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Die Entwicklung des Fingerrings von Antike bis

Renaissance
Die ältesten heute bekannten Ringe sind über 21.000 Jahre alt - ein bedeutendes Beispiel
eines Rings aus Mammutelfenbein stammt bspw. aus Pavlov in Tschechien.
So wurden frühe Fingerringe aus Bein, Knochen, Horn und vermutlich auch aus Holz sowie
und Bernstein) gefertigt. Doch seit die Menschen der Antike Bronze, Silber und Gold als
Material für Schmuck entdeckt hatten, schmückten diese ihre Finger auch mit Ringen aus
Metall.

Fingerringe wurden dabei aber nicht nur als Schmuck verwendet, sondern waren auch
Wertobjekte, die in vorgeschichtlicher Zeit auch als Tausch- und Zahlungsmittel dienten.
Bei den antiken Ägyptern waren Ringe oft mit göttlichen Attribute und Schriftzeichen
versehen, da Schmuck nicht nur einfacher Selbstzweck war, sondern zumeist auch in
Verbindung mit Magie und Götterglaube gesehen wurde und sich die frühen Menschen Heil
und Segen davon versprachen.

Aus dem antiken Griechenland und der römischen Republik sind eine Vielzahl von
Fingerringen überliefert, mit denen sich nicht nur die Damen der höheren Gesellschaft,
sondern auch die Herrenwelt der Antike zu schmücken wusste.

Auch bei den Kelten der Latènezeit, also der vorrömischen, keltischen Periode und später
bei den eisenzeitlichen Germanen wurden Fingerringe nach römischem Vorbild getragen.
Die Wikinger, Slawen und Menschen des Mittelalters gestalteten schließlich neue Formen
von Fingerringen, die oft aus flachen Platten oder geflochtenen Drähten gefertigt waren, bis in
der Renaissance der Formenschatz der Antike wiederentdeckt wurde und erneut Ringe nach
antikem Vorbild in die Schmuckmode Einzug hielten.

Die Ringe der Antike

Besonders der Siegelring, der quasi die heutige Unterschrift ersetzte und das Zeichen eines
zugeordneten Besitzers trug, war schon in der griechischen Antike sehr verbreitet.
Das persönliche Siegel in Form eines Fingerrings konnte auf diese Weise immer bei sich
getragen werden und stand jederzeit zu Verfügung.

Zum einen gab es Siegelringe mit einer Inschrift oder Ringe mit einer bildlichen, manchmal
auch allegorischen Darstellung. Antike Fingerringe waren dabei häufig aus Bronze, Silber
oder Gold gefertigt, es wurden jedoch auch farbiges Glas, Emaile und Halbedelsteine
verwendet.

Doch nicht nur rund um das Mittelmeer, auch im europäischen Norden wurde um etwa 1500
Jh. v. Chr. Fingerringe getragen. Sehr typisch war in der Bronzezeit der sog. Spiralring, ein in
mehreren Windungen übereinander liegender Bronzedraht mit zu Spiralen eingedrehten
Enden.
Diese bronzezeitlichen Spiralringe konnten bis zu zwanzig Windungen haben und wurden in
unterschiedlichen Stärken als Fingerring, Armring und sogar Beinring getragen.

Besonders die Etrusker, die Vorgänger der Römer, verfeinerten die bereits in Ägypten
bekannte Schmuckgestaltung der Granulation unter Verwendung kleiner Goldkügelchen und
brachten diese zu höchster, technischer Präzision.
Neben Anhängern, Fibeln und Armreifen wurden bei den Etruskern auch Fingerringe mit dem
Aufbringen von Granalien verziert, doch kamen ebenso Relief- und Filigrantechniken zur
Anwendung.
Etruskische Ringe waren häufig auch mit Platten in Form von Kartuschen oder Skarabäen aus
Karneol verziert.

Die Ringe der Römer

Die Römer übernahmen von den Etruskern viele Techniken und Handwerksfertigkeiten.
Nicht nur kostbare Edelsteine wurden von den Römern gerne als Bestandteil ihrer Fingerringe
verwendet, sogar einfach Ringe aus Eisen waren in Gebrauch und galten in den frühen Tagen
der römischen Republik als ein spartanisches Idealbild mit dem sich ein gesitteter Bürgerstolz
verband.

Fingerringe aus Gold waren in dieser Zeit lediglich den Senatoren gestattet, und auch das
nur bei offiziellem Anlässen. Doch mit Beginn der römischen Kaiserzeit um Christi Geburt
wandelte sich dieser Brauch und Ringe aus Gold und Edelsteine verbreiteten sich zunehmend,
ja römischer Schmuck wurde sogar im ganzen Mittelmeerraum geläufig.

Vielfach wurden in dieser Zeit sog. Gemmen zur Gestaltung römischer Fingerringe
verwendet, deren in Karneol eingeschnittene Verzierungen Motive aus der römischen Götter-,
Tier und Sagenwelt entlehnten.

Wie schon bei den Griechen wurden auch von der Kaiserzeit bis zur Spätantike Siegelringe in
großem Stil getragen.
So war bspw. der römische Politiker und Feldherr Pompeius im Besitz einers wertvollen
Siegelringes, der einen Löwen mit einem Schwert in seinen Tatzen zeigte, was als Hinweis
auf seinen kämpferischen Geist zu verstehen war. Der Siegelring von Julius Caesar hingegen
zeigte eine bewaffnete Venus.

Schmuck diente den Römern vor allem als Symbol für und Reichtum und Macht - so war es
auch nicht jedermann, sondern nur frei geborenen Römern gestattet, einen Siegelring aus
Gold oder Edelsteinen zu tragen. Doch gegen Ende der römischen Kaiserzeit trugen sogar
römische Frauen einen Siegelring.

Neben dem Gebrauch von Edelsteinen zur farbigen Akzentuierung wurde für Fingerringe
aber auch die Durchbruchtechnik verwedet, lat. "opus interrasile", welche den Ringen
Leichtigkeit und Eleganz verlieh.
Die den Römern nachfolgenden Byzantiner übernahmen deren Technik des
Gemmenschneidens und die Durchbruchstechnik für Ringe, bezogen jedoch zunehmend
christliche Zeichen und Themen mit ein.

So wurden die antiken Formen zunehmend durch christlich geprägte Motive abgelöst und die
bildlichen Darstellungen zunehmend durch einfacher anzufertigende Schriftzüge und
Monogramme ersetzt.
Römische und byzantinische Eheringe waren dabei oft in der inneren Ringschiene mit
Inschriften versehen.
Häufig findet man beispielsweise den Spruch „Pignus amoris habes“ – „Du hast meiner Liebe
Pfand“.

Als Vorläufer des heutigen Eheringes kam ab 2. Jahrhundert v. Chr ein Ring in Mode, der als
ineinander gefaltete Hände gestaltet war, der sogenannten »dextrarum iunctio«.
Diese Form von Liebesbeweis wurde im hohen und späten Mittelalter wieder aufgegriffen
aus der eine ganze Reihe von Fingerringen mit Darstellungen von Händen bekannt sind. Die
Bedeutung war die selbe, ein Symbol für Gemeinsamkeit, Treue und Verbundenheit.

Allerdings trugen bei den frühen Römern nur die Frauen einen Ehering, der zudem auch
meist aus Eisen gefertigt war und als Zeichen der Bindung galt, vielleicht aber auch nur eine
Art „Empfangsbestätigung“ für die Mitgift war...

Anders als bei uns üblich, trugen die Römer wie auch die heutigen Italiener den Trauring an
der linken Hand, weil man glaubte, dass eine Ader, die sog. Vena amoris, die Liebesader,
direkt von diesem Finger bis zum Herzen reiche.

Neben Siegelringen und Fingerringen in Schlangenform, schlichten Ringen mit Edelstein


oder Gemmen aus Karneol, gab es auch sog. Schlüsselringe, die in der Funktion von
Eheringen die Herrschaft über Haus und Hof ausdrückten. Andere römische Ringe trugen
eingravierte Kurzwünsche, wie bspw. den beliebten Spruch „utere felix“, was so viel heißt
wie "Nutze dein Glück".

Ein wenig pikant ist hingegen, dass seit der Antike auch der Giftring bekannt ist, ein Ring,
der mit einem zu öffnenden Behältnis versehen ist, das Gift aufnehmen konnte, welches man
auf diese Weise unauffällig in ein Getränk oder Speisen entleeren konnte. Noch zur
Renaissance soll der Giftring ein gern gebrauchtes Requisit zur Machterhaltung gewesen
sein...

Die Ringe der Kelten

Die Schmuckgestaltung der Kelten schuf in der Hallstattzeit hauptsächlich Fingerringe mit
geometrischen Mustern in Form von Verzierungen mit Dreiecken, Kreisen und Rauten.
Unter griechischem und etruskischem Einfluss entwickelte sich Ende des 6. Jh. v. Chr. die
keltische Latènekultur, die mediterane Ornamente und Motive aufnahm.

Anfangs dominierten in der Latènekultur naturalistische Motive wie Gesichter und Tiere in
plastischen Darstellungen. Auch integrierten die Kelten der Latènezeit Abbildungen von
Palmetten und Akanthusranken in Ihre Schmuckgestaltung.
In der späteren Latènezeit tauchten auf Ringen schließlich plastische Wirbelornamente und
Knotenmuster auf und wurden zu komplexe Mustern aus ineinander verschlungenen
Spiralen, Ranken und Schleifen ausgestaltet, womit sich der keltische Schmuckstil von den
mediterranen Vorbildern ablöste.

Fingerringe aus der Latènezeit wurden zwar nur recht selten gefunden, bestanden aber
zumeist aus Bronze. In den frühen keltischen Fürstengräbern fanden sich jedoch zuweilen
auch prächtige Fingerringe aus purem Gold.
Die Ringe der Germanen

Die frühgeschichtlichen Germanen verwendeten als Zahlungsmittel besonders im Norden


Europas gerne spiralförmig um den Finger, Fuß oder Handgelenk gewickelt Drähte aus
Bronze, Silber und gelegentlich auch Gold, von denen man bei Bedarf einfach ein Stück
abschnitt.
Selbst noch 1000 Jahre später, zur Wikingerzeit, waren solch einfache Spiralringe als sog.
Hacksilber als Zahlungsmittel im Umlauf.

Aus den frühgermanischen Spiralringen entwickelten sich bis zum 3. Jh. schlangenförmige
Fingerringe, die möglicherweise nach römischen Vorbild auch Schlangenköpfe tragen
konnten und mit verschiedenen Ornamenten verziert waren.
Da solche Fingerringe auch zwischen den Waffen im Moorfund von Thorsberg gefunden
wurden zeigt, dass Fingerringe bei den Nordgermanen nicht nur von Frauen, sondern auch
von Männern getragen wurden.

Besonders bei den Germanen im Südwesten Skandinaviens waren solche Schlangenringe


sehr verbreitet und konnten in mehrfachen Windungen bis zu 8 Köpfen haben, doch auch in
den römisch besetzten Gebieten in Westdeutschland entlang des Rheins wurden in römischen
Siedlungen und Militärlagern solche germanische Schlangenringe gefunden.

Möglicherweise galt die Schlange den Römern und Germanen als ein Gleichnis für Heilung,
denn bereits in der griechischen Antike war die Schlange gedanklich mit der Heilkunst
verbunden. Auch heute noch steht das Symbol des Äskulap-Stabes für die Medizin zeigt.
Wenn man berücksichtigt, dass die Schlange sich regelmäßig häutet, kann man das Symbol
der Schlange möglicherweise auch als Gleichnis für ewige Jugend betrachten, was als Thema
für die Menschen in wohl allen Epochen irgendwie von Belang war.

Im Zuge der Völkerwanderungszeit entwickelten die Germanen im 4. und 5. Jh. n. Chr. aus
ihrem eigenen Schmuckempfinden heraus eine neue eigenständige Schmuckgestaltung fern
römischer Einflüsse, die sich in einer abstrakten Tierornamentik erging und mit aufwändiger
Granulations- und Filigrantechnik sowie Einlegearbeiten in Cloisonné mit roten Almandinen
gestaltet wurde.
Auch Christliche Motive und persönliche Namen wurden als Gestaltung für germanische
Fingerringe nun üblich.

Die Ringe der Wikinger und Slawen

Wie schon bei den frühen Germanen war es auch noch bei den Wikingern aufgrund des noch
in Entwicklung befindlichen Münzwesens üblich, Edelmetall nach Gewicht zur Bezahlung zu
Verwenden.
So bot es sich an, aus dünnen Bronze- oder Silberdrähten gefertigte und in mehrere
Windungen gelegte Fingerringe zu tragen, von denen man je nach Bedarf ein kleineres oder
größeres Stück abbrechen konnte.

Daher wundert es nicht, dass Ringe bei den Wikingern häufig als sog. Hacksilber gebraucht
wurden und zuweilen nur zweitrangig als Schmuck getragen wurden.
Zum anderen war Schmuck während der Wikingerzeit ein bedeutendes Statussymbol und ein
Wikinger, der reich genug war, sich Schmuck zu leisten, der zeigte das auch. Nicht anders
verhielt es sich bei den Slawen.
So wurden neben prachtvollen Fibel und schweren Armreifen auch zahlreiche Fingerringe aus
der Wikingerzeit von Skandinavien bis nach England und Russland gefunden.

Die Fingerringe der Wikinger waren zumeist aus einfachen, gewickelten Messing- oder
Silberdrähten gefertigt und wurden von Männern wie Frauen gleichermaßen als Schmuck
getragen.
Aber in England wurde auch ein bemerkenswertes Beispiel eines wikingerzeitlichen
Runenrings gefunden Daneben finden sich einfache, flache Ringe mit dreieckigen
Verzierungen und Reliefprägungen oder Kreisaugenmotiven.

Aber die Wikinger trugen auch hochwertige, geflochtene und mit filigranen Perldrähten
verzierte Fingerringe aus Bronze, Silber und seltener auch Gold. Ringe mit Edelsteinen
kamen als Schmuck bei den Wikingern bis auf einige wenige Ausnahmen nicht vor.

Aus der Edda der Wikinger ist uns der magische Ring Draupnir bekannt, ein wertvoller
goldener Götterring, den der Sage nach einst die beiden Zwergen Sindri und Brokk
geschaffen hatten und der durch einer Wette mit Loki dem Göttervater Odin zum Geschenk
gemacht worden war.
Der Ring Draupnir hatte die besondere Eigenschaft, in jeder neunten acht ebenso schwere und
kostbare Ringe von sich abtropfen zu lassen. Zum anderen sollte der Ring Draupnir seinem
Besitzer Unsichtbarkeit verleihen und Wünsche erfüllen.

Im Skirnirlied der Edda reitet Skirnir, Freund des nordischen Gottes Freyr, für diesen auf
Brautschau ins Riesenreich und bietet dort den Ring Draupnir der Riesentochter Gerda als
Hochzeitsgeschenk an, was sie jedoch ausschlägt, da sie selbst schon genug Gold besäße.

Bei Germanen und Wikingern war es in der Regel üblich, Fingerringe nicht geschlossen zu
arbeiten, sondern mit einem unten offenen Ring, so dass man die Größe beliebig verstellen
und auf den jeweiligen Finger anpassen konnte.

Die Ringe im Mittelalter

Wie zuvor schon bei Germanen und Wikingern war auch im Mittelalter Bronze, Silber und
Gold die Hauptmaterialien für die Fertigung von Ringen. Doch auch Blei-, Bein-, Gagat- und
Glasringe waren üblich.

Im Hochmittelalter des 12. Jh. lebte die seit der Spätantike aus der Mode gekommene
Verwendung von Edelsteinen wieder auf. Die Edelsteine waren zumeist polierte Cabochons
und einfach facettierte Steine eher die Ausnahme, wobei sowohl Rubine, Saphire, Almandine,
Amethyste, Bergkristall und sogar Rohdiamanten verwendet wurden.
Die Kunst des Steinschneidens in Intaglios und Kameen erlebte eine neue Blüte.

Fingerringe wurden im hohen Mittelalter von denen, die es sich leisten konnten nicht nur als
Schmuck getragen, sondern war je nach Ausführung auch Ausdruck religiöser Inbrunst oder
ein Zeichen gegenseitiger Zuneigung.
Besonders Ringe mit Inschriften wurden im Mittelalter sehr geschätzt, wobei Fingerringe in
Form eines Steigbügels sehr verbreitet waren.
Siegelringe waren im hohen Mittelalter ebenfalls weiterhin üblich und dienten als
Standeszeichen. Auch trugen Äbte und Äbtissinnen kostbare Ringe als Ausdruck ihres Amtes.

Im 15. Jahrhundert wurde es schließlich Sitte, mehrere Ringe gleichzeitig an beiden Händen
zu tragen, wobei nur der Mittelfinger ausgespart blieb der bereits bei den Römern als
unschicklicher Finger angesehen wurde...

Anders als zu Zeiten der Römer war der Ring im Mittelalter zwar nicht mehr einer
bestimmten Gesellschaftsschicht vorbehalten, allerding schränkten Sittengesetze im 14. und
15. Jh. das Tragen von Schmuck schließlich ein.

Die Ringe ab der Renaissance

Aufgrund der ab dem 16. Jh.zu höchster Blüte kommenden Porträtmalerei erhalten wir heute
bis in die kleinsten Details eine Vorstellung, welche Art von Ring eine begüterte Person in der
Renaissance zu tragen pflegte.

Und man kann sagen, in der Renaissance wurden von Männern wie Frauen Ringe in jeder
Form und Ausführung getragen. Besonders Fingerringe mit Edelsteine mit Dreieckfacetten,
dem sog. Rosenschliff, wurden Ende des 16. Jahrhunderts üblich, bei Diamant-Ringen war
der sog. Tafelschliff vorherrschend.

In manchen Orden trugen auch Nonnen und Ordensschwestern nach ihrer feierlichen Profess
einen Ring, der als bräutliches Symbol für die Bindung an Christus angesehen wurde.
Auch Abt-, Bischof- und Kardinal trugen einen Fingerring, als Insignien ihres Amtes, der
Papst den sogenannten Fischerring, die oft mit einem Amethyst, dem Stein der Anmut und
Weisheit geschmückt waren.

Literaturhinweise

Der Ring und seine geschichtliche Entwicklung - Sarah Kraushaar


Ringe in Kulturgeschichte und Erzählforschung - Klaus Graf
https://de.wikipedia.org/wiki/Ring_(Schmuck)

Peer Carstens