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A Baustoffe · Bauprodukte 265

III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten


von Mauerwerk
Markus Graubohm, Aachen

1 Einleitung Normdruckfestigkeit des in Stahlschalungen erhärte-


ten Mörtels einzusetzen, obwohl die Genauigkeit der
Mauerwerk eignet sich aufgrund der im Vergleich zur Näherungslösung erwartungsgemäß höher ist, wenn
Zug- und Biegezugtragfähigkeit relativ hohen Druck- die in der Fuge ermittelte Druckfestigkeit des Mörtels
tragfähigkeit in erster Linie für druckbeanspruchte verwendet wird. Der in diesem Zusammenhang zu be-
Bauteile und wird daher vor allem zum Abtrag verti- rücksichtigende Aspekt betrifft den Wasserhaushalt in
kaler Lasten herangezogen. Maßgebende Kenngröße der Mörtelfuge, der durch die hygrische Wechselwir-
für die Beurteilung der Tragfähigkeit solcher Bauteile kung zwischen dem Saugverhalten des Steins und dem
ist deren Druckfestigkeit. Diese kann entweder expe- Wasserrückhaltevermögen des Mörtels bestimmt wird
rimentell aus der Druckprüfung von in der Regel ge- und den Erhärtungsmechanismus sowie die Festigkeit
schosshohen Wandprüfkörpern hergeleitet oder rech- des Mörtels in der Fuge wesentlich beeinflusst.
nerisch mittels empirischer bzw. theoretischer Modelle Insgesamt machen die zuvor beschriebenen Einflüsse
ermittelt werden. Grundlegende Untersuchungen von deutlich, dass die Bestimmung der Mauerwerkdruck-
Hilsdorf [1, 2] über die Trag- und Bruchmechanismen festigkeit nur auf Basis der einaxialen Druckfestigkeits-
von Mauerwerk unter Druckbeanspruchung haben ge- werte von Stein und Mörtel zwangsläufig mit Abwei-
zeigt, dass die Mauerwerkdruckfestigkeit nicht nur von chungen von der tatsächlichen Festigkeit verbunden
der Festigkeit der Ausgangsstoffe, sondern u. a. auch sein muss.
deutlich von deren unterschiedlichen Verformungsver- Ziel umfangreicher am Institut für Bauforschung
halten abhängt. Der Mörtel erfährt in der Regel ei- (ibac) der RWTH Aachen University durchgeführter
ne wesentlich größere Querdehnung als der Mauer- Untersuchungen war es, Einflussparameter auf das
stein, die aber durch den Verbund zwischen Stein und Trag- und Verformungsverhalten von zentrisch druck-
Mörtel behindert wird. Hieraus resultieren senkrecht beanspruchtem Mauerwerk sowohl experimentell als
zur Beanspruchungsrichtung zusätzliche Druckspan- auch numerisch zu untersuchen, um diese zukünftig
nungen im Mörtel und Zugspannungen im Stein. Da- bei der Ermittlung der Druckfestigkeit berücksichtigen
durch ergibt sich ein dreiaxialer Spannungszustand im zu können. Um die hinsichtlich des Materialverhal-
Stein, der in Abhängigkeit von der Größe der im Stein tens im Zuge einer umfangreichen Literaturrecherche
auftretenden Querzugspannungen und der Querver- in [5] gewonnenen Erkenntnisse überprüfen und erwei-
formbarkeit des Mörtels die Mauerwerkdruckfestig- tern zu können, sowie später die Mauerwerkdruckfes-
keit maßgeblich herabsetzen kann. Das Druckversa- tigkeit in einem ersten Schritt mithilfe numerischer Be-
gen des Mauerwerks tritt deshalb meist durch Über- rechnungsmethoden zutreffend vorherbestimmen zu
schreiten der Steinzugfestigkeit infolge von Querzug- können, wurden zunächst grundlegende experimen-
spannungen auf. telle Untersuchungen an ausgewählten Mauersteinen
Ein geeigneter Ansatz zur Berechnung der Mauerwerk- und Mauermörteln sowie an aus diesen Komponen-
druckfestigkeit unter Berücksichtigung der wesentli- ten hergestellten, kleinen Mauerwerkpfeilern durchge-
chen Einflussparameter liegt trotz zahlreicher Unter- führt (s. Abschnitt 2). Zur Beschreibung des Tragver-
suchungen zu dieser Thematik unter anderem auch haltens der Mauerwerkpfeiler wurde parallel ein nume-
aufgrund der Vielzahl von möglichen Material- und risches Modell mithilfe der Finite-Elemente-Methode
Festigkeitskombinationen und Einflüssen bislang nicht erstellt und anhand der experimentellen Untersuchun-
vor. In den europäischen Regelwerken wird deshalb gen kalibriert (s. Abschnitt 3). Abschnitt 4 enthält eine
die Druckfestigkeit von Mauerwerk derzeit nur nä- kurze Zusammenfassung der durchgeführten Untersu-
herungsweise auf Grundlage von Versuchsergebnissen chungen.
mit einem empirischen Potenzansatz in Abhängigkeit
der einaxialen Druckfestigkeitswerte der Einzelkom-
ponenten Stein und Mörtel bestimmt [3, 4]. Die in den
Potenzansatz einzusetzenden Parameter sind dabei Er-
gebnisse von Regressionsrechnungen zu vorhandenen
Daten von experimentellen Wanddruckversuchen, die
in Abhängigkeit der jeweiligen Stein-Mörtelkombina-
tion angegeben werden. Dabei ist in dem Ansatz die

Mauerwerk-Kalender 2019: Bemessung, Bauwerkserhaltung, Schallschutz. Herausgegeben von Wolfram Jäger.


© 2019 Ernst & Sohn GmbH & Co. KG. Published 2019 by Ernst & Sohn GmbH & Co. KG.
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2 Experimentelle Untersuchungen Die Materialkomponenten und deren Parameter wur-


zum Drucktragverhalten den dabei bewusst so ausgewählt, dass aufgrund der
unterschiedlichen Festigkeitsverhältnisse von Mauer-
2.1 Allgemeines stein und -mörtel und der variierenden Fugendicken
verschiedene Versagensformen zu erwarten waren. Die
Zunächst wurden umfangreiche experimentelle Un-
Pfeiler aus Porenbeton wurden dabei ausschließlich in
tersuchungen an ausgewählten Mauersteinen, Mau-
Kombination mit dem schwächeren Mörtel M2,5 her-
ermörteln und aus diesen Einzelkomponenten herge-
gestellt, da der Mörtel der Mörtelklasse M10 über ei-
stellten Mauerwerkpfeilern durchgeführt. Die hierfür
ne wesentlich höhere Druckfestigkeit als jene der ver-
verwendeten Materialien und das Versuchsprogramm
wendeten Porenbetonsteine verfügt. Eine Kombinati-
sind in Abschnitt 2.2 beschrieben. Zur Charakterisie-
on der Porenbetonsteine mit dem höherfesten Mör-
rung der Mauersteine und der Mauermörtel wurden im
tel M10 hätte ein Versagen herbeigeführt, welches
ersten Schritt umfassende Untersuchungen an aus den
von jenem praxisüblicher Stein-Mörtel-Kombinatio-
Mauersteinen entnommenen Kleinprüfkörpern durch-
nen grundsätzlich abgewichen wäre, und wurde aus
geführt. Die Untersuchungen an den Steinmaterialien
diesem Grund nicht untersucht.
sind in Abschnitt 2.3, die an den Mauermörteln in den
Abschnitten 2.4 (Mörtel ohne Kontakt zum Mauer-
stein) und 2.5 (Mörtelproben aus der Fuge) beschrie- 2.3 Untersuchungen an den Mauersteinen
ben. Die Untersuchungen zum Verbundverhalten zwi-
schen Stein und Mörtel sind in Abschnitt 2.6 darge- 2.3.1 Allgemeines
stellt. Abschnitt 2.7 enthält die Beschreibung der im Zur Bestimmung der Materialeigenschaften wurden
letzten Schritt an kleinen Mauerwerkpfeilern durchge- Untersuchungen an Zylindern, Würfeln und Prismen
führten Untersuchungen. durchgeführt. Bei den Kalksandsteinen war es erfor-
derlich, neben den Zugprüfkörpern auch die für die
2.2 Versuchsprogramm und verwendete Bestimmung der Druckfestigkeit vorgesehenen Zylin-
Materialien der in Richtung Steinlänge aus dem Stein zu bohren,
da eine Entnahme in Richtung Steinhöhe aufgrund
Für die Untersuchungen wurden Kalksandsteine (KS) des Kleinformats nicht möglich war. Um einen mögli-
und Porenbetonsteine (PB) im Normalformat (NF: chen Richtungseinfluss auf die ermittelte Druckfestig-
240 mm × 115 mm × 71 mm) verwendet. Die Porenbe- keit quantifizieren zu können, wurden zusätzlich zu den
tonprobekörper wurden dabei aus großformatigen Po- Zylindern auch jeweils zwei Würfel aus einem Kalk-
renbetonblöcken (499 mm × 365 mm × 249 mm) aus- sandstein entnommen und in Längs- und in Querrich-
gesägt, da Mauersteine aus Porenbeton üblicherweise tung geprüft. Für die Untersuchungen am Porenbeton-
nicht im Normalformat hergestellt werden. Als Mau- material konnten die Zylinder für die Bestimmung der
ermörtel kamen zwei Normalmauermörtel mit un- Steindruckfestigkeit in Richtung Steinhöhe aus den ur-
terschiedlichen Druckfestigkeiten (Mörtelklasse M2,5 sprünglichen Blöcken entnommen werden. Die für die
und M10) zum Einsatz. Mit diesen Materialkom- Bestimmung der Zugfestigkeit vorgesehenen Zylinder
ponenten wurden umfangreiche Druckversuche an wurden in Richtung Steinlänge aus den Porenbeton-
9-Stein-Pfeilern durchgeführt. Dabei wurde neben blöcken gebohrt.
Steinart und Mörtelfestigkeit auch die Dicke der La-
gerfuge (12 mm und 18 mm) variiert, sodass sich die
2.3.2 Druckfestigkeit, Elastizitätsmodul
in Tabelle 1 aufgeführten Kombinationen ergaben. Als
und Querdehnzahl
Eingangsparameter für die in Abschnitt 3 beschriebe-
nen numerischen Simulationen wurden alle wesentli- Die Zylinder zur Ermittlung der Druckfestigkeit wur-
chen mechanischen Kennwerte der verwendeten Ma- den mittels Kernbohrung aus den Steinen in Rich-
terialien bestimmt. tung Steinlänge (KS) bzw. Steinhöhe (PB) entnom-

Tabelle 1. Versuchsprogramm (Untersuchungen an Mauerwerkpfeilern)

Versuchsserie Mauersteine Mauermörtel Fugendicke [mm] Prüfkörperanzahl


KS-M2,5-12 (KSI) 12 6
M2,5
KS-M2,5-18 (KSII) 18 6
Kalksandsteine
KS-M10-12 (KSIII) 12 6
M10
KS-M10-18 (KSIV) 18 6
PB-M2,5-12 (PBI) 12 6
Porenbetonsteine M2,5
PB-M2,5-18 (PBII) 18 6
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 267

men. Die Proben wurden über die gesamte Steinlänge/ weise nach DIN 1048-5 [6], bei der die Prüfkörper zu-
-höhe ausgebohrt, dann senkrecht zur Belastungsachse nächst in drei Belastungszyklen jeweils bis zu einem
auf die erforderliche Länge gesägt (Länge-Durchmes- Drittel der erwarteten Höchstlast und in einem vier-
ser-Verhältnis von 2,0) und plan geschliffen. Während ten Belastungszyklus bis zum Erreichen der Bruchlast
des Druckversuchs wurden die Längsverformungen auf Druck beansprucht werden. Abweichend von [6]
mit drei Wegaufnehmern des Typs DD1 kontinuierlich wurden die Prüfkörper im vorliegenden Fall jedoch nur
gemessen. Die Querverformungen wurden mit einer zweimal bis zu einem Drittel der erwarteten Höchstlast
in Prüfkörpermitte angebrachten Messkette bestimmt. und im dritten Belastungsast bis zur Hälfte der erwar-
Bild 1 zeigt beispielhaft jeweils einen Zylinder aus Kalk- teten Höchstlast belastet, um auf der einen Seite die
sandstein (Bild 1a) bzw. Porenbeton (Bild 1b) mit ap- Querdehnung über einen möglichst großen Bereich des
plizierter Messvorrichtung in der Prüfmaschine. Belastungsastes erfassen zu können, gleichzeitig aber
Die Ergebnisse der Druckversuche sind in Bild 2 in auch, um nicht Gefahr zu laufen, die sensible Mess-
Form von Spannungs-Dehnungslinien für die aus den technik der für die Erfassung der Querdehnungen ein-
Kalksandsteinen (Bild 2a) und den Porenbetonsteinen gesetzten Messkette im Falle eines spröden Versagens
(Bild 2b) entnommenen Zylinder dargestellt. des Probekörpers zu beschädigen.
Neben der Festigkeit wurden im Rahmen der Druck- Anhand der Analyse ausgewählter Spannungs-Deh-
versuche auch der Elastizitätsmodul und die Quer- nungslinien (SDL) konnte ein deutlich unterschiedli-
dehnzahl bestimmt. Die Bestimmung dieser Kennwer- ches Verformungsverhalten der beiden Steinmateria-
te erfolgte nicht unmittelbar im Rahmen einer einma- lien festgestellt werden. In Bild 3a sind exemplarisch
ligen Belastung der Zylinder bis zum Bruch, sondern für die Kalksandsteine die Verläufe der SDL des Prüf-
in Anlehnung an die im Betonbau übliche Vorgehens- körpers Nr. 3 abgebildet. Bild 3b zeigt beispielhaft für

a) b)

Bild 1. Versuchseinrichtung und Prüfkörper zur Bestimmung der Zylinder-Druckfestigkeit

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-35,0 PK1 -6,0
PK2
-30,0 -5,0
PK3

-25,0 PK4
PK5 -4,0
-20,0 PK6 PK1
-3,0
PK2
-15,0
PK3
-2,0
-10,0 PK4
PK5
-5,0 -1,0
PK6
0,0 0,0
0,0 -2,0 -4,0 -6,0 -8,0 -10,0 -12,0 -14,0 0,0 -0,5 -1,0 -1,5 -2,0 -2,5 -3,0 -3,5 -4,0
a) Längsdehnung εl [mm/m] b) Längsdehnung εl [mm/m]

Bild 2. Spannungs-Dehnungslinien; Ergebnisse der Druckversuche an Zylindern aus a) Kalksandstein und b) Porenbeton
268 A Baustoffe · Bauprodukte

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-20,0 -4,0
1.Belastung 1.Entlastung
-18,0 1.Belastung 1.Entlastung
2.Belastung 2.Entlastung -3,5
2.Belastung 2.Entlastung
-16,0 3.Belastung 3.Entlastung
3.Belastung 3.Entlastung
-3,0
-14,0
-12,0 -2,5
-10,0 -2,0
-8,0 -1,5
-6,0
-1,0
-4,0
-2,0 -0,5
0,0 0,0
0,2 0,0 -0,2 -0,4 -0,6 -0,8 -1,0 -1,2 -1,4 -1,6 0,4 0,2 0,0 -0,2 -0,4 -0,6 -0,8 -1,0 -1,2 -1,4 -1,6
Querdehnung εq [mm/m] Längsdehnung εl [mm/m] Querdehnung εq [mm/m] Längsdehnung εl [mm/m]
a) b)

Bild 3. Exemplarischer Vergleich der Spannungs-Dehnungslinien der Be- und Entlastungszyklen am Beispiel von
a) PK3 aus Kalksandstein und b) PK6 aus Porenbeton

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-20,0 -4,0
-18,0 PK1 -3,5 PK1
-16,0 PK2
-3,0 PK2
-14,0 PK3
PK3
-12,0 PK4 -2,5
PK4
PK5
-10,0 -2,0 PK5
PK6
-8,0 -1,5 PK6
-6,0
-1,0
-4,0
-2,0 -0,5
0,0 0,0
0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25 0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25
a) Querdehnzahl ν [-] b) Querdehnzahl ν [-]

Bild 4. Querdehnzahl in Abhängigkeit der Druckspannung; Übersicht der Ergebnisse für die Zylinder aus
a) Kalksandstein und b) Porenbeton

Porenbeton die Spannungs-Dehnungslinien des Prüf- beträgt ED = 2033 N/mm2 , am dritten Belastungsast
körpers Nr. 6. In Bild 3a ist zu erkennen, dass der Kalk- wurde ein Wert ED = 2091 N/mm2 berechnet.
sandstein zwar nach der ersten Be- und Entlastung ei- Die Querdehnzahl ergibt sich aus dem Quotienten
ne plastische Verformung aufweist, die SDL bei erneu- von Querdehnung und Längsdehnung. In Bild 4 ist
ter Be- und Entlastung allerdings wieder an den Ast die Querdehnzahl, jeweils bestimmt am dritten Belas-
der ersten Belastung anschließen. Die in Bild 3a dar- tungsast, in Abhängigkeit der Druckspannung für die
gestellten Verläufe der SDL des Kalksandsteins wei- Kalksandstein- (Bild 4a) und die Porenbetonprüfkör-
sen dementsprechend im Anfangsbereich eine konvexe per (Bild 4b) dargestellt. Die Auswertung der Quer-
Krümmung bis zu dem Lastniveau auf, bis zu dem die dehnzahl erfolgte am dritten Belastungsast, da sich ge-
Proben vorbelastet waren. Der Elastizitätsmodul der zeigt hat, dass die Querdehnzahl weitestgehend unab-
Kalksandsteine wurde deswegen am Erstbelastungsast hängig vom Erst- oder Wiederbelastungsast ist.
bei einem Drittel der Höchstspannung ermittelt und
beträgt ED = 9310 N/mm2 . Die in Bild 3b für Poren-
2.3.3 Zugfestigkeit
beton dargestellten Kurvenverläufe weisen dagegen
auch bei Wiederbelastung eine leicht konkave Krüm- Die Zylinder zur Ermittlung der Zugfestigkeit wur-
mung auf. Für die Werte des Elastizitätsmoduls erga- den mittels Kernbohrung aus den Steinen in Rich-
ben sich beim Porenbeton keine wesentlichen Unter- tung Steinlänge entnommen. Die Proben wurden zu-
schiede zwischen den Belastungsästen, an denen der nächst über die gesamte Steinlänge ausgebohrt und
E-Modul bestimmt wurde. Der am Erstbelastungsast dann senkrecht zur Belastungsachse analog zu den
bei einem Drittel der Höchstlast ermittelte E-Modul Prüfkörpern für die Bestimmung der Druckfestigkeit
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 269

a) b)

Bild 5. Versuchseinrichtung und Prüfkörper zur Bestimmung der Zylinder-Zugfestigkeit

Zugspannung σ Z [N/mm2] Zugspannung σ Z [N/mm2]


4,0 0,25

0,20
3,0

0,15 PK1
PK1
2,0 PK2 PK2
PK3 0,10 PK3
PK4 PK4
1,0
PK5 0,05 PK5
PK6 PK6
0,0 0,00
0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25
a) Längsdehnung εl [mm/m] b) Längsdehnung εl [mm/m]

Bild 6. Spannungs-Dehnungslinien; Übersicht der Ergebnisse der Zugversuche an Zylindern aus a) Kalksandstein und b) Porenbeton

auf ein Länge-Durchmesser-Verhältnis von 2,0 gesägt. ist, EZ = 10455 N/mm2 . Der Mittelwert der Zugfestig-
Die Lasteinleitungsflächen der Zylinder wurden mit ei- keit liegt bei den Kalksandsteinen bei βZ = 3,1 N/mm2 .
nem feinen Sägeblatt etwa 2 bis 3 mm tief eingeritzt, um Das Verhältnis von Druck-E-Modul zu Zug-E-Modul
eine bessere Haftung zwischen der Steinoberfläche und ergibt sich im vorliegenden Fall zu 0,89 und liegt da-
den später mit einem Zweikomponentenkleber auf den mit im Rahmen der aus der Literatur bekannten Wer-
Lasteinleitungsflächen zu applizierenden Stahlstem- te. Bei Ansatz der von Schubert in [7] für die Bestim-
peln zu erreichen. Zur Gewährleistung einer zentri- mung der Druckfestigkeit, des Zug-E-Moduls und das
schen Einleitung der Zugkräfte erfolgte der Anschluss Verhältnis von Druck- zu Zugfestigkeit angegebenen
der Stahlstempel an die Prüfmaschine gelenkig über Zusammenhänge lässt sich auf Basis des Druck-E-
Ösenschrauben (s. Bild 5). Die Belastung wurde kraft- Moduls ein Zug-E-Modul von rd. 11000 N/mm2 ab-
geregelt mit einer konstanten Belastungsgeschwindig- leiten. Der Mittelwert der Zugfestigkeit der Porenbe-
keit aufgebracht. Die Bestimmung der Längsverfor- tonprüfkörper beträgt 0,18 N/mm2 . Die Zugfestigkeit
mungen erfolgte in den Drittelspunkten des Umfangs liegt mit einem Verhältniswert der Zug- zu Druckfes-
mit drei Wegaufnehmern des Typs DD1. tigkeit von 0,037 deutlich unter den in der Literatur
Die Ergebnisse der Zugversuche sind in Bild 6 in bekannten Werten. So ist in [7] für Porenbetonsteine
Form von Spannungs-Dehnungslinien für die aus den der Festigkeitsklasse 4 beispielsweise ein Verhältnis-
Kalksandsteinen (Bild 6a) und den Porenbetonsteinen wert der Zug- zu Druckfestigkeit von 0,092 angegeben.
(Bild 6b) entnommenen Zylinder dargestellt. Auch der Zug-E-Modul weicht mit EZ = 1491 N/mm2
Der Zug-Elastizitätsmodul wurde bei einem Drittel der deutlich von dem im Druckversuch bestimmten Wert
Höchstlast ermittelt und beträgt bei den Kalksandstei- ED = 2033 N/mm2 ab. Beim Vergleich der Rohdichten
nen, ohne Berücksichtigung des Prüfkörpers Nr. 1, bei der aus den Porenbetonblöcken entnommenen Klein-
dem der Bruch außerhalb der Messlänge aufgetreten prüfkörper ist zu erkennen, dass die für die Druck-
270 A Baustoffe · Bauprodukte

versuche verwendeten Zylinder eine höhere Rohdichte


aufwiesen als die Biegezugprismen, die wiederum ei-
ne höhere Rohdichte hatten als die Zylinder für die
Prüfung der Zugfestigkeit. Aus diesem Grund ist zu
vermuten, dass die vergleichsweise geringe Zugfestig-
keit der Porenbetonzylinder zumindest teilweise mit
der Lage der jeweiligen Entnahmestelle der Prüfkörper
im Stein zusammenhängt, da die Rohdichte durch den
Einfluss der Treibrichtung beim Herstellprozess über
den Querschnitt nicht gleichmäßig ist.

2.3.4 Biegezugfestigkeit
Zur Bestimmung der bruchmechanischen Kennwer-
te und des Nachbruchverhaltens unter Zugbeanspru-
chung wurden Dreipunkt-Biegezugversuche mit einer Bild 7. Versuchseinrichtung und Prüfkörper zur Bestimmung
Stützweite von ls = 200 mm an ungekerbten und ge- der Biegezugfestigkeit
kerbten Prismen durchgeführt, die aus den Kalksand-
und den Porenbetonsteinen in Richtung Steinlänge
(KS) bzw. Steinbreite (PB) ausgesägt wurden. Jeweils net. Anschließend wurden Korrekturen zur Berück-
die Hälfte der entnommenen Prismen wurde vor der sichtigung der Federkräfte der induktiven Wegaufneh-
Prüfung mit einem feinen Sägeblatt trocken eingekerbt. mer sowie des Prismeneigengewichts vorgenommen.
Die Kerbtiefe a betrug hierbei 1/4 der Prismenhöhe. Die korrigierten Last-Durchbiegungskurven der ge-
Für die Prüfung wurden die Prismen auf zwei Rollen- kerbten Prismen sind in Bild 8, die der ungekerbten
lagern (ein Festlager und ein Gleit-Kipplager) aufge- Prismen in Bild 9 dargestellt.
lagert. Die Lasteinleitung an der Prismenoberseite er- Aus der Fläche unter den Last-Durchbiegungskur-
folgte ebenfalls über eine in Prüfkörperbreite gelenkig ven wurde jeweils die Bruchenergie bestimmt, die sich
gelagerte Rolle. Die Durchbiegung in Prüfkörpermit- für die gekerbten Prismen zu GF = 50,3 N/m (KS)
te wurde auf beiden Seiten der Prismen an der Stelle bzw. 6,2 N/m (PB) bei einer Biegezugfestigkeit von
des maximalen Biegemoments mit induktiven Wegauf- βBZ,netto = 3,5 N/mm2 (KS) bzw. 0,78 N/mm2 (PB)
nehmern gemessen. Zusätzlich wurden die vertikalen ergibt. Die Kennwerte der ungekerbten Prismen wur-
Verformungen über den Auflagern auf beiden Seiten den zu GF = 65,5 N/m (KS) bzw. 9,8 N/m (PB) und
der Prismen ebenfalls mit induktiven Wegaufnehmern βBZ = 4,7 N/mm2 (KS) bzw. βBZ = 0,93 N/mm2 (PB)
bestimmt. Hierdurch konnte ein Kippen der Prüfkör- bestimmt und sind damit erwartungsgemäß höher als
per sowie ggf. an den Auflagern auftretende Verfor- die an den gekerbten Prismen bestimmten Werte.
mungen bei der Auswertung berücksichtigt werden.
Um ebene Oberflächen für die Verformungsmessungen 2.3.5 Zusammenfassung
zu erhalten, wurden an den Aufsetzpunkten der Weg-
In Tabelle 2 sind die wesentlichen Ergebnisse der Un-
aufnehmer Stahlplättchen bzw. Messingstreifen mit ei-
tersuchungen an den Mauersteinen zusammengefasst.
nem Zweikomponenten-Kleber auf die Prismen appli-
Besonders hervorzuheben sind dabei das Verhalten der
ziert. In Bild 7 ist die Versuchseinrichtung und exem-
Kalksandsteine unter zyklischer Belastung, die stark
plarisch ein Prüfkörper aus Kalksandstein zur Bestim-
spannungsabhängige Querdehnzahl und die unerwar-
mung der Biegezugfestigkeit inklusive der Messtechnik
tet geringe Zugfestigkeit der Porenbetonsteine. Dar-
dargestellt.
gestellt sind jeweils die Mittelwerte der Versuchsseri-
Zunächst wurde händisch eine geringe Vorlast von
en. Abgesehen von der zentrischen Zugfestigkeit der
F = 5 N aufgebracht. Die Belastung erfolgte anschlie-
Porenbetonsteine liegen alle ermittelten Kennwerte im
ßend verformungsgeregelt. Dabei wurde die Belastung
Rahmen der in der Literaturrecherche aufgezeigten
bis zu einer Last von F = 25 N mit einer konstanten Tra-
Streubreiten.
versengeschwindigkeit gesteigert, anschließend wurde
der Versuch über den Mittelwert der in Prüfkörper-
mitte angeordneten Wegaufnehmer geregelt. Nach der 2.4 Untersuchungen an Mauermörteln
Prüfung wurden an allen Prismen die Höhe und Brei- ohne Kontakt zum Stein
te der Ligamentfläche sowie die Karbonatisierungstie-
2.4.1 Allgemeines
fe bestimmt. Für die Darstellung der Last-Durchbie-
gungskurven wurde zunächst die mittlere Durchbie- Für die Herstellung der Mauerwerkpfeiler wurden
gung der Prismen als Mittelwert der beiden in Prüfkör- zwei Normalmauermörtel als Werktrockenmörtel aus-
permitte angeordneten Wegaufnehmer unter Berück- gewählt. Die Mörtel sollten gemäß den Angaben des
sichtigung der mittels der vier weiteren Wegaufnehmer Herstellers deutlich unterschiedliche Festigkeiten auf-
über den Auflagern bestimmten Verformungen berech- weisen und waren als Mörtel der Mörtelklasse M2,5
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 271

Last F [N] Last F [N]


500 120

100
400 PK1
PK1
PK2
80 PK2
300 PK3
PK3
PK4 60 PK4
200 PK5
PK5
40 PK6
100
20

0 0
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0
a) Durchbiegung f [mm] b) Durchbiegung f [mm]

Bild 8. Last-Durchbiegungskurven; Ergebnisübersicht der Dreipunkt-Biegezugversuche an gekerbten Prismen aus


a) Kalksandstein und b) Porenbeton

Last F [N] Last F [N]


1400 250

1200 PK1 PK1


200
PK2 PK2
1000
PK3 PK3
800 PK4 150 PK4
PK5 PK5
600 PK6 100 PK6

400
50
200

0 0
0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6
a) Durchbiegung f [mm] b) Durchbiegung f [mm]

Bild 9. Last-Durchbiegungskurven; Ergebnisübersicht der Dreipunkt-Biegezugversuche an ungekerbten Prismen aus


a) Kalksandstein und b) Porenbeton

Tabelle 2. Ergebnisübersicht der Untersuchungen an den Mauersteinen

ρd βD βZ βBZ,netto ED,33 EZ,33 ν33 GF


Steinart
kg/dm3 N/mm2 – N/m
KS 1,78 30,5 3,10 3,5 9310 10455 0,12 50,3
PB 0,49 4,9 0,18 0,8 2033 1491 0,11 6,2

und M10 gekennzeichnet. Zur Charakterisierung der DIN EN 1015-11 [10] (Biegezug- und Druckfestigkeit)
für die Herstellung der Pfeiler verwendeten Mörtelmi- bestimmt. Die in Stahlschalungen hergestellten Mör-
schungen wurden zunächst deren Eigenschaften ohne telprismen lagerten bis zu einem Alter von 7 d (2 d ein-
Kontakt zu den Mauersteinen ermittelt. Neben den geschalt, 5 d ausgeschalt) im Feuchtschrank bei 20 °C
Frisch- und Festmörtelkennwerten wurden auch der und 95 % relativer Luftfeuchte und im Anschluss dar-
Elastizitätsmodul und die Querdehnzahl der Mörtel in an bis zum Tag der Prüfung der Mauerwerkpfeiler im
statischen Druckversuchen an Großprismen bestimmt. Labor bei rd. 20 °C und 65 % relativer Luftfeuchte.
Die Untersuchungsergebnisse sind in Tabelle 3 enthal-
ten.
2.4.2 Frisch- und Festmörteleigenschaften Die Herstellung der Mörtelmischungen erfolgte mit
Die Prüfung der Frischmörtelrohdichte erfolgte nach Ausnahme der zweiten Mischung des M10 jeweils in
DIN EN 1015-6 [8]. Die Festmörteleigenschaften wur- einem 150-l-Zwangsmischer. Aufgrund eines Defekts
den nach DIN EN 1015-10 [9] (Trockenrohdichte) und an dem zuvor genannten Mischer musste die Mischung
272 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 3. Ergebnisübersicht der Frisch- und Festmörtelkennwerte

Mörtelart Mischung a L ρfr ρd βBZ βD


mm % kg/dm3 N/mm2
M2,5-1 180 25,0 1,62 1,51 1,2 2,7
M2,5
M2,5-2 186 26,0 1,65 1,49 1,2 2,6
M10-1 176 17,0 1,79 1,64 3,5 15,2
M10
M10-2 172 12,5 1,86 1,71 5,0 22,7

M10-2 in einem kleineren Mischer (40 l) mit geringerer zum Erreichen der Bruchlast auf Druck beansprucht
Mischenergie hergestellt werden. Der Luftgehalt der werden, mit dem Unterschied, dass die Prismen im vor-
ersten drei Mörtelmischungen war, bedingt durch die liegenden Fall in den ersten drei Belastungsästen bis
höhere Mischenergie des großen Zwangsmischers, im zur Hälfte der erwarteten Maximallast belastet wur-
Vergleich zu der letzten Mörtelmischung des M10 rela- den. Durch diese Vorgehensweise kann zum einen der
tiv hoch. Die Mischung M10-2 wies demzufolge auch E-Modul am ersten Belastungsast bei einem Drittel der
eine höhere Frisch- und Trockenrohdichte als die üb- Höchstlast gemäß [11] berechnet werden. Zum ande-
rigen Mischungen auf, wodurch sich auch die Unter- ren ist es möglich auch Aussagen über die plastische
schiede zwischen den Biegezug- und Druckfestigkeits- Dehnung und den E-Modul bei Wiederbelastung zu
werten der Mischungen M10-1 und M10-2 erklären treffen.
lassen. Die Ergebnisse der Druckversuche sind in Bild 11a
und b in Form von Spannungs-Dehnungslinien für den
Mörtel M2,5 und in Bild 11c für Mörtel M10 darge-
2.4.3 Statischer Elastizitätsmodul
stellt.
und Querdehnzahl
Bei näherer Betrachtung der SDL der einzelnen Belas-
Die Verformungskenngrößen der Mauermörtel wur- tungszyklen zeigte sich, dass die Längsdehnungen im
den im statischen Druckversuch an jeweils vier Groß- Verlauf des abfallenden Astes deutlich mehr zurückge-
prismen in Anlehnung an DIN 18555-4 [11] bestimmt. hen als die zugehörigen Querdehnungen, wie in Bild
Während des Versuchs wurden die Längs- und Quer- 11d am Beispiel des Prüfkörpers Nr. 1 der Mischung
verformungen mit je zwei Wegaufnehmern des Typs M10-1 im Anfangsbereich der Kurven zu erkennen.
DD1 kontinuierlich gemessen. Bild 10a zeigt beispiel- Bei der Ermittlung der Querdehnzahl wurden zwei ver-
haft ein Großprisma mit applizierter Messtechnik in schiedene Ansätze verfolgt. Zum einen wurden diese
der Prüfmaschine. anhand der Sekanten der Längs- und Querdehnungs-
Die Belastung erfolgte abweichend von [11] nach dem moduln durch den Ursprung berechnet (s. Bild 12a).
in Bild 10b dargestellten Schema in mehreren Zyklen, Zusätzlich wurde die Querdehnzahl jeweils als Mittel-
um die plastischen Anteile des Mörtels im Anfangsbe- wert der Querdehnzahlen in einem Bereich von 15 % bis
reich der Belastung visualisieren zu können. Das Belas- 45 % der erwarteten Maximallast an den einzelnen Be-
tungsschema wurde in Anlehnung an DIN 1048-5 [6] lastungsästen mit dem Ursprung im Minimum des je-
festgelegt, wonach die Prüfkörper zunächst in drei Be- weiligen Astes bestimmt, wodurch sich ein vom Belas-
lastungsästen jeweils bis zu einem Drittel der erwarte- tungspfad und der Druckspannung nahezu unabhän-
ten Maximallast und in einem vierten Belastungsast bis giger Verlauf der Querdehnzahl ergibt (s. Bild 12b).

Bild 10. a) Prüfkörper inklusive Messtechnik


und b) schematische Darstellung der Be- und
Entlastungszyklen zur Bestimmung der
a) b) Verformungskenngrößen
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 273

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-3,0 -3,0

-2,5 -2,5
PK1
-2,0 -2,0
PK2
PK1
PK3
-1,5 -1,5 PK2
PK4
PK3
-1,0 -1,0
PK4

-0,5 -0,5

0,0 0,0
1,0 0,5 0,0 -0,5 -1,0 -1,5 1,0 0,5 0,0 -0,5 -1,0 -1,5
Querdehnung εq [mm/m] Längsdehnung εl [mm/m] Querdehnung εq [mm/m] Längsdehnung εl [mm/m]
a) b)
Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]
-16,0 -4,0

-14,0 -3,5

-12,0 -3,0
-10,0 -2,5
-8,0 PK1 -2,0
1. Belastung
PK2
-6,0 -1,5 1. Entlastung
PK3
-4,0 -1,0 2. Belastung
PK4
2. Entlastung
-2,0 -0,5 3. Belastung
0,0 0,0
2,0 1,0 0,0 -1,0 -2,0 -3,0 0,2 0,1 0,0 -0,1 -0,2 -0,3 -0,4 -0,5
Querdehnung εq [mm/m] Längsdehnung εl [mm/m] Querdehnung εq [mm/m] Längsdehnung εl [mm/m]
c) d)

Bild 11. Spannungs-Dehnungslinien; Übersicht der Ergebnisse der statischen Druckversuche an Mörtel-Großprismen
a) Mischung M2,5-1, b) M2,5-2 und c) Mischung M10-1 sowie d) Vergleich der SDL der Be- und Entlastungszyklen
am Beispiel von PK1 der Mischung M10-1

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-10,0 -10,0
1. Belastung 1. Belastung
-8,0 2. Belastung -8,0 2. Belastung
3. Belastung 3. Belastung

-6,0 -6,0

-4,0 -4,0

-2,0 -2,0

0,0 0,0
0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4
a) Querdehnzahl ν [-] b) Querdehnzahl ν [-]

Bild 12. Exemplarischer Vergleich der Querdehnungsverläufe a) anhand der Sekanten durch den Ursprung bzw.
b) durch das Minimum des jeweiligen Belastungsastes am Beispiel von PK1 der Mischung M10-1
274 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 4. Mittelwerte der Versuchsserien

Mörtel l w h ρl βD ν33 ν33,3.Bel. ED,33 ED,33,3.Bel.


mm kg/dm3 N/mm2 – N/mm2
M2,5-1 99,3 99,2 199,0 1,52 2,6 0,19 0,17 4598 4866
M2,5-2 99,4 99,3 198,6 1,56 2,6 0,16 0,16 5231 5322
M10-1 99,4 99,4 199,1 1,77 13,6 0,19 0,18 14341 13959

2.4.4 Zusammenfassung 2.5.2 Trockenrohdichte und Fugendruckfestigkeit


Die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchungen In Bild 13a sind die Verhältniswerte der Trockenroh-
an Mauermörteln ohne Kontakt zum Stein sind in dichte des Fugenmörtels zu der an Normprismen be-
Tabelle 4 zusammengefasst. stimmten Trockenrohdichte dargestellt. Während in
der 12 mm dicken Fuge geringfügige Unterschiede im
Vergleich zu der am Normprisma bestimmten Trocken-
2.5 Untersuchungen an Mörtelproben rohdichte festzustellen sind, treten bei der Fugendicke
aus der Fuge von 18 mm keine signifikanten Änderungen gegenüber
2.5.1 Allgemeines/Herstellung der Trockenrohdichte nach Norm [9] auf.
Bild 13b zeigt die Verhältniswerte der Fugendruckfes-
Neben den Versuchen an den in Stahlschalungen erhär- tigkeit zu der an Normprismen bestimmten Festigkeit
teten Norm- und Großprismen wurde auch das Ma- βF,III /βD,Norm . Es ist offensichtlich, dass die verwende-
terialverhalten des Mörtels in der Fuge nach Kontakt ten Steinarten die Druckfestigkeit des Mörtels in der
zu den Mauersteinen untersucht, um den Einfluss Fuge unterschiedlich stark beeinflussen. Die Auswir-
des unterschiedlichen Saugverhaltens der beiden Stein- kungen auf die Festigkeit hängen außerdem von der
sorten auf die wesentlichen Eigenschaften des Fu- Mörtelart und der Fugendicke ab. Die Beobachtun-
genmörtels sowie auf das Trag- und Verformungs- gen bestätigen die Ergebnisse der Untersuchungen von
verhalten der Mauerwerkpfeiler berücksichtigen zu Schubert [15], in denen bei einer Vergrößerung der Fu-
können. Hierfür wurden von jeder Materialkombi- gendicke von 12 mm auf 30 mm ein Anstieg der Fu-
nation zusätzlich vier 2-Steinkörper hergestellt. Par- gendruckfestigkeit von 50 % bis 100 % festgestellt wur-
allel zu den in Abschnitt 2.7 beschriebenen Druck- de. In den eigenen Untersuchungen liegt die maxima-
versuchen an den Mauerwerkpfeilern wurden aus je- le Steigerung bei etwa 50 % für die Mischung M1.1.
der Fuge dieser 2-Steinkörper jeweils sechs quadrati- Die Mörtelmischung M1.2 weist in der 18 mm starken
sche Flachprismen mit einer Kantenlänge von etwa Fuge eine um 30 % höhere Festigkeit auf, die Mischung
50 Millimetern und einer Dicke, die der Lagerfugendi- M2.1 eine um 46 % höhere. Die Ergebnisse sind in
cke entsprach, zur Bestimmung der Fugendruckfestig- Tabelle 5 in Abschnitt 2.5.4 zusammengefasst.
keit nach DIN 18555-9 [12] und der Trockenrohdichte
nach DIN EN 1015-10 [9] sowie zusätzlich ein längli-
ches Mörtelprisma zur Bestimmung des dynamischen
E-Moduls entnommen und geprüft.

Verhältniswert ρ d,Fuge / ρ d,Norm [-] Verhältniswert β Fuge,III / β D,Norm [-]


1,10 2,5

2,0
1,05

1,5
1,00
1,0

0,95
0,5

0,90 0,0
10 12 14 16 18 20 10 12 14 16 18 20
a) Fugendicke dF [mm] b) Fugendicke dF [mm]

Bild 13. Verhältniswerte a) der Trockenrohdichte und b) der Druckfestigkeit des Fugenmörtels zu der an Normprismen bestimmten
Trockenrohdichte bzw. Druckfestigkeit
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 275

Tabelle 5. Ergebnisübersicht der Untersuchungen 2.6 Untersuchungen an Verbundprüfkörpern


an Mörtelproben aus der Fuge
2.6.1 Herstellung und Lagerung
Serie Stein Mörtel Fugendicke ρd βD,F,III Edyn Die Untersuchungen zum Verbundverhalten zwischen
mm kg/dm3 N/mm2 den Kalksand- und Porenbetonsteinen und den bei-
den Normalmauermörteln unter Scherbeanspruchung
KSI 12 1,48 2,3 4541 erfolgten an symmetrischen 2-Steinkörpern mit ei-
M2,5
KSII 18 1,48 3,4 5059 ner Lagerfuge nach dem deutschen Prüfverfahren in
DIN 18555-5 [14]. Für die Prüfung der Haftscherfestig-
KSIII-1 KS 12 1,68 7,9 9655
keit wurden parallel zur Herstellung der Mauerwerk-
KSIII-2 M10 12 1,70 10,2 10675 pfeiler je Stein-Mörtelkombination fünf 2-Steinkörper
KSIV 18 1,65 11,6 10416 hergestellt und unter den gleichen Bedingungen wie die
Pfeiler in einer geschlossenen Prüfhalle bei rd. 15 °C bis
PBI 12 1,49 3,9 6815 25 °C und 40 % bis 60 % relativer Luftfeuchte gelagert.
PB M2,5
PBII 18 1,47 5,1 6849
2.6.2 Haftscherfestigkeit
2.5.3 Dynamischer Elastizitätsmodul Der Versuchsaufbau zur Bestimmung der Haftscher-
festigkeit entsprach dem in Bild 14a dargestellten Sche-
Für die Ermittlung des dynamischen E-Moduls des ma. Bild 14b zeigt beispielhaft einen in die Prüfmaschi-
Fugenmörtels wurde im vorliegenden Fall das Impuls- ne eingebauten 2-Steinkörper aus Kalksandstein inkl.
Laufzeit-Verfahren gewählt. Bei diesem wird die zur Gegenkörper.
Durchquerung des Mörtelprismas (in Längsrichtung) Die Prüfung erfolgte kraftgeregelt. Die Belastungsge-
zwischen Impulsgeber und Impulsaufnehmer benötig- schwindigkeit wurde nach [14] so eingestellt, dass die
te Laufzeit eines Ultraschallimpulses gemessen. Für ei- Höchstlasten jeweils nach ca. 60 s bis 90 s erreicht wur-
ne bessere Vergleichbarkeit der Versuchsdaten unter- den. Die Prüfergebnisse sind in Tabelle 6 zusammenge-
einander wurde bei der Berechnung des dynamischen stellt.
E-Moduls die Querdehnzahl einheitlich mit ν = 0,2 an- Insgesamt konnte bei den Untersuchungen an den
gesetzt, da über die Querdehnzahl des Mörtels in der Verbundprüfkörpern festgestellt werden, dass die
Fuge keine Erkenntnisse vorlagen. Die Ergebnisse sind Haftscherfestigkeit zwischen den Kalksand- und Po-
ebenfalls in Tabelle 5 zusammengefasst. renbetonsteinen und den beiden Normalmauermör-
teln vergleichsweise gering war und die Versuchswer-
2.5.4 Zusammenfassung te innerhalb der einzelnen Serien stark gestreut haben.
Die wesentlichen Ergebnisse der Untersuchungen an Bei der Serie KSI betrug die Haftscherfestigkeit nur
aus der Fuge der 2-Steinkörper entnommenen Mörtel- 0,03 N/mm2 , wobei nur drei der fünf Prüfkörper ge-
proben sind in Tabelle 5 zusammengefasst. prüft werden konnten. Bei der Serie mit der größeren
Fugendicke (KSII) war die Bestimmung der Haftscher-
festigkeit überhaupt nicht möglich; hier war der Ver-
bund zwischen Stein und Mörtel so gering, dass al-
le Prüfkörper bereits vor Beginn der Prüfung beim

a) b)

Bild 14. a) Schematische Darstellung des Versuchsaufbaus zur Bestimmung der Haftscherfestigkeit nach DIN 18555-5
und b) 2-Steinkörper in der Prüfmaschine
276 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 6. Ergebnisübersicht der Verbunduntersuchungen 2.7 Untersuchungen an Mauerwerkpfeilern

Serie Stein Mörtel Fugendicke βHS,DINI 2.7.1 Herstellung und Lagerung


mm N/mm2 Aus den in Abschnitt 2.2 aufgeführten Materialien
wurden diverse Mauerwerkpfeiler mit den in Tabelle 1
KSI 12 0,03 aufgeführten Stein-Mörtel-Kombinationen und unter-
M2,5
KSII 18 – 1) schiedlichen Fugendicken hergestellt. Die Herstellung
KS der Pfeiler erfolgte so, dass die einzelnen Versuchsse-
KSIII 12 0,18
M10 rien möglichst an einem Tag und mit einer Mörtelmi-
KSIV 18 0,09 schung aufgemauert werden konnten. In Bild 15 ist die
PBI 12 0,08 Herstellung und Lagerung der Mauerwerkpfeiler bei-
PB M2,5 spielhaft dargestellt.
PBII 18 0,04
1) Versagen des Prüfkörpers beim Einbau bzw. beim Aufbringen 2.7.2 Druckfestigkeit und Verformungsverhalten
der Vorlast
Neben der reinen Bestimmung der Druckfestigkeit war
insbesondere auch das Verformungsverhalten der Pfei-
Einbau oder beim Aufbringen der Vorlast versagten. ler von Interesse. Aus diesem Grunde wurden zusätz-
Die mit dem höherfesten Mörtel M10 hergestellten lich zu den bei jedem Pfeiler erfassten Längs- (Mess-
Prüfkörper erreichten erwartungsgemäß etwas höhere stellen L1 bis L4) und Querdehnungen (Messstellen
Haftscherfestigkeitswerte. Bei der Serie KSIII betrug Q5 und Q6) zahlreiche Verformungsmessungen u. a.
die Haftscherfestigkeit βHS = 0,18 N/mm2 , bei der Se- mit Wegaufnehmern über der Fuge (Messstellen F7
rie mit der dickeren Fuge (KSIV) βHS = 0,09 N/mm2 , bis F10) zur Ermittlung des Fugen-Elastizitätsmoduls
wobei die Prüfung auch in diesem Fall wieder nur durchgeführt. Die Anordnung der Messstellen an den
an zwei von fünf 2-Steinkörpern durchgeführt werden Pfeilern ist schematisch in Bild 16a bis c dargestellt.
konnte. Bei den mit Porenbetonsteinen in Kombina- Vor der Druckprüfung, die in der Regel in einem Al-
tion mit dem schwächeren Mörtel M2,5 hergestellten ter von mindestens 28 d erfolgte, wurden die Lastein-
Verbundprüfkörpern ergaben sich für die Serie PBI ei- leitungsflächen der Pfeiler sorgfältig mit Gips abgegli-
ne Haftscherfestigkeit βHS = 0,08 N/mm2 und βHS = chen. Die abgeglichenen Prüfkörper wurden am Tag
0,04 N/mm2 für die Serie PBII. Bei den Serien mit der der Prüfung in die Prüfeinrichtung eingebaut und die
18 mm dicken Fuge ergaben sich also etwa halb so gro- Vertikallast zentrisch aufgebracht. Die Versuchsdurch-
ße Haftscherfestigkeitswerte im Vergleich zu den Serien führung erfolgte kraftgeregelt mit einer konstanten Be-
mit einer Sollfugendicke von dF = 12 mm. lastungsgeschwindigkeit. Bild 16d zeigt beispielhaft ei-
Untersuchungen zum Einfluss der Lagerfugendicke nen in die Prüfmaschine eingebauten Mauerwerkpfei-
auf die Haftscherfestigkeit, anhand derer sich die ei- ler vor Versuchsbeginn.
genen Ergebnisse einordnen lassen, sind in der Lite- Eine Übersicht der Untersuchungsergebnisse gibt
ratur kaum zu finden. Schubert und Glitza [15] führ- Bild 17. Gezeigt sind die Mittelwerte der Druckfestig-
ten Haftscherversuche mit unterschiedlichen Fugendi- keit (Bild 17a) und des Elastizitätsmoduls (Bild 17b)
cken an Kalksandsteinen und Hochlochziegeln durch. der Mauerwerkpfeiler der sechs Versuchsserien sowie
Dabei ergaben sich bei den Prüfkörpern aus Kalk- die Streubreite der einzelnen Versuche.
sandsteinen, anders als bei den vorliegenden Unter- Anhand der Ergebnisse ist bei den Serien mit Kalk-
suchungen, für die größere Fugendicke meist höhe- sandstein der Einfluss sowohl der Mörtelfestigkeit als
re βHS -Werte. Bei den Hochlochziegeln wurde dage- auch der Fugendicke auf die Pfeilerdruckfestigkeit zu
gen der umgekehrte Einfluss beobachtet. Hier waren erkennen. Die Pfeiler mit dem höherfesten Mörtel M10
die Haftscherfestigkeitswerte für die größere Fugendi- versagten erst bei einer deutlich höheren Druckbean-
cke ausnahmslos niedriger. Es wurden jedoch i. Allg. spruchung als die mit dem schwächeren Mörtel M2,5
nur wenige Prüfkörper je Stein-Mörtel-Kombination hergestellten Pfeiler. Weiterhin ist bei den Kalksand-
geprüft. Dadurch und auch aufgrund der in der Re- steinpfeilern in Kombination mit beiden Mörteln zu
gel recht großen Streubreiten innerhalb der Versuchs- beobachten, dass die Druckfestigkeit der Prüfkörper
serien sind allgemeingültige Aussagen zum Einfluss der mit steigender Fugendicke abnimmt. Bei den Porenbe-
Fugendicke auf die Haftscherfestigkeit für die große tonserien wirkte sich dagegen die Steigerung der Fu-
Bandbreite von möglichen Materialkombinationen nur gendicke von dF = 12 mm auf dF = 18 mm nicht nega-
schwer zu treffen. Wie in [5] im Zuge der Literaturre- tiv auf die Tragfähigkeit der Pfeiler aus; hier versagten
cherche dargestellt, wirkt sich der zeitabhängige Was- die Prüfkörper der beiden Serien bei ähnlichen Höchst-
serentzug deutlich auf die Haftscherfestigkeit aus. Es lasten.
ist naheliegend, dass die Fugendicke hierauf entschei- Insgesamt zeigte sich bei den einzelnen Versuchsseri-
denden Einfluss hat und die Haftscherfestigkeit so je en je nach Materialkombination und Fugendicke ein
nach verwendeter Stein-Mörtel-Kombination deutlich deutlich voneinander abweichendes Verformungsver-
variieren kann. halten. Dies ist in Bild 18 exemplarisch anhand je-
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 277

a) b) c)

Bild 15. a), b) Herstellung und c) Lagerung der Mauerwerkpfeiler

a) b) c) d)

Bild 16. Messstellenanordnung und Prüfkörper; Ansichten a) der Längsseite und b) der Stirnseite, c) Draufsicht,
d) Mauerwerkpfeiler inkl. Messtechnik in der Prüfmaschine

Druckfestigkeit β D [N/mm2] Elastizitätsmodul ED,33 [N/mm2]


20,0 7.000
18,0
6.000
16,0
14,0 5.000
12,0 4.000
10,0
8,0 3.000

6,0 2.000
4,0
1.000
2,0
6,0 4,6 15,1 12,3 2,1 2,2 1.103 2.224 4.542 3.736 1.058 1.022
0,0 0
a) KSI KSII KSIII KSIV PBI PBII b) KSI KSII KSIII KSIV PBI PBII

Bild 17. a) Druckfestigkeit und b) Elastizitätsmodul der Mauerwerkpfeiler


278 A Baustoffe · Bauprodukte

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-16,0 KSI -2,5
KSII
-14,0
KSIII
-2,0
-12,0 KSIV
PBI
-10,0 -1,5
PBII KSI
-8,0 KSII

-6,0 -1,0 KSIII


KSIV
-4,0 PBI
-0,5
-2,0 PBII

0,0 0,0
0 -5 -10 -15 -20 0,0 -0,5 -1,0 -1,5 -2,0 -2,5 -3,0
a) Längsdehnung εl [mm/m] b) Längsdehnung εl [mm/m]

Bild 18. Darstellung von repräsentativen Spannungs-Dehnungslinien der Druckversuche an Mauerwerkpfeilern;


a) vollständige SDL und b) Anfangsbereich der SDL aus Bild 18a

weils einer für jede Serie ausgewählten, repräsentativen rien mit Porenbeton ist weitestgehend linear. Dies spie-
Spannungs-Dehnungslinie dargestellt. gelt sich auch in den nur geringfügig voneinander ab-
Die Kurven ergeben sich dabei jeweils aus den Mit- weichenden Werten der E-Moduln bei 33 %, 50 % und
telwerten der langen, vertikalen Messstellen L1 bis L4 100 % der Höchstlast wider. Dagegen zeigen die SDL
(vgl. Bild 16). Die Spannungs-Dehnungslinien der Po- der Serien KSI und KSII ein ausgeprägt nichtlineares
renbetonpfeiler mit dem weichen Mörtel M2,5 (Serien Verformungsverhalten.
PBI und PBII) verliefen unabhängig von der Fugen- Es fällt auf, dass die in den Versuchen bestimmten
dicke nahezu linear bis zum Bruch, siehe Ausschnitt E-Moduln der Pfeiler im Verhältnis zu den an den
in Bild 18b. Nur bei wenigen Prüfkörpern kündigte Mauersteinen und Mauermörteln bestimmten Stei-
sich der Bruch bei etwa 80 % bis 90 % der Maximallast figkeitskennwerten vergleichsweise niedrig sind. Bei
durch Risse im oberen Drittel der Pfeiler an. Auch die Ableitung der Gesamtsteifigkeit aus den E-Moduln
SDL der Kalksandsteinpfeiler mit dem festeren Mörtel der Einzelkomponenten müssten sich eigentlich hö-
M10 zeigten insbesondere mit der geringen Fugendicke here Werte für die Mauerwerkpfeiler ergeben. Setzt
(KSIII) einen weitgehend linearen Verlauf. Diese Pfei- man beispielsweise im Fall der Versuchsserie KSIII für
ler versagten äußerst spröde; die Rissbildung setzte erst die Kalksandsteine den in Abschnitt 2.3.2 ermittel-
unmittelbar vor dem Versagen ein. Die Kalksandstein- ten E-Modul ED,33 = 9310 N/mm2 und für den Mörtel
pfeiler mit dem niederfesten Mörtel M2,5 (KSI und der Mörtelklasse M10 den in Abschnitt 2.4.3 bestimm-
KSII) versagten hingegen äußerst duktil bei sehr hohen ten Wert ED,33 = 14341 N/mm2 an, so ergibt sich für
Bruchdehnungen, verursacht durch ein frühes Ausbre- die Pfeiler ein rechnerischer E-Modul von rd.
chen des Mörtels im Randbereich und eine langsam 9800 N/mm2 , der damit doppelt so hoch ist wie der
fortschreitende Schädigung des Mörtels. im Rahmen der Versuche an den Pfeilern bestimmte
Der E-Modul der Pfeiler wurde jeweils als Sekanten- Wert. Um diese Differenz erklären zu können, wurden
modul bei 1/3 der Höchstlast errechnet (s. Bild 17b). die an den Pfeilern mittels induktiver Wegaufnehmer
Zusätzlich wurde der E-Modul auch bei 50 % und (Messstellen F7 bis F10, s. Bild 16) über der Fuge
100 % der Höchstlast ausgewertet. Die bei den unter- gemessenen Verformungen herangezogen. Für die Be-
schiedlichen Lastniveaus bestimmten E-Moduln sind rechnung des Fugen-E-Moduls wurden zunächst die
in Bild 19a und b für die Versuchsserien mit Kalksand- Dehnungsanteile der Mauersteine aus den Messwer-
stein und in Bild 19c für die Versuchsserien mit Po- ten herausgerechnet. Ein exemplarischer Vergleich der
renbeton in Form von Balkendiagrammen einander ge- gemessenen Fugendehnung mit der um die Dehnungs-
genübergestellt. anteile der Mauersteine bereinigten Fugendehnung ist
Die Versuchsserie KSIII erreicht mit einem Mittelwert in Bild 20 am Beispiel von KSII (a) und KSIV (b)
von ED,33 = 4543 N/mm2 den höchsten E-Modul aller dargestellt.
untersuchten Kombinationen und verhält sich somit Die um die Dehnungsanteile der Steine bereinigten Fu-
am steifsten. Die Versuchsserie KSIV weist aufgrund gendehnungen sowie die hieraus abgeleiteten Elastizi-
der größeren Fugendicke von dF = 18 mm einen etwas tätsmoduln der Fugen (Mittelwerte der Versuchsseri-
niedrigeren E-Modul auf (ED,33 = 3736 N/mm2 ). Die en) sind in Tabelle 7 zusammengefasst.
Versuchsserien KSI und KSII sowie PBI und PBII zei- Einige Bruchbilder der aus den Kalksandsteinen her-
gen ein deutlich weicheres Verformungsverhalten, wie gestellten Prüfkörper sind beispielhaft in Bild 21 darge-
auch anhand der im Vergleich zu den Serien KSIII und stellt. Bild 22 zeigt exemplarische Bruchbilder der mit
KSIV deutlich flacheren Steigungen der in Bild 18 dar- dem schwächeren Mörtel M2,5 hergestellten Porenbe-
gestellten SDL zu erkennen. Der Kurvenverlauf der Se- tonpfeiler.
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 279

Elastizitätsmodul [N/mm2] Elastizitätsmodul [N/mm2]


3.000 7.000
33 % 33 %
2.500 50 %
6.000
50 %
100 % 100 %
5.000
2.000
4.000
1.500
3.000
1.000
2.000

500
1.103

2.224

1.766

4.543

4.307

2.940

3.736

3.784

2.879
1.000
677

418

430
0 0
a) KSI KSII b) KSIII KSIV

Elastizitätsmodul [N/mm2]
2.000
1.800 33 %
1.600 50 %
100 %
1.400
1.200
1.000
800
600
400
1.072

1.041

1.030

1.092

Bild 19. E-Modul der Mauerwerkpfeiler bei 33 %, 50 %


992

833

200
0 und 100 % der Höchstlast; a) Serie KSI und KSII, b) Serie KSIII
c) PBI PBII und KSIV, c) Serie PBI und PBII

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-16,0 -16,0
PK1 F7-F10
-14,0 -14,0
PK1 ohne KS
-12,0 PK2 F7-F10 -12,0
-10,0 PK2 ohne KS -10,0
PK3 F7-F10 PK1 F7-F10
-8,0 -8,0
PK3 ohne KS PK1 ohne KS
-6,0 -6,0 PK2 F7-F10

-4,0 -4,0 PK2 ohne KS


PK3 F7-F10
-2,0 -2,0
PK3 ohne KS
0,0 0,0
0,0 -5,0 -10,0 -15,0 -20,0 -25,0 -30,0 0,0 -5,0 -10,0 -15,0 -20,0 -25,0 -30,0
a) Längsdehnung εl [mm/m] b) Längsdehnung εl [mm/m]

Bild 20. Exemplarischer Vergleich der gemessenen Fugendehnung (Messstelle F7-F10) mit der berechneten Fugendehnung
ohne Steineinfluss am Beispiel von a) Serie KSII und b) Serie KSIV

Die Verhältniswerte von Pfeilerdruckfestigkeit zu Fu- den Mauerwerkpfeilern zu einem Versagensbild, das
gendruckfestigkeit waren bei den Versuchsserien mit von einer deutlichen Schädigung des Mörtels geprägt
einer Fugendicke von dF = 18 mm aufgrund der ge- war (s. Bild 21a und b). Die größere Fugendicke führ-
ringeren Querstützung des Mörtels stets geringer als te vor allem bei der Versuchsserie KSII dazu, dass
bei den dünneren Fugen (s. Bild 23a). Die große Dif- hier die Steine in der Regel keine Risse aufwiesen.
ferenz zwischen Fugen und Steindruckfestigkeit bei Die Prüfkörper der Serien KSIII und KSIV versag-
den Serien KSI und KSII (vgl. Bild 23c) führte bei ten vermutlich durch die Überschreitung der Querzug-
280 A Baustoffe · Bauprodukte

Tabelle 7. Ergebnisübersicht der Untersuchungen an Mauerwerkpfeilern; Fugendehnung und Fugen-E-Modul

Serie Stein Mörtel εl,10 εl,33 εl,50 εl,u ED,10 ED,33 ED,50 ED,u
mm/m N/mm2
KSI 1,9 11,8 29,3 74,4 346 202 131 79
M2,5
KSII 0,8 3,1 5,5 28,8 642 586 518 179
KS
KSIII 4,0 10,1 14,0 31,6 912 631 608 448
M10
KSIV 2,1 5,8 8,3 21,3 832 716 743 576
PBI 1,0 3,0 4,4 14,7 302 278 272 149
PB M2,5
PBII 1,2 4,0 5,6 10,2 203 191 199 220

a) b) c) d)

Bild 21. Exemplarische Bruchbilder der aus Kalksandsteinen mit Mörtel M2,5 und M10 hergestellten Prüfkörper;
Serie a) KSI, b) KSII, c) KSIII und d) KSIV

mit zahlreichen, feinen, über die Mauersteine verteil-


ten Rissen (s. Bild 22a und b). Die Pfeilerdruckfestig-
keit wurde hier vermutlich nicht maßgebend durch die
Querzugfestigkeit, sondern durch eine Überschreitung
der Steindruckfestigkeit bestimmt.

2.7.3 Vergleich der Versuchsergebnisse


mit analytischen Ansätzen
Die zur Beschreibung der Mauerwerkdruckfestigkeit
in der Vergangenheit entwickelten Ansätze sind in [5]
ausführlich beschrieben. Ein Vergleich mit diesen An-
sätzen zeigt, dass zum Teil erhebliche Unterschiede
a) b) zwischen den rechnerisch bestimmten Festigkeiten und
Bild 22. Exemplarische Bruchbilder der aus Porenbeton mit den Versuchsdaten bestehen. In Tabelle 8 sind die in
Mörtel M2,5 hergestellten Prüfkörper; Serie a) PBI und b) PBII den eigenen Versuchen bestimmten Festigkeitswerte
der Pfeiler den mithilfe von verschiedenen analytischen
Ansätzen berechneten Werten gegenübergestellt. Dabei
festigkeit der Steine. Wie in Bild 21c und d zu erken- wurden als Eingangsparameter die Mittelwerte der an
nen, konnten sich bei diesen Prüfkörpern infolge des Kleinprüfkörpern bestimmten Materialeigenschaften
besseren Verbunds zwischen dem Mauermörtel und verwendet. Für die Mörtel wurden entsprechend den
den Mauersteinen mehrere, zum Teil breite Risse in jeweiligen Ansätzen die an in der Stahlschalung erhär-
den Steinen ausbilden. Die für die Serien PBI und teten Mörtelprismen ermittelten Eigenschaften heran-
PBII verwendeten Porenbetonsteine wiesen Druckfes- gezogen. Beim Ansatz nach Hilsdorf [1] wurde die Stei-
tigkeitswerte auf, die in etwa der Fugendruckfestigkeit gung der Bruchgeraden des Mörtels zu 4,1 gewählt
entsprachen bzw. auch darunter lagen (vgl. Bild 23c). und der Ungleichförmigkeitsgrad für jede Versuchsse-
Dies führte zu einem meist schlagartigen Versagen rie so angepasst, dass die Abweichung zwischen den ex-
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 281

Tabelle 8. Vergleich der Versuchsergebnisse mit analytischen Ansätzen

Serie Stein Mörtel Mann [16] Hilsdorf [1] Khoo [17] Ohler [18]
βD,mw,exp
βD,mw,cal
N/mm2
KSI 6,0 9,5 11,2 3,7 14,0
M2,5
KSII 4,6 9,5 10,0 4,7 12,3
KS
KSIII 15,1 13,3 13,4 5,3 19,3
M10
KSIV 12,3 13,3 12,8 7,2 19,1
PBI 2,1 2,8 2,2 1,4 2,9
PB M2,5
PBII 2,2 2,8 2,1 1,5 2,8

Verhältniswert β D,mw / β D,F [-] Verhältniswert β D,mw / β D,st [-]


3,0 3,0
2,64
2,5 2,5

2,0 2,0
1,67
1,5 1,36 1,5
1,06
1,0 1,0
0,54 0,50 0,45
0,43 0,40 0,43
0,5 0,5
0,20 0,15
0,0 0,0
KSI KSII KSIII KSIV PBI PBII KSI KSII KSIII KSIV PBI PBII
a) b)
Verhältniswert β D,F / β D,st [-]
3,0

2,5

2,0

1,5
1,04
1,0 0,80

0,5 0,30 0,38


0,07 0,11
0,0 Bild 23. Verhältnis der Pfeilerdruckfestigkeit zur
KSI KSII KSIII KSIV PBI PBII a) Fugendruckfestigkeit bzw. b) Steindruckfestigkeit sowie
c) c) Verhältnis der Fugendruckfestigkeit zur Steindruckfestigkeit

perimentellen Daten und den rechnerisch bestimmten Anhand der in Tabelle 8 aufgeführten Werte wird deut-
Festigkeiten möglichst klein war. In Ermangelung von lich, dass der Ansatz von Hilsdorf [1] die Druckfestig-
Daten für die Bruchkurve von Porenbeton oder Kalk- keit der Serien mit Porenbeton sowie der Serien KSIII
sandstein wurde bei den Berechnungen nach Khoo und und KSIV vergleichsweise gut beschreibt, obwohl für
Hendry [17] die Bruchkurve des dort verwendeten Zie- die Steigung der Bruchgeraden der Mörtel ein Wert
gels angesetzt. Ohler [18] hat bei seinen Berechnungen von 4,1 angenommen wurde. Anhand der Versuche
die Bruchkurve in drei konstante Bereiche unterteilt. von Khoo und Hendry [17] sowie Bierwirth [19] konn-
Die eigenen Versuchsdaten fügten sich am besten in ei- te gezeigt werden, dass sich die Neigung der Bruch-
nen Bereich ein, in dem nach [18] keine Kennwerte lie- kurve mit einem Wert von 2,0 zutreffender beschrei-
gen sollten, da er zu ungünstige Kombinationen von ben lässt. Die geringe Festigkeit der Serien KSI und
Stein und Mörtel beschreibt. KSII wird nur durch den Ansatz von Khoo und Hen-
282 A Baustoffe · Bauprodukte

dry [17] annähernd treffend beschrieben. Bei den üb- Tabelle 9. Eingangsparameter der Steinmaterialien
rigen Ansätzen ist der Einfluss der Steindruckfestig-
keit zu stark gewichtet. Allerdings unterschätzt die Be- βD βZ ED,33 ν33 GF ϕ 1) c 2)
Steinart
rechnung nach [17] die Festigkeitswerte der restlichen N/mm2 – N/m ◦ N/mm2
Mauerwerkpfeiler etwa um 30 %. Die empirische For- KS 30,5 3,1 9310 0,12 50,3 60,3 4,04
mel nach Mann [16] beschreibt besonders die Festigkeit
der Serien KSIII und KSIV relativ gut, was damit zu- PB 4,9 0,2 2033 0,11 6,2 71,1 0,41
sammenhängt, dass dies eine durchaus übliche Stein- 1) Reibungswinkel
Mörtel-Kombination ist und daher entsprechend Ein- 2) Kohäsion
gang in die Ermittlung dieser Gleichungen fand. Die
Serien KSI und KSII wiesen hingegen ein äußerst un- Tabelle 10. Eingangsparameter des Fugenmörtels
gewöhnliches Verhältnis von Stein- zu Mörteldruck-
festigkeit auf und werden dementsprechend schlecht Serie Stein Mörtel βD,F βZ,F ED,F ν33 GF ϕ Ψ
von den empirischen Formeln abgebildet. Die Diffe- N/mm2 – N/m ◦
renzen zwischen den in den eigenen Versuchen be-
KSI 2,3 0,56 346
stimmten Druckfestigkeitswerten und den über die An- M2,5
sätze berechneten Festigkeiten lagen für die Versuchs- KSII 3,4 0,84 642
KS 0,19
serien PBI und PBII einheitlich bei etwa 30 %. KSIII 7,9 0,94 912
M10 35,0 20 0
KSIV 11,6 1,40 832
PBI 3,9 0,98 302
PB M2,5 0,17
3 Numerische Untersuchungen PBII 5,1 1,26 203
zum Drucktragverhalten
3.1 Vorgehensweise belle 9 aufgeführt. Die entsprechenden Eingangspara-
meter des Fugenmörtels sind in Tabelle 10 zusammen-
Zur Beschreibung des Drucktragverhaltens der Mau-
gestellt.
erwerkpfeiler wurde ein numerisches Modell mithilfe
der Finite-Elemente-Methode (FEM) erstellt und an-
hand der experimentellen Untersuchungen kalibriert. 3.3 Simulation der Druckversuche
Die numerischen Untersuchungen erfolgten mit den an Mauerwerkpfeilern
zuvor bestimmten Materialkennwerten bzw. daraus ab-
3.3.1 Berechnungsvarianten und numerisches
geleiteten Stoffgesetzen der Mauersteine und des Fu-
Modell
genmörtels. Vor der Modellbildung für die eigentli-
che Nachrechnung der Druckversuche an den Mauer- Unter Ansatz der in den Tabellen 9 und 10 enthalte-
werkpfeilern wurden in einem ersten Schritt zunächst nen Eingangsparameter wurden die Druckversuche an
die Druckversuche am Stein- und Mörtelmaterial nu- den Mauerwerkpfeilern numerisch simuliert. Zusätz-
merisch modelliert, um die Eignung verschiedener zur lich wurden FE-Berechnungen durchgeführt, bei de-
Abbildung des Materialverhaltens infrage kommender nen die an den Norm- und Großprismen ohne Kontakt
Modelle zu überprüfen, siehe [5]. Die Simulation der zu den Mauersteinen bestimmten Mörtelkennwerte
Mauerwerkpfeiler und der Vergleich der numerischen angesetzt und/oder der Reibungswinkel variiert wurde.
Berechnungen mit den Ergebnissen der experimentel- Die Eingangsparameter für die Mauersteine wurden
len Untersuchungen ist nachfolgend beschrieben. dabei nicht verändert und entsprechen den Angaben
Die Erstellung der Modelle für die numerische Be- in Tabelle 9. Ebenfalls konstant gehalten wurden die
rechnung der Druckversuche an den Kleinprüfkör- Querdehnzahl und die Bruchenergie der Mörtel (s. Ta-
pern und an den Mauerwerkpfeilern erfolgte zu- belle 10). Die Berechnungsmatrix sowie die bei den ein-
nächst mit dem Finite-Elemente-Programm ANSYS zelnen Berechnungen berücksichtigten Kennwerte sind
unter Verwendung von 20-Knoten-Volumenelemen- in Tabelle 11 dargestellt.
ten. Anschließend wurden diese jeweils in eine dat- Das Modell für die numerische Simulation der Druck-
Datei konvertiert, die als Eingabedatei für das Finite- versuche an den Mauerwerkpfeilern wurde aus Sym-
Elemente-Programm DIANA diente, mit dem die metriegründen auf ein Achtel der Prüfkörper be-
numerische Simulation der Versuche schließlich durch- schränkt. Bild 24 zeigt eine schematische Darstellung
geführt wurde. des Prüfkörpers und die Diskretisierung des Modells.

3.3.2 Vergleich der numerischen Berechnungen


3.2 Eingangsparameter mit Versuchsergebnissen
Die im Rahmen der Berechnungen verwendeten Ein- In Bild 25 ist ein Vergleich der experimentell bestimm-
gangsparameter der Steinmaterialien, die überwiegend ten mit den numerisch berechneten Spannungs-Deh-
aus den eigenen Untersuchungen resultieren, sind in Ta- nungslinien exemplarisch für die Versuchsserien KSIII
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 283

Tabelle 11. Übersicht über die durchgeführten


Berechnungsvarianten und Eingangsparameter des Mörtels
für die Simulation der Mauerwerkpfeiler

Simulation Stein Mörtel βD,F βZ,F ED,F ϕ Ψ


N/mm2 ◦

KSI-a 2,6 0,64 4866 44 20


M2,5
KSI-b 2,3 0,56 346 20 0
KSII-a 2,6 0,64 4866 44 20
KSII-b 3,4 0,84 642 20 0
M2,5
KSII-c 3,4 0,84 642 44 0
KSII-d 3,4 0,84 642 10 0
KS
KSIII-a 13,6 1,86 13959 56 0
KSIII-b M10 7,9 0,94 912 20 0
KSIII-c 7,9 0,94 912 58 0
Bild 24. Schematische Darstellung eines Mauerwerkpfeilers KSIV-a 13,6 1,86 13959 20 0
und Diskretisierung des Modells KSIV-b M10 11,6 1,40 832 20 0
KSIV-c 11,6 1,40 832 58 0
(a) und PBI (b) dargestellt. Neben den Ergebnissen der PBI-a 2,6 0,65 5322 20 0
verschiedenen Berechnungsvarianten enthalten die bei- M2,5
PBI-b 3,9 0,98 302 20 0
den Diagramme jeweils zwei experimentell bestimmte
SDL (schwarz gestrichelt), die den Streubereich inner- PBI-c 3,9 0,98 302 44 0
PB
halb der jeweiligen Versuchsserie kennzeichnen. PBII-a 2,6 0,65 5322 20 0
Die Berücksichtigung des Fugen-E-Moduls und der PBII-b M2,5 5,1 1,26 203 20 0
Fugendruckfestigkeit in den numerischen Berechnun-
gen führte bei den in Bild 25 dargestellten Versuchs- PBII-c 5,1 1,26 203 44 0
serien zu einer guten Übereinstimmung zwischen Si-
mulation (Varianten KSIII-b, KSIII-c bzw. PBI-b und
PBI-c) und Versuch. Die Abweichungen lagen im Be- nem Reibungswinkel ϕ = 20◦ (Varianten KSIII-b und
reich der Streuung der Versuchsdaten. Dies lässt dar- PBI-b) berechneten SDL deutlich besser mit den Ver-
auf schließen, dass die ermittelten Fugendehnungen suchsdaten übereinstimmen als die mit größeren Rei-
das Materialverhalten des Fugenmörtels relativ gut bungswinkeln bestimmten Kurven. Dabei sind die Un-
abbilden. Bei Berücksichtigung der am unbeeinfluss- terschiede zwischen den numerisch und experimentell
ten Mörtel bestimmten Kennwerte (Varianten KSIII-a bestimmten Höchstlasten in Abhängigkeit des ange-
bzw. PBI-a) werden die Steifigkeiten und die Höchst- setzten Reibungswinkels nur bei den Serien mit Kalk-
lasten der Mauerwerkpfeiler dagegen deutlich über- sandstein sehr groß, bei den Porenbetonserien treten
schätzt. Weiterhin ist zu erkennen, dass die mit ei- bei Ansatz unterschiedlicher Winkel nur geringe Diffe-

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-30,0 -3,5
Normkennwerte Fugenkennwerte (PBI -c)
-25,0 -3,0
Fugenkennwerte ϕ = 44°
Normkennwerte
ϕ = 58° -2,5
-20,0
ϕ = 20°
-2,0
-15,0 Fugenkennwerte (PBI -b)
-1,5
Versuch Versuch
-10,0 ϕ = 20°
KSIII-a -1,0 PBI-a
Fugenkennwerte
-5,0 KSIII-b PBI-b
-0,5
KSIII-c PBI-c
0,0 0,0
0,0 -1,0 -2,0 -3,0 -4,0 -5,0 -6,0 0,0 -1,0 -2,0 -3,0 -4,0
a) Längsdehnung εl [mm/m] b) Längsdehnung εl [mm/m]

Bild 25. Vergleich der experimentellen Versuchsergebnisse mit der Simulation; a) KSIII und b) PBI
284 A Baustoffe · Bauprodukte

Druckspannung σ D [N/mm2] Druckspannung σ D [N/mm2]


-20,0 -20,0
Normkennwerte Versuch Versuch
ϕ = 44° KSI-a Normkennwerte (KSII-a) KSII-a
-15,0 -15,0
KSI-b ϕ = 44° KSII-b
Fugenkennwerte
(KSII -c) ϕ = 44° KSII-c

-10,0 -10,0 KSII-d


Fugenkennwerte (KSII -b) ϕ = 20°
ϕ = 20° (KSII -d) ϕ = 10°
-5,0 -5,0

0,0 0,0
0,0 -5,0 -10,0 -15,0 -20,0 0,0 -5,0 -10,0 -15,0 -20,0
a) Längsdehnung εl [mm/m] b) Längsdehnung εl [mm/m]

Bild 26. Vergleich der experimentellen Versuchsergebnisse mit der Simulation; a) KSI und b) KSII

renzen auf, was wahrscheinlich auf die geringe Auslas- Tabelle 12. Vergleich der experimentellen Druckfestigkeitswer-
tung des Mörtels bei dieser Materialkombination zu- te mit der Simulation
rückzuführen ist.
Serie Stein Mörtel Versuch FE Verhältnis
Anders als bei den zuvor beschriebenen Versuchsseri-
en konnte das Verformungsverhalten der Serien KSI βD,exp
βD,FE βD,FE /βD,exp
und KSII in der numerischen Simulation nicht zutref- min max MW
fend abgebildet werden (s. Bild 26). Während die Stei-
N/mm2 –
gung der simulierten SDL anfänglich noch recht gut
mit der im Versuch beobachteten Steifigkeit überein- KSI-a 18,2 3,03
5,5 6,8 6,0
stimmt, konnte der bei höherem Lastniveau zuneh- KSI-b 7,1 1,20
mend nichtlineare Verlauf der Kurven nicht mehr in
KSII-a 10,9 2,37
der Simulation abgebildet werden. Dies ist vermutlich M2,5
darauf zurückzuführen, dass die Fugen im Versuch bei KSII-b 8,2 1,77
4,1 5,1 4,6
dieser Materialkombination deutlich geschädigt wur- KSII-c 14,4 3,10
den und große Bereiche des Mörtels in den Randberei-
KSII-d 6,6 1,42
chen der Fugen ausgebröckelt sind. Diese Versagensart KS
wird in der Berechnung durch die Annahme eines star- KSIII-a 7,8 0,52
ren Verbunds ausgeschlossen. KSIII-b 10,3 19,7 15,1 14,9 0,98
Ein Vergleich der im Versuch bestimmten Druckfestig-
KSIII-c 20,4 1,35
keitswerte der Mauerwerkpfeiler mit den numerisch er- M10
mittelten Ergebnissen ist in Tabelle 12 dargestellt. An- KSIV-a 23,5 1,91
hand der Verhältniswerte βD,FE /βD,exp lässt sich zei- KSIV-b 10,8 14,5 12,3 13,6 1,11
gen, dass die Versuche in den meisten Fällen gut durch KSIV-c 17,2 1,40
die Simulation abgebildet werden konnten. Die nume-
rischen Berechnungen, bei denen die an den Norm- PBI-a 2,8 1,35
und Großprismen ohne Kontakt zu den Mauersteinen PBI-b 1,7 2,4 2,1 2,3 1,09
bestimmten Mörtelkennwerte angesetzt wurden (Be- PBI-c 2,9 1,39
rechnungsvarianten „a“), führten überwiegend zu er- PB M2,5
heblichen Abweichungen von den experimentellen Ver- PBII-a 2,7 1,25
suchsergebnissen. PBII-b 2,0 2,6 2,2 2,2 1,01
PBII-c 2,3 1,04
3.3.3 Rissbildung
In Bild 27 sind ausgewählte Rissbilder der Simulation
der Serien KSIV, PBI und KSII dargestellt. Auch hier den gesamten Stein (s. Bild 27b). Wie in Bild 27c zu er-
konnten die verschiedenen Rissbilder zutreffend abge- kennen, wurde die Rissbildung im numerischen Modell
bildet werden (vgl. Bilder 21 und 22). auch bei der Serie KSII zutreffend beschrieben. Analog
Während die Risse bei der Serie KSIV auf der Längs- zum Versuch versagte hier nur der Mörtel; lediglich im
seite im äußeren Drittel und auf der Stirnseite in der Kontaktbereich zum Stein sind in der ersten Element-
Mitte als einzelne, breite Risse auftraten (s. Bild 27a), ebene Risse im Stein zu erkennen. Beim Mörtel versagt
durchzogen bei der Serie PBI viele fein verteilte Risse nur die äußerste Elementreihe und davon nur die in-
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 285

a) b) c)

Bild 27. Exemplarische Darstellung numerisch ermittelter Bruchbilder; Serie a) KSIV, b) PBI und c) KSII

neren beiden Elementebenen. Direkt im Kontakt zum Um eine Zuordnung der Bezeichnungen in den Dia-
Stein und im Inneren der Fuge verhindern die mehr- grammen zu erleichtern, sind in Bild 28 die unter-
axialen Spannungszustände ein Ausbrechen des Mör- suchten Schichten und die Bezeichnungen von Stein
tels. Diese Ergebnisse stimmen sehr gut mit den Beob- und Fuge angegeben. Bei dem Export der Daten aus
achtungen im Versuch überein. DIANA und der Darstellung in EXCEL sind die Er-
gebnisse gespiegelt worden. Zur Orientierung ist daher
stets ein Koordinatensystem mit angegeben, das den
3.3.4 Exemplarische Analyse der Spannungs-
Mittelpunkt von Stein bzw. Fuge markiert. Die Span-
verteilung im Mauerwerkpfeiler
nungen, die am FE-Modell gezeigt werden, orientieren
Nachfolgend werden ausgewählte Spannungsverläufe sich stets an dem in Bild 24 angegebenen Koordinaten-
aus den numerischen Berechnungen ausgewertet und system.
analysiert. Als Berechnungsvariante wurde die Serie Die vertikale Verschiebung am oberen Auflager führt
KSIII-b gewählt, da diese aufgrund der Soll-Fugendi- zu Druckspannungen im Modell. Bedingt durch das
cke von 12 mm und dem Verhältnis von Stein- zu Mör- unterschiedliche Verformungsverhalten von Mauer-
teldruckfestigkeit einer in der Praxis üblichen Material- stein und Mauermörtel entstehen Schubspannungen
kombination entspricht. Die dargestellten Spannungen im Kontaktbereich, die zu Zugspannungen im Mau-
beziehen sich jeweils auf den Lastschritt, bei dem et- erstein und dreiaxialem Druck in der Mörtelfuge füh-
wa zwei Drittel der Maximallast aufgebracht und noch ren. Die resultierenden Spannungsverteilungen sind in
keine Risse vorhanden waren (σD = 9,7 N/mm2 ). Bild 29 für die Außenansicht des Pfeilers dargestellt.
286 A Baustoffe · Bauprodukte

Stein Ebene Ebene Fuge

Bild 28. Zuordnung der Bezeichnungen der untersuchten Schichten des FE-Modells

a) b) c)

Bild 29. Verteilung der Hauptspannungen am Mauerwerkpfeiler; a) Hauptspannungen σ3 , b) Hauptspannungen σ1


und c) Spannungen σxx

σ3 steht dabei für die minimalen Hauptspannungen in voller Größe auf. Die geringeren Druckspannun-
(negative Werte: Druckspannungen), σ1 entspricht den gen des Mörtels in Bild 29a sind damit zu erklären,
maximalen Hauptspannungen (positive Werte: Zug- dass sich der dreiaxiale Spannungszustand im Rand-
spannungen). bereich nicht ausbilden kann und die Belastung be-
Bei Betrachtung der σ3 -Verteilung in Bild 29a fällt reits über der einaxialen Festigkeit des Mörtels von
ein Eckbereich mit verminderten Werten auf. Die- 7,9 N/mm2 liegt. An dem oberen Stein ist auf allen
ser Bereich ist auch bei den Hauptspannungen σ1 in drei Bildern der Einfluss der Querdehnungsbehinde-
Bild 29b zu erkennen und ist gekennzeichnet durch rung am oberen Auflager zu erkennen. Mit Ausnah-
deutlich geringere Spannungen als im Inneren des me des lokal stark begrenzten Bereichs der Schubspan-
Steins. Die Ursache dieser reduzierten Spannungen im nungseinleitung entstehen hier ausschließlich Druck-
Eckbereich ist in Bild 29c anhand der Spannungen spannungen, während in den übrigen Steinen bereits
in x-Richtung verdeutlicht. Im Randbereich der Kon- Zugspannungen vorherrschen. Die unteren Steine ver-
taktzone ist eine Konzentration der Zugspannungen halten sich im Wesentlichen gleich, weshalb bei den
zu erkennen. Diese werden über die Steinhöhe in den folgenden Darstellungen an Stein und Mörtel meist
Stein eingeleitet und bauen sich erst in einem Abstand nur die unteren beiden Steine und Fugen betrachtet
vom Rand, der etwa der halben Steinhöhe entspricht, werden.
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 287

a) b) c)

Bild 30. Verteilung der Hauptspannungen in der Fuge; a) Hauptspannungen σ3 , b) Hauptspannungen σ1 und c) Spannungen σxx

σ 3 [N/mm²] σ 1 [N/mm²]

0,0 0,0

-0,5
-2,0
-1,0
-4,0
-1,5
-6,0
-2,0
-8,0
-2,5
-10,0 -3,0

-12,0 x -3,5 x

Fuge1-Ebene4 Fuge1-Ebene1
z z
a) b)

Bild 31. Verteilung der Hauptspannungen in der Fuge; a) Hauptspannungen σ3 und b) Hauptspannungen σ1

a) b)

Bild 32. Verteilung der Hauptspannungen σ3 im Stein bei σD = 9,7 N/mm2 ; a) Innenansicht und b) Seitenansicht

a) b)

Bild 33. Verteilung der Hauptspannungen σ1 im Stein bei σD = 9,7 N/mm2 ; a) Innenansicht und b) Seitenansicht
288 A Baustoffe · Bauprodukte

σ 3 [N/mm2] σ 3 [N/mm2]

-8,0 -8,0

-8,5 -8,5

-9,0 -9,0

-9,5 -9,5

-10,0 -10,0

-10,5 x -10,5 x

Stein1-Ebene1 Stein1-Ebene2
a) z b) z

σ 3 [N/mm2] σ 3 [N/mm2]

-8,0 -8,0

-8,5 -8,5

-9,0 -9,0

-9,5 -9,5

-10,0 -10,0

-10,5 x -10,5 x

Stein1-Ebene3 Stein1-Ebene4
c) z d) z

Bild 34. Verteilung der Hauptspannungen σ3 im Stein 1 bei σD = 9,7 N/mm2 ; a) Ebene 1, b) Ebene 2, c) Ebene 3 und d) Ebene 4

Durch die im Modell steife Verbindung zwischen Mau- Während die Spannungen in der Fuge in den unter-
erstein und Mauermörtel baut sich im Randbereich schiedlichen Ebenen weitestgehend gleichmäßig ver-
der Fuge ein mehraxialer Druckspannungszustand auf teilt sind, ergibt sich beim Stein ein Spannungsbild,
und die aufnehmbaren Druckspannungen liegen über das deutlich von der betrachteten Ebene abhängt. In
der einaxialen Festigkeit. Nur in der äußeren Ecke der Bild 32 sind die Hauptspannungen σ3 , in Bild 33 die
Fuge kann sich dieser Zustand nicht ausbilden, wo- Hauptspannungen σ1 am Modell abgebildet.
durch hier die geringsten Spannungen auftreten. In Die den Ebenen 1 bis 4 des Steins 1 zuzuordnenden
Bild 30 sind exemplarisch die Spannungsverteilungen Hauptspannungsverteilungen σ3 sind in Bild 34 darge-
in der Fuge 1 am numerischen Modell gezeigt. Zur Zu- stellt.
ordnung der Lage der betrachteten Ebene im Prüfkör- Anhand der gezeigten Oberflächendiagramme lässt
per wird auf Bild 28 verwiesen. sich die Spannungsverteilung im Stein anschaulich
Zusätzlich sind in Bild 31 exemplarisch die Verteilun- analysieren. In der Kontaktzone zur Mörtelfuge in
gen der Hauptspannungen σ3 (a) und σ1 (b) in der Fu- Ebene 4 (s. Bild 34d) nehmen die Druckspannungen
ge 1 (Ebene 1) anhand eines Oberflächendiagramms zum Rand hin deutlich ab, bedingt durch die geringe-
dargestellt. Dabei ist in Bild 31a zu erkennen, dass die re übertragbare Spannung des Mörtels. Im Inneren des
Spannungen in der Fuge zum Rand hin nur geringfü- Steins wirkt eine Druckspannung von 10,1 N/mm2 . Be-
gig abfallen. Dies ist auf die geringe Gesamtspannung, sonders in der Außenecke, in der die Druckspannung
die auf das System aufgebracht wurde, zurückzufüh- auf 8,2 N/mm2 zurückgeht, ist dieser Einfluss zu se-
ren. Hierdurch sind die Randbereiche der Fuge noch hen. Mit steigendem Abstand zur Kontaktzone nimmt
nicht weit über die einaxiale Druckfestigkeit belastet der Einfluss des Mörtels zur Steinmitte (Ebene 2) hin
und übertragen noch einen Großteil der Spannungen. ab und kehrt sich um in eine zum Rand hin zuneh-
Der Unterschied zwischen den Spannungen am Rand mende Druckspannung. Lediglich im Eckbereich herr-
und im mittleren Bereich ist bei σ1 wesentlich stärker schen nach wie vor geringere Druckspannungen. Die
ausgeprägt (s. Bild 31b). in Bild 34 dargestellten Hauptspannungen σ3 spiegeln
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 289

σ 1 [N/mm2] σ 1 [N/mm2]

2,0 2,0

1,6 1,6

1,2 1,2

0,8 0,8

0,4 0,4

0,0 x 0,0 x

z Stein1-Ebene1 z Stein1-Ebene2
a) b)

σ 1 [N/mm2] σ 1 [N/mm2]

2,0 2,0

1,6 1,6

1,2 1,2

0,8 0,8

0,4 0,4

0,0 x 0,0 x

z Stein1-Ebene3 z Stein1-Ebene4
c) d)

Bild 35. Verteilung der Hauptspannungen σ1 im Stein 1 bei σD = 9,7 N/mm2 ; a) Ebene 1, b) Ebene 2, c) Ebene 3 und d) Ebene 4

σ xy [N/mm2] σ xy [N/mm2]

1,2 1,2

1,0 1,0
0,8 0,8
0,6 0,6
0,4 0,4
0,2 0,2
0,0 x 0,0 x

z Stein1-Ebene1 z Stein1-Ebene4
a) b)

Bild 36. Verteilung der Hauptspannungen σxy im Stein 1 bei σD = 9,7 N/mm2 ; a) Ebene 1 und b) Ebene 4

sich auch in den Zugspannungsverteilungen im Stein 0,7 N/mm2 deutlich niedriger sind. Zusätzlich ist an-
wider (s. Bild 35). hand von Bild 36 zu erkennen, dass die Schubspan-
Im Kontakt mit der Fuge herrschen vor allem im Rand- nungen σxy sehr schnell gegen null tendieren und die
bereich hohe Zugspannungen, die auf das unterschied- Zugspannungen im Stein im Wesentlichen aus den in
liche Verformungsverhalten von Stein und Mörtel der Kontaktzone wirkenden Schubspannungen resul-
zurückzuführen sind. In Ebene 4 beträgt die Rand- tieren.
zugspannung ca. 2 N/mm2 , während in Ebene 2 ver- Die Verteilung der Zugspannungen in den markier-
gleichsweise konstant über die Ebene verteilte Zug- ten Elementen ist in Bild 37 über die Steinhöhe dar-
spannungen auftreten, die mit Werten zwischen 0,6 und gestellt.
290 A Baustoffe · Bauprodukte

Höhe y [mm] Höhe y [mm]


70 70

60 60
außen außen
50 50
außen innen außen innen
40 40
innen innen
30 30
Stein2-1 Stein2-4
20 20
Stein2-2 Stein2-5
10 Stein2-3 10 Stein2-6

0 0
0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5
a) Spannung σ 1 [N/mm2] b) Spannung σ 1 [N/mm2]

Höhe y [cm]
7,0
außen
6,0
außen innen
5,0

4,0 innen
Stein2-1
3,0 Stein2-2
Stein2-3
2,0 Stein2-1 (aus [20])
Stein2-2 (aus [20])
1,0 Stein2-3 (aus [20])

0,0 Bild 37. Hauptspannungen σ1 im Stein;


0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5
a) Elementreihen 1 bis 3, b) Elementreihen 4 bis 6 sowie
c) Spannung σ 1 [N/mm2] c) Vergleich mit Berechnungen nach Babilon [20]

4 Zusammenfassung gen erhärteten Normprismen deutlich anstieg, wäh-


rend sie bei den mit Kalksandsteinen hergestellten Pfei-
Mit dem Ziel, das Drucktragverhalten von Mauer- lern, bedingt durch das deutlich unterschiedliche ka-
werk mithilfe numerischer Berechnungsmethoden zu- pillare Saugverhalten, gegenüber der Prismendruckfes-
treffend vorherbestimmen zu können, wurden zu- tigkeit deutlich abfiel. Zusätzlich konnte auch der Ein-
nächst umfangreiche experimentelle Untersuchungen fluss der Fugendicke auf die Druckfestigkeit gezeigt
an Mauersteinen, Mauermörteln und Mauerwerkpfei- werden. Die Fugenmörtel der Prüfkörper mit 18 mm
lern durchgeführt. Auf Grundlage der in [5] im Rah- dicken Lagerfugen wiesen Druckfestigkeitswerte auf,
men einer Literaturrecherche zum Materialverhalten die zwischen 30 % und 50 % höher waren als die der
von Stein, Mörtel und Mauerwerk gewonnenen Er- Prüfkörper mit den 12 mm dicken Fugen. Weiterhin
kenntnisse wurde ein Versuchsprogramm erarbeitet, wurden von sämtlichen Materialkombinationen auch
mit dem die verschiedenen denkbaren Versagensfor- die Verbundeigenschaften unter Scherbeanspruchung
men von druckbeanspruchtem Mauerwerk versuchs- (Haftscherfestigkeit) bestimmt. Dabei ergab sich, dass
technisch abgebildet werden sollten. die Haftscherfestigkeit zwischen den Kalksand- und
In umfangreichen Voruntersuchungen wurden zu- Porenbetonsteinen und den beiden Mauermörteln ver-
nächst die mechanischen Kennwerte der verwende- gleichsweise gering war und die Versuchswerte inner-
ten Materialien bestimmt. Besonders hervorzuheben halb der einzelnen Versuchsserien stark gestreut haben.
ist an dieser Stelle, dass die Querdehnzahl der Stei- Zudem führte die größere Fugendicke zu einer deutli-
ne stark spannungsabhängig ist und durch die An- chen Verschlechterung der Verbundeigenschaften.
gabe eines Mittelwerts nur bedingt beschrieben wer- Im Rahmen der Druckversuche an den Mauer-
den kann. Außerdem wurden ausgewählte Eigenschaf- werkpfeilern wurden zahlreiche Verformungsmessun-
ten des Mörtels in der Fuge, die Fugendruckfestigkeit gen durchgeführt. Dabei wurden zur Ableitung ei-
und der dynamische E-Modul, an allen Materialkom- nes E-Moduls für den Fugenmörtel die Dehnungen
binationen ermittelt. Dabei zeigte sich, dass die Fu- des Mörtels mit induktiven Wegaufnehmern, die von
gendruckfestigkeit bei den Porenbetonpfeilern im Ver- Stein zu Stein über der Fuge angeordnet waren, be-
gleich zu der Druckfestigkeit der an in Stahlschalun- stimmt. Es zeigte sich, dass das Verhalten des Mör-
III Experimentelle und numerische Untersuchungen zum Drucktragverhalten von Mauerwerk 291

tels in der Fuge nicht nur in Bezug auf die Druck- Vergleichend wurden auch numerische Berechnungen
festigkeit, sondern auch auf den E-Modul, sehr stark mit den Normkennwerten durchgeführt. Dabei konn-
von den an Normprismen ermittelten Werten abweicht. te gezeigt werden, dass die Berücksichtigung des Fu-
Auch das Verformungsverhalten der Mauerwerkpfei- gen-E-Moduls und der Fugendruckfestigkeit bei den
ler unterschied sich in den Druckversuchen deutlich Serien KSIII, KSIV, PBI und PBII zu einer guten
voneinander. Die Spannungs-Dehnungslinien der Po- Übereinstimmung der Versuchsergebnisse mit den Er-
renbetonserien (PBI, PBII) verliefen nahezu linear bis gebnissen der FE-Berechnung führte. Die Abweichun-
zum Bruch. Bei den Kalksandsteinserien mit dem hö- gen vom Mittelwert lagen mit 1 % bis 11 % im Be-
herfesten Normalmauermörtel der Mörtelklasse M10 reich der Streuung der Versuchsdaten. Die Berücksich-
(KSIII, KSIV) war ebenfalls nur eine geringe Nichtli- tigung der Normkennwerte hingegen führte zu deutlich
nearität der SDL zu beobachten. Das Versagen erfolg- überschätzten Steifigkeits- und Tragfähigkeitswerten.
te bei diesen Serien vergleichsweise spröde ohne deut- Auch die in Abhängigkeit der jeweiligen Stein-Mör-
liche Ankündigung durch Rissbildung. Die Kalksand- tel-Kombination stark variierenden Rissbilder konn-
steinserien mit dem schwächeren Normalmauermörtel ten mit dem verwendeten Modell abgebildet werden.
der Mörtelklasse M2,5 (KSI, KSII) hingegen verhiel- Lediglich das duktile Verhalten der Serien KSI und
ten sich äußerst duktil und versagten erst bei sehr ho- KSII konnte nicht zufriedenstellend simuliert werden.
hen Bruchdehnungen. Dieses Verhalten wurde vor al- Zwar wurde die Anfangssteifigkeit der Pfeiler zutref-
lem verursacht durch ein starkes Ausbrechen des Mör- fend beschrieben, das vom Versagen des Mörtels ge-
tels im Randbereich der Fuge. Die Verhältniswerte von prägte, stark nichtlineare Verhalten konnte aber nicht
Pfeilerdruckfestigkeit zu Fugendruckfestigkeit waren beschrieben werden. Abschließend wurden die Span-
bei den Serien mit 18 mm Fugendicke stets geringer als nungszustände im Mauerwerk anhand der nichtlinea-
bei den dünneren Fugen. Dies wurde mit einer gerin- ren FE-Berechnungen dargestellt.
geren Querstützung des Mörtels in den dickeren Fu- Zusammenfassend konnte anhand der vorliegenden
gen begründet. Die große Differenz von Stein- zu Fu- Untersuchungen gezeigt werden, dass sich sowohl die
gendruckfestigkeit bei den Serien KSI und KSII führte Tragfähigkeit als auch das in Abhängigkeit der jeweili-
zu einem von einer deutlichen Schädigung des Mörtels gen Stein-Mörtel-Kombination stark variierende Ver-
geprägten Bruchbild. Die Serien KSIII und KSIV ver- formungsverhalten der Mauerwerkpfeiler mithilfe nu-
sagten vermutlich durch die Überschreitung der Quer- merischer Berechnungen in den meisten Fällen zutref-
zugspannungen im Stein. Durch den besseren Verbund fend beschreiben lassen. Auch die Spannungszustän-
bei diesen Serien konnten sich mehrere, zum Teil breite de im Mauerwerk lassen sich anhand der nichtlinearen
Risse im Stein ausbilden. Die Serien PBI und PBII wie- FE-Berechnungen weitestgehend nachvollziehen. Die
sen Steindruckfestigkeitswerte auf, die unterhalb der Berücksichtigung der tatsächlichen Mörtelkennwerte
Fugendruckfestigkeit lag. Dies führte zu einem meist führt zu überwiegend guten Übereinstimmungen zwi-
schlagartigen Versagen mit zahlreichen, im Stein ver- schen den experimentellen und numerischen Untersu-
teilten feinen Rissen. chungen an den Mauerwerkpfeilern. Wesentlich ist in
Zur weitergehenden Analyse des Drucktragverhaltens diesem Zusammenhang vor allem eine zutreffende An-
der Mauerwerkpfeiler wurde ein numerisches Modell gabe des Fugen-E-Moduls. Die durchgeführten Versu-
entwickelt und anhand der durchgeführten experi- che an den Einzelmaterialien und den Mauerwerkpfei-
mentellen Untersuchungen kalibriert. Hierbei konnten lern sowie deren numerische Simulation bieten eine gu-
sowohl die Tragfähigkeit als auch das Verformungs- te Basis für weiterführende Untersuchungen an ande-
verhalten der Pfeiler in den meisten Fällen zutreffend ren Materialkombinationen.
beschrieben werden. Zunächst wurden allerdings die
Materialeigenschaften der Mauersteine und des Mau-
ermörtels durch Simulation der Druckversuche an den
Steinzylindern und den Mörtelgroßprismen überprüft. 5 Literatur
Aufgrund der in diesen Berechnungen zutreffenden Be-
schreibung des Trag- und Verformungsverhaltens der [1] Hilsdorf, H. K. (1965) Untersuchungen über die Grund-
Steine und des Mörtels wurde auch bei den numeri- lagen der Mauerwerksfestigkeit, Materialprüfungsamt für
schen Berechnungen der Mauerwerkpfeiler das Plas- das Bauwesen der Technischen Universität München,
tizitätsmodell nach Drucker-Prager in Verbindung mit Bericht Nr. 40.
dem Smeared Crack Model für das Versagen im Zug- [2] Hilsdorf, H. K. (1969) Investigation into the Failure
bereich verwendet. Der Reibungswinkel nach Drucker- Mechanism of Brick Masonry Loaded in Axial Compres-
Prager wurde für die Steine analytisch aus den ein- sion, Gulf Publishing Company, Houston, in: Designing
axialen Festigkeitswerten bestimmt, für den Mauer- Engineering and Constructing with Masonry.
mörtel wurde entsprechend der Auswertung der Ver-
suchsdaten von Bierwirth [19] ein Reibungswinkel von [3] DIN EN 1996-1-1:2013-12 (2013) Eurocode 6: Bemes-
20◦ angenommen. Als übrige Parameter des Mör- sung und Konstruktion von Mauerwerksbauten – Teil 1-1:
tels wurden die tatsächlichen Kennwerte, d. h. die am Allgemeine Regeln für bewehrtes und unbewehrtes Mauer-
Mörtel mit Kontakt zum Stein ermittelten, verwendet. werk, Beuth, Berlin.
292 A Baustoffe · Bauprodukte

[4] DIN EN 1996-1-1/NA:2012-05 mit Änderungen Teil 2: Baumechanische Analyse und Auswertung der Ver-
A1:2014-03 und A2:2015-01 (2015) Nationaler Anhang – suche und Begründung der wesentlichen Ergebnisse, Institut
National festgelegte Parameter – Eurocode 6: Bemessung für Bauforschung, Aachen, Forschungsbericht Nr. F 628.
und Konstruktion von Mauerwerksbauten – Teil 1-1: Allge- [14] DIN 18555-5:1986-03 (1986) Prüfung von Mörteln mit
meine Regeln für bewehrtes und unbewehrtes Mauerwerk, mineralischen Bindemitteln – Teil 5: Festmörtel; Bestim-
Beuth, Berlin. mung der Haftscherfestigkeit von Mauermörteln, Beuth,
[5] Graubohm, M. (2018) Einfluss des Kontakts zwischen Berlin.
Mauerstein und Mauermörtel auf das Drucktragverhalten
[15] Schubert, P., Glitza, H. (1979) Festigkeits- und Ver-
von Mauerwerk, RWTH Aachen University, Fachbereich
formungskennwerte von Mauersteinen und Mauermörtel,
3, Dissertation (eingereicht).
Die Bautechnik 56 (10), 332–341.
[6] DIN 1048-5:1991-06 (1991) Prüfverfahren für Be-
[16] Mann, W. (1983) Druckfestigkeit von Mauerwerk;
ton – Teil 5: Festbeton, gesondert hergestellte Probekörper,
Eine Statistische Auswertung von Versuchsergebnissen in
Beuth, Berlin.
geschlossener Darstellung mit Hilfe von Potenzfunktio-
[7] Schubert, P. (2010) Eigenschaftswerte von Mauerwerk, nen, in Mauerwerk-Kalender 1983, Ernst & Sohn, Berlin,
Mauersteinen, Mauermörtel und Putzen, in Mauerwerk- S. 687–699.
Kalender 2010, (Hrsg. Jäger, W.) Ernst & Sohn, Berlin,
[17] Khoo, C. L., Hendry, A. W. (1973) Ein Bruchkrite-
S. 3–25.
rium für zentrisch belastetes Ziegelmauerwerk, in Doku-
[8] DIN EN 1015-6:2007-05 (2007) Prüfverfahren für mentation der 3. Internationalen Mauerwerkskonferenz, Es-
Mörtel für Mauerwerk – Teil 10: Bestimmung der Rohdich- sen, 08.–11.4.1973, Bundesverband der Deutschen Ziegel-
te von Frischmörtel, Beuth, Berlin. industrie, Bonn, S. 139–145.
[9] DIN EN 1015-10:2007-05 (2007) Prüfverfahren für [18] Ohler, A. (1986) Zur Berechnung der Druckfestigkeit
Mörtel für Mauerwerk – Teil 10: Bestimmung der Trocken- von Mauerwerk unter Berücksichtigung der mehrachsigen
rohdichte von Festmörtel, Beuth, Berlin. Spannungszustände in Stein und Mörtel, Bautechnik 63
[10] DIN EN 1015-11:2007-05 (2007) Prüfverfahren für (5), 163–169.
Mörtel für Mauerwerk – Teil 11: Bestimmung der Biegezug- [19] Bierwirth, H., Stöckl, S., Kupfer, H. (1995) Dreiach-
und Druckfestigkeit von Festmörtel, Beuth, Berlin. sige Druckversuche an Mörtelproben aus Lagerfugen von
[11] DIN 18555-4:1986-03 (1986) Prüfung von Mörteln mit Mauerwerk, Technische Universität, München, Institut
mineralischen Bindemitteln – Teil 4: Festmörtel; Bestim- für Tragwerksbau, Lehrstuhl für Massivbau, DFG-For-
mung der Längs- und Querdehnung sowie von Verformungs- schungsbericht, Nr. Ku 239/74-1 und 74/2.
kenngrößen von Mauermörteln im statischen Druckversuch, [20] Babilon, H. (1994) Über die Auswirkung einer un-
Beuth, Berlin. gleichförmigen Fugengeometrie auf den Spannungs- und
[12] DIN 18555-9:1999-09 (1999) Prüfung von Mörteln Verformungszustand im zentrisch gedrückten Mauerwerk,
mit mineralischen Bindemitteln – Teil 9: Festmörtel; Be- Technische Universität, Berlin, Fachbereich 8, Dissertati-
stimmung der Fugendruckfestigkeit, Beuth, Berlin. on, 1994.
[13] Schubert, P., Bohne, D., Berndt, E. (2000) Teil 1:
Theoretische und praktische Untersuchungen zur rechne-
rischen Bestimmung der Druckfestigkeit von Mauerwerk;