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Freizeit

Freizeit (englisch leisure, französisch loisir) ist der Zeitraum


außerhalb der Schul- oder Arbeitszeit, über den eine Person
selbstbestimmt verfügen kann. Der Duden definiert Freizeit als
„Zeit, in der jemand nicht zu arbeiten braucht, keine besonderen
Verpflichtungen hat; für Hobbys oder Erholung frei verfügbare
Zeit“. Eine weitere Bedeutung liegt in organisierten meist
mehrtägigen Zusammenkünften „für Gruppen mit bestimmten
gemeinsamen Interessen“. (z. B. Jugend- oder
Schülerfreizeiten) [1]
Freizeit im Garten

Inhaltsverzeichnis
Allgemeines
Etymologie
Geschichte
Arten
Freizeit heute
Freizeitbeschäftigungen
Freizeit und Gesundheit
Freizeit und Behinderung
Freizeit und Ehrenamt
Recht auf Freizeit
Wirtschaftliche Aspekte
Kritik
Siehe auch
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise

Allgemeines
Arbeits- oder Schulpflicht unterliegen weitgehend der Fremdbestimmung. Die Freizeit dagegen ist
selbstbestimmt und kann deshalb im Rahmen der Freizeitgestaltung durch Selbstmanagement organisiert
werden. Freizeit steht für die Erholung von den Anstrengungen beruflicher und sonstiger Verpflichtungen
zur Verfügung. Sie wird aber nicht nur dafür, sondern auch für vielfältige andere Aktivitäten genutzt.[2]
Dazu gehören kommunikative, kulturelle, politische, sportliche, wirtschaftliche, religiöse Aktivitäten
oder einfach Nichtstun.[3] Freizeit dient der Entspannung sowie der persönlichen Entfaltung und der
Pflege sozialer Kontakte, sofern diese nicht mit der Arbeits- oder Schulzeit in Verbindung zu bringen ist.
In seiner Freizeit widmet sich der Mensch häufig seiner Familie, seinen Freunden sowie Hobbys wie zum
Beispiel die Gartenarbeit, das Heimwerken, die Lektüre, das Musizieren, das Spiel oder für künstlerische
und sportliche Betätigungen. Die Funktionen der Freizeit sind vor allem Regeneration, Rekreation,
Kompensation, Kommunikation, Interaktion, Partizipation und Emanzipation.

Etymologie
Das Wort ist ein Kompositum aus frei und Zeit. Es ist 1823 erstmals schriftlich durch Friedrich Fröbel
mit heutigem Begriffsinhalt dokumentiert.[4]

Geschichte
Die Freizeit in Form der „Muße“ (griechisch σχολή, schole) kam
bereits bei Aristoteles in seiner Politiká vor.[5] In der
Nikomachischen Ethik schrieb er: „Wir arbeiten, um Muße zu
haben …“.[6] Auch die Sklaven und die griechische Unterschicht
verfügten über freie Zeit, die sie an ca. 60 Tagen im Jahr bei
Olympischen Spielen oder anderen Festen verbrachten. Für alle
Griechen galt, dass Freizeit nicht individuell genutzt werden
konnte, sondern im öffentlichen Interesse zum Wohl des Staates
lag. Ähnliche Ansichten vertraten die Römer, denn auch hier
wurde der Begriff für Arbeit (lateinisch neg-otium, „Unmuße, Kartenspielen und Rauchen, zwei
Staatsdienst“) aus dem Begriff für Muße (lateinisch otium) „klassische“ Freizeitbeschäftigungen
abgeleitet. Die herrschende Schicht hatte die Aufgabe, den Staat (Die Kartenspieler von Paul
zu lenken und konnte auch individuellen Annehmlichkeiten Cézanne, 1892–1895)

nachgehen. Auch die Plebejer verfügten aufgrund der


wirtschaftlichen Weiterentwicklung und der Sklavenhaltung über
individuelle Freizeit.[7]

Aus dem altgriechischen „schole“ entwickelte sich ab 1270 das deutsche Wort Schule, bei deren
Schulpflicht jedoch das Gegenteil des Müßiggangs vorherrscht. Erstmals tauchte um 1350 in der
deutschsprachigen Literatur der Rechtsbegriff „frey zeyt“ im Sinne von „Marktfriedenszeit“ auf,
worunter ein sicheres Geleit für die Marktteilnehmer auf Märkten zwischen dem 7. September (ein Tag
vor Mariä Geburt) und dem 1. Oktober (Remigiusfest) zu verstehen war;[8] die Märkte stellten eine Art
Bannmeile dar, die die Besucher vor Gewalt und Übergriffen schützte. In jenem Zeitabschnitt wurde
Marktreisenden und -besuchern Sicherheit vor Gewalt und Störungen aller Art, einschließlich offizieller
Maßnahmen wie Verhaftungen und Vorladungen, gewährleistet. „Frey zeyt“ war damals somit temporäre
Friedenszeit und ist deshalb weder inhaltlich noch etymologisch gesehen eine Vorstufe des modernen
Freizeitbegriffs. Comenius empfahl 1657, während der Schulzeit Unterrichtspausen durch die Verteilung
„von Arbeit und Ruhe (lateinisch laborum et quietis), Tätigkeit und Freizeit (lateinisch operarum et
vocationum) oder Ferien“ einzulegen.[9]

Im heutigen Wortsinne tauchte die Freizeit ersichtlich erstmals im Jahre 1714 auf. Der Theologe August
Hermann Francke verstand 1714 unter „Freystunde“ die Zeit der Entspannung vom Unterricht oder
Studium.[10] Damit griff er den Freizeitbegriff im pädagogisch nützlichen Sinne auf, meinte aber eher die
– den Unterricht unterbrechende – Unterrichtspause. Simon Nicolas Henri Linguet ging 1767 davon aus,
dass „wenn sich der freie Tagelöhner einen Augenblick ausruht, behauptet die schmutzige Ökonomie, …,
dass er sie bestehle“.[11] Friedrich Fröbel bezeichnete 1823 damit die Zeit, die den Zöglingen seiner
Erziehungsanstalt in Keilhau „zur Anwendung nach ihren persönlichen und individuellen Bedürfnissen
freigegeben“ war. Im Jahre 1865 tauchte der Begriff erstmals in einem deutschen Wörterbuch von Daniel
Sanders auf.[12] Karl Marx sah 1885 zwischen Arbeit und Freizeit einen dialektischen Zusammenhang
und erblickte in ihr „einen großen Wert für die Emanzipation des Menschen, für die Wiedergewinnung
der Menschlichkeit aus der Entfremdung“.[13]

Die Arbeiterbewegungen des frühen 19. Jahrhunderts setzten sich für die Entstehung von Arbeiterrechten
während der industriellen Revolution ein, so etwa die während der Industrialisierung stattfindende
Arbeiterbewegung in Deutschland und Arbeiterbewegung in Österreich. Sie hatten zum Ziel, die Rechte
der Arbeiter zu stärken. Dazu gehörte auch die Verkürzung der Arbeitszeit. Gründe für die ab etwa 1850
fortschreitende Verkürzung der Arbeitszeit waren der gesundheitlich bedenkliche Zustand der
Erwerbstätigen, die teilweise bis zu 16 Stunden arbeiten mussten, sowie vor allem die zunehmende
Automatisierung der Produktion, wodurch der Bedarf an menschlichen Arbeitskräften zusehends sank.
Als ein dritter Grund sollte auch „der seit etwa 1860 propagierte Kampf um den Achtstunden-
Arbeitstag“[14] genannt werden. Ab 1873 brauchten die Buchdrucker lediglich noch 10 Stunden pro Tag
zu arbeiten. Dazu proklamierten die Gewerkschaften den 1. Mai 1890 als „Tag der Arbeit“ als Symbol
für die angestrebte Arbeitszeitverkürzung.[15] Die Rationalisierung der Arbeit hat seit dem 19.
Jahrhundert eine schrittweise Arbeitszeitverkürzung und damit eine Freizeitentwicklung ermöglicht. Eine
„Denkschrift über die Lage der in der Seeschifffahrt Hamburgs beschäftigten Arbeiter“ aus 1902 stellte
erstmals Arbeitszeit und Freizeit gegenüber.[16] Seit 1908 brauchten Frauen ebenfalls täglich nur noch 10
Stunden zu arbeiten. Im Jahre 1918 wurde die 48-Stunden-Woche eingeführt und damit die Entwicklung
der Tagesfreizeit zum Ziel. Als die Bayer AG im März 1931 in fast allen Betriebsstätten die 40-Stunden-
Woche einführte,[17] verstärkte sich das Bewusstsein über die gewonnene Freizeit.

Der Duden nahm die Wörter Freizeit und Freizeiten 1929 zum ersten Mal in sein orthografisches
Verzeichnis auf und definierte sie folgendermaßen: „(1) Zeit, in der jemand nicht zu arbeiten braucht,
keine besonderen Verpflichtungen hat; für Hobbys oder Erholung frei verfügbare Zeit; (2) [mehrtägige]
Zusammenkunft für Gruppen mit bestimmten gemeinsamen Interessen“.[18] Die deutsche Wissenschaft
befasste sich ab 1929 durch den Pädagogen Fritz Klatt mit dem Freizeitthema.[19] Klatt gilt als
Begründer der Freizeitpädagogik als einer eigenständigen Einzelwissenschaft, die sich dem
Erkenntnisobjekt Freizeit widmete. Im Jahre 1954 folgte der Pädagoge Johannes Zielinski, der sich mit
dem Zusammenhang zwischen Freizeit und Erziehung auseinandersetzte.[20] Die wachsende Freizeit hat
in Deutschland mehrere Megatrends ausgelöst. Die Freizeit selbst entwickelte sich ab etwa 1950 durch
die sich ausbreitende 40-Stunden-Woche zum Megatrend, es folgten typische Freizeitbeschäftigungen
wie der Tourismus ab etwa 1960, das Shopping ab etwa 1980 und die Wellness nach 1990.[21]

Arten
Man unterscheidet zwischen Tagesfreizeit (Feierabend einschließlich Nachtruhe), Wochenfreizeit
(Wochenende einschließlich freier Feiertage), Jahresfreizeit (Urlaub, Ferien), Freizeit in Lebensphasen
(Kinderfreizeit, Entlastungszeit, Ruhestand) oder Zwangsfreizeit (Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit,
Invalidität).[22] Während sich die Tagesfreizeit durch Mehrarbeit und Pendlerzeit häufig verkürzt,
erweiterte sich die Wochenfreizeit stetig, insbesondere bei der flächendeckenden Einführung der 35-
Stunden-Woche. Die Jahresfreizeit erhöhte sich durch gesetzliche und tarifliche Urlaubsverlängerungen.
Horst Opaschowski sieht die Freizeit nicht mehr in begrifflicher Abhängigkeit von Arbeit, sondern als
„freie Zeit“, die durch freie Wahlmöglichkeiten, bewusste Entscheidungen und soziales Handeln
charakterisiert ist. Er versteht unter Freizeit die „zeitlich verfügbaren Lebenssituationen, die relativ frei
sind von physiologischen Grundbedürfnissen und ökonomischen, sozialen und normativen
Zwängen…“[23] Davon ausgehend entwickelte er ein Konzept, das die Lebenszeit in drei Zeitabschnitte,
je nach dem vorhandenen Grad an freier Verfügbarkeit über die Zeit, aufteilt:[24]

Determinationszeit ist die fremdbestimmte Zeit, z. B. Arbeit, Schule;


Obligationszeit umfasst zweckgebundene Tätigkeiten wie z. B. Essen, Schlafen;
Dispositionszeit ist die freie verfügbare und selbstbestimmte Zeit.
Die Freizeit setzt sich somit aus Obligations- und Dispositionszeit zusammen.

Freizeit heute
Noch im Jahre 1983 gab es kein besonderes Freizeitbewusstsein, denn Freizeit galt als die „Restzeit, die
übrig bleibt, wenn man die Arbeit (…) erledigt hat“.[25] Spätestens ab 1990 lässt sich eine, zumindest in
den Grundzügen, der Industrialisierung ähnliche Entwicklung beobachten: „Die Arbeitszeiten wurden in
den letzten Jahrzehnten in der BRD sichtbar verkürzt, doch gleichzeitig wurde die zu leistende Arbeit
intensiviert“.[26] So wurde zuerst in der Stahlindustrie im April 1995 die sogenannte 35-Stunden-Woche
eingeführt.[27] Dies hatte zunächst eine wachsende Arbeitsbelastung (Arbeitsleid) für die Erwerbstätigen
zur Folge, und so entwickelte sich die Freizeit erneut zu einer wichtigen Kompensationszeit. Daneben
wuchs der Freizeitsektor zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor.

Mittlerweile wird der Begriff Freizeit immer häufiger in Verbindung mit Freizeit-Zeiträumen sowie
Aktivitäten gebracht (z. B. Sommer-Freizeit, Ski-Freizeit). Dies machen sich auch diverse kommerzielle
Reise- und Event-Veranstalter sowie gemeinnützige Vereine oder Kirchen im Rahmen von
Werbezwecken zunutze. Die strikte, auch räumliche (städtebauliche) Trennung der Sphären von Arbeit
und Freizeit ist ein Phänomen der Neuzeit.

Freizeitbeschäftigungen
Nachdem im Januar 1984 das Privatfernsehen eingeführt wurde, steigerte sich der bundesdeutsche
Fernsehkonsum enorm und lag bereits 1990 bei 90 Prozent der Freizeit. 2015 ist Fernsehen mit 97
Prozent unangefochten die liebste Freizeitbeschäftigung der Bundesbürger.[28] Radio hören und
Telefonieren (von zu Hause) folgen auf Platz zwei mit 90 Prozent bzw. Platz drei mit 89 Prozent. Auf
dem vierten Platz findet sich mit 73 Prozent die Internetnutzung – diese lag 2015 im Ranking erstmals
vor Zeitung lesen.

Freizeit und Gesundheit


Das wachsende Maß an Freizeit wurde in der Gesellschaft mit der Erwartung auf mehr Chancen
verbunden, sich von Arbeit und Alltag zu erholen. Inzwischen beklagen Ärzte und Wissenschaftler
falsches Freizeitverhalten mit steigendem Stressfaktor, das zu Erkrankungen führt. Als abschreckendes
Beispiel mit möglichen Todesfolgen hat die Deutsche Krebshilfe übertriebenes Sonnenbaden und
zusätzliche UV-Strahlung in Sonnenstudios bezeichnet, die für eine Zunahme von Hautkrebs
verantwortlich gemacht werden.
Freizeit und Behinderung
Das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe am Freizeitleben von Personen mit Beeinträchtigungen und
Behinderungen, das in Artikel 30 der UN-Behindertenrechtskonvention gefordert wird, ist gegenwärtig in
Deutschland noch nicht durchgängig gewährleistet. Gleichwohl finden sich zunehmend barrierefreie
Freizeit-, Sport- und Tourismusangebote, die auch inklusive Partizipation ermöglichen.[29]

Freizeit und Ehrenamt


Ein wesentlicher Wert der Freizeit liegt in der Möglichkeit, die eigene Freizeit selbstbestimmt für
freiwilliges Engagement oder Ehrenamt zu verwenden.

Recht auf Freizeit


Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte garantiert jedem das Recht auf Freizeit:

„Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige
Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.“
– ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE: Artikel 24[30]

In Deutschland wird zudem das Recht auf die individuelle Gestaltung der Freizeit dem Schutzbereich der
allgemeinen Handlungsfreiheit und der personellen Selbstbestimmung (Art. 2 Abs. l und l Abs. l GG)
zugerechnet.[31]

Wirtschaftliche Aspekte
Freizeit ist ökonomisch die Zeit, in welcher der Privathaushalt keiner pflichtgemäßen Erwerbstätigkeit
nachgeht. Damit ist die Freizeit ein Komplementärbegriff zur Arbeit: Alle Zeit , die nicht Arbeitszeit
ist, gilt als Freizeit :

Je mehr gearbeitet wird (Mehrarbeit, Überstunden), umso geringer ist die Freizeit und umgekehrt. Die
Vergrößerung der Freizeit geht – bei gleichbleibender Arbeitsleistung – mit einer Erhöhung der
Arbeitsproduktivität einher und umgekehrt.

Freizeit ist ein Gut mit einem originären Nutzen, die man nur zum Zwecke der Einkommenserzielung
opfert. Beim Arbeitsangebot wird das Gut „Freizeit“ mit den Konsumgütern verglichen, die durch das
Arbeitseinkommen erworben werden können. Arbeit wird utilitaristisch als Arbeitsleid, dem man sich
zum Zwecke der Einkommenserzielung unterzieht, definiert.[32] Dementsprechend fällt mit zunehmender
Arbeitszeit der Freizeitnutzen.[33] Hierbei ist zwischen dem Nutzen der Arbeit (durch
Arbeitseinkommen) und dem Freizeitnutzen abzuwägen. Arbeitnehmer treffen dabei ihre
Zeitallokationsentscheidungen nach dem Barwert der verfügbaren Einkommen.[34] Entscheidet sich
jemand freiwillig für Freizeit anstatt für Arbeitslohn, dann schätzt er das Gut der Freizeit höher ein als
das Konsumgut.[35] Steigt der Arbeitslohn, steigt auch das Arbeitsangebot, weil die Opportunitätskosten
für den Konsum von Freizeit steigen.

Privathaushalte stehen bei ihrem Ziel der Nutzenmaximierung vor einem Optimierungsproblem, das
folgende simultane Entscheidungen umfasst:[36]
sie müssen einerseits über die Höhe des Einkommens durch Abwägung der Vor- und
Nachteile von Freizeit oder Konsum und
andererseits über die optimale Verwendung dieses Einkommens beim Konsum
entscheiden. Unterstellt man, dass Konsum nur in der Freizeit betrieben werden kann, so sind die
Konsummöglichkeiten bei geringer Freizeit eingeschränkt.

Bei steigendem Arbeitslohn ist der Privathaushalt im Regelfall bereit, die Freizeit einzuschränken, um in
den Genuss höherer Arbeitseinkommen zu gelangen. Später jedoch wird das Arbeitsangebot
zurückgehen, weil eine gewisse Sättigung beim Konsum erreicht wird. Sogar das anormale
Arbeitsangebot kann bei sinkenden Einkommen steigen, obwohl der Freizeitnutzen sinkt. Zunächst
nimmt das Arbeitsangebot wie im normalen Verlauf bei sinkendem Lohnsatz ab. Wird der zu erzielende
Lohn aber zu gering, um damit überleben zu können, sind die betroffenen Arbeitnehmer gezwungen,
mehr zu arbeiten, um Existenzsicherung zu betreiben.[37] Die Arbeitssuche stellt aus Sicht der
Arbeitslosen einen Nutzenverlust aus entgangener Freizeit dar.[38]

Kritik
Kritiker der modernen Auffassung von Freizeit sind der Meinung, dass die Freizeit keine wirklich freie
Zeit sei. Sie bleibe der Arbeit untergeordnet. In der Freizeit könne man nicht tun, was man will, denn
man „müsse“ sich erholen. „Im spätindustriellen Zeitalter bleibt den Massen nichts als der Zwang, sich
zu zerstreuen und zu erholen, als ein Teil der Notwendigkeit, die Arbeitskraft wiederherzustellen, die sie
in dem entfremdeten Arbeitsprozess verausgabten. Das allein ist die 'Massenbasis' der Massenkultur. […]
Sie bedeutet eine weitgehende Standardisierung des Geschmacks und der Rezeptionsfähigkeit“.[39] Der
Soziologe Gerhard Schulze wiederum plädierte 1993 dafür, alle einen sozialen Zwang ausübenden
Hinderungsgründe aus dem Freizeitbegriff auszuklammern (etwa den Konsumzwang).[40]

Siehe auch
Freizeitgesellschaft
Freizeitsoziologie
Quality time
Zeitwohlstand

Literatur
Elisabeth Charlotte Welskopf: Probleme der Muße im alten Hellas. 1962.
Emil Küng: Freizeit. In: Willi Albers (Hrsg.): Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft
(HdWW), Band 3, Fischer / Mohr /Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 3-525-10258-5, 1981 S.
335–346 (http://books.google.de/books?id=09kvzMQnFIwC&pg=PA335)
Hasso Spode: Time out. Freizeit und Freizeitforschung aus historischer Sicht. In: Fundiert
1/2006, S. 18–26 ([1] (http://www.fu-berlin.de/presse/publikationen/fundiert/2006_01/06_01_
spode/index.html))
Horst Opaschowski: Pädagogik der freien Lebenszeit(3., völlig neu bearbeitete Auflage).
Opladen: Leske+Budrich 1996.
Horst Opaschowski: Feierabend? – Von der Zukunft ohne Arbeit zur Arbeit mit Zukunft!.
Opladen: Leske+Budrich 1998.
Horst Opaschowski/Michael Pries/Ulrich Reinhardt (Hrsg.): Freizeitwirtschaft – Die
Leitökonomie der Zukunft, Münster 2006, ISBN 3-8258-9297-2
Stefan Poser: Freizeit und Technik (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0159-20100921499),
in: Europäische Geschichte Online, hrsg. vom Institut für Europäische Geschichte (Mainz),
2011, Zugriff am: 25. August 2011.

Weblinks
Wikiquote: Freizeit – Zitate
Wiktionary: Freizeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Stiftung für Zukunftsfragen – eine Initiative von British American Tobacco: Freizeit-Monitor
2016: Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen (http://www.stiftungfuerzuku
nftsfragen.de/de/newsletter-forschung-aktuell/269.html), Forschung Aktuell, 269, 37. Jg.,
25. August 2016.

Einzelnachweise
1. Freizeit (https://www.duden.de/rechtschreibung/Freizeit#Bedeutung1); duden.de; abgerufen
am 9. Januar 2019
2. Ulrich Ammer, Freizeit, Tourismus und Umwelt, 1998, S. 1
3. Verlag Dr. Th. Gabler, Gablers Wirtschafts Lexikon, Band 2, 1984, Sp. 1611
4. Friedrich Fröbel, Fortgesetzte Nachricht von der allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt
in Keilhau (1823), in: Hans Zimmermann (Hrsg.), Fröbels kleinere Schriften zur Pädagogik :
Mit bisher unveröffentlichtem Material, Koehlers Lehrerbibliothek, Band. 6, 1914, S. 236
5. Reinhold Popp, Zukunft: Freizeit: Wissenschaft, 2005, S. 13 (https://books.google.de/book
s?id=Kybpd9f91CMC&pg=PA174&dq=Opaschowski+Dispositionszeit&hl=de&sa=X&ved=0a
hUKEwiK98XYmNPcAhXGzaQKHeDMC9wQ6AEILTAB#v=onepage&q=freizeit&f=false)
6. Aristoteles, Nikomachische Ethik, X, 7, 1177 b 5
7. Cornelia Mikolaschek/Peter Mikolaschek, Freizeit als Gegenstand der Politik: Konzepte der
Parteien und Verbände, 1984, S. 24
8. Horst W. Opaschowski, Pädagogik der freien Lebenszeit, 1996, S. 100 (https://books.googl
e.de/books?id=KLDyBQAAQBAJ&pg=PA100&dq=freizeit+frey+zeyt&hl=de&sa=X&ved=0ah
UKEwiX_N_z5dbcAhVEK1AKHVBQCUMQ6AEIJzAA#v=onepage&q=freizeit%20frey%20ze
yt&f=false)
9. Johann Amos Comenius, Didactica magna, 1657, cap. XV/13
10. August Hermann Francke, Kurzer Bericht von der gegenwärtigen Verfassung des
Paedagogii Regii, 1714, S. 17 (https://books.google.de/books?id=LjNm18lQ4kcC&pg=PA17
&dq=Francke+Freystunde&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjFg7_R6tbcAhWIKFAKHQQGBJU
Q6AEIKTAA#v=onepage&q=Francke%20Freystunde&f=false)
11. Simon Nicolas Henri Linguet, Théorie des lois civiles, Band II, 1767, S. 466
12. Horst W. Opaschowski, Freizeit, in: Bernhard Schäfers (Hrsg.): Grundbegriffe der
Soziologie, 2003, S. 92–94
13. Karl Marx, Das Kapital, Band 2, 1885, S. 268
14. Hans-Werner Prahl, Soziologie der Freizeit, 2002, S. 100
15. Reinhold Popp, Zukunft: Freizeit: Wissenschaft, 2005, S. 13
16. Manuela Schöler, Haben hoch-freizeitaktive Eltern hoch-freizeitaktive Kinder?, 2005, S. 28
17. Werner Plumpe, Betriebliche Mitbestimmung in der Weimarer Republik, 1999, S. 226
18. Duden (Rechtschreibung), Freizeit, 1929 (http://www.duden.de/rechtschreibung/Freizeit);
aufgerufen am 21. Juli 2013
19. Fritz Klatt, Freizeitgestaltung, 1929, S. 1 ff.
20. Johannes Zielinski, Freizeit und Erziehung, 1954, S. 1 ff.
21. Wolfgang Nahrstedt, Wellnessbildung: Gesundheitssteigerung in der Wohlfühlgesellschaft,
2008, S. 59 (https://books.google.de/books?id=o4edv8UB-O4C&pg=PA271&dq=48-stunden
-woche+freizeit&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiK86Ph1tbcAhXPLFAKHRqkBoUQ6AEILTAB#
v=onepage&q=48-stunden-woche%20freizeit&f=false)
22. Verlag Dr. Th. Gabler, Gablers Wirtschafts Lexikon, Band 2, 1984, Sp. 1612
23. Horst Opaschowski, Einführung in die Freizeitwissenschaft, 1996, S. 95
24. Horst Opaschowski, Einführung in die Freizeitwissenschaft, 1996, S. 86 f.
25. Hermann Giesecke, Leben nach der Arbeit – Ursprünge und Perspektiven der
Freizeitpädagogik, 1983, S. 14
26. Hans-Werner Prahl, Soziologie der Freizeit, 2002, S. 112
27. Werner Schulz/Ludger Volmer (Hrsg.), Entwickeln statt abwickeln, 1992, S. 142 (https://boo
ks.google.de/books?id=4zAkhZy-xE4C&pg=PA142&dq=35-Stunden-Woche+metallindustrie
+1995&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwisrqGEtfHcAhXNZFAKHceNDLIQ6AEIMjAC#v=onepag
e&q=35-Stunden-Woche%20metallindustrie%201995&f=false)
28. Freizeit-Monitor 2015: Die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen (http://www.
stiftungfuerzukunftsfragen.de/newsletter-forschung-aktuell/264.html), Forschung Aktuell,
Stiftung für Zukunftsfragen – eine Initiative von British American Tobacco, 264, 36. Jg., 27.
August 2015.
29. Udo Wilken, Freizeit für alle - barrierefrei. In: Renate Freericks, Dieter Brinkmann (Hrsg.):
Handbuch Freizeitsoziologie.Springer VS, Wiesbaden 2015, 467–487.
30. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte auf Wikisource
31. vgl. De Gruyter Rechtswissenschaften Verlags GmbH (Hrsg.), Entscheidungen in
Kirchensachen seit 1946, 1997, ISBN 978-3-11-015463-4, S. 126 (http://books.google.com/
books?id=cswD9ErrxQgC&pg=PA126)
32. Werner Sesselmeier/Gregor Blauermel, Arbeitsmarkttheorien, 1998, S. 49 (https://books.go
ogle.de/books?id=GDL3BQAAQBAJ&printsec=frontcover&dq=Anormales+Arbeitsangebot&
hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjXypG7hdPcAhWQyaQKHU2MAQg4ChDoAQhHMAc#v=onep
age&q=Arbeitsangebot&f=false)
33. Bernd Woeckener, Mikroökonomik: Eine Einführung, 2014, S. 48 f. (https://books.google.de/
books?id=5NEoBAAAQBAJ&pg=PA49&dq=Nutzen+freizeit&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjp
qPmxqNPcAhUK6KQKHQAFBU0Q6AEIODAD#v=onepage&q=Nutzen%20freizeit&f=false)
34. Yoram Ben-Porath, The Production of Human Capital and the Life Cycle of Earnings, in:
Journal of Political Economy Vol. 75, No. 4, 1967, S. 354
35. Peter Bohley, Die öffentliche Finanzierung, 2003, S. 206 f.
36. Michael Heine/Hansjörg Herr, Volkswirtschaftslehre, 2013, S. 122 f. (https://books.google.d
e/books?id=ub52wuWf1zoC&pg=PA122&dq=Nutzen+freizeit&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj
pqPmxqNPcAhUK6KQKHQAFBU0Q6AEIUDAH#v=onepage&q=Nutzen%20freizeit&f=fals
e)
37. Edwin Böventer/Richard Illing, Einführung in die Mikroökonomie, 9. Auflage, 1997, S. 133
38. Ronnie Schöb, Steuerreform und Gewinnbeteiligung, 2000, S. 52 (https://books.google.de/b
ooks?id=B2_OJ7SjztMC&pg=PA52&dq=arbeitsleid+Arbeitslosengeld&hl=de&sa=X&ved=0a
hUKEwi_s8eRpefbAhUF_qQKHT2GDTkQ6AEIMzAC#v=onepage&q=arbeitsleid%20Arbeits
losengeld&f=false)
39. Theodor W. Adorno/Hanns Eisler, Komposition für den Film, 1977, S. 31 f.
40. Gerhard Schulze, Entgrenzung und Innenorientierung, in: Gegenwartskunde 4, 1993, S.
405–419

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