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Die frühen Jahre der SS Elite oder Schlächter? 0rganisator des Terrors
Wie der Schlägertrupp So schlug sich die Waffen-SS Wie Heinrich Himmler die SS-
zur NS-EIite mutierte in den frühen Feldzügen Verbände zur Armee ausbaute
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.'.en a1s nationalsozialistische Armee. Der merhin a1s nationalsozialistische Elite schlagen. Aul3erdem litt die bewaffnete SS
enst bei der SS spiegelte dementsprechend schlechthin verstand, zogen es vor, ihre aufgrund ihrer raschen Expansion unter
:ht automatisch eine besonders system- Wehrpflicht bei der Wehrmacht abzuleisten. chronischem Führer- und Unterführerman-
iLre politische Einstellung wider. Das zeigte Für Männer, die eine Offizierslaulbahn gel. lnsofern bot die SS für viele einen dop-
-h etwa daran, dass sich nur verhältnis- anstrebten, stellten die bewaffneten SS-Ver- pelten Anreiz: Man brauchte kein Abitur
.i13ig wenige Mitglieder der Allgemeinen bände indes eine interessante Alternative zur und hatte dennoch rasche und gute Karrie-
: freiwillig zur Waffen-SS meldeten. Die Wehrmacht dar. Denn im Cegensatz zum rechancen. So wechselten in den 1930er-Jah-
-.isten Angehörigen der Allgemeinen be- Heer konnte man bei der SS bereits vor dem ren beispielsr,r,eise viele Unteroffiziere der
:irungsweise ,,Schwarzen SS", die sich im- Krieg die Führerlaufbahn ohne Abitur eln- Reichswehr und Wehrmacht, die ihre zwölf-
jährige Dienstpflicht abgeleistet hatten, zur
SS-Verfügungstruppe. In etlichen Fällen
nahm die SS auch solche Männer als Führer-
nachwuchs an, die sich bei der Wehrmacht
für die Offizierslaufbahn beworben hatten,
aber abgelehnt worden \varen.

Erziehung zur Gewalt


Nicht nur Führern, sondern auch Unterfüh-

Copyright
rern und Mannschaften versprach der Dienst
in den bewaffneten SS-Verbänden soziale
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IrI und berufliche Aufstiegschancen. Mancher
It junge Deutsche fand durch seinen Beitritt
sogar einen Ausweg aus der Arbeits- oder
i. beruflichen Perspektivlosigkeit.
Nach dem Beginn cles Zweiten Weltkriegs
kam ein rveiteres wichtiges Motiv dazu: Vie-
le Jugendliche hatte man dazu erzogen, sich

#ffi AUF DER SUCHE NACH NACHWUGHS: Die


Waffen-SS vvarb auch Ausländer an, links ein
niederländischer Bewerber, unten potenziel-
le Rekruten der französischen Legion, die im
)uli L944 mit der Waffen-SS verschmolz
Foto: ub/Süddeutsche Zeitung Photo/Scherl (2); p a/akg images
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Kampf um den Nachwuchs

,,Leibstandarte" abgelehnt hatte, entschie- mehrheitlich aus nationalsozialistisch gefes-


den sich oft dafür, trotzdem zur Waffen-SS tigten SS-Männern bestand. Außenseiter fie-
zu gehen, wobei die SS-Werber nicht selten 1en auf, wie ein Schreiben von Paul Hausser
nachhalfen, indem sie bessere Bedingungen vom 15. März 1943 an Himmler belegt. Darin
'-'$ als beim Heer versprachen oder sogar psy- berichtete Hausser über einen vom F{eer zur
Copyright chischen Druck ausübten. Waffen-SS kommandierten Generalstabsoffi-
,§. Die anderen Formationen der Waffen-SS zier, der den Wunsch geäußert hatte, zum
stellten bei Weitem nicht so hohe Anforderun- Heer zurückversetzt zu werden. Er sei, so
gen wie die ,,Leibstandarte". Angehörige der Hausser, trotz aller Bemühungen den Grund-
j SS-Verfügungstruppe mussten nur 1,70 Meter sätzen und Zielen der SS fremd geblieben.
groß sein, die SS-Totenkopfverbände nah- Während man die physischen Auswahl-
men mitunter noch kleinere Männer an. Bei schranken im Verlauf des Krieges immer
der SS-Division ,,Totenkopf" lag die Alters-
höchstgrenze Anfang 1940 zudem bei 26,
nicht bei 22Jahren wie bei der ,,Leibstandar-
te" und der SS-Verfügungstruppe. Da die
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junge Waffen-SS zudem generell als Alterna-
tive zum eher konservativen und konventio- Der Reichsarbeitsdienst (seit 1935) war
nellen Heer galt, blieb ihre Attraktivität groß. eine zunächst sechsmonatige Arbeits-
pflicht (Ernteeinsätze etc.), die für alle
Himmlers Kulturkampf jungen Deutschen glalt. Das Ziel, die kol-
Etliche junge Männer gaben später an, sich lektive ldentität zu stärken, trat während
nur zur Waffen-SS gemeldet zu haben, um des Krieges zugunsten einer vormilitäri-
dem ungeliebten Reichsarbeitsdienst zu ent- schen Ausbildung in den Hintergrund.
gehen. Denn SS-Bewerber mussten diesen ab
Sommer 1940 nicht mehr ableisten. weiter herabsetzte, betonte die SS bis zttletzt
Himmlers Ideale und sein Germanenkult unbeirrt ihren ideologischen Elitecharakter.
wirkten demgegenüber mitunter abstoßend. Dabei spielte weniger die weltanschauliche
Das,,Klima aggressiver Antichristiichkeit" Schulung eine Rolle a1s der Vorbildcharakter,
(Bernd Wegner) bei der SS verstörte etliche den alte SS-Führer gegenüber jüngeren Sol-
Soldaten, die in christlichen Elternhäusern daten ausstrahlten. Dennoch wollte Himmler
sozialisiert worden waren. Viele Einheiten bei Weitem nicht sämtliche SS-Männer in alle
forderten ihre Rekruten auf, aus der Kirche seine Ziele einweihen. So ist es keineswegs
auszutreten. Dennoch entsprach es nur ei- nur eine Schutzbehauptung der Nachkriegs-
nem Wunschdenken, als Hitler am 13. De- zeit, dass viele SS-Angehörige nicht wussten,
zember 1941 in kleinem Kreis behauptete: an welch ungeheuren Verbrechen die Waffen-
,,Ich habe sechs SS-Divisionen, die vol1stän- SS beteiligt war. Himmler sagte beispielswei-
dig kirchenlos sind und die doch mit der se am 23. November 1942 in einer Rede rror
größten Seelenruhe sterben. " SS-Junkern in Bad fülz, die Juden seien beim
POL|flSCHER S]AIT MILTTARISCHEN In Wirklichkeit war die Waffen-SS zu kei- Arbeitseinsatz im Osten. Bei einer anderen
GRUSS: Rekruten der,,Leibstandarte" ner Zert,,vollständig kirchenlos". In vielen Gelegenheit belog er Führer der 17. SS-Divi-
uben im November 1938 auf dem Exerzier- Einheiten kümmerten sich die Führer nicht sion ,,Götz von Berlichingen" und behaupte-
feld in Berlin-Lichterfelde den Hitlergruß darum, ob ihre Männer noch einer der christ- te, dieKZ seien nur Arbeitslager.
Foto: ullstein bild/Süddeutsche Zeitung Photo/Scherl lichen Glaubensgemeinschaften angehörten
oder nicht. Und auch die christlichen Tradi- Vielfältige Motive
'r-irs Militär und den Krieg zu begeistern, so- tionen konnte die Führung nicht vollständig Deri SS-Mann gab es also nicht. Die Waffen-SS
kaum erwarten konnten, Soldat
-:ass sie es verdrängen. Heinrich Himmler und andere zeichnete sich vielmehr durch eine enorme
:u werden. Die Angst, etwas zu verpassen SS-Führer waren zwar bemüht, sie durch ger- Heterogenität aus, was nicht zuletzt Doku-
,der zu spät zu kommen, bewog zahlreiche manische Bräuche zu ersetzen. Nichtsdesto- mente aus der Kriegszeit belegen. Ferner be-
'.rnge Männer zum Eintritt in die Waffen-SS. trotz feierten manche Verbände etwa weiter- fragte man ehemalige Angehörige nach dem
lenn im Gegensatz zur Wehrmacht rekru- hin den ,,Heillgen Abend" und das ,,Weih- Krieg über ihre Motive. Dabei zeigte sich,
:ierte die Waffen-SS Jugendliche bereits ab nachtsfest" anstelle des ,,Julfests", so die dass es selbst unter den Freiwilligen neben
:inem Alter von 17 Jahren. Division ,,Das Reich". Deren stellvertreten- 1O5-prozentigen Nazis und militärischen En-
Viele junge Männer reizte zudem die Aus- der Kommandeur SS-Brigadeführer Karl thusiasten auch Opportunisten, Mitläufer
.icht, der,,Garde des Führers" anzugehören. Brenner sandte den Divisionsangehörigen und unfreiwillige ,,Freiwillige" gab, welche
)abei wirkte die ,,Leibstandarte SS Adolf am 23. Dezember l942,,herzliche Grüße und die ,,Ideale" des NS-Regimes keineswegs so
litler" mit ihren anfänglich strengen Ausle- Wünsche zum Weihnachtsfest". verinnerlicht hatten, r.t ie es sich Himmler und
.ekriterien besonders attraktiv: 1940 nahm Tiotz solcher Einzelbeispiele der Nonkon- andere SS-Führer gewünscht hätten. I
-rie ,,Leibstandarte" nur Bewerber an, die formität kann kein Zweifel bestehen, dass es
rrvischen 17 und 22Jahre alt, mindestens überzeugte Nationalsozialisten gewesen
Dr. Romanföppel ist Historiker in München und forscht
,80 Meter groß waren und keine körperli- sind, die die bewaffnete SS gegründet und
zur Waffen-Ss, ostfront 1943 und Ns-ldeologie.
-hen Mänge1 aufwiesen. Interessierte, die die aufgebaut hatten, und dass das Führerkorps

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