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wissen 21
Leitfaden Human Centric Lighting (HCL)

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Vorwort

Mit der Erfindung des elektrischen faden entwickelt. Darin wird veran- keit und auch das Wohlbefinden der
Lichts und der damit einhergehenden schaulicht, was der Terminus Human Menschen unterstützt werden. Wichtig
industriellen Revolution am Anfang Centric Lighting beinhaltet. Praxis- hierbei ist, dass alle Faktoren, von der
des 20. Jahrhunderts hat sich eine nahe Beispiele zeigen, wie Anwender Farbtemperatur bis hin zur Lichtrich-
Gesellschaft entwickelt, die ohne ein HCL-Konzept für verschiedene tung, ganzheitlich betrachtet und auf-
diese Innovation nicht hätte entstehen Raumszenarien und Nutzungen wie einander abgestimmt werden. Neben
können. Industrie, Schule, Büro oder auch im den visuellen und biologischen Wir-
privaten Wohnbereich erstellen kön- kungen müssen auch die emotionalen
Der Schritt vom „konventionellen“ nen. Zudem geht der Leitfaden auf Wirkungen des Lichts im Raum eine
elektrischen Licht bis hin zur digi- die Anforderungen der modernen Ge- hohe Gewichtung bekommen. Planer
talen LED-Technologie ist ein Para- sellschaft mit flexiblen Arbeitstagen, und Architekten sollen diese Faktoren
digmenwechsel, der sich in rasantem der Schichtarbeit oder einem frühen kennen und in ihre Planungsprozesse
Tempo vollzieht. Für Planer bedeutet Schulbeginn ein. von Anfang an integrieren.
das, dass neben der Beherrschung
physikalischer Größen und bekannter Licht ist mehr als ein Medium zum Mit freundlichen Grüßen
Kriterien, wie Kontrastwiedergabe Sehen: Licht steuert unsere Grund-
und Blendung, auch neue „Qualitäts- stimmung und den Schlafrhythmus,
merkmale“ hinzukommen. Mit dem es aktiviert oder beruhigt. Es ist ganz
Ansatz des Human Centric Lighting wesentlich verantwortlich für unsere
(HCL) spielen die Farbtemperatur des Akzeptanz der räumlichen Umge-
Lichts sowie die Intensität im Wech- bung. Der Bedeutung der modernen
selspiel mit beleuchteten Materialien Beleuchtung werden sich auch immer
und der menschlichen Wahrnehmung mehr Konsumenten wie Auftraggeber Prof. Andreas Schulz
eine neue Rolle. Neben der visuellen bewusst. Eine Marktstudie der inter- Licht Kunst Licht; IALD
Wirkung und der Energieeffizienz gilt nationalen Unternehmungsberatung
es nun, auch die biologischen und A.T. Kearney prognostiziert, dass
emotionalen Wirkungen des Lichts auf Human Centric Lighting mittelfristig
den Menschen zu optimieren. einen nicht zu vernachlässigenden
Anteil am Beleuchtungsmarkt haben
Der Rezipient und seine individuellen wird. Die Nachfrage steigt. Architek-
Bedürfnisse stehen im Vordergrund. ten und Planer müssen für die neuen
Architekten und Planer stehen vor Ansprüche ihrer Kunden gerüstet
neuen Herausforderungen, für die sein. Eine zeitgemäße Lichtplanung
dieser Leitfaden Orientierung und An- bedeutet einen HCL-konformen
leitung bieten soll. Um interessierten Planungsprozess – zielgerichtet und
Planern und Architekten ein Werkzeug mit langfristiger Wirkung. Durch diese
für die Umsetzung von HCL an die Planung und den HCL-konformen
Hand zu geben, wurde dieser Leit- Betrieb können die Leistungsfähig-
Inhalt

Einleitung 4

Definition von Human Centric Lighting (HCL) 5

HCL-Konzept – näher betrachtet 6



Mit HCL über den Tag: Ein beispielhafter Tagesablauf 7

HCL – Planung und Betrieb 14

Für Planer: Template Informationsblatt zur HCL-Beleuchtung 18



Werte für die Wirkung des Lichts nach dem HCL-Konzept 19

Beispiele für vier Anwendungen 24


Büro 26
Schule 28
Industrie 30
Privat 32

Glossar 34

Die Schriftenreihe von licht.de 38

Alles über Beleuchtung! 39

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licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Einleitung
Sehen zu können ist ein Wunder der Evolution. Der Sehsinn ermöglicht uns die Orientierung im
Raum, zielgerichtete Bewegungen, das Steuern der inneren Uhr, das Empfinden von Emotionen und
die Kommunikation mittels Gesten, Zeichen und Schrift.

Das Auge ist Mittler für den Sehsinn. Die

P l anung
Zapfen ermöglichen das Sehen von Far-
ben, sie benötigen dafür Licht in ausrei-
chendem Maß. Bei wenig Licht funktionie-
ren die Stäbchen, die auch bei geringen
Helligkeiten Wahrnehmungen erlauben,
dann allerdings ohne Farbeindruck.

Ein dritter Rezeptor wurde erst um die


Jahrtausendwende entdeckt, welcher in Visuelle Emotionale
direktem Zusammenhang mit der Taktung Lichtwirkung Lichtwirkung
unserer inneren Uhr (SCN) steht. Diese
speziellen Ganglienzellen reagieren auf
sichtbares Licht im kurzwelligen „weiß/ HCL
bläulichen“ Spektralbereich. Das in den
Zellen enthaltene Protein Melanopsin
Inbe

wird durch dieses Licht angeregt, sodass


der suprachiasmatische Nucleus, die im
trie

Gehirn enthaltene Schaltzentrale, einen

b
Reiz erhält. Dieser Reiz wird über die Biologische
bn

rie
Verbindung zwischen der Retina und dem Lichtwirkung
m
ah

Hypothalamus, wo sich der SCN befin-


e etB
det, transportiert. Von dort wird sowohl
die innere Uhr als auch die Aktivität und
Leistungsfähigkeit gesteuert.
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In einem üblichen Rhythmus produziert
die Epiphyse am Abend und in der Nacht
Melatonin, welches unter anderem für Arbeitszeit über die dunklen Morgen- und Mensch stehen. Mit Human-Centric-
einen gesunden Schlaf zuständig ist. Am Nachmittagstunden hin. Grundsätzlich Lighting-Konzepten bietet sich nun die
Morgen und während des Tages geht verlängern künstliche Lichtquellen die Chance, die Beleuchtung ganzheitlich zu
das Melatonin zurück, andere Botenstoffe Lichtphasen des Tages und erlauben eine entwerfen und besser mit dem natürlichen
regen den Körper an. Dieser circadiane „Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung“. Licht Rhythmus des Menschen in Einklang zu
Rhythmus wird ganz wesentlich durch das hat die Arbeits- und Lebenswelt verändert, bringen.
Licht beeinflusst (Mehr hierzu findet sich seit künstliche Beleuchtung jederzeit ver-
in licht.wissen 19). Der dritte Rezeptor gibt fügbar ist und die Nacht zum Tage macht. In diesem Leitfaden werden die vielfälti-
also Impulse für den Schlaf-Wach-Rhyth- Bis in die jüngste Zeit war und ist es gut, gen Eigenschaften von Licht und deren
mus. Dieser Rhythmus wird üblicherweise Licht anzuschalten, um gut zu sehen und Wirkungen auf den Menschen – visuell,
vom natürlichen Tageslicht geprägt. Für um die Umwelt angenehm erlebbar zu emotional und biologisch – näher betrach-
die physische und psychische Gesundheit machen. Oft gilt auch in der Nacht: je tet. Human-Centric-Lighting-Konzepte bie-
des Menschen ist es deswegen empfeh- mehr Licht, desto mehr Aufmerksamkeit. ten eine Basis, das Zusammenspiel von
lenswert, den Lebensrhythmus nach dem Mit der Erkenntnis, dass Licht nicht nur künstlichem und Tageslicht bestmöglich
Tageslichtverlauf zu richten und natürli- besseres Sehen und eine eindrucksvollere zu gestalten. Dies setzt eine kompetente
ches Licht, wo immer möglich, zu nutzen. Umwelt beschert, sondern auch die natür- Planung voraus. Auch Installation und
liche Ermüdung am Abend und sogar das Betrieb folgen den Planungsvorgaben.
Unsere Arbeitswelt verlangt von uns Schlafverhalten in der Nacht beeinträchti- Im Gesamtkontext weist dieser Leitfaden
jedoch häufig vom natürlichen Tag-Nacht- gen kann, wird der richtigen Beleuchtung auch auf eine Nutzer- und Bedienungs-
Rhythmus abzuweichen. In nördlichen zu jeder Zeit mehr Sorgfalt abverlangt. information hin, um gezielt die Vorteile von
Breiten zieht sich auch im Winter die Im Mittelpunkt einer Lichtlösung soll der Human Centric Lighting zu nutzen.

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Definition
Licht dient nicht nur visuellen Ansprüchen, sondern hat immer auch emotionale und biologi-
sche Wirkungen auf den Menschen. Beim Entwurf eines Lichtkonzepts steht der Mensch im
Mittelpunkt – Human Centric Lighting, kurz: HCL.

Human Centric Lighting (HCL) steht für ein Beleuchtung sollte daher einen dynami-
Beleuchtungskonzept, das dem Nutzer zu schen Wechsel zwischen verschiedenen
jeder Zeit das beabsichtigte Licht bereit- Beleuchtungsszenarien, vom Morgen über
stellt, welches seiner jeweiligen Lebens- den Tag bis zum Abend und der Nacht,
oder Arbeitssituation angemessen ist. Kurz ermöglichen. Ein Sonderfall ist die Schicht-
gesagt, ermöglichen HCL-Konzepte das arbeit in der Nacht (weitere Informationen
richtige Licht für jede Zeit des Tages und zur Schichtarbeit auf Seite 22).
des Jahres. HCL definiert sich wie folgt:
In vielen Fällen wird der Ansatz einer hellen
und tageslichtähnlichen Beleuchtung am
Licht wirkt vielfältig und immer –
Tag und eines warmweißen, in der Hellig-
visuell, emotional und biologisch.
keit reduzierten Lichtniveaus am Abend
Human Centric Lighting (HCL) unter-
verfolgt.
stützt zielgerichtet und langfristig die
Gesundheit, das Wohlbefinden und
Näher betrachtet ist das HCL-Konzept we-
die Leistungsfähigkeit des Menschen
sentlich anspruchsvoller und geht deutlich
durch ganzheitliche Planung und
über die bloße Anpassung von Beleuch-
Umsetzung der visuellen, emotionalen
tungsstärke und Farbtemperatur hinaus:
und insbesondere der biologischen
Die Wirkung der Beleuchtung wird ganz-
Wirkungen von Licht.
heitlich betrachtet. Neben der Sehaufgabe
und den biologischen Wirkungen wird
2
daher auch berücksichtigt, in welchem
HCL-Konzepte sind frühzeitig im Projekt zu Kontext die Beleuchtung eingesetzt wird.
verankern und bilden die Grundlage für Handelt es sich um eine konzentrierte,
eine ganzheitliche interdisziplinäre Planung. leistungsorientierte Umgebung oder soll
Das natürliche Tageslicht, sofern archi- Licht eher entspannend wirken? Ändern
tektonisch möglich, wird einbezogen. Die sich die Anforderungen über den Tag? Gibt
Beleuchtungsanlage wird entsprechend es unterschiedliche räumliche Bereiche für
der Lichtplanung installiert und betrieben. unterschiedliche Aufgaben? Auch andere
Der Nutzer erhält darüber eine Information, Aspekte (z. B. Licht zur Förderung von
damit er den Nutzen der Beleuchtung er- Kreativität oder zur Beruhigung) können
kennt und das Licht bedienen kann. erweiterte Anforderungen an das Lichtkon-
zept stellen.
Licht hat am Tag eine andere Wirkung als in
der Nacht – darauf sollte das Lichtkonzept Der gezielte und fachliche Einsatz von
eingehen und eine entsprechende Ver- Licht zu Therapiezwecken geht über ein
änderbarkeit bieten, was Voraussetzung HCL-Konzept hinaus und ist nicht Gegen-
für eine gute Beleuchtung ist, sodass die stand dieses Leitfadens.
Vorgaben für gute visuelle Qualität erfüllt
werden. Zudem gestaltet Licht Räume. Letztlich soll Licht nach dem HCL-Konzept [1]  Die Darstellung zeigt die drei Wirkungen,
Wenn kein Tageslicht vorhanden ist, ent- dem Nutzer dienen, von diesem bedient die für HCL-Konzepte ausschlaggebend sind.
steht eine Kunstlichtsituation mit einer eige- werden können und auf Dauer seine Er- HCL-Konzepte müssen bereits in der Planung
nen Identität. Diese Kunstlichtsituation soll wartung erfüllen. sowie bei Inbetriebnahme und im Betrieb be-
die vorhandene Raumwahrnehmung nicht achtet werden.
verfremden. Schließlich wirkt Licht biolo-
gisch, während am Tage eher aktivierende [2]  Definition des ZVEI zu Human Centric
Wirkungen erwartet werden, sollten diese Lighting. Siehe Positionspapier des ZVEI vom
am Abend eher vermieden werden, um den September 2016 unter: www.zvei.org/
circadianen Rhythmus zu stabilisieren. Die presse-medien/publikationen

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HCL-Konzept – näher betrachtet


Um eine Beleuchtung energieeffizient umzusetzen und die langfristige Wirkung auf den Menschen und Gesund-
heit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit zu gewährleisten, sollte eine integrierende, ganzheitliche Licht- und
Raumplanung sowie die entsprechende Installation und Inbetriebnahme sichergestellt werden. Die Nutzung und
die Wirkung von Licht muss von Beginn an in den Planungsprozess einbezogen werden. Es gilt, alle Gewerke,
Produkte und Materialien gut aufeinander abzustimmen. Nur eine langfristig, entsprechend den Planungsvorga-
ben, betriebene und funktionierende Beleuchtungsanlage erfüllt die Bedürfnisse der Menschen.

HCL dient der Erfüllung eines ganzheit- Menschen in seinem sozialen Umfeld zu Langfristig
lichen und zielgerichteten Ansatzes, mit unterstützen. Diese Kriterien folgen Regeln Langfristig bedeutet, dass die visuellen,
dem Menschen im Mittelpunkt der Planung und interdisziplinären Leitsätzen, die einer emotionalen und biologischen Wirkungen
und des Betriebs einer Beleuchtungsan- guten Praxis entspringen. Sie sind kaum sich nachhaltig und auf Dauer positiv auf
lage. Grundsätzlich wirkt Licht immer auf in Zahlen zu fassen und nicht in Normen den Menschen auswirken. Auch kurzzeiti-
den Menschen – bewusst oder unbewusst. und Vorschriften zu finden. Beachtet man ge Effekte, z. B. zur Erregung von Aufmerk-
Die Wirkung kann geplant sein oder un- eine ansprechende erwartungskonforme samkeit, gehören dazu, sofern sie keine
geplant erfolgen. Es ist daher erforderlich, Gestaltung des Raumes mit Licht und langfristig negativen Wirkungen haben,
dass nach „guten“ und damit bedarfsge- seinen formalen Elementen, kann von mehr z. B. auf das Schlafverhalten. Darüber hin-
rechten Kriterien geplant wird. Akzeptanz, Zufriedenheit und Wohlbefin- aus bedeutet „langfristig“ auch den Betrieb
den ausgegangen werden. der Anlage entsprechend den Vorgaben
Laut Definition des HCL-Konzeptes setzen der Planung langfristig sicher zu stellen
folgende Begrifflichkeiten Maßstäbe: Biologisch oder weiter zu verbessern.
visuell, emotional und biologisch sowie Biologische Wirkungen müssen mit gro-
zielgerichtet und langfristig. Das bedeutet ßer Sorgfalt berücksichtigt und geplant Über die Bedienung und die Wirkung des
im Einzelnen: werden. Sie wirken auf den circadianen HCL-Konzeptes soll der Nutzer informiert
Rhythmus und können stabilisierend das sein.
Visuell Bedürfnis, einerseits nach Leistungsfähig-
Gute Erkennbarkeit erleichtert das Arbei- keit am Tage und andererseits nach gutem
ten. Dafür sind Mindestkriterien in normati- Schlaf in der Nacht, unterstützen. Kurz-
ven und gesetzlichen Regelwerken festge- fristig können sie die Aufmerksamkeit und
legt, um die Erfüllung der Sehaufgaben bei Wachheit erhöhen.
verschiedenen Tätigkeiten in den Arbeits-
bereichen zu ermöglichen. Normen wie die Empfehlungen und Hinweise zur Planung
DIN EN 12464-1 „Beleuchtung von Arbeits- biologischer oder melanopischer
stätten“ bieten Planern Mindestwerte für Wirkungen sind in den Schriften der
die Auslegung einer Beleuchtungsanlage. DIN SPEC 5031-100 und DIN SPEC 67600
Der Betreiber achtet auf die Einhaltung der sowie in der neuen DGUV-Information zur
Beleuchtungskriterien aufgrund der Verord- nicht-visuellen Wirkung von Licht im Rah-
nung für Arbeitsstätten und den Regeln für men des Arbeitsschutzes zu finden.
Arbeitsstätten ASR A 3.4. DGUV-Schriften
bieten wertvolle Hinweise für den Betrieb Nachteilige biologische Wirkungen durch
der Beleuchtung. falsches Licht zur entsprechenden Zeit
können durch ein gutes HCL-Konzept ver-
Optimale visuelle Bedingungen sollten im- mieden werden.
mer das Ziel der Planung und des Betriebs
sein. Individuelle Besonderheiten, wie z. B. Zielgerichtet
höherer Lichtbedarf bei älteren Menschen, Zielgerichtet bedeutet, dass durch HCL-
müssen maßgeschneidert und passend Lichtkonzepte das Ziel verfolgt wird, eine
geplant werden. positive Wirkung auf den Menschen zu
erreichen, die sich an seinen Erwartungen
Emotional orientiert und die er versteht und nutzt. Sie
Architektonische, formalästhetische und berücksichtigen umfassend die Wirkungen
wahrnehmungspsychologische Kriterien des Lichts.
sowie Erwartungshaltungen sind zu be-
rücksichtigen, um das Wohlbefinden des

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Mit HCL über den Tag
Ein beispielhafter Tagesablauf HCL-Beleuchtungskonzepts ist die am auf natürliche Art erfahren. Meistens ver-
Licht wirkt immer: visuell, emotional und natürlichen Tageslichtverlauf orientierte dy- bringt der Mensch den Tag in geschlosse-
biologisch. Mit Human Centric Lighting namische Beleuchtung mit einem Wechsel nen Räumen und mit einem Zeitdiktat, das
erlebt der Nutzer zu verschiedenen Tages- zwischen verschiedenen Beleuchtungssze- sich nicht am Tageslicht orientiert.
und Jahreszeiten das richtige Licht zur narien. Der Tagesablauf des Menschen ist
richtigen Zeit. Der Mensch bemerkt die ursprünglich geprägt vom Helligkeitsver- Wie erlebt ein Mensch einen Tag, wenn ihn
Wirkung bewusst oder erlebt sie un- lauf des Tageslichts. Allerdings können wir das künstliche Licht bestmöglich unter-
bewusst. Ein typisches Merkmal eines diesen nur noch sehr selten bei der Arbeit stützt?

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6.00 Uhr: Am Morgen wiederholt sich einen Wecker auf, oft zu einer Zeit, die Aufwachen erleichtern und helfen, in
für die meisten Menschen unter der nicht dem eigenen natürlichen Schlaf- den Tag zu kommen. Das künstliche
Woche das Aufstehen etwa zur glei- rhythmus entspricht und zu der man Licht kann auch dabei helfen, den
chen Zeit. Bei manchen schon um fünf je nach Chronotyp, noch nicht aus- persönlichen Schlafrhythmus an die
Uhr, für andere wiederum erst um acht geschlafen hat. Künstliches Licht kann gewünschte Aufwachzeit anzunähern
Uhr. In vielen Fällen wacht man durch durch sanft ansteigende Helligkeit das (Tageslichtwecker).

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7.00 Uhr: Schon beim Frühstück kann


ein helleres und aktivierendes Licht in
Tageslichtqualität (mit höheren Blau-
anteilen) einen zügigen Start in den
Tag fördern. Lichtquellen, wie Flächen-
leuchten an den Wänden (Wallwasher)
verteilen das künstliche Licht und
schaffen somit eine angenehme At-
mosphäre, in der man bei Kaffee und
warmen Brötchen wach werden kann.

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8.00 Uhr: Der Arbeits- oder Unter- be; biologisch, mit einer am Tageslicht die Schüler und Schülerinnen beim
richtsbeginn – sommers wie winters orientierten Lichtfarbe und entspre- Lernen: Die Konzentration wird gestei-
zur gleichen Zeit – kann durch helles, chender vertikaler Helligkeit am Auge, gert und das gemeinsame Lernen wird
flächiges Licht unterstützt werden. vorzugsweise großflächig aus Rich- leichter und macht Spaß.
Visuell, mit der normativ erforderlichen tung Raumdecke oder Wand strah-
Beleuchtungsstärke für die Sehaufga- lend. Das richtige Licht unterstützt
8
9.00 Uhr: Während des Arbeitstages
unterstützt das Licht den Menschen
bei der Arbeit. In einem modernen
Arbeitsumfeld werden sowohl die
visuellen als auch die emotionalen
Wirkungen von Licht beachtet. Moder-
ne, dem Umfeld angepasste Lichtkon-
zepte, erleichtern die Arbeit, erhöhen
die Konzentration und sind perfekt
auf die Sehaufgaben der Mitarbeiter
ausgerichtet. Es sollte darauf geachtet
werden, die Mindestwerte am Auge
durch eine ausreichende vertikale Be-
leuchtungsstärke einzuhalten. Höhere
Beleuchtungsstärken und Lichtfarben
über 5.500 Kelvin helfen dabei, die
Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
länger aufrechtzuhalten.

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10.00 Uhr: Optimale Produktionser-


gebnisse hängen wesentlich von der
Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter
ab. Richtiges Licht hilft, die Motiva-
tion zu steigern, beugt Ermüdung vor,
erhält die Gesundheit und hilft dabei,
Arbeitsunfälle zu vermeiden. Auch bei
der Hallenbeleuchtung gilt es, die Be-
leuchtung den Anwendungsbereichen
zuzordnen. Hier kommt hinzu, dass
u. a. in der Industrie verschiedene
Arbeitsmodelle (Früh-, Spät-, Nacht-
schicht) bei der Planung und Umset-
zung von Beleuchtungskonzepten zu
berücksichtigen sind.

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12.30 Uhr: Auch Pausenräume, z. B. in


der Schule und im Kindergarten oder
in der Produktion, sollten ansprechend
gestaltet sein und durchaus „schönes“
und motivierendes oder auch entspan-
nendes Licht bieten. Grundsätzlich
gilt: Pausen im Freien zu genießen ist
zu empfehlen. Ist dieses nicht möglich,
kann es im Innenraum fast genauso
schön sein wie draußen. Vorausset-
zung ist, dass die Innenräume eine
tageslichtähnliche Atmosphäre bieten.
Hierzu sollten hohe Farbtemperaturen
genutzt werden, dann machen Lesen
und Spielen fast so viel Spaß wie im
Freien.

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14.00 Uhr: Für Besprechungen,


Meetings und Präsentationen gilt:
angenehm gestaltete Räume, motivie-
rende Lichtstimmung für Diskussionen,
fokussierendes Licht für Präsentatio-
nen. Helle Lichtflächen und entspre-
chende vertikale Beleuchtungsstärken
wirken der natürlichen Müdigkeit
entgegen, die in gedimmtem Licht
entstehen kann. Die verschiedenen
Lichtstimmungen, je nach Bedarf,
können durch Kunstlicht von selbst-
leuchtenden Flächen, hell beleuchte-
ten Wandflächen oder großflächigen
Deckenleuchten, erzeugt werden.

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17.00 Uhr: Die Begleitung in den bleiben, können die natürliche Tages- diane System einer Eule „unnatürlich“
Feierabend erfolgt ebenfalls mit Licht. helligkeit an kurzen Tagen im Winter das Arbeiten zu beginnen und für eine
Nach einem intensiven Arbeitstag auch über den Sonnenuntergang hin- Lerche am späten Abend mithilfe von
signalisiert der Wechsel zu warmen aus mit künstlicher Beleuchtung ver- Licht das Arbeiten zu ermöglichen.
Lichtfarben den kommenden Abend. längern. Die Lichtzeiten sollten einer Einzelne Ausnahmen sind unproble-
Spättypen, die morgens später anfan- gewissen Regelmäßigkeit unterliegen. matisch. Ein ständiger Wechsel sollte
gen und dafür am Abend länger aktiv Am frühen Morgen ist es für das circa- vermieden werden.

18.00 Uhr: Abendliche Unternehmun-


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gen, sei es Einkaufen, Essengehen
oder andere Aktivitäten, sollten durch
geeignetes Licht unterstützt werden.
Supermärkte und Einkaufszentren
sollten warme Lichtfarben am spä-
ten Abend nutzen, aber eine ausrei-
chende Beleuchtungsstärke bieten,
um die Sehaufgaben zu erfüllen. In
Restaurants kommt dann gedämpfte
Beleuchtung mit warmen Farben zum
Einsatz, um eine angenehme, ent-
spannende Atmosphäre zu schaffen.
Eine einladene Atmosphäre gilt auch
für die Einkaufsläden und unterstützt
nicht nur das Einkaufen nach dem All-
tagsstress, sondern auch die Vorfreu-
de auf das gemeinsame Abendbrot
mit der Familie.

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19.00 Uhr: Zu Hause klingt der Tag


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mit warmen Lichtfarben aus. Licht
soll nun genau so hell sein, dass man
sich wohlfühlt und gut zurechtfindet.
Die Entspannung steht jetzt meist im
Vordergrund!

20.00 Uhr: Seit Jahren gibt es Soft-


ware, die auf PCs installiert werden
kann und die die Hintergrundfarbe des
Bildschirms der Tageszeit anpasst.
Auch für iOS und Android gibt es in-
zwischen Apps wie „Nightshift“ oder
„Night Mode“, die bei Sonnenunter-
gang den Bildschirmhintergrund auf
wärmere Farben umstellen. Das redu-
ziert die Lichtwirkung auf das biologi-
sche System um 60 bis 70 Prozent und
unterstützt dabei, negative Wirkungen
von Licht auf Schlaf und Erholung zu
reduzieren.

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cht.de © licht.de

21.00 Uhr: Das Licht des Fernsehers auf Desktop-Bildschirme oder Tablets, nur geringe Beleuchtungsstärken am
beeinflusst die Melatoninausschüt- da durch die größere Entfernung und Auge entstehen.
tung deutlich weniger als der Blick weniger helle Inhalte des Bildschirms

23.00 Uhr: Abends beim Zähneput-


zen empfiehlt sich ein warmweißes,
nicht zu helles Licht (Farbtemperatur
2.700-3.000 K) im Badezimmer. Auch
hier gilt: Zu viele Blauanteile im Licht
wirken aktivierend und können das
Einschlafen erschweren.

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HCL – Planung und Betrieb


Eine sorgfältige und verantwortliche Planung für ein HCL-Konzept nimmt auf alle Wirkungen von Licht Rücksicht,
zumal sich diese gegenseitig beeinflussen. So hat z. B. eine Beleuchtung zur Erfüllung der Sehaufgabe immer
auch eine biologische und eine emotionale Wirkung. Umgekehrt kann eine Planung nicht nur nach emotionalen
bzw. biologischen Kriterien erfolgen, da sie meist auch die Erfüllung der visuellen Anforderungen sicherstellen
muss. Das setzt ein Einhalten der normativen und gesetzlichen Anforderungen voraus. Gegenüber den bisher
üblichen Planungen einer statischen Beleuchtung zeichnen sich HCL-Konzepte dadurch aus, dass sie dynamisch
ausgelegt sind und zielgerichtet und langfristig betrachtet werden.

Der Planungsprozess Das Lichtkonzept muss daher die gesamte Dokumentation der Planung
Die Verbindung der drei Wirkungen von Nutzungszeit des Gebäudes berücksich- Eine gute Planung beinhaltet eine aus-
Licht geschieht durch eine zielgerichtete tigen. Auch die Zeiten und Bereiche, die führliche Dokumentation und macht sie
Fachplanung für den langfristigen Betrieb. nicht im unmittelbaren Fokus stehen, müs- nachvollziehbar und wertvoll. Auch hier
Licht hat zu unterschiedlichen Zeiten ver- sen bedacht und berücksichtigt werden. Sie gibt der Lighting-System-Design-Prozess
schiedene Wirkungen. So hat tageslicht- sind in die Hinweise für den Nutzer (siehe eine strukturelle Hilfestellung, sodass die
weißes Licht am Abend und in der Nacht Informationsblatt auf Seite 18) aufzuneh- entworfenen Grundlagen von
andere Wirkungen auf den Menschen als men, denn Licht wirkt immer, überall und • visuellen
am Tag. Die Planung bezieht diesen zeit- zu jeder Zeit. Diese Tatsache macht es er- • emotionalen und
lichen Verlauf der Lichtwirkung mit ein. In forderlich, dass eine Lichtplanung ganzheit- • biologischen Aspekten
fast allen Fällen werden Lichtsteuerungen lich und interdisziplinär mit allen relevanten bis hin zur Inbetriebnahme konsequent
verwendet, sogenannte Light Manage- Gewerken, beteiligten Fachplanern und nachverfolgt werden können, ohne die
ment Systems (LMS). Der Prozess, der die natürlich den Nutzern abgestimmt ist. Energieeffizienz dabei aus den Augen zu
Planung eines LMS beschreibt, wird in der verlieren. Das gilt für den Dienstleistungs-
neuen Technischen Spezifikation Eine gute Hilfestellung zur Ermittlung der sektor gleichermaßen wie für Industrie,
prEN/TS 17165 dokumentiert (geplante Anforderungen bietet die Schrift „Lichtqua- Schule, Gesundheitswesen, Büro und
Veröffentlichung im Herbst 2018). Er bietet lität – Ein Prozess statt einer Kennzahl“ der sogar im eigenen Wohnbereich.
eine sehr gute Grundlage für die zielge- LiTG (www.litg.de). Erst wenn die Beleuch-
richtete Planung nach dem HCL-Konzept. tung den Kriterien der Anforderung ent-
spricht, die den Nutzer in den Mittelpunkt
stellen, kann die Qualität der Lichtlösung
bewertet werden.

zu
Projektauftrag planen

Lighting System Design Planung

nach
Installation Planung

wie
Inbetriebnahme geplant

wie
Prüfung geplant

wie [3]  Ablauf des Lighting-System-Design-


Betrieb und Wartung geplant Prozess: Projektauftrag – Planung – Errich-
tung – Betrieb.

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3 [4]  Projektplanung und Dokumentation.

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Die Ausführungsplanung für das Beleuch- Abschluss seiner Planung stellt der Planer
tungssystem berücksichtigt die normativen als Dokumentation die wesentlichen Unter-
und gesetzlichen Vorgaben sowie die Prüf- lagen (Lichtberechnung, Visualisierung,
anforderungen. Dadurch wird beispiels- Datenblätter, Lichtszenen usw.) für die Um-
weise sichergestellt, dass der erwartete setzung zusammen. Eine Dokumentation
Energieverbrauch ohne Gefährdung der kann folgende Punkte beinhalten:
erforderlichen Beleuchtungsbedingungen
erfüllt wird. Betriebstechnische Anforderun- Objektanalyse (und Bedarfsanalyse)
gen an die Beleuchtung werden in diesem • Anforderungen durch die Arbeitsauf-
Dokument nicht behandelt. gabe
• Anforderungen der Projektbereiche
• Bedürfnisse und Anforderungen der
Aufgaben des Planers Menschen (Nutzer)
Übernimmt ein Planer ein HCL-Beleuch- • Anforderungen durch die Architektur
tungskonzept in seine Planung, so stellt er • Analyse physiologischer und psychologi-
sich gegenüber seinem Auftraggeber einer scher Anforderungen
besonderen Herausforderung. Der Unter-
nehmer trägt die Verantwortung für seine Erstellung eines Lichtkonzeptes
Angestellten. Ein Lichtkonzept, welches • Abstimmung der Lichtstimmungen und
die Menschen unterstützt, muss schließ- Beleuchtungsstrategie (Lichtverteilung
lich im Interesse des Unternehmers liegen. und Richtung im Raum)
Parameter wie Anwendungsnutzung, Ge- • Materialgerechtes Licht
bäude, Tageslichtsituation, Steuerung und • Erfüllung der Objektanalyse
Lichttechnik sind nach den Bedürfnissen • Spezifikation der lichttechnischen
des Nutzers festzulegen. Die nutzerspezi- Anforderungen an Leuchten
fischen Anforderungen an die HCL-Lösung • Festlegen der Leuchtenanordnung
dagegen sind unter arbeitsphysiologi- • Spezifikation hinsichtlich Lichtszenen
schen, psychologischen und biologischen und Lichtsteuerung
Gesichtspunkten zu bewerten. • Erstellung von Plänen und Dokumenta-
tionen
Auf Basis dieses Wissens entwickelt der
Lichtplaner das ganzheitliche Konzept. Mit

Input: Projektdaten

Input: Annahmen Planer Input: Beleuchtungskriterien

Beleuchtungsplan und Dokumentation

Betriebs-/
Licht- System- Licht- Installations- Informations-
Leuchten Steuerung Wartungs-
konzept Konnektivität berechnung anleitung blatt
hinweise

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licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Planungsparameter gabe, Lichtrichtung) Organisation/Steuerung


Für die Planung sind die Nutzeranforde- • Wege und räumliche Abläufe • Nutzung von Räumen
rungen zu ermitteln. Der Mensch steht im (Orientierung und Führung durch Licht) • Arbeitszeiten
Mittelpunkt der Überlegungen. Die Nutzer- • Anordnung der Bediengeräte
anforderungen und deren Gewichtung für Lichttechnik und Wechselwirkungen • Tages-, wochen-, monats-, jahresab-
die Anwendung sind eine grundlegende • Beleuchtungsstärken auf Sehaufga- hängige Szenarien
Voraussetzung für die Planung. ben (z .B. DIN EN 12464-1) • Präsenzabhängige Steuerung
• Melanopische tageslichtäquivalente • Manuell durch den Nutzer wählbare und
Einige Aspekte, die als Planungsparameter Beleuchtungsstärken am Auge auslösbare Szenarien/Sequenzen –
beachtet werden sollten, sind im Folgen- (z. B. DIN SPEC 67600) zentral oder dezentral
den ohne Anspruch auf Vollständigkeit • Dynamiken von Beleuchtungsstärke • Befugnis der Eingabe/Veränderung der
aufgeführt. Sie lassen sich in vier Gruppen und/oder Farbtemperatur Szenarien
gliedern: • Positionierung der Leuchten • Anzeige der Wirksamkeit/Durchführung
• Zusammenspiel von Leuchten der Szenarien (auch Fernanzeige)
Nutzer (Lichtstimmungen) • Information der Nutzer
• Seh- und Arbeitsaufgaben • Räumliche Lichtverteilung
• Bedürfnisse des Nutzers (und -änderung) Betrieb der Beleuchtungsanlage
• Nutzungszeit und -dauer • Leuchtdichten (großflächige Bei der Planung werden die visuellen,
• Demografische Gegebenheiten Leuchten) emotionalen und biologischen Wirkungen
• Leuchtdichten der Lichtquellen des Lichts herangezogen, die dann bei
Gebäude/Räume • Akzentuierung (fokussierendes Licht) der Installation und im Betrieb sicherzustel-
• Nutzungsanforderungen (einschließlich • Lichtrichtungen auf den Sehaufga- len sind. Die Bedürfnisse der Nutzer sind
ihrer Besonderheiten) ben/den Oberflächen im Raum bereits in der Planung zu berücksichtigen
• Oberflächen und deren Beschaffenheit • Dauer und zeitliche Abfolge und sollten im Betrieb erfüllt werden. Es ist
(Reflexionswerte) • Materialien und deren Wirkung im besonders wichtig, die Beleuchtungsanla-
• Objekte (Schränke/Schreibtische/ Licht (Reflexion/Transmission) ge auf ihren einwandfreien und planungs-
Maschinen) im Raum • Berücksichtigung von Tageslicht gemäßen Betrieb regelmäßig zu überprü-
• Größe und Orientierung der Fenster • Wirkung des Blendungs-/Sonnen- fen. Fehler in der Funktion kann der Nutzer
bzw. Tageslichtöffnungen, einschließlich schutzes manchmal nicht direkt erkennen. Daher ist
Lichtschutzvorrichtungen die Beleuchtung, und besonders die Licht-
• Bereiche mit besonderen Sehaufgaben steuerung, regelmäßig zu warten.
oder Anforderungen, (z. B. Farbwieder-

HCL-Konzept

Visuell
Normgerecht,
z. B. EN 12464,
Beleuchtung von
+ Emotional
Psychologische
Faktoren + Biologisch
Beachte:
DIN SPEC 5031-100
DIN SPEC 67600

+
Arbeitsplätzen CEN/TR 16791

Planung Inbetriebnahme Betrieb

Zielgerichtet und langfristig: Lighting System Design Process


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Zeitlich sich ändernde und nutzungs-
bezogene Lichtszenen, z. B. zu unter- Inhalte für ein
schiedlichen Arbeitszeiten oder in Bespre- Informationsblatt
chungsräumen, sollten regelmäßig auf ihre
korrekte Funktion überprüft werden.
1) Die Bedienung der Beleuchtung
Nutzerempfehlungen und Wirkungen • Wo befinden sich die Bediengeräte?
Der Nutzer muss darüber informiert wer- • Welche Möglichkeiten der Bedie-
den, wie die Anlage funktioniert und wie nung bestehen.
diese richtig zu bedienen ist. Hierfür gibt • Wenn es keine Bedienmöglichkeit
ein Informationsblatt (Beispiel Grafik 6 gibt: Was macht die Automatik?
Informationsblatt) Antworten, das folgende a: Der Planer erstellt einen auto-
Punkte beinhalten sollte: matischen Ablauf (eventuell
• Hinweise für die Bedienung der gemäß eines Musters).
Beleuchtung b: Die Beleuchtung läuft nach
• Der Nutzen der elektrischen einem vorgegebenen Ablauf
Beleuchtung sowie des Tageslichts (Kurve); der Nutzer kann jedoch
individuelle Bedürfnisse manuell
Dabei sollte auch die Bedienung von übersteuern (Ausdehnen, Ent-
Jalousien und Lichtschutzvorrichtungen spannen, Konzentrieren, Pause
aufgeführt werden. usw.).

Hinter jeder fachlich geplanten HCL-Lö- 2) Der Nutzen der Beleuchtung


sung steht eine Lichtstrategie mit ihren • Normgerechte Beleuchtung zur
Anwendungsszenarien, welche die An- Erfüllung der Sehaufgaben.
forderungen aus der Nutzungsanalyse • Beleuchtung unterstützt das Wohl-
berücksichtigt. Der Planer soll den Nutzer befinden durch zeitliche Verände-
auf Wechselwirkungen und Einflüsse rung von Helligkeit und Lichtfarbe.
hinweisen, um falsche Lichtwirkungen zu • Die Beleuchtung bewirkt einen
vermeiden. So kann z. B. eine tageslicht- positiven Eindruck und fördert die
weiße Beleuchtung zu Hause am Abend Tagesstruktur des Nutzers.
kurz vor dem Zubettgehen die positive und • Eventuelle Risiken sind adäquat
auf den Schlaf vorbereitende Wirkung einer anzuführen.
warmweißen Beleuchtung am Arbeitsplatz
zunichtemachen.
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Die richtige Benutzung von HCL-Lösun-


gen kann schon in kürzester Zeit positive
Effekte haben. Um morgens die Konzen-
tration am Arbeitsplatz oder bei Schülern
und Schülerinnen zu erhöhen, kann die
Verwendung von tageslichtweißem Licht,
auch kurzfristig, aktivierend sein. Ver-
wendet man hingegen warmweißes Licht,
wenn es unruhig im Klassenzimmer wird,
kann sich dieses kurzfristig beruhigend
und entspannend auswirken. Daher ist
es wichtig, dem Anwender Informations-
hinweise und Bedienungsanleitungen für
die richtige Benutzung zur Verfügung zu [5]  HCL ist ein zielgerichteter und auf
stellen, damit dieser die Möglichkeiten der langfristige Wirkung ausgelegter Planungs-
Beleuchtungsanlage richtig nutzen kann. prozess, der sowohl die visuellen als auch die
Für die Nutzer einer Beleuchtungsanlage biologischen und die emotionalen Wirkungen
nach dem HCL-Konzept soll durch den des Lichts im Raum berücksichtigt.
Planer ein Informationsblatt erstellt werden,
das über den Nutzen und die Wirkung der [6]  Vorlage zu Inhalten, die ein Informa-
Beleuchtung aufklärt. tionsblatt beinhalten sollte, um den Nutzer
vollumfänglich über eine HCL-Beleuchtung zu
informieren.

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licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Für Planer: Muster Informationsblatt


Im Folgenden finden Sie ein Muster, wie ein Informationsblatt aufgebaut sein und welche Informationen es
beinhalten könnte, sodass der Nutzer der HCL-Beleuchtung über Nutzen und Wirkung aufgeklärt ist:

Informationsblatt zu Ihrer HCL-Beleuchtung

Dieses Informationsblatt soll Ihnen die • (1) Szene 1 (z. B. Tageslichtauto- stellen. (Hier: Info zur Download-
Wirkung der Beleuchtung näherbringen matik: sanfte Veränderung der Adresse: http:// ...). So können Sie zu-
und die Bedienung erleichtern. Lichtstimmung über den Tag und sätzliche Lichtszenen einstellen.
das Jahr im Einklang mit dem ein- • Sie können die Jalousien von Hand zu
Licht wirkt vielfältig und immer – visu- fallenden Tageslicht) jeder Zeit bedienen. Bei Sonnenlicht
ell, emotional und biologisch. • (2) Szene 2 (z. B. Konzentration: fährt die Jalousie automatisch her-
Human Centric Lighting (HCL) unter- bitte nur kurzfristig, nicht nach unter, um Blendung und Überhitzung
stützt zielgerichtet und langfristig die 22 Uhr) zu vermeiden. 

Gesundheit, das Wohlbefinden und die • (3) Szene 3 (z. B. Pausenlicht zur
Leistungsfähigkeit des Menschen durch Entspannung) 2) Nutzen der Beleuchtung
ganzheitliche Planung und Umsetzung • (4) Ein/Aus Hier soll deutlich gemacht werden, wel-
der visuellen, emotionalen und insbe- chen Nutzen die Beleuchtung für die Be-
sondere der biologischen Wirkungen des b) Beispiel Industriearbeitsplatz: Am nutzer hat. Die Formulierung sollte für die
Lichts. Durch Veränderung der Lichtfarbe Arbeitsplatz befindet sich ein Be- jeweilige Umgebung, in der die HCL-Lö-
und Beleuchtungsstärke führt Ihre HCL- diengerät an dem Sie „Ihr Licht“, je sung umgesetzt wurde, angepasst
Lichtlösung Sie durch den Tag, hilft Ihnen nach Bedarf, auswählen können. werden. Im folgenden Beispiel finden Sie
Ihre Arbeit leichter zu verrichten oder sich • (1) Tätigkeit 1 (z. B. Montieren) eine allgemeine Formulierung:
zu entspannen, wo es notwendig ist, und • (2) Tätigkeit 2 (z. B. Prüfen)
bietet Ihnen „Ihr Licht“. • (3) Ein/Aus Die Beleuchtung unterstützt die Tages-
struktur und das Wohlbefinden der Nut-
Aber vergessen Sie nicht: Verbringen Weitere Hinweise: zer durch sanfte Veränderung über die
Sie nach Möglichkeit mindestens 30 Hier können Sie noch weitere Hinweise Tages- und Jahreszeit. Das Arbeiten fällt
Minuten im Tageslicht! je nach HCL-Lösung und Anwendungs- ihnen leichter; Konzentration und Ent-
bereich formulieren. In den folgenden spannungsphasen werden mit dem rich-
1) Bedienung der Beleuchtung Beispielen werden Möglichkeiten tigem Licht gefördert. Das Licht ist genau
Hier können Sie Angaben machen, wo skizziert. auf den jeweiligen Bedarf abgestimmt.
sich die Bediengeräte befinden, wel- Zusätzlich haben Sie die Entscheidung
che Lichtszenen erstellt wurden und • Im Raum sind direkt und indirekt über „Ihr Licht“ in ihrer Hand.
was diese bewirken. Die einzelnen strahlende Leuchten angebracht: Der
Tasten sollten verständlich gekenn- indirekte Anteil gibt einen automa- 3) Kontakt bei Fragen
zeichnet sein (z. B. Tageslichtautomatik, tischen Tagesablauf vor. Die Direktbe- Falls der Nutzer Fragen zu seiner
Konzentration, Entspannung, etc.). leuchtung stellt Ihnen das normgerech- HCL-Lösung hat, sollte ein Kontakt bereit
Beispiele können wie folgt aussehen: te Arbeitslicht zur Verfügung. Dieses gestellt werden.
a) Beispiel Büro: An der Eingangstür Licht der Leuchte kann gedimmt wer-
befindet sich ein Schalter, an dem den. 
 Bei Fragen stehen wir Ihnen unter
Sie drei Lichtszenen aufrufen • Sie können das Licht an Ihrem Arbeits- (0123) XXXXXX zur Verfügung.
können: platz auch mit dem Smartphone ein- © licht.de © lich
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Beispiel Bediengerät im Büro Beispiel Bediengerät


Industriearbeitsplatz
Tageslichtautomatik

Montieren
Konzentration

Pause Prüfen

Ein Aus Ein Aus

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Werte für die Wirkungen des Lichts
nach dem HCL-Konzept
Damit eine Beleuchtungslösung nach dem HCL-Konzept wirkungsvoll ist, führen Lichtfarbe und Helligkeit
den Tagesverlauf nach. Für eine aktivierende Wirkung ist der „blaue Himmel“ das Vorbild aus der Natur.
Somit wirken große leuchtende Flächen mit Kaltlicht aktivierend, während Warmton-Lichtfarben entspannend
wirken. Neben der biologischen wird aber auch die visuelle und emotionale Lichtwirkung beschrieben.

Empfindlichkeit 60°- 90° biologisch


unwirksam
der Fotorezeptoren
45°- 60° geringe
biologische
Wirkung

0°- 45°
gute
biologische
Wirkung

Blickrichtung
Für biologische
Wirkungen besonders
empfänglicher Bereich
auf der Netzhaut

-90°- 0°
relevant für
Sehaufgabe
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Die visuellen Wirkungen In der Norm zur Beleuchtung von Arbeits-


Die visuellen Wirkungen ermöglichen in stätten wird Folgendes beschrieben:
erster Linie die Erfüllung von Sehaufgaben. „Diese europäische Norm legt Anforderun-
Um eine Sehaufgabe gut erfüllen zu kön- gen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten
nen, sind zunächst die Beleuchtungsstärke in Innenräumen fest, die den Erforder-
sowie die Lichtfarbe, die Farbwiedergabe, nissen für Sehkomfort und Sehleistung für
die zylindrischen Beleuchtungsverhältnisse Menschen mit normalem Sehvermögen ge-
im Raum und die Lichtrichtung sowie Re- recht werden. Alle üblichen Sehaufgaben,
flexionseigenschaften von Raumflächen zu einschließlich derjenigen am Bildschirm,
berücksichtigen. Hierfür stehen der Licht- werden berücksichtigt.“ (DIN EN 12464-1)
planung etablierte Kriterien zur Verfügung.
Nachfolgende Aspekte der Beleuchtung
Die Anforderungen an die Beleuchtung von sind die Voraussetzung für eine gute Be-
[7]  Template eines Informationsblattes für Arbeitsstätten sind in der Verordnung für leuchtungsqualität:
Planer. Arbeitsstätten (ArbStättV) verankert und • Lichtumgebung
werden durch die Technische Regel für • Leuchtdichteverteilung
[8]  Beispiele für Bediengeräte, an denen Arbeitsstätten „Beleuchtung“ (ASR A3.4) • Reflexionsgrade auf Oberflächen
der Nutzer verschiedene Lichtszenen ein- konkretisiert. Für die Planung und Aus- • Beleuchtungsstärkeskala
stellen kann. führung von Beleuchtungsanlagen werden • Bereich der Sehaufgabe
diese in relevanten Standards, wie der Nor- • Unmittelbare Umgebung
[9]  Darstellung optimalen Lichteinfalls von menreihe DIN EN 12464 sinnvoll ergänzt. • Hintergrundbereich
biologisch wirksamem Licht. • Gleichmäßigkeit der Beleuchtungsstärke

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licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

• Beleuchtungsstärkeraster Die biologische Wirkung 10). Der Blick ist nicht statisch, aber im
• Physiologische Blendung (Abschirmung) Heute ist sehr viel über die biologische Mittel leicht nach unten gerichtet, da die
• Psychologische Blendung Wirkung des Lichts bekannt (siehe licht. Sehaufgabe im Allgemeinen eher im unte-
• Reflexblendung wissen 19). Mit diesen Kenntnissen ist es ren Bereich angeordnet ist. Da im Bereich
• Zylindrische Beleuchtungsstärke möglich, die Lichtqualität in Innenräumen der Sehaufgabe die Beleuchtung primär
• Modelling deutlich zu verbessern. visuellen Anforderungen genügen muss,
• Gerichtete Beleuchtung ist es nicht sinnvoll, für diesen Bereich
• Lichtfarbe Neben den visuellen Wirkungen haben
• Farbwiedergabe Beleuchtungsstärken und Lichtfarben auch
• Flimmern und stroboskopische Effekte eine melanopisch bewertete Wirkung Infokasten zur
• Beleuchtung von Bildschirmarbeits- (weitere Informationen auf Seite 37 – Mela- biologischen Wirkung
plätzen nopsien, melanopische Wirkung).
• Wartungsfaktor Um eine optimale biologische Wirkung
• Energieeffizienzanforderungen Beleuchtungsstärken zu erreichen, werden folgende
• Tageslicht Passende Beleuchtungsstärken erlauben Beleuchtungsstärken und Farbtempe-
• Veränderlichkeit von Licht das Erfüllen der Sehaufgabe. Für individu- raturen empfohlen.
elle Besonderheiten können passgenaue
Die emotionalen Wirkungen Lichtlösungen entwickelt werden. Ältere Unterstützung von Konzentration
Die positive Wahrnehmung einer gut Menschen – das ist bekannt – benötigen und Aufmerksamkeit tagsüber
gestalteten Beleuchtung ist seit Langem mehr Licht als jüngere, um das Sehen, • Beleuchtungsstärken von 300 bis
bekannt. Dabei geht es nicht nur um das Erkennen und die Orientierung zu ver- 500 lx am Auge über den gesamten
angenehme Erscheinungsbild der Leuch- bessern. Obwohl sich die „Lichtwelt“ auf Arbeitstag halten
ten, es geht vielmehr um den beleuchteten Standards geeinigt hat, müssen im Einzel- • Lichtniveau soll der Tageslichtquali-
Raum und das Licht auf Oberflächen und fall oder für bestimmte Nutzergruppen tät entsprechen
Objekten. maßgeschneiderte Lösungen gefunden • Farbtemperatur soll bis zum frühen
werden. Dies gilt auch für die biologische Nachmittag mindestens 5.500 K
Das richtige Licht bringt die Materialität im Wirkung des Lichts. Ein 60-Jähriger be- aufweisen
Raum erst zur gewollten Geltung. Neben nötigt im Durchschnitt 30 bis 50 % höhere
der Farbe des Lichts (Warmton, Kaltlicht, Lichtniveaus als ein 30-Jähriger. Auch die Hinweis:
RGB-Farbstimmungen) wirken Lichtrich- im Alter auftretende Linsentrübung ist im Individuell ausgelegte Lichtmanage-
tung (Wallwasher/Wandaufhellung, Spots/ Planungsprozess zu berücksichtigen mentsysteme mit applikationsge-
Streiflicht) besonders stimmungsvoll. Im (DIN SPEC 5031-100). rechter Sensorik können hier einen
Außenbereich finden wir viele „Illuminatio- wesentlichen Anteil leisten, den Ener-
nen“, die stimmungsvolle Anblicke bieten Lichtrichtung giebedarf einer HCL-Lösung gering
(Fassade, Parks, öffentliche Plätze). In Für die biologische Wirkung ist es in erster zu halten.
Innenbereichen bietet die Architektur eines Linie die vertikale Beleuchtungsstärke am
Raumes Gestaltungsspielraum, von einer Auge, die zu bewerten ist. Die Richtung, • Ausschließlich warmweiße Beleuch-
„sachlichen Ausleuchtung“ (Erfüllung aus der Licht ins Auge fällt, ist daher von tung erzeugt am Tag im Zusam-
der Normen) bis hin zu einer „stilvollen, besonderer Bedeutung. Das Gesichtsfeld menspiel mit Tageslicht unpassen-
spielerischen oder künstlerischen Be- des Menschen erstreckt sich in Innenräu- de Lichtstimmungen. Zu den Tages-
leuchtung“ (Kreativraum, Wohlfühlbe- men auf einen Winkelbereich von etwa 70° stunden sollten mindestens
leuchtung, Shops, interaktive Bereiche von unterhalb bis 55° oberhalb der Blickrich- neutralweiße Lichtfarben verwendet
Museen,...). tung (Sliney and Wolbarsht, 1980, vgl. Bild werden.

Zum Ende des Tages


• Biologisch wirksame Blauanteile auf
ein Minimum reduzieren
Gute biologische Wirkung • Warmweißes Licht mit 2.700 K oder
maximal 3.000 K verwenden. Auch
bei normgerechten Beleuchtungs-
stärken zur Erfüllung von Sehauf-
Blickrichtung gaben ist das ein guter Kompro-
miss zwischen guter Sehqualität
und nicht zu hoher biologischer
Relevant für Sehaufgabe Wirkung.

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20
Definition: Auszug aus DIN SPEC 5031-100
Der Umrechnungsfaktor mv, mel, D65 ermöglicht eine direkte Umrechnung einer
photopisch nach V(λ) bewerteten lichttechnischen Größe in die entsprechende
melanopisch bewertete lichttechnische Größe.

Lichtquelle Umrechnungsfaktor Beispiel für Melanopisch wirksame


mv, mel, D65 Beleuchtungsstärke am Auge Beleuchtungsstärke am Auge
(vom Spektrum der Lichtquelle
abhängig)
LED, 2.700 K 0,41 50 lx 20 lx

LED, 4.000 K 0,63 380 lx 240 lx

LED, 6.500 K 0,80 300 lx 240 lx

Leuchtstofflampe, 8.000 K 0,96 250 lx 240 lx

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zusätzlich Licht für biologische Wirkungen warmweißes Licht. Über das Wirkungs-
einzuplanen. Berücksichtigt man weiter- spektrum für melanopische Lichtwirkungen
hin, dass die Empfindlichkeit der Foto- Smel(λ) wird der Zusammenhang zwischen
rezeptoren für biologische Lichtwirkungen Lichtspektrum und biologischer Wirkung
im unteren Bereich der Netzhaut höher ist beschrieben (siehe dazu auch
(Bild 9), ergibt sich ein Bereich von etwa DIN SPEC 5031-100).
-15° bis +45° gegenüber der Horizontalen,
in dem biologisch wirksames Licht die Beleuchtungsstärke und spektrale Vertei-
höchste Effizienz hat. In kleineren Räumen lung bestimmen gemeinsam die Wirksam-
oder, wenn der Blick in Richtung von Wän- keit. In der DIN SPEC 5031-100 ist ein Um-
den geht, bilden diese eine sinnvoll nutz- rechnungsfaktor definiert, der es erlaubt,
bare zu beleuchtende Fläche als sekun- aus der photopisch bewerteten lichttechni-
däre Lichtquelle. Dafür müssen die Wände schen Größe auf die melanopisch
hell sein und Licht diffus reflektieren kön- bewertete Größe umzurechnen. (Siehe
nen. Generell ist zu berücksichtigen, dass Tabelle/Bild 12).
jede Fläche im Raum, die Licht reflektiert,
auch einen Einfluss auf das Lichtspektrum Synchronisierung des Tag-Nacht-
hat. In größeren Räumen oder, wenn die Rhythmus
Wände nicht nutzbar sind, stellen auch die Zur Synchronisierung des Tag-Nacht-
Raumdecken eine nutzbare Fläche dar. Rhythmus ist eine ausreichende Stimulati-
on des biologischen Systems am Vormit-
Bei der Nutzung von hellen Flächen sollen tag erforderlich. Es ist wichtig, dass das
sichtbare Leuchtdichten von ca. 500 bis biologisch wirksame Lichtniveau höher ist,
1.000 cd/m2 nicht überschritten werden, als Licht, das am Nachmittag oder Abend
damit kein Blendungsrisiko entsteht. Daher einwirkt. Bleibt über den Tag das mela-
sollten helle Flächen möglichst groß sein, nopische Beleuchtungsniveau gering, so
um auch ohne zu hohe Leuchtdichte kann ein höheres melanopisches Beleuch-
ausreichend Licht reflektieren zu können. tungsniveau am Abend zu einer Störung
des circadianen Systems führen. Beleuch-
Eines ist allerdings wichtig: Eine direkte tungsstärken von 300 bis 500 lx am Auge [10]  Gesichtsfeld des Menschen in Innen-
Anstrahlung von Personen soll aus Blen- mit einer tageslichtähnlichen Lichtfarbe räumen.
dungsgründen vermieden werden. über ein paar Stunden am Vormittag sind
ausreichend, eine circadiane Synchroni- [11]  Empfehlung zu Beleuchtungsstärken
Spektrum sierung zu gewährleisten. Je höher das und Farbtemperaturen, um eine optimale bio-
„Kaltweißes“ Licht mit einer hohen Farb- Risiko und das Niveau einer störenden logische Wirkung zu erreichen.
temperatur wirkt bei gleicher Beleuch- Beleuchtung am Abend sind, desto höher
tungsstärke intensiver auf das biologische muss auch das stabilisierende Lichtniveau [12]  Die Tabelle zeigt einen Faktor, mit dem
System, da es im melanopisch wirksamen am Vormittag sein (siehe hierzu auch photopisch bewertete Größen in melanopisch
blauen Bereich höhere Anteile hat, als DIN SPEC 67600). bewertete umgerechnet werden können.

21
licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Beleuchtung zur Aktivierung natürliche und damit auch gesunde Basis,


Eine Beleuchtung zur Aktivierung und an der sich die künstliche Beleuchtung
Unterstützung von Leistungsfähigkeit und orientieren kann. Dabei ist es durchaus zu-
Konzentration erfordert höhere Licht- lässig, in unseren nördlichen Breiten kurze
niveaus. In einzelnen Studien wurde dies Tage im Winter mit Kunstlicht in Richtung
mit 1.000 bis 2.000 lx sehr schnell erreicht, einer erwünschten, der Gesundheit zu-
allerdings stehen solche Lichtniveaus träglichen, Tageslänge auszudehnen.
den Anforderungen an einen sensiblen Beispiel: In Schulen beginnt der Unterricht
Umgang mit dem Energieverbrauch ent- häufig zu jeder Jahreszeit um 8.00 Uhr.
gegen. Dieser kann durch ein entspre- Einerseits ist bekannt, dass dies für viele
chendes Lichtmanagementsystem wie- Schüler und ihren circadianen Rhythmus
derum positiv beeinflusst werden. In etwa zu früh ist. Andererseits nimmt der Beginn
20 Minuten stellt sich eine aktivierende keine Rücksicht auf jahreszeitlich bedingte
Wirkung von Licht ein, um nach weiteren Schwankungen im persöhnlichen Rhyth-
20 Minuten wieder abzuklingen, wenn das mus. Da der natürliche „Lichtimpuls“ am
Lichtniveau reduziert wird. Eine aktivieren- Morgen fehlt, kann künstliche Beleuch-
de Wirkung sollte auf festgelegte Zeiten tung diesen Lichtimpuls ersetzen und das
am Tag begrenzt werden, einerseits, um Wachwerden, z. B. am Morgen im Winter,
einen Gewöhnungseffekt zu vermieden, beschleunigen. Der natürliche Tages-
andererseits um den Energiebedarf in verlauf kann auch bei Arbeitsplätzen in
Grenzen zu halten. abends geöffneten Supermärkten sowie
in Krankenhäusern oder Polizeistationen
Beleuchtung am Ende des Tages/ herangezogen werden.
zur Entspannung
Zum Ende des Tages sollte die Beleuch-
tung nur noch eine möglichst geringe
Wirkung auf das biologische System ha-
ben. Die Beleuchtung sollte zwei Stunden
vor dem Zubettgehen auf eine möglichst
geringe Beleuchtungsstärke am Auge
wechseln. Nur noch die Sehaufgabe und – Empfehlungen
soweit für den Sehkomfort erforderlich –
das Umfeld sollten beleuchtet werden, und Damit künstliches Licht die geplante
zwar so hell, wie für gutes Sehen entspre- nichtvisuelle, biologische Wirkung
chend gültiger Normen erforderlich ist. Die erfüllen kann, sollten bestimmte
biologisch wirksamen Blauanteile sollten Mindestwerte für die melanopisch
auf ein Minimum reduziert werden. Warm- bewertete Bestrahlungsstärke am
weißes Licht mit 2.700 K oder maximal Auge erreicht werden. Details dieser
3.000 K hat sich als ein guter Kompromiss Bewertung sind in
bei guter Sehqualität bewährt. DIN SPEC 5031-100 festgelegt. Für
Leuchtstofflampen mit einer Farb-
„Verlängerte Tage“ und Schichtarbeit temperatur von 8.000 K wird eine
Das „richtige Licht zur richtigen Zeit“ be- (photometrische) Mindestbeleuch-
zieht sich auf einen „typischen“ Berufsall- tungsstärke am Auge von 240 lx em-
tag eines am Tage arbeitenden Menschen, pfohlen. Für 6.500-K-LED ergeben
wie er sich in vielen Anwendungsfällen sich mindestens 300 lx, die erreicht
widerspiegelt: Sei es bei der Arbeit in werden sollten. Bei niedrigerer Farb-
einem typischen Büro oder auch an Tages- temperatur wäre die (photometrische)
arbeitsplätzen in der industriellen Produk- Mindestbeleuchtungsstärke hö-
tion, im Fall von Schülern oder Studenten her; z. B. 380 lx am Auge bei einer
genauso wie bei Arbeiten im häuslichen 4.000-K-LED-Lichtquelle. Umgekehrt
Bereich. In diesen Fällen kann man sich sollten bestimmte Maximalwerte nicht
zur Frage, welches Licht „richtig“ ist, am überschritten werden, wenn melano-
durchschnittlichen Verlauf des natürlichen pische Wirkungen sehr gering bleiben
Tageslichts orientieren. Der Mensch hat sollen. Dann gilt es, z. B. 50 lx am
sich in einer natürlichen Lichtumgebung Auge bei 2.700 K nicht zu überschrei-
mit durchschnittlich 12 Stunden Tages- ten.
licht und 12 Stunden nächtlicher Dunkel-
heit evolutionär entwickelt. Das ist eine 13

22
Bemerkungen zur reinen Nachtschicht für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit
Rund 15 % aller Beschäftigten arbeiten verantwortlichen Stellen geplant werden.
regelmäßig nachts, bis zu 25 % gelegent-
lich. Für diese Gruppe ist die Empfehlung
des richtigen Lichts zur richtigen Zeit nicht Infokasten Abend-
einfach. Problematisch sind insbesondere und Nachtschicht
Drei-Schicht-Systeme mit Nachtschicht, Die Forschungen zur Lichtwirkung bei
die auf einem regelmäßigen Wechsel Schichtarbeit sind noch nicht abge-
der Schichten basieren. Es muss davon schlossen. Derzeit wird von Wissen-
ausgegangen werden, dass ein solcher schaftlern Folgendes empfohlen:
Wechsel das circadiane System in einem • Lichtfarben und Beleuchtungs-
Maße stört, dass auch mit Licht eine An- stärken, die am Tag wünschenswert
passung der inneren Uhr an die Arbeits- und sinnvoll sind, können bei Ein-
zeiten nicht möglich ist. satz in der Nacht Störungen des
Tag-Nacht-Rhythmus verursachen.
Zwei-Schicht-Systeme, bei denen ledig- Umgekehrt sind Lichtszenarien, die
lich zwischen Früh- und Spätschicht für die Abend- und Nachtschicht
gewechselt wird, lassen sich hingegen geeignet sind, für den Einsatz am
gut mit Licht unterstützen. Der circadiane Tag meistens ungeeignet. Daher ist
Rhythmus lässt sich mit Licht pro Tag um eine Lichtsteuerung sinnvoll, die
etwa 2 bis 3 Stunden verschieben. Da in einen Wechsel zwischen Tag- und
der Regel nach 2 oder 3 Tagen zur nächst Nachtbeleuchtung ermöglicht.
späteren Schicht gewechselt wird, ist eine • Tageslichtweiße Beleuchtung in der
Synchronisierung im Drei-Schicht-System Nacht vermeiden, wenn keine
nicht möglich. Eine kaltweiße, tageslicht- dauerhafte Verschiebung des circa-
ähnliche Beleuchtung in der Nachtschicht dianen Systems möglich ist (ggf.
führt deswegen eher zu erheblichen bei Dauernachtschicht, wenn die
Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus. Nacht immer zum Tag wird).
Wissenschaftler favorisieren daher, das • Warmweiße Lichtfarben am Abend
circadiane System auch bei rotierender und in der Nacht – durchaus bei
Schichtarbeit möglichst gut mit dem hohen Beleuchtungsstärken –
natürlichen äußeren Tag-Nacht-Rhythmus verwenden.
zu synchronisieren. Dies kann erreicht
14
werden, indem auch bei Schichtarbeitern
tagsüber Licht mit hohen und nachts mit
geringen Blauanteilen eingesetzt wird.
Eine ausreichende Helligkeit auch wäh-
rend der Nachtschicht muss gutes Sehen
sicherstellen und Ermüdung verhindern.
Welches die dafür optimalen Helligkeiten
und Farbtemperaturen sind, ist Gegen-
stand aktueller Forschungsarbeiten.

Die Aussagen von Wissenschaftlern


stimmen darin überein, dass sowohl eine
statische „Standardbeleuchtung“ für Tag-
und Nachtschicht als auch eine helle, ta-
geslichtweiße Beleuchtung für die Nacht-
schicht bei rotierender Schichtarbeit nicht
geeignet sind. Diese Thematik bedarf al-
lerdings weiterer Forschungsarbeiten und
die hier gegebenen Empfehlungen können
noch nicht abschließend als allgemein- [13]  Empfehlung für die melanopisch be-
gültig angesehen werden. Beleuchtung für wertete Bestrahlungsstärke am Auge.
Arbeitsplätze bei rotierender Schichtarbeit
sollte immer unter Berücksichtigung der [14]  Wie Licht bei Schichtarbeit wirkt, ist
spezifischen Randbedingungen mit den noch nicht zu 100 % erforscht, doch können
Vertretern der betroffenen Mitarbeiter, dem bereits Empfehlungen zur Lichtnutzung aus-
lokalen Gesundheitsmanagement und den gesprochen werden.

23
licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Beispiele für vier Anwendungen


Im Folgenden werden beispielhafte Umsetzungen von HCL-Lösungen vorgestellt.

Das grundlegende Vorgehen folgt dem tungslösungen und Steuerungskonzepten Die Dynamik der Beleuchtung
Lighting-System-Design-Prozess. Eine Be- widerspiegeln, um eine optimale biologi- zur Tages- und Jahreszeit
darfsanalyse steht am Beginn: Der Licht- sche Wirkung sicherzustellen. Für den Nutzer sind einzelne Lichtstimmun-
planer verschafft sich Klarheit über die Be- gen entweder aktiv wählbar oder sie laufen
dürfnisse und Anforderungen der Nutzer. Beispielhafte Grundregeln sind: Vom Vor- automatisch ab. Bei Räumen, in denen
Er analysiert die Sehaufgaben am Arbeits- mittag bis zum frühen Nachmittag wird der sich mehrere Menschen aufhalten, ist ein
platz, wie Konzentration, Kommunikation, circadiane Rhythmus des Menschen mit automatischer Ablauf meist zielführender.
Arbeiten am Computer, Detailarbeiten, Tageslicht hoher Beleuchtungsstärke sti- Die Bedienung kann an zentraler Stelle im
Workshopsituationen o. Ä., und in welchen muliert. Abends und nachts sind Störungen Raum oder auch über individuelle Smart-
räumlichen Bereichen diese Aufgaben zu des circadianen Rhythmus hingegen zu phone-Bedienung erfolgen. Auch Schalter
welcher Zeit und durch wen ausgeführt vermeiden oder wenigstens zu minimieren, für eine einfache Wahl einer Szene sind
werden. Wichtig ist dabei auch die Kennt- indem warmweiße Lichtfarben und gerin- eine Option.
nis über (technische) Ausstattung, Flexi- gere Beleuchtungsstärken verwendet
bilität der Arbeitsplätze, Ergonomie- und werden. Lichtstimmungen am Tag wer- Das Lichtkonzept führt zur Auswahl der
mögliche Gesundheitsaspekte. Welche den eher durch großflächiges Licht von Leuchten und deren Anordnung sowie zu
Formen eines Lichtkonzeptes sind geeig- Leuchten bzw. von Decken und Wänden einem Bedienkonzept. Das Lichtkonzept
net für die jeweilige Arbeitssituation und bestimmt, während am Abend direktes und wird in einem Grundriss zur Raumgestal-
damit innerhalb des Arbeits- und Lebens- häufig auch punktförmiges Licht verwendet tung dargestellt. Ein Lichttableau zeigt die
umfeldes? Licht wird immer mehr zu einem wird. Zu den Aufgaben des Fachplaners Auswahl der Lichtstimmungen.
wichtigen Baustein bei der ganzheitlichen gehört auch, Informationen mit Hintergrün-
Betrachtung des Systems Arbeitsplatz. den bereitzustellen (s. Informationsblatt Individuell ausgelegte Lichtmanagement-
auf Seite 18), um die Nutzer zu befähigen, systeme mit applikationsgerechter Sen-
Bei jeder Planung sind die normativ fest- mit der Beleuchtung sachgerecht umzu- sorik können einen wesentlichen Anteil leis-
gelegten Wartungswerte der Beleuch- gehen. In diesen Zusammenhang gehören ten, den Energiebedarf einer HCL-Lösung
tungsstärke und die weiteren Kriterien der Empfehlungen zum Umgang mit dem zu senken.
Beleuchtung (s. Seite 19, „Werte für die Licht, beispielsweise bei Gleitzeitarbeit
Wirkung des Lichts nach dem HCL-Kon- oder in Großraumbüros. Ein entsprechen-
zept“) einzuhalten, um den Erfordernissen des Informationsblatt stellt einerseits die
für Sehkomfort und Sehleistung des Men- Bedienmöglichkeit der Beleuchtung vor,
schen gerecht zu werden. Damit werden andererseits klärt es über die Wirkung der
die visuellen Anforderungen zur Erfüllung Lichtlösung auf.
der gestellten Sehaufgaben abgedeckt.

Die Beleuchtung ist so gestaltet, dass sie


architektonische, formal-ästhetische und
wahrnehmungspsychologische Kriterien
erfasst und das Wohlfühlen unterstützt. So
werden die emotionalen Wirkungen be-
rücksichtigt. Die Planung geht dabei davon
aus, dass die Beleuchtung durch Tages-
licht, künstliches Licht oder eine Kombi-
nation von beiden erfolgen kann (DIN EN
12464-1).

Der natürliche Tagesverlauf des Lichts


gilt in der Regel als ideal und bildet die
Referenz unseres Verständnisses zur Licht-
qualität. Die spektrale Zusammensetzung,
Helligkeit und Lichtrichtung variieren über
die Zeit. Daher sollte sich der Tagesrhyth-
mus so weit wie möglich in den Beleuch-

24
Natürlicher Tageslichtverlauf längert sie den Tag. Dabei orientiert sich
und Lichtverlauf einer HCL-Lösung die künstliche Beleuchtung an der natür-
Die folgenden beiden Beispiele zeigen den lichen und für den Menschen gesunden
natürlichen Tageslichtverlauf im Sommer Tageslänge.
(obere Abbildung) und im Winter (untere
Abbildung). Die jeweils zweite Kurve zeigt In den Beispielen auf den folgenden Seiten
eine Basislösung des künstlichen Lichtver- wurden die Kurven an die Anforderungen
laufs nach HCL. der jeweiligen Szenarien angepasst.

Im Sommer richtet sich die Kurve des


künstlichen Lichtverlaufs stark nach dem
Tageslichtverlauf. Im Winter hingegen ver-

Begriffserläuterung zu den folgen-


Beispiel Sommer Beispiel Winter
den Anwendungsbeispielen

Warmweiß © licht.de © licht.de Ēh: Wartungswert der mittleren


Warmweiß
Übergang Übergang
horizontalen Beleuchtungs-
stärke, im Bereich der Sehauf-
Kaltweiß Kaltweiß
gabe
t

t
ich

ich
sL

sL

ht
s Lic
t
he

he
Ēv: Wartungswert der mittleren
ich
tlic

tlic
sL

vertikalen Beleuchtungsstärke,
iche
ns

ns
he

auf den Wänden und der Tafel


lic

rl
tür

natü
na

ĒZ: Wartungswert der mittleren


zylindrischen Beleuchtungs-
3 Uhr 6 Uhr 9 Uhr 12 Uhr 15 Uhr 18 Uhr 21 Uhr 0 Uhr 3 Uhr 6 Uhr 12 Uhr 15 U
stärke
5 Uhr 8.30 Uhr
ĒAuge: Wartungswert der Beleuch-
tungsstärke am Auge, in der
Regel vertikal

Beispiel Winter
Schule Büro und Zuhause
Warmweiß © licht.de © licht.de
Warmweiß Warmweiß
Übergang
Übergang Übergang
Kaltweiß
Kaltweiß Kaltweiß
t
ich
sL

icht
he

es L
tlic
ns

rlich

natü

Uhr 3 Uhr 6 Uhr 12 Uhr 15 Uhr 18 Uhr 21 Uhr 0 Uhr


3 Uhr 6 Uhr 9 Uhr 12 Uhr 15 Uhr 18 Uhr 21 Uhr 0 Uhr 3 Uhr 9 Uhr 12 Uhr 15 U

8 Uhr:8.30 Uhr
Aktivierung 6.30 Uhr

25
licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Büro
Moderne Bürokonzepte sind zunehmend Anforderungen an den Arbeitsplatz • Anpassung des Lichts an die individuel-
von vernetzten digitalen Technologien und Moderne Raumkonzepte interpretieren die len Bedürfnisse der Nutzer
der globalen 24/7-Arbeitswelt geprägt. Büroformen neu: Das Büro wird heute als
Flexible Arbeitszeiten im Büro, von früh Lebensraum verstanden, der Bereiche für Lichtwirkung
morgens bis zum späten Abend, und sehr Arbeit, Kommunikation und Regeneration Visuell
unterschiedliche Tätigkeiten sind die Folge. bietet. Beleuchtung muss sowohl die Vor- • Anforderungen an die Beleuchtungs-
Daher ist es nicht verwunderlich, dass das aussetzung für gutes Sehen und Zufrie- stärken nach DIN EN 12464-1
Ausstattungsniveau moderner Büroräume denheit am Arbeitsplatz sicherstellen und a: In den Bereichen der Sehaufgaben
ergonomisch optimiert und mittlerweile zugleich als Gestaltungsmittel im Zusam- b: Auf Wänden und Decken
gezielt auf Akzeptanz und Wohlbefinden menhang mit Raum, Möblierung, Akustik c: Zylindrische Beleuchtungsstärke
ausgerichtet wird. Hier hat ein HCL-Licht- und Kommunikationstechnik funktionieren. im Raum
konzept einen positiven Effekt für die Zudem erfordern neue flexible Raumkon-
Mitarbeiter. zepte flexible Lösungen mit dynamischem Emotional
Licht und hoher Beleuchtungsqualität. • Inszenierung des Arbeitsumfeldes mit
Das Beispiel ist für ein 2-Personen-Büro Diese müssen bedarfsgerecht reguliert Tages- und Kunstlicht
ausgearbeitet, mit Belegungszeit von 7.00 werden können. Folgende Anforderungen • Ansprechende Auswahl und Anordnung
bis 20.00 Uhr. Das Beispiel ist aber auch sind zu erfüllen: der Leuchten
auf größere Bürobereiche (Mehrpersonen,
Großraumbüro) übertragbar. Dabei sind • Sehaufgaben, Konzentration, Biologisch
Wände weniger dominant, hingegen wer- Kommunikation, Arbeiten am Computer • Spektrale Anteile zu definierten Zeiten
den Decken und Raumobjekte wichtiger. • Flexible Anordnung der Arbeitsplätze am Auge des Nutzers, um den biolo-
• Licht als Teil des Systems Büroarbeits- gischen Rhythmus optimal zu unterstüt-
platz zen
• Ergonomie und Gesundheit • Biologisch wirksame Beleuchtungsstär-
• Anpassen der Beleuchtung an Tages- ken über den Tag, um Aktivität und Leis-
und Jahreszeiten tungsfähigkeit optimal zu unterstützen

Raumgestaltung Planen © licht.de ©

Visuell • Ēh: 500 lx 1 + 2


3 3 Legende • EZ: 200-300 lx 1 + 2

1 Pendelleuchten
1 1
direkt Emotional • Ēv: 200-300 lx 2 + 3
2 2
2 Pendelleuchten
• Entspannen 2 + 3
Fenster

indirekt
Biologisch 1 + 2 + 3
1 1
Wandfluter
• Ēh: 800-1.000 lx
3
2 2
Tür
• EAuge: 250 lx
3 3

Langfristiger Betrieb „Tageslichtautomatik“ Lichtszenen


Bediengerät Eingang: Tageslichtautomatik

Warmweiß Konzentration
Übergang
Tageslichtautomatik Entspannung
Kaltweiß
Konzentration Bediengerät Gespräch

Entspannung
Smartphone Energiesparen

Jalousie
zusätzlich: Jalousie

Alles Ein Alles Ein

3 Uhr 9 Uhr 12 Uhr 15 Uhr 18 Uhr 21 Uhr 0 Uhr Ein Aus Ein Aus

6.30 Uhr

15

26
Informationsblatt zu Ihrer HCL-Beleuchtung am Büro- • Helles Arbeitslicht zur Konzentration
arbeitsplatz (bitte nur kurzfristig, nicht nach 22 Uhr)
• Pausenlicht zur Entspannung
Dieses Informationsblatt soll Ihnen die Wirkung näherbringen und die • Jalousie: manuelles Auf- und Zu
Bedienung erleichtern.
Sie können die Jalousien von Hand zu jeder Zeit bedienen. Bei Sonnenlicht
Licht wirkt vielfältig und immer – visuell, emotional und biologisch. fährt die Jalousie herunter, um Blendung und Überhitzung zu vermeiden.
Human Centric Lighting (HCL) unterstützt zielgerichtet und langfristig die
Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen b) Die direkt und indirekt strahlende Leuchte gibt durch die Indirekt-
durch ganzheitliche Planung und Umsetzung der visuellen, emotionalen und beleuchtung einen automatischen Tagesablauf vor. Dies kann mittels
insbesondere der biologischen Wirkungen des Lichts. Durch Veränderung Schalterfunktion an der Leuchte übersteuert werden (z. B. Ausdehnfunk-
der Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke führt Ihre HCL-Lichtlösung Sie durch tion). Die Direktbeleuchtung stellt Ihnen das normgerechte Arbeitslicht zur
den Tag, hilft Ihnen Ihre Arbeit leichter zu verrichten oder sich zu entspannen, Verfügung. Dieses kann an der Leuchte gedimmt werden.
wo es notwendig ist, und bietet Ihnen „Ihr Licht“. c) Sie können das Licht an Ihrem Arbeitsplatz auch mit dem Smartphone
einstellen. (Hier eine Info zur Download-Adresse: http:// …). So können Sie
Aber vergessen Sie nicht: Verbringen Sie nach Möglichkeit mindestens zusätzliche Lichtszenen einstellen.
30 Minuten im Tageslicht!
2) Nutzen der Beleuchtung
1) Bedienung der Beleuchtung Die Beleuchtung schafft beste Voraussetzungen für die Büroarbeit; Durch
a) An der Eingangstür befindet sich ein Schalter, an dem Sie vier sanfte Veränderung über die Tages- und Jahreszeit unterstützt sie Ihr Wohl-
Lichtstimmungen aufrufen können. befinden. Zusätzlich haben Sie die Entscheidung über „Ihr Licht“ in Ihrer
• Tageslichtautomatik: sanfte Veränderung der Lichtszenen über den Hand. Das Arbeiten fällt Ihnen leichter.
Tag und das Jahr im Einklang mit dem einfallenden Tageslicht
Bei Fragen stehen wir Ihnen unter (0123) XXXXXX zur Verfügung.

Licht-Design-Konzept • Ausreichender Direktanteil für die Nutz- Lichtszenen


• Raumausleuchtung, räumliche Hellig- ebene • Alles Ein: alle Leuchten auf 100 %
keitsverteilung von Leuchtdichten [cd/m²] • Direktanteile reflexblendungsfrei positio- • Konzentration: Hauptsächlich Direktanteil,
und Beleuchtungsstärken [lx] nieren indirekt um 50 % reduziert
• Ausleuchtung der Arbeitsbereiche: • Vertikale Beleuchtung auf Wänden durch • Gespräch: ausgewogener Direkt-/Indirekt-
Erkennen der Sehaufgaben, störungsfrei- Wandfluter, heller Raumeindruck anteil, gleichmäßige Wandhelligkeit
es Sehen, Förderung von Sehleistung und • Wandfluter und Pendelleuchten – mit • Entspannung: direkt und indirekt auf 20 %,
Sehkomfort (DIN EN 12464-1) Farbtemperaturänderung = tunable white hauptsächlich Wandfluter, unterschied-
• Zylindrische Beleuchtungsstärken für (warmweiß – tageslichtweiß) lich gedimmt
bessere Kommunikation und Raumwahr- • Vertikale Beleuchtungsstärken am Auge • Energiesparen: nur Indirektanteil folgt
nehmung Tageslichtautomatik, Direktanteil anwe
• Aufhellung von Wand und Deckenflä- Hier sind Varianten möglich: senheits- und tageslichtabhängig (auf
chen, um Höhleneffekte zu vermeiden Eigenschaften innerhalb einer Leuchte oder konstante Beleuchtungsstärke) gesteuert
• Lichtakzente für emotionale Lichtstim- verteilt auf mehrere Leuchten • Das Sonnenschutzkonzept (Jalousien)
mungen soll mit dem HCL-Lichtkonzept abge-
• Optimale Farbwiedergaben von Material Eigenschaften der Steuerung stimmt werden.
und Oberflächen Steuerungskreise:
• Ausreichende vertikale Beleuchtungsstär- • Pro Arbeitsplatz zwei Pendelleuchten Bedienung des Lichts
ken am Auge • Direkt- und Indirektanteil getrennt Das Bediengerät erlaubt die Auswahl von
• Vordefinierte dynamische, am Tageslicht- steuerbar, jeweils tunable white Lichtszenen, es überschreibt die Automatik.
verlauf orientierte Abläufe • Jalousie Hinweis: Das System muss es ermöglichen,
• Voreingestellte Szenen bei Unterbrechung der Automatik wieder in
• Manuelle Einstellmöglichkeit für die Eingabe: den automatischen Lauf an der lichttech-
Mitarbeiter (höhere Beleuchtungsstärken • Tageslichtsensor nisch korrekten Stelle einzusteigen.
bei anspruchsvollen Sehaufgaben und • Anwesenheitssensor
bei älteren Mitarbeitern) • Steuerprogramm Ein Bediengerät ist am Eingang ange-
• Anpassungsmöglichkeit der Direktkom- • Bediengerät bracht, über das Smartphone sind zusätz-
ponente bei höhenverstellbaren Schreib- liche Stimmungen wählbar:
tischen Steuerungsautomatik:
• Integration des Tageslichts und Nutzung • Programmierung folgt der Tageslichtkurve Bediengerät Eingang:
verschiedener Jalousiestellungen über das Jahr. Im Winter wird die Tages- • Tageslichtautomatik
helligkeit zum Morgen und zum Abend • Konzentration
Leuchten und Steuerung gedehnt. p Wirkt auf den Indirektanteil • Entspannung
Auswahlkriterien für Leuchten: der Pendelleuchten und die Wandfluter • Jalousie
• Pendelleuchten, direkt/indirekt strahlend, • Der Indirektanteil wird zusätzlich über • Alles Ein
für die zugeordnete Arbeitsplatzbe- einen Tageslichtsensor dem einfallenden
leuchtung Tageslicht angepasst. Bediengerät Smartphone, zusätzlich
• breit strahlende Flächenleuchte mit • Der Direktanteil der Pendelleuchten wird zu o. g. Szenen:
indirekter Deckenbeleuchtung zur Unter- bei Anwesenheit über einen Anwesen- • Gespräch
stützung der zylindrischen Beleuchtung heitssensor eingeschaltet. • Energiesparen
im Raum

27
licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Schule
Wer lernt, braucht gutes Licht. Das unter- Anforderungen an das Klassenzimmer Lichtwirkung
stützt den Lernerfolg. Schüler sitzen nicht Schüler befinden sich permanent in be- Visuell
nur am Tisch, sie präsentieren, kommu- stimmten Lernsituationen. Je besser das • Beleuchtungsstärken nach
nizieren und diskutieren. Sie schreiben Licht an diese Lernsituationen angepasst DIN EN 12464
Arbeiten, wollen aber auch einmal Ent- ist, desto mehr Informationen können auf- a: In den Bereichen der Sehaufgaben
spannung. genommen, verarbeitet und abgespeichert b: Auf Wänden und Decken
werden. Das richtige Licht motiviert und c: Zylindrische Beleuchtungsstärke
Allerdings sind vormittags viele Schüler die Schüler können sich länger konzen- im Raum
noch halb im Schlafmodus, denn der Zeit- trieren. Eine ausgewogene Beleuchtungs-
plan der Schule tickt anders als die innere situation schafft ideale Voraussetzungen Emotional
Uhr der Schüler. So sind Jugendliche häu- für die Wissensvermittlung. Folgende An- • Unterschiedliche Stimmungen
fig noch spätabends hellwach, kommen forderungen sind zu erfüllen: • Optimale Arbeitsunterstützung durch
morgens aber nur schwer aus dem Bett die Lichtlösung (aktivieren/beruhigen)
und sind zum Lernen wenig motiviert. Sie • Lernen, lesen, lauschen (Vortrag, • Inszenierung des Umfeldes mit Tages-
sind im „sozialen Jetlag“. Beamer, Übungen) und Kunstlicht
• Interaktives Arbeiten, mit und ohne neue • Ansprechende Lichtstimmungen
Das Beispiel ist für ein Klassenzimmer Medien wie Tablet
einer höheren Schule mit Abendunter- • Flexible Anordnung der Tische Biologisch
richt ausgearbeitet. Die Unterrichtszeiten • Präsentationen der Schülerinnen • Spektrale Anteile zu definierten Zeiten
beginnen um 8.00 Uhr und enden gegen und Schüler am Auge des Nutzers, um den biolo-
21.00 Uhr. • Gleiche Lernbedingungen zu jeder gischen Rhythmus optimal zu unterstüt-
Uhr- und Jahreszeit zen
• Gruppen- und Einzelarbeiten • Biologisch wirksame Beleuchtungsstär-
ken über den Tag, um Aktivität und Leis-
tungsfähigkeit optimal zu unterstützen

Raumgestaltung Planen © licht.de ©

Visuell • Ēh: 300-500 lx 1 + 2


3
Tür
Legende • Ēv: 500 lx (Tafel und
1 Pendelleuchten Wände) 3 + 4
direkt • EZ: 200-300 lx
1 1 1 2 Pendelleuchten
indirekt
Fenster

2 2 2
Emotional • Ēv: 200 lx 2 + 4

1 1 1 4 3 Tafel
2 2 2
Biologisch 1 + 2 + 4
Wandfluter
• Ēh: 800-1.000 lx
4

4
• EAuge: 250 lx

Langfristiger Betrieb „Tageslichtautomatik“ Lichtsszenen


Ein Bediengerät Ein
Tageslichtautomatik

Warmweiß
an der Tür: Bediengerät
Konzentration

Übergang
beim Lehrer:
Diskussion

Kaltweiß Tafel
Tageslichtautomatik
Wände
Diskussion
Entspannung
Wände
Jalousie
Jalousie
Alles Ein
Alles Ein

3 Uhr 6 Uhr 9 Uhr 12 Uhr 15 Uhr 18 Uhr 21 Uhr 0 Uhr Ein Aus
Ein Aus
8 Uhr: Aktivierung

16

28
Informationsblatt zu Ihrer HCL-Beleuchtung b) Am Lehrerpult befindet sich ein weiteres Lichttableau, mit dem Sie
in der Schule weitere Lichtszenen abrufen können:
• Tageslichtautomatik
Dieses Informationsblatt soll Ihnen die Wirkung näherbringen • Konzentration: mehr Licht auf die Tische, z. B: bei Klassenarbeiten
und die Bedienung erleichtern. • Diskussion: helles Licht, motiviert
• Tafel: Beleuchtung der Tafel, wenig reduziertes, eher indirektes
Licht wirkt vielfältig und immer – visuell, emotional und biologisch. Raumlicht
Human Centric Lighting (HCL) unterstützt zielgerichtet und langfristig die • Wände: Beleuchtung der Wandflächen, gedimmtes Allgemeinlicht
Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen • Entspannung: gedimmte ruhige Lichtatmosphäre
durch ganzheitliche Planung und Umsetzung der visuellen, emotionalen und • Jalousie: manuelles Auf- und Zu
insbesondere der biologischen Wirkungen des Lichts. • Alles Ein

Durch Veränderung der Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke führt Ihre HCL- Sie können die Jalousien von Hand zu jeder Zeit bedienen. Bei Sonnenlicht
Lichtlösung Sie durch den Tag, hilft Ihnen Ihre Aufgaben leichter zu verrichten fährt die Jalousie herunter, um Blendung und Überhitzung zu vermeiden.
oder sich zu entspannen, wo es notwendig ist, und bietet Ihnen „Ihr Licht“.
2) Nutzen der Beleuchtung
Aber vergessen Sie nicht: Verbringen Sie nach Möglichkeit mindestens Die Beleuchtung schafft beste Voraussetzungen für die Schule:
30 Minuten im Tageslicht! Durch sanfte Veränderung über die Tages- und Jahreszeit unterstützt sie
das Wohlbefinden. Zusätzlich haben Lehrer, Schülerinnen und Schüler die
1) Bedienung der Beleuchtung Entscheidung über „Ihr Licht“ in ihrer Hand. Das Arbeiten und Lernen fällt
a) An der Eingangstür befindet sich ein Schalter, an dem Sie vier ihnen leichter.
Lichtszenen aufrufen können:
• Tageslichtautomatik Bei Fragen stehen wir Ihnen unter (0123) XXXXXX zur Verfügung.
• Diskussion: helles Licht, motiviert
• Wände: Beleuchtung der Wandflächen, gedimmtes Allgemeinlicht
• Jalousie: manuelles Auf- und Zu

Licht-Design-Konzept Eigenschaften der Steuerung Bedienung des Lichts


• Tafel – schreiben/lesen (DIN EN 12464) – Steuerungskreise: Das Bediengerät erlaubt die Auswahl
vertikale Beleuchtung • Alle Pendelleuchten Direkt- und von Lichtszenen, es überschreibt die
• Beamer/Whiteboard Indirektanteil getrennt steuerbar, Automatik.
• Tische – lesen (DIN EN 12464-1) – jeweils tunable white
horizontale Beleuchtung • Tafelbeleuchtung Ein Bediengerät an der Tür:
• Wände (Pinnwand) – vertikale • Wandfluter, tunable white • Tageslichtautomatik
Beleuchtung • Jalousie • Diskussion
• Lehrer (Gesichtserkennung/Mimik) • Wände
• Gruppenarbeit/kommunizieren Eingabe: • Jalousie
(zylindrische Werte) • Tageslichtsensor • Alles Ein
• Basteln • Steuerprogramm
• Beamer-Präsentationen möglichst • Anwesenheitssensor Ein Bediengerät beim Lehrer zusätzlich:
ermüdungsfrei verfolgen • Bediengerät • Konzentration
• Tablet/PC ohne störende Reflexe • Diskussion
• Aktivieren am Morgen zum Schulbeginn Steuerungsautomatik: • Tafel
(optional) – flächiges Licht • Programmierung folgt der Tageslichtkurve • Wände
• Beruhigung/Entspannung situativ über das Jahr. Im Winter wird die Tages- • Entspannung
• Intuitive Bedienung durch Lehrer und helligkeit zum Morgen gedehnt. • Jalousie
Schüler p Wirkt auf den Indirektanteil der Pendel- • Alles Ein
• Szenensteuerung (Tür – einfach) leuchten und die Wandfluter
• Szenensteuerung (Lehrer – umfassend) • Der Direktanteil wird zusätzlich über
einen Tageslichtsensor dem einfallenden
Leuchten und Steuerung Tageslicht angepasst.
Auswahlkriterien für Leuchten: • Bei Abwesenheit wird die gesamte
• Raumbezogene direkt/indirekt strahlende Beleuchtung ausgeschaltet.
Pendelleuchten
• Breit strahlender blendfreier Direktanteil Lichtszenen
zur Unterstützung der zylindrischen • Alles Ein: alle Leuchten auf 100 %
Beleuchtung im Raum • Konzentration: hauptsächlich Direktanteil,
• Indirekte Deckenbeleuchtung indirekt um 50 % reduziert [15]  Diese Darstellung zeigt exemplarisch
• Tafelbeleuchtung • Diskussion: hoher Indirektanteil, Direkt- ein HCL-Lichtkonzept, inklusive Raumge-
• Beleuchtung der Wandflächen (Flächen anteil reduziert, mittlere Wandhelligkeit staltung, Parameter für die Planung und den
für Poster und Bilder) • Tafel Betrieb im Büro.
• Vertikal – Beamer/Whiteboard: Projek- • Alle Wände
tionsfläche/Wand gezielt ausblenden • Entspannung: nur indirekt auf 50 %, [16]  Auch in der Schule kann ein HCL-Licht-
• Flächen- und Wandleuchten – mit Farb- Wände 30 % konzept das Wohlbefinden, die Motivation
temperaturänderung = tunable white sowie Konzentration der Schüler positiv
(warmweiß – tageslichtweiß) beeinflussen.

29
licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Industrie
Bestehende Beleuchtungsanlagen in der Anforderungen an die Montagehalle Pausenbereich
Industrie sind in der Regel in Übereinstim- Hochspezifische Arbeitsaufgaben einer- • Wohlfühlatmosphäre
mung mit den älteren Beleuchtungsnormen seits, hoher Automatisierungsgrad an- • Entspannungsbereich (kein Aufputsch-
geplant. Zwischenzeitlich hat sich der dererseits sind die Regel. Folgende bereich)
Anspruch an die Lichtqualität an Industrie- Anforderungen in den unterschiedlichen • Regeneration
arbeitsplätzen aber deutlich verändert. Räumlichkeiten sind zu erfüllen:
Neue dynamische Beleuchtungsanlagen Lichtwirkung
in Industriebetrieben belegen bereits, dass Montagearbeitsplatz Visuell
eine Beleuchtung mit biologisch wirksa- • Konzentriertes Sehen und Bearbeiten • Beleuchtungsstärken nach
mem Licht sich mehrfach positiv auswirkt: • Gleiche Bedingungen zu jeder DIN EN 12464
• Das Wohlbefinden bei der täglichen Uhr- und Jahreszeit a: In den Bereichen der Sehaufgaben
Arbeit steigt ebenso wie die Schlafquali- • Beleuchtung der Arbeitsplätze zur b: Teilweise zylindrische Beleuchtungs-
tät in den Nächten. unfallfreien Montage, zusätzlicher Bei- stärke im Raum
• Die Konzentration bleibt erhalten und trag der Beleuchtung zur Entspannung
damit auch die Sicherheit am Arbeits- in den Pausenräumen Emotional
platz. • Licht als Werkzeug, zur Unterstützung • Inszenierung des Arbeitsumfeldes mit
• Die Mitarbeiter sind motivierter und die individueller Anforderungen/Prozesse Tages- und Kunstlicht
Ergonomie am Arbeitsplatz wird unter- • Optimale Arbeitsunterstützung durch die
stützt. Halle Lichtlösung (aktivieren/beruhigen)
• Sichern der Verkehrswege • Im Pausenraum entspannend,
Das Beispiel ist für eine Montagehalle mit • Gleichmäßige Ausleuchtung der Arbeits- Tageslichtnutzung
typischem Montagearbeitsplatz und Pau- bereiche
senraum für Tages-, Früh- und Spätschicht • Erfüllung der gestellten Sehaufgaben Biologisch
ausgearbeitet. Die Nachtschicht wird in (DIN EN 12464-1) • Spektrale Anteile zu definierten Zeiten
diesem Beispiel nicht dargestellt. • Sicherheitsaspekte (Gefahrenerkennung) am Auge des Nutzers, um den biologi-
• Licht als Mittel, dem Arbeitsplatz einen schen Rhythmus optimal zu unterstützen
Raum zu geben (Sicherheit, Wohlbefinden) • Biologisch wirksame Beleuchtungs-

Raumgestaltung Planen © licht.de ©

Visuell • Ēh: 500-1.000 lx 1 + 2

Legende • EZ: 200-300 lx 1 + 2


1 1 Hallenbeleuchtung
Maschine Emotional • Ēv: 200 lx
2 Lichtbänder
Spots
3
Biologisch • Ēh: 800-1.000 lx
4 Flächenleuchten
(tagsüber) • EAuge: 250 lx
2 3
Pausenraum
4

Langfristiger Betrieb „Tageslichtautomatik“ Lichtszenen


Ein Bediengerät Bediengerät am Bediengerät im
Warmweiß beim Produktions- Arbeitsplatz: Pausenraum:
Übergang leiter:
Kaltweiß

Tageslichtautomatik Mein Licht Tageslichtautomatik

Schichtwechsel Tätigkeit „Montieren“ Event

Alles Ein Tätigkeit „Prüfen“ Entspannen

3 Uhr 6 Uhr 9 Uhr 12 Uhr 15 Uhr 18 Uhr 21 Uhr 0 Uhr


Ein Aus Ein Aus Ein Aus
13.30 Uhr: Schichtwechel 22.30 Uhr

17

30
Informationsblatt zu Ihrer HCL-Beleuchtung b) Am Arbeitsplatz:
• Mein Licht
Dieses Informationsblatt soll Ihnen die Wirkung näherbringen • Tätigkeit „Montieren“
und die Bedienung erleichtern. • Tätigkeit „Prüfen“

Licht wirkt vielfältig und immer – visuell, emotional und biologisch. c) Im Pausenraum:
Human Centric Lighting (HCL) unterstützt zielgerichtet und langfristig die • Tageslichtautomatik: sanfte Veränderung der Lichtstimmung über den Tag
Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen und das Jahr im Einklang mit dem einfallenden Tageslicht
durch ganzheitliche Planung und Umsetzung der visuellen, emotionalen und • Event: stimmungsvolles Licht für kleine Feiern
insbesondere der biologischen Wirkungen des Lichts. Durch Veränderung • Entspannen: Lichtfarbe und Stimmungen für die Pause
der Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke führt Ihre HCL-Lichtlösung Sie durch
den Tag, hilft Ihnen Ihre Arbeit leichter zu verrichten oder sich zu entspannen, Der Benutzer kann lediglich die individuelle Beleuchtung, die speziell seinem
wo es notwendig ist, und bietet Ihnen „Ihr Licht“. Arbeitsplatz zugeordnet ist, nach den individuellen Bedürfnissen anpassen.
Diese werden speziell vom Arbeitsplatz aus gesteuert. In Pausenräumen
Aber vergessen Sie nicht: Verbringen Sie nach Möglichkeit mindestens herrscht eine entspannende Lichtstimmung vor.
30 Minuten im Tageslicht!
2) Nutzen der Beleuchtung
1) Bedienung der Beleuchtung Die Beleuchtung schafft beste Voraussetzungen für die Arbeit am Industriear-
Die Raumbeleuchtung gibt einen automatischen Ablauf vor. beitsplatz und unterstützt die Tagesstruktur und das Wohlbefinden der Nutzer
durch sanfte Veränderung der Tages- und Jahreszeit. Das Arbeiten fällt den
a) Im Büro des Produktionsleiters für die gesamte Hallenbeleuchtung: Mitarbeitern leichter; die Konzentration wird gefördert. Das Licht ist genau
• Tageslichtautomatik: sanfte Veränderung der Lichtstimmung über den Tag auf die jeweilige Schicht abgestimmt. In den Nachtstunden soll so wenig wie
und das Jahr im Einklang mit dem einfallenden Tageslicht möglich aktivierende Lichtwirkung erzielt werden. Am besten wird die Licht-
• Schichtwechsel: stimmungsvolles Licht unterstützt den Wechsel farbe ≤ 3.000 K eingesetzt. In den Pausenbereichen steht die Erholung und
• Alles Ein Entspannung im Vordergrund.

Bei Fragen stehen wir Ihnen unter (0123) XXXXXX zur Verfügung.

stärken über den Tag, um Aktivität und • Gerichtetes Licht zur Erkennung von lichkeit für den Mitarbeiter (höhere Be-
Leistungsfähigkeit zu unterstützen Oberflächenstrukturen: Strahler leuchtungsstärken bei anspruchsvollen
• Farbtemperaturänderungen = tunable Sehaufgaben und bei älteren Mitarbei-
Licht-Design-Konzept white (warmweiß – tageslichtweiß) tern)
• Verkehrswege normgerecht beleuchten • Energieeffizienz (Tageslichtabhängigkeit • Energieeffizienz/-sparen, wenn möglich
(DIN EN 12464-1) und Präsenzsteuerung) • Tageslichtnutzung
• Arbeitsplätze für unfallfreies Arbeiten • Datenmanagement/Nutzungsanalysen
beleuchten (ASR beachten) Hier sind Varianten möglich: Eigenschaften zur Optimierung von Prozessen und der
• Mögliche Gefahrenbereiche hervorheben innerhalb einer Leuchte oder verteilt auf Beleuchtung
• Blendfreie Beleuchtung einsetzen mehrere Leuchten
• Kontraste nicht zu groß und nicht zu klein Lichtszenen
• Zonierungen im Raum schaffen Eigenschaften der Steuerung • Alles Ein
• Möglichkeiten für flexible Anordnung der Steuerungskreise: • Ein/Aus: am einzelnen Arbeitsplatz
AP schaffen • Bereichsbezogene Zuordnung • Pause: entsprechend der Tageszeit,
• Berücksichtigen der DIN SPEC 67600 • Im Pausenraum: Gruppen Lichtfarbe und Stimmung
• Aktivieren, analog zur Arbeitsphase • Optional: Schichtwechsel: dynamischer
(Früh- und Spätschicht angepasst) Eingabe: Lichtwechsel
• Nach den Pausen (viel Licht und hoher • Tageslichtsensor
Blauanteil, bessere Konzentration) • Steuerprogramm Bedienung des Lichts
• Reduzierung der aktivierenden Lichtan- • Anwesenheitssensor Das Bediengerät erlaubt die Auswahl von
teile zum Abend hin (geringere Beleuch- • Bediengerät Lichtszenen, es überschreibt die Automatik.
tungsstärken und erhebliche Reduzierung
des Blauanteils) Steuerungsautomatik: Ein Bediengerät beim Produktionsleiter:
• Programmierung folgt der Tageslicht- • Tageslichtautomatik
Leuchten und Steuerung kurve über das Jahr, angepasst an die • Schichtwechsel
Auswahlkriterien für Leuchten: Arbeitszeiten. • Alles Ein
• Horizontal – Verkehrswege: Lichtband, • An temporär genutzten Arbeitsplätzen
Hallenstrahler, Schutzarten bei hohen und im Pausenraum über Anwesenheits- Bediengerät am Arbeitsplatz:
Emissionen beachten sensorik • Mein Licht (individuell angepasstes
• Horizontal – Arbeitsbereiche: Lichtband, Arbeitslicht)
Hallenstrahler, Schutzarten bei hohen Weitere Möglichkeiten: • Tätigkeit „Montieren“
Emissionen beachten • Voreingestellte Szenen (z. B. Reduzie- • Tätigkeit „Prüfen“
• Zylindrisch im Pausenraum: breit strah- rung des Blauanteils zum Schichtende
lende Flächenleuchten hin, aber Aktivierung bei Arbeitsbeginn) Bediengerät im Pausenraum
• Wohlfühlatmosphäre (im Pausenraum • Anpassung der voreingestellten nut- • Tageslichtautomatik
Emotionen wecken, ähnlich Wellness- zungsspezifischen Lichtszenen nur durch • Event
bereiche bzw. private Wohnbereiche, eingewiesene Fachkraft • Entspannen
warmweißes Licht, z. B. 2.700 K) • Task-bezogene manuelle Einstellmög-

31
licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Privat
Für das Wohlbefinden in den eigenen vier Anforderungen an das Zuhause • Kommunikation
Wänden ist das richtige Licht zur richtigen Essen, lesen, fernsehen, arbeiten oder
Zeit ausschlaggebend. Auch wer abends entspannen – die Beleuchtung muss vor Arbeitszimmer
lange vor dem Computerbildschirm sitzt, allem in den eigenen vier Wänden vielen • Lesen und Texte schreiben (siehe Büro)
schläft möglicherweise nicht so gut, weil Wünschen gerecht werden. Hier gilt es, die • Arbeiten am Computer und mit anderen
das Monitorlicht hohe Blauanteile hat, die Anforderungen für die unterschiedlichen elektronischen Medien
aktivierend wirken. Inzwischen gibt es Räume zu kennen und diese in einem
Hilfsprogramme, die auch an Bildschirmen Lichtkonzept umzusetzen. Folgende An- Wohnzimmer
warmweiße Hintergrundbeleuchtung für forderungen sollten beachtet werden: • Fernsehen
den Abend einstellen. Besser wäre es, am • Zusammensein
Abend mehr entspannendes warmweißes Schlafzimmer • Lesen
Licht zu haben. Am Morgen hilft intensives • Schlafen • Spielen
kaltweißes Licht beim Wachwerden und • Lesen zu unterschiedlichen Zeiten
lässt einen schneller in den Tag starten. • Ankleiden/Auswahl Kleidung Lichtwirkung
Mit einer dynamischen Beleuchtung durch • Stimmungsbeleuchtung Visuell
verschiedene Leuchten und Lampen kann • Tageslichweißes Aufwachlicht • Beleuchtungsstärken in den Bereichen
der persönliche Schlaf-Wach-Rhythmus der Sehaufgaben, Sicherheitsaspekte
individuell gesteuert und positiv beeinflusst Bad
werden. Die Menschen unterscheiden sich • Waschen/Schönheitspflege Emotional
in ihren Chronotypen. Wenn individuelle • Nutzung: am Morgen, am Abend, nachts • Kreative Lichtgestaltung/Inszenierung
Beleuchtungssituationen möglich sind, Einrichtung/Lichtinseln
können die Chronotypen ihren passenden Küche
Lichtverlauf realisieren. • Essen in gemütlicher Runde/ Biologisch
schnelles Frühstück • Spektrale Anteile und biologisch
Das Beispiel ist für eine Wohnung mit • Essen zubereiten wirksame/unwirksame Beleuchtungs-
mehreren Zimmern, Küche, Bad und Flur • Spielen stärken zu definierten Zeiten am Auge
ausgearbeitet. • Zeitung lesen des Nutzers

Raumgestaltung Planen © licht.de ©

Visuell Individuell für die


5 1
Legende Sehaufgabe
4 1 Aufwach-/Leselicht
Individuell
3
5 2 Emotionales Licht Emotional
1
2 3 Schranklicht
8
4
4 Spot
8
5 Spiegellicht Biologisch EAuge: 250 lx
6
6
8 9
6 Esstischleuchte Sonst individuell, abends geringer
und nur warmweiß
8 7 Wandleuchte
8 Deckenlicht
7 7
9 Voute
10 Wohnzimmertisch-/
Stehleuchte
Langfristiger Betrieb Lichtszenen
Ein Bediengerät Bedienung über
Warmweiß pro Raum: Smartphone:
Übergang
Kaltweiß

Individuell 1

Individuell 2
Ein
Individuell 3

3 Uhr 9 Uhr 12 Uhr 15 Uhr 18 Uhr 21 Uhr 0 Uhr


Aus
Ein Aus
6.30 Uhr

18

32
Informationsblatt zu Ihrer HCL-Beleuchtung zu Hause

Dieses Informationsblatt soll Ihnen die 1) Bedienung der Beleuchtung 2) Nutzen der Beleuchtung
Wirkung näherbringen und die Bedienung Die Raumbeleuchtung gibt einen automatischen Die Beleuchtung schafft beste Voraussetzungen
erleichtern. Ablauf vor. für Ihr Zuhause; Sie haben die Entscheidung
über „Ihr Licht“ in Ihrer Hand.
Licht wirkt vielfältig und immer – a) Im Flur d) Im Schlafzimmer
visuell, emotional und biologisch. • Alles: Ein/Aus • Alles: Ein/Aus
Human Centric Lighting (HCL) unterstützt • Ankleiden
zielgerichtet und langfristig die Gesundheit, b) In der Küche • Lesen
das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit • Alles: Ein/Aus • Kuscheln
des Menschen durch ganzheitliche Planung • Kochen
und Umsetzung der visuellen, emotionalen und • Essen e) Im Bad
insbesondere der biologischen Wirkungen des • Feiern • Alles: Ein/Aus
Lichts. • Schminken
c) Im Wohnzimmer und rasieren
Durch Veränderung der Lichtfarbe und Be- • Alles: Ein/Aus • Chillen
leuchtungsstärke führt Ihre HCL-Lichtlösung Sie • Lesen
durch den Tag, hilft Ihnen Ihre Arbeit leichter zu • Fernsehen f) Außen
verrichten oder sich zu entspannen, wo es • Entspannen • Alles: Ein/Aus
notwendig ist, und bietet Ihnen „Ihr Licht“. • Feiern

Aber vergessen Sie nicht: Verbringen Sie


nach Möglichkeit mindestens 30 Minuten im
Tageslicht!

Design-Konzept Leuchten und Steuerung Lichtszenen


• Verschiedene Beleuchtungssysteme Kriterien für Leuchten: • Individuell in den Räumen zu planen
• Akzentuierung/Inszenierung der Räume • Verschiedene Leuchtensysteme
• Erledigung spezieller Sehaufgaben • Bedienung über Taster/Schalter oder Bedienung des Lichts
• Bereitstellung vertikaler Beleuchtungs- Smartphone/Fernbedienung/Sprache Das Bediengerät erlaubt die Auswahl von
stärken in Küche, Bad, Wohnzimmer und • Helles blendfreies Arbeitslicht bis Lichtszenen, es überschreibt die Auto-
vor Schrank im Schlafzimmer gemütliches Licht matik.
• Licht im Gesicht am Spiegel • Unterstützung des Tageslichtverlaufes in
• Helligkeits- und Farbsteuerung der Farbtemperatur und Beleuchtungsstärke • Ein Bediengerät pro Raum
Beleuchtung in Abhängigkeit zur • Bedienung über Smartphone
Tageszeit Eigenschaften der Steuerung
• Abends und nachts p Reduzierung des Steuerungskreise:
blauen Lichtanteils, um den circadianen • Raumbezogene Zuordnung
Rhythmus nicht zu stören
Eingabe:
• Steuerprogramm
• Anwesenheitssensor
• Bediengeräte pro Raum

Steuerungsautomatik:
• Programmierung folgt der Tageslicht-
kurve über das Jahr, angepasst an die
Anwesenheitszeiten.
• Anwesenheitssensorik in wenig frequen-
tierten Räumen

[17]  Ein HCL-Lichtkonzept in der Industrie


muss an die unterschiedlichsten Anforderun-
gen angepasst werden.

[18]  Ob morgens beim Aufstehen, beim


Abendessen oder beim Zähneputzen:
HCL-Lichtkonzepte zu Hause können auch
hier das Wohlbefinden steigern.

33
licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Glossar
Biologische Lichtwirkungen – Licht hat Bei „normalen“ Lichtquellen, wie sie in Chronotyp – Es gibt Menschen, die be-
immer biologische Wirkungen, ebenso wie der Allgemeinbeleuchtung zum Einsatz vorzugt früh aufstehen, auch ohne Wecker
es auch immer eine visuelle Wahrnehmung kommen, korreliert der genannte Blau- wach werden und am Morgen schnell
ermöglicht. Wir unterscheiden daher nicht anteil – zumindest innerhalb einer Klasse zu ihrer maximalen Leistungsfähigkeit
zwischen biologisch wirksamer oder visuell von Lichtquellen – direkt mit der Farbtem- kommen (Frühaufsteher, Frühtyp, Morgen-
wirksamer Beleuchtung. Beides ist nicht peratur. Im Bereich zwischen 3.000 K und typ, Lerchen), und solche, die lieber länger
trennbar. etwa 6.000 K ist dieser Zusammenhang schlafen, meistens nicht ohne Wecker
annähernd linear. Daher ist es richtig, bei wach werden und ihre Anlaufschwierig-
Dennoch sollte die HCL-Beleuchtung weißem Licht für kaltweiße oder tageslicht- keiten haben (Spätaufsteher). Sie werden
unter besonderer Berücksichtigung der weiße Beleuchtung höhere Blauanteile und oft auch Eulen genannt, weil sie wie diese
biologischen Lichtwirkungen geplant und damit stärkere biologische Wirkungen zu noch bis zum späten Abend wach, aktiv
betrieben werden, ebenso wie auch die erwarten als für warmweiße Beleuchtung. und leistungsfähig sind. Zwischen diesen
Vorgaben an die visuellen Aspekte zu be- Extremtypen gibt es graduell viele Ab-
rücksichtigen sind. Blue Light Hazard, Blaulichtgefährdung stufungen. Der Chronotyp ist ein Ansatz,
– In diesem Fall sind mögliche Netzhaut- diese Eigenschaft zu quantifizieren. Der
Mit dem Begriff „biologische“ Wirkungen schäden durch Spektralanteile mit einer Chronotyp hat mit der Schlafdauer nichts
von Licht werden in dieser Schrift die nicht- maximalen Empfindlichkeit bei 440 nm zu tun.
visuellen Wirkungen auf physiologische und einem Bereich von ca. 410 bis 480 nm
und psychische Prozesse beim Menschen (Halbwertsbreite) gemeint, wobei sich bei Der Chronotyp kann mit Fragebögen ermit-
bezeichnet. Wohl wissend, dass auch der sehr hohen spektralen Strahldichten die telt werden. Eine Methode für Schichtarbei-
Sehvorgang ein biologischer Prozess ist, potenziell schädigenden Spektralanteile ter ist der D-MEQ (Deutsche Version des
dient dies sprachlich zur Unterscheidung bis ins Rote hin erstrecken (z. B. Laser- „Morningness-Eveningness-Questionaire“).
zwischen visuellen und nicht visuellen pointer). Ein weiterer Fragebogen, mit dem man den
Wirkungen. Chronotyp erheben kann, ist der MCTQ
In der Allgemeinbeleuchtung spielt das (Munich Chronotype Questionaire).
Blauanteil, Farbtemperatur und ihr Risiko für Blaulichtschäden keine Rolle.
Zusammenhang mit biologischen Dies wird durch verschiedene unabhän- Ein gesunder und erholsamer Schlaf –
Wirkungen – Im Zusammenhang mit gige wissenschaftliche bzw. für Arbeits- ebenso wie eine angemessene Leistungs-
dieser Schrift wird der Begriff „Blauanteil“ schutz verantwortliche Gremien (z. B. LiTG, fähigkeit zu Wachzeiten – ist nur möglich,
als Synonym für die biologisch wirksamen SCENIHR, DGUV) bestätigt. Ebenso ganz wenn Arbeits- und Schlafzeiten mit dem
Strahlungsanteile des sichtbaren Lichts aktuell auch durch die im Juli 2017 ver- Chronotyp im Einklang sind. Dazu muss
verwendet. Diese liegen im Wesentlichen öffentlichte „preliminary opinion“ (Scientific der circadiane Rhythmus täglich neu
im Spektralbereich zwischen 450 und Committee on Health, Environmental and synchronisiert werden. Licht ist der stärkste
530 nm, der dem Menschen als blau bis Emerging Risks) der wissenschaftlichen Einflussfaktor für diese tägliche Synchroni-
blaugrün erscheint, mit einem Maximum Kommission SCHEER, die von der Europä- sierung.
bei 490 nm. Obwohl das Maximum der ischen Kommission mit einer Risikobewer-
Empfindlichkeit für die visuelle Wahrneh- tung von LED beauftragt wurde. Circadianer Rhythmus – Ein biologischer
mung von blauem Licht bei 450 nm eher Rhythmus mit einer Periode von etwa 24
im kurzwelligeren Bereich liegt, werden Dies gilt auch für Arbeitsplätze, die mit Stunden (lateinisch: circa = ungefähr,
die für biologische Wirkungen verantwort- einer HCL-Beleuchtung ausgestattet sind. dies = Tag). Licht ist beim Menschen der
lichen spektralen Anteile meistens wegen Daher ist auch im Kontext mit Human wichtigste Zeitgeber für den circadianen
des Farbeindrucks des dafür relevanten Centric Lighting keine weitere Betrachtung Rhythmus. Der prägnanteste dieser Rhyth-
Lichts als „Blauanteil“ oder „blaues Licht“ dieses Aspektes erforderlich. men ist der Wach-Schlaf-Rhythmus. Aber
bezeichnet, obwohl das Licht selbst häufig auch andere Rhythmen, z. B. Essen oder
weiß erscheint. An spezifischen Arbeitsplätzen, bei denen Verdauung, sind leicht erkennbare circa-
Licht ein Arbeits- oder Prüfmittel darstellt, diane Rhythmen. Viele andere circadiane
Im Zusammenhang mit möglichen Netz- ist eine Gefährdungsbeurteilung hinsicht- Rhythmen beim Menschen sind nicht direkt
hautschädigungen durch Blue Light Ha- lich photobiologischer Sicherheit vorge- erkennbar: Körpertemperatur, Hormonspie-
zard wird der Begriff „Blauanteil“ ebenfalls schrieben. gel, sogar Atmung und Kreislauf unterlie-
verwendet. In beiden Fällen ist der Begriff gen circadianen Rhythmen, die letztlich bis
nicht wirklich korrekt, da die Wirkung nichts Auch beim therapeutischen Einsatz sehr hel- in die Stoffwechselvorgänge jeder einzel-
mit dem visuellen Vorgang des Farbsehens ler Lichtquellen (z. B. zur Lichttherapie) kann nen Körperzelle reichen. Die Abstimmung
zu tun hat. eine gesonderte Bewertung sinnvoll sein. dieser Rhythmen mit dem natürlichen
Verlauf von Tag und Nacht ist wesentlich

34
für die Gesundheit des Menschen. Licht DIN SPEC 5031-100 der Begriff „biologisch eindruck wie die entsprechende Licht-
ist der wesentliche Einflussfaktor für diese wirksame Beleuchtung“ eingeführt worden. quelle erweckt.
Abstimmung. Dies war zunächst, ebenso wie der Begriff
„nicht visuell“, als Abgrenzung zu einer Warmweiß: Niedrige Farbtemperaturen, i.
Cortisol – Hydrocortison – wird häufig als nur am Visuellen orientierten Beleuchtung A. um 3.000 K oder niedriger. Unterhalb
„Stresshormon“ bezeichnet, da es auch gedacht. Es hat aber dazu geführt, dass 2.500 K erscheint das Licht eher orange-
bei Stress ausgeschüttet wird. Es hat beides auch in der täglichen Beleuch- farbig bis rötlich, obwohl es definitionsge-
anregende Wirkungen auf verschiedene tungspraxis als unabhängig voneinander mäß noch „weiß“ ist.
Körperfunktionen und sollte vielleicht eher betrachtet wurde. Inzwischen ist es allge-
als Aktivitätshormon bezeichnet werden. mein akzeptiertes Basiswissen, dass jede Warmweiße Lichtquellen werden bevorzugt
Ohne den Anstieg des Cortisolspiegels Beleuchtung zu jeder Zeit ihre visuellen im privaten, häuslichen Bereich verwendet
würde uns das Aufstehen am Morgen sehr und nicht visuellen (= biologischen) Wir- oder in Räumen, in denen eine angeneh-
schwer fallen und Aktivitäten wären gene- kungen entfaltet. me, entspannende Atmosphäre geschaffen
rell anstrengender. Auch der Cortisolspie- werden soll (Restaurants, Hotels u. Ä.).
gel unterliegt einem circadianen Rhytmus Integrative Lighting – Dieser Begriff wur- Warmweißes Licht hat üblicherweise eine
mit einem morgendlichen Maximum. de von der CIE als Alternative zu Human geringere biologische Wirkung als Licht
Centric Lighting eingeführt (siehe unter mit höherer Farbtemperatur, bei einer
Human Centric Lighting – Der Begriff Human Centric Lighting). 3.000-K-Standard-LED etwa ein Drittel der
„Human Centric Lighting“ steht für ein Wirkung von Tageslicht bei gleicher Be-
Beleuchtungskonzept, das neben den ipRGC, retinale Ganglienzellen, dritter leuchtungsstärke am Auge. Daher wird bei
visuellen Aspekten von Wahrnehmung Photorezeptor – ipRGC ist die Abkür- Leuchten, die für HCL-Anlagen eingesetzt
und Sehkomfort auch biologische und zung für intrinsic photosensitive Retinal werden, eine biologisch gering wirksame
emotionale Gesichtspunkte in gleichwerti- Ganglion Cells. Es gibt neben den zum Beleuchtung i. A. mit warmweißen Licht-
ger Weise berücksichtigt (siehe auch die Sehen notwendigen Photorezeptoren quellen realisiert.
Definition im Einführungsteil dieser Schrift (Zapfen und Stäbchen) in der Netzhaut
oder im ZVEI-Positionspapier zu Human auch Ganglienzellen, welche die Signale Neutralweiß: Farbtemperaturen im Bereich
Centric Lighting). Der Begriff taucht seit dieser Photorezeptoren aufnehmen und um 4.000 K. Die in Mitteleuropa verbrei-
dem Jahre 2010 vermehrt auf und gelangte an den Sehnerv weiterleiten. Etwa 2 bis tetste Lichtfarbe für Büro- und Industriebe-
mit der Veröffentlichung der Studie „Going 3 % aller Ganglienzellen in der Netzhaut leuchtung. Wirkt deutlich kälter als warm-
Beyond Energy Efficiency“ der Unterneh- enthalten darüber hinaus das Photopig- weißes Licht mit 3.000 K.
mensberatung A.T. Kearney im Jahre 2013 ment Melanopsin und sind damit selbst
zu einer weiten Verbreitung. Da der Begriff (intrinsisch) lichtempfindlich – insgesamt Bei gleicher Helligkeit hat 4.000-K-Licht
hauptsächlich vonseiten der Lichtindustrie nur etwa 2.000 pro Auge. Diese Zellen etwa 50 % der Wirkung von Tageslicht auf
genutzt wurde, entstand bei Wissenschaft- leiten somit nicht nur dann Signale weiter, das biologische System. Neutralweiß wird
lern eine gewisse Hemmung, ihn zu über- wenn sie diese Information von anderen in der englischsprachigen Literatur meis-
nehmen. Hauptsächlich deshalb hat die Photorezeptoren erhalten, sondern reagie- tens als „cool white“ bezeichnet. Daraus
CIE den Begriff „Integrative Lighting“ als ren aus sich selbst heraus auf Licht. Diese entsteht ein Risiko für Verwechslungen
Synonym eingeführt. Beide Begriffe sind Reaktion ist die wesentliche Grundlage mit dem Begriff „kaltweiß“, der für höhere
gleichwertig. für nicht visuelle Wirkungen von Licht auf Farbtemperaturen steht.
Menschen. IpRGC sind immer an den
Wissenschaftler beziehen sich meistens biologischen Wirkungen beteiligt, selbst Kaltweiß: Relativ unspezifische Bezeich-
auf die Wirkungen des Lichts und spre- wenn manche Wirkungen auch von ande- nung für Farbtemperaturen oberhalb etwa
chen dann von „nicht visueller Wirkung“ ren Photorezeptoren beeinflusst werden. 5.000 K. Im häuslichen Bereich oder in
oder „nicht bildgebender Wirkung“, wenn einem Restaurant kann allerdings auch
sie die über das Visuelle hinausgehenden Lichtfarben – In der Allgemeinbeleuch- eine 4.000-K-Beleuchtung bereits „kalt“
Wirkungen des Lichts beschreiben. Visu- tung kommt in der Regel weißes Licht wirken. Daher sollte der Begriff mit Vor-
elle und nicht visuelle Wirkungen werden zum Einsatz, wenn man von dekorativen sicht verwendet werden. Eine genauere
auf wissenschaftlicher Ebene eher selten Farbakzenten absieht. Weißes Licht kann Spezifikation ist sinnvoller.
gleichzeitig behandelt. Daher ist diese durch seine Farbtemperatur (genauer
Unterscheidung dort sinnvoll. „ähnlichste Farbtemperatur“) beschrieben Tageslichtweiß: Dies sind Lichtfarben
werden. Die ähnlichste Farbtemperatur oberhalb 5.500 K. Eine typische „Day-
Ursprünglich war vom Fachnormungsaus- einer weißen Lichtquelle entspricht der light“-Lichtfarbe ist 6.500 K. Sie kommt
schuss für Licht (FNL 27) mit der Temperatur eines schwarzen Strahlers, bei vom Farbeindruck der Normlichtart D65,
DIN V 5031-100 und der der dessen Strahlung den gleichen Farb- die als standardisierte Repräsentation

35
licht.wissen 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) für Planung und Anwendung

Glossar
des Tageslichts gilt, am nächsten. Das Helligkeitsniveaus über den Tag. Selbst- miteinander zu vernetzen. Lösungen für
menschliche Farbempfinden kann bei verständlich sollte der Lichtplaner auch HCL-Anwendungen müssen vor allem
solch kalten Lichtfarben Unterschiede im individuelle Lichtwünsche berücksichti- Zeitbausteine beinhalten, damit eine „cir-
Bereich von weniger als etwa 500 K nicht gen, damit diese bei Bedarf situativ und cadiane“ Tagessequenz vollautomatisch
wahrnehmen. flexibel vom Nutzer eingeschaltet werden und dynamisch ablaufen kann. Damit der
können. Das Tageslicht, sofern baulich Programmierer die HCL-Anlage in Betrieb
Die biologischen Wirkungen kommen bei ausreichend vorhanden, sollte sich – auch nehmen kann, muss dieser durch den
tageslichtweißer Beleuchtung auch dem na- aus energetischen Gründen – ebenfalls in Lichtplaner eindeutig gebrieft werden, z.
türlichen Tageslicht am nächsten. Licht aus das Lichtkonzept integrieren und nutzen B. welche Lichteinstellungen zu welcher
Standard-LEDs mit 6.500 K liegt bei etwa 85 lassen. Zeit wie spezifiziert sind.
% der Wirkung von Tageslicht D65.
An dieser Stelle muss der Lichtplaner, Moderne Lichtmanagementsysteme, kurz
Noch höhere Farbtemperaturen werden falls er nicht selbst die Fachkompetenz LMS, spielen ihre Leistungsstärke auch
im Allgemeinen als sehr unangenehm mitbringt, einen Elektroplaner für System- durch den Einsatz intelligenter Sensorik
und unnatürlich empfunden, wenn sie als integration einbeziehen. Oder der ver- (z. B. Umweltanlagendaten) und Software
alleinige Lichtquelle zum Einsatz kommen. antwortliche Projektmanager hat bereits aus. Der Einsatz und die Anwendung
In Kombination mit direkter oder indirekter ein Team an Fachkapazitäten zusammen- eines professionellen LMS bedeutet auch
Beleuchtung kann die Raumdecke mit gestellt, das interdisziplinär und integral eine deutliche Differenzierung im Wett-
sehr kaltweißem Licht aufgehellt werden, die verschiedenen Technologiegewerke bewerb, beispielsweise in Form einer auf
ohne dass dies störend wirkt, solange im Gebäude über geeignete Schnittstellen HCL ausgelegten Beleuchtung im Ge-
eine weniger kaltweiße Direktbeleuchtung verbindet. sundheitswesen, die nicht nur durch die
zum Einsatz kommt. Dies gibt den Ein- passenden Lichtszenarien ein räumliches
druck eines künstlichen Himmels. Zur Umsetzung eines HCL-Konzeptes Erlebnis schafft und die Menschen positiv
stellen Licht- und Elektroindustrie, aber beeinflusst, sondern nebenbei auch noch
Lichtmanagement – Human Centric auch die IT-Branche, ein umfassendes Energiesparen und Datenanalysen ermög-
Lighting steht konsequent in Verbindung Repertoire an Gebäudeautomationssyste- lichen kann.
mit einem intelligenten Lichtmanagement- men mit passender Anwendungssoftware
system. zur Verfügung. Je nach Spezifikation der Aber – Lichtsteuerungssysteme müssen
umzusetzenden Lichtszenarien durch den vor allem bedienbar bleiben. Schon in
Moderne Lichtkonzepte, wie Human Cen- Lichtplaner und der damit gebäudeseitig der Konzeptionierungsphase sollte der
tric Lighting, entstehen aus Nutzer- und zu planenden (oder bereits vorhandenen) Systemintegrator dieses Ziel sicherstellen.
Nutzungsbedürfnissen und kombinieren Automation hat der Elektroplaner die Über eine leicht verständliche Bedien-
die Planungsgrundsätze von visuellen, Aufgabe, das passende System auszu- schnittstelle, z. B. mittels einer logischen
nicht visuellen und emotionalen Lichtqua- wählen. App für Lichtszenarien, lässt sich dies
litäten. Bei der Übergabe dieser Aufgabe unkompliziert ermöglichen. Im Kern sind
an einen Fachplaner muss dieser verant- Als klassische drahtgebundene Systeme Lichtmanagementsysteme höchst kom-
wortungsbewusst einerseits die geeignete im Bereich der Lichtsteuerung haben sich plex, doch mit der entsprechend intuitiv
Lichtlösung entwickeln und andererseits Technologien wie Digital Addressable bedienbaren Steuerung steht einer Nutzer-
das passende Lichtszenario spezifizie- Lighting Interface (DALI), Digital Multiplex freundlichkeit nichts im Wege.
ren. Traditionell wird die Beschreibung (DMX) oder KNX seit Langem bewährt. In
der Lichtlösung der erste Schritt im den letzten Jahren sind mehr und mehr LSDP – Lighting-System-Design-Prozess
Planungsprozess sein. Damit werden die Systeme dazugekommen, die auf Funk- – Der sogenannte Lighting-System-Design-
Wirkung und die Aufgabe des Lichts in basis (ZigBee, Bluetooth, Enocean, WLAN Prozess (LSDP) wird in der prEN TS 17165
der entsprechenden Anwendung (Raum) oder LAN/Ethernet) aufsetzen. In naher beschrieben.
aufgezeigt. Im Laufe des kreativen Light- Zukunft werden sämtliche elektrotech-
ing-System-Design-Prozess entstehen nisch, aber auch autark funktionierenden Bei dem Entwicklungsprozess für das
hierbei vorzugsweise verschiedene Licht- Komponenten in einem Gebäude oder Beleuchtungssystem handelt es sich um
szenarien, die für die Planungsgrundsätze im öffentlichen Raum bereits mit einer einen iterativen Vorgang. In diesem Leit-
notwendig und sinnvoll sind. individuellen IP-Adresse ausgestattet und faden werden die wichtigsten im Umfang
in der IoT-Welt angekommen sein. aufgeführten Konstruktionsaspekte des
Für HCL-Anwendungen bedeutet dies die Vorgangs für gute Qualität, energieeffizi-
Realisierung dynamischer Lichtszenarien Spannend, durchaus komplex, aber ente und effektive Beleuchtungssysteme
mit sich verändernden Lichtfarben, räum- sehr sinnvoll sind kompatible Signal- für Großprojekte im Dienstleistungssektor
lichen Lichtverteilungen und angepassten schnittstellen, um verschiedene Systeme beschrieben. Das fertig konstruierte Be-

36
leuchtungssystem sollte eine effiziente, Am Tag ist bei einem „normalen“ circadia- Blauanteilen sicherstellt. Für die Bewer-
effektive und hochwertige Beleuchtung nen Rhythmus praktisch kein Melatonin tung künstlicher Lichtquellen wurde daher
bieten, die die Anforderungen der Nutzer im Blut nachweisbar. Die aktivierende Wir- Tageslicht D65 als Referenzlicht gewählt,
erfüllt. Die Lösung sollte eine Sicherheits-/ kung von Licht am Tag ist daher auch ein auf das sich die biologisch wirksamen
Notfallbeleuchtung auf der Grundlage anderer Prozess, der mit Melatoninunter- Strahlungsanteile beziehen.
einer Risikoanalyse bzw. gemäß der Ge- drückung in der Nacht nichts zu tun hat.
setzgebung umfassen, die während des Details dazu finden sich in
Konsultationsprozesses ermittelt wird. Die Da Melatonin der wichtigste außen mess- DIN SPEC 5031-100 und in CEN TR 16791.
Elemente dieses Konstruktionsprozesses bare Marker für die circadianen Phasen Es bleibt eine wichtige Fragestellung, ob
können unter Umständen auch für kleinere der inneren Uhr ist, wird die melatonin- bei modernen mit Isolier- und Sonnen-
Beleuchtungskonzepte verwendet werden. unterdrückende Wirkung im Allgemeinen schutzverglasung versehenen Gebäuden,
gleichgesetzt mit der circadianen Wir- die im natürlichen Tageslicht enthaltenen
Der vollständige Planungsprozess für kung, d. h. der biologischen Wirkung von Blauanteile noch in ausreichendem Maße
das Beleuchtungssystem unterstützt die Licht auf die innere Uhr. durch die Gläser dringen können, um die
Umsetzung von Regulierungsmaßnahmen erwünschte biologische Wirkung sicher-
sowie die Entwicklung von Prüfanforderun- Licht, das in der Nacht in der Lage ist, zustellen. Ein über solche Fenster ver-
gen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Melatonin zu unterdrücken, kann im Allge- meintlich „gut“ mit Tageslicht versorgter
erwarteten Energieeinsparungen ohne Ge- meinen auch andere biologische Wirkun- Raum könnte unter Umständen weniger
fährdung der erforderlichen Beleuchtungs- gen (auch am Tag, wie z. B. Aktivierung) biologisch wirksame blaue Lichtanteile ent-
bedingungen erfüllt werden. auslösen, da all diesen Wirkungen die halten als ein gleichartiger mit künstlicher,
Anregung des Melanopsins in den ipRGC tageslichtähnlicher Beleuchtung realisierter
Melanopsin, melanopische Wirkungen zugrunde liegt. Raum.
– Melanopsin ist das Photopigment, das
für die Lichtempfindlichkeit der retinalen Serotonin – Serotonin ist ein Botenstoff,
Ganglienzellen (ipRGC) verantwortlich der Signale zwischen Nervenzellen über-
ist. Seine höchste Empfindlichkeit liegt trägt (Neurotransmitter). Serotonin wird oft
im Bereich zwischen 450 und 530 nm auch als „Glückshormon“ bezeichnet, weil
(Halbwertsbreite) mit einem Maximum es stimmungsaufhellend wirkt. Serotonin
bei 490 nm. Über die Anregung dieses ist das Molekül, aus dem Melatonin gebil-
Farbstoffmoleküls durch Licht geben die det wird. Serotonin kann nur im Körper ge-
ipRGC Nervensignale ab, die biologische bildet werden – hauptsächlich im Gehirn
Lichtwirkungen auslösen. Wenngleich es selbst. Helles Licht fördert die Bildung von
verschiedene Subtypen von ipRGC gibt Serotonin.
und nach heutigem Kenntnisstand auch
die anderen in der Netzhaut befindlichen Tageslicht – Der Begriff wird hier ver-
Photorezeptorzellen an biologischen Wir- wendet, um das Licht zu bezeichnen,
kungen beteiligt sind, tragen melanopsin- das im Freien, aber in einem vor direkter
haltige Ganglienzellen am meisten zu den Sonneneinstrahlung geschützten Bereich
biologischen Wirkungen von Licht bei. vorherrscht. Insbesondere bezieht sich der
Weil biologische Wirkungen wesentlich Begriff dabei auch nur auf die sichtbaren
auf der Anregung der melanopsinhaltigen Anteile (Licht) und ignoriert UV- oder Infra-
Ganglienzellen beruhen, werden diese rot-Strahlungsanteile. Diese sind für die
auch melanopische Wirkungen genannt. hier behandelten biologischen Wirkungen
In dieser Schrift nutzen wir die Bezeich- ohne Bedeutung und werden daher im
nung „biologische“ Wirkungen. Zusammenhang mit HCL nicht berücksich-
tigt. Im Gegensatz dazu weist die direkte
Melatonin – Hormon, das in der Zirbel- Sonnenstrahlung auch UV- und IR-Anteile
drüse gebildet und am Abend und in der auf, die für die menschliche Gesundheit
Nacht in den Blutkreislauf gegeben wird. wichtig sind. Da UV- und IR-Anteile auch
Melatonin wirkt beim Menschen schlaf- gesundheitliche Risiken mit sich bringen,
fördernd. Licht kann am Abend und in der ist eine getrennte Behandlung dieser The-
Nacht die Sekretion von Melatonin ins Blut matik erforderlich. Natürliches Tageslicht
unterdrücken und damit die schlaffördern- gilt als die Lichtquelle, die eine optimale
de Wirkung aufheben. Versorgung mit den biologisch wirksamen

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02 Besser lernen mit gutem Licht (2012) 09 Sanierung in Handel, Gewerbe und Verwaltung (2014) 16 Stadtmarketing mit Licht (2010)
03 Straßen, Wege und Plätze (2014) 10 Notbeleuchtung, Sicherheitsbeleuchtung (2016) 17 LED: Grundlagen - Applikationen - Wirkung (2018)
04 Licht im Büro, motivierend und effizient (2012) 11 Gutes Licht für Hotellerie und Gastronomie (2005) 18 Licht für Museen und Ausstellungen (2016)
05 Industrie und Handwerk (2018) 12 Beleuchtungsqualität mit Elektronik (2003) 19 Wirkung des Lichts auf den Menschen (2014)
06 Shopbeleuchtung, attraktiv und effizient (2011) 13 Arbeitsplätze im Freien (2007) 20 Nachhaltige Beleuchtung (2014)
07 Gesundheitsfaktor Licht (2012) 14 Ideen für Gutes Licht zum Wohnen (2009) 21 Leitfaden Human Centric Lighting (HCL) (2018)

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