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INDIEN

Indien, eines der größten Länder der Erde, ist reich an Kultur und Tradition, aber auch an
Widersprüchen und Gegensätzen, die sowohl seine Faszination ausmachen als auch Ursache
für viele Probleme sind. Indien, das bedeutet Armut der Massen und Reichtum einer kleinen
Minderheit, reformbedürftiges Agrarland und Industrienation, Dürrekatastrophen und
"Grüne Revolution", tropischer Regenwald und vergletscherte Gebirgsregionen, Götterwelt
und Bürokratie, alte Paläste und neue Slums.
Kein anderes Land vereinigt so nachhaltig Tradition und Fortschritt, nirgends liegen
Vergangenheit und Gegenwart so nah zusammen. Als eindrucksvolles Zeugnis der
Vergangenheit ist das Taj Mahal in Agra, ein Meisterwerk der Baukunst der Mogulzeit, zu
einem Wahrzeichen Indiens geworden. Noch immer hat Indien die Fesseln der
Unterentwicklung nicht abgelegt, doch investiert es seit längerem erfolgreich in modernste
Technologien bis hin zur Atomtechnik und Weltraumforschung.
Seit alters ein wahres Sammelbecken von Sprachen, Völkern und Kulturen, ist Indien nicht
nur eine Nation, eher ein Konglomerat aus vielen verschiedenen Nationen mit eigenem
Kulturgut, eigener historischer Prägung und Tradition. So gibt es allein vierzehn
Hauptsprachen, von denen sich zehn auch in der Schrift voneinander unterscheiden. Der
Hinduismus, der die staatsgründende und -tragende Basis für ein politisch eigenständiges
Indien war, bildet die starke nationale Klammer. Das allgegenwärtige Kastenwesen, das bis
heute mit Indien untrennbar verbunden ist, baut gesellschaftliche Unterschiede auf, anstatt
sie abzubauen. Für Indien ist das kein Widerspruch zu seiner seit fünf Jahrzehnten
andauernden demokratischen Staatsordnung.
Bevölkerungsmäßig zum zweitgrößten Land der Erde emporgeschnellt, ist Indien mit der
Geißel der Überbevölkerung wie kein anderes Land gepeinigt. Monat für Monat wächst die
Zahl der in Indien lebenden Menschen um mehr als eine Million, in weniger als alle
eineinhalb Sekunden wird ein Baby geboren. Dennoch hat das Land die schlimmste Armut
und den Hunger von Millionen Menschen weitestgehend beseitigen können. Indien ist eine
Großmacht geworden - militärisch stark und gefürchtet, politisch eigenwillig und streitbar
gegenüber den Supermächten, die es umwerben.
Es ist eine stolze Nation, die das Bild Asiens insgesamt entscheidend mitprägt. Indien bleibt
ein Wechselbad von Eindrücken und Empfindungen, ein Subkontinent handgreiflicher
Gegensätze, dem Respekt und Verehrung gebührt.
Indische Architektur

Es ist unmöglich von einer „indischen” Architektur zu sprechen, da sie von so vielen
verschiedenen Kulturen beeinflusst worden ist. Also wenn man über indische Architektur
spricht, meint man die verschiedenen buddhistischen, jainistischen, hinduistischen und
islamischen Bautypen.
Kurzer geschichtlicher Überblick
Die indische Architektur ist, abgesehen von Festungs- und Palastbauten, vor allem eine
Sakralarchitektur. In dieser Architektur spiegeln sich die Vorstellungen der verschiedenen
Religionen wider. Erst in der modernen Architektur seit der Unabhängigkeit spielen andere
Faktoren auch eine Rolle. So kann die indische Architektur in drei Perioden eingeteilt werden,
die jeweils bestimmte Typen entwickelt haben. Bis zum 6. Jh. wurde sie stark vom
Buddhismus beeinflusst, danach entstanden hinduistische Regionalreiche, in denen sich
unterschiedliche Arten von Tempelbauten entwickelt wurden. Von diesen sind der Nagara-
Stil der nordindischen Tempel und der Dravida-Stil der südindischen Tempel die wichtigsten.
Ab dem 12. Jh. entstand schließlich der islamische Bautyp mit den Hauptbauten Moschee,
Grabbauten und Palästen. Die Gebäude, die von den Briten gebaut wurden, waren meist an
der europäischen Architektur orientiert. Ihre Funktion war vor allem repräsentativ. Nach der
Unabhängigkeit gab es nur wenige große Projekte, in denen Sakralbauten (Bahai-Tempel in
Delhi) oder auch ganze Städte (Chandigarh) entworfen und gebaut wurden.
In Indien ist vor allem das Nebeneinander von hinduistischer und islamischer Bauten ein
Phänomen. Wie kann man da von einer indischen Baukunst sprechen? Über vierhundert
Jahre hinweg wurden immer wieder aus der Türkei und aus Persien Baumeister nach Indien
eingeladen für riesige Bauaufgaben. So kam es zu einer Synthese von beiden Bautypen.
Indische Handwerker hatten natürlich einen Einfluss auf diese Baumeister auch. So fanden
altindische Symbole Eingang in Islamische Bauprogramme. Indien assimilierte die vielen
Einwanderer und ließ ihre Baukunst zu einer indischen werden.