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Über den Gebrauch von Perlen im Altertum

Die Perlen der Steinzeit

Die Verwendung von Perlen als Schmuck reicht weit bis in die Steinzeit zurück, wobei die
steinzeitlichen Perlen hauptsächlich noch aus einfachen Naturmaterialien bestanden wie z.B.
durchbohrten Knochen. Es finden sich aber auch schon figürliche Darstellungen aus Bernstein
in Form von Äxten. Daneben fanden sich Perlen aus Bernstein, der in Dänemark und
Südschweden und entlang der baltischen Küste häufig vorkommt. Diese Bernsteinperlen
hatten verschiedene Formen, oft in Gestalt von Scheiben, Röhren oder Prismen, wobei Axt-
oder hammerförmige Perlen einen großen Teil der Funde stellen, was zu der Theorie führt,
dass diese Perlen evtl. eine religiöse Bedeutung in Bezug auf einen Donnergott ähnlich Thor
hatten.

Die Perlen der Bronzezeit

Während der Bronzezeit nehmen die Funde von Bernsteinperlen im Norden extrem ab, da
Bernstein zu einem kostbaren Tauschartikel mit den antiken Kulturen im Süden Europas
geworden war. Neben kleinen tonnenförmigen oder scheibenartigen Perlen verwendete man
nunmehr vor allem Perlen aus Bronzespiralröhrchen, die bis in die Latènezeit bestand hatten.
Sehr selten finden sich im bronzezeitlichen Fundmaterial auch Glasperlen orientalischer
Provenienz, die zumeist scheibenförmig gestaltet waren und zumeist blaue oder grünliche
aber auch bräunliche Farbe hatten oder sogar mehrfarbig waren.

Die Perlen der Eisenzeit

Die Germanen der vorrömischen Eisenzeit trugen ebenfalls so gut wie keinen Perlenschmuck
nur vereinzelt finden sich blaue Glasperlen aus keltischer Fertigung und kleine, spiralförmige
Bronzeröhrchen, die jedoch beide nur sehr selten im Fundmaterial auftreten. Erst in der
nachchristlichen Eisenzeit gelangten durch Importe aus den römischen Provinzen zunehmend
auch vereinzelt Perlen aus Glas und Ton in die germanischen Gebiete ohne jedoch größere
Verbreitung zu finden. Perlen aus filigranverziertem Gold- oder Silberblech waren bei den
Germanen hingegen sehr geschätzt.
So sind alleine von Bornholm kennt ca. 40 Metallperlen in zumeist doppelkonischer und
kugelförmiger Form nachgewiesen, die als Halsketten getragen wurden. Zylindrische oder
viereckige Perlen kamen ebenfalls vor, waren jedoch seltener.

Die Perlen der Völkerwanderungszeit

In der spätrömischen Epoche blüht der Import von Perlen aus Glas und Emaille aus den
provinzialrömischen Gebieten auf, wobei die Perlenfabrikation in der Völkerwanderungszeit
auch nach dem Fall des weströmischen Reiches im Ostreich weiter fortdauerte. In Grablegen
können für diese Zeit nunmehr große Perlenfunde nachgewiesen werden, die häufig mehrere
Hunderte von Perlen umfassen. Auch Bernstein tritt als Material für Perlen in spätrömischer
Zeit wieder in Erscheinung, wobei diese in der Regel flach-kugelig oder scheibenförmig
waren. Hierbei gelangte der nordosteuropäische Bernstein zu größerer Verwendung. Wie auch
später zur Wikingerzeit finden sich bereits in den Perlenfunden der Völkerwanderungszeit
zuweilen oft sehr große kugelförmige Bernsteinperlen.

Die Perlen der Wikingerzeit

Anders als bei den christlichen Karolingern im Frankenreich und den Angelsachsen in
England wurden bei den im frühen Mittelalter noch heidnischen Wikingern in Skandinaviern
reiche Perlenschätze als Beigaben in Gräbern niedergelegt. Unter allen Funden der
Wikingerzeit gehören Glasperlen dabei neben Tonscherben und Eisennägeln zu den
häufigsten Artefakten und finden sich in ärmlichen wie reich ausgestatteten Gräbern, wobei
Mädchen und junge Frauen oft mehr und ältere Frauen weniger Perlen als Beigabe hatten.
Perlen finden sich überwiegend in Frauengräbern, in Männergräbern sind sie nur extrem
selten vertreten und wenn, dann nicht als Halsschmuck, sondern in anderer Verwendung, z.B.
als Beutelverschluss. Eine einzige Ausnahme wurde auf Gotland nachgewiesen, wo ein
Bestatteter eine Kette mit 100 Glasperlen um den rechten Arm gewickelt hatte.

Die Perlenketten der Frauen wurden üblicherweise dicht am Hals getragen oder reichten weit
auf die Brust hinab. Häufig waren ein oder mehrere Stränge von Perlen zwischen den
Schalenfibeln aufgespannt. In Ostschweden, auf Gotland und im Baltikum waren auch so
genannte Kettenverteiler verbreitet, bei denen zwischen zwei Trägern mehrere Perlenketten
übereinander befestigt waren.

Die Glasperlen zur Wikingerzeit waren oft auf Bronzedraht aufgefädelt, wie es auch schon
zur Völkerwanderungszeit üblich war, und kamen in einer reichen Formenvielfalt vor.
Auffallend ist dabei, dass die Zusammenstellung der einzelnen Perlen auf der Kette oft sehr
willkürlich und für den heutigen Betrachter unharmonisch erscheint und keiner logischen
Anordnung folgt. Zwischen den Perlen konnten sich zudem einer oder mehrere Anhänger
befinden oder an Drahtschlingen weitere Einzelperlen befinden.
Die Wikingerzeitlichen Perlen konnten kugelig, röhrenförmig, zylindrisch, doppelt konisch,
kubooktaedrisch oder prismatisch sein. Manche waren fruchtähnlich kanneliert, andere
kristallartig facettiert, manche mit Gold- oder Silberfolie unterlegt.

Am häufigsten kamen schlichte Perlen aus einfarbigem, durchsichtigem Glas in blau, grün
oder violett vor. Daneben kamen ein- oder mehrfarbige Perlen aus Email oder Glasfluss vor,
hergestellt aus undurchsichtiger Glaspasta in grün, blau, violett, gelb, rot oder weiß, wobei
Bänder und Punkte in verschiedenen Farben in die Perlen eingelegt wurden, sog.
Mosaikperlen oder Millefioriperlen. Zusätzlich gab es prismatische Bergkristalle und
Karneole, welche über die Handelswege der Wikinger vom Orient nach Skandinavien gelangt
waren.

In der zweiten Hälfte der Wikingerzeit traten dann auch zunehmend filigrane Perlen aus
Silber oder Gold auf, die kugelig, doppelkonisch oder röhrenförmig gestaltet sein konnten.
Die wikingerzeitlichen Metall-Perlen hatten ihre Ursprünge in der slawischen
Goldschmiedekunst, bei der man mit einfachsten Mitteln Schmuck in kunstfertiger
Filigrantechnik mit sog. Granulationsdekor gestaltete, wobei zur Granulierung feine
Silberdrähte, Perlenschnüre und Kugeln verwendet wurden.
Dieser Granulationsdekor hatte die Form von feinen Silberdrähten, Perlenschnüren und
Kugeln, wobei als Grundlage für die Perlen eine getriebene oder gegossener Grundform aus
dünnem Silberblech zur Anwendung kam, auf welche die granulierten Schmuckelemente
dann aufgelötet wurden, wobei das Lot keine mit dem Auge wahrnehmbaren Spuren
hinterließ, so dass es den Anschein hatte die filigranen Granulationen würden über der
Oberfläche schweben.

Peer Carstens