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52 Die Formänderungen und die Spannungen der biegsamen Platten.

Wenn die Dicke h (nebst der Koord. z) klein im Vergleich zu x


ist, folgt aus diesen Formeln, daß die Schubspannung r"z und die
zur z-Achse parallele Normalspannung az neben den anderen Span-
nungen nur kleine Werte annehmen und daraus weiter, daß auch
im Falle eines auf der Oberfläche z = - hj2 lastenden
Druckes daB Ergebnis von c) seine Geltung behält 1 ).

II. Die Formänderungen


und die Spannungen der biegsamen Platten.
16. Biegung einer kreisförmigen Platte nach einer
Umdrehungsfläche.
Wenn die Ordinaten der verbogenen Mittelfläche einer Platte oder
ihre Durchbiegungen nur Funktionen eines Abstandes r von einem
festen Punkt sind, vereinfachen sich die Formeln der Plattenbiegung.
In einer derart verbogenen Platte treten in einem zylindrischen
Schnitt r = konst. außer den Normalspannungen nur eine Art von
Schubspannungen auf, nämlich solche, die zur Mittelebene senkrecht
gerichtet sind, während in einem Meridianschnitt nur Normalspan-
nungen übertragen werden. In einem Flächenelement h r da (mit h
wird die Dicke der Platte, mit a der Winkel des Fahrstrahles r mit
einer festen Richtung in der Mittelebene bezeichnet, Abb. 24) eines
Zylinderschnittes vom Halbmesser r wird ein
Biegungsmoment mr rda und eine Scherkraft
Pr rda, in einem Element h dr eines Meri-
dianschnittes nur ein Biegungsmoment mt dr
übertragen. Hier bedeuten mr bzw. mt die
auf die Längeneinheit der Schnitte bezogenen
Abb. 24. Biegungamomente, welche die Platte in der
Richtung des Halbmessers r bzw. dazu senk-
recht verbiegen. Wir nennen mr das radiale und mt das tangen-
tiale Biegungsmoment und definieren diese Momente durch die
Integrale
(1)

1 ) Wenn man die elastischen Grundgleichungen in Zylinderkoordinaten r, z

anschreibt, lassen sich in analoger Weise achsensymmetrische Spannungszustände


in beliebig dicken kreisförmigen Platten angeben. Derartige Spannungszustände
hat neuerdings A. Timpe: Achsensymmetrische Deformation von Umdrehungs-
körpern, Z. ang. Math. Mech. Bd. 4, S. 361. 1924, untersucht.- Vgl. auch weiter
unten S. 311, sowie A. und L. Föppl: "Drang und Zwang", 2. Bd. München 1920.

A. Nádai, Die elastischen Platten


© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1925
Biegung einer kreisförmigen Platte nach einer Umdrehungsfläche. 53

wo mit ar bzw. mit at die Normalspannungen bezeichnet werden, die


in der Richtung r bzw. dazu senkrecht im Abstande z von der
Mittelebene der Platte parallel zu dieser letzteren wirken.
Bei der vorausgesetzten Gestaltänderung einer Platte geht ein Zy-
linderschnitt r = konst. in ein Stück eines Kegelmantels über. Die Er-
zeugenden dieses Kreiskegels stehen senkrecht zur verbogenen Mittel-
fläche und bilden den kleinen Winkel q; = ~~ mit der Lage der Er-
zeugenden des zylindrischen Schnitts im unbelasteten Zustand der
Platte. Hier bedeuten w die Ordinaten der elastischen Fläche oder
die Durchbiegungen der Platte. Bei dieser
Formänderung werden in ihrem Innern in
de' Richtung d& ~'ah"t,.hlen ' und länge .
I' ,.~
des Umfanges der Kreise r = konst. Deh- ~=~
nungen er bzw. et geweckt. An Hand der ~r
Abb. 25 ergeben sich in einer Entfernung z Abb. 25.
von der Mittelebene für sie die Ausdrücke:
dq;
er=- zdr, (2)
Nach dem Elastizitätsgesetz drücken sich die tangentialen und
radialen Biegungsspannungen ar und at (die dritte Normalspannung a.
ist überall gleich Null) mit Hilfe der Dehnungen er und et wie
folgt aus:
Ez Ez (dq;
Or= 1 - y~ (er+ Yet) = - 1 - y2- dr yr ' + q;)
Ez Ez ( dq;
at=1-Y2(et+ller)=-1-Y2 Ydr+r.
q;) (3)

Setzt man diese Werte in die Gl. (1) ein, so ergeben sich die Aus-
drücke für das radiale und das tangentiale Biegungsmoment

mr = - N( ~ + Y ~), mt = - N (v ~ + ~), (4)


wo mit N = Eh 3 f12 (1- Y 2 ) wieder die Platten-
p,.rdrdCL
steifigkeit bezeichnet ist.
Mit Hilfe der eingeführten Momente und der
Scherkräfte Pr' die in den Zylinderschnitten auf-
treten, lassen sich die Gleichgewichtsbedingungen
eines kleinen prismatischen Elementes aufstellen, das rm,+dmrHr+drJd«
man aus der Platte durch zwei benachbarte Zylin- Abb. 26.
der- und Meridianschnitte abgegrenzt hat (Abb. 24
und 26). Bezeichnet p den auf der Seitenfläche z = - h/2 in der
Richtung der positiven Durchbiegungen gerichteten Druck, der hier