" läßt es sich natürlich nicht vermeiden, daß die Hände schmutzig werden
und allerlei Insekten und Gewürm zum Vorschein kommt.

Die Urform der Dinge

Am 13. Februar 1976 werden verschiedene Ebenen dargestellt, die unterschiedlich


zu gewichten sind.

... Bin in einem mir vom Alltag her bestens bekannten Raum und weiß um meinen
Traumzustand. Ich sehe mich genauer um, wobei mir auffällt, daß hier eine jener
Durchgangsstellen ist, an der problemlos von der alltäglichen Traumebene auf
eine andere hinübergewechselt werden kann. ...

Ich gehe auf die andere Seite ... und klettere einen sehr steilen Felsen hinauf,
um auf ein Hochplateau zu gelangen, von dem aus die Traumebene des Alltags
rundum überblickt werden kann. Am Rande der "oberen Ebene" ist der Fels jedoch
um ein Meter überhängend. Weil sich das Hindernis in der menschlichen
Körpergestalt nicht bewältigen läßt, will ich mich in ein Faultier verwandeln.
Mit seinen langen, starken und gebogenen Klauen läßt sich die Stelle problemlos

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überwinden. Ein Faultier bewegt sich zudem sehr langsam, weshalb kaum
Absturzgefahr besteht.

Schon nach kurzer Zeit intensivster Konzentration verwandelt sich mein linker
Arm in ein Faultierbein mit starken braunen Klauen. Mit deren Hilfe lasse ich
mich am Fels so lange baumeln, bis der ganze Körper transformiert ist. ...

Oben auf dem Plateau mache ich der Verwandlung rückgängig und führe andere
menschliche Wesen, welche z.T. dank meiner Hilfe aus der normalen Traumebene
herauskommen konnten, Schritt für Schritt in ihre neue Existenzform ein. Ich
erläutere die Ideoplastie, die Transformation und weitere Besonderheiten, Vor
allem werden die Zuhörer auf die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen der
Alltagsebene und der Anderwelt aufmerksam gemacht. Außerdem ermahne ich die
Leute, angesichts des Unerwarteten nicht die Fassung zu verlieren und weise sie
darauf hin, daß meine Kenntnisse in bezug auf diesen Zustand nur beschränkt
seien. Deshalb wäre es ratsam, sich auf Überraschungen gefaßt zu machen.

Von unten - d.h. von der Traumebene des Alltags - herauf ist Lärm hören. Wir
gehen an den Rand des Plateaus und legen uns flach hin, um von unten herauf
nicht gesehen werden zu können. Auf der tieferen Ebene in ein paar hundert
Metern Entfernung tritt eine Kompanie Soldaten zum Gefecht an. Etwa zwanzig
Rakrohre werden am Rande eines Hügels, von dem aus das ganze Tal überblickt
werden kann, in Stellung gebracht. Es soll mit scharfer Munition geschossen
werden. Der Wind weht die Stimme des Befehlshabers bis zu uns herauf: "Feuer!"
Mündungsblitze zucken aus den Rakrohren und orangefarbene Panzergranaten zischen
heraus.

Um zu demonstrieren, welche Möglichkeiten es hier gibt, und um den Militärs zu


zeigen, wie sinnlos ihr Gehabe ist, konstruiere ich magisch eine geistige
Sperre, an der alle Granaten abrupt stoppen. Die Anwesenden hier oben sind
begeistert, die Militärs dort unten total überrascht und konsterniert!

Ich lasse die Granaten kurze Zeit in der Luft stehen und gebe dann den Impuls
zur Umkehr. Nach einer Wendung um 180 Grad fliegen die Explosivgeschosse langsam
zurück. Einige Soldaten brechen in Panik aus und laufen mit den Rohren davon, so
daß die Granaten aufprallen und explodieren, statt in die Rohre zu fliegen. Die
fliehenden Soldaten werden getötet. Die meisten jedoch bleiben angesichts der
neuen Situation ruhig und schauen einfach zu. - Für mich besteht kein Grund
einzugreifen. Ich denke, daß jene, die ein Geschoß abfeuern, auch darauf gefaßt
sein müssen, selbst von einem solchen getroffen zu werden.

Wir gehen auseinander. Es vergeht einige Zeit, in der ein großes Haus gebaut und
eingerichtet wird. Es hat gewisse Ähnlichkeiten mit einer Burg. Auch ein Weg
hinunter zum Dorf auf der gewöhnlichen Traumebene ist erstellt worden. Zwischen
den Leuten im Dorf und den Bewohnern der oberen Ebene besteht ein ziemlich
großer Unterschied, denn "oben" wird die Dimension der Luzidität miteinbezogen,
"unten" nicht.

Eines Tages steht in der Nähe der luziden Ebene auf dem Weg eine Gruppe von
Leuten. Unter ihnen ist auch jemand, der eine kleine Silberkanne in Händen hält,
die mit einer dicken Kruste von Haschischresten überzogen und teilweise verklebt
ist. Diese Kanne sollte gereinigt und von den Drogenlasten befreit werden.

Da sich mit der Reinigung demonstrieren läßt, auf welche Weise die geistigen
Kräfte der oberen Ebene angewandt werden können, nehme ich dem Manne das Gefäß
ab. Das Putzen der Kanne soll nicht einfach durch Abreiben von Hand geschehen,
sondern durch eine magische Operation. Ich lasse also zunächst das verschmutzte
Gefäß frei in der Luft schweben und dann um die eigene Achse rotieren. Nach und
nach verstärke ich die Rotation, wodurch sich der Reibungseffekt erhöht.
Schließlich erhitzt sich die Kruste und löst sich auf. Immer mehr Teile werden
weggeschleudert und zu guter Letzt erstrahlt die Kanne wieder in ihrem silbernen
Glanz.

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Sowohl die Anwesenden wie auch ich selber wissen um die symbolische Bedeutung
des Geschehens. Bevor ich die Kanne zurückgebe, kommt mir der Gedanke, mit ihr
einen Versuch zu machen, denn es stellt sich für mich die Frage, wie das
Namenlose wirkt. Das Unbekannte kann nämlich auch hier auf dieser Ebene nicht
direkt erkannt werden.

So frage ich denn laut: "Welches ist die Urform dieser Kanne?"
Total verblüfft sehen wir zu, wie das Gefäß für kurze Zeit verschwindet und dann
in gewandelter Form wieder schwebend in der Luft sichtbar wird. Die Größe ist
unverändert, aber die Gestalt ist anders als erwartet und besteht aus drei
Teilen. Der Sockel ist ein hochgestellter Quader, der im oberen Drittel gut zur
Hälfte durchgehend ausgefräst scheint. In der dadurch entstandenen
viertelkreisförmigen Bucht liegt eine kleine Halbkugel mit dem flachen Teil nach
unten. Auf dieser ist ein dickwandiger, schalenförmiger Becher aufgesetzt,
dessen oberer Teil etwas über dem Rand des Quaders vorsteht.

Wir sind nicht nur wegen der ungewohnten Transformation überrascht, sondern auch
wegen der außerordentlichen Wertzunahme des Gegenstandes, denn er besteht jetzt
aus kostbarer Jade. Aufgrund des Alters und der Einmaligkeit muß er von
unschätzbarem Wert sein.

Die Sache ist derart einmalig, daß es mir angebracht scheint, das Ganze nochmals
mit einem anderen Gegenstand zu versuchen. Auf einem kleinen Tisch steht eine
ziemlich schäbigen Waage. Ich frage laut und deutlich nach der "Urform", und die
Waage wird wie die Kanne zuvor für einen Augenblick unsichtbar und verschwindet
in einem anderes Raum-Zeit-Kontinuum. Dann erscheint sie wieder auf dem kleinen
Tisch in ungewöhnlicher Form. Jede der Fragen ist ungeheuer spannungsgeladen,
weil niemand wissen kann, was erscheinen wird, und wie die wahre Urform
aussieht.

Die neu erschienene Waage steht auf einem sehr kostbaren, quaderförmigen Sockel
aus mit feinsten Schnitzereien versehener Jade. Auf dem großen Quader liegen
neben der eigentlichen Waage, deren eine Hälfte über den Sockelrand
hinausschaut, diverse kleine Jade- und andere Edelsteinfiguren, u.a. ein kleiner
Löffel mit kurzem Stiel und eine größere 'Kelle'. Alles ist so gruppiert, daß
der kosmische Sinn des Ganzen sichtbar wird. Die Waage bringt das Gleichgewicht
des Kosmos im kleinen wie im großen zum Ausdruck.

Auch dieser Gegenstand stammt aus dem alten China und ist von unschätzbarem
Wert. Es ist also zu vermuten, daß die unscheinbaren Dinge, die auf der tieferen
Ebene wertlos scheinen und deshalb billig zu bekommen sind, hier oben in ihre
ursprüngliche Form verwandelt werden können und damit einen enormen Wert- und
Sinnzuwachs erhalten.

Die Frage nach der Urform führt zu überaus großem Reichtum und zu einer
unvorstellbaren Machtfülle. Dies erfordert eine einwandfreie Ethik, die zu
keinem Zeitpunkt und von keinem Mitglied unserer Gemeinschaft in Abrede gestellt
werden darf. Mir ist auch bewußt, daß sowohl der Reichtum wie auch die
Machtfülle auf der Alltagsebene niemals zur Anwendung kommen dürfen, weil beide
Ausdruck einer anderen Dimension und eines anderen Lebensgefühles sind.
Gegenstände, die "jenseits des Alltäglichen" voller Kraft und Macht sind, dürfen
nicht in den Alltag der unteren Traumebene hineingetragen werden. Sie passen da
nicht hinein und würden total pervertiert und ihres Sinnes beraubt!

Ich versuche dann, die Frage nach der Urform einer kleinen geschnitzten Laterne
zu stellen. Zu meinem Erstaunen fängt sie sofort an zu brennen, was ich zunächst
nicht begreife, weil ich nicht daran denke, daß die Urfom der Laterne das Feuer
ist.

Die Jahre gehen dahin und die Zeit verrinnt. Unsere kleine Gemeinschaft
entwickelt sich zu einer größeren Gruppe von "Eingeweihten", denn wir führen
viele magische Experimente durch und erweitern langsam unser Wissen.

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Eines Tages gehe ich alleine und unauffällig gekleidet ins Dorf hinunter. Dies
geschieht sehr selten, denn die Stimmung der Dorfbewohner hat sich gewandelt -
sie ist uns Bergbewohnern gegenüber sehr ungünstig geworden. Aus diesem Grunde
scheint es unklug, die "Unterländer" daran zu erinnern, daß wir existieren. Wir
werden von ihnen als "Templer" bezeichnet, und die Dörfler neiden uns den
Reichtum und das Wissen. Sie haben auch eine unbestimmte Angst vor uns, obwohl
wir immer sehr vorsichtig und zurückhaltend gewesen sind. Aber da aus unserer
anfänglich eher kleinen Gruppe mittlerweile doch eine größere geworden ist, hat
sich unsere Art zu leben und zu denken natürlich nicht mehr - wie zu Beginn -
absolut verbergen lassen. Zudem war ein häufigerer Kontakt mit der
Alltagstraumebene nicht zu vermeiden.

Ich betrete inkognito eine düstere Spelunke. Kurze Zeit später kommt - sehr zu
meinem Erstaunen - ein mir unbekannter Templer herein. Er trägt sehr kostbare,
mit Edelsteinen bestickte und mit Goldfäden durchwirkte Gewänder.

"Was soll denn dieses?" frage ich mich und beobachte ihn genau. Er öffnet ein
Chambre Séparé und legt sich zu einigen bis aufs Skelett abgemagerten
Prostituierten. Auf seiner linken und rechten Seite liegen Frauen, bei denen die
Fleischteile des Gesichtes weggefault sind, so daß die weißlichen Schädelknochen
hervorlugen. Der Templer wälzt sich nun zunächst auf die eine und dann auf die
andere Frau.

Mich wundert dieses Tun sehr, und ich habe den Verdacht, daß die Ethik in den
letzten paar Jahren doch irgendwie gelitten haben muß. Doch dann werde ich eines
Besseren belehrt, denn der Templer steht auf und ruft die zum Teil schon
neugierig hinschauenden Leute zu sich. - Und dann nagelt er die Leute fest und
konfrontiert sie mit ihrer eigenen Dummheit und Lüsternheit, denn das, was der
Templer soeben tat, war nur ein Vorwand, um den Leuten ihre Verderbtheit vor
Augen zu führen.

Erst jetzt erkenne ich, daß im Chambre Séparé abstruse Dinge geschehen sind, die
jeder partnerschaftlich liebevollen Sexualität spotten. Sie wurden nun vom
Templer ans Tageslicht gebracht. Völlig unerwartet werden die Leute
spiegelbildlich mit ihrer eigenen Verruchtheit konfrontiert. Auf diese Weise
wird die flammende Rede des Templers zu einer schonungslosen Kritik der
Destruktivität dieser Ebene, die eine Folge der Unbewußtheit ihrer Bewohner ist.

Bei derartigen Erfahrungen ist es sehr schwierig, das Erinnerungsvermögen nach


dem Erwachen im Bett lückenlos auf die "Protokollebene" hinüberzubringen. Das
Geschehen dauert - wenn auch "nur" gemäß subjektivem Zeitempfinden - Jahre und
manchmal sogar Jahrzehnte. Es braucht dann schon herausragende Momente, die sehr
beeindruckend sind, damit sie erinnert werden können oder unter Umständen sogar
die Erlebnissequenz insofern beenden, als ein Ebenenwechsel unterstützt wird.
Man und frau sollten sich von "objektiven Zeitmessungen" nicht täuschen lassen.
Ein LD, eine OOBE oder eine NDE dauern "objektiv" zehn Minuten bis vielleicht
zwei Stunden. Das heißt aber überhaupt nichts, denn das subjektive Zeitempfinden
ist maßgebend - und das kann Jahre und Jahrzehnte umfassen. Die Uhren gehen
nicht auf allen Ebenen gleich!

Die Runen

Ein uraltes und sehr kostbares Wissen kann am 5. Juni 1976 in den Alltag
gerettet werden.

... Meine Frau Cathy und ich besuchen ein in der Wildnis gelegenes einsames Dorf
und sprechen mit den Bewohnern, stoßen jedoch eher auf Ablehnung. Die fremden
Wesen wollen keine Fragen beantworten und sind überhaupt nicht kooperativ.

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Mir fällt ein kurzes Stück eines borkenlosen Baumstammes auf, das offensichtlich
beiseite gestellt wurde, um vielleicht später mal als Brennholz verwendet zu
werden. Das Holz ist aber schon grau und völlig ausgetrocknet. Bei genauerer
Betrachtung sind jedoch kaum mehr lesbare uralte Runen zu erkennen! Mich
interessiert das natürlich, und ich möchte den 1.5 m langen und 30 cm dicken
Stamm mitnehmen.

Es ist mir allerdings klar, daß diese Leute es niemals erlauben würden, daß ich
das Holzstück aus dem Dorf trage. Ich muß also gar nicht erst fragen. Zwar hat
niemand das geringste Interesse an diesem Stück Holz, aber aus Prinzip wird
Fremden nichts gegeben!

In der Abenddämmerung verlassen wir den Ort, denn die Leute beginnen unruhig zu
werden. Die Lage wird langsam kritisch. Irgendwie gelingt es mir, den Stamm mit
den eingekerbten Runen wegzutragen, ohne daß die Dorfbewohner etwas merken. Auch
Cathy hat etwas gefunden, um das sich niemand mehr kümmert. Der Gegenstand sieht
aus wie ein alter Besenklopfsauger.

An der Grenze des Dorfgebietes betreten wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit
eine baufällige Blockhütte. Hier werden wir einigermaßen geschützt die Nacht
verbringen können. Ich bin auch froh, den schweren Stamm absetzen zu können. Wie
Cathy mir sagt, sie wisse, wie aus dem Besenklopfsauger ein Schälgerät gemacht
werden könne, bin ich nicht nur überrascht, sondern auch erfreut. Nach dem Umbau
des Gerätes schälen wir die oberste Schicht des Stammes ab und erhalten einen
gut 2 Millimeter dicken und 1.5 Meter langen Holzstreifen von etwa 30
Zentimetern Breite.

Ich rolle den Streifen zusammen, was allerdings sehr schlecht geht wegen der
vielen Äste. Um ihn in eine kompakte, unauffällige und transportable Form zu
bekommen, muß ich ihn sogar falten. Wichtig ist jedoch, daß der Stamm
zurückbleibt, denn das wird die Dorfbewohner beruhigen, falls sie ihn
zufälligerweise entdecken sollten.

Damit wirklich niemand Verdacht schöpft, sollte auch das Schälgerät wieder in
einen Besenklopfsauger umgewandelt werden. Jetzt ist es allerdings total dunkel
geworden. Meine Frau braucht Licht, um diese Arbeit erledigen zu können. Sie hat
glücklicherweise eine Taschenlampe! Ich erinnere sie mehrmals daran, mit der
Lampe vorsichtiger zu sein und nicht einfach mit ihr hin und her zu leuchten.
Die Bewohner im 300 Meter entfernten Dorf könnten nämlich schnell einmal die
sporadisch aufblitzenden Lichtschimmer bemerken und auf uns aufmerksam werden.

Doch so vorsichtig Cathy mit der Lampe auch umgeht, die stets mißtrauischen
Leute entdecken das unregelmäßige Aufleuchten in der Hütte und schlagen eine
Glocke an. Kurze Zeit später - wir haben bereits das Gerät wieder
zusammengebastelt - ertönt die Glocke erneut, vermutlich deswegen, weil jemand -
wahrscheinlich eine alte Hexe - den Auftrag bekommen hat, nachzusehen, was in
der Hütte an der Grenze vor sich geht.

Schnell packen wir zusammen, verwischen die Spuren und laufen davon, wobei wir
jetzt wirklich das Gefühl haben, verfolgt zu werden. Die alte Vettel kann uns
schließlich einholen, aber wir sind schon zu weit vom Herrschaftsbereich des
Dorfes entfernt. Abgesehen davon ist das unscheinbare Paket für die Hexe ohne
Interesse. Sie erkennt es nicht als zusammengelegtes, äußerst kostbares
Holzblatt, das uraltes Wissen enthält! Und in der Blockhütte fanden sich ja zu
ihrer Beruhigung Stamm und Besenklopfsauger.

Nach einiger Zeit erreichen wir ein anderes Dorf. Es ist mittlerweile hell
geworden. Gewisse Gebäude kommen mir irgendwie bekannt vor, und eines der Häuser
scheint sogar das Haus meines Schulanalytikers zu sein. Ich denke, daß der Fund
auch ihn interessieren wird und drücke die Klingel. Es ist zwar noch früh, aber
angesichts der Bedeutung dieser Runen darf ich es mir sicher erlauben,
unangemeldet und zu ungewohnter Stunde vorbeizukommen. Die Kinder werden so oder
so zur Schule gehen müssen und dürften deshalb bereits geweckt worden sein.

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Es dauert nicht lange, und schon öffnet der Analytiker die Haustür. Natürlich
ist er etwas erstaunt, als er mich sieht, aber er erkennt mich und erwidert den
Gruß. Ich zeige ihm nun den zusammengelegten Holzstreifen. Dieser ist zu einem
A4-formatigen Blatt Papier von gelber Farbe geworden. Und die alte Botschaft
besteht nicht mehr aus den Geheimbuchstaben der Runenschrift, sondern hat sich
in einen gut lesbaren Schreibmaschinentext verwandelt. Die Schrift wurde also
bereits übersetzt, hat aber nichts von ihrer ursprünglichen Aussagekraft
verloren. Es ist hier ein Traum von jemandem beschrieben, der in der Anderwelt
lebt oder gelebt hat. Dieses Dokument würde es somit erlauben, das 'Unbewußte'
zu objektivieren, denn es vermittelt ein besonderes Wissen.

Die Reaktion des Analytikers erstaunt mich in höchstem Masse. Er wirft nur einen
kurzen Blick auf das Blatt, liest kaum eine Zeile, zerreißt das Papier und wirft
es in einen Abfallkorb. Er scheint sich nicht im geringsten für die Sache zu
interessieren, sondern äußert sich dahingehend, daß er von etwas anderem
absorbiert sei, das er möglichst schnell bearbeiten wolle. Das von mir
vorgelegte Blatt komme ihm dabei sehr ungelegen. Er habe es bloß einmal in die
Hand genommen aus einer gewissen Verpflichtung heraus, denn schließlich würde er
mich ja von früher her kennen.

Meine Enttäuschung ist riesengroß, und ich versuche - nachdem ich das Blatt aus
dem Papierkorb herausgenommen habe - ihm klar zu machen, worum es sich hier
handelt. Doch alle Bemühungen nützen nichts, der Mann läuft einfach davon und
schlägt die Tür vor meiner Nase zu. Für einen Moment stehe ich da wie ein
begossener Pudel und brauche etwas Zeit, um mich wieder zu fassen. Aber dann
reiße ich mich zusammen und beginne mit dem Lesen des Textes. Ich bin froh, daß
das Blatt wenigstens "sauber" durchgerissen wurde, denn so kann es leicht wieder
zusammengeklebt werden. Kurze Zeit später gehe ich daran, den Text sorgfältig
abzuschreiben, damit er auf die Alltagsebene hinüber gerettet werden kann - und
erwache bei diesem Tun langsam im Bett.

Meines Erachtens hatte der Text etwas mit der BK und der Außerkörperlichkeit zu
tun, worauf vor allem auch die Reaktion des Schulanalytikers hinweist.

Das Gespinst

Aus dem sehr komplexen Geschehen im LD vom 7. September 1976, in dem detailliert
meine Situation gegenüber dem Kollektiv dargestellt wird, sei hier folgende
Sequenz erzählt:

... plötzlich erfasse ich die Funktion der grünen, kugelförmigen und etwa
kastaniengroßen Edelsteine. Die obere Hälfte ist so geschliffen, daß sechs
gekrümmte Dreiecke schräg nach oben verlaufen und sich in einem gemeinsamen
Spitz vereinen. Die Flächen sind leicht nach unten gekrümmt und nach innen
gebogen - und jeweils mit einer Einlegearbeit aus purem Gold versehen. Es könnte
sich um sechs sitzende Löwen handeln. Die Steine sind deshalb wesentlich
wertvoller als "gewöhnliche" Smaragde.

Die untere Hälfte wurde zu einer ausgehöhlten Halbkugel geschliffen. In diesem


Hohlraum befindet sich eine kleine braune Kugel, deren Durchmesser etwa 1/3 der
Halbkugel beträgt. Diese braune Kugel ist von weißen Fäden umgeben und in diese
wie in ein Füllmaterial eingebettet. ...

Ich darf einen Stein mitnehmen und kann ihn später auch genauer untersuchen.
Dabei mache ich wiederum eine sensationelle Entdeckung. ... In der braunen Kugel
sind Eier von ganz besonderen Schmetterlingen. Die Embryonalentwicklung ist
abgeschlossen und kleine Raupen fressen sich aus den Eihüllen. Anschließend
kriechen die kleinen Raupen in der Höhlung herum und verschlingen nach und nach
die Reste des weißen Füllmaterials, die in meiner "Kugel" noch vorhanden sind.

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Wie ich sehe, daß die Raupen beim Herumkriechen einen feinen Seidenfaden bilden,
erkenne ich augenblicklich den Gesamtzusammenhang. Das weiße Füllmaterial dient
als Nahrung für die Larven, die während des Transportes der Edelsteine aus den
in der braunen Masse eingebetteten Eiern schlüpfen. ... Die eigentliche
Kostbarkeit des Steines aber besteht aus den Spinnfäden, die von den Raupen
produziert werden. Diese Seidenfäden sind nämlich so ziemlich das wertvollste
Material, das es überhaupt auf der Erde gibt.

Der Inhalt einer einzigen Höhlung eines einzigen Edelsteines ist etwa 15
Millionen wert - eine unglaublich hohe Summe. Um den Wert verstehen zu können,
den dieses Material hat, muß gesagt werden, daß zu diesem Zeitpunkt - was ich
während des Traumgeschehens mit aller Deutlichkeit weiß - die Erde nur einer von
vielen besiedelten Planeten ist. Die Erde gehört jetzt zu einem mehrere Galaxien
umfassenden System, und der Mensch ist zum Zeitpunkt des Traumes einfach jemand,
der weite Teile des Universums "bewohnt".

Die von den Raupen gebildeten Fäden spielen eine enorm wichtige Rolle in der
intergalaktischen Kommunikationstechnik, denn diese Seidenfäden sind
ultraschnelle Impulsübermittler, ohne welche eine Kommunikation über Lichtjahre
hinweg unmöglich wäre. Die Elektronik hat keine Möglichkeit, die Impulse ohne
diese Beschleuniger zu übermitteln. Deshalb kosten schon geringste Mengen
Millionen. ...

Die Truhe der Schamanen

Im etwas turbulenten Geschehen vom 1. Oktober 1976 können in einer von einem
Gnom und einem Drachen bewachten Kiste Kostbarkeiten gefunden werden.

... Einige Leute vermuten, daß ich über paranormale Fähigkeiten verfüge. Sie
sind sich aber über deren Umfang nicht ganz sicher und wollen mich deshalb zur
Abklärung in ein PSI-Zentrum bringen. Mir ist die Sache allerdings ein wenig
suspekt, aber ich darf mir nicht anmerken lassen, daß ich einem Verdacht hege,
weil dies meine tatsächliche Begabung verraten hätte.

Offenbar will man mich sicherheitshalber unschädlich machen. Irgendwelche Magier


trachten nämlich danach, mich zu vernichten, bevor ich für sie gefährlich werden
kann. Sie wollen verhindern, daß jemand etwas gegen jene Aktionen unternimmt,
die ihnen einen Machtzuwachs bringen. Bei diesen Handlungen wollen sie unter
keinen Umständen gestört werden. Vor allem meine Einstellung kommt ihnen deshalb
sehr ungelegen, weshalb sie alles daran setzen, mich auszuschalten.

So mache ich gute Miene zum bösen Spiel und lasse mich zum Zentrum bringen, bin
aber andauernd auf der Hut und äußerst wachsam. Auf einer Wiese am Rande eines
kaum jemals begangenen Feldweges steht das gewaltige Zelt der Magier. Es ist 10
Meter hoch und an der Spitze 3-4 Meter überhängend - ohne deswegen einzustürzen
oder umzukippen. Ein beeindruckender Bau, der mich an die riesigen Kulthäuser
mit den unglaublich hohen Giebel erinnert.

Etwa zwei Dutzend Leute sind im Zelt, darunter auch mächtige Magier. Dank meines
unauffälligen Verhaltens wird niemand auf mich aufmerksam. Kaum bin ich im Zelt
drin, beginnt eine Zeremonie oder eine magische Evokation. Dabei entsteht in mir
eine fatale Unruhe, die bei jedem gesprochenen Wort stärker wird. Das Gefühl,
daß hier etwas Unrechtes geschieht, das besser nicht geschehen sollte, wird
immer deutlicher spürbar. Diese magische Operation müßte irgendwie verhindert
werden.

Es gibt eine Möglichkeit, die Magier zumindest darauf aufmerksam zu machen, daß
es noch Gewalten gibt, die nicht beherrscht werden können und weitaus mächtiger
als sie selber sind. Damit wird sich auch zeigen lassen, daß sie eigentlich

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dankbar dafür sein müssen, daß die höheren Mächte sie in ihrer Arroganz nicht
einfach total vernichten. Ich will diesen Magiern zeigen, wo die Grenzen der
Magie sind, und daß die Demut eben dort beginnen sollte, wo sie versuchen, Macht
auszuüben.

Tatsächlich gelingt es mir, das ganze Zelt mitsamt den Insassen zum Fliegen zu
bringen. Langsam steigt es hoch - und es steigt immer weiter und immer höher.
Die Magier meinen zuerst, dies sei die Folge ihrer Beschwörungen, und der Flug
bringe den ungeheuren Machtzuwachs zum Ausdruck. Aber dann ahnen sie, daß dem
nicht so ist und etwas ganz anderes bezweckt wird.

Nach einiger Zeit stößt das Zelt mit einem spürbaren Ruck an den "Himmel" und
damit an eine Sphäre, in der Gott herrscht. Daß das Zelt nun an diese Grenze
gestoßen ist, erkenne ich eigentlich als einziger - und zwar an dem äußerst
merkwürdigen Farbenspiel, in dem vor allem gelbe und grüne Farbtöne auftauchen.
Wie Blasen schweben undefinierbare gelbliche Formen durch ein grünes Feld, das
von irrwitzigen Energien durchflutet ist. Die Blasen zerfließen und trennen sich
fortwährend. Sie ändern immer wieder ihre Gestalt. Gleichzeitig durchpulsen
ungeheure Energien die ganze 'Masse'.

Ich weiß genau, daß das Zelt bald einmal abstürzen wird, denn keine Macht der
Welt und keine noch so große Willensanstrengung vermag diese Sphäre zu
beherrschen. Diese Weltenebene kann nur von jenen betreten werden, denen Zutritt
gewährt wird. Schließlich stürzt das Zelt zurück auf die Erde. Weil ich von
Anfang an nur die Absicht hatte, einen Demonstrationsflug durchzuführen, kann
ich sofort den kritischen Moment der Umkehr erkennen und die entsprechenden
Bremsvorgänge mittels geistiger Impulse einleiten. Bevor wir also am Boden
zerschellen, gelingt es mir, den Fall zu verlangsamen. Die großen Magier im Zelt
sind viel zu überrascht gewesen und konnten nicht schnell genug reagieren.

Unten angelangt, löst sich die Gesellschaft ganz von alleine auf, denn die
Magier sind aufgrund der Ereignisse doch etwas frustriert. Bald ist das etwas
havarierte Zelt leer geworden. Erst jetzt sehe ich am Rande eine Kiste stehen.
Neugierig gehe ich zu ihr hin und öffne sie. Bei der Untersuchung des Inhaltes
stellt es sich heraus, daß hier sehr alte Materialien aufbewahrt wurden.

Leider sind mit dem Himmelsflug auch böse Dämonen freigekommen, die bis zu
diesem Zeitpunkt nicht in Erscheinung treten konnten. Es sind zwei Tierwesen.
Das eine gleicht einem affengestaltigen Gnom bzw. einer kleinen Mumie mit den
häßlichsten Zügen. Das andere ist ein kleiner geflügelter Drache, der äußerst
bösartig aussieht. Beide Wesen verkörpern nicht nur ein miese Negativität,
sondern auch das absolute Böse, denn sie kennen keinerlei Relativierung!

Der Gnom und der Drache greifen mich sofort an. Mit schwarzer Magie könnte ich
die Wesen relativ leicht bezwingen und mir gefügig machen, aber mir ist das
nicht möglich, denn gegenüber den höheren Mächten nehme ich eine demütige
Haltung ein und muß es deshalb anders versuchen. Die Bestien greifen mich an -
feuerspeiend und voller Gestank. Ihre Haut ist grau und von warziger Struktur.
Der Gnom kommt als erster. Ihm halte ich meine offenen Handflächen entgegen, aus
denen eine Art Strahl ausgeht, der das Wesen entzündet und außerdem bewirkt, daß
es sogleich anfängt zu brennen. Hell in Flammen stehend versucht es diese zu
löschen, was ihm allerdings nicht gelingt.

Dann kommt der gut drei Meter lange Drache mit einer Widerristhöhe von etwa ein
Meter herangeprescht. Auch seinen Angriff kann ich zunächst mit den von den
Handflächen ausgehenden Strahlen stoppen. Aber seine Macht ist ungebrochen. Er
beginnt zwar ebenfalls zu brennen, aber das hindert ihn nicht daran, mich weiter
anzugreifen.

Ganz in der Nähe ist unerwartet eine väterliche Gestalt erschienen. Diese
ergreife ich sofort an der Hand und verstärke auf diese Weise die Strahlung
derart, daß der Drache noch stärker brennt und zurückgeworfen wird. Die beiden
Wesen kreischen nun in den schrecklichsten Tönen und winden sich auf

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blasphemische Art in einem widerlichen Todeskampf, der mich schaudern läßt, weil
'absolutistische Strukturen' auflöst werden, die unbedingt hätten absolut
bleiben wollen. Diese Wesen wollen unter keinen Umständen sterben, doch lodernd
verbrennen sie von innen heraus und werden im wahrsten Sinne des Wortes
ausgebrannt.

Der Gnom besteht jetzt nur noch aus einer leeren Hauthülle, versucht aber
weiterhin, mich anzugreifen. So richte ich noch einmal den Strahl auf ihn,
worauf er mit einem ekelerregenden Geräusch definitiv auszuglühen beginnt. Die
Haut bläht sich wegen der enormen Hitze auf und platzt dann träge und dumpf wie
eine Magmablase. Glühendes Material wird ausgeworfen. Das Geräusch, das durch
das Ausrülpsen des letzten Lebenshauches entsteht, ist von einer derart
widernatürlichen Tonlage, daß es mich schaudert. Ich muß auch sehr aufpassen,
nicht doch noch im letzten Moment vom glühenden Auswurf bespritzt und tödlich
verletzt zu werden. Das Zeug ist extrem ätzend und giftig. Doch endlich ist der
Gnom endgültig verbrannt und ohne einen Rest von Leben. Er wird auch niemals
mehr ein Leben haben.

Dann habe ich mich um den Drachen zu kümmern, der - obwohl innerlich schon total
ausgebrannt - versucht, mich von hinten anzugreifen. Ich muß das bestialische
Wesen, das nur noch aus Haut besteht, mit einer Art Gabel oder Dachlatte in
einen Felsspalt drängen, weil es immer wieder den Strahlen ausweichen kann. Doch
allein mit dem Holz könnte ich es nicht einklemmen, denn die Latte würde
sogleich verbrennen.

Das weitere Geschehen verlangt von mir totale Selbstüberwindung, denn die
definitive Zerstörung dieses Drachens ist von einer Ekligkeit, die kaum mehr zu
überbieten ist. Das Schlimmste ist der Zwang zu einer direkten
Auseinandersetzung und zu einem bewußten Hinsehen während des
Zerstörungsprozesses. Würde ich das Wesen nur für einen winzigen Augenblick
unbeobachtet lassen, könnte dessen Vernichtung nicht vollständig sein.

Im Felsspalt eingeklemmt und von der Latte und der Gabel tiefer hineingeschoben,
wehrt sich der Drache auf obszönste Art und Weise. Er dreht und windet sich, und
es gibt kaum etwas Gräßlicheres anzuschauen als diesen die ganze Schöpfung
entwürdigenden Todeskampf. Dieses widerliche Aufbäumen und abscheuliche Wehren
gegen den unvermeidlichen Tod und gegen die eigene Zerstörung ist einer Kreatur
unwürdig.

Das Schlimmste dabei ist, daß sich das Wesen weniger gegen den leiblichen Tod
als vielmehr gegen den Machtverlust sträubt und einfach nicht akzeptieren will,
daß sein Herrschaftsregime zu Ende geht. Die Sache kommt mir vor wie bei einem
Geizhals, der noch im Moment des letzten Atemzuges unter Einsatz aller Mittel
versucht, Geld zu scheffeln. Eine Widerwärtigkeit sondergleichen.

Doch ich lasse Strahl auf Strahl auf den Drachen prallen, und er brennt nun
wirklich lichterloh, Dann ist er endlich zerstört. Die größte Gefahr ist damit
behoben, und die totale Hinterhältigkeit auch dieses Wesens ein für alle Male
vernichtet. Das war ein äußerst grausames, aber doch notwendiges Werk, das mich
zutiefst erschüttert und nur sehr langsam aufatmen läßt. Die endgültige
Zerstörung des giftigen Drachens gelingt allerdings nur dank der Mithilfe der
geheimnisvollen väterlichen Gestalt, die als Strahlenverstärker dient.

Jetzt kann ich endlich daran gehen, die Kiste genauer zu untersuchen. Zu meiner
Überraschung liegen in ihr uralte schamanische Gegenstände, die sehr kraftvoll
sind und eine große Macht haben. Diese Kiste wurde von den beiden Wesen bewacht
und gehortet. Der Gnom und der Drache suchten mit allen Mitteln zu verhindern,
daß das Wissen, das durch die Gegenstände erlangt und verwendet werden kann,
jemals wieder zum Heil der Menschen eingesetzt wird. Ich kann nun als erster
Mensch seit langer Zeit den Inhalt untersuchen und darf zwei der Gegenstände
herausnehmen und behalten

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Da ist z.B. ein Schamanenmantel, der seinem Träger eine unwahrscheinlich große
Macht auf der Ebene des Alltags verleiht und ihn damit zu einer
außerordentlichen Gestalt macht. Doch diesen Mantel lasse ich in der Truhe
liegen, denn das Rampenlicht der Berühmtheit behagt mir nicht. Auch einige
andere Gegenstände dienen eher dazu, ihrem Träger im Alltag zu Ruhm und Ansehen
zu verhelfen.

In der Kiste sind aber noch zwei unscheinbare Dinge. Beide sind nur etwa so groß
wie eine halbe Hand. Ihrer Form und ihrem Aussehen nach haben sie etwas mit dem
Seelenflug zu tun - vor allem der eine Gegenstand. Er ist wie ein Ring
gearbeitet. Eine grob geschnitzte männliche Figur hockt auf dem Hals eines
Vogels, der in seinem offenen Schnabel ein tierliches Wesen - eventuell einen
Säuger - hält. Ich erinnere mich an den Vogel, der dem Schamamen als Reittier
ins Jenseits dient und nehme diesen Gegenstand an mich, denn mein Hauptinteresse
gilt nun mal dem Seelenflug. Der andere Gegenstand hat irgend etwas mit
Bewußtseinskontinuität und Bewußtseinsstärke zu tun und ist in seiner Struktur
nicht direkt einsehbar und irgendwie verborgen. Dies ist der zweite, den ich an
mich nehme.

Die anderen Gegenstände lasse ich in der Truhe. Ich habe die beiden Dinge nicht
nur wegen ihrer Funktion, die sie wahrscheinlich haben - Seelenflug und
Bewußtseinskontinuität - an mich genommen, sondern auch deswegen, weil sie die
kleinsten in der ganzen Kiste sind. So kann ich beide unauffällig bei mir tragen
und jederzeit mit ihnen arbeiten. Der Gegenstand, der etwas mit
Bewußtseinskontinuität zu tun hat, ist wegen seiner Verborgenheit auch irgendwie
mit dem Problem der Unsichtbarkeit verbunden und stellt eine Art Tarnkappe dar.
Auch der 'Ring' hat noch weitere Funktionen, die ich aber nicht kenne und sicher
erst mit der Zeit herausfinden werde.

Fast unbemerkt von den Leuten verlasse ich den Ort. Sie meinen sogar, ich hätte
nicht einmal etwas mitgenommen und betrachten mich als Dummkopf, der die
einmalige Chance zu einem Machtgewinn ungenutzt verstreichen ließ. Aber ich bin
zufrieden, unbemerkt weggehen zu können. Niemand kümmert sich um mich. Wichtig
ist nur, daß ich zwei in ihrem Wert nicht einmal annähernd abschätzbare
Kleinodien bei mir habe. Es sind Dinge, welche die alten Schamanen geheim
hielten und selber erforscht haben. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund für
die relativ einfache Art der Schnitzerei. Es sind aber auch Gegenstände, die als
die wertvollsten galten und den Schamanen sogar heilig waren.

Wieder zurück am Rande der Stadt streife ich die Ringe über den Klein- und den
Ringfinger der linken Hand. Dies macht mich zuerst einmal unsichtbar, weshalb
ich trotz der vielen Menschen auf der Straße die Flugversuche und Untersuchungen
gänzlich unbemerkt durchführen kann. Bald steht fest, daß mit dem Flugring die
Flugrichtung exakt zu steuern ist. Mit der Veränderung der Höhenlage ist es
schon schwieriger, und der Ring scheint die Höhe nicht beliebig regulieren zu
können. Eventuell benutze ich ihn aber auch nicht richtig. Ich setze zur Landung
an, um am Boden herausfinden zu können, woran dies liegen mag.

Während des Übungsfluges überfliege ich gut die Hälfte eines Tales und lande
dann in der Nähe eines Bahngeleises. Niemand bemerkt etwas, und während des
Fluges habe ich eine wunderbare Sicht und einen sehr guten Überblick. Auffällig
sind vor allem die satten Pastellfarbtöne. Allerdings konzentriere ich mich
weniger darauf, denn die Steuerungstechnik steht im Vordergrund.

Während des Kampfes mit den Monstern wäre es unklug gewesen, die BK einzig dafür
einzusetzen, das Geschehen "anzuhalten" und irgendwie auszusteigen. Ein Ausstieg
ist immer möglich und kann auf verschiedene Arten geschehen, z.B. indem der im
Bett liegende Körper zum Erwachen gezwungen wird. Bei einer entsprechenden
Konditionierung geschieht dies mit größter Wahrscheinlichkeit, und es ist nicht
einfach, dieses Verhaltensmuster zu ändern. Es beruht vor allem darauf, daß
Angst eine Fluchtreaktion auslöst. Dieser Automatismus kann erst in dem Moment
aufgelöst werden, wenn das Ich gelernt hat, die Angst als solche zu akzeptieren
und sie nicht mehr an ein panikartiges "Wegrennen" zu koppeln. Das ist nicht

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einfach zu bewerkstelligen. Bei mir vergingen mehrere Jahre, bis ich mich der
Angst bewußt stellen konnte und ein "kleiner Krieger" wurde, der sich angesichts
einer Gefahr nicht gleich in die Hose macht und knieschlotternd den Blick
abwendet - in der irrigen Meinung, der Schrecken löse sich durch Wegsehen auf.

Die BK kann auch eine trügerische Sicherheit vermitteln insofern, als das Ich
fest davon überzeugt ist, dem physischen Körper im Bett könne nichts geschehen.
Das ist normalerweise völlig korrekt. Zwar wird im Zusammenhang mit Schamanen-
und Magierkämpfen auch von sichtbaren Verletzungen des physischen Körpers
erzählt. Zu derartigen Blessuren kommt es aber nur, wenn der kulturelle
Vorstellungshintergrund solchen "psychosomatischen" Effekten gegenüber
aufgeschlossen ist. Abgesehen davon, hier geht es "nur" um das Problem der
"trügerischen Sicherheit", welche sich das Ich aufgrund der BK einredet. Es ist
daran zu denken, daß Verletzungen des Zweitkörpers extrem schmerzhaft sein
können und daß grauenhafte, ekel- und angsterregende Situationen nur sehr schwer
auszuhalten sind. Der Gedanke daran, daß dem physischen Körper nichts geschehen
kann, nützt in solchen Momenten eigentlich gar nichts.

Der Flug über die Taiga

Von den Ereignissen, die am 20. Oktober 1976 geschehen sind, sei der folgende
Teil erzählt:

... Wir - d.h. meine Frau, die beiden Kinder und ich - hocken in einem Abteil im
letzten Wagen eines Personenzuges, dessen Staatszugehörigkeit mir unbekannt ist.
Die Wagen sind sehr luxuriös eingerichtet, die Sitze sind mit dicken grünen
Polstern bezogen und die Wände mit demselben Stoff ausgeschlagen. Durch das
Fenster kann ich weit hinaus in eine leicht hügelige Landschaft sehen, die
einzig mit Nadelbäumen bewachsen ist. Der außerordentlich dichte Wald erstreckt
sich bis zum Horizont und erinnert mich an Bilder der Taiga.

Plötzlich kommt mir die Idee, die Gelegenheit dieser spezifischen Traumsituation
dafür zu nutzen, einen Flugversuch zu starten. Einerseits sind wir hier
ungestört und andrerseits wissen alle hier im Abteil anwesenden Personen um
meine Fähigkeit, im diesem Zustand fliegen zu können.

Ich ziehe also das Fenster hinunter und springe hinaus. Für einen kurzen Moment
scheinen meine Frau und unsere Tochter erschreckt zu sein, denn ich bleibe mit
einem Fuß am Fenster hängen und bekomme ihn erst nach ein paar Augenblicken
frei. Aber dann fliege ich los und spüre bald einmal einen feinen Sog, der mich
nach oben zieht. Ich könnte mich dem sanften Zug widersetzen, tue dies aber
nicht, weil ich davon überzeugt bin, daß mich dieser an einen Ort bringen wird,
den ich aus eigener Kraft niemals zu erreichen vermag.

Der Sog wird immer stärker und damit erhöht sich auch die Fluggeschwindigkeit.
Die Hügel fallen schnell unter mir zurück, und erst jetzt wird die unglaubliche
Weite dieses Landes sichtbar. Ich bin erschüttert, denn unter mir ist auch ein
riesiger See von den Ausmassen eines Binnenmeeres zu sehen. Die Sonne steht
bereits ziemlich tief am Horizont, wodurch die Strahlen seltsam gebeugt werden.
Es sind merkwürdige Effekte zu beobachten, welche dem Wasser und den Hügeln ein
farblich äußerst fremdartiges Aussehen geben.

Die Geschwindigkeit wird weiter gesteigert, so daß sogar die Konturen der Wolken
verwischen - und zu guter Letzt ist überhaupt nichts mehr zu erkennen. Um mich
herum ist es dunkel geworden. Schließlich fliege ich in eine totale Finsternis
und Schwärze hinein. In diesem schwarzen Raum gibt es keine Anhaltspunkte mehr,
weshalb gleich zu Beginn ein Gefühl der Panik aufsteigt. Es gelingt mir jedoch
ziemlich rasch, diese Gemütsbewegung zu überwinden, mich zu beruhigen und mich
zu 'orientieren'. Ich merke auch, daß ich mich zum 'Erwachen' im physischen
Körper zwingen könnte. Dies wäre verlockend, denn es gelingt mir nicht, 'Licht'

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in die Finsternis zu bringen. Ich versuche krampfhaft, meine - vermeintlich
geschlossenen - Augen zu öffnen. Aber das funktioniert nicht! Vermutlich sind
die Augen also bereits offen und die Dunkelheit um mich herum ist nicht die
Folge einer Unterlassung meinerseits, sondern echt!

Ich beschließe deshalb, die Finsternis zu akzeptieren und nicht in das Bett und
damit in den physischen Körper zurückzukehren, sondern abzuwarten und einfach
mal der Dinge zu harren, die geschehen werden oder an mich herantreten wollen.
Ich lasse mir also Zeit und übe mich in Geduld - und spüre doch langsam wieder
etwas, nämlich meinen Zweitkörper. Sehen kann ich nichts, aber immerhin habe ich
mich beruhigt. Da nichts weiter geschieht, beschließe ich, mich vorsichtig ein
wenig rundum zu bewegen und 'tiefer' in die Schwärze 'abzutauchen', wobei ich
zur Sicherheit meine Arme ausstrecke und die Hände vor mich halte.

Es dauert eine Weile, doch dann stoße ich auf eine Art Boden, auf dem ich mich
vorsichtig herumtaste. Gleich zu Beginn kriege ich einen harten Gegenstand von
etwa zehn Zentimeter im Durchmesser zu fassen. Ich hebe ihn sachte hoch und
bemerke, daß es sich dem Gewicht nach zu urteilen um einen metallenen, flachen
Gegenstand handelt. Ich halte ihn in meinen Händen und frage mich, wie es denn
weitergehen soll?

Da erwache ich und bin der Meinung, zu Hause auf der SA-Ebene im Bett zu sein.
Aufgrund meiner Erfahrungen mit dem "falschen Erwachen" schaue ich mich
vorsichtig um und vermeide jede überstürzte Handlung, solange ich mir meines
Zustandes nicht absolut sicher bin. Dann realisiere ich, daß es sich um einen
mir nicht bekannten SB-Bereich handelt. Es ist ein kleines Zimmer mit einem
Doppelbett. Ich bin auf der Fensterseite erwacht, und meine Frau hat auf meiner
linken Seite geschlafen.

Draußen erkenne ich das hügelige Waldgebiet wieder. Die Wände sind ebenso aus
dunkelbraunem Holz wie der Boden, die Decke und die Möbel. Offenbar bin ich in
einer Ferienwohnung! Aber dann 'erinnere' ich mich, daß es sich auf dieser Ebene
um ein Hotelzimmer in einem Dorf am Rande der Zivilisation an der Grenze zu den
unendlichen Waldgebieten handelt.

"Je nun denn - jetzt bin ich eben hier und noch nicht auf der Alltagsebene",
denke ich und betrachte die aus der Dunkelheit stammende, kostbare Metallplatte.
Auf ihr ist ein Relief eingearbeitet. Leider sind die Konturen nur sehr schwach
ausgebildet, weshalb die Darstellung nicht zu identifizieren ist. Auch die
eingravierten Schriftzüge sind kaum lesbar. Und der Teil, der gelesen werden
kann, läßt sich nicht auswendig lernen, so sehr ich mich auch darum bemühe. Ich
hätte, nämlich gerne wenigstens ein paar Erinnerungsspuren in den Alltag hinüber
gerettet. Die Schwierigkeiten dieses Textes sind aber für die zur Verfügung
stehende Zeit zu groß. ...

Die Metallplatte wurde vom Ich in der Dunkelheit gefunden und ans Licht
gebracht, aber ihre Botschaft konnte nicht erkannt werden. Das ist ärgerlich,
beruht jedoch auf einem Fehler, der für die westeuropäische Einstellung - also
auch für mich - typisch ist. Während die einen im Gestrüpp tiefenpsychologischer
Anschauungen hängen bleiben, verhalten sich andere in einem LD oder einer OOBE
als Touristen und wollen einfach nur Spaß haben. Meine Haltung hier war
eindeutig "touristisch" und "spaßbetont". Auch wenn ich mich 1976 bereits
einigermaßen von den Fallstricken der Psychologie befreit hatte, war der Reiz
der "lässigen Ferienstimmung" zu verlockend. Sie führt hier zu Flugmanövern,
aber ebenso leicht könnte sie sexuelle und andere Lustbarkeiten zur Folge haben.

Das Undefinierbare und Unbekannte zieht mich immer höher hinauf, und ich sehe
unglaublich weit und bekomme sogar einen umfassenden Überblick. Was ich dabei
aber übersehe, ist die Tatsache, daß es sich hier um ein total unerforschtes
Gebiet handelt, in dem von mir - von oben - überhaupt nichts detailliert erkannt
werden kann. Um beispielsweise einem sibirischen Schamanen oder einem Krafttier
zu begegnen, hätte ich mitten in der Taiga landen müssen! Dies wäre dann der
Beginn einer initiatorischen Suchfahrt gewesen - einer Quest, wie sie auch von

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den Indianern unternommen wird. Das geschieht hier nicht, womit wohl die größte
Schwäche meines Ansatzes zum Ausdruck kommt, der darin besteht, daß ich mich in
den Bereichen außerkörperlicher Seinsweise ohne Rückbezug zu irgendwelchen
konkret vorhandenen Traditionen bewege - im Gegensatz etwa zu Carlos Castaneda,
Tom Brown, Dan Millman oder Mary Summer Rain.

Zum Glück ist meine Haltung eher abwartend. Auch verstumme ich angesichts der
totalen Unbekanntheit und schaue zuerst einmal nur staunend hin - und suche
nicht krampfhaft gleich nach Erklärungen. Die Ungewißheit und das Gefühl des
Ausgeliefertseins wird bei dieser Erfahrung durch den Sog eher noch verstärkt.
Grundsätzlich hatte und habe ich aber keine Chance, mich gegen das Ganz-Andere
aufzulehnen. Würde ich dem Geschehen nicht einfach vertrauen, müßte ich stets
sofort wieder "ins Bett" zurückkehren. Und ohne Vertauen wäre ich längst
wahnsinnig geworden, einer Inflation verfallen oder in den Skeptizismus
abgesunken.

Alte und neue Pflichten

Zur einer eher unfreiwilligen Auseinandersetzung mit einer Kostbarkeit kam es am


6. Mai 1978.

... Es ist schon sehr merkwürdig - ich bin sozusagen gerade in diesem Augenblick
voll erwacht und erfasse sofort und völlig problemlos die etwas vertrackte
Situation. Der außerkörperliche Zustand ist mir bewußt, ebenso die Tatsache, in
einer anderen Welt und in einer anderen Zeit zu sein. Auch der Ort läßt sich
sogleich als ein SB-Basel und damit als eine Parallelwelt identifizieren.
Seltsam, sehr seltsam! Und ich bin mit einem mir nicht bekannten Auftrag
unterwegs zu einen geheimen Ort, werde diesen aber nur auf einem außerordentlich
komplizierten Weg erreichen können.

Der Weg führt vor allem durch unbewohnte und kaum jemals begangene Zonen der
Stadt - auch durch Häuser. Es sind Gänge, Estriche und Dachwohnungen zu
durchschreiten, und Dächer und Mauern zu überqueren. Es ist sehr früh am Morgen,
also eine Zeit, zu der so oder so extrem wenige Menschen unterwegs sind.

Die Strecke kommt mir bekannt vor, und muß von mir schon einmal begangen worden
sein - eventuell sogar mehrere Male. Aber wann war das? Und weswegen? Auf diese
Fragen sind keine Antworten zu finden. So lasse ich sie denn auf sich beruhen.
Es genügt mir, aus einem intuitiven Wissen heraus zu handeln. Aber trotz der BK
sind mir keine direkten Erinnerungen aus jener Zeit zugänglich, die mir hätten
Aufschluß geben können. Mich erstaunt immer wieder, daß die richtige
Entscheidung exakt zum richtigen Zeitpunkt getroffen werden kann, weil einfach
aus einem Nirgendwo das notwendige Wissen auftaucht.

Die Räumlichkeiten und der Zweck des Unternehmens sind mir beinahe bekannt -
aber eben nur beinahe. Die eigenartige Vertrautheit mit den Orten gibt eine
wohltuende Sicherheit. Meine Schritte werden gelenkt durch eine seltsam
unkritische Bejahung des diesem Tun zugrundeliegenden unfaßbaren Sinnes. Irgend
etwas treibt mich unablässig vorwärts. Andererseits weiß ich auch, daß dieser
Gang der letzte seiner Art sein wird - und gerade deshalb fehlerfrei,
gewissenhaft und vollständig durchgeführt werden muß.

Unterwegs begegnet mir eine kultivierte ältere Dame, die mich von früher her
kennt, nämlich aus der Zeit, als ich hier auf diesem Wege geheime Missionen
durchgeführt habe. Mir scheint, daß diese etwas mit der Mystik der evangelischen
Christen zu tun hatten und unterhalte mich nett mit der Frau darüber - im Wissen
darum, daß sie dieselben Ziele verfolgt. Das Fatale ist nur, daß es für mich
keine faßbaren Erinnerungen, sondern bloß nebelhaft wogende Fetzen aus
unzugänglichen Zeiten und Welten gibt, die schon beim Heranwehen zerfließen.

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Etwa aus einem früheren Leben? Und weshalb muß gerade jetzt dieser Gang
unternommen werden? Und wozu denn diese ungenauen Erinnerungsspuren? Fragen über
Fragen! Sie sind alle nicht zu beantworten, und es ist jetzt nicht die Zeit,
ihnen nachgehen. Da nützt mir auch die BK nichts, denn als erstes muß dieser Weg
zu Ende gegangen werden. Ich darf mich nicht ablenken lassen und muß unbedingt
wieder zurückkommen. Langsam nervt mich das alles. Aber auch das ist völlig
belanglos, denn es ist einfach so, daß ich hier eine Sache zu erledigen habe -
und das ist simpel meine letzte Pflicht an diesem Ort. Erst dann werde ich über
das weitere Tun selber entscheiden können.

Dann verliert sich alles und endlich erreiche ich das Ziel, allerdings gibt es
da wieder nichts, was erinnert werden könnte. Nach Erledigung des Auftrages gehe
ich folgsam den Weg über die Dächer und durch die leeren Räume zurück. Mehr als
einmal schwebe ich durch feste Mauern und verschlossene Türen. Einige Leute
sehen mich als Geist, für andere bin ich unsichtbar.

Die Morgenstimmung ist sommerlich. Die aufgegangene Sonne fällt auf die
Holztäfelungen in den Zimmern und auf die Kostbarkeiten, die an den Wänden
hängen und auf Podesten stehen. Dies alles scheint zum 18. oder l9. Jahrhundert
zu gehören, aber es könnte durchaus eine noch früheren Zeitepoche sein. Auf
jeden Fall befinde ich mich in einem reichen Bürgermilieu. Die friedliche
Stimmung trügt aber insofern, als der Beweggrund für mein Handeln ein
geheimnisvoller Auftrag ist. Würde meine Mission erkannt, wäre es mit dem
Frieden schnell vorbei und eine wilde Verfolgungsjagd fände statt - oder es
müßte sogar mit noch schlimmeren Sanktionen gerechnet werden. Deshalb ist es
enorm wichtig, daß ich meine Fragen in den Hintergrund stelle und ihnen unter
keinen Umständen nachgehe - was dank der BK mit Leichtigkeit geschehen könnte.
Die vielen Fragen dürfen mein äußeres Erscheinungsbild und meine "Schwingungen"
nicht im geringsten beeinträchtigen. Ich darf mich nur auf die wegleitenden
Ahnungen und "Erinnerungen" konzentrieren, die meine Schritte zurück zum
Ausgangsort führen.

Endlich habe ich es geschafft und bin frei! Als nächstes komme ich zur
"Pauluskirche", wo ein paar Leute stehen, mit denen ich über die Geheimnisse der
Mystik spreche. Es geht dabei vor allem um Mystiker, die mir von dieser Ebene
her bekannt sind und es trotz blendender Voraussetzungen nicht geschafft haben,
die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen. Unter ihnen ist auch ein
gewisser Markus, von dem ein ganz besonderer Gegenstand in meine Hände fiel.
Geschah dies vorher am Zielort? Es ist ein kurzer Stab, eine Art Stift. Dieser
nutzt ihm - wo auch immer er jetzt sein mag - nichts mehr. Der Stab wurde ihm
wieder weggenommen, weil er seine Chancen aus mir nicht bekannten Gründen vertan
hat.

Es handelt sich um einen etwa 15-20 cm langen und gut 3 cm dicken Stab aus einem
ockerfarbenen, durchsichtigen Edelstein. Das Ding stammt aus Arabien und ist
mindestens 2000 Jahre alt. Am einen Ende ist er stumpf zugespitzt, auf der
gegenüberliegenden Seite in einen dunkelbraunen Griff aus Edelholz gefaßt. Das
Holz ist extrem hart und äußerst selten.

Ich demonstriere den Anwesenden, wozu der Stab dient und was der Markus alles
damit hätte machen können. Man kann durch den Stab wie durch ein Fernrohr
durchsehen. Dabei kommt es zu einer merkwürdigen kaleidoskopartigen Erscheinung,
und ein arabischer Text wird sichtbar. Ich kann ihn allerdings nicht lesen und
schon gar nicht verstehen. Es muß aber ein außerordentlich wichtiger Text sein,
speziell für den Besitzer dieses Stabes - in diesem Falle also für Markus.
Leider hatte er sich nicht der Mühe unterzogen, ihn zu ergründen.

Für mich stellt sich nun die Frage, ob ich lernen muß, den Text zu lesen und zu
verstehen. In dem Moment weiß ich aber auch, daß dies später - und nicht von mir
- entschieden wird. Es wäre durchaus möglich, doch vorläufig spielt das keine
Rolle!

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Dann demonstriere ich eine andere Eigenschaft des Stabes und richte die Spitze
auf die vorüberziehenden Wolken. Ein bleistiftdicker gelber Strahl sticht in den
Himmel und zerteilt fein säuberlich eine größere Wolke, wobei der linke Bereich
total aufgelöst wird.

"Aber das ist doch ..." und blitzartig werde ich mir dieses aberwitzigen
Geschehens bewußt und erkenne die entfesselten Kräfte. Und die Folgen sind auch
sogleich sichtbar. Der aufgelöste Teil der Wolke verursacht starke Winde, die in
der Höhe sehr kalt sind und unten am Boden eisige Böen verursachen. Nach etwa
einer Minute fällt bereits dichter Schnee.
"Die Pflanzen könnten bei den Böen und unter der Schneeschicht Schaden nehmen. -
Ein Ärger, daß ich die Folgen dieser scheinbar notwendigen Demonstration nicht
früher bedacht habe!"
Fieberhaft überlege ich, wie der Stab funktioniert, denn der Fehler muß
unbedingt ausgebügelt werden.
"Möglicherweise läßt sich ein weiterer klimatischer Schub auslösen und die
Kälteperiode wird beendet, bevor die Pflanzen irreparabel geschädigt werden!"

Ich muß das Risiko eines weiteren Versuches auf mich nehmen - allein schon wegen
der Pflanzen - und richte den Stab gegen den Himmel. Es ist die gleiche Stelle
wie zuvor, doch jetzt ist sie wolkenfrei und blau. Ich lasse den Strahl nur für
kurze Zeit aufleuchten - und deaktiviere dann den Stein. Bereits nach wenigen
Sekunden kommen heiße Winde auf, die das Ende der Kälteperiode ankünden und
schließlich zu einem Ausgleich führen.

Ich lerne daraus, daß der Stab sowohl klirrenden Frost wie auch gleißende Hitze
hervorrufen kann. Der Stab ist also eine fürchterliche Waffe! Und es ist zu
vermuten, daß erst ein kleiner Teil der Einsatzmöglichkeiten sichtbar wurde. Der
vormalige Besitzer des Stabes, Markus, hatte es versäumt, sich mit dem Stab
auseinanderzusetzen. Das hätte fatalste Folgen haben können.

Klar ist, daß diejenige Person, der dieser kostbare Edelstein zugesprochen wird,
es unter keinen Umständen versäumen darf, das ihm zugefallene Erbe zu verstehen
und zu entschlüsseln. Ich frage mich, was mit dem "Werkzeug" geschehen soll.
Noch scheint nichts entschieden. Doch vorerst ist der Stab in meinen Händen, und
ich muß - ob ich das nun will oder nicht - dafür die Verantwortung übernehmen.
Und das ist wahrlich keine leichte Sache!

Die geheimen Missionen scheinen etwas mit kostbaren Gegenständen zu tun zu


haben, worauf nicht nur der Stab, sondern vor allem die Pretiosen in den Räumen
des Bürgertums hinweisen. Es ist daran zu denken, daß in den letzten 200 Jahren
viele spirituell hochpotente und für das betreffende Volk heilige Gegenstände
bei Forschungs- und Entdeckungsreisen skrupellos aus ihrem Wirkungszusammenhang
gerissen wurden. Das Sammelgut verschwand dann in einem Museum, wo es
bestenfalls in Vitrinen von einem Publikum unverbindlich bestaunt werden konnte,
das weder eine Ahnung noch ein Interesse daran hatte, mit der spirituellen
Wirksamkeit der Kostbarkeiten konfrontiert zu werden. Manche Stücke dienten auch
einfach der Verschönerung eines Heimes, galten als primitiv, exotisch und
heidnisch, waren sinnentleert und hatten bloß noch die Funktion, den Reichtum
einer Familie zum Ausdruck zu bringen.

Und jene, die sich "professionell" mit Dingen wie z.B. Schamanentrommeln,
Totempfählen, Meditationssteinen, Masken und Totenschiffen oder auch mit dem
Erzählgut eines Volkes beschäftigt haben, klassifizierten und interpretierten
gemäß ihrer Ausbildung und ihrer Schulzugehörigkeit. Es wurde allgemein
versäumt, sich mit der spirituellen Dimension der Eingeborenen
auseinanderzusetzen und die eigenen nächtlichen Erfahrungen miteinzubeziehen.

Lehm als 'prima materia'

Ganz gewöhnliche Erde

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Lehm scheint etwas Gewöhnliches zu sein, aber dem ist nicht unbedingt so - und
das zeigt sich nicht nur in der Traumerfahrung vom 26. Februar 1972, sondern
z.B. auch in einer persischen Sufi-Erzählung: "Als Sein Atem einen Klumpen Lehm
berührte, entstand der Mensch (S.12). Er nahm Lehm und knetete ihn mit Wasser,
und nach vierzig Morgen hauchte Er den Geist ein, der den Körper belebte (S.13).
Als sich die Seele mit dem Körper vereinigte, wurde sie ein Teil des Ganzen: Nie
hat es einen so wunderbaren Talisman gegeben. Die Seele hatte Anteil am
Erhabenen, der Körper am irdischen Niederen; so entstand eine Verbindung aus
schwerem Lehm und reinem Geist. Diese Mischung machte den Menschen zum
erstaunlichsten aller Geheimnisse (S.15-16)." (Farid ud-din Attar
"Vogelgespräche - Die berühmte persische Sufi-Erzählung über die Pilgerfahrt
nach Innen" (Interlaken: Ansata, 1988).)

... Ich wandere bei sommerlicher Hitze zusammen mit meiner Frau durch eine mir
unbekannte bewaldete Gegend, die entfernte landschaftliche Ähnlichkeiten mit dem
Voralpengebiet zwischen Sempacher- und Vierwaldstättersee hat.

Plötzlich explodiert etwas in der Ferne - wahrscheinlich ein Öltanklastwagen -,


und ein unvorstellbar großer Flächenbrand entsteht, der sich rasend schnell nach
allen Richtungen hin ausbreitet. Allem Anschein nach kann er selbst bei Einsatz
aller zur Verfügung stehenden Mittel nicht unter Kontrolle gebracht werden. Eine
Umweltkatastrophe ganz gewaltigen Ausmaßes fegt über das Land hinweg!

Was tun? Das Feuer nähert sich unaufhaltsam. Ein Hinüberwechseln in den im Bett
liegenden Körper kommt für mich nicht in Frage, und mittels magischer
Operationen ist hier nichts auszurichten. So "lausche" ich ruhig und still in
mich hinein, um die innere Stimme zu vernehmen. Das braucht zwar einige
Überwindung, aber schon nach kurzer Zeit höre ich so etwas wie eine Anweisung.

Ohne nachzufragen befolge ich den Rat, gehe mit meiner Frau zur zugewiesenen
Stelle und beginne ein Loch auszuheben. Zu Beginn ist mir völlig unverständlich,
weshalb gerade hier gegraben werden muß. Doch je tiefer ich buddle, desto mehr
verstehe ich die Anordnung, denn ich stoße bald auf weichen gelben Lehm und gehe
sogleich daran, eine kleine Höhle vorzutreiben, damit wir uns darin verkriechen
können, wenn die Feuerwand herankommt.

Wie ich jedoch sehe, daß die Leute in der Nähe ihr Hab und Gut zusammenraffen
und fliehen, will ich es ihnen nachtun, verlasse die Grabungsstätte und denke,
wir könnten es mit Leichtigkeit bis zu unserem neuen gelben VW schaffen, bevor
das Feuer uns erreicht.

Dann erwache ich so halb im Bett und überlege mir sogleich, daß es doch klüger
wäre, das Loch weiter auszuschaufeln, denn bei einem unverhofft aufkommenden
Wind hätten wir absolut keine Chance.

Das Erdöl ist eine flüssige "prima materia", ein 'öliges Wasser' ('aqua
unctuosa'), d.h. eine Substanz und Lebenskraft aus den Tiefen des "kollektiven
Unbewußten". Dessen Energien bleiben so lange latent, bis ein auslösender Faktor
wie ein zündender Funke wirkt und einen langsamen Verbrennungsprozeß auslöst.
Dieser "Brennstoff" ist allgemein zugänglich, aber der Umgang mit ihm ist oft
unsorgfältig, und es kommt selten genug zu einer bewußten Auseinandersetzung.
Unachtsamkeit läßt das "Gefäß mit diesen Lebensenergien" früher oder später
zerschellen. Dies ist gleichbedeutend mit einer Sinn-Entleerung und führt
schließlich zu einer explosionsartigen Entzündung der sich in Luft auflösenden
vitalen Kräfte.

In der Folge entsteht eine vernichtende Feuersbrunst, bei der die Gefühle und
Emotionen mächtig auflodern und eine immense Hitze erzeugen, die das Innere des
Menschen total ausglüht. Schließlich wird der Wesenskern ausgebrannt (burning
out). Nun ist der Mensch nur noch eine leere Hülle und geht leer und unerfüllt
durchs Leben. Dies ist durchaus eine kollektive Katastrophe, die sich wie ein
Flächenbrand ausbreiten kann.

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Es ist die inneren Stimme eines jeden einzelnen Menschen, welche die Rettung aus
dieser Situation - oder besser gesagt das Überleben dieser Katastrophe -
gewährleistet. Wer auf sie hört und ihren Rat befolgt, hat eine reelle Chance.
Bei mir war es so, daß ich mich 1972 zu sehr von kollektiven Meinungen ablenken
ließ und letzten Endes eher dem Universitätsstudium und der Ausbildung zum
Psychotherapeuten vertraute, statt weiter in die Tiefe zu graben und mich mit
der "prima materia" in Form des "gelben Lehms" auseinanderzusetzen.

Ich wußte damals nicht, daß äußerliche Stützen aufzugeben sind, wenn die
Eigentlichkeit zum Vorschein kommen soll. Die Vorstellungen und Anschauungen der
Welt mußten - auch wenn sie Sicherheit zu geben versprachen - zerstört werden,
damit sich der Wesenskern ungehindert zu entfalten vermochte. Hätte mir damals
jemand gesagt, dies alles habe mit der BK und der Außerkörperlichkeit zu tun,
ich hätte es weder intellektuell noch gefühlsmäßig verstehen können, sondern
einfach nur als kryptisch und verworren beiseite geschoben.

Das Herz im Straßenstaub

Am 17. Februar 1977 wurde der Lehm mit dem Herzen in Verbindung gebracht.

...Die städtische Gegend, in der ich mich im Bewußtsein meines Zustandes


befinde, ist verglichen zur Alltagsebene sehr stark verfremdet und macht zudem
einen mittelalterlichen Eindruck. Die Stimmung und das Aussehen dieses
Stadtteils erinnern mich an frühere Träume, die hier stattgefunden haben. Ich
ziehe daraus die Schlußfolgerung, daß dieser SB-Bereich auf eine ganz besondere
Art stabil bleibt und eine zur SA-Ebene parallele Existenz besitzt.

In einem schmalen Gäßchen in der Nähe des Münsters ist eine höchst gediegene
kleine Gourmet-Beiz, die ich zielstrebig aufsuche. Der laue Sommerabend erlaubt
es uns, draußen einen Tisch zu nehmen. ... Der Kellner bringt die Speisekarte.
Ich freue mich, ein wirklich köstliches - allerdings auch sehr teures - Menü
aussuchen zu können und vertiefe mich in die Karte.

Plötzlich steht die Wirtin wieder neben mir und begrüßt mich freundlich mit
"Guten Abend Herr Zurfluh!"

Ich bin mehr als erstaunt: "Woher in aller Welt mag die Frau meinen Namen
kennen?"

"Ich wollte Sie nur fragen, ob Sie nicht das Herz wegnehmen könnten, das Sie im
Winter beim Vorbeifahren mit dem orangefarbenen VW überrollt und in die lehmige
Straße eingedrückt haben?"

"Verblüffend! Hat sich die Frau etwa die Autonummer gemerkt?" Ich überlege und
finde keine Lösung.

Und die Wirtin fährt fort: "Seither sind ständig Dromedare darüber gelaufen!
Auch die kleinen Kinder schlecken immer wieder am Herz. Und sie berühren es, so
daß es nun ganz ausgefranst ist. - Jetzt wird es wärmer und das Herz könnte
faulen!"

Ich wundere mich sehr über das, was die Frau eben sagte, denn das alles ist mir
völlig unerklärlich. Vor lauter Verblüffung erwache ich im Bett.

Eines läßt sich jedenfalls sagen: Lehm und Herz gehören irgendwie zusammen.
Ebenso Wüstenstaub und Dromedare, Kontakt und Kinder, Wärme und Fäulnisprozeß.
Aber was bedeutet das alles? 1977 hatte ich noch keine Ahnung, die Puzzleteile
lagen noch etwas weit auseinander. Meine Aufgabe war es, das Herz aus dem Lehm
der Straße zu bergen, damit es dort nicht verstaubte oder sogar verfaulte. Ich
hatte es offenbar aus Unachtsamkeit verloren und mußte nun daran gehen, die

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Dinge wieder ins Lot zu bringen und den Zusammenhang mit dem Lehm zu begreifen.
Heute ist mir schon klar, worum es damals ging, doch rückblickend ist es wohl
immer leichter, den Dingen auf die Spur zu kommen.

Eine Apokalypse

Lehm kann bei Erdrutschen auch gefährlich werden. Das Erlebnis, von dem ich nun
erzähle, geschah am 4. Juli 1980, beginnt harmlos und sehr persönlich als
normaler Traum im Elternhaus, bringt Familiäres zu Sprache und leitet beinahe
unmerklich über in den Bereich des Gesellschaftlichen. Den ersten Teil lasse ich
weg und beginne an der Stelle, wo das Geschehen ins Kollektive mündet:

... Nach geraumer Zeit gerate ich in einen großen, ausschließlich unterirdisch
angelegten Bunker, in dem mehrere hundert Soldaten einquartiert sind. Er ist
einer riesigen Zivilschutzanlage ähnlich. Hier ist Feuer ausgebrochen, weshalb
die Männer aus den tieferen Etagen hinaufsteigen. Bald einmal sind alle ins
oberste Stockwerk des Bunkers geflüchtet, die meisten mehr oder weniger
verletzt. Ich selber bin einer der wenigen, die keinerlei Verletzungen
davongetragen haben und bin - wie übrigens die meisten anderen auch - aus
eigener Kraft den Fluchtschacht hinaufgeklettert. Das ist unglaublich schwierig
und mühsam gewesen, denn die vielen Soldaten hatten die Röhre beinahe total
blockiert. Die ausgebrochene Panik machte die Flucht nach oben zu einem äußerst
riskanten Unternehmen. Jederzeit hätte mir jemand mit seinen schweren Schuhen
auf die Hände oder den Kopf treten können.

Nun liege ich inmitten von Verletzten und total Erschöpften. Sie werden von
Sanitätern betreut. Trotz des großen Gedränges ist die Stimmung der Geretteten
gut, denn alle sind froh, wenigstens dem grausamen Feuertode entronnen zu sein.

Ich trage Uniform und bin Soldat - und bin sehr beunruhigt, denn irgendetwas
scheint nicht zu stimmen. Die Ursache für die Feuersbrunst muß sehr ungewöhnlich
sein, gräßlicher und furchtbarer als irgendjemand hier anzunehmen gewillt ist.
Dennoch tun alle so, als wäre nichts Außergewöhnliches geschehen.
"Dieses Feuer dürfte erst der Anfang einer noch viel größeren Katastrophe sein!"
denke ich. "Sehr bald wird etwas sehr Schlimmes geschehen, etwas, das die Freude
über die Rettung total vergällen wird."

Die Ahnungen sind direkt überwältigend, weshalb ich mich sofort melde, als
Freiwillige für eine Erdrutsch-Wache draußen unter freiem Himmel gesucht werden,
weil vermutet wird, die Erde könnte wegen der starken Regenfälle ins Rutschen
kommen. Sicherheitshalber sollen Beobachtungsposten aufgestellt werden, die
eventuelle Veränderungen melden. Dabei scheint niemand daran zu denken, daß ein
Erdrutsch unter Umständen derart schnell und mit solcher Gewalt losbrechen kann,
daß Gegenmaßnahmen eine Katastrophe nicht mehr abzuwenden vermögen.

Wie ich beim Aufruf für Freiwillige als erster den Arm hochhebe, sieht mich der
Korporal oder Offizier sofort und ruft - klar und deutlich meinen Namen nennend:
"Zurfluh!"
Anschließend betont er, meine Meldung eigentlich erwartet zu haben, obwohl ich
ein Sanitäter sei, der keine Waffe trage. Offensichtlich bin ich - in seinen
Augen - dennoch ein guter Soldat, der, auch was technische Probleme betrifft,
einigermaßen Bescheid weiß.

Von allem Anfang an - so lautet mein Vorschlag - soll ein Telefon mitgenommen
werden, zumal ich durchaus in der Lage sei, es selbst zu installieren. Es ließen
sich auf diese Weise Erdveränderungen umgehend übermitteln, denn ein Meldeläufer
würde im Ernstfall zu spät kommen! Vor allem aber möchte ich nicht in den Bunker
zurückkehren müssen, da ich mir absolut sicher bin, daß die Katastrophe
nächstens geschehen wird. Um möglichst schnell wegzukommen, anerbiete ich mich,

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die schwere Kabelrolle zu tragen, ohne natürlich etwas über die wahren Gründe
meines Tuns verlauten zu lassen.

Nach ein paar Minuten sind von den etwa fünf Freiwilligen erst zwei startbereit.
Ich dränge darauf, sofort loszuziehen. Dem steht nichts im Wege, denn die
anderen Männer müssen an andere Orte hingehen und von dort aus die Erdbewegungen
beobachten. Also ziehe ich alleine los, denn der mir zugeteilte zweite Mann
kommt nicht. Ich rufe ihm zu, welche Richtung ich einzuschlagen gedenke und
sage:
"Nimm es von mir aus gemütlich und folge mir später nach!"
Meinem Kameraden kommt dieser Aufschub offensichtlich gelegen, zumal er nicht
sonderlich tragfreudig zu sein scheint. Er hat es also keineswegs eilig und
trödelt im Bunker herum, während ich losgehe und das Kabel von der Rolle lasse.
Da ich nicht gedenke, im Moment einer tatsächlichen Erdrutschgefahr nochmals in
den Bunker zurückzugehen, um die anderen zu warnen, muß ich eben per Telefon
meine Beobachtungen mitteilen können.

Kaum bin ich einige Dutzend Meter auf dem schweren, nassen Boden
vorwärtsgekommen, wird der Regen heftiger. Ein Weiterkommen ist schier
unmöglich. Es ist extrem mühsam, auf der glitschigen Unterlage mit der schweren
Last auf dem Rücken einen Halt zu finden, zumal es ziemlich steil und steinig
ist. Ich ringe nach Atem und muß schnaufen. Nach und nach gewinne ich etwas Höhe
und bin nun - wie ein kurzer Blick zurück zeigt - mehr als 50 Meter über dem
Eingang der Bunkeranlagen und gute 200 Meter davon entfernt. Der Regen verstärkt
sich weiter und wird sintflutartig! Der Betonklotz verschwindet hinter einer
Wand von Wasser. Wahre Sturzbäche fallen vom Himmel. Rinnsale rieseln die Hänge
hinunter und vereinigen sich, die Erde aufwühlend und mitreißend, zu braunen
Bachläufen.

Unverdrossen steige ich weiter hinan. Meine Ahnungen beginnen sich rapide zu
bestätigen. Ein Erdrutsch muß die unweigerliche Folge dieser Wassermassen sein.
Der Berghang wird in absehbarer Zeit lebendig werden! Also ist es höchste Zeit,
den Beobachterplatz einzurichten. - An einem weniger steilen Ort, von dem aus
auch die umliegenden Hänge ziemlich gut zu überblicken sind, beziehe ich meinen
Posten.

Einer der benachbarten Hügel scheint in Bewegung zu geraten. Ist es schon


soweit? Beginnt dort drüben der Hang zu rutschen? Ich werde Meldung machen, daß
der Regen die Erde in Bewegung setzt. Oder ist es dafür noch zu früh? Wird man
mir überhaupt glauben, wenn ich berichte, wie flüßig die Erde nunmehr geworden
ist? Wird man die Warnung beachten und den Bunker evakuieren? Schließlich
besteht die Gefahr, daß die Anlagen zugedeckt werden und im Erdreich versinken -
mitsamt all den Soldaten! Aber das zu entscheiden ist nicht mein Problem, denn
ich habe keinerlei Befehlsgewalt.

Wie ich die Telefonstation einrichten will, merke ich, daß die Erde unter meinen
Füßen ins Rutschen kommt. Links und rechts neben mir gleiten die Hangpartien ab.
Von weiter oben wälzt sich ein dickflüßiger Strom herunter - kalten,
schmutzigbraunen Lavamassen gleich.

Beim genauerem Hinsehen - mich durchzuckt blankes Entsetzen - ist zu erkennen,


daß nicht bloß die Berghänge abgleiten, sondern auch die Talsohle sich langsam
vorwärts bewegt. Nichts bietet mehr Halt! Die fließende Masse trägt mich
unweigerlich fort. Die Kabelrolle wird mir jäh heruntergerissen, das Kabel
verschwindet im Dreck. Gewaltige Erdmassen bewegen sich auf den Bunker zu - dort
gibt es kein Entrinnen mehr und jeder Rettungsversuch wäre zum Scheitern
verurteilt.

Auch ich bin ins totale Chaos geraten. Es wird mich wie alle anderen erwischen -
wenn auch fern vom Bunker. Trotz aller Misere ist es mir so viel angenehmer,
denn immerhin bin ich draußen und nicht eingeschlossen und eingekerkert in einer
Betonmasse, einem starren Gebilde, das keinen Schutz bietet, wenn die flüßigen
Erdmassen es verschlingen und zerdrücken!

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Zuerst ist der Erdrutsch ziemlich kompakt, so daß ich mit einiger
Geschicklichkeit das Gleichgewicht wahren und mich auf den Beinen halten kann.
Ein Hinfallen hätte meinen sofortigen Tod bedeutet. Fassungslos blicke ich auf
die tosenden Geschiebe, die sich unaufhaltsam zwischen den Bäumen
hindurchzwängen und sie letzten Endes doch entwurzeln und mitreißen. Stämme
werden umgeworfen und vom Erdbrei zerrissen und verschlungen. Unaufhaltsam
bewegt sich ein gewaltiger Strom vorwärts, wälzt sich von den Hängen, strömt in
den Mulden zusammen und ergießt sich in die Wälder der Ebene.

Von einem der ersten abgeknickten Bäume löst sich ein über zwei Meter langes
Stück von der Seite. Im letzten Moment - bevor ich in der Erde versinke -
gelingt es mir, das borkenbesetzte Holz zu packen und mich darauf zu werfen. Nun
sitze ich in einem äußerst primitiven, aber festen Boot, das mich weiterträgt -
unaufhaltsam geschoben von der Erdmasse.

Wie ein jämmerliches Häufchen Elend klammere ich mich am "Rindenboot" fest -
inmitten eines gewaltigen Stromes aus Erde, der sich tosend und brüllend in ein
breites Tal ergießt und Dimensionen annimmt, angesichts derer alle Worte
verstummen. Nacktes Entsetzen droht mich zu überwältigen. Um nicht in Panik zu
geraten, muß ich den letzten Rest an Mut zusammenraffen, der mir noch bleibt.
Was ich hier sehe, habe ich noch niemals erblickt!
"Apocalypse now!" schwirrt es mir durch den Kopf. Gleichzeitig werde ich mir
schlagartig bewußt, in einem Traumzustand zu sein! Aber angesichts dieses
Geschehens ist mir dies nur ein verschwindend kleiner Trost - eigentlich
überhaupt keiner.

Immerhin läßt diese Einsicht andere Gedanken aufsteigen.


"Dies muß eine Vision sein - und ich habe diesem grauenhaften Geschehen
beizuwohnen, einem Geschehen, das die Grenzen meiner Individualität bei weitem
übersteigt!"
Selbstverständlich habe ich nicht die Absicht, im Bett zu erwachen - wie sollte
ich auch! Ich will mich diesem Anblick, diesem Mitgerissenwerden nicht
entziehen, will ausharren und schauen. Es steht mir klar vor Augen, bloß dank
der Luzidität und damit der erhalten gebliebenen Bewußtheit dazu in der Lage zu
sein.
"Sterblich bin ich so oder so! Der Tod hier wäre ebenso relativ wie jeder Tod
sonst - selbst der in meinem physisch-materiellen Körper, der nun -
makabererweise - friedlich im Bett schlummert."
Das Inferno nimmt kein Ende.
"Vielleicht werde ich tatsächlich hier sterben müssen!"
Aber ich will mich diesem Tod nicht entziehen - bin nun einmal hier - und werde
auch hier bleiben. Was ich hier sehe, ist ein totaler Irrwitz! Als wollte die
Erde sich an all dem Unbill rächen, das ihr seitens der Menschen widerfahren
ist. Sie löst alles auf und zerstört ohne Unterschied sämtliche Strukturen.
Unaufhaltsam wälzen sich die braunen Massen grollend vorwärts. Ströme von Erde
vermengen sich und bilden urmächtige Fluten, die riesige Felsbrocken aus den
Talflanken reißen und ganze Hügel einebnen. Es ist unfaßbar, es ist ein
Weltuntergang!

Und immer noch lebe ich - aber wie lange noch? Als winziges Pünktchen schaukelt
das Holzstück mitsamt seiner Last weiter. Ich schaue mich um - so gut es geht -,
betrachte zutiefst aufgewühlt die zerfließenden Formen, die braunen und gelben
Farben, die sich andauernd mischen, die wahnsinnig gewordene Erde. Innerlich
zitterte ich angesichts dieser gigantischen Wogen, in denen eigentlich niemand
bestehen könnte. Also erwarte ich meinen Tod in jedem Augenblick. Es ist
unwesentlich, daß ich sterbe. Aber dennoch ist es ungemein wichtig, zu wissen,
daß selbst dieser Tod relativ sein wird. Allerdings - so sicher kann ich mir
dessen auch wieder nicht sein, denn es gibt keine Garantie dafür, daß dem
tatsächlich so sein wird.

Dann sehe ich - etwas seitlich am Rande eines Waldes, den die Fluten noch nicht
erfaßt haben - ein jämmerliches Grüppchen Menschen. Es sind Überlebende, die

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gleich mir ihren Tod schicksalsergeben erwarten und im Grunde gar nicht wissen,
weshalb sie eigentlich noch leben. Sie versuchen verzweifelt irgendetwas zu
finden, worauf sie sich setzen könnten, damit sie von den Fluten getragen
werden.

Da mich irgendeine dieser unberechenbaren Strömungen ganz in die Nähe dieser aus
etwa fünf Menschen bestehenden Gruppe treibt, gelingt es mir, mich zu ihnen
durchzuschlagen.

Erstaunt nehmen sie meine Ankunft wahr und billigen auch sofort meinen
Vorschlag, daß wir uns alle auf eine robuste "Decke" setzen sollten, die ich
ganz in der Nähe finde. Wenn wir eng zusammenrücken, haben wir genügend Platz.
Kaum haben wir uns hingesetzt, packt uns eine schwappende Woge und reißt uns
hinein in die tosende Masse. Der Wald hinter uns wird von den Fluten
verschlungen - worauf alles kahl erscheint und wüstenartig. Die Erde bewegt sich
wie eine aufgepeitschte See, was sehr makaber aussieht. Eine zur Wüste gewordene
Erde - hoffnungslos, tragisch, schrecklich und entmutigend. Wie ein verlorener
und elender Haufen - der wir ja auch sind - schaukeln wir willenlos dahin und
starren stumm auf die Erdmassen, die sich mit unvorstellbarer Macht
vorwärtsbewegen.

Wie ein Meer sieht die Erde aus. So weit ich überhaupt sehen kann, werden Berge
und Hügel mehr und mehr eingeebnet. Schließlich ragt etwa 300 Meter vor uns eine
mächtige, gut 100 Meter hohe und scheinbar feste Wand aus reinster lehmiger Erde
- einer Klippe gleich - in den Himmel. In Stücke zerreißend brandet die braune
Erde an die durchgehende Mauer, unterhöhlt sie und weicht sie auf. Lange kann es
nicht mehr dauern bis der Wall vornüberkippt. Die durch den Abrutsch erzeugte
Flutwelle muß uns unweigerlich unter sich begraben - 30 Meter hoch oder mehr
wird sie herangerollt kommen. Das wird das Ende sein!

Fasziniert schaue ich zu, wie der Wall langsam vornüber kippt, immer schneller
fällt, schmatzend in die flüßige Erde einsinkt und sie brüllend hochwölbt - hoch
und höher. Dann ist der Wall nicht mehr zu sehen, denn die Flutwelle rast
inmitten des Brausens der Winde heran. Mein und unser Tod ist zum Greifen nahe.
Fast gelassen warte ich auf ihn. Da gibt's kein Hadern mehr, kein Berechnen - es
wird so sein, wie es sein muß. Vielleicht werde ich zu Hause im Bett erwachen,
vielleicht auch nicht. Und die Woge türmt sich weiter auf, nähert sich mit
gigantischem Getöse und ist, da wir auf sie zugetrieben werden, bald nur noch
wenige Meter vor uns.

Aber - da werden wir hinaufgehoben! Bis zum höchsten Punkt, bis auf den
Scheitel! Beinahe sanft steigen wir an der vorderen Flanke hoch, getragen von
der ockerbraunen, wütenden Erde. Und ebenso sanft gleiten wir wieder hinab - wir
spüren kaum, daß wir eben einen gewaltigen Wellenberg überquert haben. Fast
ironisch scheint mir der Gedanke, daß die physikalischen Gesetze hier irgendwie
ihre Gültigkeit verloren haben.

Dann werden wir in die Weite eines unfaßlichen Meeres hinausgetragen. Bis zum
Horizont erstreckt sich die ockerfarbene Erde. Selbst der Himmel ist gelblich,
so als wollte er sich der Erde vermählen, wollte er mit ihr ein Bündnis
besiegeln. So werden wir dahingetrieben, weiter und weiter - bis zu dem Punkt,
an dem die Fluten völlig unerwartet ein abruptes Ende finden.

Wie abgeschnitten ragt ein hoher Wald mit schlanken, kahlen Stämmen vor uns auf.
Ich komme mir vor, als würden wir an Land gespült, wobei mir die ganze
Widersächlichkeit dieses Geschehens durchaus bewußt ist. Aber gerade deshalb
trifft mich das Unerwartete doppelt, fasse ich das Fassungslose kaum, verstehe
ich die waltenden Gesetze nicht. Eben schien die Erde alles vernichtet zu haben
- und nun hält sie ein vor einem Wald. Wo ist jetzt die apokalyptische Gewalt
der Erdenströme? Wo die gewaltige Masse? Ich weiß es nicht! Das Erdenmeer ist
noch da, aber es dringt nicht zwischen die Bäume, obwohl es genügend flüßig
wäre, um zwischen den Stämmen durchzukommen. Außerdem ist da kein sanfter
Übergang, sondern ein jäher Abbruch. Die Erde bleibt einfach stehen und bildet

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zum Waldgebiet hin einen beinahe zwei Meter hohen Abbruch, so daß wir wie von
einem dicken "Teppich" hinunterspringen müssen, um auf den trockenen Waldboden
zu gelangen. Und der ist ebenso kahl wie die Stämme.

Die Gegend hier ist unglaublich düster. Die Bäume sind derart hoch, daß sie sich
in einer schmutziggrauen Dunkelheit verlieren und jedes Licht ersticken.
Keinerlei Grün ist zu sehen! Diese Gegend ist derart fremdartig, daß sie in mir
stimmungsmäßig eine drückende vakuumhafte Leere erzeugt. Doch nicht nur mir
selber geht es so, auch meine Schicksalsgenossen empfinden gleich. Sie drängen
sich ängstlich zusammen und wissen nicht, was tun.

Ich schaue besorgt in den Wald hinein und sehe ein Wesen, das wie ein Mensch
aussieht. Es ist nackt, knochig und mager und hat einen Kopf gleich einem Ei,
der völlig kahl und irgendwie bläulich-grau ist. Die Gestalt verströmt einen
eiskalten Todeshauch von unbestimmbarer Grauenhaftigkeit. Die Unmenschlichkeit
dieses Wesens ist derart, daß der bloße Anblick blankes Entsetzen hervorruft.
Das ist kein Wesen, das gleich uns aus menschlichen Gefilden hierhin verschlagen
wurde. Es ist ein Wesen, das genuin in diese Welt gehört - und die ist eine
andere als die der Menschen! Ich hege den schrecklichen Verdacht, daß es
Strandgut greifen und sich bestialisch deren Schicksal zu nutze machen will?

In der Ferne zwischen den Bäumen sind noch zwei weitere dieser ruchlosen
Gestalten zu sehen. Dann entdecke ich auch einzelne Menschen, die weit weg sind
und im Wald herumtorkeln - verloren, verlassen und heimatlos geworden im echten
Sinne des Wortes. Leichte Beute für diese unbegreiflichen Wesen, welche die
Gestrandeten zum Wahnsinn treiben und damit in die totale und unbarmherzige
Hoffnungslosigkeit stürzen. Allein das läßt mich kalte Schauder verspüren.
"Wo um alles mag ich bloß sein? Das ist ja eine Welt, von der ich nicht die
geringste Ahnung hatte. Ein Inbegriff des echt Irrationalen im negativsten Sinne
des Wortes. So etwas habe ich noch niemals erlebt. Da ist nichts Humanes mehr.
Wehe den Menschen, die nicht luzid sind und ihre Bewußtheit verlieren! Wehe
jenen, die in Panik geraten!"

Die Nacht bricht herein. Aber es ist keine eigentliche Nacht, denn in dieser
Welt hat es überhaupt nie eine Sonne und damit einen lichtvollen Tag gegeben.
Dennoch wird es dunkler und dunkler!
"Dämmert jetzt die Nacht des schwarz-magischen Wahnsinns?" Ich weiß es nicht!
Eine finstere Nacht ist es auf jeden Fall. Und diese Nacht hat nichts mit einer
alchemistischen Nigredo zu tun, sondern ist etwas, das ich nicht kenne. Hier
lauert nackte Existenzangst, eine Angst, die mich nur deshalb nicht packt, weil
ich wiederum Überlegungen zum eigenen Tod und Sterben anstelle. Da ich den Tod
nicht fürchte - obwohl er hier wie nirgends sonst ein Ereignis ist, das ich zu
fürchten hätte -, bleibe ich ruhig, vernünftig und gelassen. Die hereinbrechende
Finsternis könnte - und das ist die größte Gefahr - jeden normalen
Bewußtseinszustand auslöschen und damit der Bewußtheit ein definitives Ende
bereiten.

Mit meinen Leidensgenossen beratschlage ich, was zu tun sei, und schlage vor,
daß wir uns gemeinsam hinsetzen und die Nacht hindurch meditieren. Würden wir
das nicht tun, könnte eine Panik ausbrechen, die alle mit sich ins Verderben
reißt. Eine derartige Nacht müssen wir einfach gemeinsam verbringen und uns
dabei gegenseitig in der Gruppe unterstützen und kontrollieren. Ich bin der
festen Überzeugung, daß es am besten wäre, die Meditation der "weißen
Schutzglocke" durchzuführen. Also fordere ich alle auf, sich in einem ganz engen
Kreise hinzusetzen und zwar in einer möglichst guten Zazen-Haltung. Jeder müsse
sich eine Glocke aus weißem Licht um die ganze Gruppe vorstellen, die uns
lückenlos umgibt. Auf diese Weise soll ein magischer Schutzschirm und Schutzwall
errichtet werden, der die "Wesen des Todes" davon abhält, sich uns zu nähern
bzw. auf uns aufmerksam zu werden. Wir setzen uns im Kreis hin und beginnen zu
meditieren. Mit der meditativen Versenkung gleite ich hinüber in den Alltag und
erwache im Bett. Es ist halb drei Uhr morgens.

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Gegenüber dem "Seelischen" findet manchmal eine Abschottung statt, die jede
Offenheit vollständig erstickt. Eine solche Bunkermentalität ist mit einer
Erstarrung gekoppelt, die unweigerlich zu einer Verflüßigung und Zerstörung der
inneren Welten führt. Wer unter allen Umständen in seiner selbst gefertigten
geistigen Enge verbleiben will und sich dem Abenteuer einer seelischen Suchfahrt
(Quest) verweigert, verliert den Boden unter den Füßen und wird von den
Betonmauern eines Quaders erdrückt, der von seinem Ego geschaffen wurde. Mich
selber als menschliches Wesen betrifft das ebenso wie die anderen. Auch wenn es
mir gelingt, mich von der Kollektivmentalität abzusetzen kann, bin ich als
Individuum immer in eine menschliche Gemeinschaft eingebettet. Und wenn diese
durch Einbunkerung in die Katastrophe der seelischen Verödung hineinschlittert,
werde ich automatisch mitgerissen - wenn auch mit offenen Augen. Die Auflösung
der individuellen und der kollektiven Grundlagen endet in einem geistigen
Umfeld, das jede Bewußtheit hinwegfegt und ausradiert. Die Quest des luziden
Träumens - des "dormiens vigila" - ist damit verunmöglicht und die dunkle Nacht
des Nichtwissens und seelischen Todes bricht über jene Menschen herein, welche
es versäumt haben, sich meditativ um eine BK und um die Erschließung der "prima
materia" zu bemühen.

Die Ritter in den Silberrüstungen

Lehm ist ein besonderer Stoff, was am 28. Juli 1986 deutlich zum Ausdruck kommt.

In einer Stadt, in der ich mich keineswegs als Fremder fühle - obwohl ich mir
meines Zustandes bewußt bin -, ereignet sich ein bemerkenswertes Ereignis. Es
kommt zu einer Invasion einer ganzen Armee von übergroß gewachsenen Rittern. Die
Hünen tragen eine silberfarbene, aus vielen Einzelteilen bestehende Rüstung, die
nicht den geringsten Teil des Körpers unbedeckt läßt.

Ich befürchte das Schlimmste und laufe zum Friedhof, um dort meine beiden
Kurzschwerter gegen ein Langschwert einzutauschen. Ich erinnere mich nämlich
daran, daß die Leute sagten, auf dem Friedhofsgelände gäbe es ein paar
Langschwerter, die dort in der Erde stecken! Und tatsächlich, hinter dem Zaun
finde ich eines. Es ist von derselben Farbe wie die Silberrüstung der
Eindringlinge. Ich ziehe es aus dem Boden und fühle ich mich sofort besser
bewaffnet. Das Schwert hat einen kunstvoll geschmiedeten Handschutz, ist trotz
seiner Länge leicht zu führen und hat eine sehr elastische und stark federnde
Klinge.

Die Stadtbewohner unterstützen mein Vorhaben, mich zu wehren. Aber nur durch ihr
Wohlwollen. Selber ergreifen sie keine Maßnahmen, die geeignet wären, die
Invasoren zurückzuschlagen. Von ihrer Seite ist also keine weitere Hilfe zu
erwarten.

Damit die Silberritter mich bemerken und verfolgen, verhalte ich mich ziemlich
auffällig. Rasch werden die Eindringlinge auf mich aufmerksam, doch bei der
Verfolgung werden sie durch ihre Rüstungen behindert, weshalb es ihnen schwer
fällt, mir auf den Fersen zu bleiben. Nach dem Überklettern einiger Hinterhof-
Zäune verlieren mich die Hünen aus den Augen. Ich verlangsame meine Schritte,
bleibe jedoch sehr vorsichtig, weil überall die imposant und furchterregend
aussehenden Invasoren herumlaufen.

In einer alten Lagerhalle stoße ich unerwartet auf ein halbes Dutzend Ritter,
die mich sofort angreifen. Der erste wird von mir mit dem Schwert mitten entzwei
geschlagen. Er fällt zu Boden, und ich sehe meine Vermutung bestätigt: die
Rüstungen sind leer! Da ist kein Körper aus Fleisch und Blut in der Hülle!

Dann geschieht etwas Grauenerregendes, denn die zerhackten Teile bewegen sich
aufeinander zu und fügen sich wieder zusammen. Und schon steht der Ritter wieder
vor mir! Dies erinnert mich an den Barbarella-Comic, aber dort fügten sich die

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zerschlagenen Lederteile nicht mehr zusammen. Meine Lage ist somit hoffnungslos,
und es gelingt mir nur äußerst knapp, auf die Straße hinauszurennen und in der
Menschenmenge unterzutauchen. Es sind Leute in einer Trauerprozession, die zum
Friedhof oder zu einem Denkmal pilgern. Ihnen geschieht nichts, und sie werden
von den überall anzutreffenden Rittern nie belästigt.

Bald wird mir wegen der Bemerkungen der in der "Prozession" mitlaufenden
Stadtbewohner klar, daß die Ritter niemandem was tun. Sie attackieren nur, wenn
ein Mensch sich irgendwie auffällig benimmt. Und eben dies tat ich gerade
vorher! Nun gehe ich langsam mit dem Trauerzug durch die Straßen und halte das
Langschwert wie ein Kreuz vor mich, so daß Griff und Handschutz über meinen Kopf
ragen und weitherum zu sehen sind. Nichts geschieht.! Die Ritter achten weder
auf mich noch auf einen anderen.

Es scheint, als würden die Schreckgestalten in einer nur für sie sichtbaren Welt
leben und dort ihren Geschäften nachgehen. Ihre Welt und die unsere haben nur
gewisse schnittmengenartige Überlappungszonen. Nach einiger Zeit bringe ich in
Erfahrung, daß das ganze Ritterheer von einem Wesen befehligt wird, das aus Lehm
besteht. Es muß eine Art Golem sei, der gewisse Ähnlichkeiten mit jenen
merkwürdigen Gestalten hat, die ich zuvor in der Halle neben den Rittern sah.
Manche von ihnen hatten etwas Homunculusartiges an sich, denn ihre Rüstungen
enthielten torfartige Erde, welche die Ritter krampfhaft zu beleben versuchten.
Mich überkam beim Anblick dieses für mich blasphemischen Tuns das schiere
Grausen, denn der Gedanke an die Geschichte von Frankenstein ließ sich nicht von
der Hand weisen. Der Führer aber besteht vollständig aus "Lehm"!

Letzten Endes ist also alles ganz anders! Die Invasoren leben für sich. Ihre
Versuche haben mit den Menschen nichts zu tun. Sie behelligen niemanden und
gehen ihrer eigenen Wege. Nur auf das direkte Ansprechen eines Menschen MÜSSEN
sie reagieren. Dies wird im Verlaufe der Erfahrungen mit den Rittern deutlich
erkennbar. Und die Leute in der Stadt bestätigen mir dies. Deshalb möchte ich
nun von den Rittern etwas erbitten, um das sie noch niemand gebeten hat und das
eigentlich außerhalb ihres Vorstellungsvermögens liegt.

Ich gehe zu einer Gruppe der silbergerüsteten Wesen und sage:


"Ich möchte euren Führer sehen und ihn sprechen!"
Die "Rüstungen" halten in ihren Bewegungen inne, blicken mich geradezu erstaunt
an und scheinen echt aufgewühlt. Aber sie werden meinen Wunsch erfüllen, so viel
steht fest! Nur scheinen sie nicht zu wissen, wie das bewerkstelligt werden
kann. Obwohl sie ratlos sind, machen sie sich sogleich daran, Wege zu finden,
die Begegnung zu ermöglichen. Sie müssen aber zuerst herausfinden, WO ihr Führer
ist. Sie kennen nämlich den Aufenthaltsort des einzige Wesens ohne Rüstung, das
vollständig aus "Lehm" besteht, nicht.

Das "Wesen aus Lehm" könnte etwas mit dem Inhalt des "unum vas" der Alchemie zu
tun haben, welches eine lebendige halborganische Mischung ist, aus welcher der
geistbegabte, lebendige Körper des Lapis hervorgehen wird (vgl. C.G. Jung
"Psychologie und Alchemie" GW 12 (Olten: Walter, 1972:209-210)). Das "Lehmwesen"
ist also eine Art Homunculus. Und dieser hat etwas mit dem Astralleib bzw. dem
Diamantkörper zu tun, welcher Zusammenhang später erläutert wird.

Der Kot der Schlange

Als kostbare Substanz erweist sich am 31. Juli 1986 der von einer gigantischen
Schlange gebildete lehmartige Kot.

... bin in einer Stadt, in der ich mich bestens auskenne. Sie hat aber nicht die
geringste Ähnlichkeit mit einer mir vom Alltag her bekannten Agglomeration. Mir
ist dies alles dank der BK sehr wohl bewußt. ...

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Plötzlich tauchen in den breiten Kanälen, die in der Straßenmitte verlaufen,
Riesenkrokodile auf. Die Tiere springen auf die Straße, verfolgen die Menschen
und können sogar ein paar erwischen. Mir gelingt es nur knapp, den aggressiven
Echsen zu entkommen. Um dem Schnappen der mächtigen Rachen zu entgehen, klettere
ich eine Regenrinne hoch und schwinge mich auf das Dach eines Hauses.

Oben auf dem Flachdach blicke ich wie die anderen, die sich hierher in
Sicherheit gebracht haben, hinunter auf die Straßen und Kanäle. Niemandem ist
erklärlich, woher die Bestien kommen. Seltsamerweise sind jetzt in den Kanälen
keine Krokodile mehr zu sehen.

Doch bei genauerem Hinsehen erblicke ich - vor lauter Entsetzen stockt mein Herz
- ein undefinierbares Etwas. Mitten im Kanal liegt ein schwarz-gelber Schlauch.
Der Durchmesser beträgt mindestens zwei Meter, und das Ding sieht aus wie ein
Schlange. Voller Schrecken versuche ich die tatsächlichen Ausmasse dieses
Wesens, das offensichtlich lebendig ist, auszumachen. Es durchzieht die Kanäle
so weit mein Auge reicht - ist also Hunderte von Metern lang und unüberschaubar
in seiner Größe!

Ich fürchte mich ganz gewaltig vor diesem blauen Ding, zumal es sich zu bewegen
beginnt. Teile der Schlange, deren Haut glatt wie Plastik scheint, winden sich
aus den Kanälen, gleiten den Hauswänden entlang und schlüpfen sogar durch die
Fensteröffnungen.

Die Leute versuchen in panischem Entsetzen davonzulaufen. Aber es gibt kein


Entkommen, denn das Wesen ist riesig. Die zurückgelegten Distanzen mögen noch so
weit sein, das Ding ist im Prinzip immer schon vorher an dem Ort, wohin der
Mensch glaubte fliehen zu können. Diese Tatsache macht mir schmerzhaft bewußt,
daß alle Furcht und jeder Gedanke an Flucht angesichts der Größe dieses Wesens
völlig belanglos sind.

Weshalb sollte ich also Angst vor etwas haben, das überall ist und mich
jederzeit zerstören kann? Aber will es mich denn vernichten? Ist es nicht
vielmehr so, daß ich das Wesen durch mein unsinniges Verhalten beunruhige? Und
daß ich bloß meine, mit jeder Bewegung würde es nach meinem Leben trachten? Es
gäbe ja auch eine andere Möglichkeit. Ich könnte versuchen, Furchtlosigkeit zu
gewinnen und gegenüber den Aktionen des riesigen und undefinierbaren Wesens
offen bleiben. Zudem könnte ich mich ihm liebevoll zuwenden, es beobachten,
genau hinschauen und sorgfältig hinhören.

Ich fasse Mut, steige vom Dach und gehe zum Kanal. Im Wasser sind deutlich die
Windungen des "Riesenpolypen" zu erkennen. Aufmerksam wende ich mich der
unfaßlichen Sache zu und höre plötzlich eine "Stimme". Es ist das
Schlangenwesen, das telepathisch zu mir spricht! Seine Gedanken sind deutlich zu
vernehmen und problemlos zu verstehen. In ihnen drückt sich großes Leid aus.
Während des Gespräches wird mir klar, daß es der Mensch gewesen ist, der durch
sein unachtsames Umgehen mit der Natur dem Kanalwesen viel Schmerz zufügt. Die
Abfälle, die Verschmutzung des Wassers und überhaupt die ganze Art der Nutzung
des Kanalsystems als bloßes Ableitungssystem für Unbrauchbares und Giftiges
haben beinahe zur Zerstörung dieses gewaltigen Bewohners der Kanäle geführt.

Die Schlange öffnet einen Teil ihres Körpers und zeigt mir das Innere. Es
besteht aus einem Gewirr weißer, flacher Fäden, die eine gewisse Ähnlichkeit mit
Holzwolle haben. Das Geflecht quillt auf eine Art und Weise heraus, die mich
frösteln läßt, denn die untoten Gebilde sind mit dem Leben unvereinbar.

Dann kommt etwas anderes zur Sprache, nämlich die Sorge um die Beseitigung der
eigenen Stoffwechselabfälle und des "Unverdaulichen". Das Wesen lebt von dem,
was in den Kanälen ist, ähnlich wie ein Regenwurm, der sich durch die Erde
hindurchfrißt. Aber auch ein Wurm kann nicht von einer Substanz leben, die
durchtränkt ist von Giften. Und genau das scheint das zentrale Problem des
blauen Kanalwesens zu sein, denn die Verschmutzung hat eine kritische Grenze
erreicht.

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Es ist der Schlange gerade noch möglich, zu leben. "Aber so darf es nicht mehr
weitergehen!" höre ich sie sagen. Um mir zu zeigen, was sie mit den Stoffen
macht, die sie aufnimmt, transportiert sie einen Teil des Kotes an die Stelle,
wo ich am Kanalrand sitze und durch den Riß in das Innere ihres Körpers
hineinsehen kann. Es dauert ein Weile - aber diese Zeit genügt, um in mir ein
mulmiges Gefühl entstehen zu lassen. "Immerhin geht es um echten Kot", denke
ich. "Und erst noch um einen, den ich niemals zuvor gesehen, geschweige denn in
Händen gehabt habe. Und wenn die Menge zu groß ist, was dann?"

Endlich wird eine grün-braune Masse, die einen leichten Stich ins Goldfarbene
hat, im weißen Gewirr der Fäden sichtbar. Bald darauf quillt sie heraus - zum
Glück ist es nur wenig. Ich fange das Zeug mit bloßen Händen auf. Es ist warm,
äußerst wohlriechend und von einer nie gefühlten, feinen lehmartiger Konsistenz.
"Wie Walrat! - Eine wunderbare Kostbarkeit, die ich da in meinen Händen halte!"

Das Wesen fordert mich auf, den Menschen diese Masse zu zeigen, damit sie
erkennen können, wie wichtig es ist, daß sie sich ökologisch korrekt verhalten,
und sagt: "Sonst bin ich nicht mehr in der Lage, diese heilende Substanz
herzustellen."

Der "Lehm" hat also sogar eine heilende Wirkung! Ich reibe meine Hände damit
ein. Sie sind - wie schon ganz zu Beginn des Geschehens zu bemerken war - ganz
merkwürdig verhornt. Sogleich werden sie geheilt, und die Haut fühlt sich fein
und glatt an. Diese Wirkung ist beglückend und gibt mir einen zusätzlichen
Anstoß, das Anliegen des mächtigen Wesens bei den Menschen zu vertreten. So gehe
ich denn zu einer Menschansammlung, um die Leute darauf aufmerksam zu machen,
welche Zusammenhänge zwischen ihrem Tun und dem "Wesen der Natur" bestehen und
wie wichtig es ist, ökologisch zu denken und zu handeln.

Der "kotige Lehm" erinnert an die "prima materia" bzw. an jene wunderbare
Substanz, die der Alchemist im Dreck findet. Es ist übrigens so - ganz nebenbei
gesagt -, daß auch die in den Lehrbüchern der Magie angegebenen "Rezepte" oft
die Verwendung ganz besonderer Gegenstände vorschreiben, um deren Benutzer von
den herrschenden Vorstellungen und der geltenden Ordnung zu entfremden und ihn
in einen außergewöhnlichen Zustand zu versetzen. Die dafür bei magischen
Operationen verwendeten Dinge sind oft extrem grausam und blasphemisch. So
gelten z.B. Kinderfett, heilige Hostien, Menstruationsblut, lebende Kröten,
Katzenaugen, Leichenteile und ausgerissene Fledermausflügel als Bestandteile von
Zaubertränken. Und Castaneda schreibt, er habe auf Geheiß von Don Juan Augen und
Mund lebender Eidechsen zugenäht. (Vgl. Die andere Realität, die Lehren des Don
Juan S.113-124.) Jede dieser Zutaten und Handlungen bezwecken einzig und allein,
daß das Ich seine Alltagsperspektive verliert, von den Vorspiegelungen des
Gewohnten wegkommt und das zauberhafte und mirakulöse Substantielle der
Wirklichkeit im Dreck des Alltags findet. Die gefundene "prima materia" bietet
dann die Voraussetzung für die "Herstellung" des "Steins der Weisen " und damit
auch des Körpers des höheren, geistigen Menschen, des Adam Kadmon (des in Adam
gefesselte Lichtmenschen). Dieser Körper ist der "Diamantkörper".

Der Kristall

Am 10. Juli 1994 - wir wohnten damals in Sedrun (im Bündner Oberland) - zeigt es
sich, daß aus dem Lehm tatsächlich Kristalle wachsen können!

... Meine Frau und ich sitzen gemütlich auf dem Balkon und schauen auf die
andere Talseite und in die Berge hinauf. Unten auf der schmalen Straße läuft ein
junges Ehepaar vorbei, das von einer Wanderung zurückkommt. Wir begrüßen uns und
wechseln ein paar Worte. Wir haben uns zwar noch niemals zuvor gesehen, aber das
spielt hier keine Rolle, denn schließlich leben wir in einem Bergdorf.

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Das Paar zeigt uns im Verlaufe des Gesprächs auch die beiden Kristalle, die es
unterwegs gefunden hat. Die Stücke sind erstaunlich gut und weisen weder
Verwitterungsspuren noch Brüche auf. Es ist unglaublich, denn Kristalle, die
nicht mehr in der Kluft sind, nehmen schnell einmal Schaden. Der Fund ist ein
echter Glücksfund, denn die jungen Leute sind nicht zum Strahlen aufgebrochen
und hatten keine Kristalle gesucht.

Das Muttergestein der Quarzkristallgruppe - es sind etwa 20 Nadeln von 5-10 cm


Länge - ist weich wie Lehm und von eher körniger Beschaffenheit. Als ein Stück
auf die weiche Erde unseres Gartens fällt, wird ein kleiner Kristall sichtbar,
der im Lehm verborgen war. Die junge Frau hebt ihn auf. Auf der einen Seite ist
ein grüner und gleich oberhalb ein roter Streifen. Hieraus ergibt sich zusammen
mit dem durchsichtig weißen Quarz eine wunderschöne Farbkombination. Etwas in
dieser Art habe wir noch nie gesehen.

Sensationell ist die Tatsache des Fundes auch deswegen, weil das weiche
Muttergestein Anzeichen für eine größere Kluft ist.

Es hat doch einige Jahre gedauert, bis der Zusammenhang zwischen Lehm und
Kristall derart deutlich sichtbar wurde. Nun ist bloß noch daran zu denken, daß
ein Kristallkörper auch ein Diamantkörper sein kann - und der Quarz mit der BK
zu tun hat!

1. Das Geheimnis der goldenen Blüte

Im Buch «Das Geheimnis der goldenen Blüte» von Richard Wilhelm und Carl Gustav
Jung ((1929) 1965) wird die Entstehung des Diamantkörpers meisterhaft
dargestellt. Dieser Körper ist mit dem "Astralleib", dem "subtle body" bzw. dem
"Zweitkörper" - wie auch immer dieser genannt werden mag - gleichzusetzen. Die
Benennungen mögen unterschiedlich sein, doch ist es stets ein ganz besonderer
"veränderter Bewußtseinszustand" (altered state of consciousness) bzw. eine
spezielle Erfahrung, die dem Erleben zugrunde liegt. Ob dieses Erlebnis nun als
"Astralprojektion", als "außerkörperliche Erfahrung" (AKE, OOBE (out-of-body-
experience)) oder als "luzides Träumen" bezeichnet wird, ist eigentlich egal,
denn diese Bezeichnungen sind gleichwertig und vor allem deswegen austauschbar,
weil sie stets ein Ich-Bewußtsein voraussetzen, das kontinuierlich ist und um
seinen jeweiligen Zustand weiß.

Es wurde mir selber erst durch die Berücksichtigung der eigenen Erfahrungen
möglich, einige Stellen dieses Buches auf eine sehr praxisbezogene Art zu
begreifen. Tatsächlich kann die mit einer außerkörperlichen Erfahrung und mit
einem luziden Traum verbundene Ich-Bewußtseinskontinuität maßgeblich zum
Verständnis des chinesischen Textes beitragen. Doch ohne eigene Erfahrungen
müßte der alte Text ein dunkles, absonderliches Geheimnis und eine abstruse
Theorie ohne jegliche praktische Relevanz bleiben.

"Das Geheimnis der goldenen Blüte" wird im folgenden immer wieder ausführlich
zitiert und kommentiert. Selbstverständlich beleuchten meine Kommentare nur
gewisse Teilaspekte des von Richard Wilhelm übersetzten alten chinesischen
Textes. Dabei wird auch zum Ausdruck kommen, daß meine Erfahrungen verglichen zu
denen der alten Meister anfängerhaft sind. Die Reihenfolge in diesem Kapitel
wird übrigens weniger durch das Datum der Erfahrungen als vielmehr durch den
chinesischen Text bestimmt.

Es ist beinahe aussichtslos, über innere Erlebnisse zu sprechen, ohne zu


stammeln, denn vieles ist unsagbar. Bei mir sind es vor allem die
Gefühlsmomente, die schwer zu beschreiben sind. Deshalb ist für mich diese
schwierige Aufgabe nur durch das simple Erzählen der teilweise doch sehr
merkwürdig scheinenden Erfahrungen möglich.

Gerade weil das Verständnis der chinesischen Schrift und vieler anderer Texte
bei mir mit dem Erleben des nächtlichen Geschehens zusammenhängt, wird dieses

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ausführlich beschrieben. Im Unterlassungsfall würden die dem Verstehen
zugrundeliegenden Erfahrungen nämlich bloß verschwiegen - und das wäre vor allem
unfair gegenüber der nächtlichen Welt.

Weg und Ziel sind eine Einheit! Dem Weg durch die Nacht verdanke ich immerhin
den größten Teil des Verständnisses, des Wissens und die
Informationsstrukturierung - ferner auch die Gewißheit eines Lebenssinnes, der
es mir erlaubt, gefühlsmässig und intuitiv seit Jahrzehnten auf der Spur der
"inneren Fährte" zu verbleiben. Dabei kommt es beinahe automatisch zu einer
Sensibilisierung der Sinne gegenüber den Belangen des Alltags, denn jede Art von
Steigerung der Aufmerksamkeit wirkt sich auf sämtliche Lebensbereiche -also auch
auf den Alltag - aus.

Und in bezug auf das nächtliche Erleben ist eben schon so, wie Ravenwomen, eine
Cree-Indianerin, sagte: «Mein Großvater glaubte, daß jemand, der auf seine
Träume hört, Dinge lernen kann, von denen meine Vorfahren noch wußten, wie sie
anzupacken sind.» (Vgl. Gackenbach Thoughts About Dreamwork with Central Alberta
Cree )

In der Nacht finden manchmal derart seltsame Begegnungen jenseits der gewohnten
Zeiten und Räume statt, daß eine solche oder z.B. die folgende Aussage sofort
verständlich wird: Die Maya glaubten, «ihre Beziehung zu den Göttern stärken zu
können, indem sie sich an ihre Vorfahren erinnerten und eine Verbindung zu ihnen
herstellten. Die Vorfahren wurden als Quelle des Wissens betrachtet, das
notwendig war, um nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft zu
sehen. Daher glaubten die Maya, daß sie vorübergehend die prophetischen Kräfte
ihrer Vorfahren bekamen, wenn sie den Göttern und ihren frühesten Ahnen etwas
zurückgaben.» (Morton & Thomas «Tränen der Götter - Die Prophezeiung der 13
Kristallschädel», München: Scherz 1998:17)

Leider vermeiden es die meisten Forschenden und vor allem die


Naturwissenschafter immer noch, auf ihre nächtlichen Erfahrungen zu hören und
sie explizit in ihre Studien miteinzubeziehen oder sie wenigstens genauer zu
untersuchen - sei es nun mittels Meditation oder unter Zuhilfenahme anderer
introspektiver Methoden. Die moderne Bewußtseinsforschung verläßt sich
allerdings in steigendem Masse auch auf experimentelle Erfahrungsbeweise - und
einige Wissenschafter sind nun doch gegenüber solchen Untersuchungen aus erster
Hand aufgeschlossener. (Vgl. Francisco J. Varela in: Varela, ed. «Sleeping,
Dreaming, and Dying - An Exploration of Consciousness with the Dalai Lama.
Boston», Wisdom Publications, 1997:216.)

2. Das Weiterleben nach dem Tode

Nicht unerwähnt bleiben soll, daß es den Chinesen auch darum ging, «die
Möglichkeit des Weiterlebens nach dem Tode, nicht nur als ein der Auflösung
verfallenes Schattenwesen, sondern als bewußter Geist vorzubereiten» (Wilhelm
(1929) 1965:64). Aber nicht nur im Hinblick darauf, daß der physische Tod als
der Weg und als das Tor zu einer anderen Dimension aufgefaßt wird, ist es
sinnvoll, den Übertritt in diese andere Welt vorbereitend zu vollziehen. Eine
Einübung in das Sterben ist in jedem Falle beruhigend und wirkt heilend, denn es
erinnert uns zumindest andauernd daran, daß wir leben.

Es ist nun - vor jeder Diskussion über die Frage eines "Lebens nach dem Tode" -
unbedingt daran zu denken, daß es nicht bloß den Tod als solchen gibt, sondern
auch den Schlaf. Und dieser wird als der "kleine Bruder des Todes" bezeichnet.
Nicht umsonst, denn das bewußte Ich löst sich in ihm normalerweise wie ein
flüchtiges Schattenwesen auf. Aber exakt dieses ließe sich vermeiden, wenn sich
der Geist auf ein "Weiterleben nach dem Einschlafen" vorbereiten würde.

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Aus der Kontaktaufnahme mit den "Quellen der Nacht" ergeben sich auch psychische
Einwirkungen auf das vegetative Nervensystem und das endokrinen Drüsensystems.
Dies kann durchaus «eine Stärkung, Verjüngung und Normalisierung des
Lebensprozesses» (Wilhelm (1929) 1965:64) bewirken. Mit derartigen Effekten hat
sich Remo F. Roth im Zusammenhang mit seiner von ihm entwickelten
"archetypischen Psychosomatik" bzw. der Methodik der "Symptom-Symbol-
Transformation" und deren "Visualisierung" auseinandergesetzt. Dabei wird
versucht, mittels eines introvertiert-meditativen Prozesses das Symptom einer
Krankheit in eine Vision umzuwandeln (vgl. z.B. Roth 1998a)

Von mindestens ebenso großer Wichtigkeit wie die Auswirkungen auf den physischen
Körper ist jedoch die Tatsache, daß durch diese Auseinandersetzung «der Tod in
der Weise überwunden wird, daß er sich als harmonischer Abschluß dem
Lebensprozeß einfügt. Der irdische Leib wird von dem (zu selbständigem
Weiterleben in dem aus seinem Kraftsystem erzeugten Geisterleib befähigten)
geistigen Prinzip verlassen und bleibt als austrocknende Schale zurück wie die
Schale einer ausgeschlüpften Zikade» (Wilhelm (1929) 1965:64).

Der Geisterleib, der einem Schmetterling gleich seine Hülle verläßt, kann z.B.
als "Zweitkörper" oder auch als "Hauchkörper" bezeichnet werden. Es gibt
außerdem einen faszinierenden Zusammenhang zwischen den verschiedenen Körpern,
denn es ist daran zu denken, daß viele Alchemisten ein Lebenselixier (tinctura)
herzustellen suchten, das «beim Aufbau des Hauchkörpers (subtle body) - des
mikrokosmischen Aspektes der makrokosmischen Weltseele - behilflich sein soll» (
Remo F. Roth «Weltseele und Hauchkörper», unpubliziertes Manuskript 1992 ).

Weil jeder Mensch «durch die Art und Weise, wie zielstrebig er seinen
Hauchkörper aufbaut, sein nachtodliches Leben beeinflussen kann» (ibid.), ist es
wohl nicht ganz unerheblich, sich gegenseitig von diesem Unterfangen zu
erzählen.

«Es hängt von jedem Einzelnen ab, was mit ihm im Jenseits geschehen wird. In
diesem Erdenleben, im Hier und Jetzt der momentanen Existenz, muss der Mensch
durch eine Arbeit an sich selbst die Grundlage für das Überleben im Jenseits
schaffen» (ibid.).

3. Ein erster Schritt

«Das Geheimnis des Lebenszaubers besteht darin, daß man das Handeln benützt, um
zum Nichthandeln zu kommen, man darf nicht alles überspringen und direkt
eindringen wollen. Der überlieferte Grundsatz ist, die Arbeit am Wesen in die
Hand zu nehmen. Dabei kommt es darauf an, nicht in Abwege zu geraten» (Willhelm
(1929) 1965:76).

Ein erster Schritt in diese Richtung geschah bei mir am 15. November 1970.

... Die Gegend, in der ich mit anderen zusammen arbeite, ist mir unbekannt. Wir
schaufeln einen Graben. Es sollen Röhren verlegt werden. Nach Feierabend
erhalten wir den Lohn für unsere Arbeit.

Unterwegs nach Hause stoße ich auf eine hölzerne Wasserrinne und blicke hinein.
Ein Wesen schwimmt still und ruhig mit dem Lauf des kristallklaren Wassers von
links nach rechts. Es ist eine äußerst fremdartig Gestalt, halb ein Fisch und
halb ein Mensch. Beim Anblick dieses Wesens durchzuckt mich sofort der Gedanke,
es anzusprechen.

Trotz meiner Aufregung gelingt es mir, den menschlichen Fisch zu veranlassen,


bei mir anzulanden. Ich bitte den Fischmenschen um einen Tausch und biete meinen
gesamten Lohn für den Schmuck, den es trägt. Das Wesen willigt ein und wir

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wickeln das Geschäft ab. Es übergibt mir einen Silberschmuck, der in seiner
Ursprünglichkeit faszinierend ist.

... Später sehe ich am Wegrand eine leicht rostige Eisenkugel liegen und frage
mich, ob ich sie mitnehmen soll - lasse sie aber liegen. ...

1970 ließ ich das 'Kugelproblem' noch liegen. Es war mir damals einfach nicht
möglich, die Ganzheitsproblematik, die in der Kugelform angedeutet schien, von
den mir damals bekannten tiefenpsychologischen Auffassungen abzukoppeln und sie
unter dem Blickwinkel der Außerkörperlichkeit und der Bewußtseinskontinuität zu
betrachten. Der kostbare Schmuck des Fischmenschen hingegen gehörte nicht zu der
von den Psychologen gesetzten "Tabuzone des Diamantkörpers", der sich - von mir
unerkannt - bereits in Form einer eizellenartigen Eisenkugel bemerkbar machte.

Daß ich alles daran setzte, den "primitiven" Schmuck zu bekommen und sogar
meinen ganzen Lohn dafür eintauschte, ist deswegen sinnvoll, weil damit eine
nach außen gerichtete monetäre Energieform für etwas eingesetzt wird, das aus
der Innenwelt kommt. Ich hatte auch die "Spur des menschlichen Fisches"
aufzuspüren und nach links in Richtung der Verinnerlichung zu gehen und
'umzukehren', statt mich weiterhin zu "entäußern" in Richtung gesellschaftlicher
Ansprüche und Erfüllung von Karrierewünschen.

«Darum braucht ihr nur das Licht in Kreislauf zu bringen (in einer rückläufigen
Bewegung); das ist das höchste und wunderbarste Geheimnis. Das Licht ist leicht
zu bewegen, aber schwer zu fixieren. Wenn man es lang genug im Kreis laufen
läßt, dann kristallisiert es sich; das ist der natürliche Geistleib. Dieser
kristallisierte Geist bildet sich jenseits der neun Himmel. Das ist der Zustand,
von dem es im Buch vom Siegel des Herzens heißt: 'Schweigend fliegst du des
Morgens empor'» (Willhelm (1929) 1965:77).

«Bei der Durchführung dieses Grundsatzes braucht ihr nach keinen andern Methoden
zu suchen, sondern müßt einfach die Gedanken darauf sammeln. Das Buch Long Yen
(Long Yen ist das buddhistische Suramgama-Sutra) sagt: 'Durch Sammlung der
Gedanken kann man fliegen und wird im Himmel geboren.' Der Himmel ist nicht der
weite blaue Himmel, sondern der Ort, wo die Leiblichkeit im Haus des
Schöpferischen erzeugt wird. Wenn man lang damit fortfährt, so entsteht ganz
natürlich außer dem Leibe noch ein anderer Geistesleib» (Wilhelm (1929) 1965:77-
78).

«Die innere, mikrokosmische Befreiung und Erlösung der göttlichen Weltseele aus
der Materie erlebt der empirische Mensch im Prozess der introvertierten
Transformation der triebhaften Energie, welche dem Aufbau des deifizierten
Hauchkörpers für das Leben nach dem Tod dient» (Remo F. Roth Das Radbild des
Niklaus von Flüe als Symbol des Aufbaus des Hauchkörpers - Skizzen einer
zwanzigjährigen Forschungsarbeit, 1996 ).

Nun ist es allerdings oft so, daß die innere, mikrokosmische BEFREIUNG der
göttlichen Weltseele aus der Materie SPONTAN irgendwann im Verlaufe des Lebens
erlebt wird. Die Probleme der Erlösung, Transformation und Deifizierung können
dann - wie das Nachtodleben - mehr oder weniger ausgeklammert werden.

Es gibt nämlich zig-Tausende von Menschen, welche die Außerkörperlichkeit -


manchmal im Zusammenhang mit einer Nahtoderfahrung - erlebt haben. Ich selber
erlebte den Hauchkörper erstmals bewußt im Alter von etwa 15 Jahren und hatte
seither weit mehr als 1000 derartige Erlebnisse. Vor allem in den ersten Jahren
kümmerte ich mich nicht direkt um die Fragen rund um Erlösung, Transformation,
Deifizierung und Nachtodleben. Das geschah bloß indirekt, denn gewisse Themen
brachten in mir schon in der Jugendzeit etwas zum Erklingen. Manchmal sehr zum
Erstaunen der Erwachsenen, denn mein Interesse z.B. für Mystik und
Tiefenpsychologie schien ihnen etwas verfrüht.

Die Erfahrung des Hauchkörpers kann durchaus als eine «innere, mikrokosmische
Befreiung der göttlichen Weltseele aus der Materie» beschrieben werden. - Die

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Ablösung des Hauchkörpers vom physischen Körper wird nämlich tatsächlich als
eine BEFREIUNG erlebt, jedoch nicht als eine innerliche und mikrokosmische,
sondern simpel als eine Loslösung und Entfernung von der materiellen
Körperlichkeit, die "zurückbleibt" - z.B. im Bett liegend, an einem Unfallort
oder auf dem Operationstisch. Um diesen Vorgang beschreiben zu können als
«mikrokosmisches Geschehen innerer Natur, bei dem die göttliche Weltseele aus
der Materie befreit wird», wäre ein bestimmtes theoretisches Vorverständnis
notwendig! Bei Remo F. Roth ist es dasjenige der Komplexen Psychologie von C.G.
Jung.

Für jene jedoch, die den Hauchkörper SPONTAN erleben, ist dieser einfach nur ein
zweiter Körper und ein Vehikel für die außerkörperliche Erfahrung. Dieser
'subtle body' erscheint keineswegs als deifiziert, sondern in etwa dem
physischen Körper gleichwertig - ohne allerdings dessen Krankheiten und
Gebresten aufzuweisen. Eventuelle Deformationen des Hauchkörpers haben andere
Ursachen.

Daß der Hauchkörper in seiner deifizierten Form für das Leben nach dem Tod
dienen könnte, ist sehr wahrscheinlich, dürfte aber - nebenbei gesagt - einen 15
Jahre alten Knaben nicht besonders interessieren und auch nicht seinem
Wissensstand enstprechen. Es kam bei mir zu einer anderen Art der Deifizierung.
Zu einer, die meine Einstellung betraf, denn ich wurde nach und nach zu einem
tiefreligiösen Menschen jenseits jeder Konfessionalität. Viele (Hauchkörper-)
Erlebnisse waren oft schockartig und sowohl ein Tremendum wie auch ein
Numinosum. Sie erschütterten und beeindruckten mich zutiefst, machten mich
sprachlos und liessen mich hellhörig und achtsam werden. Ich begann, die
spirituelle Verbundenheit mit dem ganzen Kosmos zu erleben und sozusagen
"körperlich" zu spüren - und wurde deswegen beinahe gezwungenermassen
"rückbezüglich" und somit "religiös".

Wer sich mit dem Hauchkörper aufgrund von Erlebnissen oder einfach aufgrund
theoretischer Überlegungen auseinanderzusetzen beginnt, setzt als "moderner
Alchemist" «den Prozess der Psychifizierung der Körpermaterie in Gang ..., zu
welchem aufgrund des synchronistischen Modus dieses Geschehens ein
Parallelprozess der Rematerialisierung der Psyche gehört» (Remo F. Roth Das
Radbild des Niklaus von Flüe als Symbol des Aufbaus des Hauchkörpers). Wer dies
tut, wird bald einmal merken, daß trotz der engen Verflechtung der
Körperlichkeit mit der Bewußtheit keine Wesensgleichheit zwischen den beiden
besteht. Bei einer "Ablösung" des Hauchkörpers vom physischen Körper bleibt die
Kontinuität des Ich-Bewußtseins ebenso erhalten wie bei einem Wiedereintritt.
Möglicherweise wird der Mensch bei diesem Prozess lernen, dass die «in einem
introvertierten Schöpfungsakt durch den Menschen neu gezeugte Materie als subtil
oder hauchförmig zu verstehen» (ibid.) ist. Diese 'Materie' entspricht «dem in
diesem Leben für das Leben nach dem Tod aufzubauenden Hauchkörper, welcher
seinerseits den mikrokosmischen Aspekt der erlösten Weltseele darstellt»
(ibid.). Es handelt sich also bei der Deifizierung um einen Prozeß der LÄUTERUNG
und der ERLÖSUNG, in dessen Verlauf eine REINIGUNG der Körperlichkeit des Ich
stattfindet. Dies alles geschieht im Innersten des Menschen, in seinem "Herzen",
das in der muslimischen Mystik - im Sufismus - ein Spiegel ist, «in dem Gott
sich selber schauen kann» (ibid.). Eines Tages wird es dann geschehen, daß der
geläuterte Zustand des Herzens einen diamantartiger Astralleib (einen subtle
body oder eben einen Hauchkörper) entstehen läßt, «der die Fähigkeit besitzt, in
den Himmel aufzusteigen» (ibid.).

Die Läuterung und "Zerstörung der außergöttlichen Einflüsse" kann sehr


schmerzhaft sein, denn vorerst einmal muß das "alte, eindimensionale Herz"
zerbrochen und damit das bislang geltende (materiell-körperliche) Weltbild
zerstückelt und "auseinanderdividiert" werden. Falls das "Herz" nicht bereits
unterwegs bei lebendigem Leibe in der Introversion bzw. einem "Traumzustand" zur
"Ruine" geworden ist, wird es äußerlich spätestens in dem Moment dazu gezwungen,
"in kleine Stücke zu zerspringen", wenn der physische Leib stirbt und zerfällt.

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Selbstverständlich kann dies alles als Humbug bezeichnet werden. Bedingung dafür
ist nur die strikte Ablehnung der seelischen Dimension des Menschen. Diese
Verneinung muß allerdings mit einem Verlust der Menschlichkeit bezahlt werden
und ist gleichbedeutend mit einer totalen Versteinerung und Erstarrung des
Herzens. Ein solcher Mensch wird zu einem "lebendigen Leichnam", zu einer
"Larva" oder zu einem "Zombie". Mit der Zeit löst er sich dann total in der
Lieblosigkeit auf und verweht in ein absolutes Nichts.

Dies ist nun exakt der Punkt, an dem der Selbsterkenntnis- und
Individuationsprozess mitsamt dem Wissen der Komplexen Psychologie C. G. Jungs
ansetzen kann, denn hier beginnt die eigentliche Transformation und damit der
sinnvolle Einbezug des christlichen Mystikers Niklaus von Flüe und z. B. der
muslimischen, buddhistische und hinduistischen Mystik «mit ihrem Anliegen des
Aufbaues des Hauchkörpers» (ibid.).

Eine Deifikation des Hauchkörpers kann ganz von alleine geschehen - wie eben
auch die Menschwerdung und Individuation -, erfordert jedoch oft eine ernsthafte
und bewußte Auseinandersetzung in Form eines "Opus magnum". Es geht dabei um
eine «Vereinigung von Eros und Logos mit der Hilfe der Meditation (imaginatio)»
(ibid.).

Viele Psychologen scheinen nicht zu begreifem, daß eine Hauchkörpererfahrung


noch lange keine automatisch stattfindende Deifikation bzw. eine Erlösung der
göttlichen Weltseele aus der Materie bedeutet. Vielmehr ist die
Hauchkörpererfahrung wie der Traum "nur" ein Ausgangspunkt für die Bewußtwerdung
und die Sinnfindung. Hauchkörpererfahrungen haben allerdings einen Vorteil
gegenüber den normalen Träumen, weil das Ich sich der Tatsache,
"außerkörperlich" zu sein und unabhängig vom Zustand des physischen Körpers
existieren zu können, voll bewußt wird.

«Statt den Hauchkörper als losgelöst vom physischen Körper zu erfahren, kann es
auch sein, daß er als 'Diamant' im Bauch ruht oder das Herz erfüllt. Im
Sterbeprozess wird sich dieser Diamant sehr wahrscheinlich vom physischen Körper
trennen, aber im Moment vermittelt er dem Menschen ein äußerst intensives
Lebensgefühl, ein inneres Glück, Zufriedenheit, Frieden mit der Welt und
manchmal sogar den Zustand der Glückseligkeit» (Hinweis von Remo F. Roth). Dies
ist eines der günstigen Zeichen, die im "Geheimnis der goldenen Blüte" erwähnt
werden!

Ob dieses Wissen, das weit über die Grenzen des im Materiellen Verhafteten
hinausgeht, letztlich den Erkenntnisprozeß der Menschwerdung fördert, hängt vom
Verhalten und der ethischen Einstellung des Ich ab.

Dem Entschluß, den Hauchkörper als "Diamant" im Bauche bzw. im Bereich des
Solarplexus ruhen zu lassen und sich prinzipiell NICHT um eine außerkörperliche
Erfahrung zu bemühen, steht ein anderes Extrem gegenüber, nämlich der Versuch,
JEDE Nacht willentlich auszutreten.

Bei mehrfach "erzwungenen" - aber auch bei den spontan sich ereignenden -
außerkörperlichen Erfahrungen kann es beispielsweise zu einem Albdruck kommen.
Dabei ist zu spüren, daß etwas auf dem Oberkörper oder dem Kopf lastet, was den
Austritt sehr erschwert. Es müssen Gegenmaßnahmen getroffen werden wie
beispielsweise das seitliches Hinausrollen oder das gewaltsame
Herauszukatapultieren. Bei einem vollbewußten Wechsel bei kristallklarer
Bewußtseinskontinuität kann es geschehen, daß in der Anfangsphase gleich nach
dem Austritt manchmal überhaupt nichts gesehen wird - alles bleibt schwarz und
"zappenduster". Für eine Weile tappt man dann vielleicht vorsichtig und mit
ausgestreckten Händen Schritt für Schritt "tastend" voran, bis endlich optisch
etwas zu erkennen ist. Bei erzwungenen Austrittserfahrungen - aber auch bei
anderen - kann es vorkommen, daß eine Rückkehr in den physischen Körper völlig
unmöglich scheint oder der physische Körper unbeweglich in einem kataleptischen
Zustand verharrt, was extrem unangenehm und sehr beängstigend sein kann.

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Es gibt neben der Beachtung der Träume vor allem im Zusammenhang mit den
willentlich "erzwungenen" Austritten eine passende Möglichkeit, sich darüber
Aufschluß zu verschaffen, ob die mit den außerkörperlichen Erfahrungen
verbundenen Absichten im Hinblick auf das "spirituelle Wachstum" rechtmäßig
sind. Nach einem Austritt können beispielsweise jederzeit die Hände des
Zweitkörpers betrachtet werden. Sind diese im Gegensatz zu den Händen des
physischen Körpers irgendwie deformiert, ist dies ein Hinweis auf eine irgendwie
"defekte" Handlungsweise. Eine Verunstaltung sollte unbedingt beachtet und
genauer bedacht werden.

Teil 2

4. Eine Anekdote des Scheiterns

«Meister Lü Dsu sprach: Eure Arbeit wird allmählich gesammelt und reif.» Aber es
gibt «noch viele Möglichkeiten des Irrtums. ... Diese Zustände erkennt man erst,
wenn man sie persönlich erlebt. So will ich sie hier aufzählen.»
Die Arbeit hat auch «Schritt für Schritt ihre Bestätigungszeichen,» doch «erst
möchte ich von den Irrtümern reden und dann auf die Bestätigungszeichen zu
sprechen kommen» (Wilhelm (1929) 1965:98).

Was die Irrtümer betrifft, sei der luzide Traum von jemandem erzählt, der sich
seit gut 2 Jahren intensiv darum bemüht, im Schlafzustand des physischen Körpers
die Bewußtseinskontinuität nicht zu verlieren. Er schrieb mir im Mai 1998:

... Irgendwann bin ich luzid geworden und befinde mich in einer Großstadt. Die
Leute, die mir begegnen, sind wieder einmal sehr aggressiv. Ich verstehe nicht,
warum sie mich verfolgen und ständig begrabschen müßen - und versuche für ne
Weile, das zu ignorieren. Aus diesem Grunde will ich auch eine schöne Umgebung
'herbeizaubern'. Das gelingt nicht! Also sende ich Frieden aus. Funktioniert
auch nicht! Schließlich habe ich mich - wieder einmal - unsichtbar machen müssen
und bin von A nach B und dann nach C geflohen.

Die Leute schießen auf mich, was allerdings keine Schmerzen verursacht. Sie
gehen auf mich los mit scharfen, spitzen Gegenständen. Letztendlich hat mich das
auch aggressiv werden lassen. Ich will davonfliegen. Aber das geht - wieder
einmal - nur in Zeitlupe. Andauernd werde ich verfolgt! Dann bin ich am Bahnhof
und laufe dort rum. Ein Mann kommt auf mich zu und meint, er würde jetzt mit mir
schlafen. Ich gerate in Panik und renne wieder davon ..., aber der Typ läßt sich
einfach nicht abschütteln. Voller Aggression brülle ich ihn an:
«Stirb!»
Darauf stirbt er, aber kurze Zeit später verfolgt er mich wieder - es ist total
niederschmetternd.

Dann stehe ich auf einer belebten Straße und will mal ausprobieren, ob die Autos
durch mich hindurchfahren. Allerdings fahren mich die Autos an, und ich knalle
zuerst auf die Kühlerhaube und pralle anschließend auf der Windschutzscheibe ab.
Das ist allerdings sehr spaßig, weshalb ich dies bestimmt fünf Mal wiederhole.
Dabei begrabsche ich durch die Scheiben hindurch die Fahrerinnen. Später
beteilige ich mich noch an einer wilden Wasserfahrt auf einem Fluß, was
ebenfalls Spaß macht.

Aber das, was von diesem luziden Traum hängen blieb, ist echt ziemlich
enttäuschend. Ständig befand ich mich auf der Flucht. Und ich HABE oft versucht,
die Umgebung umzuformen. Ich stand auf der Straße und wollte die Schwingungen
verändern - aber nichts! Das einzige, was mir bei solchen luziden Träumen
wirklich hilft, ist das Sich-Unsichtbar-Machen. Als der luzide Traum zu Ende
war, war ich so ziemlich den Rest des Tages down.

Wenn dies das einzige Resultat der Bemühungen ist, die Bewußtseinskontinuität im
Schlafzustand des physischen Körpers beizubehalten, ist tatsächlich nicht
einzusehen, wozu all die Mühen zur Erschließung der Bewußtseinskontinuität gut

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sein sollen. Es wäre allerdings sinnvoll, sich die Frage zu stellen, ob etwas in
dieser Art in jedem Fall geschehen muß, oder ob diese Sackgasse nur ein Irrtum
ist und überwunden oder sogar vermieden werden kann, falls das Ich bereit ist,
sich in seiner Egohaftigkeit unsichtbar zu machen.

Die verfolgenden Wesen können als "Geister der niederen Ebenen" oder eben als
«finstere Dämonen in einer Welt des Wahnbegehrens» (vgl. Wilhelm (1929)
1965:100) bezeichnet werden. Sie sind u.a. daran zu erkennen, daß durch sie eine
bedrückend-einsame Stimmung erzeugt wird.

Interessant und bedenkenswert ist, daß es Grenzen der Beinflussung gibt, obwohl
es den Anschein macht, bei der Welt des Traumes handle es sich um 'reinen'
Privatbesitz, der sich beliebig kontrollieren läßt. Gerade in solchen Fällen, in
denen aus irgendwelchen Gründen bei der Erschließung der nächtlichen Quellen
"Irrwege" beschritten werden und luzide Träume beinahe krankhaft scheinen, ist
es besonders wichtig, sorgfältig jene Dinge zu beachten und zu hinterfragen, die
NICHT den eigenen Vorstellungen entsprechen

So geht es z.B. nicht darum, nach dem Grund der Verfolgungen zu fragen oder
danach, was getan werden muß, damit das Geschehen kontrolliert werden kann.
Solche Fragen verheddern das Ich nur noch stärker in die «Vorstellungsbilder des
Kalten und Absterbenden» (vgl. Wilhelm (1929) 1965:99).

Oder, wie C.G. Jung schreibt: «Man muß psychisch geschehen lassen können. Das
ist für uns eine wahre Kunst, von welcher unzählige Leute nichts verstehen,
indem ihr Bewußtsein ständig helfend, korrigierend und negierend
dazwischenspringt und auf alle Fälle das einfache Werden des psychischen
Prozesses nicht in Ruhe lassen kann» (Jung (1929) 1965:14).

Und Meister Lü Dsu lehrt: «Wenn die Geschäfte auf uns zukommen, so muß man sie
annehmen; wenn die Dinge auf uns zukommen, so muß man sie bis auf den Grund
erkennen» (Wilhelm (1929) 1965:104).

Wer beginnt, sich mit luziden Träumen und außerkörperlichen Erfahrungen


auseinanderzusetzen, kommt u.U. zu folgenden Feststellungen bzw. sogar zu einer
Auflistung einer Art von 'Anekdote des Scheiterns':

«Warum kann ich in meinen Träumen nicht das machen was ich will? Wie kann ich es
erreichen, das Geschehen zu kontrollieren? Mich ärgert das total, und ich glaube
nicht mehr richtig daran, daß es überhaupt funktioniert. Wie oft stand ich schon
auf Straßen, Feldern und Wegen oder hing in der Luft - und wollte die Umgebung
verändern. Und wie oft mußte ich frustriert feststellen, daß ich keine Kontrolle
habe. Warum fliege ich wie ein besoffener Schmetterling und warum bin ich immer
so sexbessenen. Weshalb gelingt es mir nicht immer, durch Mauern und
geschlossene Türen zu gehen oder zu greifen? Weshalb gerate ich in Angst, Furcht
und Panik und weshalb überkommt mich tiefstes Unbehagen - obwohl sich doch alles
nur im Kopf abspielt? Warum gelingt oft überhaupt nichts von dem, was ich mir
vorgenommen habe, in einem luziden Traum zu tun? Niemand erscheint, um meine
Fragen zu beantworten. Es gelingt mir nicht, bestimmte Personen
herbeizuwünschen. Ich werde verfolgt und kann nicht richtig fliegen - und es
gelingt mir nicht, einen Flug zu unterbrechen und auf dem Boden zu landen. Und
vor allem: Warum mag mich niemand von denen, die ich in einem luziden Traum
antreffe. Ich habe fast keine Lust mehr, in der Nacht auf 'Reisen' zu gehen!»

Daß hartnäckige Verfolger in Erscheinung treten, ist ein Hinweis darauf, daß es
nicht primär darum geht, eine Situation zu kontrollieren, sondern darum, ihr zu
BEGEGNEN, SICH SELBST zu disziplinieren und die eigenen Schattenaspekte zu
integrieren. Letztlich, sagt Remo F. Roth, ist das in der Körperlichkeit
gefangene Seelische durch sorgsames Bebrüten aus der Materie zu befreien und ein
Hauchkörper (Diamantkörper, subtle body etc.) aus der Körpermaterie aufzubauen.
Die in luziden Träumen immer wieder auftretenden sexuellen Obsessionen erzwingen
hingegen geradezu die Begegnung mit einem "Gegenüber", z.B. einem
Geschlechtspartner. Hinter dieser Problematik versteckt sich das weite Feld der

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erotischen Liebesbeziehungen in all seinen Abstufungen - bis hin zur
spirituellen bzw. tantrischen Sexualität und zum göttlichen Hierosgamos. Die
Hochzeitssymbolik des Hierosgamos, das Mysterium Conjunctionis, beschreibt einen
Prozess, den C.G. Jung die Anima-Integration des Mannes und die Animus-
Integration der Frau genannt hat. (Hierzu vgl. Roth 1998: Was uns die Träume
über ein mögliches Leben nach dem Tod sagen.) Sollte etwas in irgendeiner Form
zu einer Verstrickung des Ich führen, bedeutet dies immer "nur", daß die in
Frage stehende Angelegenheit noch nicht geklärt worden ist, weshalb ihr nicht
mit Gelassenheit begegnet werden kann. - «Auch darf man sich nicht verleiten
lassen von den zehntausend Verstrickungen. Dies geschieht, wenn ohne
Unterbrechung allerlei Bindungen plötzlich auftreten, nachdem man den
Ruhezustand begonnen hat» (Wilhelm (1929) 1965:99).

Es wäre zudem wichtig, eventuell störende Alltagsbelange nicht zwangshaft


dominant werden zu lassen: «Alle Verwicklungen soll man beiseite legen, ganz
souverän und selbständig sein. Auch darf man nicht die Gedanken auf die richtige
Ausführung richten. Wenn man sich zu viele Mühe gibt, so tritt diese Gefahr ein.
Ich sage nicht, daß man sich keine Mühe geben soll, aber das richtige Verhalten
ist in der Mitte zwischen Sein und Nichtsein; wenn man absichtlich die
Absichtslosigkeit erlangt, dann hat man es erfaßt» (Wilhelm (1929) 1965:98-99).
Das tönt etwas widersprüchlich, aber die "absichtliche Absichtslosigkeit" ist
wie das "handelnde Nichthandeln" die Grundvoraussetzung für das Gelingen der
Quest der Bewußtseinskontinuität und der "Herstellung des Diamantkörpers", denn
das «Nichthandeln verhindert, daß man in Form und Bild (Körperlichkeit)
verwickelt wird. Das Handeln im Nichthandeln verhindert, daß man ins starre
Leere und tote Nichts versinkt» (Wilhelm (1929) 1965:105).

Verfolgung, Aggressivität und Handlungsunfähigkeit sind insofern gute Zeichen,


als damit verdeutlicht wird, daß die Dinge nicht unbedingt so laufen, wie das
Ich in seinem Wahn, alles kontrollieren zu wollen, sich das so vorstellt. Es
geht keinesfalls darum, die in einem luziden Traum auftauchenden Welten
lückenlos zu überwachen und zu beherrschen, sondern bloß darum, die egohaften
Tendenzen des Ich zu zügeln.

Wenn die Bewußtseinskontinuität dafür genutzt wird, spassige Spielchen zwecks


Befriedigung des Ego zu veranstalten, ist dies ein Zeichen dafür, daß sich das
Ich mit dem Ego identifiziert. Ein egobezogenes Ich ist leider unfähig, offen,
gelassen und wechselwirkend in eine Situation hineinzugehen. Statt dessen zwingt
es sich dazu, primär seinen Ego-Status mit allen Mitteln zu verteidigen.
Demzufolge muß das Geschehen andauernd manipuliert werden, und es gelingt nicht,
genau hinzusehen, zurückhaltend zu beobachten und still hinzuhören. Wenn die
gesamte Energie nur darauf verwendet wird, etwas zu beinflussen und nach eigenem
Gutdünken zu ändern, wird die Möglichkeit verpaßt, das Unerwartete und
Überraschende zu erkennen und darauf situationsadäquat zu reagieren - oder
einfach nur zu staunen. Das egoistische Verhalten führt unweigerlich zur
Eindimensionalität.

5. Ein weiterer Irrtum

Selbstverständlich sind auch bei mir Dinge geschehen, die auf mögliche Irrtümer
hinweisen. Eine egobezogene Bewußtseinskontinuität verschwindet nicht einfach
definitiv, sondern kommt mit subtiler Leichtigkeit wieder zum Vorschein, wenn
das Ich unaufmerksam wird und meint, seine Überzeugungen ungefragt vertreten zu
müssen. Das Ich wird schnell einmal dazu verleitet, magische Operationen
durchzuführen und die Dinge zu beinflussen. Dies geschah bei mir am 8. Januar
1980, als ich versuchte, ein erkenntniskritisches Gespräch anzuzetteln und
meinen außerkörperlichen Zustand zu beweisen. Dieses Vorgehen verursachte ein
starkes 'Wirbelfeld' und erzwang eine Rückkehr. Es hätte eben folgendes bedacht
werden müssen:

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«Oder wenn beim langen Sitzen die Vorstellungen in Scharen sich erheben, man
will sie hemmen, es geht nicht; man läßt sich von ihnen treiben und fühlt sich
leichter: dann darf man unter keinen Umständen mit der Meditation fortfahren,
sondern muß aufstehen und eine Weile umhergehen, bis Kraft und Herz wieder im
Einklang sind; dann erst mag man sich wieder zur Meditation hinsetzen.» (Wilhelm
(1929) 1965:100)

... In einer Stadt ganz in der Nähe des Hauptbahnhofes begegnen mir zwei jüngere
Frauen. Die Freude des Wiedersehens ist groß, denn wir kennen uns von früher und
stehen uns irgendwie nahe. Das hat allerdings nichts mit sexueller Anziehung zu
tun - es ist einfach eine 'Herzensverbundenheit'. Die Frauen sind sich ihres
Zustandes nicht bewußt, verfügen also über keine Bewußtseinskontinuität bzw.
Luzidität. Wir sprechen über ihr Universitätsstudium und auch ein bißchen über
meine momentane Arbeit. Bei diesem Gespräch werde ich nach und nach "reflexiv"
und schließlich "luzid" und erreiche einen lückenlosen Anschluß an die Alltags-
Erinnerungen, zumal ich von Dingen erzähle, von denen die beiden nichts wissen
können.

Es dauert einige Minuten, bis ich die volle Luzidität erreicht habe. Ein Grund
dafür könnte der sein, daß ich apriori keine ausdrückliche Kontrolle der
Bewußtseinskontinuität gemacht habe, weil dafür nicht die geringste
Notwendigkeit bestanden hat. Aber durch den beim Gespräch gebotenen Einbezug
derart vieler Alltags-Erinnerungen und erkenntniskritischer Überlegungen kommt
es ganz so nebenbei zu einem Total-Check meines Zustandes.

Dennoch bin ich nicht ganz zufrieden, denn ich hätte noch eine gesonderte
Kontrolle machen müssen, die nichts (!) mit dem laufenden Geschehen zu tun hat.
Möglicherweise ist eben nur das eine echte Kontrolle! Sie muss 'außerhalb' des
Geschehens stehen, weil nur dann 'die Welt angehalten' werden kann. Dies ist
wohl einer der zentralen Punkte der meditativen Kontrolle der
Bewußtseinskontinuität. Sie läßt sich tagsüber einüben und verlangt zeitlich
keinen großen Aufwand. Zudem gibt es hierfür eine Unmenge von Techniken und
Angeboten. Welche Methode gewählt wird, ist ziemlich belanglos. Das eigentliche
Problem besteht bloß darin, daß regelmässig meditiert wird.

Mich wundert beim Gespräch vor allem die Diskrepanz der von den Frauen
geschilderten anderweltlichen Ereignisse zu dem, was sie auf der Alltags-Ebene
tun, und ich erinnere mich zu guter Letzt daran, mehrere Verlagsprospekte bei
mir zu haben. Ich schlage eines auf und sehe, daß der Bildinhalt nicht dem
enstpricht, was mir von der Alltags-Ebene her bekannt ist. Meine Worte sind
folgende:
«Möglicherweise ist dieses Prospekt hier in der Anderwelt ein zukünftiges
Prospekt der Alltagsebene.»

Um diesen Verdacht genauer untersuchen und später mit den Alltags-Gegebenheiten


vergleichen zu können, versuche ich, den Text zu lesen. Doch zuvor mache ich die
Frauen auf ein höchst interessantes Problem aufmerksam, das in luziden Träumen
und in außerkörperlichen Erfahrungen beobachtet werden kann: Lesen ist schwierig
und nur selten problemlos möglich. Aber jetzt könnte es klappen!

Außerdem sage ich zu den Frauen:


«Ihr seid jetzt ja selber in ein nächtliches Geschehen verwickelt und werdet
vielleicht ähnliche Probleme wie ich haben. Also können wir gemeinsam der Sache
nachgehen. Dies wäre allein schon deswegen sehr aufschlußreich, weil sich daraus
später die Möglichkeit ergibt, im Alltag Übereinstimmungen nachzuweisen.»

Ich beginne die ersten Zeilen im Prospekt zu lesen und stelle erstaunt fest, daß
die Buchstaben und Wörter überhaupt keinen Sinn ergeben. Vor allem dann nicht,
wenn ich genauer hinsehe - nämlich so genau, daß es mir möglich wäre, das
Gelesene zu memorieren. Die beiden Frauen werden sofort informiert:
«Ich habe offensichtlich die Zeilen zu stark fixiert!«

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Aber auch beim nächsten Versuch ist nichts zu machen, und es gelingt mir auf
keine Weise, den Sinn des Gelesenen zu erfassen. Andauernd verändert sich der
Text, wobei die Ursache der Umformungen nicht zu erkennen ist.

Zukünftige Möglichkeiten sind immer nur Wahrscheinlichkeiten und niemals


feststehende Größen. Wenn also versucht wird, ein Blick in die Zukunft zu
erhaschen, wird das Gesehene einen mehr oder weniger verschwommenen Eindruck
machen - vor allem in der "digitalen" Textform. Buchstaben sind zu feststehend
und ergeben meist zu eindeutige Worte, auch wenn die semantischen Felder eine
gewisse Unschärfe aufweisen. Bildhafte Eindrücke hingegen sind dank ihrer eher
"analogen" Eigenschaften besser geeignet, zukünftige Wahrscheinlichkeitsfelder
auszudrücken.

Am Tisch, an dem die Leseversuche stattfinden, sitzen jetzt auch andere Leute.
Als diese hören, daß ich der Meinung bin, im außerkörperlichen Zustand zu sein,
bezweifeln sie dies und verlangen einen Beweis. Ich sage ihnen, daß es mir im
außerkörperlichen Zustand beispielsweise möglich sei, durch feste Gegenstände
hindurchzugehen.

Um meine Behauptung zu beweisen, beuge ich den Kopf so stark nach hinten, bis es
zur Berührung und anschließend sogleich zur Durchdringung der Wandtäferung
kommt. Die Anwesenden sind sichtlich beeindruckt. Andererseits scheinen sie -
ihren Reaktionen nach zu urteilen - den Nachweis nicht recht erfassen und
begreifen zu können. Es fehlt ihnen die Bewußtseinskontinuität, weshalb sie sich
nicht an ihre Existenz im Alltag zu erinnern vermögen. Also verfügen sie nicht
über das dafür notwendige Vertikalbewußtsein, das die verschiedenen
Erfahrungsebenen erinnerungsmäßig miteinander verbindet. Aber nur diese
Vertikale würde es ihnen erlauben, meine Demonstration einigermassen
nachzuvollziehen und die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu erkennen.
Wenigsten scheinen sie ganz am Rande das Geschehen erfaßt oder zumindest
irgendwie erahnt zu haben.

Nun spüre ich, daß während meines Beweisversuches - wie beim Lesen zuvor -
irgendwelche 'Wellen' erzeugt werden. Die 'Schwingungen' sind wegen der durch
die Beweislast für mich und die anderen durch Emotionen wesentlich stärker
belasteten Situation ausgeprägter. Die durch den Versuch erzeugten 'Vibrationen'
werden von anderweltlichen Wesen registriert. Diese Gestalten sind für mich
unfaßbar. Deutlich ist jedoch zu spüren, daß sie den Versuchen gegenüber eine
prinzipiell feindliche bzw. ablehnende Haltung einnehmen. Vor allem scheinen sie
nicht zu wünschen, daß auf irgendeiner Traum-Ebene Luzidität erreicht wird - und
schon gar nicht, daß jemand um die Bewußtseinskontinuität weiß und dieses Wissen
anderen zu vermitteln sucht. Deshalb beginnen sie spürbar, mich als eine Person
anzupeilen, die ein Störfeld erzeugt.

«Jemand will mich angreifen!» sage ich lapidar zu den Tischgenossen. «Ich muß
schleunigst von hier verschwinden und in den Alltags-Körper zurückzukehren.
Sobald die Unbekannten nämlich meinen Aufenthaltsort festgestellt haben, werden
sie den Sog verstärken. Ein solches Attraktionsfeld würde jedoch meine
Bewegungsfreiheit einschränken und es mir unmöglich machen, diese Ebene ohne
Verlust des Erinnerungsvermögens zu verlassen.»

Eigentlich bekommen die Anwesenden meine Worte nur ganz am Rande mit. Ihre
Bedeutung erfassen sie nicht. Da sie mir gegenüber nicht feindlich eingestellt
sind, bleiben sie zurückhaltend und machen keinen Beeinflussungsversuch. Ich
lehne mich also noch stärker zurück und falle bewußt in den physischen Körper
hinein, dessen Position mir genau bekannt ist.

Es gibt nur einen kurzen Übergang ohne jegliches Black-Out, bei dem eine schmale
und sehr kurze Passage von 'grau-schwarzer' Farbe zu passieren ist. Dann erwache
ich sofort im schlafenden Körper und spüre ihn vollständig. Gleichzeitig mit dem
physischen Erwachen auf der Alltagsebene wird jeder Kontakt mit eventuellen
Verfolgern abrupt beendet. Ihnen ist ab sofort keine direkte Lokalisierung mehr
möglich, denn die Deckungsgleichheit des Ich mit der materiellen Körperlichkeit

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auf der Alltagsebene löst mich sozusagen im Irdischen auf und läßt mich
verschwinden! Es würde ihnen sogar nicht einmal etwas nützen, wenn sie wüßten,
wo ich bin, denn der physische Körper wirkt wie ein undurchdringlicher
Schutzpanzer.

Das ganze Erlebnis befremdet mich doch sehr. Ich muß einen Fehler gemacht haben
durch die zeitliche Raffung der Versuche - und vor allem deren
erkenntniskritischen Charakter. Die von mir erzwungenen Operationen haben
offensichtlich ein zu starkes 'Wirbelfeld' erzeugt, weshalb 'dämonische Kräfte'
auf mich aufmerksam geworden sind, die meine Bewußtseinskontinuität vernichten
wollten.

Derartige Erfahrungen sind vor allem deswegen verblüffend, weil sie den gehegten
Erwartungen total widersprechen. Wer sagt, alles würde sich "nur" im Gehirn und
auf der "Subjektebene" abspielen, dürfte sich letztlich selber etwas zu viel
zumuten und letzten Endes in die Falle der Ichhaftigkeit und des Solipsismus
treten - ohne es zu bemerken. Bislang wurde ja nicht einmal verstanden, wie
Gedächtnis oder Intelligenz funktionieren, weshalb eine Trivialisierung der
nächtlichen Erfahrungen tunlichst zu vermeiden ist.

6. Der Donnerkeil

Der Diamant ist ein geeignetes "Symbol" sowohl für die Unsterblichkeit wie auch
für die Bewußtseinskontinuität. Diamant und Bewußtseinskontinuität sind
durchsichtig, "unsichtbar" und doch vorhanden. Beide lassen Lichtstrahlen
ungehindert, ungetrübt und ungefiltert passieren und brechen sie je nach Schliff
zu einem oszillierenden Feuerwerk sämtlicher Farben - ähnlich einem Regenbogen.
Beide sind stabil, beständig und kontinuierlich. Der Diamant wurde wegen seiner
Härte, Durchsichtigkeit und Farbe der edle und gebenedeite "Stein der
Philosophen" genannt. Der "lapis philosophorum" kann nicht angegriffen werden,
er strahlt unberührt und unverändert in der inneren (und äußeren) Welt, bis er
sich eines Tages dem Ich enthüllt. Vermutlich geschah dies bei mir am 18. Januar
1974:

... Dann sehe ich auf dem Boden plötzlich einen riesigen Diamanten in Form eines
Vajra, eines Donnerkeiles. Er ist mindestens ein Meter lang, weist an den Enden
kugelförmig ausgebildete Verdickungen auf und ist unglaublich kompliziert
geschliffen. Außerdem glitzert das Gebilde mit unbeschreiblicher Stärke,
Klarheit, Schärfe, Vielfalt und Farbenprächtigkeit - ein lebender Diamant! Ich
bin zutiefst beeindruckt. ... (Die ganze Erfahrung ist in den "Quellen der
Nacht" S.132-133 erzählt.)

Weil der Donnerkeil mit der Bewußtseinskontinuität zu tun hat, sei diese an
dieser Stelle doch etwas genauer erläutert:

Der wohl wesentlichste Bestandteil meiner Ausführungen ist und bleibt die
Kontinuität des Ich-Bewußtseins, die Bewußtseinskontinuität (= BK). Luzides
Träumen und Außerkörperlichkeit sind nur als eventuell auftretende Nebeneffekte
dieser Kontinuität zu betrachten. Sie werden beinahe wie selbstverständlich in
dem Moment erlebt, wenn das Ich bereit ist, für eine Weile die gewohnte
Identität mit dem Zustand des physischen Körpers aufzugeben. Dabei bleibt das
Ich sich selbst bewußt und überläßt dem Körper die Selbstorganisation des
Einschlafens. Gleichzeitig ist dieses Tun, das vor allem darin besteht, nichts
zu tun, auch eine heitere Einübung des Sterbens.

Die Entkoppelung des Bewußtseinszustandes von Körperzustand ist sehr leicht zu


bewerkstelligen, denn sie verlangt vom Ich nur die Bereitschaft, jene Dinge
loszulassen, mit denen es meinte, sich identifizieren zu müssen. Solange jedoch
das Haben an erster Stelle steht, wird das Sein zum Problem. Aus diesem Grunde
sei nun der Unterschied erläutert zwischen einer leeren bzw. inhaltslosen BK (=

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BK 0/0) und einer inhaltsbefrachteten BK (= BK m/n), denn «man muß zwischen dem
Sein und dem dieses und jenes sein unterscheiden, zwischen dem 'Ich bin der Ich
bin' und dem 'Ich bin dieser oder jener', zwischen dem Sich-Enthüllen ohne Namen
und Gestalt und dem Leben für Namen und Gestalt» (Raphael in: Shankara (1977)
1992:6).

BK m/n ist eine Ich-Bewußtheit, die einen bestimmten Inhalt 'besetzt' hat und
sich mit der gegebenen Form identifiziert. Dies kann verglichen werden mit
Wasser (BK 0/0), das ein spezifisch geformtes, kompaktes Gefäss (m/n)
vollständig 'erfüllt'. Auf diese Weise wird die BK 0/0 zu einer BK m/n. Wird das
Wasser gefroren und das Gefäß zerschlagen oder aufgelöst, bleibt nur das pure
Eis übrig. Dieses Eis hat nun exakt die Form des Gefässes. Ohne genaues Bedenken
dieser Situation kann es mit Leichtigkeit zu einer Verwechslung kommen insofern,
als das Eis (die BK 0/0) mit dem Gefäß (m/n) identifiziert wird. Es wäre also
auch ein Leichtes, zu meinen, das Ich sei identisch mit einer bestimmten
Körperlichkeit.

Die BK 0/0 kann irgendeinen Inhalt 'erfüllen' und sich mit diesem vereinen -
ohne sich damit zu identifizieren. Es kann sich dabei um ein Tier, eine Pflanze,
einen Stein oder sogar die ganze Welt handeln. Viele Schamanen nutzen diesen
Umstand für eine BK-Übertragung, um z.B. mit den Augen eines über die Prärie
fliegenden Adlers zu sehen und die Situation auszukundschaften. Normalerweise
ist es so, daß die BK einen physischen Körper 'einnimmt'. Dabei kommt es zu
einer Identifizierung mit der betreffenden Körperlichkeit, die schließlich in
eine totale Identität von Ich und Körper einmündet. Es ist dann nicht der
Körper, der schläft, sondern das Ich, nicht der Körper, der Schmerz empfindet,
sondern das Ich.

Natürlich ist es sinnvoll, sich mit der momentan eingenommenen Körperlichkeit zu


identifizieren. Aber das sollte bewußt, freiwillig und in eigener Verantwortung
geschehen - und im Wissen darum, daß der 'eigene' Körper eines Tages sterben
wird.

BK 0/0 ist also die LEERE bzw. inhaltslose Bewusstheit - die "eigentliche" BK
und der "Wurzelgrund" einer jeden BK m/n. Es wäre sehr klug, stets GLEICHZEITIG
BK 0/0 und BK m/n zu sein, d. h. stets die Verbindung zum 0/0 beizubehalten!
Dies 'wirkt' zu jedem Zeitpunkt relativierend, läßt jedoch die Verantwortung
weiterhin bestehen.

Manche werden sich als erstes fragen, inwieweit sich das Ich-Bewußtsein (BK 0/0)
von dem Bewußtsein unterscheidet, das bei körperlicher und geistiger Wachheit
vorhanden ist (BK m/n). Wer versucht, die BK während 24 Stunden täglich
beizubehalten, sieht sich nämlich schnell einmal mit folgenden Problemen
konfrontiert: Tagsüber tritt häufig das Gefühl auf, in einem Traum zu sein, und
nachts gelingt es nicht, einzuschlafen.

Letzteres ist eine Folge der sprachlichen Konditionierung, die sehr subtil ist.
Das Körper schläft ein, nicht das Ich. Wenn aber auch nur ganz beiläufig gedacht
wird: «Es gelingt mir nicht, einzuschlafen!» ist die Identifizierung mit dem
physischen Körper schon wieder geschehen. Weil das Ich es versäumt hat, sich die
Frage nach dem «WER schläft ein?» zu stellen, zwingt es sich dazu, einen
bestimmten Inhalt und damit eine physische Körperlichkeit zu übernehmen. Das Ich
muß sich darüber klar werden, daß es NUR der Körper ist, der einschläft, und
NICHT die BK! Das Ich muß nicht schlafen und kann stets hellwach bleiben - ohne
zu ermüden!

Das Gefühl, auch tagsüber in einem Traum zu sein, ist ein gutes Zeichen, denn
eine der Konsequenzen und eine der grössten Herausforderungen der BK ist die
Erkenntnis, daß ALLES ein Traum und gleichzeitig ALLES Realität ist.

«Es scheint mir denn doch wesentlich vernünftiger zu sein, der Seele dieselbe
Gültigkeit einzuräumen, wie der erfahrbaren Welt und ersterer dieselbe
'Wirklichkeit' zu verleihen, wie letzterer» (Jung (1929) 1965:47).

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Die BK bedeutet unweigerlich, daß alles Tun und Handeln des Ich irreversibel ist
und seiner alleinigen Verantwortung obliegt. Umso wichtiger ist es deshalb, mit
äußerster Sorgfalt und Aufmerksamkeit durch die Welten des Alltags und der Nacht
zu gehen - ohne Hast und Übermut. Das eigene Tun wird zu einem 'handelnden
Nichthandeln' (Wu-Wei) und ist geprägt von einer 'aktiven Passivität'.

Wer beginnt, sich mit der BK auseinanderzusetzen, kann manchmal eine


Konzentration auf das Ich als Ego beobachten. Die Betonung wird auf das Wort
"Ich" gerichtet. Dadurch entsteht der Eindruck der Egozentrik oder der Eindruck,
daß das Ich alleine und eine Interaktion mit anderen Wesen unnötig sei.

Dies ist ein fatales Mißverständnis, das unweigerlich die Falle des Solipsismus
zuschnappen läßt. Jeder Mensch ist eine BK 0/0 Einheit für sich, aber
gleichzeitig wie ein Wassertropfen im Meer des alles umfassenden 0/0 enthalten.
Was ist nun der Unterschied zwischen dem Meer und dem Tropfen? Bedeutet die
Grenzenlosigkeit des Meeres auch eine Grenzenlosigkeit des Tropfens? Sind Meer
und Tropfen identisch? Jein!

Eine Beantwortung dieser Fragen in einem dualen System ist unmöglich. Nur ein
Sowohl-Als-Auch kann einem Entweder-Oder ein Metasystem sein. Eine
Wechselwirkung auf "körperlicher" Ebene, die einen Schöpfungsprozeß zur Folge
hat, bedingt, daß sich BK 0/0 Einheiten voneinander absondern und - laut Bibel
mehr oder weniger - freiwillig das Paradies des Sowohl-Als-Auch verlassen.
"Draußen" sind sie in die Erzeugung einer äußerst mannigfaltigen, diffizilen und
filigranen, GEMEINSAM aufgebauten Wirklichkeit einbezogen. Dabei kommt es zu
einer andauernden Wechselwirkung und gleichzeitig zu einem gegenseitigen
Erkennen.

Die Menschen tauschen sich miteinander aus, treten zueinander in Beziehung und
reagieren aufeinander. Niemand ist alleine, denn ohne Interaktion gibt es kein
Leben und ohne Intersubjektivität keine kontinuierlich fortschreitende
Schöpfung. Wenn das Ich es schafft, sich sowohl des 0/0 (das "Zentrum des
Zyklons", wie John C. Lilly sagt) wie auch des m/n - eines begrenzten Inhaltes -
bewußt zu bleiben, lebt es in der Vielfalt der Einheit.

7. Was ein Kind finden kann


Es scheint, daß es Menschen reinen Herzens problemlos möglich ist, die große und
geheimnisvolle Kostbarkeit zu finden. Unser 9 Jahre alter Sohn Beat erzählte mir
jedenfalls am 15. Januar 1976 (natürlich in Dialektform) folgendes:

Wir gingen einmal in den Ferien auf eine Wanderung. Ich mache unterwegs ein
Mittagsschläfchen. Ihr tut dasselbe. Aber da ist etwas unter meinem Rücken nicht
so bequem. Ich stehe auf und entferne die störenden Steinchen. Da sehe ich einen
großen Kristall, der sehr schwer ist. Aber der Papi kann ihn zum Glück aufheben.
Wir gehen wieder nach Hause (in die Ferienwohnung) und nehmen den Kristallstein
mit.

Am nächsten Tag gehen wir wieder wandern. Als ich eine Pause mache, entdecke ich
ein paar Diamanten. Diese trage ich selber zurück, denn sie sind nicht schwer.
Dasselbe geschieht am nächsten Tag.

Am übernächsten Tag stolpere ich über einen Felsbrocken und schiebe ihn
beiseite. Darunter sind viele Kristallsteine. Wir nehmen sie mit. Bei der
nächsten Wanderung am folgenden Tag steht mitten auf dem Weg ein Baum. Ich
schiebe ihn ein bißchen zur Seite. Und was sehe ich da! Schmucksachen aus Gold
und Silber fürs Clodi (meine Schwester) und fürs Mami. Die beiden heben den
Schmuck auf und probieren ihn. Wie ich den Baum noch etwas mehr beiseite
schiebe, entdecke ich im gleichen Loch zwei Diamantringe.

Zu Hause bedankt ihr euch für die tollen Sachen, die ich gefunden habe - auch
für den großen, großen Kristallstein. Es ist ein Zauberstein, aber das wissen
wir noch nicht.

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Dann sage ich:
«Wann gehen wir (endlich) nach Hause?» (Es regnet jetzt ohne Unterbruch.)
Und du (Papi) sagst: «Erst in zwei Wochen!»
Das freut mich, und ich sage: «Meinst du, dann wird das Wetter wieder schön?»
Kaum habe ich das gesagt, sind wir 'auf einen Blitz' (blitzartig) zu Hause - und
es ist schönes Wetter.
«Also das geht doch nicht!» sagen alle.
Ich denke: «Wird das Wetter wieder schön, können wir wieder in die Ferien!» Und
'wie der Blitz' sind wir zurück am Ferienort.

Der Schmuck von Clodi und Mami zaubert ganz automatisch. Er bewirkt, daß das
Mami verschwindet (unsichtbar wird) und kurze Zeit darauf wieder da ist.

Nun feiern wir, weil alle Dinge, die ich gefunden habe, zaubern können - auch
der Kristallstein.

Am nächsten Tag ist das Wetter wirklich schön. Clodi spielt draußen, ich im
Haus. Plötzlich taucht Gesindel auf. Es stiehlt die silbernen Sachen und
schleppt meine Schwester weg. Aber da zaubert Clodi und ist nicht mehr da (sie
wird unsichtbar).
Das Gesindel denkt: «Wo ist die denn jetzt?»
Da zaubert sich Clodi wieder herbei (wird sichtbar), verwandelt das Gesindel in
Ameisen und zerdrückt diese. Nun sind alle tot!

Eines Tages haben wir nichts zu Essen, aber der Kristallstein kann uns etwas
herbeizaubern. Dann machen wir uns auf den Heimweg und werden eine reiche
Familie.

Wolfram von Eschenbach schreibt: «Daß vor dem Grale jedesmal bereitlag, wonach
ein jeder die Hand ausstreckte, und daß er fertig vor sich fand warme Speisen,
kalte Speisen, neue Speisen.» - Der Gral wird auch 'lapis exillis' genannt und
schafft nach Art des Füllhorns Speise und Trank im Überfluß. Er wirkt auch als
eine Art Jungbrunnen, der Verletzungen heilt und die Toten ins Leben zurückruft,
und er ist das Lebenselixier schlechthin, das im weitesten Sinn das Mysterium
von Leben und Tod vergegenwärtigt (vgl. Zingsem 1995:228).

Tatsächlich kommt es - wahrscheinlich sogar öfter - ganz spontan auch zu luziden


Träumen und außerkörperlichen Erfahrungen, denn diese Erfahrungsbereiche sind
dem Menschen eigen und müssen nicht unbedingt mittels spezieller Praktiken
erschlossen werden.

8. Die Entstehung des Diamantkörpers

Die Probleme, die sich bei der Entstehung des Diamantkörpers ergeben, sind sehr
komplex. Ich werde also weiterhin nur tastend vorgehen können - und erzähle
deswegen einfach mal das Geschehen vom 18. Juli 1979.

... Da sind ganz in meiner Nähe an einem mir völlig unbekannten Ort zwei Männer,
die mir weit überlegen sind und hier eindeutig das 'Sagen' haben. Wir stehen
knietief in einer Flüßigkeit, die den Boden des ganzen Raumes bedeckt -
wahrscheinlich ist es Urin. Mir wird gesagt, ich müsse da hineinpinkeln! Ohne
der Aufforderung zu widersprechen und den Sinn dieses Tuns zu begreifen, befolge
ich die Anweisung und spreche - wie das offensichtlich von mir erwartet wird -
während des Wasserabschlagens mit den Männern über das Problem des Urins in der
Alchemie.

Urin hat mit dem "aqua permanens" zu tun und könnte eine andere Darstellung der
Problematik der Bewußtseinskontinuität im Hinblick auf den "Kreislauf des
Lichts" in den chinesichen Meditationspraktiken sein. Es besteht somit ein

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Zusammenhang mit dem "elixir vitae", dem "Essig" (acetum), dem "Mercurius als
Quecksilber", der "Tinctura" und dem "Wasser des Hl. Geistes".

Die Reaktion der aufmerksam zuhörenden Männer läßt vermuten, daß sie der Meinung
sind, ich hätte die Zusammenhänge recht gut erfaßt.

Aber erst während dieses Gespräches werde ich mir langsam mit aller Deutlichkeit
meiner momentanen Situation bewußt und merke schließlich, daß ich 'träume' und
in ein äußerst sonderbares Geschehen verwickelt bin.

Und definitiv wird mir meine Lage bewußt, als mir befohlen wird, mich
hinzulegen. Ich soll gefoltert werden! Ein Wahnsinn! Einer der Männer hat eine
Art Handschleifmaschine, mit der er mir die Haut vom Leibe wegreißen will.
Scheiße! Ich fühle mich - gelinde gesagt - nicht besonders angenehm beim
Gedanken, höllische Schmerzen ausstehen zu müssen. In einem Traum, aus dem ich
mich ja jederzeit flüchten könnte!

Mir ist jedoch klar, daß gerade die Schmerzempfindung ganz allein von mir selber
und damit von meiner Einstellung diesem Geschehen gegenüber abhängt. Ich erfasse
die Situation sehr genau und weiß intuitiv, was exakt getan werden müßte, damit
die Folterung nicht stattfindet. Falls ich mich korrekt verhalte, dürfte es
unnötig sein, mich auf diese Weise zu quälen.

Das richtige Verhalten wird vor allem einmal darin bestehen, daß ich lerne, mich
völlig zu entspannen und absolut passiv zu bleiben. Dies ist angesichts der
drohenden Lage nicht besonders einfach zu bewerkstelligen, allerdings hilft mir
dabei die Bewußtseinskontinuität. So entspanne ich mich ganz bewußt und lasse
mich im wahrsten Sinne des Wortes im Urin auflösen, denn das ist es, was nunmehr
geschieht - und für die Folterung nichts mehr übrig lassen wird.

Ich realisiere bei völliger Bewusstseinsklarheit, daß ich mich auf eine
geheimnisvolle Art auflöse. Genauer gesagt ist es so, daß der Körper irgendwie
'expandiert'. Dabei entsteht ein intensiv starkes Gefühl der Einheit. Eine
Einheit nicht nur mit der Flüßigkeit, sondern überhaupt mit allem - mit dem
gesamten Universum! Dieses Erleben erinnert mich an die mystische Erfahrung der
'unio mystica'. Die Überraschung könnte nicht größer sein - in einem solchen
Moment hätte ich das niemals erwartet. Aber das Gefühl ist zu deutlich, als daß
es hätte missachtet werden können. Und es ist das eigentlich Wesentliche in
diesem Moment, denn ansonsten hätten die beiden Männer mit der Folterung
beginnen können.

Und mit dem Grad der Auflösung steigt meine Unabhängigkeit in bezug auf eine
mögliche Folterung, denn je mehr ich mich auflöse, desto weniger biete ich in
meiner Körperlichkeit eine Angriffsfläche. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, in
einer expandierenden Einheit mit der Umgebung zu sein - und gleichzeitig die
eigene Individualität in ihrem Kern eindeutig zu behalten. Dies bestätigt mir
eindrücklich meine seit langem gehegte Vermutung, daß Einheit, Individualität
und Vielheit keine Widersprüche sind, sondern gleichzeitig erfahren werden
können.

Die Auflösung des Körpers schreitet nicht bis zum möglichen Maximum des
'atomaren' Zerfalls fort. Zum einen wohl deswegen, weil ich nicht so weit gehe
und nicht so weit zu gehen habe, zum anderen, weil man mich nicht so weit gehen
läßt. Die deutliche Empfindung, daß sich die Muskeln vom Skelett ablösen und im
Urin auflösen, während das Skelett in seine einzelnen Bestandteile zerfällt,
erinnert mich eindrücklich an das Motiv der Zerstückelung bei den Schamanen. Ich
denke:
«Da habe ich nun meine ganz persönliche Zerstückelung! Und sie erfordert
tatsächlich ein gehöriges Maß an Gelassenheit! Ohne Bewußtseinskontinuität wäre
das nicht auszuhalten!»

Dann sehe ich, daß der eine Mann - er erinnert mich doch etwas an eine
Christusfigur - sein Vorhaben aufgibt, mich zu 'schleifen'. Offensichtlich

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deswegen, weil ich bewußt den Auflösungsprozeß derart weit vorangetrieben habe.
Nun gibt es bei der Körperlichkeit keine Ansatzpunkte zum Schleifen mehr! Selber
bin ich außerordentlich glücklich darüber, daß die Auflösung gelungen ist.
Außerdem scheint sie irgendwie als solche eine weitaus größere Prüfung zu sein
als es die Folterung jemals hätte sein können.

Dann beginnen sich die einzelnen, im Urin aufgelösten Teile wieder zu gruppieren
- und es entsteht ein neuer Körper. Mit größstem Erstaunen stelle ich fest, daß
jetzt ein echter 'Diamantkörper' zusammenwächst. Darauf bin ich stolz! Es freut
mich, eine derart tiefgreifende Erfahrung erleben zu dürfen. Sie scheint mir
sehr wesentlich, denn ich erhalte einen 'unsterblichen' und 'unverweslichen'
Leib und bekomme damit einen Körper, mit dem selbt die härtesten Gefängnismauern
zu durchdringen sind.

Nach einer kurzen Zeit der Besinnung erhebe ich mich. Als erstes soll die Kraft
und die Härte des neuen Körpers zur Anwendung kommen. Ich gehe zur 'Betonwand',
welche diesen Raum begrent, und beginne die Mauer mit bloßen Händen zu
bearbeiten und ganze Stücke herauszureißen. Zu meiner großen Überraschung stelle
ich fest, daß das Innere der Mauer aus Tausenden von Kugeln unterschiedlichster
Farbe besteht. Sehr hübsch! Während meines Tuns überlege ich mir, ob ich jetzt
schon versuchen sollte, die Mauer zu durchbrechen.

«Eigentlich habe ich für heute genug erlebt! Ich sollte jetzt in den schlafenden
physischen Körper zurückkehren und die Sache noch protokolieren!»

Auch habe ich keinen Mumm mehr, jetzt gerade weiterzumachen. Also überlasse ich
mich der auftretenden Müdigkeit und erwache kurz darauf im Bett. Es ist 01:30.

«Meister Lü Dsu sprach: Es gibt vielerlei Bestätigungserlebnisse. Man darf sich


nicht mit kleinen Ansprüchen begnügen, man muß sich zu dem Gedanken erheben, daß
alle Lebewesen erlöst werden müssen. Man darf nicht leichten und nachlässigen
Herzens sein, sondern man muß danach streben, daß die Worte durch Taten bewiesen
werden.» (Wilhelm (1929) 1965:102)

Es ist natürlich folgendes zu berücksichtigen:


«Entsprechend der Veranlagung der Menschen erscheinen jedem verschiedene Dinge»
(Wilhelm (1929) 1965:104). Dem wäre nur noch beizufügen, daß der kulturelle
Hintergrund die 'archetypischen' Erscheinungen maßgeblich in ihrer
Detailausbildung ideoplastisch mitbeeinflußt. Aber grundsätzlich ist es egal,
was erscheint, denn wichtig ist allein das Verhalten des Ich gegenüber einem
Erscheinungsbild. Im Märchen von der "Frau Holle" schnarrt das Brot im Backofen:
«Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst
ausgebacken.»
Eine solche Situation verlangt nach einer bewußten Entscheidung. Das Ich sollte
sich jetzt «zu dem Gedanken erheben, daß alle Lebewesen erlöst werden müssen»
(Wilhelm (1929) 1965:100).

Die Idee des "diamantnen Leibes", des unverweslichen Hauchkörpers, scheint - wie
die Behauptung eines "Fortdauern des Lebens nach dem Tode des physischen
Körpers" - zunächst eine bloß metaphysische Behauptung zu sein, die eine leicht
durchschaubare Vermischung physischer und geistiger Dinge darstellt. Kommt es
jedoch zu einer Erfahrung wie der vom 18. Juli 1979 , d.h. zur "Entstehung des
Diamantkörpers", verliert sich die absolut scheinende Gegensätzlichkeit von
Leben und Tod, denn der Prozeß der totalen Auflösung, Umwandlung und
Neuzusammensetzung läßt sich offensichtlich "problemlos" überstehen.

Wenn das Geschehen jedoch genauer betrachtet wird, zeigt es sich, daß es von der
allergrößten Bedeutung ist, die Identität von Ich und Körper zu hinterfragen und
als bloßen Schein zu erkennen und zu entlarven. Würde dies nicht getan, müßte es
unweigerlich zur Folterung und damit zu massiver Schmerzbildung kommen. Die
eigentliche Schwierigkeit vieler Menschen dürfte darin bestehen, daß sie
andauernd Ich und Körper als identisch betrachten. Wenn der Körper leidet,
leidet das Ich. Wenn der Körper stirbt, stirbt das Ich.

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Die Identifikation von Körper und Ich ist fatal, denn sie zwingt das Ich, sich
von der Wiege bis zur Bahre mit einem ganz bestimmten Inhalt des Bewußtseins
gleichzusetzen. Dies geschieht erstmals auf der physischen und dann wieder auf
der hauchkörperlichen Ebene. Zuerst wird der materielle Leib als wesentlicher
Lebensträger bezeichnet. Auf dieser 'Stufe' verharrt normalerweise der westliche
Mensch, und er muß alles daran setzen, mit Hilfe bestimmter Techniken jung und
schön zu bleiben und möglichst alt zu werden. Ein nächster Schritt besteht dann
darin - wiederum mittels bestimmter Techniken - einen "Hauchkörper" zu
entwickeln, der langes Leben verleiht.

Pien Tao-schi sagte: «Unsterblichkeit ... bedeutet genau das, was ihr Name
besagt - kein Tod, zumindest für die Dauer vieler Äonen. Ich selbst habe die
feste Absicht, meinen Körper in eine schimmernde, diamantartige Substanz zu
verwandeln, gewichtlos und doch hart wie Jade. Das ist der einzig sichere Weg»
(Blofeld 1974:51-52).

Ob Jahre oder Äonen, am Ende wartet der Tod - und der ist geduldig. Aber er kann
immer nur einen Körper erfassen, niemals aber das Ich als
bewußtseinskontinuierliches Wesen. Wenn es gelingt, die "große Umkehr" von der
Sicht auf den Körper als 'feststehender' BK-Inhalt hin zur Sicht auf die BK 0/0
zu vollziehen, relativiert sich jede Art von Körperlichkeit. Daß ein "diamantner
Leib" wie der "physische Körper" eines Tages zerfallen wird, scheinen auch
einige östliche Meister übersehen oder vergessen zu haben.

Nun geht es allerdings in einem ersten Schritt darum, den "Erdgeist" aus seiner
Verhaftung an die Materie zu befreien. Bei diesem Prozeß wird der physische
Körper im Verlaufe des irdischen Lebens durch den "Hauchkörper" ergänzt und beim
Tode desselben durch ihn ersetzt. So ziemlich alle Meditationstechniken und
Yogaübungen bezwecken dies. Außerdem zeigen sie, daß das "Psychische" sowohl
'physisch' wie auch 'geistig' ist. Der Begriff einer psychischen Realitat wird
in dem Moment 'greifbar', wenn der Mensch beginnt, bewußt in die Welt der
"nächtlichen Erfahrungen" einzutauchen und dabei zu erkennen, daß physischer und
subtiler Körper nicht dasselbe sind und sich zudem als körperliche Vehikel (und
Formen des Geistleibes) wiederum von der Bewußtseinskontinuität unterscheiden.

«Am besten ist es freilich, wenn das Licht sich schon zu einem Geistleib
verfestigt hat und allmählich seine Lebenskraft die Triebe und Bewegungen
durchdringt. Aber das ist ein Geheimnis, das seit Jahrtausenden nicht verkündet
worden ist» (Wilhelm (1929) 1965:80). Nun denn, es braucht auch nicht verkündet
zu werden, denn jeder Mensch kann es erleben!

9. Das Monster aus den Tiefen des Gehirns

Am 13. September 1998 um 00:20 Uhr kommt es zu einer Auseinandersetzung, bei der
die Luzidität entscheidend gefordert wird. Das Geschehen spiegelt mit aller
Deutlichkeit die gedankliche Auseinandersetzung mit der immer wieder geäußerten
Auffassung, alles würde sich NUR im Gehirn abspielen und sei deswegen bloß eine
Illusion. Diese immer wieder geäußerte Meinung beruht vor allem auf einem
kritiklos übernommenen rationalistisch-materialistischen Verständnis, das meint,
alle Probleme ließen sich mit naturwissenschaftlichen Mitteln lösen und erklären
- statt die Notwendigkeit einer Wandlung der bewußten Einstellung gegenüber dem
Irrationalen anzuerkennen und das "Bauchgehirn" sprechen zu lassen, wie dies
Remo F. Roth in «Die Visualisierung psychosomatischer Symptome oder Symptom-
Symbol-Transformation» beschrieben hat.

... Ich steige auf der linken Seite der Wohnstube eines Hauses in den Bergen
eine Treppe hinunter in den Keller. Hier fällt mich plötzlich ein
wutschnaubendes, geiferndes, grün-graues Monster an. Es gelingt mir nur äußerst
knapp zu entkommen und die Steintreppe wieder hinaufzurennen. Nach einigen

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Minuten der Besinnung fasse ich all meinen Mut zusammen und gehe noch einmal in
den Keller hinunter, nehme aber dieses Mal die Treppe rechts - in der Hoffnung,
damit insofern eine etwas andere Ausgangslage zu erzwingen, als das Ungetüm
nicht erwartet, daß der Eindringling von dieser Seite her sein Reich betritt.
Mir scheint es wichtig, das Monster genauer anzusehen.

Auf der letzten Stufe bleibe ich sicherheitshalber stehen und schaue mich um.
Links führt zwischen den beiden Treppen ein breiter Gang in die Dunkelheit
hinein. Irgendwo dort hinten lauert ein gräßliches Monstrum, das sofort auf mich
aufmerksam werden wird, wenn ich es wage, die letzte Stufe hinunterzusteigen.
Eine beängstigende Vorstellung. Ich frage mich ernsthaft, was zu tun ist. Dabei
steigen Erinnerungen an ähnliche Situationen auf. Es wird mir auch klar, daß
sich eine Konfrontation nicht vermeiden läßt. Was ist also zu tun? Ein
Zurückgehen wäre sinnlos. Es hätte bloß aufschiebende Wirkung. Ein Vorwärtsgehen
wird das Monster, gegen das ich keinerlei Chance habe, unweigerlich lebendig
werden lassen. Aber gibt es überhaupt eine andere Möglichkeit als das Entweder-
Oder des Vorwärtsgehens oder des Zurückweichens?

Andererseits ... es gibt noch ein Drittes, nämlich die Bewußtwerdung. Wo bin ich
denn? Was geschieht? Nach kurzem Überlegen wird mir klar, daß es sich hier
eindeutig um ein Traumgeschehen handelt! Ich realisieren dies mit aller nur
wünschenswerten Deutlichkeit. Meine momentane Lage ist die eines wachbewußten
Träumers in einem luziden Traum! Also kann ich jetzt dank der
Bewußtseinskontinuität und dem Wissen, daß mir nichts geschehen kann, problemlos
weitergehen. Ok - das wäre also geklärt, und die Angst ist damit definitiv
überwunden.

Ein letzter Schritt über die letzte Stufe hinunter, und dann wende ich mich
furchtlos nach links und gehe den dunklen, breiten Gang hinunter. Das Monster
wird bald merken, daß jemand kommt, aber es wird sich mit jemandem konfrontiert
sehen, der sich der Tatsache, in einem Traum zu sein, bewußt ist.

Die Einsicht, in ein Traumgeschehen verwickelt zu sein, ändert prinzipiell


nichts an der Situation als solcher, in die sich das Ich im Traum hineingestellt
sieht. Sie ändert vor allem auch nichts an der Frage, ob das Ich unter diesen
Voraussetzungen situationsadäquat, in eigener Verantwortung und unter
Berücksichtigung der Gegebenheiten handeln soll - oder ob es
situationsvermeidend, d.h. rücksichtslos und einzig den eigenen
Wunschvorstellungen gemäß vorgehen will.

Aufgrund des die Lage stark vereinfachenden Gedankens, alles spiele sich NUR im
Gehirn ab, ist eine total andere Haltung dem Geschehen gegenüber möglich. Nicht
mehr eine beinahe ausschließlich passiv erleidende, sondern eine rigoros aktiv
handelnde. Das NUR erlaubt es nämlich, völlig willkürlich zu verfahren. So kann
z.B. die vorgegebene Situation augenblicklich verlassen und aus ihr ausgestiegen
werden. Wer erfahren ist im luziden Träumen kann z.B. die gesamte Umgebung nach
eigenem Gutdünken und gemäß den eigenen Wunschvorstellungen beinahe (!) beliebig
verändern und notfalls das Traumgeschehen durch ein Erwachen im Bett beenden.
Derartige Möglichkeiten ergeben sich aber ERST durch die Luzidität als solche.
Sie sind eine Folge der Bewusstheit! Da sie auf dem Gedanken beruhen, ALLES
spiele sich NUR im Gehirn ab, sollte dieser Gedanke unbedingt zu Ende gedacht
werden. Auch sollte das "beinahe" etwas genauer unter die Lupe genommen. Das
luzide Ich hat die Aufgabe, eine "Verdunkelung des Gehirns" (nigredo), ein
"abaissement du niveau mental" zuzulassen und die Ichvorstellungen bewußt
zurückzunehmen. Dies ist gerade WEGEN der Bewußtheit des Ich in einem luziden
Traum sehr schwierig, denn es bedeutet, daß BEWUßT auf eine Beeinflussung und
damit auf Machtausübung verzichtet wird!

Als erstes ist allerdings daran zu denken, daß das Gehirn als solches in seinen
effektiven Dimensionen und tatsächlichen Eigenschaften keineswegs vollumfänglich
bekannt bzw. erforscht ist. Es muß deshalb damit gerechnet werden, daß die
Erforschung des Gehirns noch einige Überraschungen bieten wird. Es ist -
abgesehen davon, daß noch nicht allzu viel bekannt ist - überhaupt nicht

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möglich, das Gehirn vollständig zu "entschlüßeln" und zwar aus Gründen, welche
die Wissenschafts- und Erkenntnistheorie deutlich aufzeigt. Diese Tatsache muß
allerdings für das "normale" luzide Ich und seine Entscheidungen im Traum und im
Alltag keine sonderlich große Rolle spielen - es sei denn, es würde sich
ernsthaft mit den "letzten Dinge" an der Forschungsfront auseinandersetzen. Es
ist zwar nicht unbedingt notwendig, sich darüber Klarheit zu verschaffen,
welches die tatsächlichen Grenzen des Gehirns "in Raum und Zeit" sind und ob das
"Kopfgehirn" einen Zwilling hat, der "Bauchgehirn" genannt werden kann, das dem
3. und dem 2. Chakra von unten, dem manipura und dem svadhisthana, entspricht -
aber es wäre für die spirituelle Entwicklung förderlich und zudem heilsam für
die Seele, wenn gewisse Fragen gestellt würden.

Und ob nun die feinsten Verästelungen der sensiblen und motorischen Nerven in
den Zehen oder irgendwelche hormonbildenden Drüsenzellen zum Gehirn gehören oder
nicht, ist - schalkhaft gesagt - auch nicht nowendigerweise zu hinterfragen.
Niemand braucht sich ferner darum zu kümmern, ob beispielsweise das soeben
eingeatmete Sauerstoffmolekül vor einiger Zeit Bestandteil eines
Neurotransmitters im Stammhirn eines in der Savanne verwesenden Elefanten in
Afrika gewesen ist und nun bald einmal zu einem Bestandteil einer eigenen
Nervenzelle im Vorderlappen des Gehirns oder im Solarplexus werden wird. Daß es
gewisse Leute gibt, die meinen, Moleküle seien fähig, sich zu erinnern, kann
ebenfalls als ein bloß hirnrissiger Gedanke bezeichnet werden, der nicht weiter
beuruhigend ist. Und daß Neutrinos, die das Gehirn unbemerkt durchqueren wie
zuvor vielleicht einmal einen Stern des Plejadensystems, muß bestimmt nicht
unbedingt genauer bedacht werden. Oder doch?

Wenn von der Annahme ausgegangen wird, ALLES spiele sich NUR im Kopfgehirn ab,
muß dieser Gedanken wirklich konsequent zu Ende gedacht werden - und dann sind
eben die oben erwähnten Dinge etwas genauer zu bedenken. Einem ALLES unterliegt
sowohl der Alltag als auch die Welt des Traumes. Es stellt sich deshalb die
Frage, was denn alles zu dem ALLES gehören soll, und ob es nicht besser wäre,
sich auf einen überschaubaren Teil zu beschränken, auch wenn dieser Teil
andauernd im Verlauf des Forschungs- und Erkenntnisprozesses erweitert wird.
Außerdem stellt sich die Frage, ob es nicht klüger wäre, das Ich zurückzunehmen
und dem "Selbst" das unüberschaubare Feld des ALLES zu überlassen, denn
Größenwahn ist kontraproduktiv, verunmöglicht ein harmonisches Zusammenleben und
führt zu einer egoistischen Rücksichtslosigkeit sondergleichen. Darüber ist
schon sehr viel gesagt worden - und zwar nicht nur seitens der Tiefenpsychologie
-, so daß an dieser Stelle bloß an die für die Menschenwürde eher förderliche
Unterscheidung von Ich und Selbst erinnert werden soll.

Eine weitere mögliche Konsequenz derartiger Überlegungen ist, daß das luzide Ich
sich dem Traumgeschehen nicht zum vorneherein durch einen Querausstieg
verweigert, sondern die Situation als solche akzeptiert und freiwillig in ihr
als eine abwartend beobachtende und gleichzeitig jederzeit aktiv handlungsfähige
Person verbleibt. Dieses Verhalten bezeichnet Jayne Gackenbach als "Witnessing
Dreaming". Praktisch bedeutet dies, daß das Ich auf eine Beeinflussung "um jeden
Preis" zugunsten des "handelnden Nichthandelns" und der "aktiven Passivität"
verzichtet und sich in aller Bescheidenheit zurücknimmt. Für eine derartige
Verhaltensweise muß sich das Ich allerdings erst einmal bewußt und in eigener
Verantwortung entscheiden. Ob diese Entscheidung die richtige ist, wird sich im
Verlaufe der Jahre zeigen, denn das Ich befindet sich in einer andauernden
Wechselwirkung mit seiner Umgebung, egal wie es diese benennen mag - und es
strebt unweigerlich dem Ableben des physischen Körpers zu. Glück und
Zufriedenheit, Lebenssinn und Erkenntnis mögen alles Hirnfunktionen sein, aber
letztes Endes bleibt dem Ich einzig und allein die Erfahrungsgewißheit jenseits
aller theoriekonformen Vorstellungen und Bestätigungen durch Außenstehende. Und
es bleibt das Wissen, das aus dem "Bauch" kommt.

Ich erwarte, daß in jedem Moment das bestialische Monster auftaucht. Aber nichts
dergleichen geschieht. Nun denn, ich denke, der Gedanke, irgendwie spiele sich
alles im Gehirn als dem Schauplatz des rein Subjektiven ab, ist nicht unbedingt
von der Hand zu weisen. Zudem fasziniert er bis zu einem gewissen Grade

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zugegebenermaßen auch mich, denn er entlastet das Ich, indem er dem Ich die
Bürde der Verantwortung abnimmt. Andererseits reizt es mich doch zu sehr, in
Erfahrung zu bringen, was nun geschehen wird. Ein "Ausstieg" wäre zu einfach.
Was macht das "Gehirn" mit einer völlig neuartigen Situation? Wenn ich das
Szepter schon nicht selbst übernehme, was problemlos aufgrund der Luzidität
möglich wäre, muß etwas anderes oder eben gar nichts passieren.

Langsam gehe ich Schritt für Schritt weiter. Es wird dunkler und dunkler. Wo ist
das Monster? Plötzlich spüre ich etwas Weiches unter meinen Füssen. Was zum
Teufel ist denn dieses? Ich bücke mich und greife mit blossen Händen in eine
flauschige, wattige und knäuelartige Masse. Wahrscheinlich ist das Monster
zerfallen und hat sich dabei in dieses Zeugs verwandelt. Merkwürdig! Ekelhaft!
Aber wozu bin ich denn luzid!? Es wäre mir möglich, die Auseinandersetzung mit
dem Wattezeugs zu umgehen, es ist aber auch möglich, den Ekel zu überwinden und
die Berührung mit der Masse sozusagen zu vertiefen. Ich entschließe mich dazu,
mich in das Unbekannte hineinzuwühlen und das undefinierbare Zeug trotz meiner
Abscheu regelrecht durchzukneten.

Schon nach den ersten Bewegungen beginnen sich die lockeren, kokonartigen,
fädigen Knäuelmassen zu meiner Verblüffung neu zu formieren. Nach einigen
Minuten entsteht durch das unabläßige Kneten ein Gebilde unbekannter Form, das
sich nach und nach als langer Mantel von pelzartiger Struktur entpuppt.
Schließlich ziehe ich tatsächlich einen Mantel aus der verbleibenden Masse, hebe
ihn hoch und laufe zurück an den Ort, wo es heller ist. Unten an der Treppe
angelangt, halte ich das merkwürdige Gebilde ins Licht. Es ist blaßweiß und von
Dutzenden von ockerfarbenen querliegenden kurzen Streifen durchzogen. Von
irgendwoher weht ein Wissen heran, das mir sagt, dies sei ein Schutzmantel, den
ich unbedingt überziehen solle, denn es werde bald zu einem Krieg bzw. zu einer
kriegerischn Auseinandersetzung kommen.

Ich ziehe den Mantel an und steige die Treppe wieder hoch.

Es kann nicht bestritten werden, daß der Mensch zum Denken das Gehirn braucht,
doch das bedeutet nicht, daß alle Gedanken und Ideen auch dort im Kopf oben
entspringen. «Vielleicht erhalten wir einen Teil von ihnen aus einer anderen
Quelle, aus irgendeinem großen Organ von Gedanken und Ideen, das irgendwo
außerhalb ... seine eigene unabhängige Existenz führt.» (Morton & Thomas
1998:77) Es stellt sich demnach die Frage, ob es «auf einem unbewußten Niveau
ein universelles Kommunikationsnetz» (ibid.) gibt. Das Ich wäre gut beraten,
sich zu jeder Zeit so zu verhalten, ALS OB es etwas geben würde, das seinen
Horizont bei weitem übersteigt - bei weitem! - auch wenn es in den unteren
Regionen im Solarplexusbereich, im "Bauchgehirn" angesiedelt sein sollte.

Wenn jemand tagsüber die Augen schließt, mag für die betreffende Person der
Eindruck entstehen, die Welt habe sich aufgelöst und sei verschwunden. Exakt
diesen Versuch kann ein luzides Ich auch im Traumzustand machen - die Welt wird
verschwinden. Nach einiger Zeit können die Augen wieder geöffnet werden. Falls
keine Ortsveränderungen geschehen sind und die "Abwesenheit" nur kurze Zeit
gedauert hat, wird - wenigstens auf der physischen Ebene - mit größter
Wahrscheinlichkeit damit gerechnet werden können, daß keine oder nur minimste
Veränderungen stattgefunden haben. Dem Alltag kann zweifelsohne und trotz der
emotionalen Schwankungen eine gewisse Stabilität zugesprochen werden. Dies
erleichtert die Orientierung doch sehr. Die Ebenen der Traumwelten sind nicht
derart festgefügt und machen deswegen eher den - trügerischen - Eindruck, sie
seien einzig und allein abhängig von den "oberen" Hirnfunktionen.

8. Welten des Lichts

«Wenn während der Ruhe ununterbrochen dauernd der Geist die Empfindung einer
großen Heiterkeit hat, als wäre er trunken oder neu gebadet, das ist ein
Zeichen, daß das lichte Prinzip im ganzen Leib harmonisch ist; da beginnt die
Goldblume zu knospen. Wenn dann weiterhin alle Öffnungen stille sind und der

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silberne Mond inmitten des Himmels steht und man das Gefühl hat, daß diese große
Erde eine Welt des Lichts und der Helligkeit ist, so ist das ein Zeichen, daß
der Leib des Herzens sich zur Klarheit öffnet. Das ist das Zeichen, daß die
Goldblume aufgeht» (Wilhelm (1929) 1965:101-102). Bemerkenswert ist, daß «der
Ausdruck Goldblume (Gin Hua) in esoterischer Hinsicht auch den Ausdruck 'Licht'
enthält» (Wilhelm (1929) 1965:68), womit eindeutig auf die
Bewußtseinskontinuität, das "Licht des Lebens", verwiesen ist.

Sogyal Rinpoche schreibt: «Im Bardo der Dharmata nimmst du einen Lichtkörper an.
Die erste Phase dieses Bardo beginnt, wenn ‚Raum in Lichtheit aufgeht':
Plötzlich wirst du dir einer fließenden, vibrierenden Welt von Klang, Licht und
Farbe bewußt. Alle gewöhnlichen Erscheinungsformen unserer vertrauten Umwelt
sind zu einer allumfassenden Landschaft aus Licht geschmolzen. Sie ist funkelnd,
klar und strahlend, durchscheinend und vielfarbig, unbegrenzt von irgendeiner
Dimension oder Richtung, schimmernd und in ständiger Bewegung. Das ‚Tibetische
Totenbuch' beschreibt sie als ‚eine Luftspiegelung in der Ebene bei größter
Sommerhitze'. Ihre Farben sind der natürliche Ausdruck der dem Geiste
innewohnenden Eigenschaften der Elemente» (Rinpoche 1993:325-326).

Ich werde nun von einem Ereignis erzählen, das zumindest indirekt mit der
Heiterkeit zu tun hat, obwohl und gerade weil es das Problem der ideoplastischen
Verformungen und anderer möglicher Irrtümer aufzeigt. Das Geschehen vom 9.
Januar 1980 ist ziemlich komplex und dafür geeignet, die als normal geltende
Wirklichkeitsauffassung nicht nur ins Wanken zu bringen, sondern schlicht
zusammenbrechen zu lassen. Spätestens angesichts einer derart massiven
'Wirklichkeitsverfremdung' läßt sich die Leichtigkeit des menschlichen Seins nur
noch mit Hilfe einer humorvollen Heiterkeit leben. Dabei geht es nicht um ein
ungehemmtes und schrilles Lachen, das beinahe an die Grenzen des Wahnsinn stößt,
sondern um eine gelassene Heiterkeit und stille Fröhlichkeit, welche selbst die
ernsthaftesten Belange mit einem Hauch des Spielerischen umweht.

Das Geschehen beginnt in einem zur Straße hin gelegenen Zimmer in der
elterlichen Wohnung. Hier waren in der frühen Jugendzeit mein jüngerer Bruder
und ich für eine Weile einquartiert. Ich liege in meinem Bett im Wissen darum,
auf der Schwelle zum Einschlafen im hypnagogischen Zustand zu sein und weiß auch
um meine Identität als Werner Zurfluh.

Bemerkungen vom Januar 1980: Ich versäume es allerdings, eine Kontrolle der
Bewußtseinskontinuität durchzuführen, weshalb mir nicht auffällt, daß ich schon
seit bald zwei Jahrzehnten nicht mehr an diesem Ort lebe, längst verheiratet bin
und selber Kinder hat. Diese sind jetzt etwa in dem Alter, in dem damals in
diesem Zimmer mein Bett gestanden hatte. Es fehlt also die Erinnerung von jenem
Zeitpunkt an 'aufwärts'. Für mich wurde diese zeitliche Verschiebung bei diesem
- wie ich es nennen möchte - "falschen Einschlafen" keineswegs zum Problem. Der
Kenntnisstand rund um den hypnagogischen Zustand, die ideoplastischen
Vorstellungen und sogar in bezug auf die Außerkörperlichkeit entspricht dem
Wissenstand, den ich jetzt im Alter von 35 Jahren tatsächlich besitze. Das
Phänomen der "selektiven Erinnerungslücke" war mir bislang nicht bekannt, und es
wurde meines Wissens - im Gegensatz etwa zum "falschen Aufwachen" - auch
nirgendwo erwähnt.

Trotz dieser merkwürdigen Ausfilterung von Gedächtnisspuren ist es mir möglich,


die nunmehr auftretenden Geschehnisse genauestens zu beobachten und zu
reflektieren. Ich kann ihnen gegenüber eine klare Haltung einnehmen und sie nach
meinen eigenen Wünschen beeinflussen. Dies wird in dem Moment auch notwendig,
als der Ereignisse meine Bewußtseinskontinuität aufzulösen drohen und mich
beinahe in einen Traumzustand hineinschlittern lassen.

Je tiefer ich mich in den hypnagogischen Zustand hineinfallen lasse, desto


plastischer werden die Formen, die aus dem Nichts entstehen. Es sind durchaus
weibliche Gestalten, bestehend aus einem Leib mit zwei Beinen. Sie haben auch
Arme und einen Kopf, wobei mir auffällt, daß in keinem Fall ein Gesicht
ausgebildet ist. Deshalb sind diese Frauen eigentlich gesichtslos und wesenlos.

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Das merke ich aber erst nach etwa fünf bis zehn Minuten, nachdem ich schon mit
einem guten Dutzend weiblicher Körper in Kontakt gekommen bin. Dabei spielt das
Berührungselement eine wesentliche Rolle, d.h. im empfinde die Nacktheit der
Körper stark. Stets schweben die Körper mit den Beinen oder mit dem Gesäß voran
auf mich zu wie träge Ballone. Wenn sie in meiner Reichweite sind, dann ergreife
ich sie und ziehe sie zu mir heran.

Erstaunlich ist dabei die Tatsache, daß manche Leiber einen ungemein starken
Vaginalausfluß haben, wobei die zähe, schleimige und manchmal blutrot gefärbte
Flüssigkeit in fingerdicken Strömen über die Oberschenkel rinnt. Dieser Ausfluß
und die Farbe wirken direkt unheimlich. Es ist nicht unangenehm, die
klatschnassen Körper zu streicheln, sachte wieder wegzustossen und gleich
anschließend einen anderen Leib heranzuholen.

Neben dem starken Vaginalausfluß ist auch der Bauchnabel bei manchen auffällig
stark ausgebildet. Er ragt derart satt aus der Bauchdecke, daß es scheint, als
würde er im nächsten Augenblick wie ein Pfropfen von der Champagnerflasche
knallen. Und der Überdruck im Innern müßte - so denke ich mir - mit Wucht die
Gedärme herausquellen lassen. Das Aussehen der herausdrängenden dampfenden
Innereien wäre jedoch weitaus makabrer und schwieriger auszuhalten als der
Anblick des feucht-schleimigen Ausflusses. Ein lebenswarmes Gewühl von Därmen,
die sich aus dem Bauchraum hervordrängen, dürfte meine Fähigkeit,
grauenerregende Anblicke zu ertragen, etwas arg strapazieren.

Damit stellt sich die Frage, wie stark sich meine ideoplastischen Vorstellungen
in diesem Moment auswirken. Genügt etwa schon der bloße Gedanke an die
Möglichkeit des Zerplatzens der Frauenkörper, um das Geschehen einzuleiten? Das
wäre durchaus möglich! Aber ich bin doch erleichtert, als ich feststellen muß,
daß es nicht geschieht. Für mich ist dies immerhin ein Hinweis darauf, daß es
mit der Umsetzung von ideoplastischen Vorstellungen nicht so einfach ist. Es
gibt offensichtlich keine simple 1:1 Beziehung zwischen einer Vorstellung und
deren Realisierung.

Die These ließe sich in diesem Augenblick durch eine Verstärkung der
imaginativen Kräfte prüfen. Aber aus diversen Gründen verzichte ich darauf.
Einerseits scheint es gegenüber diesen Körpern irgendwie unfair, auf eine
direkte und deshalb eher plumpe Art vorzugehen. Die Leiber wirken zwar dumpf,
wesenlos und komatös, aber vielleicht spüren sie doch etwas! Immerhin sind diese
beinahe schon mitleiderregenden Geschöpfe irgendwie berührungsempfindlich!
Vielleicht bilde ich mir das ja nur ein - aber sicher ist sicher, also lasse ich
es bleiben. Andererseits ist es so, daß die Verwirklichung eines derartigen
Versuches für mich nur eine Art Mutprobe darstellt. Aber wäre dies eine
ausreichender Legitimation für die Durchführung eines Versuches? Die willenlosen
Dinger aufplatzen zu lassen einzig deswegen, um mir selber zu beweisen, daß ich
fähig bin, berstende Frauenleiber anzusehen und anzufassen? Wie bei einem
"Happening", bei dem warme Gedärme auf jemanden herabfallen? - Nein!

Ich möchte mich lieber darum bemühen, mit den bislang stumm gebliebenen
weiblichen Wesen Kontakt aufzunehmen und mit ihnen zu sprechen. Mit Hilfe einer
Akzeptierung könnte es vielleicht zu einer echten Begegnung und letztlich sogar
zu einem intimen Kontakt kommen! Um das zu erreichen, sind die Körper so weit
umzudrehen, bis das Gesicht erkennbar wird, denn nur so wird eine
Gesprächsaufnahme möglich sein!

Gedacht, getan - aber zu meiner großen Verblüffung besitzen alle diese Frauen
tatsächlich überhaupt kein Gesicht! Dort wo Augen, Nase und Mund hätten sein
sollen, ist bloss eine ungegliederte fleischige Masse ausgebildet. Demzufolge
sind das alles nur wesenlose Gestalten, unfähig zu einer echten
Auseinandersetzung in Form einer direkten verbalen Kommunikation.

Mich erschreckt dies ziemlich stark. Mein Entsetzen beruht nicht etwa darauf,
daß ich nun meinen würde, die Gesichtlosigkeit dieser Frauen sei die Folge eines
Vergehens, das sie früher einmal begangen haben könnten. Oder daß ich vermuten

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würde, ihr horrorartiges Aussehen sei die Verkörperung einer 'Schuld'. Vielmehr
ist der Grund meiner Bestürzung die Befürchtung, daß meine eigenen
ideoplastischen Vorstellungen diese Leiber geschaffen haben oder daß durch
irgendwelche im Hintergrund bzw. "unbewußt" sich auswirkende Gedanken derartige
Körper angezogen wurden.

Ich frage mich, was ein sexueller Kontakt mit solchen Wesen darstellen soll.
Eine solche Begegnung könnte doch nur der Vollzug eines auf Befriedigung
egoistischer Wünsche aufgrund lüsterner Geilheit augerichteten Strebens sein.
Wenn jedoch meine Imagination derart stark gewesen sein sollte, daß diese
gesichtslosen Frauenkörper die alleinige Schöpfung meiner Gestaltungskräfte
sind, ist das schon mehr als bedenklich.

Jetzt wird mir endlich bewußt, daß eine derartige Spielerei von einer
Disziplinlosigkeit sondergleichen zeugt. Die damit verbundene Unachtsamkeit
führt leicht und schnell einmal dazu, daß die Kontinuität des Bewußtseins
verloren geht, und das Ich langsam in einen traumartigen Dämmerzustand
abzugleiten beginnt.

Daß dies alles eine "Bewußtseins-Falle" darstellt, wird mir vor allem auch
deswegen klar, weil das Moment des Überganges vom inner- in den
außerkörperlichen Zustand an Wahrscheinlichkeit zunimmt. Das ist nun gut spürbar
und möglicherweise sogar eine Folge der Tatsache, daß ich vor die Wahl gestellt
werde, entweder in ein orgiastisches Geschehen zu versinken oder schlicht auf
die "Freuden des Dahingleitens" zu verzichten. Ich könnte also einen totalen
Verlust der Bewußtseinskontinuität - ein "black-out" - zulassen oder bewußt
"aussteigen" und die Bewußtseinskontinuität behalten.

Der Entschluß, mich von der Faszinosität des "wogenden Leiberflutens"


abzuwenden, wird maßgeblich durch eine akustische Wahrnehmung unterstützt. -
Deutlich ist nämlich das leise Klagen einer feinen Stimme zu hören: «Leider ist
die Sexualisierung groß!»

Ich verstehe diesen Satz als einen Hinweis darauf, daß gerade im hypnagogischen
Zustand die Tendenz zur Sexualisierung derart übermächtig wird, daß der
"floatenden" geschlechtlichen Erregung trotz Bewußtseinskontinuität nur selten
widerstanden werden kann.

Der Menge der schwebenden Leiber nach zu urteilen ist diese Sexualisierung nicht
nur ein persönliches Problem, sondern sichtbar gewordener Ausdruck eines
ausgedehnten "ideoplastischen Feldes". Weil in unserer Gesellschaft die Sex-
Aspekte ziemlich stark betont werden, muß das Ich ganz automatisch in den Sog
eines etwas zwielichtigen Attraktionsfeldes geraten, sobald es die
Übergangsphase vom Wach- in den Schlafzustand des physischen Körpers - den
hypnagogische Zustand - betritt. In einem solchen Moment ist das Ich irgendwie
geschwächt und viel anfälliger für die Wirkungen der kollektiven Ideoplastie-
Felder. Es ist auch gezwungen, direkt auf die Ausstrahlung der weiteren Umgebung
zu reagieren. So sind denn die Auswirkungen von Sex-Feldern wesentlich besser zu
spüren, wenn die Bewußtseinskontinuität zu 'dümpeln' beginnt.

Dies ist auch der Grund, weshalb wie aus dem Nichts Frauenleiber heranschweben,
die reine Sexualobjekte zu sein scheinen.

Solche Larvalformen werden vor allem beim Übergang vom Wach- in den
Schlafzustand gebildet, denn beim Einschlafen kommt es meistens zu einer
Bewußtseinsminderung, zu einem "abaissement du niveau mental". Im hypnagogischen
Zustand verblaßt die Bewußtseinskontinuität und damit die 'Wachheit', weshalb
gerade jene Phantasien mit Leichtigkeit in den Vordergrund treten, die tagsüber
von einem selbstkritischen Reflexionsvermögen eher beiseitegeschoben werden.
Speziell jene Vorstellungen, die manchmal sexuell gefärbt und etwas
zwielichtiger Art sind, bewirken dann den Aufbau entsprechender Wunschgebilde
und die Verfestigung verwandter, bereits bestehender Objekte.

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Derartige Gedankenschöpfungen bzw. "Psychogone" werden «durch starke Emotionen
und plastische Vorstellungskraft zu einer virtuellen Realität für den Urheber»
(Ballabene 1997). Je nachdem, wieviel eigene Seelenkraft und wieviel Energie
seitens anderer Menschen in die Erschaffung solcher Ausformungen einfließt,
«wird die Dichtigkeit und Lebendigkeit eines solchen Abbildes zu- oder abnehmen»
(ibid.). «Gedankenschöpfungen haben in den Jenseitsauffassungen der Theosophen
einen hohen Stellenwert, gibt es doch nach ihrer Lehre eine eigene Ebene
(Mentalwelt), die aus solchen Bildern erschaffen ist» (ibid.). «Es ist zu
beachten, daß die Wesen in der Astralwelt nicht nur ihre eigenen Gedankenformen
vorfinden, sondern auch die von all jenen, die ähnliche oder gleiche Interessen
und Glaubensbekenntnisse verfolgen. Mitunter sind diese Gedankenformen das
Produkt ganzer Generationen, also tausender von im selben Sinn abgestimmter
Gedankenformen» (C.W. Leadbeater zit. von ibid.).

Persönlichkeitsfragmente mischen sich leicht mit subjektfremden Komponenten, die


eine gewisse Affinität dazu haben. Diese verdichten sich dann im feinstofflichen
Bereich zu Larvae und Tulpas mit einem geringen Fremdanteil oder zu Tulkus, die
eine maximale Selbständigkeit besitzen. Jede dieser Gestaltungen kann von ihrem
Schöpfer unabhängig werden und ein unter Umständen gefährliches Eigenleben
entwickeln. Im außerkörperlichen Zustand kann man ihnen begegnen. Auch die
alchemistische Homunculus-Erschaffung gehört unter diese Rubrik. (Zu Tulpa und
Tulku vgl. auch David-Neel (1931) 1965:113-130, 288-320.)

Ziellos fliegen die Gestalten im Raum der mentalen Vorstellungsbilder herum und
geraten dabei in das Anziehungsfeld, das ich als sexuelles Wesen selbst und in
eigener Verantwortung ausgebildet habe.

Deshalb wird es unmöglich sein, die Larvae barsch wegzuweisen, denn durch die
Abstossung würde ein negatives Sexualitätsfeld ausgebildet. Das Verhalten der
apathisch und passiv dahinschwebenden Wesen müßte sich aufgrund der
"Turbulenzen" meiner negativen Emotionen ändern. Die Gestalten könnten sogar
bösartig werden und mich attackieren. Um dies zu verhindern, muß ich gelassen
bleiben, und zum Schein "mitmachen". Dies hat ohne jegliche innere Beteiligung
zu geschehen, denn nur auf diese Weise kann mein eigenes "Sexualitätsfeld" leise
verklingen. Tatsächlich nimmt die sexuelle Anziehung langsam ab, so daß keine
weiteren Larvae mehr herangeschwebt kommen. Und diejenigen, die bereits in der
Nähe sind, dümpeln orientierungslos und träge im Zimmer herum, durchdringen die
Wände und verschwinden ganz von alleine und ohne mein Dazutun.

Das Geschehen ist sehr eigenartig und erstaunt mich zutiefst. Vor allem bestärkt
es mich in der Meinung, daß diese ideoplastischen Gebilde nicht ausschließlich
meine eigenen Produktionen sind, sondern eigenständige Wesen. An deren Aufbau
war ich zwar früher mit größter Wahrscheinlichkeit mitbeteiligt - vor allem in
der Pubertätszeit. Das würde erklären, daß sich alles gerade in diesem Zimmer
abspielt!

Die Larvae können nicht zerstört werden. Sie müssen sich von alleine auflösen!
Dies kann nur geschehen, wenn ihnen keine weiteren Energien mehr zufließen - sei
es nun von meiner oder sonst von irgendeiner Seite her. Die Gebilde werden in
dem Moment kraftlos, wenn weder positive noch negative Felder aufgewirbelt
werden, und ihre Reaktion im jetzigen Umfeld hängt einzig von meiner Einstellung
ab.

In dem Masse, wie diese Wesen verschwinden, steigert sich die


Bewußtseinsklarheit bis hin zur vollständigen Bewußtseinskontinuität.
Gleichzeitig geling mir eine Körperablösung. Beide Prozesse sind vollständig
miteinander gekoppelt - auf eine Weise, wie ich sie niemals zuvor erlebt habe.
Mit der definitiven Ablösung des Zweitkörpers werde ich mir aller bislang noch
fehlenden Zusammenhänge bewusst - auch des Umstandes, daß der Austritt aus einem
Körper heraus erfolgt, der nicht in jenem Bett liegt, in welchem er eigentlich
liegen müßte. Das verwirrt mich ziemlich, und ich habe große Schwierigkeiten,
mich zu orientieren.

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Zu sehen ist nichts - der Körper, mit dem diesmal der Austritt erfolgt, ist mit
Blindheit geschlagen, aber ich weiß, daß dieser Zustand behoben werden kann. Er
ist mir von früheren Austrittserfahrungen her bekannt, denn oft ist das
Sehvermögen gerade während oder kurz nach der eigentlichen Austrittsphase nicht
vorhanden - so als müßte die neue Situation erst einmal erschaut werden. Dies
ist ein Lernprozeß, in dessen Verlauf sich das Ich auf das Sehenkönnen zu
konzentrieren hat, damit sich das Augenlicht nach kurzer Zeit wieder
stabilisieren und ebenenadäquat normalisieren kann. Also achte ich sorgfältig
auf das Sehfeld und blicke ruhig in die Dunkelheit hinein. Dabei gilt die
Aufmerksamkeit nur dem Hinschauen. Sie verlagert sich in keinem Moment auf die
Muskelbewegungen einer Lidöffnung der physischen Augen, denn durch das
erzwungene Hochheben der Lider käme es bloß zu einem Sehen auf der Alltagsebene.
Diesen Fehler gilt es zu vermeiden.

Nach knapp einer Minute gelingt es mir, die Sehfähigkeit im außerkörperlichen


Zustand wiederherzustellen.

Als nächstes verlasse ich den "Raum der Jugend", steige durch das Glas des
geschlossenen Fensters auf das Dach hinaus und laufe der Regenrinne entlang.
Nach wenigen Schritten halte ich inne und beginne mit einer ausführlichen
Kontrolle der Bewußtseinskontinuität, wobei ich mich besonders darum bemühe,
nicht denselben Fehler wie beim gestrigen luziden Traum zu machen, bei dem keine
extensive Kontrolle durchgeführt wurde. Das hatte sich bereits im Verlaufe des
betreffenden Traumes als nachteilig erwiesen.

Bei der Bearbeitung dieser besonderen Problematik beim gestrigen Protokollieren


wurde mir klar, daß eine vollständige Kontrolle der Bewußtseinskontinuität nur
erfolgreich sein kann, wenn es gelingt, 'die Welt anzuhalten' - wie Don Juan zu
sagen pflegt. Das bedeutet, daß die Kontrolle so durchzuführen ist, daß sie mit
dem momentanen Traumgeschehen direkt nichts zu tun hat. Weil ich mich bestens
daran erinnere, gelingt es mir, dieser Forderung im jetzigen Moment zu
entsprechen und bewußt stehen zu bleiben. Das abrupte Innehalten ist insofern
ein Risiko, weil es als willentliche Handlung zu einem blitzartig
Hinüberwechseln in den physisch-materiellen Körper und zum Erwachen desselben
führen könnte.

Die Bewußtseinskontinuität scheint mir jedoch genügend stabil. Zudem muß das
Risiko eingegangen werden, denn eine exakte Kontrolle ist in meinem momentanen
Zustand besonders wichtig. Wenn ich mir der Bewußtseinskontinuität zu sicher und
zu gewiss bin, besteht die Gefahr der Unachtsamkeit, weshalb etliches übersehen
werden könnte.

Also schaue ich mich zuerst sorgfältig um. Was meinen Standort betrifft, habe
ich mich nicht getäuscht: Ich stehe ein paar Meter von jenem Fenster entfernt,
das zu dem Zimmer gehört, in dem mein Bruder und ich gelebt haben. Bei genauerem
Hinsehen sind jedoch Unterschiede zu den früheren Verhältnissen festzustellen -
vor allem im Hinblick auf den Aufbau desjenigen Teiles des Daches, auf dem ich
stehe. Das Dach unterhalb des Fensters fiel schräg bis zur Regenrinne ab. Jetzt
geht es nach dem Schrägabgefall in einen noch gut ein Meter breiten horizontalen
Teil über. Außerdem entsprechen die Häuser auf dieser Seite der Strasse
keineswegs weder den früheren noch den jetzigen Alltags-Verhältnissen.

Die Unterschiede sind zwar erstaunlich, aber sie beunruhigen mich überhaupt
nicht. Meines Wissens gibt es merkwürdigerweise stets mehr oder weniger
eklatante Differenzen zwischen den Alltagsgegebenheiten und jenen Ausformungen,
die im außerkörperlichen Zustand anzutreffen sind. Solche Diskrepanzen sind
keinesfalls meinem Gedächtnis anzulasten, denn ich erinnere mich detailgetreu an
die tatsächlichen Verhältnisse. Deshalb ist es mir auch möglich, die
Unterschiede zweifelsfrei auszumachen.

Verblüffend ist allerdings die Tatsache, dass die Abweichungen bestehen bleiben
und sich nicht verformend an die Erinnerungen anpassen. Dies ist ein weiterer
Hinweis darauf, daß diese Gebilde nicht einfach ideoplastische Ausformungen sind

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und damit meiner Fantasie entsprechen. Abgesehen davon ist es mir völlig egal,
wie diese Gebäude aussehen. Den Unterschieden liegen also auch keine
Wunschproduktionen zugrunde, welche die 1Wirklichkeit verzerren. - Aber jetzt
kann ich mich nicht mehr länger mit diesem Problemkreis beschäftigen, denn ich
muß mit der Kontrolle der Bewußtseinskontinuität weiterfahren. Und diese läßt
sich durchaus zufriedenstellend durchführen. (Auf das Aussehen der Gebäude vis à
vis komme ich später zurück.)

Mir ist bewusst, daß mein "eigentlicher" physisch-materieller Körper nicht in


jenem Zimmer liegen kann, in welchem ich vorher lag und einen Austritt erlebt
habe. Da wohnen nämlich schon seit Jahren andere, mir unbekannte Leute. Aber wo
mag denn mein Körper schlafend liegen, der mir tagsüber als Vehikel dient? Nach
kurzem Überlegen komme ich zum Schluß, daß sein Aufenthaltsort in jenem kleinen
Haus sein muß, in dem wir die ersten paar Jahre unserer Ehe gelebt haben. - Aber
nein, das kann nicht sein! Seit Jahren wohnen wir nicht mehr dort! Die Kinder
sind auch schon wesentlich älter.

Das ist nun exakt der Punkt, der mich zu einer umfassenden Kontrolle der
Bewußtseinskontinuität zwingt. Sonst würde ich gewissermassen mit meiner
Erinnerung an einem Ort steckenbleiben, der für meine momentane Situation
überhaupt keine Gültigkeit besitzt. Das wirkt sich für kurze Zeit sehr
verwirrend aus, denn die Selbstverständlichkeit, mit der ein derartiger
zeitlicher und räumlicher Zuordnungs-Fehler beinahe akzeptiert worden wäre, ist
geradezu heimtückisch und schier unfaßlich. Beinahe hätte ich kritiklos die
'Tagesordnung des Traumgeschehens' übernommen.

Aufgrund der Umstände bleibt mir nichts anderes übrig, als erst einmal das Jahr,
den Monat und den Tag ins Gedächtnis zurückzurufen, an welchem ich tatsächlich
zu Bett gegangen bin.

«Oh - mein lieber Alfred Lischka! Da sieht man wieder, wie praktisch Hinweise
sein können - in diesem Falle jener, ausdrücklich eine Datumskontrolle
durchzuführen. - Also gut, heute haben wir den - äh - ja, es muss 1980 sein und
zwar Januar. Es ist der 8. Januar 1980, d.h. ich bin nun in der Nacht vom 8. auf
den 9. Januar 1980 und zwar außerhalb meines physisch-materiellen Körpers. Und
der befindet sich keineswegs in der 'Steinbühlalle 176', sondern 'beim
Lindenbaum 11a.»

Damit ist endlich der Erinnerungsanschluß an das 'hic et nunc' geschafft - und
ich bin nun überzeugt, die Kontrolle der Bewußtseinskontinuität bestmöglichst
ausgeführt zu haben. Es fehlt kein Mosaiksteinchen mehr im Gedächtnispuzzle.
Sicherheitshalber will ich die Kontrolle noch etwas erweitern und auch die
Tagesereignisse überprüfen - und mich daran erinnern, was ich gestern am 8.
getan habe und was ich am 9. zu tun gedenke.

«Gestern war Sonntag. Da habe ich eine Menge Karteikarten geschrieben im


Zusammenhang mit dem Thema Wirklichkeit und Heiterkeit. Albert Hofmann
bearbeitet momentan das Gebiet, und wir diskutieren darüber. Dann gab es da noch
einen hübschen Trickfilm mit Tim und Struppi über den Sonnentempel auf dem TV
Suisse Romande. Am 9. habe ich einen strengen Tag vor mir, weil ich von 14 bis
20 Uhr unterrichten muß. Deshalb wird es wohl wieder einmal schwierig sein,
genügend Zeit zum Aufschreiben dieses luziden Traumes aufzubringen. Das werde
ich wohl auf den Dienstag und den Mittwoch verschieben müssen.» (Die ersten
Seiten dieses Protokolls werden dann am Dienstag Morgen geschrieben, denn es
fallen ein paar Lektionen aus.)

Bemerkungen vom Januar 1980: Was die Datumskontrolle betrifft, ist von ganz
besonderem Interesse, dass das Datum 'objektiv' nicht stimmt, dagegen subjektiv
betrachtet exakt jenen Vorstellungen entspricht, die ich vom Datum habe! Der
Fehler beruht darauf, dass ich den alten Thangka-Kalender des Jahres 1979 so
aufgehängt habe, dass das Juli-Blatt zu sehen ist. Auf diesem Blatt habe ich
seit drei Tagen das jeweilige Datum abgelesen und mich dabei an den Wochentagen
orientiert. Montag ist dann eben der 9., Sonntag der 8. - statt der 7. und der

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6. - sic! Dieser Fehler ist aus einer Unachtsamkeit meinerseits tagsüber
entstanden, die sich dank der Bewußtseinskontinuität auch 'nächtlicherweise'
auswirkt. Diesen Fehler habe ich erst am 10. Januar 1980 'entdeckt', also drei
Tage nach dem 7. Januar. Ich wollte zuerst die Daten korrigieren, mußte dann
aber davon absehen, da bereits einige Karteikarten bestehen mit den 'falschen'
Daten. (Was das Datum betrifft, habe ich am 10. Januar 1980 geschrieben, also in
dem Moment, wo ich wieder Zeit hatte, weiterzuschreiben - ab Notizenblatt. Da
ich mich sehr gut an das Geschehen zu erinnern vermag, spielt es keine Rolle,
dass ich 'erst jetzt' weiterfahre.)

Nach der Durchführung dieser sehr umfassenden Kontrolle der


Bewußtseinskontinuität freue ich mich, daß sie derart gut gelungen ist. Mich
freut auch ganz besonders, daß ich mich nicht aus einem falschen
Sicherheitsgefühl heraus habe dazu verleiten lassen, keine Kontrolle zu machen.

Als weitere Kontrolle und als Ergänzung zur vorhergehenden gilt es jetzt, eine
Zustandskontrolle zu machen, bzw. herauszufinden, ob Kohärenz zu früheren
Erfahrungen derselben Art besteht. Zum einen soll die Sehschärfe geprüft werden,
zum anderen die Farbigkeit. Normalerweise besitze ich im außerkörperlichen
Zustand eine umfassende Sehschärfe sowohl in bezug auf die Tiefe als auch auf
die Breite des Sehfeldes. Ein 'Rundumsehen' von 360 Grad habe ich meines Wissens
bislang noch nie erlebt - oder es einfach nicht bemerkt, weil es zu verwirrend
und deshalb kaum zu fassen war. Auch jetzt sehe ich in einem normalen Sehwinkel.
Aber alles darin ist total scharf abgebildet, und es gibt keinerlei unscharfe
Randzonen! Wegen der fantastischen Aussicht, die sich mir nach wenigen Schritten
eröffnet, ist dies ganz besonders eindrücklich.

Auf der anderen Straßenseite sind die Häuser niedriger, weshalb die Sicht
kilometerweit bis zu den Hügeln und Bergen reicht, die von vorne nach hinten
höhenmässig sich staffelnd aufragen. Auf der vordersten Hügelkuppe ist eine Art
Schloß zu erkennen.

Was die Farben betrifft, die erfahrungsgemäß im außerkörperlichen Zustand


wesentlich intensiver sind, so stimmen die angetroffenen Verhältnisse mit meinen
Erwartungen überein. Damit ist die Kontrolle auch des Zustandes zu meiner
Zufriedenheit zuverlässig abgeschlossen.

Die Zustandskontrolle hat ergeben, daß eine fliegende Fortbewegung problemlos


möglich wäre, wenn ich beispielsweise den Wunsch hätte, jenes Schloss in der
Ferne näher anzusehen. Aber mir ist nicht danach, ich möchte etwas anderes
versuchen, was in dieser Form von mir noch niemals überprüft werden konnte -
nämlich der absichtlich und bewußt durchgeführte Ebenenwechsel. Das Vorhaben ist
insofern risikoreich, als ich nicht wissen kann, was beim Wechsel geschehen,
wohin es gehen und wie die andere Welt aussehen wird.

Hierfür scheint mir der von allem Anfang an eingeschlagene Weg besonders
geeignet, denn ich muß - wenn ich ihn weitergehe - automatisch bis zum etwa 50
Meter entfernten 'Turm' gelangen, der als markanter Eckpunkt den Übergang von
der Altkircherstrasse zur Gotthelfstrasse abgibt und zu einem Eckhaus gehört.

Unterwegs beachte ich noch einmal genau die erheblichen Unterschiede zum Alltag.
Die Häuser auf der anderen Straßenseite sehen ganz anders aus, und auch die
Aussicht entspricht nicht im geringsten der Alltagsrealität. Das zu sehende
Gebiet ist mir zwar von meinen diversen außerkörperlichen 'Ausflügen' her
bestens bekannt, die ich in meiner Jugendzeit vom Estrichzimmer aus auf das Dach
unternommen habe. Ich kann mir aber trotzdem nicht erklären, weshalb die
Umgebung jetzt nach all den Jahren nach wie vor exakt so aussieht wie damals -
und vor allem als eine anderweltliche Landschaft wiedererkannt werden kann -
obwohl die Hügel des "Juragebietes" anders geformt und viel weiter entfernt
sind.

Es ist schon merkwürdig! Aber auch die Häuser sind anders, zu denen die
Dachkante gehört, auf der ich gemütlich weitergehe. Sie haben alle etwa dieselbe

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Höhe, besitzen ein Schrägdach und sind Mehrfamilienhäuser. Früher standen da
wesentlich kleinere Häuser - und heute hat es Gebäude, die höher sind als das
Wohnhaus mit der elterlichen Wohnung. Woher, so frage ich mich, mag diese
'Nivellierung' kommen?

Bald einmal komme ich zum viereckigen Turmdach, das mit schmalen, farbigen
Biberschwanzziegeln bedeckt ist.

«Hoffentlich findet bei der Durchdringung des Daches ein Ebenenwechsel statt»,
denke ich beim vorsichtigen Hindurchschreiten der Ziegel. Das geht problemlos
und bietet keinerlei Schwierigkeiten. Es erfolgt jedoch kein spürbarer
Ebenenwechsel. Es wird einfach nur der Spitzboden des Turmes sichtbar und mit
ihm die hölzernen Sparren des Dachstuhles und die Innenseite der Ziegel.

Bevor ich die neue Situation einfach nur als Ausdruck eines gescheiterten
Versuches betrachte, schaue ich mich genauer um. Es scheint so zu sein, daß
tatsächlich kein 'Weltenebenenwechsel' stattgefunden hat, aber bei genauerer
Überlegung und dem Erspüren der Atmosphäre des vorgefundenen Raumes ist doch zu
erkennen, daß zumindest ein signifikanter Wechsel des Erlebnisraumes
stattgefunden hat. Die vordergründigen Erwartungen wurden zwar nicht erfüllt,
aber es gilt, das Vorgefundene zuerst einmal zu akzeptieren und zu schauen,
welche Möglichkeiten es bietet.

In diesem Raum steht nichts, er ist leer und nicht ausgebaut. Tausende von
kleinen Lichtpunkten schweben in der Luft - multiplen Luminositäten gleich, die
wie Lichtsamen im Chaos umherschwirren. Die Lichter sind auf zwei Flächen
verteilt, die beide jeweils gut ein Quadratmeter gross sind. Ich muss ein
zweites Mal hinsehen, bis diese Lichtpunktfelder als solche zu erkennen sind,
denn etwas in dieser Art habe ich nicht erwartet und außerdem noch niemals
gesehen. Die beiden Flächen erinnern mich an gewisse Darstellungen von
Weltenflächen in Form eines Netzkoordinatensystemes, die zur Veranschaulichung
der Allgemeinen Relativitätstheorie verwendet werden. Aber dies sind frei
schwebende Lichtpunkte. Sie sehen aus wie ein Modell eines Teils des Universums
mit einer Unmenge verschieden grosser Galaxien - ähnlich gewissen Aufnahmen
astronomischer Art.

Ich komme mir vor wie ein gigantisch gewachsener Beobachter, der zwei Universen
vor sich in der Luft schweben sieht. Eine weitere Merkwürdigkeit ist der total
schwarze Raum zwischen den einzelnen Lichtpunkten. Dieser Raum stellt keine
verbindende Fläche für die Lichter dar, aber er erinnert mich an einen Text, der
besagt, daß es im LSD-Zustand möglich sei, die Schöpfung des Universums
mitzuerleben, sie wie von aussen anzusehen und dennoch dabei beteiligt zu sein.

«Weshalb sollte dies eine ähnliche Situation sein?» frage ich mich. «Und weshalb
werde ich gerade jetzt mit einem Problem direkt konfrontiert, das mich weder in
den letzten Tagen noch sonst irgendwann besonders beschäftigt hat? Vielleicht
ist mir dieser Fragenkreis vor einigen Jahren einmal begegnet - aber bestimmt
nicht in den letzten paar Monaten.»

Es handelt sich hier bloß um ein extrem kleines 'Modell', aber auch das ist
schon eindrücklich genug, weil es etwas in dieser Art im physisch-materiellen
Bereich kaum geben kann - höchstens vielleicht als Hologramm.

Wie ich näher an die beiden Flächen herangehe, kommt es beinahe zu einem
Zusammenstoß. Im letzten Moment strecke ich meine Arme aus. Zu spät! Bereits die
leiseste Berührung der langsam dahinschwebenden Dinger führt dazu, daß die
Flächen sich zu Kugeln umformen. Und an den Orten, wo die Kugeln
zusammenstossen, treten die Lichtpunkte der betreffenden Zonen, die eine
Schnittmenge bilden, in Wechselwirkung. Dabei entstehen unermeßliche Kräfte.
Angesichts der Größenverhältnis ein unfaßliches Ereignis.

Ich sehe die Geburt eines neuen Universums aus unermeßlich weiter Ferne wie
durch ein verkehrt vor die Augen gehaltenes Riesen-Teleskop - und gleichzeitig

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mit dem Gefühl, als würde der Prozeß durch einen Zeittunnel hindurch betrachtet.
Die gewaltigen Energien, die bei der Berührung der beiden Kugeln entstehen,
lassen die Lichtpunkte der Kontaktregion miteinander fusionieren. Nach der
Verschmelzung bersten die hochenergetischen Lichtpartikel explosionsartig
auseinander, werden in das Innere der einen oder der anderen Kugel geschleudert
und wandeln sich dabei zu Galaxien um, die aus Millionen von Sternen bestehen.

Das Ereignis ist von einem kaum hörbaren, dumpfen Getöse begleitet, das sich
schockwellenartig von den entstehenden Galaxien ausbreitet. Es ist von einer
Gewalt, deren Mächtigkeit unvorstellbar ist und nicht einmal am Rande erahnt
werden kann. In diesem Augenblick bin ich froh darüber, derart weit vom
eigentlichen Geschehen entfernt zu sein, denn ich hätte die Kontinuität meines
Bewusstseins nicht aufrecht erhalten können, wäre ich inmitten eines
Entstehungsfeldes einer Galaxis gewesen.

Nun wundert es mich umso mehr, weshalb ich das alles zu sehen 'bekomme' - und
zwar auf eine Art, die ich gut zu bewältigen vermag. Das scheinbar lächerlich
kleine Modell ist die Darstellung unbeschreiblich gewaltiger Dimensionen und
ungeheuer weiter zeitlicher und räumlicher Entfernungen. Aber es bleibt
letztlich - und zu meiner Beunruhigung - zu bezweifeln, daß es sich bloß um ein
Modell handelt, denn meine Sehweise könnte sich auch total verändert haben.

Dann transformieren sich die beiden 'Kugeln' zu einem mir völlig unbekanntes
Metall und rotieren mit einer unfaßbar hohen Geschwindigkeit um die eigene
Achse, wobei sie rhythmisch zusammenstossen. Die gegenseitige Abschleifung beim
Zusammenprall ist dramatisch. Die abgeschliffenen Partikel fliegen nicht nach
außen, sondern werden implosionsartig in die Kugeln hineingeschleudert. Das kann
ich mir physikalisch nur damit erklären, daß die Gravitationskräfte im Inneren
immens sein müssen.

Fasziniert schaue ich dem unglaublichen Geschehen zu, als plötzlich jemand von
unten heraufkommt und mit einem Ruck die Falltür aufstößt. Aus der Bodenluke
steigt ein kleiner Knabe. Fast automatisch verwandle ich mich beim ersten
Geräusch der sich öffnenden Tür in ein Mädchen von etwa sieben Jahren. Dabei ist
mir bewußt, daß es sich um eine instinktive Anpassung bzw. einen Tarneffekt
handelt. Ich staune nur, daß die Transformation derart rasch und spontan
geschieht. Sie verhindert zu meiner großen Beruhigung, daß mein Zustand als
außerkörperlich und bewußtseinskontinuierlich erkannt wird.

Der Knabe steigt auf den Dachboden und betrachtet interessiert die rotierenden,
ockergelben Metallkugeln. Er sieht mich nicht gleich, weil ich mich etwas von
den Kugeln entfernt habe und in eine dunkle Ecke gegangen bin. Hier bleibe ich
regungslos stehen und warte erst einmal ab.

Bald einmal ist deutlich zu spüren, daß sich die Mädchengestalt nicht
stabilisieren läßt und sich unaufhaltsam zu einen gleichaltrigen Knaben umformt.
Mir behagt diese Unstetigkeit überhaupt nicht, denn sie könnte mir
Schwierigkeiten bereiten, wenn sie zufälligerweise vom Buben gesehen wird.
Glücklicherweise gilt dessen Aufmerksamkeit allein den Kugeln. Aber wer hätte
ihm schon dieses Ereignis geglaubt!?

Kurze Zeit später steigt eine anmutige Frau die Treppe hoch. Sie ist etwa 30-35
Jahren alt - und sie ist offensichtlich für meine Tarnung verantwortlich. Sie
muß nämlich gespürt haben, daß jemand im außerkörperlichen Zustand das Dach
durchdringt und daß der Junge auf den Dachboden steigt. Aus Sorge, eine
Begegnung könnte kritisch werden, hat sie mein Aussehen verändert. Jetzt kommt
sie selber herauf, um nach dem Rechten zu sehen. Ich verlasse sogleich mein
Versteck und gehe zu ihr hinüber.

Erst beim Näherkommen erkenne ich zu meinem größten Erstaunen, daß die Augen
dieser Frau eine goldene Iris haben. Gleichzeitig ist deutlich zu spüren, daß
sie mir gegenüber äußerst wohlwollend und liebevoll eingestellt ist.

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Die goldenen Augen sind ein Hinweis auf das "Liecht der Natur" (Paracelsus).
Dieses stellt ein mondhaftes Gegenprinzip zum sonnengeprägten Intellekt dar.

«Das Mittelalter nannte dieses Gegenprinzip die Weltseele (anima mundi). Sie
mußte durch menschliches Bemühen aus der Mutter Erde (mater materia) befreit
werden. Diese Befreiung der Weltseele aus der Mutter Erde bedeutete das zentrale
Element des alchemistischen Opus (Werk)» (Roth 1998d).

Es ist die kosmische Weltseele, das "kollektive Unbewusste" (C.G. Jung), welche
in der Nacht ihre Traumbotschaften schickt. Eine regelmässige Auseinandersetzung
mit den «eigenen Träumen entspricht daher einer modernen Art der Befreiung der
Weltseele» (ibid.). Träume verfügen über ein "vorbewußtes" oder "absolutes
Wissen" - und somit auch über «ein symbolisch verschlüsseltes Wissen um unsere
Zukunft» (ibid.) und um die augenblickliche Situation mitsamt ihren Problemen.

«Die Weltseele ist immer überall. Sie umfasst daher räumlich gesehen den ganzen
Kosmos und zeitlich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Derart verbindet sie
uns auch mit der Welt des Jenseits, mit der Welt, in die wir nach dem Tod
eingehen werden. Träume handeln daher des öfteren - so beispielsweise bei
Menschen in der zweiten Lebenshälfte und vor allem während der midlife crisis -
auch von der Möglichkeit eines Lebens nach dem Tod. Vor allem aber geben sie uns
Hinweise darauf, welche Aufgabe wir in diesem Leben erfüllen müssen, um in ein
individuelles Leben im Jenseits hineinwachsen zu können. Es zeigt sich dabei,
dass ein wesentlicher Aspekt dieser diesseitigen Aufgabe die Arbeit am Aufbau
eines Hauchkörpers für das Leben nach dem Tod darstellt» (ibid.).

Bevor ich mit dieser 'Anima' spreche, gehe ich zu meinem 'Bruder' hinüber. Er
ist etwas über meine plötzliche Anwesenheit verblüfft, denn er hat mich nicht
die Treppe hochsteigen sehen. Bevor er auf die Idee kommt, dieses Problem zu
hinterfragen, mache ich ihn darauf aufmerksam, dass die Masse eines
Neutronensternes von wenigen Zentimetern Durchmesser ohne weiteres die Masse
eines Sonnensystemes übertreffen kann. Der kleine Kerl beobachtet nämlich
aufmerksam, daß die abgeschliffenen Teile der rotierenden Kugeln durch die
Kugelwandungen hindurch in das Kugelinnere fliegen und nicht nach außen
weggeschleudert werden.

Ich spreche mit dem Knaben und sage: «Nein, ich kann mir keineswegs erklären,
wie das zustande kommt. Ich weiß auch nicht, ob es tatsächlich einen
Zusammenhang zwischen Neutronenstern, schwarzem Loch und dieser 'Implosion'
gibt.»

Doch mein 'Bruder' bekümmert sich nicht weiter um solche Fragen, schaut dem
Geschehen bloß noch eine Weile aufmerksam zu und verliert dann das Interesse. Er
wendet sich ab und steigt durch die Bodenluke hinunter.

Auch die 'Mutter' geht wieder hinab. Ich gehe zur offenen Tür, steige hinunter
und spreche sie an:

«Entschuldige bitte, daß es mir nicht möglich gewesen ist, die Gestalt des
Mädchens beizubehalten. Die automatisch wirkenden ideoplastischen Vorstellungen
waren einfach zu groß, und ich bin es nun mal gewohnt, männlich zu sein!»

Dann verabschiede ich mich von dieser 'Anima', von der ich ganz genau weiß, daß
sie nicht 'meine' Anima ist, sondern eine von mir unabhängige, 'objektive'
Gestalt, die sich freundlicherweise als meine 'Mutter' ausgegeben hat, um mir
eine perfekte Tarnung zu ermöglichen.

Anschließend nehme ich wieder meine normale äussere Gestalt an, da der kleine
'Bruder' mich nicht mehr sehen kann. Er wird sein Erlebnis im Turm oben kaum
jemandem erzählen. Und wenn doch, wird ihm niemand glauben, sondern seinen
Bericht nur der kindlichen Fantasie zuschreiben.

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Zwischen dieser Frau und mir besteht eine tiefverankerte Liebe, aber diese darf
in keiner Art und Weise zum Ausdruck kommen. Ein direkter Kontakt wäre viel zu
gefährlich, weil die 'Nachbarn' die dabei entstehenden energetischen
Feldveränderungen sofort bemerken und darauf reagieren müßten. Das wissen wir
beide.

Bevor ich gehe, sagt die Frau mit den goldenen Augen:

«Ich werde von den Nachbarn seit langem sehr mißtrauisch beobachtet, denn keiner
weiß, wer der Vater des Knaben ist. - Sei bitte sehr vorsichtig. Niemand darf
merken, daß du luzid bist!»

In diesem Moment wird mir definitiv klar, daß diese Frau nicht nur mich, sondern
auch meinen außerkörperlichen Zustand kennt und zudem weiß, daß ich mich
normalerweise nicht auf dieser Ebene aufhalte.

«Du musst mir verzeihen», sagt sie weiter, «daß es nicht in meiner Macht steht,
böses Blut zu verhindern, falls jemand merken sollte, dass du
bewußtseinskontinuierlich bist.»

«Sei nur beruhigt», anworte ich, «ich werde sehr vorsichtig sein. Außerdem werde
ich nun wieder gehen. Also wird mich hier niemand sehen. Besten Dank, daß ich
diesen eindrücklichen 'Modellversuch' habe sehen und erleben dürfen. Danke auch
dafür, daß Du mir eine derart herzliche Aufnahme bereitet hast!»

Dann gehe ich in den Garten hinaus, den wir im Verlaufe unseres Gespräches über
das Treppenhaus hinunter erreicht haben. Dabei schaue ich mich vorsichtig um,
vergewissere mich, daß niemand mich sieht oder sehen kann und verschwinde
unauffällig zwischen den Bäumen und den Büschen.

Gerne würde ich weiterhin bewußtseinskontinuierlich im außerkörperlichen Zustand


bleiben, doch ist jetzt ein schwacher Sog zu spüren, der eindeutig von meinem
physisch-materiellen Körper stammt. Sofort lasse ich mich in ihn zurückziehen,
wobei für einen ganz kurzen Moment eine dunkle Übergangszone zu durchqueren ist,
in welcher ich nichts zu erkennen vermag. Dabei erleide ich nicht den geringsten
Verlust der Bewußtseinskontinuität und bin schnell wieder zu Hause in Bett im
Körper - nunmehr aber im tatsächlichen Heim, in dem auch meine Frau und unsere
beiden Kinder leben. Nach knapp zwei Minuten stehe ich auf, um im Badezimmer das
eben Erlebte zu notieren, damit es nicht vergessen wird.

Es ist 00:20 Uhr. Und bis 00:50 werden die ersten Notizen geschrieben. Dank der
jahrelangen Schulung des Gedächtnisses ist es mir auch jetzt wieder möglich,
mich sehr genau und manchmal sogar erschreckend detailgetreu zu erinnern.

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