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Universität „Džemal Bijedić“ in Mostar

Fakultät der humanistischen Wissenschften

Abteilung für Germanistik

Studienjahr 2019/2020

Unterischtsfach: Geschichte der Sprache

SEMINARARBEIT
Thema: Kanzleisprachen

Mentorin: Studentin:

dr. sc. Anisa Trbonja-Omanić Amra Elezović

Mostar, Dezember 2019


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ............................................................................................................................................. 3
2. Sprachgeschichte ................................................................................................................................. 4
3. Vorangehende Ansätze zu einer überregionalen Schreibsprache ...................................................... 5
4.1. Beitrege zur mittelalterlichen deutschen Kanzleisprache Süd- und Mittelmährens ....................... 9
6. Schlusswort........................................................................................................................................ 11
7. Literaturverzeichnis ........................................................................................................................... 12
1. Einleitung

Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Thema der Kanzleisprache. Diese Arbeit wurde in
drei Teilen aufgeteilt.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird die Sprachgeschichte de Gruyter nach bearbeitet. Dieser Teil
der Arbeit befasst sich mit der Schriftsprache .

Im zweiten Teil wird mehr die überregionale Schreibsprache genauer erforscht. Der Fokus
liegt im Mittelalter, also die Entwicklung und wie es überhaupt zu einer Kanzleisprache kam.
Welche historischen Figuren eine große Rolle zu dieser Zeit spielten.

Im dritten, somit auch letzten Teil wird die Entstehungstheorien Gruyter nach. Es gab
insgesammt vier, die durch das analysieren dieses Themas genauer beschrieben wurden.

Mit dem Schlusswort kommt das Endergebnis der ganzen Seminararbeit.

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2. Sprachgeschichte

De Gruyter ( 2003: 2253) nach, hat sich die deutsche Schriftsprache im Vergleich zu den
Sprchen der benachbarten Nationen relativ spät herausgebildet.

Das liegt an der plurizentrischen Struktur des deutschen Sprachgebietes, womit das Fehlen
eines über die Jahrhunderte hin dominierenden Zentrums politischer, wirtschaftlischer und
kultureller Art gemeint ist, bzw. die Konkurrenz mehrerer Zentren gleichzeitig und im Ablauf
der Zeit.

Die plurizentralische Struktur bewirkt eine außerordentlich starke und für das Dt. typische
Regionalgliederung der Sprache.

Dieses wiederum ist ein großes Hindernis für die Durchsezung einer einheitlichen
Schriftsprache. In der Regel vollzieht sich nähmlich der schriftsprachliche Einigungsprozeß in
zwei Dimensionen ( vgl. de Gruyter 2003:2253):

 durch Überwindung der Vorherrschaft einer fremden Sprache:


 durch Beseitigung der regionalen Sprachvielfahlt;

Der zweite Punkt hat sich als der eigentlich schwierigere erwiesen, weil die regionalen
Sprachvarianten durch jahrhundertelange Schreib und Sprachtradition sehr gefestigt waren.

Entsprechend kompliziert und langwierig lief der Einigungsprozeß ab. Er ist für uns heute
noch nicht in allen Phasen und Details durschaubar. Daher verwundert es nicht, daß im Laufe
der Zeit nicht nur eine, sondern mehrere „Entscheidungstheorien“ vorgelegt wurden, die sich
zum Teil geradezu wiedersprechen ( vgl. de Gruyter 2003:2253).

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3. Vorangehende Ansätze zu einer überregionalen Schreibsprache

Laut Gruyter sind deutschsprachige Texte seit dem 8. Jahrhundert n.Chr. überliefert. Sie alle
zeigen durch das ganze Mittelalter hindurch eine sprachlandschaftliche Prägung und damit
auch eine regionale Begrenzung. Im Unterschied zur späteren Schriftsprache kommen sie
über eine mittlere Reichweite nicht hinaus, sie sind rückgebunden an eine bestimmte
Ausgangslandschaft, an deren Sprache und vor allem Schreibtradition. Diese
Ausgangslandschaft, zu verlassen, heißt übersetzen, transkribieren in die Konventionen einer
anderen Landschaft, eines anderen Schreibdialekts.

Man muss also von den grundsätzlichen territorialen Begrenzheit aller deutschprachigen
Schreibprodukte im gesamten Mittelalter ausgehen, auch noch im15. Jahrhundert.

Natürlich gab es im Mittelalter auch schon überregionale Kommunikationswendigkeiten und


sie wurden mit dem Ablauf der Jhe. immer drängender ( vgl. de Gruyter 2003:2253).

Das Latein konnte sie aus verschidenen Gründen nicht befriedigen, so daß deutschprachige
Ansätze einer territorialen Grenzüberschreitung zu erwarten waren und auch tatsächlich in
Erscheinung treten. Die Aubrüche aus der territorialen „Gefangenschaft“ gelangen aber nur
ansatzweise und nur unter Eingrenzung auf bestimmte Zwecke und damit auch auf begrenzte
Gruppen, z.B. auf die Rede und Schreibweise ritterlicher Dichter (mhd. Dichtersprache) um
nach 1200. Deren Texte sind nur ansatzweise überregional ( vgl. de Gruyter 2003:2253), sie
behalten eine gewisse landschaftliche Prägung. Ihrer nur mittleren Reichweite entspricht nur
ein mittlerer Grad der sprachlichen Kodifizierung.

Das alles zusammen zeigt den prinzipiellen Unterschied zur Schriftsprache. Schriftsprache,
wie sie erst im16. Jahrhundert erreicht wird, erfordert die Selektion einer Norm über, d.h.
außerhalb der einzelnen Schreibdialekte, etwas das aus den einzeln dt. Schreibprovinzen
heraus nicht erreicht werden kann.

Im Blick auf das Mittelalter sind de Gruyter (2003:2253) nach in der Fachliteratur folgende
Sonderformen des Ausbaus mit überregionaler Tendenz genannt worden:

 die Karlingische Hofsprache;


 die Mittelhochdeutsche Schriftsprache/ Dichtersprache;
 die Sprache der Hanse;

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 das Prager Kanzleideutsch Karls IV.;
 das Gemeine Deutsch;

Die ersten zwei liegen zeitlich weitab und unter Sonderbedingungen stehen. Der dritte Punkt,
d.h. die Sprache der Hansen, ist als eine der früheren Schreibdialekten übergeordnete
großräumige Schreibsprache in Norddeutschland und Nordeuropa auf der Basis der Lübecker
Schreibsprache zu verstehen.

De Gruyter nach, die Lübecker Schreibsprache ihrerseits ist eine Art Mischprodukt nordnd.
und gewichtiger westlicher Sprachelemente. Sprech-sprachliche Überregionalitä dürfte damit
nicht gekoppelt gewesen sein, das ist unter den damaligen Gegebenheit prinzipiell nicht
möglich.

Für eine gewisse schriftliche Überregionalität mit einem allerdings nur mittleren sprachlichen
Kodifizierungsgrad ist das Hanse-Deutsch ein gutes Beispiel. Es geht um1600 unter, verdrägt
von der nhd. Schriftsprache, für die es von der Sprachbasis her fremd war, ( vgl. de Gruyter
2003:2254), so daß es in die weiteren Ausgleichsvorgänge nciht einbezogen werden konnte.
So blieb der hansessprachliche Ausgleich zeitlich und räumlich in seinen Begrenzungen
verhaftet und ohne Anschluß an die Zukunftentwicklung.

Das Prager Kanzleideutsch Karls IV. führt uns laut de Gruyter ( 2003:2254 ) in das 14.
Jahrhundert.

Für Burdach, war es in Verbindung mit den humanistischen Strömungen am dortigen Hof
Ausgangspunkt und Grundlage der nhd. Schriftsprache. In der Tat zeigen die Kanzleitexte ein
erstaunliches Maß an sprachlicher Überregionalität, vor allem in Form einer Addition
unterschiedlicher Landschaftsvarianten. Das Besterben von L.E. Schmitt, ging vornehmlich
dahin, die Unabhängigkeit der Wettinischen von der Prager Kanzlei nachzuweisen.

So erkennt er zwar die unbestrittene Sonderstellung Prags bezüglich der schreibsprachlichen


Mischungs-und Ausgleichverhältnisse, er kann sie aber auf dem Forschungshintergrund der
30er Jahre nicht gebührend würdigen und glaubt, die schreibsprachliche Sonderstellung Prags
mit dem Hinweis auf die landschaftstheterogene Zusammensetzung des Kanzleipersonals
abtun zu können. Heute kann man den Vorgang laut Gruyter ( 2003:2254 ) besser verstehen.

Prag ist natürlich nicht die „Wiege“ der Deutschen Schriftsprache. Aber die Kanzlei Karls IV.
darf als ein instruktives Beispiel schreibsprachlicher Auslgleichvorgänge gegen Ende des
Mittelalters gelten, wobei gesehn werden muß, dass auch das addierende Verfahren, d.h. die

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Zusammenführung korrespondierender Regionalvarianten, eine notwendige Vorstufe des
Ausgleichs sein kann und vielfach auch war. Im weiteren historischen Ablauf tritt Prag wieder
in den Schatten.

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4. Die Entstehungstheorien

Es sind Gruyter (2003: 2255) nach, drei Erklärungsmodelle zu nennen.

 Karl Müllenhoff entwickelte 1863 die „Theorie“ von der Kontinuität der
Schriftsprache seit ahd. Zeit. Er nimmt eine kontinuerliche Entwicklung vom 9.- 16.
Jahrhundert an, gebunden hauptsächlich an die kaiserlichen Machtzentren, darstellbar
in 5 Etappen. Nach Müllenhoff geht der frühste Versuch, eine Sprache zu schaffen, die
über den Mundarten steht auf Karl den Großen und sein Hof zurück. Es bildet sich
nach 800 eine karlingische Hofsprache heraus, die auch auf die schriftlichen
Denkmäler der Zeit Einfluß hat. Grundlage für diese Sprache ist das Mainfränkische,
das durch seine Mittellage gut vermitteln kann zwischen den Norden und dem Süden.

 Die Zweite Etappe ist die mhd. Sie hat ihren Schwerpunkt mehr im Südwesten, baut
aber auf den Grundlagen der karlingischen Hofsprache auf, wenn auch mit gewissen
Veränderungen. Die Keiser des 12. und 13. Jahrhunderts, schafen keinen neuen
Sprachtypus, sondern stehen gewissermaßen. Die Gemeinsprache tradiert sich weiter
vom Keiserhaus zu Keiserhaus, bis zum Beginn der Neuzeit. Der keiserliche Hof und
die keiserliche Kanzlei, sind die tragenden Elemente, damit wurde die gesprochene
und geschriebene Sprache gemeint.

 Die dritte Etappe wird laut Gruyter ( 2003: 2255) die Prag Hof und Kanzlei der
Luxenburger werden im 14.Jahrhundert Vermittlungszentrum zwischen
Mitteldeutschland und Süddeutschland beschrieben. Es umfast zwei sprachliche
neuregungen auf, die für die neue Schriftsprache charakteristisch ist, nähmlich die
mitteldt. Monophierung und die süddt. Diphthongierung.

 Nach Gruyter ( 2003: 2256) wird als die vierte Etappe das habsburgerische Wien, das
mit Prag in wechselseitigem Einfluß steht. Um die Wende des 15./16. Jhs. kommt es
zu einer intensiven schreibsprachlichen Annährung der habsburgerischen und der
sächsischen Kanzlei. Damit ist das letzte und entscheidende Stadium erreicht: Martin
Luther schreibt nach der sächs.Kanzlei und setzt somit diese Sprache in allen
deutschen Landen durch.
Am Anfang der deutschen Shriftsprache steht Karl der Große am Schluß Martin
Luther, als Vollender.

Aber dieses Erklärungsmodell wurde nicht akzeptiert. Die plurizentrische Struktur der
deutschprachigen Lande, steht dem Kontinuitätsgedanken entgegen.

Gegen 1900 wird ein anderes Erklärungsmodell propagiert, vertreten von Konrad Burdach
(1884). Den Kontinuitätsgedanken leht er ab. Die Umstände in der Schriftsprache finden sich
in kaiserlichen Prag in der Zeit nach 1350. Die entscheidende Rolle spielen zwei Faktoren :

 der Frühhumanismus;

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 die kaiserliche Kanzlei

Laut Gruyter ( 2003: 2256) war am Hof Kaiser Karls IV. (1346-78) eine Versammlung von
Literaten und Gelehrten. Dieser Kreis hat intensive Beziehungen zu den Humanisten in
Italien; bedeutende Italiener kommen nach Prag, wie der bekannte Petrarca und Cola di
Rienzo.

Sie vermitteln velfältige kulturelle Anregungen, vor allem ein Interesse an der Sprache,
erstens war es die latainische Sprache, später auch die Muttersprache.

Der Kanzler des Kaisers Johan von Neumarkt, gehört zu diesem Kreis. Er nimmt Einfluß auf
die kaiserliche Kanzleisprache und verbessert sowohl die lat. als auch die dt. Kanzleisprache,
damit haben sie gewisse Grundlagen für die neue Sprache entwickelt.

Gruyter ( 2003: 2256) nach hatte Neumarkt seine Methoden der Verbesserung: Eine
Veränderung war zuerst im lautlichen ( Einführung der Diphthonge ), dann im
morphologischen Bereich, durch einen gewissen Ausgleich der Flexionsformen, vor allem
aber in Syntax und Stil.

Ein besonderer Focus war auf die Syntax und den Stil gerichtet. Hier wird, seiner Meinung
nach, der Einfluß lat. Kunstprosa besonders greifbar, etwa in der rationalen Durchgliederung
der Satzgefüge und in der gehobenen Ausdrucksweise, die die Kunstmittel der Rhetorik
verraten.

Damit erwies sich das humanistische Kanzleideutsch in Prag als eine Sprache der Bildung und
des höheren Lebens und könne die Funktion einer Schrift Kultursprache übernehmen.

Die nhd. Sschriftsprache sei also eine Schöpfung der Gebildeten, ihre Wiege war im Prag,
(vgl. Gruyter 2003: 2256) am Hofe und in der Kanzlei Karls IV.

4.1. Beitrege zur mittelalterlichen deutschen Kanzleisprache Süd- und Mittelmährens

Schwarz nach, wird heute den spätmittelalterlichen Kanzleisprachen erhöhteAnteilnahme


zugewendet.

Die neueren Arbeiten beschäftigen sich mit der Frage, die mit der Ausbildung und Festigung
der neuhochdeutschen Schriftsprache in Verbindung steht.

Die Frage der neuhochdeutschen Schriftsprache können bei Untersuchungen über die
Deutsche Kanzleisprache des hohen Mittelalters in den Sudetenländern zurückgestellt werden,
seit die Anschicht aufgegeben werden mußte, das die Kanzlei Karls IV. der Ausgangspunkt
einer frühen Kanzleisprache gewissermaßen als Vorläufer Martin Luthers gewesen sei.

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Nach Schwarz, führt von ihr kein Weg zum Reformator, denn als Folge der Hussitenkriege ist
die deutsche Kanzleisprache Böhmens, die in dem Nebeneinander der neuhochdeutschen
Diphthonge ei, au,eu für mhd. ī, ū, iu und der Monophthonge ī, ū, ü für mhd. ie, uo, üe (
mein, Haus, heute, lieb, gut, müde) gewiß den auch bei Luther üblichen Stand erreicht hatte,
in der Bedeutung so zurückgefallen, daß die Vorgeschichte der Luthersprache ohne die
Sprache des frühen Humanismus am Hofe Karls IV. gesehen werden muß.

Laut Schwarz, beruht die Sprache der Bibelübersetzung Luthers nach seinen eigenen Worten,
auf der meißnischen Kanzleisprache und es ist sein Verdienst, sie volkstümlich gestaltet zu
haben.

Jetzt stellt sich die Frage, wie die ostmitteldeutsche Kanzleisprache zu der vorlutherischen
Zeit gewachsen und instand gesetzt worden ist, als Grundlage zu nhd. Schriftsprache zu
dienen.

Die Einwände gegen Burdach, der das Schwergewicht auf Böhmen im 14. Jahrhundert legen
wollte, fast Schmidt zusammen.

Die Entwicklung von Rienzo und des italienischen Frühhumanismus ist übertrieben worden.
Burach und Bernt vernachlässigen die rein sprachlichen Grundlagen. Diese Einwände können
aus der Geschichte Böhmens und seiner Kanzleisprache entscheidend vermehrt werden.

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6. Schlusswort

Das Ziel dieser Arbeit war die Kanzleisprache. Erstens um diese Arbeit genauer analysieren
zu können, war im Vordergrund der geschichtliche Teil.

Da die Arbeit aus drei Teilen besteht wurde durch die einzelnen Teile der historische
Hintergrund dargesellt, u.a. wurde festgestellt wer die wichtigsten Figuren des Mittelalters
waren.

Die Entstehungstheorien sind stufbezogen und detaliert analysiert worden. Durch diese
Seminararbeit bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kaznleisprache, nicht jeder und
immer verwenden kann, das ist eine Art „gehobener“ Sprache, die ihre Kriterien hat.

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7. Literaturverzeichnis

Primärliteratur :

 de Gruyter, Walter (2003) Sprachgeschichte, Berlin

Internetquellen:

 Schwarz, Ernst (PDF Format ): Beiträge zur Mittelalterlichen deutschen


Kanzleisprache Süd und Mittelmärens

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