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Verbales und nonverbales Verhalten in der Klasse

Grundlagen der Kommunikation

Das Sender-Empfänger-Modell definiert Kommunikation als


Übertragung einer Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger.
Dazu wird die Nachricht kodiert (verschlüsselt) und als Signal
(hörbare und sichtbare Zeichen) über einen Übertragungskanal
übermittelt. Der Empfänger entschlüsselt die Nachricht. Dabei kann
die Nachricht durch Störungen verfälscht werden.
Störungen entstehen z.B. durch unterschiedliche Sprache und
Übersetzungsfehler, Mehrdeutigkeit, kulturelle Unterschiede oder
mangelnde Aufmerksamkeit. Auf dem Übertragungsweg entstehen
weitere Störungen: verfälschende oder verfremdende Stille Post,
übertönender Lärm, unterschiedliche Wahrnehmungskanäle, und andere Filter- oder Veränderungseinflüsse. Durch Rückmeldung des
Empfängers und Hinterfragen beim Empfänger kann der Sender überprüfen, ob seine Sende-Absicht mit dem Empfangsresultat
übereinstimmt. Eine solche Rückmeldung heißt auch Feedback. Entscheidender als die Absicht, die der Sender vermitteln will, ist die
Wirkung, die seine Worte beim Empfänger erzielen.

Die vier Seiten einer Nachricht nach Friedemann Schulz von Thun
Jede Nachricht enthält ein ganzes Paket mit vielen verschiedenen Botschaften und das macht den Vorgang der zwischenmenschlichen
Kommunikation so kompliziert und störanfällig, aber auch so aufregend und spannend. Um die Vielfalt der Botschaften, die in einer
Nachricht stecken, ordnen zu können, kann man vier bedeutsame Seiten an ihr unterscheiden.

Sachinhalt „worüber ich informiere“ Der Sender vermittelt auf der Sachebene seine Nachricht (Daten, Fakten und Sachverhalte).
Wichtig ist die klare und verständliche Übersendung. Der Empfänger prüft ob die Sachbotschaft die Kriterien Wahrheit (wahr/unwahr),
Relevanz (wichtig/belanglos) und Hinlänglichkeit (ausreichend/ergänzungsbedürftig) erfüllt.
Beziehung „was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen“ Der Sender offenbart durch die Art der formulierten Nachricht,
den Tonfall, die Mimik und Gestik die bestimmte Beziehung zum Empfänger. Die
Botschaft dieser Ebene beinhaltet, was der Sender vom Empfänger hält und
auch, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger definiert.
Für diese Seite der Nachricht hat der Empfänger ein besonders empfindliches
Ohr.
Selbstoffenbarung „was ich von mir selbst kundgebe“ Über die
Selbstoffenbarungsebene teilt jeder Sender verbal oder nonverbal Informationen
über seine eigene Persönlichkeit mit. Dies kann unbewusst oder bewusst
geschehen. In jeder Nachricht steckt ein Stück Selbstoffenbarung des Senders.
Appel „wozu ich dich veranlassen möchte“ Auf der Appellebene möchte der
Sender den Empfänger dazu bringen, in bestimmter Richtung Einfluss zu

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nehmen, wie bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen, zu denken oder zu fühlen. Dieser Versuch, Einfluss zu nehmen, kann mehr
oder minder offen oder versteckt sein.

Die verbale Kommunikation im Unterricht


Der Erfolg des Unterrichts hängt in besonderem Maße davon ab, inwieweit es dem Lehrer gelingt. zwischen seiner Verbalsprache und
seiner Körpersprache einen Gleichklang zu erzielen. Sprache ist Ausdruck der individuellen Persönlichkeit. Je kontrollierter die Sprache
eingesetzt wird, desto größer ist die Behaltensleistung der Schüler. Welche Elemente gibt es? Inwieweit kann der Lehrer mit Hilfe
seiner Stimme, Wortwahl, usw. den Unterricht gestalten und beeinflussen?
 Sprachstil= Verständlichkeit der Sprache (Sprechtempo, Lautstärke (leise, laut), Stimmhöhe)
 Schweigen: -= Phase des Nicht-Sprechens (bewusstes Schweigen als hohe psychische Belastung, weil
Pufferfunktion der Sprache wegfällt; Eignung, um gezielt Akzente zu setzen und den Unterricht dadurch
abwechslungsreicher zu gestalten)
o ABER: Schweigen schwierig, weil eine Gratwanderung zw. rhetorischen Mittel als Spannungsaufbau oder Verfehlung der
Wirkung und Spannungsabfall
 Lehrer- bzw. Schülerecho= Wortwörtliche Wiederholung der Schülerantworten (Wird vom Lehrer benutzt, um
drohende Pausen zu überbrücken; Lehrerecho dient dazu, dem Lehrer Zeit zum Nachdenken über anders zu geben, kann
aber auch als Entlastung des eigenen Sprechens und Denkens empfunden werden)
 Fragetechniken/ Fragen nachschieben (Einsatz abhängig von Alterstufe, Fach, Thema, Unterrichtsphase!)
 Lob und Anerkennung (Lob als Teil der Beziehungsebene; durch Lob fühlen sich Schüler akzeptiert)
o DESHALB: Loben Sie Schüler, indem Sie sich auf Gedanken von ihnen beziehen. So zeigen Sie, dass Sie
ihnen wirklich zugehört haben.

Nichtverbales Lehrerverhalten in und vor der Klasse


Körpersprache ist ein mächtiges Instrument, wenn man sie bewusst einsetzt. Vor allem für Lehrer: Sie stehen
nämlich nie nur als Wissensvermittler vor ihren Klassen, sondern immer auch als Person. Wie sie das tun, entscheidet
mit über den Lernerfolg ihrer Schüler. Denn Pädagogen mit wirkungsvoller Körpersprache bringen den Schulstoff
nicht nur besser rüber, beim Publikum kommt auch mehr an. Weil sie Aufmerksamkeit schaffen für ihre Worte, die
Zuhörer mit nicht sprachlichen Signalen motivieren. Sie machen so nebenbei müde Schüler munter. Oder
umgekehrt.
 Gestik, Mimik (Hände auf Brusthöhe erzielt eine positive Ausstrahlung! Eine übertriebene Mimik wirkt
negativ; Gesten der Zurückweisung: Arme verschränken, Zeigefingergeste)

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 Blickkontakt Nach etwa 30 Sek. hat man sich ein vorläufig endgültiges Urteil über sein Gegenüber gebildet! (Erst Blicken,
dann sprechen! RATSAM: „Plus-Mann“ suchen, der am Stoff Interesse hat, um diesen positiven Kontakt automatisch auf Andere
zu übertragen!)
 Körperstellung vor der Klasse (Vermeiden: Unruhiges Hin- und Hergehen; Während des Platzwechsels den Blickkontakt
verstärken!)
o ACHTUNG: Nicht während des Sprechens nach hinten ins Klassenzimmer gehen!

 Körperhaltung (Freies Stehen ist Signal der Interaktion; Dominanzgebärden verbreiten Unsicherheit und Ablehnung)
 Proxemisches Verhalten vor der Klasse = Annäherung an einzelne Schüler (Vermeiden der pädagogischen Unsitte: Von
hinten anschleichen; Nicht vor den Schülern aufbauen, sondern gleiche Blickhöhe einhalten – in die Knie gehen, Niederbeugen)
 Kleidung und Pünktlichkeit (Kleidung ist Ausdruck der persönlichen Identität; erwarten Sie Pünktlichkeit und leben Sie
dies vor!)

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